Regionales Entwicklungskonzept Marburger Land - Region ...

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Regionales Entwicklungskonzept Marburger Land - Region ...

REGIONALES ENTWICKLUNGSKONZEPT MARBURGER LAND

Regionales Entwicklungskonzept Marburger Land

Stand 19.10.2007

Die Kommunen in der Region

Stadt Amöneburg

Schulgasse 2

35287 Amöneburg

Tel.: 06422 / 9295-0

e-mail: stadtverwaltung@amoeneburg.de

Gemeinde Ebsdorfergrund

Dreihäuser Straße 17

35085 Ebsdorfergrund

Tel: 06424 / 304-0

e-mail: gemeinde@ebsdorfergrund.de

Gemeinde Fronhausen

Schulstraße 19

35112 Fronhausen

Tel: 06426 / 9283-0

e-mail: gemeinde@fronhausen.de

Universitätsstadt Marburg

Markt 1

35035 Marburg

Tel: 06421 / 201-0

e-mail: wirtschaft@marburg-stadt.de

Gemeinde Weimar

Alte Bahnhofstr. 31

35096 Weimar (Lahn)

Tel: 06421 / 9740–0

e-mail: info@weimar-lahn.info

Bearbeiter

Kind und Rausch

Stadt- Dorf- und Regionalentwicklung

Moderation und Projektentwicklung

Flemingstraße 20-22

36041 Fulda

Tel: 0661 / 92804-0

e-mail: info@kindundrausch.de

III


REGIONALES ENTWICKLUNGSKONZEPT MARBURGER LAND ZUSAMMENFASSUNG

Zusammenfassung

Die Region Marburger Land liegt in der Mitte Hessens im Landkreis Marburg-Biedenkopf. Zur Region

gehören die fünf Kommunen Amöneburg, Marburg, Ebsdorfergrund, Fronhausen und Weimar (Lahn).

Zentraler Ort der Region ist die Universitätsstadt Marburg, die mit 15 Außenstadtteilen beteiligt ist.

Naturräumlich ist das Gebiet den beiden Naturraumeinheiten Marburg-Gießener Lahntal sowie dem

Amöneburger Becken zuzuordnen.

Die Abgrenzung der Region Marburger Land erfolgt bewusst innerhalb eines landschaftlich, historisch

und kulturell zusammengehörigen Gebietes, welches bereits seit Jahrhunderten als „Marburger Land

bezeichnet wird. Die Verflechtung von Stadt und Land ist traditionell und verbindet die Bewohner der

fünf Kommunen untereinander in starkem Maße.

Es bestehen bereits enge wirtschaftliche und kulturelle Beziehungen zwischen den einzelnen Kommunen

über die politischen Grenzen hinweg.

Zur Region gehören 50 Ortschaften mit zusammen ca. 38.500 Einwohnern. Generell weist die Bevölkerungsentwicklung

in fast allen Kommunen tendenziell bis heute einen positiven Trend auf.

Die Prognosen bis zum Jahre 2020 zeigen für Amöneburg und Weimar einen teilweise erheblichen

Rückgang der Bevölkerungsentwicklung. Die Prognosen für die Stadt Marburg-Gesamt und die Gemeinde

Ebsdorfergrund fallen positiv aus.

Die wirtschaftliche Situation im Marburger Land wird wesentlich durch die Universitätsstadt Marburg

geprägt. Das Angebot an Arbeitsplätzen konzentriert sich auf die Stadt. Der Anteil der Pendler in die

Stadt Marburg-Gesamt ist dementsprechend sehr hoch (Pendlersaldo + 15.433), während in den übrigen

vier Kommunen die Auspendler überwiegen.

Die Universitätsstadt Marburg mit der Philipps-Universität hat eine jahrhundertealte Hochschultradition,

die auch für die Region von besonderer Bedeutung ist. Eine weitere universitäre Verknüpfung ergibt

sich durch Schloss Rauischholzhausen, welches mit der Universität Gießen kooperiert.

Die Region Marburger Land ist aus landwirtschaftlicher Sicht sowohl von den Standortfaktoren als

auch der Produktionsausrichtung sehr unterschiedlich geprägt. Sie verfügt über die besten Ackerbaustandorte

des gesamten Landkreises Marburg-Biedenkopf. Generell liegt der Ackerlandanteil mit

75 % sehr hoch. Die Bereiche Direktvermarktung und Einkommenskombination (Diversifizierung) sind

überproportional ausgeprägt und insbesondere im Hinblick auf touristische Aktivitäten noch weiter

ausbaufähig.

