Ansätze und Methoden - Deutsche Gesellschaft für Internationale ...

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Ansätze und Methoden - Deutsche Gesellschaft für Internationale ...

Abteilung 43

Gesundheit, Bildung, Soziale Sicherheit

Ansätze und Methoden

der Kinder- und Jugendförderung

in der deutschen Entwickungszusammenarbeit


Abteilung 43

Gesundheit, Bildung, Soziale Sicherheit

Sektorvorhaben

„Förderung von Kindern und Jugendlichen als Zielgruppe in der EZ”

Ansätze und Methoden

der Kinder- und Jugendförderung

in der deutschen Entwickungszusammenarbeit

Eschborn, 2006


Herausgeberin:

Deutsche Gesellschaft für

Technische Zusammenarbeit (GTZ) GmbH

Dag-Hammerskjöld-Weg 1-5

65760 Eschborn/Deutschland

T +49 61 96 79 - 0

F +49 61 96 79 - 11 15

E info@gtz.de

I www.gtz.de

Abteilung 43: Gesundheit, Bildung, Soziale Sicherheit

Sektorvorhaben

Förderung von Kindern und Jugendlichen als Zielgruppe

der Entwicklungszusammenarbeit»

Sektorvorhaben des BMZ, Ref.: 211

Internet: http://www.gtz.de/youth

Verantwortlich:

Inka Hiltmann-Richter, GTZ

Konzeption:

Inka Hiltmann-Richter, Verena Priesnitz, Stefan Thimmel

Autor, Redaktion:

Stefan Thimmel, freier Journalist/Consultant (stefan.th@snafu.de)

Weitere AutorInnen:

Inka Hiltmann-Richter GTZ, Verena Priesnitz GTZ, Angela Bähr GTZ, Angela Langenkamp GTZ, Britta

Lambertz GTZ, Carmen Thome GTZ, Christoph Müller GTZ, Eva Hartmann GTZ, Frank Jattke GTZ,

Jessica Yawa-Wiegand GTZ, Kerstin Nagels GTZ, Rubeena Esmail-Arndt GTZ, Uta Gottschalk GTZ

Katrin Riß (ask!-agentur Berlin), Philipp Burtzlaff (ask!-agentur Berlin)

Bilder:

© by: TZ-Jugendvorhaben Uganda (Titel rechts, Rückseite links), Stefan Thimmel (Titel links, S. 21 links,

S. 107, S. 179 links, S. 225, S. 269 links, S. 309 links, S.333, Rückseite rechts), Christoph Müller (S. 21

rechts, S. 179 rechts), Marco Antonio Morales (S. 269 rechts, S. 309 rechts)

Erscheinungsdatum:

März 2006


Inhalt

Vorwort ............................................................................................................ 1

Die Rolle der Kinder- und Jugendförderung im Kontext aktueller

entwicklungspolitischer Schwerpunkte ......................................................... 2

Zur Idee der Publikation ................................................................................ 5

Methodenverständnis ..................................................................................... 8

Demokratieförderung, Dezentralisierung, Förderung der

Zivilgesellschaft .............................................................................................. 1

Einleitung ................................................................................................................................................1

Nationale Jugendpolitik und Jugendaktionsplan .................................................................................. 4

Kommunale Jugendplanung ................................................................................................................. 11

Jugendkommission ................................................................................................................................15

Ausbildung von JugendreferentInnen in Kommunen ...........................................................................19

Aktionsforschung ................................................................................................................................. 23

Ausbildung von jugendlichen PromotorInnen .................................................................................... 27

Fortbildung von JugendgruppenleiterInnen ........................................................................................ 32

Gruppenarbeit mit Jugendlichen .......................................................................................................... 35

Jugendrat ................................................................................................................................................41

Partizipative Situationssanalyse ........................................................................................................... 44

Debattierclubs ...................................................................................................................................... 46

Jugendorganisationen/Jugendclubs ..................................................................................................... 49

Multiplikatorenschulungen .................................................................................................................. 53

Organisationsentwicklung .................................................................................................................... 56

Fotografi e als Kommunikationsform ................................................................................................... 60

Interkultureller Austausch zwischen Jugendlichen durch IKT ........................................................... 64

Jugendjahrmarkt ................................................................................................................................... 68

Jugendradio ............................................................................................................................................71

Mobile Straßensozialarbeit ................................................................................................................... 76

Stärkung junger Familien ......................................................................................................................81

Zeltlager für Kinder und Jugendliche ................................................................................................... 84


Gesundheitsförderung, Familienplanung, HIV/AIDS und

Suchtprävention .............................................................................................. 1

Einleitung ................................................................................................................................................1

Gesundheitsfördernde Schule ................................................................................................................. 4

Jugendgesundheitszentren .................................................................................................................... 7

Workshop zur Suchtprävention an Hochschulen .................................................................................12

Erstellung jugendfreundlicher Aufklärungsbroschüren .......................................................................15

Informationsbroschüre Tabak, Alkohol und Drogenmissbrauch .........................................................18

Interaktive DVD zu HIV/AIDS ........................................................................................................... 20

Zeitung für Jugendliche - Straight Talk ............................................................................................... 22

Aufklärungsarbeit und Selbsthilfegruppen .......................................................................................... 24

Elternnetzwerke ................................................................................................................................... 27

Ferienprogramm ....................................................................................................................................31

Fortbildung von LehrerInnen in der schulischen Drogenaufklärung ................................................. 34

Generationendialog ............................................................................................................................... 37

Mitmach-Parcours zu AIDS, Liebe und Sexualität .............................................................................. 44

Peer Education – Jugendliche unterstützen Jugendliche ..................................................................... 49

Reproduktive Gesundheitsinitiative ..................................................................................................... 54

Sport-Clubs zur HIV/AIDS-Prävention ............................................................................................... 58

Straßenmusikworkshops ....................................................................................................................... 60

Theater für Entwicklung ...................................................................................................................... 64

Theater in der Suchtprävention ............................................................................................................ 68

Workshop für Kinder: Die Wege des Lebens ........................................................................................ 70

Beschäftigungsförderung und Förderung von Klein(st)unternehmen .......... 1

Einleitung ................................................................................................................................................1

Business Handbuch ................................................................................................................................ 4

Förderung unternehmerischer Kompetenzen bei Jugendlichen (CEFE) .............................................. 7

Kleinkreditfonds für Jugendliche ...........................................................................................................12

Wirtschaftskomponente in Jugendringen ..............................................................................................15

Workshop Geschäftsideen .....................................................................................................................18

Beschäftigungsstrategien für Jugendliche ............................................................................................ 22

Rapid Employment Creation ................................................................................................................ 26

Arbeitsplatzvoucher ............................................................................................................................. 29


Berufs-Beratungsworkshops für Jugendliche .......................................................................................31

Berufsorientierendes Training .............................................................................................................. 33

JOBLAB – Berufl iche Orientierung für Jugendliche .......................................................................... 37

Jugendvermittlungsstelle und Jobbörse ................................................................................................ 42

Soap Opera zur berufl ichen Information und Orientierung ............................................................... 45

Friedenserziehung und Konfl iktprävention ................................................... 1

Einleitung ................................................................................................................................................1

Friedenskarawane ................................................................................................................................... 4

Fußball für den Frieden .......................................................................................................................... 6

Impfung gegen Gewalt .......................................................................................................................... 9

Jugendliche Konfl iktmediatoren ............................................................................................................12

Kampagne zur Rückgewinnung von Jugendzentren nach Kriegs- bzw. Krisensituationen ................16

Literaturwettbewerb ..............................................................................................................................19

Sensibilisierungsworkshop zu Kleinwaffenbesitz bei Jugendlichen .....................................................21

Sport für den Frieden - Nachtsport ...................................................................................................... 24

Volkstheater als Methode der gewaltpräventiven Kinder- und Jugendarbeit ...................................... 27

Workshop „Rollenverhalten“ ............................................................................................................... 30

„Camping der Kulturen“ ..................................................................................................................... 33

Freundschaftshaus und multi-ethnische Jugendarbeit ........................................................................ 36

Internationale Work- und Studiencamps ............................................................................................. 39

Interaktives Forum-Theater mit Ex-Kombattanten ............................................................................ 42

(Non)Formale Bildung ................................................................................... 1

Einleitung ................................................................................................................................................1

Förderansätze für Mädchen in der Bildung ............................................................................................ 3

Interkulturelle zweisprachige Bildung ................................................................................................... 7

Schülerpensionen in Familien ...............................................................................................................12

Jugendkultur an Schulen .......................................................................................................................14

Spielend lernen ......................................................................................................................................16

Sprachcamps ........................................................................................................................................ 20

Spurensuche .......................................................................................................................................... 24

Telezentren ............................................................................................................................................ 27

Jugendräte an Schulen ......................................................................................................................... 34


Summer School ..................................................................................................................................... 37

Umwelt- und Ressourcenschutz ..................................................................... 1

Einleitung ................................................................................................................................................1

Ernährungssicherung durch ökologischen Anbau ................................................................................ 3

Öko-Sommerschule ............................................................................................................................... 6

Umweltbildung über das Internet ......................................................................................................... 8

Interventionsprojekte im urbanen Raum ..............................................................................................13

Jugendliche ParkschützerInnen .............................................................................................................16

Naturbeobachtung .................................................................................................................................19

Öko-Geschichtenwettbewerb ............................................................................................................... 22

Schutz junger Menschen vor Ausbeutung, Missbrauch und Gewalt ............. 1

Einleitung ................................................................................................................................................1

Empowerment von Jugendlichen in Waisenhäusern ............................................................................. 3

Nationaler Tag der Straβenkinder ......................................................................................................... 6

Öffentlichkeitskampagne zur Sensibilisierung für die Gefahren von Menschenhandel ....................... 9

Drop-In-Zentren für Straßenkinder ......................................................................................................12

Jugendschutzbüros ................................................................................................................................15

Lernzentren für minderjährige Hausangestellte ..................................................................................18

Nothilfehotlines ....................................................................................................................................21

Reintegration von Straßenkindern ........................................................................................................ 24

SozialarbeiterInnen - Ausbildung ......................................................................................................... 27

Kinder- und Jugendarbeit in Deutschland ..................................................... 1

Übersicht Kinder- und Jugendhilfe in Deutschland ...............................................................................6

Beispielprojekte ............................................................................................ 15

Literatur ........................................................................................................ 29

Links ............................................................................................................. 39


Vorwort

VORWORT

Kinder und Jugendliche (0-24 Jahre) verkörpern ein enormes Potenzial im Hinblick auf

Armutsminderung, die Verwirklichung der Menschenrechte, die nachhaltige Nutzung natürlicher

Ressourcen sowie die Schaffung demokratischer und rechtsstaatlicher Strukturen in den Partnerländern

der deutschen Entwicklungszusammenarbeit. Dies wird auf nationaler und internationaler Ebene

immer stärker wahrgenommen. Es stellt sich allerdings die Frage, wie ein glaubwürdiger Zugang zu

jungen Menschen, insbesondere aus marginalisierten Bevölkerungsgruppen, gefunden werden kann.

Nationale und internationale Entwicklungsziele bzw. –strategien tragen der besonderen Bedeutung

junger Menschen für politischen, sozialen und ökonomischen Fortschritt Rechnung (z. B. UN-

Millenniumserklärung, Abschlussdokument zum UN-Weltgipfel 2005, Aktionsprogramm 2015,

Entwicklungspolitischer Aktionsplan des BMZ für Menschenrechte 2004-2007). Auch internationale

Organisationen (UN, UNDP, UNICEF, UNFPA, Weltbank) betonen die Notwendigkeit der Kinderund

Jugendförderung. So ist z. B. der World Development Report 2007 der Weltbank dem Thema

„Development for the Next Generation“ (Arbeitstitel) gewidmet.

Mädchen und Jungen werden durch Ansätze der Entwicklungszusammenarbeit jedoch oft nicht

erreicht, da diese nur ungenügend auf ihre speziellen Bedürfnisse und Erfahrungen eingehen. Es

bedarf spezifi scher Ansätze und Methoden, die die Belange junger Menschen ernst nehmen und sie zu

aktiver Teilhabe an Maßnahmen zur Verbesserung ihrer Lebenssituation motivieren und befähigen.

In der vorliegenden Handreichung werden über 90 konkrete, bereits erprobte Ansätze und

Methoden der Kinder- und Jugendarbeit in unterschiedlichen Sektoren anschaulich dargestellt, so

z. B. in den Bereichen Demokratisierung/Dezentralisierung, Gesundheit, Beschäftigungsförderung,

Konfl iktprävention, Umwelt- und Ressourcenschutz. Damit soll ein Beitrag zur Verankerung der

Kinder- und Jugendförderung in Schwerpunkten und Programmen der deutschen EZ sowie zum

Wissensmanagement geleistet werden.

Wir bedanken uns an dieser Stelle bei allen KollegInnen im In- und Ausland, die mit ihrer Erfahrung

zur Entwicklung dieser Handreichung beigetragen haben. Besonderer Dank gilt Stefan Thimmel für

die Recherche, die Koordination, das Verfassen bzw. Überarbeiten der Beiträge und die graphische

Gestaltung.

Allen Nutzern der Handreichung wünschen wir viel Erfolg bei der Umsetzung von konkreten

Maßnahmen. Selbstverständlich steht das Sektorvorhaben für Fragen hinsichtlich der Umsetzung gerne

zur Verfügung. Über Anregungen freuen wir uns, ebenso über eine Weiterentwicklung der Ansätze und

Methoden und neue Beiträge aus der Praxis.

Stefan Helming

Teilbereichsleiter

Planung und Entwicklung

Dr. Hans-Heiner Rudolph

Stellvertretender Abteilungsleiter

Gesundheit, Bildung, Soziale Sicherheit

Ansätze und Methoden der Kinder- und Jugendförderung in der deutschen EZ

1


2

Die Rolle der Kinder- und Jugendförderung in der

deutschen TZ/EZ

DIE ROLLE DER KINDER- UND

JUGENDFÖRDERUNG IM KONTEXT AKTUELLER

ENTWICKLUNGSPOLITISCHER SCHWERPUNKTE

Mit der UN-Millenniumserklärung und den Millenniumszielen hat die internationale Staatengemeinschaft

konkrete Visionen und Vereinbarungen zur Halbierung der weltweiten Armut bis 2015 und

zur menschlichen Entwicklung formuliert. Im Abschlussdokument zum UN-Weltgipfel in New York

2005 (Major Event) bekunden die teilnehmenden Staaten „erneut mit Nachdruck (ihre) Entschlossenheit,

die rasche und vollständige Verwirklichung der auf den großen Konferenzen und Gipfeltreffen

der Vereinten Nationen vereinbarten Entwicklungsziele, einschließlich der auf dem Millenniums-Gipfel

vereinbarten und als Millenniums-Entwicklungsziele bezeichneten Ziele, sicherzustellen,...“

Über eine Milliarde Menschen leben von weniger als einem US-Dollar pro Tag, davon 209 Millionen

Jugendliche zwischen 15 und 24 Jahren. Weitere 2,7 Milliarden Menschen leben von weniger als

zwei US-Dollar pro Tag, davon 515 Millionen Jugendliche. 1 Von schätzungsweise 1,9 Milliarden Kindern

(0-18 Jahre) in Entwicklungsländern leben eine Milliarde in Armut. 2 Ca. 70 Prozent der absolut

Armen sind Frauen und Mädchen. 3

Armut umschreibt allerdings mehr als unzureichende fi nanzielle Ressourcen, die sich an der Ein-US-

Dollar Marke messen lassen und menschliche Entwicklung umfasst neben ökonomischen auch kulturelle,

soziale und politische Kriterien. Armut beinhaltet den Mangel an Ressourcen und Fähigkeiten, die

es erlauben, eigene Rechte wahrzunehmen und das eigene Leben aktiv zu gestalten. 4 Neben ökonomischen

Faktoren geht es daher auch um mangelnde Rechtssicherheit, schlechten oder nicht vorhandenen

Zugang zu Dienstleistungen, Information und Wissen. Der Entzug von Chancen und Beteiligungsmöglichkeiten

am wirtschaftlichen, sozialen und politischen Leben, höhere Risikogefährdung, Diskriminierung

bis hin zur Verletzung der Menschenwürde sind Kernprobleme vieler Armutssituationen.

Der Schutz und die Förderung der bürgerlichen, politischen, ökonomischen, sozialen und kulturellen

Rechte für alle, inklusiver der Kinder und Jugendlichen, ist eine Kernaufgabe für jeden Staat.

Das Aktionsprogramm 2015 der Bundesregierung (der deutsche Beitrag zur Umsetzung der

Millenniumserklärung) und der Entwicklungspolitische Aktionsplan für Menschenrechte 2004-2007 des

Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) betonen den engen

Zusammenhang zwischen der Verwirklichung der Menschenrechte und menschlicher Entwicklung.

Kinder und Jugendliche spielen eine besondere Rolle

In vielen Partnerländern der deutschen Entwicklungszusammenarbeit machen Kinder und Jugendliche

(bis 24 Jahre) schätzungsweise 60-70 Prozent der Gesamtbevölkerung aus. Sie stellen damit das

Humankapital, das es zu entwickeln und zu nutzen gilt. Sie verkörpern das Entwicklungspotenzial,

aber leider auch ein Krisenpotenzial vieler Länder.

Ansätze und Methoden der Kinder- und Jugendförderung in der deutschen EZ


Die Rolle der Kinder- und Jugendförderung in der

deutschen TZ/EZ

In der Millenniumserklärung unterstreichen die Staaten ihre Verpfl ichtung zur Förderung der Ratifi -

zierung und vollständigen Umsetzung der Kinderrechtskonvention sowie ihrer Fakultativprotokolle

zum Schutz von Kindern in bewaffneten Konfl ikten sowie zum Schutz von Kindern vor Kinderhandel,

Kinderprostitution und Kinderpornographie. Auch im Abschlussdokument des UN-Weltgipfels in

New York 2005 (Major Event) heißt es: „Wir anerkennen die Notwendigkeit, den Menschenrechten

von Frauen und Kindern besondere Aufmerksamkeit zu widmen und verpfl ichten uns, diese Rechte

in jeder nur erdenklichen Weise zu fördern, namentlich indem wir geschlechtsspezifi sche Perspektiven

und Gesichtspunkte des Kinderschutzes auf die Menschenrechtstagesordnung setzen“ (§ 128).

Vier der acht Millenniumsziele nennen in den dazugehörigen Indikatoren konkret Mädchen

und Jungen als Zielgruppe. Dabei geht es um Bildung, Gleichberechtigung der Geschlechter, Kindersterblichkeit

und Jugendbeschäftigung (MDGs 2, 3, 4, 8).

Aber auch bei den anderen vier Millenniumszielen sind Kinder und Jugendliche eine wesentliche Zielgruppe,

insbesondere im Bereich der sexuellen und reproduktiven Gesundheit. Ca. zehn Millionen

junge Menschen leben mit HIV/Aids. Die Hälfte aller Neuinfektionen liegt in der Altersgruppe der

15-24jährigen. Mädchen sind besonders betroffen, ungefähr 60 Prozent aller HIV infi zierten jungen

Menschen sind Mädchen5 (MDG 6). Komplikationen während der Schwangerschaft sind die Haupttodesursache

für Mädchen zwischen 15 und 19 Jahren in Entwicklungsländern, die Todesrate ist zweimal

so hoch, wie bei Frauen im Alter von 20-29 Jahren6 (MDG 5).

Kinder und Jugendliche sind jedoch nicht nur Zielgruppe von Strategien und Maßnahmen zur Armutsminderung,

sondern auch wichtige Akteure bei der Armutsbekämpfung.

Mit der notwendigen Unterstützung bringen Mädchen und Jungen ihre Potenziale, Erfahrungen und

Ideen in die Planung von Armutsbekämpfungs- und Entwicklungsstrategien auf kommunaler, nationaler

und internationaler Ebene ein. Sie übernehmen Verantwortung im Rahmen der Umsetzung

von Entwicklungspolitiken und fungieren als MultiplikatorInnen in ihren Familien, Altergruppen und

Gemeinden. Darüber hinaus bringen junge Menschen ihren Enthusiasmus, ihre Ideale und Kreativität

auch bei der Durchführung von Initiativen zur politischen Bewusstseinsbildung ein. Nachhaltigkeit in

den Bereichen Demokratie, Rechtsstaatlichkeit, Wirtschaftswachstum, Friedenssicherung und Ressourcenschutz

ist ohne die Einbeziehung und Beteiligung junger Menschen kaum zu realisieren. Dies wird

sowohl in der Agenda 21 als auch im Umsetzungsplan der Weltkonferenz zu nachhaltiger Entwicklung

in Johannesburg deutlich betont. 7

Im Hinblick auf die wirtschaftliche Entwicklung in den Partnerländern der deutschen EZ spielen Kinder

und Jugendliche eine wesentliche Rolle. Zum einen tragen Mädchen und Jungen durch ihre Arbeitskraft,

zu Hause, im informellen oder formalen Sektor häufi g entscheidend zum Überleben ihrer

Familien bei. Zum anderen stellen Jugendliche weltweit 25 Prozent der Bevölkerung im arbeitsfähigen

Alter (zwischen 15 und 64) und 47 Prozent der weltweit 186 Millionen Arbeitslosen. 8 Innerhalb der

nächsten Dekade werden ca. 500 Millionen weitere junge Menschen auf den Arbeitsmarkt drängen9 ,

ein Großteil davon in den Entwicklungsländern.

Ansätze und Methoden der Kinder- und Jugendförderung in der deutschen EZ

3


4

Die Rolle der Kinder- und Jugendförderung in der

deutschen TZ/EZ

Kinder und Jugendliche verkörpern damit ein enormes Potenzial für das wirtschaftliche Wachstum

und die wirtschaftliche Stabilität in ihren Ländern. Untersuchungen haben gezeigt, dass durch eine

Halbierung der Jugendarbeitslosigkeit das globale Bruttoinlandsprodukt um mindestens 2,2 Billionen

US-Dollar gesteigert werden könnte. 10 Die Schaffung von würdigen und angemessen bezahlten Beschäftigungsmöglichkeiten

für die Jugendlichen ist eine essentielle Aufgabe für alle Staaten sowie nationale

und internationale Organisationen der Entwicklungszusammenarbeit. Staats- und Regierungschefs

haben dies erkannt und der Bekämpfung der Jugendarbeitslosigkeit daher einen zentralen Stellenwert

im Kanon der MDGs (Target/Unterziel 16) eingeräumt.

„Empowerment“ ist ein zentrales Prinzip des Menschenrechtsansatzes der deutschen Entwicklungspolitik.

„Menschen können sich selbst organisieren und so politischen Raum und Institutionen zugunsten

ihrer Lebensumstände gestalten und beeinfl ussen.“ 11 Die Förderung der „Teilhabe von Kindern und

Jugendlichen ..., um ihre Potenziale zu fördern und ihnen, als zukünftigen TrägerInnen und Trägern von

Entwicklung, die Überwindung von sozialer Desintegration und Perspektivlosigkeit zu ermöglichen“ 12 ,

ist dabei ein wichtiger Ansatzpunkt. Das Bundesministerium für wirtschaftliche Entwicklung und Zusammenarbeit

(BMZ) hat für die deutsche Entwicklungszusammenarbeit Schwerpunkte defi niert, die

zur Überwindung von Armut und zur Verwirklichung des Menschenrechtsansatzes beitragen.

Im Verlauf dieser Publikation stellen wir Ihnen Ansätze und Methoden vor, wie Kinder und Jugendliche

sinnvoll in diese Schwerpunkte eingebunden werden und ihre Potenziale einbringen können. Darüber

hinaus erhalten Sie einen Einblick in Ansätze und Methoden der Kinder- und Jugendhilfe in

Deutschland, die im Rahmen der Entwicklungszusammenarbeit Anwendung fi nden können.

1 UNDP 2005/UN World Youth Report 2005

2 UNICEF 2005

3 UN Youth Unit: Youth and the Millennium Development Goals, 2005

4 UNDP Development Report 2003

5 UNICEF

6 UN Youth Unit: Youth and the Millennium Development Goals, 2005

7 Agenda 21, Kapitel 25/ Umsetzungsplan der Weltkonferenz in Johannesburg, Paragraph 153

8 ILO: Global Employment Trends for Youth, 2004

9 ILO: Facts on Youth Employment

10 ebda.

11 BMZ: Entwicklungspolitischer Aktionsplan für Menschenrechte 2004-2007

12 Aktionsprogramm 2015, S. 34

Ansätze und Methoden der Kinder- und Jugendförderung in der deutschen EZ


Grundlagen der Publikation

ZUR IDEE DER PUBLIKATION

Kinder- und Jugendförderung basiert auf einem integrierten Ansatz, der die Situation und Erfahrungen

junger Menschen in unterschiedlichen Lebensbereichen (Gemeinde, Familie, Schule, Beschäftigung,

Freizeit etc.) berücksichtigt. Die Partizipation von Mädchen und Jungen bei der Planung und

Umsetzung von Strategien, Programmen und Maßnahmen spielt dabei eine wichtige Rolle.

Zielgruppen der Kinder- und Jugendförderung sind Mädchen und Jungen bis 24 Jahre, insbesondere

aus benachteiligten Bevölkerungsschichten. Diese Alterseingrenzung basiert auf der UN-Kinderrechtskonvention,

die Kindheit von Null bis 18 Jahren defi niert sowie auf der UN-Defi nition für „Jugend“

(15-24 Jahre). Die Defi nition von „Kindheit“ und „Jugend“ kann jedoch nicht ausschließlich am Alter

festgemacht werden, sondern umfasst auch die sozioökonomische und kulturelle Lebenssituation junger

Menschen. Daher müssen die Grenzen zwischen Kindheit und Jugend sowie zwischen Jugend und

Erwachsenenalter als fl ießend betrachtet werden.

Die drei Ebenen der Kinder- und Jugendförderung der deutschen TZ/EZ

Makroebene

Regierungsberatung und Trägerförderung

Die für die Förderung von Kindern und Jugendlichen zuständigen Ministerien und Behörden werden

bei der Entwicklung und Umsetzung wirksamer sektorübergreifender Politiken und Programme zur

Verbesserung der Situation von Kindern und Jugendlichen sowie zur Umsetzung der Kinderrechte

beraten. Darüber hinaus geht es um die Einbeziehung der Belange junger Menschen in übergeordnete

Armutsbekämpfungs- und Entwicklungsstrategien. Im Rahmen der Beratung erfolgt auch eine Qualifi -

zierung der MitarbeiterInnen der beteiligten Ministerien und Institutionen im Bereich der Kinder- und

Jugendförderung sowie eine Stärkung von übergeordneten Strukturen der Jugendpartizipation.

Mesoebene

Capacity – Building

Dies beinhaltet den Aufbau bzw. die Stärkung von Organisationen (Jugendorganisationen oder NROs

der Kinder- und Jugendförderung) und Institutionen (staatliche, kommunale Akteure) mit dem Ziel,

die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen, insbesondere auf kommunaler und lokaler Ebene, zu verbessern.

Ansätze und Methoden der Kinder- und Jugendförderung in der deutschen EZ

5


6

Grundlagen der Publikation

Netzwerkbildung

Hierbei geht es einerseits um die Vernetzung von Jugendorganisationen bzw. NROs der Kinder- und

Jugendförderung, andererseits um die Vernetzung von staatlichen, zivilgesellschaftlichen und privaten

(auch privatwirtschaftlichen) AkteurInnen zur Koordinierung von Programmen und Maßnahmen zur

Förderung junger Menschen.

Mikroebene

Förderung von innovativen und praxisnahen Maßnahmen

Konkrete Maßnahmen zur Förderung von Mädchen und Jungen in unterschiedlichen Sektorbereichen,

z.B. Demokratisierung, Beschäftigungsförderung, Gesundheit, Konfl iktprävention werden in Pilotprojekten

erprobt. Die Lernerfahrungen werden aufgearbeitet und in nationale und kommunale Entwicklungsstrategien

eingebracht. Junge Menschen werden angeregt, dabei selbst Projekte auf lokaler Ebene

zu formulieren und umzusetzen. JugendpromotorInnen werden ausgebildet, die die Vermittlung von

Informationen an Gleichaltrige übernehmen (Peer-approach).

Ziele der Publikation

In der vorliegenden Publikation werden konkrete Ansätze und Methoden zur Verankerung der Kinderund

Jugendförderung in unterschiedlichen Sektoren und BMZ-Schwerpunkten vorgestellt.

Damit soll ein Beitrag geleistet werden:

� zum Wissensmanagement und zur Produkthinterlegung im Bereich der Kinder- und

Jugendförderung;

� zum Mainstreaming von Ansätzen und Methoden der Kinder- und Jugendförderung in anderen

Sektoren und BMZ-Schwerpunkten.

Die Publikation richtet sich an:

� MitarbeiterInnen unterschiedlicher Fach- und Regionalabteilungen der GTZ und anderer EZ-

Organisationen;

� MitarbeiterInnen der BMZ Sektor- und Regionalreferate, die konkrete Beratung anfragen, z. B. bei

der Verankerung von Konzepten und Ansätzen der Kinder- und Jugendförderung in Länder- und

Sektorstrategiepapieren sowie Angeboten für TZ-Programme;

Internationale Entwicklungsorganisationen, die Maßnahmen zur Förderung junger Menschen in

ihrer Arbeit verankern möchten.

Ansätze und Methoden der Kinder- und Jugendförderung in der deutschen EZ


Grundlagen der Publikation

Aufbau der Handreichung

Nach einer Einleitung in das Thema und in das Arbeitsfeld „Kinder- und Jugendförderung in der

EZ“ und einer kurzen Erläuterung des Methodenverständnisses der Publikation werden, gegliedert

nach sieben thematischen Schwerpunkten (angelehnt an die Schwerpunkte des Bundesministeriums

für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung), 93 Methoden, Ansätze, Konzepte etc. (siehe

Methodenverständnis) dargestellt. In einem allgemeinen Teil wird die „Methode bzw. der Ansatz“ ausführlich

beschrieben. Soweit möglich, soll die Darstellung auch dazu dienen, die in unterschiedlichen

Zusammenhängen (inhaltlich wie kulturell) erfolgreich durchgeführten Methoden/Ansätze als Handlungsanleitung

bzw. -vorschlag reproduzierbar zu machen. Den Darstellungen sind jeweils Beispiele

aus der Praxis zugeordnet (insgesamt 119), die veranschaulichen sollen, wie die Handlungsanleitung

konkret umgesetzt werden konnte. Abgeschlossen wird die Publikation mit einem Überblick über die

Kinder- und Jugendhilfe in Deutschland. Zur Erstellung dieser Publikation standen vor allem Eigenmaterialien

der GTZ zur Verfügung, aber auch Materialien von Projektpartnern in den Partnerländern

der deutschen Entwicklungszusammenarbeit.

Ansätze und Methoden der Kinder- und Jugendförderung in der deutschen EZ

7


8

Grundlagen der Publikation

METHODENVERSTÄNDNIS

Professionalität pädagogischen Handelns in der Kinder- und Jugendförderung ist wesentlich gekennzeichnet

durch methodische Vorgehensweise und damit durch einen refl ektierten Einsatz von

Methoden. Welches Methodenverständnis der Publikation „Ansätze und Methoden der Kinder- und

Jugendförderung in der deutschen TZ“ zu Grunde liegt und was Methoden demnach für die Praxis

leisten können, wird hier erläutert.

Was ist eine Methode? – Begriffsdefi nitionen

Das allgemeine Verständnis des Oberbegriffs Methode meint ein planvolles, strukturiertes Vorgehen.

Es geht um das „Wie?“. Im Alltagsgebrauch werden die Begriffe Methode, Technik, Instrument, Werkzeug,

Verfahren etc. oft synonym verwendet. In der wissenschaftlichen Literatur dagegen werden vor

allem zwei verschiedene Ansätze von Methodenverständnis differenziert. Das Methodenverständnis im

engeren Sinne und das umfassendere Methodenverständnis. Das Methodenverständnis im engeren

Sinne ist ein technologisch orientiertes Methodenverständnis, die Methode wird hier als Sozialtechnik

verstanden. „Methode ist das planmäßige Vorgehen zur Erreichung eines Zieles; der erfolgreiche

Weg zum Ziel; eine spezifi sche Art und Weise zu Handeln. Methode ist eine Weise des Vorgehens

in Richtung auf ein Ziel. (...) Methoden sind Formen des Herangehens an Aufgaben zur Erreichung

von Zielen und/oder Lösung von Problemen. Methoden sind erprobte, überlegte und übertragbare

Vorgehensweisen zur Erledigung bestimmter Aufgaben und Zielvorgaben“ (Schilling 1993, S. 65f.).

Diese Defi nition entspricht in etwa dem alltäglichen Verständnis von Methoden. Wissenschaftlich gesehen

rekurriert es auf die in der schulpädagogischen Diskussion übliche Trennung von Didaktik (Frage

nach den Inhalten) und Methodik (Weg zur Vermittlung der Inhalte), wobei der Didaktik Vorrang vor

der Methodik eingeräumt wird. Diesem Methodenverständnis wird aber der Vorwurf gemacht, eine

„Sozialtechnologie“ zu sein: Methoden werden unabhängig von der Zielfrage diskutiert, sie werden als

eine Technik verstanden, als ein Werkzeug, das unabhängig vom Zweck eine Funktion erfüllt (Vergleich

mit dem Messer, das unabhängig davon schneidet, was es schneidet und zu welchem Zweck).

Das umfassendere Methodenverständnis versucht dem Sozialtechnologievorwurf Rechnung zu tragen

und schlägt einen integrierten Methodenbegriff vor, der Methoden immer in Abhängigkeit von

Problemlagen, Zielsetzungen und Rahmenbedingungen diskutiert. Methoden sind hier also weder

ziel-, institutionen, zeit- oder personenneutral. Geißler/Hege stellen die Gefahr der Verselbständigung

von Methoden und Verfahren sowie die gleichzeitige Gefahr der Verselbständigung von Zieldiskussionen

heraus und betonen, dass Ziel und Methode sich bei der Entwicklung fachlichen Handelns

in einem Prozess gegenseitiger Wechselwirkung ergänzen und anregen sollten. Für eine Begriffsbestimmung,

in der Methoden als Teil eines Wirkungszusammenhangs gesehen werden, unterscheiden

sie drei Begriffe:

Ein Konzept ist ein „Handlungsmodell, in welchem die Ziele, die Inhalte, die Methoden und die

Verfahren in einen sinnvollen Zusammenhang gebracht sind. Dieser Sinn stellt sich im Ausweis der

Begründung und Rechtfertigung dar.“ (Geißler/Hege 1995, S. 23). Bei Konzepten geht es also um

Ansätze und Methoden der Kinder- und Jugendförderung in der deutschen EZ


Grundlagen der Publikation

Zielsetzungen, Wissen und Gegenstands- bzw. Situationsanalysen. Von Spiegel defi niert Konzepte

als Entwürfe von Handlungsplänen (Wirkungszusammenhängen), die hypothetischen Charakter haben.

Sie kombinieren Beobachtungs- und Beschreibungswissen, Erklärungs- und Begründungswissen,

Wertwissen und Handlungs- und Interventionswissen.

Methoden werden nach Geißler/Hege dem Konzept untergeordnet. Sie sind konstitutive Teilaspekte

von Konzepten und werden als „vorausgedachter Plan der Vorgehensweise“ (Geißler/ Hege 1995, S.

24) verstanden. Damit stehen bei Methoden diejenigen Aspekte im Mittelpunkt, bei denen es um eine

planvolle, wiederholbare, nachvollziehbare und damit kontrollierbare Gestaltung von (Hilfe-)Prozessen

geht.

Verfahren und Techniken dagegen sind Teilaspekte bzw. Einzelelemente von Methoden. Methoden

und Techniken unterscheiden sich nach dem Grad ihrer Komplexität, so dass Methoden im Regelfall

ein ganzes Set an unterschiedlichen Techniken/Verfahren umfassen. Techniken sind Antworten auf

Detailprobleme im komplexen Weg von der Identifi kation eines Problems zur angestrebten Lösung.

Die Auswahl der einzelnen Techniken einer Methode kann nicht beliebig, sondern muss in Abstimmung

auf die Methode erfolgen.

Die Trennung zwischen Konzept, Methode und Verfahren/Technik muss als eine analytische

verstanden werden, die den Blick dafür schärfen soll, dass Methodenfragen nie auf technischen

Fragen reduziert werden dürfen.

Das umfassendere Methodenverständnis fordert also zusammenfassend einen Sinnzusammenhang

und damit Abstimmung zwischen Konzept, Methoden und Techniken. Im Hinblick auf eine adäquate

Methodenrefl exion gibt Galuske sieben Kriterien vor: 1. Sachorientierung, 2. Zielorientierung, 3.

Personenorientierung, 4. Arbeitsfeld- und Institutionenorientierung, 5. Situationsorientierung, 6. Planungsorientierung

und 7. Überprüfbarkeit hinsichtlich der Wirkungen der Methode.

Grenzen und Probleme von Methoden

Methoden sugerieren die Idee der Planbarkeit, der Kalkulierbarkeit und letztlich der Machbarkeit intendierter

Entwicklungsprozesse. Vor dem Hintergrund der Systemtheorie wurde jedoch bereits seit den

1980er Jahren diskutiert, dass pädagogisches Handeln bzw. jedes Interventionshandeln generell durch

ein Technologiedefi zit gekennzeichnet ist. Diese Sichtweise basiert auf einem spezifi schen Menschenbild,

in dem Menschen als selbstreferentielle, operational geschlossene Systeme verstanden werden, die

nicht direkt von außen instruiert werden können und sich somit einer kalkulierbaren Input-Output-

Logik entziehen. Veränderungen des Systems können von außen lediglich angeregt werden. Die Art

der Veränderung kann jedoch nicht vorausgesagt oder direkt gelenkt werden. Systeme können nicht

verändert werden, sie können sich nur selbst verändern.

Ein weiteres Problem von Methoden ist, dass ein Interventionshandeln bzw. der Methodeneinsatz

keinen direktiven Charakter hat. Eine derartige Sichtweise ist für die Methodendiskussion ziemlich

Ansätze und Methoden der Kinder- und Jugendförderung in der deutschen EZ

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Grundlagen der Publikation

ernüchternd, da durch die These vom Technologiedefi zit jene Grundlage entzogen wird, die auf eine

treffsichere Technologie der Verhaltensänderung oder -kontrolle abzielt. In der Konsequenz bedeutet

dies, dass Interventionen nicht bis ins Letzte standardisierbar und methodisierbar sind. Dennoch können

Methoden Entwicklungsprozesse beeinfl ussen, indem sie die konstitutive Unsicherheit erzieherischer

Prozesse reduzieren.

Methoden als offene Verfahren

Methoden können nicht als starre Vorgehensweise verstanden werden, sie müssen situations- und klientenbezogen

variiert werden. Die Auswahl und Entwicklung von Methoden in Koproduktion mit der

Zielgruppe ist elementar. Um für die Zielgruppe viable, das heißt passende und gangbare Methoden zu

fi nden, müssen sie nicht nur auf die Zielgruppe abgestimmt sein, sondern in einem partizipativen Prozess

mit der Zielgruppe ausgewählt bzw. erarbeitet werden (d.h. das Prinzip der Methodenkompetenz

muss sich sowohl auf die LehrerInnen/TrainerInnen/SozialarbeiterInnen als auch auf die Zielgruppe

selbst beziehen).

Was kann diese Methodenübersicht bieten?

Die Publikation „Ansätze und Methoden der Kinder- und Jugendförderung in der EZ“ legt eine

Sammlung von Handlungs- und Interventionswissen vor, das heißt ein Repertoire von Konzepten,

Methoden, Verfahren und Techniken unterschiedlicher Reichweiten für die Jugendarbeit. Diese Bündel

von Handlungsweisen können jedoch das praktische Handeln nicht in Gänze anleiten. Jede einzelne

Technik oder Methode muss der spezifi schen Handlungssituation und der Zielgruppe angepasst werden

und gegebenenfalls variiert werden.

Literatur

Galuske, Michael (2003): Methoden der sozialen Arbeit. Eine Einführung, 5. Aufl., Weinheim/ München.

Geißler, K. A. /Hege M. (1995) Konzepte sozialpädagogischen Handelns.

Reich, Kersten (2002): Konstruktivistische Didaktik. Lehren und Lernen aus interaktionistischer Sicht,

Neuwied u.a.

Schilling, J. (1993) Didaktik/Methodik der Sozialpädagogik.

Von Spiegel, Hiltrud (2004): Methodisches Handeln in der Sozialen Arbeit. Grundlagen und Arbeitshilfen

für die Praxis, München/Basel.

Ansätze und Methoden der Kinder- und Jugendförderung in der deutschen EZ


Demokratieförderung, Dezentralisierung,

Förderung der Zivilgesellschaft

DEMOKRATIEFÖRDERUNG, DEZENTRALISIERUNG,

FÖRDERUNG DER ZIVILGESELLSCHAFT

Einleitung

Demokratie, Menschenrechte, Partizipation der Zivilgesellschaft sowie die Schaffung stabiler, effi zienter

und transparenter Institutionen und Strukturen auf nationaler und kommunaler Ebene sind wichtige

Kriterien guter Regierungsführung.

Im Verständnis der deutschen EZ beinhaltet der Begriff „Gute Regierungsführung“ die „Schaffung

und institutionelle Absicherung von Freiräumen, in denen sich Menschen entfalten und ihre Lebensziele

verwirklichen können und die gesellschaftliche Akzeptanz des Staates und seiner Politik.» Mädchen

und Jungen können als AkteurInnen einen wesentlichen Beitrag zur Verwirklichung von „good

governance» leisten.

Die in diesem Kapitel beschriebenen Methoden zeigen einerseits, wie die notwendigen Rahmenbedingungen

und Strukturen für eine integrierte Kinder- und Jugendförderung geschaffen werden können.

Andererseits wird dargestellt, wie sich junge Menschen aktiv in die Gestaltung und Umsetzung von

Entwicklungspolitiken sowie in gesellschaftliche Diskussionsprozesse einbringen.

Ansätze und Methoden der Kinder- und Jugendförderung in der deutschen EZ

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2

Demokratieförderung, Dezentralisierung,

Förderung der Zivilgesellschaft

Kinder- und Jugendpolitik

� Nationale Jugendpolitik und Jugendaktionsplan

� Kommunale Jugendplanung

� Jugendkommission

� Ausbildung von JugendreferentInnen in Kommunen

Partizipation junger Menschen

� Aktionsforschung

� Ausbildung von jugendlichen PromotorInnen

� Fortbildung von JugendgruppenleiterInnen

� Gruppenarbeit mit Jugendlichen

� Jugendrat

� Partizipative Situationsanalyse

� Debattierclubs

Ansätze und Methoden der Kinder- und Jugendförderung in der deutschen EZ


Demokratieförderung, Dezentralisierung,

Förderung der Zivilgesellschaft

Stärkung von zivilgesellschaftlichen Strukturen / Vernetzung von AkteurInnen

� Jugendorganisationen / Jugendclubs

� Multiplikatorenschulungen

� Organisationsentwicklung

Freiräume zur politischen und gesellschaftlichen Teilhabe junger Menschen

� Fotografie als Kommunikationsform

� Interkultureller Austausch durch IKT

� Jugendjahrmarkt

� Jugendradio

� Mobile Straßensozialarbeit

� Stärkung junger Familien

� Zeltlager für Kinder und Jugendliche

Ansätze und Methoden der Kinder- und Jugendförderung in der deutschen EZ

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Demokratieförderung, Dezentralisierung,

Förderung der Zivilgesellschaft

Nationale Jugendpolitik und Jugendaktionsplan

Nationale Jugendpolitiken beschreiben die Situation und Rolle der Jugend in der Gesellschaft, ihre

Rechte, ihre Pfl ichten, ihre Bedürfnisse, Potenziale und Aufgaben sowie die verschiedenen Förderungsbereiche.

Nationale Jugendpolitiken und -aktionspläne bilden einen verbindlichen Rahmen,

der die Förderung und gesellschaftliche Partizipation junger Menschen legitimiert und zur Integration

jugendspezifi scher Themen und Strategien in nationale Entwicklungspläne beiträgt. Sie tragen

ferner dazu bei, die Belange von Mädchen und Jungen in unterschiedlichen Fachministerien sowie

übergeordneten internationalen, regionalen, nationalen und lokalen Strategien zu verankern. Nationale

Jugendpolitiken und –aktionspläne spiegeln nicht nur eine Verpfl ichtung des Staates wieder.

Sie bilden auch einen Rahmen für die Kooperation staatlicher und nicht-staatlicher Akteure.

Die Bedeutung von Politiken und Programmen zur Förderung junger Menschen wird auf internationaler

Ebene betont. Eine Resolution der UN-Generalversammlung (Dezember 2001) „ruft alle

Mitgliedsstaaten, UN-Institutionen, internationalen und nationalen Entwicklungsorganisationen,

regionalen Zusammenschlüsse und Nicht-Regierungs-Organisationen dazu auf, sich für die Förderung

sektorübergreifender Jugendpolitiken einzusetzen und die Belange junger Menschen in allen

Planungs- und Entscheidungsprozessen zu berücksichtigen“. Jugendpartizipation muss bei der

Entwicklung und Umsetzung dieser Politiken institutionalisiert werden.

Zielsetzung und Zielgruppe

Nationale Jugendpolitik hat zum Ziel, eine verbindliche Grundlage und einen politischen Rahmen für

die gezielte Förderung von und Arbeit mit den Jugendlichen eines Landes zu schaffen. Eine nationale

Jugendpolitik dient in erster Linie den Jugendlichen und der Gesellschaft, der sie angehören. Sie richtet

sich zudem an Ministerien und andere staatliche Einrichtungen, die für die Gestaltung und Umsetzung

der nationalen Jugendpolitik verantwortlich sind sowie an alle zivilgesellschaftlichen AkteurInnen im

Bereich der Jugendförderung und -arbeit.

Ergebnisse/Wirkungen

Die partizipative Formulierung einer nationalen Jugendpolitik und eines Jugendaktionsplans trägt zu

einer Strukturierung, Systematisierung, Koordinierung und Kohärenz der nationalen Jugendförderung

bei und verstärkt Synergieeffekte zwischen den Maßnahmen einzelner AkteurInnen der Jugendförderung.

Die Entwicklung und Umsetzung von Jugendpolitiken und –aktionsplänen kann einen wichtigen

Beitrag zum Capacity building in den beteiligten Ministerien und Institutionen leisten. Sie hat eine klare

und angemessene Ressourcenzuweisung für die Jugendförderung zum Ziel. Sie stärkt die Stellung und

öffentliche Wahrnehmung von Jugendorganisationen und Jugendpartizipation sowie das Interesse der

Ansätze und Methoden der Kinder- und Jugendförderung in der deutschen EZ


Demokratieförderung, Dezentralisierung,

Förderung der Zivilgesellschaft

jungen Menschen an politischen und gesellschaftlichen Entwicklungsprozessen. Durch die systematische

Analyse der Situation der Jugendlichen sowie die sich daran orientierende strategische Planung von

Programmen und Maßnahmen zur Förderung junger Menschen wird das Dienstleistungsangebot im

Bereich der Jugendarbeit verbessert und stärker an den Bedürfnissen und Potenzialen der Zielgruppen

ausgerichtet. Dies hat eine direkte Wirkung auf die Verbesserung der Lebenssituation von Mädchen

und Jungen. Eine partizipativ entwickelte Jugendpolitik führt zur Stärkung der Zivilgesellschaft sowie

zur Verknüpfung zwischen Staat und Zivilgesellschaft.

Entwurf einer nationalen Jugendpolitik

Sektorspezifi sche Themen:

� Bildung und Ausbildung

� Beschäftigungsförderung und Arbeitsmarkt

� Krisen- und Konfliktmanagement

� (Reproduktive) Gesundheit und Suchtprävention

� Umweltschutz

� Kultur, Sport und Freizeitmöglichkeiten

� Freiwilligendienst, Wehr- und Wehrersatzdienst

Sektorübergreifende Themen:

� Gender und soziale Rollen

� Minderheiten und kulturelle Vielfalt

� Städtische und ländliche Besonderheiten

� Zugang zu Informationen und Dienstleistungen

� Partizipation, Zivilgesellschaft

� Menschenrechte, Bürgerrechte

Ansätze und Methoden der Kinder- und Jugendförderung in der deutschen EZ

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Demokratieförderung, Dezentralisierung,

Förderung der Zivilgesellschaft

Nationale Jugendpolitik – ein partizipativer Prozess

Um den Erfolg der Nationalen Jugendpolitik zu sichern, ist es wichtig, die Formulierung und Umsetzung

als partizipativen Prozess mit Beteiligung aller relevanten AkteurInnen zu gestalten. Nur so kann

„Ownership“ generiert und eine Ausrichtung des Politikansatzes auf die Bedürfnisse, Potenziale und

prioritären Förderbereiche der Jugend erreicht werden. Zentrale AkteurInnen sind die zuständigen

staatlichen Organe und Fachministerien sowie die Jugendlichen selbst.

Methoden für den partizipativen Prozess:

Umfragen

Sammeln von (quantitativen und qualitativen) Daten und Informationen zur Situation und zum Engagement

der Jugend sowie zu bestehenden Jugendfördermaßnahmen.

Thematische Gruppendiskussionen

Strukturierter Gruppenprozess, um detaillierte Informationen über ein spezifi sches Thema (inkl. Einstellungen,

Gefühle) zu erhalten.

Experteninterview

Einzelinterview mit einem Spezialisten / einer Spezialistin zu einem bestimmten Thema.

„Hearings“

Eine Reihe öffentlicher Beratungen, um relevante AkteurInnen (inkl. VertreterInnen der Privatwirtschaft)

in den Planungs- und Entscheidungsprozess einzubeziehen und die Transparenz des Prozesses

sowie die spätere Akzeptanz und „Ownership“ zu erhöhen.

Monitoring & Evaluation

Für die Kontrolle des Planungs- und Umsetzungsprozesses bedarf es klar defi nierter Mechanismen des

Monitorings und der Evaluierung. Indikatoren für die Evaluierung der einzelnen Maßnahmen müssen

festgelegt werden, unter besonderer Berücksichtigung von Aspekten wie Gender, Minderheiten, Unterschiede

zwischen ländlichen und städtischen Regionen etc. In regelmäßigen Abständen sollten Youth-

Hearings stattfi nden, um Fortschritte und Hindernisse identifi zieren und notwendige Anpassungen

vornehmen zu können.

Ansätze und Methoden der Kinder- und Jugendförderung in der deutschen EZ


Demokratieförderung, Dezentralisierung,

Förderung der Zivilgesellschaft

Gütekriterien einer nationalen Jugendpolitik

Nationale Jugendpolitik kann nur erfolgreich sein, wenn:

� sie klare Ziele und Visionen formuliert, also festlegt, was sie mit ihren Maßnahmen auf lange Sicht

(Nachhaltigkeit) erreichen will;

� sie eine übergeordnete Stellung einnimmt und auch für alle anderen Bereiche der Politik, die Einfluss

auf die Jugend und ihre Entwicklung haben richtungweisend ist;

� sie einen integrativen, sektorübergreifenden und kohärenten Ansatz verfolgt;

� sie auf langfristige Erfolge ausgerichtet ist, statt sich kurzfristigen Zwecken oder Interessen einzelner

Verantwortlicher zu opfern;

� sie eine nationale Plattform für Jugendorganisationen, Freiräume und Partizipationsmöglichkeiten

für Jugendliche in allen Stufen des Projekts (Formulierung, Umsetzung und Evaluierung) eröffnet;

� sie Schwerpunkte setzt und diese in speziellen Programmen umsetzt.

Wesentliche Herausforderungen und Probleme, die einer effektiven Umsetzung der nationalen Jugendpolitik

im Wege stehen, können sein:

� Unzureichende Ressourcenzuteilung;

� Unzureichendes Interesse an der Umsetzung der nationalen Jugendpolitik von Seiten der Regierung

oder anderer wichtiger AkteurInnen;

� Rückzug der Regierung aus den Maßnahmen aufgrund eines Regierungswechsels und damit geänderter

Schwerpunktsetzungen ;

� Fehlender oder unzureichend konkretisierter Aktionsplan für die Umsetzung;

� Fehlende Partizipationsmöglichkeiten für Jugendliche, fehlende Wahrnehmung von Jugendlichen

als politische AkteurInnen;

� Fehlende Unterstützung von Seiten der Jugendorganisationen aufgrund mangelnden Vertrauens

in die Absichten der Regierung.

Ansätze und Methoden der Kinder- und Jugendförderung in der deutschen EZ

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Demokratieförderung, Dezentralisierung,

Förderung der Zivilgesellschaft

Empfehlungen für die Formulierung eines Jugendaktionsplans

Ohne den Einsatz geeigneter Instrumente zur Konkretisierung und Umsetzung der nationalen Jugendpolitik

bleiben die dort festgelegten Ziele reine Theorie. Die Formulierung eines nationalen Jugendaktionsplans

ist hierfür eine der wichtigsten Methoden. Dieser wird in Zusammenarbeit aller Akteure unter

Berücksichtigung von deren Mandat, Verantwortungsbereich und Ressourcen erstellt.

Mögliche Inhalte für einen solchen Jugendaktionsplan sind:

� Zielgruppen

� Definition der politischen Ziele

� Programme, Projekte und Strategien sowie konkrete Aktionsschritte

� Erwartete Ergebnisse/Wirkungen

� Verantwortliche AkteurInnen

� Zeitplan

� Ressourcen

� Bestimmung von Indikatoren für die Evaluierung

Schritte der Erarbeitung eines Jugendaktionsplans

Folgende allgemeinen Arbeitsschritte für die Entwicklung und Umsetzung eines Jugendaktionsplans

werden vorgeschlagen:

Schritt 1: Identifi kation der Akteure, ihrer Rolle und Verantwortlichkeiten sowie die

Bildung von Projektkomitees

Die Formulierung eines Jugendaktionsplans liegt zunächst in der Verantwortung der Regierung sowie

der entsprechenden Ministerien und Kommunalverwaltungen. Sie tragen die Gesamtverantwortung für

die Initiative. Darüber hinaus sind NROs, die sich in der Jugendarbeit engagieren, wichtige Kooperationspartner.

Sowohl von Jugendlichen selbst getragene Organisationen als auch Organisationen der

Jugendfürsorge und -förderung spielen für die Mobilisierung und Partizipation der Jugendlichen bei

der Entwicklung des Jugendaktionsplans und seiner Umsetzung eine wichtige Rolle.

Weitere AkteurInnen sind Eltern und Familien, die beratende Funktionen übernehmen und fi nanzielle

Unterstützung leisten sowie privatwirtschaftliche PartnerInnen, die beispielsweise durch Beschäftigungsförderung

und Berufsbildung für Jugendliche wichtige Ressourcen zur Umsetzung des Jugendaktionsplans

bieten. Wichtige Expertise kann von Organisationen der Entwicklungszusammenarbeit

bereitgestellt werden. Oftmals nehmen sie vermittelnde Rollen zwischen Regierung, Jugend und anderen

AkteurInnen ein.

Ansätze und Methoden der Kinder- und Jugendförderung in der deutschen EZ


Demokratieförderung, Dezentralisierung,

Förderung der Zivilgesellschaft

Für die Formulierung des Jugendaktionsplans werden verschiedene Arbeitsgruppen relevant. Ein Leitungskomitee

übernimmt die Koordination der verschiedenen AkteurInnen, thematische und sektorale

Arbeitsgruppen setzen sich mit unterschiedlichen Themen, Problemen, Bedürfnissen der Jugendlichen

auseinander und formulieren entsprechende Strategien für den Jugendaktionsplan. Weitere Komitees,

wie etwa aus VertreterInnen aller beteiligten Ministerien sowie ein Komitee zur Beratung von Jugendorganisationen,

um diese für eine fruchtbare Partizipation am Prozess der Gestaltung des Jugendaktionsplans

zu unterstützen, werden gebildet.

Schritt 2: Untersuchung der Situation der Jugend sowie der existierenden Maßnahmen

zur Jugendförderung

Eine Untersuchung der Situation der Jugend, des jugendlichen Lebensstils, der Stellung und Wahrnehmung

der unterschiedlichen Jugendgruppierungen in der Gesellschaft sowie die Einstellung Jugendlicher

wird u.a. an Schulen und Universitäten sowie in außerschulischen NROs, die sich in der

Jugendarbeit engagieren, durchgeführt. Ebenso werden existierende, von der Regierung getragenen

Maßnahmen und Programme der Jugendarbeit sowie die Arbeit von NROs, religiös orientierten Organisationen

etc. untersucht.

Schritt 3: Youth-Hearings über den Entwurf der nationalen Jugendpolitik und des

Jugendaktionsplans in allen Landesteilen

Ein Team aus VertreterInnen der Regierung sowie von Jugendorganisationen, unterstützt von inländischen

und eventuell auch ausländischen ExpertInnen, erstellt einen ersten Entwurf für eine nationale

Jugendpolitik und einen nationalen Jugendaktionsplan.

Der Entwurf basiert auf den Ergebnissen der Befragung (Schritt 2) und den nationalen Zielen und

vorhandenen und/oder geplanten Strategien der Jugendförderung. Der Entwurf dient als Diskussions-

und Arbeitsgrundlage für die Youth-Hearings und die partzipative Erarbeitung einer nationalen

Jugendpolitik mit breiter Akzeptanz unter allen relevanten AkteurInnen und Zielgruppen.

Schritt 4: Abstimmung über und Annahme der Nationalen Jugendpolitik und des

Jugendaktionsplans

Die abschließende Abstimmung über die Nationale Jugendpolitik und den Jugendaktionsplan kann z.B.

in einer landesweiten Konferenz unter Beteiligung aller relevanten AkteurInnen und Zielgruppen (u.a

VertreterInnen aus Jugendorganisationen, Schulen, Universitäten, Jugendgruppen, JugendarbeiterInnen,

Organisationen behinderter Jugendlicher) stattfi nden.

Die abgestimmten Entwürfe müssen den zuständigen Regierungsgremien zur Genehmigung vorgelegt

werden. Im Anschluss wird der Entwurf dem Parlament zur Verabschiedung als Gesetz vorgelegt und

ein budgetärer Rahmen festgelegt.

Ansätze und Methoden der Kinder- und Jugendförderung in der deutschen EZ

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Demokratieförderung, Dezentralisierung,

Förderung der Zivilgesellschaft

Schritt 5: Bekanntmachung des Jugendaktionsplans auf nationaler und kommunaler

Ebene

Die Regierung und die entsprechenden Ministerien sind für die Veröffentlichung und Verbreitung der

Nationalen Jugendpolitik und des Jugendaktionsplans sowie die Öffentlichkeitsarbeit zuständig.

Schritt 6: Umsetzung auf Kommunal- und Landesebene

Für die Umsetzung des Jugendaktionsplans sollten auf unterschiedlichen Ebenen Koordinationsteams

eingesetzt werden, um ein kohärentes Vorgehen zu gewährleisten.

Schritt 7: Evaluierung, Anpassung und Erfahrungsaustausch

Indikatoren für ein gezieltes Monitoring und die Evaluierung der einzelnen Maßnahmen sollten formuliert

werden, um Aussagen über eventuell nötige Neuformulierungen und Änderungen treffen zu

können. Eine konstante Überprüfung und Anpassung der Ziele und Vorgehensweisen des Jugendaktionsplans

ist unumgänglich. In diesen Monitoring-Prozess sollten alle an der Entwicklung des Jugendaktionsplans

beteiligten AkteurInnen einbezogen werden.

Ansätze und Methoden der Kinder- und Jugendförderung in der deutschen EZ


Demokratieförderung, Dezentralisierung,

Förderung der Zivilgesellschaft

Kommunale Jugendplanung

Die Beteiligung Jugendlicher in der Kommunalpolitik ist eine wichtige Voraussetzung, um jugendpolitische

Ziele auf kommunaler Ebene zu verwirklichen. Um erfolgreich partizipieren zu können,

benötigen Jugendliche Kenntnisse und Fähigkeiten. Die vorliegende Methode verbindet den

Prozess politischer Einfl ussnahme auf lokaler Ebene mit der Ausbildung Jugendlicher, die das

Schulsystem vorzeitig verlassen haben und deren Zugang zum Arbeitsmarkt erschwert ist. Um als

Teil der Zivilgesellschaft aktiv am politischen Dialog teilnehmen zu können, führen Jugendliche

Forschung in eigener Sache durch. Sie analysieren die Lebensbedingungen, Perspektiven, Hoffnungen

und Wünsche junger Menschen. Dazu erhalten sie eine Ausbildung, um als professionelle

InterviewerInnen tätig zu werden. Auf Grundlage der erhobenen Daten wird mit den politisch

Verantwortlichen, VertreterInnen der Jugendlichen sowie VertreterInnen der Privatwirtschaft ein

kommunaler Jugendplan erarbeitet, der ein Modul zur Beschäftigungsförderung enthält.

Zielsetzung und Zielgruppe

Junge Menschen bestimmen und gestalten kommunale politische Prozesse mit und nehmen Einfl uss

auf kommunalpolitische Entscheidungen. Städte und Gemeinden übernehmen Verantwortung und

defi nieren mit Jugendlichen eine bedürfnisorientierte lokale Jugendpolitik. Der aus dem Dialog mit den

politisch Verantwortlichen resultierende Kommunale Jugendplan wird von den politischen Gremien

verabschiedet.

Die Methode wendet sich an junge Menschen zwischen 15 und 24 Jahren sowie an Bürgermeister und

Stadt- und Gemeinderäte. Weitere Akteure sind: Jugendgruppen und Jugendorganisationen, Fortbildungsinstitutionen,

Jugendämter, Jugendräte etc.

Ergebnisse/Wirkungen

Politische Auseinandersetzungen und Konfl ikte können vermieden bzw. entschärft werden, indem alle

Akteure aktiv in den Diskussionsprozess der Jugendplanung einbezogen werden und somit ihre Vorstellungen

einbringen können. Angebote können besser an die Bedürfnisse der Jugendlichen angepasst

werden. Die Akzeptanz und Qualität der Angebote erhöht sich, da die politischen Adressaten und die

künftigen Nutzer der Angebote in die Planungsdiskussion und die Umsetzung der Planung einbezogen

sind. Anhand der Planungsbeteiligung werden die Selbsthilfepotentiale der Nutzer/Betroffenen

geweckt. Die Bildung von Allianzen auf lokaler Ebene bewirkt im Planungsprozess ein abgestimmtes

Vorgehen verschiedener Institutionen und Organisationen auf Basis der erhobenen Daten. Doppelstrukturen

werden so vermieden und öffentliche und private Akteure planen Aktivitäten zur Beschäftigungsförderung

Jugendlicher.

Ansätze und Methoden der Kinder- und Jugendförderung in der deutschen EZ

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Demokratieförderung, Dezentralisierung,

Förderung der Zivilgesellschaft

Methoden und Instrumente

Ausbildung zum Interviewer / zur Interviewerin

Die Ausbildung hat zum Ziel, Jugendliche in der Datenerhebung zu schulen und sie dadurch zu befähigen,

ihre Bedürfnisse zu analysieren, zu formulieren und entsprechende Projekte und Aktivitäten zu

initiieren. Darüber hinaus sollen Jugendliche in die Lage versetzt werden, mit politisch Verantwortlichen

auf kommunaler Ebene in einen Dialog einzutreten und dafür mit Argumenten gerüstet zu sein.

Die Ausbildung schließen die Jugendlichen mit einem Zeugnis ab.

Module der Ausbildung sind u. a.:

� Die Bedeutung kommunaler Jugendplanung

� Informationssuche, Informationsauswahl

� Entwicklungen erkennen und fördern, wünschenswerte Entwicklungen einleiten

� Steuerungsinstrument – Konkretisierung von Zielen, Investitionen und Vorgehensweisen

� Bestandsaufnahme örtlicher Jugendgruppen/Dienste für Jugendliche und deren Leistungen - Erfassung

der Infrastruktur der Jugendorganisationen und Bildung von Arbeitsgruppen

� Analyse Sozialstruktur/Lebensbedingungen junger Menschen

� Erarbeitung eines Fragebogens um Daten über die Lebenssituation und die Interessen der Jugendlichen

zu erhalten

� Die Rolle des Interviewers bzw. der Interviewerin/ Regeln zur Durchführung eines Interviews /

Rückfragen des Befragten

� Umgang mit „Weiss nicht“ Antworten

� Maßnahmen zur Verbesserung der Teilnahmebereitschaft am Interview

� Analyse der Ergebnisse

� Darstellung der Ergebnisse (Häufigkeiten, Korrelationen, Kreuztabellen etc.)

