POM 13

ukr.de

POM 13

aus Berlin, 1995

Zeitschrift für PatientenOrientierte Medizinerinnenausbildung


mpressum

^

ROM 13

Zeitschrift für Patientenorientieite

Medizineilnnencusbiidung

Berlin 1995

Verlag:

Mabuse- Verlag GmbH, Kasseler

Strosse l a, 60486 Frankfurt/M

Herausgeber.

Anamnesegruppender Universitäten

in Berlin

Redaktion;

Annette Stelzer, Sonja Wetzel,

Stefanie Beck, Karsien Häffner,

Jörg Krüger, Tobias Dietel

Anschrift:

ROM 13 c/o A. Stelzer, Weinbergs

weg 3 10119 Berlin

V.i.S.d.P.:

Sonja Wetzel, Lynarsir. 5

13353 Berlin

Anzeigen.

Sonja Wetzel. Tobias Dietel

Layout:

Stefanie, Karsten u.d.R.

Autlage: 1001 Exemplare

Erscheinungsweise:

jährlich mit wechselnder Redaktion

Druck:

(Jjy

F. M Druck GmbH Korben

ISBN: 3-929106-13-2

Vorwort

Liebe Leute,

es ist Sonntag Nacht, der Kaffee ist alle und wir, wir sind fertigmitPOM

13.

Diesmal kommt sie aus Berlin, Hauptstadt, Großstadt, geteilte und dann

vereinigte Stadt. Die Mauer hat im November ihren sechsten Todestag,

doch hier und heute stößt der Empfindsame wieder auf Barrieren und

Gräben, die trennen und zugleich neue Zusammenhänge schaffen. So

könnt ihr in dieser Ausgabe etwas über Obdachlose auf der einen und

Mediziner/innen auf der anderen Seite und die Probleme des gemeinsamen

Umganges erfahren.

Nein! Wir müssen kein lockeres Vorwort schreiben, es geht einfach um die

Formulierung. Also was jetzt Selbst das ist zu schwülstig! Was willst Du Ein

lustiges Vorwort. So/l es eventuell noch einen Sinn haben Ich geh eine Rauchen,

sagt der Nichtraucher, der weiß garnicht wie das geht, sagt, die Raucher/n.

Was ist mit Obdachlosigkeit, warum in POM Trennung, Mauer. Empfindsamkeit

und überhaupt. Struklur Wer jetzt Was wird wohl Annette dazu

sagen Oh! Oh! CV/Basta!

Was hat das mit Anamnese zu tun Überhaupt nichts, außer, daß wir

dieses unübersehbare Phänomen dieser Stadt aufgenommen haben, um

es in unserem studentischen Alltag im Kleinen wiederzufinden. In der

Trennung von Körper und Seele, in den Fronten zwischen Prof. und Studi,

in der Spaltung von Gefühl und Verstand, Ebenso die Ausgrenzung, in

unserem Falle der unliebsamen Themen Aggression, Angst, Ekel und

Lust in der Patientenbeziehung. Daß wir damit ein Tabu angesprochen haben, wurde

uns richtig klar, als wir uns auf die Suche nach Beiträgen zu diesem Punkt

machten. Unsere Rundbriefe verhallten ungehört in der weiten Anamneslerlandschaft.

Dafür kamen zahlreiche andere Beiträge, angefangen von Anamnesegruppenberichten

bis zu einer Fortsetzung des Organodrama und natürlich viel über das vergangene

25. Maitreffen in Marburg. Für jeden, ob neu oder übriggeblieben, ist etwas dabei,

außer für Perfektionisten: Zum Schluß mußte alles etwas schneller gehen,

denn die Redakteure wurden zum Teil vom Staatsexamen überrascht

... .

Das hört sich jetzt an wie Werbung für einen Erlebnispark, seht selbst.

Als Spezial haben wir unter diesem Zeichen

Spiele in die Texte eingebaut, die uns so aus unserer Anamnesegruppenaufwämierfahrung

bekannt sind. Weitere Spielideen an die nächste POM-Redaktion.

Viel Spaß!

Annette, Sonja, Stefanie, Jörg, Karsten, Toblas


Inhaltsverzeichnis

Danksagung

Wir danken

Allen Autoren für die Beiträge

Der Fachschaftsinitiative der Charite'für die freundliche

Beherbergung und technische Unterstützung

Den Geldgebern

Ulmann-M. Hakert für die kostenlose Überlassung des Tietelbildes

Hunni, Papa als Mitarbeiter der Obdachlosenzeitung MOB für die

Überlassung der Gedichte (auch ohne Kohle)

Marko, Kerstin und Helmut für die geduldige Unterstützung in

Computerfragen

(gilt nur für die C.-neulinge in der Redaktion)

Matthias für Photos

und allen, die wir in diesem Moment vergessen haben.

Wir über uns

Anamnesegruppen, was ist das eigentlich

Als Gast in einer Anamnesegruppe

Anamnesis G. Todtmoos Wald

OrganoDrama

Ananuiesegruppeiiiibschliißbericht

TutorlnnentraininginGraz

Anamnesegrupperi imd kein Ende

Arbeitskreis "Netzwerk" der Anamnesegruppen

Obdachlosigkeit

DasBerbertreäen, (Gedicht

Gesund auch ohne Krankenschein

OlmeObdacli, Gedicht

"Was macht ihr, vvenmhr krank werdet 11 , Umfrage

Marburg, Arbeitsgruppen

Frauen, Angst und Aggression m der Medizin

Bewegungstherapie in der Psychiatrie

Saluto genese

Balintgmppe

" Vom k i ndlichen Arztbüd zum Arztsen i in der 1 Realität"

Homöopatlik

Trance l )ance

Alternative Lehr- und Lernformen

"Hey teacher, leave us kids alone!"

"Leitihden zur Studienretbrm in Human- und Zahnmedizin"

Rezension

"Reform der Ärzteausbildung", Rezension

Famulatur in Bern

"Intuitive Medizin", Rezension

2

3

5

9

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15

22

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45

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M

58

61

62

65

G9


fftl

Medizintheorie

wir über uns

Die Wartburggespräche

Das 3. Wartburggespräch

Salutogenese - oder: Wie entsteht Gesundheit

Theorie der Humanmedizin

74

82

87

90

Beziehungen in der Medizin

Sympathie, Lust und Körperlichkeit in der Student-Patienten Beziehung Ü4

Betreuung einer clironisch Kranken 99

Wo führen Beziehungen zu Patientinnen lim

aus:MedmntheoriefurAnamnesegn-ippen 101

News

"Eine erstklassige Begräbnisfeier"

Pixjjekttutonum an der FU Berlin

Wie holt man die Kohlen aus dem Keller

"Von der Zukunft umzingelt", Rezension

"Rette mich, wer kann", Rezension

PJ in'lVansinuralien

Adressenliste

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Anamnesegruppen, was ist das

eigentlich

Als Gast in einer Anamnesegruppe

Dieser Artikel ist H'ir diejenigen von Euch

gedacht, die noch nichts über Anamnesearbeit

wissen und vielleicht durch Zufall

an die POM geraten sind.

Anainnesegruppen sind eine seit ca. 25

Jalirenbestehende studentische Initiative,

die sich mit dem Erstgespräch zwischen

Patient/in und Student/in beiaßt.

Sulch eino Gruppe besteht aus ca. zelui

Teilnehmenden und zwei studentischen

Tutoren, die sich einmal pro Woche auf

einer Station treuen. Eine Sitzung dauert

meistens drei Stunden. Zunächst fuhrt

einer der Teilnehmenden im Beisein der

Gruppe ein Gespräch mit einem Patienten;

am Ende verläßt der Patient den

Raum und es schließt sich ein Nachgespräch

an, wo von der Gruppe selbst

gewählte Themen bezüglich der gefuhrten

Anamnese diskutiert werden; [läufige

Themen sind Interaktion, Situauoi i des

Patienten, Uingangm.it seiner Krankheit,

Unsicherheiten beiin Befragenden und

letztlich eigene Ängste, Grenzen und

Tabuthemen. Diel^tintiTihabendieAiif

gäbe, diese Diskussion au leiten bzw.

weiterfülirende Fragen zu stellen, sie

schaffenden äußere n Rahmen und sind

turdenorgaiiLsatonschen Abiaul' verantwortlich.

Häufig scloließt sich am Ende

ein gemütlicher Teil an.

Anamncsegruppen bieten also die

Mögliclikeit, sich selbst bzw. seine eigenen

Vorstellungen von einem ärztlid lun

Erstgespräch auszuprobieren, ineiiiem

angenehmen Rahmen frei vom universitären

LeisUuigsstress.

Eii ie AI lamnesegruppe ist weder eine

„Psychogruppü" noch ein diä'erentialdiagrx

istisches Kolloquium; Selbste rtahrung

genau wie fachliche Diskussionen

sind möglich, aber nicht obligatorisch.

Welche Schwerpunkte gesetzt werden,

hangt ausschließlich von den Teilnehmern

ab.

Vor allem macht es einfach Spaß mit

anderen Studierenden zusammen zu arbeiten;

es ist schön zu sehen, wie vertraut

und offen der Umgang nacheinem

Semester werden kann.

Vielleicht noch ein Wort zu den Tutoren

- j edes Jahr gibt es in verschiedenen

deutschen Städtensogenannte Tutorentramings,

wo sich AnamnesegruppenteilnclimerinderTutorenrolle

üben können

und außerdem bestimmte thematische

Einheiten (z.B. Tod und Sterben,

Sexualai lamnese etc.) bearbeitet werden,

Angeboten werden diese Trainings von

Studenten mit Tutorenerfjihrmig. Während

des Semesters werden die Tutoren

in Form einer SupervLsion lietreut,

Vielleicht hast Du ja beim Lesender

POM auch i-ust bekommen, an einer

Gruppe teilzunehmen Viel Spaß!!

" Der nächste bitte!' 7 "Guten Tag nehmen

Sie Platz. Wo haben Sie denn

Schmerzen Ali ja SGeine AmalgamfriUung;

na imd der Weisheitszahn müßte

ja auch raus. Schwester bereiten sie

bitte alles vor."

So oder ähnlich kennen wir alle den

Besuch beim Zahnarzt.

Ich bin Zahmnedizin-studentin im 7.

Semester und habe im G. Semester eine

Anamnesegruppe an der FU Berlin besucht.

Warum

Durch eine Vorliesung über Psychologie

und Psychosomatik in der Zahnmedizin

begann bei mir ein sich Auseü landersetzen

mit der Problematik Anamnese

in der Zahnmedizin. Mit der Privatdozentm

Frau Dr. Kluge, die an unserer

l Ini eine Spezialsprechstim.de für Psychosomatische

Erkrankungen inderZahnmedizmdwdijulirt

ergab sididaraus der

Ansatz für eine Dissertation.

Die Theorie der Anamnese, vermittelt im

klinischen Fach Innere Medizin, war äußerst

praxisfern die Vorstellung voi i Patienten

mit ausiulirlicher Anamnese in

allen klinischen Fächern viel zu selten

und der Kontakt mit eigenen Patienten

beginnt in meinem Studiengang erst im

7. Semester. Das heilftmemepraktischen

EiüihrungeriimErstelleneinerArianinese

waren zu diesem Zeitpunkt gleich

Null, So entschloß ich mich einen Fra tnd

(er ist Tutor einer Anamnesegruppe) zu

fragen, ob ich mir nicht ansehen kötu ite,

wie eine Anamnese und deren Besprecl

lu ng in der' G ruppe abläuft. Mit Zustim -

mung der Gmppe begab ich m ich am folgenden

Dienstagabend ins Klinikum

Rudolph Virchow. Nicht ohne mich vorher

eiiigehend mit der 1 Theorie befaßt zu

haben ("Praxis und Tlieorie der Anamnese"

von Rolf Adler).

Nach einer kurzen Vorstellung wer ich

bin und was ich möchte (nämlich einfach

nur zuhören ) geht's los. Die räumlichen

Bedingungen sinddürftig, ein Warteraum

in dem auch noch mehrmals gestört wird

Icl i empfinde Hochachtung vor der Patientin,

die bereit ist einer Gruppe von 8

jungenLtJuton ihre Krjuiken- lind Lebensgeschichte

zu erzählen. Gut finde ich, daß

einer die Rolle des Arztes übernimmt und

das Gespräch fuhrt, die anderen nur stumme

Ziüiörer sind. Irgendwann beginnt

mich das Gespräch zu fesseln, im Kopf

beginnt ein Ordnen und Kombinieren der

Informationen. Immer wieder fällt mir

auf, das der "Fragende" plötzlich in einer-

ganz anderen Richtung weiter fragt,

anders als sich der Weg in meinem Kopf

abzeichnet. Also zurück und wieder ganz

zuhören, ihm folgen, das Fragezeichen

im Kopfstehenlassen.

So vergehl last eine Sunde Gespräch

Darach Verabschiedung der Patientin.

Dann gibt es den Blitz (ich glaube es

wurde so genannt ). Jeder soll spontan

-3-


Gast

seine Empfindung äußern. Es wirkt auf

mich zwanghaft, aber ich weiß, daß es

sehr schwer ist in 2 oder 3 Worten zu

sagen, was man in dem Augenblick gerade

empfindet. Die anschließende Diskussion

empfinde ich als den eigentlichen

Lerneflfekt des Abends. Mir wird bewußt

in wie viele Richtungen Deutungen des

Gesagten möglich sind. Ich erkenne, wie

stark meine Auslegung der Informationen

von meiner eigenen Persönlichkeit

beeinflußt ist. Sich durch die Gedanken

der anderen in Richtungen zu bewegen,

die einem selbst fremd geblieben wären,

ist spannend und erweitert die eigene

Gedankenbreite. Ich glaube dieser Austausch

ist das Wichtigste in der Gruppe.

Nach der Verabschiedung fühle ich mich

nach einem 8h-Umtag und 3h in der

Gruppe ziemlich breit. Ich hatte das

Gefühl,daß irgend etwas gefehlt hat.

Der Austausch der Empfindungen und

Gedanken war prima, es gab auch ein

Aufgreifei i von Hemmungen und Klären

von Spannungen im Gesprach, was aber

fehlte war meiner Meinung nach ein Auswerten

der Technik, der Bezug zur Theorie.

Es lag sicher daran, daß ich zwei

Abende zuvor sehr intensiv Rolf Adler

gelesen hatte und die Theorie mir noch

so gegenwärtig war. Ich glaube es ist

wichtig, sich bei der Auswertung in der

Gruppe auch auf die Theorie zu beziehen

(z,B. die sieben Dimensionen des

jetzigen I^idens) und Fehler zu kritisieren.

Aber vielleicht war das ja auch nur

an diesem Abend untergegangen. Ich

möchte mich jedenfalls bedanken, daß

«ine Teilnalime möglich war, und ich einenerstet

i Einblick in die Praxis der Anamnese

bekam.

^ Spiel.

Streichholzspiel, die Gruppe teilt sich in „Verstecker" und „Sucher". Die

Verstecker bekommen je drei Streichhölzer, die sie an sich verstecken müssen,

daß gerade noch ein Stück,vielleicht der Kopf, sichtbar ist Die Sucher müssen

ohne zu berühren, nur mit Blicken die Hölzer ausfindig machen

Anamnesis G. im Todtmoos Wald

Ein altes Anamnese-Gruppen Märchen neu erzählt 1 :

von Gabi, Gudrun, Meike, Muna, Kirsten, Jan-Hendrik und Axel

Wir brauchen Mitspieler:

l . ein Drehbuch (Minimalkatalog),

2. ein theoretisches Gespräch,

3. ein Rollenspiel,

4. einen dramatischen Organismus,

5. einen Horror-afternoon,

G. Tod & Sterben und

7. eine Fete.

l . Die Idee zu eil lern Minimal katalog der Ananme-segruppe entstand ui einem Gespräch

im Oktober 'Ü4 mit Prof. Uexkiül. Prof. Adler und Freiburger Studenten

über unterscluedliche Konzepte der Aniim nesegruppeimrbeit und durch die grüße

Nachfrage an AI lamnesogn ippen Aniang de.s Wintersemesters.

SL'itJ H J ntstehen der AI laimiese^ruppeiun acht n siel UH tilge, gleidiwain als Grunclbedi.u'nik,,J;--üir

für dalii 1 , gerade auch im I'( )M (der Zeitschrift der Bewegung), kluge

( lüdanken zu diesem Thema: "Was will ich eigentlich dmt und damit erreichen"

Wir wollten einen i ninüuuleiMnfarigaiHÜest;i n Wcx;lK j Jiyndc; zu eüiem Leitfäden

zusani mengestellt aus oft m aximalen 1 1 torJegungen, machen, der als "roter Faden"

dienen konnte.

Erwaitungen an die einzelnen Teilnelunur, die Gruppe, die Anamnese und den Patienten

wurden angesprochen: dies sind fJnuidbedürfiiLssc wie Sensibiüsiemng fiir

den Patienten


at Anamnesis

G. im Todtmoos Wald

2. ElMede K wartet schon den ganzen Tag darauf, daß ihr Mann von der Arbeit

heimkommt sie hat den Tisch schön gedeckt und etwas Leckeres gekocht. Nun, der

Abend nimmt seinen Lauf, beide sitzen gemütlich am Tisch, als Werner K plötzlich

fragt: "Was ist denn das Grüne da in der Suppe" Tja, was hat er mit dieser

Frage wohl sagen wollen Vor allem, wie hat er die Frage wohl gestellt Interessiert

Verärgert Wie reagiert Elfi'iede K Ob sie ihren Mann Werner richtig versteht

Hier einige Losungsmöglichkeiten;

(A) "Was ist denn das Grüne da in der Suppe'' (interessiert)

- "Erbsen, mein Liebling!"

- "Wieso Schmeckt das Essen nicht - Ich habe den ganzen Abend gewartet.,."

feereizt}

- "Du redest mit mir nur noch, wenn dir was nicht paßt." (heulend)

- "Soll ich dir was Rotes rcintun"

(B)" Was ist denn das Grüne da in der Suppe" (verärgert)

- "Immer hast du etwas, woran du minnörgeln kannst."

- "Geh* doch demnächst in die Kantine."

- "ßrokkoli, wieso' (ruhig)

Es bleibt zu überlegen, welche Art der Antwort oder der Frage, das Gesprächzwischen

den beiden fördert oder killt... Verstehen und Mißverstehen bedeutet meist

eine Gratwanderung im zwischenmensclilicheü Gespräch.

"Ach. was, alles graue Tfieorie.'Ran an den Spack, dar Oherstudienrat wartet -

und er wartet nicht gerne."

3. Die Ausgangsituation beim Rollenspiel:

Dr. X soll Pat. Y aufnehmen. Dieser wurde vor einigen Stunden mit Herzinsuffizienz

in die Klinik eingeliefert. Beim Betreten des Zimmers ergießt sich einempörter

Redeschwall über Dr, X; er sein verspätet etc.. Dr. X versucht anfänglich gegenüber

den vielen überheblichen Fragen des Pat. Y Ruhe zu bewahren, kommt jedoch

nicht zu Wort. Pat. Y regt sich in aller Breite über das Verhalten seiner im Urlaub

weilenden Frau und die Nachbarn auf; niemand hätte von ilim Notiz genommen, so

daß er vier Stunden mit seinen Beschwerden alluine gelassen wurde, bis er endlich

selber den Notarzt rief Dr. X wird zunehmend

unruhig, sieht auf die Uhr und

versucht ein letztes mal völlig entnervt

und aggressiv das (tespräch an sich /AI

roiltea Esfolgt einemfxjrter Redeschwall

von Pat. Y und Dr. X bricht das Gespräch

abrupt ab...

Im Nadigfcspräeh winde dann deutlich,

wie sich X und Y in ihren Aggressionen

-6-

Anarnnesis G. Im Todtmoos Wald

gegenseitig verstärkten und es nicht gelang eine gemeinsame Ebene zu finden. Wir

fragten uns wie das hätte gelingen können Hätte Dr. X die Aggressionen von Pat.

Y direkt ansprechen sollen und so das Hochkommen der eigenen verhindert Eines

wurde klar, Pat . Y fühlte sich in seiner ungeheu ren Wichtigkeit gekränkt und begann

sich zu rächen...

Am nächsten morgen in BILD: "Dr. X hat keine Zeit Patient Y liegt 4 Stunden am

Boden."

(und die Moral von der Geschieht, lese bloß die Bildzeitung nicht.)

Drama sein, immer durch Asthma uns Bell gefesselt zu sein. ""Laß'das Reden,

spiele ihnm Atem."

4. Der Atem schrie. "Ich will raus", während die Hand nur noch auf den Klingelknopf

drückte. Doch "keine Schwester in Sicht", bemerkten die Augen und meldeten

dies dem Kopf Dieser nahm keine Notiz davon, weil der Atem ihn zu sehr

bedrängte. "Keiner streichelt mich" regte sich die schrumpelige Haut. Und auch die

Hand am Ende des lahmen Armes kam sich sehr überflüssig vor.

Diese etwas andere Darstellung des Fallbeispieles von Frau K. schaffte uns neue

Einblicke in das Befinden und die Gefühle der Patientin. Frau K. wurde uns von

einem Gruppenmitglied als schwenungängliche, anspruchsvolle, unbeliebte, etwa

8Qjährigo Asthmatikenn vorgestellt, die mit ihrem Klingeln und ihrer Überheblichkeit

das ganze Personal tyrannisierte. Nachdem jeder versucht hatte, sich die Patientin

plastisch vorzustellen, suchte er sich ein Organ, Körperteil oder eme Eigenschaft,

in das oder die er sich hineinversetzen wollte. Das Organodrama-Spiel war

von den spontanen Gefühlen durch die Organe geprägt und von daher für jeden von

uns sehr aufschlußreich: Die Patientin erschien uns nun viel mehr als arme, einsame,

bedauernswerte alte Frau, deren Körper "außer Kontrolle" geraten und die nur

noch auf ihren Atem fixiert ist.

"Wenn Ihr meint, daß ich mich auf so etwas in der Gruppe einlasse, dann ..."

"Hast, Du Dir eigentlich mal überlegt, warum. Du Medizin studierst" "Also ich

finde, der hat das ganz gut gemacht,

war doch ein nettes Gesprach, was will

ich denn überhaupt wisse n ""Nein!

Jetztgeh'doch mal ganz offen mit

Deinen Ängsten um!"

5. Thema des Horrorafternoons waren

Pniblemsituationen in einer Ana rnnesegruppe:

was kann "schiefgehen"

Zunächst fi'üirt ein Gmppenmitglied ein


AnamneMS G. im Tudtmoos Wald

nehmer eine "Stöiü'aktiun" . Sie versuchen die Gruppe vom "rechten" (patientenorientierten)

Weg abzubringen und locken sie auf die verschiedensten Irrptade.

Sehr verlockende Irrwege:

- "Fahrt ins Blaue" - standiges Verallgemeinern fül irt die Diskussion ins Grundsätzliche,

weg vom Patienten.

- eine Teilnehmerin nutzt die Anamnesegruppe als Selbsterfahrungsgruppe; "Ich

liabe immer solche Probleme mit Männern über 40."

-"Ich weiß gar nicht was ihr habt, ich fand das Gespräch eigentlich ganz gut." -

Bagatellisieren kann ein Anzeichen dafür sein, daß Kritik als persönliche verletzend

empfunden wurde.

Fazit: obwohl die Gruppe spätestens nach dem ersten Nachgespräch weiß, daß und

welche Bombenleger am Werk sind, gelingt es diesen immer wieder die Diskussion

zu stören. Viele Situationen haben hohen Wiedererkennungswert

"Horror! Wenn ich. das lese wird mir sterbenselend. "

6. "Welche persönliche Erfahrung hat jeder von uns mit Sterben & Tod gemacht'

In einem vorbereiteten Rollenspiel wurde uns eine mögliche Gesprächssituation

zwischen einer Studentin und Leukämiepatientin vor Augen geführt. Dabei kam vor

allem die Hoffnungslosigkeit und Einsamkeit der Patientin, sowie die Hilflosigkeit

der Studentin gegenüber dem unausgespnxhenen Thema ""begrenzte Lebenszeit"

zum Ausdmck.

Wir suchten nach Mögliclikeiten Arzt & Patient einander, aber auch dem Thema

"Sterben''', im Gespräch näher /u bringen. Dies ist mit Empathie möglich. Genauso

wichtig schien LULS die Fähigkeit mensclüich da zu sein und die Konfrontation mit

dem Sterben eines andeiXzUiMeiisclien, aber auch init luvser-eni eigeiien Tod auszuhalten

und nicht zu verdrängen. Diese notwendige Avwemandersetzungkannmeiner

(Anamnese-) Gruppe geschehen.

"Pfeideget rappel. Linkskurve wid. dann kommt die. Zielgerade. Schweißgebadet

liegen die Beteiligten am Boden, der Vorhang fällt. Ich sagte: der Vorhat ig fällt!

ItLATSC H (Heft zuschlagen).

Nocii.etiunulhebensu'hdi£ müden Ceisteriuui schütteln ihre gedaiJwnschwere

Malme. Der(DLsk-) Jockey treibt sie ein letztes iiialzii. wildester Ef^stase, bis

spät nachts der Clown au.ftti.tt., seine Mütze in den Nacken schiebt und uns in

den Schlaf jongliert.

Ein 7}'aum geht weiter: Freiburger AJ iamn^se Gruppen."

Freiburg, im Januar 1995.

Organo-Drama

Ein Fallbeispiel

im Rahmen eines Hüttcnwochenondea

der Freiburger Anamnesegruppen nutzten

wir die Gelegenheit, um unsere abgewandelte

Form der Anam nesegruppe,

das Organo-Drama 1 wieder auszuprobieren.

Im Organo-Drama flechten wir in die

Anamnesegruppe ein sich frei entfaltendes

Rollenspiel ein, bei dem der Patient

oder die Patientin in der inneren

Beziehungswelt seiner/ihrer Organe,

Körper-midPersönliclikeitsanteile plastisch

erlebt werden kann.

Da die Schneeverwehungen einen

Patiententransport zur Hütte unmöglich

machten, gingen wir wie in den Balint-

Gnippen vor: eine Teilnehmerin (G.)

stellte eine ihrer Patientinnen vor. Diese

Patientin hatte sie m der Funktion einer

Püegesdiulenn kennengelernt Die etwa

80jährige Frau befand sich aufgrund üires

Asthmas auf Station. Möglicherweise

litt sie noch unter anderen Beschwerden,

die aber nicht mehr erinnert wurdet

L Sie fiel durch ihre AnspruchshaltLing

und ihr permanentes Klingeln auf. Das

morgendliche Waschen dauerte etwa

zwei Stunden. G. fühlte sich wie eine

Sklavin, wie eine Sache behandelt, über

die die Patientin verfügte. Regelmäßig

war sie, wenn sie das Zimmer verließ

derart geladen, daß sie sich auf nichts

mein- konzentrieren konnte. Die Patientin

war alleinstehend und bekam ru ir einmal

von Verwandten Besuch, dabei mit

anwesend war ein Notar. Sonst bestand

Kontakt zu einer einzigen anderen älteren

Dame aus dem Wohnheim, in welchem

beide in einer eigenen Wohnung

lebten. Dieser Kontakt wird als oberüächlich

beschrieben.

G. wollte von der Gruppe wissen:

"Wie kann ich der Patientin gerecht werden"

. Eine Studentin des ersten Vorklinischen

Semesters fragte: "Was ist

Asthma'

Nach einer kurzen Phase der Besinnung

in der jeder mit den eigenen Gefülüen

und Phantasien zu der Patientin

Kontakt aufnahm, erhob sich eine Teilnehmerin;

"Ich bin die Hand. Ich muß

irgend etwas festhalten." Sie sucht sich

jemanden, diese stehtaufund antwortet:

"Ich bin der Atem." Die zwei drücken

sich gegenseitig hin und her. Der Atem

ruft: "Ich will liier raus. 1-aßtmich raus.''

Tut gleichzeitig aber alles um in der Hand

zu bleiben, drückt sich mit seinem Rükken

gegen die Hand. Es gesellen sich

Arm, Auge, Kopf und Haut hinzu. Das

Gruppenbild zeigt ein Chaos, daß vom

Atem dominiert wird. Der Kopf irrt umher,

sucht alles zu verändern, doch seine

Ansätze sind nicht von Erfolg gekrönt.

Er wirkt schwach, onenüerungs- und hilflos.

Immer wieder wird er von der Haut,

die vom Atem sehr bedrängt wird, zu

Fülle gerufen, auch die Augen rufen ihn

um Hilfe, doch er geht auf diese Angebote

nicht ein und irrt weiter umher. Arm

und Hand sind verbunden, klingeln dauernd

- doch niemand kommt. Im Spiel

bleibt die Patientin alleine. Deutlich ist

-9-


Orgono-Drama

die Angst und Bedrängiuig der Haut, sie

ist an den Atem gefesselt, beide stulien

Rücken an Rücken und kommen nicht

voneinander los. Die Haut hat die Rolle

der Hand übernommen, indem sie den

Atem festlialt, sie ist aber nicht mehr Herr

über festigten und loslassen.

Wir greifen ein und verändern das Bild

etwas, als ein Angebot für das, was passieren

könnte. Wir legen den Kopf auf

den Boden, unter den Atem und stellen

dessen Fuß in Siegerpose auf den Kopf.

Schweigen. Dann der Atem: "So klein

hättest du dich nicht machen müssen."

Der Kopf sucht aufzustehen, Verbündete

findet er in Hand und Arm, die ilim

wieder aufdie Füße helfen. Kopf und

Atem stehen sich gegenüber. Die Spannung

ist zum zerreißen: Aggression,

Machtkampf. Der Kopf weicht zurück,

wird von den Augen in Beschlag genommen,

die ümdie Haut sehenlassen; ''Sieh

sie dir an!" Haut: "Sieh mich an, wie ich

bin, zerschrumpelt, alt." DerKupf: "Das

war schon immer so.", versucht y.u bagatellisieren.

Augen "Sieh sie dir an 1 1 )as

war nicht immer so." Haut: "Du Inst midi

nie richtig angesehen. Das hat dich n


ftt

Anamnesegruppe

von Anja Ede und Christian Keim, Berlin

Ort: Auguste- Viktoria-Krankenhaus,

Haus30

Teilnehmer/innen: insgesamt 8,5 Frauen

und 3 Manner (2 aus der Vorklirük, G

aus den 1.-3.klinischen Semestern)

Einfiihrungsabend

Der Einfiihrungsabend gestaltete sich für

Anja etwas chaotisch, weil sie, bedingt

durch ein Mißverständnis, vor der falsclien

Wohnung wartete. Dadurch bekam

sie die Vorstellung der Teilnehmer/innen

nicht mit. Die dadurch entstandenen

Wissenslücken zeigten sich im weiteren

Verlauf als Manko bei der Beurteilung

der TeUnehineiVinnen.

Ansonsten war der Abend spannend

und hat Spaß gern acht, die Leute waren

motiviert und aneinander interessiert.

Einige Teilner/innen waren etwas enttäuscht,

auf eine Innere Station zi i gel len,

sie wären lieber in dieNeurologie gegangen.

Gruppeiiverlauf

Die Zusammenarbeit mit den Stationen

war gut, die Arzte waren hilfsbereit, unkompliziert

und freundlich; sie ließen sich

sogar /um Auswahlen von Patienten bei

der Visite stören. Die TeilneInner/innen

kamen kontinuierlicli, abgesehen von liir

uns tolerierbaren Ausfallen. Anfangs

fehlte in wechelnder Besetzung meist

eine Person, gegen Ende des Semester

zur Prüfungszeit auch mal 2 oder 3. Eine

Teilnehmerin verließ uns zur Mitte des

Semesters wegen der Aufnahme einer

Doktorarbeit ganz- Die Atmosphäre in

der Gruppe war für uns Tutoren sehr angenehm

. Das lag vor allem daran, daß

die Teilnehmer/innen sehr aktiv und

diskussionsfreudig waren, ohne sich dabei

in Grabenkämpfen festzufahren. In

den Diskussionen vertraten die einzelnen

Grüpplinge (=Fachterminus für

Ai^amnesegruppenteünehmery innen) ihre

Meinungen oft recht leidenschaftlich.

Zugleich konnten sie aber auch die unterschiedlichen

Standpunkte stehen lassen,

ohne um der Harmonie Willen eii

tei i KOI isuns finden zu müssen. So blieb

die Gruppe im Fluß, ohne daß wir viel

Kneipe liineinsteckenrmißten.

TliemenverlRuf

Zu Anfang waren die Teilnehmer/innen

ganz mit ihrer eigenen Unsicherheit besel

L ilÜgt. Diese t Iiisicherheit entstand für

uns aus verscliiedenen G runden: Einerseits

hatten die Grüpplinge wenig Vorc-rfahnmg

mit Patientenkontakt und

Anamnuseerhebung, sie wußten nicht,

was auf sie zukommen wurde. Zu dieser

l Jnerfhhrehheit kam ein diffuses Gefühl

der Inkompetenz, sie wurde gespeist

duch die Vorstellung, daß es eine ideale,

pcdekteTaihnik der Ammnese fuhrung

gäbe. Nur wenn man diese gelernt habe,

könne man eine gute Anamnese erheben

Hiren eigenen bisher erworbenen Fälligkeiten

trauten sie dagegen wenig.

Mit den ersten Anamnesen erweiterte

sich das Blickfeld erheblich, zu der eigenen

Rolle als Gesprächwfuhrer rückte

der Patient als aktiver Mitgestalter des

Gesprächs in den Vordergrund. Es wurde

deutlich, daß die Patienten mit ihren

Lebengesdiichten, Persönlielikeitenund

Vorstellungen das Gespräch genauso beeinflussen,

wie der/die Interviewer/in

selbst. Im Folgenden stand immer wieder

die Frage im Mittelpunkt: Was will

ich vom Patienten, was will der Patient

von mir Welchen Einfluß haben die jeweiligen

Anliegen auf den Gesprächs -

verlauf

Diese anfänglichen Unsicherheiten

lösten sich auf verschiedene Weise auf.

Die Grüpplinge machten diu Erftihning,

daß die Anamnesen gar nicht so „gefahrlich"

waren, daß eigentlich nichts Schlimmes

dabei passierte. So wurden sie im

Umgang mit den Patientensicherer und

iiatürlicher

Die MitbelruchUuiu des ßeziehungsmolichto

Diskussionen auf

hiedenen Ebenen. Dazu im Folenden

1. Eine Stuciontinfii l ute t 1 ine.'\iiaiime-

A-.'mit ei nein üS-jiüu'i^en tiu-l-drichen Patienten,

von Beruf BV( i-Angc-stelltet 1 .

Der Patient begann das' Besprach sehr

schwungvoll UÜin und sympathisch erfühlte

er etwa tbleendel "leseluchte' Er

sei das erste mal im Krankenhaus und

wäre bisher nie emstl laft krank gewesen,

daher liabe er auch keine Ahnung von

Medizin. Er sei jetzt nur auf Drängen

seiner Frau ins Krankenhaus gegangen.

Er selbst hatte den seit zwei Monaten

bestehenden Schmerzen im Unterbauch

Anamnesegruppe

wenig Bedeutung beigemessen, obwohl

es ihm sein- sclilecht gegangen sei. Seine

Lebensführung scliilderte er als sehr gesund.

Er habe immer sehr viel Gemüse

gegessen und auch ein wenig Sport getrieben,

das sei sehr wichtig. Danach erzählte

er weitschweifig und mit blumigen

Worten Geschichten aus seinem Leben.

Sobald die Intervic wenn versuchte,

genauere Fragen zu Krankheitsverlauf

und Symptomen zu stellen, wurde der

Patient schweigsam und abweisend. Dieses

Verhalten beeinflußte die Interne wenn

dahingehend, daß sie sich wieder den

heiteren Them en zuwandte. Dabei vernachlässigte

sie die klinische Anamnese.

Interessanter Weise war sie sich dieses

Verhaltens während der Anamnese

nicht bewußt. Krst als sie im. Nachgespräch

darauf angesprochen wurde,

erkannte sie, daß sie im Bestreben, eine

angenehme Gesprachsatmosphäre beizubehalten,

den i-uiangcnehmen, aber wichtigen

Themen ausgewichen war. Den

Gmppiingen war außerdem aufgefallen,

daß die angenehme Gesprächsatmosphäre

auch das Nachgespräch zu

beeinflussen scliien.

2. Eine weitere Anamnese fülirte ein

Student m iU'iiuTüfj-jälirigen Patientin.

Die ehemalige Sekretärin hatte eine langelüvmld

u.-iisgt schichte, mit einerseits

vui'scliiedenendmiiiischenßesdiweixien

im Magen-Dann -'l Vakt und andererseits

einem vor 18 Jahren erfolgreich operierten

Schilddrüse nkarzinom. Sie erwähnte

auch, daß sie wegen einer Herzneurose

immer wieder in psychotherapeutischer

Behand lung gewesen sei. Da dies ein

-13-


Anamnesegruppe

Bereich war, der dem Interviewer besonders

am Herzen lag, iialimdas Thema im

Verlauf des Gesprächs einen großen

Raum ein. Der Interviewer zeigte; sich

sehr interessiert bis zu dem Zeitpunkt,

als die Patientin für sich resümierte, daß

sich niir einige Symptome gebessert hätten,

viele Symptome und Schwierigkeiten

aber immer noch bestünden, Hier

brach der Interviewer das Gespräch

ziemlich abrupt ab. Im Nachhinein meinte

er, er habe an der Stelle des Gesprächs

genug gehabt.

Als Reaktion auf das Gespräch zeigten

sich einige Zuhörer sehr deprimiert,

während auf andere das Gespräch eher

a uibauend und motivierend gewirlrt hatte.

Hier wurde im Nachgespräch die grüße

Bedeutung der Psychotherapie für die

einzelnenTeünelimer deutlich. Einige

konnten es kaum ertragen, daß die für

sie zum Königsweg erklärte Psychotherapie

in der Realität etliche Grenzen auiwies.

Für andere war die in der Erzählung

der Patientin deutlich gewordene

Auseinandersetzung mit der eigenen Person

so beeindruckend daß sie sich auch

selbst mtrnsiver mit sid i auseü^uidersetzeri

wollten.

Inder Ausweitung des Gesprächs

wurde offensichtlich, wie sein 1 die eigene

Bewertung und subjektive Bedeutung

dessen, was die Patienten er/ählen, den

Gespräcl is verlauf' beeinflussen.

Resümee

Diese Beispiele erläutern, daß es einige

l jem- und Ai-beitssdiweipLuikte während

dieses Semesters gab. Zum einen wurden

die Vorstellungen und Idealvorstellungen

der Teilnehmer mit Praxis und

Realität konfrontiert. Das führte einerseits

zu Entlastung und Sicherheit im

Umgang mit den Patienten Andererseits

zeigte sich aber auch Frustration und

Verunsicherungdort, wo bei einer starken

Identifikation mit den eigenen Idealen

sich diese in der Realität als nicht

haltbar erwiesen.

Zum anderen erlebten die Teilnehmer,

daß der Verlauf einer Anamnese nicht

allein durch ein perfektes Anamnesesclierna

und Gesprächstechnik beeinflußt

wird. In der Anamnese treffen vielmehr

zwei Meiischenaidemaiider, welche sich

durch ihre jeweiligen PusönUclikeiten mit

all ihren Wünschen Bedürfnissen, Motivationen

Stärken und Schwächen beeinflussen.