Das Marburger Land als abwechslungsreiche Mittelgebirgslandschaft ist für Urlauber und Gäste interessant,

bietet aber bislang zu wenige, touristische Highlights. Die Region ist Teil der Destination

„Lahntal“. Die Region bietet schon heute eine reichhaltige und gleichzeitig noch entwicklungsfähige

touristische Infrastruktur.

Entwicklungspotential besteht insbesondere entlang der bekannten Rad-, Wander- und Pilger-Routen

(wie z.B. Lahntalradweg und Elisabethpfad). Die Kultur- und Freizeit-Highlights der Region sind u.a.

die Amöneburg, Schloss und Park Rauischholzhausen, der Seepark Niederweimar und die Lahn.

Als besondere ökologische Lebensräume der Region sind die Auenbereiche der Lahn und der

Nebenflüsse zu nennen. Diese wertvollen Bereiche besitzen heute das größte ökologische Potenzial.

Der geplante Aufbau eines „Blauen Bandes“ als regionales Biotop-Verbund-System stellt eine

wesentliche Strukturierung der Landschaft dar, die dazu beiträgt, die Gesamtsituation von Natur und

Umwelt zu verbessern.

V


ZUSAMMENFASSUNG REGIONALES ENTWICKLUNGSKONZEPT MARBURGER LAND.

Die Region Marburger Land ist infrastrukturell gut ausgestattet. Das Angebot an Dienstleistungs-,

Versorgungs-, Kultur- und Bildungseinrichtungen in der Region besteht im Wesentlichen aus kommunalen

und auch kirchlichen Einrichtungen. Im Bereich Freizeit und Erholung ist das Angebot breit gefächert.

Für die Region Marburger Land besteht nach Analyse der Daten Handlungsbedarf in mehreren wichtigen

Themenbereichen.

Handlungsfeld 1: Tourismus, Freizeit und Kultur

Handlungsfeld 2: Erneuerbare Energien und nachwachsende Rohstoffe

Handlungsfeld 3: Landwirtschaft, Umwelt- und Naturschutz

Handlungsfeld 4: Infrastruktur, Städtebau und Wirtschaft

Handlungsfeld 5: Soziales und Netzwerke

Das Entwicklungsleitbild für die Region Marburger Land lässt sich wie folgt beschreiben:

VI

Die Region Marburger Land steht für eine nachhaltige und zeitgemäße Landwirtschaft mit starker

Ausrichtung in den Bereichen nachwachsende Rohstoffe / erneuerbare Energien und Erzeugung

gesunder und regionaler Lebensmittel.

Das Marburger Land entwickelt sich zu einer einzigartigen „KulTourErlebnis-Region“ mit höchsten

Ansprüchen und reichhaltigen Kultur-, Erlebnis- und Freizeit Angeboten.

Die Menschen der Region Marburger Land helfen sich gegenseitig. Netzwerke in allen Bereichen

des täglichen Lebens schaffen solide Strukturen zur nachhaltigen Weiterentwicklung der

Dörfer als Lebensraum mit Zukunft.

Folgende Aspekte und Merkmale des Marburger Landes machen die Region unverwechselbar und

stellen einen Vorteil für deren zukünftige Entwicklung dar:

Die Region Marburger Land stellt einen ländlich strukturierten Raum mit starkem Bezug zum

unmittelbar angrenzenden urban geprägten Oberzentrum Marburg dar. Die Stadt selbst ist als

Universitätsstadt von überregionaler Bedeutung.

Die Qualität und Verfügbarkeit der landwirtschaftlichen Flächen im östlichen Teil der Region ist

von besonderer Bedeutung. Das Amöneburger Becken, der Ebsdorfer Grund und das Lahntal

bieten seit jeher hervorragende landwirtschaftliche Vorraussetzungen, speziell auch für Ackerbau.

Die landschaftlich herausgehobene Lage der Stadt Amöneburg „auf dem Berg“ ist überregional

bekannt und besitzt einen hohen Wiedererkennungswert.

Die historisch starke kirchliche Bedeutung der beiden Städte Marburg (Hl. Elisabeth, älteste protestantische

Universität) und Amöneburg (Klostergründung durch Bonifatius, Exklave des Kurfürstentums

Mainz) sowie das historische, spannungsreiche Nebeneinander der beiden großen

christlichen Konfessionen innerhalb der Region prägten die Entwicklung der Kulturlandschaft

und der Menschen über eine lange Zeit. Noch heute symbolisieren die Kirchen und Trachten

diese wechselvolle Geschichte.