� Handlungsbedarf festlegen

� Präsentation der Ergebnisse in Stadt- und Gemeinderäten , Handlungsbedarf festlegen, Arbeitsgruppe

bilden

Ansätze und Methoden der Kinder- und Jugendförderung in der deutschen EZ


Demokratieförderung, Dezentralisierung,

Förderung der Zivilgesellschaft

Kooperationen

Zur Planung, Finanzierung und Durchführung der Ausbildung ist die Kooperation mit Städten und

Gemeinden unerlässlich. Lokalpolitiker entscheiden über Investitionen im Jugendbereich. Städte und

Gemeinden fi nanzieren Teilbereiche der Ausbildung und/oder unterstützen logistisch (Räume/Transport).

In den eigentlichen Planungsprozess sind Lokalpolitik, private Akteure, Jugendämter/-büros

sowie VertreterInnen von Jugendgruppen eingebunden. Sie bilden die kommunale Arbeitsgruppe und

legen den städtischen und gemeindlichen Gremien Empfehlungen zur Entscheidung vor.

Ansätze und Methoden der Kinder- und Jugendförderung in der deutschen EZ

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Demokratieförderung, Dezentralisierung,

Förderung der Zivilgesellschaft

Ein Beispiel.....

Dezentralisierung und

Lokale Entwicklung -

Dominikanische Republik

Die Jugendkomponente im TZ-Programm

„Dezentralisierung und Lokale

Entwicklung“ arbeitete in neun Städten

und Gemeinden der Dominikanischen

Republik. Gemeinsam mit VertreterInnen

der Jugendgruppen, Jugendämtern und

politisch Verantwortlichen wurden Beteiligungsinstrumente

entwickelt, die es jungen

Menschen ermöglichen, Einfl uss auf

Ratsentscheidungen zu nehmen. Gleichzeitig

wurden Jugendliche gestärkt und

weitergebildet, um in den politischen Dialog

eintreten zu können. In acht Städten

und Gemeinden wurden jeweils 20 junge

Menschen zwischen 15 und 24 Jahren zu

professionellen InterviewerInnen ausgebildet,

um Daten zur Lebenssituation

junger Menschen zu erheben. Es wurden

acht repräsentative Umfragen durchgeführt.

Stadt- und Gemeinderäte stellten

per Ratsbeschluss Mittel zur Verfügung,

um sich an der Durchführung der Jugendbefragung

zu beteiligen.

Die repräsentativen Umfragen haben

eine enorme Mobilisierung von Jugendlichen

bewirkt. In acht Städten und Gemeinden

bildeten sich entsprechende

Arbeitsgruppen, um die Ergebnisse auszuwerten

und um erste Schritte einer zukünftigen

Planung zu entwickeln. Hierzu

traten Lokalpolitik und Jugendorganisationen

in einen Dialog über die zukünftige

Jugendpolitik. Von öffentlichen und

privaten Akteuren wurden Maßnahmen

zur Jugendbeschäftigung entwickelt.

Ergebnisse

� Beschäftigungsförderung: 160

Jugendliche wurden zu Interviewern

ausgebildet. Davon konnten 40

Beschäftigung finden.

� Acht Städte und Gemeinden

verfügen über eine Datenbasis zur

Planung der Handlungsprioritäten.

� Koordinierte Maßnahmen und

Aktivitäten verschiedener Geber

wurden

angeregt.

auf lokaler Ebene

� Die Position der Jugendämter

innerhalb der Stadtverwaltung

wurde nachhaltig gestärkt.

� Städte und Gemeinden betonen, die

Methode als Steuerungsinstrument

ihrer Amtsführung zu nutzen.

Ansätze und Methoden der Kinder- und Jugendförderung in der deutschen EZ


Demokratieförderung, Dezentralisierung,

Förderung der Zivilgesellschaft

Jugendkommission

Um eine Koordination für die staatliche Jugendförderung auf der nationalen Ebene zu verwirklichen,

ist es angebracht, eine Struktur zu etablieren, die alle Verwaltungsebenen berücksichtigt.

Dabei sollte die Mitwirkung der Jugendlichen unbedingt garantiert werden. Eine Jugendkommission

kann im ersten Schritt die verschiedenen Akteure zusammenführen und zu einer gemeinsamen

Planung animieren.

Zielsetzung und Zielgruppe

Die Jugendkommission hat das Ziel, Jugendförderprogramme auf den unterschiedlichen Verwaltungsebenen

(sowie interministeriell) zu koordinieren und zu harmonisieren. Sie bietet eine Struktur, in der

die Anliegen des Staates und der JugendvertreterInnen besprochen werden. Ein späterer Eingang der

Ergebnisse in den staatlichen Entscheidungsprozess zur Jugendförderung sollte stattfi nden. Zielgruppe

sind Landesbehörden, zuständige Staatsministerien sowie VertreterInnen von Jugendverbänden und

anderen Jugendzusammenschlüssen.

Ergebnisse/Wirkungen

In den Jugendkommissionen werden zwischen allen relevanten AkteurInnen abgestimmte Programme

und Maßnahmen zur Jugendförderung entwickelt. Synergieeffekte können genutzt werden und

im Idealfall werden Alleingänge einzelner Akteure sowie miteinander konkurrierende Strategien und

Angebote vermieden. Es entsteht eine breite Allianz für die Belange junger Menschen.

Durch die Beteiligung von Mädchen und Jungen in den Kommissionen wird die Akzeptanz und die

Nachhaltigkeit der geplanten Maßnahmen erhöht. Die beteiligten Jugendlichen erwerben die Fähigkeit,

ihre Interessen zu formulieren und mit politischen EntscheidungsträgerInnen zu verhandeln.

Methode

Organisation einer Jugendkommission

Oftmals gibt es keine institutionelle Verankerung der Jugendförderung. Es fehlen staatliche Strukturen,

ausgebildete MitarbeiterInnen sowie entsprechende Gesetze und Programme. Auch im Jugend-NRO

Sektor fi ndet sich oftmals keine einheitliche Jugendvertretungsstruktur. Vielfach gehen einzelne Jugendverbände

ihren Partikularinteressen nach oder werden von internationalen Organisationen gefördert

und führen im Auftrag Programme durch. Um einen Anfang zur Etablierung von Strukturen der

Jugendförderung zu machen, kann eine Jugendkommission alle relevanten Akteure zusammenzubringen.

Die Initiierung erfolgt durch ein Jugendprojekt oder durch eine zuständige Behörde.

Ansätze und Methoden der Kinder- und Jugendförderung in der deutschen EZ

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Demokratieförderung, Dezentralisierung,

Förderung der Zivilgesellschaft

Rahmenbedingungen

� In die Kommission sollen alle Behörden und Ministeriumsvertreter berufen werden, die unmittelbar

jugendrelevante Aufgaben erfüllen, i.d.R. sind die Bildungs-, Gesundheits-, Kultur- und

Arbeitsministerien zu berücksichtigen. Ferner müssen, je nach Staatsaufbau, weitere Verwaltungsebenen

eingeladen werden, um die vertikale Vertretung zu garantieren.

� Im Rahmen der Bürgerbeteiligung sollte darauf geachtet werden, dass alle Gruppen der Jugendvertretung

die Möglichkeit erhalten, einen Delegierten zu entsenden. In der Regel werden die

JugendvertreterInnen durch den Nationalen Jugendrat bzw. durch nationale Jugendvertretungsstrukturen

benannt.

� Bei der Einrichtung der Kommission sollte Größe und Zusammenstellung genau bedacht werden,

um die Wirksamkeit nicht zu beeinträchtigen. Es sollten nur die wichtigsten AkteurInnen berufen

werden. Das sollte aber nicht ausschließen, regelmäßig Beratung durch Dritte zu suchen. Eine zu

große Kommission, die alle zufrieden stellen soll, kann kontraproduktiv sein.

� Eine genaue Beschreibung der Zielsetzung und des politischen Auftrages sollte im Vorfeld festgelegt

und mit allen Akteuren abgestimmt sein. Die Jugendkommission soll erkennbar ein Forum

sein, in dem die Bedürfnisse aller Mitglieder berücksichtigt werden und eine aktive Beteiligung

Aller erwünscht ist.

� Je nach Zielsetzung soll die Kommission dort angesiedelt werden, wo sie am meisten bewirken

kann. Dies ist nicht immer das Jugendministerium oder die Jugendabteilung in einem Ministerium.

Die Jugendkommission ist ein Gremium, bei dem es um Jugendförderung im weitestem Sinne

geht und nicht um Einzelaspekte wie Jugendfreizeit oder Jugendbeteiligung.

� Da die Kommission eine Plattform des Dialogs zwischen Verwaltungseinheiten und Fachministerien

einerseits und zwischen Behörden und Zivilgesellschaft andererseits ist, muss das Gremium

seine Vorschläge und Ausarbeitungen staatlichen Entscheidungsträgern vorlegen können, die

auch eine Umsetzungskompetenz haben.

Aktivitäten / Inhalte

Die Jugendkommission besteht aus ca. 18 Mitgliedern, von denen zehn JugendvertreterInnen sind. Die

Kommission wird vom zuständigen Ministerium, dem Ministerrat oder einem anderen übergeordneten

Gremium eingerichtet. Sie erstattet diesem Organ regelmäßig Bericht und legt ihre Vorschläge und

Ausarbeitungen vor. Alle Mitglieder werden vom Ministerrat für die Dauer von drei Jahren berufen.

Alle Mitglieder können eine Aufwandsentschädigung erhalten, allerdings ist dies nur für die JugendvertreterInnen

empfehlenswert.

Ansätze und Methoden der Kinder- und Jugendförderung in der deutschen EZ


Demokratieförderung, Dezentralisierung,

Förderung der Zivilgesellschaft

Die Jugendkommission erfüllt folgende Aufgaben:

� Festlegung der Prinzipien für die Koordination der Aufgaben für die Jugend

� Harmonisierung der Pläne und Programme der verschiedenen Staatsebenen

� Sammlung und Weitergabe von Informationen über die Situation der Jugend

� Analyse der Probleme der Jugend

� Koordination von diversen Jugendförderungsprojekte

� Ausarbeitung der Strategie der internationalen Beziehungen für Jugendthemen

Um ihre Aufgaben zu erfüllen, sollte die Kommission folgende Bereiche bearbeiten:

� Ausarbeitung eines institutionellen Rahmens für Jugendförderung

� Entwicklung einer Jugendpolitik

� Einführung und Ausarbeitung von neuen Lösungen und/oder Gesetzesänderungen zur Jugendförderung

� Durchführung von Anhörungsveranstaltungen für Jugendliche

� Ausarbeitung von Vorschlägen für internationale Geber und andere relevante Institutionen

Ansätze und Methoden der Kinder- und Jugendförderung in der deutschen EZ

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Demokratieförderung, Dezentralisierung,

Förderung der Zivilgesellschaft

Ein Beispiel.....

Aufbau- und Förderung

von Jugendstrukturen in

Bosnien und Herzegowina

Die Jugendkommission in Bosnien

und Herzegowina wurde im Dezember

2004 gegründet. Die VertreterInnen

der Jugendlichen in Bosnien (es gibt im

Land noch keine einheitliche Jugendvertretungsstruktur)

wurden bei einer

öffentlichen Ausschreibung identifi -

ziert. Die wichtigsten Kriterien für die

Entscheidung waren: Mitwirkung in

einer Jugendorganisation, Erfahrung

in der Jugendarbeit und eine gute Ausbildung.

Die Auswahlkommission setzte

sich aus Kommissionsmitgliedern, dem

NRO Dachverband und internationa-

len VertreterInnen zusammen. Es war

ein Vorteil, dass alle TeilnehmerInnen

gleichzeitig eine Fortbildung zu Jugendpolitikplanung

erhalten konnten und

wichtige MultiplikatorInnen innerhalb

ihrer Ministerien und Behörden waren/

sind. Außerdem konnte ein Konsens

zwischen den Vorstellungen der JugendvertreterInnen

und den RegierungsvertreterInnen

hergestellt werden.

Ansätze und Methoden der Kinder- und Jugendförderung in der deutschen EZ


Demokratieförderung, Dezentralisierung,

Förderung der Zivilgesellschaft

Ausbildung von JugendreferentInnen in Kommunen

In Ländern, in denen es kaum staatliche Unterstützung für Jugendliche gibt, soll diese Ausbildung

den MitarbeiterInnen in den Kommunen die Fähigkeit vermitteln, einen Jugendhilfeplan zu entwickeln,

um in den Gemeinden Grundlagen für eine sinnvolle Jugendförderung zu schaffen. Jugendförderung

in Kommunen wird oft nur als Förderung der Partizipationsmöglichkeiten von Jugendlichen

verstanden. Fortbildungen für MitarbeiterInnen der Gemeinden sind selten geplant. In den

meisten europäischen Ländern dagegen gibt es ausgebildete Fachkräfte, die für Jugendbelange in

einer Gemeinde zuständig sind. Die Arbeit dieser Fachkräfte kann sich erheblich von Land zu Land

unterscheiden, je nach dem Schwerpunkt der Jugendförderung.

Zielsetzung und Zielgruppe

Zielsetzung der Ausbildung ist es, in der kommunalen Verwaltung Fachwissen zur Jugendförderung zu

verankern, das später zum Aufbau von kommunalen Jugendämtern genutzt werden kann. Außerdem

soll unter den TeilnehmerInnenn eine berufl iche Identifi kation mit der Jugendförderung aufgebaut

werden. Zielgruppe sind kommunale MitarbeiterInnen, die für die Belange der Jugend zuständig sind

oder als für zuständig erklärt wurden.

Ergebnisse/Wirkungen

Innerhalb der Bevölkerung und der kommunalen Behörden wird das Bewusstsein für die Belange

von Mädchen und Jungen sowie für die Notwendigkeit einer speziellen Förderung junger Menschen

gestärkt. Je mehr die Gemeindeverwaltungen und die AusbildungsteilnehmerInnen die Bedeutung und

Aufgaben von JugendreferentInnen verinnerlichen, umso mehr steigt auch das Bedürfnis eine Strategie

zur Jugendförderung zu entwickeln und eine eigene Stelle oder Verantwortlichkeit dafür zu schaffen.

In einem zweiten Schritt fördert die Ausbildung von JugendreferentInnen auch die Verbesserung der

Lebenssituation von jungen Menschen. Ihre Interessen und Bedürfnisse werden ernst genommen und

es werden konkrete Angebote für Mädchen und Jungen auf kommunaler Ebene entwickelt.

Ansätze und Methoden der Kinder- und Jugendförderung in der deutschen EZ

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Demokratieförderung, Dezentralisierung,

Förderung der Zivilgesellschaft

Methode

Ausbildung von Jugendreferenten

In vielen Ländern gibt es keine qualifi zierte Ausbildung im Bereich der Kinder- und Jugendförderung.

Hier muss sowohl die Ausbildung konzipiert, als auch die Durchführung organisiert werden.

Voraussetzungen:

� In den teilnehmenden Gemeinden muss ein Grundverständnis für die Notwendigkeit der Jugendförderung

vorhanden sein. Dies kann am besten durch Gespräche mit BürgermeisterInnen und

durch öffentlichkeitswirksame Aktivitäten in der Jugend NRO-Szene erreicht werden.

� Die Gemeinde muss einen Mitarbeiter bzw. eine Mitarbeiterin für längere Zeit an der Ausbildung

teilnehmen lassen und den Spielraum sowie Ressourcen zur Durchführung eines Jugendhilfeplanes

zur Verfügung stellen.

� Vor der Erstellung eines Curriculums sollten Fokusgruppeninterviews mit GemeindemitarbeiterInnen

und Jugend-Nichtregierungsorganisationen stattfinden, um den Bedarf festzustellen.

� Die obersten staatlichen Behörden für Jugend sollten informiert und in die Beratung der Ausbildung

miteinbezogen werden.

� Bei Bedarf und falls vorhanden kann ein Ausbildungsinstitut als Träger der Ausbildung ermittelt

und eingesetzt werden.

� Eine geeignete Anzahl von AusbilderInnen muss zur Verfügung stehen. Die TrainerInnen müssen

unterschiedliche Bereiche abdecken und ein Grundverständnis für die Lage der Jugend und

Jugendförderung haben.

Aktivitäten / Inhalte

Die Ausbildungsinhalte ergeben sich aus: Rückmeldungen der Fokusgruppen, Fachwissen der Projektleitung,

Fachwissen der Trainer und später durch die Rückmeldungen der TeilnehmerInnen.

Ein Gesamtausbildungsplan wird erarbeitet, der fl exibel – ausgerichtet am Kenntnisstand der

TeilnehmerInnen und ihren Bedürfnissen - umgesetzt werden kann.

Die Ausbildung besteht aus sechs Modulen, die jeweils in fünf Tagen vermittelt werden. Zwischen den

Modulen sind «Hausaufgaben» zu leisten. Die Module werden über einen Zeitraum von zwei Jahren

durchgeführt, um die TeilnehmerInnen bei der Entwicklung ihrer Jugendhilfeplanung zu begleiten. Die

Ausbildung ist interaktiv und eröffnet viele Beteiligungsmöglichkeiten. Es geht sowohl um Wissensvermittlung

als auch um Erfahrungsaustausch. Zwischen den Modulen fi nden, wenn die Ausbildung

in mehreren Gemeinden läuft, regelmäßig gemeindeübergreifende eintägige Workshops statt. Hier

Ansätze und Methoden der Kinder- und Jugendförderung in der deutschen EZ


Demokratieförderung, Dezentralisierung,

Förderung der Zivilgesellschaft

können die TeilnehmerInnen eine Zusammengehörigkeit entwickeln und die Hausaufgaben vertiefen.

Außerdem sollte eine Website für den Austausch von Informationen entwickelt werden.

Die Module befassen sich mit folgenden Bereichen:

� Kommunikation und Führungsaufgaben

� Strategisches Management in der Administration

� Projektmanagement

� Jugendarbeit/Jugendpolitik

� Menschenrechte und Konfliktbearbeitung

Ein Beispiel.....

Aufbau- und Förderung

von Jugendstrukturen in

Bosnien-Herzegowina

In Bosnien-Herzegowina stehen wegen

fehlender staatlicher Strukturen

Angebote zur Jugendförderung kaum

zur Verfügung. Dabei kann eine auf

Zukunftsperspektiven ausgerichtete Jugendarbeit

wesentlich zu einem neuen

partnerschaftlichen Grundverständnis

der multiethnischen Bevölkerung im

ehemaligen Kriegsgebiet beitragen. In

Zusammenarbeit mit staatlichen Strukturen,

Nichtregierungsorganisationen und

Jugendräten werden bei diesem Projekt

Jugendförderprogramme entwickelt und

umgesetzt. Ziel ist es, den Jugendlichen

neue Perspektiven zu vermitteln und

ein friedliches Zusammenleben in einer

multiethnischen Gesellschaft zu fördern.

In Bosnien wird ein Ausbildungsplan für

JugendreferentInnen entwickelt. Grundprinzipien

und Strategien moderner Jugendarbeit

werden den MitarbeiterInnen

staatlicher und nichtstaatlicher Organisationen

vermittelt, geeignete Strategien

werden gemeinsam umgesetzt. Zukünftig

sollen die JugendreferentInnen

eigenverantwortlich Jugendprogramme

entwickeln. In Pilotregionen werden

Modellprojekte durchgeführt. Die Existenz

von JugendreferentInnen auf kommunaler

Ebene ist ein Indikator für eine

jugendfreundliche Gemeinde (vgl. Indikatoren

des Council of Europe und des

International Council on National Youth

Policy). Die Dauer der Fortbildung beträgt

zwei Jahre, sie ist in sechs Module

von je fünf Tagen Dauer aufgeteilt.

Ansätze und Methoden der Kinder- und Jugendförderung in der deutschen EZ

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22

Demokratieförderung, Dezentralisierung,

Förderung der Zivilgesellschaft

Ziele der Ausbildung sind:

� Verankerung von Fachwissen zur

Jugendförderung in der kommunalen

Verwaltung;

� Einleitung und Begleitung eines

Prozesses zur Unterstützung und

Beteiligung von Jugendlichen in

Gemeinden;

� Erarbeitung eines Jugendförderplans;

� Einführung eines neuen Berufszweigs;

� Aufbau einer beruflichen Identifikation

mit dem Thema „Jugendförderung“.

Die Ausbildung der JugendreferentInnen

hat auch einen konkreten Nutzen für die

Gemeinden: Es werden Fachpersonen,

die sich mit der Situation der Jugendlichen

auskennen, ausgebildet; es stehen

AnsprechpartnerInnen für Jugendfragen

und Personen, die sich für die Belange

der Jugendlichen einsetzen zur Verfügung;

es gibt eine bessere Einbindung

der Jugendförderung in die Gemeinde

und in die kommunalen Entwicklungspläne;

es gibt Verantwortliche für die

Erstellung und Umsetzung eines Jugendhilfe-

bzw. Jugendförderplans; die Umsetzung

von nationalen und regionalen

Jugendgesetzen und –programmen wird

gefördert; es wird eine Prozessmoderation

für Jugendbeteiligung eingeführt

und der systematische und regelmäßige

Austausch zwischen Politik und jungen

BürgerInnen wird verankert.

Ansätze und Methoden der Kinder- und Jugendförderung in der deutschen EZ


Demokratieförderung, Dezentralisierung,

Förderung der Zivilgesellschaft

Aktionsforschung

Im Gegensatz zu anderen (Projekt-)Planungsverfahren, welche die Partizipation der Zielgruppe

auf eine vorgegebene Planungsstruktur beschränken, wird durch die Aktionsforschung die Zielgruppe

der Maβnahmen in den Mittelpunkt des Planungsprozesses gerückt. In ihren gewohnten

Lebenszusammenhängen können VertreterInnen der Zielgruppe in einem gemeinsamen Prozess

von „Refl exion - Aktion – Refl exion“ ihre Situation eigenständig analysieren und Lösungswege

weitgehend selbstbestimmt entwickeln. Damit eignet sich die Aktionsforschung für die Jugendarbeit,

insbesondere für die Förderung der Jugendpartizipation.

Zielsetzung und Zielgruppe

Aktionsforschung ist als ein Forschungsansatz bzw. als eine Reihe von Prinzipien zu verstehen, deren

oberste Zielsetzung die Förderung der Selbsthilfefähigkeit der Zielgruppe ist. Mit einem prozessorientierten

und partizipativen Ansatz soll vermieden werden, kostenintensive Strukturen zu schaffen. Stattdessen

werden selbständige Aktivitäten bestehender Initiativen gefördert und Netzwerke ausgebaut.

Die Aktionsforschung eignet sich für alle Zielgruppen der Entwicklungszusammenarbeit und kann

besonders in der Jugendarbeit als wirksame Maβnahme zum Empowerment von Mädchen und Jungen

angewendet werden.

Ergebnisse/Wirkungen

Methoden der Aktionsforschung fördern die Refl exions- und Analysefähigkeiten sowie die Eigeninitiative

und Selbsthilfekapazitäten Jugendlicher. Durch die Beteiligung an der Planung von Entwicklungsmaßnahmen

wird die Akzeptanz der Maßnahmen bei jungen Menschen erhöht und es kommt zu einem

Dialog zwischen Jugendlichen und anderen staatlichen und zivilgesellschaftlichen Akteuren.

Aktionsforschung in der Projektplanung

Prinzipien und Methoden der Aktionsforschung lassen sich insbesondere im Bereich Projektplanung

anwenden. Zu Beginn der Planung von Vorhaben bzw. Maßnahmen zur Jugendförderung stellen sich

verschiedene Fragen:

? Wie lässt sich eine kontinuierliche Diskussion mit Jugendlichen und Jugendorganisationen entwickeln?

? Wie können junge Menschen zur aktiven Mitarbeit an der Planung und Durchführung von Maßnahmen

gewonnen werden?

Ansätze und Methoden der Kinder- und Jugendförderung in der deutschen EZ

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Demokratieförderung, Dezentralisierung,

Förderung der Zivilgesellschaft

? Welche Instrumente und Methoden sind geeignet zur Erarbeitung einer Situations- und Problemanalyse

der Jugendlichen?

? Wie lassen sich die Initiativen und der Förderbedarf von Mädchen und Jungen identifizieren?

? Welche Voraussetzungen müssen geschaffen werden?

Im Rahmen der Aktionsforschung sollen sich junge Menschen selbst mit der Beantwortung dieser Fragen

beschäftigen und eigenständig Ziele und konkrete Maßnahmen der Jugendförderung entwickeln.

Erwachsene stehen als BeraterInnen zur Verfügung und bieten Trainings zur Projektplanung und zu

Methoden der Aktionsforschung an. Im Ergebnis sollte eine gemeinsame Planung der Zielsetzungen,

der Methodenauswahl und des allgemeinen Vorgehens durch alle Beteiligten erreicht werden. Für die

konkrete Vorgehensweise bedeutet dies:

� Verzicht auf ein von vornherein festgelegtes Programm;

� es müssen Förderstrukturen entwickelt werden, die eine ständige Kommunikation zwischen allen

Beteiligten ermöglichen.

Prinzipien der Aktionsforschung

Jugendliche als Akteure - Prinzip Partizipation

Partizipation im Sinne der Aktionsforschung akzeptiert die vorrangige und aktive Rolle der Jugendlichen.

Sie geht von existierenden Strukturen an der Basis aus, unterstützt selbständige Aktivitäten von

Jugendinitiativen und fördert die Bildung von Jugendnetzwerken und -gruppen. Durch Animationsund

Beratungsarbeit fördert sie die Bemühungen der Mädchen und Jungen, ihre Probleme zu formulieren,

Lösungen zu entwickeln und selbständig Entscheidungen zu treffen. Der Ansatz der Aktionsforschung

betrachtet die Zielgruppe Jugend nicht als passive Betroffene, sondern macht sie zu Akteuren,

die ihre Lage analysieren, Lösungen suchen und konzipieren und Maßnahmen umsetzen.

Als Kennzeichen für einen hohen Grad an Partizipation lassen sich formulieren:

� Ziele der Forschung werden gemeinsam mit allen Beteiligten durch Diskussion vor Ort erarbeitet;

� Es liegt kein von „Experten“ festgelegtes Programm vor; Zielvorstellungen und Vorschläge der

Beteiligten haben Vorrang vor den Interessen anderer Beteiligten (Projektträger, Berater, etc.);

� Lokale Initiativen werden ermutigt und unterstützt; Jugendliche entwickelt selbständiges Handeln;

� Externe BeraterInnen werden allmählich durch „interne AnimateurInnen“ aus den Reihen der

Jugendlichen ersetzt.

Ansätze und Methoden der Kinder- und Jugendförderung in der deutschen EZ


Demokratieförderung, Dezentralisierung,

Förderung der Zivilgesellschaft

Berater – Facilitator - Animateure

MitarbeiterInnen aus EZ-Vorhaben können als BeraterInnen oder AnimateurInnen wirken. Sie bieten

den Jugendlichen oder ihren VertreterInnen Möglichkeiten, ihre Probleme zu formulieren, Lösungsansätze

zu suchen, Aktionspläne auszuarbeiten und entsprechende Aktivitäten umzusetzen. Ihre Unterstützung

bei aufkommenden Fragen und Problemen beschränkt sich auf Beratung und Vermittlung.

Ihre Eingriffe haben stets Impulscharakter und dienen der Ermutigung der Beteiligten (Animation).

Hilfestellungen beschränken sich auf das Schaffen von Voraussetzungen und das Erleichtern von

Handlungen (facilitation). Alle Entscheidungen liegen bei den Jugendlichen selbst.

BeraterInnen müssen über eine Reihe von Kompetenzen verfügen:

� die Fähigkeit, sich ungezwungen im Milieu der Jugendlichen zu bewegen;

� die Beherrschung non-direktiver Kommunikationstechniken;

� Zurückhaltung, Neugierde, Offenheit, Empathiefähigkeit, Flexibilität, Phantasie;

Methodenkompetenz im Hinblick auf die Techniken der Aktionsforschung bzw. der empirischen

Sozialforschung

� Die Fähigkeit, bei Bedarf Fachleute und Expertise zu speziellen Themen/Methoden bereit zu

stellen.

Stärken und Schwächen der Aktionsforschung

Die besondere Stärke von Methoden der Aktionsforschung liegt in der Tatsache, dass die Zielgruppe

selbst aufgefordert ist, ihre Situation und deren Ursachen gezielt zu analysieren. Als Projektverantwortliche

von Fördermaßnahmen übernehmen Jugendliche selbst die Verantwortung für deren positive und

negative Effekte. Im Laufe des Prozess eignen sie sich eine Vielzahl von Problemlösungstechniken und

Kompetenzen an, die ihre Selbstorganisationsfähigkeit und ihr Selbstbewusstsein stärken und sie befähigen,

sich selbst und ihre Standpunkte nach außen zu vertreten. In der Regel gehen die Jugendlichen

von einem als drängend empfundenen Problem aus und stoßen nach und nach auf weitere Probleme.

Das Ergebnis ist die organische Entwicklung eines ‚integrierten‘ Ansatzes.

In manchen Fällen zeigen sich die Zielgruppen allerdings mit den Bedingungen der Hilfe zur Selbsthilfe

überfordert oder haben aufgrund früherer Projekterfahrungen höhere Erwartungen in Bezug auf die

Leistung der Geber. Kriterien und Bedingungen einer Förderung müssen gerade auch in einem aktionsforschungsorientierten

Förderansatz von Projektseite aufgestellt und den Nutzern deutlich gemacht

werden.

Ansätze und Methoden der Kinder- und Jugendförderung in der deutschen EZ

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Demokratieförderung, Dezentralisierung,

Förderung der Zivilgesellschaft

Material

Gagel, Dieter (1995): Aktionsforschung. Methoden partizipativer Projektplanung und -durchführung

in der Entwicklungszusammenarbeit, Heidelberg 1995

Schneider-Barthold, Wolfgang / Gagel, Dieter / Hillen, Peter / Mund, Horst (1995): Aktionsforschung

- Partizipative und prozessorientierte Methoden in der Entwicklungszusammenarbeit. In: D. Gagel

(Hrsg.): Aktionsforschung und Kleingewerbeförderung. Köln, München.

www.action-research.de

Ein Beispiel.....

Centre International de Formation

en Recherche Action

(CIFRA) - Burkina Faso

Im Bereich der Gesundheitsförderung

für Jugendliche konnte beobachtet werden,

dass Jugendliche die Angebote von

Gesundheitsdiensten nur sehr eingeschränkt

nutzen. Mithilfe des Ansatzes

der Aktionsforschung können, durch

die MitarbeiterInnen der Gesundheitsdienste

sowie durch die jugendliche Zielgruppe

selbst, Ursachen analysiert und

Faktoren formuliert werden, die zu einer

besseren Akzeptanz der Angebote unter

Jugendlichen führen. Zur Unterstützung

dieses Prozesses bietet der „Cours Internationale

de Formation en Recherche-

Action“ (CIFRA ) in Ougadougou, gefördert

durch die deutsche TZ, seit 1991

Hilfestellung durch eine Ausbildung in

den Prinzipien und Methoden der Aktionsforschung.

In einem Basiskurs werden

die TeilnehmerInnen in die Methodik

der Aktionsforschung eingeführt und

die vermittelten Inhalte an Fallbeispielen

erprobt. Im anschließenden praktischen

Studienteil sind die TeilnehmerInnen

aufgefordert, eine eigene Aktionsfor-

schungsstudie durchzuführen. Mit fachlicher

Betreuung greifen sie ein Problem

ihres Arbeits- bzw. Lebensalltags auf,

analysieren es und erarbeiten Lösungsansätze.

Ein abschließendes Auswertungsseminar

bietet die Möglichkeit, die

Praxiserfahrungen aufzuarbeiten und die

Ergebnisse der Studien zu präsentieren.

Als wesentliches Ergebnis der Studien

zur Akzeptanz von Gesundheitsdiensten

unter Jugendlichen in Burkina Faso

konnte festgestellt werden, dass Jugendliche

diesbezüglich spezielle Bedürfnis

haben und oftmals schon kleine Veränderungen

(bessere Informationen über

die Angebote, an die Bedürfnisse der Jugendlichen

angepasste Öffnungszeiten,

Anonymitätsgarantie, Informations- und

Aufklärungsarbeit an Schulen, Angebote

von Youth Counsellors etc.) zu einer besseren

Zielgruppenorientierung und –akzeptanz

der Gesundheitsdienste führen.

CIFRA hat sein Angebot inzwischen

erweitert und bietet Aktionsforschungstrainings

zu den Themen sexuelle und

reproduktive Gesundheit Jugendlicher,

HIV/AIDS, genderbedingte Gewalt,

weibliche Genitalverstümmelung und

Gesundheitsmanagement an.

Ansätze und Methoden der Kinder- und Jugendförderung in der deutschen EZ


Demokratieförderung, Dezentralisierung,

Förderung der Zivilgesellschaft

Ausbildung von jugendlichen PromotorInnen

Bei dieser Ausbildung handelt es sich um eine vergleichsweise einfach umsetzbare Methode zur

Förderung der Selbstorganisation Jugendlicher. Junge Menschen erhalten eine Ausbildung zu

JugendpromotorInnen sowie den Zugang zu Handouts, mit denen sie weitere Jugendliche ausbilden

und Jugendgruppen etablieren können. Dieses Vorgehen kann schnell eine Eigendynamik

entwickeln und ist daher für die Implementierung in Regionen mit wenig entwickelten Strukturen

der Jugendförderung sehr empfehlenswert.

Zielsetzung und Zielgruppe

Das Training soll das Selbsthilfepotenzial benachteiligter Jugendlicher stärken und sie durch die Ausbildung

zu JugendpromotorInnen befähigen, Wissen und Botschaften an andere Jugendliche zu vermitteln

und als InitiatorInnen neuer Jugendgruppen gemeinschaftlich einen Beitrag zur Verbesserung

ihrer sozialen und ökonomischen Lebenssituation zu leisten. Um eine längerfristige Unterstützung der

Jugendlichen zu gewährleisten, fördert die Methode auch die Kompetenzen lokaler Verwaltungen und

Nichtregierungsorganisationen, bedarfsgerechte und jugendfreundliche Dienstleistungen anzubieten

und junge Menschen verstärkt in politische und gesellschaftliche Entscheidungsprozesse einzubeziehen.

Trainings und Handouts für jugendliche PromotorInnen richten sich an Jungen und Mädchen im Alter

von 14 bis 24 Jahren, insbesondere auch an benachteiligte Jugendliche und an Personen, die mit dieser

Zielgruppe arbeiten.

Ergebnisse/Wirkungen

Handouts zur Aus- und Fortbildung jugendlicher PromotorInnen verbessern in erster Linie die Zugangsmöglichkeiten

benachteiligter Jugendlicher zu Bildung. Die Ausbildung trägt zum Empowerment

der Mädchen und Jungen bei. Sie werden sich ihrer eigenen Ressourcen und Fähigkeiten bewusst und

erwerben wichtige Kompetenzen wie Teamfähigkeit, Führungs- und Kommunikationsfähigkeiten,

Selbstorganisation, konstruktive Konfl iktlösung etc. Jugendliche erwerben das Know-how zur Gründung

neuer Jugendgruppen, die zum Ausgangspunkt für Einkommen schaffende Projekte und Freizeitaktivitäten

werden. Damit leistet die Methode einen Beitrag zur Armutsbekämpfung.

Durch die zusätzliche Ausbildung von Fachkräften der Jugendarbeit zu TrainerInnen wird außerdem ein

Beitrag zur Professionalisierung der Jugendarbeit geleistet. Das Konzept der Handouts ist bewusst einfach

angelegt und weißt daher ein hohe Replizierbarkeit auf. Die ausgebildeten JugendpromotorInnen

sind befähigt, weitere Jugendliche auf Grundlage der Handouts zu trainieren.

Ansätze und Methoden der Kinder- und Jugendförderung in der deutschen EZ

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Demokratieförderung, Dezentralisierung,

Förderung der Zivilgesellschaft

Ausbildung von JugendpromotorInnen und TrainerInnen

Bei den hier vorgestellten Trainingsblöcken handelt es sich um eine Kurzausbildung für

MultiplikatorInnen, die Methoden der „Peer Education“ nutzt und großen Wert auf Replizierbarkeit

legt. Das Trainingskonzept umfasst, ähnlich wie die Jugendleiterausbildung in Deutschland, Grundwissen

und -fähigkeiten aus verschiedenen Bereichen, die auf die Bedürfnisse und Möglichkeiten der

Zielgruppe zugeschnitten sind.

Der Schwerpunkt liegt auf der Vermittlung von Methoden und Techniken für die praktische Arbeit.

Ausbildung in vier verschiedenen Modulen

Organiser / Organisation von Jugendgruppen

� Projektplanung und -management: Methoden zur Ideenentwicklung, Mobilisierung,

Entscheidungsfindung, Verwaltung, Öffentlichkeitsarbeit, Finanzierung

Adviser

� Unternehmerische Kenntnisse: Entwicklung einer Geschäftsidee, Unternehmensformen und -

typen, Marktanalyse, Marketing, Budgetierung, Fundraising, Geschäftsplan, Kommunikation

� Einkommen schaffende Aktivitäten: Verarbeitung landwirtschaftlicher Produkte, Vermarktung

von Dienstleistungen

� Sparen und Kreditwesen

� Kenntnisse in Erste Hilfe und Faktoren von Basisgesundheit

� Umweltschutz, Entsorgung- und Hygienemaßnahmen

Mediator

� Gruppenarbeit: Lerntheoretische Aspekte, methodische und didaktische, Gruppenprozesse und

Gruppendynamik

� (Selbst-)Evaluierung

� Beratungsmethoden

� Moderation und Präsentation

� Verhandlungs- und Kommunikationstechniken

� Konflikttheorie sowie Methoden zur Konfliktanalyse, Konfliktdeeskalation und Konfliktlösung

Ansätze und Methoden der Kinder- und Jugendförderung in der deutschen EZ


Demokratieförderung, Dezentralisierung,

Förderung der Zivilgesellschaft

Animateur

� Freizeit und Erholung

� Kunst, Musik, Tanz

� Sport und Spiele

� Animation

Die Ausbildung pro Modul kann je nach Ort, verfügbaren Ressourcen und Teilnehmern auf drei bis

fünf Tage angelegt sein. Dabei kann das Training entweder im Block oder die einzelnen Module können,

verteilt über einen längeren Zeitraum, durchgeführt werden. Das Training wird vor allem dort

Früchte tragen, wo die Jugendgruppen über das Training hinaus betreut werden und sie durch die Gemeinde,

die lokale Verwaltung oder eine Nichtregierungsorganisation unterstützt werden.

Handout-Box

Das Material für die Trainingsmodule ist in einer Handout-Box zusammengestellt und steht den

JugendpromotorInnen später für die Durchführung eigener Projekte zur Verfügung. Zum Zwecke einer

leichten Replizierbarkeit sind die Handouts in einer jugendgerechten, leicht verständlichen Sprache

gehalten. Zahlreiche Abbildungen erhöhen zusätzlich die Verständlichkeit. Jedes einzelnes Thema wird

auf ein bis zwei Seiten übersichtlich dargestellt. Die DIN A4-Blätter sind ein- oder zweiseitig farbig

bedruckt und laminiert, was sie gegen Umwelteinfl üsse wie Feuchtigkeit oder Staub schützt. Alle vier

Module sind thematisch geordnet in einer Plastikbox untergebracht.

Ansätze und Methoden der Kinder- und Jugendförderung in der deutschen EZ

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Demokratieförderung, Dezentralisierung,

Förderung der Zivilgesellschaft

Ein Beispiel.....

Formación de Dinamizadores

de Jóvenes – Guatemala

Im Rahmen der TZ-Jugendmaßnahme

PROJOVEN in Guatemala wurde 2002

eine Koordinationsstelle für die Ausbildung

von JugendleiterInnen eingerichtet.

In einer Kooperation verschiedener guatemaltekischerNichtregierungsorganisationen

wurde unter Leitung der deutschen

TZ das Pilotprogramm „Formación de

Dinamizadores de Jóvenes“ (Ausbildung

von JugendpromotorInnen) entwickelt

und durchgeführt. Im ersten Jahr nahmen

30 Jugendliche aus verschiedenen

Jugendorganisationen aus Guatemala-

Stadt und umliegenden Städten an der

Kurzausbildung für JugendleiterInnen

teil. Der Kurs ist in Form eines Work-

shops konzipiert, der auf partizipativer

Erarbeitung der Inhalte und Berücksichtigung

der persönlichen Erfahrungen und

Vorkenntnisse der KursteilnehmerInnen

basiert. Da es zuvor keine vergleichbare

Ausbildung für JugendpromotorInnen

in Guatemala gab, begegnet der Aufbau

der Schule einer großen Nachfrage.

Eine Großzahl der Absolventen arbeiten

im Anschluss als ehrenamtliche

JugendgruppenleiterInnen in verschiedenen

Jugendorganisationen.

Ansätze und Methoden der Kinder- und Jugendförderung in der deutschen EZ


Demokratieförderung, Dezentralisierung,

Förderung der Zivilgesellschaft

Ein Beispiel.....

TWIGA-Box des

“Programme to Promote

Children and Youth” (PCY)

- Uganda

PCY, ein Kooperationsprojekt zwischen

dem ugandischen Ministry of Gender,

Labour and Social Development, der

deutschen TZ und dem DED nutzt

TWIGA seit 2002 für die Ausbildung

von Jugendlichen, Beamten lokaler Verwaltungen

und MitarbeiterInnen von

Nichtregierungsorganisationen in ausgewählten

Distrikten Ugandas. In Kisuaheli

ist Twiga der Begriff für Giraffe.

TWIGA steht aber auch für Tolerant,

Witty, Innovative, Global, Aktive. Dahinter

verbirgt sich ein Trainingskonzept

und -material für die Ausbildung von

Jugendlichen zu JugendpromotorInnen

sowie von Fachkräften der Jugendarbeit

zu Jugendtrainern. Der Ausbildung

von JugendpromotorInnen wird eine

partizipative Beurteilung und Auswahl

(„Participatory Children and Youth Appraisal“

(PCYA)) vorangestellt, in deren

Verlauf die Jugendlichen ausgewählt

werden und ein Jugendaktionsplan ent-

steht. Die Auswahl der TeilnehmerInnen

erfolgt auch nach Gender-Kriterien,

wodurch sichergestellt wird, dass junge

Frauen und Männer gleichermaßen beteiligt

werden. Dieses Verfahren hat sich

in der Praxis bewährt, weil es die frühzeitige

Einbeziehung sowohl der Jugendlichen

als auch der Gemeinde gewährleistet,

was für den Erfolg des Projekts von

zentraler Bedeutung ist.

Aus dem TWIGA-Training sind gut organisierte

Jugendgruppen, die teilweise

als „Community Based Organisation“

(CBO) registriert sind, hervorgegangen.

Darüber hinaus wurde die Schaffung

von Jugendzentren unterstützt, so dass

einige Gruppen über ein eigenes Gebäude

verfügen, welches als Treff- und

Ausgangspunkt ihrer Aktivitäten dient.

Einige JugendpromotorInnen sind dazu

übergegangen, Jugendliche in benachbarten

Bezirken zu trainieren, was die

Reproduzierbarkeit des Ansatzes unterstreicht.

Die Erfahrungen in Uganda zeigen,

dass sich JugendpromotorInnen u.a.

aktiver als andere Jugendliche in Angelegenheiten

ihrer Gemeinden einbringen.

Ansätze und Methoden der Kinder- und Jugendförderung in der deutschen EZ

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Demokratieförderung, Dezentralisierung,

Förderung der Zivilgesellschaft

Fortbildung von JugendgruppenleiterInnen

Jugendliche, aber auch Fachpersonen, die direkt mit Jugendlichen arbeiten, werden zu

JugendgruppenleiterInnen ausgebildet. Die Fortbildung der JugendgruppenleiterInnen, die in Jugendringen

und –organisationen tätig sind, dient der Professionalisierung im Bereich der ehrenamtlichen

Jugendarbeit. Es ist ein dauerhafter Prozess, im dem fachliches Wissen, praktische Übung

und Erfahrung kombiniert werden müssen. Damit wird auch ein Beitrag zur Demokratieförderung

und Beteiligung der Zivilgesellschaft geleistet, die Übernahme politischer und gesellschaftlicher

Verantwortung durch junge Menschen wird gestärkt.

Zielsetzung und Zielgruppe

Zielsetzung einer Fortbildung für JugendgruppenleiterInnen ist es, aktiven Jugendlichen zu ermöglichen,

ihr Wissen, ihre Erfahrung und ihr Interesse an politischer und gesellschaftlicher Beteiligung an

andere Jugendliche weiter zu geben. Diese Methode der Jugendarbeit richtet sich an Jugendliche im

Alter von etwa 16 bis 25 Jahren und eignet sich für Mädchen und Jungen.

Ergebnisse/Wirkungen

Auf individueller Ebene führt die Teilnahme an der Fortbildung für JugendgruppenleiterInnen zu

einem Zuwachs an Selbstvertrauen, Wertschätzung der eigenen Fähigkeiten und Potenziale, Teamfähigkeit,

Solidarität, Kreativität, Kommunikationsfähigkeit und Verantwortungsgefühl in Bezug auf die

Gesellschaft. Darüber hinaus bewirkt die Arbeit der GruppenleiterInnen, dass mehr Jugendliche motiviert

werden, ihre Freizeit sinnvoll zu nutzen und ihr Recht auf Partizipation wahrzunehmen.

Das Engagement der JugendgruppenleiterInnen fördert auch die positive Wahrnehmung von Jungen

und Mädchen in der Gesellschaft. Junge Menschen werden in ihren Gemeinden als mündige Bürger mit

Verantwortung, Mitsprachekompetenz und Mitentscheidungsrechten anerkannt. Jugendliche können

so z. B. erreichen, in den Gemeinden Räume und Finanzen für ihre Tätigkeiten zu erhalten. Ferner

werden sie bei Diskussionen und Entscheidungsprozessen eher mit einbezogen.

Inhalte und Methoden der Fortbildung

Seminare und Werkstätte

Die einjährige Fortbildung von JugendgruppenleiterInnen lässt sich am erfolgreichsten realisieren,

wenn Jugendliche aus verschiedenen Gemeinden zusammenkommen. So ist der Erfahrungsaustausch

breiter und es entstehen Netzwerke zwischen den Gemeinden.

Ansätze und Methoden der Kinder- und Jugendförderung in der deutschen EZ


Demokratieförderung, Dezentralisierung,

Förderung der Zivilgesellschaft

Schritte zur Vorbereitung der Fortbildung sind:

1 Identifizierung von Gemeinden, die am Programm teilnehmen

2 Entwicklung von Kriterien für die Auswahl der teilnehmenden Jugendlichen/Personen

3 Anmeldeformular erstellen

4 Anmeldeformular in den Gemeinden verteilen und einsammeln

5 Geeignete Jugendliche auswählen (20-30 Personen)

6 Erstellen eines Programmentwurfes für die Fortbildungsreihe

7 Durchführung des ersten Workshops mit Jugendlichen in jeder Gemeinde, um ihnen einen allgemeinen

Einblick in die Arbeit und die Ausbildung eines Jugendleiters zu geben.

Bei diesem Workshop werden acht bis zehn der engagiertesten Jugendlichen für die Jugendleiterausbildung

ausgewählt.

Die Jugendleiterfortbildung behandelt folgende Themen, die jeweils in einem ein bis zweitägigem

Workshop nach modernen pädagogischen Methoden bearbeitet werden:

1 Zivile Gesellschaft und Ehrenamt (Rolle von Bürgerinitiativen, warum Ehrenamt, Animierung

und Aufgaben von Ehrenamtlichen)

2 Teamarbeit (Teambildung, Aufgabenverteilung)

3 Jugendpolitik (Maßnahmen, Mechanismen der Entwicklung, Forschung, Elemente der Jugendpolitik)

4 Projektmanagement (Projektschreibung, Durchführungsplan)

5 Öffentlichkeitsarbeit in der Jugendpolitik und Rolle der Regierung/Verwaltung

6 Evaluation und Berichterstattung nach der Durchführung von Maßnahmen

7 Kommunikation (aktives Zuhören, Ich-Rede, nonverbale Kommunikation, Kommunikationskette,

Vorurteile)

8 Geschlechterverhältnis (Gender) – Mädchen-/Jungenarbeit

9 Jugendarbeit (Methoden, Fortbildung und Maßnahmen für andere Jugendliche)

10 Spezifische Themen und ihre öffentliche Verbreitung (z.B. Konfliktlösung, Alkohol, Drogen,

Menschenhandel, Kindesmissbrauch u. ä.)

Nach der Durchführung eines jeden Seminars sollte eine Evaluation über Erfolge und Veränderungswünsche

der TeilnehmerInnen stattfi nden.

Ansätze und Methoden der Kinder- und Jugendförderung in der deutschen EZ

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Demokratieförderung, Dezentralisierung,

Förderung der Zivilgesellschaft

Methoden

Theoretische Grundlage

Die TeilnehmerInnen erhalten theoretische Grundlagen über jedes zu behandelnde Thema, wie z.B.

Defi nitionen, Geschichte, Beispiele aus anderen Gemeinden und Ländern, fachliche Begriffe, offi zielle

einheimische und internationale Dokumente, Gesetze, Regelungen, Abkommen etc. Der Vortrag des

Trainers / der Trainerin ist nur eine der möglichen Methoden. Einige der TeilnehmerInnen können

selbst einen Vortrag zu Hause vorbereiten. Man kann Texte in Arbeitsgruppen bearbeiten, zusammenfassen

und präsentieren.

Simulationen, Diskussionen und Übungen

Der theoretische Teil wird entweder an einem Beispiel simuliert oder aus der Simulation erschlossen. So

lernen die JugendgruppenleiterInnen, wie sie in bestimmten Situationen handeln müssen. Es ist wichtig,

ständigen Bezug zur Lage in den eigenen Gemeinden in Form von Diskussionen zu haben. Übungen

werden in Arbeitsgruppen durchgeführt. Dadurch bereiten sich die JugendgruppenleiterInnen auf

die selbstständige Durchführung und Anwendung von Maßnahmen in den eigenen Gemeinden vor

(z.B. Haushaltstabelle oder Evaluationsbogen erstellen).

Praktische Hausaufgaben

Die JugendgruppenleiterInnen sollen das Gelernte in ihrer Gemeinde anwenden. Dazu erhalten sie

eine praktische Hausaufgabe, die sie bis zum nächsten Seminar ausführen und die Ergebnisse ihren

KollegInnen vorstellen. Mögliche Themen für Hausaufgaben: Tag der Jugend, Kampagne am Tag

der Menschenrechte, Erforschung der Lage der Jugend in der eigenen Gemeinde, Öffentlichkeitsarbeit

etc.). Man sollte nicht vergessen, die angemeldeten, aber nicht ausgewählten Jugendlichen bei der

Durchführung von Hausaufgaben zu integrieren (z.B. Umfragen, Straßenkampagnen etc.)

Ein Beispiel.....

Aufbau und Förderung

von Jugendstrukturen in

Bosnien-Herzegowina

Im Rahmen des Jugendförderungsprojektes

in Bosnien-Herzegowina wird die Fortbildung

für JugendgruppenleiterInnen

organisiert. Diese soll dazu beitragen,

dass sich ausgebildete Jugendliche in ihren

Gemeinden aktiver beteiligen z.B. in

ihrem Jugendring. Zum ersten Mal führte

das TZ-Projekt diese Fortbildung mit

30 TeilnehmerInnen aus fünf Gemeinden

im Jahr 2004 durch. Das Konzept

wurde 2005 in zwei weiteren Regionen in

Bosnien-Herzegowina angewendet und

wird später den lokalen Vereinen bzw.

Jugendringen für die weitere Nutzung

zur Verfügung gestellt.

Ansätze und Methoden der Kinder- und Jugendförderung in der deutschen EZ


Demokratieförderung, Dezentralisierung,

Förderung der Zivilgesellschaft

Gruppenarbeit mit Jugendlichen

Bei der Gruppenarbeit mit jungen Menschen ist - über die Vermittlung von Inhalten hinaus - auch

die Gestaltung der Seminare, Trainings oder Workshops von Bedeutung. Dazu existiert eine Sammlung

von Spielen, Übungen und Techniken. Diese werden in einem separaten Handbuch beschrieben

und hier auszugsweise dargestellt.

Zielsetzung und Zielgruppe

Mit praktischen und partizipativen Tools bzw. Methoden werden JugendtrainerInnen, SozialarbeiterInnen,

JugendgruppenleiterInnen und andere Akteure der Jugendförderung bei der jugendgerechten Gestaltung

von Workshops und Trainings unterstützt. Auch Jugendliche selbst können sich autodidaktisch die

notwendigen Kompetenzen für die Arbeit mit Gruppen aneignen.

In Abgrenzung von den existierenden Methodensammlungen und Toolboxen für die Jugendarbeit verfolgen

die hier beschriebenen Methoden einen explizit partizipativen Ansatz. Partizipation wird hierbei

verstanden als eine tatsächliche Teilhabe an Entwicklungen, die die eigene Person betreffen. Wirkliche

Partizipation beginnt bei der Äußerung eigener Interessen, umfasst die Teilnahme an Diskussionen

um die eigenen Belange sowie die Entscheidungsfi ndung und reicht bis zur aktiven Mitwirkung bei der

Umsetzung gefasster Beschlüsse. Die Methoden wurden bereits erfolgreich in verschiedenen Jugendprojekten

der Entwicklungszusammenarbeit in Uganda, Ruanda, Südafrika, Sambia und Kenia ein- und

umgesetzt.

Ergebnisse/Wirkungen

Die Methoden zur Gruppenarbeit mit jungen Menschen tragen zur Professionalisierung von Akteuren

der Jugendförderung bei. Sie geben aber auch Nicht-Fachleuten wichtige Ideen und Tipps zur richtigen

Herangehensweise an junge Menschen sowie zur Durchführung erfolgreicher Trainings und Veranstaltungen

mit Mädchen und Jungen. Durch den partizipativen Ansatz werden bei den Jugendlichen das

Selbstbewusstsein, die Selbstorganisation sowie Refl exions- und Kommunikationsfähigkeiten gestärkt.

Die vorgestellten Methoden fördern die aktive Teilhabe Jugendlicher und eignen sich insbesondere

auch für die Ausbildung jugendlicher MultiplikatorInnen.

Ansätze und Methoden der Kinder- und Jugendförderung in der deutschen EZ

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36

Demokratieförderung, Dezentralisierung,

Förderung der Zivilgesellschaft

Methoden zur Gestaltung von Gruppenarbeit mit Jugendlichen

Seminargestaltung und Moderation

Zu Beginn werden Hinweise zur Vorbereitung, Gestaltung und Moderation von Seminaren, Workshops

etc. gegeben. Das Gelingen der Seminare hängt wesentlich von folgenden Faktoren ab:

Arbeiten mit Gruppen und TeilnehmerInnen

Aufgabe des Trainers ist es, eine respektvolle, wertschätzende Arbeitsatmosphäre zu schaffen, in der

die Jugendlichen sich furchtlos beteiligen können und zu aktiven TeilnehmerInnen statt passiven LernerInnen

werden. Der persönliche Stil des Trainers spielt eine entscheidende Rolle für diese Arbeitsatmosphäre

und ist wesentlicher Faktor für das Gelingen oder Misslingen des Seminars. Um ein strukturiertes,

effektives Training durchführen zu können, ist es wichtig, dass sich die SeminarteilnehmerInnen

auf Verhaltensregeln einigen. Aspekte wie Pünktlichkeit, gegenseitiges Zuhören und gegenseitiger Respekt,

Ausschalten von Handys etc. können in diesen Regeln geklärt werden.

Einer der wichtigsten Erfolgsfaktoren ist die gute Vorbereitung eines Seminars. Sie obliegt in erster

Linie dem Trainer und bedeutet die inhaltliche und organisatorische Vorbereitung, die Beschäftigung

mit den Vorkenntnissen und Eigenheiten der TeilnehmerInnen, die Auseinandersetzung mit möglichen

Schwierigkeiten sowie die Planung von Evaluierungsmethoden.

Auswahl der Tools

Ein Fragenkatalog mit Kriterien für die Auswahl der Tools ermöglicht dem Trainer / der Trainerin, die

Zusammenstellung von Tools auf ihren Erfolg hin zu überprüfen:

? Passen die Tools zur Gruppe und den Voraussetzungen der einzelnen TeilnehmerInnen? Welchen

kulturellen Hintergrund hat die Gruppe, welches Bildungsniveau und wie viel Seminar- oder Trainingserfahrung

kann vorausgesetzt werden?

? Sind die Tools auf den zu transportierenden Inhalt abgestimmt?

? Sind die notwendigen Bedingungen für den Einsatz der Tools gegeben (Raum, Material, Zeitpunkt)?

? Passen die Tools zum Trainer / zur Trainerin? Ist der Trainer / die Trainerin in der Lage, mit den

Ergebnissen der Tools und den Auswirkungen auf die TeilnehmerInnen umzugehen?

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Demokratieförderung, Dezentralisierung,

Förderung der Zivilgesellschaft

Aufl ockerung, Ermutigung und Motivation der TeilnehmerInnen durch Spiele

Zum Einstieg und gegenseitigen Kennen lernen kann der Einsatz von Spielen, so genannten Ice breakers,

hilfreich sein. Eine zunächst spielerische Auseinandersetzung mit den anderen TeilnehmerInnen

kann anfängliche Zurückhaltung, Schüchternheit oder Skepsis oft erstaunlich schnell abbauen. Für

Aufl ockerung zwischen den einzelnen Einheiten sorgen (besonders bei jugendlichen Teilnehmern) sogenannte

Energizer. Sie fördern die Konzentration und vertreiben Müdigkeit. Bei der Auswahl der

Spiele sollte streng darauf geachtet werden, dass sie nicht zu Unbehaglichkeit bei den TeilnehmerInnen

führen. Bedürfnisse nach physischer Distanz beispielsweise müssen vom Trainer erkannt und berücksichtigt

werden.

Erfolgreiches Lernen durch Struktur

Der Erfolg eines Seminars basiert wesentlich auf einer klaren Struktur, die eine Eröffnungsphase, einen

Mittelteil und einen Abschluss umfassen sollte. Jede der Phasen folgt hierbei einer eigenen Zielsetzung.

Während die Eröffnungsphase in erster Linie dem gegenseitigen Kennen lernen und der Entstehung

einer arbeitsförderlichen Atmosphäre dient, ist der Mittelteil dem eigentlichen Thema des Seminars, der

Vermittlung von Inhalten oder dem Erarbeiten einer Thematik gewidmet. Ein Seminar sollte immer

einen expliziten Abschluss fi nden, in dem Ergebnisse festgehalten werden und das Seminar als Ganzes

evaluiert wird.

Methoden

Nach dieser kurzen Einführung in einige Aspekte einer erfolgreichen Seminargestaltung stellt das

Handbuch, eingeteilt in sechs Kategorien, eine Reihe von Tools für die Seminararbeit vor. Diese Systematisierung

soll jedoch keineswegs von einem fl exiblen Einsatz der Tools je nach Bedarf und Einschätzung

des Trainers / der Trainerin abhalten. Neben einer Beschreibung der Umsetzung der Tools

sowie einer Aufl istung des benötigten Materials und der notwendigen Voraussetzungen werden dem

interessierten Leser Informationen über mögliche Einsatzbereiche sowie über Auswirkungen und Ergebnisse

der Tools gegeben. Beispiele und Bilder illustrieren die Beschreibungen zusätzlich.

Ansätze und Methoden der Kinder- und Jugendförderung in der deutschen EZ

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Demokratieförderung, Dezentralisierung,

Förderung der Zivilgesellschaft

Beispiele für Methoden bzw. Tools

Motivation

Die Methoden/Tools sind gegliedert in die vier Typen „Ice breaker“, „Energizer“, Tools für Problemlösungen

und Kooperation sowie Tools für die Vertrauensbildung in der Gruppe.

River of Life (Lebenslinie) ist ein Beispiel für einen Ice breaker und ein Tool zum gegenseitigen

Kennenlernen. Die TeilnehmerInnen werden gebeten, auf einem Flipchart-Papier den Lauf ihres Lebens

zu zeichnen und eine Auswahl der wichtigsten Stationen und Wendepunkte einzuzeichnen. Die

Ergebnisse können präsentiert oder lediglich im Seminarraum aufgehängt werden.

Detective – Who ist the leader? (Detektiv – Wer ist hier der Boss?) ist ein Energizer, bei dem

einer der TeilnehmerInnen aufgefordert wird, den Raum zu verlassen. Die restliche Gruppe wählt eine

Person zu ihrem Chef, der/die in der Folge Gesten, Klatschen, auf den Tisch klopfen, Schnipsen oder

ähnliches vorgibt, was von der restlichen Gruppe imitiert werden muss. Eine schnelle Reaktion ist erforderlich,

so dass möglichst nicht erkannt werden kann, von wem die Aktionen vorgegeben werden.

Die isolierte Person wird zurück in den Raum geholt und hat die Aufgabe, eben dies herauszufi nden.

Ein Tool in der Kategorie „Problemlösen und Kooperation“ ist der Knot (Knoten). Die TeilnehmerInnen

stellen sich im Kreis auf und reichen sich mit geschlossenen Augen kreuz und quer die Hände. Niemand

darf mit beiden Händen mit nur einer anderen Person verbunden sein. Anschließend haben die

Jugendlichen die Aufgabe, diesen Knoten durch Über- und Untereinandersteigen zu lösen. Dieses Tool

eignet sich am besten für Gruppen von zwölf bis 15 Personen und bringt die TeilnehmerInnen in der

Regel nicht nur physisch, sondern auch emotional einander näher.

Leaning Circles (Balancieren im Kreis) ist ein Tool der Kategorie Vertrauensbildung. Eine gerade

Anzahl von TeilnehmerInnen (zwischen zehn und 20) steht im Kreis und hält sich fest an den Händen

(Doppelgriff). Im Wechsel werden die Jugendlichen in „innen“ und „außen“ eingeteilt. Auf Kommando

lehnen sie sich in die entsprechende Richtung. Nur durch sorgfältiges Balancieren Aller und gute

Zusammenarbeit gelingt es den TeilnehmerInnen gerade stehen.

Kommunikation

Following Descriptions (Beschreibungen folgen) ist ein Tool, das die Kommunikationsfähigkeit

(Sprechen und Zuhören) schult. Benötigt werden einige Blätter Papier, eine einfache Schwarz-Weiß-

Zeichnung und zwei gegenüber angeordnete Stuhlreihen. Spieler 1 setzt sich auf einen der Stühle und

beschreibt seinem Gegenüber ( Spieler 2) die Zeichnung ausschließlich mit Worten. Gesten und Rückfragen

sind nicht erlaubt. Spieler 2 versucht die Zeichnung der Beschreibung folgend nachzuzeichnen.

Anschließend ersetzt Spieler 3 Spieler 1 und lässt sich von Spieler 2 dessen eben vollendete Zeichnung

erklären. So wird jeder Spieler zum Beschreibenden und Zeichnenden. Um das Verfahren zu beschleunigen,

können kleinere Gruppen eingeteilt werden. Am Ende werden die Ergebnisse der Zeichnungen

verglichen.

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Demokratieförderung, Dezentralisierung,

Förderung der Zivilgesellschaft

Visualisierung

Die Opinion-Scale (Meinungsskala) ermöglicht dem Trainer und den TeilnehmerInnen, ihre eigene

sowie die Meinung der anderen zu einem bestimmten Thema zu identifi zieren und kann so ein Einstieg

in eine Diskussion sein. Darüber hinaus üben die TeilnehmerInnen, Entscheidungen zu treffen und

diese zu vertreten. Benötigt wird eine Liste von Aussagen zu einem bestimmten Thema sowie zwei

Schilder mit „Ja“ und „Nein“, die an den gegenüberliegenden Wänden des Raumes angebracht werden.