Dieser Blickwinkel auf die Anamneseführung

bereitete auch unsTutoren viel

Fieude. Gemeinsam initdenTeilnehmern

liabeii auch wir eimgesdazugelernt,

Daher bedanken wir uns bei den Teilnehmern

für die angenehme Zusammenarbeit.

^ Spiel:

Paarkette. die Gruppe steh! sich in zwei Parieier, gegenüber und faßt sich

an aen Händen, sodaß immer e.ner hineinspringen kam, um dann nach

Lust gescnaukei; oder geworfen zu werden.

Tutorlnnentraining in Graz -

wer, was, wie und warum

Dons überwögen Graz

UiiserTutDrlnnentfiiiningloTstiillisierte

sich eigentlich erst später als solches heraus.

Geplant wareine Woche Fortbildung

ilü' Anainneslerlnnen v. a. aus Graz. Da

sich aber herausstellte, daß es im ganzen

deutsdisprachigenRaiun kein Training

gab.aber -auch von unserer Grazer Seite

her- ein großer Bedarf danach, wollten

wir es als solches ausweiten.

Da es leider (- im nachhinein gesehen

eigentlich Gott-sei-Dank - siehe später)

nicht möglich war, zwei Wochen hintereinander

zu gestalten, entschiedei i wir

uns für die Woche vom 20. -25. November

1994, in der Elisabeth und ich leiteten,

und für die 2. Woche vom 5. -10.

Februar 1995, die Fritz und ich leiteten.

Viel Verwirrung auf allen Seiten - 2

verschiedene Wochen, 2 verscliiedene

Trainerpaare, 2 verschiedene Gruppen

(manche konnten natürlich nicht beide

Male!). Ich machte mich gefaßt auiViel

Dynamik.

Dieet-ste Woche

Und es begann auch alles ziemlich cliaotisch.

Da Elisabeth für ein Jahr in Amerika

ist und nur für diese Woche nach

Osterreich kam, mußte ich die ganze

Organisation alleine übernehmen. Außerdem

hatten wir nicht viel Möglidikeit.

uns inhaltlich zu besprechen. Aber da

vertraute ich auf unsere altbewährte

Teamarbeit - wir hatten ja 3 Jahre gemeinsam

Anamnesegruppen geleitet!

Unser Gnutdkcnizept war Anamnesegruppenmit

Aujßenkreis, spezielle Themen

wie ''Gesprächsführung" und

"Gruppeiiiuhnmg" sowie Näherbringen

verschiedener Methoden in der

Anamnesegruppe wie z.B. Reflecting

team - eine Möglichkeit aus der Familientherapie,

bei der eine kleine Gruppe von

" Zuhörern" über das Geschehen mögliclist

wertfrei reflektiert ohne die einzelnen

direkt anzusprechen (siehe später)

und Gruppensupervisioii. Und natürlich

wollten wir die Dynamik in der Gruppe

und jedes einzelnen besonders beachten

bzw.ebenSelbsterßihmngaufkeinenFall

ausgrenzen.

Wir hatten also nur eine Grundstruktur,

den Rest wollten wir flexibel halten,

was sich als sein 1 wichtig herausstellte,

weil plötzlich ganz andere Dinge in der

Gruppe wichtig sein und die dann nicht

einfach "abgedreht' werden können.

Soiutiag

Das Training beginnt! Aufgeregt gehen

wir gemeinsam in die "Tramina"- ein

Lokal, in das wir unser Kennenlernen

verlegten. Wer wird da kommen Was

wird alles passieren

Schließlich sind es 2 aus Wien, 4 aus

Graz und l sogar aus Deutschland, aus

München. Vier Männer und 3 Frauen -

und wir 2 Traincrinnen dazu - ein tolles

etwa ausgeglichenes Verhältnis. Alle

scheinen sehr interessiert und auch engagiert,

was mir sehr gut gefällt.

Montag


Tuiorlnnentroining in Groz

Da wir viel vorhatten für die Woche

ging's gleich vuli mit Programm los. Der

Vormittag; wai 1 reserviert für Erwartungen,

Zieldefinitionen, Ängste in der

Gruppe und wie wir damit umgehen wollen

Nachmittags hatten wir unsere erste

Anamnese auf der Kinderpsychosomatik

mit einer anorektisdien Patientin. Elisabeth

und ich waren (wie die ganze Woche

) im Außenkreis und brachten im

Nachnachgespräch viel Zündstoff in die

Gruppe in Form von Kritik bzw. Feedback

an den Tutorlnnen und an der Form

derNaclibesprechung.

Weiter ging's! Nach kurzer Pause stießen

wir (die ganze Gruppe) als

"Reflecting team" zu einer bestehenden

AmimiesegiiippezurNachbespi'echung

dazu. Das heißt die G nippe macht normale

Nachbesprechung wie immer, nach

20 Min. wird einmal unterbrochen mr 5

Min., in denen wir als relleeting team unsere

Beobachtungen in Bezug auf Inluüt,

Thematik, Dynamik usw. mitteilen, d;um

geht die Nachbesprechiuig weiter, in der

unsere Anstößt 1 aufgegriffen werden oder

auchniclit. Das Ganze passiert dann noch

einmal und die Gruppe findet ihren eigenen

Schluß mitSchlußbütz. Spannend,

aber auch gefalirlicli daß sich die eigentliche

Ananmesegruppe beobachtet, kontrolliert,

miliverstaiidenfülilt- was leider

hier passiert ist. Es war eben unser

erster Versuch, damit zu arbeiten • nach

langem Nachbesprechen, was schief gelaufen

ist, konnten wir aber auf alle Käue

etwas davonlemen und unsere Sclilüsse

darausziehen.

Dienstag

Nach unserem täglichen Anfangsblitz, zu

schließen, war der Montag doch sehr intensiv

(wir haben immerhin fast bis 23

Uhr- gearbeitet!), da her auch die Gruppe

schon ziemlich zusammengeschweißt

und senwibilisiert.

Vormittags machten wir ein Rollenspiel

zum Thema "Gesprächsfülming",

in dem wir einer Frau aus der Gruppe

die genau definierte Rolle einer schwierigen

Patientin zuteilten. Sie sollte eine

infertile, schüchterne Patientin spielen

und im Nachgespräch im Außenkreis sitzen,

um später Feedback zu geben. Natürlich

kam es in der Nachbesprechung

(Elisabeth und ich saßen als Teilnehmerinne

n m it drin) zu sehr intensiver Auseinandersetzung

mit der Problematik der

Infertilitätbzw. einfach Thema"Mann/

Frau" und Sexualität, was sehr "fruchtbar"

war für alle ToilnchmerTnnea allerdings

für die" Patientin", die draußen saß,

sehr schwierig, nur zuzuhören und "draußen"

zu sein.

Nadimitlag ging's nicht minder intensiv

weiter mit einer 1 Patientin von der

Onkologie mit Brustkrebs. Die Themen

Sexualität, Frau/Mann und aucl iTod sind

unseix-e ständigen Begleiter.

Mittwoch

Am Vormittag geht's weiter mit der nächsten

Anamnese mit Außenkreis • eine

junge solir dicke, .schwangere Frau. Wie

erwartet, geht das "Gruppenthema"

Mann/Krau weiter und die wildesten

Phantasien unserer Männer bezüglich

"Wie hat eine Frau auszuschauen bzw,

wann wird sie als Frau gesehen und wann

nicht" liefern eine Menge Zündstoff für

uns Frauen - mich eingenommen. Ich

kann midi auf meinem Posten im Außenkreis

kaum mehr ruhig halten. Die

Nachnachtx^sprediunglial ten wir \\ieder

in Form eines reflecting team«. D.h. Elisabeth

midicii sprechen gcmeüisainvur

der Gruppe über unsere Beobachtungen,

dann reagiert die Gruppe wieder drauf

usw. - es bringt ziemlich viel Spannung,

wenn nicht direkt auf eine Beobachtung

reagiert werden kann. Ich habe wirklich

gute Erfahrungen damit gemacht, wenn

die Angesprochenen (z.B. die

Tutorlnnen) über die "Kritik", wie auch

immer geartet, zuerst einmal ein bißchen

nachdenken können, bevor sie gleich ins

Rechtfertigen kommen

Nach dem freien Nachmittag (außer

wir natürlich, wir haben Supervision)

sollte unsere Gruppensupervision stattfinden.

Leider klappt das mit dem

Supervisor nicht, obwohl wir ihm dreimal

verzweifelt eine Nachricht auf Band

hinterlassen - wir glauben einfach, eine

Supervision für die Gruppe wäre dringend

nötig, es hat sich schon ziemlich viel

aufgestaut, was nur angerissen ist und

niditausgestandenbzw.wasoifi£ich"ansteht".

So nehmen sich Elisabeth und ich ein

Herz und machen selbst fast drei Stunden

Selbsterfahrung- - Therapie - Supervisiun.

Ich weiß nicht so genau, wie ich

es nennen soll. Wir versuchten einfach,

die l Jinge, die für jede/n einzelne/n durch

die verschiedenen Erlebnisse - Anamnesen.

Hollenspiel usw. - aufgetaucht sind,

anzusprechen.

Ich bin sehr froh darüber, daß dafür,

d.h. eben für jede/n einzelne/n mit der

eigenen Geschichte auch Platz war und

daß Elisabeth und ich auch den geschützten

Rahmen dafür bietenkonnten. Ich war

zwar ziemlich geschlaucht nachher und

fühlte mich etwas überfordert, aber es

war ein gluckliches Müde-Sein.

Donnerstag

Unser Thema heute heißt "schwierige

Gruppe' - und wir machen ein Rollenspiel,

indem wir jeder/m einzelnen eine

ganz bestimmte RoDe zuschreiben, z. B.

der Schweiger, der Psychologisierer, die,

die m it den Tutorlnnen konkurriert, der

, der nur übers Gespräch reden will und

Selbsterfahrung total ablehnt und und

und, Nach den vielen sehr intensiven

Anamnesen und Erfalirungen ist das für

uns alle eine willkommene Abwechslung.

Es gestaltet sich einfach total lustig, weil

jede/r endlich einmal das sein darf, was

er/sie sonst nie darf; nämlich unsensibel

sein Die annenTutorlnnenmeisterndas

trotzdem wirklich hervorragend. Auch

die nachträgliche Diskussion, wie man

eben mit verschiedensten Typen in der

Anamnesegruppe umgehen sollte/könnte

ist sehr interessant und lehrreich.

Nachmittags noch eine sehr intensive

Anamnese mit einem psychiatrischen

Patienten mit Depression. Die Nachbesprechung

wird zur Selbsterfahrung,

wie jede/r von uns mit seiner eigenen

Depression umgeht.

Aber wir liaben noch immer nicht genug

gearbeitet und treffen uns nach nur l

Stunde Pause wieder zum nochmaligen

Reflecting teatn bei unserer "Wilden

Gruppe" - das ist eine ungeleitete fortgeschrittene

Gruppe, bei der jedes Mal

unterschiedliche Tutorlnnen aus der

Gruppe arbeiten. In dieser Gruppe geht

es zu dieser Zeit gerade sehr stark um

Machtpositionen bzw. unterschiedliche

Auffassungen desTutorln-Seins. Ich

glaube, das Beobachten dieser Gruppe

-17-


Tulorlnnentraining in Gtoz

(und auch das Beobachtet-Worden für die

"Wilde Gruppe") war sehr interessant

und hat vielleicht auch für die Gruppe

einiges an Klarheit gebracht, von Außenstehenden

zu hören, wie die das erleben.

FreiUig

Alle sind ziemlich voll mit Eindrücken

und froh, daß es heute zu einem vorläufigen

Abschluß kommt Wir wollen, daß

sich alle noch "etwas mitnehmen" und

dafür die Woche als Film ablaufen lassen,

der an denbeiden wichtigsten Stellen

stoppt. So kann jede/r für sich noch

einmal reflektieren, was war und auch

I Jnauigearbeitetes tritt zum Vorschein

lind kann noch "tertig" gemacht werde n.

Natürlich kann ein Thema nie fertig gemacht

weiden, aber zumindest ii n m er ein

Stück davon-und auch das muß wieder

abgeschlossen werden,

Ja, Freitag Mittag beenden wir diese

Woche und bekommen von den

Teilnehmerinnen sogar noch jede ein

Geschenk, nein eigentlich drei. Ein Bild,

das die Gruppe für jede von uns malt,

Elisabeth einen Stoffhasen und ich einen

Stofttiger und außerdem gemeinsam einen

kleinen Teppich und einen Nußknakker

- es bleibt jeder/m offen, was das

bedeuten soll! Ich zumindest habe mich

wirklich sehr gefreut. Die Woche hat

mich ausgelaugt, sehr viel an Aufmerksamkeit,

Da-Sein, Erfahrung usw. gebraucht

- aber sie hat mir auch enorme

Energien wieder- mitgegeben und es hat

vor allem auch sehr viel Spaß gemacht

Die zweite Woche

So, der erste Streich war vorbei! Viel Zeit

zum Verarbeiten, zum Nachdenken, zum

Ausprobieren für jede/n einzelne/n von

uns bis zum nachstenMal. Ich finde, eine

sehr 1 angenehme Zeit, auch um sich wieder

einzustimmen, um nicht überfordert

zu werden.

Für Fritz und mich auch eine Zeit des

Wieder-Organisierens, desPlanens, was

wir diesmal wollen, was wir nicht mehr

machen oder besser machen wollen als

Elisabeth und ich das erste Malbzw, was

wir unbedingt wieder machen. Ich war

sehr beruhigt vom ersten Mal, daß alles

auch ein zweites Mal gut laufen würde -

Teilnehmerinnen, Intensität, Erfalirung-

Fritz hatte es natürlich ungleich schwerer,

als daß er beim ersten Mal nicht dabei

war, die Leute teilweise nicht kannte,

nicht genau wußte, was alles passiert

warusw,

Die Grundstruktur blieb ungefähr

gleich d.h. Anamnesen mit Außenki-e is,

Gmppensupeivision (diesmal 2 x geplant,

und auch durchgeführt!) Themen wie

"neue Gruppe", Tutorlnnenrolle, und

"Tod und Sterben" als das Thema, das

uns immer wii-der t)egegnet und mit dem

eigentlichjedf/r sich sehr schwer tut,

damit umzugehen. Na gut, dann eben

wieder frisch daraui'los!

Soi \i\tag

Wir begannen wieder mit Kennenlernen

in der "Tramina". Diesmal waren sogar

5 Männer und 3 Krauen, leider nur mehr

ein Mann aus Wien, alles andere

Grazerlnnen - und eben Fntz und ich als

"Elternpaar" - wunderbar!

Montag

Tutorlnnenlraining in Graz

Es war uns wichtig, die 3 "neuen" (es

waren 5 vom ersten Training und 3 neue

dazugekommen) auch gleich initeinzubindea

so verwendeten wir auch diesen

ersten Vormittag für erneute Zieldefim'tionen,

der Frage nach der Motivation

zum Tutorln-Sein und den Ängsten

in der Gruppe, bzw. was das

Schlimmste wäre imiieser Gruppe. Ich

persönlich glaube, daß diese Fragen sehr

wichtig sind, um sich wirklich genau klar

zu werden, was man will. Es hat mir

selbst schon oft geholfen, mich auch intensiver

einzubringen.

Nachmittags begannen wir mit einer

sehr interessanten Anamnese mit einer

Patientin mit Ekzemaherpeticatum bei

Atopie. Derma-Patientlnnen haben immer

eine sehr eigene Persönlichkeit Diese

beeindruckte vor' allem mit ihrem

Schönheitsideal, ihrer Erotik und ihrer

anscheinenden Vorstellung vom "Frau-

Sem'' . Was macht die Erotik einer Frau

mit den Männern, was macht dieses Idealbild

einer 1 Frau mit den Frauen - Sehr

interessante Themen, bei denen es mir

fast wieder leid war, im Außenkreis sitzen

zu"müssen" und nicht mitdiskutieren

zu dürfen. Wir behielten die

Naclmachbesprecluuig in Form eines

Reflecting teams bei, da es auch immer

bei den Teilnehmerinnen gut ankam.

Dem nicht genug, hatten wir noch einen

Tagesordnungspunkt auchalsAuflockerung

gedacht sahen wir uns gemeinsam

eine Sequenz aus dorn Film "Hannah

und ilire Schwestern" von Woody Allen

an, wo er zum Arzt geht und wie dabei

mit ihm umgegangen wird Es war lustig

und spannend zugleich, auch die Diskussion

darüber, was falsch gelaufen ist bzw.

-18-


wie man' s besser machen könnte.

Heute wollen wir vormittags die

Tutorlnnenrolle in den Mittelpunkt stellen.

Es kommen ja immer wieder so diffuse

Aussagen wie "das dai'f man als

Tutor mcht"üder "das muß ein Tutnr

schon können". So lassen wir 2 Klemgruppcn

daran arbeiten, was ein/e Tutor/

in alles darf/nicht darf/muß/soll/kann

usw. In der Großgruppe diskutieren wir

dann noch spezielle Probleme aus, wie

z.B. was mache ichmit Schweigern, was

wenn das Gespräch für die Patientin immöglich,

was wenn sich einer in der

Gruppe ständig in den Mittelpunkt setzt.

Das untermauern wir wieder mit einem

sehr lustvoll aggressiven Rollenspiel -

jede/r darf sich diesmal seine/ihre Rolle

aussuchen - die meisten sind wieder wie

schon in der ersten Woche einmal emiach"uiisuMsibel"-

wirklich lustig!

Nachmittag treffen wir u äs für eine

Anamnese aui'der Onkologie - eine Patientin

mit Brustkrebs - schon wieder!

Wieder ein sein 1 intensiver Nachmittag

mit sein- viel ai igenssenen Themen - Sturbemind'lbd.Frau-Se

in, Sexualität. Sehr

viel Schwere ist in der Gruppe, sein' viel

im Kopf. Ich denke mir , die anschließende

Supuivision wird einiges lösen.

Ja, da war sehr viel an Aggression, ; u i

eigenen Gescliichten - die Supervision

hat, glaub ich. noclunehr aufgerissen

als da sowieso schon war - für Fritz und

m ich die Frage "wie gehen wir damit

um' Ansprechen und schauen, daß jede/

r.sohemigehenkaiiiimitdemGedaiikea

daßetwas unerledigt ist. Aufgeschoben

ist nie) it aufgehoben.

Ein anstrengender Dienstag geht mit

gemeinsamen Gesprächen beim ".Bachwirt"

zu Ende.

MiUuxxh

Der Vormittag ist reserviert für ein neuerliches

Rollenspiel, in dem sich jede/r

zurückversetzen sollte, wie er/sie in der

ersten Anamnesegruppe war, also eine

"neue Gruppe" . Nachher noch Diskussion,

was besonders wichtig ist in einer

ganz neuen Gruppe. Besonders heute

habe ich das Gefühl, daß wir wirklich

auch Hand Werkzeug vermittelnund daß

das sehr wichtig ist.

Nach einem freien Nachmittag - Fritz

und ich nutzten unsere Supervision, uns

noch einmal zu fragen, was alles unerledigt

ist bzw. was wir weiter machenstellen

wir zuerst einmal die Frage danach,

was an Stärke und Scliwäclie in der

Gruppe erlaubt ist und kommen schnell

dr-auf, daß Stärke sofort mit. Macht assoziiert

wird, die meist sehr negativ besetzt

ist und daher viel weniger akzeptiert

wird. Die Stimmung in der Gruppe ist für

mich nachher sehr viel klarer.

Danach noch (lechz, müde) eine junge

17 -jährige Patientin mit Diabetes, die

uns ein tolles Spiel an Stärke vorspielt .

In der Nachbesprechung daher - nicht

von imgefähr, oder!- das Thuma Selbstsicherheit,

Starke, Macht. Sehr spannend!

Nach einem freien Vormittag, den alle

dringend brauchen ein selir intensives

Thema für den letzten Nachmittag: Tod

und Sterben. Wir wollen vor allem erfalirbar

machen, wie wir selbst mit dem

Sterben bzw. dem Tod von uns nahe stehenden

Personen umgehen u nd was wir

davon auf unser zukünftiges Arzt/Arztin

-Sein i ibertragen können. Ein sehr intensiver

Nachmittag, aber auch schön abuesdilosson,

st > daß wir anikngs gar nicht

wissen, was wir mit der noch anstehendenGnippeiisupervision

machen sollen.

"Irgendwie" (} lallt uns aber dann doch

- nachdem wir auch unsere Aggression

vom Dienstag geklärt haben - noch ein,

diißKivali tat/Konkurrenz ziemlich ausgespart

blieb und es schließt sich eine

sehr lustig lustvoll rivalisierende Stunde

an, in der wir unseren Phantasien freien

Lauf lassen, wer mit wem warum/warum

nicht rivalisiert!

Eingelungenes Spaghetti-Esse n, plaudern,

Gitarre-Spielen und Singen bescliließt

den Donnerstag.

Freitag

So. wir sind am Ende angelangt. Ich

glaube, auch der Vormittag gelingt noch

rechtgut. Wirfragen unsgeineirLsam, was

.wir zum Abschiednehmen brauchen

(auch noch ein Teil von Sterben und

Tod!), dann lassen wir wieder den Fi Im

ablaufen, der an 2 wichtigen Punkten

stoppt, daraus ableiten wasjede/r sich

mitnimmt und ob die Ziele erreicht wur-

Tulorlnnentroining in Groz

den. Ansclüießond geben wir für jede/n

noch eii i Feedback mit und auch Fritz und

ich bekommen Feedback (juhuuu!-ein

bißchen Balsam aiif einer "wunden" Seele!)

und wir beschließen endgültig mit

einem Abschiedsspiel und einem genieinsamen

Foto.

Ja, was soll ich nun noch dazu sagen!

Von meiner Sicht aus war es, wie schon

erwähnt, sehr fruchtbar, das Training in

2 Teile zu teilen. Es war für mich auch

sehr spannend, mit 2 verschiedenen Partnern

zusammenzuarbeiten. Der Austausch

v. a. mit Fritz, mit dem ich zum

ersten Mal zusammenarbeitete, warrair

sehr wichtig. Viele neue Ideen und Anstöße

sind so entstanden.

Auch meine anfangliche Angst, daß

zwei Teile, zwei Trainerpaare, zweiverschiedene

Gruppen bzw. neue Leute beim

zweiten Mal die Gruppe spalten könnten,

bewahrheitete sich überhaupt nicht,

eher im Gegenteil. Ich glaube, hoffe, daß

sich auch die Gruppe selir wohl gefühlt

hat und jede/r sehr vieJ mitgenommen hat.

Bleibt nur noch zu sagen, wieviel Spaß

es mir gemacht hat. ein Training zu leiten,

wieviel ich selbst dabei gelernt habe

und daß ich es anfalle Fälle noch einmal

m achen möchte!

„Sonja Sunnkist", der erste Teilnehmer sagt seinen Namen und kann ein

Substantiv, das mit dem gleichen Buchstaben anfägt, anhangen, der nächste

wiederholt dies und setzt seinen eigenen „Doppelnamen" hinzu Die Kette wird

immer langer bis die Runde herum ist Nun kann in umgekehrter Richtung das

Namensgebilde noch mit einem Adjektiv oder Adverb erweitert werden, der

Gleichberechtigung wegen

-20- -21-


at

Anamnesegruppen und kein Ende

Anamnesegruppen in der Psychotherapieweiterbildung

von Dr. Thomas Loew, Erlangen

Nicht jeder Stimdent hatte ja die Möglichkeit

/ das Vergnügen / die Lust, an einer

Ananmesegr-uppe teilzunehmen. Im Ni'irnbeigerWeiterbüdmigskre

is für Psychotherapie

"muß" er nun als Assistenzarzt oder

Psychologe für die Bereichs Weiterbildung

Psychotherapie bzw. im Psychotherapieausbildungsverbund

der psychiatrischen

Kliniken des Bezirkes Mittelfranken für

die Facharztausbildung "Psychiatrie und

Psychotherapie". Gewählt wurde das

Modell "Darstellung eines Patienten durch

einen Teilnehmer - Rekonstruktion des

Erstgespräches", da die "live" Vorstellung

sich gerade bei Psychotherapiepatienten

wegen des wichtigen therapeutischen

Aspektes der Arzt-Patient- Beziehung

doch nicht su eignet.

Wie ist also der Ablauf

Jeder Teilnehmer bringt einen Patienten

ein, den er im klinischen Kontext kennengelernt

hat und von dein er eine ausführliche

biographische und tiefenpsychologische

Anamnese mitausgeaii>eiteten

Hypothesen zur Preisdynamik l v it.,

Bei dem Gespräch spielt er dann diesen

Patienten, und zwar su, wie dieser sich im

Erstgesprach verhalten hat, versucht auch

Haltung und Tonfall etc. zu imitieren. Nach

dem Interview kommt dann zunächst der

Interviewer zu Wort, schildert seine Empfindungen

und Gegenübertragungsreaktionen,

danach wird der Zuhörerkreis

mit eingeschlossen, ähnlich wie in einer

"richtigen" Anamnesegruppe. "Tutor"

ist der Psychotherapieausbilder, der allerdings

denPatienten"kennf, d.h. die

schriftl. Ausarbeitimg von Anamnese

und Psychodynarnik gelesen hat.

Was ist tiefenpsychologisch fundierte

Anamneseerhebung und Diagnostik

Neben den Inhalten der biographischen

Anamnese nach G. Engel,(siehe

z.B. "Neurosenlehrere und Psychosomatische

Medizin", HoffinarmHochapfel,

T JTB). werden Angaben darüber

erhoben, wie die Mutter die Schwangerscluift

erlebt liat, ob der Patient vermutet,

ein erwünschtes Kind gewesen

zu sein, ob er das "richtige" Geschlecht

hatte, wie die Beziehung, die I-ebenssituaticji

i der Eltern damals war, wie er

in der fhihesten Lebensphase erzogen

wurde, ob er ein ruliiges Kind oder ein

Schreihals war, ob die Mutter m weggegeben

hatte, ob er zu diesem Zeitpunkt

schwere Krankheiten durchmachen

mußte, wie die Reinlichkeitserziehung

ablief, das Sprechen- oder

Laufe n lernen, wie das Verhältnis zu den

Geschwistern war, wie die Großeltern

waren, ob ihm Unterschiede der Erziehung

der einzelnen Geschwister erinnerlich

sind, wie er im Alter zwischen

2 und 5 Jahren zu seinen beiden Elternteüen

stand, wie der bestraft wurde, wie

das Klima in der Familie war, wie mit

Kurperkontakt umgegangen wurde, wie

die religiöse Einstellung und das Verhalten,

war. Weitere Kragen sind, ob die

Mutter enistauielunendeErh-ankungen

hatte, ob psychische Erkrankungen vorlagen,

ob und wie diese behandelt wurden,

ob und wie Elternteile verstorben

sind- Weiter, wie die Kameradschaft in

der Kindheit waren, wie die Einstellung

zur Leistung war, wie die eigenen körperliche

Entwicklung wahrgenommen

wurde und die sexuelle Entwicklung vonstatten

ging, (evtl Menarche, Ausbildung

der sekundären Geschlechtsmerkmale,

erste(r) Freuiid(in), erster sexueller Kontakt,

Gefühle dabei, Scham).

DerTherapeut entwickelt für sich eine

Hypothese zur Psychodymmik. Seinen

Ideen Liegen Informationen, an die er- sich

erinnert, aus Erwähltem, Mutmaßungen

zugrunde. Die Realität des Patienten ist

das entscheidende, was seine; lugei iblick -

liehen Beziehungsyestaltung und Interaktk)]Kn

beeinflußt. DiagnostiscliK Überlegungen

basieren weiter auf der

enLscliätzung der Ich-Defizite. Kriterien

hierfür sind z.B.: psychosexueller

Reifungsgrad (= Libidinöser Entwicklungsgrad),

orale- anale- ödipale- gemtale

Konflikt - Fixierung (die aktuellen

neurotischen Störungen sind zum Teil

nach der psychoaiuiljtischeTlicorie bestimmten

Entwicklungsstufen zuzuordnen

in Zusammenschau mit der Ausbildung

der Abwehrfunktionen}, die Qualität

der Objektbeziehungen (Objektkonstaiiz(=reif),

narzißtisch, Spaltung

in gute und böse Objekte, schizoid- mißtrauischodersymbiotisch(=iuiiieiÖ)

1 das

Angstniveau (Versagensangste(-reif),

Kastrationsangst, Angst vor Verlust der

Anamnesegruppen und kein Ende

Liebe des Objekts, Furcht vor Objektverlust,

Angst vor Vemichtung(~ unreif)),

Ich- Identität und Autonomiegrad.

Was ist der Sinn

In der Gruppe sollen dann die Hypothesen

zur Psychogenese der Erkrankung

im Sinne von Baüntarbeit herausgearbeitet

werden und denen des Referenten

gegenübergestellt und die verschiedenen

Aspekte diskutiert werden. Es handelt

sich also um ein Unterrichtsangebot ganz

im Sinne des fachübergreifenden

Seminarstils, der nun im Studium nach

der 8. ÄAO Einzug halten soll, es geht

ja um einen ganzheitliche Betrachutung

der Krankei i- und Lebenasescliichte, vmd

luneuiWeiterbüdimgskonzept das auch

dein ähnlich ist, das nun auch von den

g'riiien wird.

Vielleicht können auch andere

Weiterbildiuig-smstitutionen von diesem

Modell profitieren.

Dr. Thomas Loew

Abt. für Psychosomatische Medizin

una Psychotherapie

in der Psychiatischeri Klinik der Universität

Eriangen-Nürnberg

Schwabachanlage 6

91054 Erlangen

-22- -23-


ARBEITSKREIS "NETZWERK 11 DER ANAMNESEGRUPPEN

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ARBEITSKREIS "NETZWERK" DER

ANAMNESEGRUPPEN

von Holger Himmighofen, Frankfurt/M.

Bemüetzten Marburger Maitreäen 1994

entstand die Idee, einen Arbeitskreis

„Netzwerk" zu gründen, mit dem Fernziel,

ein politisches Forum für Anamnese -

gruppen zu schaffen,

In einem ersten Schritt sollte es darum

gehen, zu dokumentieren, was an den

verschiedenen Universitäten liinsichtlich

Anamnesegi-uppenarbeit passiert und wie

diese im Einzelnen organisiert ist. Es

handelt sieh also darum, Informationen

aus den einzelnen Städten zu sammeln

und diese weiter zu verbreiten.

Leider ist aus der Absicht des Arbeitskreises,

sich in regelmäßigen Abständen

zu treffen, um den weiteren Fortgang des

„ Netzwerkes" zu ermöglichen, nicht viel

geworden.

Zumindest jedoch ist, als kleiner und

erster Schritt, ein Fragebogen zur

Anamnesegn.ippenaitxfit entstünden, den

wir verschickt bähen und der auch vun

einer größeren Aivahl Städte beantwortet

wurde. Wir wollen deshalb an dieser

Stelle unsereii Fragebugen veröffentlichen,

und dadurch dazu anregen, sich an

unserem Projekt zu beteiligen. Jedes

Feedback ist uns überaus willkommen!

(Kontaktadressen s.u.)

Nun, zur Auswertung, die nur einen

groben Überblick darstellt, da eine ins

einzelne Detail gehende Auswertung sehr

umfiiJigi'eichundvmübersichtlichwäi'e:

Wir haben insgesamt aus 17 Städten

Antwort erhalten, und zAvaraus:

Berlin, Bonn, Erlangen, Frankfurt,

Freiburg, Gottingen, Graz, Homburg/

Saar, Kiel, Köln, Leipztg(leider nur die

Antwort, daß es durt momentan keine

Anamnesegruppen gibt), Lübeck, Mainz,

Marburg, München, Tübingen und Zürich.

Zu l.(Zahl und Zusammensetzuiigder

Anamnesegruppen)

In den meisten Städten existieren momentan

1-2 Gruppen, Ausnahmen hierbei

bilden 2 Städte mit jeweils 4 Gruppen

(Bonn,München), 2 Städte mit 5

(Berün.Graz) imd l Stadt mit 10 Gruppen

(Freiburg).

Die Zahl der TeilnelimerTnnen liegt

zwischen G-10 pro Gruppe, und diese

.sind vorwiegend Medizinstudentinnen

Es gibt nur in wenigen Städten

TeünehnierlraTenausanderenFachbereichon

wie bsw. Psychologie. Das zahlenmaJiiye

VerlialtiiLs von FrauenvindMännern

pro Gruppe schei nt insgesamt ausgeglichen,

ist jedoch von Stadt zu Stadt

selir verschieden. Es dominieren Klinikor

in den Gruppen (Ausnahme

Graz: Hier dominieren die Vorkliniker).

Viele Städte gaben an, daß sie idealerweise

bei Frauen/Mannern bzw. Vork

linikeni/Klinikeri i eine Relation von 5(V

50 anstreben.

Die meisten Gruppen werden von 2

testen Tutorinnen geleitet, alternative

Formen wie tutorlose Grupppen und

Gruppen mit rotierenden Tutoren oder

Fragebogen zur Anamnesegruppenarbeit

1. Wieviele Anarnnesegruppen gibt es zur Zeit an Eurer Uni

wieviele TeilnehmeMnnen pro Gruppe

Sind dies K 2-, 3-tutorierte Gruppen oder wilde Gruppen

Wie setzen sich die Gruppen zusammen (Vorklinik/ Klinik/ Psychologiesfudenten/

Frauen-Männer]

2. Sind diese Gruppen über ein oder zwei Semester angelegt

Bei zweisemestrigen: Halten sich die Gruppen, springen viele ab, wenn ja warum

3. Wieviele Tutorlnnen gibt es an Eurer Uni

Sind diese alle aktiv

Arbeiten diese auch sonst noch zusammen zur Anamnesethematik z.B. Theoriegruppe

Wieviele haben an einem Tutorlnnentraining teilgenommen

4. Bekommen die Tutorlnnen Geld

Wenn ja aus welchen Mitteln und wieviel

Habt Ihr dafür kämpfen müssen, wenn ja wie und wenn, woher kam Unterstützung

5. Wie werbt/ informiert Ihr für/ über die Anamnesegruppen

Welche Werbeform scheint Euch arn effektivsten bzw. erreichte/ machte die

Teilnehmerinnen neugierig

6. Wie funktioniert die Zusammenarbeit mit dem normalen universitären Betrieb

Hab Ihr Abteilungen im Hintergrund auf die Ihr Euch beziehen könnt (formell oder

real]

Ist die Arbeit institutionalisiert z.B. Thema in Fachbereichsratssiizungen

Wieviele Stationen stellen Patienten zur Verfügung

Welchen Fachbereichen gehören diese un

Welche Fachbereiche verschließen sich Euch/ lehnen die Zusammenarbeit ab

Wie begründen sie dies

7. Existiert eine Rückkopplung zu den behandelnden Ärztinnen

wollt ihr das

Wollen jene das

Werden Anamneseberichte erwartet - zur Kontrolle/ Inlo

8. Bekommt Ihr eine Supervision

Wenn Ja' - als Gruppe oder nur die Turlorlnrui-M

- wie häufig findet sie statt

- zu wievielen tmlt Ihr Euch eine Supervisionsstunde

- Wie ist die Kontinuität (zeitlich, personell etc.)

- Wer gibt die Supervision. aus welcher Abteilung. Fachrichtung

- Wie beurteilt Ihr die Qualität der Supervision

- Isi sie eher patientinnenzentriert, eher gruppendynamisch orientiert, eher

analytisch, eher pragmatisch, alles zusammen oder : erfüllt sie Eure Bedürfnisse

Worüber wollt Ihr idealtypisch supervidiert werden

- Wer bezahl! und verwaltet das Geld für die Supervision Habt Ihr die Wahl

zwischen Supervisorinnen

9. Wie war die Entwicklung in den letzten Jahren

Wenn Euch sonst noch ^twas einfällt, was Ihr wichtig und interessant findet, bitte

schreibt es dazu!

-24- -25-


ARBEITSKREIS "NETZWERK" DER ANAMNESEGRUPf J EN

ARBEITSKREIS "NETZWERK" DER ANAMNESEGRUPPEN

mir einem festenTutor gibt es, sind aber

eher die Ausnalune.

Zu2.(Ein-bzw.zweisemestrigeGruppen,

Gruppenkonstanz)

In der Mehrzahl der Städte {10} sind

die Gruppen über 2 Semester angelegt,

in G Städten nur über l Semester.

Das Abspringen von Teilnehmerinnen

ist häufig. Gründe, die dafür genannt werden,

sind: bevorstehende Prüfungen,

Studiiunsstrcß, divergierende Vorstellungen

über Inhalte und Ablauf der Gruppe,

Mangel an Wissen und Zeit (speziell von

Vorklinikern angegeben, die dann eventuell

später wieder einsteigen wollen);

desweiteren Uniwechsel, Umzug und

Auslandüaufentl iahe.

Mehrere Antwoiter merken dazu an,

daß liinter einigen dieser Begründu i igen

ganz andere Grunde stellen könnten:

Rationalisierung von Ängsten vor

Selbste rfahrungsaspe k teil, vor zuviel

„Psycho", vordem Führen eines persönlichen

Gespräches etc.

Zu3.iind4.


ARBEITSKREIS "NETZWERK" DER ANAMNESEGRUPPEN ARBEITSKREIS "METZWERK 11 DER ANAMNESEGRUPPEN

m

ziert wird Es gibt m einigen Städten auch

Gruppensupervisionen, die 14tägig, monatlich,

teilweise mehrfach im Semester

oder auch nur Imalig am Ende des Semesters

stattfinden. Die meisten

Antwoiter sind mit Qualität und Kontinuität

der SV zufrieden und geben an,

daß diese nach den Bedürfnissen der

Teilnelinier ausgerichtet sei. Dies klingt

jetzt sehr vcrallgemeinernd, man wird

sich natürlich immer wieder jeweils vor

Ort fragen m üssen, was die eigenen Ansprüche

an die SV sind, und ob diese erfi-illt

sind, l Jberhaupt stellt diese gaim

Zusammenfassung der Antworten auf

denFragebogensicherlicheineVerirdlgemeinerung

dar, es kommt immer wieder

darauf an, zu sehen wie die Situation vor

Ort ist und welche Möglichkeiten zur

VeräridenuigimdEntwickking bestehen,

aber wieso erzähle ich das überhaupt

Ach ja, zu Punkt 9!...

Zii9.(Eiitwiddiuigm den letzten Jähnai)

Hier ergibt sich ein buntes Bild: Viulc

Städte beschreiben die Entwicklung als

stagnierend und rückläufig, andere wiederum

als sehr schwankend, aber letztlich

stabil. Einige wenige sehen eine Stabilisierung

und sogar Ausweitung der

Anamnesegruppen an ihrer Uni, die m; m

z.B. in Freiburg als „gigantisch" bezeichnet.

Es sieht so aus, dafi eine zahlenmäßig

große„Basis" an An amnesierinnen

an einer Uni für einen entsprechenden

„Nachwuchs" sorgt, dereine Kontinuität

der Anamnesegruppen bewirkt. Und

das ist eben in allen Städten mit vielen

Gruppen der Fall Die Unterstützung, die

an einzelnen Uni 1 s in Form bezahltut'

Tutoriate oder Lehraufträge erfolgt, trägt

natürlich ein weiteres zur Ausweitung der

Anamnesegruppen bei. Schließlich

scheint eine gewisse Stabilität in vielen

Städten und eben auch solchen, die nur

eine kleine „Basis" besitzen, der Fall zu

sein, und das bedeutet ja ein Fortbestehen

von Anamnesegiuppenarbeit.