Das Marburger Land, die Universitätsstadt Marburg und das Lahntal stellen zusammen eine

ausgezeichnete Kombination („Stadt, Land und Fluss“) unterschiedlicher, touristischer Angebote

dar. Dies macht die Region für Gäste und Urlauber interessant und abwechslungsreich.


REGIONALES ENTWICKLUNGSKONZEPT MARBURGER LAND ZUSAMMENFASSUNG

Das Handeln der lokalen und regionalen Akteure orientiert sich in erster Linie an den Zielen:

Verbesserung der regionalen Wertschöpfung in den Bereichen Tourismus, Landwirtschaft, Handel,

Handwerk und Dienstleistung, insbesondere durch Ausbau der landtouristischen Angebote.

Ausbau zu einer „Bio-Energie-Region“ mit Vorbildcharakter. Stärkung und Intensivierung des

Anbaus nachwachsender Rohstoffe sowie die Forcierung alternativer Energieträger. Erhöhung

des Grades der Selbstversorgung mit Energie.

Bündelung der regionalen Kräfte in allen gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Bereichen und

Aufbau eines effizienten Netzwerks zur Stärkung der dörflichen Strukturen und zum Erhalt der

Dörfer als Lebensraum mit Zukunft.

Modernisierung und Verbesserung der landwirtschaftlichen Strukturen zur Schaffung neuer Einkommensquellen,

zur Steigerung der Produktivität, zum Ausbau der Erzeugung regionaler und

ökologischer Lebensmittel und zur Vereinbarung der Ziele von Landwirtschaft und Naturschutz.

Leitprojekte und Maßnahmen

In den Arbeitsgruppen wurden insgesamt vier zentrale Leitprojekte erarbeitet. Diese Leitprojekte haben

eine herausragende Bedeutung, da sie die zu bearbeiteten Themenfelder sinnvoll und prägnant

zusammenfassen und so als klare Aufgabenstellung für die Region zu verstehen sind.

LEITPROJEKT 1:

Marburger - Land mit Energie

Die Verknüpfung der Themen Landwirtschaft, Energie und Natur steht für die Region Marburger Land

im Vordergrund ihrer Zukunftsstrategie.

Dies bedeutet, dass die Region Marburger Land u.a. die Erzeugung und Nutzung erneuerbarer Energien

im Bereich der Landwirtschaft sowie der Solarenergie besonders forcieren möchte. Dabei wird

nach Möglichkeiten und Lösungen gesucht, um den zunehmenden Flächenbedarf (für Nahrungsmittel

und für Biomasse) auch zukünftig zu decken und gleichzeitig naturschutzrelevante Flächen zu schützen

und weiterzuentwickeln.

Durch den Ausbau des Bereiches Landtourismus steht den landwirtschaftlichen Betrieben der Region

eine weitere Einkommensquelle mit Zukunft zur Verfügung. Durch die Kombination mit Direktvermarktung

und ökologischem Landbau sind hier gute Potentiale vorhanden, um Bewohnern und Touristen

attraktive und qualitätsvolle Produkte und Dienstleistungen anbieten zu können.

LEITPROJEKT 2:

KulTourErlebnis Marburger Land

Die Region Marburger Land soll zukünftig durch die Verknüpfung und Schaffung einzelner kultureller

und touristischer Attraktionen ein breit gefächertes und einzigartiges Spektrum an Kultur- und Erlebnisangeboten

bieten.

Ein Fokus liegt dabei auf der Stärkung und dem Ausbau des Landtourismus in der Region. Durch die

Erarbeitung und Verwirklichung alternativer und innovativer Konzepte sollen außergewöhnliche Angebote

entstehen, die sich deutlich von den städtischen „Mainstream“-Angeboten unterscheiden und

mit besonderen Erlebnismöglichkeiten neue Besuchergruppen ansprechen. Gleichzeitig sollen regionale

Wirtschaftskreisläufe dauerhaft etabliert und die Wertschöpfung insgesamt gesteigert werden

Die direkte Nähe zur Universitätsstadt Marburg und deren touristische Magnetwirkung sollen stärker

genutzt werden, um auch für die (ländliche) Region weitere touristische Marktsegmente und Zielgrup-

VII


ZUSAMMENFASSUNG REGIONALES ENTWICKLUNGSKONZEPT MARBURGER LAND.

pen zu erschließen. Hierfür ist eine stärkere Verknüpfung der Angebote von Stadt und Land notwendig.