Sie symbolisieren völlige Übereinstimmung bzw. keine Übereinstimmung. Den TeilnehmerInnen wird

die Strecke zwischen den Schildern als Meinungsskala vorgestellt. Nach Vorlesen einer Aussage wird

ihnen jeweils aufgetragen, sich auf dieser Skala entsprechend ihrer Meinung zu positionieren. Sinnvoll

ist es, Personen mit extremen oder mittigen Positionen nach einer kurzen Begründung ihrer Position zu

fragen. Am Ende kann eine Diskussion zu dem behandelten Themenkomplex geführt werden.

Datenerhebung

Social Resource Mapping (Karte des sozialen Umfelds) ist eine Methode, mit deren Hilfe Informationen

über die sozialen Gegebenheiten einer Umgebung gewonnen werden können. Sie liefert darüber

hinaus Einsichten in die Wahrnehmung und Prioritäten der lokalen Gemeinschaft und ihrer Untergruppen.

Damit kann sie eine hilfreiche Vorbereitung für die Identifi zierung von Problemen einer

Region und die Planung von Projekten sein. Die Mitglieder einer Gemeinschaft werden, eingeteilt nach

Alter, Geschlecht, sozialer Stellung etc., gebeten eine Karte ihres sozialen Umfeldes zu zeichnen. Mittelpunkt

der Karte bildet der aktuelle Standort oder ein vorgegebener Standort. Der Gruppe können

Stichworte wie Schule, Freizeitmöglichkeiten, Wasserquellen etc. vorgegeben werden, darüber hinaus

sollte allerdings Einfl uss von außen vermieden werden, um die Wahrnehmung der Gruppenmitglieder

nicht zu verfälschen. Für die Erstellung der Zeichnung sollte ausreichend Zeit eingeplant werden. Im

Anschluss werden die Ergebnisse verglichen und etwaige Unterschiede diskutiert.

Ideenfi ndung

Headstand (Kopfstand) ist eine Erweiterung des bekannten Tools Mind mapping. Eine Aussage bzw.

ein Problem wird für alle sichtbar in Form einer Frage auf der Tafel festgehalten. Anschließend werden

die TeilnehmerInnen gebeten, das exakte Gegenteil davon ebenfalls in Form einer Frage zu formulieren.

Diese Frage wird zum Ausgangspunkt eines herkömmlichen Mind mappings. Der Headstand

erweist sich äußerst hilfreich bei der Planung von Projekten. So könnte die Fragen beispielsweise lauten:

Was müssen wir tun, damit unser Projekt garantiert schief geht? Anschließend werden alle Aussagen

von den TeilnehmerInnen wiederum in ihr Gegenteil verkehrt. Diese Art von Mind mapping liefert

eine Vielzahl hilfreicher Antworten und Ideen für ein Projekt.

Ansätze und Methoden der Kinder- und Jugendförderung in der deutschen EZ

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Demokratieförderung, Dezentralisierung,

Förderung der Zivilgesellschaft

Entscheidungsfi ndung

Pro and Contra ist ein einfaches Tool, um möglichst viele Argumente für eine begründete

Entscheidungsfi ndung zu sammeln. Es fördert die Fähigkeit der TeilnehmerInnen, sich in den Standpunkt

anderer hineinzuversetzen und ein Problem aus vielerlei Perspektiven zu betrachten. Das Thema

wird in Form einer Frage für alle sichtbar notiert. Durch Losverfahren oder Auszählen werden die

TeilnehmerInnen anschließend in eine Pro- und eine Contra-Partei geteilt und erhalten Gelegenheit,

Argumente für den ihnen zugeteilten Standpunkt zu fi nden. In einer moderierten Debatte, bei der die

Parteien abwechselnd ihre Standpunkte darlegen, werden die Argumente ausgetauscht. Nach Abschluss

der Debatte sollten die Teilnehmer offi ziell aus ihren Rollen entlassen werden.

Bereiche der sozialen Jugendarbeit

Ein abschließendes Kapitel des Methodenhandbuchs stellt verschiedene Bereiche der Jugendsozialarbeit

vor. Es werden jeweils auf partizipativen Prinzipien basierende Zugänge und wichtige Inhalte

vorgeschlagen.

� PARTICIPATORY RURAL APPRAISAL

� Planung, Monitoring und Evaluierung

� Einkommens- und Beschäftigungsförderung

� HIV/AIDS

� Konfliktmanagement

Ein Beispiel.....

Methods Handbook for

Youth Social Work /

Uganda

Das Methods Handbook for Youth Social

Work wurde 2005 im Rahmen des TZ-

Projekts “ Promotion of Children and

Youth” (PCY) in Uganda, in Zusammenarbeit

mit dem ugandischen Ministerium

für Gender, Arbeit und Soziale Entwicklung

und dem Sektorvorhaben „Förderung

von Kindern und Jugendlichen als

Zielgruppe in der EZ“ erstellt. Es ist für

JugendtrainerInnen, GemeindearbeiterInnen

und JugendgruppenleiterInnen

sowie auch für ProjektmanagerInnen in

Regierungsinstitutionen und NROs gedacht.

Das Manual enthält Methoden, die

erfolgreich in vielen afrikanischen Projekten

angewendet wurden, so in Südafrika,

Sambia, Kenia, Ruanda und Uganda. Das

Handbuch bezieht sich auf Erfahrungen

in den Bereichen Projektmanagement,

HIV/AIDS, Reproduktive Gesundheit,

Gender, Friedensfördernde Maßnahmen

und Konfl iktlösungsstrategien. Es

stellt praktische und partizipative Tools

für die Organisation und Durchführung

von Workshops, Trainingseinheiten,

Meetings etc. vor (Motivation, Kommunikation,

Visualisierung, Datenerhebung,

Ideenfi ndung, Entscheidungsfi ndung).

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Demokratieförderung, Dezentralisierung,

Förderung der Zivilgesellschaft

Jugendrat

VertreterInnen der regionalen und lokalen Jugendorganisationen werden dazu eingeladen, einen Jugendrat

zu bilden. Dieser funktioniert als Organ aller Jugendinitiativen und als Beratungsinstanz.

Zielsetzung und Zielgruppe

Zielsetzung ist es, Jugendorganisationen in einem Dachverband zusammenzufassen. Dadurch erhalten

sie die Möglichkeit, gemeinsame Ziele zu entwickeln, ihre Arbeit aufeinander abzustimmen und eine

Lobbyorganisation für die Belange Jugendlicher zu bilden. Über den Jugendrat erhalten alle Organisationen

Zugang zu Informationen (Finanzierungsfonds, Unterstützungsmöglichkeiten, Internationaler

Austausch, statistisches Material, Sponsoren etc.), der Rat fungiert als Instanz zur Lösung von Konfl ikten

und zur Koordinierung von Aus- und Weiterbildungsangeboten für Jugendliche (Ausbildungskurse,

Seminare über Jugendverwaltung, Jugendrecht etc.).

Zielgruppe sind Mitglieder oder KoordinatorInnen (bzw. VertreterInnen) aller Jugendorganisationen

im Land bzw. der Region im Alter von ca. 15 bis 25 Jahren.

Ergebnisse/Wirkungen

Der Jugendrat führt VertreterInnen unterschiedlicher Jugendorganisationen aus dem ganzen Land bzw.

der Region zusammen und fördert den (interkulturellen) Austausch zwischen den Mädchen und Jungen.

Das Gemeinschaftsgefühl, die Motivation und Eigeninitiative der jungen Menschen wird gestärkt,

ihnen wird bewusst, dass sie zusammen einen wichtigen Beitrag zur Verbesserung ihrer Lebenssituation

leisten können.

Durch die Entwicklung gemeinsamer Ziele und Strategien wird die Arbeit der Jugendorganisationen

effektiver und effi zienter. Die Jugendlichen werden in der Öffentlichkeit stärker wahrgenommen und

als ernst zu nehmende Verhandlungspartner respektiert. So kann der Jugendrat als Vertretungsinstanz

aller Jugendorganisationen die Belange von Mädchen und Jungen in Jugendpolitiken sowie Entwicklungs-

und Armutsbekämpfungsstrategien einbringen.

Methode

Organisation eines Jugendrats

Der Jugendrat sollte an einem Ort angesiedelt werden, an dem er Einfl uss auf politische und gesellschaftliche

Entscheidungsprozesse nehmen kann. Eine direkte Anbindung an ein Ministerium oder

eine Regierungsbehörde sollte jedoch vermieden werden. Der Jugendrat sollte von unabhängigen Institutionen

wie kirchlichen Organisationen, Stiftungen, NROs etc. eingerichtet und von Fachkräften

Ansätze und Methoden der Kinder- und Jugendförderung in der deutschen EZ

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Demokratieförderung, Dezentralisierung,

Förderung der Zivilgesellschaft

(SozialarbeiterInnen, PädagogInnen, HochschulvertreterInnen) unterstützt werden. Er sollte diesen

Institutionen regelmäßig Bericht erstatten. Erwachsenen sollten allerdings nur eine beratende Funktion

einnehmen, die Jugendlichen selbst sind die Hauptakteure und Entscheidungsträger.

Gründungsversammlung

Alle teilnehmenden Organisationen erhalten auf einem Gründungskongress einen Überblick über die

Ziele und Aufgaben eines Jugendrats. Aus dem Kreis der Organisationen werden die Mitglieder gewählt.

Es sollte darauf geachtet werden, dass sich alle Jugendlichen vertreten fühlen und einen Delegierten

bzw. eine Delegierte entsenden können (regionale Verteilung, Geschlechterverteilung, kulturelle

und ethnische Verteilung, soziale Verteilung etc.). Der Rat selbst sollte aus ca. zehn bis 15 Mitgliedern

bestehen. Die Mitglieder des Jugendrats werden für zwei Jahre gewählt und dürfen nicht wieder gewählt

werden. Wenn möglich, sollte eine Aufwandsentschädigung gezahlt werden.

Jährlicher Kongress des Jugendrats

Die Generalversammlung trifft sich einmal jährlich. Hier wird die Jahresbilanz vorgestellt, Bericht erstattet,

alle beteiligten Organisationen legen ihre Beiträge zur Jugendpolitik vor und es werden die

neuen Mitglieder des Jugendrats gewählt. Der Jugendrat soll ein Forum sein, in dem alle Mitglieder

berücksichtigt werden und eine aktive Beteiligung Aller erwünscht ist.

Aktivitäten / Inhalte

Wenn möglich sollte eine Bibliothek und/oder Datenbank für Jugendthemen eingerichtet werden.

Dort sollten alle Informationen über die im Land bzw. in der Region vertretenen Jugendorganisationen

zusammengeführt werden. Ebenso Informationen über fi nanzielle Ressourcen und Unterstützungsfonds.

Je nach Ausstattung sollte der Jugendrat verschiedene Dienste anbieten:

� Beratung für die Jugendorganisationen

� Sammlung und Weitergabe von Informationen, Analyse der Situation Jugendlicher

� Konfliktmanagement und Rechtsberatung

� Ausbildungskurse

Es sollte vermieden werden, dass der Jugendrat von Parteien oder Regierungsinstanzen beeinfl usst

wird. Eine fi nanzielle Unterstützung sollte durch unabhängige Organisationen erfolgen.

Ansätze und Methoden der Kinder- und Jugendförderung in der deutschen EZ


Demokratieförderung, Dezentralisierung,

Förderung der Zivilgesellschaft

Ein Beispiel.....

Junta Joven – Proyecto

Tesäirä / Paraguay

Im Rahmen des TZ-Projekts Tesäirä

schlossen sich ca. 100 VertreterInnen

von Jugendorganisationen, Erziehungseinrichtungen

und sozialen Organisationen

zusammen und gründeten einen

Jugendrat, der aus 20 Abgeordneten be-

steht. Über den Jugendrat konnten die

Jugendlichen an thematischen Ausbildungskursen

teilnehmen (wie z.B. einem

Kurs über Rundfunktechniken), waren

an der Organisation des „Integrierten Jugendplans“

(Plan Integral de la Juventud)

beteiligt, organisierten ein Jugendfest

und ein überregionales Jugendtreffen.

Ansätze und Methoden der Kinder- und Jugendförderung in der deutschen EZ

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Demokratieförderung, Dezentralisierung,

Förderung der Zivilgesellschaft

Partizipative Situationssanalyse

Mädchen und Jungen werden angeregt, sich mit ihrer Situation, ihrer Lebensumwelt sowie ihren

persönlichen Einstellungen und Werten konstruktiv auseinander zu setzen. Die Jugendlichen selbst

sind dabei die Hauptakteure, als Befragte und als InterviewerInnen. Die Ergebnisse werden in

Workshops diskutiert und können für die Planung und Umsetzung konkreter Maßnahmen der Jugendförderung

sowie als Grundlage für Jugendpolitiken und –programme genutzt werden.

Zielsetzung und Zielgruppe

Mit Hilfe der partizipativen Untersuchung sollen Jugendliche für bestimmte Themen sensibilisiert werden.

Es geht darum, die Bedeutungen von Begriffen wie Jugend, Identität, Familie, Kommunikation,

Teilnahme usw. zu hinterfragen und zu analysieren. Ziel der Methode ist es weiterhin, die Jugendlichen

zum Nachdenken über die gemeinsame soziale und kulturelle Wirklichkeit anzuregen und diese Mechanismen

bzw. Erfahrungen in das alltägliche Leben zu integrieren. Zielgruppe sind Jugendliche ab

ca. 14 Jahre.

Ergebnisse/Wirkungen

Durch die Initiierung von Refl exionsprozessen bei den Jugendlichen werden subjektive Einstellungen

und Werte kritisch beleuchtet und die Entwicklung einer eigenen Meinung und Persönlichkeit gestärkt.

Die Mädchen und Jungen setzen sich mit ihrer Umwelt und sich selbst auseinander, gewinnen Einblick

in ihre Stärken und Schwächen und erkennen Möglichkeiten, Einfl uss auf politische und gesellschaftliche

Entscheidungsprozesse zu nehmen. Dadurch wird das Selbstbewusstsein und die Selbsthilfekapazität

der jungen Menschen gestärkt. Darüber hinaus kommt es zum Austausch von Meinungen,

Informationen und Interessen zwischen Untersuchten und Untersuchern, da beide (Jugendliche und

„ausgebildete“ Jugendliche, InterviewerInnen und Interviewte) zur gleichen Zielgruppe gehören. Die

partizipative Untersuchung führt auch dazu, dass die Jugendlichen in der Öffentlichkeit stärker und

positiver wahrgenommen und als eigenständige Subjekte anerkannt werden.

Methode

Was, wer, warum…

Zu Beginn fi ndet ein Workshop statt, bei dem eine Gruppe von jugendlichen InterviewerInnen Themen

identifi ziert und bearbeitet. Die Jugendlichen einigen sich auf die Fragestellungen und auf die zu

Befragenden. Sie entwickeln einen Fragenkatalog und auch die Kriterien, nach denen dieser ausgewertet

werden soll.

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Demokratieförderung, Dezentralisierung,

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Mögliche Themen:

� Sexualität (Verhütung, sexuell übertragbare Krankheiten, Sexuelle Orientierungen usw.)

� Gender

� Soziale Klassen, Einstellungen und Werte

� Identität

� Sichtbarkeit, Wahrnehmungen und Erwartungen (Selbstbild, Fremdbild)

� Freundschaft und Liebe

� Kommunikation und Offenheit in Beziehungen mit Erwachsenen

� Drogen

Methodisch sollte mit offenen Fragen gearbeitet werden, die sich jeweils auf einen Begriff konzentrieren.

Zum Beispiel: Was bedeutet Identität?

Analyse und Ergebnisse

Die Auswertung der Interviews wird von den Jugendlichen selbst anhand der vorher vereinbarten

Auswertungskriterien durchgeführt. Die gesammelten Informationen bilden die Grundlage für die gemeinsame

Diskussion von InterviewerInnen und Interviewten. In Workshops wird mit Unterstützung

von ModeratorInnen überlegt, wie die Ergebnisse praktisch nutzbar gemacht werden können. Zum

Abschluss des Prozesses wird eine Publikation (Print oder Webseite) veröffentlicht. Die Ergebnisse

können als Ausbildungsmaterial weiter verwendet werden.

Ein Beispiel.....

Investigación participativa

– Tesäirä / Paraguay

Im Rahmen des TZ-Vorhabens Tesäirä

in Paraguay wurde eine partizipative Untersuchung

von und mit Jugendlichen

zu den Themen Identität, Familienbeziehungen,

Sexualität, Freizeitverhalten

und Kommunikation durchgeführt. Es

wurden 400 Interviews in fünf Städten

und sechs Gemeinden im Bezirk San Pedro

gemacht. Die Ergebnisse gingen als

Grundlagenmaterial in die Planung der

regionalen Jugendpolitik ein und wurden

in zahlreichen Workshops mit Eltern

und Jugendlichen diskutiert.

Ansätze und Methoden der Kinder- und Jugendförderung in der deutschen EZ

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Demokratieförderung, Dezentralisierung,

Förderung der Zivilgesellschaft

Debattierclubs

Debattierklubs bieten Jugendlichen eine Partizipationsmöglichkeit und Plattform zur Formulierung

und Äußerung ihrer Belange. Je nach Bedarf können sie mit unterschiedlichem Aufwand und

unterschiedlicher Reichweite durchgeführt werden.

Zielsetzung und Zielgruppe

Debattierklubs sollen junge Menschen in ihrer Rolle als gesellschaftliche Akteure auf politischer Ebene

und in der Öffentlichkeit stärken. Jugendliche sollen befähigt werden, sich mit politischen und gesellschaftlichen

Themen auseinander zu setzen und eine eigene Position zu entwickeln und zu kommunizieren.

Zielgruppen sind Mädchen und Jungen zwischen 18 und 24 Jahren. Die JugendvertreterInnen

werden aus verschiedenen Jugendorganisationen (kirchliches Milieu, Stadtteilgruppen, von Jugendlichen

geführte Nichtregierungsorganisationen) ausgewählt, um eine gewisse Repräsentativität für die

Jugend des Landes zu gewährleisten.

Ergebnisse/Wirkungen

Debattierklubs stärken Jugendliche in ihrer Fähigkeit zur Führung eines politischen Dialogs mit Entscheidungsträgern.

Sie fördern die Ausdrucks- und Argumentationsfähigkeit sowie das Selbstvertrauen,

die Eigeninitiative und Selbstorganisation von Jugendlichen und befähigen sie somit, Einfl uss auf

gesellschaftliche und politische Entwicklungen zu nehmen. Durch das Erlernen demokratischer Lösungsfi

ndungsstrategien wird zudem Konfl iktpotenzialen und Gewaltbereitschaft entgegengewirkt.

Die Partizipation der Jugendlichen am politischen Dialog trägt zu einer verbesserten Abstimmung

von Maßnahmen auf die Bedürfnisse und Interessen der Jugendlichen bei. Darüber hinaus tragen

Debattierklubs zur Vernetzung der beteiligten Jugendorganisationen bei und stärken deren Position als

ernstzunehmende Akteure der Zivilgesellschaft.

Durch zusätzliche Medienarbeit werden die in den Debattierclubs diskutierten Anliegen der Jugendlichen

in die Öffentlichkeit getragen.

Durchführung eines Debattierclubs

Debattierclubs können zu verschiedenen Themen durchgeführt werden. Folgende Phasen fassen die

wichtigsten Schritte zur Gründung und Durchführung von Debattierclubs zusammen:

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Erste Phase

� Analyse staatlicher Politiken und Programme der Jugendförderung bzw. der nationalen Entwicklungs-

und Armutsbekämpfungsstrategien im Hinblick auf die Berücksichtigung der Belange junger

Menschen (Studie). Identifizierung von relevanten Entscheidungsträgern zur späteren Kontaktaufnahme.

� Identifizierung der JugendvertreterInnen mit Augenmerk auf deren Analyse- und Dialogfähigkeiten.

Aus Gründen der Repräsentativität sollte sich die Auswahl an vorhandenen Strukturen und

Organisationen der Jugendlichen orientieren.

� Durchführung von Workshops für die JugendvertreterInnen zur Einführung in das Projekt sowie

zur Erarbeitung der Grundprinzipien der Zusammenarbeit.

� Durchführung von Workshops mit den JugendvertreterInnen zur Bewertung der Analyse von

Politiken und Programmen aus Sicht der Jugendlichen, Vergleich mit internationalen Standards,

Identifizierung von Verbesserungspotenzialen.

Zweite Phase

� Vermittlung der in der ersten Phase gewonnenen Informationen und Erkenntnisse in den Jugendorganisationen.

Die JugendvertreterInnen, die in der ersten Phase beteiligt waren, fungieren

hierbei als MultiplikatorInnen.

� Trainingsseminare für die Jugendlichen in den Bereichen Kommunikations- und Argumentationsmethoden,

Debattenführung sowie friedliche Konfliktlösung.

� Erarbeitung einer gemeinsamen Position hinsichtlich der Bewertung nationaler Politiken und Strategien.

� Auswahl der Mädchen und Jungen, die die Interessen der Jugendlichen in politischen Debatten

öffentlich vertreten sollen.

Dritte Phase

� Durchführung von Seminaren mit den ausgewählten Jugendlichen zur Vertiefung der Kompetenzen

zur Debattenführung sowie zum Lobbying.

� Formulierung von gemeinsamen Empfehlungen zur Verankerung der Belange Jugendlicher in

Politiken und Strategien.

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Förderung der Zivilgesellschaft

Vierte Phase

� Analyse und Vermittlung der rechtlichen Grundlagen, aus denen sich der Rechtsanspruch der Jugendlichen

auf Partizipation ableiten lässt (Verfassung, Menschenrechte, internationale Standards

etc.).

� Vernetzung mit anderen Organisationen, mit dem Ziel des Erfahrungsaustauschs und der Bestärkung

der Jugendlichen in ihrer Arbeit.

Fünfte Phase

� Durchführung von öffentlichen Debatten.

� Durchführung von öffentlichkeitswirksamen Aktionen und Pressearbeit.

� Dokumentation der Ergebnisse der Debatten sowie Erarbeitung von Schritten zu deren Umsetzung

und Benennung von Verantwortlichen.

Ein Beispiel.....

Jugend-Debatten –

Kamerun

Unterstützt durch das TZ-Programm

„Förderung der Dezentralisierung und

lokalen Entwicklung“ und das Sektorvorhaben

„Förderung von Kindern und

Jugendlichen als Zielgruppe in der EZ“

führte die lokale NRO „Service Oecuménique

pour la Paix – SeP“ in Kamerun

im Zeitraum von April 2004 bis

Dezember 2005 Debatten mit Jugendlichen

aus dem städtischen und ländlichen

Raum durch. In diesen Debatten setzten

sich Jugendliche mit der Strategie zur

Armutsminderung Kameruns auseinander

und diskutierten ihre Vorschläge mit

politischen und gesellschaftlichen Entscheidungsträgern.

Die Jugendlichen erhielten

Fortbildungen in den Bereichen

Kommunikationsmethoden, Debattenführung,

gewaltfreie Konfl iktlösung sowie

Lobbying.

Ansätze und Methoden der Kinder- und Jugendförderung in der deutschen EZ


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Förderung der Zivilgesellschaft

Jugendorganisationen/Jugendclubs

Jugendorganisationen bzw. Jugendclubs bieten Jugendlichen den „Raum“, gemeinsam über für

sie relevante Themen zu diskutieren und eigenständig Angebote für junge Menschen zu planen

und umzusetzen. Im Rahmen ihrer eigenen Organisationsstrukturen können sich Mädchen und

Jungen an der Entwicklung und Umsetzung nationaler oder kommunaler Entwicklungsstrategien

und –programme beteiligen.

Zielsetzung und Zielgruppe

Ziel der Förderung von Jugendorganisationen/Jugendclubs ist die Stärkung der Partizipation von Mädchen

und Jungen an politischen und gesellschaftlichen Entwicklungsprozessen. Zielgruppe sind Mädchen

und Jungen zwischen zwölf und 24 Jahren.

Ergebnisse/Wirkungen

Die Zusammenarbeit junger Menschen in Jugendorganisationen/Jugendclubs trägt zu deren politischer

und gesellschaftlicher Sozialisation bei. Mädchen und Jungen setzen sich konstruktiv mit politischen

und gesellschaftlichen Fragestellungen auseinander und vermitteln ihre Ansichten und Interessen in

der Öffentlichkeit. Dadurch rücken die Belange der Jugendlichen stärker ins Blickfeld der Gesellschaft,

Mädchen und Jungen werden als ernstzunehmende GesprächspartnerInnen wahrgenommen.

Durch die Zusammenarbeit in den Jugendorganisationen/-clubs sowie Veranstaltungen in der Öffentlichkeit

erwerben die Jugendlichen Fähigkeiten u.a. in den Bereichen Kommunikation, Diskussionsführung,

friedliche Konfl iktlösung und Konsensbildung.

Die Einrichtung von Theater- oder Musikgruppen ermöglicht den Jugendlichen das Ausprobieren ihrer

Kreativität und die visuelle oder akustische Darstellung ihrer Probleme und Bedürfnisse. Darüber hinaus

tragen die kulturellen Aktivitäten auch zur Förderung des positiven Bildes von jungen Menschen

in der Öffentlichkeit bei.

Zusammenarbeit der Entwicklungszusammenarbeit mit

Jugendorganisationen

Durch die Zusammenarbeit mit organisierten und motivierten Mädchen und Jungen können Vorhaben

der Entwicklungszusammenarbeit die Bedürfnisse, Ideen und Kreativität junger Menschen in ihre Arbeit

einbinden. Dies führt zur Erhöhung der Akzeptanz von Entwicklungsmaßnahmen bei der jungen

Generation und somit zur Steigerung der langfristigen Wirksamkeit von Entwicklungsvorhaben. Bei

der Zusammenarbeit mit Jugendorganisationen ist es wichtig, diese als gleichberechtigte Partner ernst

Ansätze und Methoden der Kinder- und Jugendförderung in der deutschen EZ

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Demokratieförderung, Dezentralisierung,

Förderung der Zivilgesellschaft

zu nehmen. Jugendliche merken schnell, wenn sie instrumentalisiert oder nicht ernst genommen werden.

Gemeinsame Ziele mit Nutzen und Grenzen sowie die Organisation der Zusammenarbeit sollten

von Anfang an geklärt werden.

Förderung von Jugendorganisationen bzw. Jugendclubs

Jugendorganisationen bzw. –clubs werden in der Regel durch junge Menschen mit gemeinsamen Interessen

initiiert. Erwachsene können die Anregung zur Bildung einer Jugendorganisation geben, wenn sie

sehen, dass es motivierte Jugendliche in ihrer Umgebung gibt. Die Entscheidung sowie die Planung und

Durchführung aller Aktivitäten liegt bei den jungen Menschen selbst. MitarbeiterInnen aus Vorhaben

der Entwicklungszusammenarbeit können den Aufbau von Jugendorganisationen begleiten und mit

diesen zusammenarbeiten, wenn die Jugendlichen dies wollen.

Beim Aufbau einer eigenen Jugendorganisation bzw. –clubs sind für die Jugendlichen folgende Schritte

wichtig:

� Herausarbeiten und Dokumentation der gemeinsamen Interessen und Ziele sowie der Arbeitsschwerpunkte

der Organisation

� Identifizierung eines Raums für die Treffen der Jugendorganisation/des Jugendclubs (es bietet

sich an, einen Raum in einer bereits bestehenden Einrichtung zu suchen, z.B. Gesundheitszentrum,

Begegnungsstätte etc.)

� Organisation der Zusammenarbeit und Planung von Aktivitäten

� Erprobung der Zusammenarbeit, Planung und Umsetzung erster Aktivitäten und Angebote

� Besprechung der Zusammenarbeit, positiver und negativer Erfahrungen. Evtl. Überdenken von

Arbeitsschwerpunkten und Themen, Treffen von Vereinbarungen

Bei der Organisation sind folgende Fragen zu beachten:

? Wann und wie häufig sollen die Sitzungen stattfinden?

? Welche Themen bzw. Aktivitäten sollen in einem bestimmten Zeitraum bearbeitet oder durchgeführt

werden?

? Wer übernimmt welche Verantwortlichkeiten (Leitung, Verantwortung für bestimmte Themen/

Aktivitäten)? Was beinhaltet die Übernahme von Verantwortung?

? Welche Regeln gelten für die Zusammenarbeit und wie werden Entscheidungen getroffen?

Ansätze und Methoden der Kinder- und Jugendförderung in der deutschen EZ


Demokratieförderung, Dezentralisierung,

Förderung der Zivilgesellschaft

Ist die Jugendorganisation bzw. der Jugendclub etabliert, können weitere Überlegungen angestellt werden:

? Können/sollen Kooperationen mit anderen zivilgesellschaftlichen oder staatlichen bzw. mit privaten

Akteuren angestrebt werden? Mit welchen Akteuren könnte in welchen Bereichen zusammen

gearbeitet werden (z.B. NROs, Kommunalverwaltungen, Medien, Theater, Orchester, Sportverein)?

? Wie können neue Mitglieder angeworben werden? Dies ist wichtig, da die Fluktuation in den Jugendorganisationen

häufig sehr hoch ist. Zur Anwerbung neuer Mitglieder bieten sich an (Flyer,

Plakate, Zeitungsanzeigen, Fernsehspots etc.). Auch die Durchführung von öffentlichkeitswirksamen

Aktivitäten wie z.B. Theateraufführungen, Umweltaktionen, Informationsveranstaltungen,

ist Werbung für die Organisation.

? Soll die Arbeit der Jugendorganisation bzw. des Jugendclubs dokumentiert werden? Wenn ja,

wie?

? Wie erhalten die Mitglieder der Jugendorganisation Informationen über aktuelle Themen und relevante

Veranstaltungen? Hier kann die Vernetzung mit anderen Jugendorganisationen, insbesondere

übergeordneten Strukturen (nationale Jugendorganisation, Jugendring), sehr hilfreich sein.

Dadurch gibt es für die eigene Organisation immer wieder neue Inputs und Möglichkeiten, sich

zu engagieren.

Dem/der LeiterIn der Jugendorganisation kommt eine zentrale Rolle bei der Motivation der Mitglieder

zu. Erfahrungen haben gezeigt, dass die Arbeit von Jugendorganisationen oft zum Erliegen kommt,

wenn über einen längeren Zeitraum keine Leitung existiert. Daher sollten die Verantwortlichkeiten in

der Organisation von Beginn an auf mehrere Schultern verteilt werden. So zeigt sich frühzeitig, welche

Mitglieder die Fähigkeiten zur zukünftigen Leitung der Organisation haben.

Ansätze und Methoden der Kinder- und Jugendförderung in der deutschen EZ

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Demokratieförderung, Dezentralisierung,

Förderung der Zivilgesellschaft

Ein Beispiel.....

Jugendclub „Jugendblick“

– Tomsk (Russische

Föderation)

Der Jugendclub „Jugendblick“ wurde

auf Initiative einiger Jugendlicher hin

gegründet und 1999 offi ziell registriert.

Der Club konnte im Russisch-Deutschen

Haus in Tomsk, dem Treffpunkt

für Russlanddeutsche in Tomsk und der

Region, eingerichtet werden. Der Club

ist in die Arbeit des Deutsch-Russischen

Hauses integriert und wirbt seine Mitglieder

durch Bekanntmachungen und

Aushänge. Es fi nden auch gemeinsame

Treffen und Veranstaltungen mit Russen

und Angehörigen anderer Nationalitäten

(z.B. Kasachen, Tataren) statt.

Ziele des Jugendclubs sind: die Unterstützung

junger Russlanddeutscher; die

Vermittlung der deutschen Sprache und

deutscher Kultur; die Schaffung eines

„Freiraums“, in dem junge Menschen

über für sie wichtige Themen diskutieren

und eigene Ideen entwickeln und umsetzen

können. Neben den wöchentlichen

Treffen und Veranstaltungen zu speziellen

Themen (z.B. Gesunde Lebensführung)

gehören zum Club eine Theatergruppe,

ein sehr erfolgreicher Chor und

eine Tanzgruppe. Der Jugendclub ist

Mitglied im „Jugendring der Russlanddeutschen“,

einem nationalen Netzwerk

von Jugendorganisationen. Mitglieder

des Clubs nehmen an Veranstaltungen

des Jugendrings teil (z.B. Jugendcamps,

Jugendaustausche). Der Jugendring der

Russlanddeutschen arbeitet mit dem

Bildungs- und Informationszentrum

(BIZ) in Moskau zusammen, dass durch

das Programm des Deutschen Innenministeriums

zur Förderung der deutschen

Minderheit in Nordwest-Russland

unterstützt wird. Dadurch können

VertreterInnen des Jugendclubs auch an

Maßnahmen des BIZ teilnehmen, z.B.

zur Berufsinformation oder zu Methoden

der Jugendarbeit.

Der Jugendclub „Jugendblick“ arbeitet

erfolgreich mit anderen gesellschaftlichen

und staatlichen Akteuren zusammen. So

gibt es z.B. eine Kooperation mit einem

bekannten Café bei der Durchführung

von Veranstaltungen und eine Zusammenarbeit

zwischen dem Orchester von

Tomsk und dem Chor des Jugendclubs.

Außerdem gibt es eine Kooperation mit

der Stadtverwaltung von Tomsk, die Projekte

des Clubs fi nanziell unterstützt.

Ansätze und Methoden der Kinder- und Jugendförderung in der deutschen EZ


Demokratieförderung, Dezentralisierung,

Förderung der Zivilgesellschaft

Multiplikatorenschulungen

Soll innerhalb einer Region oder eines Landes die Vernetzung und Zusammenarbeit zwischen Jugendorganisationen

gestärkt und gleichzeitig deren inhaltliche und organisatorische Arbeit professionalisiert

werden, bieten sich regelmäßige (jährliche/halbjährliche) Seminare für ausgewählte

MultiplikatorInnen aus den Jugendorganisationen an. Die Jugendlichen bestimmen selbst die Themen

der Schulungen und erarbeiten eigenständig gemeinsame Ziele und Aktivitäten.

Zielsetzung und Zielgruppe

Die Schulungen von MultiplikatorInnen fördern die Vernetzung und Professionalisierung von Jugendorganisationen.

Ziel ist die Stärkung (Empowerment) der Organisationen bei der Formulierung und

Durchsetzung der Interessen und Bedürfnisse junger Menschen sowie bei der Umsetzung konkreter

Angebote für Jugendliche. Die TeilnehmerInnen sind in der Regel zwischen 14 und 24 Jahren alt. Je

nach Defi nition des Jugendbegriffs in einem Land können auch ältere „Jugendliche“ teilnehmen.

Ergebnisse/Wirkungen

Durch das Kennenlernen anderer Jugendorganisationen und den Erfahrungsaustausch fi ndet bei den

Jugendlichen eine Stärkung des Gemeinschaftsgefühls, des Selbstbewusstseins und der Motivation zum

Engagement im Bereich der Jugendpartizipation und Jugendarbeit statt. Die Erarbeitung gemeinsamer

Ziele sowie die Planung und Durchführung gemeinsamer Aktivitäten steigert die Effektivität und die

Sichtbarkeit der Arbeit der Jugendorganisationen. Dieser Effekt wird durch die Fortbildung der Jugendlichen

sowohl in inhaltlichen und organisatorischen Bereichen der Jugendarbeit, als auch in Fragen

der Öffentlichkeitsarbeit zusätzlich verstärkt. Jugendliche und ihre Interessen und Bedürfnisse werden

durch die Öffentlichkeit und durch politische und gesellschaftliche Entscheidungsträger stärker wahrgenommen.

Durchführung von Multiplikatorenschulungen

Schritte bei der Planung und Umsetzung der Schulungen:

� Erarbeitung eines Konzepts: Wie, wo, mit wem und mit welchen finanziellen Mitteln sollen die

Schulungen durchgeführt werden?

� Kommunikation des Konzepts an die Partner in den Jugendorganisationen bzw. Jugendclubs,

Diskussion des Konzepts.

Ansätze und Methoden der Kinder- und Jugendförderung in der deutschen EZ

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54

Demokratieförderung, Dezentralisierung,

Förderung der Zivilgesellschaft

� Bildung eines kleinen Teams von Hauptverantwortlichen für die regelmäßige Planung und Durchführung

der Schulungen.

� Vereinbarungen mit den Partnern in den Jugendorganisationen.

Fragen:

? Nach welchen Kriterien werden die MultiplikatorInnen ausgewählt, die an den Schulungen teilnehmen?

? Wie werden die Themen für die Schulungen identifiziert und ausgewählt?

? Welchen organisatorischen und inhaltlichen Beitrag leisten die Jugendorganisationen bei der Planung

und Durchführung der Schulungen?

? Wie werden die Schulungen und die Teilnahme der MultiplikatorInnen finanziert?

? Wie werden die während der Schulungen gewonnenen Erfahrungen und Kenntnisse von den

MultiplikatorInnen verbreitet?

? Wie wird die Umsetzung der während der Schulungen vereinbarten Ziele und Aktivitäten nachgehalten

und dokumentiert?

? Wie kann der Austausch der Jugendorganisationen zwischen den Schulungsterminen aufrechterhalten

werden (z.B. Internet, gemeinsame Aktivitäten/Projekte, Adressenliste, Rundbriefe)?

Zu beachten:

! Programmgestaltung, Koordinierung der inhaltlichen Beiträge und Organisation durch die Hauptverantwortlichen.

! Monitoring der Vereinbarungen aus der vorangegangenen Schulung zu Beginn jeder Einheit.

! Übungen zur Teambildung bei den Jugendlichen (z.B. Rollenspiele). Auch gemeinsame Aufgaben

wie die Zusammenstellung von Materialsammlungen o.ä. fördern das Teamverständnis.

! Evaluation des inhaltlichen und organisatorischen Ablaufs der Schulung nach Abschluss jeder

Schulungseinheit.

Themen

Bei den Schulungen sollte es sowohl um inhaltliche Fortbildung als auch um Fragen der Organisation

sowie Techniken der Kommunikation, Präsentation und Öffentlichkeitsarbeit gehen.

Die inhaltlichen Themen orientieren sich an der konkreten Situation und den Bedürfnissen der Jugendlichen

(z.B. Jugendpolitik / Prävention von HIV/Aids oder Drogenmissbrauch / Kinder- und

Jugendrechte / kulturelle Jugendarbeit / Berufsinformation).

Ansätze und Methoden der Kinder- und Jugendförderung in der deutschen EZ


Demokratieförderung, Dezentralisierung,

Förderung der Zivilgesellschaft

Ein Beispiel.....

Multiplikatorenschulung

– Russische Föderation

Das Programm des Bundesministeriums

des Inneren (BMI) „Fördermaßnahmen

zugunsten der deutschen Minderheit

in Nordwest-Russland“ arbeitet

in 21 Regionen der Gemeinschaft

Unabhängiger Staaten (GUS) und dem

Baltikum. In jeder Region gibt es einen

Koordinator / eine KoordinatorIn

für Maßnahmen der Kinder- und

Jugendarbeit. 1992 wurde im Rahmen

der BMI-Förderung ein Bildungs- und

Informationszentrum (BIZ) in Moskau

gegründet, da es bei den regionalen NROs

nur wenige fundierte Kenntnisse im

Bereich der Kinder- und Jugendförderung

gab. Über das BIZ hinaus gab es

jedoch keine Netzwerkstrukturen der

Jugendarbeit in den Regionen. Daher

erarbeitete das BIZ 2003 ein Konzept

zur Stärkung der Zusammenarbeit

und Professionalisierung von

Jugendorganisationen in den Regionen.

2004 fand in diesem Kontext die erste

MultiplikatorInnenschulung statt.

Die MultiplikatorInnen werden von den

KoordinatorInnen in den Regionen nach

bestimmten Kriterien für die Teilnahme

an den Schulungen ausgewählt (fachlicher

Hintergrund, Engagement, Mobilität,

Fähigkeit zur Weitervermittlung der

erlernten Inhalte, Kenntnisse im Umgang

mit dem Internet etc.).

Vor jeder Schulung wird eine Abfrage

nach relevanten Themen bei den

MultiplikatorInnen durchgeführt. Das

BIZ erstellt aus den ermittelten Themenvorschlägen

das Programm für die

Schulungen. Das Programm beinhaltet

eine ausgewogene Mischung aus fachlichem

Input (z.B. rechtliche Grundlagen

der Jugendarbeit, aktuelle staatliche Jugendpolitik),

Vermittlung von Methodenkompetenz

(Trainingsmethoden zur

Vermittlung des Erlernten in den Regionen)

und Techniken zur Präsentation der

Arbeit von Jugendclubs in der Öffentlichkeit

(Durchführung von PR-Kampagnen

etc.).

Im Anschluss an die Schulungen erhalten

die TeilnehmerInnen ein Zertifi kat durch

den Nationalrat der Kinder- und Jugendbewegungen.

In der Zeit zwischen den

Seminaren können die Jugendclubs sich

über eine moderierte Internetplattform

zu speziellen Themen austauschen.

Ansätze und Methoden der Kinder- und Jugendförderung in der deutschen EZ

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56

Demokratieförderung, Dezentralisierung,

Förderung der Zivilgesellschaft

Organisationsentwicklung

Im Rahmen der Entwicklungszusammenarbeit ist die Stärkung organisatorischer und personeller

Kapazitäten lokaler Partnerinstitutionen eine zentrale Aufgabe. Organisationsentwicklung (OE) ist

daher ein wichtiges Instrument zur Stärkung von Jugendorganisation und Jugendnetzwerken. Sie

trägt bei zur Schärfung des Profi ls der Jugendorganisationen, zur Fortbildung ihrer MitarbeiterInnen,

zur effektiven Kooperation und Vernetzung der Organisationen sowie insbesondere zu einer systematischen

Partizipation Jugendlicher.

Zielsetzung und Zielgruppe

Zielsetzung von OE in Jugendorganisationen und Jugendnetzwerken ist es, ihre Effektivität und Effi zienz

bei der Erbringung von Dienstleistungen für junge Menschen langfristig zu verbessern. Zielgruppen

sind primär Leitungskräfte und MitarbeiterInnen von Jugendorganisationen unter aktiver Einbeziehung

von Nutzern der angebotenen Dienstleistungen, Partnern, Gebern und öffentlichen Medien.

Ergebnisse/Wirkungen

Die Organisationsentwicklung fördert die Selbsterneuerungskräfte der Jugendorganisationen in ihren

sozialen Systemen. OE setzt bei der Wahrnehmung der einzelnen MitarbeiterInnen von Jugendorganisationen

an. Ihre Kompetenzen und Potenziale sowie ihre Wünsche, Probleme und Bedürfnisse

werden analysiert. Dabei werden auch unrefl ektierte Einstellungen, die auf Traditionen beruhen, und

Tabus thematisiert. Auf diese Weise fördert OE das Selbstbewusstsein, die Motivation und Eigeninitiative

der einzelnen MitarbeiterInnen sowie Transparenz, Querdenken und Problemlösungsfähigkeiten

innerhalb der gesamten Organisation. Die MitarbeiterInnen der Jugendorganisationen werden dabei

unterstützt, gemeinsame Visionen, Ziele und Programme zu entwickeln und umzusetzen. Die Handlungskompetenzen

jedes Einzelnen und der gesamten Organisation werden gestärkt, das Auftreten und

die Wahrnehmung innerhalb der Gesellschaft verbessert.

Inhalte und Methoden der Organisationsentwicklung

Als Kernelement von Capacity Building wird Organisationsentwicklung als systematische Veränderung

von Philosophie, Strukturen, Verhalten, Kommunikation und Image unter aktiver Beteiligung der Zielgruppen

und Akteure verstanden. Durch geplante Lernprozesse werden Werte, Normen, Rollen, Verfahrensweisen

und Umgangsformen in Jugendorganisationen und -netzwerken unter Berücksichtigung

ihrer politischen und wirtschaftlichen Umwelt umgestaltet. Diese Veränderungen sind längerfristige,

konfl iktträchtige Maßnahmen, die meist durch externe BeraterInnen begleitet werden sollten.

Ansätze und Methoden der Kinder- und Jugendförderung in der deutschen EZ


Demokratieförderung, Dezentralisierung,

Förderung der Zivilgesellschaft

Zyklisches Lernen

Organisationsentwicklung vollzieht sich in der Planung, Durchführung und Auswertung systematischer

Lernschritte in Anlehnung an Prinzipien der Aktionsforschung und systemischer Theorien:

Diagnose

� Problemerkennung

� Problemanalyse

� Auswirkungsanalyse

Maßnahmenplanung

� Zielklärung

� Design der Problemlösung

� Aktionsplanung

Maßnahmen der Durchführung

� Einführung und Erprobung

� Überprüfung der Zwischenergebnisse (erwünschte und unerwünschte)

� Institutionalisierung der Maßnahmen

Auswertung

� Neue Bestandsaufnahme

� Ergebnis- und Wirkungskontrolle

� Prozesskontrolle

� Follow-up

Ansätze und Methoden der Kinder- und Jugendförderung in der deutschen EZ

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58

Demokratieförderung, Dezentralisierung,

Förderung der Zivilgesellschaft

Instrumente der OE

Die Auswertung von Berichten der Jugendorganisationen, die Befragung der Zielgruppe, Interviews

mit MitarbeiterInnen von Jugendorganisationen, Berichterstattung in öffentlichen Medien sowie externe

Gutachten bilden neben Zukunftswerkstätten, Open Space und Moderationstechniken klassische

Instrumente der Organisationsdiagnose- und Veränderungsplanung.

Dazu werden MitarbeiterInnen aus den Jugendorganisationen ausgewählt, die in der Anwendung der

oben beschriebenen Methoden geschult werden. Durch externe BeraterInnen werden sie gecoacht und

in der Durchführung der Maßnahmen beratend unterstützt. So erhalten sie ein qualifi ziertes Training

„On the Job“.

Wesentliche Prinzipien systemischer Organisationsentwicklung

� Betroffene zu Beteiligten machen;

� Hilfe zur Selbsthilfe;

� Prozess- und ergebnisorientiertes Vorgehen;

� Ganzheitliche Sicht von Mensch, Organisation und Umwelt.

Material

Becker, Horst /Langosch, Ingo (2002): Produktivität und Menschlichkeit. Organisationsentwicklung

und ihre Anwendung in der Praxis. Stuttgart.

Doppler, Klaus / Lauterberg, Christoph (1997): Change Management. Frankfurt.

Reineke, Rolf-Dieter / Sülzer, Rolf (1995): Organisationsberatung in Entwicklungsländern. Wiesbaden.

Ansätze und Methoden der Kinder- und Jugendförderung in der deutschen EZ


Demokratieförderung, Dezentralisierung,

Förderung der Zivilgesellschaft

Ein Beispiel.....

Organisationsentwicklung

zur Förderung politischer,

sozialer und ökonomischer

Partizipation Jugendlicher

– Sambia

Die Organisationsentwicklung nationaler

Jugendorganisationen und ihrer

Netzwerke stand im Mittelpunkt des

TZ-Jugendvorhabens in Sambia, dessen

Elemente in ein neues Programm

zur Stärkung der Zivilgesellschaft integriert

werden. Strategische Planung,

Capacity Building zu Fragen der Corporate

Identity, Trainings in effi zienter

Vorstandsarbeit und Management frei-

williger Arbeit sind zentrale Inhalte der

Organisationsentwicklung der deutschen

TZ für NROs in Sambia. Ein Erfolg des

Jugendprojektes ist die aktive Beteiligung

sambischer Jugendorganisationen an der

Erstellung einer modernen nationalen

Jugendpolitik 2004 sowie die Gründung

von regierungsunabhängigen Netzwerken

von Jugend-NROs für ein gemeinsames

Lobbying und Wissensaustausch.

Die Herausgabe der einzigen nationalen

jugendpolitischen Zeitschrift „Youth

Voice“ durch das Youth Constitutional

Coordinating Committee (YCCC) ist ein

weiteres Ergebnis der Organisationsentwicklung.

Ansätze und Methoden der Kinder- und Jugendförderung in der deutschen EZ

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60

Demokratieförderung, Dezentralisierung,

Förderung der Zivilgesellschaft

Fotografi e als Kommunikationsform

Die Kernidee eines Fotoprojektes ist der Dialog über und mit Fotos: zwischen Kindern und Jugendlichen

untereinander, zwischen den Generationen und Geschlechtern und vor allem zwischen

den Kulturen. Durch die Übergabe der Fotos an die jungen FotografInnen selbst sowie die Nutzbarmachung

für eine breite Öffentlichkeit wird die Voraussetzung für zahlreiche weiterführende

Veranstaltungen und Aktionen geschaffen.

Zielsetzung und Zielgruppe

Die Fotografi e bietet sowohl für Kinder und Jugendliche, als auch für Erwachsene verschiedener Bevölkerungsgruppen

eine neue Möglichkeit, sich auszudrücken und am gesellschaftlichen und kulturellen

Leben ihres Landes zu partizipieren. Die einzelnen Stufen der Realisierung eines Fotoprojekts implizieren

spezifi sche Lern- und Refl exionsprozesse auf kognitiver, sinnlicher und emotionaler Ebene.

Ergebnisse/Wirkungen

Durch den Einsatz von Fotografi e haben Fachkräfte, die mit jungen Menschen arbeiten, oftmals einen

tieferen Einblick und einen direkteren Zugang zur Lebenswelt von benachteiligten oder traumatisierten

Kindern und Jugendlichen. Fotografi e erleichtert außerdem den Zugang zu abstrakten bzw. sensiblen

oder gesellschaftlich tabuisierten Themen (z.B. HIV/Aids, Kinderhandel und Kinderarbeit).

Mit der Fotografi e in ihrer dokumentierenden Eigenschaft können Prozesse und Wirkungen aus Sicht

aller an einem Vorhaben beteiligten Akteure dargestellt und ein Dialog eingeleitet werden. Fotografi e

eignet sich hier vor allem als Methode zum Wirkungsmonitoring durch die Zielgruppe.

Der Dialog zwischen Kindern und Jugendlichen aus verschiedenen Ländern und Regionen sowie

unterschiedlichen kulturellen und religiösen Zusammenhängen wird durch das nonverbale Medium

„Bild“ erleichtert. Bilder helfen, Sprachbarrieren zu überwinden und Einblick in andere Lebenswelten

und Kulturkreise zu vermitteln. Hierdurch wird der Abbau von Vorurteilen sowie Toleranz gefördert

und eine Grundlage für die Prävention von gewaltsamen Konfl ikten gelegt. Soziale Kompetenz, Medienkompetenz

und Selbstbewusstsein werden durch das Fotografi eren und die Bildauswahl in der

Gruppe gestärkt. Ein positives Konfl ikt- und Sozialverhalten wird gefördert, sozialisierende Lernprozesse

werden unterstützt.

Fotografi e ist eine Methode zur Förderung politischer und gesellschaftlicher Teilhabe von Mädchen

und Jungen. Dies gilt insbesondere bei benachteiligten jungen Menschen mit geringen Fähigkeiten zur

verbalen und schriftlichen Kommunikation sowie innerhalb traditioneller Gesellschaftsstrukturen, in

denen junge Menschen – vor allem Mädchen- Schwierigkeiten haben, sich öffentlich zu äußern. Durch

Ansätze und Methoden der Kinder- und Jugendförderung in der deutschen EZ


Demokratieförderung, Dezentralisierung,

Förderung der Zivilgesellschaft

die öffentliche Präsentation der Fotos erhalten Kinder und Jugendliche die Möglichkeit, ihre Sichtweisen

und Bedürfnisse in gesellschaftliche Diskussionsprozesse einzubringen und mit erwachsenen

EntscheidungsträgerInnen ins Gespräch zu kommen.

Methode

Für die Planung und Umsetzung nationaler, regionaler und überregionaler partizipativer Foto-Projekte,

als auch für Foto-Projekte in einer Stadt, einem Stadtteil oder einer Gemeinde sind die folgenden

Schritte zu beachten:

Vorarbeit

� Konzeption (Zielrichtung, Fragestellung, Zeitrahmen) und Kostenvoranschlag;

� Auswahl der Länder/Regionen/Gemeinden, Zielgruppen, Projekte;

� Auswahl der AnsprechpartnerInnen bzw. KooperationspartnerInnen im In- und Ausland;

� Kontakte zu den Ansprech- und KooperationspartnerInnen herstellen;

� Briefing der PartnerInnen;

� Kauf und Versand von Kameras und Filmmaterial;

� Erstellen von Vorlagen für eine einheitliche Datenstruktur und Bildcodierung;

In den teilnehmenden Ländern bzw. Regionen

� Auswahl der FotografInnen;

� Klärung der Bildrechte, Einholen der Einverständniserklärung;

� Briefing der FotografInnen, Verteilen von Kameras und Filmen;

� Durchführung/Begleitung der Fotoaktion;

� Organisation der Bildentwicklung vor Ort;

� Bildauswahl und Verfassen der Texte zu den Bildern gemeinsam mit den TeilnehmerInnen;

� Bild-/Textcodierung = Zuordnung, evtl. Erfassen der Texte in Dateien;

� Bereitstellen von Informationen über die TeilnehmerInnen (nach Vorlagen);

� Versand der Negative, Texte und Einverständniserklärungen an die InitiatorInnen des Foto-

Projekts;

Ansätze und Methoden der Kinder- und Jugendförderung in der deutschen EZ

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Demokratieförderung, Dezentralisierung,

Förderung der Zivilgesellschaft

Realisierung der Präsentation

� Erstellen eines Präsentationskonzeptes;

� Sichtung und Beschriftung des Materials;

� Bereitstellung der Negative und Texte zur Reproduktion;

� Briefing und Koordination externer Dienstleister;

� Scans / Abzüge der Bilder;

� Übersetzung der Texte, Korrekturlesung (ggfs. in verschiedenen Sprachversionen);

� Einfache Präsentation der Bilder und Texte (Wechselrahmen);

� Produktion einer Bildshow auf CD-Rom / DVD.

Ansätze und Methoden der Kinder- und Jugendförderung in der deutschen EZ


Demokratieförderung, Dezentralisierung,

Förderung der Zivilgesellschaft

Ein Beispiel.....

„Imagine“ – ein weltweites

Fotoprojekt mit Kindern

und Jugendlichen

Was würden Kinder und Jugendliche auf

der ganzen Welt fotografi eren, um anderen

ihre ganz eigene Geschichte zu erzählen?

Diese Frage war Ausgangspunkt

des Jugend-Fotoprojekts „Imagine“, das

der Berliner Journalist Philipp Abresch

und die Deutsche Gesellschaft für Technische

Zusammenarbeit (GTZ) GmbH

Anfang 2002 gemeinsam starteten. Über

das weltweite Netzwerk der deutschen

TZ wurden 500 junge Menschen aus 45

Ländern auf den Fototag vorbereitet:

Am 30. April 2002 machten sie sich auf,

um einen Tag aus ihrem Leben zu fotografi

eren. Es entstanden mehr als 12.000

Bilder. Die Jugendlichen schickten ihre

drei Lieblingsfotos und ein Selbstportrait

an das GTZ-Büro Berlin. Dort wählte

eine Jury aus Kindern und Jugendlichen

gemeinsam mit dem „Imagine“-Team

die Motive für die Ausstellung und den

Bildband aus. Entstanden ist eine Momentaufnahme

der Welt aus Sicht von

Kindern und Jugendlichen, die wie kaum

etwas anderes die Vielfalt des Lebens auf

der Erde festhält. Im folgenden wurden

verschiedene Projektbeispiele in unterschiedlichen

Ländern realisiert:

� „Imagine“ in Marokko

� Eine Fotosafari durch Deutschland

� „Imagine“ - Was ist Russland?

� Briefe aus aller Welt – Fotos als

Schreibanlass

� Szenen der Gewalt – ein Fotoprojekt

in Argentinien

� Kosovo – Verschiedene Ethnien

treffen aufeinander

� Journalismus - Workshop in Paraguay

� Selbstvertrauen durch „Imagine“ -

Einblicke aus Vietnam

Ansätze und Methoden der Kinder- und Jugendförderung in der deutschen EZ

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64

Demokratieförderung, Dezentralisierung,

Förderung der Zivilgesellschaft

Interkultureller Austausch zwischen Jugendlichen

durch IKT

Ein IT gestütztes Jugendnetzwerk (JugendFreiRaum) wird aufgebaut, dass jungen Menschen aus

unterschiedlichen Ländern ermöglicht, sich über ihre Situation, Probleme, Wünsche und Zukunftsvisionen

sowie über Konzepte und Maßnahmen der Jugendarbeit auszutauschen. Die Nutzung von

Computern, Internet und Software wird dabei durch pädagogische Methoden unterstützt.

Zielsetzung und Zielgruppe

Ziel des Netzwerks ist, das Interesse und Verständnis junger Menschen für andere kulturelle, soziale,

politische und ökonomische Lebenswelten zu stärken und das gegenseitige Lernen der Jugendlichen

zu fördern. Darüber hinaus sollen die Jugendlichen im JugendFreiRaum eigene Projekte im Bereich

der Jugendarbeit entwickeln (z. B. Radiosendungen, Zeitschriften etc.) und gemeinsam durchführen.

Jugendliche werden als ExpertInnen für Jugendarbeit anerkannt und gefördert. Jugendarbeit wird dabei

weniger als Arbeit mit Jugendlichen, sondern vielmehr als Arbeit von Jugendlichen begriffen. „Erwachsene“

sollten allenfalls Unterstützung liefern, bei Bedarf mit Rat und Tat zur Seite stehen und

Rahmenbedingungen bereitstellen. Im JugendFreiRaum wird die Möglichkeit geschaffen, das Knowhow,

das sich Jugendliche in ihrem Lebens-, Lern- und Arbeitsumfeld angeeignet haben, anderen

Jugendlichen zur Verfügung zu stellen, um sich gegenseitig zu stärken. Zielgruppe sind jugendliche

MultiplikatorInnen im Alter von ca. 15 bis 25 Jahren.

Ergebnisse/Wirkungen

Um Strategien in der Jugendarbeit auszutauschen, sich mit Problemen und Problemlösungen in Entwicklungsländern

und Deutschland vertraut zu machen, werden neue Technologien eingesetzt. Dabei

gilt es herauszufi nden, welche Instrumente - Chat, Forum, E-Mail oder eine Spielesoftware, mit der

sich Strategien in der Jugendarbeit darstellen lassen (Adventure Game Studios), – für den interkulturellen

Austausch am besten geeignet sind und mit welchen Instrumenten Jugendnetzwerke am effi zientesten

und sinnstiftendsten arbeiten können. Bestehende Programme der Entwicklungszusammenarbeit,

insbesondere die Jugendvorhaben der Technischen Zusammenarbeit in ausgewählten Ländern, werden

mit Vorhaben der entwicklungspolitischen Bildungsarbeit und Nachwuchsförderung in Deutschland

verknüpft. Dabei steht der Austausch über die gesetzlichen und institutionellen Rahmenbedingungen

(Jugendgesetze, Förderinstitutionen und deren institutionelle Einbindung in staatliche und nichtstaatliche

Organisationen), erfahrungsorientierte Jugendprogramme, aktionsorientierte Maßnahmen,

wie auch der gesamte soziale und wirtschaftliche Kontext, die Rolle der Jugendlichen in der Gesellschaft

und insbesondere in Bildung und Ausbildung im Vordergrund. Im Zuge der Maßnahme werden

Schlüsselkompetenzen aus dem Bereich des Globalen Lernens wie etwa vernetztes Denken, Eigenverantwortung,

Refl ektionsvermögen etc. gestärkt.

Ansätze und Methoden der Kinder- und Jugendförderung in der deutschen EZ


Demokratieförderung, Dezentralisierung,

Förderung der Zivilgesellschaft

Wesentliche Ergebnisse sind:

1. Jugendliche sind ExpertInnen in „eigener Sache“. Die Anerkennung und Nutzung ihrer Expertise

trägt zur Stärkung der Einzelnen in ihrem direkten Umfeld bei und fördert die Gleichberechtigung

im internationalen und generationsübergreifenden Austausch.

2. Der Wechsel der Perspektive im interkulturellen Austausch und das Kennenlernen der Erfahrungen

und Erlebnisse Jugendlicher anderer Kulturen regt an, macht den eigenen selbstverständlichen

Kontext als bedingt erlebbar, lässt gemeinsame Erfahrungen und Ziele Jugendlicher deutlich

werden, trainiert Einfühlungsvermögen und erweitert den Horizont.

3. Damit ein Netzwerk funktioniert, müssen alle Beteiligten bereit sein sowohl zu geben als auch zu

nehmen – dies erfordert die Anerkennung eigener und fremder Stärken und Schwächen, sowie die

Reflektion über Privilegien und Diskriminierung. Deutsche Jugendliche können, was Partizipation

und politisches Engagement betrifft, von den Erfahrungen lateinamerikanischer Jugendlicher

profitieren.

4. Durch die Nutzung von IKT erwerben die Jugendlichen wichtige Kompetenzen, die ihre Chancen

auf dem Arbeitsmarkt erhöhen.

Durchführung

Zuerst werden die beteiligten Länder bzw. Regionen, dann die teilnehmenden Jugendlichen ausgewählt.

Die Auswahl der Jugendlichen kann in Schulen oder außerschulischen Einrichtungen der Jugendarbeit

erfolgen. Die Jugendlichen sollten bereits in Projekte eingebunden sein bzw. als MultiplikatorInnen

aktiv sein.

Auftaktworkshops

In Workshops in den beteiligten Ländern tauschen sich die ausgewählten TeilnehmerInnen über ihre

Arbeit und die Projektideen aus. Durch kreative Collagen gestalteten sie Werbeanzeigen und präsentierten

ihr Projekt. In einer weiteren Einheit wird die eigene Projektarbeit evaluiert. Vorschläge für die

zukünftige Zusammenarbeit und Projektgestaltung werden ausgearbeitet und im Abschlusspanel des

Workshops präsentiert.

In einem weiteren Workshop werden Regeln und Konditionen der Zusammenarbeit vereinbart. Ideen

für potenzielle JugendFreiRäume werden entwickelt, wobei hier die TeilnehmerInnen bereits einen

Schwerpunkt auf Möglichkeiten der digitalen Kommunikation von und für Jugendliche legen. Die

TeilnehmerInnen werden schrittweise an die Benutzung des Computers herangeführt. Durch ein Rollenspiel

wird das eigene Kommunikationsverhalten refl ektiert und die interkulturelle Sensibilität gesteigert.

Problemfelder der digitalen Kommunikation wurden im Vorfeld erkannt und Lösungsstrategien

gesammelt.

Ansätze und Methoden der Kinder- und Jugendförderung in der deutschen EZ

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66

Demokratieförderung, Dezentralisierung,

Förderung der Zivilgesellschaft

Regelmäßige Chats

In regelmäßigen Chats mit den beteiligten Jugendlichen in anderen Ländern geben die Jugendlichen

Einblick in ihr Alltagsleben und bieten simultan die Möglichkeit an, über ihre aktuelle Arbeit zu berichten.

Hieraus ergibt sich ein gewisser „Event-Charakter“ und es fi ndet eine tatsächliche Begegnung

statt - alle am Chat Beteiligten haben das Anliegen, „Hallo“ zu sagen und von ihrer Arbeit zu erzählen.

Wie auf einem „Marktplatz“ wird aufgeregt durcheinander geredet und alle Beteiligten gewinnen einen

Überblick über die Themen in der Arbeit der KollegInnen.

Netzwerke brauchen Moderation und vor allem regelmäßige Präsenzphasen, um das Engagement

der Beteiligten aufrecht zu erhalten. Netzwerke müssen in örtliche Strukturen eingebettet und von

MitarbeiterInnen vor Ort in ihre alltägliche Arbeit einbezogen werden.

E-Mails

Die TeilnehmerInnen setzen sich untereinander per Mail in Verbindung, um spezifi sche Fragen zu klären.