Es gibt sicherlich noch viele ungenutzte

Möglichkeiten, die Anamnesegruppen

weiterhelfen. Ich denke dabei z.B.

daran, daß in kaum einer Stadt eine engere

Zusammenarbeit mit den

Fachschaften zu existieren scheint.

Spezielles:

zu dun Punkten Bezahlte Tutoriate

bzw. Lehraufträge, Theoriegruppen:

BERLIN (Antwort von Annette Stolzer,

Berlin):" Projektüitoriumsstellen":

„Projekttutorien sind (waren) eine Errungenschaft

des Uni-Streiks 1989 und

koiizipk'i t aU studentisch durdigefiüirte

Semii1: ue init zwar festgelegten, aber völlig

so l Ustbestimm Le n Tl ic-men und Lernzieleii.

Die Uni stellte ein l-2jahriges

KDIIÜI igi ;i it ati bezahlten Tutorstdlen zur

Verfügung, nachdem eine Remission unter

den Projektanträgen ausgewählt hatte.

Wichtigste Bedingung für die Projekte

war eigentlich die

Interdisziplüiarität.doch obwohl genau

dieses Kriterium von den Anamnesegruppen

nicht erfüllt war, wurde es, der

großen Nachfrage wegen, mit 4 bezahlten

Stellen (lOh/Woche) das größte

Projekttutorium der ganzen Uni! Leider

bekam es wie alle anderen PTs keine

Verlängerung und lief deshalb im SS 94

aus. Innerhalb der

Projekttutxjriumsstellen bildete sich eine

ö


ARBEITSKREIS "NETZWERK" DER ANAMNESEGRUPPEN

"Theorie-AG" mit dem Ziel, die Weiterfinmiziemng

durch den Fachbereich Medizin

zu bewerkstelligen. Strategie dafür

war ein Antrag im Fachbereichsrat und

Gespräche mit einzelnen Mitgliedern der

Ausbüdungskomission, so wie ein unterstützendes

Gutachten des Leiters der

Abteilung Psychosomatik, Die entscheidende

Sitzung im Fachbereichsrat verlief

jedoch katastrophal, von den beantragten

drei Steilen wurde einer vage zugestimmt,

verbimdenmitfastunzumutbaren

Konditionen, z. B. Obhut zweier

Aitze, die bis heute nicht bestimmt sind,

sodaß auch noch kein Geld gezahlt wurde.

Eher duch Zufall wurden uns dann

aber am Uni-Klinikum zwei unbesetzte

HiWi-Stellen zugesprochen, so daß mm

doch eine gewisse Kontinuität in der Forderung

gewälirleistet ist. Ergebnis der

PTs ist übrigens auch ein ausfuhrlicher

Abschlußbericht, der neben Gruppenund

Trainingsberichten auch einige

medi/Jntheoretische Referate und eine

Litersiturliste ei ithält, was auch für ;ti idere

Städte interessant som könnte."

GRAZ: InGrazLst, nach Vorbereiti.uv

gen in Form von Kontakton nach

Deutschland, Wien, zu Professoren und

Klinikchefs des Grazer Uni Klinikums im

Sommer '91 und der Organisation eines

U\itorhiiTentraiiiiiTgsiinHeii)st desselben

Jahres, im Dez.'91 eine erste Anamnesegruppe

entstanden. Im WS 92/93 waren

es bereits 2 Gruppen. Zu diesem Zeitpunkt

gab es 4 Tutorlnnen, deren Tätigkeit

nicht bezahlt wurde. Auch wurde die

Supervision selbst finanziert.

Im SS 93 dann Erteilung eines I jehrauftrages

für die vier Tutorinnen durch

die Klinik tur medizinische Psychologie

und Psychotherapie; zudem wird die

Supervisit >n von der Klinik zur Verfügung

gestellt. Im WS 93/94 ensteht eine

dritte," wilde" Gruppe. Im SS 94 zwei

weitere Lehraufträge, insgesamt vier

Gruppen. WS 94/95: Organisation eines

Ijeiterlmien-Trainings durch zwei der

Tutorlnnen, insgesamt 5 Anamnesegruppen

in diesem Semester. Im SS 95

erneut Erteilung zwei weiterer Lehraufträge.

Zum Abschluß ein herzliches Dankescbonanalljene,

die auf unseren Fragebügenso

wunderbar 1 geantwortet haben

und an diejenigen, die es ermöglicht haben,

daß dieser Fragebogen zustande

kommen konnte.

Kontaktadressen zum

Netzwerk Anamnesegruppen

Frankfurt/M: Holger Himmighoffen,

Trümpertstr. 14, 60489 Frankfurt/M.,

Tel.:069/7893!83

Anerte Wassner, l.aubestr.9, 6Ü594 Ffm

Alrnui Sornighausen c/o Ackermann

FJhlerstr.2, 76275 Ettlingen

Berlin: Helaerose Ortwein, Utrechterstr.44

Hh, 13347 Berlin

Tobias Dietel, Langenscheidtstr.3,

10827 B.

Johannes Schetelig, Urbanstr.26,

10967 B.

Marburg: Andreas Werries, Renthof

22, 35057 Marburg

Ramin Nadjimabadi, Magdeburgerstr.8.

35041 M.

Freiburg: Andreas Kordon,

Lorettostr.22, 79100 Freiburg

Axel Petzold, Meisenbergweg 28,

79102 F.

medizin

und

Obdachlosigkeit

-30-


Oft

Das Berbertreffen

GESUND AUCH OHNE

KRANKENSCHEIN

Der Tag begann eigentlich sei ir schön,

bis Vater den selir kurzen Artikel

aus der Tageszeitung vorlas.

Nur die" lieben Kleinen" freuten sichendlich

ist hier wieder einmal etwas los!

Zwar hatten im vergangnen Winter "Unbekannte"

eins von diesen Schweinen

in den Fluß geworfen,

woraufhin dieses pflichtvergessen ertrank.

Selbst Schuld, sclwimmenlernenkann

heutzutage jeder,

auci i in Winterklainotten!

Man sagt, es gäbe ein "Für und Wider",

liier jedoch gab es nur ein "Wider",

das aber zu hundert Prozent.

Nicht bei uns, bei uns nicht.

Rs war das erste Mal,

daJi alle einer Meinung waren:

Stadtrat, Biu^eiveittttuiig

lind dessen Vurk; ilker.

Zumachen war dann jedoch nichts,

auch nicht mit Hufe des Gerichts.

Des l Jerl>ertreffei is zweiter Tag.

als einer in der EinkauisstralV lag.

Mit Tüte 11 ziuht da.s Vulk vurlx j i,

gemacht fiicht.sdraiL-5, ist Kinciiei.

Na ja-besollen

was sei schon and 1 res dran,

au su einen gehe ick nich'ran.

Des Berbeitreffens letzter Tag,

als den Betnuikeiien man ins Grabe trug;

die Freunde fragten noch.

" War für ihn denn gar nichts mehr zu machen!"

l )rauf fangt der Arzt laut an zu lachen:

Wo leben sie denn, guter Mann,

an so einen geht doch keiner ran.

'nen guten Tag wünsch ick denn auch,

ein Glück, daß so zu leben

man nicht braucht.

Hunii

/on Annette Stelzer, Berlin

Berlin-Pankow, Wollank-Straße. Keine

lOOrn entfernt vom Brachland des ehem.

Mauerstreifens haben sich Brüder des

Franziskaner-Ordens niedergelassen Zur

Straßenflucht hin fällt das"Kloster" überliaupt

nicht auf im schon zu DDR-Zeiten

eher gutbürgerlichen Viertel. Doch als die

Franziskanerin Schwester Monika gleich

nach der Wende die Schwaclistellen im

neuen System erkannte, und unter Mithilfe

der Franziskaner auf deren Gelände

eine Suppenküche für obdach- und

mittellose Menschen eröffnete (die erste

diesen Stils in Berlin), almten sie

wühl nicht, daß sie d; im i t nun jeden Tag

um die Mittagszeit ein Stuck Charme

vom BaimhufZou in das Stadtrandviertel

holen, in id es zu einem wichtigen Zen-

Lrum der Wolmungslosen Berlins etabüeu;i

i würden.

Heute essen liier taglich um die ;i()ü

Menschen kostenlos eine warme Mahlzeit

(nach wie vor auf Spendenbasis !),

und weitere Pmjekte kamen hinzu: Eine

Strohblumen-Wer k statt ("Blumen für

Brot'), eieren Gewinn mit in die Suppenkuche

einfließt; Möglichkeiten zum Dubchen,

Wäschewaschen, und auch eine

Kleiderkammer: der "Modesalon

Wollankstraßc".

Seit Nov. '92 können die Räume nun

noch eine Berlin-Neuheit beherbergen:

Die Caritas als Träger baute eine Wohnung

aus zur medizinischen Ambulanz

für das Projekt "Niedrigschwellige medizinische

Versorgimg von Wohnungslosen".

An zwei Tagen in der Woche kann hier

jeder, der es wünscht, i n Ruhe mit einer

Arztin sprechen, und sich in begrenztem

Umfang auch be handeln lassen - und das

allesohnelCrankenschein, anonym und

kostenlos!

Zielgruppe sind vor allen Wohnungslose,

die ohne Papiere bzw. geordnete

Vo rliiiltnis.se j a a uc h nicht an Sozialhilfe

und Ki'ankenkosten-lJbernalmie herankommen,

oder einfach ohne Unterstützung

nicht mehr in der Lage sind, ihre

Angelegenheiten selbst zuordnen. Aber

auch Sozialllüieempföinger, bei denen ein

Haftbefehl vorliegt., und Ausländer ohne

gesichelten Aufenthaltsstatus kommen

zur Sprechstunde. Schließlich Kinder und

Jugendliche, die den Kontakt TU ihren

Eltern oder Er/jehungsberechtigten abgebrochen

liabe n.

Das Wartezimmer ist voller, als es sich

so mancher 1 Niedergelassener Praktiker

wünschen könnte. Trotzdem wird Jedem

persönlich die Tür geöffnet von Bruder

Peter - Sozialarbeiter mit dem Franziskaner-Kreu

z u m den Hals. Der schenkt

dann auch erstmal Kaffee ein, und bei

Schokoladenherzchen werden letzte

Hemmschwellen abgebaut, erzählt und

vor allem zugehört. - Obdachlose sind

sehr einsame Menschen, denen ein funktionierendes

Beziehungssysteru oft verlorengegangen

ist.

-32- -33-


Sie kommen mit akuten Gesundheitsproblemen,

die meist verschleppt sind:

Mehr als die Hälfte der Patienten plagt

sich imt dermatologischen Fj^krankungeix

meist vereiterte Wunden, die ihren Ursprung

in Bagate 11-Verletzungen oder

massivem Kleiderlaus-Befall haben.

Atem Wegserkrankungen und gnp pale

Infekte schwanken mit der Saison; und

an dritter Stelle folgen Traumen infolge

von Stürzen und zunehmend häufig auch

Überfällen.

Internistische Erkrankiuigensincl seltener

Anlaß der Konsultationen, t/ber

Kreislaut-1 md Herzbeschwerden klagen

vor allem jene, die seit Jahren auf dor

Straße leben - was ohne Alkohol kaum

zu ertragen ist. Die Wenigsten geben eii le

Suchterkrankung als Grund zum Aufsi i-

chon der Sprechstunde an; obwohl sehr

oft begleitende Alkoholprobleme vorliegen.

Aber euie Vertrauensbasis für Gespräche

über die payL-hosoziiile Situation

steüt sich oft erst iiaehmelm'ivn Konsultationen

wegen einer somatischen

Erkrankung ein. Zuerst müssen die siehtbaien

Wunden weg...

Mit diesem Anliegen treffen die Hilfesuchendenaiiff}

tw/./>. LisaMaach, Initiatorin

und Herz des Projektes. Ohne

weißen Kittel, und von eher zierlicher

Statur, stellt doch niemand ilire Autori -

tat in Fragt 1 . Freundlich, aber besinn m L

ruft sie die Namen auf und bittet die Patienten

darum, die Warteliste selbst zu

ordnen

Bei Lisa kann man schnell zur Sache

kommen - sie weißbescheid über die

Sollen iliivr Patienten! Vor Jahren aclion

begann -sie, direkt auf der Straße die Berber*

zu besuchen, um ihnen mit ärztlichem

Hat und dem Nötigsten beizustellen.

Mit den Praxisräumen wurde nun

ein Traum von ihr wahr. Sie hat Einiges

gesehen an Schicksalen und schon so

manchem Verzweifelten wieder einen

Weg gebahnt zurück in eine menschenwürdige

Existenz. Erschrocken ist sie

über den dramatischen Anstieg der Betroffenen

• oft aus vollkommen "Heiler

Welt" heraus, und rasend schnell!

Doch der Frustration setzt sie neue

Ideen entgegen: Man müßte mit einem

"Kranken-Mobil" die Sprechstundenräume

auch direkt an die Treffpunkte der

Szene heranbringen...

POM sprach mit ihr:

Interview mit Fr. Dr. Lisa

Hasch

: Frau. Dr. Rasch, vielleicht können

Sie u n a zuerst Ihren, beruflichen

Werdegang Schilden i

LISA RASCH: Seit 1978 bin ich in Berlin;

kam damals zum Studieren an die FU.

Nach dem Examen 1985 promovierte

ich, und hab danach vor allem auf dem

(JebietderDerniatologie gearbeitet. 1992

wechselte ich zum Caritas-Verband, zunäclist

in Honoraitaugkeit. Damais zog

ich ja noch auf der Straße umher. Seit

August l !)3 bin ich nun fest angestellt,

allerdings nur halbtags. Das ergibt sich

aus Finanzierungsschwierigkeiten, der

Bedarf für eine volle Stelle wäre sicher

Berber: Nichtseßhafter, Sladfstreicher; bezieht sich als Begriff ursprünglich auf

ein kriegerisches nordafrikanisches Normadenvolk.

-34-

-35-

H OHNE KRANKENSCHEIN

da.

POM: Worin selwn Sie denn Unterschiede

zwischen, 'normalw'kas&'.narzüichffr

Tätigkeit, und diese t n 'Hinlcrhofd.es

Gesundheitswesens

LISA RASCH: Es ist schon von daher

völlig anders, daß die Betrachtung des

Patienten gesamtheitücherseinm,;//, das

heißt: die psychosoziale Situation ist viel

mehr einzubeziehen. Beispiel: Mein Patient

hat eine Grippe, und es ist Winter.-

Dann muß ich ihn fragen, ob er 'Platte

macht'; das heißt, ob er draußen auf der

Straße schläft, Wenn er das tut, dann ist

zu überlegen, ob sich nicht ein

Übemachtungsplatzi xiereine Krankenwohnung

vermitteln läßt. Das tun wir

dann gemeinsam mit Bruder Peter, unserem

Sozialarbeiter, den wir glücklicherweise

seit März '94 liier haben - auch in

einer Halbtagsstelle, Wenn der Patient

weiter Platte machen will, müssen wir

gucken, ob sich auf dem Speicher vielleicht

noch ein Schlafsack findet. Oder,

wenn er nur Sandalen hat, daß wir i Im

mit festen Schallen ver-soi-gen. Das geht

hier alles ganz gut, da wir uns diese Räume

teilen mit der „Hygiene-Station", einer

Einrichtung des Franziskanerklasters.

Da kann jeder, der möchte, kommen zum

Duschen, Rasieren, Haareschneiden,

Kleider-Waschen bzw. ganz neu erhalten

aus unserer Kleiderkainmer.

POM: Wie iveitgehen dennlhre m.ateriellenMöglich}tei.teii,

und. wer sind-ivei.-

tere Ansprechparti ler

LISA RASCH: Am Anfang des Projektes

gab es an Sachmitteln nur 5000 DM

von der Caritas, und auch noch kein feststehendes

Konzept. Wir hatten nur das

Anliegen „Niedrigschwelliger Versorgung

Wohnungsloser". Unsere jetzige

Konzeption, die z. B. auch die prä- und

poststationäre Betreuung durch Br. Peter,

und bei Bedarf Krankenhausbesuchc;

einschließt, hat sich aus der praktischen

Erfahrung, schritt weise und bedarfsgerecht,

entwickelt. Dabei war und ist es

uns ganz wichtig, nicht die Betreuung

som^fc/f^rWolmwigslosen anzustreben.

Obwohl die Zahl der Obdachlosen in

Berlin inzwischen auf 20.000-50.000

geschätzt wird. ..Aber das wäre wirklich

das Schlimmste, was passieren könnte:

Daß wir die Tür autstoßen zu einer Art

„Zweiklassen-Medizin'' mit Armen-

Ambulanzen oder Extra-Ärzten, dieausschlieJilidi

Soziall lilie-Empfänger behandeln!

Für die Zukunft bedeutete soetwas,

daß die freie Arztwahl für Sozialhilfecmpfanguremgesdiränkt

würde!

Neii i - wir wollen ui is um jene kümmern,

die durch alle sozialen Netze hiridurchgefallen

sind, also ganz spezielle

Prüblemgmppeii. Unser Projekt hat nicht

den Ansatz, diese Menschen noch weiter

in die Isolation zu drängen, quasi zu

ghettoisieren Sondern wir wollen Jedem

individuell ermöglichen, sich wieder ins

normale Gesundheits-Versorgungssystem

einzugliedern.

Von den Patienten, die hierherkommen

haben bis zu 80% - das wechselt etwas

pro Quartal - keinen Krankenschein, weil

sie z. B, irgendwann ihre Papiere verloren

habea So etwas zu besorgen, dauert

oft Wochen! Wenn solche Menschen

krank werden und zum Arzt gehen, werden

sie meist von denRettungsstellen

abgewiesen, wenn es sich nicht um akut

lebensbedrohliche Krankheiten handelt.

Diese Patienten kommen dann zu uns,


es» GESUND

AUCH OHNE KRANKENSCHEIN'

und wir 1 bemühen uns, sie mit geduldiger

Motivationsarbeit wieder einzugliedern

ms soziale Netz, Und unser Ziel ist .schon

erreicht, wenn so jemand wiederkommt

und sagt: „Ich war beim Sozialamt, nah

emenKrankenschein, einen Arzt besucht,

imd gehe dort auch weiter hin!"


POM: Halten Sie es mit dar obigen. Zielstellung

überhaupt für erstrebenswert,

zu. Ihren Patienten eine tragfähige Beziehuiigau/zubauen

nachdem Hausarzt-

Prinzip, oder ginge das dann wieder in

Richtung'Zweiklassen-Medizin'

LISARASCH:

Das kommt auf

den Einzelfall

an. Viele meiner

Besucher

sind nur noch

so wenig motiviert,

daß «ie

ihre eigenen

Gesundhoitsinteresscn

gar

nicht mehr

wahrnehmen

können. Dann

w i r d

Beziehungsaufbau

das

Wichtigste,

und es bedarf

geduldiger Motivationsarbeit, den eigenen

Körper überliauptersl. wieder walirzunehmen.

Es ist schon ein großer

Schritt, wenn so jemand sich zum Duschen

oder Kleiderwechsel überreden

läßt. Denn bei der Motivation zur Wahrnelimung

seiner eigenen Interessen läuft

ja auch viel über das Gefühl zum eigenen

Körper.

So eine Vertrauensgrundlage wird in den

meisten Fallen hergestellt durch die Bein

der Praxis sieht das so aus, daß ein

Alkohol- Kranker über seine Sucht erst

redet, wenn er ein pajuina! hier war zum

Verbandwechsel. Bei den meisten meinor

Patienten finden sich neben den somatischen

Erkrankungen begleitend

psydiiatrisdie oder Sucht-Probleme. Wir

haben auch Patienten, die ihre Angelegenheiten

überhaupt niditaUemregeln

können, und seit zwei Jahren immer wieder

hierher kommen; zum Teil mit langen

Vorgeschichten

Zwei Drittel nehmen

jedoch nur einmalig

Kontakt zu uns auf

POM: Nach BSHG§

37Abs. l ist Kranken

Hilfe zu. gewähren.

Nur l / 4 Ihrer Patienten

gibt jedoch an,

über einen Krankenschein

zu verfügen. Wo

in iitisen Sie Ihre diagnostischen

und. therapeutischen

Grenzen

LISA RASCH: Dazu

vielleicht wa.s aus unserer

Geschichte: Am

Anfang hab ich ganz

allein mit einem kleinen Kofferchen

..Sprechstunde" gemacht an versdiiedenen

Bahnhöfen und Suppeiiküchen. Diagnostik

bedeutete damals vor allem:

Blickdiagnose - und alles, was man halt

machen kann mit einem Stethoskop. Die

therapeutischen Möglichkeiten entsprachen

dem Finanz-Budget von 5000 DM,

und dem Fassungsvermögen des Kööerchens.

Das größte Problem war dabei der

Mangel an abgeschlossenem Ramn. Beispiel:

Auf einem Bahnhof hat eine Inspektion

recht entwürdigenden Charakter,

es sei denn, man geht dabei hinter

eine Plakatwand. Ich muß dazu sagen,

daß viele Obdachlose wegen ihres Erschöpfungszustandes

den Weg gar nicht

mehr schaffen von ihren Aufenthaltsorte]

i zu Suppenküchen oder Wärmestuhen

Die müssen natürlich vor Ort aufgesucht

werden

Dann kamen ehrenamtliche Helfer hinzu

- auch Medizinstudenten

-, die mit mir

zogen; schließlich die

Praxisräume hier.

Dank einer Spende

sind wir mm kostenlos

angeschlossen an

das Labor einer Klinik.

Was uns leider

noch sehr fehlt, sind

KKOundUltraseliall.

Große Probleme bereitet

naturlich auch

die Röntgendiagnostik.

wo wir keinen

Zugang liaben. Dajn.it

fallt ja dann auch putentielle

Therapie

weitgehend weg.

In anderen Bereichen,

Ohne Obdach

z, B. bei Tbc-Verdacht, gibt us Beratungsstellen

des Gesundheitsamtes, wolün

ich Patienten zum Thorax-lvöntgen

schicken kann - auch ohne Schein. Im

gynäkologischen Bereich, v, a. fiir

schwangere Frauen, gibt es den Sozialmediziruschen

Dienst.

POM: Wie stehen denn, die Chancen der

staiiwiären Betreuung fiir Ihre Patienten

Du bist Mensch wie jeder Andere

Doch Tier das sollst Du sein.

Und Du wirst es ihnen zeigen

daß Du überleben kannst

Du kannst riechen jede Rose

Du kannst sehen jeden Stein

Du kannst malen jedes Bild

Du bis' Mensen wie jeder'andere

und Mensch das sollst Du sein

Du sollst leben wie jeder Ander

Doch das soll nicht sein

Papa

-36- -37-

USA HASCH: Der Normalfall sieht so

aus, daß mai i in den Rettungsstellen ohne

Schein gar n icht erst zürn Arzt vordringt,

sondern schon vom nichtmedizinischen

Personal wieder weggeschickt wird.

Mit einigen Kliniken haben wir jedoch

informell eine gute Zusammenarbeit insofern,

daß wir dorthin Patienten unbürokratisch

und kurzfristig einweisen können.

Beispiel: Jemand sitzt vor mir mit

akuter Pneumonie und 39.5° Fieber. Er

ist beim Sozialamt gemeldet und hat Anspruch

auf Kostenübernalirüe,

sich aber nie einen

Schein geholt.

Nach Absprache

mit der

Klinik können

wir dann alles

nadireichen

POM: Nur 15%

Ihrer Patienten

sind trauen.

Woran liegt dieses

Vnglewhge-

WLCtlt

LISA RASCH:

Diese Zahl entspricht

ungefähr

d e m

Geschlechter-

Verhältnis bei den Wohiiungslosen. Ich

denke aber, daß wir viele Frauen nicht

erreichen, weil sie sich nicht in der typischen

Szene bewegen wie Bahnhöfe,

Suppenküchon, oder Wärrnestuben. Viele

arbcits- und wohnungslose Frauen kommenbeün

Partner unter, und werden von

ihm soweit versorgt, daß sie keine Sozialhilfe

beantragen und damit auch nicht

versichert sind. Sie kommen aber nicht


so weit mit der Szene in Kontakt, daß

sie von unseren Angeboten erfahre n.

POM: TheniaAID&Mder Umerzählt

man uns, daß es bei Obdachlosen dieses

Problern, nickt gäbe, da. sie keinen.

Sex haben.

LISA RASCH: Das ist falsch. Wohnungslose

haben natürlich ein Sexualleben

Das Problem mit HIV-Erkrankungen

besteht dabei nach meiner Meinung

in zwei Punkten:

Erstens: Infbrniation und Aufklärung über

Aids erfahren wir über die Medien wie

Fernsehen und Presse. Wohnungslose

sind von diesen Modion praktisch ausgeschlossen.

Kampagnen kommen also

bei ihnen gar nicht erst an.

Zweitens: Es ist sehr schwierig, Wohnungslose

für Pravention zu gewinnen.

Ein Wohnungsloser denkt zuerst daran,

den heutigen Tag irgendwie zu überleben.

Das ist Existenzkampf: Wo schlafe

ich heute Nacht Das heißt, er hat wenig

Zeit und Sinn, sich über langfristige

Dinge Gedanken zu machen.

Zudem müssen »ich viele Frauen ihren

Schi afplatzdiirch Sex,,erkaufen".

Ich selbst habe wolimingslose HIV-Patienten

in Betreuung,

rOM: Euer Projekt. der

,,Nu>drig!x:hweltigen i Medizinischen Versorgung"

i a! ja wsf m eiligiu Deutschlund.

Der Bedarf dafür wirdinäiu dtclwr

Wucht auch in. anderen Großstädten, zii

erwarten sein. Gibt es auch- woanders

Ansätze in Eurein Anliegen, und wären

eine Vernetzung nnd Datenaustausch

sinnvoll

LISA RASCH: Berlin ist mit seiner Wohnungslosen-

Problematik schon sehr spezieil

und vergleichbar nur mit wenigen

Großstädten wie Frankfurt oder Hamburg;

Kleinstädte haben doch eine andere

Struktur. Es gibt aber Ansätze eines

überregionalenAustausches.

Das Wichtigste ist dabei, daß so eine

Medizin nie abgehoben sein darf, sondern

immer eng vernetzt m it allen anderen

Projekten für Wohnimgslose. Am

Berliner Runden Tisch "Medizinische

Wohnugslosen-Versorgung" wird das

schon sehr unübersichtlich bei der Größe

der Stadt und Anzahl der Projekte.

POM: Was wünschen Sie sich für Ihr

Projekt in. der nächsten Zukunft

LISA RASCH: Nunja - ganz grundlegende

Dinge: Daß die Weiterexistenz

unseres Projektes auch in Zukunft finanziell

über den Carkas-Verband abgesichert

werden kann. Daß die dringend

benötigte Krankenschwester bald unser

Team ergänzt. Daß die Spendenberuitschaft

nicht nachläßt, da wir auf sie

angewiesen sind.

Das ist ja trotz allem' I )ritte-Welt-Medizin',

die wir liier machen in unserem reichen

Land. Auch, wenn es nur ein Tropfen

auf den heißen Stein ist: Für unsere

Zielgruppe gibt es eben noch nicht viele

AI igebote im medizii lischen Bereich!

Für die Ausbildung würde ich m ir vielleicht

einen deutlicheren Hinweis auf

Randgruppen allgemein wünschen. Ob

das nmiJiinket'S sind oder Obdachlose...

Zum Schluß möchte ich aber auch noch

mal s;igcn, daß ohne die ehrenamtlichen

Helfer; gerade auch Medizinstudenten,

unser Projekt nie das geworden wäre,

was es ist!

POM: Frau Dr. Rasch, vielen Dank für

das Gespräch!

Das Interview führte Annette Stelzer

" Was macht ihr, wenn ihr krank werdet"

Obdachlose antworten:

HEINZ:

"... Lieber gar nicht erst krank werden..."

PETER "Mich hält nur noch der Schnaps am Leben und warm!"

MANNE: "Beim Arzt war ich schon lang nicht mehr - Denn bevor es nicht absolut

lebensgefährlich ist, schickt uns doch jeder Arzt weg; ohne Schein!"

HORST: "In der Apotheke gibta ja ohne Rezept nichts zu kaufen - selbst, wenn

man Kohle hat!"

RALPH: "Die seheil.1 Ärzte halx^i mir meinBemveisaut damals, als ich vom

Baugerüst gefallenbin! Allor'ding.s liätte ich sonst wob l beute gar kein

Bein mehr...Die haben mir eigentlich doch ganz schön geholfen in der

Klinik!"

HÜ.KST: "WennmeiirKiunkcnwagendiuchdieStadtü^irenvvurclcnjnLißtennicht

so viele Leute erfrieren!' 1

PETER "Ich bin Epüepti ker, und krieg ab und zu mal einen Anfall Wenn mich

dann der Notfall wagen von der Strafe in die Klinik einweiht, behaltensie

midi höclisteiis eine Nacht da • m it Frühstück wirds schon schwierig!

Däi lach hagelts dam i Arztrechmu igyn. Wenn sie mich damit mal ran

kriegen, muß ich die ganzen Tagessätzc im Knast absitzen..."

-38- -39-


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Frauen, Angst und Aggression in der

Medizin

Erfahrungen aus einer AG beim Marburger Maitreffen 94

von Anette Wossner, Frankfurt

Oftmals sind wir als Studentinnen, Ärztinnen,

Patientinnen Zielscheibe fremder

Aggression, kennen wir das Gefühl der

Angst, so wie wir auch selber aggressiv

sind oder Angst machen können. Der

Umgang damit, im Privaten als auch speziell

in der medizinisch-beruflichen Realität,

hinterlaßt oft einen bitteren Nachgeschmack,

wirkt sich auf die notwendige

Kommunikation zum konstruktiven

Arbeiten oder 1 Miteinander aus imd konfrontiert

UILS mimer wieder mit den eigenen

und fremden Grenzen.

Besonders als Frauen müssen wir uns

imtemerlueimdiisch-patriaidialen Berufe-

und Lebensrealität auseinandex'setzeii.

So ist es für uns wichtig, das standige

Erleben der Aggression gegen unser

Geschlecht, und die darangekoppelten

Gefühle in uns, zum Thema zu machen,

um vuis dur eigenen Position gewahr zu

Würden, l n der AG wullten wir einen

Raum für all dieses scluiflüii. Duren eine

Anamnese mit eii icr Patientin, mit mllengebundenen

und rollenungebundenen

Rollenspielei i wollten wir uns den alltäglichen

Schwierigkeiten und Barrieren

annähern, um für uns vielleicht sogar

neue Umgangsfbrmen zu finden.

Als Eine der drei vorbereitenden Tutohnnen

dieser 3 Blöcke enthaltenden

AG möchte ich versuchen, festzuhalten,

was in mir wirkte und noch wirkt.

Meine bleierne Müdigkeit, oder das

Wohlig-Wattige

Der Vormittag, nach der Anamnese:

Solch ein Nachgespräch in einer Runde,

die zum ersten Mal zusammen sitzt -

konstruktiv, zuhörend, sich aufeinanderbeziehend,

ausreden lassend, aktiv

von allen Seitenbeteiligt. Ich fühle midi

wolil. Kein Streß, gute Kommunikation,

tastende Offenheit, die dasBüd und die

Themen der Patientin verdichten.

Dennoch erinnere ich mich, wie ich

während des Anamnesegespräches immer

müder wurde, wie im Schlußblitz

Einige von Nervosität und Angespanntheit

sprachen, die sich gar nicht motonsch-zuppdig

vermittelte. Wo ist das alles

l an

Hat tue Patientin uns zu ihren Freundinnen

gemacht, mit denen sie eil am

besten reden kann, aber, wie es uns

seinen immer am Punkt haarscharf vorl>ei

Reden Frnuen'so nett' miteinander

K s drangt sich mir die Suche nach den

verschütteten heftigen Gefühlen auf die

die harmonische Stimmung hätten

(zer)sUnvn können. Kenne doch auch ich

die Momente, wo ich solch einer Ruhe

nicht traue, wo mir darin die Ecken und

Kanten fehlen, an denen ich mich reiben

will und muß. Und je harmonischeres

wird, desto wattig-indifferenter kann es

werden, was dem Schlaf naher ist als dem

Leben.

Es stellt sich mir die Frage, ob ich die

Konimunikation um ihre Barrieren bereichern

muß, oder kann ich nicht einfach

genießen, daß es auch so 'so schön' sein

kann Oder; was fehlte

Innerlich explosiv

Der Nachmittag, das

rollenge bundende Hallenspiel:

(z.B. Ärztin, die unter enormen Zeitdruck

steht ; Patientin die umstäiidlich -

langsam ist: Krankend wüstem die nur

die Anordnungen des Arztes fiir wertvoll

erachten ; AiP. die unsicher ist)

Nicht immer schlucken bis zum Kotzen.

Was passiert

Ich bin erstaunt, perplex, ja gebannt;

Frauen spielen scheinbar spielend leicht

Situationen, die angsunachend,

aggressionsbeladensiiid. \\'ahi'end die

Unsicherheit venmttelbar wird, wird die

Aggression nur angedeutet. Wir haben

wiederholt, was mensch so über weibliches

Verhalten sich zusammenphantasiert,

dachte ich danach. Frauen,

so könnte ich jetzt sagen, sind noch sehr

auf der Suche, in Situationen, in denen

sie angegriffen werden, um ihre Position

kämpfen müssen, ihren Standpunkt zu

wahren. Ist 'der Feind' (z.B; das männliche

Geschlecht) kollektiv, geht es leichter,

sich offen abzugrenzen. Aber auch

hier dominiert das Mitdenken für das

Gegenüber, die Schuldgefühle aufgrund

-42- -43-

Frauen, Angst und Aggression in der Medizin

der eigenen Heftigkeit,

das Bedürfnis, ein gutes

Einvernehmen zu erzielen

und der Konsens,

daß die kleinen fiesen

sadistischenPhantasien

doch das Schönste sind.

Jawoll,

Oftmals stellte sich in

den Rollenspielen die Situation so dar,

daß der potentielle Konflikt in der Inte r-

aktion schon vorher zwischen den

Spielenden gelöst wurde - also gar nicht

zum Tragen kam. Die Angst zu verletzea

gepaart m it der Möglichkeit, eigene

Verletzlichkeiten zu offenbaren wurde

real von den Spielenden als großes Problem

erlebt. So hatten die jeweiligen

Zuschauerinnen der Rollenspiele das

Getii hl, da 1,5 es sich äußerst schwierig für

die Einzelne gestaltete, bei ihrer Meinung

und Position zu bleiben, gerade wenn sie

die Andere (Person und /oder Meinung

) nicht implizierte. Schnell wurden Teile

der eigenen Bedürfnisse und Rechte

limtenangestellt, um der Konfrontation zu

entgehen- -Fei 1( ich fi ihiten sich die Wenigsten

nach ihren eigenen Spielen mit dem

Situationsausgang wohl.

Soweit stellte sich für uns am Ende

diese Nachm ittages die Frage, wie schaffen

wir es, ein gutes Maß für (gelebte)

Aggressionen zu finden. Wie können wir

unsere ideale Vorstellung von UmgangsweLscnnTJtderrealistLschenEirjscliätzung

von Situationen in Einklang bringen

AttüudeaivareJLess - Grüße aus Maastricht,

Der zweite Tag, letzter Block; nach

den Rollenspielen, roUen(un)gebunden:

rat


jvuuen, Angst und Aggression in der Medizin

Ain Vortag schon angeschnitten, kamen

wir vermehrt auf das Thema, wie

Frauenuntereinander mit Angst iiridAggression

umgehen. Die Harmonie der

Anamnese und des Nachgespräches, die

auch am vorherigen Nachmittag nicht

brechen wollte, stand erneut zur Diskussion.

Das Bedürfnis, auch Lösungen zu

finden, wuchs sehr.

Wir wurden uns immer klarer darüber,

daß einer der wichtigsten Knotenpunkte

im Konfliktlösungsverhalten die eigene

„attitude awareness" ist ( eine

BegriflOichkeit aus Maastricht). Bin ich

mir über meine Einstellung iinKliii-en, su

fällt der Umgang mit Anderen wesentlich

leichter. Wenn die Differenzen klarer

(ausgesprochen) werden, kann auch

ein Bemühen, KompnjmißeundLüsimgen

zu finden, wachsen. Frauen scheinen

sich da untereinander jedoch sehr

schwer zu tun. Kino Frau, ob real oder

phantasiert, ist meistens erstmal ähi üid m'

(aJsonäher) als ein Mann. Grenzen, Differenzen

und Unterscliiede machen sich

unter Fauen eben rüdit per se durch daw

Geschlecht fest.

Für midi machte sich liier die auch am

Vortag erlebte Dimension des 'Unausgesprochenen'

klar. Wenn vorher schon

nonverbal geklärt wird, daß Aggressionen

nicht im Handlungsspißlraum enthalten

sind, dann muß ich sie unausagiert

mit nach Hause nehmen. Was passiert

allerdings, wenn ich z.B. nochmal aufdie

Person treffe, sie als Patientin behandeln

soll

Wir haben dann als Rollenspiel in

Zweierkonstelhitionen die „Extrem-

Situation" gespielt, daiä Eine Einer etwas

schenken will, was die Andere aber auf

keinen Fall haben will. Hier war die Einstellung

der Spielenden vorher deutlich

geklärt - dennoch fiel das Nein-Sagen

sehr schwer. Was aber auf alle Fälle zu

beobachten war, war, daß dieses Spiel

wie eine Stimulation wirkte. Danach war

das Bedürfnis und die Bereitschaft, auch

auf Kosten der Harmonie zu agieren,

wesentlich größer.

Abschließend möchte ich sagen, daß

uns die Beschäftigung mit dem Thema

sicherlich nie loslassen wird - allerdings

wird nur eine offensive Auseinandersetzung

andere Handiungsräunie eröffnen.

Im l Im gang mit Patientinnen und

Kolleginnen werden wir hoffentlich immer

weniger die Verleugnung dieser Gefuhle

leben müssen. Es wäre schön, wenn

hierdurch zum Beispiel weniger

Patientinnen aggressiv-mvasiverJJiagnostik

oder 1 Therapie unterzogen wurden,

was ja häufig eine Folge mißglückter

iW7t\ icher Beziehung ist.

So haby ich diese AG als einen für

mich wichtigen B;iiLsteinaiifdiesem Weg

empfunden. Mit Dank an alle Teilnehmerinnen,

meine Cofrauen, mit denen ein

Gespräch über die Dynamik der Dreier-

Frauen-Konstellation noch aussteht.

Juni / / 994

(^} Spiel:

Karussell, jemand steht in der Mitte und läßt sich fallen, die anderen stehen

im Kreis, fangen auf und geben neue Impulse, solange spielen, bis alle

einmal in der Mitte waren.

Arbeitsgruppe Bewegungstherapie in der

Psychatrie

von Almut Sarnighausen, Frankfurt

Die Arbeitsgruppe wurde von der Bewegungstherapeutin

der Psychatrischen

Abteilung der Uniklinik Marburg angeboten

und fand eintägig statt.

Die Bewegungstherapeutin verknüpfte

Theorie und Praxis auf sehr angenehme

Weise. Sie machte etliche Spiele und

"Übungen mit uns, ließ uns mit Bällen,

Springseil, Tau etc. herumprobieren und

leitete uns dabei immer wieder zur

Selbstwahmehmung an. Zwischendrin

erzahlte sie uns, wie die Kranken, mit

denen sie auf diese Weise arbeitet, sich

und üirenKoipererlelxeii, iind verinittelte

uns dadurch ansatzweisen ein "nachfühlendes"

Verstehen eines psychisch

Kranken, dessen Leibempfinden genauso

wie die kognitiven Prozesse gestört

ist Mir wurde klar, unter welcher Art von

Krankheitsgefühl ein sciimjphroner

Mensch leidet im Vergleich etwa mit einem

depressivemxier neurotischen Menschen.

Auch das Konzept der Bewegungstherapie

von Schafitter erklärte uns die Therapeutin

anhand der Übungen, zu denen

sie uns anleitete. Wir achteten auf Atern

oder Puls und spülten unsere Vitalität;

wir probierten alles Mögliche mit Bällen

aus und entfalteten unsere kreative Aktivität.;

wir versuchten, uns gegenseitig

mit den Armen wegzudrücken und entwickelten

an dem Widerstand des anderen

unsore Grenzen, Demarkation; wir

erlebten in tlbungen am Boden beim

Spielen mit Beinen, Annen und Rücken

unsere körperlich-seelische Gesundheit,

Konsistenz.

Insgesamt hatten wir enorm viel Spaß.

Ich habe eine ganze Menge Lehrbuchbegrifte

mit einem neuen Verständnis füllen

können. Schön war's, wenn man im

Zusammcnhangmit dem regulären

Psychatriekurs so einen Tag einscliieben

könnte.

Arbeitsgruppe Salutogenese mit Prof. Maoz

aus Beer Sheva

von Almut Sarnighausen, Frankfurt

Die Arbeitsgruppe war als einmaliges

Treffen geplant, wurde jedoch auf allgemeinen

Wunsch am Nachmittag noch

weitergeführt. Ich war diejenige, die zusammen

mit Prof. Maoz eine biographische

Anamnese bei einem 72jährigen

Patienten erhob. Im Anschluß entstand

eine Diskussion, die teils Vorlesungs-,

teils Anainnese-Nachgesprächs-Charakter

hatte. Das Ergebnis war unbefriedigend,

so daß wir beschlossen, uns noch

ein zweites Mal, zu treffen. Am Nachmittag

erläuterte Prof. Maoz verschiedene

Gesichtspunkte der Salutogenese und

-44- -45-


Arbeitsgruppe Salutogenese mit Prof. MQQZ aus Beer Sheva

erzählte auch von seiner eigenen Umsetzung

des Konzeptes, das von einem epidemiologisch

forschenden Soziologen

entwickelt wurde, in seinem klinischen

Alltag.

Ich möchte hier nicht von

Salutogenese erzählen. Für mich war die

Arbeitsgruppe enorm anstrengend aufgrund

der Beziehungsarbeit, die neben

der sachlichen Arbeit stattfand, und darüber

möchte ich schreiben. Ich will versuchen

etwas von dem zu Papier zu

bringen, was mir während und nach dern

Arbeitsgruppe durch den Kopf ging.

Vorweg möchte ich die

Beziehungskonstüllsation in der Anamnese

darstellen: Wir waren zu dritt, und

wir hatten jeder untersdiiedliche Rollen.

Essprächen miteinander: Zwei Arzte und

eii i Patient - - zwei alte Herren und eü le

sehrjunge Frau (zwei Generationen später)

- - zwei Deutsche und ein Jude.

Mir geht es jetzt vor allem um die letzte

Beziehungsebene. Prof. Maoz hatte

uns vor der Anamnese von dem Begründer

der Salutogenese erzählt, daß dieser

nie selber nach Deutschland käme, obwohl

er in Amerika aufgewachsen sei im

den Holocaust insolbrn nicht direkt miterlebt

habe, Von seiner eigenen Lebe ILSgeschichte

sprach er nicht. Er sagte, er

verstehe sich als der, der dem anderen

Stimme (in Deutschland) verlerne.

Der Patient war im deutschssprachigen

Teil Ungarns aufgewachsen und mit 21

Jahren zum Kriegsdienst verpflichtet

worden. Prof. Maoz fragte ihn nach seiner

Tätigkeit im Krieg, und sagte dann

im Nachgespräch, er hätte ihn gerne noch

viel genauer gefragt, habe es aber nicht

gewagt. Ich selber fragte den Patienten,

ob er denn damals m den Kriegsdienst

wollte und war unglaublich erleichtert,

als dieser sagte, er wäre verplichtet worden.

Ich habe nicht nachgefragt, wie er

zum Nationalsozialismus stand. Was

wäre geschehen, wenn der alte Mann ein

alter Nazi gewesen wäre und nicht ein

vertriebener Ungarndeutscher

Wenn in Anamnesegruppen Patienten

auftauchen, die in der Gruppe

Assoziationen an das dritte Reich wekken.

wird dies meist einheitlich mit Gefulücn

von Bedrohtheit und Aggression

beantwortet, wir identifizieren uns mit

den Opfern.

In der Konstellation m dieser Anamnese

fülilteichmich zur Vermittlung aufgerufen.

Prol' Maoz hatte vor der Anamnese

darum gebeten, daß jemand von uns

ihm "helfen" solle, die Anamnese zu erheben,

weil er sich fremd fühlte (sein

"Deutsch isthervorragend).Ich denke, daß

er auch die Konfrontation fürchtete, wissend,

daß er einen Deutschen seiner eigeneii

Generation befragen würde,

Ich bin in die Arbeitsgruppe gegangen,

weil ich mit diesem Main i zusammenarbeiten

wollte, der aus Israel nach

Deutschland kommt, um mit Studenten

seiner Profession nach den Wurzeln für

das Heilende zu forschen (Salut ist das

Heil, Genesis der Ursprung), nach dem

also, worauf ein Mensch aufbauen kann,

um gesund zu bleiben oder wieder gesund

zu werden.

Der Holocaust ist sicher ein wichtiger

pathögeiietischerFaktor, waspsychische

und somalische Krankheiten im 20. Jahrhundert

angeht, in Israel sowie in

Deutschland.

Ich glaube für mich war diese Arbeitsgruppe

deshalb sowichtig, weil ich immaiient

ein kleines bißchen

Salutogeneti.sches diesbezüglich suchte

und fand..

Balintgruppe bei Frau Dipl.-Psych. Nittel

von Almut Sarnighausen, Frankfurt

Die Balintgruppe fand einmalig statt und

war für viele der teilnehmenden

Anamneslei 1 eine Sclmüffelgruppe. Ich

selbst hatte schon an Balinttagungen

teilgenommen., Was mir diesmal besonders

guttat, war die Normalität, die ich

empfand: Frau Nittel hatte sich darauf

vorbereitet, autogenes Training mit uns

zu macheii, konnte aber ohne Probleme

auf Balintarbeit umschalten, die sie offenbar

an der Universität anbietet Die

Tatsache, daß sie Marburgerin war und

in ihrer alltäglichen Umgebung mit uns

arbeitete, trug wohl mzuilirer Souveränität

mit bei.

Eine junge Ärztin aus Graz stellte eine

Patienten vor, den sie in der allgemeinärztlichen

Praxis, in der sie arbeitet, ambulant

zu betreuen hat. Der Patient leidet

an Chronischer Polyarthitis und mußte

deshalb seinen Beruf als Lehrer aufgeben.

Er hat sich mittlerweile zu einem

schembaren Experten seiner Krankheit

entwickelt und setzt seine Bedürfhisse

den Ärzten gegenüber mit erheblicher

Aggressivität durch. Im Praxistearn gilt

er als " seh wieriger Fall". Die junge Ärztin

fühlte sich von ihm bedrohtund konnte

seinen Forderungen nicht Einhält gebieten,

so daß er wesentlich mehr von

ihrer Zeit in Anspruch nahm,als sie ihm

hatte geben wollen. Diese Situation war

anscheinend auch ein Spiegelbild ihres

allgemeinen Gefühls mit der Arbeit. Als

Beruisanfangerin ohne gute Rückkopplung

im Team Ist wohl einige Unsicherheit

damit verknüpft, Erwartungen zurückzuweisen,

die einem zuviel werden.

Auch ist es vielleicht für Frauen eher typisch,

in solch einem au die Überforderung

auf sich zu nehmen und dann daran

zu leiden. Auffällig war es, wieviele aggressive

l vosungsvorschlage von Männern

der Gruppe gemacht wurden.

Hilfreich war das Erkennen des eigenen

Gefühls als das der kindlichen Hilflosigkeit

einem autoritären Vater oder

Lelirer gegenüber. In der gegenwärtigen

Situation mit dem Patienten ist diese

Form von Beziehung nicht mehr real- es

ist nicht wirklich der übermächtige Vater,

gegen den man sich nicht wehren

kann. Wenn man das eigene Gefühl als

eines von früher versteht, gelingt es leichter,

sich aus der Verstrickung der Übertragungunddamitder"Ohn-Macht"

zu

lösen

-46- -47-


'Vom kindlichen Arztbild zum Arztsein in der Realität"

"Vom kindlichen Arztbild zum Arztsein in

der Realität"

Zwei Beschreibungen einer Arbeitsgruppe des 14. Maitreffens

von Anja Ede & Christian

Keim, Berlin

A)

Welche Bilder vom Arztsein tragen wir

bewußt und unbewußt in uns Wie wirken

sie sich auf unser momentanes Verhalten

aus

Da sind die ersten Vorstellungen der

Kindheit; wie waren da die Arzte, was

konnten sie, was l iahen nur meine Eltern

vom ,.Oi diel Doktor" orzäh 1t War er das

Sinnbild des G uten und G ütigen W; ir er

ein Schutzpatron gegen jede Krankheit,

gegen jede Art von Angst Oder war er

eine Bedrohung in weiß, ein Mann, her-

/enskalt der mir Schmerzen mad it. < jhne

mich zu warnen t lud welche Ideen gesellten,

sich im Laufe des Lebens dazu,

m der Pubertät, vor dem Studium W; iy

für f >ine (.3estait liatte da der Ära 111 meiner

Vorstellung Warerein Engel in

Weiß, körper- und bedürfnislos Oder

eher ein mystischer Schamane, voller

Macht über die Geister von Gesundheit

und Krankheit Oder etwa doch der vielbesdiiütigteFliül.'ibandai'beitermitlixjheni

sozialen Status und Mercedes vor'm

Haus

Woher kommt die Faszination dieses

Berufes, warum studieren wir Medizin -

und wo liegen die Tücken und Fallen

Was ist Wunsch, was Traum, was Realität

Mit welchen Vorstellungen anderer

Leute werden wir täglich konfrontiert

Diesen Fragen wollen wir uns mit

Selbsterfahnmg und Rollenspiel und hoffentlich

würzigen Diskussionen plastisch

undfiihlbar nähern.

-49-

B)

Hier will ich versuchen den zweiten

Teil des Seminars zu erläutern:

In diesem Seminar haben wir uns mit

Arztbüdern bescliaftigt. Ausgangspunkt

war die Frage, „ wie wir wurden, was wir

sind". Wir wollten erforschen, welche

Motive uns jeweils bewegen hatten Medizin

zu studieren und welche Rolle dabei

die Bilder gespielt haben, die wir von

Ärzten liaben. Wir wollten uns diese Bilder

ansehen, Bilder die wir als Kinder

von Ärzten hatten; Ertalmmgen, die wir

; : iis l£ü ider m it Ärzten gen i actit haben, sei

es als Patienten oder durch Erlebnisse in

der Umgebung. Außerdem welches Bild,

welches Ideal wir heute haben und welchen

Einfluß es auf URsere Motivation

tu id unser Handein hat. Auf der Grundla^ter

folgenden Ulx'rlegimgen hatten

wir ein Rollenspiel erdacht:

Wir haben 3 Aspekte des „ ärztlichen

Iclis", die Einfluß auf unser Handeln haben

könnten unterscliieden; Den ersten

bezeiclmeten wirals Ich-ideal des Arztes,

den zweiten als Ich der Person des

Artzes und den dritten als Ich des Arztes

als Patient.

Die Aufgabe der Teilnehmer bestand

darin, in Gruppen zu jeweils 3 Personen,

die verscliiedenen Aspekten des„ärztlichenlchs"

darzustellen.

Jeder der 3 Spieler sollte sich in einen

der Aspekte hineindenken und dabei seine

eigenen Vorstellungen gebrauchen.

Mit dieser Seite seiner Perönliclikeit sollte

darin jeder in das Rollenspiel hineingehen,

in dem die 3 Aspekte aufeinandertreffen

sollten. Der Patientenaspekt

sollte sein Anliegen vorbringen und der

Arztideal- bzw. Person-Aspekt sollten

darauf reagieren. Der Sinn dieses Rollenspieles

sollte sein, die möglicherweise

unterschiedlichen oder gar gegensätzlichen

Interessen und Wünsche der 3

Aspekte darzustellen. Theoretisch sind

wir von der Überlegung ausgegangen,

daß jeder von uns diese 3 Aspekte in sich

trägt, daf3 also diese Auseinandersetzung,

die liier zwischen 3 verschiedenen Perrionen

stattfand, sich auch in uns abspielt.

Die Erfahrung der Existenz dieser' unterschiedlichen

Aspekte sollte es den

Teilnehemem erleichtern, inZukunft gei

lauer differenzieren zu können, mit welchem

dieser Aspekte sie in bestimmten

Situationen reagieren und ihnen eventuell

in schwierigen Situationen, in denen

sie üire innere Zerissenheit spüren, eine

Hilfe sein bei der Überlegung, welcher

ihrer Handlungsabsichten sie folgen

mcchten

Was ist tutti dabei herausgekommen

V& haben drei Rollenspiele stattgefunden,

jeder hat einmal an einem Rollenspiel

teilgenommen. Beispielhaft will ich

von einem der Rollenspiele berichten:

In diesem Spiel trafen ein selir hilfsbedürftiger

Patient mit einem unklaren

Leiden (Bauchschmerzen), der sich sehr

passiv verhielt und eine Erwartungshaltung

zeigte, die deutlich machte, daß er

sich eine Befreiung von seinem Leiden

durch aktives Handeln des Arztes

wünschte, auf ein Personen-Ich, das auf

dieses Hilfsbedürmis mit Ablehnung reagierte

und den Patienten auf sich selbst

zurückverweisen und zu mehr eigener

Aktivität und Verantwortung bringen

wollte. Das Arztideal versuchte hilfsbereit

auf den Patienten einzugehen, ging

also auf den Hilfsapell ein. Allerdings

war das nicht sehr erfolgreich, weil der

Patient sich nicht öffnete, sondern sich

recht trotzig und urxkooperativ verhielt.

Es kam zu einem regerrechten Aufeinanderprall.

Die Kommunikation war gestört.

Das Spiel endete damit, daß das

Personen-Ich Bauchschmerzen spürte

und Arztideal und Patient recht frustriert

waren

hi der anschließenden Diskussion haben

wir versucht die Motive des Handelns

der 3 Aspekte herauszuarbeiten. Es

wurde deutlich, daß die Motivationen

selir widerspmchlich waren Der Patient

wollte sich passiv dem Arzt überlassen

und die Verantwortung für sich selbst abgeben.

Das Arztideal wollte einem kooperierenden

Patienten, der sich seiner

Verantwortung für sich bewußt und zu

aktiver Zusammenarbeit bereit ist helfen.

Fand jedoch einen solchen Patienten

nicht vor. Das Personen-Ich spurte

in sich keine Neigung, auf den massiven

Hilfsapell einzugehen und wies jede Verantwortung

für den unglücklichen Zustand

des Patienten weit von sich. Erfühlte

sich auch selir von den Wünschen des

Patienten bedrängt, was ilirn schließlich

selbst ein Druckgefuh! im Bauch verursachte.

Es hat mir großen Spaß gemacht mit

Christian dieses Seminar zu planen und

durchzuführen. Insgesamt habe ich eine

Menge Anregungenbekomraen und fand

es äußert spannend mit unseren Teilnehmern

zu spielen und diskutieren.


... und von

Holger Himmighofen,

Frankfurt

Inhalt dieser Arbeitsgruppe - bestehend

aus fünf Medizinstudentinnen, einer

Arzthelferin, einem Pädagogikstudent

und zwei Ärzten mit langjähriger Berufeerfahrung

- war es, den eigenen Vorstellungen

und Bildern vom Arztsein nachzugehen

und sich darüber in der Gruppe

auszutauschen.

Der Einstieg dazu bestand in einer

"Trauinreise''', einer Entspannungsübung

kombiniert mit einer gedai ikl id lei i Reise

zurück in die Vergangenheit: Was gibt es

an ersten Erinnerungen von Bet;t>gnungenmitÄi'zteJHuidÄi'Ztinnen,

wie habe

ich sie erlebt und stelle ste mir vor War

es der "liebe Onkel Doktor" oder die

bedrohliche Person in weiß Welche Ideen

gesellten sich im Laufe des I Bebens

dazu

Was davon war möglicherweise MotivationftirdasMedimistudiurnV

Nachdem die Gruppe sich über die

wahrend der "Trauinreise" gemachten

Erinnerungen und Bilder ausgetauscht

hatte, folgte ii i Zweiergruppen ein Austausch

darüber, wie man sich den idealen

Arzt vorstellt. Den Abschluß bildete

ein Roüenspiel, ein Gespräch zwischen

den drei Personen Patient, Ideal-Arzt und

Real-Arzt (d.h. den Menschen Arzt, mit

seinen Schwächen,Grenzen etc.). Dies

geschah auch unter 1 der Vorstellung, daß

dies drei Selbstanteile in uns Medizinern

sind, die wir dadurch klarer zur Darstellung

bringen wollten

Insgesamt boten die Übungen, Rollen-

Spiele und anschließenden Diskussionen

darüber eine sehr gute Anregung, über

die eigene Rolle als Arzt bzw. Arztin, den

Idealvorstellungen dazu und auch die eigene

Patientenrolle naclizudenken.

So war dieses Nachdenken über unsere

Rollen, unsere unterschiedlichen

Eiüümuigenund Motivationen ein Schritt

in die Richtung, das, was uns m unserem

momentanen und künftigen Arztsein,

utLSL'rer Tätigkeit, in unserem Umgang

m it Patienten und ihren Problemen beein

flu fit und prägt, näher zu verstehen.

Wichtig war au (Jerdein wieder einmal

die Erkenntnis, daß eine solche Reflexi-

011, wie sie in unserer Gruppe unternominen

wurde, einem Menschen, der im

Kontext von Gesu ndheit und Krankheit

tätig isL den Umgang mit sich selbst und

seinen Patie nten positiv beeinflussen und

menselilicher machen kann.

V^ Spiel:

Tierknobeln, es gibt Elefant, Löwe und Maus (entsprechende Bewegungen

und Geräusche ausdenken). Elefant fürchtet maus, Maus fürchtet Löwe,

LÖwe fürchtet Elefant. Die Gruppe feilt sich in zwei Parteien und steht sich

frontal gegenüber, vorher haben sich die Grüppchen eines der drei Tiere

gewählt, auf Kommando machen alle das entsprechende Geräusch/

Bewegung. Die fürchterlichen versuchen zu fangen, die anderen laufen

weg. Funktioniert nie, macht aber viel Spaß.

Arbeitsgruppe: HOMÖOPATHIE

von Arne Thomsen und Jörg-Peter Doß, Freiburg

Teilnehmer an der eineinhalb-tägigen

Gruppe waren der Heilpraktiker Reinhard

Graw und zehnMedizinstudenten.

Die Zielsetzungen waren:

- kurze Einführung in die homöopathischen

Grundprinzipien und die Besonderheiten

der Anamnese

- Anamnese mit einem Patienten

und Nachgespräch

- Versucl i der Ausweitung im Sinn

e einer h o m Ö o m p a 1111 s c h e n

Mittelfind ung

Die Homöopathie ist ein von dem

deutschenArjt Samuel Hainiemannl7üG

begründetes Heilverfahren. Das

AlinliclikeiLspruizip Lst das Fundament

der Homöopathie: „Similiasiiiulibus

curantur". (Ähnliches wird mit Äliiüichem

geheut.) Zur Behandlung der verschiedenen

Erkrankungen werden Medikamente

in niedrigen Dosen verabreicht,

die in höheren Dosen beim Gewunden ein

almüchesl


Arbeitsgruppe: HOMÖOPATHIE Arbeitsgruppe: HOMÖOPATHIE rat

oben genannten Sinne wirklich eine Hil -

fe zur Selbstalfe für den Organismus und

keine passive Therapie.

Voraussetzung einer erfolgreichen

homöopathischen Behandlung ist aber,

daß das Krankheits- und Persönlichkeitsbild

in seiner Individualität genau bestimmt

und die Arznei mit dem passenden

Arzneibild ausgewählt wird; dazu

dient die Anamnese.

Der Homöopath legt in seiner Anamnese

viel wert darauf, ein genaues Büd

von der Persönlidikeit des Patienten zu

bekommen DenMuii^ien als,, Gon«! 1 '

zu erfassen und nicht nur die Krankheitssymptoma

/u suchen Lind zu ordnen (wie

esz.T.ottinderSchulmedizinpralrtiziutt

wird). Die Persönhdikdtssüxiktur, Eigenarten,

Vorlieben, Bedürfnissse des Patienten,

vorherrschende Stirn numgslage

(sog. Gemüts- und (leLstessymptome; der

SymptGiiibegriffwird inderHumouputhie

wesentlid i weiter gefaßt; ils ublid iwweiseinderSehulmedizin.

sudaJiaudi

PersöniichküitsnierkinaleSyniptuuie

sind) sind wichtige Anhaltspunkte; die

biograplusche Entwicklung, die sozialen

Bindungen in id Beziehungen haben eine

ebenso wichtige Bedeutung. Diese

GesiimteiiasäiuigbildetdieGnuidlagefiü'

die richtige Arzneimittelfmdung. All diese

Symptome werden geordnet und

hierarchisiert, um dann mit Hilfe des

Repertoriums das richtige Medikament

genau für diesen Patienten zu finden. Die

Hierarchisierung erfolgt nach bestimmten

vorgegebenen Regeln. Dabei spielen

die eigentlichen Krankheitssymptome

eine eher unter-geordnete Rolle; wichtiger

sind Personliclikeitsmerkmale, Eigenarten,

Vorlieben.

Bei der von uns durchgeführten Anamnese

(Dauer ca. 80 Minuten) eines 55-

jährigenPatienteiiiiutHerzrliythmusstörungenunklarer

Genese, ergabensich

folgende wichtige Themen bzw.

Problempunkte (in Stichworten): Angst

vor Krankheit, Prüfungsängste, ausgeprägter

Ordungssinn, Konflikte und Beziehungen

zu Autoritäten, Gerechtigkeitssinn,

Kälteunempfindlichkeit,

Leistungsorientiertheit. Der nächste

Schritt ist jetzt, nach der Hierarchisierung

mit Hilfe des Repertoriums eine

Medikamente na u s wähl zu treffen. Das

kepertorium ist eine Auflistung von allen

den kbarenhomoopatlusdien Symptomen

und zu jedem Symptom eine Liste

von ei itspiechenden Medikamenten, Die

Medikamente suid mit Wertigkeiten zu

den spezifischen Symptomen vermerkt

(ein-, zwei, oder drei wettig), je nachdem

in wi;ldier Stärke sie diese bei Gesunden

buivotvufeii. Jetzt beginnt man, systematisch

jedes dieser Symptome im

KepertuiuunnadizLLsdilageniuidmei'kt

sid i die entsprechenden Medikamente.

Das Medikament, welches insgesamt,

(nach Durchsiebt aller 1 Symptome) am

häufigsten erwähnte wird, ist dann das

Richtige.

Die Gegenprobe, ob es wirklich das

richtige Medikament ist, ergibt.sich dann

a\ is dem Vergleich mit den Arzneimittelbildern

des entsprechenden Medikaments.

Das Arzneimittelbild wird mit

dem Patienten-Bild verglichen. Bei unserem

Patienten war das Mittel, auf das

wir uns einigten, Lycopodium. Die

Arzne iinittelbüder bzw. Arzneimittelkrankheiten

sind sehr ausführliche Beschreibungen,

Typenbeschreibungen

(Konstituionstypen), z.B. gibt es (wie

unser Patient) „ Lycopodiin-Typen" mit

ganz bestimmten Charakterzügen und

Persönlichkeitsmerkmalen, die auch zu

Jx^tiimiitenKrankheitsbildern tendieren.

Die Behandlung in der Homöopathie

ist immer eine ganz individuelle Therapie.

Krankheit ist ein kollektiver Begriff

ein Abstraktum, eine Fiktion Die Bedingungen

unter denen sich Krankheit entwickelt,

sind bei jedem andere, und verlangen

eine individuelle Therapie. Ebenso

hat jeder Kranke unter verschiedenen

Menschen mit der gleichen Diagnose

seine eigene

Krankheit Noch weiter gedacht; Audi

eine Krankheit, die ein Mensch zum

zweitenmal erlebt, trifft nicht mehr den

gleicl len Menschen und ist auch nicht d ie

gleiche Krankheit. Es wird also licht eine

Krankheit, sondern der Mensch wird

beliandelt. Das Individualisieren ist für

die Homöopathie sehr charakteristisch.

Die Anamnese in der Homöopathie

ist mehr- als nur eine Vorgeschichte des

Patienten. Um die Krankheit aus den

Lebenszusammenhängen des Patient

wirklich zu begreifen, ist ein Gespräch

notwendig, in dem die aktive Mitarbeit

des Patienten gefordert wird. Der Homöopath

sucht hinter jedem Menschen

sein Arzneimittelbild, quasi sein personifiziertes

homöopathisches Mittel.

Die Homöopathie hat eine Menge eigener

Gedanken zu Krankheit und Therapie

entwickelt, Insbesondere die sehr

ausgeprägte Patientenc irientierung stellt

eine Bereicherung und eine Herausforderung

für den etablierten Medizinbeüieb

dar. Zu oft wird in der Schulmedizin nur

die Krankheit aus dem Patienten herausabstrahiert;

und zu häufig ist nur eine

la-ruililieitäorientierte^athogenetisch-fixierte

Sicht weise zu bemerken

In diesen Punkten kann uns die

Homopathie als Teil einer Gesamti

nedizin durchaus neue Dimensionen aufzeigen.

Literatur: „Der andere Weg, Gesund

durch Homöopathie", Deutsche

Homöopathische-Union, Karlsruhe

-52-


Trance Dance - völlig high auf dem

Marburger Maitreffen

von Christian Keim, Berlin

Freitag 17.45-20.00 Uhr.

EinTeimehmerbericht: Der äußere

Rahmen, war bodenständig-simpel. Wir,

etwa 20 tanzexperimentierfreudige

Maitrefflerlnnen, versammelten uns in

der Turnhalle des Uniklinikunis auf den

LalinbergeiL

Zuerst gab uns die Kursleiterin

(Aipita) eine knappe Einführung zu n

kultundeellen Hintergrund de*

saimaiusa^schen'I^nncu-Diüice - Vorstelliuigei%

die inaiu v nibtnelmienkoiinte oder

auch nicht. Danach verbanden wir UILS

alle die Augen, denn Ti'ance Dance hat

von semer Idee her keinen Showaspekt,

kemenKonuniuiikationssinn.Wii 1 sollten

frei sein, das zu Lanze a wonach uns der

Sinn stand- si'i's einfach mit einem

Körperteil /.u wippen, sei's heulend und

schreiend durch den Raum zu wirbeln -

und das möglichst ohne gvfallun wollende

Selbstzensur.

Im Sinn des Trance-Dance liegt es,

sich beim Tanzen in sich selbst zu versenken

und dann den teilweise durch die

Musik anyeregtenStimmungen in Bewegung;

und/oder Stimme freien [.auf zu iassen.

Damit uns dies soweit als möglich

gelänge, sollte uns klar sein: Keiner

schaut Dir zu, es ist völlig egal, was Du

machst - also tanze, worauf Du Lust hast!

Keiner schaut zu - fast keiner: Zwei

Ixiiterlnnen wachten über Gesundheit,

jederzeit bereit zum Einschreiten, falls

eine(r) zu schwungvoll auf Wände oder 1

Mittänzerlimen zustürzen sollte.

So, und dann ging's los:

Wir begannen mit einem kleinen Ritual:

„Kontakt zur Mutter Erde". Dann

war jeder mit sich, eineinhalb Stunden

Zeit und Musik aus zwei Anlagen alleine.

Über eine tiefe, erdige Grundmusik,

die durch ihre kraftvolle Schwere Ruhe

undKona-Uitration vermittelte, legte die

zweite Musikanlage ganz unterschiedliche

Stückt; - oft von rhytlimischen, dynam

i sehe n Trommeln geprägte

,, Indianerin usik". Für mich wurde der

Trance-lJance zum ein sehneidenden Erlebnis

in Marburg. Ich brauchte ca. eine

lialbe Stunde, um inmeiner Orien.tien.uig

von außen („wie wirkt das, was ich mache:

ist's toll; was denken die alle von

m i r" usw.) wirklich bei m i r

anzukunnmnn. Doch das, was ich dann

erlebte, kann ich kaum in Worte fassen

Ich war einfach. Jeder Zoll meines

Kürpers war mir beim Tanzen bewußt -

jedoch völlig ohne Anstrengung. Egal, ob

ich einen Finger bewegte, ob einen Arm,

das Becken oder den ganani Körper - es

war reine Lust, Ich tanzte kraftvoll und

konzentriert und dabei nicht einmal ausladend.

Eher bewegte ich mich immer

ruhiger und langsamer, sparsamer - aber

viel gebündelter als sonst. Schon anfangs

benützten viele ihre Stimme zum Tanzen

- dahin kam ich erst gegen Ende. Dann

abergurrte, sang, schnurrte, klang ichfast

völlig unzensiert. Mal brachte ich langgezogene

sehnsuchtsvolle, mal ekelndpervurse

(xler auch krafivoU-brutale Töne

; ms mir hervor, Aufjeden Fall befand ich

mich in Ton und Bewegung in einer seltsamen

Einheit - nie übertrieben, frei von

künstlicher Show. Gerade dieses Tanzen

mit Stimme war herrlich - sowas wurde

ich in keinem anderen Rahmen machen -

da wurden nur alle denken: Hat der 'ne

Meise Und schon wäre es verkrampft

und künstlich. Aber hier war's wirklich

egal. Ich konnte einfach leise sein, mußte

nichts beweisen, konnte spielen, 'mal

Kind, 'mal Kerl sein. Und das war für

mich, der ich sonst so sehr auf die Wertung

meiner l im weit achte, einlach göttlich,

Viel zu früh kam dann das Ende, Das

mag vielleicht, ty pisch sein für „Trance"

- ich hatte IKXJI stundenlang weitertanzen

Trance Dance - völlig high auf dem Marburger Maifreffen

können. Aber, nach 90 Minuten war's

vorbei. Noch eine kurze Plauschrunde

und ich konnte nach Marburg hinab-

Kchweben

P.S.: Spannend war, daß dieses

körperliche Erleben des Bei-mir-Seins

auch noch Tage später meinSelbstgefulil

beeinflußt hat. Immer wieder war ich

mehr bei mir als sonst, habe mich weniger

in anderen Menschen verloren. Diese

kraftvolle Lust am Sein bricht ab und

an plötzlich durch - im steten Wechsel

mit dem Alltagsehristian. Dieser auch

mein verbales Gespächsverhalten zeitweise

beeinflussende Aspekt einer ganz

nonverbalen Taiizform hat mich doch

sehr beeindruckt.

-54-

-55-


. bio

psycho

sozial

Adler

Ethnopsychoonalyse

Das Unbewußte in Wissenschaft

Dieses Buch gibt einen ebenso

fundierten wie verstand liehen

Überblick über die psychoanalytisch

orientierte Ethnologie:

* Einführung in die amerikanische

„Kultur- und Persönlichkeitsicrschjng"

(M Mead, E.Sapir

u.a.),

» ausführliche Darstellung des

Werkes von Gearges Devereux,

* Bestandsaufnahme und Analyse

der neuen Literatur (Pariri,

Morgenlhaler, Erdheim u.a.),

+ kritische Darstellung der Möglichkeit,

daß und wie Psychoanalyse

und Sozia l wissen schatten

eine fruchtbare Synthese miteinander

eingehen können,

* Plädoyer rur eme am Subiek!

orientiere, qudlitativ-verüehende

Soziülwissenichafr, die die

Beziehung von Forscher und

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Hoffmani/Hochopfel (Hrsg.}

Neurosenlehre,

Psychotherapeutische und

Psychosomatische Medizin

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Psycho.ogie und Sozialpcdogogik,

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von Uexküll, dem Nestor der

deutschen Psychosomatik, hat sie

dieses Buch initiiert, als Mittler

ousgeber fungieren die Psychoonalyliker

Muller-ßraunschweig

und Johnen. Hinzu kommt en

interdisziplinäres Team von l\\i

ten, Psychologer, Kunstlherapeuten

und Physiotherapeuten als

Autoi inner uid Autoren der sin

zelnen Beiträge. Das Buch !u r i r '

die Leserri'nen und Leser i n c;i

Grenzgebiet zwischen sorriol

scher und psychoiagischei Medizin.

alternative

lehr- und

lernformen


"Hey teacher, leave us kids alone!*"

*Pink Floyd

von Marko Pfaff, Berlin

L Einführung

Ich berichte aus der Berliner POL Gruppen-Subkultur, in der ich seit 1991 etwa

10 Gruppen miterlebt habe, Meist war ich Tutor dieser Gruppen, manchmal Teilnehmer.

Dabei haben sich drei Typen herauskristallisiert, die ich immer wieder ge-

Rinden habe:

Tutor

Modell A Modell B Modell

Typ A üyichnet -sich dadurch ans, daß

der Tutor die Zügel in der Hand halt. Es

wird versucht möglichst diszipliniert zu

arbeiten, sich streng an die bekannten 7

Bearbeitungssdiritte zuhalten;

1. Worte klären

2. Problem Definition

3. Brainstorm

4. Zusammenfassung

5. Lernziel

6. Seif study

7. Präsentation

Hierbei werden die Lernziele nicht untereinander

aufgeteilt. Während des

Treffens wird ein Tafelbild erstellt.

Typ B hat studentische Tutoren, die

bewußt nondirektiv betreuen, liauptsächlich

organisieren und methodische Hilfestellung

leisten. Es gibt melirwfidiige

Themeiiblocksiuidaswh'dWertauf'hA'aluationen

gelegt, die zum Teil sehr zeitaufwendig

sind. Es gibt zwei Untergruppen,

die Langzeitgruppen über 2 oder 3

Semester und Blockpraktika. Gmppentyp

C ist ein typisches Beispiel dafür, daß

nicht überall POL drin ist, wo

POL draufsteht. Engagierte Professoren

übernehmen die Rolle des Tutors und

geben Hilfestellungen in Form vonpräpanertem

Unterrichtsmaterial zu denausge

wählte n Fällen. Sie bieten ein fallorientiertes

Seminar auf hohem Niveau

an, benutzen allerdings keinerlei methodische

Neuerungen.

IL Der Prozeß

Zu Beginn meiner Erfahrungen als Tutor

habe ich im Stil der Gruppe A betreut.

Aus Hilflosigkeit habe ich midi an

dun Ifcarbeiumgssclintten festgehalten,

was von den Teilnehmern oft nicht angenummeri

wurde. Lediglich der

Brainstorm erfreute sich immer größter

Beliebtheit. Manclimal kamen wir allerdings

nicht darüber hinaus. Ein Schlüsselerlebnis

war das Treffen einer Lerngruppe,

die ein spezielles Problem bearbeiten

wollte. Es bot sich natürlich für

mich Problem Orientiertes Lernen an.

Inzwischen hatte ich Übung im dirigieren,

bestand darauf die Problemdefinition

vordem Brainstorm zu machen, hielt die

Gruppe streng am Thema und nad i exakt

90 Minuten waren wir der Lösung

desProblemssehrnahe gekommen. Man

könnte sagen, ein gutes Ergebnis. Allerdings

war der Unmut groß. Einige fühlten

sich wie in einem psychologischen

Experiment, zu stark eingeschränkt ui id

wollten nie wieder so arbeiten,

GruppcMityp B ist für mich die beste

Form der POL-Gruppen, die ich bishur

kennengelernt habe. Sie zeichnen sich

durch einen (bezahltun) Tutor aus, der

hauptsächlich organisiert luidmeüuxlische

Hilfestellungen leistet. Es wurden

m Absprache mit den Teilnehmenden

Themen wie Durchfiül, Entzündung oder

andere tbkusiert. Hierunter lallt übrigens

auch das offizielle Bloekpraktiku m der

Hygiene anderFU-Berlin. Andere Gruppen

arbeiten über mehrere Semester zusammen

oder werden sogar Selbstläuier

ohne Tutor. Eine dieser Gruppen veranstaltete

i m vierwöch igen Rhythmiis sog.

Bleiantenrunden. Hierbei handelt es sich

um Treffen mit Professoren und Assistenzärzten.

In den abschließenden Evaluationen

wurden Qualitäten herausgearbeitet,

die wir uns von dieser Arbeitsweise

aucherhofft hatten. Im Zentrum steht

neben dem medizinischen Fachwissen

ein Veranderungsprozeß, der von den

Studierenden dieser Gruppen als besonders

wertvoll erachtet wird. Ein Prozeß

des Umdeiikeiisimd der Umgewöhnung,

l'indenkun. von wonach wo 9

-58- -59-

"Hey teacher, leave us kids alonel""

Der Prozeß:

1. Vom wilden, eifrigen Bearbeiten zur

Arbeit mit Problemlösungsstrategien ind

bibliographischem Vorgehen

2. Vom Referieren/Reproduzieren

zum Diskutieren/Mitarbeiten

3. Vom passiven Zuhören zum aktiven

Mitdenken

4.Von der Passivität zur

Selbstständigkeit, zur Identifikation mit

der Belu mdlungssituation

5. Vom Einzelkampf zur Zusammenarbeit

mit anderen, auch anders qualifizierten

Mitarbeitern

T-ogether

E-veryone

A-chieves

M-ore

6. Vom Pauken auf Halde zum standigen

Lernen

7. Emanzipation von der Universitätsluidlfcuikeiihaushierarchie

und dun damit

verbundenen Persönlichkeitsbildern,

Behauptung in den bestehenden Machtverhältnissen

mit leksen, klugen Methoden/bedeutet

auch Konfüktfähigkeit.

8. Vom schlechten Gewissen zum

Selbstbewußtsein

9. Von der Ängstlichkeit zur Sachlichkeit

10. Hin ZT.IT Sozialen Kompetenz, bedeutet

neben Kooperationsbereitschaft

mid Toleranz v. a. KomraurnkationsßilTigkeit,bedeutetu.a.:

lOa Vom Dazwischenreden zum Zuhören

l Ob Vom Schweigen zur Iiifonnation

lOc Die Fälligkeit, Probleme formulieren

zu können, die Fähigkeit, Fragen

formulieren zu können.

11. Bisher haben wir das Gefüli], gut

gelernt zu haben wenn es weh getan hat.


"Hey leacher. leave us kids alone!*'

-60-

Medizin studieren darf ruliig Spaß inachen.

—> Entwicklung vom Leid zur

Freud

Der Schlüssel zu diesem Prozeßistdie

Evaluation. Durch Evalüation werden

Unzufriedenheiten thematisiert und oft

aufgehoben. Sie ist ein Teil des Feedbacks.