Zudem gibt es von Seiten der Projektkoordination regelmäßige Informationen per E-Mail, etwa zur

Ankündigung und Vorbereitung von Chats, zum Hinweis auf Ressourcen und relevante Informationen

wie Websites, sowie zur Organisation und Planung von Präsenzphasen. Im Chat und in den E-Mails

tauschten sich die jugendlichen ExpertInnen interkulturell aus. Trainiert wird, in der Kommunikation

konstruktiv mit Wissenshierarchien umzugehen, also mit der Tatsache, dass alle Beteiligten sich auf

einzelnen Gebieten besser auskennen als die anderen. Vernetzung auf allen Ebenen wird ausgebaut,

das Hintergrundwissen und die Kenntnisse von Informationsquellen gesteigert.

Arbeit / Projekte vor Ort

In ihren einzelnen Ländern präsentieren die TeilnehmerInnen das Projekt, planen Schritte zur Umsetzung

und bilden als MultiplikatorInnen Arbeitsgruppen jugendlicher TeilnehmerInnen weiter aus.

Hierzu werden Plakate und Powerpointpräsentationen entworfen, die auch per E-Mail verschickt werden

können bzw. auf die Homepage des Projektes im Forum-Bereich eingestellt werden können. Die

Jugendlichen knüpfen und vertiefen Kontakte zu Mitarbeitern ihrer Organisationen bzw. TZ-Fachkräften

in Jugendprojekten.

Ansätze und Methoden der Kinder- und Jugendförderung in der deutschen EZ


Demokratieförderung, Dezentralisierung,

Förderung der Zivilgesellschaft

Ein Beispiel.....

JugendFreiRaum - Espacio-

LibreJoven

Im Zentrum des Projekts stand, Jugendliche

als ExpertInnen für Jugendarbeit

anzuerkennen und zu fördern. Um Strategien

in der Jugendarbeit auszutauschen

und sich mit Problemen und Problemlösungen

in Lateinamerika und Deutschland

vertraut zu machen, wurden neue

Technologien eingesetzt. Es galt auch

herauszufi nden, welche Instrumente

- Chat, Forum, E-Mail oder eine Spielesoftware

(Adventure Game Studios), mit

der sich Strategien in der Jugendarbeit

darstellen lassen – für den interkulturellen

Austausch am besten geeignet sind,

mit welchen Instrumenten Jugendnetzwerke

am effi zientesten und sinnstiftendsten

arbeiten können. Als Ziel des

Projektes wurde der refl ektierte interkulturelle

Austausch von Methoden, Strategien

und Repräsentationsmöglichkeiten

Jugendlicher in Ländern Lateinamerikas

und Deutschlands festgelegt. Jugendliche

sollten Konzepte für einen JugendFrei-

Raum formulieren, dessen Umsetzung

sie im Rahmen der Maßnahme planten.

In diesem Sinne wurde mit Methoden

und Instrumenten gearbeitet, die sowohl

die Projekte als auch die Jugendlichen in

ihrer Rolle als Multiplikatoren stärken.

Eine Auswahl der JugendFreiRaum-Methoden

ist auf der CD-ROM „Jugend-

FreiRaum“ dokumentiert. Sowohl einzelne

Elemente als auch die gesammelten

Methoden können unter „Werkzeuge“

heruntergeladen werden. Neben dem gesamten

Prozess des „JugendFreiRaum“-

Projektes (Hintergründe, Entstehung,

Gemeinsame Treffen und Workshops),

der durch Berichte und Fotomaterial

dokumentiert wird, ist der Dokumentationsteil,

die „Werkzeugkiste“ oder

„Materialkoffer“ das Herzstück der CD-

Rom. Die angewandten Methoden und

Spiele (incl. Software) sowie vielfältige

Informationen zum Globalen Lernen,

zur interkulturellen Bildungsarbeit, zur

entwicklungspolitischen Inlandsarbeit

fi nden sich ebenso auf der CD wie eine

umfangreiche Liste von Web-Adressen

als auch Angaben zu Literatur.

Ansätze und Methoden der Kinder- und Jugendförderung in der deutschen EZ

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Demokratieförderung, Dezentralisierung,

Förderung der Zivilgesellschaft

Jugendjahrmarkt

Jugendjahrmärkte stellen ein wichtiges öffentliches Ereignis dar, das von Jugendlichen und für Jugendliche

durchgeführt wird. Da es sich um eine organisatorisch vergleichsweise aufwendige Aufgabe

handelt, die eines entsprechenden zeitlichen Vorlaufs bedarf, ist ein existierendes Netzwerk

von Jugendgruppen eine wichtige Voraussetzung bzw. Grundlage.

Zielsetzung und Zielgruppe

Zielsetzung eines Jugendjahrmarktes ist es, Jugendlichen einen Raum zu freiem Gestalten und künstlerischem

Ausdruck zu eröffnen. Zudem versteht sich ein solches Ereignis als ein Ort der Begegnungen

und als eine Gelegenheit zur Vernetzung.

Die Methode Jugendjahrmarkt richtet sich an Jugendliche im Alter von etwa zehn bis 25 Jahren und

eignet sich gleichermaßen für Mädchen und Jungen.

Ergebnisse/Wirkungen

Auf individueller Ebene kann die Organisation und Teilnahme an Jugendjahrmärkten einen Zuwachs

an Selbstvertrauen, Wertschätzung der eigenen Fähigkeiten und Potenziale, Teamfähigkeit, Solidarität,

Kreativität, Kommunikationsfähigkeit und Verantwortungsgefühl führen.

Im Hinblick auf die Gemeinschaft können Jugendjahrmärkte einen Ort sozialer, je nach sozialem Umfeld

auch interkultureller oder interreligiöser, Begegnung darstellen. Situationen des gemeinschaftlichen

Erlebens, der Zusammenarbeit und des Überbrückens von Unterschieden und Meinungsdifferenzen

werden geschaffen. Bei erfolgreichem Verlauf kann ein Jugendjahrmarkt auch die Wahrnehmung von

Jugendlichen in der Bevölkerung positiv beeinfl ussen.

Organisation eines Jugendjahrmarktes

Das Organisationskomitee

Da Jugendjahrmärkte einen nicht geringen organisatorischen Aufwand erfordern, lassen sie sich am

besten ausrichten, wenn mehrere Jugendgruppen, Netzwerke etc. zusammenarbeiten. Die Koordination

der Aktivitäten der einzelnen Gruppen sollte in der Hand eines Organisationskomitees liegen, in

dem sich alle beteiligten Gruppen vertreten sehen.

Ansätze und Methoden der Kinder- und Jugendförderung in der deutschen EZ


Demokratieförderung, Dezentralisierung,

Förderung der Zivilgesellschaft

Folgende Punkte müssen in Vorbereitungstreffen bearbeitet werden:

1. Sammeln und Austausch der Ideen der Gruppen

2. Festlegen der Themen für die Stände und Einladung entsprechender Künstlergruppen

3. Akquirieren von Spendengeldern bzw. Förderern für die Auslagen (Strom, Bühne, Material, Tontechnik,

Örtlichkeit) bei lokalen Unternehmen, Kirchen, Schulen, Stiftungen etc.

4. Erstellen von Materiallisten; Einkauf, Anmietung bzw. Ausleihe (Stände, Tische, Bänke etc.)

5. Erstellen eines Programmentwurfes

6. Verantwortlichkeiten für die einzelnen Teilereignisse

7. Vorbereitung der Örtlichkeit (Säubern, Platzeinteilung, Organisation der Müllentsorgung)

8. Nachbereitung, Verantwortlichkeiten

Um ein professionelles Arbeiten des Organisationskomitees zu gewährleisten, sind Protokolle und

Zwischenevaluationen sinnvoll. Nach der Durchführung des Jugendjahrmarktes sollten in einem abschließenden

Treffen Erfolge, aber auch Probleme und Schwierigkeiten evaluiert werden.

Attraktionen des Jugendjahrmarkts

Aktionsstände der Jugendgruppen

Aktionsstände bieten zum Einen den einzelnen Jugendgruppen Gelegenheit, sich selbst und ihre Stärken

und Fähigkeiten der Öffentlichkeit zu präsentieren. Zum Anderen dienen sie dazu, den BesucherInnen

des Jugendjahrmarktes verschiedene Angebote zu machen: Kunsthandwerk, Handarbeiten, Theater,

Gestaltung von Masken, Zeichnen, Stelzenlauf, Musik etc. sollen den BesuchernInnen dar- und angeboten

werden.

Bei der Vorbereitung der Aktionen sollte folgendes beachtet werden:

� Die Angebote müssen konkret und nicht zu kompliziert sein. Der/die BesucherIn sollte ein Ergebnis

mit nach Hause nehmen können.

� Präsentationen und Vorführungen sollten nicht zu lange dauern.

� Die gewählte Aktion muss aufbereitet und erklärt werden (Plakate, Anleitungen).

� Der Stand sollte ansprechend dekoriert werden.

Ansätze und Methoden der Kinder- und Jugendförderung in der deutschen EZ

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Demokratieförderung, Dezentralisierung,

Förderung der Zivilgesellschaft

Mauerzeichnen und Graffi ti

An einer vom Jahrmarktgelände zugänglichen Mauer können die BesucherInnen des Jahrmarkts Botschaften,

Bilder, Karikaturen verwirklichen. Diese können zu Beginn des Marktes unter ein bestimmtes

Motto gestellt oder auch ganz frei gehalten werden. Um eine passende Platzeinteilung, Beratung für

die KünstlerInnen und eine Betreuung des Materials sicherzustellen, empfi ehlt es sich, ein oder zwei

Verantwortliche für die Mauer auszuwählen.

Auftritte und Konzerte

Als weitere Attraktion des Jugendjahrmarkts können Tanzgruppen oder Bands aus der Umgebung zu

einem Auftritt eingeladen werden. Um eine Konkurrenz bzw. Überschneidung mit den Vorführungen

der Aktionsstände zu vermeiden ist es sinnvoll, diese Auftritte als Einschübe ins Programm zu planen.

Auch hierfür sollte eine verantwortliche Person gefunden werden, die den Empfang und die Betreuung

der Gäste übernimmt.

Ein Beispiel.....

Feria Concierto Juvenil

– Guatemala

Im Rahmen des TZ-Vorhabens PRO-

JOVEN wurde 2001 in Quetzal/Guatemala

eine Feria Concierto Juvenil – ein

„Jugendjahrmarkt“ mit verschiedenen

Ständen, Vorführungen und Musik – organisiert.

Er entstand aus dem Wunsch

verschiedener Jugendgruppen, sich untereinander

besser kennen zu lernen und

der Gemeinde ihre Fähigkeiten zu präsentieren.

Nach der Teilnahme von 20

Jugendgruppen gab dieses Ereignis den

zentralen Anstoß zu einer Vernetzung

zur Asociación de Grupos Juveniles

„Luz y Esperanza“. Das Konzept Feria

Concierto Juvenil wurde bereits von vier

lokalen NROs im Land erfolgreich wiederholt.

Ansätze und Methoden der Kinder- und Jugendförderung in der deutschen EZ


Demokratieförderung, Dezentralisierung,

Förderung der Zivilgesellschaft

Jugendradio

Von Jugendlichen gestaltete Radioprogramme sind ein kostengünstiges und vergleichsweise einfach

zu implementierendes Instrument zur Förderung der Partizipation von Jugendlichen. Voraussetzung

dafür ist allerdings, dass bereits ein Netzwerk von lokalen oder kommunalen Radios existiert

oder es die Möglichkeit einer Anbindung bzw. Zusammenarbeit an/mit einem kommerziellen

Radiosender gibt. Vor allem in Regionen mit hoher Analphabetenrate und/oder in ländlichen Gebieten

ist das Jugendradio ein ideales Medium zur gesellschaftlichen Teilhabe junger Menschen.

Zielsetzung und Zielgruppe

Jugendradios verfolgen die Zielsetzung, jungen Menschen ein geeignetes Medium der Kommunikation,

eine Art „Sprachrohr“, zur Verfügung zu stellen und einen Weg gesellschaftlicher und politischer

Beteiligung zu eröffnen. Sie stellen einen Freiraum dar, in dem Jugendliche sich selbst organisieren und

engagieren, ihre Interessen formulieren und sich Gehör verschaffen können.

Die Methode Jugendradio eignet sich für Jugendliche im Alter von etwa 14 bis 25 Jahren mit mittlerem

Bildungsniveau und wird besonders auch von Mädchen sehr positiv aufgenommen.

Ergebnisse/Wirkungen

Jugendradios zeigen sowohl in direkter als auch indirekter Hinsicht Erfolge: Zum Einen kann die Arbeit

in Jugendradios als Fortbildung und - bei ausreichender Erfahrung und Professionalität - gar als

berufsbildende Maßnahme gesehen werden. Durch ihre Tätigkeit in den Radioprogrammen eignen sich

die Jugendlichen eine Vielzahl von Qualifi kationen an, deren Bandbreite von Teamfähigkeit, Selbstorganisation

und rhetorischen Fähigkeiten bis zum Umgang mit Kommunikationselektronik reicht. Zum

Anderen werden indirekt über Jugendradios eine Vielzahl junger und auch erwachsener ZuhörerInnen

erreicht. Die Programminhalte können bei den ZuhörerInnen erzieherische bzw. bildungsfördernde

Wirkungen haben. Sie regen zur Auseinandersetzung mit speziellen jugendrelevanten Themen an und

sensibilisieren die Öffentlichkeit für die Situation von Mädchen und Jungen.

Ansätze und Methoden der Kinder- und Jugendförderung in der deutschen EZ

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72

Demokratieförderung, Dezentralisierung,

Förderung der Zivilgesellschaft

Ausbildung jugendlicher Radiomacher

Laut einem Handbuch für jugendliche Radiomacher, das Jugendliche in die einzelnen Schritte der Gestaltung

eines Radioprogramms einführen soll (siehe Ein Beispiel: Guatemala), sind bei der Planung

eines Jugendradios zunächst folgende Fragen zu klären:

? Wer bildet das Team zur Gestaltung des Radioprogramms?

? Welche Ziele werden verfolgt?

? Was ist das zentrale Thema des Programms?

? Welchen Titel soll das Programm tragen?

? Über welchen Sender kann das Programm ausgestrahlt werden?

? Welche technische Ausrüstung steht zur Verfügung?

Ferner müssen die Jugendlichen in den folgenden Bereichen geschult bzw. eingeführt werden:

! Erarbeiten einer Programmstruktur

! Einarbeitung in das technische Gerät

! Gestaltung von Jingles und Spots

! Aufbereitung von Informationen und Aufbau von Nachrichten

! Aufbau und Gestaltung von Themenblöcken

! Gestaltung von Reportagen und Interviews

! Auswahl und Einspielen von Musik

! Qualifikationen und Anforderungen an Radiosprecher

! Umgang mit Anrufen von Zuhörern

! Entwurf und Einbettung von Quizfragen und Gewinnspielen

Da Radioprogramme eine vergleichsweise große Reichweite besitzen können, sollte bei der Ausbildung

jugendlicher RadiomacherInnen auch die Wirkung des Programms auf seine Zuhörerschaft thematisiert

werden und die Jugendlichen für eine ausgewogene, analytische und nicht polarisierende Berichterstattung

sensibilisiert werden.

Ansätze und Methoden der Kinder- und Jugendförderung in der deutschen EZ


Demokratieförderung, Dezentralisierung,

Förderung der Zivilgesellschaft

Kooperationen

Für die erfolgreiche Implementierung eines Jugendradios sind die Vernetzung des Programms und die

Kooperation mit anderen Medien von Bedeutung. Die Anbindung an einen bestehenden Radiosender

oder ein Netzwerk lokaler/kommunaler Radios ermöglicht nicht nur die Nutzung des technischen Geräts

und eine eventuelle Betreuung der Jugendlichen durch Fachleute, sondern kann auch im Hinblick

auf die Programmgestaltung genutzt werden. Beispielsweise können Nachrichtenblöcke übernommen

oder aktuelle Informationen von kooperierenden Zeitungen verwendet werden. Eine Vernetzung mit

anderen lokalen Medien erleichtert es zudem, die oftmals musiklastigen Jugendradios durch Reportagen

und thematische Beiträge zu erweitern.

Themen

Im Rahmen der Programmgestaltung und -produktion fi ndet eine Auseinandersetzung und Aufbereitung

von jugendrelevanten Themen aus Sicht der Jugendlichen selbst statt. Das Themenspektrum

kann von Sexualität und Selbstbewusstsein über Jugendbanden, Drogen und Gewalt bis zu politischen

Themen und Jugendrecht reichen. Einer Evaluierung zufolge ist für den Erfolg eines Radioprogramms

die Entwicklung eines Programmprofi ls nötig, das auf die Interessen, Erwartungen und Bedürfnisse

der (jugendlichen) ZuhörerInnen zugeschnitten ist. Eine vorausgehende Hörerumfrage bei der lokalen

Jugend ist sinnvoll und kann bei der Auswahl der Themen und Erstellung von Reportagen helfen. Jugendradios

sollten in enger Anbindung an die örtliche Gemeinde/Region gestaltet werden. Reportagen

über lokale Ereignisse, Einladungen und Interviews mit bekannten Persönlichkeiten schaffen ein für

die lokale Jugend ansprechendes Programm.

Ansätze und Methoden der Kinder- und Jugendförderung in der deutschen EZ

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74

Demokratieförderung, Dezentralisierung,

Förderung der Zivilgesellschaft

Ein Beispiel…..

Radio Juvenil – Guatemala

Das Modell Radio Juvenil, ein praxisorientierter

Kurs für jugendliche Radiomacher,

geht auf einen Workshop mit Jugendlichen

aus Santa Lucía (Guatemala)

zurück und wurde als eines der Pilotmodelle

des TZ-Vorhabens PROJOVEN

entwickelt. In über 30 kommunalen Radiosendern

und drei Sendern der Direktion

für außerschulische Bildung wurden

erfolgreich von Jugendlichen gestaltete

Radioprogramme initiiert. Neben verschiedensten

anderen Themen wurden

von den Jugendlichen in 2003 als Vorbereitung

auf die Wahlen in Guatemala Radiospots

in Spanisch und vier indigenen

Sprachen ausgestrahlt. Für mehrere Jugendliche

führten die im Verlaufe des

Pilotmodells erworbenen Fähigkeiten

und Kenntnisse zu einer Anstellung als

Ein Beispiel…..

Caazapá – jugendliches

Radioprogramm zur politischen

Bildung (Paraguay)

In der paraguayischen Provinz Caazapá

(Departmento), deren politische Struktur

von Machtkonzentration, Korruptionsvorfällen

und durch das Fehlen einer

politischen Opposition geprägt ist, wurde

als Maßnahme zur Förderung guter

Regierungsführung und der politischen

Beteiligung der jugendlichen Bevölkerung

ein Radioprogramm ins Leben

kommerzielle RadiomoderatorInnen.

Die in Guatemala gemachten Erfahrungen

zeigen, dass sich die Ausbildung

zu jugendlichen RadiomacherInnen mit

Hilfe des erarbeiteten Handbuchs auch

für die Multiplikation durch ehemalige

KursteilnehmerInnen eignet.

Im Rahmen der Evaluierung von PRO-

JOVEN wurde erwogen, verschiedene

Methoden zu einem so genannten „Partizipations-Paket“

aufzuarbeiten. Die Pilotmodelle

„Jugendrat“ als jugendliches

(politisches) Entscheidungsorgan, „Radio

Juvenil“ als Sprachrohr, die Methode

“Jugendliche befragen Jugendliche”

als analytisches Werkzeug und Evaluierungsinstrument

und die Schulung „Formación

Ciudadana“ können kombiniert

eine für Jugendliche attraktive Förderung

von Partizipation darstellen.

gerufen. Mitglieder der Jugendgruppen

Parlamento Joven, Juventud que se

mueve und der genossenschaftlichen

Jugendgruppe Ycua Bolaños strahlen

mit der Unterstützung des TZ-Projektes

Desarrollo Rural Regional (DRR) täglich

ein politisches Radioprogramm aus. Zielsetzung

ist es, die Zivilgesellschaft in den

Themenbereichen Politische Bildung

und Staatsbürgerkunde weiterzubilden

und aufzuklären.

Ansätze und Methoden der Kinder- und Jugendförderung in der deutschen EZ


Demokratieförderung, Dezentralisierung,

Förderung der Zivilgesellschaft

Ein Beispiel…..

Jugendradios in Indonesien

Im Rahmen der Maßnahme „Krisenprävention

und Förderung von Konfl iktlösungspotentialen

durch Jugendarbeit in

Bima/Nusa Tenggara Barat, Indonesien“

der deutschen TZ wurden verschiedene

Jugendradios gefördert. In mehreren

Workshops wurden Trainings zu

den Grundlagen des Radiojournalismus

und dem Bereich Programmentwicklung

angeboten. Aufgrund von Erfahrungen

bezüglich eines negativen Einfl usses von

Ein Beispiel…..

Förderung der gesellschaftlichen

Teilhabe und Eigeninitiative

von jungen Menschen

in der Region Mayo-

Kebbi (Tschad)

Im Rahmen des Projekts „Förderung

von Friedensinitiativen und –strukturen“

hat die deutsche TZ im Tschad

eine wöchentliche Radiosendung für

Jugendliche zu Berufsperspektiven und

Chancen in der Landwirtschaft initiiert.

Einem Journalist, der bereits mit Bauernorganisationen

und zu Themen der EZ

gearbeitet hat, stehen Animateure und

Animatricen für die lokalen Sprachen

zur Seite - auch KorrespondentInnen

für die entlegeneren Regionen soll zum

Radioprogrammen auf die politische

Situation wurde zudem ein Training zu

den Prinzipien des „Friedensjournalismus“,

der Rolle und Verantwortung von

MedienvertreterInnen in Konfl iktsituationen

und zu übergreifenden ethischen

Kodizes in der Berichterstattung durchgeführt.

Durch die Unterstützung der

Friedrich-Naumann-Stiftung konnten

verschiedene Partnerschaften zwischen

jugendlichen Nachbarschaftsradios und

wichtigen nationalen Radiostationen

bzw. lokalen Zeitungen hergestellt werden.

Einsatz kommen. Zusätzlich ist geplant,

dass die TeilnehmerInnen eines Journalistenwettbewerbs

aktiv an der Gestaltung

der Sendungen teilnehmen. So soll

in Zusammenarbeit (durch Befragung)

mit den Jugendlichen jede Woche eine

Sendung zu folgenden Themen entstehen:

Einkommensmöglichkeiten im informellen

Sektor, Landwirtschaft (z.B.

Düngung), Berufsperspektiven, Alkoholismus,

Kleingewerbe und Geschäftsideen,

Viehzucht, Weiterverarbeitung

und Vermarktungsstrategien landwirtschaftlicher

Produkte, innovative Anbaumethoden

(Ertragssteigerung und

- diversifi zierung), Ressourcenschutz,

Kriminalität, Ausbildung, HIV/AIDS

etc.

Ansätze und Methoden der Kinder- und Jugendförderung in der deutschen EZ

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76

Demokratieförderung, Dezentralisierung,

Förderung der Zivilgesellschaft

Mobile Straßensozialarbeit

Mobile Straßensozialarbeit mit Hilfe eines Jugendmobils ist ein verhältnismäßig kostenaufwendiges

Modell der Kinder- und Jugendförderung in randstädtischen und stadtnahen ländlichen Gebieten.

Sofern darauf geachtet wird, dass das Jugendmobil nicht in Konkurrenz zu formalen Bildungs- und

Erziehungsangeboten steht, ist die mobile Straßensozialarbeit ein sehr effektiver und attraktiver

Zugang zu jungen Menschen.

Zielsetzung und Zielgruppe

Zielsetzung mobiler Straßensozialarbeit ist es, die Lebensbedingungen und -perspektiven von Kindern

und Jugendlichen in randstädtischen und ländlichen Gebieten durch ein buntes Kultur- und Freizeitangebot

zu verbessern. Damit wird ein Beitrag zur Gewaltprävention und zur Erhöhung der sozialen

Integration von Mädchen und Jungen geleistet.

Zielgruppe sind Kinder und Jugendliche zwischen 13 und 20 Jahren aus städtischen Armutsgebieten

und stadtnahen ländlichen Gebieten (auch Straßenkinder und arbeitende Kinder und Jugendliche).

Ergebnisse/Wirkungen

Durch mobile Straßensozialarbeit werden junge Menschen angesprochen, die durch existierende Beratungsangebote

(Jugendzentren etc.) kaum erreicht werden. Sie stellt mit ihren kulturellen sowie Informations-

und Freizeitangeboten eine attraktive Anlaufstelle für Jugendliche dar. Bildungsangebote,

Aufklärungsarbeit, Diskussionen zu Gewalt- und Konfl iktprävention etc. sind besonders in ländlichen

Gebieten mit oftmals fehlenden Strukturen der Kinder- und Jugendförderung von großer Bedeutung.

Zudem kann die mobile Straßensozialarbeit für Kinder in ländlichen Gebieten eine Chance zur Integration

in das Schulsystem sein. Mobile Straßensozialarbeit kann, insbesondere in städtischen Gebieten,

dazu beigetragen, Jugendliche aus rivalisierenden Gangs auf friedliche Weise in Kontakt zu bringen

und dadurch Spannungen abzubauen. Eine intensive Kooperation vorausgesetzt, fördert die mobile

Straßensozialarbeit lokale Jugendinitiativen und –organisationen und kann zur Gründung neuer Jugendgruppen

beitragen.

Ansätze und Methoden der Kinder- und Jugendförderung in der deutschen EZ


Demokratieförderung, Dezentralisierung,

Förderung der Zivilgesellschaft

Jugendmobil als Angebot mobiler Straßensozialarbeit

Gestaltung und Einsatz des Jugendmobils

Für die mobile Straßensozialarbeit kann ein so genanntes Jugendmobil eingesetzt werden, ein Kleinbus

oder kleiner Laster, der auf seiner Route einmal wöchentlich Kindern und Jugendlichen aus städtischen

Marginalsiedlungen oder stadtnahen ländlichen Gebieten einen alternativen Raum für Freizeitgestaltung,

Bildung und Beratung/Betreuung zur Verfügung stellt. Da der Erfolg der Initiative in starkem

Maße von der Attraktivität der ersten Begegnung abhängt, sollte das Jugendmobil durch Bemalung etc.

jugendfreundlich gestaltet sein und somit gleichzeitig als eigene Werbung fungieren. Idealerweise lässt

sich das Fahrzeug von vielen Seiten öffnen, die Laderampe eines LKWs kann gegebenenfalls gar als

Bühne verwendet werden.

Das Jugendmobil sollte eine feste Route abfahren, so dass das Angebot eine gewisse Verlässlichkeit erhält.

Einsatzzeiten müssen mit den Bedürfnissen der Zielgruppe (arbeitende Jugendliche, SchülerInnen)

abgeglichen werden. Es sollte darauf geachtet werden, dass das Jugendmobil nicht zur Konkurrenz für

formale Bildungs- und Erziehungsangebote wird.

Angebote des Jugendmobils

Das Jugendmobil bzw. der Youth Truck kann verschiedene Funktionen in der Arbeit mit jungen Menschen

erfüllen: Mobilisierung, Sensibilisierung, Information, Kapazitätsbildung, Projektberatung,

Lobbying. Der konkrete Anlass entscheidet, ob eine partizipative Bedürfnisanalyse, ein Workshop, ein

Training, eine Filmshow, eine Spiel- und Sportaktion oder eine Projektberatung gefragt ist. Die Programmgestaltung

orientiert sich an der Anzahl, dem Alter und dem Geschlecht der Zielgruppe und

erfolgt in enger Abstimmung mit eventuellen Partnern.

Prinzipiell ist der Vielfalt der Themen und Angebote keine Grenze gesetzt. Die Angebote werden je

nach Interessen der Zielgruppe unterschiedlich zusammengestellt. Entsprechend kann die Ausstattung

von Büchern, Spielen, Bastelmaterialien, Filmen bis zu Materialien für Workshops und Diskussionen

über verschiedene Themen reichen (Gewalt, (reproduktive) Gesundheit, Gender, Sexualität etc.). Thementage

(Filmtag, Theatertag etc.) strukturieren das Angebot und verhindern, dass das Jugendmobil im

Laufe der Zeit für die Jugendlichen an Attraktivität verliert. Zu den wichtigsten Ausstattungselementen

gehören Lautsprecher, mit denen sich das Jugendmobil ankündigt und ein musikalischer Rahmen möglich

ist. Ein einfaches aber unentbehrliches Hilfsmittel sind kleine Teppiche oder Schaumstoffblöcke,

die als Sitzgelegenheit dienen. Je nach fi nanziellen Mitteln ist die Ausstattung des Jugendmobils mit

Computern eine für Jugendliche attraktive Weiterentwicklung, die einen zusätzlichen Zugang zu Bildung

und Information sowie Möglichkeiten der Vernetzung bietet.

Von der Bemalung des Autos und dem Aufbauen des mitgebrachten Materials über die Auswahl der

besprochenen Themen bis hin zur Evaluierung des Modells sollten junge Menschen von Anfang an

aktiv miteinbezogen werden. Durch die intensive Mitarbeit der Mädchen und Jungen entwickeln diese

ein Verantwortungsgefühl für ihr Jugendmobil, intensive Kontakte zu den begleitenden ErzieherInnen

oder PädagogInnen können entstehen.

Ansätze und Methoden der Kinder- und Jugendförderung in der deutschen EZ

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Demokratieförderung, Dezentralisierung,

Förderung der Zivilgesellschaft

Koordination

Die Koordination des Jugendmobils kann von zwei SozialarbeiterInnen übernommen werden, die für

Ausstattung, Werbung, Festlegen der anzufahrenden Stadtteile, Moderation von Gesprächsrunden, vor

allem aber auch für die Betreuung der Kinder und Jugendlichen, verantwortlich sind. Das Engagement

von jungen Menschen vor Ort sollte gefördert werden, indem beispielsweise kleine Verantwortlichkeiten

vergeben werden.

Prinzipien für die mobile Straßensozialarbeit

Mobilität

Der mobile Ansatz bringt die angebotenen Dienstleistungen direkt zur jeweiligen Zielgruppe in den

unterschiedlichen Regionen und Gebieten. Das ermöglicht den AdressatInnen in ihrem vertrauten

Arbeits- und Lebensumfeld zu bleiben.

Bedarfsorientierung und Flexibilität

Das Jugendmobil reagiert auf konkrete Anfragen von lokalen Verwaltungen, Nichtregierungsorganisationen

oder Personen. Dabei fi nden immer die lokale Situation, die spezifi schen Bedingungen, die

Bedürfnisse und die Selbsthilfepotentiale der jeweiligen Zielgruppe Berücksichtigung.

Partizipation

Das Jugendmobil nutzt partizipative Methoden. Es werden eher Fragen aufgeworfen als klare Antworten

geliefert. Junge Menschen werden unterstützt, eigene Entscheidungen zu treffen. Diese Arbeitsweise

erfordert ein hohes Maß an Flexibilität und erfordert von den Sozialarbeitern, sich immer wieder

auf neue und spezifi sche Bedürfnisse einstellen zu können. Dabei nutzt das Team folgende Konzepte

und Methoden:

� Partizipative Lehr- und Lernmethoden (Gruppenarbeit, Rollenspiele etc.)

� Peer Education, Training of Trainers

� Spiele (Großgruppenspiele, Spiele zur Problemlösung etc.)

� Sport (Basketball, Hockey, Volleyball )

� Medien (Musik, Film)

Ansätze und Methoden der Kinder- und Jugendförderung in der deutschen EZ


Demokratieförderung, Dezentralisierung,

Förderung der Zivilgesellschaft

Kinder- und Jugendorientierung

Der Service ist kinder- und jugendfreundlich, das heißt die Angebote refl ektieren die Interessen der

Zielgruppe und die Methoden zur Vermittlung spezieller Inhalte orientieren sich an den Voraussetzungen

und Erfahrungen der Mädchen und Jungen.

Transparenz

Die Aktivitäten des Jugendmobils sind leicht zugänglich und fi nden in der Öffentlichkeit statt. Dadurch

wird Transparenz und Offenheit, aber auch Raum für Diskussionen hergestellt und eine Sensibilisierung

für die Belange von jungen Menschen geleistet.

Ein Beispiel.....

Jovenmóvil – Guatemala

Das Jovenmóvil ist ein durch das TZ-

Vorhaben PROJOVEN eingeführtes

Modell integrierter Kinder- und Jugendförderung,

mit dem für junge Menschen

Freiräume und Ausdrucksmöglichkeiten

geschaffen werden. Zielsetzung des Jovenmóvil

war es, einen Beitrag zur Gewaltprävention

und zur Erhöhung der

sozialen Integration Jugendlicher zu leisten

und die (Wieder-)Eingliederung in

das formale Schulsystem zu fördern. Als

eine Weiterentwicklung des Bibliomóvil,

eines mit Büchern, Spiel- und Bastelmaterial

ausgestatteten Kleinbusses, wurde

das Jovenmóvil als neues Konzept

mobiler Straßensozialarbeit in stark von

Jugendarmut, Banden und Gewalt ge-

kennzeichnete Gegend eingesetzt. 2002

wurden die beiden Fahrzeuge, mit denen

das Modell betrieben wurde, an den Projektpartner

DIGEEX (Dirección General

de Educación Extraescolar – für die

außerschulische Bildungsarbeit zuständige

Stelle des Erziehungs- und Kulturministerium)

übergeben, die das Jovenmóvil

seitdem mit zwei aus eigenen Mitteln

bezahlten PädagogInnen weiterführt. In

El Limón, einem besonders stark von

Jugendarmut und Gewalt gekennzeichneten

Stadtteil von Guatemala-Stadt, hat

der 18-monatige Einsatz des Jovenmóvil

dazu beigetragen, den Einfl uss bewaffneter

Jugendbanden (sogenannter Maras)

zu verringern.

Ansätze und Methoden der Kinder- und Jugendförderung in der deutschen EZ

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Demokratieförderung, Dezentralisierung,

Förderung der Zivilgesellschaft

Ein Beispiel.....

PCY Youth Truck - Uganda

Die Idee eines mobilen Kinder- und

Jugendservices wurde im Rahmen des

“Programme to Promote Children and

Youth - PCY“, einem Kooperationsprojekt

des ugandischen Ministry of Gender,

Labour and Social Development, der

deutschen TZ und des Deutschen Entwicklungsdienstes

DED realisiert. Seit

August 2003 verfügt das Kinder- und

Jugenddepartment des Ministeriums

über einen Youth Truck, der landesweit

operiert. Ausgestattet u.a. mit Generator,

Laptop und Projektor bringt das ugandische

Team Informationen, Training und

Unterhaltung auch zu jungen Leuten in

entlegene, ländliche Regionen des Landes.

Themen wie HIV/AIDS-Aufklärung,

Projektmanagement, unternehmerisches

Grundwissen oder gewaltfreie Konfl iktlösung

und Friedenserziehung werden

am häufi gsten nachgefragt. Während die

ein- bis dreitägigen Kurzworkshops bis

zu 60 TeilnehmerInnen haben, zählen

die Filmshows nicht selten mehr als tausend

ZuschauerInnen. Partner des Youth

Trucks sind vor allem kleinere Organisationen

und Initiativen, die den Service

zur Unterstützung ihrer eigenen Aktivitäten

in Anspruch nehmen. Zunehmend

wenden sich auch Jugendliche selbst mit

dem Wunsch nach Beratung und Unterstützung

an die MitarbeiterInnen des

Youth Trucks.

Ansätze und Methoden der Kinder- und Jugendförderung in der deutschen EZ


Demokratieförderung, Dezentralisierung,

Förderung der Zivilgesellschaft

Stärkung junger Familien

Jugendliche, vor allem junge Paare und Familien in extremer Armut oder in Notlagen, werden dabei

gefördert, sich konstruktiv mit ihrer Lebenssituation auseinander zusetzen. In moderierten Workshops

entwickeln sie eigene Ideen zur Verbesserung ihrer Situation. Durch einen Kleinprojekte-

Fonds werden Mittel zur Realisierung der Ideen bereitgestellt. Außerdem lernen die Jugendlichen,

die Unterstützungsnagebote staatlicher Programme (Sozialwohnungsprogramme, Existenzgründungsprogramme,

Beschäftigungsprogramme etc.) zu nutzen.

Zielsetzung und Zielgruppe

Ziel der Methode ist die Förderung von Jugendlichen und jungen Familien in ihrer Identitätsbildung

sowie in der Entwicklung und Umsetzung ihres Lebensentwurfs. Zielgruppe sind Jungen und Mädchen

von zwischen 15 und 24 Jahren, die in extremer Armut leben.

Ergebnisse/Wirkungen

Durch die Methode wird die Selbstrefl exion und Ausdrucksfähigkeit der jungen Menschen gefördert.

Eine verbesserte Kommunikation zwischen jugendlichen Paaren wird erreicht, die Jugendlichen entwickeln

eigene Projekte zur Verbesserung ihrer Situation und stellen Kontakte zu staatlichen Programmen

her. Zudem werden die soziale Kompetenz und das Selbstbewusstsein bei den TeilnehmerInnen

gestärkt und es wird ein positives Sozialverhalten gefördert. Durch die Beschäftigung mit ihren eigenen

Identitäten und ihrer Lebensumwelt erwerben die Jugendlichen die Fähigkeit, ihre konkreten Bedürfnisse

in gesellschaftliche Diskussionsprozesse einzubringen und mit erwachsenen Entscheidungsträgern

ins Gespräch zu kommen. Ein weiteres Ergebnis sind die konkreten Verbesserungen der materiellen

Lebensbedingungen.

Methode

Je nach zur Verfügung stehenden fi nanziellen Mitteln wird eine bestimmte Anzahl von Mittlern zur Beratung

der jungen Familien vorbereitet und mit speziell entwickeltem didaktischem Material versehen.

Als Materialien werden einfache Elemente vorbereitet (Bilder, Karten oder Plakate auf denen kurze,

prägnante Sätze stehen, Spiele usw.). Mittels dieser Materialien werden Begriffe wie Jugend, Arbeit

und jugendliche Arbeit, Gemeinschaft, Geschlecht, Familie, aber auch andere Begriffe wie Freude,

Fröhlichkeit, Glück usw. vorgestellt und bearbeitet. Nicht selten leiden die Jugendlichen unter fehlender

Selbstachtung (zum Teil schon seit der Kindheit und durch das Umfeld verstärkt). Insofern sind

Ansätze und Methoden der Kinder- und Jugendförderung in der deutschen EZ

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Demokratieförderung, Dezentralisierung,

Förderung der Zivilgesellschaft

emotionale Begriffe besonders wichtig, weil das Projekt darauf abzielt, die Wahrnehmung der eigenen

Lebensbedingungen sowie die Selbstwahrnehmung zu thematisieren.

Daher ist die psychosoziale Arbeit, die im Rahmen von Gruppentreffen und individueller Betreuung

durchgeführt wird, ein wichtiger Bestandteil bei der Stärkung junger Familien. In einer Reihe von

Workshops zielt man darauf, das „Ich“ der TeilnehmerInnen in Beziehung zu den in den Materialien

verwendeten Begriffen zu setzen und die soziale Rolle der TeilnehmerInnen zu untersuchen. Es geht

darum, dass sich die TeilnehmerInnen ausmalen, wie ihr Leben besser, schöner und glücklicher sein

könnte.

Themen der Workshops:

Identität (Geschichte, Geschlecht und Gender, Sprache usw.)

Hier wird versucht, alle Vorkenntnisse, die die TeilnehmerInnen über sich selbst, ihre Lebenssituation

oder ihr Land haben, einzubeziehen und diese Vorkenntnisse auszudrücken und wertzuschätzen.

Lebensentwurf: „Wie stelle ich mir ein besseres Leben vor?“

Das kann sich sowohl auf das materielle Leben als auch auf persönliche Aspekte wie Paarbeziehungen,

Verhältnis zu den Eltern und Geschwistern usw. beziehen. Die Mädchen und Jungen entwickeln konkrete

Vorschläge zur Verbesserung ihrer Situation.

Kleinprojekte-Fonds

Die Workshops werden mit einem Kleinprojektfonds für Eigeninitiativen der Jugendlichen ergänzt,

damit sie die erste Veränderungsschritte umsetzen können (eigenes Bett, eigener Herd, eigenes Zimmer

etc.). Um diese Kleinkredite zu erhalten, müssen die TeilnehmerInnen ihre Projekte/Ideen vorstellen

und erläutern. Nach Durchführung der Maßnahme werden sie dazu eingeladen, zu erzählen, wie sich

ihr Leben verändert hat.

Darüber hinaus erhalten die Mädchen und Jungen einen Überblick über staatliche Förderprogramme,

die sie nutzen können.

Ansätze und Methoden der Kinder- und Jugendförderung in der deutschen EZ


Demokratieförderung, Dezentralisierung,

Förderung der Zivilgesellschaft

Ein Beispiel.....

„Puente“ – Interjoven /

Chile

Eine Komponente des Programms Chile

Solidario (ein nationales Programm, das

von der chilenischen Regierung 2002/03

zur Bekämpfung der absoluten Armut

gestartet wurde und vom staatlichen Sozialfond

FOSIS zusammen mit fast allen

Stadtverwaltungen des Landes koordiniert

wird), nennt sich „Puente“ (Brücke) und

stellt mit Hilfe von über 2.000 Mittlern

tatsächlich eine Brücke zwischen jungen

Familien und den bestehenden sozialen

Programmen her. Angesichts der Bedeutung

des Programms hat das TZ-Jugendvorhaben

INTERJOVEN eine spezielle

Arbeitslinie für die Zielgruppe Jugendliche

ausgearbeitet, die in absoluter Armut

leben. Dieses Projekt wurde in Zusammenarbeit

der Teams von „Puente“, der

regionalen Sozialfonds FOSIS und der

Stadtverwaltungen koordiniert. In den

ersten vier Monaten der Laufzeit des

Programms nahmen in drei Regionen 78

junge Familien teil, d.h. 127 Jugendliche.

Die guten Ergebnisse in drei Regionen

weckten Interesse in anderen Regionen,

so dass FOSIS in mindestens vier weiteren

Regionen das Pilotprogramm mit

eigenen Mitteln einführen wird. In 2005

wird von FOSIS eine Systematisierung

des Projektes durchgeführt und eine externe

Evaluierung vorbereitet.

Ansätze und Methoden der Kinder- und Jugendförderung in der deutschen EZ

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Demokratieförderung, Dezentralisierung,

Förderung der Zivilgesellschaft

Zeltlager für Kinder und Jugendliche

Zeltlager bieten Kindern und Jugendlichen Freiräume, in denen sie sich entfalten können. Durch

das intensive Miteinander lernen sie mehr über sich selbst und andere. Die gemeinsamen Erfahrungen

helfen den jungen Menschen, die Herausforderungen, die das Erwachsenwerden mit sich

bringt, besser zu bewältigen.

Zielsetzung und Zielgruppe

Ziel des Ansatzes ist es, bei den Mädchen und Jungen Verständnis und Interesse für die Prozesse

ihres eigenen Erwachsenwerdens zu fördern sowie ihnen positive Einstellungen und Hilfestellungen

zu vermitteln, mit denen sie diese Prozesse besser verarbeiten können. Zielgruppen sind Kinder und

Jugendliche im Alter von acht bis 16 Jahren.

Ergebnisse/Wirkungen

Die Zeltlager erlauben es Kindern und Jugendlichen, sich in einem geschützten Raum intensiv mit

ihrem Leben, ihrem sozialen Umfeld und ihrer Rolle auseinanderzusetzen. Hierdurch werden bei den

beteiligten Mädchen und Jungen intensive Refl exions- und Bewusstseinsbildungsprozesse in Gang gesetzt.

Sie entwickeln ihre eigene Identität weiter und stärken auch ihre Fähigkeit, sich und ihre Subjektivität

bzw. ihr Verhalten und ihre Wünsche objektiv zu betrachten. Zeltlager fördern die Eigeninitiative

sowie die Übernahme von Verantwortung für die Gemeinschaft.

Methode Zeltlager

Zeltlager sind kurzzeitpädagogische Maßnahmen für Kinder und Jugendliche außerhalb von Familie,

Schule und Erwerbsarbeit. Die TeilnehmerInnen verbringen die Zeit mit Gleichaltrigen in meist ländlicher

Umgebung.

Vorbereitung der Zeltlager

Zur Vorbereitung der Zeltlager werden Kontakte mit Institutionen, die mit Kindern und Jugendlichen

arbeiten und Interesse an einer Mitarbeit haben, aufgenommen (Schulen, Clubs, NROs usw.) Die Methode

eignet sich besonders zur Durchführung mit SchülerInnen.

Die Teilnahme an den Zeltlagern sollte freiwillig und offen für alle sein. Neben den Kindern und

Jugendlichen nehmen auch BetreuerInnen (Eltern und LehrerInnen) teil. Kontakte zu lokalen NRO

Ansätze und Methoden der Kinder- und Jugendförderung in der deutschen EZ


Demokratieförderung, Dezentralisierung,

Förderung der Zivilgesellschaft

sichern die notwendige Unterstützung bei der Organisation der Lager. Das ca. fünftägige Lager sollte

abwechslungsreich gestaltet sein. Tagsüber werden Workshops zu verschiedenen Themen wie Toleranz,

Kommunikation, Kultur, Sexualität etc. veranstaltet. Abends und nachts werden Aktivitäten wie einfache

Theaterstücke, Tanz, Lesungen, Erzählungen, Singen etc. durchgeführt, die sich auf die Themen

der Workshops beziehen. Am Abschlusstag sollte Zeit für Wiederholungen und die Rückbesinnung auf

das Erlebte und Erlernte eingeplant werden.

Mögliche Themenschwerpunkte des Zeltlagers

Sexualität und Fähigkeiten fürs Leben

In den Workshops werden den Kindern und Jugendlichen Informationen über Sexualität, Schwangerschaft,

Elternschaft und Erziehung vermittelt, aber auch praktische Fähigkeiten für den Lebensalltag

eingeübt. Die Methode berührt auch die geschlechtsspezifi schen, sozialen und kulturellen Vorurteile,

die die sexuelle Entwicklung begleiten. Wichtiges Ziel der Methode ist es, den jungen Menschen das jeweils

andere Geschlecht vertrauter zu machen. Die TeilnehmerInnen werden je nach Alter in Gruppen

aufgeteilt, damit sie die ihrem Alter und Entwicklungsstand entsprechenden Informationen erhalten

und sowohl be- als auch verarbeiten können. Idealerweise sind die Verantwortlichen der Ausbildung

Jugendliche, die selbst schon einen Ausbildungsprozess durchlaufen haben. Folgende Themen können

in den Workshops behandelt werden:

Für Kinder (acht bis zwölf Jahre):

� Was ist Sexualität?

� Wie wird ein Kind gezeugt? Wie wird ein Kind geboren?

� Beschreibung der Sexualorgane

� Was ist Geschlecht?

� Was ist sexuelle Orientierung?

Für Heranwachsende (13 bis 16 Jahre):

� Was ist verantwortliche Sexualität?

� Was ist Wertschätzung und Zuneigung für den Sexualpartner?

� Was ist Erotik und Sexualität?

� Was sind die Risiken des ungeschützten Sexualverkehrs?

� Was sind sexuell übertragbare Krankheiten?

� Sexuelle Unterschiede: vielfältige Sexualität, sexuelle Freiheit und sexuelle Orientierung

Ansätze und Methoden der Kinder- und Jugendförderung in der deutschen EZ

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Demokratieförderung, Dezentralisierung,

Förderung der Zivilgesellschaft

Unter Fähigkeiten fürs Leben wird bei dieser Methode die Vermittlung von Akzeptanz, Toleranz und

Selbstrefl exion verstanden.

� Sich selbst kennen lernen (Wer bin ich? Wer möchte ich sein? Wie möchten meine FreundInnen,

dass ich bin? Welche Stärken und Schwächen habe ich?)

� Kreativität (Was ist das und wie kann ich sie entwickeln?)

� Empathie (Fähigkeit, andere und ihre Geschichte zu verstehen und wertzuschätzen)

� Gute Laune

� Mit Spannungen und Konflikten umgehen

� Entscheidungen treffen

� Selbstsicherheit und Kommunikation

Follow-Up

Idealerweise werden am Heimatort und im Schulalltag die Ergebnisse und die Erfahrungen der Zeltlager

in das Alltagsleben und den Schulunterricht integriert. Die Ergebnisse können in Form von Artikeln,

Theaterstücken oder Vorträgen weitergegeben werden und so wird dazu beigetragen, dass die

beteiligen Institutionen sowie öffentliche und private Organisationen eventuell zukünftige Folgeprojekte

unterstützen.

Ein Beispiel.....

Campamento Educación

para la vida – El Salvador

Im November 2003 führte die SNF (Secretaria

Nacional de la Familia) mit Unterstützung

der deutschen TZ im Rahmen

des „País Joven Programms“ das Projekt

„Educación para la vida“ („Erziehung

für das Leben“) durch. An diesem Projekt

nahmen 130 Jugendliche aus elf

Gemeinden teil. Ziel war es, Kinder und

Jugendliche auf kreative und innovative

Weise in einem besonderen Umfeld in

„Fähigkeiten für das Leben“ auszubilden.

Die Inhalte wurden den Jugendlichen

von älteren Jugendlichen vermittelt.

Ansätze und Methoden der Kinder- und Jugendförderung in der deutschen EZ


Gesundheitsförderung, Familienplanung, HIV/AIDS und

Suchtprävention

GESUNDHEITSFÖRDERUNG, FAMILIENPLANUNG,

HIV/AIDS UND SUCHTPRÄVENTION

Einleitung

Das Recht junger Menschen auf eine gesunde Entwicklung wird durch die Lebensumstände in vielen

Partnerländern der deutschen EZ stark eingeschränkt. Kinder und Jugendliche, insbesondere aus sozial

benachteiligten Bevölkerungsschichten, sind zahlreichen Gesundheitsrisiken ausgesetzt, u. a. durch

Mangelernährung, unhygienische Wohnverhältnisse, innerfamiliäre Gewalt und Kinderarbeit. Darüber

hinaus befi nden sich gerade Jugendliche in einer entscheidenden Lebensphase hinsichtlich ihrer Persönlichkeitsentwicklung,

ihrer politisch und gesellschaftlichen Sozialisation sowie der Suche nach verbindlichen

Normen und Werten. Jugendliche sind neugierig, kreativ und innovativ, sie haben Energie

und wollen ihr Leben aktiv gestalten. Armut, die Aufl ösung traditioneller Sozialstrukturen, unzureichender

Zugang zu Bildung und Beschäftigung und mangelnde Zukunftsperspektiven führen bei jungen

Menschen zu Frustration und häufi g zur Abwendung von der Gesellschaft und einem Anstieg von

Risikoverhaltensweisen. Gewalt, Drogenmissbrauch, Frühschwangerschaften und sexuell übertragbare

Krankheiten, vor allem HIV/Aids, nehmen unter der jugendlichen Bevölkerung in vielen Entwicklungsländern

stetig zu.

Die umfassende Förderung der Jugendgesundheit setzt integrierte multisektorale Ansätze der Jugendarbeit

voraus und muss soziokulturelle Bedingungen berücksichtigen. Institutionen des Gesundheitssektors

müssen sich mit AkteurInnen aus dem Bildungs-, Beschäftigungs-, Sozial-, Sport- und Kulturbereich

abstimmen und gemeinsame Programme anbieten. Um die Berücksichtigung der Bedürfnisse

und Potenziale von jungen Menschen zu gewährleisten, sollten auch Organisationen der Zivilgesellschaft

und kommunale Institutionen, vor allem aber die in Gruppen und Netzwerken organisierten

Jugendlichen selbst, in Programme der Jugendgesundheitsförderung integriert werden. Wichtig sind

das „Empowerment“ von Mädchen und Jungen sowie die Vermittlung von „life skills“, die ein verantwortungsvolles

Verhalten in Risikosituationen fördern. Die hier beschrieben Ansätze und Methoden

konzentrieren sich vor allem auf Gesundheitsförderung im Rahmen von Institutionen, Medien zur

Gesundheitsförderung und Ansätze zur Förderung von Kommunikation und Dialogprozessen zu Themen

der sexuellen und reproduktiven Gesundheit.

Ansätze und Methoden der Kinder- und Jugendförderung in der deutschen EZ

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Gesundheitsförderung, Familienplanung, HIV/AIDS und

Suchtprävention

Gesundheitsförderung im Rahmen von Institutionen

� Gesundheitsfördernde Schule

� Jugendgesundheitszentren

� Workshops zur Suchtprävention an Hochschulen

Medien zur Gesundheitsförderung

� Erstellung jugendfreundlicher Aufklärungsbroschüren

� Informationsbroschüre Drogenmissbrauch

� Interaktive DVD zu HIV/AIDS

� Zeitung für Jugendliche – Straight Talk

Ansätze und Methoden der Kinder- und Jugendförderung in der deutschen EZ


Gesundheitsförderung, Familienplanung, HIV/AIDS und

Suchtprävention

Kommunikation und Dialogförderung

� Aufklärungsarbeit und Selbsthilfegruppen

� Elternnetzwerke

� Ferienprogramm

� Fortbildung von LehrerInnen in der schulischen Drogenaufklärung

� Generationendialog

� Mitmach Parcours zu AIDS, Liebe und Sexualität

� Peer Education – Jugendliche unterstützen Jugendliche

� Reproduktive Gesundheitsinitiative

� Sport Clubs zu HIV/AIDS-Prävention

� Straßenmusikworkshop

� Theater für Entwicklung

� Theater in der (Sucht)Prävention

� Workshops für Kinder: Die Wege des Lebens

Ansätze und Methoden der Kinder- und Jugendförderung in der deutschen EZ

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Gesundheitsförderung, Familienplanung, HIV/AIDS und

Suchtprävention

Gesundheitsfördernde Schule

Die gesundheitsfördernde Schule ist ein umfassender Ansatz, der mit unterschiedlichen Methoden

und Instrumenten auf ein gesundheitsförderndes Arbeitsklima und gesundheitliche Aufklärungsbzw.

Präventionsarbeit in Schulen zielt. Als allgemeiner Ansatz lässt sich die gesundheitsfördernde

Schule je nach Mitteln und Bedarf unterschiedlich aufwendig umsetzen.

Zielsetzung und Zielgruppe

Mit dem Konzept „Gesundheitsfördernde Schule“ soll ein gesundheitsförderlicher Raum geschaffen

werden, der erfolgreiches Lernen unterstützt. Schule soll damit als Lebensraum begriffen werden, der

neben fachlicher Bildung einen Schwerpunkt auf die Gesundheit der in der Schule Lernenden, Lehrenden

und Arbeitenden legt. Gesundheitsfördernde Schulen versuchen mit zusätzlichen Projekten zu

verschiedenen Aspekten physischer und psychischer Gesundheit, aber auch im regulären Unterricht,

verantwortungsvolles und gesundheitsbewusstes Verhalten von SchülerInnen zu fördern.

Geeignet ist der Ansatz generell für alle interessierten Schulen. Die einzelnen Maßnahmen können sich

an SchülerInnen jeden Alters richten.

Ergebnisse/Wirkungen

Gesundheitsfördernde Maßnahmen unter Beteiligung aller AkteurInnen fördern die Zusammenarbeit

und den Dialog zwischen SchülerInnen, LehrerInnen und Eltern. Dies hat eine positive Wirkung auf

die Lernatmosphäre und den Lernerfolg der SchülerInnen. Die Verbesserung des Gesundheitszustandes

der SchülerInnen fördert deren Aufnahmefähigkeit und Konzentration. Durch die Einbeziehung

von Eltern und anderen Bezugspersonen wird ein Bewusstseinswandel auch über die Schule hinaus

angestoßen.

Kennzeichen gesundheitsfördernder Schulen

Die Umgebung und Atmosphäre einer Schule sowie die Gestaltung des sozialen Klimas haben neben

Inhalten und Methodik der Lehrpläne entscheidenden Anteil am Lernerfolg. Klagen über psychosoziale

Störungen, Aggressivität und Desinteresse bei SchülerInnen sowie mangelnde Motivation und

Erschöpfungszustände bei Lehrkräften weisen auf Probleme im Schulsystem hin. In Entwicklungsländern

wird dies durch extremen Ressourcenmangel, unzureichende Ausbildung der LehrerInnen und

oftmals auch durch die Folgen der AIDS-Pandemie noch verschärft.

Ansätze und Methoden der Kinder- und Jugendförderung in der deutschen EZ


Gesundheitsförderung, Familienplanung, HIV/AIDS und

Suchtprävention

Schulbildung sollte deswegen alle Aspekte der menschlichen Entwicklung einschließen und einen Lebensraum

bieten, in dem sich alle wohl fühlen können. Gesundheitsfördernde Schulen bemühen sich

darum, ein gesundheitsförderlicher Ort zum Leben, Lernen und Arbeiten zu sein. Die dafür erforderlichen

Maßnahmen richten sich an SchülerInnen, LehrerInnen und Gemeinden. Gesundheitsfördernde

Schulen nutzen alle Anknüpfungspunkte, um innerhalb und außerhalb des Klassenraums gesunde

Lebensstile zu fördern. Dies geschieht durch Vermittlung von Wissen, durch Förderung von positiven

Einstellungen oder durch gemeinsames Handeln wie z.B. bei sportlichen Aktivitäten und durch künstlerische

Ausdrucksformen, bei der Ausgestaltung der Schule oder durch soziales Engagement in den

umliegenden Gemeinden. Instrumente wie der Mitmach-Parcours, Sportfördermaßnahmen, Theater

und Rollenspiele zu Themen (reproduktiver) Gesundheit u.a. sind weitere Möglichkeiten, gesundheitsbewusstes

Verhalten der SchülerInnen zu fördern.

Schulen sind ein privilegierter Ort, um eine große Anzahl junger Menschen mit lebenswichtigen Gesundheitsbotschaften

zu erreichen. Darüber hinaus können Schulen zur Entwicklung selbstbewusster,

eigenverantwortlicher Persönlichkeiten beitragen und jene Werte und Fähigkeiten vermitteln, die einen

gesunden, befriedigenden und sozial verantwortlichen Lebensstil ausmachen.

Neben SchülerInnen und LehrerInnen werden Eltern und Institutionen in die Schaffung gesundheitsfördernder

Schulen einbezogen. Gesundheitsfördernde Schulen suchen darüber hinaus die nachhaltige

Unterstützung der zuständigen Gemeinden und der Kommunalpolitik.

Ein Beispiel.....

Förderung der reproduktiven

Gesundheit - Mongolei

In Zusammenarbeit mit UNFPA und

UNESCO unterstützt das TZ-Projekt

die Fortbildung von LehrerInnen in

den Bereichen Schulgesundheit, Sexualaufklärung

und HIV/AIDS-Prävention

und entwickelt Unterrichtseinheiten zum

Thema. In Ergänzung dazu bietet das

lokale Gesundheitspersonal interaktive

Lehreinheiten über spezielle Themen

aus dem Bereich der reproduktiven Ge-

sundheit an. Peer Educators unter den

Schülern ergänzen den Unterricht durch

Vermittlung von Kenntnissen über Safer

Sex und Kondomgebrauch und tragen

dazu bei, dass die Mitschüler lernen, in

riskanten Situationen verantwortungsbewusste

Entscheidungen zu treffen. Peer

Educators, ihre LehrerInnen und das

lokale Gesundheitspersonal bilden das

Kernteam bei der Organisierung der Gesundheitsfördertage,

die zweimal jährlich

in jedem Projektdistrikt stattfi nden.

Ansätze und Methoden der Kinder- und Jugendförderung in der deutschen EZ

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6

Gesundheitsförderung, Familienplanung, HIV/AIDS und

Suchtprävention

Ein Beispiel.....

Präventive Aktivitäten im

Bereich reproduktiver Gesundheit

in Sekundarschulen

– Kap Verde

Im Rahmen einer Pilotaktivität berät die

deutsche TZ seit November 2001 eine

städtische und eine ländliche Sekundarschule

beim Aufbau eines Informationsund

Beratungsraums in der Schule. In

diesen weitgehend eigenverantwortlich

von den SchülerInnen organisierten

Räumen soll versucht werden, den Jugendlichen

fundiertes Wissen in für ihre

Entwicklung wichtigen Bereichen zu

Ein Beispiel.....

Gesundheitsförderung in

allgemeinbildenden Schulen

– Russische Föderation

Durch den weitgehenden Rückzug des

Staates aus der allgemeinen Gesundheitsfürsorge

und den Zerfall familiärer

Bindungen haben sich die Rahmenbedingungen

für ein gesundheitsbewusstes

Verhalten in der Bevölkerung während

der letzten Jahre entscheidend verschlechtert.

Besonders gefährdet sind

Kinder und Jugendliche. Die Zunahme

des (intravenösen) Drogengebrauchs,

steigender Alkoholkonsum und die Ausbreitung

von HIV-Infektionen bei jun-

vermitteln, damit sie später verantwortungsbewusst

handeln können. Mit Hilfe

verschiedener Medien und Kommunikationsformen

werden Informationen

zu von den SchülerInnen nachgefragten

Themen angeboten: Reproduktive

Gesundheit, Geschlechtskrankheiten,

HIV/AIDS, Drogen, Gewalt, Umwelt

und Berufsbildung. Neben der Schulleitung

und der Schülervertretung werden

auch die Elternvertretung, die lokale Gesundheitsbehörde

sowie die Vertretung

der katholischen Kirche unterstützt und

beraten.

gen Menschen sind besorgniserregend.

Die deutsche TZ unterstützt daher das

Bildungsministerium der Russischen Föderation

dabei, die Gesundheitsförderung

als einen elementaren Bestandteil

des Bildungsprozesses an allgemeinbildenden

Schulen in neun Regionen

auszubauen. Zur Zielgruppe gehören

regionale Bildungsmanager, Schulleiter

und geeignete LehrerInnen, die zur

Gesundheitsförderung an Schulen der

ausgewählten Regionen bereit sind. Die

eigentlichen Adressaten der gesundheitlichen

Aufklärung sind Schüler der Ersten

bis Neunten Klasse.

Ansätze und Methoden der Kinder- und Jugendförderung in der deutschen EZ


Gesundheitsförderung, Familienplanung, HIV/AIDS und

Suchtprävention

Jugendgesundheitszentren

Jugendgesundheitszentren basieren auf der aktiven Mitarbeit Jugendlicher selbst und beziehen den

Ansatz des Peer Counselling in ihre Arbeit mit ein. Dadurch entsteht eine sowohl jugendgerechte

als auch qualifi zierte Gesundheitsbetreuung junger Menschen.

Zielsetzung und Zielgruppe

Aufgrund ihrer höheren Risikobereitschaft und oftmals mangelnden Informiertheit sind Jugendliche

besonders von sexuell übertragbaren Krankheiten (besonders HIV/AIDS), ungewollten Schwangerschaften

und sexueller Gewalt betroffen. Infektionen bedeuten für Jugendliche oftmals den Verlust

jeglicher Zukunftsperspektiven und hindern sie an der Übernahme ihrer gesellschaftlichen Rolle. Ziel

des Jugendgesundheitszentrums ist es, Jugendliche im Alter von zehn bis 22 Jahren bei Problemen im

Zusammenhang mit reproduktiver Gesundheit zu unterstützen, erste medizinische Hilfe zu leisten und

die jungen KlientInnen zu einem verantwortungsvollen Sexualverhalten anzuleiten. Gegebenenfalls

werden Jugendliche an die entsprechenden Gesundheitseinrichtungen (Kliniken, Fachärzte) überwiesen

und so wird eine qualifi zierte medizinische Betreuung gewährleistet. Darüber hinaus bietet das

Jugendgesundheitszentrum Raum für Aktivitäten der Gemeinde oder der Nachbarschaft, ist aber auch

Raum für Begegnung und Austausch.

Zum besonderen Schutz und zur Förderung von Mädchen und jungen Frauen werden im Gesundheitszentrum

spezielle Angebote gemacht. Auch die sonst schwer erreichbare Gruppe der sich nicht

(mehr) in der Schule befi ndlichen Jugendlichen muss als spezielle Zielgruppe angesehen und durch

entsprechende Angebote für das Zentrum interessiert werden (mobile Angebote).

Ergebnisse/Wirkungen

Durch die Einrichtung eines Jugendgesundheitszentrums wird eine angemessene Betreuung Jugendlicher

in gesundheitlichen, aber auch persönlichen Fragen gewährleistet. Die reproduktive Gesundheit

Jugendlicher wird verbessert und ein bewusster und verantwortungsvoller Umgang mit Sexualität gefördert.