Die Studierenden erkennen, daß

sie mitbestimmen könnenund entwickeln

Vertrauen

Ich habe einen sehr guten Eindruck

von Gruppen, die sich 2 oder 3 Semester

lang treffen. Allerdings bin ich auch überrascht,

wie schnell die o.g. Qualitäten im

Hygiene-Blockpraktücmn der FUB zum

Vorsehe in kamen. Ein Vorteil des Blockpraktikums

liegt darin, daß m an täglich

mit dieser Methode konfrontiert wird und

man sich so sclmeller daran gewöhnt,

Dennoch halte ich es für fraglich, waw

die Studierenden anschließend mit ihren

Erfahrungen anfangen.

Dir könnt Euch sicher vors teilen, warf

ich für eine Meinung über Gruppe G

habe. Hier haben wir das Problem, daß

Professoren die Universität«- und

Ivrankeiiliausliierarchie genauso repräsentieren

wie das geballte Wissen und

nicht zuletzt repräsentieren sie die Prüfenden.

Das verhindert natürlich Veränderungen,

die den Umdenkiuigsprozeß

ausmachen. Leider mußte ich auch feststellen,

daß Professoren im Umgang mit

Studierenden oft einen erheblichen Mangel

an sozialer Kompetenz aufweisen.

Wasbleibt angesichts dessen überhaupt

noch für ein Grund, POL - Gruppen von

Lehrenden im herkömmlichen Stil betreuen

zu lassen Hierzu das Zitat von Fink

Floyd: "Hey teacher, leave us kids

alone!" Denn es fällt den Teilnehmern

solcher POl^Gruppen schon schwer genug

sich von den unzeitgemälten Vorstellungen

zu trennen. Gleichzeitigmußich

sagen, daß wir sein- gute Erfahrungen mit

den Elefantenrunden gemacht haben.

Dort übrigens auch positives Feeback

von Professoren bekommen haben, die

meist darüber überrascht waren, wie gut

unsere Fragen gestellt waren.

m Resümee

Was ist das Ziel einer modernen Vorbereitung

auf die Arztliche Arbeit

-Fachwissen (Knowledge)

- Fertigkeiten (Skills)

-Meinungen (Attitudes)

POL - Gruppen sind dazu geeignet in

allen drei Bereichen gute Dienste zu leisten.

Fachwissen zu erarbeiten, soziale

Fertigkeiten zu erlangen und Haltungen

auszuprägen. Die zentrale Qualität von

POL, durch die es sich von anderen Lernmethoden

abhebt ist ein

Veranderungsprozess bei den Studierenden.

Die Einführung solcher Gruppen

haltt; ich für überfällig. Hierzu sollten

Stellen für studentische Hilfskräfte eingerichtet

werden oder schon bestehende

dafür genutzt werden. Esempfieliltsich,

diese Stellen mit Leuten zu besetzen, die

Eriolirungen in Gesprachsruhnmg oder

POL haben. Nach Möglichkeit sollten

monatliche Elefantenrunden mit der Absicht

veranstaltet worden, mit lehrenden

als Experten zusammenzuarbeiten. Hier

können beide Parteien auch erleben,

welche Potentiale in den Studierenden

und der Methode POL steckea Evaluation

erweist sich als existentielle Kontrollinstanz.

(Vorgetragen beim Symposium

"Qualität der Lehre"am 10, Februar

1995inKÖln.)

Marko Pfaff Lynarstrasse 5 / 5202,

13353 BERLIN Tel. 030/461 24 66

Rezension " Leitfaden zur Studienreform in

Human- und Zahnmedizin"

von Jörg Krüger, Berlin

Seit der Approbationsordnung (AO) von

1970 studieren alle StudentTnnenim Fach

Medizin bundeseinheitlicli Damals von

den Studienreformem gefeiert, beinhaltete

sie Neuerungen wie das PJ, das

Multiple Choice System, eine patientenorientierte

Ausbildung und eine sozialere

Orientierung in der Ausbildung durcl i

Fächer wie Soziologie, Psychologie,

Sozialmudizinetc..

Seit Jahren wird mm wieder über eü ie

grundlegende Reform des Medi/instudiums

diskutiert

Die Idee des Leitfadens wurzelt im

ITNiMUT-Streidwun 1988/89. Es gab

ihn zum ersten Mal 1ÜÜ1 und jetzt erschien

die zweite überartxeitete Auflage

im Januar 1995.

Das Ruch gliedert ^ich in drei Teile;

Zuerst werden Projekte vorgestellt, die

mgional oder liberregional Refbrmideen

verkörpern. Die Palette erstreckt sich vt n \

Anamnesegruppeii, Orientierung^einheitm

(OB), Studentischen Pioblemonentierten

Lerngruppen (POL) über

Hausbesuclisprogramme m Greifswald

bis zurUingestaltui ig klinischer Praktika

und einer Darstellung des Aufbaustudiums

Public Health/ Gesundheitswissenschaften.

Jedes Projekt wird kurz

auf ein bis zwei Seiten vorgestellt; dann

gibt es Literaturhinweise und Kontaktadressen

Im zweiten Teil werden die relevanten

Gesetze wie die Bundesärzteordnung,

die AO und deren Novellierungen, die

politischen Entwicklungen sowohl Inder

Bundesrepublik als auch in der ehemaligenDDRund

den neuen Bundesländern

nachgezeichnet

Zuletzt werden die verschiedenen Reformvorschläge

vorgestellt: das Curriculuin

aus Berlin, die Vorschläge des

Murrhardter Kreises, des Wissenschaftsrates

und des Biuidesministeriums für

Gesundheit und der Sachverständigengmppe-,

Kinon nicht unbeträchtlichen

Umfang nimmt der Anhang mit einer

ALiilistung-dürTagi.ingen,l\iblikationen,

Adressen von Archiven, in denen Litoratur

zur Aus- Weiter-Foitbildung gesammelt

wird, Kachscliafteii, ASteix der Bundesregierung

und last not least des Bundesgesiu

idlioitsministeriums ein.

Für jede Diskussion und Auseinandersetzung

in diese Pachtung ist wichtig und

hilfreich/u wissen, was es wo schon gibt

undwereinennnelu-üamU'rsagenltmin;

all dies erfüll!: das Buch ui kurzer, prägnanter

ui id sehr struktieiter Form, und

die vielen Adressen machen es Interessierten

leicht, sich tiefer in bestimmte

Themen einzuarbeiten. Will man nicht

selber in mühseliger Kleinarbeit alles zusammentragen

(oder hat dies schon getan),

so wird sich dieses Buch als sehr

lohnend erweisen.

" Leitfaden zur Stucfienreform in Human-

und Zahnmedizin"

herausgegeben von Eberhard Göbel

und Sven Remstedt

Mabuse-Veilag ISBN 3-929106-02-7


Rezeriiion "Reform der Ärzteausbildung"

Rezension "Reform der Ärzteausbildung"

Neue Wege in den Fakultäten

von Tobias Dietel, Berlin

Das Buch enthalt eine Sammlung von

Beiträgen reform williger Mediziner aus

dem deutschsprachigen Raum. Beim

Durchblättern des Verzeichnisses der

Autoren und beim Stöbern in deren Kurzbiographien,

fällt sofort auf, daß nicht ein

studentischer Beitrag enthalten ist. Spiegelt

es das Interesse der Studentinnen an

diesem Thema wider

Die Autoren aus „Ost" und „West" geben

einen Einblick in

-den Stand der Studienrefomi,

-einige Modelle und Perspektiven,

-machen Refomivorschläge für Fächer

und Formender Ausbildung und

-beschreiben Aspekte der Weiterbildung

an den medizinischen Fakultäten m

Deutschland.

-62-

l )er Leser findet darüber hinaus ein

vollständiges Konzept für eine Arzteausbildung

im europäisch-deutschspmcliigui

i Kaum. Et. ist das Ergebnis der

/Aisaminenarbeit der Fakultäten in Bern

imd Münster. Ein weiterer Beitrag betißt

sich mit der internationalen Entwicklung

der Studienreform in der Medizin. Es

wird ein Überblick der Bemühungen und

eine differenzierte Darstellung der Bedingungen

in den einzelnen Regionen Nordund

Südamerika, Europa, Asien und Afrika

gegeben.

In einem Abschnitt des Buches wird

die Entwicklung des Medizinstudiums in

Deutscliland nach dem 2. Welt-krieg dargestellt.

Die Ausbildungssysteme im Ostund

Westteü des Landes mit ihren verschiedenen

Positionen und Schwerpunkten

und den unterschiedlichen Möglichkeiten

einer Reformbewegung werden

beschrieben. Aus den geschichtlichen

Zusammenhängen einer „geteilten

Medizinerausbildung", über die Situation

der Vereinigung spannt das Buch den

Bogen zu den akti lellen Bedingungen für

Veränderungen in der Fakultätenlandüd

uitt Von den Aktivitäten auf dem

Weg dorthin fällt besonders die Arbeit

des Murrhardter Kreises auf, der 1989

d i ad i e inen seiner Mitglieder zusammenfassend

formuliert:

"...l*ati,entenorw.ntierter Unterricht

und Pätieiüenhüntukt der Studierenden,

abgestuft nuch tfirem jeweiligen Ausbildungwtand,

über die gesamte Zeit des

Studiums, Konsequente Um Stellung des

bisher überwiegend fachürientierten

zum problemorientierten Untenich tund

dam 1.1 Integration, der Inhalte schon in

der Lt'/i re und nie hl erst beim Lernen.

Verstärkung der Psyc}\osozinlen Anteile

i in gesaiuU'n, Studium einsehUeßlichethischerProbleme.

Verstarfai.ngderEige.ninitiative

der Stitdiereiidendurch Aufteilung

des Stiidienangebotes in ein sogenanntes

Kerncurriculnm und einen

Wahlpflichtaiiteil. Angeleitetes Selbststudium

der Studierenden durch Tutorengruppen".

Nach dem Teil, der den theoretischen

Rahmen zum Thema Ausbildungsrefbrm

-63-

schafft, folgen Beiträge, welche konkrete

Beispiele liefern. Da gibt es die etablierten

Modelle, der Universitäten Witten-Herdecke

und Münster, deren Entwicklung

und Umsetzung beschrieben

wird, Der Leser erfahrt etwas über das

zähe Ringen in Berlin. Wie steht es mit

dem dortigen Refbrmstudiengang

Neben diesen umfangreichen Arbeiten

wird in unterscliiedlich gelungenen

Beiträgen über Einzelaspekte, so wie allgemeine

Überlegungen zur Verbesserung

des Unterrichts berichtet. Verbreitete

Konzepte wie POL (ProblemOrientieites

Lernen) und weniger bekannte, wie CBE

(Community-Based Education =

Gei neu idebea jgene Ausbildung) werden

vorgestellt, Die Ausbildungsidee bei

CBE ist dabei die Ausrichtung an der

medizinischen Grundversorgung einer

Region. Der Student verlaßt den Elienbeinturm

der l Jnikliiuk und ist mit der

Realität der K rstvei'sorgung von Patic;nten

konthintiert, wird dadurch xurEntvviddiuigpraktikablerl^siuigsstrategien

angehalteiuind leistet gleichzeitig einen

Beitrag /ur Knnikenver.surgiuig einer

Kommune. Dies geschieht im Wechsel

mit der universitären Ausbildung.

Beim lösender Berichte wird einmal

mehrdeutUch, daßRefbrinl>estiebmiyen

nicht ein Resultat der heutigen Zeit sind.

Sigerist sagt 1941 dazu: „Ein historisch

endgültiges Modell der ärztlichen Ausbildungkann.es

nichl geben, Wirtschaftlidw,

soziale widkulturelle Bedingungen

wandeln sich, und mit ihnen auch

die medizinischen und. pädagogischen

Leitbilder."

Nach dieser punktuellen inhaltlichen

Besprechung, möchte ich auf strukturelle

Aspekte des Buches eingehen. Das

Werk ist eii i Sammelband, so darf es nicht

verwundern, daß es zu Überschneidungen

kommt. Eine umfangreiche Bibliograpliie

(über 600 Nachweise) bietet die

Möglichkeit zum vertieften Einstieg in

einzelne Themen. Weiterhin gibt es ein

Register, in dem sogar das Stichwort

Anamnesegruppen existiert, doch was

darunter zu findenist, verdient das Prädikat

dürftig. Da ist ein dickes, schwarzes

Loch. Schade!

Vom Ende des Bandes nun zum Anfang,

Was muten uns die Herausgeber

dort /.u Zum Geleit Zum Geleit, so

heißt die Überschrift des Abschnittes, .in

dem sich vier medizinische Institutionsfürsten

(drei Dekane, ein Fakultätsratsvursitzender)

zum Thema Reform

äußern

Doch das ist dann eher zum Weglaufen,

bzw. Überblättern. Diese Beiträge

heben sich in ihrem allgemeingültigen

(Jeschwafel und komplizierten Formulierungen(Edukation,

desavouiert) deutlich

von den meisten anderen Beiträgen ab.

Der gute Wille ist sicher da ; doch anhand

dieser Aussagen drängt sich die Frage

auf, ob mit den lauten aus der Chefetage

Veränderungen möglich sind.

Das schüj le dieses Buches ist die enthaltene

Fülle an Ideen, Modellen und

Perspektiven zur Umgestaltung, sicher

Verbesserung der ärztlichen Ausbildimg.

Das Traurige liegt in der Erkenntnis, daß

Jahre der Zö gerlichkeit und politischen

Inkompetenz verstreichen, bis solche

Vorstellungen umgesetzt sind. Die Konsequenz

daraus kann fu r uns frustrierte

Studentinnen und Studenten nur Anregung

und Bereitschaft zur Gestaltung der


sbildung"

m

eigenen Ausbildungsverhältnisse sein

(Größere Anzahl von Ärzten und

Hocllschullehrern, welche • unterstützt

von der Robert-Bosch-Stiftung- ändern

Thema „Arztbild der Zukunft - Analysen

künftiger Anforderungen an den Arzt

- Konsequenzen für die Ausbildung und

Wege zu ihrer Reform" gearbeitet haben.

Abschlußbericht 2. Auflage, Gerungen

1990.)

Herausgegeben von D. Habeck, U.

Schagen, G. Wagner

Blackwell Wissenschafts-verlag Berlin

1993

ISBN 3-89412-144-0

Broschiert, DM 48,-

Bericht über eine Famulatur am

Xnselspital in Bern

von Tobias Dietel, Berlin

Im September 1994 war ich für vier

Wochen in der Medizinischen Abteilung

C.L. Lory-Haus in Bern zu Gast. Es ist

eine Abteilung für Innere Medizin, insbesondere

für Rehabilitation und Psychosomatik,

und gehört zum Uniklinikum,

Aufmerksam auf das Lory-Haus wurde

ich durch das Lesen des Buches:" Anam

nese und Klinischer Befund". Die Auto

rensmd Mitarbeiter dieser Abteilung,

Rolf Adler, Chefarzt und Willy

Hemmeler. Psychologe. Sie entwickeln,

bzw. stellen in diesem Buch ein Konzept

der Anamncseerhebung vor., dessen

Grundlage dasbioprivchoso/.iale Modell

ist. Kywird versucht dar/ustelJe n. wie im

Erslintomew die suin ansehen, su/jak-n

Luid psychischen Aspekte zusammen mit

der Korpemntersuehunt; su genau wie

möglich erlaßt werden können. Aber das

soll ja kerne Buchbesprechung werden

Kurzerhand schrieb ich lYofessor Adler

eu iüii Brief und bat um einet i Kami üaturplatz.

Umgehend erhielt idi positiven

Besclieid. l Jin Wohnung mußte ich mich

selber kümmern. Also die Sachen gepackt,

Fahrrad geschnappt, rein in den

Zug und aus der einen "Bärenstadt" in

die andere gedüst.

Der Tag beginnt um 8.00 Uhr mit dem

Rapport, wo sich die Ärzte, Studenten

und ein Vertreter/eine Vertreterin der

weiterenBemfsgnippen versammeln Da

hin ich gleich bei einem wichtigen Punkt,

nämlich der interdisziplinären ZusainmeiimteitzwischcuiMitai-beitemiiienLind

Mitarbeitern aus der Ärzteschaft, Psychologie,

Pflege, Physiotherapie, Ergotherapie,

I/jgopädie und Sozialarbeit, die

im Lory-Haus vorbildlich praktiziert

wird. Dazu gehören auch Frust und Auseinandersetzung,

doch keine spürbare

Resignation. Das ist der Ort wo jeder,

der etwas zu sagen hat, persönlich vom

Leiter der Kunde darauf angesprochen,

dies tun kann. Da staunte ich nicht

sclüecht, als ich vom Chef gefragt wurde,

ob ich denn nuch etwas liatle. Durch

hiesige Situationen des Sprechens in

solch einer Kundr t :ntwöhnt stammelte

ich: "Nein Danke! Nichts!", vergaß sogar

mich vorzustellen. Auf weiteres

Nachiragen m dieser Richtung brachte

ich dann das Übliche heraus, Name etc..

Auch im weiteren Verlauf meiner Zeit

wurde im Rapport nie versäumt die

Studis zu fragen.

l )asBerndutsdi war ein echtes Problem

für m ich, ich habe nichts verstanden.

Bei Besprechungen wurde darauf

Rücksicht genommen, wir verständigten

UILS in dürSc)iriftsprache=HochdeutscK

Auch nach vier W< jchen liatte sich daran

nicht viel geändert.

Im Hau.se, welches vom feinstenausgestattet

ist, gibt es fünf Stationen. Ich

wurde einer Station und somit einem

Assistenten als direktem Ansprechpartner

zugeordnet.

Der Tagesablauf ist bestimmt durch

Visite, ambulante Behandlungen, Aufnahmen

und Abgänge, Häufig müssen

-65-


Bericht über eine Famulatur om Inselspilol in Bern

Gutachten für die Versicherung erstellt

werdenin

den vier Wochen habe ich eine Patientin

aufgenommen und im Verlauf betreut.

Unterstützung erhielt ich vom Assistenten,

vom Oberarzt der Abteilung

und einmal in der Woche Einzelsupervision

bei Herrn Hemmeier. Die Organisation

des Stationsaufenthaltes dieser

Frau m ulke ich selbständig erledigen.

Damit war- ich gut ausgelastet und hatte

Zeit tur den Stationsalltag und die diversen

WeiterbildungsangeboU;.

Eine Aufnahme läuft wie folgt ab:

l Ananuieseerhebung: Dazu ist ca.

eine Stunde Zeit, dasGespräch wird mit

Zustimmung der Patientin/des Patienten

aufgezeichnet (Tonkassette). Danach

kurze Pause für die Beteiligten. Es

schließt siel i die Körpern i itersuchungmi.

iiStatuserhebung: Zeitlicher Halimen

ist ebenfalls eino Stunde, l )anach längere

Pause, Pat bekomm t sein Bett etc..

Die Anamnese und der Status werden

normalerweise am selben Tag mit dem

Oberarzt besprochen, unwohl, wird der/

die Pat. dein Oberarzt vorgestellt.

Am darauffolgendenTag"Kleine Gemeinsame",

d.h. Runde mit einer Vertreterin

oder einem Vertreter der Phy siotherapie,

Kryotherapie, Pflege, evtl. dem

Sozialdienst. Diese hatten ebenfalls ein

Gespräch mit dem/der Pat.. Es werden

Informationen ausgetauscht, ein gemeinsames

Bild entwickelt und das weitere

Procedere festgelegt. Dieses Verfahren

kostet seine Zeit, klar, es zeigt aber das

es möglich ist. Für mich war es wichtig,

die eigene Sichtweise vergleichen und

liintetfragen zu können. Dem Pat. ist es

sowieso angenehm, klare und sich nicht

widersprechende Aussagen zu bekommen.

Am Ende dieses

Aufnahmeprocedere steht dann eine

"Integrative Diagnose", ein Versuch, die

körperliche, soziale und seelische Situation

des Menschen im Zusammenhang

mit seiner Krankheitssituation zu erfessen.

Soweit eine kurze Schilderung zur

Problematik der AufhaJmie.

Im September waren wir drei Studis

im Haus, zwei PJler und ich Wir kamen

in dei i Genu f J der loryintenien Weiterbildung.

Das heißt, der Prof. Adler nahm

sich in der Woche jeweils zwei Stunden

Zeit, ummitunsGesprächsfi-'üiiiingund

Nachbesprechungen durdizufüliren. Unsere

Aufgabe war es, die Patientinnen-

Vorstellung 1 zu organisieren. Auch kam es

einem von uns Studis zu, eine kurze Anamnese

zu erheben. Es folgte die Nachbesprechung,

dabei forderte uns Prof.

Adler immer wieder auf, darauf zu achten,

was der Put. in uns auslöst. Phantasien,

Gefühle, Wall nlehn Hingen gab es zu

besprechen. Dabei konnten wir von seiner

Erfahrung profitiere) i.

Eine weiteres Angebot kam vorn Psychologen,

Herrn Hemmeier. Das sogenannte

Kassettenseminar. Dort trabten

wir mit den Aufzeichnungen, dervonuns

geführten Anamnesen an. Herr

Heni meler bediente dabei die Stop-Taste

und hatte häufig einen nervösen Finger.

Meine Kassette lief bei der ersten

Besprechung keine zehn Sekunden, bis

das Band das erste Mal stoppte. Mein

Gefühl wechselte in diesen Sitzungen

häufig. Es pendelte zwischen konstruktiver

Kritik und Demontage. Allerdings

l latte ich nie das Erlebnis niedürgemacht,

sondern eher .schonungslos ernstgenom-

-66-

Berich! über eine Famulatur am Inselspital in Bern

men zu werden. letztlich habe ich einiges

Anamnesehandwerk dabei gelernt. plinärem Kreis von Ärztinnen und Ärzbulant

oder stationär) einem interdiszi-

Etwas besonderes war die einmal in ten vorgestellt, um dann unter nachfolder

Woche stattfindende Schmerzsprech- gende n Kriterien besprochen zu werden.

stunde. Dort werden Patientinnen (ain-

Ein fiktives Beispiel:

Stichwort: Hüftbeschwerden rechts

Schmerzlokalisotion: umschriebener Punkt dorsal an der rechten Hüfte

Schmerzcharakter: Dauerschmerz, durch Operationen nicht beeinflußt,

Schwellungsgefühl, Gefühl von Eingeschnürtsein, irn Schmerzpunkt wie Nadelstiche

Schmerzintensität: variabel 0-iO auf Analogskala

Ausstrahlung: keine sichere Ausstrahlung

Begleitsymptomatik: muskelkrampfartige Schmerzen im ganzen rechten

Oberschenkel (wie mit Schnur angebunden), Gefühllosigkeit in der Mundregion

verstärkende Faktoren: größere Anstrengung, längeres Sitzen, Stehen, viel

Gehen lösen längere Scnmerzutfacken aus

lindernde Faktoren: liegen, warme Bäder, valoronropfen (phcnmakologische

Wirkung und Beschreibung der Patientin r ,ind nicht sicher vereinbar)

Verlaut: Nach Morbus Perthes mit H jähren [Irnmcbilisation Über 6 Monate) bis

in Alter von 46 Jahren Beschwerdefreiheit.

19SA wegen neu auflistenden Schmerzen, werden nicht näher charakterisiert,

erfolgt Rotaüonsoiteotomie mit Beinverkürzung um lern. Komplizierter

Verlauf durch verzögerte Keileinwachsung. Ein Jahr später Reoperation.

1 988 erfoigt die Fiemdmaterialentfernung. Persistierende Schmerlen führen

schließlich zu einer TEP-lmplantalion, ohne daß dadurch die Schmerzen positiv

beeinflußt werden. Nach einwöchigeo: Aufenthalt mit dem Ehemann in Paris

kommt es zur Exazerbation der Beschwerden. Die Schmerzklagen und

Beschwerden gingen während dei Hospitalisalion deutlich in magisch

anmutender Art und Weise zurück. Bei Entlassung geht die Patientin ohne

Stöcke.

Was spricht für eine organische Grundlage

- gewisse Belastungsabhängigkeit, Linderung durch Ruhe, anamnestisch umschriebener

Schmerz

Was spricht tür Psychogenese respektive psychische Überlagerung bei

organischer Grundlage

- Dauerschmerz, eher vage Angaben, Therapieresistenz, Kopplung von Beschwerden

an Beziehungen, Überforderungssituation, Verlauf, traumatische

Spitalerfahrungen, häufiger Arztwechsel, Verschweigen von Vorabklärungen

und Hospifalisationen, Austritt ohne Stöcke und nach Tagen nächste Konsultation

beim Chiropraktiker, mögliches Konversionsmodell: eigene Erfahrung mit

Morbus Perthes.

Anforderung an heutige Besprechung/Kurzinterview: Erfassung der Beschwerden

nach sieben Dimensionen, Wertung der einzelnen Befunde, Festlegung

des gemeinsamen Procedere.

Dr. St. Goetz Bern, den 18.07. 1994

-67-


Bericht über eine Famulatur am Inselspitoljn Bern

Es gibt noch mehr Inhaltliches zu berichten,

doch ich möchte hier einen Schnitt

machen, um ein paar organisatorische

Dinge loszuwerden. Mit der Kohle sieht

es als Famulant in Bern schlecht aus.

OmziellhatmankeinenAnspruch, Wer

aber richtig oberclever ist und sich vor

seiner Einreise eine Arbeitserlaubnis besorgt

(für PJler macht es die Abteilung

oder Uni automatisch) hat eine gewisse

Chance, etwas abzusahnen. Unterbringung

ist das nächste Thema. Das Inselspital

hat einen IJegensdiaitsdienst, der

so etwas wie Personalwohnunguiumd -

Zimmer verwaltet. Bei rechtzeitiger Buchung

überhaupt kein Problem, aber

sundliatt teuer und untei'HcliiedlicluscliöiL

Immer dicht am Klinikum. Anzugsordnung

ist auch geregelt. Es gibt eine

Leihmöglichkeit für Kittel. Bis auf die

Chefarzte tragen alle Rücksclüußkittel.

INSELSPITAL

SITUflTIONSPLUN

BERN

also spart euch das Gepäck.

Für das Lory-Haus gibt es noch zu

sagen, daß Studenten gern gesehen sind,

aber lieber für länger als vier Wochen.

Auch wenn sich das jetzt so anhört, war

es nicht das Paradies, es gibt auch "Anstößiges",

doch meine Erinnerung brachte

ersteinmal das Gelesene hervor. Sei es

drum!

Wenn ihr Lust bekommen habt und

Euch ein eigenes Bild machen wollt freut

mich das, ist sozusagen beabsichtigt, also

weitersagen

Berlin, den 19.03.1995

Universitäfsspital Bern

Med. Abteilung

C.L Lory-Haus

Psychosomatik, Interdisziplinäre

Schmerzsprechstunde, Rehabilitation,

Psychoonkologie

CH-3010 Bern

Rezension "Intuitive Medizin"

Einfuhrung in eine anthroposophisch ergänzte Medizin

von Tobias Dietel, Berlin

In diesem Buch versucht der Arzt Volker

Fintelmann, dem Leser die Inhalte

einer anthroposQphisclienMenscheiikiinde

aufzuschließen. Er beschreibt die

Möglichkeiten, die sich aus einer geisteswissenschaftlich

erweiterten Medizin

ergeben. S(mielaii^ahrig


Rezension "Intuitive Medizin"

Es geht weiter mit Erläuterungen zur

Theorie der Erkenntnisgewinnung. Der

Autor beschreibt wie der Mensch mit

seinenSinnesorganen wahrnimmt undim

Denken den Wahrnehmungen Begriffe

zuordnet, In der Verknüpfimg der Begriffe,

im Erfassen des Zusammenhanges

folgt die Erkenntnis, d.h. die gedankliche

Erfassung der Wirklichkeit und damit

Wissenschaft. Der Titel des Buches

lautet „Intuitive Medizin". Was hat Intuition

nun m it Wissenschaft zu tun Die

Anthroposophie versteht darunter die

Ausdehnung der Wahrnehmung auf

außerkörperhdie=seelisdie=l'ibei'si nnliche

Lebe iiszustände. Sie fordert für die Medizin

die Schulung solcher Sinnesorgane

die zur Wahrnehmung dieser höheren

Seinsstufen in der Lage sind. Der Leser

erfahrt von der außerordentlichen Begabung

Rudolf Steiners zur Wahrnehmung

solcher Sphären und der Fähigkeit, diese

zu Erkenntnissen zu verarbeiten. Als

Resultat und Methode seiner Forschung

entwickelt er die Anthroposophie. Sie

sieht ihren Platz neben der Naturwissenschaft,

als eine im Aiisatz gleiche, ergänzende

Geisteswissenschaft.

Unter dem Kapitel,, Allgemeine Menschenkunde

(Physiologie)" beschreibt

der Autor die Einheit und das Zusammenwirken

von Leib, Seele und Geist. Der

Leib gliedert sich demnach in Stoffleib

(physischer L. J, Lebensleib (Ätherl.) und

Empfindungsleib (Astral!.), die Seele in

Empfindungsseele, Verstandes- und

Gemütsseele sowie Bewußtseinsseele.

Die Geistglieder sind, Geistselbst,

Lebensgeist und Geistmensch. Die Ich-

Organisation ist ein besonderes Prinzip,

da es rein geistiger Natur und trotzdem

dem Ijüib zugeordnet ist. Die Glieder stehen

in einem komplizierten Beziehungsgefüge,

welche sich in einem Siebenjahresrhythmus

verändert und

Metamorphosierungenim Menschenbewirkt.

- „Der dreigliedrige leibliche Organismus"

ist der Abschnitt, welcher für das

Verständnis der Begriffe Gesundheit und

Krankheit aus anthroposophischer Sicht

von besonderer Bedeutung ist. Der Organismus

wird in Nerven-Sinnessystem

und Stoffwechsel- Gliedmaßensystem,

welche sich polar zueinander verhalten,

differenziert. Das Rhythmische System

als dritter Bestandteil funktioniert als

Bindeglied zwischen den Polen. Durch

innere und äußere Reize kannes zu Verscliiebungenmi

System kommen. Es resultieren

Ungleichgewichte, die als

Krankheiten eiüihrbar werden. Im Buch

„...,d


•a

A>jf okv\

•v.eJctxÄtel'f'

medizintheorie

"b((of ist

Z ^


Die Wartburggespräche

und die Frage, ob Gesundheit zu einem Grundrecht in Europa

werden kann

von Prof. W. Schüffei, Abteilung Psychosomafik.Universität Marburg

Im November 1992 fand das Erste

Wartburggespräch statt. GO Menschen

kamen zusam men und diskutierten die

Frage: „Gesundheit als Grundrecht in

Europa - eine Utopie'

Sie fanden mehr! leitlich, daß Gesundheit

zu einem Grundrecht in Europa werden

sollte und konnte und daß eine

Gesundheitspolitik, die sich einem derartigen

Leitziel verpflichtet sieht, keiner

Utopie nachginge. Das gleiche gilt für

Menschen, die aktiv im Gesundheitswesen

tätig sind, also Ärzte, Psychologen,

Sozialarbeiter usw...

Insgesamt haben drei Wartburggespräche

stattgeftuiden, um viertes ist

indca 1 Planung. Die ca. fiüBeteiligteiisind

zwar überwiegend Ai'zte und Arztinnen,

stammen aber auch aus anderen Disziplinen,

wie Psychologie, Theologie, aus

Verwaltungsberufen. Sie kommen überwiegend

aus Deutsdiland, doch sind versdiiedene

europäisdie Länder vertreten

einscliließlich der Türkei und Israel. Studenten

und Studentinnen waren von Beginn

an beteiligt. Sie werden in dieser

POM-Ausgabe über spezielle Kapitel des

letzten Wartburggespräches berichten.

Ichmöchte hier eine zusammenfassende

Darstellung des Verlaufes der bisherige n

Gespräche und einen Ausblick auf die

weitere Planung geben.

Der Fall der Mauer wurde im hessischthüringischen

Bereich sehr intensiv empfunden.

In meinen BalintgruppeninKassel

wurden Patienten vorgestellt, die bisher

jenseits der Grenze gelebt hatten und

sich mit den Angeboten der westdeutsclier

Medizin auseinandersetzten; in den

hessischen Krankenhäusern war es ahnlieh.

Die Umstrukturierung des

Gesundheitsystemes der ehemaligen

DDR setzte ein. Als Marburger konnte

ich die Situation besonders gut verfolgen,

da wir noch aus alten DDR-Zeiten eine

Partnerschaft mit Eisenach, der Stadt mit

der 1 Wartburg hatten. Beide Orte verbin-

-74-

Zeitpunkt, Ort und Thematik waren

bisher:

- Erstes Wartburggespräch

22.-24.11.1992 Gesundheit als Grundrecht

in Europa • eine Utopie

- Zweites Wartburggespräch

21.-23.11.1993 Wartburg in Bad

Nauhehn - S;Jutogenese: Gesundheit als

Förderung jet iseits von Trauma und Neurose

- Drittes Wartburggespräch

29.-31.01.1995 Wartburg in Erfurt-

Salutogenese: (Jesundhüit trotzZugehörigkeit

- Viertes Wartburgguripräch voraussichtlich

ünjanu;ir 1996 in Kassel. Das derzeitige

Arbeitst} lema lautet: Wartburg m

Kassel - Salutogcnese: Gesundheit, Sinnündungund

LYzählgemeinscliaften

det darüberhinaus über die Heilige Elisabeth

eine jahrhundertalte Tradition: Im

13. Jahrhundert mußte Elisabeth als Witwe

des Landgrafen von Thüringen in die

damalig südlicliste Region des thüringischen

Herrschaftsgebietes, d.h. auf das

Marburger Schloß umziehen. Hier entfaltete

sie ihre Tätigkeit als Schutzpatronin

der Unterprivilegierten, wie wir heute

sagen würden. - Im 16. Jahrhundert

verband die beiden Länder Hessen und

Tl iiuir igen das gcmeinsmne Eintreten für

denf-'iDtosuinti'.smusinnerh-xIbdesd-unah'gen

I teutsehen Reiches.

Es ist kein Wunder, daß aus diesen

regionalen Entwicklungen heraus sehr

.schnell ein hessisch- thiuingisches Nachb;irsdiaftsprogr;in]m

der beiden Länder

entstand, im RainuendiesesPiognuimies

wurde ein von m ir gern; tchter Vur.sd ü; tg

sowulil von hessischer wie von thurintdscher

Seite aufgegriffen, die Auswirkungen

der Wende auf die Gesundheit zu

ve rfalgen, Ich war be wußt von der Formulierung

ausgegangen, daß es um die

Förderung von Gesundheit und erst in

/weiter Linie um die Bekämpfung von

Krankheit geht. Unterst üuiuig fand ich

durchRANSCHüTZ, Leiter der Akademie

für Ärztliche Fort- und Weiterbildung

der Hessischen LandesärztekammerinBadNauheim;

sehr bald sollte sich

D. JORKE anschließen, Leiter der entsprechenden

Akademie in Thüringen und

langzeitig Ordinarius fvir Innere Medizin

an der Friedrich-Sclüller-Universität

Jena. Wir waren uns bewußt, daß die

Zielsetzung hochgegriffen war und

gleichzeitig ein Zeichen gesetzt werden

sollte. Wir meinten, daß die Wartburg als

altes Kulturzeichen dieser Region der

geeignete Tagungsort war, unsere Zielsetzung

zu unterstreichea

Erstes Wartburggespräch

Ais wir uns zum Ersten Gespräch im

November '92 auf der Wartburg trafen,

standen viele auf einem Gelände, von

dem sie oft gehört, das sie jedoch nie

betreten, geschweige denn zu ihrem geistigen

Besitz erklärt hatten. Wir waren

Fremde auf der Wartburg, obgleich dieser

Ort die deutsche Kulturgeschichte so

nadihaltig beeinflußt hat wie kaum ein

m iderer. Luther hatte liier die Bibel übersi'tzt

Seil le herausragende Leistung war

gewesen, daß er einen gemeinsamen

AI tsdi'uck für die verschiedensten deutschen

Dialekte gefunden hatte, so daß

sich diese in der von ihm formulierten

Sprache wiederfänden. Von diesem Ereignis,

üb ausgesprochen oder unausgesprochen,

haben wir uns inspiriert gefülüt.

Wir haben dam als einer Form uliemng

für Gesundheit zugestimmt, die ich

aus der Arbeitsstinnnung heraus formuliert

hatte:

in ich dann, wenn ich- mit, nur

Die anwesenden Benjamin MAOZ

(Beer Sheva/Tsrael) und Hani ie.s PAULJ

(Bern/Schweiz) führten uns dann vor

Augen, in einem wie hohen Maße das

Konzept der Salutoge- ne seder

Definition des Gesunden loahekomrnt. In

dem von AaronANTONOVSKYentwickelten

Konzepr der Salutogenese

(AMX)NÜVSKY, 1987) steht der söge-


Die Wortburggespräche

nannte Sense of Coherenc

e (SOG) im Mittelpunkt. Er stellt ein

zeitüberdauerndes Gefuge des Individuums

dar, in der biographischen Entwicklung

derselbe / dieselbe zu bleiben und

einen Lebensentwurf zu verwirklichen.

Grundelemente dieses Gefühles sind drei

Merkmale, närnlich die Fähigkeiten, die

Ereignisse mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit

vorhersagen zu können

(comprehensibility), sie gestalten zu können

(manageability) und ihneneinen Sinn

zusprechen zu können (meaningfi.djiess),

AaronANTONOVSJCYsüeßerstmalsin

der Zusammenarbeit mit Benjamin

MAOZ auf diese Eigenschatten gesunder

Menschen als sie Frauen untersuchten,

die das KoimHiLr.iüonslager überlebt

hatten und entgegen allen Erwurtungen

gesund geblieben waren.

Das Wesentliche an der Entdeckung

ANTONOVSKYs ist, daß gesund und

krank nicht als Gegensätze anzustehen

sind sondern verschiedenen Kategorien

angehören. Sie sind ils zwei Dimensionen

anzusehen, die sich einem

Ktxaxiiiuitenki'euzvergleiclibai'durclKien

zeitlichen Raum der Biographie hindurch

bewegen, wobei die Abszisse das

salutogenetische, die Ordinate das

pathogene tische Prinzip darstellt

(SCHÜFFELetal., 1994). Ausdrücklich

muß betont werden, daß mit dem Prinzip

der Salutogenese das Prinzip der Pathogenese

keinesfalls hinfällig wird. Dagegen

wird es r e l a t i v i e r t; Es

ordnet sich dem Prinzip der Salutogenese

unter. Immer tragen wir kranke Anteile

in uns. produzieren etwa täglich Krebszellen,

ohne an Krebs zu erkranken. In

sehr einfühlsamer Weise formulierte ein

Teilnehmer (H.-W. CRODEL); Selbst in

der Hinwendung zum Sterbenden drükke

der Arzt das salutogene oder das pathogene

Prinzip aus.

Zur Bedeutung des Konzeptes wurde

gesagt (PAULL 1992): In der Entwicklung

des Begriffes der Salutogenese könne

ge radezu eine k o p e r n i k a l i s c h

e W ende gesehen wurden.