Die einzelnen Aktivitäten und Angebote des Gesundheitszentrums sind auf die ausdrücklichen

Wünsche und Bedürfnisse der Jugendlichen hin ausgerichtet, so dass das Jugendgesundheitszentrum

tatsächlich eine Anlaufstelle für Jugendliche darstellt.

Ansätze und Methoden der Kinder- und Jugendförderung in der deutschen EZ

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Gesundheitsförderung, Familienplanung, HIV/AIDS und

Suchtprävention

Gestaltung des Jugendgesundheitszentrums

Lage und Öffnungszeiten

Für die Lage des Gesundheitszentrums sollte ein Ort gewählt werden, der für möglichst viele Jugendliche

leicht zu erreichen ist und im besten Falle nahe einer von Jugendlichen häufi g besuchten Einrichtung

liegt (Schule, Sportzentrum, Kirche etc.). Das Gesundheitszentrum sollte auf neutralem Boden

errichtet werden, das heißt nicht einer politischen oder religiösen Gruppierung, Ethnie oder ähnlichem

zugerechnet werden können. Die Öffnungszeiten müssen an die Bedürfnisse der Jugendlichen angepasst

sein.

Öffentlichkeitsarbeit

Um das Jugendgesundheitszentrum möglichst vielen Jugendlichen und der Bevölkerung bekannt zu

machen, können folgende öffentlichkeitswirksamen Maßnahmen durchgeführt werden:

� Ausschreibung eines Wettbewerbs für Namen und Logo des Gesundheitszentrums mit anschließender

Preisverleihung vor Ort.

� Einweihungsfeier und Feiern zum Jahrestag der Einrichtung.

� Verteilen von Infomaterial und Werbeartikeln (Flyer, Poster, T-Shirts, Schlüsselanhänger etc.).

� Vorstellung des Zentrums über lokale Radiostationen, Radioquiz mit Preisverleihung im Gesundheitszentrum.

Personal und ehrenamtliche MitarbeiterInnen

Die MitarbeiterInnen des Jugendgesundheitszentrums müssen motiviert, fortgebildet im Bereich sexuell

übertragbarer Krankheiten und für den respektvollen Umgang mit jungen Menschen geschult und

begabt sein. Regelmäßige Weiterbildung, Supervision und Evaluierungen, an denen auch Jugendliche

teilhaben, sollten selbstverständlich sein.

Um das Gesundheitszentrum für Jugendliche attraktiv zu machen und seine Gestaltung wirklich den

Bedürfnissen der Jugendlichen anzupassen, ist es notwendig, Jugendliche (aber auch deren Eltern) von

Anfang an in alle Schritte des Aufbaus und der Organisation des Gesundheitszentrums einzubeziehen.

Eine intensive Beteiligung an Entscheidungsprozessen und die Übertragung von Verantwortlichkeiten

lässt das Gefühl einer Mitverantwortlichkeit für den Erfolg und Erhalt des Zentrums entstehen. Zusätzlich

trägt die ehrenamtliche Mitarbeit von Jugendlichen und Eltern zu einer Senkung der Kosten für

den Betrieb des Gesundheitszentrums bei.

Ansätze und Methoden der Kinder- und Jugendförderung in der deutschen EZ


Gesundheitsförderung, Familienplanung, HIV/AIDS und

Suchtprävention

Aktivitäten und Angebote des Gesundheitszentrums

Beratungsstelle

Hier wird Jugendlichen individuelle Beratung und Unterstützung bei konkreten Problemen der Pubertät,

des Erwachsenwerdens und der Sexualität (SRH) angeboten. Anonymität und Kontinuität der

Betreuung müssen gewährleistet sein. Gegebenenfalls kann die Beratungsstelle ihre KlientInnen an den

angeschlossenen Gesundheitsdienst weiterleiten.

Folgende Themen können zum Gegenstand werden:

� Jugendliche Partnerschaften,

� Diagnostik und Behandlung von sexuell übertragbaren Krankheiten (HIV/AIDS),

� Verhütung,

� Häufiger Partnerwechsel und die daraus entstehenden Risiken,

� Gebrauch von Kondomen.

In der Beratungsstelle können auch Jugendliche als BeraterInnen eingesetzt werden (peer counselling).

Da die Beratungen jedoch umfassende Kenntnisse und eine äußerste Sensibilität erfordern, sollten die

Jugendlichen sorgfältig ausgewählt werden und eine möglichst intensive Vorbereitung in Bezug auf

Vertraulichkeit, Wertschätzung der KlientInnen und Empathie erhalten. Eine kontinuierliche Supervision

dieser Peer Counsellors sollte gewährleistet sein.

Health Point (Gesundheitsdienst)

Ziel des Gesundheitsdienstes ist es nicht, eine vollständige medizinische Versorgung für Jugendliche

zu bieten, sondern vielmehr eine Brücke zwischen der überweisenden Beratungsstelle und dem von

Jugendlichen kaum genutzten öffentlichen Gesundheitssystem zu bilden. Der Service des Gesundheitsdienstes

umfasst Leistungen wie Beratung zur Familienplanung, Schwangerschaftstests, Routineuntersuchungen

während der Schwangerschaft oder Behandlungen von sexuell übertragenen Krankheiten.

Für die Jugendlichen sollte die Behandlung kostenfrei sein bzw. sollten lediglich sehr geringe Behandlungskosten

angesetzt werden. Das Gesundheitszentrum sollte auch die fi nanziellen Mittel haben, um

Unterstützung bei der Anschaffung von Medikamenten zu leisten und Präventionsartikel wie Kondome

oder Verhütungsmittel kostenfrei zur Verfügung zu stellen.

Ansätze und Methoden der Kinder- und Jugendförderung in der deutschen EZ

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Gesundheitsförderung, Familienplanung, HIV/AIDS und

Suchtprävention

Information, Bildung und Kommunikation

Die Angebote der Beratungsstelle und des Gesundheitsdienstes können durch zusätzliche Informations-

und Freizeitangebote unterstützt werden.

Spiele und Sport

Über das Angebot von Spielen und Sportmöglichkeiten gewinnt das Jugendgesundheitszentrum zusätzliche

Attraktivität für junge Menschen. Durch ein Freizeitangebot (das die Jugendlichen auch dann,

wenn keine Probleme vorliegen, an das Gesundheitszentrum bindet) kann eine kontinuierliche Betreuung

geleistet werden und die Beratungsstelle ein besseres Verständnis für die speziellen Umstände der

einzelnen Jugendlichen entwickeln. Aus gesundheitlicher Perspektive sind Sportangebote ein wichtiger

Beitrag zur Entwicklung junger Menschen. Besonders für pubertierende Jugendliche stellen sie eine

wichtige Möglichkeit der Auseinandersetzung mit sich selbst und ihrem sich verändernden Körper

dar.

Kulturelle Aktivitäten / Öffentlichkeitsarbeit

Dieser Bereich kann verschiedenste Aktivitäten wie Diskussionen, Theater- und Musikdarbietungen

etc. umfassen. Ausgangspunkt für alle Aktivitäten sollen immer die Anregungen, Fragen und Wünsche

der Jugendlichen selbst sein, um einseitige Vorgaben von Seiten der erwachsenen ExpertInnen und

BetreuerInnen zu vermeiden.

Mediathek und Dokumentation

Da Mediatheken in der Regel vergleichsweise wenig Anziehungskraft auf Jugendliche haben, können

die Öffnungszeiten auf Kernzeiten beschränkt sein. Mediatheken bieten jedoch nicht nur Literatur und

Information, sondern können auch zum Ort von Diskussionen und Austausch werden. Die Auswahl

der Bücher und des Filmmaterials sollte eine große Themenvielfalt im Bereich der sexuellen und reproduktiven

Gesundheit abdecken..

Ansätze und Methoden der Kinder- und Jugendförderung in der deutschen EZ


Gesundheitsförderung, Familienplanung, HIV/AIDS und

Suchtprävention

Ein Beispiel.....

Health Information,

Education and

Communication Centre for

Youth Sexual Health (CIS-

JEU) – Zentralafrikanische

Republik

Um die Gesundheitsversorgung für Jugendliche

zu verbessern wurde 1994 in

der Zentralafrikanischen Republik das

Jugendgesundheitszentrum CISJEU ge-

Ein Beispiel.....

Violencia, Droga y Sexualidad

- Argentinien

Von 2002 bis 2003 wurde das Programm

Violencia, Droga y Sexualidad in einem

Marginalviertel in der Provinz Buenos

Aires, Argentinien durchgeführt. Der

Ort ist geprägt von Armut und hoher

Arbeitslosigkeit, es gibt Probleme bei

der Wasser- und Stromversorgung, es

gibt keine funktionierende kommuna-

gründet. Seither kann das Gesundheitszentrum

steigende Zahlen von Jugendlichen,

die die Leistungen des Zentrums

in Anspruch nehmen, verzeichnen.

le Infrastruktur. In einem angemieteten

Raum konnten während des ersten Projektjahres

thematische Workshops zu

HIV/AIDS, reproduktiver Gesundheit,

Drogenaufklärung, Sexualität etc. durchgeführt

werden.

Ansätze und Methoden der Kinder- und Jugendförderung in der deutschen EZ

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Gesundheitsförderung, Familienplanung, HIV/AIDS und

Suchtprävention

Workshop zur Suchtprävention an Hochschulen

Workshops zur Suchtprävention stellen eine geeignete Methode dar, um die Drogenproblematik

auf allen Instanzen und bei allen Parteien einer höheren Bildungsinstitution ins Gespräch zu bringen

und eine Diskussion über mögliche Lösungsansätze anzuregen.

Zielsetzung und Zielgruppe

Dieser Workshop richtet sich an Mitglieder von Hochschulen wie Universitäten oder Fachhochschulen.

Angesprochen sind StudentInnen, der Lehrkörper und alle weiteren mit dem Lehrbetrieb in Verbindung

stehenden Personen. Zielsetzung des mehrtägigen Workshops ist es, alle beteiligten Personengruppen

und Instanzen zusammen zu bringen und gemeinsam Ansätze und Lösungsstrategien für das

Problem des Drogenkonsums an Bildungsinstitutionen zu diskutieren.

Ergebnisse/Wirkungen

Der Workshop zur Suchtprävention bringt alle beteiligten Parteien einer Institution über die oftmals

stark tabuisierte Drogenproblematik an Bildungsinstitutionen ins Gespräch. Ein verbessertes Bewusstsein

für die Drogenproblematik unter StudentInnen und bei den LehrerInnen, ein vermehrter Erfahrungsaustausch

zwischen den Institutionen, die Identifi zierung von Ressourcen und Präventionsmaßnahmen

sowie die Stärkung der Kooperationen mit nationalen und regionalen Organisationen im

Bereich der Suchtprävention werden erreicht.

Die Diskussion der Inhalte kann als Aufklärungsarbeit bei allen Zielgruppen verstanden werden. Das

Wissen über die Auswirkungen von Drogenmissbrauch sowie über Präventionsstrategien wird erweitert.

Ein verantwortungsvollerer Umgang mit Drogen und ein offenerer und sensiblerer Umgang mit

dem Thema „Drogenkonsum“ wird bewirkt. Als positiver Nebeneffekt kann das Erlernen und Einüben

von partizipativen Projektplanungsmethoden und interaktiver Seminargestaltung genannt werden.

Inhalte des Workshops

Eröffnung und allgemeiner Überblick über die Drogenproblematik

Einbettung in die allgemeine Drogenproblematik (nationales und regionales Umfeld):

� Wirtschaftsstrukturen und „Dealernetzwerke“

� Maßnahmen und Antidrogenprogramme

� Definitionen (legale, illegale Drogen etc.)

Ansätze und Methoden der Kinder- und Jugendförderung in der deutschen EZ


Gesundheitsförderung, Familienplanung, HIV/AIDS und

Suchtprävention

Situationsanalyse der Drogenproblematik in den Zielinstitutionen

� Drogenkonsum als spezifisches Problem an Bildungsinstitutionen

� Gruppen von DrogenkonsumentInnen

� Identifizierung möglicher Risikofaktoren und Ursachen für Drogenkonsum

� Auswirkungen des Drogenkonsums für den Einzelnen und die Institution

� Ausmaß und Spezifizierung der Drogenproblematik an der eigenen Institution

Konzepte zur Suchtreduktion

Diskussion adäquater Konzepte zur Reduzierung des Drogenkonsums für die jeweiligen Institutionen:

� Präventionsmaßnahmen: Aufklärungsarbeit, präventive Erziehung, Angebot von Alternativen,

Beratungsprogramme, gemeindebasierte Programme, ordnungspolitische Regelungen

� Behandlungsprogramme mit Nachsorge, Umgang mit Rückfällen

� Harm-Reduction Programme

� Diskussion der Kooperationsmöglichkeiten mit staatlichen und nichtstaatlichen Drogen- und

Hilfsprogrammen, der Polizei, medizinischem Fachpersonal und den Medien

Planung konkreter Maßnahmen

In Kleingruppen (StudentInnen, DozentInnen, etc.) werden mögliche Ansätze geplant:

� Formulierung einer Zielvorstellung

� Einschätzung der Ressourcen

� Identifizierung von möglichen Schwierigkeiten

� Festlegen einer konkreten Vorgehensweise für bestimmte Zielgruppen

Evaluierung und Abschluss Workshops

� Präsentation und Zusammenfassung der Ergebnisse der einzelnen Arbeitsgruppen

Ansätze und Methoden der Kinder- und Jugendförderung in der deutschen EZ

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Gesundheitsförderung, Familienplanung, HIV/AIDS und

Suchtprävention

Ein Beispiel.....

Exchange of Drug Prevention

Experiences in Schools

- Vietnam

Auf Anfrage des vietnamesischen Bildungsministeriums

wurden im Jahr

2000 durch die deutsche TZ zwei dreitägige

Workshops zu Suchtprävention in

Universitäten durchgeführt. Zielgruppe

waren in erster Linie StudentInnen,

DozentInnen und administratives Perso-

nal in Institutionen höherer Bildung, aber

auch MitarbeiterInnen des Bildungsministeriums

und anderer Organisationen

im Bereich der Suchtprävention. Von

den unterschiedlichen Teilnehmergruppen

wurden in Kleingruppenarbeit lokale

Konzepte zur Prävention bzw. zum Umgang

mit Drogenkonsum an Bildungsinstitutionen

diskutiert und geplant.

Ansätze und Methoden der Kinder- und Jugendförderung in der deutschen EZ


Gesundheitsförderung, Familienplanung, HIV/AIDS und

Suchtprävention

Erstellung jugendfreundlicher Aufklärungsbroschüren

Herkömmliche Aufklärungsmaßnahmen und -materialien gehen zumeist nicht auf die tatsächlichen

Fragen Jugendlicher ein und erreichen diese daher nur begrenzt. Die Erstellung von jugendfreundlichem

Aufklärungsmaterial unter Mitwirkung Jugendlicher orientiert sich am Beratungsbedarf

und den Erfahrungen von Mädchen und Jungen. Inhalte und Botschaften werden in

jugendgerechter Sprache und Darstellungsweise vermittelt, um so Verhaltensänderungen junger

Menschen im Bereich der sexuellen und reproduktiven Gesundheit zu bewirken.

Zielsetzung und Zielgruppe

In vielen Kulturen ist das Thema Sexualität so stark mit Tabus belegt, dass eine Diskussion zwischen

Jugendlichen und Erwachsenen kaum stattfi ndet. Die vorhandenen Informationen sind zumeist moralisierend,

langweilig oder rein medizinisch ausgelegt. Informationen zu den Themen Liebe, Partnerschaft,

Sex, Gender etc. werden aus der Perspektive erwachsener ExpertInnen dargestellt und lassen die

tatsächlichen Fragen der Jugendlichen oftmals unbeantwortet.

Die hier beschriebene Methode bezieht Jugendliche selbst in alle Schritte der Erstellung von Aufklärungsmaterial

(Erarbeitung des Inhalts, Design, Produktion) ein und fördert dadurch:

� die Bereitstellung korrekter und jugendgerechter Antworten auf Fragen zu Sexualität, Geschlechtskrankheiten

und Drogen,

� die Kenntnisse Jugendlicher im Bereich der sexuellen und reproduktiven Gesundheit sowie das

verantwortungsvolle Sexualverhalten.

Zielgruppe dieses Ansatzes sind Mädchen und Jungen im Alter von zwölf bis 25 Jahren.

Ergebnisse/Wirkungen

Durch die Einbeziehung von Jugendlichen in die Erarbeitung von Aufklärungsmaterial wird sichergestellt,

dass das Material den Bedürfnissen der Zielgruppe gerecht wird. Die am Entstehungsprozess

beteiligten Jugendlichen selbst profi tieren vom Prozess der Ausarbeitung und Produktion des Materials,

da sie sich intensiv mit Themen der sexuellen und reproduktiven Gesundheit auseinandersetzen

und zusätzliche Kompetenzen im Verfassen von Texten, Redigieren, Design und in der Produktion von

Printmedien erwerben.

Durch die Verteilung des Materials kann eine Vielzahl Jugendlicher erreicht werden und so deren Wissen

erweitert und ein verantwortungsvolles Sexualverhalten befördert werden.

Ansätze und Methoden der Kinder- und Jugendförderung in der deutschen EZ

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Gesundheitsförderung, Familienplanung, HIV/AIDS und

Suchtprävention

Entstehungsprozess der Aufklärungsbroschüren

Die Entwicklung der Aufklärungsbroschüren kann in neun Schritte eingeteilt werden:

1. Durchführung einer Umfrage/Studie unter Jugendlichen zu deren Kenntnissen, Einstellungen,

Verhalten und Fragen in Bezug auf reproduktive Gesundheit und HIV/AIDS,

2. Sammeln und Zusammenstellen der Fragen der Jugendlichen,

3. Auswahl der mitarbeitenden Jugendlichen und Bildung eines Redaktionsteams,

4. Entwickeln von Antworten in einem multidisziplinären Team bestehend aus Experten und Jugendlichen:

Erstellen einer Entwurfsfassung,

5. Brainstorming für die Illustration der Broschüre und Auswahl eines Cartoonisten und Fotographen,

6. Überarbeiten der Antworten und Illustrationen in einem multidisziplinären Team,

7. Testphase mit verschiedenen Gruppen von Jugendlichen,

8. Zusammenstellen einer fertigen Entwurfsfassung,

9. Überarbeiten der fertigen Entwurfsfassung zusammen mit verschiedenen Jugendgruppen.

Je nach Bedarf müssen nicht alle benannten Schritte durchlaufen werden. Neben der Entwicklung der

Broschüre selbst umfasst der Prozess auch die Einbeziehung weiterer Verantwortungsträger (Ministerien,

Institutionen etc.), die Kooperation mit relevanten Organisationen und Programmen und die

Verbreitung des erarbeiteten Materials.

Schwierigkeiten bei der Entwicklung und Verbreitung der Broschüren können durch Widerstände innerhalb

der zuständigen Ministerien und Behörden sowie in den Gemeinden und Familien entstehen.

Daher ist es wichtig, möglichst alle Akteure von Beginn an aktiv einzubeziehen.

Ansätze und Methoden der Kinder- und Jugendförderung in der deutschen EZ


Gesundheitsförderung, Familienplanung, HIV/AIDS und

Suchtprävention

Ein Beispiel.....

Aufklärungsbroschüren

– Tansania

Eine umfassende Studie in Tansania zu

Kenntnissen, Einstellung und Verhalten

Jugendlicher in Bezug auf reproduktive

Gesundheit und HIV/AIDS (KAP) ergab

im Jahr 1999, dass trotz Aufklärungskampagnen

Jugendliche sehr geringe

Kenntnisse über die genannten Themen

besitzen. Das TZ-Vorhaben „Reproduktive

Gesundheit“ nahm diese Resultate

zum Anlass, das herkömmliche Aufklärungsmaterial

durch jugendfreundlichere

Broschüren zu ersetzen, bei deren Erstellung

die Jugendlichen selbst intensiv

beteiligt wurden. Durch die Verteilung

des Materials wurde eine beachtliche

Verbesserung der Kenntnisse zu reproduktiver

und sexueller Gesundheit erreicht.

Ein Großteil der SchülerInnen

der einbezogenen Grundschulen gab an,

den Inhalt der Broschüren verstanden zu

haben. Aufgrund ihres Erfolgs wurde die

Methode evaluiert und zur Durchführung

in anderen Projekten aufbereitet.

Inzwischen wurde in bereits 17 Ländern

jugendfreundliches Aufklärungsmaterial

erstellt und in 15 Sprachen übersetzt.

In Tansania wird der Ansatz im Rahmen

des TZ-Programms zur Förderung des

Gesundheitssektors weitergeführt.

Ansätze und Methoden der Kinder- und Jugendförderung in der deutschen EZ

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Gesundheitsförderung, Familienplanung, HIV/AIDS und

Suchtprävention

Informationsbroschüre Tabak, Alkohol und Drogenmissbrauch

Die Broschüre bietet Kindern und Jugendlichen ein Basiswissen über Tabak, Alkohol und Drogenmissbrauch.

Sie ermöglicht die Aufklärung über und die Auseinandersetzung mit den Folgen von

legalem und illegalem Drogenkonsum. Die Broschüre wird gemeinsam mit den jungen Menschen

erarbeitet.

Zielsetzung und Zielgruppe

Die Informationsbroschüre richtet sich an Kinder und Jugendliche zwischen elf und 20 Jahren. Ziel

ist es, über die Konsequenzen und Wirkungen des legalen und illegalen Drogenkonsums aufzuklären.

Anhand der vielfältigen Fragen und Antworten in der Broschüre erlangen die Mädchen und Jungen ein

fundiertes Basiswissen und werden angeleitet, verantwortungsvolle Entscheidungen zu treffen.

Ergebnisse/Wirkungen

Die Informationsbroschüre besteht aus einer Sammlung von Fragen und Antworten zu Alkohol, Tabak

und illegalen Drogen, die von Jugendlichen selbst gestellt bzw. beantwortet werden. So wird bereits

während der Erstellung der Broschüre ein Bewusstsein für die Problematik geschaffen.

Die jungen Menschen lernen, die Risiken des Drogenmissbrauchs zu beurteilen, bewusste Entscheidungen

in Risikosituationen zu treffen und Eigenverantwortung zu übernehmen.

Methoden und Instrumente

Die in der Broschüre formulierten Fragen werden in den Schulen (Primar- und Sekundarstufen) von Kindern

und Jugendlichen selbst unter Anleitung eines Koordinationsteams gesammelt und aufbereitet. Es

empfi ehlt sich, für die Koordination der Methode ein interdisziplinäres Team aus SozialarbeiterInnen,

ÄrztInnen und BildungsexpertInnen zusammenzustellen. Die Jugendlichen werden auf allen Ebenen

der Herstellung der Broschüre mit einbezogen. Dadurch haben sie bereits im Entwicklungsstadium die

Möglichkeit, sich mit der Thematik auseinander zu setzen und miteinander in den Dialog zu treten.

Ansätze und Methoden der Kinder- und Jugendförderung in der deutschen EZ


Gesundheitsförderung, Familienplanung, HIV/AIDS und

Suchtprävention

Ein Beispiel.....

The Questions Adolescents

ask most frequently about

Drugs and Drug Abuse and

their Answers – Tanzania

In Tansania wurde von der deutschen TZ

im Jahr 2001 eine umfassende Sammlung

von Fragen zu Alkohol, Tabak und

illegalen Drogen an Primar- und Sekundarstufen

durchgeführt. Diese „Fragenund-Antworten-Sammlung“

wurde im

Anschluss daran unter Mitwirkung von

SchülerInnen, WissenschaftlerInnen

und BildungsexpertInnen zu einer Broschüre

zusammengefasst. Die Broschüre

entstand vor dem Hintergrund, dass ein

hoher Anteil an Jugendlichen mit legalen

und illegalen Drogen konfrontiert wird

und gleichzeitig nur sehr wenig Wissen

über die Wirkungen und Konsequenzen

der einzelnen Substanzen besteht. Kerngedanke

dieses Projektes war es, durch

Aufklärungsarbeit Kindern und Jugendlichen

die Gefahren des Drogenmissbrauchs

zu verdeutlichen und ihnen eine

Informationsbasis zu schaffen, durch die

es ihnen ermöglicht wird, sich bewusst

gegen den Konsum von Drogen zu entscheiden.

Die Broschüre entstand als Teil

einer Serie von Jugendaufklärungsbroschüren

zu den Themen Pubertät und

Gesundheit und wurde mittlerweile im

Rahmen anderer Vorhaben in Arabisch,

Französisch, Russisch, Kirgisisch, Usbekisch

und Tajikish übersetzt und in anderen

kulturellen Kontexten angewandt.

Ansätze und Methoden der Kinder- und Jugendförderung in der deutschen EZ

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Gesundheitsförderung, Familienplanung, HIV/AIDS und

Suchtprävention

Interaktive DVD zu HIV/AIDS

Mit der Produktion einer interaktiven DVD sowie einem dazugehörigen Diskussionsleitfaden erhalten

JugendpromotorInnen und JugendsozialarbeiterInnen ein Werkzeug an die Hand, um mit

Jugendlichen das Thema HIV/AIDS effektiv zu bearbeiten. Durch die Simulation von Lebenssituationen

und Entscheidungsprozessen werden bei Jugendlichen Diskussionen initiiert, die in der

Folge zu einem Bewusstseinswandel und einer Verhaltensänderung führen können.

Zielsetzung und Zielgruppe

Ziel der Methode ist es, mittels neuer Medien, einen thematisch ganzheitlichen Ansatz zu entwickeln,

um die Entscheidungskapazität von Jugendlichen im Hinblick auf ihre Sexualität und verknüpfte Themenbereiche

positiv zu beeinfl ussen und somit verantwortliches Handeln zu fördern. Dabei wird das

Thema HIV/AIDS mit einem erweiterten Armutsbegriff verknüpft, der Familienplanung und mikroökonomische

Zusammenhänge einschließt und somit zur methodischen Weiterentwicklung im

Bereich der HIV/AIDS-Bekämpfung beiträgt. Mit dem Materialpaket sollen VermittlerInnen (z.B.

JugendpromotorInnen) in die Lage versetzt werden, auf innovative Art und Weise sowie zielgruppengerecht

und armutsbezogen das Thema Sexualität zu bearbeiten.

Die Zielgruppen der Interaktiven DVD sind benachteiligte Jugendliche in ländlichen und städtischen

Armutsgebieten, die besonders von strukturellen Armutsproblemen und der HIV/AIDS-Pandemie

betroffen sind. Darüber hinaus zählen auch VermittlerInnen im Bereich der Jugend- und Sozialarbeit

zur Zielgruppe.

Ergebnisse/Wirkungen

Die Materialien tragen zu einer Professionalisierung von Fachkräften der Jugend- und Gesundheitsförderung

bei. Diese Fachkräfte erhalten ein interessantes, innovatives und an den Bedürfnissen und Erfahrungen

junger Menschen ausgerichtetes Aufklärungsmaterial, mit dem Jungen und Mädchen besser

erreicht werden können. Bei den Jugendlichen fördert die Verwendung des Materialpakets die Auseinandersetzung

mit und die Diskussion über verantwortungsvolles Sexualverhalten und so wird langfristig

zur Bewusstseins- und Verhaltensänderung hinsichtlich sexuellen Risikoverhaltens beigetragen.

Methoden und Instrumente

Im Zentrum der DVD stehen Entscheidungsprozesse von Jugendlichen hinsichtlich ihres Sexuallebens

und die Konsequenzen der getroffenen Entscheidungen im Hinblick auf Gesundheit, Familienplanung,

das Wohl des Gemeinwesens und die mikroökonomische Situation. Anhand der DVD und eines Diskussionsleitfadens

werden reale Lebenssituationen simuliert. Durch ein solch „spannendes Element“,

Ansätze und Methoden der Kinder- und Jugendförderung in der deutschen EZ


Gesundheitsförderung, Familienplanung, HIV/AIDS und

Suchtprävention

das die Verbindung von Edutainment und neuen Medien schafft, kann das Interesse junger Menschen

geweckt werden. Das Drehbuch für die DVD und das Konzept für den Diskussionsleitfaden sollten

dabei gemeinsam mit Jugendlichen in Workshops erarbeitet werden, um die Nähe der Zielgruppe zu

gewährleisten. Auch beim Produktionsprozess bzw. Aufnahmeprozess der DVD sollten Jugendliche

eine aktive Rolle einnehmen.

Anwendung in der Praxis

Die interaktive DVD bietet die Möglichkeit, eine Anzahl von Szenen (Modulen) mit Wahloptionen zu

versehen. So kann die Gruppe nach jedem Modul, das lebensnahe Szenen eines Jugendlichen (z.B. in

einer Bar, auf einer Party) zeigt, entscheiden, wie sich der „virtuelle Jugendliche“ verhalten soll. Im

Anschluss daran kann eine Diskussion stattfi nden und es können die Wahloptionen gezeigt werden,

für die sich die Gruppe während der Präsentation nicht entschieden hat. Der Diskussionsleitfaden soll

sicherstellen, dass die Materialien nicht zum Selbstzweck oder Spielen missbraucht, sondern zielgerichtet

eingesetzt werden. Es empfi ehlt sich, das Materialpaket mit der Unterstützung von Jugend- und

SozialarbeiterInnen in ländlichen und städtischen Armutsgebieten einzusetzen. Ihnen wird mit diesem

Paket eine innovative Möglichkeit angeboten, Jugendliche zu Selbstbestimmung und refl ektierten Entscheidungen

anzuleiten.

Ein Beispiel.....

Life Choices – Ein interaktiver

Film für Jugendliche

- Uganda

In Zusammenarbeit mit dem Ministerium

für Frauen, Arbeit und Soziale Entwicklung

(MoGLSD) in Uganda unterstützt

die deutsche TZ das Programm

„Promotion of the Welfare of Children

and Youth in Diffi cult Circumstances“

(PCY). Im Rahmen einer verstärkten

Berücksichtigung der HIV/AIDS-Problematik

innerhalb des Projekts wurde

2004/2005 mit der Entwicklung des

interaktiven Films „Life Choices“ eine

innovative Methode für die Aufklärungsarbeit

bei Jugendlichen entwickelt

und eingeführt. Mit dem Einsatz des

neuen Mediums sollte das in Uganda

üblicherweise verwendete Repertoire

an Aufklärungsmethoden (Rollenspiele,

Workshops, Broschüren) ergänzt und

verbessert werden und die Prinzipien

Partizipation und Selbstbestimmung der

Jugendlichen verstärkt in die Methodik

integriert werden. Die Entwicklung des

Materialpakets wurde in enger Kooperation

mit der vom DED betreuten Eigenmaßnahme

„HIV/AIDS am Arbeitsplatz“

erstellt. Auch für eine Anwendung

im Rahmen der Mobilen Sozialen Jugendarbeit

(z.B. „Youth Truck“) ist der

interaktive Film ideal.

Ansätze und Methoden der Kinder- und Jugendförderung in der deutschen EZ

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Gesundheitsförderung, Familienplanung, HIV/AIDS und

Suchtprävention

Zeitung für Jugendliche - Straight Talk

Die Zeitung „Straight Talk“ richtet sich an Jugendliche und informiert offen zu Themen wie Liebe,

Partnerschaft, Sexualität, reproduktive Gesundheit und Schwangerschaft. Über dieses Medium

können sich Jugendliche informieren, aber auch in den direkten Dialog mit einem BeraterInnenteam

treten, das für die Beantwortung von Fragen zur Verfügung steht.

Zielsetzung und Zielgruppe

Die Zeitung „Straight Talk“ vermittelt Informationen und Botschaften zu Sexualität, reproduktiver Gesundheit,

Frühschwangerschaften und insbesondere HIV/AIDS und zielt darauf ab, Einstellungs- und

Verhaltensänderungen in Bezug auf risikoreiches Gesundheitsverhalten bei Jugendlichen zu bewirken.

Sie richtet sich an Jugendliche in Sekundarstufen zwischen 15 und 19 Jahren und an StudentInnen von

Hochschulen, das heißt junge Erwachsene zwischen 20 und 24 Jahren.

Ergebnisse/Wirkungen

Durch den tabulosen Ansatz leistet „Straight Talk“ einen Beitrag zur Aufklärung Jugendlicher und

vermittelt ihnen Wissen über (gesundheitliche) Risiken unrefl ektierter, ungeschützter Sexualkontakte.

Damit ersetzt die Zeitung Aufklärungsarbeit, die oftmals von Eltern nicht oder zu wenig geleistet wird

und gibt LehrerInnen Hilfestellung im Umgang mit den Themen Sexualität und Gesundheit.

Die Zeitung ist Anregung für weitere Diskussion und unterstützt Jugendliche dabei, eigene Standpunkte

zu entwickeln, sich vor Risiken zu schützen und ihre eigene Meinung selbstbewusst zu vertreten.

Aufbau und Charakter der Zeitung

Charakteristikum der Zeitung ist ihr direkter Umgang mit Themen, über die in der Regel nicht gesprochen

wird. Damit reagiert sie auf die Neugierde Jugendlicher und gibt Antworten auf Fragen zu Liebe,

Partnerschaft und Sexualität. Die Zeitung ist in einem jugendgerechten, ansprechenden Stil gestaltet

und entsteht im Idealfall unter Beteiligung von Jugendlichen selbst. In ihrer inhaltlichen Gestaltung

verfolgt die Zeitung klare Botschaften, die Jugendliche zu einem verantwortungsvollen und selbstbewussten

Umgang mit sich selbst und anderen ermutigen sollen.

� Kenne deinen Körper!

� Setze dich mit deinen Emotionen auseinander und lerne, sie zu verstehen!

� Schütze dich vor (sexuell übertragbaren) Krankheiten! Benutze Kondome!

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Gesundheitsförderung, Familienplanung, HIV/AIDS und

Suchtprävention

� Nutze Beratungsangebote und Angebote zur Gesundheitsvorsorge!

� Lerne, dein Leben in die Hand zu nehmen und selbstbestimmte Entscheidungen im Hinblick auf

deine Sexualität zu treffen!

In einem direkten Dialog mit ihren LeserInnen kann die Zeitung eine Rubrik zur Beantwortung von

Fragen Jugendlicher und zur Beratung bei Problemen anbieten. Auch weitere Themen, die Jugendliche

beschäftigen, können in der Zeitung thematisiert werden.

Ein Beispiel.....

Straight Talk Programme

- Uganda

Straight Talk lässt sich in die umfassende

Basisgesundheitsinitiative einordnen, die

seit den 1980er Jahren in einer Kooperation

der ugandischen Regierung und verschiedener

Organisationen der Entwicklungszusammenarbeit,

unter anderem

der deutschen TZ, aufgebaut wurde. Zu

den beteiligten NROs zählt die Initiative

„Straight Talk“, die 1993 die erste Zeitung

herausgegeben hat. Die „Straight

Talk Initiative“ setzt sich heute durch

verschiedene Projekte für die Förderung

der Gesundheit Jugendlicher ein. Ziel ist

in erster Linie eine offene Kommunikation

über Sexualität, Frühschwangerschaften

und reproduktive Gesundheit

bzw. HIV/AIDS. Dabei setzt „Straight

Talk“ auf verschiedene Kommunikati-

onswege: Eine monatlich erscheinende,

drei- bis vierseitige Zeitung, die bei der

ugandischen Jugend große Popularität

genießt und inzwischen eine Aufl age

von 156.000 Exemplaren erreicht wird

an über 30.000 Adressen (die Hälfte davon

Schulen) in und außerhalb Ugandas

verteilt. Inhaltlich orientiert sich die Zeitung

an den Interessen der jugendlichen

LeserInnen und wirbt für Safer Sex und

Kondombenutzung. In einer speziellen

Rubrik setzten sich JugendberaterInnen

und ÄrztInnen mit den Fragen und Problemen

ihrer jugendlichen LeserInnen

auseinander. Ausgelöst durch die Zeitung

haben sich von Jugendlichen selbstorganisierte

„Straight Talk Clubs“ in Schulen

gegründet, in denen SchülerInnen ihre

Fragen und Ansichten zu Sexualität und

reproduktiver Gesundheit diskutieren.

Ansätze und Methoden der Kinder- und Jugendförderung in der deutschen EZ

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Gesundheitsförderung, Familienplanung, HIV/AIDS und

Suchtprävention

Aufklärungsarbeit und Selbsthilfegruppen

Aufklärungsarbeit durch die Gründung von Selbsthilfegruppen und durch Peer Education in der

Sexualaufklärung ist ein auf Breitenwirkung ausgerichteter Ansatz, der sich bei ausreichend großem

Problemdruck auf lokaler Ebene in der Regel als Selbstläufer erweist. Erst eine Vernetzung

auf regionaler oder sogar nationaler Ebene führt jedoch zu signifi kanten Wirkungen und einer

guten Sichtbarkeit.

Zielsetzung und Zielgruppe

Durch die Gründung von Selbsthilfegruppen versucht die vorliegende Methode junge Frauen, die von

Frühschwangerschaft oder Geschlechtskrankheiten in Folge ungeschützten Verkehrs betroffen sind,

zu unterstützen und Kapazitäten zur Selbsthilfe freizulegen. Die Methode beruht wesentlich auf dem

Engagement und der Kreativität der Jugendlichen selbst.

Durch die Einbeziehung der jungen Frauen in die Aufklärungsarbeit im Bereich Sexualität, Geschlechtskrankheiten,

Frühschwangerschaften und Gleichstellung der Geschlechter wird versucht, die Themen

für Jugendliche glaubhafter, überzeugender und ansprechender zu machen. Die konkrete Begegnung

mit betroffenen Peers trägt dazu bei, Misstrauen abzubauen und ermutigt die Jugendlichen, sich auf

einen Dialog einzulassen. Ein offenes Forum für Fragen, Ängste und Probleme wird geschaffen. Der

Einsatz von Peer Educators in der Sexualaufklärung versteht sich unter anderem als Beitrag zur Beseitigung

von geschlechtsspezifi schen Benachteiligungen und richtet sich an sexuell sehr früh aktive

Jugendliche, besonders Mädchen.

Ergebnisse/Wirkungen

Durch den Einsatz von Peer Educators in der Sexualaufklärung lässt sich ein deutlicher Rückgang

von Frühschwangerschaften, besonders unter der Gruppe der Peer Educators selbst verzeichnen. Ein

gesteigertes Bewusstsein für die Übertragung von Krankheiten durch ungeschützten Geschlechtsverkehr

wird erreicht. Indirekt führt die Arbeit der Peer Educators zu einer Verminderung der Kindersterblichkeitsrate,

da Kinder volljähriger Mütter in der Regel eine bessere Gesundheitsversorgung und

Ernährung genießen. Da minderjährige Mütter darüber hinaus überverhältnismäßig oft bei der Geburt

versterben, ist zu vermuten, dass der Einsatz von Peer Educators auch einen Einfl uss auf die Senkung

der Müttersterblichkeitsrate hat. Nicht zuletzt wird ein nicht zu unterschätzender Beitrag zum

Empowerment von Frauen geleistet. Für die jungen Frauen persönlich hat die Arbeit als Peer Educators

zumeist eine Verbesserung ihrer sozialen Stellung zur Folge. Wurden sie zuvor möglicherweise als

„dumme, leichte Mädchen“ abgestempelt, verhilft ihnen ihre Tätigkeit zu einem deutlicheren Selbstbild

und zur Eigenwahrnehmung als selbstbewusste, zuverlässige und intelligente Frauen. Peer Educators

thematisieren in der Öffentlichkeit kulturelle und institutionelle Probleme und entwickeln Verbesserungsvorschläge.

Damit leisten sie einen zentralen Beitrag zur Enttabuisierung von Frühschwangerschaften

und helfen jungen Müttern aus ihrer zumeist isolierten Situation.

Ansätze und Methoden der Kinder- und Jugendförderung in der deutschen EZ


Gesundheitsförderung, Familienplanung, HIV/AIDS und

Suchtprävention

Aufklärungsarbeit und die Gründung von Selbsthilfegruppen

Ausgehend von der Überlegung, dass junge Frauen ein doppeltes Interesse an Safer-Sex haben (Empfängnisverhütung

und Schutz gegen HIV) und aufbauend auf der positiven Erfahrung mit Selbsthilfegruppen

von HIV-Positiven, werden Selbsthilfegruppen für junge Mütter gegründet, um diese als

Peer Educator für jüngere oder gleichaltrige Mädchen auszubilden. Mit Einwilligung der Eltern führen

die Jugendlichen „Selbstzeugnis“- und Aufklärungskampagnen an Schulen durch. Die Peer Educators,

in ihrer Mehrheit unverheiratete junge Mütter, berichten dabei über die negativen Folgen der Frühschwangerschaften,

die sie selbst erfahren haben. Damit ergänzen sie die oft unzureichende Sexualaufklärung

in Schule und Familie und schaffen ein Forum des gegenseitigen Vertrauens in dem konkrete

Probleme, Ängste und Fragen diskutiert werden können. Neben informativen Veranstaltungen können

Peer Educators als Beraterinnen in konkreten Problemsituationen tätig werden. Sie leisten Hilfestellung

bei Fragen hinsichtlich einer Abtreibung, unterstützen Opfer von Vergewaltigungen und werden als

Mediatorinnen bei Schulproblemen oder –verweisen aktiv.

Vernetzung und Kooperationen

Durch die Vernetzung der Selbsthilfegruppen untereinander (Organisation von lokalen Gruppen,

regionale Netzwerke, Einrichtung eines nationalen Dachverbandes) erhält die Methode neben der

Selbsthilfe für die engagierten Frauen und der Aufklärung von Peers die zusätzliche Funktion des

Empowerments junger Frauen. Die Herausforderungen, die durch die Vernetzung untereinander und

Kooperation mit Organisationen im Gesundheitsbereich entstehen, geben den jungen Frauen die Möglichkeit,

in die Rolle selbstbewusster Verhandlungspartnerinnen hineinzuwachsen und soziale Kompetenzen

zu entwickeln.

Ansätze und Methoden der Kinder- und Jugendförderung in der deutschen EZ

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Gesundheitsförderung, Familienplanung, HIV/AIDS und

Suchtprävention

Ein Beispiel.....

„Kleine Tanten“ - Kamerun

KamerunerInnen beginnen früh mit

einem aktiven Sexualleben. Allerdings

fi nden 95 Prozent der Sexualkontakte

ungeschützt statt, 21 Prozent der jungen

Mädchen werden vor ihrem 18. Geburtstag

ungewollt schwanger. Da sich in den

meisten Fällen weder die Väter noch die

Familien um die jungen Mütter und ihren

Nachwuchs kümmern, lässt ein großer

Teil der Frauen Abtreibungen mit

oft schwerwiegenden gesundheitlichen

Folgen (Sterilität, chronische Erkrankungen)

vornehmen. Eine Entscheidung für

das Kind bedeutet für die jungen Mütter

zumeist den Abbruch der Schulausbildung,

wodurch sie ihren Einstieg in den

Beruf und damit die Chance auf eine

eigenständige Zukunft aufgeben. 2004

nutzten in Kamerun 2.000 junge Frauen

das Angebot der deutschen TZ und

organisierten sich in 25 Selbsthilfe- und

Peer-Educator-Gruppen. Ausgehend

von der Tradition, dass in Kamerun in

Familien die Tanten die Sexualerziehung

der Mädchen übernehmen, werden sie

„kleine Tanten“ (Tantine) genannt. In

den letzten vier Jahren führten die Tantines

über 1.000 Aufklärungsveranstaltungen

mit mehr als 60.000 Teilnehmern

durch. Die Anzahl der unerwünschten

Frühschwangerschaften ist bei den

Teilnehmerinnen von 21 Prozent auf

weniger als ein Prozent gesunken. Das

Frauenministerium beabsichtigt deswegen

die Gründung von weiteren Tantine-

Gruppen ab 2005 in Zusammenarbeit

mit dem Bildungs- und dem Sozialministerium

und unterstützt von verschiedenen

Gebern im Umfeld der mehr als 300

Frauenzentren. Während die Gründung

der Tantine-Gruppen ursprünglich im

Kontext des nationalen HIV/Aids-Programms

von der deutschen TZ initiiert

wurde, kooperieren die Gruppen heute

auch mit zahlreichen anderen Organisationen

und Programmen wie UNSIDA,

WHO, UNESCO, dem Internationalen

Roten Kreuz, dem DED etc.

Ansätze und Methoden der Kinder- und Jugendförderung in der deutschen EZ


Gesundheitsförderung, Familienplanung, HIV/AIDS und

Suchtprävention

Elternnetzwerke

Der Workshop für Eltern ist ein von Jugendlichen für ihre Eltern geschaffener Raum, in dem Eltern

Probleme und Ängste, die sich in der Auseinandersetzung mit ihren Kindern ergeben, diskutieren

können. Dies ist besonders für die Phase der Pubertät relevant. Der Workshop für Eltern versucht

der Tatsache Rechnung zu tragen, dass nur bei einer harmonischen Eltern-Kind-Beziehung Eltern

zu RatgeberInnen für Jugendliche in Fragen von Gesundheit und Sexualität werden können.

Zielsetzung und Zielgruppe

Basierend auf der Annahme, dass Familie und Eltern auch in der Phase der Adoleszenz einen zentralen

Bezugspunkt und Ort der Wissensweitergabe und Konsultation für Jugendliche darstellen, ist

es das wesentliche Ziel des Workshops, Eltern Unterstützung im Umgang mit den sich verändernden

Bedürfnissen und Erwartungen Jugendlicher anzubieten. Der Workshop versteht sich dabei weder als

rein wissensvermittelnder Unterricht noch als Selbsthilfegruppe, sondern bietet vielmehr als Diskussionsforum

die Möglichkeit des Austauschs.

Der Workshop richtet sich damit in erster Linie an Eltern und andere erwachsene Bezugspersonen von

Jugendlichen im Alter von zehn bis 19 Jahren, die nach Orientierung suchen, um eine verständnisvolle

Beziehung zu ihren jugendlichen Kindern aufbauen zu können.

Die Jugendphase bedeutet für die heranwachsenden Kinder bzw. Jugendlichen eine Reihe einschneidender

Veränderungen. Identitätssuche, Streben nach Eigenbestimmung und Erproben der neuen gesellschaftlichen

Rolle erfordern eine veränderte Eltern-Kind-Beziehung. Während Eltern in der Kindheitsphase

vornehmlich eine beschützende, bestimmende Rolle einnehmen, die von den Kindern in der

Regel akzeptiert wird, verändert sich die Elternrolle in der Jugendphase beträchtlich. Im Allgemeinen

stellt es für Eltern eine nicht zu unterschätzende Herausforderung dar, die Entwicklung ihrer Kinder

hin zu mehr Eigenständigkeit und den damit verbundenen Ablöseprozess zu akzeptieren. Dennoch

bleibt die Familie je nach Gesellschaft auch in der Jugendphase Quelle von Wissen sowie Instanz für

Werte, Rollen und Bräuche. Eltern wirken als ErfahrungsträgerInnen, Identifi kations- und Bezugsperson.

Eine funktionierende innerfamiliäre Kommunikationsstruktur ist daher für die Entwicklung von

Jugendlichen zentral.

Ergebnisse/Wirkungen

Die Einbeziehung der Eltern in die Projektarbeit von Jugendgesundheitsvorhaben ist ein wichtiges Instrument

zur Förderung der integralen Gesundheit Jugendlicher. Durch die Workshops für Eltern wird

erreicht, dass die Eltern für die Bedürfnisse ihrer Kinder sensibilisiert werden und dadurch eine verbesserte

emotionale Beziehung zwischen Eltern und Jugendlichen hergestellt wird. Familiäre Kommunikationsstrukturen

werden so verbessert und ein ehrlicher und offener innerfamiliärer Dialog ermöglicht.

Ansätze und Methoden der Kinder- und Jugendförderung in der deutschen EZ

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Gesundheitsförderung, Familienplanung, HIV/AIDS und

Suchtprävention

Methodik und Techniken des Workshops

Um die Gruppen überschaubar zu halten und fruchtbare Diskussionen zu ermöglichen, sollte die Zahl

von 15 Personen pro Gruppe nicht überschritten werden. Der Prozess der Gruppenbildung stellt eine

sensible Phase dar, da das Entstehen einer respektvollen und vertraulichen Atmosphäre entscheidend

für das Gelingen des Workshops ist.

Besonders für die ersten Treffen ist die Leitung durch einen Workshopleiter bzw. -leiterin oder einen

Moderator / eine Moderatorin hilfreich. Es sollte es sich um eine erwachsene, in Gruppenarbeit erfahrene

Person handeln, die im Idealfall auf Kenntnisse in Psychologie und Sozialarbeit zurückgreifen

kann.

Erste Sitzung

Ziel des ersten Workshopteils ist es, sich kennen zu lernen, Anspannungen und Ängste in der Gruppe

abzubauen, die Ziele des Workshops zu besprechen und die eigenen Erwartungen zu formulieren.

Folgende Punkte sollten zum Gegenstand gemacht werden:

� Vorstellung aller beteiligten Personen

� Vorstellung des Projekts

� Erwartungen an den Workshop

� Erwartungen an die Workshopleitung

� Erwartungen an die Gruppe

� Unterzeichnung eines „Verpflichtungsprotokolls“, in dem sich die beteiligten Personen auf Verhaltensregeln

und Umgangsweisen wie gegenseitigen Respekt, Diskretion etc. einigen

Methodisch kann mit verschiedenen Techniken wie Spielen, Visualisierungen und gelenkten Diskussionen

gearbeitet werden. Am Ende der Sitzung sollten die Ergebnisse festgehalten und die Zufriedenheit

der TeilnehmerInnen evaluiert werden.

Zweite Sitzung

In der zweiten Sitzung können, abgestimmt auf die Erwartungen und Wünsche der TeilnehmerInnen,

konkrete Themen der Eltern-Kind-Beziehung angesprochen und diskutiert werden. Die Eltern sollen

sich mit den Entwicklungsstufen und Veränderungen der Jugendphase auseinander setzen und für die

Perspektive ihrer Kinder sensibilisiert werden.

� Jugendzeit der Eltern

� Jugendzeit der Kinder

� Unterschiede und Ähnlichkeiten

� Hervorheben der Elemente, die eine Beziehung zwischen Eltern und Kind verbessern

Ansätze und Methoden der Kinder- und Jugendförderung in der deutschen EZ


Gesundheitsförderung, Familienplanung, HIV/AIDS und

Suchtprävention

Weitere Sitzungen

Je nach Interesse der TeilnehmerInnen können weitere Treffen verabredet werden. Nicht immer ist es

nötig, diese durch eine/-n Gruppenleiter/-in zu begleiten. Möglicherweise wird der Workshop zum

Startschuss für weitere selbst initiierte, informelle Diskussionsrunden und Treffen.

Themen für weitere Sitzungen können sein:

� Schwangerschaft im Jugendalter

� HIV/AIDS

� Gesundheitsvorsorge

� Sexualität und reproduktive Gesundheit

� Ernährung

� Gewalt bei Jugendlichen

Evaluierung des Workshops

Der Workshop sollte mit einer Evaluierung abgeschlossen werden, die in Form eines kurzen Fragebogens

durchgeführt wird.

Wichtige Fragen hierfür sind:

! Hat Ihnen die Gesprächsrunde gefallen?

! Erschienen Ihnen die Diskussionen hilfreich?

! Haben Sie Neues erfahren?

! Welche Themen haben Sie besonders berührt?

! Welche Themen haben gefehlt?

! Fühlen Sie sich für eine verbesserte Kommunikation zu Ihren Kindern vorbereitet?

! Würden Sie gerne an einem weiteren Workshop teilnehmen? Wenn ja, zu welchen Themen?

Ansätze und Methoden der Kinder- und Jugendförderung in der deutschen EZ

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Gesundheitsförderung, Familienplanung, HIV/AIDS und

Suchtprävention

Ein Beispiel.....

Caminando Juntos – TESÄ-

IRÄ – Paraguay

Eine Umfrage, die im Rahmen des deutschen

TZ-Projektes TESÄIRA durchgeführt

wurde, hatte zum Ergebnis, dass

die Beziehung zwischen Eltern und Jugendlichen

auch aus Sicht der Jugendlichen

selbst eine zentrale Rolle einnimmt

und Jugendliche nach einer Verbesserung

des Dialogs und der Kommunikation mit

den Eltern verlangen. Mit dem Projekt

„Caminando Juntos“ wurde diesen Ergebnissen

Rechnung getragen. Mithilfe

der Workshops werden Eltern verstärkt

in Jugendprojekte im Lebensumfeld ihrer

(jugendlichen) Kinder mit einbezogen.

Ansätze und Methoden der Kinder- und Jugendförderung in der deutschen EZ


Gesundheitsförderung, Familienplanung, HIV/AIDS und

Suchtprävention

Ferienprogramm

Insbesondere in den Schulferien sind Kinder und Jugendliche oftmals vollkommen sich selbst überlassen

und daher besonders anfällig für gesundheitliche Risikoverhaltensweisen. Die Aktivitäten

des Ferienprogramms sind leicht zu initiierende und durchzuführende Ansätze, mit denen Kinder

und Jugendliche „von der Straße geholt“ und in sinnvolle Projekte eingebunden werden können.

Zielsetzung und Zielgruppe

Zielsetzung eines Ferienprogramms ist es, Kindern und Jugendlichen, insbesondere während der Schulferien,

Alternativen im sozialen, kulturellen, sportlichen und kreativen Bereich anzubieten und ihnen

eigene Freiräume und verschiedene Möglichkeiten der Freizeitgestaltung zu eröffnen.

Primäre Zielgruppe des Ferienprogramms sind Schulkinder im Alter von fünf bis elf Jahren, aber auch

ältere Kinder und Jugendliche können angesprochen werden. Darüber hinaus richtet sich das Programm

an Jugendliche ab circa 15 Jahren, die sich als FreizeitpromotorInnen engagieren möchten.

Ergebnisse/Wirkungen

Freizeitangebote in den Schulferien haben, insbesondere in städtischen Marginalsiedlungen, den Effekt,

Kinder und Jugendliche von der Straβe zu holen und sie in gemeinsame Aktivitäten einzubinden.

Damit ist das Ferienprogramm auch als präventive Maβnahme gegen jugendliche Bandenbildung und

die Verwicklung junger Menschen in Drogenhandel und –konsum zu verstehen. Darüber hinaus trägt

das Ferienprogramm zu einer Belebung des Gemeinde- bzw. Stadtteillebens bei und eröffnet neue Freiund

Gestaltungsräume für Kinder und Jugendliche.

Jugendliche FreizeitpromotorInnen, die die Projektaktivitäten in Eigenverantwortung organisieren und

steuern, entwickeln durch ihre Tätigkeit ein gestärktes Selbsthilfepotenzial und Selbstbewusstsein und

erwerben darüber hinaus soziale Kompetenzen wie Organisationsfähigkeit, Teamfähigkeit und Führungsqualitäten.

Organisation und Gestaltung eines Ferienprogramms

FreizeitpromotorInnen

Für die Umsetzung eines Ferienprogramms können Jugendliche als PromotorInnen gewonnen werden.

Diese übernehmen Planung, Organisation, Gestaltung und Durchführung der einzelnen Aktivitäten des

Ferienprogramms und sollten bei Bedarf auf die Beratung und Unterstützung von SozialarbeiterInnen

oder LehrerInnen zurückgreifen können.

Ansätze und Methoden der Kinder- und Jugendförderung in der deutschen EZ

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Gesundheitsförderung, Familienplanung, HIV/AIDS und

Suchtprävention

Aktivitäten

Für die Gestaltung des Programms bieten sich vielfältige Aktivitäten an, die sich an den Interessen

der Zielgruppen orientieren sollten. Insbesondere ist auf ein möglichst breites Angebot zu achten, das

verschiedene Alterstufen sowie die unterschiedlichen Interessen von Mädchen und Jungen berücksichtigt.

Einige Beispiele sind:

� Sportveranstaltungen und Turniere

� Ausflüge und kulturelle Besichtigungen

� Musik- und Tanzveranstaltungen

� Zeltlager

� Ausstellungen

� Feste

� Mal-, Bastel- und andere Workshops

Darüber hinaus können mit Unterstützung von Jugendorganisationen gröβere Aktionen mit nachhaltigem

Effekt geplant werden:

� Renovierung von Sportanlagen

� Einrichtung einer Gemeindebibliothek bzw. eines Bücherbuses als mobile Bibliothek

Ansätze und Methoden der Kinder- und Jugendförderung in der deutschen EZ


Gesundheitsförderung, Familienplanung, HIV/AIDS und

Suchtprävention

Ein Beispiel.....

Freizeitpromotoren in Manzanilla

II – Peru

Von 1998 bis 2002 unterstützte die

deutsche TZ die peruanische Nichtregierungsorganisation

„Centro de Información

y Educación para la Prevención

del Abuso de Drogas“ (CEDRO) bei

der Umsetzung eines integrierten Gemeindeentwicklungsansatzes

in der städtischen

Marginalsiedlung Manzanilla II

in Lima. Ziel des Vorhabens war es, ein

breitenwirksames, wiederholbares und

nachhaltiges Präventionsprogramm auf

der Basis von Maßnahmen der Stadtteilförderung

zu entwickeln und durchzuführen.

Damit sollten die Lebensperspektiven

von Kindern und Jugendlichen

verbessert sowie zur Reduzierung des

Drogenmissbrauchs und -handels beigetragen

werden. In diesem Rahmen wurde,

unter anderem mit Unterstützung

von jugendlichen FreizeitpromotorInnen,

das sehr begrenzte Freizeitangebot

für Kinder und Jugendliche verbessert.

Neben der Renovierung der Sportanlage

der Siedlung konnte eine Vielzahl von

Freizeitaktivitäten wie Kunstworkshops,

Musikveranstaltungen und Zeltlager insbesondere

in den Sommerschulferien

durchgeführt werden. Auch eine mobile

Gemeindebibliothek, die Bücher in die

Haushalte der Siedlung brachte, wurde

eingerichtet.

Ansätze und Methoden der Kinder- und Jugendförderung in der deutschen EZ

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Gesundheitsförderung, Familienplanung, HIV/AIDS und

Suchtprävention

Fortbildung von LehrerInnen in der schulischen

Drogenaufklärung

Bei der Fortbildung für Lehrkräfte zum Thema Drogen und Sucht handelt es sich um Aufklärungsarbeit,

die zu einer verbesserten und zielgruppengerechteren Vermittlung von Kenntnissen über die

Folgen von Drogenkonsum an Schulen beitragen soll. Über die Fortbildung von Schulfachkräften

kann eine breite Gruppe von Jugendlichen erreicht werden.

Zielsetzung und Zielgruppe

Schulische Einrichtungen spielen in der Vermittlung von Informationen an Kinder und Jugendliche

über Drogen und die Folgen von Drogenmissbrauch auf individueller und sozialer Ebene eine wichtige

Rolle. Fortbildungsmaßnahmen für LehrerInnen in diesem Bereich sollen die Fähigkeiten der Schulfachkräfte

stärken und zielen auf eine Reduzierung des Drogenkonsums unter den Jugendlichen bzw.

auf einen verantwortungsvolleren Umgang mit Drogen ab. Zielgruppen sind LehrerInnen an Schulen,

aber auch andere externe MultiplikatorInnen wie Präventionsfachkräfte oder SozialarbeiterInnen, die

gesundheitliche Aufklärung in Schulen durchführen.

Neben der reinen Vermittlung von Kenntnissen zur Drogenaufklärung ist es Ziel der Fortbildung, ein

Konzept zur Gestaltung von Aufklärungsarbeit an Schulen zu erarbeiten. Die Fortbildung stellt eine

Plattform zum Austausch von Erfahrungen, aber auch Gelegenheit zur gemeinsamen Ausarbeitung

von Ideen zur Verankerung der Drogenproblematik im Unterricht dar und wirkt damit dem allgemeinen

Problem des Lehrers bzw. der Lehrerin als EinzelkämpferIn entgegen. Klassen- und schulübergreifende

Partnerschaften und Projekte können initiiert werden.

Ergebnisse/Wirkungen

LehrerInnen und andere MultiplikatorInnen erwerben verbesserte Kenntnisse über Drogen, Drogenabhängigkeit,

Suchtverhalten und die physischen, psychischen und sozialen Auswirkungen. Darüber

hinaus erlernen sie partizipative und jugendgerechte Methoden in der schulischen Aufklärungsarbeit.

Die Fortbildung fördert den Erfahrungsaustausch und die Vernetzung zwischen Schulen und unter

den TeilnehmerInnen. Die ausgebildeten LehrerInnen und MultiplikatorInnen erreichen eine große

Anzahl von Mädchen und Jungen in Schulen und darüber hinaus in Familien und Gemeinden. Junge

Menschen lernen durch die Aufklärungsarbeit, die Risiken des Drogengebrauchs besser einzuschätzen

sowie einen verantwortungsvollen Umgang mit Drogen.

Ansätze und Methoden der Kinder- und Jugendförderung in der deutschen EZ


Gesundheitsförderung, Familienplanung, HIV/AIDS und

Suchtprävention

Inhalte der Fortbildungsmaßnahme

Ermittlung von Vorkenntnissen

Um in der Gestaltung des Programms an die Vorkenntnisse der TeilnehmerInnen anschließen zu können,

empfi ehlt es sich, im Vorfeld eine Art Pre-Test durchzuführen. In Form eines Fragebogens oder

eines Brainstormings zu Schlüsselbegriffen können, neben sachlichen Vorkenntnissen, auch Vorurteile,

Tabus und Fehleinschätzungen ermittelt werden.

Vermittlung von Kenntnissen

Die Auswahl der Themen sollte immer auf die Interessen und speziellen Situationen der teilnehmenden

LehrerInnen, MultiplikatorInnen und der Schulen, die sie vertreten, zugeschnitten sein. Die

TeilnehmerInnen erlernen sowohl notwendige Fachkenntnisse, als auch Methodenkompetenz zur Weitervermittlung

der Kenntnisse. Es ist wichtig, während der Fortbildung auf den Einsatz partizipativer

Methoden, z. B. Gruppendiskussion- und arbeit, Rollenspiele etc. sowie die Verwendung unterschiedlicher

Medien zu achten.

Folgende Inhalte können bearbeitet werden:

� Allgemeines zur Thematik Drogen und Sucht: Herstellung von Drogen, Geschichte des Drogenkonsums

bzw. des Drogenkonsums in unterschiedlichen Kulturen

� Ursachen für Drogenkonsum

� Auswirkungen von Drogen auf die Gesundheit (zentrales Nervensystem, Verdauungssystem, Atmungssystem,

Fortpflanzungsorgane etc.)

� Auswirkungen von Drogenkonsum während der Schwangerschaft

� Auswirkungen von Drogenkonsum und Abhängigkeit auf das Sozialverhalten und das soziale

Umfeld des Betroffenen

� Auswirkungen von Drogen auf die Gemeinschaft / Gesellschaft

� Einbettung von Drogenkonsum und Suchtverhalten in das kulturelle Umfeld

� Möglichkeiten der Suchthilfe und Behandlung von Drogenabhängigkeit

� Zusammenhang von Drogen und Kriminalität

� Mögliche Vorbeugungsmaßnahmen innerhalb der Gemeinde

� Mögliche Vorbeugungsmaßnahmen von Seiten der LehrerInnen und SchülerInnen

Ansätze und Methoden der Kinder- und Jugendförderung in der deutschen EZ

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Gesundheitsförderung, Familienplanung, HIV/AIDS und

Suchtprävention

Ein Beispiel…..

Fortbildung von

LehrerInnen in der Drogenaufklärung

- Afghanistan

Mangelndes Bewusstsein für die schädigenden

Wirkungen von Drogen ist in Afghanistan

eine Ursache für die wachsende

Zahl von Drogensüchtigen. Ein Großteil

der Betroffenen beginnt den Drogenkonsum

im Jugendalter. Im Rahmen des

von der deutschen TZ unterstützten Projekts

„Integrated Local Drug Prevention,

Treatment and Rehabilitation in Afghanistan“

(IDPA) wurden von der NRO

„Shahamat Health and Rehabilitation

Organization (SHRO)“ in den Regionen

Kabul, Paktia und Badakhshan von April

2004 bis Februar 2005 Fortbildungen

für rund 900 Highschool-LehrerInnen

und andere MultiplikatorInnen (Polizisten,

Gemeindevorsteher etc.) durchgeführt.