Zweites Wartbiirggespi'äch

Zunächst bestand Ratlosigkeit, wo das

Zweite Wartburggesprach stattfinden

sollte- Vorgeschlagen wurden verschiedenste

0 rte in der Bundesrepublik. Geeinigt

haben wü'\irLsdarauf,daßes in den

Regionen von Hessen und Thüringen

stattfinden sollte, um liier zunächst eine

gemeinsame Sprache zu entwickeln. Der

Ausgangspunkt dieser gleichsam

„ Sprechversuche" war die Formulierung

von D. JORKE. Er hatte bereits im Ersten

Wartburggesprach gesagt, daß es

Not tue, Inseln der Vertrautheit aufeutun.

Denn auf 1 solchen Inseln könne man sich

trotz verschiedener Auffassungen austauschen,

da die Zuneigung trage.

stendielmperialistea Kapitalisten und

alten Nazis fanden; der Westen könne

nicht mehr behaupten, daß sich im Osten

die Kommunisten, Stalinistenund Links-

Terroristeniänden. Vielmehr würden wir

nach der Zusammenführung sehen, wie

diese Anteile in uns persönlich .u

finden bzw. aufzuspüren seien (so die

Hoffnung). Wenn wir also Gesundheit als

eine ArtGnaiojsditfürDeutscliJaiid verfolgten,

dann müsse es um die Frage-gehen,

wie es uns nal lezu 50 Jahre nach dem

Ende des Nazi-Regini es gelungen ist,

g^sdlsdiaftliche Freira'iune zur Ei itwickiitng

unsei weig< n len Kn^ativitat zu ädiaffen.

Zu dieser Zeit waren zwei Bücher erschienen,

die mich deswegen besonders

IxvinHmckteuaLssie aufäße Auswirkt m-

gen der Nazi-Zeit hinwiesen. Das eine

lautete in seiner deutschen L 'bei'setzi mg:

„Das Vermächtnis des Schweigens"

(BARON, 1993; 1989); das andere:

,, Verleugnet, Verdrängt, Verschwiegen"

(MÜLLER-HOHAGEN, 1988). In beiden

Büchern worden die tiefgreifenden

Auswirkungen auf unseren Stil des Zu-

. n —„, uuuuJ&KH L UHU

so kommentiert, daß von traumatischen

und neurotischen Nachwirkungen der

Nazi-Zeit in unserer Zeit ausgegangen

werdenmuß. Dementsprechend werden

der Freiraum und,, die Inseln der Vertrautheit"

durch Erfahrungen aus dieser Nazi-

Zeit bestimmt, innerlialb derer bzw. auf

denen wir unsere Kreativität als Grundlage

der 1 Gesundheit entwickeln können,

'der

Aus diesen Überlegungen abgeleitet

lautete der Titel des Zweiten Wartburggespraches:„Salutogenese:

Gesundhcitsförderung

jenseits von Trauma und Neurose"

. Da wir das Wartburggespräch in

Bad Nauheim fortsetzten, hießes,, Wartburgin

Bad Nauheim". In der Tat gelangten

wir durch eine gesellschaftliche und

nachhaltig außenpolitisch bestimmte

Standortbestimmung (VOGEL, 1993)

und durch den anwesenden MULLER-

HOHAGEN unterstützt* zur Einsicht,

daß nicht die Gegenüberstellung von Ost

und West st >ndern die gemeinsame Erarbeitung

der Vergangenheit bis 1945 die

Vorbeding'ung einer gesunden Entwicklung-in

Deutschland üst In einer konkreten

Weise und als Resultat des Zweiten

Waitburggespraches machten wir uns

daran, eine erste Fortbildung für Arztein

Bad Nauheim zu planen, in der auf

breiter Ebene der Begriff der

Salutugenese als Konzept und der Begriff

der (le.sundl leitüfikxienuig als praktische

Anwendung dos Konzeptes vorgestellt

wurde (SCHÜFFEL, 1994).

Auf dieser VeniiLstaltung wurde das

Schicksal eines Patienten dargestellt

(JOHNEN, 1994), der sich zunächst mit

dem Nazi-Regime identifiziert hatte und

nach dem Kriege eine Herzneuroso entwickelte,

um dann später an einer

G jronar-Er krankung zu leiden. Vor und

nach '45 hatte dieser Mann verschiedene

Identitäten übernommen, ohne diese

im eigentlichen Sinne inten lalisieren zu

Für mich war die These einer Arbeit

über„Die Wiedervereinigung deutscher

Schuld" (BECKER, BECKER, 1990)

unverrückbar fest im Gedächtnis geblieben.

Die Autoren liatten in überzeugender

Weise die Position vertreten, daß mit

der Wende der Osten wie der Westen ihre

jeweiligen Projektionsflächen für alles

Böse verloren hatten. Der Osten könne

mm nicht mein 1 sagen, daß sich im We-

-76-


fft Die

Wartburggespröche

können Ihm blieben die „ Inseln der Vertrautheit"

Linerrreichbar. Erlitt weiterhin

unter den erfahrenen Traumata und sah

seine Umgcbuiig neurotisch verzerrt, Ich

fragte mich, üb er nicht stell vortretend

für Millionen Mitglieder unserer Gesellschaft

stand, die zwar offiziell bestimmten

Weitegemeinschaften zugehörten,

also der DDR und Bundesrepublik (alt)

und nach der Wiedervereinigung nach

neuen Orientierungen suchten bzw. wieder

neuen Gruppierungen

zugewiusei i w urden und oft eine P s e u

do-Zugehörigkeit zugesprochen

bekamen.

Drittes Wartburggespräch

Das Dritte Wartburggespräch erhielt aus

diesem Grunde das Arbeitsthema

„Salutogeneso:Gesiuidhüit trotz Zugehörigkeit'

Diesmal fand es wiederum in

Thüringen, in Erfurt statt; deswegen

„Wartburg mErfiirt 1 '. Erstmals waren die

Vortragenden aus den Neuen Bundesländern

in der Überzahl. Damit hatte sich

ein Wandel vollzogen: Während bisher

eindeutig die Referenten aus dem Westen

dominierten, artikulierte sich nunmelir

die östliche Seite. Östliche wie

westliche Seite fanden sich zu einem

Gespräch mit einem Patienten ein, der d ie

gemeinsame Vergangenheit wieder auferstehen

ließ. Das ist an anderer Stelle

in dieser POM- Ausgabe beschrieben.

Hier soll es um zwei entscheidende

E r fahr u n gen gehen, die

wir wäli roi id dieses Drittel i Wartburggespräches

gemacht haben.

-78-

Die erste Erfahrung war, daß

in unserem Kreise äiißerst erfahrene Ärzte

aus Ost- und Westdeutschland zusammengekommen

waren und trotz aller Erfahrung

einen kollektiv blinden

Fleck aufwiesen. Sie nahmen

die Krankengeschichte eines Menschen

auf, der schwer unter den letzten Jahren

des Krieges gelitten hatte. In feinfühliger

Weise wurde erfaßt, wie sich der kleine

Junge m dem jetzt 57- jährigen Manne

entwickelt hatte. Die entscheidende

tramnattsdieP^hmidenu igeifaßten sie jedoch

nicht in ihrer krankmachenden

Weist, in der sie den Lebensweg des Jungen

und spateren Mannes bestimmten.

Das tat ein Arzt nulJerhalb des eigenen

deutschen Kulturkreisesund ün Umgang

uütStörungeii vertraut, die heute als posttraLunatiüches

St txiJi-Syiidtxjm bzw. chronische

traumatische Persönlichkeitsstörung

bezeichnet werden. Als diese

Diagnose gestellt wurde, reagierten viele

der deutschen Teilnehmer heftig abweliiend

in einer zweistufigen Weise:

Zunächst wurde gesagt, hier könnten

organische Ursachen vorliegen, die zunächst

abgeklärt werden sollten. Als entgegnet

wurde, das sei längst geschehen,

mußte diese Stufe der s o m a t i-

sierenden Abwehr aufgegeben

werden. Es folgte ein zweite Stufe, jetzt

der L e u g n u n g: Man sagte, wenn

dieser Mann noch unter diesen damaligen

Traumata leide, dannmüßten ja Hunderttausende

darunter leiden. In einer

langwierigen Diskussion, zum Teil heftig

bewegt, wurde bejahend geantwortet.

Es sei h i der Tat su. so die Antwort,

walu'sdieinlicIilmtteiiHuntiüittaiisende,

wui m mdit M UJionen unter derartigen

Beschwerden gelitten. Da sie zur Tagesordnung

gehörten, konnte man sie aber

nicht sonderlich vermerken und ging zur

Tagesordnung medizinischer Routineversorgiing

über.

Die zweite w i c h t i g e E r f a h-

r u n g vollzog sich am nächsten Tag.

Kiner der Teilnehmer berichtete, daß er

mit seinen deutsch-schweizer Eltern als

Achtjähriger von Argentinien nach Europü

/.unickkarn und nach Nürnbergzog.

Dort war er zwar unter seinen Nürnberger

Mitschülern ein Fremder. Doch

gleichzeitig wurde er bewundernd beneidet,

Es stellte sich nämlich heraus, daß

seine Mitschüler Vater liatten, die nicht

erzählen konnten; sein Vater hingegen,

der ein Schweizer war, der konnte ihm

Geschichten erzähle n. Als der Kollege

uns diese Geschichte erzählte, dachte ich

anMilXER-HOHAGEN.dermseinem

Buch berichtet, wie Nürnberger Schulkinder

im Alter von 12-14 Jahren in den

letzten Kriegs Wochen zum Nürnberger

Hauptbahnhof abkommandiert wurden,

um dort eintreffende Güterwaggons aus

dem süd-ost-europäischen Rauni abzuwarten.

In diesen Güterwaggons waren

Flüchtlinge jeglichen Lebensalters. Viele

von ihnen hatten die eisige Tage des

Transports nicht überstanden, unter ihnen

Kleinkinder und Säuglinge. Diese

wurden aus den Waggons herausgeworfen,

fielen in die ausgestreckten

Anne der Irerankunmiaudierten Nun iberger

Kinder, die die kleinen Leicrmame

wegzuschleppen hatten. Aus diesen Kindern

waren nun die schweigsamen Vater

seiner Nürnberger Schulkameraden

geworden.

Er/x'ililgemenischaften sind keine Treffen

von Paradiesvögeln. Als Erzählgemeinschaft

verstehe ich das Treffen

von Menschen auf den oben genannten

Inseln der Vertrautheit, nachdem sie unter

Umständen erbittert um die Bedingungen

ihres Austausdies gehandelt oder gar

gekämpft haben. Auf diese Inseln sind

derartige Menschen nicht mir bei Schön-

Wetter-Falirt gekom muasondern auch als

Scliiff-ßrücliige. Kennzeichnend für die

Inseln ist, daß auf engstem Raum eine

Kommunikation unter verschiedensten

Persönlichkeiten gesucht werden muß,

tun ein kreatives Lebensich entwickeln

zu lassen. Unter diasein Aspekt wird jetzt

für das Vierte Wart burggespräch, nämlich,,Wartburg

in Kassel" geplant. Im

Hinblick auf die Vorbereitung für das

Gespräch im Januar 1996 erscheint der

Austausch zwischen den Generationen

von extremer Bedeutung. Insofern ist es

von existentieller Bedeutung, daßStu-

-79-

Diese beiden Erfahrung haben mich

dazu gebracht zu sagen, daß es mich nicht

wundert, wenn wir Schwierigkeiten im

IJHigiingmit traumatischen Verletzungen

haben. 50 Jahre nach dem Kriege bietet

sich uns jedoch die Chance, mit anderen

Menschen aisammenzukommen, deren

Erfahrungen anzuhören und Gemeinschaften

zu bilden, innerhalb derer unsere

U'bensabläufe besprochen werden.

Derartige Gemeinschaften, soweit mein

Vorschlag, sollte man E r z ä h l g e -

myinschaften nennen.

iiä Vierte Wartburggespi-ächplanen

und ein Erinnern am 07. Mai 1995

unFrankfiuterRmkhaus


Oft Die

Wartburggespräche

denten an diesen Treffen teilnehmen. Sie

sind diejüngate Generation auf dem Treffen

der verschiedenen Altersgruppen.

Ineiner für mich urienvarteton Weise

wird der Gedanke einer Erzählgemeinadiaft

in kürzester Zeit aufgegriffen

werden. Wenn die POM-Leser d iesen

Artikel lesen werden, wird bereits ein

Ereignis abgeschlossen sein, für das derzeit

geplant wird. Der Hessische Rundfunk

plant am ()7. Maieinei i Erinnen ingstag

dLU'clizufuhren. Es soll gefragt werden,

wie jede der Erinnerungen an die

damalige Zeit unser Menschenbild beschädigt

und gleichzeitig die Chance enthält,

unser Menschenbild zu entwickeln.

Dazu wirdHR über 14SnindenlünTbndokumente

über die Zeit vun März - Mai

1945 ausatralilen. Das wird am 07. Mai

von 8.00 Uhr morgens bis mm 08, Mai •

1.00 Uhr morgens geschehen. Der 08.

Mai ist der 50. Jahrestag der Kapitulation

Nazi-Deutschlands. Die Ausstrahlung

wird auf HR2 erfolgen. Auf HR l werden

kurze Gruppengespräche innerhalb

eines sogenannten Panels zu diesen Geschehnissen

ablaufen. Am Montag wird

Literatur:

nachmittags eine Art „Zwischensicht"

gegeben werden und ein Ausblick

auf eine weitere Sendung in

ca. vier Wochen wird erfolgen.

Meine Hoffnung ist, daß durch diese

Veranstaltung ein Er- Innern im eigentlichen

Sinne möglich wird: Die ältere Generation

jenseits des 55teii Lebensjahres

(liisrsuidnochunnüttelbjireEfinnenuigsspuren

aus der Zeit von '45 vorhanden)

erinnert sich der tntsäclüich abgelaufenen

Ereignisse; die nactifolgenden Generationen

von 55 bis 25 bzw. 25 und

darunter holen aus ihrem Inneren

heraus, wie sie durch diese Ereignisse

beeinflußt sein mögen, ilire Umwelt in

einer heute für sie kennzeiclmenden Weise

wahrzunehmen. Das Patientenschicksal

des Dritten Wartburggespräches

könnte als eine Orientierungshilfe

ebenen. Ich habe mir vorgenommen,

Interessierten anläßlich des kommenden

Mai-Treffens der Anamnesegruppen in

Marburg hiervon zu erzählen, das Mai-

Treffen als eine Erzählgemeinschaft eigener

Tradition zu sehen.

AMONOVSKY. A (i37) Unrovelifig Ihe rnyitw/ oi (leol 1 *! Ju:isy Bdü io.i Fran:iscu

BARON, 0 (1993) DI t Lail de! icnweigers Gespräche ni'l Rindern vun Nazi-idterr. Camuuv Fiank'u't

CRODEt h-w ]I9JJ Diinjsii&'iitieiliag aniGiJiCN aes ^>-.e,lsn rtar[D i jis.]ges[jräciiei i." iüc Nü'.meiri!

fiFCCtfi. H i. SEOEÄ. ; i'ifJO; Die W,eai"ve:e,!'i,yi,ng de: icru'd. f'i^tiiMiai 37

MUaCfi'HOHAGEN. J (IBBI Vi-rleutioet. Verdrongl VBrs^liwiegn Die leeiischeii Auiwirlungen üsiHüchkriegb/eit Piepei

W.ULLEK-hüHAGEw J (1991)1 üt-idiichie m uns - Psycnogiamme oui dem Alllag, kneisbei-k. Manchen

PAÜII H |!9| Eemeit„fjg ariuSrjch de; Suküiviun dss tiüer w;i;lDL-.y,j-ip r Gtne! i'.-vt-'o'ltfn 1 , 1^. 1 -.:, 1

SCHUfFEL. W 1199.1] nronktieil oiirn' Beluiid Möglichkeiten clei üesuf.dtifcitslÜ!suiQS uii ntrue Autgacc tu' den niedi'igeloise-ntd

AI;:. Bad Nuuhem luriv^oüeiitliclili

JC/'yi-fEi V.' AJi'ir'io 1 '; F . c üf;:v\A r ,jLf' r .' ,&iMt"N. S f.O"NES V iC,-iAD£ t Ü!s WofTburggeipiache Gesundheit aü

C;uridrci cl in [uuipu - tire Itu^i^1-'

in Ana'n 1 ti-.'giupper uii -fe\ n.ii,..-n|iril F^il.-^ig IH'ybi F'ilM l. /c:lii;tinlt Mr

P'Jlisiiienüiieiilierte iVn.-iji^nei.'inen - Auibi.Oiiiiij JuDnOuniau^dt,» J'.i ,atri; Ar.ünineityup|jei'i

\^} Spiel:

Ich sehe was was du nicht siehst, kennt jeder, macht sich gut m neuer

Umgebung, um steh vertraut zu machen.

Das 3. Wartburggespräch

29.-31. Jan. 1995 in Erfurt

von Jörg Krüger und Tobias Diefel, Berlin

Salutogenese

Ich sitze im Zug nach Erfurt zum 3.

Wartburggespräch. Es ist das zweite

Mal, daß ich an diesem dreitägiggen

Treffen teilnehmen kann. Mein diesmal

selbstbezahlter Fahrschein liegt vor mir

und im Rucksack habe ich die Anmeldungen

für Unterkunft und Mensaessen

- auch dies aus eigener Tasche. Nicht

über das Wochenende wie '94, sondern

unter der Woche wird diesmal getagt;

als Tagungsort erwartet mich ein improvisiert

wirkendes Hotel.

Es scheint mir, als ob das Interesse

dieses Projekt zu unterstutzen schwindet.

Zu wenig Ergebnisse, zu wenig

Handfestes, Verwertbares Zu wenig

lukrativ, zu wenig prestigewirksam, zu

wenig doppelblinde randomisierte Studien

oder Ideen, die dem Zeitgeist nicht

gerecht werden, ihn nicht vermögen zu

bilden, niemanden interessieren

Zum Konzept der Salutogenese; Ein

Beispiel: Ein 35-jähriger Patient „leidet"

an einer vererbaren Retmopathie

und ist inzwischen auf beiden Augen

erblindet. Ich begegne ihm in einer Arbeitsgruppe

zum Thema Krankheitsbegriffe

auf einem Symposium, Nachdem

eine Weile diskutiert worden war

meldet er sich zu Wort und sagt er fühle

sich gar nicht krank, könne gar nicht

sagen, daß er seit der Erblindung an Lebensqualität

eingebüßt habe. Das, was

ihn sich noch krank fühlen lasse, seien

nur noch die Reaktionen der Umwelt,

Was heißt Gcsutidsein, Kranksein

Bedeutet,Gesundheit ein Fehlen von

Krankheit. Diese Sichtweise würde der

Pathogenetischen Sicht entsprechen, abbildbar

als eine eindimensionale Achse.

Gesundheit • —^

Pathogenese

Krankheit

Antonowsky propagiert nun eine neue

Sichtweise, nämlich daß Gesundheit /

Krankheit nicht als eindimensionaler ,

sondem mindestens als zweidimensiotialer

Prozeß abzubilden sei. Die neue

Achse nennt er Salutogenese.

Salulogenese

Pathogenese

Bei dieser Betrachtungsweise rückt

der Patient in ein neues Licht. Als nächstes

kann man sich fragen, welche Faktoren

im Sinne der Salutogenese wirken.

Handelt es sich hierbei nur um Eigenschaften,

die wir innerhalb unseres kulturellen

Zusammenhanges durchweg als

positiv bewerten würden, oder können

-81-


Das 3, Wartburggesproc h

auch Verhaltensweisen wie Rücksichtslosigkeit

( für den Betreffenden )

salutogenetisch wirksam sein Hierfür

gibt es Hinweise. Wie ließen sich solche

Ergebnisse umsetzen Anamnesen,

in denen das Augenmerk verstärkt auf

positive Bewältigungsstrategien in der

Vergangenheit des Patienten gerichtet

wird, anstatt all das aufzulisten, was

nicht funktionierte, wären denkbar.

Das diesjährige Treffen trug den Titel

„ Gesundheil trotz Zugehörigkeit ' L

und setzte sich aus Vortragen, Arbeitsgruppen,

Patientenge sprach und einem

-82-

Abschlußplenuni zusammen.

Teilnehmerinnen waren hauptsächlich

Ärztinnen und Psychologinnen aus

Deutschland, dem europäischen Ausland

und Israel.

Die Arbeitsgruppe, der ich zugeteilt

wurde, trug de Titel: "Sinnfindung".

Beeindruckt und neugierig in einem

solchen Kreis über ein mir so unendlich

scheinendes Thema zu reden gehe ich

mit drei weiteren Studentinnen in die Arbeitsgruppe.

Die Atmosphäre ist sehr

angenehm. Es wird u.a. versucht Modelle

für Sinnfindung zu entwerfen, so

z. B. Sinnfindung durch Definieren von

Zugehörigkeiten. Für mich taucht immer

wieder die Frage auf, inwieweit es

sinnvoll ist einen Sinn außerhalb der eigenen

Person zu definieren, inwieweit

ich Methoden überhaupt entwickeln beziehungsweise

denken kann, die einem

Patienten wieder zu (mehr)

Sinnhaftigkeit (was als salutogentischer

Faktor geweitet wird) verhelfen können;

und wo lägen die Grenzen zwischen Ersterem

und Letzterem Auch das

Patientengespräch, welches am zweiten

Abend stattfand spiegelte für mich diese

Problematik wieder. (siehe Patientengespräch..,

). Handelt es sich bei dieser

Art der Gesprächsführung um eine Hilfestellung

der eigenen Sinnfindung oder

wird hier intuitiv oder mittels einer Methode

Sinnhaftigkeit suggeriert bzw

aufoktmiert Welche Rolle kommt der

Verantwortung zu

Es würde wohl eher bedenklich anmuten

hierauf eine abschließende Antwort

zu geben, aber um ein Forum zu

wissen, wo u.a. solche Fragen gestellt

werden können ist sehr wohl wichtig.

Und so war auch das Abschlußplenum,

welches sich leider sein ausgedünnt zusammenfand,

für mein Empfinden weniger

von harten Fakten, als von vielen

Ideen und Orientierungsversuchen geprägt,

wobei gesagt werden muß, daß es

schon eine Fortbildung im Rahmen der

Ärztefortbildung in der Ärztekammer

gibt.

Montagabend

Patientengespräch

Tobias

Prof. Schüffel begrüßt im Nachmittagsplenum

Herrn X, der in Schömberg einer

Klinik für Psychosomatik in Behandlung

ist. Dr. Johnen, der Leiter dieser

Einrichtung, hat den Patienten nach Erfurt

eingeladen, um uns Auskunft über

seine Beschwerden zu geben. Das Gespräch

kann unter dem Gesichtspunkt

der Salutogenese betrachtet werden.

Herr X sagt, daß er dazu gern bereit ist.

AJs Gesprächsführender wird uns und

dem Pat. Prof. Petzold aus Aachen vorgestellt.

Die Atmosphäre ist locker, entspannt.

Die Sitzordnung fällt mir auf, der Pat

sitzt in der Runde, ist eingerahmt von

Dr. Johnen auf der einen und einer Arztin

auf der anderen Seite, der Gesprächsführende

hat seinen Platz schräg gegenüber,

auch sind noch Zuhörer im Rükken

des Patienten.

Meine Aufmerksamkeit richtet sich

jetzt auf das Gespräch. Prof Peizold

macht sich mit dem Pat bekannt, er erwähnt,

daß das Gespräch mit einem Tonbandgerät

aufgezeichnet wird. Herr X ist

verunsichert, da er das nicht wußte. Nach

kurzem Zögern willigt er unter der Bedingung,

daß sein Name gelöscht wird,

ein.

Der Patient wirkt zum einen aufgeregt,

angespannt, hat einen roten Kopf,

den er zwischen die Schultern zieht, zum

anderen berichtet er bereitwillig und offen

von seinen derzeitigen Beschwerden.

Er hat starke Kopfschmerzen und Ohrgeräusche.

Die Geräusche sind manchmal

so laut, daß er in Besprechungen

Äußerungen anderer Teilnehmer nicht

ohne nachzufragen folgen kann. F,r sagt,

daß das für ihn sehr quälend ist. Diese

Symptome hat er seit dem Aufenthalt auf

einer Intensivstation, wo er wegen einer

Lungönkrankheit intensivmedizinisch

betreut wurde (hitubation,ßeatmung).

Der Krankenhausbereich ist ihm aus

seiner Arbeit als Krankenpfleger gut bekannt,

doch die Position als Patient hat

er als etwas anderes, neues intensiv erlebt.

Die jetzige berufliche Stellung als

beamteter Lehrer mußte er sich halt erarbeiten.

Durch Kriegs- und Nachkriegswirren

erhielt er eine schlechte

Schulbildung, kämpfte darum, eine Lehre

machen zu dürfen, arbeitete in einem

-83-

technischen Beruf, hatte vor sieben Jahren

einen Autoimfall, mußte seine Arbeit

aufgeben, machte eine Umschulung

zum Krankenpfleger und eine Qualifikation,

über ein Fachschulstudium, zum

Pädagogen. Herr X ist ein begeisterter

Sportler gewesen und brachte es auch

dort zu überdurchschnittlichen Leistungen.

Herr X ist verheiratet und hat zwei

Söhne.

Die Leistungsfähigkeit ist aktuell sehr

eingeschränkt, Herr X bezeichnet das als

großes Problem.

Prof. Petzold greift den lebensbedrohlichen,

durch Hilflosigkeit bestimmten

Zustand im Krankenhaus auf und fragt

nach ähnlichen Erfahrungen. Herr X berichtet

von seiner Kindheit, aus der er

solche Zustände des Ausgeliefertseins

kennt. Der Patient ist in dieser Situation

aufgewühlt, den Tränen nah. Er erzählt

wie bei einem Bombenangriff seine Mutter

ums Leben kommt, daß sie sich an

den Händen halten. Sein Vater stirbt

ebenfalls kurz vor Kriegsende. Der Pat.

sagt, daß das für ihn momentan sehr viel

ist und er hier nicht weiter möchte. Das

Gespräch wird dennoch genau dort durch

Nachfragen des Prof. Petzold fortgeführt.

Der Pat erzählt, daß er nach dem

Tod der Eltern bei einer Tante aufwächst.

Dieser ist er sehr dankbar. In dieser Zeit,

er ist im Schulalter, arbeitet er bei einem

Bauen), um den Unterhalt für sich

und seine Geschwister zu verdienen,

Dort bekommt er oft Schläge. Dazu sagt

er, daß war schlimm, aber lieber Schläge,

als gar keine Zuwendung.

In dieser Situation greift Fr. Dr. Hunger,

die neben dem Patienten sitzt in das


Das 3. Wartburggespröch

Gespräch ein. Mir ist nicht klar, ob das

vereinbart ist und ob der Patient Bescheid

weiß. Er antwortet jetzt auf die

Fragen die abwechselnd von zwei Personen

gestellt werden.

Prof, Petzold fordert den Patienten

auf sich an die Zeit vor dem Tod der

Eltern zu erinnern. Hier fragt er sehr bestimmt

nach konkreten Episoden. Er läßt

nicht locker, bohrt. Wenn der Patient

sich erinnert, reagiert der Gesprächsleiter

mit: "Ja!", "Gut!" ''Richtig!",

"Ja, weiter so, richtig!".Er fordert

den Heim X auf, Tagebuch zu führen

und weiter nach Kmdheitserinnerungen

zu suchen.

Für mich waren diese Minuten sehr

anstrengend, es war ein großer Druck

spürbar. Meine Frage ist wie weit wird

hier ein Patient in eine Richtung gedrängt,

von der der Therapeut meint, es

sei die richtige und der richtige Zeitpunkt

dahin zu gehen. Vor allem vor dem Hintergrund,

daß der Pat. selbst Schläge als

Zuwendung erfahren hat. Wenn jetzt

Therapeuten sich Zeit nehmen, sich einfühlen,

der Patient Zuwendung erfahrt,

wird er in der Lage sein, sich gegen

Übergriffe, auch seien .sie gut gemeint

und erst eimnal nicht als Schläge erkennbar,

zu wehren

Als der Patient sich an eine Melodie

erinnert und fragt, jetzt erwarten sie aber

nicht, daß ich diese singe, und der

Gesprächsfülirendc sagt, doch, weigert

sich Herr X.

im Plenum beginnt eine Diskussion

über die somatischen Hintergründe der

Symptomatik des Herrn X. Jetzt werden

auch Fragen von den Zuhörern gestellt.

die Runde ist geöffnet, der Patient sieht

sich ca. 50 Teilnehmern gegenüber. Es

werden aber nicht nur Fragen nach dem

klinischen Verlauf gestellt, sondern auch

weitere nach sozialen, seelischen,

biografischen Zusammenhängen. Antworten

werden gerade abgewartet, schon

wird an einem nächsten Aspekt gerührt.

Es herrscht Konfusion. Prof. Woher de

Loos meldet sich zu Wort, berichtet von

den Parallelen, die er aus seiner Forschung

zum "Post Traumatic Stress

Desease" erkennt. Nachdem er seine

Kompetenz klargestellt hat, zieht er das

Gespräch mit dem Patienten an sich. Er

stellt eindringliche, bohrende Fragen,

gebraucht Formulierungen wie : "Ist es

so" etc.. Er arbeitet dabei heraus, daß

sich im Alter zwischen 16 und 17 Jahren

körperlich eine Veränderung bei dem

Patienten bezüglich seines Schlafs ereignet

hat. Das nimmt er als Bestätigung

seiner Hypothese, daß der Herr X unter

einem PTSD leidet. Welche Konsequenzen

sich daraus für den Patienten ergeben

wurde nicht mehr besprochen.

In dieser Situation meldete sich einer

der teilnehmenden Studenten zu Wort,

um seine Wahrnehmung und sein Gefühl

bezogen auf die Gesprächssituation

wiederzugeben. Er beschrieb einen großen

Druck und Bedrängnis. Daraufging

es wieder etwas durcheinander. Prof.

Anschütz kommentierte den Gefühlsblitx,

daß der Druck durch die Biogratie

des Patienten erklärbar und verständlich

sei.

Die Leitung des Plenums funktionierte

nicht, es war unklar welchen zeitlichen

und organisatorischen Rahmen das

Patientengespräch haben sollte, der Patient

wurde vor der Fragenflut und den

Deutungsversuchen der Teil-nehmer

meiner Meinung nach kaum bis gamicht

geschützt. Eine Aufgabe des Gesprächsleiters,

bzw. des be-handelnden oder verantwortlichen

Arztes. Ebenfalls finde ich

es sehr fragwürdig einem Patienten in

einer so unübersichtlichen Situation freizustellen

am Nachgespräch teilzunehmen

oder nicht. Besonders auf Grund der

Gefahr der Überforderung des Patienten.

Das 3. Wartburggespräch

welche mich in der Biografie des Herrn

X als •'Prinzip"geradezu an-springt.

Irgendwie kam unsere Runde dann

auch zu einem Ende, besser gesagt sie

löste sich auf, Teilnehmer diskutierten

bereits leise miteinander, einige zappelten

auf den Stühlen, es waren einige

Stunden vergangen.

Endlich wurde dem Patient höflich

gedankt, er war entlassen.

^ Spiel:

ßewegungsblitz, die Gruppe hat etwas Zeit umherzugehen, dazu den

Raum nutzen der zur Verfügung steht, jeder kann für sich seinen Rhythmus

und sein Tempo finden, und versuchen eine Bewegung oder eine Haltung

einzu-nehmen, die im Moment zu ihm paßt. Erst dann kommen alle wieder

zu einem Kreis zusammen, jeder kann seine Position vormachen, die anderen

versuchen diese nachzuahmen.

v l. n r Prof Petzold, Prof de Loos. D r Schnyder. Anette, Tobias. Prüf Maoz,

Jörg, Prof Schiiffel, Dr. Furtwangler. Ramin

-84- -85-


Das 3. Warfburggespräch

Professor Petzold

Aachen, den 28.03.95

[Dieser Beiimg nimmt Bezug auf das

vorher beschriebene Patientengespräch

und ist als Brief an die Redaktion verfaßt.

A. d R.}

Bei dem Wartburggespräch, das ich zu

kommentieren habe, geht es nicht um

eine Philosphie, sondern um viele. Es

geht um Salutogenese und um psychosomatische

Zugänge und Zusammenhänge.

Es geht auch um Fragen der

Handlungs- und Verantwortungsethik:

Was tue ich und was unterlasse ich. worüber

versuche ich Rechenschaft oder

besser Antwort zu geben, worüber nicht

Und es geht um Philosophien, die sich

in den verschiedenen Bundesländern und

darüber hinaus in den Niederlanden, der

Schweiz und Israel entwickelt haben.

Pluralität ist angesagt.

Ich komme zum üihaltlichen Teil meiner

Notizen. Für mich gab es deutlich

unterschiedliche Phasen.

Das Joining mit dem Patienten, der

in meinem Alter war und mir dadurch

viele Möglichkeiten zur partiellen Identifikation

schenkte , mir das Verstehen

kollossal erleichterte.

Das Joining mit meiner Sekundantin,

dem Moderator und mit Dr J. war kurz

vorher verabredet. Die Kürze war mein

ausdrücklicher Wunsch, Ich wollte -wie

Sie in Ihren Anamnesegruppen - das eigene

Material und keine Besprechung

über einen Patienten. Er sollte uns die

für ihn wichtigen Daten selber geben und

bei jedem Schritt auswählen dürfen, was

er uns mitteilen möchte, was nicht.

Diese von mir hart erstrittene Regel

nahm Dr J. die Chance, uns das von ihm

hart erarbeitete internistische und psyc

ho somalischen Material in befriedigender

Weise vorzustellen. Ich betone das,

weil ich ziemlich sicher bin, daß sein

Verzicht uns die Chance für die aus meiner

Sicht ziemlich gute Arbeit ermöglicht

hat. Sehr früh übernahm er die Rolle

des Leidtragenden. Die Nutzbarmachung

der emotionalen Spaltung für die

Therapie verdanke ich der F K Th ( s.o.

Familienkonfrontationstherapie)

Ich werde jetzt nicht alle Phasen kommentieren.

Nur kurz dieses: Nach dem

Ankoppeln (Joining) und der Materialsammlung.

Was sind die Beschwerden,

was die Konflikte was die Probleme

kam es wie bei einer echten Fkth zur

Reflexion und Konfrontation. Ich beispielsweise

wurde sehr damit

konfroniert, daß ich wenig Möglichkeiten

hatte, die Befragung der posttraumatischen

Störung weniger inquisitorisch

zu gestalten. Wäre die Gesamtgruppe an

dieser Stelle nicht sehr haltend gewesen,

hätte ich den Moderator um eine kleine

Besprechungspause gebeten. Vielleicht

hat mich meine sehr positive Gegenübertragung

zu dem Patienten auch sicher

gemacht: Das schaffen wir noch.

Sehr versöhnlich habe ich die

Abschluphase nach Ihrer Intervention:

Ob man z B einmal das Fenster öffnen

könne erlebt. Ich fand es auch lösungsorientiert,

die Aufkündigung des Lebenskompromisses

durch den Patienten

selbst noch einmal in Frage zu stellen;

Ob ihm das alles wirklich geholfen hat,

entzieht sich meinen Kenntnissen. Daß

ich es ihm wie wir alle von Herzen wünschen,

haben Sie richtig vermutet.

SALUTOGENESE - ODER:

WIE ENTSTEHT GESUNDHEIT

von Arne Thomsen, Freiburg

„Die Frage, ob sw h für die Medizin ein

Paradiginenwechselanbaiuit, stellt, sich

vor dein Hintergrund einer tiefgreifenden

Kri.se, die unser Gesundheitswesen

gegenwärtig offenbar über den normalen

wissenschaftlichen Wandel hinaus

beunruhigt."

So begann der Neurologe J. Furtwangler

aus Hambui^semen Vortrag während

des diesjährigen Maitreffens der

Anamnesegruppen in Marburg.

Er konstatierte die Krisenhaftigkeit

unseres psychosozialen Klimas, die allgemeine

Perspektivenlosigkeit und die

Dringlichkeit der Frage nach Orientierung.

„ Unsere Zeit hat, viele Namen. Sie gilt

als bidustriezeitatigr oder SixJtkapiiulismus

oder Zeitalter d-er wissenschafUichtechnischenZiuilisationoder

Atoi nzeitalter

; sie galt als Zeitalter d.er Ar bei ts~

ge sel.lscka.ft oder Fiv.izeitgesidlschuft

oderInforination.tigeseUschaft odw ein -

fach, als Moderne. oder uitc.h schon ah

Posti».oäem.e und, so fort. "; so äußerte

sich bereits vor 10 Jahren der Gießener

Philosoph Odo Marqiuird.

ist nach Furtwangler in erster Linie ein

erkenntnisthixjiütLsehesOrientierungsproblem:

die pathugonetisch fixu.Ttu

Medizin.

„ Was als Heilkunst begonnen habe,

sei immer mehr zur Betrie.bsanw-eL'iung

eines ungeheuren medizin-tec (mischen

Apparates geworden", so der Autor

AdolfMuKchtr.

-87-

Die medizinische Forschung ist im

wesentlichen kraruVhoitsbezogen. Man

betrachtet hauptsächlich die Bedingungen

der Entstehung von Krankheiten: die

Pathogwiese. Wenn man sich überhaupt

um Gesundheit statt um Krankheit kümmerte,

ging es meist darum, Risikofaktoren

für bestimmte Krankheiten zu benennen

und nach Möglichkeiten zu suchen,

diese zu reduzieren.

Eüiige kurze Stichpunkte zu dieser

historischgewadiseneneinseitigen Betrachtungsweise;

die Entführung der Autopsie

als Grundlage der Pathologie zu

Beginn des 19. Jahrhunderts mit der Perspektive,

sichtbare Phänomene an der

Leiche zu kategorisieren; das Paradigma

der Maschine als Erklärungsroodell für

Lebensvorgänge; die allgmeinen Erfolge

der Natiuwissenschaftcnv.a; der Physik

(Newtons Weltbild der mechanischen

Kräfte; der Kimsalitätsbugrifi). Aus all

diesem entwickelte sich eine Modellvorstellung

von Krankheit, die bis heute noch

sei u- stark dominiert. Folgende Sequenz

veranschaulicht es:

physische (mechanisch) Ursache ->

somatische Läsion -> Diagnose ->

Krankheit -> Therapie -> Nicht-Krankheit.

E,-; wird eine lineare Kausalität suggeriert

(bestimmte Ursachen führe n zu bestimmten

Krankheiten). Psychische und

soziale Bereiche werden in diesem Modell,

wenn überhaupt, dann nur in sehr

abgeschwächter Form als sog. Risikofaktoren

Ijehicksichtigt


SALUTOGENESE - ODER: WIE ENTSTEHT GESUNDHEIT 5

SALUTOGENESE - ODER: WIE ENTSTEHT GESUNDHEIT

Diese pathogenetisch-tixierte Sichtweise

führt zu einer strikten

Dichotumisierung: der Mensch ist entweder,.krank"

oder „gesund". Gesundheit

wird als eine statistisch gegebene Norm

betrachtet, die durch krankmachende

Einflüsse gestört werden kann. Daß Gesundheit

abermehr ist, alsnur eine Norm,

sondern immer wieder aktiv angestrebt

werdeinnuß, ist eine derGrundaiii lal unen

der salutogene tischen Foi'schung.