Dadurch wurde eine Vielzahl

von SchülerInnen und weiteren Personen

zum Thema Drogen aufgeklärt.

Eine verbesserte Aufklärungsarbeit in

den Schulen (Projekt- und Theaterarbeit,

Musikgruppen, Kurzseminare für

SchülerInnen), Vernetzung der Schulen,

zunehmendes Interesse und aktive Mitarbeit

der SchülerInnen konnten als Wirkungen

verzeichnet werden.

Ansätze und Methoden der Kinder- und Jugendförderung in der deutschen EZ


Gesundheitsförderung, Familienplanung, HIV/AIDS und

Suchtprävention

Generationendialog

Dialog und Kommunikation bilden die Grundlage dieser Methode. Da Dialog- und Kommunikationsformen

in der Regel stark kulturell bedingt sind, ist es für das Gelingen des Generationendialogs

zentral, die kulturellen und gesellschaftlichen Kontexte der TeilnehmerInnen zu berücksichtigen

und in die Auswahl der Techniken des Workshops mit einzubeziehen. Nur wenn ein für alle

TeilnehmerInnen viabler Zugang gefunden wird, kann eine lebendige Begegnung zwischen den

Generationen entstehen.

Zielsetzung und Zielgruppe

Im Gegensatz zu klassischen Aufklärungsmethoden wie Vorträgen, Filmen etc., die Fakten über gesundheitliches

Risikoverhalten zu vermitteln versuchen, zielt die Methode Generationendialog darauf

ab, eine lebendige, lebensnahe Diskussion anzuregen. Damit wird der Erkenntnis Rechnung getragen,

dass reine Wissensvermittlung über Risiken und Gefahren nicht zwangsläufi g auch zu einer Vermeidung

von deren Ursachen führt. In Ergänzung zur Wissensvermittlung thematisiert der Generationendialog

auch die sozialen, traditionellen und kulturellen Implikationen von HIV/AIDS, Genitalverstümmelung,

Sexualmoral, reproduktiver Gesundheit, aber auch innerfamiliärer Gewalt, Gleichberechtigung

der Geschlechter, Familienplanung etc. und bricht diese Diskussion auf die persönliche Ebene der

beteiligten Personen herab. Der hier dargestellte Workshop hat eine Annäherung zwischen den Generationen

und Geschlechtern und eine verbesserte Kommunikation untereinander zum Ziel. Lösungen

für die oben genannten Probleme sollen in den jeweiligen gesellschaftlichen Kontext eingebettet und

somit für die Betroffenen realisierbar gemacht werden.

Zielgruppe sind Frauen und Männer unterschiedlicher Generationen.

Ergebnisse/Wirkungen

Der Workshop zum Generationendialog schafft eine offene Atmosphäre für Diskussionen und Dialoge,

die andernfalls nie stattfi nden würden. Damit geht er auf den oftmals starken Redebedarf der

TeilnehmerInnen ein und schafft Gelegenheiten für Austausch untereinander. Als Folge des Workshops

kann eine verbesserte und offenere Kommunikation zwischen Großeltern, Eltern und Kindern

beobachtet werden und ein enttabuisierter Umgang mit gesundheitlichen und sozialen Themen

verzeichnet werden. Durch ein verständnisvolles Aufeinanderzugehen unterschiedlicher Generationen

können Änderung in tradierten Vorstellungen und Regeln bewirkt werden.

Ansätze und Methoden der Kinder- und Jugendförderung in der deutschen EZ

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Gesundheitsförderung, Familienplanung, HIV/AIDS und

Suchtprävention

Hintergrund des Dialogansatzes

Die Methode Generationendialog basiert auf der Annahme, dass Menschen sich selbst und die Geschehnisse

um sie herum vor allem durch Erzählungen, also narrative Konstruktionen, verstehen. Diese

sind als Lebenskonzepte zu verstehen, die die Menschen für sich entworfen haben. Angestrebte Verhaltensänderungen

können demnach nur erfolgreich sein, wenn sie diese Narrationen, (Lebens)Konzepte,

Bilder und Metaphern berücksichtigen und daran anknüpfen. Erst wenn die Vergangenheits-, Gegenwarts-

und Zukunftskonstruktionen der TeilnehmerInnen mit in den Dialog einbezogen werden, wird

eine Atmosphäre der Wertschätzung und des Respekts geschaffen, die einen offenen Dialog zwischen

den unterschiedlichen Teilnehmergruppen bzw. Generationen ermöglicht.

Techniken und Ansatzpunkte

Die Techniken zielen auf ein besseres Verständnis der Generationen füreinander, versuchen die Kommunikation

untereinander zu verbessern und Möglichkeiten gegenseitiger Bereicherung heraus zu kristallisieren.

Sprichworte und Redensarten

Beispielsweise können zum Workshop passende Sprichwörter und Redensarten als traditionelle Formen

der Weitergabe von Wissen und Tradition einander vorgestellt werden oder Grundlage für Diskussionen

bieten. Gelegenheiten für Fragen an die andere Generation werden geschaffen. Unterschiede

und Gemeinsamkeiten zwischen den Generationen können gesammelt und diskutiert werden.

Neugier

Die Übungen sollten die Neugierde der TeilnehmerInnen an der Situation, den spezifi schen Problemen

und Bedürfnissen der jeweils anderen Generation wecken.

Macht und Ohnmacht

Übungen, die Machtunterschiede, ungerechte Machtverteilung, ungleiche Entscheidungsinstanzen etc.

herausarbeiten, helfen Ungerechtigkeiten aufzudecken und ermöglichen es, emanzipatorische Ideen

zu formulieren. Dabei ist es wichtig, darauf zu achten, dass beiderseits Zugeständnisse und Gewinne

gemacht werden.

Lebenslinien

Als äußerst konstruktiv hat sich die Arbeitsmethode herausgestellt, bei der in kleinen Gruppen der

typische Lebensweg einer Frau oder eines Mannes aus Sicht der jeweiligen Generation dargestellt wird.

Dazu werden verschiedene Darstellungsformen genutzt (Musik, Bewegung, Rollenspiele, Geschichten

etc.). Hierbei wird deutlich, welche Situationen und Ereignisse für die unterschiedlichen Gruppen von

Bedeutung sind, sowie welche Werte, Bedingungen und sozialen Gegebenheiten sich für die unterschiedlichen

Lebenswege als maßgebend erweisen.

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Gesundheitsförderung, Familienplanung, HIV/AIDS und

Suchtprävention

Bedingungen für einen erfolgreichen Dialog

� Eine wertschätzende und respektvolle Seminaratmosphäre ist unbedingte Voraussetzung für ein

Gelingen des Generationendialogs. Diese zu schaffen und Regeln für die Zusammenarbeit zu

vermitteln, ist Aufgabe des Moderators bzw. der Moderatorin. Um unnötige Kommunikationsbarrieren

zu vermeiden sollten Alter und Geschlecht des Moderators / der Moderatorin auf beide

Zielgruppen abgestimmt sein.

� Für die Kommunikation sollte die traditionelle Sprache der Zielgruppe gewählt werden, da in ihr

zumeist Wertvorstellungen und Lebenskonzepte besser transportiert werden.

� Die eingesetzten Arbeitstechniken müssen sicherstellen, dass beide Gesprächsgruppen gleichermaßen

Gelegenheit haben, ihre Standpunkte zu formulieren und von der jeweils anderen Gruppe

angehört zu werden.

� Der Veranstaltungsort sollte so gewählt werden, dass sich alle TeilnehmerInnen in vertrauter Umgebung

fühlen. Gegenstände für traditionelle Ausdrucksformen wie Musikinstrumente, Symbole

etc. sollen bereit liegen.

Auswahl der TeilnehmerInnen

Die Zahl der TeilnehmerInnen sollte nicht mehr als 15 Personen je Generation betragen. Um eine

gewisse Nachhaltigkeit für die gesamte Gemeinschaft zu erzielen, sollten die TeilnehmerInnen eine

Art repräsentative Funktion für ihre Generation innehaben. Jüngere TeilnehmerInnen sollte sich als

MultiplikatorInnen eignen und ausgeprägte zwischenmenschliche Kompetenzen besitzen. Die Auswahl

der TeilnehmerInnen der älteren Generation sollte sich an deren Einfl uss auf das Gemeinschaftsleben

und ihrer Autorität orientieren. Im Falle eines stark religiösen Kontextes sollten religiöse Autoritäten

mit einbezogen werden.

Themen und Inhalte des Generationendialogs

Zunächst sind für den Generationendialog keine bestimmten Themen und Inhalte vorgegeben. Thema

wird, was die Gruppe zum Thema macht. Es wird davon ausgegangen, dass sich die für das Zusammenleben

der Generationen ausschlaggebenden Themen während der Gespräche automatisch ergeben.

Erfahrungsgemäß wird der älteren Generation der Einstieg in den Dialog erleichtert, wenn sie

zunächst Gelegenheit hat, von traditionellen Werten oder Geschichten der Vergangenheit zu berichten,

statt unmittelbar Themen wie Gender Relations, Sexualität, HIV/AIDS etc. zur Sprache zu bringen.

Relevante Fragen für den Dialog der Generationen sind:

Ansätze und Methoden der Kinder- und Jugendförderung in der deutschen EZ

39


40

Gesundheitsförderung, Familienplanung, HIV/AIDS und

Suchtprävention

? Welche Unterschiede zeigen sich zwischen den Geschichten der älteren Generation und denen der

jüngeren Generation?

? Wie sehen die Dinge aus der Position der Anderen aus?

? Wo finden sich Gemeinsamkeiten und Wege der Annäherung ohne die Unterschiede aufzugeben?

Schritte des Generationendialogs

Der Generationendialog kann in vier Phasen organisiert werden. Wichtig ist, dass die organisierten

Veranstaltungen einen gemeindeweiten Dialog initiieren und informelle Kontakte zwischen den Generationen

bzw. Geschlechtern gefördert werden.

1. Viertägiger Workshop

Den Beginn des Generationendialogs bildet ein Workshop, in dem VertreterInnen von Jugendlichen

und SeniorInnen erste Schritte aufeinander zugehen können und ein Dialog ins Rollen gebracht wird.

In verschiedenen Einheiten werden eine Vielzahl verschiedener Möglichkeiten der Begegnung und Annäherung

geschaffen. Der Moderator bzw. die Moderatorin sollte äußerst sensibel auf Anregungen für

Kommunikationsformen von Seiten der TeilnehmerInnen reagieren und traditionelle Wege des Dialogs

berücksichtigen (Lieder, Tanz, Geschichten erzählen etc.).

2. Generationendialoge in der Gemeinschaft

Im Anschluss an den Workshop wird der Gruppe aufgetragen, in einer Art „Testphase“ die eingeübten

Kompetenzen im Generationendialog in ihrem Lebensumfeld auszutesten, das heißt in konkreten und

regelmäßigen Dialog mit der anderen Generation zu treten. Um die Aufgabe zu erleichtern, sollte diese

Testphase auf die Familie bzw. den eigenen Bekanntenkreis eingeschränkt werden. Als Leitlinie ist es

sinnvoll, allen TeilnehmerInnen noch einmal die Regeln der Wertschätzung und des Respekts mit auf

den Weg zu geben. Ziel dieser Phase ist es, den Generationendialog als festen Bestandteil in den Alltag

der TeilnehmerInnen zu integrieren. Bei Bedarf sollten die ModeratorInnen des Workshops hinzugezogen

werden können.

3. Zweitägiger Follow-up Workshop mit Genderdialog

Etwa einen Monat nach dem Workshop fi ndet mit denselben TeilnehmerInnen ein Auswertungstreffen

statt, in dem diese sich über die Erlebnisse der vergangenen Wochen austauschen können.

Ansätze und Methoden der Kinder- und Jugendförderung in der deutschen EZ


Gesundheitsförderung, Familienplanung, HIV/AIDS und

Suchtprävention

Am zweiten Tag des Workshops kann ein so genannter Genderdialog organisiert werden, in dem Frauen

und Männer derselben Generation Themen diskutieren, die während des Generationenworkshops

als vordringlich herausgearbeitet wurden. Oftmals äußern Frauen ein besonderes Bedürfnis, die Themen

Sexualität, HIV/AIDS, FGM etc. zu diskutieren und Gender Relations im Allgemeinen zu überdenken.

Damit der Dialog gelingt, sollten alle Parteien Gelegenheit haben, ihre Anliegen vorzubereiten.

Gegenseitiger Respekt ist weiterhin die ausschlaggebende Bedingung für ein offenes Gespräch.

4. Weiterer Verlauf

Um die Aufrechterhaltung des Generationen- und Genderdialogs zu gewährleisten, können weitere,

möglicherweise sogar regelmäßige, Treffen vereinbart werden, bei denen die TeilnehmerInnen des ersten

Dialog-Workshops als MultiplikatorInnen fungieren. Diese weiteren Treffen geben Gelegenheit,

die in den Workshops diskutierten Themen zu vertiefen und allgemein ein offeneres Zusammenleben

zu fördern.

Material

GTZ (2005): Generation Dialogue about FGM and HIV/AIDS. Method, experiences in the field and

impact assessment.

Ansätze und Methoden der Kinder- und Jugendförderung in der deutschen EZ

41


42

Gesundheitsförderung, Familienplanung, HIV/AIDS und

Suchtprävention

Ein Beispiel.....

Generationendialog zu

weiblicher Genitalverstümmelung

- Guinea

Die nach wie vor in vielen Ländern des

afrikanischen Kontinents praktizierte

weibliche Genitalverstümmelung ist Beleg

dafür, dass Globalisierung, Moderne

und gängige Aufklärungsmaßnahmen an

traditionellen Wertvorstellungen in Bezug

auf Sexualität wenig geändert haben.

Ungleiche Machtverhältnisse zwischen

den Geschlechtern, mangelnde Bildung,

Armut und die daraus resultierende Ohnmacht

von Frauen, führen dazu, dass

diese sich Entscheidungen über ihren

Körper und ihre Sexualität wie selbstverständlich

aus der Hand nehmen lassen.

In Kooperation mit der deutschen

TZ (Sektorvorhaben „Förderung von

Initiativen zur Überwindung der weiblichen

Genitalverstümmelung (FGM)“)

arbeiten in Guinea eine Vielzahl kleiner

Basisinitiativen daran, einen offenen,

respektvollen Diskussionsprozess mit

verschiedenen Bevölkerungsgruppen

über die Tradition der weiblichen Ge-

nitalverstümmelung, ihre Ursprünge

und ihre aktuelle Bedeutung in Gang zu

bringen und damit einen neuen Zugang

zur HIV/AIDS- und FGM-Problematik

zu erproben. Seit dem Jahr 2003 wurden

in Conakry, Labé und Faranah (Guinea)

sehr erfolgreich mehrere Workshops zum

Generationendialog durchgeführt. In allen

Fällen wurde ein reger Dialog zwischen

den Generationen erreicht und es

wurden (Tabu)Themen wie HIV/AIDS,

weibliche Genialverstümmelung, Sexualmoral,

Gleichbehandlung der Geschlechter,

Gewalt in Familien etc. diskutiert. Da

der Generationendialog an die in Afrika

starke Tradition der mündlichen Überlieferung

anknüpft, wird er als ein sehr

viel versprechender und zukunftsweisender

Ansatz im Kampf gegen AIDS und

weibliche Genialverstümmelung angesehen.

Ansätze und Methoden der Kinder- und Jugendförderung in der deutschen EZ


Gesundheitsförderung, Familienplanung, HIV/AIDS und

Suchtprävention

Ein Beispiel.....

Generationengerechtigkeit

- Kenia

In Kooperation mit der Durchführungsorganisation

“Windows for Young People

in Africa (WYPA)“ fanden in 2001 in

verschiedenen Slums und im Stadtzentrum

von Nairobi generationenübergreifende

Dialoge statt, die das Ziel hatten,

eine Atmosphäre zu schaffen, in der Lösungen

für genderbedingte Ungleichberechtigung

und Konfl ikte zwischen den

Generationen gefunden werden können.

Besseres gegenseitiges Verständnis sollte

zu verbesserten Partizipationsmöglichkeiten,

insbesondere der Jugendlichen,

führen. Circa 200 Jugendliche und SeniorInnen

hatten in Workshops die Gelegenheit,

eigene Ansichten, Hoffnungen und

Probleme zu thematisieren sowie offene

Fragen an die jeweils andere Generation

zu richten. Dabei wurden Gemeinsamkeiten

und Unterschiede zwischen den

Generationen heraus gearbeitet.. Die

größten Erfolge konnte mit der Methode

„Lebenslinien“ erzielt werden. Unterschiede

und Barrieren zwischen den

Generationen wurden aufgedeckt sowie

rege Diskussionen über die speziellen

Aufgaben und Belastungen von Frauen

und Männern geführt. Auch gemeinsame

Strategien und Maßnahmen wurden

entwickelt, z. B. zum wirtschaftlichen

Empowerment beider Generationen,

zur Einbeziehung junger Menschen in

Entscheidungsprozesse sowie zu nonformaler

und informeller Bildung von

Jugendlichen durch ältere Personen.

Ansätze und Methoden der Kinder- und Jugendförderung in der deutschen EZ

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44

Gesundheitsförderung, Familienplanung, HIV/AIDS und

Suchtprävention

Mitmach-Parcours zu AIDS, Liebe und Sexualität

Der Mitmach-Parcours wurde von der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (Köln) zum

Einsatz in Deutschland entwickelt und wurde in Kooperation zwischen GTZ und BZgA an die

Situation in ausgewählten Partnerländern der deutschen EZ angepasst. Es handelt sich um eine

interaktive Methode zur Aufklärung über und Prävention von HIV/Aids. Ausgangsidee ist, dass

Informationsvermittlung allein in der Regel nicht ausreicht, um Einstellungs- und Verhaltensänderungen

zu bewirken und langfristig zu stabilisieren. Die persönliche Auseinandersetzung mit

den Themen „Liebe, Sexualität, HIV/Aids“, der eigenen Lebenswelt sowie die Konfrontation mit

den individuellen Ängsten, Bedürfnissen, Verhaltensweisen und Werten verbessert die präventive

Wirkung.

Idealerweise wird der Mitmach-Parcours als Baustein in bestehende Präventionsaktivitäten eingebettet,

so dass er ein Teil langfristiger Präventionsarbeit ist. Für den Mitmach-Parcours ist keine

aufwendige materielle Ausstattung notwendig. Er ist fl exibel einsetzbar und ein mobiles Instrument,

das in Kooperation mit lokalen Partnern an die Bedingungen und kulturellen Voraussetzungen

der Einsatzorte angepasst werden kann und muss.

Zielsetzung und Zielgruppe

Der Mitmach-Parcours zu Aids, Liebe und Sexualität soll Jugendlichen helfen, Risiken im Bezug auf

HIV/Aids klarer zu sehen und sich vor einer Infektion zu schützen. Erreicht werden soll dies durch

die verständliche Vermittlung von Fachwissen zu allen relevanten Aspekten rund um die HIV-Infektion

und die Erweiterung situativer Handlungskompetenzen bezogen auf die individuellen Lebenssituationen.

Zielgruppe sind Jugendliche ab einem Alter von circa 13 Jahren. Der Parcours eignet sich für

Schulklassen ebenso wie für Jugendgruppen, Berufs- oder Ausbildungszentren. Durchgeführt wurde

der Parcours auch schon mit weiteren Zielgruppen wie SoldatInnen und PolizistInnen.

Ergebnisse/Wirkungen

Der Mitmach-Parcours ist eine interaktive Mischung aus Erlebnisspiel und Ausstellung. Er spricht nicht

nur die kognitive Ebene an, sondern wirkt auch emotional und verhaltensbezogen. Er trägt zur Aufklärung

und Bewusstseinbildung auf unterschiedlichen Ebenen bei: auf nationaler und kommunaler Ebene

bei den zuständigen Ministerien und Behörden, innerhalb unterschiedlicher Institutionen und Organisationen,

z.B Schulen, Militär, NROs, auf Zielgruppenebene bei Jugendlichen, Soldaten, Polizisten

etc. und in der Öffentlichkeit. Tabus werden abgebaut, Präventionseffekte gesteigert und kommunikative

Fähigkeiten verbessert. Prinzip der Arbeit mit den Gruppen ist eine grundsätzlich wertschätzende

Haltung. Durch die enge Kooperation mit lokalen Organisationen bei der Anpassung des Parcours an

lokale Bedingungen sowie bei der Durchführung werden örtliche Präventionsstrukturen gestärkt und

bestehende Beratungsangebote optimiert.

Ansätze und Methoden der Kinder- und Jugendförderung in der deutschen EZ


Gesundheitsförderung, Familienplanung, HIV/AIDS und

Suchtprävention

Der Parcours

Der Mitmach-Parcours setzt auf den Spannungsbogen von Ernsthaftigkeit und Spaß, auf Kommunikation

und Aktion. Durch Rollenspiele, Puzzles, Pantomime, Diskussionen und Fragen werden

die TeilnehmerInnen dazu motiviert, sich mit Kopf und Herz einzubringen. Die fünf Stationen

werden in Gruppen von zehn bis zwölf Personen durchlaufen, wobei die TeilnehmerInnen von

ModeratorInnen an jeder Station zur Aktion und Diskussion angeleitet werden. An jeder Station können

die TeilnehmerInnen Punkte sammeln, so dass am Ende eine siegreiche Gruppe ermittelt werden

kann, die kleine Erinnerungspreise an die Aktion erhält.

Erste Station: Übertragungswege von HIV

Mit Hilfe von Comiczeichnungen aus dem menschlichen Alltags- und Liebesleben erfahren die

TeilnehmerInnen, in welchen Situationen ein Übertragungsrisiko besteht. Mit einem Würfel geben

sie ihre Einschätzung über die jeweilige Situation ab (hohes Risiko, geringes Risiko, kein Risiko). Anschließend

erarbeiten die Teilnehmenden mit dem Moderator / der Moderatorin Informationen zu

Ansteckungswegen und die TeilnehmerInnen können ihre Einschätzung mit den neuen Informationen

abgleichen. Unsicherheiten zum Übertragungsrisiko von HIV werden an dieser Station deutlich und

können beim Gespräch mit den ModeratorInnen ausgeräumt werden.

Zweite Station: Liebe, Sexualität und Schutz vor HIV

Anhand eines Frage-Antwort-Spiels (Glücksrad) setzen sich die TeilnehmerInnen mit situationsgerechten

Schutzmöglichkeiten auseinander und kommen ins Gespräch über Themen, die häufi g als Tabu

gelten. Wann sollte man das Thema Verhütung und Schutz ansprechen? Wie erklärt man dem Partner

oder der Partnerin, dass einem dieser Schutz wichtig ist? Worauf sollte man achten, wenn man mit einer

HIV-infi zierten Person zusammenlebt oder -arbeitet?

Dritte Station: Verhütung

Aus einem Behälter ziehen die TeilnehmerInnen nach und nach die gängigen Verhütungsmittel und

erklären der Gruppe, was sie über ein Diaphragma, die Pille oder ein Kondom wissen. Es entsteht ein

Gespräch über aktuelle Verhütungsmethoden, ihre Anwendung und wovor sie schützen. Anschließend

werden die Verhütungsmittel bestimmten Statements zugeordnet, zum Beispiel: „rezeptfreie Barriere

zum Selbsteinsetzen“, „erfordert regelmäßige Einnahme“, „schützt vor HIV, ungewollter Schwangerschaft

und sexuell übertragbaren Krankheiten“. So können die Vor- und Nachteile der einzelnen Verhütungsmethoden

abgewogen werden.

Ansätze und Methoden der Kinder- und Jugendförderung in der deutschen EZ

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46

Gesundheitsförderung, Familienplanung, HIV/AIDS und

Suchtprävention

Vierte Station: Körpersprache

Pantomimisch müssen die TeilnehmerInnen verschiedene Begriffe wie z.B „Herzklopfen“, „Liebe im

Auto“, „Kondomanwendung“ etc. darstellen. Diese Station gefällt den meisten Jugendlichen besonders

gut und ermöglicht ein freies und ungezwungenes Reden über Tabuthemen. Darüber hinaus üben die

TeilnehmerInnen, sich mit dem Körper auszudrücken und Nonverbales besser zu verstehen.

Fünfte Station: Leben mit HIV

Anhand der Abbildung einer unbekannten Person konstruieren die TeilnehmerInnen deren mögliche

Biographie. Schließlich wird von den ModeratorInnen die Information gegeben, dass die Person eben

mit dem positiven Ergebnis ihres HIV-Tests konfrontiert wurde. Was geht nun in ihr vor? Was macht

sie? Die TeilnehmerInnen werden sich bewusst, wie eine HIV-Infektion in das Leben der betroffenen

Person, aber auch in den Lebensalltag der im Umfeld betroffenen Personen, eingreift. Wem erzählt die

Person von ihrer Infektion? Wie reagieren Verwandte, FreundInnen und KollegInnen? Wie würde man

selbst reagieren, wenn man mit der Person Kontakt hätte oder gar befreundet wäre? Diese Station regt

eine sehr persönliche Auseinandersetzung mit den verschiedenen Aspekten von HIV-Infektionen an.

Eigene Haltungen, Vorurteile oder Unsicherheiten werden deutlich und können durch das Gespräch in

der Gruppe abgebaut werden. Das Gedankenspiel sensibilisiert für die Probleme von HIV-Infi zierten

und kann die Solidarität mit HIV-infi zierten Menschen erleichtern.

KooperationspartnerInnen

Die Mitmach-Parcours-Einsätze sind stets Kooperationsprojekte, bei denen mit örtlichen Einrichtungen

aus den Bereichen Gesundheitswesen oder Jugendbildung zusammengearbeitet wird. Einerseits

soll die Einbindung nationaler und kommunaler Institutionen die Verzahnung mit der langfristigen

Präventionsarbeit sichern. Andererseits sollen nationale und kommunale Strukturen gestärkt werden,

die Vernetzung engagierter Organisationen gefördert und Anregungen für die Arbeit vor Ort gegeben

werden.

Ein wichtiger Bestandteil der Kooperation sind die ModeratorInnen-Teams, die mit ihrer fachlichen

und kommunikativen Kompetenz wesentlich zum Gelingen des Mitmach-Parcours beitragen. In den

Teams können eigene PräventionsberaterInnen mit Fachkräften der regionalen Aids-Beratung, Aids-

Präventions- und Jugendeinrichtungen zusammenarbeiten. Die örtlichen ModeratorInnen müssen vor

der Durchführung eines Projektes ein Training zu Zielen, Inhalten und Moderationsanleitungen erhalten,

so dass erfolgreiche Veranstaltungen gewährleistet sind.

Im Anschluss an die Durchführung des Mitmach-Parcours sollte in jedem Fall eine gemeinsame

Evaluierung mit allen Kooperationspartnern stattfi nden, in der der Verlauf der Veranstaltungen, die

Medienresonanz und die Zielrealisierung ausgewertet werden. Darüber hinaus geht es auch darum,

konkrete Perspektiven für die weitere Präventionsarbeit in der Region zu entwickeln

Ansätze und Methoden der Kinder- und Jugendförderung in der deutschen EZ


Gesundheitsförderung, Familienplanung, HIV/AIDS und

Suchtprävention

Ein Beispiel.....

Mitmach-Parcours zu Aids,

Liebe und Sexualität -

Deutschland

Seit 1994 klärt die deutsche Bundeszentrale

für gesundheitliche Aufklärung

(BZgA) in Köln mit ihrem „Mitmach-

Parcours zu Aids, Liebe und Sexualität“

in Schulen und anderen Kontexten erfolgreich

über Aidsrisiken und Verhütungsmethoden

auf. Jährlich fi nden in

50 bis 60 Städten Mitmach-Parcours-

Einsätze mit über 1.400 Veranstaltungen

statt und erreichen damit rund 20.000

TeilnehmerInnen im direkten Dialog.

In Kooperation mit der Bundeszentrale

Ein Beispiel.....

Mitmach-Parcours - Russland

Pro Jahr sollen in Russland mit dem Parcours

mehr als 60.000 Menschen in sechs Regionen

des Landes erreicht werden. Kooperationspartner

vor Ort sind das russische Bildungsministerium

und die Nichtregierungsorganisation

Beregi Sebja. In Osteuropa und den

für gesundheitliche Aufklärung hat die

deutsche TZ die Einführung des „Join

In Circuit on AIDS, Love and Sexuality“

in fünf Pilotländern unterstützt: El

Salvador, Russland, Mongolei, Äthiopien

und Mozambique. Erfahrungen zur

Einführung und Anwendung dieses interaktiven

mobilen Instruments sind im

Handbuch „Join In Circuit goes international“

der GTZ und der BZgA ausführlich

dargestellt. In Sambia wird der

JIC/MMP 2005 in Kooperation mit der

deutschen TZ in Mozambique und dem

DED Sambia eingeführt. 2005 sollen ein

Handbuch und Film für die Umsetzung

in weiteren Ländern erscheinen.

Republiken der ehemaligen Sowjetunion ist

eine wachsende Ausbreitung von HIV/Aids zu

verzeichnen. Neben Estland hat die Russische

Föderation die höchste Rate an HIV-Infi zierten

in ganz Osteuropa und Zentralasien.

Ansätze und Methoden der Kinder- und Jugendförderung in der deutschen EZ

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48

Gesundheitsförderung, Familienplanung, HIV/AIDS und

Suchtprävention

Ein Beispiel.....

Mitmach-Parcours - El

Salvador

Unter dem Titel „SIDA: Amor, Valores y

Sexualidad“ wurde der Parcours in Kooperation

mit verschiedenen Ministerien,

UNAIDS, UNFPA, UNICEF und NRO

in El Salvador eingeführt. Vor dem Starttermin

nahmen VertreterInnen von Regierungs-

und Nichtregierungsinstitutionen

aus der Aidsarbeit in partizipativen

Workshops notwendige Anpassungen

des Mitmach-Parcours an die Situation

im Land vor. Daten zur HIV/AIDS-Infi

zierung, zur Bevölkerungsstruktur, Bildung,

Wirtschaft und Arbeitslosigkeit in

El Salvador bildeten die Grundlage, um

Stationen und Themen der salvadoria-

nischen Variante des Mitmach-Parcours

zu bestimmen. Beispielsweise wurde beschlossen,

auch Werte, Mythen, Ängste

und Tabus in Bezug auf Sexualität und

den Umgang mit HIV-Infektionen in

einer eigenen Station zu thematisieren.

Auch das Thema Gender wird zur Sprache

gebracht, so etwa die Vorstellung,

Männlichkeit sei mit einer möglichst

großen Anzahl von Sexualpartnerinnen

verknüpft. Auch die fehlende sexuelle

Selbstbestimmung vieler Frauen, die

dazu führt, dass Frauen es akzeptieren,

wenn ihre Sexualpartner keine Kondome

benutzen wollen, wird zur Sprache

gebracht.

Ansätze und Methoden der Kinder- und Jugendförderung in der deutschen EZ


Gesundheitsförderung, Familienplanung, HIV/AIDS und

Suchtprävention

Peer Education – Jugendliche unterstützen

Jugendliche

Unter Peer Education versteht man einen Ansatz, bei dem Jugendliche dazu befähigt werden,

Gleichaltrigen (Peers) zu bestimmten Themen Informationen zu vermitteln. Insbesondere bei Fragen,

die die persönlichen Lebensbereiche und die Intimsphäre der Betroffenen berühren, haben

Gleichaltrige oft einen besseren Zugang zu ihren AltersgenossInnen als erwachsene ExpertInnen.

Es handelt sich hierbei um eine vergleichsweise einfach umzusetzende Methode, die sich in Ausmaß

und Aufwand leicht den Projektbedingungen anpassen lässt.

Zielsetzung und Zielgruppe

Das Konzept der Peer Education basiert auf der Erkenntnis, dass Jugendliche zu Gleichaltrigen in der

Regel leichter Zugang fi nden als Erwachsene. Gerade im Bereich sexueller und reproduktiver Gesundheit

(SHR) wurde beobachtet, dass Jugendliche die bestehenden Dienstleistungen im Gesundheitsbereich

wenig oder gar nicht nutzen. Der Einsatz von Peer Counsellors oder Peer Educators hat das Ziel,

die Akzeptanz und den Erfolg von Gesundheitsleistungen zu erhöhen und dadurch die Gesundheit

Jugendlicher zu fördern.

Peer Education richtet sich an Jugendliche zwischen zwölf und 24 Jahren im schulischen und außerschulischen

Bereich. Sekundäre Zielgruppen können Bezugspersonen sein (Eltern, LehrerInnen) sowie

VertreterInnen der Gesundheits-, Sozial- und Bildungsministerien.

Ergebnisse/Wirkungen

Die Vermittlung spezieller Inhalte durch Gleichaltrige steigert die Auseinandersetzung der Jugendlichen

mit den vermittelten Botschaften. Jugendliche können mit Gleichaltrigen offener über die für sie

wichtigen Themen sprechen, insbesondere auch über gesellschaftlich tabuisierte Themen. Ratschläge

werden eher angenommen und Verhaltensänderungen bewirkt. Die Peer-Educators erfahren durch

ihre Tätigkeit eine Stärkung des Selbstbewusstseins. Darüber hinaus erwerben sie wichtige soziale und

persönliche Kompetenzen in den Bereichen Kommunikation, Konfl iktprävention und Mediation. Ihr

Durchsetzungsvermögen, Verantwortungsgefühl und ihre Eigeninitiative werden gestärkt. Bei den Peer

Educators werden durch die Ausbildung und die praktische Anwendung des Gelernten beschäftigungsrelevante

Fähigkeiten geschult.

Darüber hinaus zielt der hoch partizipative Ansatz auf ein verstärktes Engagement Jugendlicher für

ihre eigenen Belange und eine Förderung der Selbstorganisationsfähigkeit Jugendlicher auf individueller

und gemeinschaftlicher Ebene.

Ansätze und Methoden der Kinder- und Jugendförderung in der deutschen EZ

49


50

Gesundheitsförderung, Familienplanung, HIV/AIDS und

Suchtprävention

Über ihre Arbeit mit Gleichaltrigen hinaus können jugendliche Peer Educators auch bei erwachsenen

Autoritäten Sensibilisierungsarbeit leisten, z. B. bei Gemeindevorstehern, Ältesten, Eltern und

LehrerInnen.

Kompetenzen und Ausbildung von Peer Educators

Die ausgewählten Jugendlichen sollten bei ihren Altersgenossen anerkannt und respektiert sein. Sie

müssen über Führungskompetenzen und kommunikative Fähigkeiten verfügen sowie mit komplexen

Fragen umgehen können. Im persönlichen Beratungsgespräch und in Gruppensituationen sollten sie

in der Lage sein, fl exibel auf ihre GesprächspartnerInnen einzugehen. Darüber hinaus benötigen sie

profundes Wissen über die Inhalte, die sie vermitteln sollen. Hierfür ist eine solide Ausbildung der Peer

Educators nötig. Während des Einsatzes der Peer Educators sollten eine regelmäßige Supervision und

die Teilnahme an Coaching- und Auffrischungskursen gewährleistet sein.

Erfolgsfaktoren für die Arbeit von Peer Educators

Vor dem Einsatz von Peer Educators ist eine sorgfältige Analyse der Lebenssituation der Jugendlichen

notwendig. In Gesprächen und Diskussionen mit Mädchen und Jungen können offene Fragen und

Bedürfnisse ermittelt werden, welche später in die Ausbildung einfl ießen. Die Peer Educators selbst

sollten möglichst früh am Planungsprozess beteiligt werden, da ihre Kenntnisse der Ausgangssituation

und möglicher Verbesserungsstrategien maßgeblich für den Erfolg der Maßnahme sind.

Neben der persönlichen Beratung können die Peer Educators auch jugendgerechte Materialien wie Informationen

über Beratungsangebote oder themenspezifi sche Broschüren an die Jugendlichen verteilen.

In die Entwicklung dieser Materialien sollten die Jugendlichen von Beginn an einbezogen werden.

Die Sichtweise von Eltern und kommunalen Verantwortlichen muss bei den Aufklärungsmaßnahmen

für Jugendliche stets berücksichtigt werden. Irritationen, die den Erfolg eines Projektes hemmen könnten,

lassen sich so meistens direkt vermeiden. Bei Programmen für Mädchen ist außerdem zu beachten,

dass sie sich seltener als Jungen im öffentlichen Raum aufhalten. Hausbesuche oder nachbarschaftliche

Mädchengruppen können hier die Lösung sein.

Peer Education setzt in der Regel auf freiwillige Mitarbeit. Bei hoher Arbeitslosigkeit unter Jugendlichen

und geringem Familieneinkommen entsteht die Frage nach einem möglichen (fi nanziellen) Anreiz.

Eine kleine Gewinnbeteiligung am Verkauf von Verhütungsmitteln etc. kann Ansporn für die Mitarbeit

sein ebenso wie Kostenerstattungen für Transport und Teilnahme an Fortbildungsveranstaltungen.

In der Regel muss bei den jugendlichen Peer Educators mit einer hohen Fluktuation gerechnet werden,

da sich die Lebens- oder Berufssituation junger Menschen oft ändert. Ein hoher Aufwand für Anwerbung

und Ausbildung von Jugendlichen muss deshalb eingeplant und berücksichtigt werden.

Ansätze und Methoden der Kinder- und Jugendförderung in der deutschen EZ


Gesundheitsförderung, Familienplanung, HIV/AIDS und

Suchtprävention

Ein Beispiel.....

Peer Education in der Aufklärungsarbeit

- Burkina

Faso

Von einer Million EinwohnerInnen der

Hauptstadt Ouagadougou sind 37 Prozent

zwischen zehn und 24 Jahren alt.

15 Prozent der Jugendliche haben erste

sexuelle Kontakte zwischen 15 und 19

Jahren, viele sind mit 19 Jahren verheiratet.

Die Geburtenrate unter den 15- bis

19-Jährigen ist seit 1990 stark gestiegen.

Die Familienplanungsorganisation AB-

BEF (Association Burkinabe pour le

Bien-Etre Familial) führt mit Unterstützung

des TZ-Sektorprojektes „Förderung

der reproduktiven Gesundheit“ ein

Programm für Jugendliche durch. Ange-

Ein Beispiel.....

Peer Educators im Youthto-Youth-Programm

- Kenia

Die „Youth-to-Youth Reproductive

Health Initiative“ in Kenia, eine von der

Deutschen Stiftung für Weltbevölkerung

unterstützte und von der deutschen TZ

durchgeführte Maßnahme hat das Ziel,

die sexuelle und reproduktive Gesundheit

(SRH) Jugendlicher zu verbessern. Auch

hier wurde mit Peer Educators im Bereich

SRH gearbeitet. Für diese Aufgabe

wurden die Jugendlichen im Bereich der

sexuellen und reproduktiven Gesundheit

sowie der Kommunikation geschult und

boten werden Informationen, Beratung

und Dienstleistungen in den Bereichen

Familienplanung, Prävention von sexuell

übertragbaren Krankheiten einschließlich

HIV/AIDS sowie deren Behandlung.

Die Hauptrolle in diesem Aufklärungsprogramm

spielen Peer Educators.

54 jugendliche Peer Educators und 54

weitere SchülerInnen beraten ihre Altersgenossen

zur reproduktiven Gesundheit,

was auch die Verteilung nicht-verschreibungspfl

ichtiger Verhütungsmittel

einschließt. Sie sind in Stadtteilen und an

ihren Schulen tätig. Die Peer Educators

werden sorgfältig ausgewählt und trainiert.

Unterstützend werden sie von 40,

speziell im Rahmen des Projektes fortgebildeten,

LehrerInnen betreut.

können auf Material zum Jugendgruppenmanagement

und zu den Grundlagen

der Peer Education zurückgreifen. Sie

führen persönliche Beratungsgespräche,

geben Hinweise auf entsprechende Gesundheitseinrichtungen

(referral system)

und verteilen Verhütungsmittel (vor allem

Kondome) zum Schutz gegen AIDS

und ungewollte Schwangerschaften.

Ansätze und Methoden der Kinder- und Jugendförderung in der deutschen EZ

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52

Gesundheitsförderung, Familienplanung, HIV/AIDS und

Suchtprävention

Ein Beispiel.....

Sexualerziehung und jugendliche

Multiplikatoren

in der Familienplanung

– Togo

Seit Mitte der 1990er Jahre führt die

Nicht-Regierungsorganisation SILD

(Service, Information, Logistique et

Développement) mit Unterstützung des

TZ-Sektorvorhabens zur Förderung der

reproduktiven Gesundheit in den Kantonen

Danyi-Atigba und Kakpa in Togo

ein Projekt zur Verbesserung der Aufklärung

im Bereich SRH durch und setzt

dabei jugendliche MultiplikatorInnen ein.

Nach einer zweitägigen Ausbildung bilden

jeweils sechs bis zehn SchülerInnen

„clubs de message“ (Botschafter-Clubs)

und organisieren im Rahmen ihrer Schulen

kulturelle Veranstaltungen zum Thema

reproduktive Gesundheit, bei denen

unter anderem Verhütungsmittel verteilt

werden. Außerhalb der Schule hat SILD

Jugendliche zu Dorf-AnimateurInnen

(jeunes animateurs de village - JAV) ausgebildet.

Diese laden zu Diskussionen

ein, machen Hausbesuche und individuelle

Beratungen und verteilen ebenfalls

Kondome und Spermizide. Wichtig ist

die Zusammenarbeit mit den lokalen

Gesundheitsdiensten. Die Peer Educators

verweisen Jugendliche gezielt dorthin

oder begleiten sie auch persönlich.

Als Ergebnisse der Projektaktivitäten lassen

sich eine bessere Nutzung der Familienplanungsdienste

in Gesundheitszentren

sowie allgemein eine Enttabuisierung

des Themas Sexualität in Schulen und

Familien beobachten.

Ansätze und Methoden der Kinder- und Jugendförderung in der deutschen EZ


Gesundheitsförderung, Familienplanung, HIV/AIDS und

Suchtprävention

Ein Beispiel.....

Suchtprävention für Jugendliche

durch Peer Education

- Pakistan

Die pakistanische NRO Dost Welfare

Foundation hat von 1999 –2002 im Auftrag

der deutschen TZ Peer Education

zur Vorbeugung von Drogenkonsum unter

gefährdeten Jugendlichen angewandt.

Die Jugendlichen wurden in Gruppen

aufgeteilt und geschult, um in ihren

Schulen und Gemeinde drogenpräventive

Aktivitäten mit Jugendlichen durchzuführen

und sie über die Gefahren des

Drogenkonsums aufzuklären. Auch

LehrerInnen wurden in den Schulungsprozess

miteinbezogen. Die Erfahrungen,

die mit dem Ansatz in Pakistan ge-

macht wurden, zeigen vor allem, dass der

kulturelle Kontext in der Projektplanung

analysiert und mit berücksichtigt werden

muss. In einem islamischen Kontext, in

dem die Bewegungsfreiheit, Unabhängigkeit

und Anerkennung von Jugendlichen

(vor allem Mädchen) begrenzt ist, müssen

die Peer Ansätze an gesellschaftliche

Gegebenheiten angepasst und geeignete

Orte zur Umsetzung gefunden werden.

Auch ist eine regelmäßige Betreuung

der Peer Educators durch erwachsene

AnsprechpartnerInnen sehr wichtig.

Ansätze und Methoden der Kinder- und Jugendförderung in der deutschen EZ

53


54

Gesundheitsförderung, Familienplanung, HIV/AIDS und

Suchtprävention

Reproduktive Gesundheitsinitiative

Junge Menschen, vor allem aus benachteiligten Bevölkerungsgruppen, sind häufi g besonders anfällig

für gesundheitliches Risikoverhalten wie Drogenmissbrauch, Gewalt und riskantes Sexualverhalten.

Gesundheitliche Aufklärung, Beratung, psychosoziale Betreuung sowie die Förderung von

„life skills“ sind wichtige Voraussetzungen, um Mädchen und Jungen „stark“ zu machen, damit sie

Verantwortung für sich selbst und für andere übernehmen können.

Zielsetzung und Zielgruppe

Ziel der Maßnahme ist die Verbesserung der sexuellen und reproduktiven Gesundheit Jugendlicher

durch den Aufbau, die Stärkung und die Vernetzung von Jugendgruppen zu einer Reproduktiven Gesundheitsinitiative

für Jugendliche („Youth-to-Youth Reproductive Health Initiative“). Die primäre

Zielgruppe sind Jugendliche im Alter von zehn bis 24 Jahren, insbesondere Schulkinder (Jungen und

Mädchen), die bereits in Schulclubs zu reproduktiven Gesundheitsfragen organisiert sind. Darüber hinaus

richtet sich die Methode an Jugendliche, die bereits die Schule verlassen haben und in Jugendklubs

engagiert sind bzw. Interesse haben, sich einem Jugendclub zu Fragen der reproduktiven Gesundheit

anzuschließen („out-of school Reproductive Health Clubs“). Sekundäre Zielgruppen sind Gemeindemitglieder

und religiöse und politische Entscheidungsträger der Gemeinden, die an Aktivitäten zur

Reproduktiven Gesundheit Jugendlicher aktiv teilnehmen bzw. involviert werden sowie VertreterInnen

des Gesundheits-, des Sozial- und des Bildungsministeriums.

Ergebnisse/Wirkungen

Am Ende der Maßnahme verfügen die Jugendlichen über ein fundiertes Wissen zu Fragen der sexuellen

und reproduktiven Gesundheit und haben Zugang zu IEC-Material und Trainingsmaterialien. Darüber

hinaus sind die persönlichen und sozialen Kompetenzen der Mädchen und Jungen gestärkt, z.B.

Selbstbewusstsein, Durchsetzungsfähigkeit, Kommunikationsfähigkeiten, friedliche Konfl iktlösung.

Sie können Risikosituationen besser einschätzen und sich angemessen verhalten.

Die Jugendgruppen werden in ein gesellschaftliches Umfeld eingebunden, das sie in ihren Aktivitäten

unterstützt. Sie werden institutionell gestärkt und vernetzt und sind in der Lage, ihr Wissen und ihre

Erfahrungen an andere Jugendgruppen weiter zu geben.

Ansätze und Methoden der Kinder- und Jugendförderung in der deutschen EZ


Gesundheitsförderung, Familienplanung, HIV/AIDS und

Suchtprävention

Methode

Zur Durchführung der Maßnahme muss folgendes beachtet werden:

� Den Kern der Maßnahme bildet ein Netzwerk von lokalen Jugendgruppen, durch das jugendliche

Gleichaltrige (Peers) zu Themen der sexuellen und reproduktiven Gesundheit beraten und betreut

werden.

� Um ein effizientes Netzwerk von Jugendgruppen aufzubauen, werden sowohl bereits existierende

Jugendgruppen in ihren Strukturen gestärkt, als auch neue Jugendgruppen initiiert. Aus den gut

etablierten und fortgeschrittenen Jugendgruppen („Advanced-Level“ Clubs bzw. Jugendgruppen

der 1. Generation) soll jede Gruppe wiederum mindestens zwei weitere „Basic-Level“-Jugendclubs

(„B-Level“ Clubs bzw. Jugendgruppen der 2. Generation) initiieren bzw. replizieren. Die

sogenannten A-Level-Jugendclubs sind für den Aufbau und die Supervision der B-Level Jugendclubs

verantwortlich, die wiederum zu einem späteren Zeitpunkt ebenfalls ein Unternetzwerk

initiieren.

� Eine weitere wichtige Komponente ist die Involvierung aller Akteure, sowohl staatlicher als auch

nichtstaatlicher (NROs, CBOs, Gesundheitseinrichtungen), die in der Projektregion im Bereich

der reproduktiven Gesundheit Jugendlicher aktiv sind. Diese Akteure sollen ein unterstützendes

Netzwerk der Gesamtinitiative bilden und bei der Beratung der Jugendgruppen eine aktive Rolle

spielen. Sie sollen die Jugendgruppen in ihrer Kapazität stärken und ihre Aktivitäten unterstützen.

Somit werden außerdem Dopplungen von Tätigkeiten vermieden und Synergieeffekte erzielt.

� Zu Beginn der Maßnahme soll deshalb ein „Stakeholderworkshop“ stattfinden, an dem alle in

der Projektregion tätigen staatlichen und nichtstaatlichen Akteure der reproduktiven Gesundheit

Jugendlicher teilnehmen, um gemeinsam eine Strategie und einen Aktionsplan für eine Reproduktive

Gesundheitsinitiative in der Projektregion auszuarbeiten.

� Ein wichtiger Bestandteil der Gesundheitsinitiative sind auch Sensibilisierungsmaßnahmen in den

Gemeinden. Eltern, LehrerInnen sowie politische und religiöse Entscheidungsträger sehen in sexuellen

Aufklärungsprojekten häufig eher eine Aufforderung zu Sexualkontakten als den positiven

Präventionseffekt. Im schlimmsten Fall kann das zur Folge haben, dass gesellschaftliche Gruppierungen

die Aufklärungsarbeit torpedieren. Um sicherzustellen, dass die Maßnahme von dem

Umfeld der Jugendlichen getragen wird, ist es von entscheidender Bedeutung, dass von Anfang

an bei den relevanten Entscheidungsträgern und Meinungsmachern für die Unterstützung des

Projekts geworben wird.

� Aus den Reihen der Jugendlichen ausgewählte „Peer Educators“ erhalten eine fundierte Schulung

im Bereich der sexuellen und reproduktiven Gesundheit sowie der jugendgerechten Kommunikation,

um später Aufklärungsmaßnahmen für Gleichaltrige in ihren Gemeinden anbieten zu

können. Darüber hinaus bieten die Peer Educators persönliche Beratungsgespräche an, verweisen

Jugendliche an entsprechende Gesundheitseinrichtungen (referral system) und verteilen Verhütungsmittel

(v.a. Kondome) zum Schutz gegen AIDS und ungewollte Schwangerschaften.

Ansätze und Methoden der Kinder- und Jugendförderung in der deutschen EZ

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Gesundheitsförderung, Familienplanung, HIV/AIDS und

Suchtprävention

� Entscheidend für das Erzielen einer Verhaltensänderung ist, dass fundiertes Trainings- und Informationsmaterial

vorhanden ist, das den lokal spezifischen Bedingungen sowie den speziellen

Bedürfnissen der Jugendlichen entspricht. Eine wesentliche Projektkomponente bildet deshalb

die Adaption und Entwicklung von jugendgerechten Informations- und Trainingsmaterialen und

Materialien zu Themen der sexuellen und reproduktiven Gesundheit.

� Erst nach der Entwicklung von geeignetem IEC-Material beginnt die unmittelbare Aufklärungsund

Informationsarbeit mit den Jugendlichen. Diese beinhaltet u.a. die Aufführung von Theaterstücken,

durch die reproduktive Gesundheitsthemen kommuniziert werden, besonders aber die

Aufklärung durch Einzelgespräche und Gruppendiskussionen.

� Es ist wichtig, von Beginn an die Wirkungen der Maßnahme zu verfolgen und zu dokumentieren,

z.B. durch Baseline- und Follow-Up-Studien. Da es sich um eine relativ aufwendige Methode

handelt ist ein gutes Wirkungsmonitoring wichtig, um die Durchführung zu begründen. Die

Wirkungen sowie die Lernerfahrungen der Maßnahme sollten auch und im Hinblick auf ihre

Replizierbarkeit in anderen Provinzen/Regionen hin ausgewertet werden.

� Um die Kapazität der Jugendgruppen zu stärken und sie als Club zu organisieren, sollte jede

Jugendgruppe am Ende der Projektlaufzeit über ein einheitliches und effizientes Management,

bestehend aus einem/er Clubsprecher/in, einem/er Vorsitzenden, einem/er Sekretär/in und einem/er

Schatzmeister/in, verfügen. Darüber hinaus sollte jeder Club eine demokratisch gewählte

Führungsebene haben. Um das zu erreichen, werden die Clubmitglieder im Clubmanagement

geschult. Dadurch lernen die Jugendlichen ihre Gruppe partizipativ zu organisieren, zu leiten und

mit anderen Gruppen zu vernetzen. Außerdem lernen sie ihre Arbeit zu planen, zu verwalten,

abzurechnen, zu überprüfen und zu evaluieren.

� Die vorhandenen Anleitungen zu Gruppen- bzw. Clubmanagement sowie IEC-Materialien (Information

– Education – Communication) werden dem lokalen Kontext entsprechend adaptiert

und mit Hilfe professioneller Unterstützung und aktiver Einbeziehung der Jugendlichen weiterentwickelt.

Ansätze und Methoden der Kinder- und Jugendförderung in der deutschen EZ


Gesundheitsförderung, Familienplanung, HIV/AIDS und

Suchtprävention

Ein Beispiel.....

Aufbau, Stärkung und Vernetzung

von Jugendgruppen

zu einer Reproduktiven

Gesundheitsinitiative für

Jugendliche in ausgewählten

Provinzen in Kenia

Oberziel des Projektes ist die Verbesserung

der sexuellen und reproduktiven

Gesundheit Jugendlicher durch die Entwicklung

einer landesweiten Reproduktiven

Gesundheitsinitiative für Jugendliche

in Kenia.

Das Vorhaben bildet zusammen mit

den Jugendprojekten der DSW (Deutsche

Stiftung Weltbevölkerung) in der

West-Provinz Kenias und in Nairobi

den Ausgangspunkt für die Entwicklung

eines landesweiten fl ächendeckenden

Gesundheitsprogramms für Jugendliche

(Youth-to-Youth-Programme). Durch

die systematische Replizierung von Jugendgruppen

werden die Aktivitäten zu

einer landesweiten Gesamtinitiative ausgeweitet.

Die von der DSW mit Unterstützung der

deutschen TZ durchgeführte Eigenmaßnahme

beruht auf den Erfahrungen u.a.

verschiedener internationaler Organisati-

onen und NROs (z.B. Pathfi nder International,

UNFPA, AMREF und DSW)

der letzten Jahre in verschiedenen ländlichen

Gebieten Kenias. Die DSW kann

dabei bereits auf erfolgreich durchgeführte

Modellprojekte in Kenia, Uganda

und Äthiopien verweisen, welche durch

die systematische Replizierung von Jugendgruppen

aus den eigenen Reihen zu

einer Verbesserung der reproduktiven

Gesundheitssituation der Jugendlichen

beitragen.

Um mit geringen fi nanziellen Mitteln

eine maximale Wirkung zu erzielen, beruft

sich dieser Projektansatz auf ein

wirkungsvolles soziologisches Phänomen:

das der „Peer Pressure“. Das sich

daraus ableitende Konzept basiert auf

dem Gedanken, dass sich Jugendliche am

leichtesten durch gleichaltrige Vorbilder

zu Verhaltensänderungen im Bereich der

sexuellen und reproduktiven Gesundheit

motivieren lassen. Basierend auf diesem

psychologischen Mechanismus werden

während der Projektphase sich selbst

verwaltende Jugendgruppen aufgebaut

und miteinander vernetzt. Über dieses

Netzwerk werden im Durchschnitt monatlich

bis zu 1.500 Jugendliche direkt

erreicht.

Ansätze und Methoden der Kinder- und Jugendförderung in der deutschen EZ

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Gesundheitsförderung, Familienplanung, HIV/AIDS und

Suchtprävention

Sport-Clubs zur HIV/AIDS-Prävention

Die Sport-Clubs haben zum Ziel, über die Integration von Jugendlichen aus verschiedenen Kulturen

in Sportgruppen, verbunden mit einem begleitenden Aufklärungsprogramm, das Bewusstsein

über HIV/AIDS zu stärken und der Jugendkriminalität entgegenzuwirken.

Zielsetzung und Zielgruppe

Ziel ist das Engagement von Mädchen und Jungen in angeleiteten und betreuten Freizeitangeboten

sowie die Vermittlung von „life skills“ zum verantwortungsvollen Umgang mit Risikosituationen, insbesondere

im Bereich der sexuellen und reproduktiven Gesundheit. Zielgruppe sind Jungen und Mädchen

von acht bis 25 Jahren.

Ergebnisse/Wirkungen

Durch ihre Beteiligung an den Sport-Aktivitäten wird die Identifi kation der Kinder und Jugendlichen

mit ihrem Umfeld gestärkt, ihre Fähigkeiten und Bereitschaft, eigene Alternativen im Bereich der Freizeitgestaltung

zu entwickeln, werden erweitert. Darüber hinaus erwerben die Mädchen und Jungen

wichtige persönliche und soziale Kompetenzen wie Teamfähigkeit, den konstruktiven Umgang mit

Konfl ikten und Niederlagen sowie Solidarität.

Die begleitenden Aufklärungskampagnen zum Thema HIV/Aids vermitteln den jungen Menschen

wichtige Informationen und fördern die Übernahme von Verantwortung für das eigene Leben sowie

das Leben anderer. Durch die Einbindung der Sport-Clubs in die Gemeindearbeit wird die Integration

der Kinder und Jugendlichen in das öffentliche Leben gefördert. Sie werden als gleichwertige Akteure

und nicht nur als „Problemfälle“ wahrgenommen.

Aufbau und Organisation eines Sport-Clubs

Die „nachhaltige“ Einrichtung eines Sport-Clubs innerhalb einer Gemeinde wird durch die Einbeziehung

qualifi zierter freiwilliger Coachs und TrainerInnen gewährleistet. Die Organisation eines Clubs

muss durch ExpertInnen und vertrauenswürdige Personen geleitet werden, die Know-how, sportliche

und pädagogische Fähigkeiten und Führungsqualitäten mitbringen.

Der Sport-Club bietet mehrmals wöchentlich ein regelmäßiges Training in verschiedenen Sportarten

an. Während jeder Trainingseinheit werden Einheiten zur Information, Vorbeugung und Aufklärung

hinsichtlich HIV/Aids durchgeführt. Diese Einheiten fi nden regelmäßig statt und sind in das Sportund

Spielprogramm eingegliedert, so dass die Jugendlichen nicht den Spaß und das Interesse an den

Ansätze und Methoden der Kinder- und Jugendförderung in der deutschen EZ


Gesundheitsförderung, Familienplanung, HIV/AIDS und

Suchtprävention

Sportaktivitäten verlieren. In unregelmäßigen Abständen werden öffentliche Events zum Thema organisiert.

Über die Einbeziehung von „Community Peace Workers“ (Siehe Methode Jugendliche Konfl iktmediatorInnen)

in die Arbeit der Sport-Clubs wird auch das Thema Kriminalität behandelt und Konfl iktlösungsstrategien

werden erlernt (z.B. durch ein Anti-Aggressions-Training). Generell bietet sich die Methode

Sport-Clubs an, weitere PartnerInnen mit einzubeziehen wie z.B. lokale Behörden (Jugendämter,

Polizei) und Nichtregierungsorganisationen.

In Kooperation mit Schulen, Sportvereinen und lokalen Medien werden Events zum Thema HIV/

AIDS, Prävention von Kriminalität und kulturelle Toleranz organisiert. Um erfolgreich arbeiten zu

können, ist eine Zusammenarbeit mit lokalen Institutionen wie Gemeindeverwaltung, Bildungseinrichtungen,

Nachbarschaftsvereinen etc. unbedingt notwendig. Außer mit den Themenfeldern HIV/AIDS

und Gewalt bzw. Kriminalität können Sport-Clubs auch mit anderen jugendrelevanten Themen verknüpft

werden, so Sexualität, Gender, Beschäftigungsmöglichkeiten, Konfl iktbewältigung, Umwelterziehung

etc.

Ein Beispiel.....

„KickAIDS - PDP Sports

Club“ - Südafrika

Der Peace and Development Project

Sports Club in Soshanguve wurde 2003

von den „Peace Workers“ als Non-Profi

t-Club gegründet. Seit den ersten regelmäßigen

Trainings ab Januar 2004 steigt

die Zahl der männlichen und weiblichen

jugendlichen Mitglieder stark an. Es werden

Trainings- und Coachingprogramme

angeboten und Sport-Events zum Thema

„HIV/AIDS“ werden organisiert.

Die Plattform Sport wird genutzt, um

Kriminalität vorzubeugen, Interaktion

zwischen Jugendlichen aus verschiedenen

Kulturen zu ermöglichen und das

Bewusstsein über HIV/AIDS zu stärken.

In Zusammenarbeit mit dem KickAIDS-

Projekt wurden im PDP-Sports Club eigene

Konzepte und Aufklärungsspiele

entwickelt, die den Jugendlichen und

Kindern auf spielerische Weise Themen

wie HIV/AIDS nahe bringen. Besonders

in Südafrika, wo einerseits Sport

sehr populär ist, es andererseits aber

kaum Angebote gibt, ist der Sport-Club

eine Möglichkeit in einem „geschützten“

Raum, Persönlichkeit und Charakter weiterzubilden

und Fairness und Toleranz

zu erlernen. In Südafrika arbeitet der

PDP-Sports Club mit der deutschen TZ,

öffentlichen Schulen, regionalen Tageszeitungen,

der Polizeiverwaltung, NROs

(z.B. der NRO „Love Life“ zum Thema

HIV/AIDS) und anderen Stakeholdern

zusammen.

Ansätze und Methoden der Kinder- und Jugendförderung in der deutschen EZ

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Gesundheitsförderung, Familienplanung, HIV/AIDS und

Suchtprävention

Straßenmusikworkshops

Ausgehend vom Interesse und den Fähigkeiten der Jugendlichen, kulturell und künstlerisch zu

arbeiten, wird durch die Workshops die Integration der Jugendlichen in ihren Stadtteilen verbessert

und gleichzeitig wird zur Aufklärung über HIV/AIDS beigetragen.

Zielsetzung und Zielgruppe

Der Straßenmusik-Workshop verfolgt das Ziel, den Jugendlichen ein geeignetes Medium zur Verfügung

zu stellen, um ihre Bedürfnisse und Sorgen künstlerisch auszudrücken. Anknüpfend an lokale Traditionen

wie z.B. den Karneval, werden die Jugendlichen eingeladen, eigene kulturelle und künstlerische

Präsentationen zu erarbeiten. Zur Zielsetzung gehört auch, die Organisations- und Verwaltungsfähigkeiten

der Jugendlichen zu fördern und sie in die Lage zu versetzen, gemeinschaftlich zu arbeiten und

fi nanzielle Mittel zu verwalten. Durch die Workshops erhalten die Jugendlichen ein Integrationsangebot

und der Dialog zwischen den Jugendlichen selbst und dem Umfeld (Stadtteil etc.) wird befördert.

Die Methode Straßenmusik-Workshop eignet sich für Jugendliche im Alter von etwa zwölf bis 24

Jahren mit mittlerem Bildungsniveau.

Ergebnisse/Wirkungen

Die Teilnahme an einem Straßenmusikworkshop stärkt bei den einzelnen Jugendlichen Teamfähigkeit,

Kreativität, Solidarität und Verantwortungsgefühl. Gleichzeitig wird das Selbstbewusstsein erhöht. Die

Öffentlichkeit wird für die Situation und Bedürfnisse junger Menschen sensibilisiert, Hemmschwellen

im Kontakt zwischen Jugendlichen und Erwachsenen sowie Tabus und Vorurteile werden abgebaut.

Auch bei den lokalen Behörden sowie anderen zivilgesellschaftlichen und privaten Akteuren kann das

Bewusstsein für die Belange von Mädchen und Jungen gestärkt werden. Oftmals kommt es durch die

Initialzündung Straßenmusikworkshop auch zu einer Konsolidierung der Jugendgruppen und die gemeinsame

Arbeit wird in Projekten zur Kinder- und Jugendförderung fortgesetzt. Die Beschäftigung

mit Musik, Literatur und Choreographie kann bei den Jugendlichen, denen in der Regel der Zugang zu

einer künstlerischen Ausbildung verschlossen ist, ein weitergehendes Interesse wecken (spätere berufliche

Orientierung).

Ansätze und Methoden der Kinder- und Jugendförderung in der deutschen EZ


Gesundheitsförderung, Familienplanung, HIV/AIDS und

Suchtprävention

Methode

Implementierung des Workshops

1. Bildung einer Gruppe /Zusammenarbeit mit bereits bestehenden Organisationen

Mit Hilfe einer Gruppe oder Organisation, die schon in der lokalen Gemeinschaft aktiv ist (ein Club,

eine Schule, eine Stadtteilgruppe etc.) sollte ein Gruppenraum gefunden werden (falls noch keiner vorhanden

ist). Das kann ein Schuppen oder eine Turnhalle sein.

2. KoordinatorInnen

Die Koordination muss dafür verantwortlich sein, die Treffen zu moderieren, Verbindungen zwischen

Jugendlichen und anderen beteiligten Akteuren zu schaffen usw. Diese Funktion kann von einem/einer

SozialarbeiterIn oder einem/einer JugendgruppenleiterIn übernommen werden.

3. Kontaktaufnahme und Einladung

Mit Hilfe von jugendgerechtem Werbematerial wie Flyer etc. sollten Jugendliche gezielt angesprochen

werden, so z.B. an Schulen, in Parks, in Kneipen, Videospiel-Centern. Wichtig ist, schon bei der Ansprache

zu vermitteln, dass die Jugendlichen selbst die Projekte entwickeln dürfen und sollen.

4. Erstes Treffen

Bei einem ersten Treffen wird die Arbeitsform besprochen und es werden Themen identifi ziert, die bei

den Straßenmusik-Gruppen ausgearbeitet werden können. Wichtig ist, die Phantasie der Jugendlichen

zu befördern und ein Engagement zu wecken.

5. Terminkalender

In Zusammenarbeit mit den Jugendlichen wird ein Terminkalender entwickelt. Damit die Gruppe (lokale

NRO und an einer Mitarbeit interessierte Jugendliche) sich organisieren und ein anspruchsvolles

Programm erstellen kann, ist ein Arbeitszeitraum von sechs bis acht Monaten empfehlenswert. Es sollten

wöchentliche Treffen organisiert werden. Darüber hinaus sollte der Treffpunkt allen interessierten

Jugendlichen offen stehen (vor allem am Wochenende). Die Gruppengröße sollte 25 Jugendliche nicht

überschreiten.

Ansätze und Methoden der Kinder- und Jugendförderung in der deutschen EZ

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62

Gesundheitsförderung, Familienplanung, HIV/AIDS und

Suchtprävention

6. Themen und Behandlung

Die Themen sollen von jeder Gruppe selbst bestimmt und entwickelt werden. Dies eröffnet die Möglichkeit,

dass die Jugendlichen selbst intensiv über ihre spezifi schen Konfl ikte und Probleme nachdenken.

Die KoordinatorInnen stehen im Prozess nur als BeraterInnen zur Verfügung.

Mögliche Themen: Sexualität, Ausbreitung von HIV/AIDS, Gender, Gewalt, Alkoholismus, Drogenabhängigkeit,

Chancenmangel, Ausbildungsmöglichkeiten usw.

Ebenso wie die Themenwahl sollte auch die Präsentationsform den Jugendlichen überlassen werden.

Wichtig für einen Straßenmusikworkshop ist jedoch, dass die Behandlung aller Themen humorvoll

gestaltet wird, ohne darüber die Ernsthaftigkeit der Probleme zu vernachlässigen.

7. Zusammenstellung und Ausarbeitung der Information

Nach der Gruppenbildung und der Themenfi ndung werden Informationen über die ausgewählten

Themen gesammelt. Diese Phase ist besonders wichtig, da sich hier in einem geschützten Raum und

in Bezug auf ein konkretes Ziel die Möglichkeit bietet, über die eigenen Lebensbedingungen und die

Probleme des Alltags nachzudenken.

8. Verteilung der Aufgaben

In jeder Gruppe werden Untergruppen gebildet, die entsprechend den Fähigkeiten der einzelnen

TeilnehmerInnen unterschiedliche Aufgaben übernehmen wie z.B. Liedtexte schreiben, Musikstücke

arrangieren oder komponieren, Choreografi e entwickeln, Kostüme entwerfen und herstellen, Finanzen

verwalten, Fundraising betreiben etc.

9. Präsentation

Die Präsentation sollte in ein lokales kulturelles Ereignis wie den Karneval oder ein Straßenfest etc.

eingebettet sein. Es ist zu empfehlen, alle Möglichkeiten der Werbung durch lokale Medien (Radiosendungen,

Zeitungen) zu nutzen. Auch Verlosungsaktionen oder kleinere Wettbewerbe können durchgeführt

werden.

10. Auswertung

Nach der Vorstellung fi ndet ein Auswertungstreffen statt, bei dem die Arbeit bewert und kommentiert

wird. Die Jugendlichen können ihre Erfahrungen austauschen und Perspektiven für die weitere

(Zusammen)Arbeit entwickeln.

Ansätze und Methoden der Kinder- und Jugendförderung in der deutschen EZ


Gesundheitsförderung, Familienplanung, HIV/AIDS und

Suchtprävention

Ein Beispiel.....

Talleres de Murga / Kiosco

Juvenil – Argentinien

Die wirtschaftliche Krise in Argentinien

zementiert soziale Unterschiede

und verstärkt Probleme, die mit Gewalt,

zerrütteten Familienverhältnissen,

Risikoverhalten, Drogenkonsum oder

HIV-Infektionen zusammenhängen. In

den sozialen Brennpunkten von Buenos

Aires ist die Situation der Jugendlichen

durch mangelnde Zukunftsperspektiven,

Armut und Arbeitslosigkeit gezeichnet.

Die Asociación Civil „Grupo Filantrópico

Juvenilis“ hat, unterstützt durch

das Sektorvorhaben „Förderung von

Kindern und Jugendlichen als Zielgruppe

in der EZ“ der deutschen TZ, einen

Straßenmusik-Workshop zum Thema

HIV/Aids im Stadtteil San José Obrero

in der Provinz von Buenos Aires, Argentinien

durchgeführt. Der Workshop war

das Ergebnis einer Anfrage der Jugendlichen.

Die Vorbereitung des Programms

dauerte vier Monate. Elementarer Teil

des Prozesses war die Auseinandersetzung

mit HIV/AIDS. In Vorbereitung

der Aufführung wurden Informationen

herausgesucht, Diskussionen durchgeführt,

Projekte besucht etc.

Durch den Workshop wurde innerhalb

des Stadtteils ein neuer Raum für Dialog

und Verständigung zwischen Jugendlichen

und Erwachsenen geschaffen. Die

verschiedenen lokalen Organisationen

und Institutionen, die im Barrio San José

Obrero tätig sind, haben als Ergebnis

des Workshops zudem damit begonnen,

ihre verschiedenen Aktionen zu koordinieren.

Ansätze und Methoden der Kinder- und Jugendförderung in der deutschen EZ

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Gesundheitsförderung, Familienplanung, HIV/AIDS und

Suchtprävention

Theater für Entwicklung

Das Theatre for Development (TFD), hier Theater für Entwicklung genannt (auch als Community

Theatre oder, im französischen Sprachraum, als Théatre Forum bezeichnet), versucht, mit den Mitteln

des Theaters zu informieren und aufzuklären. Die Methode lehnt sich an das Epische Theater

Bertolt Brechts und Augusto Boals Theater der Unterdrückten an.

Zielsetzung und Zielgruppe

Das Theater lebt von der aktiven Partizipation der Jugendlichen. Die Tatsache, dass Jugendliche gerne

Theater spielen, dass sie neugierig gegenüber neuen Ideen sind, dass sie sich spontan ausdrücken können,

bildet die Basis der Methode.

Ergebnisse/Wirkungen

Theater für Entwicklung ist eine sehr gute Methode, Jugendliche über Reproduktive Gesundheit zu

informieren. Diese Jugendlichen wirken später aktiv in der Gemeinde als MultiplikatorInnen (Peer-

Group) und tragen dazu bei, die Informationen und Botschaften besser zu vermitteln. Der Fokus des

Theaters liegt auf der Bewusstseinsbildung und der Verhaltensänderung bei Jugendlichen und innerhalb

der Gemeinde. Durch die Methode Theater wird mit einem spielerischen und unterhaltsamen Ansatz

eine Botschaft vermittelt. Es entsteht eine Interaktion zwischen den SchauspielerInnen und dem

Publikum. Durch die Teilnahme an der Methode wird auch das Selbstbewusstsein gestärkt. Theater

hilft dabei, Barrieren einzureissen, auch zwischen Jungen und Mädchen. Zielgruppe sind Jugendliche

ab ca. zwölf Jahren. Je nach Projektkonzept kann die Theater-Methode Gesundheits- und Beratungseinrichtungen

unterstützen. Bei entsprechenden Untersuchungen wurden (positive) Zusammenhänge

zwischen Theateraktivitäten und Verhaltensänderungen in der Bevölkerung beobachtet.

Methode

In der Entwicklungszusammenarbeit kann das Theater für Entwicklung eingesetzt werden, um nahezu

alle Bevölkerungsgruppen mit wichtigen Themen vertraut zu machen. Neben Gesundheit sind das zum

Beispiel Bildung, Umweltschutz oder friedliche Konfl iktbewältigung.

TFD (Theatre for Development) ist eine sehr fl exible Methode; es gibt zahlreiche Konzepte. Eine

Gemeinsamkeit ist jedoch, dass das Publikum stets einbezogen wird, um eine bestimmte Haltung oder

Konfl iktlösung spielerisch mit zu entwickeln.

Die ZuschauerInnen werden durch die SchauspielerInnen motiviert, sich aktiv mit dem angebotenen

Thema auseinander zu setzen. Das kann durch einen/eine ModeratorIn, eine/n AnimateurIn oder

Ansätze und Methoden der Kinder- und Jugendförderung in der deutschen EZ


Gesundheitsförderung, Familienplanung, HIV/AIDS und

Suchtprävention

Clown geschehen, aber auch durch direkte Fragen an die ZuschauerInnen aus der Spielhandlung heraus.

Es können spontane Diskussionen aufkommen, in deren Verlauf, eventuell mit Unterstützung der

Moderation, möglichst viele Aspekte eines Problems eingebracht werden, aber auch Lösungsvorschläge

entwickelt werden.

Eine weitere Form ist das Rollenspiel. Von den SchauspielerInnen vorgetragene Szenen werden von

den ZuschauerInnen nachgespielt, abgewandelt, diskutiert, erneut verändert, bis ein Einverständnis

über die treffende Darstellung und die richtige Lösung erzielt ist. Auf diese Weise fi nden Annäherungen

an Themen statt, können Konfl ikte und Tabus bewusst werden, ohne dass der erhobene Zeigefi nger

„von außen“ Regie führt.

� Ein/eine AnleiterIn (Facilitator), auch Joker genannt, leitet die Theatergruppe und ermutigt das

Publikum, sich zu beteiligen. Er/sie stellt Fragen und animiert das Publikum dazu, Vorschläge zu

machen. Von den Fähigkeiten und der Überzeugungskraft des Jokers ist ein großer Teil des Erfolges

abhängig. Er/sie muss eventuelle Eskalationen voraussehen und daruaf reagieren können.

Er/Sie muss fähig sein, ein zurückhaltendes Publikum zu animieren und muss auch Hintergrundwissen

aktivieren können, um spontane Fragen zu beantworten.

� Falls kein Mitglied der Gruppe für diese Rolle in Frage kommt, ist es auch möglich, professionelle

SchauspielerInnen dafür zu engagieren. Obwohl dies auch zu Konflikten führen kann, aktiviert das

Engagement von bekannten SchauspielerInnen natürlich die Bereitschaft aktiv mitzumachen.

� Den Jugendlichen sollte bei der Wahl der Themen viel Spielraum gegeben werden. Dafür kann

z.B. ein intensives Brainstorming in der Anfangsphase hilfreich sein.

� Durch das Beachten bestimmter Regeln (jeder Beitrag ist wertvoll, Ideen sollen verständlich vermittelt

werden u.a.) werden Kommunikationsstrategien und –techniken eingeübt, Toleranz wird

erlernt.

� Je nach Projektkonzept muss eine externe Unterstützung vorhanden sein, so z.B. die Mitarbeit

von Sozial- und GesundheitsarbeiterInnen, PädagogInnen oder Consultants.

� Im Anschluss an die Spielhandlung gibt es meist weitere Diskussionen oder Fachleute informieren

zu den behandelten Themen.

Ansätze und Methoden der Kinder- und Jugendförderung in der deutschen EZ

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Gesundheitsförderung, Familienplanung, HIV/AIDS und

Suchtprävention

Ein Beispiel.....

Theater von und für Flüchtlinge

/ Guinea

Bei der Initiative, die von einer Gruppe

von Frauen (Flüchtlingen aus Sierra Leone

und Liberia) gestartet wurde, wurden

mit professioneller Hilfe Theaterstücke

zum Themenfeld Gesundheit entwickelt.

Die Frauen, die zu Gesundheitshelferinnen

ausgebildet wurden, erreichten

so die Aufmerksamkeit von anderen

Flüchtlingen. Es wurden Botschaften

zu HIV/Aids, Geschlechtskrankheiten

und anderen Themen vermittelt.. Zu

Beginn der Theaterarbeit wurden eher

kleine amüsante Episoden vorgeführt,

danach entwickelte sich jedoch eine Interaktionsform

mit dem Publikum und

die unterschiedlichen Meinungen zu den

einzelnen Themen wurden im Stück intensiv

diskutiert. Bei der Abschlussdiskussion

wurden alle Argumente noch

einmal zusammengefasst.

Ansätze und Methoden der Kinder- und Jugendförderung in der deutschen EZ


Gesundheitsförderung, Familienplanung, HIV/AIDS und

Suchtprävention

Ein Beispiel.....

Theater auf

Gemeindeebene / Malawi

Theater ist in Malawi ein häufi g eingesetztes

Kommunikationsmittel, da vor

allem ländliche Bevölkerungsgruppen

aufgrund ausgeprägter Armut und hoher

Analphabetenrate nur schwer erreicht

werden können.

Das Projekt “ Unterstützung des Distriktgesundheitswesens

in Machinga und

Zomba“ setzt Theater als einen wichtigen

Bestandteil von Programmen zur

Krankheitsverhütung ein, insbesondere

in den Bereichen „sauberes Wasser und

Verbesserung der Hygiene in den Haushalten“

(z.B. über verbesserte Latrinen );

HIV/Aids-Prävention; Soziales Marketing

von imprägnierten Moskitonetzen.

Meist junge Leute, werden unter Einbeziehung

des Personal der Distriktgesundheitsverwaltung

und des lokalen

Gesundheitszentrums ausgebildet. Hierbei

geht es einerseits um die Erarbeitung

der korrekten Botschaften, die zu vermitteln

sind, andererseits um eine Verbesserung

der Darstellungstechniken.

Die Gruppe bleibt ca. drei bis fünf Tage

zusammen und entwickelt das gesamte

Theatermaterial gemeinsam. Das Gesundheitspersonal

übernimmt die Rolle

einer Ressource Person, die es über die

Ausbildung hinaus beibehält. Außerdem

soll es Aufführungen gelegentlich supervidieren,

um sicherzustellen, dass sich

keine falschen Botschaften eingeschlichen

haben.

Nach einer „Probephase“ erfolgt eine

nochmalige Adaption und erst dann wird

die Gruppe auf der Basis eines erarbeiteten

Arbeitsplanes eingesetzt.

Das Projekt hat fünf dieser Gruppen

ausgebildet, die pro Vorstellung ca 100-

200 ZuschauerInnen erreichen. Die Anzahl

der TeilnehmerInnen wird bei jeder

Veranstaltung festgehalten. Aufgrund

von wiederholten Fragen zum Wissen

der Bevölkerung z.B. zu HIV/AIDS und

Malaria konnte gezeigt werden, dass sich

der Wissensstand deutlich verbessert

hat.

Ansätze und Methoden der Kinder- und Jugendförderung in der deutschen EZ

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Gesundheitsförderung, Familienplanung, HIV/AIDS und

Suchtprävention

Theater in der Suchtprävention

Die Methode „Theater in der Suchtprävention“ basiert auf der Annahme, dass Jugendliche selbst

die überzeugendsten Wege fi nden, ihre AltersgenossInnen über Drogenkonsum und Abhängigkeit

aufzuklären. Sie ist hoch partizipativ, baut gänzlich auf das Engagement und die Kreativität der

TeilnehmerInnen und kann auch auf Gemeindeebene durchgeführt werden.

Zielsetzung und Zielgruppe

Theater in der Suchtprävention hat zum Ziel, in einem partizipativen Prozess mit und für Jugendliche

ein kreatives und effektives Statement gegen Drogen zu entwickeln und damit an die Öffentlichkeit

(Gemeinde, Schulen, Radio) zu treten. Die jugendlichen TeilnehmerInnen konzipieren unterhaltsame

und informative Theaterstücke oder kleinere Szenen und studieren diese ein. Zielgruppe sind Jugendliche

ab einem Alter von etwa 13 Jahren, die ein erhöhtes Risiko im Hinblick auf Drogenkonsum und

-missbrauch aufweisen bzw. bereits Drogen konsumiert haben.

Ergebnisse/Wirkungen

Theater stellt Menschen mit ihren Problemen und Bedürfnissen vor ihrem kulturellen und sozialen

Hintergrund dar und veranschaulicht komplexe Problemstellungen. Unterschiedliche Motive, Ursachen

und Folgen von Drogenkonsum werden beleuchtet, Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft sowie

mögliche Handlungsentscheidungen werden dargestellt. Theateraufführungen stellen ein soziales

Ereignis dar, das Austausch und Diskussion ermöglicht und den ZuschauerInnen eine Teilnahme an

der dargelegten Situation ermöglicht.

Jugendlichen gibt die Erarbeitung eines Theaterstücks die Gelegenheit, sich aktiv mit der Problematik

des Drogenkonsums und Drogenmissbrauchs auseinander zu setzen, sich in der Drogenprävention zu

engagieren sowie soziale und persönliche Kompetenzen zu erwerben. Das Auftreten vor Publikum, der

Umgang mit Gruppen sowie die Kommunikationsfähigkeit und Kreativität werden gefördert und geschult.

Das Selbstvertrauen der Jugendlichen wird gestärkt und die Anfälligkeit für Drogenmissbrauch

verringert.

Inhalte der Theaterarbeit

Warm Up

Da Theaterarbeit nur durch die Zusammenarbeit eines eingespielten Teams gelingen kann, sollte in

einem Workshop, vor allem bei neu zusammengestellten Gruppen, mit einem „Warm Up“ begonnen

werden. Mit Hilfe von Kennenlernspielen wird eine für die Jugendlichen vertraute Atmosphäre geschaffen,

in der sie sich frei bewegen und Hemmnisse und Scham überwinden können.

Ansätze und Methoden der Kinder- und Jugendförderung in der deutschen EZ


Gesundheitsförderung, Familienplanung, HIV/AIDS und

Suchtprävention

Themensuche

In Kleingruppen erzählen die Jugendlichen Szenen aus ihrem Alltag, aus dem Zusammensein mit

FreundInnen, dem Leben in ihrer Familie und Gemeinde, von den Situationen, in denen sie mit Drogen

in Kontakt kommen. Diese Geschichten müssen nicht notwendigerweise der Wahrheit entsprechen,

sondern können auch der Phantasie der Jugendlichen entspringen. Dadurch werden die für Jugendliche

relevanten Themen öffentlich gemacht. Im Anschluss wird versucht, zentrale Geschichten herauszugreifen

und sie in Szene zu setzen. Die gespielten Inhalte werden dabei refl ektiert und eine Botschaft

heraus kristallisiert. Gegebenenfalls können Informationen ergänzt werden, die den Jugendlichen bei

der Umsetzung der Szene helfen. Diese Einzelszenen werden zu den Kernstücken des Theaters. Sie

können durch eine übergreifende Handlung verbunden oder lose aneinander gereiht präsentiert werden.

Präsentation vor Publikum

Wenn die Gruppe sich in ihrem Auftritt sicher fühlt, kann sie mit ihrer Vorstellung an die Öffentlichkeit

treten, wobei Auftritte vor Jugendlichen in Schulen oder in Gemeinden organisiert werden. Je nach Publikum

und kulturellem Umfeld kann es sinnvoll sein, vor Beginn der Aufführung eine Art „Warm Up“

mit dem Publikum durchzuführen. Je nach Situation und Hintergrund können gemeinsame Lieder,

Spiele oder ein gemeinsames Essen auf die Theateraufführung einstimmen. Ein motiviertes Publikum

erleichtert es anschließend in einen Dialog über das Gesehene zu treten, den SchauspielerInnen kommt

dabei eine zentrale Rolle in der Förderung der Anteilnahme des Publikums zu.

Ein Beispiel.....

Theater in der Suchtprävention

für ethnische Minderheiten

– Laos

Große Teile der Bevölkerung in Laos

leben vom Opium- und Schlafmohnanbau.

Inzwischen nimmt zudem der Import

von synthetischen Drogen aus Burma

ständig zu und führt zu verstärktem

Drogenkonsum bei Jugendlichen in den

nördlichen Bergregionen.

Im Rahmen verschiedener TZ-Maßnahmen

zur Drogenbekämpfung wurden

in den ländlichen Gebieten in Laos

seit 2003 mehrere Theatergruppen mit

Jugendlichen verschiedener ethnischer

Minderheiten gegründet. Diese konzipierten

verschiedene Theaterstücke zum

Thema Drogen und Sucht und präsentierten

sie in ihrer jeweiligen Sprache in

den abgelegenen, ländlichen Bergregionen

von Laos, wo andere Medien die

lokale Bevölkerung kaum bis überhaupt

nicht erreichen. Mehrere Aufführungen

in Gemeinden und Schulen wurden

durchgeführt, dazu Hörspiele entwickelt,

die von Radios gesendet wurden. Wichtig

dabei: Diskussionen mit dem Publikum.

Die Methode ermöglichte jeweils

eine zielgruppenorientierte Vermittlung

und Auseinandersetzung auf Schul- und

Gemeindeebene mit einem komplexen

neuen sozialen Problem.

Ansätze und Methoden der Kinder- und Jugendförderung in der deutschen EZ

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Gesundheitsförderung, Familienplanung, HIV/AIDS und

Suchtprävention

Workshop für Kinder: Die Wege des Lebens

Unter aktiver Beteiligung von Kindern wird die Lebensgeschichte einer fi ktiven Gruppe von

FreundInnen erfunden. Diese FreundInnen müssen eine Reihe von Entscheidungen treffen, die

mit einer gesunden Lebensweise und dem Umgang mit Drogen zu tun haben.

Zielsetzung und Zielgruppe

Zielsetzung der Methode ist es, bei den Kindern ein Bewusstsein über die Vorteile einer gesunden Lebensweise

sowie über die Folgen von Drogenmissbrauch bzw. Drogenhandel zu schaffen.

Die Kinder erhalten Informationen zu den Themen gesunde Ernährung, legale und illegale Drogen,

gesundheitliche Schäden durch Drogenmissbrauch, Drogenhandel usw. Sie lernen, Informationen über

Drogen, die ihnen über die Medien vermittelt werden, zu bewerten.

Die Workshops eignen sich für Kinder im Alter von acht bis elf Jahren und werden an Schulen durchgeführt.

Ergebnisse/Wirkungen

Die Kinder lernen, sich mit gesundheitlichen Fragen, insbesondere dem Drogenkonsum, auseinander

zu setzen und eine eigene Position zu entwickeln. Durch den Workshop werden Mädchen und Jungen

in ihrer Persönlichkeitsentwicklung gestärkt und befähigt, eigenverantwortliche Entscheidungen hinsichtlich

ihrer Lebensweise zu treffen. Sie werden weniger anfällig für gesundheitliches Risikoverhalten

und die Beeinfl ussung durch Medien oder ältere Jugendliche.

Methode: Die Wege des Lebens

Einbeziehung der Eltern und LehrerInnen

An dem Workshop werden nicht nur die Kinder beteiligt, sondern auch ihre Eltern und LehrerInnen.

Sie erhalten erklärende Broschüren und werden dazu eingeladen, eine Einführungsveranstaltung zu

besuchen, auf der die Inhalte und Ziele des Workshops besprochen werden. So können die Botschaften

des Workshops auch zu Hause und in der Schule weiter vertieft und damit die Kinder unterstützt

werden.

Ansätze und Methoden der Kinder- und Jugendförderung in der deutschen EZ


Gesundheitsförderung, Familienplanung, HIV/AIDS und

Suchtprävention

Vorbereitung eines Workshops

Eine interdisziplinäre Gruppe von PädagogInnen und SozialarbeiterInnen entwickelt die Materialien

für den Workshop. Die Materialien bestehen aus zwölf Bildern, auf denen Kinder in verschiedenen

Situationen abgebildet sind. Die Situationen, in denen sich die abgebildeten Kinder befi nden, lassen

sich thematisch folgenden Kategorien zuordnen:

� Selbstachtung, Gesundheit; Tätigkeit und Erholung; Ernährung, Sicherheit, Hygiene.

� Was ist eine Droge und wie wirkt sie sich auf den Körper aus?

� Illegale und legale Drogen; Drogengeschäft; Handel und Profit.

Geschichte einer Gruppe von FreundInnen

Für den Workshop müssen mindestens drei Stunden eingeplant werden. Der Workshop wird als eine

partizipative Schulung konzipiert. Die Kinder wählen aus den zwölf Motiven mehrere Bilder aus und

bestimmen mit Hilfe der KoordinatorInnen die Namen, Geschlechter, sozialen Hintergründe, familiären

Beziehungen, Charakterzüge usw. der Figuren auf den Bildern. Die KoordinatorInnen steuern

die Auswahl insoweit, dass gewährleistet ist, dass Figuren aus allen drei oben genannten thematischen

Kategorien vertreten sind. Ausgehend davon entwickeln sie für jede Figur eine Lebensgeschichte. Die

Kinder überlegen, welche Voraussetzungen und Chancen der Lebensgestaltung die einzelnen Figuren

haben bzw. nicht haben, warum sie sich für einen bestimmten Weg entschieden haben und wo es Möglichkeiten

gegeben hätte, andere Wege einzuschlagen. Es werden Situationen identifi ziert, an denen die

Figuren Entscheidungen treffen konnten bzw. können.

Es ist besonders wichtig, eine verständnisvolle Perspektive zu entwickeln, damit den Kindern vermittelt

wird, dass die Hauptfi guren nicht grundsätzlich gut oder böse sind. Den Kindern soll bewusst gemacht

werden, dass die abgebildeten Personen einen bestimmten Weg eingeschlagen haben, weil es ihnen an

einer anderen Perspektive fehlte. Es soll aber auch deutlich werden, dass es in ihren Händen liegt, diese

Lebensumstände (zumindest teilweise) zu verändern.

Es ist zu beachten:

Die Stärke der Methode liegt im Vergleich. So wird den Kindern ermöglicht, einen eigenen Maßstab zu

entwickeln (Vergleich zwischen Lebensweisen, Ernährungsweisen, Beziehungen usw.)

Die KoordinatorInnen sollen sich darum bemühen, deutlich zu machen, wie und warum die verschiedenen

Ausgangsbedingungen zu einer bestimmten Auswahl und zu bestimmten Entscheidungen

geführt haben.

Es geht darum, Beispiele von Lebensgeschichten aufzubauen und zu entfalten, so dass die Kinder sie

in ihrer Komplexität betrachten können.

Ansätze und Methoden der Kinder- und Jugendförderung in der deutschen EZ

71


72

Gesundheitsförderung, Familienplanung, HIV/AIDS und

Suchtprävention

Ein Beispiel.....

La aventura de la vida -

Paraguay

Im Rahmen des Programms gegen Drogenmissbrauch

„La aventura de la vida“,

führte die Nichtregierungsorganisation

PREVER zusammen mit der deutschen

TZ an öffentlichen Schulen in Paraguay

zahlreiche Workshops durch. Dazu

wurden 36 Bilder entwickelt und in die

Sprache der Guaraní übersetzt. Darüber

hinaus wurden verschiedene Broschüren

sowie Video- und Tonbandaufnahmen

erstellt.

Ansätze und Methoden der Kinder- und Jugendförderung in der deutschen EZ


Beschäftigungsförderung und Förderung von

Klein(st)unternehmen

BESCHÄFTIGUNGSFÖRDERUNG UND FÖRDERUNG

VON KLEIN(ST)UNTERNEHMEN

Einleitung

Besonders Jugendliche aus armen Bevölkerungsschichten sind aufgrund ihrer ungenügenden Qualifi -

zierung oft ohne Chancen auf dem formellen Arbeitsmarkt. Der Zugang zu würdiger Beschäftigung

für Jugendliche ist jedoch eine wichtige Voraussetzung zur effektiven und nachhaltigen Armutsbekämpfung.

Laut UN-Kinderrechtskonvention haben alle jungen Menschen ein Recht auf Berufsbildung

und Zugang zu Berufsinformation (Artikel 28). Die Schaffung von Qualifi zierungsangeboten und

eines Zugangs zu würdiger Beschäftigung für benachteiligte Jugendliche sowie die Unterstützung der

Existenzgründung junger Menschen sind wichtige Förderbereiche innerhalb der deutschen TZ/EZ.

Neben der Vermittlung fachlicher Qualifi kationen geht es aber zunehmend auch um die Entwicklung

beschäftigungsrelevanter persönlicher und sozialer Kompetenzen, wie Selbstorganisation, Durchhaltevermögen,

Teamfähigkeit, friedliche Konfl iktlösung etc.

Das folgende Kapitel beschreibt unterschiedliche, teils unkonventionelle, Ansätze und Methoden zur

Qualifi zierung, Berufsorientierung und Jobvermittlung sowie zur Förderung unternehmerischer Kompetenzen

von Jugendlichen.

Ansätze und Methoden der Kinder- und Jugendförderung in der deutschen EZ

1


2

Beschäftigungsförderung und Förderung von

Klein(st)unternehmen

Förderung der Existenzgründung Jugendlicher

� Business Handbuch

� Förderung unternehmerischer Kompetenzen bei Jugendlichen (CEFE)

� Kleinkreditfonds

� Wirtschaftskomponente in Jugendringen

� Workshops Geschäftsideen

Qualifi zierung / Förderung der Beschäftigungsfähigkeit

� Beschäftigungsstrategien für Jugendliche

� Rapid Employment Creation

Ansätze und Methoden der Kinder- und Jugendförderung in der deutschen EZ


Wirtschaftsreform Beschäftigungsförderung und Aufbau der Marktwirtschaft und Förderung (WIRAM), von Förderung kleiner

und mittelständischer Klein(st)unternehmen Unternehmen

Berufl iche Orientierung, Vermittlungs- und Beratungsangebote

� Arbeitsplatzvoucher

� Berufsberatungs-Workshops für Jugendliche

� Berufsorientierendes Training

� Joblab – Berufliche Orientierung für Jugendliche

� Jugendvermittlungsstelle und Jobbörse

� Soap Opera zur beruflichen Information und Orientierung

Ansätze und Methoden der Kinder- und Jugendförderung in der deutschen EZ

3


4

Beschäftigungsförderung und Förderung von

Klein(st)unternehmen

Business Handbuch

Informationen und Unterstützung für Klein– und Kleinstunternehmer in Form von Büchern, Websites

und Trainings existieren geradezu im Überfl uss. Praktische und präzise Informationen, die

auf die speziellen Bedürfnisse und Fragen jugendlicher UnternehmerInnen zugeschnitten sind,

sind jedoch rar. Das Business-Handbuch versucht, zielgruppengerechtes Material für jugendliche

UnternehmerInnen, Jugendgruppen und Kooperativen anzubieten, indem Geschäftsideen aus unterschiedlichen

Bereichen vorgestellt und konkrete Hinweise für deren Umsetzung gegeben werden.

Besonderes Augenmerk wird auf die praktische Umsetzbarkeit der Geschäftsideen gelegt. Die

einkommensschaffenden Maßnahmen sollen aus eigenen vorhandenen Ressourcen fi nanzierbar,

leicht zu erlernen und anwendbar sein.

Zielsetzung und Zielgruppe

Das Business Handbuch verfolgt die Zielsetzung, Beschäftigungsmöglichkeiten für selbständige Jugendliche

zu schaffen, die oftmals marginalisierten Jugendlichen in das wirtschaftliche System einzubinden

und ihnen ein Gefühl von Zugehörigkeit zu vermitteln. Zielgruppe sind Jugendliche an der

Schwelle des Erwachsenenlebens, die sich eine eigene Lebensgrundlage schaffen wollen.

Ergebnisse/Wirkungen

Die Förderung und Gründung von Kleinstunternehmen wird als erfolgreiches Mittel zur Armutsminderung,

besonders unter der jugendlichen Bevölkerung, angesehen. Jugendliche werden fortgebildet

und durch die Vermittlung von Kenntnissen wird ihre Selbständigkeit und Widerstandsfähigkeit gestärkt

und gefördert. Sozialen und psychologischen Problemen, die aus Arbeitslosigkeit resultieren,

wird vorgebeugt. Durch ein vermehrtes Angebot von Dienstleistungen und Gütern sollen das Leben

der lokalen Gemeinschaft belebt, lokale Wirtschaftskreisläufe initiiert und die örtlichen Strukturen gestärkt

werden.

Inhalte des Handbuchs

Allgemeine Informationen über Unternehmensgründung

Inhalt und Gestaltung des Business Handbuchs müssen der Tatsache Rechnung tragen, dass die Zielgruppe

im Allgemeinen nur sehr geringe fachliche oder berufl iche Vorkenntnisse besitzt und oftmals

nur eine mangelhafte Grundbildung genossen hat. Der Beschreibung unterschiedlicher Geschäftsideen

sollte daher eine allgemeine Einführung in Unternehmensgründung vorangestellt werden, die den Jugendlichen

wesentliche Überlegungen, die bei einer Unternehmensgründung beachtet werden müssen,

erläutert.

Ansätze und Methoden der Kinder- und Jugendförderung in der deutschen EZ


Wirtschaftsreform Beschäftigungsförderung und Aufbau der Marktwirtschaft und Förderung (WIRAM), von Förderung kleiner

und mittelständischer Klein(st)unternehmen Unternehmen

Fragen und Themen

Persönliche Eignung für eine Unternehmensgründung

? Bringt der Jugendliche ausreichend Zeit, Geduld, Verantwortungsgefühl, Initiative, Motivation,

Flexibilität, Risikobereitschaft, Kenntnisse und Expertise mit?

Marketing

? Welche Überlegungen müssen bezüglich der Produktauswahl bzw. des Dienstleistungsangebotes,

der Ortswahl, der Preisgestaltung, der Werbung, der Angestellten, der Marktforschung, -analyse,

-erprobung und der Konkurrenz angestellt werden?

Ressourcen

? Welche Ressourcen (Zeit, Beratungsstellen bzw. -personen, Finanzen, etc.) sind erforderlich? Welche

Ressourcen stehen zur Verfügung?

Unternehmensstruktur

? Soll das Unternehmen als Einzelunternehmen oder mit Partnern aufgebaut werden?

Managementplan

? Wie wird ein Managementplan erstellt und welche Aspekte müssen enthalten sein (rechtliche Aspekte,

Finanzplan, Preisgestaltung, Einkommen, Kalkulation laufender Kosten, Rückzahlungsvereinbarungen,

Startkapital etc.). Regelmäßige Überprüfungen und Erweiterungen des Managementplans.

Checkliste für den Unternehmensstart

? Welche Überlegungen sollten bei Beginn der Planung angestellt werden?

Weitere fördernde oder hemmende Faktoren

? Welchen Einfluss haben Faktoren wie Familie (eventueller Druck, Versorgungspflichten) oder

Kriminalität auf die Unternehmensgründung?

Glossar

? Zielgruppengerechte Erläuterung wichtiger Begriffe im Kontext einer Unternehmensgründung

Ansätze und Methoden der Kinder- und Jugendförderung in der deutschen EZ

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6

Beschäftigungsförderung und Förderung von

Klein(st)unternehmen

Geschäftsideen

Thematisch geordnet kann das Business Handbuch verschiedene Geschäftsideen aus den Bereichen

Dienstleistung, Landwirtschaft sowie Handwerk und Verarbeitung präsentieren. Hierbei werden unter

Berücksichtigung des lokalen Kontextes das notwendige Startkapital sowie die laufenden Kosten

aufgeschlüsselt. Darüber hinaus werden Informationen zu erforderlichen Materialien, Ausstattungen,

Arbeitsplätzen, Personal, Marktbedingungen, Potenzialen und Risiken gegeben.

Die Darstellung der Geschäftsideen soll nicht lediglich der Ideenfi ndung dienen, sondern bereits den

Rahmen für ihre Umsetzung vorgeben.

Ein Beispiel.....

Get Up. It’s Time – Business

Hand-Book Uganda

2004 wurde von der deutschen TZ in Zusammenarbeit

mit dem Uganda Industrial

Research Institute und dem JugendSozialwerk

Nordhausen e.V. ein Business

Handbuch für ugandische Jugendliche

herausgegeben. Es stellt 145 kleine, einfach

umzusetzende Ideen für eine selbständige

Existenzgründung in den Bereichen

Landwirtschaft, Dienstleistung und

Handwerk vor. Exemplarisch seien hier

einige genannt: Rinder- oder Schafzucht,

Gemüseanbau, Spielzeugproduktion,

Straßenimbiss, Wäscheservice, Zeitungsverkauf

etc.

Ansätze und Methoden der Kinder- und Jugendförderung in der deutschen EZ


Wirtschaftsreform Beschäftigungsförderung und Aufbau der Marktwirtschaft und Förderung (WIRAM), von Förderung kleiner

und mittelständischer Klein(st)unternehmen Unternehmen

Förderung unternehmerischer Kompetenzen bei Jugendlichen

(CEFE)

CEFE (Competency based Economies, Formation of Enterprise) beschreibt ein Fortbildungskonzept

zur Steigerung kaufmännischer und unternehmerischer Kompetenzen und Schlüsselqualifi kationen,

insbesondere für marginalisierte Bevölkerungsschichten.

Zielsetzung und Zielgruppe

Ziel des CEFE-Trainings ist die Schaffung, Sicherung und der Ausbau von wettbewerbsfähigen, selbständigen

wirtschaftlichen Aktivitäten und Arbeitsplätzen. CEFE fördert:

� die Entwicklung des Vertrauens in die eigenen Fähigkeiten;

� die Entwicklung unternehmerischer Kompetenzen;

� die geschäftliche Entwicklung von Unternehmen.

Zielgruppen sind in erster Linie unbeschäftigte Jugendliche, aber auch Jugendliche in Berufsschulen

und JungunternehmerInnen, für die ein eigenes Training aus dem CEFE-Ansatz abgeleitet und angepasst

entwickelt wurde (siehe z.B. CEFI im Beispiel Tunesien).

Das CEFE-Training richtet sich allerdings nicht nur an Jugendliche, sondern auch an Erwachsene aus

unteren Einkommensschichten.

Ergebnisse/Wirkungen

CEFE fördert die persönliche und individuelle Leistungsfähigkeit von Mädchen und Jungen sowie

deren fachliche Kompetenzen und Mangagementfähigkeiten. Die Kreativität und das Innovationspotenzial

junger Menschen werden freigesetzt. Legt man die bisherigen Erfahrungen zugrunde, erweist

sich das CEFE-Konzept gerade bei TeilnehmerInnen mit geringer Bildung und niedrigem Einkommen

als sehr erfolgreich und wirkungsvoll.

Gemäß einer Evaluierung des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung

zeigt sich eine deutliche Wirkung bei der Anzahl der Beschäftigten. Nach Teilnahme an einem

CEFE-Kurs ist ein durchschnittlicher Beschäftigungszuwachs von mehr als vier neuen Arbeitsplätzen

pro TeilnehmerIn zu verzeichnen.

Der Anteil von Frauen, die an CEFE-Maßnahmen teilnehmen, liegt bei 38 Prozent. CEFE-Kurse lassen

sich in Module aufsplitten, so daß ein Kursprogramm angeboten werden kann, daß auch Frauen

und anderen Zielgruppen mit zeitlichen Restriktionen die Teilnahme ermöglicht.

Ansätze und Methoden der Kinder- und Jugendförderung in der deutschen EZ

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8

Beschäftigungsförderung und Förderung von

Klein(st)unternehmen

Methode

Ablauf der Ausbildung

CEFE setzt als wesentliches Element aktionsorientierte Formen der Bildung ein. Das heißt, die

TeilnehmerInnen lernen durch ihr eigenes Handeln, durch ihre eigenen Kenntnisse und Erkenntnisse.

Durch den Wechsel zwischen Gruppenarbeit und individueller Arbeit am eigenen Projekt wird die

Intensität der Lernerfahrung erhöht, werden Solidarität und Kooperationsfähigkeit gesteigert sowie

Motivation und Verhandlungsfähigkeit gefördert.

CEFE entwickelt fortlaufend Übungen und Simulationsspiele u.a. in den Bereichen Persönlichkeitsentwicklung,

geschäftliches Umfeld, Vermarktung, Produktion, Kostenrechnung und Finanzierung.

CEFE wendet im Laufe eines Trainingsprogramms sechs Prinzipien an:

� Die Wahrnehmung und Akzeptanz der eigenen Persönlichkeit, ihrer Stärken und Schwächen führen

zur

� Motivation und Fähigkeit, die Schwächen und Defizite gezielt abzubauen;

� Die Steigerung von kaufmännisch-betriebswirtschaftlichem Wissen gepaart mit dem Aufbau unternehmerischer

Fähigkeiten führen zur

� Entwicklung von Beschäftigungsstrategien oder Aktions- und Geschäftsplänen;

� Die Erprobung der Strategien in realen Lebenssituationen und in strukturierten Lernübungen, in

denen weitere Erfahrungen gesammelt, evaluiert und gegebenenfalls modifiziert werden können,

führt bei den TeilnehmerInnen letztendlich zur

� Befähigung (Empowerment), ihr Leben und ihre Umwelt zukünftig unternehmerischer, kreativer

und produktiver zu gestalten und somit neben der Steigerung des eigenen Einkommens einen

höheren Beitrag zur Wirtschaftsleistung ihres Landes zu erzielen.

Rolle der AusbilderInnen/Facilitateurs

Die Rolle der AusbilderInnen/Facilitateurs beinhaltet das in Gang setzen von Refl exionsprozessen bei

den TrainingsteilnehmerInnen sowie die Förderung der eigenständigen Entwicklung von Strategien

und Lösungsansätzen. Der/die FacilitateurIn muss fähig sein, wichtige Aspekte aus den Gruppendiskussionen

und Übungen heraus zu fi ltern und mit diesen weiter zu arbeiten. Außerdem muss er/sie

Schwachstellen von Strategien und Ansätzen der TrainingsteilnehmerInnen aufzeigen. Der/die FacilitateurIn

hat eine beratende Funktion, er/sie gibt keine Lösungen bzw. Entscheidungen vor.

Material

www.cefe.net

Ansätze und Methoden der Kinder- und Jugendförderung in der deutschen EZ


Wirtschaftsreform Beschäftigungsförderung und Aufbau der Marktwirtschaft und Förderung (WIRAM), von Förderung kleiner

und mittelständischer Klein(st)unternehmen Unternehmen

Ein Beispiel.....

Förderung von Beschäftigungsstrategien

für Jugendliche

- Chile

Im Rahmen eines Pilotprojekts des

TZ-Jugendvorhabens Interjoven (siehe

auch Methode „Beschäftigungsstrategien

arbeitsloser Jugendlicher“) wurde im

Jahr 2005 die Fortbildung zur Entwicklung

von Beschäftigungsstrategien mit

dem CEFE-Training verbunden und in

mehreren Kommunen durchgeführt.

TeilnehmerInnen der Ausbildung waren

Fachkräfte der Jugendförderung in

den Gemeinden sowie VertreterInnen

unterschiedlicher Einheiten der Direktion

zur kommunalen Entwicklung, des

Ein Beispiel…..

Berufl iche Bildung und

selbständige Beschäftigung

(FORTI) - Tunesien

Die Förderung von Privatinitiativen und

Kleinstunternehmen ist Bestandteil der

tunesischen Strategie zur Förderung von

Arbeitsplätzen und des „Mise à Niveau“

- Programms zur berufl ichen Ausbildung

(MANFORME) des Erziehungs- und

Ausbildungsministeriums (MEF). Die

Förderung der unternehmerischen Aus-

kommunalen Planungssekretariats und

der kommunalen Bildungsdirektion. Den

TeilnehmerInnen wurden Kenntnisse

zur Förderung von unternehmerischen

Kompetenzen sowie zur Förderung der

Beschäftigungsfähigkeit von Jugendlichen

vermittelt. Komplementär zur Ausbildung

erhielten sie eine Handreichung

zur Durchführung von Trainingskursen

mit Jugendlichen. Die Gemeinden haben

mittlerweile damit begonnen, Aktionslinien

für die Etablierung von Dienstleistungen

zur Beschäftigungsförderung für

Jugendliche zu erarbeiten und umzusetzen.

bildung für Jugendliche wurde durch das

TZ-Projekt FORTI unterstützt.

Das Projekt startete 1995 und wurde

über einen Zeitraum von zehn Jahren

angelegt. Ziel war die Entwicklung und

Umsetzung eines neuen Konzeptes

für die unternehmerische Ausbildung.

Durch das Vorhaben wurde das CEFE-

Training zu drei zielgruppenspezifi schen

Varianten weiter entwickelt und geeignete

MultiplikatorInnen identifi ziert und

zu CEFE-TrainerInnen ausgebildet.

Ansätze und Methoden der Kinder- und Jugendförderung in der deutschen EZ

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10

Beschäftigungsförderung und Förderung von

Klein(st)unternehmen

Mädchen und Jungen in der berufl ichen

Erstausbildung werden über drei in den

Unterricht integrierte Module unternehmerische

Kompetenzen vermittelt,

die sich auf die Persönlichkeit, das Gestalten

von Beziehungen und auf Managementkompetenzen

beziehen. Diese

integrierte Variante nennt sich CEFI

(Unternehmerische Kompetenz in der

Grundausbildung). Die Vermittlung unternehmerischer

Kompetenzen führt

nicht unmittelbar zu Unternehmensgründungen,

sensibilisiert Jugendliche

jedoch dafür, selbständiges Unternehmertum

als Alternative zur abhängigen

Beschäftigung wahrzunehmen und stärkt

darüber hinaus Einstellungen, Denkweisen

und Fähigkeiten, die auch innerhalb

einer abhängigen Beschäftigung oder bei

der Arbeitssuche hilfreich sein können

(„Intrapreneurship).

Jugendliche, die an einer Unternehmensgründung

interessiert sind, können nach

Abschluss von CEFI und nach einer

mindestens einjährigen Berufserfahrung

einen „klassischen“ CEFE-Kurs

absolvieren und in 20 Kurstagen eine

eingebrachte Geschäftsidee am Markt

überprüfen und die Idee in einem Geschäftsplan

operationalisieren. Der Geschäftsplan

wird mit einem Kreditantrag

bei der staatlichen Solidaritätsbank eingebracht.

Für UnternehmerInnen, die die Gründungsphase

bereits abgeschlossen haben,

wurde CEFOC (Unternehmerische

Kompetenzen in der Weiterbildung) entwickelt.

Hier wird in zwei Modulen ein

strategischer Unternehmens- und Marketingplan

entwickelt und Kompetenzen

zur Unternehmensgründung werden

vertieft. So kann die Konsolidierung

oder sogar Expansion bestehender Unternehmen

gefördert werden.

Nach der Entwicklung und Integration

der CEFE-Varianten in das bestehende

tunesische Ausbildungs- und Wirtschaftssystem

hat das Projekt bislang

insgesamt 200 TrainerInnen ausgebildet

und über einen zweiwöchigen MultiplikatorInnenkurs

BerufsschullehrerInnen

zu integrierten CEFI-MultiplikatorInnen

qualifi ziert. 5000 Unternehmensgründungen

und 10.000 Arbeitsplätze sind

die bisherige Bilanz.

Ansätze und Methoden der Kinder- und Jugendförderung in der deutschen EZ


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und mittelständischer Klein(st)unternehmen Unternehmen

Ein Beispiel.....

Verbindung von „Entrepreneurship-Training“

mit der

technischen und berufl ichen

Ausbildung - Sri Lanka

Das srilankisch-deutsche CEFE Programm

(SLGCP) hat die Kapazitätsentwicklung

zur Durchführung von

Unternehmensgründungs und –erweiterungskursen

in allen Regionen Sri Lankas

gestärkt.

Gemeinsam mit dem TZ-Vorhaben

zur Stärkung von Berufsbildungseinrichtungen

wurden CEFE-Pilotmaßnahmen

auch für Mädchen und Jungen

durchgeführt, die aus den staatlichen

Berufsbildungsinstitutionen, Vocational

Training Authority (VTA) und National

Apprentice and Industrial Training Authority

(NAITA), herausgefallen waren.

Das Projekt stärkte die Kapazitäten lokaler

und regionaler Organisationen zur

Durchführung von Trainingskursen, die

technische Berufsausbildung mit der

Förderung unternehmerischer Fähigkeiten

für Jugendliche und Frauen verbinden.

Ansätze und Methoden der Kinder- und Jugendförderung in der deutschen EZ

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12

Beschäftigungsförderung und Förderung von

Klein(st)unternehmen

Kleinkreditfonds für Jugendliche

Kleinkredite für Jugendliche leisten einen Beitrag zur sozialen und wirtschaftlichen Integration von

Jugendlichen, die keinen Zugang zu Krediten haben. NROs, die mit Jugendlichen arbeiten, werden

in ihrer Beratungskompetenz gestärkt.

Zielsetzung und Zielgruppe

Im Fokus der Kreditvergabe stehen Erfolg versprechende jugendliche Kleinstunternehmen. Junge

Frauen und Männer sollen in ihren Kreditchancen gleichberechtigt sein. Auch Minderjährige (unter 18

Jahren) können bei Eignung die Möglichkeit der Kreditaufnahme nutzen. Zielgruppe sind Jugendliche

zwischen 16 und 25 Jahren, die aus sozial benachteiligten Familien kommen. Sie sollen eine schlüssige

Geschäftsidee vorlegen und bereit sein, eng mit den NROs zusammenzuarbeiten, die mit der Vergabe

der Kredite beauftragt sind. Mit dem Kredit kann auch eine bereits existierende wirtschaftliche Aktivität

erweitert, modifi ziert und verbessert werden.

Die technische Beratung für NROs konzentriert sich vor allem darauf, ihre Kapazität für eine Kreditvergabe

zu stärken und ihre Beratungstätigkeit gegenüber den Jugendlichen einzuüben.

Ergebnisse/Wirkungen

Unternehmensgründungen bei Jugendlichen sind vor allem dann erfolgreich, wenn sie durch Qualifi -

zierung und Begleitung unterstützt werden. Beides wird konstant durch die NROs geleistet, die meist

mit weiteren Aktivitäten im Stadtteil tätig sind und den Jugendlichen bereits bekannt und vertraut

sind. Bei den beteiligten Mädchen und Jungen wird die Eigeninitiative, Selbstorganisation und das

Selbstbewusstsein gestärkt. Die Schaffung einer eigenen Existenz leistet einen wesentlichen Beitrag

zur gesellschaftlichen Integration. Durch die begleitende Qualifi zierung und Beratung erwerben die

jungen Menschen wichtige fachliche Kompetenzen sowie persönliche und soziale Fähigkeiten, die auch

in anderen Lebensbereichen relevant sind (z. B. Durchsetzungsvermögen, Kommunikations- und Analysefähigkeit,

Frustrationstoleranz). Durch die Gründung von Kleinstunternehmen können evtl. auch

weitere Arbeitsplätze geschaffen werden.

Ansätze und Methoden der Kinder- und Jugendförderung in der deutschen EZ


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und mittelständischer Klein(st)unternehmen Unternehmen

Methode

Die Kredite werden zu Anfang mit einem geringen Zinssatz sowie einem gewissen Zahlungsaufschub

vergeben. Der Zinssatz wird kontinuierlich angehoben, bis er nach spätestens einem Jahr den ortsüblichen

Zinssätzen bei Banken entspricht. Dieser Prozess wird beschleunigt, wenn der Rotationsfonds

häufi ger in Anspruch genommen wird, da sich der Zinssatz prozentual pro Kredit erhöht. So werden

die jugendlichen KreditnehmerInnen an die realen Bedingungen herangeführt, ihrem Unternehmen

wird aber Zeit gelassen, sich zu stabilisieren.

Vorgehen / Schritte

Von einem TZ/EZ-Vorhaben und einer lokalen NRO sollte ein gemeinsames Konzept entwickelt

werden. Leitlinien sollten hierbei sein:

1. Verwaltung des Fonds durch die lokale NRO. So wird die Kreditvergabe in die Qualifizierungsmaßnahmen

bzw. in die Strukturen des Stadtteils eingebettet. Damit gewinnen die NROs auch

einen guten Einblick in die wirtschaftlichen Möglichkeiten des Umfelds.

2. Jugendliche erarbeiten einen Geschäftsplan. Sie werden dabei beratend unterstützt. Hierbei helfen

vom Projekt entwickelte Frageraster und Formate. Nur potenziell erfolgreiche Geschäftspläne

haben Aussicht auf einen Kredit.

3. Bewertung, Evaluierung und die Entscheidung über die Kreditvergabe obliegt der NRO. Das

Vorhaben bietet hierfür Kriterienraster und berät die Organisationen.

4. Begleitung der Kleinstunternehmen in der Phase der Kreditnutzung ist für die Rückzahlung und

den Erfolg der KleinunternehmerInnen wesentlich. Die Beratung ist klar geregelt: der/die junge

Unternehmer/in muss täglich Ein- und Ausgaben festhalten, einen Kassenabschluss tätigen und

seine/ihre Werbewirksamkeit beobachten. Er/sie wird einmal im Monat besucht und wöchentlich

angerufen. Bei auftauchenden Problemen oder Fragen steht der/die PromotorIn zu Verfügung,

um kurzfristig Lösungsmöglichkeiten mit den Jugendlichen zu diskutieren. Alle Unterlagen der

Jugendlichen werden mit ihnen überprüft und besprochen. Zu Schwerpunktthemen, wie z.B. Mechanismen

zur Marktbeobachtung usw. werden Ausbildungskurse veranstaltet. Bei einem monatlichen

Treffen besprechen die KreditnehmerInnen gemeinsame Probleme und entwickeln Möglichkeiten

der Zusammenarbeit.

5. Begleitung und Beratung der NRO: Das beteiligte EZ-Vorhaben erhält von den NROs die gesamten

Unterlagen, bündelt die Informationen, überprüft mit den NROs die Richtigkeit der Daten,

erhält die Bankabschlüsse und beobachtet die Entwicklung des Gesamtfonds. Auftauchende Probleme

oder kritische Punkte bei der Kreditvergabe werden gesammelt, im Vorfeld mit den NROs

bilateral diskutiert und stellen den Ausgangspunkt zur inhaltlichen Gestaltung der Fort- und Ausbildungsmaßnahmen

dar, die für die PromotorInnen der NROs durchgeführt werden. Ein erstes

gemeinsames Treffen findet statt, bei dem die Erfahrungen ausgetauscht und der Gedanke des

vernetzten Arbeitens diskutiert werden.

Ansätze und Methoden der Kinder- und Jugendförderung in der deutschen EZ

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Beschäftigungsförderung und Förderung von

Klein(st)unternehmen

Ein Beispiel.....

Jugendvorhaben Venezuela

– Mikrokreditvergabe an

Jugendliche

Das Projekt wurde als ein Pilotprojekt

der deutschen TZ konzipiert, bei dem

Kredite über eine NRO an Jugendliche

vergeben werden, die ein Kleinstunternehmen

gründen oder konsolidieren

wollen. Als Rotationsfonds konzipiert,

startete der Fonds im Jahr 2003, um

eine Alternative angesichts der schwierigen

Beschäftigungssituation zu bieten.

Der Fonds gilt in der Jugendarbeit sowie

in der Förderung von Kleinst- und

Kleinunternehmen als international beachtete

Innovation, da Jugendliche als

„Risikogruppe“ fast nie Gelegenheit

haben, Gründungsdarlehen zu erhalten.

Obwohl es sich in Venezuela aufgrund

der wirtschaftlichen Eckdaten nicht um

einen idealen Zeitpunkt handelte, um ein

Kreditvergabeprogramm einzurichten,

war es dringender als je zuvor erforderlich,

Alternativen des Einkommenserwerbs

auszuprobieren und anzubieten.

Durch die steigende Verarmung müssen

immer mehr und häufi ger auch jüngere

Heranwachsende zum Familieneinkommen

beitragen.

Das Pilotprojekt entwickelte sich entlang

der Fragestellung, unter welchen

Bedingungen die Vergabe von Krediten

an Jugendliche erfolgen muss, um ihnen

längerfristig gute wirtschaftliche Erfolge

zu ermöglichen. Seit 2002 verfügte

das Projekt über einen Fonds, der zur

Finanzierung der Projektkomponente

eingesetzt wurde. Es stand fest, dass zur

Abwicklung des Fonds NRO einzubinden

und sie mittelfristig in ihrer Rolle als

Mittlerorganisation zu fördern und zu

stärken sind.

Insgesamt konnten in zwölf Monaten

520 Kredite vergeben werden. Diese

wurden zur Hälfte für die Neugründung

von Kleinstbetrieben eingesetzt und zur

Hälfte zur Konsolidierung bzw. Erweiterung

bereits bestehender Geschäfte.

Über zwei Drittel der Jugendlichen nutzen

die Kredite als Arbeitskapital, gut ein

Drittel wurde in Grundkapital investiert.

Die Kleinstunternehmen sind vor allem

in drei Bereichen angesiedelt: 1. Bereich

Dienstleistungen (21 Prozent), 2. Bereich

Handel (59 Prozent) und 3. Bereich Gewerbliche

Produktion (20 Prozent).

Mit der Neugründung von ca. 260 Kleinstunternehmen

sind entsprechend 260

neue Arbeitsplätze entstanden; wie viele

Arbeitsplätze darüber hinaus durch

Konsolidierung bzw. vor allem durch

Erweiterung bestehender Unternehmen

entstanden sind, ist nicht genau bekannt.

Die NRO begleiten die geförderten Unternehmen

auch nach den ersten zwölf

Monaten weiter. 60% der Kredite wurden

an junge Frauen vergeben. Der Anteil

minderjähriger KreditnehmerInnen

betrug 32 Prozent. Diese Vergabepraxis

hatte Erfolg: In nur zwei Fällen wurde

der Kredit nicht zurückgezahlt (aufgrund

von betrügerischen Absichten),

die Rückzahlungsverzögerung liegt insgesamt

bei unter drei Prozent. Die Höhe

der Kredite lag im Durchschnitt bei bis

zu 500 US-Dollar.

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und mittelständischer Klein(st)unternehmen Unternehmen

Wirtschaftskomponente in Jugendringen

Durch den Aufbau einer Wirtschaftskomponente innerhalb von Jugendorganisationen/Jugendringen

soll eine fi nanzielle Grundlage für die in den Organisationen engagierten Jugendlichen geschaffen

werden. Dies beugt einer zu großen Fluktuation der MitarbeiterInnen vor und sichert

fi nanzielle Ressourcen zur Durchführung von Aktivitäten und Projekten der Jugendringe bzw. –organisationen.

Ferner dient die wirtschaftliche Komponente zur praktischen Ausbildung von persönlichen

und wirtschaftlichen Fähigkeiten bei Jugendlichen, die ihnen den Weg in die Selbständigkeit

erleichtern sollen.

Zielsetzung und Zielgruppe

Das Ziel der Wirtschaftskomponente ist es, für Jugendringe eine zusätzliche Einkommensquelle zu

erschließen, um die Nachhaltigkeit ihrer Arbeit zu unterstützen. Ferner können die teilnehmenden

Jugendlichen „Entrepreneur-Fähigkeiten“ erlernen bzw. ausbauen. Zielgruppe sind Mitglieder aus Jugendorganisationen

bzw. Jugendringen im Alter von 16 bis 24 Jahren.

Ergebnisse/Wirkungen

Der Aufbau einer Wirtschaftskomponente trägt dazu bei, dass die Arbeit der Jugendringe effi zienter,

effektiver und nachhaltiger wird. Die Fluktuation der MitarbeiterInnen der Jugendringe bzw. –organisationen

nimmt ab, die jungen Menschen setzen sich längerfristiger und intensiver mit speziellen Themen

auseinander und verfügen über fi nanzielle Mittel, um gezielte Aktivitäten durchzuführen. Dies trägt

dazu bei, dass die Jugendorganisationen bzw. –ringe in der Öffentlichkeit und bei politischen und gesellschaftlichen

Entscheidungsträgern als Gesprächspartner ernster genommen werden. Es erfolgt eine

stärkere öffentliche Wahrnehmung der Situation und der Belange von Mädchen und Jungen.

Auf der individuellen Ebene kommt es zu einer Stärkung der persönlichen Kompetenzen (Verantwortungsbewusstsein,

Durchhaltevermögen, Durchsetzungskraft etc.) und des Selbstbewusstseins der

Jugendlichen sowie der Managementfähigkeiten und wirtschaftlichen Kompetenzen (Planung, Umsetzung

und Auswertung von Maßnahmen, Netzwerkbildung, Marktbeobachtung, Umgang mit Geld

etc.).

Ansätze und Methoden der Kinder- und Jugendförderung in der deutschen EZ

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Beschäftigungsförderung und Förderung von

Klein(st)unternehmen

Methode

Organisation einer Wirtschaftskomponente

In der Regel konzentrieren sich Wirtschaftsprogramme auf die Ausbildung von einzelnen Jugendlichen,

die später einen eigenen kleinen Betrieb aufbauen sollen. Bei diesem Projekt wird dagegen

ganz bewusst auf die gemeinsame Stärkung und Fortbildung von Mitgliedern von Jugendringen bzw.

Jugendorganisationen gesetzt. Junge Menschen sollen lernen, fi nanzielle Beiträge für gesellschaftliche

Belange, wie in diesem Fall Jugendarbeit, zu erwirtschaften. Sie sollen erkennen, dass Ehrenamt einerseits

einen persönlichen Vorteil und andererseits auch einen gesellschaftlichen Nutzen haben kann.

Ferner kann über die Wirtschaftskomponente eventuell eine längerfristige berufl iche Perspektive für

junge Menschen geschaffen werden.

Voraussetzungen

• Etablierte Jugendorganisationen oder Jugendringe sind vorhanden und engagieren sich in der

Gemeinde durch Aktivitäten oder politische Arbeit;

• Die Jugendringe bzw. -organisationen sind in der Gemeinde anerkannt und werden von der Jugend

angenommen;

• Es besteht eine Zusammenarbeit zwischen einem TZ/EZ-Projekt und einem oder mehreren Jugendringen.

Aktivitäten / Inhalte

� Für die Wirtschaftskomponente wird ein Teilzeitmitarbeiter eingestellt, der sowohl die Trainingskurse

als auch die spätere Einzelberatung für die Unternehmen und die Jugendlichen durchführt.

� Allgemeine Fortbildung für interessierte TeilnehmerInnen aus Jugendringen bzw. -organisationen

über die Grundlagen einer Wirtschaftskomponente;

� Entwicklung von Geschäftsideen mit den Jugendlichen;

� Durchführung einer Marktanalyse über das Potenzial in der Gemeinde, die Ideen des Jugendrings

zu unterstützen und umzusetzen. Recherche über die Möglichkeit, zusätzliche Gelder zu akquirieren

und Identifizierung weiterer PartnerInnen.

� Training der TeilnehmerInnen aus den Jugendringen (Entwicklung eines Geschäftsplanes);

� Training der TeilnehmerInnen in Kommunikationsfähigkeiten, Identifizierung von Business-Partnern;

� Operationalisierung der Wirtschaftsidee, Registrierung der Firma;

� Mentoring, Coaching und Einzelberatung während des Aufbaus der Wirtschaftskomponente;

� Regelmäßige Trainings zu spezifischen Themen in Gruppen oder pro einzelnem Jugendring.

Ansätze und Methoden der Kinder- und Jugendförderung in der deutschen EZ


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und mittelständischer Klein(st)unternehmen Unternehmen

Ein Beispiel.....