Den Begriff „Salutogenese" hat der

israelische Soziologe Aaron Antonovsky

1987 kreiert, um ihn dem geläufigen Begriff

der Pathogenese (bzw. einer

pathogenetisch alisgerichteten Medizin)

komplemtär entgegenzustellen,

Wie schafien wir es eigentlich, trotz

aller Belastungen und Risiken, die tagtäglich

spürbar sind, überhaupt noch gesund

zu bleiben Das ist eine der Kernfragen

der Salutugenese,

Als Antwort aufdie Frage nach den

Quellen der (Jesui idheit, h (t Antonovsky

den,sog. „Kohärenz-Sinn" (Üie j*;nst of

coherence) ii^sZentnun seiner Koiizoption

gestellt. Es sind un wesentlichen 3

Faktorei i die diesen Kohämnz-Su m ausmachen:

- Verstehbarkeit (the sense of

compreheRsibility): die Fälligkeit, gerade

unter LuigiuistiyenLübeitibeditigmigun

die Üljersicht (VersfcindnLs, Faßbarkeit,

Kontrolle, Beitdienbarkeit) zu beluilten

- Machbarkeit (the sense of

monageability): die Fälligkeit, sicberiblgreich

mit Belasümgenausemanderaisetzen

(Ccping), mit Herausforderungen

7.urecht zukoiinnen, v.a. auch in kritifii

iden.

-Sinnhaftigkeit (the sense of

meaniiigfidness):DieAiifbrdeningender

Umwelt nicht als unabänderliche Last zu

empfinden, sondern als emotional sinnvoll,

als Herausforderung, die es zu bewältigen

gilt. Die Sinnliaftigkeit motiviert

zur Bewältigung (Motivationselement);

die Fälligkeit, dem Leben auch unter

negtivenVor^idieneinenSinn abgewinnen

zu können.

Der Kohärenzsinn (so Antonovsky)

bringt zum Ausdruck, daß das Leben

begreiflich, lenkbar und sinnvoll ist.

Es ist ein dynamisches Grundgefühl

des Vertrauens, daß erstens die Anforderungen

aus der Umwelt im Verlauf des

Lebens strukturiert, vorhersagbar und

erklärbar sind, zweitens eigene Ressourcen

verfugbar sind, die nötig sind, um den

Anforderungen gerecht werden zu können,

und drittens, daß diese Belastungen

solche Herausforderungen bedeuten, die

Investition und Engagement verdienen.

Was folgt aus diesem Ansatz

Die sulutugunetische Orientierung

ti'üiit zu einem Gesundheits-Kranldieits-

Kontinuiun. Völlige Gesundheit und völlige

Krankheit sind zwei Extreme, und

jeder Mensch befindet sich ständig irgend

wo zwischen diesen zwei Polen. Es

gibt Kräfte, die uns sowolü in die eine

(xler ai ideie Richtung drängei L

Die Beschäftigung mit allen Menschen,

die sich auf irgend einem Punkt

dieses Kontinuums befinden und nicht

ausschließlich mit Patienten, ist eine

weitere Folge.

Auch dem cl ironisch Kranken suiles

ermöglicht werden, a 1s„Kranker" ein

„gesundes Leben" zu fuhren. Gesundheit

ist ebene! nicht mehr die vollständige

Abwesenheit von Krankheit, wie es die

WHO einmal definiert hat, sondern auch

Ausdruck einer durchaus kreativei i Lebensweise.

Der I^)liärenzsinn beschreibt

diese kreative Potenz des Menschen: die

BedeutLmgseiteilung(meamngfulness)

und BedeutungsVerwertung

(manageability; comprehensibility) der

Umwelteinflüsse und deren Assimilation

Ein nicht mehr ausschließliches danach

fragen, was nicht mehr geht (Inkompetenz-Status),

sondern ebenso danacli,

was (noch) geht (Kompetenz-Status).

Insofern erscheint es plausibel, daß auch

ein Kranker noch ein gesundes positiv

ausgerichtetes Leben fuhren kann.

Die salutogenetische Perspektive nickt

mit ihtxr Ausrichtung aucli die Pravuntion

meine neues Licht. Prävention ist

mehr a Is i im- die ratiilcüe Eluninatioi i von

llisikofaktoren. wie es die traditionelle

l ietraditungswei.se suggeriert.

Der bisherigen, fast ausschließlichen

pat hogenetischen Perspektive, wird die

salutogeiiü tische Orientierung komplemei

itai' gegenüber gestellt. Nicht als Alternative,

sondern als eine Ergänzung,

eine Erweiterung der „einäugigen"

patl logenetisch fixierten Medizin. Es ist

das Ziel, eine ganzheitliche Sicht wieder

zu entwidceliHuidniclit nur nach Krankheit

und ihren Ursachen zu sehen.

Ob die Salutogenese tatsächlich eine

Perspektive weist, im Hinblick auf einen

zu erwartendenParadigmenwedisel m

der Medizin, bleibt abzuwartea Festzustollen

ist aber, daß die Sal utogenose uns

sensibler werden läßt, daß sie unsere

Waiimelunungei-weitertundwirLUiseren

bisherigen Gesundheits- imd Kr-ankheitsbegriff

überdenken sollten.

Quellen:

l.Vertrag und Text J.Furtwängler

(l i .5.94 in Marburg)

2.Uexküil fl990]:"Psychosomatische

Medizin", U'-han Schwarzenberg

3.Verres (1994):"Die Kunst zu leben -

rOebsrisiko und F J syche", Piper Verlag

(wj Spiel:

Lenin, alle kleben sich gegenseifig einen Zettel mit einen bekannten

Persönlichkeit drauf auf die Stirn, Fragen nach der,.eigenen Persönlichkeit"

müssen so gestellt sei, daß sie mit ja oder nein von der Groppe zu

beantworten sind.


Theorie der Humanmedizin

Einführung in die Theoretische Medizin

von Sven Müller - Rover, Berlin

Ursprung und Zielsetzung

Eine Gruppe von Medizinstudenten und

-Studentinnen der FU Berliiihatte sich cbäs

Ziel gesteckt, die Disziplin der„Theoretischen

Medizin" Universität zu institutionalisieren,

damit die Studierenden (zumindest

in Form einer fakultativen Lehrveranstaltung)

die Möglichkeit haben,

sich mit den Grundlagen des ärztlichen

Denkens und Handelns auseinanderzusetzen.

Diese Möglichkeit sollte unserer

Auflassung nach von Beginn des Studiums

an existieren. Im Rahmen dieses

Bestrebens haben wir die Veranstaltung

„Theorie der Humanmedizin" konzipiert

und als sogenanntes Projekttutoriiim im

Wintersemester 1993/94 und Sommersemester

199-1 an der Freien Universität

Berlin zum ersten Mal m it zwei Tutorenstellen

durchgefühlt.

Beispiel ein es Terminplanes

Euiführwig

Die Studierenden erarbeiten mögliche

Zieldefinitionen der medizinischen Ausbildung

(Wie sollen,, vollkommene" Ärzte/Ärztiimen

nach der Tortur des Stud i -

ums aussehen So U/darfdas Studium eine

Toitui'sebWelclTtCh;it"iktei'stn.iktun,'ii

sollen Arzte/Arztinnen besitzen)

imd diskutieren zugriu ideliegende Vorstellu-ngen.

Der Konzept-Begriff

(KE.Kothschuli, Konzepte der Medizin

m Vergangenheit und Gegenwart, Hippokrates

Verlag Stuttgart, 1978) wird als

Grundlage zum Vergleich unterscliiecUicher

Med izmauffassungen eingeführt

(siehe Anhang-" Was ist theoretische

Medizin)

Ver-gangeiihät

Anhand des Buches von Rothschuh werden

die Meilensteine der Medizinhistorie

Europas auf die zugrundeliegenden Vorstellungen

bezüglich Mensch und Universum

untersucht (Dämonologie, Christliche

Theologie, Magie, Humoral-/

Qualitätenpathologie etc. bis zur heutigen

latroteclinik/ßioiuedizdn)

Gegenwart

Neue theorerische Ansätze anderer

WLsseiiscliaflsbereiche werden auf ihre

Innovationskraft für die Medizin von

heute untersucht.

1. Was ist „theoretische Medizin"

Unter „Theoretischer Medizin" verstellen

wir (in Anlehnung ein Th.v.Uexkül],

Theorie der Hiunanmedizin, München

1991) jene bisher vernachlässigte Disziplin,

welche wich mit den Auswirkungen

von Theorien, Konzepten und Modellen

auf das praktische Handeln von Ansinnen

und Ärzten auseinandersetzt. Diese

Disziplin richtet ihr Augenmerk auf die

wisse nschafts-und erkenntnistheoretischen

Fragen der Medizin. Sie ist zu unterscheiden

von einer medizinischen

Ethik und einer,, umfassenden" Theorie

der Heilkunde. Die „Theoretische Medizin"

beschäftigt sich mit der Theorienbildung

und der

Theorieninstnunentalisienmg.

1.1,Theorien und Konzepte sind Instrumente

Theorie der Humanmedizin

Aufgrund unserer Erfalmmgeni md der

theoretischen Auseinandersetzung mit

dein Studium der Humanmedizin un dein

praktischen ärztlichen Handeln sind wir

7,u der Auffassung gelangt, daß das medizinische

Konzept, welches von Amen/

-innen im täglichen Handeln genutzt

wird, als ein grundlegendes ärztliches

Instrument zu interpretieren ist. In Anlehnung

an Rothschuh verstehen wir unter

einem „Konzept der Medizin" jene

theoretischen Ansätze, das Erfahrungsgut

im Umgang mit dem Kranken in eine

Struktur allgemeiner Grundsatz und

daraus ableitbarer Folgerungen einzubetten

( )-conceptus im Sinne von zusammenfassender

Idee. Zu einem solchen

Konzept gehören, wenigstens im Ansatz,

eine Lehre vom Menschen (Anthropologie,

Naturlehre, Physiologie), eine Lehre

von der Krankheit (Ursachen, Ausbildung,

Erscheinungen, Symptome, Verlauf

luidKnuikheiteformerdelire). ferner eine

I jehre von der Heilung (heilende Kräfte,

Heilungsliilfen, Heilungswege, Indikationen

und Vorraussagen). Der Anteil von

Erfahrung und Denken an solchen Konzepten

ist von der historischen Situation

und dem soziokulturetlen Geistesklima

eines Zeitalters abhangig."

Ein solches medizinisches Konzept

bleibt nun aber kein abstraktes

Gedankenspiel, sondern wird vollständig

oder teilweise als Grundlage ärztlichen

Handelns instrumentalisiert An einen

jeden KrankheitszustanoV-prozcß tritt

man mit bestimmten Vorstellungen und

Kriterien heran, anhand derer man versucht,

sich ein Bild von diesem ganz speziellen

Krankheitsfall zu machon, um

dann gezielt eine Therapie oinzuleitea

Noch einmal Rothschuh:

„Auf folgende Fragen sind in den meisten

ausgereiften Konzepten offene oder

unausgesprochene Antworten zu finden:

1. Wus bedingt Wesen, Einheit, Natur und

Schicksal des Menschen, der von Krankheit

beü'oüen ist (Gott. Kosmos, Natur,

Körper. Seele)

2. hi welcher Abhängigkeit befindet sich

der Mensch von äußeren Einflüssen

(Natürliche Um weit, Übematur, Gestirne,

Geister)

3. Was erhält und ermöglicht den Normalzustand

der Gesundheit (Gott, die

Seele, die Natur, die Heilkraft)

Die StucÜercndenlühren eine Tat-Analyse

des aktuellen Studiums durch unter

durnGesichtspiuikt der zugrundeliegenden,

sichz.T. widersprechenden Haltungen

-90-

-91-


Theorie der Humanmedizin

4. Was ist Krankheit (Stafe, Heilbestrebung,

FiinktioiisstÜrung)

5. Welches sind die primären bzw. letzten

Anlaasse für die Entstehung von

Krankheiten (Pathokinese: Äußere Einwirkungen

spezieller, astraler, chemischer

oder mechanischer Art; innere

Anlässe und Unordung der Funktionen

durch Alter, Abnutzung, Störung derSeele)

G. Wie, Wo in welcliem Substrat entwikkelt

sich und verläuft die Krankheit

(Pathogenese: im Körper oder in der

Seele, in der Punktionsstruktur oder in

da 1 Baustruktur)

7. Wie erklären sich die Krankheitsbilder,

ihre Ähnlichkeiten und

Unähnlichkeiten (Durch die verschiedenen

äußeren Ursachen, die jeweilige

Körperverfassung, durch das Temperament,

den Genius epidemicus, die Witterung

usw.)

8. Welcher Behandlungsplan ist demnach

uu Krankheitsfalle indiziert (Welche

Heilmittel bei welcher Krankheit)

9. Welches ist der voraussichtliche Verlauf

der Krankheit (Prognose: Dauer

Ausgang)

10. jWa.s erklärt den Heilvorgang

(Hygiugcnese: Naturheilung, KiuisthuÜung)

oder den tödlichen Ausgang

(Thanatogenese)

Diese 10 Fragen erfordern ebensoviele

Denksdintte. üb und wie sie sich stellen

und wie sie beantwortet werden,

hängt vom Wissen und von den Bedürfnissen

eines Zeitalters, einer Kultur ab,"

[Hervorhebung durch uns]. Diese Bedürfnisse

müssen bewußt formuliert werden,

um ein zeitgemäßes medizinisches

Konzept zu erarbeiten und zu nutzen.

Als erster Eindruck soll diese bereits

lang geratene Zusammenfassung genügen.

Bei weiterem Interesse verschikken

wir gegen Rückumschlag gerne eine

ausfuhrliche Version des Seminarprogramms

[incl. Lern-/Arbeitsform, Evaluation,

Literaturliste]

Sven Müller-Rover

Sprengstr.21

13353 Berlin

Tel. 030/454 47 9 l

bejtiehu

^ Spiel:

STirnmblitz,dazu braucht die Gruppe viel Pfalz, vielleicht die Möglichkeit

nach draußen zu gehen, jeder kann dann für sich einen Ton oder einen

Laut finden, der im Moment zu ihm paßt. Nach ausreichender Zeit kommt

die Gruppe wieder zusammen und kann probieren die ,,Produktionen"

nachzurnacnen.

-92-


Sympathie. Lust und Körperlichkeit in der Student-Potienten-Beziehung

Sympathie, Lust und Körperlichkeit in der

Student-Patienten-Beziehung

Begegnung mit der Patientin Mrs. Kelley

von Mathis Heydtmann, ohne festen Wohnsitz

Arn Anfang meiner Zeit als Famulus bereitete

esmir Schwierigkeiten, Patientinnen

1 und Patienten zu fragen, ob sie sich

für das Erheben der Anani nese und das

Untersuchen bereit erklären. War es ja

su, daß meine Ergebnisse meist keinerlei

Konsequenzen für den Patientei i ergaben.

Außerdem glaubte ich, Patientinnen

u nd Patienten, die durch vei'scliiedene

Untersuchungen sowiesu schon

genug traumatisiert waren, noch zusätzlich

zu belasten.

Andererseits konnte idinw'dm'chhäufige

Anamnesegespräche mit Patienten

und durch wiederholtes Untersuclieii diese

wiclitigen ärztlichen Fertigkeiten erlernen

und verbessert i. Auch hatte ich in

denstudentLsclienAnjimnesegruppenerlebt,

daß ziunindest das Gespräcli für viele

Patientinnen und Patienten keine Belustigung

darstellt, die sie mir erduldeix

weil sie nicht nein sagen konnten (z. B.

aus einem Abliängigkeitsgefiilil den Ärzten

gegenüber).

Viele der Anami lesegespräche ven n ittelten

dem Patienten, verstanden worden

zu sein, gaben ihm neue Denkanstöße

und ließen ilmi auch Raum, sich darzustellen.

Die Untersuchung warm meiner

Vorstellung für den Patienten fast ausschließlich

unangenehm, vonScliam und

Gefühlen der Hilflosigkeit geprägt.

Ich suchte mir die Patientinnen und

Patienten für das Üben von Anamnesegespräch

und Untersuchung au ßer nach

medizinischen Gesichtspunkten auch

Die Patientin Mrs. Kelley 2 sahichdas

erste Mal bei der morgendlichen Visite.

Sie w ar am Tag vorher von einem ande -

ren Krankenhaus übernommen worden

und wurde nun von einem Arzt vorgestellt.

Medizinische Daten über diese

Frau sii id mir nicht mehr in Erinnerung.

Wichtiger ist ihre persönliche Erscheinung:

Sie war eine gut aussehende Frau,

etwa dreißig Jahre alt. Sie hatte dunkles

Haar 1 , war'sclilank und.sonne ngebräimt,

als wäre sie gerade im Urlaub gewesen.

Überhaupt sah sie eher erholt aus und

wirkte nicht krank.

Ais sie über ihr Befinden sprach, klang

sie recht lebhaft und munter, geradezu

fröhlich. Offenbar war sie über das

Schlimmste ihrer Krankheit hinweg und

auf dein Wege der Besserung. Dennoch

wollte sie zur Kontrolle des Verlaufs ihrer

Erkrankung noch einige Tage in je-

-94-

nadi Sympathie, Freundlichkeit und nach

ihrer Bereitschaft mitzuarbeiten, aas.

Vor zwei Jahren famulierte ich in Bristol,

Großbritannien. Die Station für

Limgenerkrankte bestand aus einem großen

Saal mit etwa 20 Betten. Um jedes

einzelne Bett konnte ein Vorhang zugezogen

werden, damit wälirend ptlegerischen

und arztlichen Tätigkeiten die Privatsphäre

der Patientinnen unci Patienten

besser gewalirt würde.

Meine erste Begegnung niit Mrs.

Kelley bei der Visite:

nem Krankenhaus bleiben. In vielem unterschied

sich Mrs. Kelley von den oft

schwer kranken Patientinnen und Patienten,

denen ich sonst während der

Famulatur begegnet war.

Während der Visite war sie den Ärzten

gegenüber sehr entgegenkommend,

nett und freundlich. Sie wurde von allen

ais äußerst migeneliiue Patientin empfunden

Nachdem der Vorhang um ihr Bett

zugezogen war 1 , holten die Ärzte und ich

ihre Lungen ab. Mir 1 wurde empfohlen,

bei dieser Patientin täglich die Lungen

zu untersuchen und aufVeränderungen

zu achten. Ich dachte mir, da sie so entgegenkommend

war, hätte sie sicher

nichts dagegen.

Das Erheben der Anamnese und die

Untersuchung von Mrs. Kelley

innese anschließe. Sie bejahte dies und

meinte, sie habe im Moment nichts vor.

Ich ging kurz in das Stationszimmer,

um mir einige Utensüienfür die Untersuchung

zu besorgen. Auf dem Weg zurück

sah ich einen Manu mit zwei kleinen

.Kindern von etwa vier und sechs Jahren

in den großen Krankensaal kommen.

Da Mrs. Kelley den Mann bereits von

ferne grüßte, almte ich, daß es ihr Ehemann

war.

Ich sagte Mrs. Kelley, da sie ja nun

Besuch bekommen habe, sei es wohl

besser, die Untersuchung auf einen spateren

Zeitpunkt zu verschieben. Ihre folgende

Antwort verwunderte mich sehr:

"NeiucÜedanktimien ja ün Aufenthaltsraum

warten, bis Sie mit ihrer Untersuchung

fertig sind." Sie wandte sich dann

ihrem Mann zu, der inzwischen mit den

Kindern nähergekommen war "Warte du

mitdenKindemim Aufenthaltsraum, der

junge Doktor' muß mich erst noch unter-

-95-

Als ich Mrs. Kelley arn Nachmittag

ansprach, war sie wie erwartet einverstanden,

sich mit mir zu unterhalten, und

ich fing gleich mit dem Erheben der Anamnese

an. Ich verstand mich mit Mrs.

Kelley sehr gut, das Gespräc! i war ungezwungen

und die Atmosphäre für ein

Ariamnesegespräcb geradezu heiter. Wir'

imteiiiieltemuis ausschließlich ül »er Fakten,

die für die medizinische Anamnese

relevant waren, und trotzdem hatte ich

das Gefülil, mit ihr "auf 'einer Wellenlänge"

zu sein. Das hatte ich in dieser Art

bei keiner Patientin und bei keinem Patienten

vorher' erlebt. Ich spurte auch eine

feine erotische Spannung zwischen iuis

und ein prickelndes (.lefühJ.

Nach beendeter Anamnese fragte ich

Mrs. Kelley, ob es ihr recht sei, wenn

ich die Untersuchung gleich an die Ana-


Sympalhie, Lust und Körperlichkeit in der Sfuäent-Paiienten-Beziehung

Sympathie. Lust und Körperlichkeit in der Student-Potienten-Seziehung

suchen." Ohnu ein Wort mit Mrs. Kelley

zu wechseln undohiie nähere Begrüßung

wandten sich die drei in Richtung Nebenraum.

Ich dachte mir:" Wenn sie es

will, dann untersuche ich sie eben doch

jetzt,"

Verwirrt und verunsichert zog ich den

Vorhang um das Bett. Ich habe noch genau

das Bild vor Augen, wie ich mit dieser

Geste den Mann und die Kinder aussclüoß.

Nun war ich mit der Frau innerhalb

des Vorhanges allein. Nod i immer

unsicher, begann ich die Untersuchung,

die ich auf das Wichtigste beschranken

wollte. Aber selbst dabei empfand ich

mich nicht so ruhig wie sonst.

Mir hat sich von der Untersuchung

besonders eingeprägt, wie Mrs. Kelley

mit entblößtem, durchgehend braungebranntem

und hübschem Oberkörper auf

der Bettkante saß und ich im weißen Kittel

ihre Lungen und ihr Herz abholte.

Nach kurzer Zeit beendete ich die Untersuchung,

Mir fiel es schwer, mich zu konzentrieren,

und so hatte ich nicht viel zusätzliche

Informationen gewonnen, die ich als

Ergebnis hätte aufschreiben können. Als

ich am selben Tag Mrs. Kelley wieder

begegnete, spürte ich noch immer meine

Verunsicherung und daß sich u i iser Verhältnis

nicht normalisiert hatte. J Jieses

Gefühl blieb bestehen, bis ich mir Gedanken

zu der Situation gemacht hatte.

Erst nachdem mir einiges dazu klargeworden

war, konnte ich Mrs. Kelley wieder

ungezwungener begegnen.

Gedanken zur Begegnung

den besprach ich dieses Erlebnis und

brachte die Erfahrung mßaüntgruppen

ein.

Dadurch wu idu mir klar, was die leicht

erotische Spatinung in meiner Beziehung

zu dieser Frau in mir ausgelöst hatte;

Während der Anami lese kam ich in it der

subtilen Erotik gut zurecht und spielte

"das Spiel 1 '' gerne mit ohne mir dessen

bewußt gewesen zu sein. Obwohl ich

zwischen einer Patientin und mir in der

Kollo des Arztes eine erotische Spannung

nie liätte aufkom tuen lassen wollen, liatte

mich der 1 Ehemai in m genau dieser Situationertappt.

Das schlechte Gewissen, das mich irritierte,

kam nicht nur dadurch zustande,

daß ich in meiner Rolle als zukünftiger

Arzt meines Erachtens "falsch" gehandelt

hatte. Es war auch ein schlechtes

Gewissen meiner Freundin gegenüber,

mit der ich damals erst kurze Zeit zusammen

war. Ich hatte mich dabei erwischt,

in meiner Beziehung zu einer anderen

Frau eine erotische Anziehung entstehen

zu lassen - und das bereits zu Beginn

meiner Pattnerschaft. Ich wertete dies als

einen "gedanklichen Seitensprung". Mir

kamen Gedanken, wie es erst nach Jahren

der Partnerschaft sein würde. Wie

wurde ich bei lange wälirendenTrennungen

reagieren - ohne viel "Sexualprovüint"

Ich fragte mich auch, was denn die

Anteile der Frau an dieser Situation waren.

Sie hatte bereits in der Anamnese

eine \\iiliUmingsMiUtation mit aufgebaut,

cüe ich anfangs nicht bemerkte, sondern

in du r ich" mitspielte", Ais der Ehemann

erschien, wurde sie sich ihrer Macht bewußt,

spürte vielleicht auch ein Prickeln

und gab meiner [Jntersuchung den Vor-

-96-

Die Begegnung mit Mrs. Kelley beschäftigte

mich noch lange. Mit Freun-

zug vordem Besuch ihre r Familie., obwohl

ich ihr vorgeschlagen hatte, zu einem

spateren Zeitpunkt vviederzukuuimen

Mir kommt die Plimitasie, die Patientin

benutzte midi, ihren Mann eifersüchtig

zu machen. Eventuellhater ; derdui i ch

denl^ankenliausaufentlialt längere Zeit

von ihr getrennt war, sie auch eifersüchtig

oder neidisch gemacht, vielleicht indem

er mein 1 Zeit für die Kinde hatte als

sk 1 und auch o! me sie Abende mit Frei m-

den und Freiuidinnc-n verbringen koiuite.

Ich kann mir vorstellen, dieser Gedanke

war für die Frau schwer zu ertragen. Erwartete

sie in dem Moment von mir sogarmehr

an Ziineigi mg oder Verständiiis

als von üirern Mann Ich bin mir sicher,

sie wollte genau jene Situation; Sie und

ich innerhalb des Vorhangs und ihr Mann

mit den Kindern außerhalb.

Die luiezwartete Situation venuisidierte

mich, da sie mir das Gefühl gab, bem

itzt worden zu seü i und nicht melir Herr

der Lage zu sein. Ich begegnete meiner

Verwirrung und Passivität,

indem ich schnell den Vorhang

zuzog und dadurch

wieder die Zweierbezichuiig

schuf die mir

zu vor angenehm gewesen

war. So konnte ich mich

aktiv in die m ir vertraute

Situation der Untersuchung

begeben, in der icl i

im weißen Kittel das Sagen

hatte und die Patientin

ihi-e Position nicht ausspielen

konnte.

Erinnere ich mich daran,

wie-ich in meinem weißen

Kittel vor der entblößten

Frau stehe, wird mir meine Macht

bewußt Ich hätte die Möglichkeit gehabt,

die Beziehung mit ihr zu bestimmenund

ihr auch als "Neutrum" begegnen zu können

Meine Schlußfolgerungen aus diesen

Gedanken

Nachdem mich in den zurückliegenden

zwei Jahren diese Gedanken beschäftigt

haben, ist mein anfängliches

schlechtes Gewissen allmählich geschwunden,

denn ich sehe inzwischen

auch die AI iteüe der Frau im der Situationund

kann iim'Hinteign'mdeüireü Handelns

vorstellen. Durch die Reflexionen

ist mir klarer geworden, daß es für mich

wichtig ist, in der Arzt-Patienten-Bexiehung

Schwierigkeiten möglichst frühzeitigzuerkennen.

Meine Erfalirung mit Mrs. Kelloy liat

mich besonders für Situationen sensibel

gemacht, in denen ich ausgenutzt werden

könnte. Ich wünsche mir, künftig

wachsamer zu sein und Unklarheiten in

meinen Beziehungen früher anzuspre-


Sympoihie, Lusl und Körperlichkeit in der Student-Polienten-Beiiienung

chen. In meinem Umg; : mgmit Patientinnen

und Patienten gilt dies insbusoudercfür

dieklinische Untersuchung.

Mir ist es auch wichtig, unliebsame

Gedanken und Phantasien zuzulassen,

was mir vor allem heim Thema Sexualität

schwerfallt. Balint- und Anamnesegruppen

halte ichfür selir geeignet, «ich

gerade über Tabuthemen Gedanken zu

i uadiea Es bestellt in ihnen die Möglichkeit,

Phantasien, Ängste und abgewelirte

G edanken in der Gruppe bewußt werden

zu hissen.

Aus diesem Grunde haben meine

Kommilitonin Sabine Anger und ich bei

unserem Training für zukünftige Tutoren

von Anamnesegruppen, das wir im Sommer

1991 in Köhi geleitet haben, folgende

Schwerpunkte gewählt: die Student-

Patienten-Beziehung in der körperlichen

Untersuchimg, Körperlichkeit, Sexualanamneseund

das Tabuthema Sexualität,

Beim Vorbereiten und wahrend des

Trainings ist rn ir immer bew ußter geworden,

daß uns Medizinstudenten und -

Studentinnen der verbale Um gang m it

Patienten selir viel leichter fallt, als der

körperliche Kontakt'. Dies führte dazu,

daß wir schwierige Situationen im körperlichen

Umgang mit Patienten durch

ablenkende Gespräche oder durch übermäßige

Konzentration auf die Tcclmik

überspielten.

Für die Vorbereitung auf die Arzt-Patienten-Beziehung

im Medizinstudium

halte ich aufgrund der genannten tlberlegi

ingen gerade solche Gruppen für sehr

bereichernd, diesichmitKörpt^rliclikeit

in Form von themenzentrißrter SelbsterfahnuigauseuiRndei-setzeii

l Jer Umgang

mit Koi'perkontakt zu Patientinnen und

Patientei l kann nadimeinenläfaluxtngen

inGruppen im't gegenseitigem Untersuchea

Hallenspielen und anderen Übungen

mit Körpererfalirung sehr verbessert

werfen.

"Für diese Arbeit wurde der Autor mit

dem internationalen Balint-Preis für Medizinstudenten

l 992 ausgezeichnet fersler

Platz).

1

Eine Bemerkung zur Sprache in dieser

Arbeit: Ich habe versucht, an allen entsprechenden

Stellen die Frauen ebenso

zu nennen, wenn ich sie auch meinte. In

einigen Salzen würde die Lesbarkeit des

Texles so sehr beeinträchtigt, daß ich

mich dann für die traditionellen Sprachmijsler

entschieden habe (z. B. "dem

Patienten" statt "dem/der Patienten/in"]

3 Schwierigkeiten gab es vor allem im

Umgang mit den Gefühlen Lust und Ekel,

wobei Lust noch stärker als Ekel tabuisiert

wuide.

V^ Spiel:

Klopfkette, die stehen hintereinander im Kreis und kolpfen sich den Rükken

ab, zum Schluß ausstreichen.

-98-

Betreuung einer chronisch Kranken

Nach einer Neurologie-Fainulatu r, hei

der ich sehr vielen MS-Kranken begegnete,

und nach Extrawachenauf'ständig

wechselnden Stationen, beschloß ich

Emzelpflege zu machen. Ich wollte versuchen

zu begreifen, was eine Krankheit

wie MS für einen Menschen und dessen

Alltag bedeutet, etwas, was in der Hektik

desKrankenliausalltages allzu schnell

übersehen wird. Dieser Plan ließ sich

erstaunlich sei mell bei einer Sozialstation

umsetzen, Ich wurde Frau S. zugeteilt,

einer seit Jahren bettlägerigen Frau, die

täglich 15 Stunden in zwei Schichten

betreut wird. Eine lange Zeit — doch

mit Waschen, sehr aufwendiger Lagerung,

Putzen, Kochen und Einkaufen

blieb anfangs kaum Zeit, für eine kurze

Pause.

Die Begrüßung am Vurtagmein.es Arbeitebegmiiswai'gleichselirennunternd:

"Was, schon wieder ein neues Gesicht''.

Der erste Eindruck war verwirrend, faszinierend

und deprimierend zugleich Ein

Bett in der Mitte des Raumes und dmmherum

alles perfekt durcllorganisieit bisbin

zu den vierzehn Kissen im Bett, mit

Fernbedienung, Brot für die Nacht

Niveacreme....

Eine alleinstehende Frau, die gerade

noch ihre Arme und Hände benutzen

kann, ihr letztes Stück Unabhängigkeit;

Betreuung von moigens bis spat abends,

ansonsten keine sozialen Kontakte, bis

auf ein, zwei Bekannte. Ihr Mann ist vor

längerer Zeit verstorben und vor zehn

-99-

Jahren als letzte wirkliche Bezugspersun

ihre Mutter. Außerdom hat sie extrem

wenig Geld. Ist diese Krankheit nicht

mehr als genug, warum soviel Leid auf

einmal

Zum Glück gab es bei uns von beiden

Seiten Sympathie, dünn die ersten Monate

waren hart, und ich habe mich oft

nach der t 'nverbindlichküit des Kranken--

- haust'S zurückgesehnt, wo man irgendwann

die lYir l linter sidi zumachen kann.

Zum .Beispiel die Lagerung hat anfimgs

Stunden gedauert, und ich wußte nicht

wollin mit meinen Aggressionen, wenn

auch beim zehnten Versuch immer noch

eine Hautfi-ilte querlag - und gleichzeitig

das Wissen, daß sie auf eine gute Lagerung

angewiesen ist, weil sie sich nicht


Oft

alleiae drehen kaiin und unter brutalen

Schmerzen leidet. Oder wenn die Buttermilch

von einer anderen Marke war,

als normalerweise, bedeutete dies für sie

ein Drama. Nach außen immer noch

freundlich und geduldig, habe ich doch

sehr unter meinen Aggressionen, meiner

Ungeduld und meinem Unverständnis

gelitten. Mit der Zeit liabe ich jedoch ein

wenig gelernt ineine eigenen Grenzen zu

achten und mein Unzulänglichkeit zu

akzeptieren. Wenn mir etwas zuviel wurde,

habe ich einfach eine kurze Pause

gemacht und dann wieder von Neuem

begonnen. Teilweise war es sicher aucli

ihre (Todes)angst und ihre Aggressionen,

die ich in mir gespürt habe.

Gleichzeitig gab es auch schöne Unterhaltungen

zwischen uns, über ilire

Vergangenheit, unser gemeinsames

Sternzeichen und ein bißchen Tratsch

über die chaotisch organisierte Sozialstation.

Was heißt es dünn, jemanden uin alles

bitten zu müssen, keine Kontrolle mehr

über seinen Körper zu haben, also absolut

auf andere angewiesen zu sein, auf

ihre Launen Was heißt es, wenn seine

Welt auf zwei Pflegepersonen am Tag,

das Fernsehprogramm und die Wahl des

Mittagessens beschränkt ist Wenn Bereiche

wie Sexualität und tue Freude am

eigenen Körper seit Jahren nicht mehr

existieren

Ich weiß es nicht und empfinde es inzwischen

last als Anmaßung, wennman

meint dies verstehen zu können Für midi

ist es wichtig, mir die Gefühle und meine

ganze Überforderung bei dieser Arbeit

in Erinnerung zu behalten. Denn

wieviele Töchter und Schwiegertöchter

pflegen ihre Angehörigen neben allen

anderen Verpflichtungen ganz selbstverstano^ch,meistensohne

dafür anerkannt

oder bezahlt zu werden.

Ich weiß nicht, wie man im klinischen

Alltag für die Patienten selbst bzw. für

die, die sie pflegen, wirklich sorgen

kann! Vielleicht ist es ja auch erstmal

wichtig, ein bißchen mehr von diesen

Problemen walu-zunehnien und dann zu

schauen, was für Hilfestellungen in seinen

Mögliclikeiten liegen.

Vor ein paar Monaten habe ich aufgehurt

bei Frau S. zu arbeiten, da ich gemerkt

habe, daß meine Wochenenden

mehr Kraft gekostet haben, als daß ich

mich wirklich erholt hätte, Wir haben

weiterhin Kontakt und ich freue midi sie

ab und zu zu sehen. Und sie gewohnt sich

wieder an ein neues Gesicht.

^ Spiel:

Pantomime, alle denken sich ein zusammengesetztes Substantiv aus, jeder

schreibt es auf einen Zettel und legt ihn in die Mitte, mischen und neu

ziehen, hintereinander versuchen alle ihren gezogenen Begritf pantomimisch

darzustellen, bis er erraten ist, wer errät ist dran. Achtung! Am leichtesten

errät man natürlich die Figur vorn eigenen Zettel.

Medizintheorie für Ananmnesegruppeir

Fragment Drei

Wo führen Bezielurngwi zu Patien ten

oder Patientinnen hin.

Die Bedeutung von Gespräch für den

Austausch von„Sachinfbnnationen" zu

Krankheitsentstehuiig, Beschwerdenmid

Krankheitsverarbeitung ist unumstritten.

Das Ziel, in einer Anamnese eine vertrauensvolle

Arzt-Patient-Beziehung einzugehen,

wird auf der Grundlage eigener

Beziehungserfahrungen und von

Lehrbuch wissen zunächst \m reflektiert

akzeptiert. Gespräch wird dabei mit Beziehung

gleichgesetzt.

Wird Beziehung offen hinterfragt, so

lautet eine Argumentation: Der Aufbau

eines Vertrauens Verhältnisses ist ein

Optimiert ingsversuch für don Austausch

von Sachinfbnnationen und für die

Compliance des Patienten.

In Anamnesegruppen wird viel Zeh

und Kraft, da raufverwendet. sich in Patienti:neiiizufuhleti,ihn

oder sie aus sich

heraus zu verstehen und naclizufiihlen.

Empatme ist ein Lelirbuchzid für ärztliche

Gi.'.spräche und Ziel der Arbeit von

Anamnesegruppen, das akzeptiert wird,

ohneeszuhintoi'tragen.

Die Situation ist eine andere, wenn

Gefühle eines Patienten im Anamnesegesprach

oder im Nachgespräch für die

Gruppe spürbar worden. Dann tauchen

Fragen nach Ziel und Zweck von Empathie

auf

Kann beispielsweise die Angst eines

Patienten gespürt weiden, so unternimmt

jeder für sich und die Gruppe als Ganzes

den Versuch, die Angst zu bewältigen.

Es werden in der Kegel im Nachgespräch

Wege gesucht, wie man einem solchen

Patienten das unangei leliine Gefühl durch

eine therapeutisclie Intervention nehmen

könnte. Oder aber es wird versucht, die

Sorge um Gefühle sozusagen rückwirkend

aus dem ärztlichen AufgabenbereicliauszLigrenzeiilnbeidenFällenwird

Beziehung und Gespräch grundsätzlich

in Frage gestellt:

Das lnfragestellen von Beziehung

drückt oft Angst und Überforderung vor

Gefühl aus. Es ist ein Wunsch nach Abgrenzung

von den Gefühlen des Patienten.

In der Regel wird damit versucht,

eigene Gefühle abzuwuliren, die übermächtig

zu werden drohen. Es ist also

(.'ine Frage nach den Möglichkeiten und

Grenzen der eigenen Beziehungsfiihigkeit.

Bearbeitet die Gruppe die Gefühle des

Patienten, so hat sie bereits den großen

Schritt geUin, Emotionen überliauptzu-

/Ailasson, aiffziuiehmen und wichtigzunehmen.

Zu diesem Zeitpunkt über,, psychotherapeutische

Interventionen" für

den Patienten nachzusinnen, stelltjedocli

.seinerseits die Abwelir von Gefühlendar:

Die eigenen Gefühle in der Beziehung zu

dein „gefühlvollen" Patienten werden

abgewehrt. Es fällt vielen von uns offenbar

leichter, die Angst bei einem Patienten

wal irzunehmen und sie behandeln zu

wollen, anstatt die eigenen Gefühle in der

-10t-


ea« Fragment

Drei

Beziehung zu einem ängstlichen Menschen

zu beachten.

Hilflosigkeit und Resignation müssen

resultieren, wenn versucht wird, denanderen

in der Beziehung zu verändern.

Handeln in Beziehungen - im Sinne von

Verändern - kann nur bei sich selbst ansetzen.

Es geht darum, die eigene Haltung

gegenüber einem Patienten kennenzulernen,

das heißt die eigenen Gefühle,

Gedanken und das eigene Verhalten.