Aufbau und Förderung

von Jugendstrukturen in

Bosnien und Herzegowina

Lokale Jugendorganisationen und Jugendringe

in Bosnien können aufgrund

mangelnder fi nanzieller und personeller

Ressourcen kaum kontinuierliche fachliche

Arbeit leisten. Engagierte und ausgebildete

ehrenamtliche MitarbeiterInnen

verlassen die Jugendorganisationen, sobald

ihnen bessere Arbeitsbedingungen

angeboten werden oder müssen sich

mit prekären Arbeitsverhältnissen zufrieden

geben. Dies bedeutet, dass viele

Jugendorganisationen und Jugendringe

ihre Arbeit einstellen bzw. keine ernstzunehmenden

VertreterInnen der Jugendbelange

sein können.

Die Entwicklung einer Wirtschaftskomponente

in einer Gruppe zur Unterstützung

von Jugendarbeit ist in Bosnien und

Herzegowina neu und stößt teilweise

auf Misstrauen. Um die Geschäftsideen

erfolgreich zu etablieren, muss der/die

BeraterIn/TrainerIn sehr eng mit den

Jugendringen kooperieren und ihnen intensiv

zur Seite stehen. In Bosnien/Herzegowina

konnte eine große Akzeptanz

für die Maßnahme geschaffen werden.

Alle beteiligten Gemeinden haben für

die Wirtschaftskomponente kostenlos

Räume zur Verfügung gestellt und sind

auch bereit, durch ihre Wirtschaftsabteilungen

Beratung zu leisten und Kontakte

zur Verfügung zu stellen.

Ansätze und Methoden der Kinder- und Jugendförderung in der deutschen EZ

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Beschäftigungsförderung und Förderung von

Klein(st)unternehmen

Workshop Geschäftsideen

Jugendlichen werden mit dieser Methode erste Voraussetzungen für die Gründung und das erfolgreiche

Führen eines Unternehmens vermittelt. Die Jugendlichen entwickeln eigene Geschäftideen

und lernen, ihre Entscheidungen bei der Unternehmensgründung zu refl ektieren und zu begründen.

Zielsetzung und Zielgruppe

Im Workshop „Geschäftsideen“ werden Jugendliche dazu befähigt, sich mit der Gründung, den Arbeitsprozessen

und der Wirtschaftlichkeit von Unternehmen auseinanderzusetzen. Ziel ist es, dass die

Jugendlichen eigene Vorschläge zur Gründung von Unternehmen formulieren. Für Jugendliche in

ländlichen Regionen bieten die Workshops die Gelegenheit, zur Diversifi zierung der lokalen Marktwirtschaft

beizutragen, indem, über die Agrarproduktion hinaus, weitere Sektoren entwickelt werden so

z.B. der Dienstleistungssektor oder alternative Anbauprodukte bzw. –methoden erprobt werden.

Diese Methode richtet sich an Jugendliche im Alter von 16 bis 24 Jahren, die bereits über ein gewisses

Bildungsniveau verfügen.

Ergebnisse/Wirkungen

Die Jugendlichen erwerben die fachlichen und persönlichen Fähigkeiten zur Gründung und erfolgreichen

Führung eines Unternehmens. Ihre Eigeninitiative wird gestärkt, die wirtschaftliche Entwicklung

ihrer Gemeinde bzw. ihres Stadtteils wird gefördert. Durch die Unternehmensgründung werden meist

auch Arbeitsplätze für weitere Personen geschaffen. Im Rahmen des Workshops können Kontakte zu

kommunalen Behörden, lokalen Unternehmen oder Kooperativenmitgliedern aufgenommen werden.

So bekommen die Jugendlichen Zugang zu einem Netzwerk, dass sie bei der Umsetzung ihrer Ideen

unterstützen kann.

Methode

Hilfreich für die Durchführung des Workshops ist eine Partnerschaft mit zuständigen Institutionen,

Universitäten und Ausbildungswerkstätten. Maximal sollten 35 TeilnehmerInnen eingeladen werden.

Der Workshop sollte für zwei Tage angesetzt werden. Am ersten Arbeitstag sollten die Begriffe Unternehmen/Unternehmer/Unternehmung

thematisiert und die lokalen Bedingungen studiert werden,

unter denen sich die Unternehmen entwickeln müssen. Hauptthema des zweiten Tages sollten die

Geschäftsideen und Initiativen der TeilnehmerInnen sein.

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Wirtschaftsreform Beschäftigungsförderung und Aufbau der Marktwirtschaft und Förderung (WIRAM), von Förderung kleiner

und mittelständischer Klein(st)unternehmen Unternehmen

Mögliche Partner wie UnternehmerInnen, RechtsexpertInnen, VertreterInnen von relevanten Organisationen

(z. B. Umwelt- oder Handwerkerorganisationen), die eine Perspektive zum Thema „Unternehmen“

beitragen können, sollten eingeladen werden.

Programm des ersten Tages

Unternehmen

� Anmeldung der TeilnehmerInnen, Ausgabe von Materialien

� Begrüßung und Einführung in den Workshop

� Vorstellung der beteiligten Institutionen

� Themenfindung (Was ist ein Unternehmen? Wie funktioniert es im lokalen Kontext? Wie ist ein

Unternehmen aufgebaut? Was ist der „Lebenszyklus“ eines Unternehmens (Konzeption, Entstehung,

Wachstum, Auflösung)?

Partnerschaften, Wettbewerb usw.

� Diskussion über Faktoren des Erfolgs und Misserfolgs eines Unternehmens

Der Workshop sollte partizipativ, d.h. mit aktiven Beteiligungsmöglichkeiten für die Jugendlichen

konzipiert sein und den Jugendlichen Interventions- und Frageräume eröffnen. Materialien, die den

Jugendlichen Zugang zu relevanten Informationen über die einzelnen Themen ermöglichen, sollten

vorbereitet werden. Beim Workshop sollten die sozialen Funktionen eines Unternehmens im Vordergrund

stehen (und damit auch das Thema „Verantwortung übernehmen“) und nicht ausschlieβlich die

Gewinnmöglichkeiten, die einzelne Unternehmensformen versprechen.

Programm des zweiten Tages

Vorschläge und Initiativen

Der zweite Teil des Workshops sollte den von den Jugendlichen entwickelten Ideen und Initiativen

gewidmet sein.

Folgende Fragen können behandelt werden:

� Feststellung der Interventionsbereiche (Klassifizierung von Dienstleistungen und Gütern).

� Was für eine Rolle spielt die Marktforschung?

� Erste Schritte einer Unternehmensgründung (Konzeption, Geschäftsplan, Finanzierung).

� Aufgaben eines Unternehmens (Information, Ausbildung, Arbeitsmarkt und Angestellte).

Ansätze und Methoden der Kinder- und Jugendförderung in der deutschen EZ

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Beschäftigungsförderung und Förderung von

Klein(st)unternehmen

� Umfeld eines Unternehmens (Partnerschaften, Wettbewerb etc.).

Bei der Diskussion der einzelnen Vorschläge und Geschäftsideen sollten folgende Themenkomplexe

ebenfalls angesprochen werden:

� Unternehmensbereiche, Zielgruppen, Einbindung in die lokale Wirtschaft, Produktionskapazitäten,

Unternehmensstruktur, Ausbildungs- und Arbeitsbedürfnisse,

� Kundenfreundlichkeit, Verkaufsstrategien, notwendige Technologie usw.)

Die abschließende gemeinsame Kritik der Vorschläge der Jugendlichen dient dazu, die Stärken und

Schwächen der Projekte hervorzuheben sowie die Kritikfähigkeit der TeilnehmerInnen zu fördern.

Ein an den Workshop angebundener Wettbewerb, der von lokalen Unternehmen und/oder Institutionen

unterstützt wird, kann dazu führen, dass einzelne, erfolgversprechende Initiativen fi nanziell gefördert

werden.

Ein Beispiel…..

Café-Diálogo Juvenil – El

Salvador

In Zusammenarbeit mit der Universität

Centroamericana José Simón Cañas in

San Salvador wurde im Oktober 2003 der

Workshop „Café Diálogo Emprendedurismo

juvenil“ durchgeführt. Neben der

Entwicklung und kritischen Diskussion

von Geschäftsideen und Geschäftsplänen

(Emprende tu idea – Verstehe deine

Idee) der beteiligten Jugendlichen wurden

Erfahrungen mit Unternehmensgründungen

diskutiert und Erfolgsfaktoren

besprochen. Die Rolle von Frauen

in Unternehmen und allgemein Genderaspekte

waren weitere Bausteine des

Workshops.

Ansätze und Methoden der Kinder- und Jugendförderung in der deutschen EZ


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Ein Beispiel.....

Produktion von Petitgrain

im Bezirk Choré - Paraguay

Das Pilotprojekt wurde im Rahmen der

Maßnahme der deutschen TZ „Integration

von Jugendlichen in den lokalen

Arbeitsmarkt“ durchgeführt. Bevor

das Projekt offi ziell gestartet wurde,

holte sich die Organisatorengruppe

(VertreterInnen der Jugendlichen, des

kommunalen Jugendsekretariats und der

lokalen Technischen Hochschule) die

Erlaubnis zur Nutzung eines am Fluss

gelegenen Landstücks, das Teil eines 100

Hektar großen Landbesitzes der lokalen

Technischen Hochschule (UTCD) ist.

Auch die Gemeindeverwaltung stellte

der Gruppe eine vier Hektar große Parzelle

zur Verfügung, die zu einem insgesamt

800 Hektar großen Familienbesitz

gehört. Junge Bauern aus umliegenden

Siedlungen zeigten sich bereit, auf ihren

Feldern die Produktion (auf jeweils 0,5

ha) aufzunehmen. Für die Umsetzung

des Projekts ist eine Organisationsstruktur

auf zwei Ebenen vorgesehen: die

Organisatorengruppe einerseits, und die

Begünstigtengruppe (die Zielgruppe) an-

dererseits, die die Aufzucht von Setzlingen,

die Gewinnung von Petitgrain-Blättern

und die Destillation übernehmen

soll. Für die Destillation stellt die deutsche

TZ einen mobilen Destillationsapparat

zur Verfügung. Der Projektertrag

soll den einzelnen Gruppenmitgliedern

zufl ießen. Der Verwendungszweck wurde

jedoch festgelegt: aus dem erzielten

Gewinn sollen die Beteiligten ihre Ausbildung

bestreiten. Die Jugendlichen

aus der Organisatorengruppe treten als

EntwicklungspromotorInnen für andere,

ärmere Jugendliche auf, die ihre Ausbildung

selbst nicht fi nanzieren können.

Die jugendlichen OrganisatorInnen sind

selbst nicht arm und gehen bereits einer

Beschäftigung nach.

Das Vorhaben bietet außerdem die

Möglichkeit, die (bisher praktisch nicht

vorhandene) Beteiligung von Frauen zu

fördern, da die Produktion von Petitgrain-Öl

von ihnen übernommen werden

kann. Somit wird die Chancengleichheit

gefördert und jungen Frauen, die häufi g

die Schule vorzeitig abbrechen, eine Perspektive

geboten.

Ansätze und Methoden der Kinder- und Jugendförderung in der deutschen EZ

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Beschäftigungsförderung und Förderung von

Klein(st)unternehmen

Beschäftigungsstrategien für Jugendliche

Die Beschäftigungsperspektiven junger Menschen werden beeinfl usst durch das Sozial-, Kulturund

Symbolkapital, über das Jugendliche zur Eingliederung in den Arbeitsmarkt verfügen. Mädchen

und Jungen werden durch die im Folgenden beschriebene Methode in die Lage versetzt, selbst

Strategien für ihre Integration ins Erwerbsleben zu entwickeln und ihre Voraussetzungen für den

Arbeitsmarkt zu verbessern.

Zielsetzung und Zielgruppe

Durch die Entwickung einer „Beschäftigungsstrategie“ soll die Anzahl und die Qualität der Kontakte

und Beziehungen (=Sozialkapital), die für die Integration von Jugendlichen in den Arbeitsmarkt wichtig

sind, erhöht werden. Darüber hinaus sollen sowohl die technischen und sozialen Kompetenzen

(=Kulturkapital) als auch das Prestige von Jugendlichen aus Armutsvierteln (=Symbolkapital) verbessert

werden. In Zusammenarbeit mit kommunalen Instanzen (Jugendbüros und Arbeitsämtern) soll

eine Annäherung zwischen Jugendlichen und Akteuren des Arbeitsmarkts erzielt werden. Die Beschäftigungsstrategien

zielen im Einzelnen auf folgende Punke ab: Erwerb einer Beschäftigung, Beginn

einer Ausbildung, Selbständigkeit und Verbesserung des Schulniveaus.

Die Methode richtet sich an arbeitslose Jugendliche zwischen 18 und 24 Jahren aus sozial benachteiligten

Stadtteilen und Gemeinden.

Ergebnisse/Wirkungen

Die Entwicklung von Beschäftigungsstrategien basiert auf zwei Komponenten:

1. Sozialpädagogische Arbeit mit Jugendlichen: fokussiert auf die persönliche und subjektive Entwicklung,

das eigene Lebensprojekt, die Steigerung der Selbstachtung und die Nivellierung von

Berufserwartungen. Damit wird das Kulturkapital (technische, persönliche und soziale Kompetenzen)

der Jugendlichen erhöht.

2. Sensibilisierung des Umfeldes: fokussiert auf Unternehmen im Stadtviertel, staatliche Programme

und öffentliche Einrichtungen. Damit wird das Sozial- und Symbolkapital der Jugendlichen

erhöht und gefördert.

Ansätze und Methoden der Kinder- und Jugendförderung in der deutschen EZ


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und mittelständischer Klein(st)unternehmen Unternehmen

Methode

Komponente 1: Sozialpädagogische Arbeit mit Jugendlichen zur Strategieentwicklung

Die sozialpädagogische Arbeit mit Jugendlichen hat die Entwicklung konkreter Beschäftigungsstrategien

zum Ziel. In einer Gruppe von ca. 25 Jugendlichen werden in Workshops die persönlichen

sozialen Kompetenzen bearbeitet. Unter sozialen Kompetenzen werden hierbei jene Eigenschaften

verstanden, die für die Arbeitswelt wichtig sind: Fähigkeiten der Kommunikation, Beziehungsarbeit,

Zielorientiertheit, Selbstvertrauen etc. Die Jugendlichen lernen, sich selbst in bezug auf die Arbeitswelt

einzuschätzen und die eigene Lebensperspektive in Beziehung zur berufl ichen Perspektive zu setzen.

Sie sprechen über die Arbeitswelt, über eigene berufl iche Erfahrungen, über Interview-Situationen bei

Bewerbungen, über das Scheitern bei der Arbeit und darüber, wie man sich Informationen über den

Arbeitsmarkt besorgen kann.

Gearbeitet wird mit den Jugendlichen nach der sog. CEFE-Methode. Dabei handelt es sich um ein Trainingsset,

das die Handlungskompetenzen des Einzelnen, die für das Erreichen seines gesetzten Zieles

in einem ganz spezifi schen Umfeld notwendig sind, erweitert und verbessert. Es geht um die bewusste

Verknüpfung zwischen der persönlichen Kompetenz und der eigenen Zielvorstellung. Der/die Einzelne

lernt, seine/ihre Fähigkeiten den Anforderungen des beabsichtigten Zieles gegenüberzustellen,

abzuwägen und zu analysieren, um entsprechende strategische Entscheidungen treffen zu können. Das

Lernen erfolgt in Gruppen durch strukturierte Simulationen und Spielsituationen, in denen der einzelne

Jugendliche seine eigenen Kapazitäten kennenlernt, wobei er von Anderen lernt und seine eigenen

individuellen Schlussfolgerungen ziehen kann.

Komponente 2: Sensibilisierung des Umfeldes

Wenn den Jugendlichen das entsprechende Sozial- und Symbolkapital in bezug auf den Arbeitsmarkt

fehlt, d.h. wenn die Kontakte und Beziehungen fehlen und die Herkunft (Wohnort) Nachteile bei der

Arbeitssuche schafft, müssen diese Defi zite kompensiert werden. Dazu wird die zweite Komponente

mit dem Ziel der Sensibilisierung des Umfeldes entwickelt. Ein „Netzwerker“ knüpft Kontakte zu und

führt Gespräche mit Unternehmen, öffentlichen Einrichtungen und staatlichen Programme, um Informationen

über Einsatzmöglichkeiten für Jugendliche zu sammeln und „Werbung“ für die Integration

von Jugendlichen in Arbeits- und Ausbildungsverhältnissen zu machen. Die Vielzahl von Programmen

(Sonder- und Hilfsprogrammen) unterschiedlicher Instanzen wie Stadtverwaltungen, Ministerien etc.

im Bereich Beschäftigung und Ausbildung sind den meisten Jugendlichen unbekannt. Andererseits haben

Programme dieser Art oft die Schwierigkeit, Jugendliche aus sozial schwachen Sektoren/Vierteln

zu erreichen. Hier hilft der Netzwerker, eine Brücke zu schlagen.

Ansätze und Methoden der Kinder- und Jugendförderung in der deutschen EZ

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Beschäftigungsförderung und Förderung von

Klein(st)unternehmen

Beschäftigungsstrategie

Die Beschäftigungsstrategie der Jugendlichen entsteht aus dem Zusammenwirken der beiden Komponenten:

zwischen der Entwicklung persönlicher Kompetenzen und der Öffnung des lokalen Umfeldes

für Jugendliche. Die Jugendlichen lernen, ihr Lebensprojekt in Beziehung zur Arbeits- und Berufssituation

zu skizzieren, sich über ihre Fähigkeiten und sozialen Kompetenzen bewusst zu werden und sie

lernen weiterhin, Basisinformationen über den Arbeitsmarkt zu suchen und zu verstehen. Auf dieser

Grundlage fi ndet ein Abgleich der persönlichen Kompetenzen und der Chancen auf dem lokalen Arbeitsmarkt

statt. Ergebnis dieses Schrittes ist die Defi nition einer Strategie für die nahe Zukunft. Am

Ende müssen die Jugendlichen eine Antwort auf die folgende Frage fi nden: Welches konkrete erreichbare

Ziel kann ich mit welchen zur Verfügung stehenden Mitteln und Beziehungen erreichen?

Es sind folgende alternative Strategien denkbar:

1. eine Beschäftigung suchen, die den Interessen und Möglichkeiten entspricht,

2. einen Ausbildungskurs beginnen, der der erste Schritt für das zukünftige Berufs- und Arbeitsziel

ist,

3. sich selbstständig machen und eine eigene Existenz aufbauen,

4. das Schulniveau verbessern, wenn das bisherige Niveau für das zukünftige Berufsziel unzureichend

ist.

Am Ende des Kurses oder der Zeit der Begleitung durch die BeraterInnen hat der Jugendliche zu

entscheiden, welche der Strategien er/sie verfolgen will und welche konkreten Schritte zur Umsetzung

zu tun sind. Dabei helfen die Informationen, die ihm vom Netzwerker aus dem Umfeld über den Arbeitsmarkt

zukommen.

Durchführung

Es empfi ehlt sich, auf den Aufbau eigener institutioneller Strukturen zu verzichten und stattdessen an

bestehenden Instanzen anzusetzen. Auf lokaler Ebene bieten sich dazu Stadt- und Gemeindeverwaltungen

an, in denen Jugendarbeit gemacht wird und wo eine Arbeitsvermittlung existiert. Dies können

zum Beispiel kommunale Jugendbüros oder kommunale Arbeitsvermittlungsstellen sein.

Es bietet sich auch an, zur Durchführung der Maßnahme mit freien Trägern (Nichtregierungsorganisationen)

zu kooperieren. Dem Jugendbüro kann ein zusätzlicher Jugendberater zur Verfügung gestellt

werden, der die Aufgabe der Bildungsarbeit übernimmt und in der Arbeitsvermittlungsstelle kann ein

Netzwerker eingestellt werden, der die Beziehungen zu Unternehmen und öffentlichen Einrichtungen

herstellt.

Ansätze und Methoden der Kinder- und Jugendförderung in der deutschen EZ


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und mittelständischer Klein(st)unternehmen Unternehmen

Ein Beispiel.....

Beschäftigungsstrategien

von arbeitslosen Jugendlichen

– Chile

In der Zeit von Mai 2003 bis Dezember

2004 wurde das Pilotprojekt „Estrategias

laborales juveniles“ durch das

TZ-Jugendvorhaben Interjoven in zehn

Städten bzw. Stadtteilen durchgeführt.

Ergebnis: Von den teilnehmenden arbeitslosen

Jugendlichen, entwickelten

mehr als 60 Prozent eine Perspektive.

Sie erreichten entweder direkt Beschäftigung,

wurden in einen Ausbildungskurs

oder in einen Kurs für Existenzgründer

integriert oder begannen, ihr Schulniveau

zu verbessern. Die Ergebnisse der ersten

Pilotphase haben zur Ausweitung des

Ansatzes auf weitere Städte im Jahr 2005

geführt, wobei die Arbeit mit weiteren

340 arbeitslosen Jugendlichen angedacht

war. Finanziert wurde die Maßnahme

2005 im wesentlichen durch den staatlichen

Sozialfond zur Armutsbekämpfung

(FOSIS) und die Stadtverwaltungen.

Ansätze und Methoden der Kinder- und Jugendförderung in der deutschen EZ

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Beschäftigungsförderung und Förderung von

Klein(st)unternehmen

Rapid Employment Creation

Rapid Employment Creation ist eine schnelle, gezielte Vermittlung von jugendlichen Arbeitslosen

an lokale kleine und mittelständische Unternehmen. Die Methode bietet nachfrageorientierte Trainings,

individuelles Coaching und direkte Vermittlung in Arbeit. Für die erfolgreiche Umsetzung

sind eine professionelle Arbeitsmarkanalyse und eine funktionierende Kooperation mit Unternehmen

und anderen auf dem Arbeitsmarkt engagierten Vermittlungsstellen ausschlaggebend.

Zielsetzung und Zielgruppe

Ziel ist die schnelle und unkomplizierte Vermittlung jugendlicher Arbeitsloser auf dem lokalen Arbeitsmarkt.

Zielgruppe sind Jugendliche aus vorstädtischen und ländlichen Regionen im Alter von 16 bis

25 Jahren. Da junge Frauen oftmals mit ungleich schwierigeren Bedingungen auf dem Arbeitsmarkt

konfrontiert sind, ist Rapid Employment Creation besonders auch für diese Zielgruppe attraktiv.

Ergebnisse/Wirkungen

Rapid Employment Creation vermittelt Jugendliche auf dem Arbeitsmarkt und bietet ihnen somit

Hilfestellung auf dem Weg aus der Arbeitslosigkeit. In der schwierigen und frustrierenden Phase der

Arbeitssuche werden die Jugendlichen individuell betreut, können durch Teilnahme an berufsqualifi zierenden

Maßnahmen ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt verbessern und werden in Bewerbungstrainings

auf die Vorstellungsgespräche und den Berufseinstieg vorbereitet.

Für Unternehmen bieten die Arbeitsmarktanalysen der Rapid Employment Creation Aufschluss über

Marktnischen mit Wachstumspotenzial. Der kostenfreie Vermittlungsdienst erleichtert die Suche nach

qualifi zierten MitarbeiterInnen und macht jugendliche ArbeitnehmerInnen für Unternehmen attraktiv.

Durchführung

Wesentliches Charakteristikum des Vermittlungskonzepts der Rapid Employment Creation ist die Ausrichtung

aller Aktivitäten auf die Nachfrage von Seiten des Arbeitsmarktes und der Arbeitssuchenden.

Durch genaue Marktanalysen der lokalen und regionalen Wirtschaft und die Identifi zierung von Wirtschaftsbereichen

mit Wachstumspotenzial wird eine bedarfsgerechte Ausbildung und Vermittlung von

jugendlichen Arbeitskräften ermöglicht.

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Wirtschaftsreform Beschäftigungsförderung und Aufbau der Marktwirtschaft und Förderung (WIRAM), von Förderung kleiner

und mittelständischer Klein(st)unternehmen Unternehmen

Rapid Employment Creation umfasst im Wesentlichen drei Ansatzpunkte:

� gezielte, bedarfsorientierte Qualifizierung der Arbeitssuchenden

� Förderung von kleinen- und mittelständischen Unternehmen mit dem Ziel der Steigerung von

Wettbewerbsfähigkeit und der Schaffung zusätzlicher Arbeitsplätze

� Vermittlungsservice, individuelle Beratung und Job-Coaching durch ein junges TutorInnenteam

Leistungen für ArbeitgeberInnen

� Kostenlose Vorauswahl und Vermittlung qualifizierter Bewerber

� Schnelle, kurzfristige und bedarfsorientierte Qualifizierung der BewerberInnen

� Unverbindliche Probearbeitszeiten und Praktika

Leistungen für Arbeitsuchende

� Individuelles Job-Coaching, Bewerbungstrainings und Vermittlung

� Förderung der persönlichen Entwicklung und Vermittlung von Soft Skills

� Nachfrageorientierte berufliche Ausbildung und Trainings

� Schnuppermöglichkeiten, Möglichkeiten für erste Berufserfahrungen, Praktikumsangebote

� Möglichkeiten zu selbständiger Tätigkeit

Ansätze und Methoden der Kinder- und Jugendförderung in der deutschen EZ

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Beschäftigungsförderung und Förderung von

Klein(st)unternehmen

Ein Beispiel.....

Rapid Employment Creation

– El Salvador

Mit einem Projekt zur schnellen und

unkomplizierten Schaffung von Arbeitsplätzen

für Jugendliche begegnete die

deutsche TZ in 2003 in Kooperation

mit den salvadorianischen Arbeits- und

Bildungsministerien und lokalen Nichtregierungsorganisationen

der hohen Arbeitslosenquote

bei Jugendlichen in El

Salvador. Innerhalb von sieben Monaten

wurde in der Region Los Nonualcos, einem

Gebiet mit vergleichsweise hohem

wirtschaftlichem Wachstumspotenzial,

das Projekt Rapid Employment Creation

zur Vermittlung arbeitsloser Jugendliche

durchgeführt. Zielgruppen waren ins-

besondere junge Frauen aus ländlichen

Gebieten. Mit vergleichsweise geringem

fi nanziellem Aufwand wurden 153 Jugendliche

ausgebildet und 70 Arbeitsstellen

realisiert. Durchgeführt wurde

die Jobvermittlung von einem sechsköpfi

gen, jungen, motivierten TutorInnenteam,

das sich besonders durch seine

jugendgerechten Methoden auszeichnete.

Derzeit unterstützt die deutsche TZ

das Berufbildungsinstitut INSAFORP

bei der Implementierung der Methode in

weiteren Regionen des Landes.

Ansätze und Methoden der Kinder- und Jugendförderung in der deutschen EZ


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und mittelständischer Klein(st)unternehmen Unternehmen

Arbeitsplatzvoucher

Mit dem Arbeitsplatzvoucher geben Arbeitsämter bzw. andere Behörden oder Vermittlungsstellen

den Arbeitgebern eine fi nanzielle Unterstützung, wenn sie für einen befristeten Zeitraum Arbeitsstellen

für Jugendliche bereitstellen. Damit erhalten Unternehmen einen zusätzlichen Anreiz, jugendliche

ArbeitnehmerInnen zu beschäftigen. Die Ausgabe solcher Vouchers an Jugendliche sollte

jedoch immer im Zusammenhang mit weiteren beschäftigungsfördernden Maßnahmen wie z.B.

Bewerbungstrainings stehen, um eine nachhaltige Wirkung zu erzielen. Eine Gefahr der Ausgabe

von Arbeitsplatzvouchers ist das Auftreten von Verdrängungs- und Mitnahmeeffekten, weshalb

die Schaffung subventionierter Arbeitsplätze häufi g kritisch gesehen wird. Hier muss ein genaues

Monitoring erfolgen, um zu klären, ob Arbeitsplätze nur aufgrund des Verdrängungsmechanismus

entstehen oder ob tatsächlich neue Arbeitsplätze geschaffen werden. Außerdem muss geprüft werden,

wie viele Jugendliche auch nach Auslauf der Subvention weiter im Beschäftigungsverhältnis

bleiben.

Zielsetzung und Zielgruppe

Durch die Verteilung der Arbeitsplatzvouchers an Jugendliche sollen deren Einstellungschancen bei

Unternehmen erhöht werden. Die Methode richtet sich an arbeitslose Mädchen und Jungen zwischen

16 und 24 Jahren.

Ergebnisse/Wirkungen

Durch die Vouchers werden die Eingangsbarrieren, die Jugendlichen auf dem Weg in die Beschäftigung

entgegenstehen, verringert. Junge Menschen verfügen meist über wenig oder keine Berufserfahrung

und haben keine Netzwerke, die sie bei der Arbeitssuche unterstützen. Durch die Vouchers erhalten

Mädchen und Jungen einen Berufseinstieg, können Berufserfahrung sammeln und haben die Chance,

ArbeitgeberInnen von Ihren Fähigkeiten zu überzeugen.

Arbeitsplatzvoucher

Arbeitssuchende Jugendliche werden von der Arbeitsverwaltung oder anderen Vermittlungsstellen mit

Vouchers ausgestattet. Jedes Unternehmen, das einen neuen Arbeitsplatz für Jugendliche für eine gewisse

Dauer einrichtet, kann diesen Voucher dort einlösen. Da es in der Regel nicht möglich ist, die

Beträge so hoch zu dotieren, dass sie einen tatsächlichen fi nanziellen Anreiz für Unternehmen darstellen,

sind – wenn möglich – weitere Vergünstigungen wie die Reduzierung der Lohnnebenkosten für

jugendliche ArbeitnehmerInnen effektive Zusatzangebote.

Ansätze und Methoden der Kinder- und Jugendförderung in der deutschen EZ

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Beschäftigungsförderung und Förderung von

Klein(st)unternehmen

Um die Wirkung der Arbeitsplatzvouchers zu erhöhen, sollte die Initiative von einer Werbekampagne

für Jugendliche als ArbeitnehmerInnen begleitet werden. Beispielsweise kann die Initiative auf Jobbörsen

potenziellen ArbeitgeberInnen und InteressentInnen vorgestellt und ein direkter Kontakt zu den

BewerberInnen hergestellt werden.

Ein sinnvoller Rahmen, Vouchers an arbeitssuchende Jugendliche auszuhändigen, sind Bewerbungstrainings.

Nachdem die Jugendlichen die nötigen Kompetenzen erworben haben, um selbstbewusst auf

ArbeitgeberInnen zuzugehen, wird ihnen mit dem Voucher ein zusätzlicher Ansporn für die tatsächliche

Arbeitssuche gegeben.

Ein Beispiel.....

Arbeitsplatzschecks -

Kirgistan

Im Rahmen des TZ-Vorhabens „Arbeitsmarktpolitik

und Beschäftigung“ in

Kirgistan (1996-2002) wurde neben der

Einrichtung jugendgerechter Arbeitsvermittlungsstellen

und der Durchführung

von Jobbörsen auch der Einsatz von Arbeitsplatzvouchers

als Pilotmaßnahme

erprobt. Dabei wurde den jugendlichen

Arbeitslosen ein Voucher über 780 Som,

einer Summe von rund 40 Euro ausgehändigt,

den sie an das Unternehmen

weiterreichen konnten, das ihnen eine

Arbeitsstelle für zwei Jahre bereitstellte.

Für das Arbeitsamt blieb die Initiative

kostenneutral, da der Gegenwert eines

Vouchers exakt dem Anspruch eines

Jugendlichen auf Arbeitslosenunterstützung

für ein halbes Jahr entsprach. 1996,

im Jahr seiner Einführung, verhalf dieser

Voucher 180 jungen Frauen und 80 jungen

Männern zu einem Berufseinstieg.

Lediglich 40 Personen, die an der Aktion

beteiligt waren, konnten nicht vermittelt

werden. 75 Prozent der Arbeitsplätze

wurden neu geschaffen, der Rest

ist unter „Mitnahmeeffekt“ zu verbuchen.

Sowohl ArbeitgeberInnen als auch

ArbeitnehmerInnen waren nach einer

Umfrage mit dem „Voucher“-Verfahren

sehr zufrieden. Nach den Angaben der

Unternehmen hätten noch mehr Arbeitsplätze

geschaffen werden können,

wenn die Arbeitsplatzvouchers lediglich

mit einer Verpfl ichtung auf ein Jahr statt

zwei Jahre verbunden gewesen wären, da

die angespannte wirtschaftliche Lage die

Planung über einen längeren Zeitraum

oftmals nicht zulässt. Im Anschluss an

die Pilotmaßnahme wurde diese in ein

landesweites Programm umgewandelt.

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Berufs-Beratungsworkshops für Jugendliche

Viele Jugendliche in den Partnerländern der deutschen Entwicklungszusammenarbeit können

existierende Ausbildungs- und Berufschancen nicht wahrnehmen, da sie nicht über die Angebote

informiert sind, die formalen Wege zur Bewerbung auf unterschiedliche Angebote nicht kennen

oder persönliche Unsicherheiten und Hemmungen die Beschäftigungssuche erschweren. In Berufs-Beratungsworkshops

werden junge Menschen dabei unterstützt, sich einen Überblick über

Ausbildungs- und Beschäftigungsmöglichkeiten zu verschaffen, die bestehenden Angebote mit ihren

Fähigkeiten und Interessen abzugleichen und sich professionell zu bewerben bzw. sich fehlende

Kompetenzen für bestimmte Angebote anzueignen.

Zielsetzung und Zielgruppe

Zielsetzung der Methode ist, marginalisierte Jugendliche in eine Ausbildung oder in eine einkommenswirksame

Beschäftigung zu vermitteln. Die Methode eignet sich gleichermaßen für Mädchen und Jungen

im Alter von etwa 13 bis 25 Jahren.

Ergebnisse/Wirkungen

Die Mädchen und Jungen lernen, sich mit den in ihrer Umgebung existierenden Beschäftigungsmöglichkeiten

sowie ihren persönlichen und berufsbezogenen Fähigkeiten, Schwierigkeiten und Interessen

auseinanderzusetzen. So gelangen sie zu einer realistischen Einschätzung ihrer Beschäftigungsperspektiven

und ihres Lernbedarfs und Hemmungen werden überwunden. Zudem werden das Selbstbewusstsein

und die Eigeninitiative der jungen Menschen gestärkt. Die Jugendlichen können sicherer

nach außen auftreten, wodurch ihre Wahrnehmung in der Gemeinde, besonders bei potenziellen

ArbeitgeberInnen, positiv beeinfl usst wird. Die Ausbildungs- und Beschäftigungschancen der Jugendlichen

steigen.

Methode

� Ausgehend von einer Diagnose bzw. Analyse ihres Stadtviertels wird von den Jugendlichen selbst

ein soziales Panorama erarbeitet. So werden die Berufsbildungs- und Beschäftigungsangebote, die

Infrastruktur, die benötigten Ressourcen (z.B. für Bewerbungen), die Sozialdaten, die Schwierigkeiten

sowie die Kompetenzen und die Interessen der Jugendlichen recherchiert. Ausgehend von

diesen Daten wird ein Konzept entwickelt.

Ansätze und Methoden der Kinder- und Jugendförderung in der deutschen EZ

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Beschäftigungsförderung und Förderung von

Klein(st)unternehmen

� Die Beratungstätigkeit wird durch zwei SozialarbeiterInnen (oder BeraterInnen mit einer ähnlichen

Ausbildung) durchgeführt. Neben einem festen Raum werden entsprechende Geräte und ein

Internetanschluss benötigt.

� Das Beratungsteam sammelt die erforderlichen Informationen und fasst sie in einer Datenbank

zusammen. Institutionen bzw. Unternehmen, die Ausbildung und Beschäftigung anbieten, werden

kontaktiert und Informationen zu Programmen, Fonds, Stipendien etc. angefordert.

� Die Informationen werden aufbereitet und den Jugendlichen präsentiert.

� Kernteil des Angebotes ist der Beratungsworkshop. Hier setzen die Mädchen und Jungen sich

mit den Informationen auseinander und entwickeln persönliche Perspektiven, wie sie die existierenden

Angebote nutzen bzw. sich darauf bewerben können. Ein Ablaufkalender für das weitere

Vorgehen mit Aufgaben und Abgabefristen von Unterlagen etc. wird erstellt.

� Die BeraterInnen unterstützen die Jugendlichen beim Ausfüllen der Formulare, Vorbereiten der

Bewerbungsgespräche u.s.w., nehmen aber nicht direkt an Vorstellungs- und Lobbygesprächen

teil.

� Die beteiligten Jugendlichen wirken als MultiplikatorInnen, in dem sie andere Jugendliche für die

Teilnahme an den Berufs-Beratungsworkshops gewinnen und ihre Erfahrungen weitergeben.

Ein Beispiel.....

Colombia Joven -

Kolumbien

Im Rahmen des staatlichen Programms

Colombia Joven, das den Jugendlichen

ein integriertes Leistungsangebot anbietet,

wurden in einzelnen Gemeinden Berufs-Beratungsworkshops

durchgeführt,

die sich an der konkreten Arbeitsmarktsituation

in den Kommunen orientierten.

Das Angebot wurde mit verschiedenen

Ausbildungs- und Monitoringwork-

shops ergänzt. Insgesamt nahmen 1000

Jugendliche daran teil. Hauptziel war es,

die beschäftigungsrelevanten Kompetenzen

der Jugendlichen zu fördern. Die

Initiative wurde von einem Netzwerk

von lokalen und regionalen Institutionen

unterstützt.

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Berufsorientierendes Training

Berufsorientierende Trainings bereiten Jugendliche auf den Eintritt ins Berufs- bzw. Ausbildungsleben

vor und vermitteln ihnen persönliche und soziale Kompetenzen. Das Training versteht sich

als Vorbereitung bzw. Ergänzung zum reinen Erwerb berufsbezogener Qualifi kationen, wie sie

während einer formalen Ausbildung vermittelt werden.

Zielsetzung und Zielgruppe

Das Training soll sozial benachteiligten Jugendlichen zu berufl icher Orientierung verhelfen und ihnen

den Einstieg in eine Ausbildung bzw. den Zugang zum Arbeitsmarkt erleichtern. Durch die Vermittlung

zusätzlicher sozialer und persönlicher Kompetenzen soll die Attraktivität der Jugendlichen für den

Arbeitsmarkt gesteigert und ihre Einstellungschancen verbessert werden sollen. Die Methode richtet

sich an sozial benachteiligte Jugendliche im Alter von 14 bis 28 Jahren, die keinen Zugang zu legaler

Arbeit mit sozialer Absicherung fi nden.

Ergebnisse/Wirkungen

Berufsorientierende Trainings bieten Jugendlichen Motivation und Orientierung bei der Suche nach

einer Ausbildungsstelle oder einem Arbeitsplatz und zeigen neue Möglichkeiten der Berufswahl auf.

Die Jugendlichen lernen, den Herausforderungen des Arbeitsmarktes adäquat, fl exibel und selbstbewusst

entgegenzutreten und sind durch Aufklärung z.B. über das Arbeitsrecht besser vor Ausbeutung

am Arbeitsplatz geschützt. Die Jugendlichen erwerben außerdem die Fähigkeit gegenüber potenziellen

ArbeitgeberInnen angemessen aufzutreten und ihre Kompetenzen darzustellen. Ihre Chance auf eine

längerfristige einkommenswirksame Beschäftigung, mit der sie ihre Lebenssituation verbessern können,

steigt.

Inhalte des berufsorientierenden Trainings

Während des berufsorientierenden Trainings setzen sich die Jugendlichen mit folgenden Themen auseinander:

Persönliche Fähigkeiten und Arbeitsanforderungen

� Identifizierung der persönlichen Interessen

Ansätze und Methoden der Kinder- und Jugendförderung in der deutschen EZ

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Beschäftigungsförderung und Förderung von

Klein(st)unternehmen

� Analyse der persönlichen Fähigkeiten und Begabungen (allgemeine, soziale und berufsbezogene

Kompetenzen)

� Auswertung bisheriger beruflicher Erfahrungen

� Identifizieren der persönlichen Motivationen für die Arbeitssuche

� Ausloten bestehender Möglichkeiten und Angebote

� Analyse der Anforderungen der Arbeitswelt

Da es Jugendlichen in der Regel schwer fällt, ihre eigenen Stärken und Schwächen einzuschätzen, bedarf

es sensibler Methoden, um sich dem persönlichen (Berufs-)Profi l anzunähern.

Arbeitssuche

� Erarbeiten einer Strategie zur Arbeitssuche

� Arbeitsmarktanalyse und Recherche von Informationsquellen

� Analyse von Stellenanzeigen

� Erstellen von Bewerbungsunterlagen (Lebenslauf)

� Einüben von Vorstellungsgesprächen

Arbeitsrecht

� Rechte und Pflichten am Arbeitsplatz

� Modalitäten eines Arbeitsvertrags

� Umgang mit Arbeitskonflikten

� Diskussion der Besonderheiten der Erwerbstätigkeit Minderjähriger

Die persönliche berufl iche Orientierung und die Auseinandersetzung mit der Situation und den Herausforderungen

des Arbeitsmarktes kann durch ein Training in den Bereichen „Persönliche unternehmerische

Fähigkeiten“ und „Moderation“ ergänzt werden. Je nach angestrebtem Berufsziel können

auch Trainingseinheiten in Bereichen wie Teamfähigkeit, Kommunikations- und Präsentationstechniken

etc. sinnvoll sein.

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Persönliche unternehmerische Fähigkeiten

� Entwicklung von Zielvorstellungen

� Analyse der kalkulierbaren Risiken

� Systematische Planung und Kontrolle

� Konsequenzen des Vorhabens und Bedeutung der Vertragserfüllung

� Entwicklung und Recherche von Netzwerken zur Unterstützung

� Entwickeln von Qualitäts- und Effizienzmaßstäben

� Entwicklung von Selbstbewusstsein und Eigeninitiative

Moderation /

? Was ist Moderation?

? Welche Prozesse werden moderiert und warum?

Moderationstechniken

! Aufgaben des Moderators

! Vorbereitung der Moderation

! Kommunikation im Moderationsprozess

! Schwierigkeiten in der Moderation

Kooperationen

Auf der Mesoebene eignet sich das Training auch für die Ausbildung von MultiplikatorInnen, die den

Kurs anschließend selbständig replizieren können.

Material

Corporación Paisajoven / GTZ (Hrsg.) (2003): Formación de Jóvenes para el Trabajo. Elementos metodológiocos.

Medellín, Kolumbien.

PROJOVEN / DIGEEX-GTZ (2002): Animación Sociolaboral. Manual des Capacitación.

Guatemala.

Ansätze und Methoden der Kinder- und Jugendförderung in der deutschen EZ

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Beschäftigungsförderung und Förderung von

Klein(st)unternehmen

Ein Beispiel.....

Animación Sociolaboral

(ASL) - Guatemala

Die Ausbildung „Animación socio-laboral“

(ASL) wurde durch das TZ-Jugendvorhaben

PROJOVEN entwickelt

und hat zum Ziel, sozial benachteiligten

Jugendlichen den Einstieg in den Arbeitsmarkt

zu erleichtern. Das Training

besteht aus drei Modulen, in denen die

Themen „Persönliche Fähigkeiten und

Arbeitsanforderungen“, „Arbeitssuche“

und „Arbeitsrechte“ behandelt werden.

Diese Blöcke wurden in einem Handbuch

veröffentlicht, das als Grundlage

für die Ausbildungskurse dient.

Das TZ-Vorhaben zur Förderung von

Klein(st)- und mittelständischen Unternehmen

(PROMOCAP) in Guatemala

ergänzte die ASL durch zwei weitere

Module: „Persönliche unternehmerische

Eigenschaften“ sowie „Moderation“.

Die Vorhaben PROJOVEN und PRO-

MOCAP haben im Jahr 2002 und 2003

in den Städten Guatemala und Quetzaltenango

gemeinsam jeweils einen Kurs

mit VertreterInnen von 19 Institutionen

und NRO durchgeführt, von denen einige

ihrerseits die Inhalte des Kurses in

ihren Organisationen weitervermittelt

bzw. Teile von ASL in ihre Ausbildung

integriert haben. Um einen Austausch

von Erfahrungen zwischen den Organisationen

zu ermöglichen wurde die Koordinierung

von staatlichen Institutionen

übernommen. Insgesamt wurden an die

2500 Jugendliche erreicht.

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Wirtschaftsreform Beschäftigungsförderung und Aufbau der Marktwirtschaft und Förderung (WIRAM), von Förderung kleiner

und mittelständischer Klein(st)unternehmen Unternehmen

JOBLAB – Berufl iche Orientierung für Jugendliche

JOBLAB© ist eine interaktive Software, die Jugendliche bei der Berufswahl unterstützt. In einem

virtuellen Unterwasserlabor können Jugendliche mit ihren Interessen und Fähigkeiten experimentieren.

Dabei zeigt ihnen die Software Qualifi zierungsangebote und Beschäftigungsmöglichkeiten

auf dem Arbeitsmarkt, die ihrem Profi l entsprechen könnten. Film-Interviews mit potenziellen Rollenmodellen,

Fotos und Videos vom Arbeitsalltag in verschiedenen Berufen sowie ein Planspiel

bieten andere Zugänge zu den für die Jugendlichen wichtigen Informationen. Die CD kann von

Jugendlichen eigenständig und allein benutzt werden. Gleichzeitig wird das Programm auch Orientierungslehrern

und Beratern zur Verfügung gestellt.

Zielsetzung und Zielgruppe

JOBLAB© wurde bislang in zwei Vorhaben eingesetzt, um die staatlichen Angebote zur berufl ichen

Orientierung bzw. Arbeitsberatung zu verbessern.

Verbesserung der Beratungsleistungen bedeutet:

1. Eine quantitative Zunahme des Informationsangebots und Verbesserung im Zugang zu Information

bzw. Informationsträgern;

2. die qualitative Verbesserung bekannter und zusätzlich zur Verfügung gestellter Information;

3. die Veränderung der Inhalte und Einstellung in der beruflichen Beratung in Hinblick auf außeruniversitäre

Werdegänge sowie die Aufwertung von Angeboten der beruflichen Bildung und

4. einen persönliche Erkenntnisgewinn von Jugendlichen (das Panorama bekannter Qualifizierungsund

Beschäftigungswege soll erweitert werden, dies ist insbesondere bei jungen Frauen und Jugendlichen

aus ärmeren Bevölkerungsteilen wichtig, um Alternativen zu den klassisch bekannten

Erwerbsbiografien aufzuzeigen).

Zielgruppe sind Jugendliche beiderlei Geschlechts – eventuelle Fokussierungen sind in Abhängigkeit

von der gewünschten spezifi schen Zielrichtung möglich. Grundsätzlich zeichnet sich JOBLAB© dadurch

aus, dass es zwar oft für eine besondere Zielgruppe entwickelt wird, aber auch andere Jugendliche

anspricht.

Ansätze und Methoden der Kinder- und Jugendförderung in der deutschen EZ

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Beschäftigungsförderung und Förderung von

Klein(st)unternehmen

Ergebnisse/Wirkungen

Computerbasierte Angebote berufl icher Orientierung gewinnen ständig an Bedeutung. Dies hat damit

zu tun, dass gerade Jugendliche große Teile ihrer Freizeit vor dem Bildschirm verbringen. Unabhängig

von der Existenz von Beratungsstrukturen in Schulen oder „Arbeitsämtern“ können hier also Jugendliche

direkt angesprochen werden. Durch dieses Medium wird überdies die Attraktivität berufl icher

Informations- und Orientierungsangebote erhöht. Dieses Plus gilt natürlich nur in dem Maße, wie es

sich nicht um eine bloße Digitalisierung langweilig aufbereiteter und endlos langer Texte handelt. Interessant

werden die Angebote, wenn die multimedialen Möglichkeiten ausgeschöpft werden.

Den Jugendlichen die Informationen selbst in die Hand zu geben kann eine kleinere Kulturrevolution

bedeuten. Gerade in Gesellschaften, wo dies eher unüblich ist, muss die Produktion von JOBLAB©

daher die erwachsenen Akteure der Berufsorientierung einbeziehen und Angebote für ihre veränderte

Rolle entwickeln. Klar ist, dass eine Software niemals ein Beratungsgespräch ersetzen kann. In Zeiten

immer schnellerer Veränderungen auf dem Arbeitsmarkt, in denen häufi ge Job- und sogar Berufswechsel

zunehmend Normalität sind, ist es besonders wichtig, dass die Jugendlichen selbst Orientierungsfähigkeit

entwickeln. Dies setzt voraus, dass sie sich selbst zu informieren wissen und sich Unterstützungsangebote

erschließen können. Hierzu leistet JOBLAB© einen wichtigen Beitrag. Mehr und

bessere Information, die allen gleichermaßen zugänglich ist – dies ist wesentliche Voraussetzung für das

Durchbrechen von Armutskreisläufen. Schon heute existieren in vielen Ländern gute Angebote beruflicher

Orientierung: in den Privatschulen oder als zu bezahlende Beratungsdienstleistung, ausgerichtet

auf (teure) universitäre Studienangebote und gut dotierte Stellen im formalen Sektor. Gerade diejenigen,

die keinen Zugang dazu haben, brauchen Informationen über die ihnen zur Verfügung stehenden

Alternativen, damit sie nicht im Kreislauf der wenigen bekannten Optionen gefangen bleiben.

Ein Randeffekt: In vielen Ländern sind Bildungs- und Beschäftigungssysteme derart voneinander getrennt,

dass den SchülerInnen (und ihren LehrerInnen) jegliche Vorstellung davon fehlt, was sie in

ihrem wirklichen Arbeitsleben erwartet. Das Funktionieren von JOBLAB© basiert aber auf der Herstellung

eines gemeinsamen Profi ls von Qualifi zierungsangeboten mit ihren Beschäftigungsmöglichkeiten.

Deshalb werden möglicherweise erstmalig Absolventenverbleibsstudien durchgeführt, deren

Ergebnisse auch für eine ganze Reihe von anderen Akteuren interessant sind. Hier wiederum liegt ein

sehr guter Ansatzpunkt zum Aufbau einer engen Koordinierung zwischen den für berufl iche Orientierung

und für berufl iche Bildung zuständigen Stellen.

Methode

Einzelne Schritte

Der Erfolg des Produktes JOBLAB© basiert auf drei wesentlichen Elementen: seiner Zielgruppenorientierung,

der Qualität der enthaltenen Informationen sowie einer klaren Ownership beim Produktentwickler

und Partner.

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und mittelständischer Klein(st)unternehmen Unternehmen

Dies bedeutet für die Anpassung der Software an die Realität in den Zielländern folgende Arbeitsschritte:

� Voraussetzung: ausreichend vorhandene IT-Infrastruktur sowie nutzbare Diffusions- und Multiplikationskanäle

(Schulcomputer, Tele- oder Jugendzentren, Jugendberatungsstätten, Arbeitsämter

etc.)

� Zielgruppenanalyse (Informationsgewohnheiten von Jugendlichen, wichtige Akteure in ihrer jetzigen

beruflichen Orientierung, Informationsbedarfe und Kernfragen bei der Entscheidung über

die berufliche Zukunft sowie Lese- und Freizeitverhalten und graphische Vorlieben)

� Graphische Anpassung der Software

� Je nach Vorhandensein „guter“ Information: Aufbereitung und/oder Produktion der aufzunehmenden

Informationen über Qualifizierungsinhalte, spätere Beschäftigungsmöglichkeiten auf

dem Arbeitsmarkt und aufbauende Weiterbildungsmöglichkeiten

� Produktion unterstützender Fotos und Videos sowie zusätzlich aufzunehmender Texte (Tipps zur

Qualifizierungs- und Berufswahl, Internet-Link-Sammlungen)

� Test der Software mit Zielgruppe und MittlerInnen

� Ggf. Produktion didaktischen Begleitmaterials

� Ggf. Schulungen für MittlerInnen

Aufbau und Struktur

Bei der Anmeldung in der Software nehmen die BenutzerInnen eine Identität an, mit der sie dann

durch sechs verschiedene Module hindurch „spielen“ können. Der Prozess kann jederzeit unterbrochen

und später wieder aufgenommen werden. Es ist auch möglich, sich beim nächsten Mal mit einer

neuen Identität zu registrieren um zu klären, welche Ergebnisse man bekommt, wenn andere Aspekte

der Persönlichkeit in den Vordergrund gestellt werden. In den ersten fünf Modulen können die Jugendlichen

angeben, welche Charakteristika ihr Traumberuf haben sollte, sie können Tests machen und

Qualifi zierungsangebote miteinander vergleichen. Im Rahmen eines Planspiels im sechsten Modul wird

diejenige Frage vertieft, die die jeweilige Zielgruppe im Moment der Entscheidung für Qualifi zierung

und Beruf am meisten beschäftigt (zum Beispiel: für deutsche Mädchen - Vereinbarkeit von Familie

und Beruf; in Chile - Finanzierung von postsekundaren Ausbildungs- und Studienangeboten; in China

- Existenzgründung). Berufskundliche Fotos und Videos sind mit den jeweiligen Texten verknüpft;

ergänzend steht eine Videothek mit Interviews und Material zur Verfügung.

Material

http://www.joblab.de

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Beschäftigungsförderung und Förderung von

Klein(st)unternehmen

Ein Beispiel.....

JOBLAB für China

Zurzeit wird eine chinesische Version von

JOBLAB entwickelt. Insbesondere die

Einsatzmöglichkeiten von JOBLAB im

Rahmen des Projekts „Wiedereingliederung

arbeitsloser Frauen ins Erwerbsleben“

sollen hier im Vordergrund stehen.

Es werden aber auch generell Arbeitssuchende

junge Menschen mit einbezogen.

Mit einem speziellen Modul zum Thema

„Existenzgründung“ kann in Form

eines Planspiels ausprobiert werden, ob

die Möglichkeit der Existenzgründung

in Frage kommt. Die individuellen Fä-

higkeiten und fi nanziellen Ressourcen

können dabei der spezifi schen Lage des

Arbeitsmarktes gegenübergestellt und

verschiedene Szenarien durchgespielt

werden.

JOBLAB soll von der chinesischen Arbeitsverwaltung

bei der Erkundung berufsrelevanter

Potenziale arbeitsloser

Frauen eingesetzt werden. Die erste

praktische Bewährung des chinesischen

JOBLAB ist für Frühjahr 2006 vorgesehen.

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und mittelständischer Klein(st)unternehmen Unternehmen

Ein Beispiel.....

JOBLAB für Chile

Mehr als 60 Prozent der chilenischen

SchülerInnen (und ihrer Eltern) gehen

heute davon aus, dass sie nach Beendigung

der zwölfjährigen Schulpfl icht

eine universitäre Ausbildung beginnen

werden. Tatsächlich ist es ca. die Hälfte

von ihnen, die diesen Sprung tatsächlich

schafft – und die verbleibenden Jugendlichen

begraben ihre berufl ichen Träume

mit dem Übergang in die Arbeitswelt.

Ihnen stehen so gut wie keine Materialien

zur berufl ichen Orientierung zur

Verfügung. Die wenigen Beratungsangebote,

die heute in Schulen oder Jugendinformationszentren

existieren, sind auf

universitäre Laufbahnen und die „Berufung“

ausgerichtet. Es fehlt an Informationen

über alternative Ausbildungsgänge,

Weiterbildungsmöglichkeiten und nicht

zuletzt über die Arbeitswelt. JOBLAB©

Chile wurde in anderthalb Jahren in einem

TZ-Projekt gemeinsam mit dem in-

terministeriellen Programm Chilecalifi ca

entwickelt. Dabei wurde die CD an die

Informationsbedarfe chilenischer Mittelschüler

angepasst, mit dem Ziel, ihre

Kenntnisse über außeruniversitäre Werdegänge

zu verbessern.

JOBLAB© Chile enthält nun Informationen

zu technisch-berufl ichen Bildungsinhalten

der Sekundarstufe sowie Qualifi

zierungsangeboten der höherwertigen

berufl ichen Bildung. In Fortbildungen

wurden mehr als 500 Multiplikatoren

aus Schulen, Jugendinformationszentren

und kommunalen Arbeitsämtern für den

Einsatz der CD in ihrem Arbeitsbereich

vorbereitet. Chilecalifi ca wird in den

nächsten Jahren die Aktualisierung und

die Erweiterung der enthaltenen Informationen

als eigene Arbeitslinie weiterführen.

Ansätze und Methoden der Kinder- und Jugendförderung in der deutschen EZ

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Beschäftigungsförderung und Förderung von

Klein(st)unternehmen

Jugendvermittlungsstelle und Jobbörse

Die hier beschriebenen Methoden zur Beschäftigungsförderung von Jugendlichen dienen sowohl

dazu, auf lokaler und individueller Ebene die Beschäftigungsfähigkeit Jugendlicher zu erhöhen als

auch dazu, Anreize für Unternehmen zu schaffen, jugendliche ArbeitnehmerInnen einzustellen.

Erfahrungsgemäß beruht der Erfolg der Methoden auf einer guten Abstimmung der einzelnen

Maßnahmen untereinander und einer konsequenten Einbettung in komplexere Arbeitsförderungsprojekte.

Zielsetzung und Zielgruppe

Jugendvermittlungsstellen und Jobbörsen zielen auf eine Verbesserung der Einstellungschancen arbeitssuchender

Jugendlicher ab. Durch eine zielgruppengerechte Beratung sollen Jugendliche Orientierung

auf dem Arbeitsmarkt und Unterstützung während des Prozesses der Arbeitssuche erhalten.

Darüber hinaus richtet sich das Vermittlungsprogramm an Unternehmen und andere potenzielle

ArbeitgeberInnen und versucht, diese für Jugendliche als ArbeitnehmerInnen zu interessieren. Mit

der Jobbörse soll eine sowohl für ArbeitgeberInnen als auch für Arbeitsuchende unkomplizierte und

zunächst unverbindliche Kontaktmöglichkeit geschaffen werden.

Ergebnisse/Wirkungen

Auf institutioneller Ebene wird durch den Aufbau lokaler Jugendvermittlungsstellen und Jobbörsen

eine Dezentralisierung erreicht, die ein fl exibles und an die lokalen Gegebenheiten angepasstes Vorgehen

ermöglicht. Darüber hinaus führt die jugendgerechte Gestaltung zu einer effektiveren Nutzung

von Vermittlungsangeboten und Beratung. Zielgruppenspezifi sche Wirkung ist eine gesteigerte Selbstständigkeit

der Jugendlichen bei der Arbeitsplatzsuche. Junge Menschen erlangen die Fähigkeit, sich

mittels Datenbanken über Bildungsträger, Fortbildungskurse oder freie Stellen zu informieren und eine

gezielte Bewerbungsstrategie zu entwickeln. Durch den Besuch der Jobbörsen bieten sich ihnen unmittelbare

Kontaktmöglichkeiten zu ArbeitgeberInnen und damit deutlich verbesserte Vermittlungschancen.

Jugendvermittlungsstelle

Die Jugendvermittlungsstelle sollte in ein breiteres Angebot eines Beratungs- und Informationszentrums

für arbeitslose Jugendliche eingegliedert sein. Hier erhalten die Jugendlichen einen unbürokratischen,

jugendgerechten Beratungs- und Vermittlungsservice und werden bei Fragen und Problemen

bei der Arbeitssuche unterstützt.

Der Beratungsservice hilft Jugendlichen bei allen Schritten der Arbeitssuche, d.h. bietet Hilfestellung

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bei der Analyse der eigenen beschäftigungsrelevanten Kompetenzen, der Erstellung von Bewerbungsunterlagen,

der Kontaktaufnahme mit potenziellen ArbeitgeberInnen und dem Simulieren von Vorstellungsgesprächen.

Die Vermittlungsstelle für Jugendliche steht in direktem Kontakt mit lokalen Arbeitsämtern und potenziellen

ArbeitgeberInnen und akquiriert mögliche Arbeitsstellen für jugendliche ArbeitnehmerInnen.

Durch die Vermittlung von PraktikantInnen und VolontärInnen werden Anreize für ArbeitgeberInnen

geschaffen, Jugendliche einzustellen und sich von ihren Qualifi kationen zu überzeugen. Für die Jugendlichen

selbst bieten Praktika Hilfestellung bei der persönlichen berufl ichen Orientierung und Chancen

zu zusätzlicher Qualifi zierung. Angestrebt wird eine Vermittlung der Jugendlichen in langfristige Arbeitsverhältnisse,

aber auch kurzfristige Arbeitsmöglichkeiten bringen Jugendliche in direkten Kontakt

mit Unternehmen und fördern die Einstellungschancen.

Jobbörsen

Ein besonders erfolgreiches Instrument zur Förderung der Einstellungschancen Jugendlicher sind Jobbörsen.

Eine regelmäßige Durchführung schafft sowohl für potenzielle ArbeitgeberInnen als auch für

die arbeitssuchenden Jugendlichen ein Forum, bei dem direkte Kontakte geknüpft werden können.

Unternehmen haben bei den Jobbörsen die Möglichkeit, langwierige Bewerbungsprozesse zu umgehen

und sich direkt mit für sie relevanten jugendlichen BewerberInnen auseinanderzusetzen bzw. mit ihnen

zu verhandeln.

Jugendlichen bietet die Jobbörse die Möglichkeit, sich einen Überblick über bestehende Beschäftigungsmöglichkeiten

zu verschaffen und sich bei Interesse und Eignung direkt mit VertreterInnen von

Unternehmen zu unterhalten. Auf diese Weise werden sie aktiv an der Arbeitssuche beteiligt und absolvieren

damit bereits einen wichtigen Lernprozess, der ihnen bei der weiteren Arbeitssuche nützlich

sein kann. Bei konkreten Vertragsverhandlungen können sich die Jugendlichen von VertreterInnen der

Jugendvermittlungsstelle beraten lassen.

Um die Jobbörse zu einem Erfolg zu machen, ist eine intensive Öffentlichkeitsarbeit nötig. Für die

Organisation ist eine gute Kenntnis des Arbeitsmarktes und eine intensive Vernetzung bzw. Zusammenarbeit

mit potenziellen Arbeitgebern nötig.

Ansätze und Methoden der Kinder- und Jugendförderung in der deutschen EZ

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Beschäftigungsförderung und Förderung von

Klein(st)unternehmen

Ein Beispiel.....

Jobvermittlungsstelle und

Jobbörsen - Kirgistan

Im Rahmen des TZ-Vorhabens „Arbeitsmarktpolitik

und Beschäftigung“

wurden von 1996 bis 2002 durch gezielte

Pilotmaßnahmen vor allem junge Menschen

bei der berufl ichen Orientierung

und der Arbeitsplatzsuche unterstützt.

Mit verschiedenen Maßnahmen wurde

versucht, den hohen Arbeitslosenzahlen

bei Jugendlichen bis 30 Jahren, insbesondere

unter BerufsanfängerInnen und

SchulabgängerInnen ohne Berufsabschluss,

entgegenzuwirken. 1996 wurde

in der Hauptstadt Bishkek eine Arbeitsvermittlungsstelle

(JVS) für arbeitslose

Jugendliche eingerichtet, die einen unbürokratischen

Beratungs- und Vermittlungsservice

anbietet und inzwischen

auf eine sehr erfolgreiche Tätigkeit zurückblicken

kann. Seit mehreren Jahren

gelingt es, durchschnittlich ein Drittel

der Ratsuchenden zu vermitteln, davon

50 Prozent junge Frauen. Jährlich wird

dieser Service allein in Bishkek von ca.

3.000 Jugendlichen genutzt. Zum Erfolg

der JVS trugen vor allem die monatlichen

durchgeführten Jobbörsen bei. Nach

dem Erfolg der Jobbörse in Bishkek und

des Know-how-Transfers an Arbeitsämter

in andere Städte des Landes wollen

nun auch Arbeitsämter in Tokmok, Balyktschy

und Kara Kol diese etwas andere

Art der Arbeitsvermittlung einrichten.

Nach der erfolgreichen Beendigung der

Pilotmaßnahmen im Rahmen des gemeinsamen

Projekts sind sowohl die JVS

als auch die Jobbörsen von der kirgisischen

Arbeitsverwaltung übernommen

worden und werden seitdem inhaltlich

und fi nanziell in eigener Verantwortung

weitergeführt.

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Wirtschaftsreform Beschäftigungsförderung und Aufbau der Marktwirtschaft und Förderung (WIRAM), von Förderung kleiner

und mittelständischer Klein(st)unternehmen Unternehmen

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