Handeln bedeutet zunächst lemtm, sich

m der Beziehung zu fühlen, 211 denken

und zu verhalten.

Vor diesem Hintergnind loluit es sicli

die zwei Fragen zu stellen:

l. Wo führe ich mich hin,

wenn ich Beziehungen

eingehe

Wieviel Beziehung will ich Wie

beziehimgsfahig bin ich 9 Wieviel Emotion

kann ich bei mir zulassen u nd dabei

arbeitsfähig" bleiben Wie kann ich mich

an meinen Grenzen verhalten Wie kann

ich Grenzen setzen Diese Fragen können

letztlich nur durch Selbsterfahnmp

in Beziehungen beantwortet werden.

Interessant ist es, in der Literatur nach

Antworten zu suchen auf folgenden Fragen;

Was bedeutet Empathie eigentlich:

Mich in den Patienten einzufühlen oder

mich in der Beziehung zu dem Patienten

zu fühlen Welche Bedeutung hat Empathie

für die pschische Gesundheit des

Arztes Haben Ärzte die Wahl zwischen

Empathie und Zynismus Und Welche

Bedeutung hat Beziehung in meinem

Verständnis von Medi/in Welche Bedeutunghat

Beziehung in verschiedenen

Heilkunden 9 Wo stehe ich m it meinem

EntwicldiingÄstfind für Beziehungen in

versdiiedenen Heilkunden Was wird mir

abverlangt In welche; emotionale Entwicklung

willige ich ein, mit dc:r Wahl

der Heilkunde

2. Wo führt Beziehung für

Patienten hin

Welche Bedeutung hat Empathie dir

die Gesundung des Patienten Welche

Möglichkeiten und Grenzen bietet Beziehung

für Patienten Welchen Wert hat

Emotion für den Patienten in einer ärztlichen

Beziehung Was passiert in Beziehungen

für Patienten

Dos gesamte Referat (7 Fragmente] ist in dem berühmlen Ordner, der im Arrike

"Projekttutorium an der FU 8erlin"|Kapitet News) vorgestellt wird, enthallen.

^ Spiel:

Bewegungsblitz, die Gruppe hat etwas Zeit umherzugehen, dazu den

Raum nutzen der zur Verfügung steht, jeder kann für sich seinen Rhythmus

und sein Tempo finden, und versuchen eine Bewegung oder eine

Haltung einzu-nehmen, die im Moment zu ihm paßt. Erst dann kommen

alle wieder zu einem Kreis zusammen, jeder kann seine Position vormachen,

die anderen versuchen diese nachzuahmen.

^rW» 1 """ ,

Weniger Pflichtberatung

anderFU

BERUN (F.S.) Der Akademische Senat der

FU hat die Regelung aufgehoben, nach der

Studenten, die die Regelstudienzeit überschritten

haben, sich jedes Semester zu einer

Pflichtberatung melden müssen. Künftig

sollen Langzeitstudenten bei nicht

rechtzeitig abgelegter Zwischenprüfung nur

noch zweimal vorgeladen werden können.

Bei nicht innerhalb der vorgeschriebenen

Zeit abgelegter Abschlußprüfung ist nur

noch ein einmaliges Erscheinen zur Pflichtberatung

erforderlich. Die Satzungsänderung

muß noch vom Wi""--- k-lf tssenatar

bestätigt werden.

Wer zur Pflic

kann nach wie

liert wwdcn.

eingeführt v>

Schiit zu nger

Studenten <

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weniger als /\vei Jahre

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Erfahrung)

E Insel wurde > Kw südliches Tempraiiient «

wie die Konferenz

(I8/15

auch. Minimalistist

Nach der Euphor

der Kleingeist von Bi (Zuschriften an die Redaktion

1992 war die Zeit dei

terzeichnet wurde ein

liehe Konvention. Nui

den Rahmen zu fülle

konkrete Zusagen jeder

rung, doch die haben öl

ngkeiten mit den besteh ,«;ge!un-

fällt der Gipfel in eine Zeit, in

e Pläne von Bundesge-

Horst Seehofer für eine

ilfe sind auf heftige Kritik

vangelische Kirche in

: sich am Freitag ebens

gen die Kürzvtngen VQ

Dagegen verteidigtet,

nzept. Die Bund es ve

bewerbende begrüßt

die richtige Richtung,

w.uerte Oberkirchenrat

...er sagte der Chemnitzer „Frei-

.rtse", es gebe nur wenige Punkte des

Konzepts, denen die Kirche zustimmen könne,

„In den meisten Fällen muß man so laut

wie möglich .nein' schreien", sagte Winkler.

Seehofer habe Öl aufs Feuer der Mißbrauchsdiskussion

gegossen und sich zum

'Wortführer derer gemacht, die Menschen in

'"- mißgönnten. Begrüßenswert sei le-

'" VbeitsauftP K me von Sozialverden

solle,

der SPD-

- hehilfesystern

korrigiert werden. Mii den nun

notwendigen Kürzungen solle das sogenannte

Lo h na b Standsgebot wieder stärker

wirksam werden.- das vor allem regional

nicht mehr stimme. Der ste live tretende Vorsitzende

der CDU-Sozialausschüsse (CDA).

Herman-Josef Arentz, erklärte, die Sozialhilfe-Reform

sei effektiv eine Verbesserung des

bestehenden Sozialhilferechts.

Die Bunöesvereinigung der Arbeitgeberverbände

erklärte in Düsseldorf, durch die

angekündigte Reform könne die Sozialhilfe

an die gewandelten sozialpolitischen Anforderungen

angepaßt und ihre Zielgenauigkeil

erhöht werden. Die Erhöhung der Anreize

für Sozialhilfeempfänger zur Arbeitsaufnah-

•"


"Eine erstklassige Begräbnisfeier"

"Eine erstklassige Begräbnisfeier"

Am 31. März 1995 hat die Arbeitsgruppe

"Reformstudiengang Medizin" der

Freien Universität Berlin -Klinikum Rudolf

Virchow- zum gleichnamigen Symposium

eingeladen. Nach beinahe sechsjähriger

Entwicklungsarbeit liegt das

Modelleines grundlegend reformierten

Studienganges Medizin vor. Mit dem

Leitsatz: "Beginn eines neuen Weges"

wurde das Gesaintaorriculurn der Präsidentin

der Humbokkiniversität (HUI) und

dem Präsidenten der Freien Universität

(FU) überreicht Aufgrund der Fusion von

Klinikum Rudolf Virchow und der

Charite' unter dem Dach der HI J (tritt

eben am 31. März 111 Kraft) ist diese nun

für die Umsetzung des Modells verantwortlich.

Obwohl wir schon mitten in der Layout-Phase

steckten, war Kiire POM-ltedaktiou

für Euch vor Ort, i im dun genauen

Stand der Dinge zu eiidiren. Wir sprachen

m it Burkard Danz, l jeiter der AbteiliuigStudieiuuigelegünlieifenderCharitüiuid

Sven HeiiiHtedt, Mitglied dui'Ati

Jfciünustudiengting.

POM: Guten lag Herr Dun, der

Reform stitdi-engaiig liegt, jetzt in den

Händen der HU. Wie. soll, es meilergvhan

Danz: Das ist eine komplizierte Frage.

Aus Sicht der HU muß es unbedingt

weitergehen. Da ist allerdings das Problem

des materiellen und personellen

Aufwandes.

-104-

Feld, geführt wird.

Danz: Das Problem orientierte Lernen

stellt ganz neue Anforderungen an die

Universität. Zur Zeit ist es so, daß sich

Studenten in die freien Ressourceneinklagen.

Ohne eine Änderung der

Kapazitätsverordnung ist da nichts zu

machen

POM: Wer ist dafür zuständig

Danz: Die Kapazitätsverordnung liegt in

Landeshoheit. Die andere gesetzliche

Grundlage, die geändert werden muß, ist

die Approbationsordnung, dies liegt allerdings

in der Zuständigkeit des Bundes.

POM: Wo sieht die. HU den, Aiisaltpimki

für den Hebel, um Beilegung in. die Sache

zu bringen,

Danz: Unsere Möglichkeit liegt darin,

über politische und wissenschaftliche

Kanäle Kifluß zu iielimen, daß bei der

ExpaimentlerldaaseleiUl lal ten isuüe die

Grundlage für eine Etablierung des

RefonimiudelLssL'liatt Das andere ist die

u'-enn au den gesamten Unis in. Berlin

der Refoi-insludiengung gestartet würde,

da> inhätlei i die. Veru >altu.ngsge.ndite keine

Handhabe, mehr.

Danz: Schöne Idee, aber die gesetzlichen

Grundlagen fehlen

POM: Wer blockiert, noch

Danz: Es ist klar, daß die Fakultäten selber,

besser gesagt, die alten Bedingungen

in denFakul täten blockieren. Dabei

hat Berlin so eine Chance drei Wege

nebenemader lauten zu lassen und zu

vergleichen. Die Charite' (mit den zum

Teil geretteten Aasbüduiigsinhatten aus

DDR-Zeit), das Klinikum Benjamin

Franklin und das Klinikum Rudolf Virchow

mit dem Reförmstudiengang.

POM: Heute war also der feierliche Alii.

Sven Oh, da habe ich schon andere Stirn -

mengehört, nämlich, daß dies eine erstklassige

Begräbnisfeier ist.

POM: Du denkst also, das war 's

Sven: Nein, aber das sind so Stirn men.

POM: Wie sind die aktuellen Bedingt ingenfii.r

den Start, wann. geht es endlich

richtig los

Sven: Das ist eben so eine Frage. Durch

die Fusion von Virchow und Charite stehen

uns wieder völlig neue Leute gegenüber.

Erst haben wir mit G rundlagynmedizinen

i der Fl_ ' verhai idelt jetzt müssen

wir mal sehen, was die Griuidlaiienmediziner

der Charite'denken. Der

Fi/tpräsidentderHl -hat ja gesagt, kein

Problem . Die Stellung unseres Modells

in der neuen Fakultät ist total unklar. Es

gd it 1 1; dt LUII die Finai izienuig.

ged.erFintin.zi£rbarkeit

Sven: Mit der Fusion und dem neuen

H«: hschuhnedizingesetz haben wir natürlich

auch unerwartete Mögliclikeiten.

Es wird die Mittelvergabe für das neu zu

bildende Gesaiiitklinikiun geregelt Mittel

sind also da. Wir müssen jetzt darauf

achten, daß diese nicht wie üblich zur

Defizitdeckung in der Kranke n Versorgung

versacken, sondern wirklich in der

Lehre und Forschung landen.

POM: Es fehlen auch gesetzliche Grundlagen.

Wo sind denn die Widersprüche

-105-

zwischen Ewern Modell und dem jetzigen

Gesetz

Sven: Ein wesentlicher Punkt ist der

Wegfall der Gliederung in Vorklinik, 1.

kliri, Abschnitt, 2. klin. Abschnitt und PJ

(Schichttortenmodell), der bei uns durch

em Verzahnen der einzelnen Abschnitte

(excl. PJ) ersetzt wird. Das zweite Problem

sind die Prüfungen, besser gesagt

die Pflichtfächer, die in der

Approbationsordnung festgeschrieben

sind. Das erfolgreiche Absolvieren (auch

Abreißen genannt, Red.) dieser Kurse ist

die Zulassimgsbedingung für die Staatsprüfiingen.

POM: Wie teuer ist ein Platz

Sven: Wie teuer ein Studienplatz letztendlich

ist, kann jeder 1 so hinrechnen wie

er will, l )ie Kosten differieren zwischen

öü.UOO und l .000.000 DM. Der Nebel

entsteht bei der unterschiedlichen Kalkulation

der Mitlei, grob gesagt zwischen

! jühre/Fur.schung und Krankenversorgung,

d.h. wieviel Gold, welches zur

Krankei iversoigiing genutzt wird, auf die

Ausbildi ingsreclinung geschlagen wird,

l )ie Kalkulation des Lehraufwandes beim

lleiomistudiengang liegt allerdings etwas

höher als sonst Das würde bedeuten, daß

die 60 geplanten Modollplätze 15;indery

Studienplätze vernichten. Diese ReduzienuiglauftimVerlialtniszuderVerminderung,

die sich aus der derzeit diskutierten

AO ergeben würde, auf die gleichen

20% hinaus

POM: Gesetze

Sven: Bund und Länder sind gefordert.

Wir brauchen eine Ausnalimeregelung

bzw. Experimentierklausel. Das

Hodischuk-almiengesetz bietet dafür den

Spielraum.

Das Gespräch führte Tobias


Projekttutorium an der FU BERLIN

von Anette Stelzer, Berlin

An der FU Berlin wurden die Anamnesegruppen über 4Semester 1992-1994 als ein

sogenanntes "Projekttutorimn" gefördert. Zwei Ziele sollten erreicht werden: Die

theoretische und praktische Vertiefung der AG-Arbeit bzw. eine langfristige finanzielle

Unterstützung durch die Med. Fakultät. Üher letzteres gibt es in POM 13

iiochAusfiihrliches zu lesen (siehe S.707), und dank dem Perfektionismus der Beteiligten

wurde auch die theoretische Arbeit derart dokumentiert, daß POM es unbedingtempfehlen

kann:

In einer megadicken''Werkmappe" sind en mnsse Berichte und Anregungen

zusammengefaßt. Und das nicht nur übersichtlich, sondern auch nachalimbar - sozusagen

eine "Minibibliothek" für Anai nnesegruppen! Wenn also mal für Workshops

oder Projekte in Euren AGs ein Kon/^pt oder der theoretische Hintergrund

fehlt, fordert doch einfach eine Kopie des entsprechenden Kapitels an! • Berlin

macht's möglich! (Leider noch nicht auf CD-ROM..)

Hier ein Blick ins In haltsverxüichnis:

• Berichte über die Qffeijtli^hkefeatbcjtziirfiiiai-iziellen l tnfrTsUitzimg einschlicßlieh

einem ausformulierten Antrag an den Fachbereichs rat

• Dokumentation einer vergleichenden compute gestützten Eyaluatiori (mit FragEbogen)

• Workshop-Berichte zu den Themen:

"Alkoholismus"

"Kommunikation zwischen Männern i md Frauen"

"Vom kindlichen Arztbild zum Arzt in der Realität"

• Trainingsberichte (4 Stück • gut als Arbeitsvorlage für potentielle Trainer...)

• Rgferate zu den Themen:

"Medizintheorie und Anamncscgruppen"

''Gnippendynamik und Anamnese gruppen'

• eine Üteraturbste mit Hinweisen (und z, B. auch Angabe der jeweils verfügenden

Bibos) auf Bücher bzw. Artikel über/zu Anamnesegruppenarbeit

• Last not least: jede Menge Semeseter-Gruppenberichte.-.

Ais Schnupperkapitel hat POM 13 einen Teil des Referats''Medizintheorie für

Anamnesegruppen" abgedruckt (8101).

Am besten, Ihr bestellt gleich d ie ganze Mappe zur Ergänzung Eures Archivs

(Was - Ihr habt noch kcins) - gegen einen Kostenbeitrag von DM 30, - einschließlich

Versand. Wem das zu viel ist, der kann auch einzelne Kapitel anfordern bei:

Johannes Scitetdig

Gisela-RoU

Urbanstraßfi 26 oder Siideiidstraße 4

10967 Berlin 121fi9Ber!m

Wie holt man die Kohlen aus dem Keller

oder zur finanziellen Situation der Anamnese gruppen in

Berlin

von Tobias Dietel

Die Anamnesegruppenbei uns in Berlin

machen in der Tutorenriege gerade einen

Generationswechsel durch. Einige

der „ Leistungsträger' 1 der vergangenen

Jahre befinden sich m dem Augenblick,

in dem ich dies niederschreibe, m intensiven,

ja üxistentiellon I £bcnssituationen.

Sie machen das zweite Staatsexamen.

Eine, wie ich zutiefst empfinde, wirklich

unmenschliche Sache.

Einen besonderen Verdienst haben

sich diese ..Alten" (Anja, Eilen, Gisela

Christi;m und r Johannes) bei der Etahlii;-

rung der Anamnesngruppen in den

1 T ni%t!rsitatestmkUu.Bn erworben.

Sie haben u.a. um

die Einrichtung fester

Tutorenstellen gekämpft

und waren zum Teil erfolgreich.

Im ehemaligen Fachbereich

Rudolf Virchow

(durch die T Jmstrukturierung

der Berliner

Hochschullandschaft ab

kommendem Semester Fakultät

der Humbold-Universität)

wurden in guter

Zusammenarbeit mit den

verantwortlichen Unimitarbeitemaufunkonventionellem

Weg zwei Stellen

installiert, sodaß im vergangenen

Semester Geld

aus dieser Quelle floß.

Unerquicklicher war da

die Konfrontation mit dem

schon immer konservativeren Fachbereich

Klinikum StegHtz (wider dem Minderwertigkeitskomplex

heute Benjamin

Franklin). Der Fachbereichsrat, bzw einige

der sprachgewaltigen Betonköpfe,

machten die wackeren Anamneslerlnnen,

die ein mehrseitiges Antragsschreiben

mit Begründung der Notwendigkeit der

gewünschten Tutorenstellen eingereicht

liatten, auf einer Sitzung ziemlich fertig.

Nachdem unsere Helden also dort ihre

Frau bzw. ihronMann gestanden hatten,

beriet der Rat der Wichtigen im Geheimen.

Das Ergebnis, welches sich nach-

OrqanlcatU

-106-


ftt eller


stehend recht freundlich liest, gibt das

zuruckhaltene Würdigung fand, entschloß

sich der Prof. einen Antrag an

Klima der Auseinandersetzung wohl

nicht annähernd wieder.

die Forschungskommission (Geldverwalter)

auf zwei Tutorenstellen zu

Das war nun der Stand als das frische

Tutorlnnenblut (richtig ist, daß Anja zu

unterstützen. Von Auflagen im Sinne des

den alten Kämpfern gehört) im vergangenen

Semester in den Ring stieg, voller

Fachbereicrjsratsbeschluß war ersteinmal

nicht mehr die Rede. Mal sehen was

Enthusiasmus und Tatendrang, mit dem wird,

positiv auslegbaren Facbbereichsratsbeschluß

i m Rücken, um zu vollen-

Wichtig zum Verständnis ist, daß im

vergangenen Monat der Fachbereichsrat

dea Die Zusammenarbeit mit dem einen,

neu gewählt wurde und auch in der

vom Dekan vorgeschlagenen Hoclischxülehrer,

erwies sich als zäh, doch nicht un-

Klinikleitung Stühlenicken angesagt ist.

Das lockert die Strukturen etwas und ermöglicht

wohl dem einen oder anderen

fruchtbar. Nach einem Semesterund zwei

stattgefundenen Gesprächen, in denen Prof den Kopf aus dem Saftglas zu ziehen.

Hardlinerade' 9 Wer weiß, aufje-

das Konzept der Anam neseruppen prinzipiell,

als durchaus, möglicherweise

den Fall hat die Studentenschaft die

sinnvolle Variante der universitaren Bildung

nähere Betrachtung und ton etwas

Mögliclikeiten. beim mischen der Kar-

mitzumachen

bergaiten-gefiihlswelt der Kitern gegenüber.

Kr erlebt den Unterschied dieser

Lebensfonnenon, doch längst ist dieser

Gegensatz in ihm selbst. Der Autor läßt

uns genau diese Sparmimgerfahren, er

nimmt uns mit hinein in den Kampf gegen

das Zerrissenwerdea Er trägt um in

uns hinein, stößt damit unsere eigenen

auseinanderstrebenden Regungen an

Eine gute Idee ist der Drucktechnik

des Buches. Die Gedanken und unausgesprochenen

Gefühle des Helden sind

im Gegensatz zum Rest des Textes kursiv

abgebildet,

Die Kraft des Buches liegt in der Lebendigkeit,

in dieser "irre n." Realitätmit

der Pett'rFaDisteluas nahe kommt, Wer

Rezension "Von der Zukunft umzingelt"

sieb einläßt, für den werden die Buchstaben

und Worte zu tanzen beginnen.

Die Bewegungen werden immer schneller,

die Richtung immer un-klarer, der

Rhythmus abgehackter, die Melodie

schriller.

Am Ende des Buches erleben wir, wie

der Lehensstrom des Peter Fallistel zum

Strudel wird und der Held in das eintaucht,

was die Psychiatrie Psychose

nennt.

Dieser Liebesroman hat kerne Heilsbotschaft

und kein "Happy End" , Er

berührt, bewegt und kann vielleicht eigene

Abgründe spürbar machen.

Rezension "Von der Zukunft umzingelt'

Ist es die Liebe zu Claudine, die Peter

Fallistel vom Weg der "Norm" des "Normalen"

abbringt

Die Beziehung der zwei Hauptfiguren

des Romans beginnt in Grenoble, wo

sich Peter zu einem Praktikum aufhält.

Sie, die dort unter ihren Freunden Königin

der Vorstadt genannt wird, unterscheidet

sich in ihrer Lebensart so sehr

von der des Studenten aus Berlin.

Peters Ordnung, Zukunftsdenken, sein

Bedürfnis nach Sicherheit und der Blick

auf die Karriere teffen in Claudine auf

Peter ist wieder in Berlin. Er kehrt

zurück aus der Welt des ungezügelten

Lebens in Grenoble und sieht sich dem

leistungsbezogenen Alltag im

Germanistikstudium und auch derSchre-

-108-

Unberechenbarkeit, Spontaneität und

Leben aus dem Augenblick. Die Vi-talität

und Unbestimmtheit dieser Frau ziehen

Peter an, das Abenteuer beginnt, der

Strom hat ihn erfaßt, erläßt sichmitreißen

und erlebt im Zusammensein mit

Claudine Lust, Unvernunft und Gefuhlsstümieinbiäher

ungeahnter Intensität.

zinqelt

•«•*

^ i v

nders

ukunft

Ein

psychotischer

Bildungsroman

Rilril

-109-

seit

l,98') selbst "ehrcrnwriesMitglied

dwPsychaszctip.". Erlebt ii\ Berlin.

Ein weiteres Buch "Das verriickte

Wohnen,"


Rezension „Rette mich, wer kann"

von Annette Stelzer; Berlin

Eins gleich vorweg: Das dünne Büchlein

habt ihr so schnell selbst durchgelesen,

da/3 jede Rezension eigentlich zu lang ist.

Ulla Schmalz ist Krankenschwester.

Das einzige Berufe -Klischee, das hei ihr

zutrifft, sind allerdings die vielen Zigaretten,

dje sie raucht. ..Kern weißer Kittel

- dafür ein Dienstauto (Einmal sogar

ein Mercedes!); keine Visiten, aber unzählige

Gespräche,

Des Rätsels I Äsung: I lla ist Mitglied

eines Teams des

„Psychiatrischen Dienstes",

indem sie zusammen

mit Psychologen,

Psychiatern und Sozialarbeitern

versucht, Ansprechpartnerim

Kie

zu sein für Menschen

mit psychosozialen

Konflikten. Ziel dieser

i locl i nicht lang existenten

Einrichtiuigen des

Gesundheitsamtes ist

es, durch vorbeugende

und nachbetreuende

HÜfö KUnikaufenthalte

in der „Klapse" zu vermeiden

oder zumindest

zu verkürzen.

Diesen komplexen Job, wo

Zuständigkeitsgrenzen so schwer zu trennen

sind, versucht uns Krankenschwester

Ulla zu entwirren, indem sie uns mitnimmt

zu den Besuchen bei einem ihrer

Sorgenkinder./#»ine ist kein ungewöhnlicher,

.Fall", sondern eine liebenswerte

Frau, die Ulla während der jahrelangen

Begleitung sehr ans Herzwächst. InForm

eines Tagebuches können wir hautnah

miterleben das Auf und Ab mit Hannes

Krankongeschichte und Ullas

wechelndem Abgrcnzungs vermögen.

Detaillierte Reflexionen darüber, z. B. die

aktuelle Kassette im Autoradio oder der

Frust üters schlechte Kantinenessen erinnern

dabei schon

manchmal an die

Faszination von

Cyberspace...

Kaum verstellbar,

daß Ulla noch sehr

viele andere Menschen

batreut an einem

Arbeitstag, (und

die wahrscheinlich

auch jeder ein Buch

füllen könnten mit ihrer

Geschichte...),

und außerdem auch

ein Privatleben hat:

Nur ganz am Rande

erfahren wir von ihren

zwei Kindern und

dem gestreßten Manager-Ehemann, von

denen sie nur berichtet, wenn diese protestieren

gegen Ullas Engagement. Z. B.

die Einquartierung einer ihrer bedräng-

ten Patienten ins häusliche Gästezimmer,

Es wird viel Kaffee getrunken in diesem

Buch. Und immer dann, wenn der

Lesende gerade beginnt, die Nase zu

rümpfen über dieses uneffektive

Sozialarbeitergeplauder, gelingt das oft

scheinbar Aussichtslose: Hanne zeigt

Krankheitseinsicht und willigt in ärztliche

Behandlung ein; oder verspricht sich

endlich beim Arbeiteamt zu melden.

Dabei verschwimmen oft die G renzen

zwischen Krankem und Gesundem, zwischen

Helfen i und Hilflosen, l lieser Sog

in die Welt des Wahnsinns, • diese Anarcliie

hat nicht nur- für Hanne und l illa ihre;

Reize, sondern der Lesende seihst wird

hineingezogen indas Tohuwabohu.

In diesen kitzligen Situationen rettet

dann immer nur ein Kaffee mit den Leuten

vom PD- Team,

Sanft und praxisnah wird de

so herangeführt an die Fachspracl le der

Psychiatrie. Befunde lesen sich lebendig

und verständlich und am Ende entdeckte

ich auch an mir schon den „diagnostischen

Blick", wenn Hanne wieder ilire

Rückfalltat) ptome bekam.

Noch spannender wird der Messertanz

im Paragraphen-Dschungel zwischen

Rezension „Rette mich, wer kann"

Raumungsklagen, Vermogenspflegschaften

und Urteilen des Vormundschaftnchters.

{Nur - welche Geheimnisse

sich hinter einem „Psych-KG" verbergen,

wurde bis zum Schluß nicht verraten!)

Zwei wesentliche Pfeiler dieser kraftraubenden

Arbeit werden mit Ullas

Tagebuchnotizen nachvollziehbar: Zum

einen die Geduld, ohne die wahrscheinlich

nie Konfliktlösungen erreichbar wären

bei all den Rückfallen und Behörden-

Fallea

Und zum Zweiten ist es das Lachen,

das von l Ula immer wieder ins Zentrum

gerückt wird, weil es wie ein Zaubermittel

ningestürzt R Brücken aufbauen und

Relatim len airecht nicken kann.

Alles in allem ist dieses handliche

Büchlein eine leseleichte Nachttisch-Alternative

zu trockenen Sozialpsychiatrie-

Referaten an der Uni. Allerdings wohl

auch nur ausschließlich für diesen Ort

gedacht: Nach zwei Tagen im Stadt-

Ruc.kfiack war das Paperback traurig

zerknickt und c-inge rissen!


Oft

PJ in Transmuralien

(Ein Schwabe an der Charite...d. Red.)

von Christian Mickeler, Berlin

Einen Steinwurf von Reichstag und Brandenburger

Tor entfernt, gleich hinter der

Mauer, an der einst die Versuchsziegen

der hauseigenen Pathologie grasten, erhebt

sich der Bettenturm ^0 Stockwerke

hoch in den Berliner Himmel. Stolz

prangt, auf dem Dach der Name dieses

ruhmreichsten aller deutschen Krankenhäuser:

Charite. Virchow, Koch und andere

haben einst den Namen in alle Welt

getragen. Während der -10 Jahre DDR

wuchsen nicht nur der Bettonturin in

schwindelerregende Hohen, sondern

auch Konzentration von l ngli-tech-Medizin

und Selbstbewußtsein Weicht 1

deutsche Klinik hat schon ein

Eizugsgebiet von Ostsee bis Krzgchirge

Medizinische Raritäten, Kuriositäten und

komplizierte Falle von l 7 Millionen

Menschen sind hier versammelt. Und

mancher neue Chefarzt aus dem Westen

ist verblüfft über die FallzaJilen seltener

Krankheiten. Wobei wir heim Thema

waren. Eben jene neuen Herren mit ihrer

westdeutschen Arroganz, jene

amerikanophilen, "paper"-geilen

Forschungsmäuse und Abrechnungslöwen

sind das Problem für den Polier aus

Westdeutschland. Diese duftenden

CosmopoUten mit Ihren erlesenen Krawatten,

sie führen Worte wie "cases",

"basics", und"syndroms" im Munde,um

auch noch dem letzten doofen Ossi klarzumachen,

wo medizinische Sporen verdient

wurden zu Zeiten, als die Ossis

noch nicht eünnaJ mit Messer und Gabel

geschweige denn mit Stabchen aßen. Sie

lialten sich für himmlische Wesen. Einer

konnte gar von sidi behaupten, er sei vom

Himmel abgesprungen um die Charite zu

retten. Kein Scherz.

Nun ist meine Herkunft nicht zu überhören.

Auch wenn ichKisuaheli spräche,

ein Schwabe würde meinen Wohnort auf

10 km orten. So genau nehmen es die

Ossis nicht. Es genügt, daß ich aus Südund

somit aus Westdeutschland komme.

I T nd da ist sie wieder: die Maxier. Diese

Wand aus Mißtranen und Skepsis so

.sorgsam aufgebaut m den vergangenen 5

Jalirea Man hat es nicht leicht als Fremder,

als Angehöriger der westdeutschen

Herren k l as,se. Zu der hab ich mich zweifellos

nie gezählt, aber jetzt mußte ich

dies taglich aufs Neue beteuern: Bitte

bitte glaubt mir, ich bin ein Mensch, trotz

m einer Herkunft!

ßei allem Verständnis für die

Befindlichkeiten der Menschen: Vorgänge,

die die Ossis irritieren, ärgern, gar

empören sind im Westen nichts neues

(sollte etwa Karl-Eduard von Schnitzler

ein realistischeres Bild der BRD gezeichnet

haben als Lindenstraße und

Schwarzwaldklinik ). WosichOssis

kollektiv gedemütigt und an die Wand

gedrängt sehen, vollzieht sich lediglich

westdeutscher Unialltag. Neue Chefe mit

zeifelhaften Qualifikationen, soziale Kretins

aus fremden Städten werden berufen.

Natürlich bringen sie ihre Leute mit

2-

und ekeln systematisch dm alten raus.

Und wie immer gilt die Regel: nie ist ein

neuer Chef beliebter als der alte. Und

bundesdeutsche Medianerrealität bedeutet

schlechte Lehre, schlechte Berufsaussichten,

schlechte Bezahlung. Früher in

der Zone war manches besser für Ärzte.

Seit Seehofer sind sie überflüssige

Schmarotzer, von denenjeder den Sozialstaat

l mill DM per annum kostet. Im

Osten dagegen waren Mediziner Mangelware.

Die Karriereaussichten waren

traumhaft. Jahr fiir Jahrtürmten Etliche,

und Spitzenpositionen wurden frei für

Nachrücker, Da) n als durften PJler auch

schon mal Appendektomien durchfiihren,

wenn der Oberar/l gerade rübergomacht

hatte. Damit dies nicht allzu oft geschah,

wurde extra ein gewisses Ministerium

beauftragt, den Doctores von der Oharite

mal ein bißchen auf die Finger zu so

hcri. So war die Teilnahme an internationalen

Kongressen ohne Kontakte zur Stasi

kaum vorstellbar. Hätte wohl jemand

nach Paris fahren dürfen, dein nicht, Hie

bedingungslose Liebe zum sozialistischen

Vaterland bescheinigt worden

wäre

Heute sind solche Bescheinigungen

sehr hinderlich für eine weitere Karriere.

Viele hervorragende Mediziner nehmen

den Hut, einige sich das Leben, So

wird Platz geschaffen für westdeutsches

Mittelmaß. Dies verärgert und steigert

den Hochmut. So wurde ich mit den

Worten empfangen; "Ihr habt im Westen

ja eh nichts richtigs gelernt." Ein ander

Mal wurde mir beschieden: "Ihr seid

doch alle hinterm Mond." Und äbniiches

tagein, tagaus. Schuldiger kann man sich

wohl nur noch in Israel fühlen,

Freilich, man kann hier auch a 1s Wessi

überleben. Man überhöre die kleinen

Frotzeleien, erwidere sie nicht durch witzelnde

Bemerkungen, über den Osten

(denn über den Osten dürfen nur Ossis

Witze machen). Man sei stets höflich,

fleißig, freundlich (doch nicht allzu fröhlich,

das ist verdächtig), pünktlich, sauber

und rasiert. Denn merke: Du bist exponiert

und alles, was Du sagstund tust,

fallt auf, wird registriert. Stelle Dich stets

vor, sonst heißt es: "wer sin sie'n überhaupt."

Sag im mer Bitte und Danke (in

Berlin Fremdwörter). Sonst heißt es:" Wat

sin det für Töne". Und wenn mal alles

nicht mehr hilft, sageinfach:"Meme

Freundin is außm Osten." Das öffnet

Ht>r7,tm und Türen. Meine anfangliche

Befürchtung., dies wurde sie zusätzlich

fhistcn, weil wir ihnen jetzt auch noch

die Frauen wegnehmen, war unbegründet,

l Tnd vor allem sag zu allen Sie, Wer

glaubt, im Arbeiter-und-Bauern-Staat

waren alle I.Jenossen und per Du, täuscht

sich. Meine Stationsärztinnen siezten

m ich und andere PJler hartnäckig. Geduzt

wird nur auf gleicher Ebene, also

Schwestern unter sich, Zivis unter sich,

etc..

Bei so viel Nachholbedarf an lasterhafter

Stichelei könnte der Eindruck entstehen

daß unter den bestehenden Umständen

das Leben eines Wessis in

Transmuralien die Hölle wäre. Falsch.

Denn ich bereue nichts. Ob nun die Qualität

der Lehre früher im Osten wesentlich

besser war Man merkt soviel nicht

davon. Der PJ-Unterricht jedenfalls war

bescheiden. Dennoch kann man eine

Menge lernen; Medizinisches, Menschliches

und viel viel über Deutschland und

deutsche Befindlichkeiten.


ADRESSENLISTE

(Stand 3/ 95)

Bern

Fachschaft Medizin/ Universität

Berlin

Murtenerstr.11 CH-3012 Bern

Christiane Moser-Jünemann Karl-Schrader-Str5 10781 Berlin Tel. 030/216 554

2*

Heiderose Ortwein

Tobias Dietel

Falk Eisterlehner

Hans Capeller

Anja Ede

Utrechterstr. 44

Langenscheidtstr.03

Dunkerstr.72

Körtestr.15

Kolonnenstr 57/58

13347 Berlin

10827 Berlin

10437 Berlin

10967 Berlin

10827 Berlin

Bochum

Ruhr-Uni Bochum Fachschaft Medizin UniversitatsstrafJe

Bonn

Daniela Bohnen

Birgit Schulz

Jan Dreher

Erlangen

Hochstadebnng 3

Kaiserstr 89

Röckumstr. 69

53119 Bonn

53113 Bonn

53121 Bonn

Tel 030/ 456 88 42

Tel. 030/ 787 52 91

Tel. 030/691 4299

Tel. 030/ 782 00 85

44801 Bochum

Tel. 0228/6958 30

Tel 0228/ 22 53 49

Tel. 0228/61 47 17

Thomas Lohr Martin-Luther-Platz 3 91054 Erlangen Tel 09131/26603

Frankfurt

Anette Wassner

Holger Himrnighofen

Esther Gaertner

Dagmar Pfitzner

Almut Sarnighausen

Frei bürg

Götz Fabry

Cornelius Falk

Andreas Kordon

Irena Wiegering

Axel Petzold

Arne Thomsen

Göttingen

Laubeslf 9

Hofackerstr 70

Glümerstr. 11

Lorettostr 22

Luckenbachweg 16

Meisenbergweg 26

Lorettostr. 24

Melemstr. 7

Ziegelhüttenweg

Kleine Brückenstr 14

Schleusenweg 6/ 206

79110 Freiburg

79102 Freiburg

79100 Freiburg

79115 Freiburg

79102 Freiburg

79100 Freiburg

60594 Ffm Tel 069/60321*6

60322 Ffm

60598 Ffm

60594 Ffm

60528 Ffm

Tel. 069/ 59 58 02

Tel. 069/6323 79

Tel. 069/6261 09

Tel. 069/675262

Tel. 0761/87 914

Tel. 0761/75600

Tel. 0761/75801

Tel. 0761/482386

Tel. 0761/52 583

Tel; 0761/702201

Britta Kaminsky Kellnerweg 16/211 37077 Göttingen Tel: 0551/37 74 37

Graz

Doris Oberwoger Stenggsfr 61 8043 Graz Tel. 0316/34 76 34

4-

Renate Groß

Fritz Untersweg

Hans Baumgartner

Gabi Ekam

Karl-Morre-Str. 63

Lagergasse 95

Glacisstr 5

Ortweinplatz 9

8020 Graz

8020 Graz

8010 Graz

8010 Graz

Tel. 0316/57 1396

Tel 0316/91 7065

Tel. 0316/349490

Tel: 0316/835720

Kiel

Desiree Riehen Ahlmannstr. 5 24118 Kiel

Astrid Burghard Exerzierplatz 22 24103 Kiel Tel. 0431/ 55 14 12

Hartwig Marung Kaiserstr. 48 24 113 Kiel Tel: 0431/738863

Leipzig

Annegret Bohm Breite Str 7 04317 Leipzig Tel 0341/6880005

Lübeck

Ulrich Pulkowsky Königstr. 39 23552 Lübeck Tel 0451/ 70 59 41

Marburg

Andreas Wernes Renthof 22

Dagmar Pachur Leipziger Str 2

Wolfram Schüffei Koffweg 17a

München

Katharina Enger!

Alexander Calatzis

Theresienstr.

Horemannsti

Tübingen

Ludwig Vibal Serey Steinbosstr 67 72074 Tubingen

35037 Marburg

35039 Marburg


Te

06421/66735

06421/48 16 13

35039 Marburg Tt Tel. 06421/2840 12

67 80333 München

9 80636 München

Wien

Armin Rosenberg Judensteinstr 66/8a P) 1 220 Wien

Tel 089/ 52 28 84

Tel 089/ 1234843

Zürich

Annegret Angst Wiesenweg 407 8196 Wil Tel 01 / 869 05 50

Fachverein Medizin/Büro Ramistr. 100 8091 Zürich

Anmerkung der Redaktion:

Ich habe mich bemüht, die Adressenliste auf den neusten Stand zu bringen. Hierzu

habe ich hauptsächlich die Adressen vom Marburger Maitreffen verwendet sowie

Listen der letzten Tutorentrainings. Antworten auf meine Rundbriefe habe ich leider

nur aus einigen Städten bekommen, etliche Briefe wurden von der Post mit

"unbekannt" oder "unbekannt verzogen" zurückgesandt. Dies hat zur Folge, daß die

Städte Aachen, Dresden, Düsseldorf, Essen, Hamburg, Hannover, Heidelberg, Jena,

Köln, Mainz, Mannheim, Munster, Ulm, Wiesbaden, Witten-Herdecke und Würzburg

hier nicht mehr aufgeführt sind

Es wäre schön, wenn Anamnesleraus diesen Städten der nächsten PÖM-Redaktion

ihre Adressen mitteilen Würden-

Sonja

-115-

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