LEITPROJEKT 3:

Regionale Netzwerke ... die verbinden

Der Aufbau und die Einrichtung dezentraler und regionaler Netzwerke in den Haupt-Bereichen Kultur,

Soziales, Tourismus, Wirtschaft, Städtebau und Infrastruktur stellt eine zentrale und zukunftsentscheidende

Aufgabe für die Region Marburger Land dar.

Durch den Ausbau und die Vernetzung der bestehenden Strukturen wird es zukünftig möglich sein, in

den o.g. Bereichen Standortvorteile und Synergieeffekte zu entwickeln, auszubauen und zu nutzen.

Die Versorgung der Bürgerinnen und Bürger in allen Teilen der Region mit Dienstleistungen, Waren

und Informationen kann dadurch weiter ausgebaut und optimiert werden.

Die aufgrund der demographischen Entwicklung allgemein prognostizierten bzw. zu erwartenden

Nachteile für den ländlichen Raum können so verzögert, verhindert oder zumindest abgeschwächt

werden.

LEITPROJEKT 4:

Unsere Dörfer – Lebensraum mit Zukunft

Das traditionelle Dorf der Region soll weiterentwickelt und zum attraktivem Wohn- und Lebensraum

aus- und umgebaut werden. Das Wechselspiel von Stadt und Land mit der direkten Nähe zur Universitätsstadt

Marburg bietet dabei ganz besondere Potentiale, die entsprechend zu berücksichtigen

sind.

Um dem prognostizierten Bevölkerungsrückgang entgegenzuwirken sind intelligente und zukunftsweisende

Planungsmaßnahmen und -instrumente notwendig.

Eine zukunftsfähige Entwicklung der Dörfer wird durch die Sicherung einer strukturellen Grundversorgung

und die städtebauliche Neuordnung gewährleistet.

Um den Folgen des demographischen Wandels und den damit verbundenen negativen Entwicklungen

frühzeitig entgegenzuwirken, soll das Dorf durch die gezielte Förderung sowohl von Familien als

auch Senioren als heterogene Lebensgemeinschaft entwickelt und gesichert werden.

Durch diesen ganzheitlichen Ansatz zur Neustrukturierung werden die Dörfer als Lebensraum für

Jung und Alt (als „Dorf der Generationen“) auch in Zukunft eine attraktive und vorteilhafte Alternative

zur Stadt darstellen.

Entwicklungsprozess

Das regionale Entwicklungskonzept der Region Marburger Land wurde im Zeitraum von April bis September

2007 in Zusammenarbeit und Abstimmung mit fünf Arbeitsgruppen aufgestellt und erarbeitet.

An dieser intensiven Prozessphase waren über 300 Personen aus der Region beteiligt, die zahlreiche

Ideen und Projekte entwickelt und erarbeitet haben.

Die Arbeitsgruppen erarbeiteten dann von Mai bis Juli 2007 in jeweils 3 Workshops zusammen mit

dem beauftragten Planungsbüro Ideen und Projekte für ihren Aufgabenbereich und entwickelten daraus

die Handlungsfelder und Leitprojekte des Regionalen Entwicklungskonzeptes.

VIII


REGIONALES ENTWICKLUNGSKONZEPT MARBURGER LAND ZUSAMMENFASSUNG

Regionalmanagement

Eine Besonderheit der Region Marburger Land ist die gewählte Form eines dezentralen Regionalmanagements.

Durch die Benennung von fünf Regionalbeauftragten werden Personen für das professionelle

Regionalmanagement ausgewählt, die in der Lage sind, bereits kurzfristig die Arbeit zur Umsetzung

des Regionalen Entwicklungskonzeptes aufzunehmen. Die Einbindung der Regionalbeauftragten

in die kommunalen Systeme der Region machen ein effizientes Arbeiten und gleichzeitig kurze

Wege möglich. Jede der fünf Kommunen stellt jeweils einen Regionalbeauftragten, die als Team

eng zusammenarbeiten und das Regionalmanagement bilden.

IX


REGIONALES ENTWICKLUNGSKONZEPT MARBURGER LAND INHALT

Inhaltsverzeichnis

0 Zusammenfassung

1 Gebietsanalyse 1

1.1 Räumliche Lage, Identität und Gebietsabgrenzung 1

1.2 Bevölkerungsstruktur und demographische Entwicklung 4

1.3 Wirtschaftliche Ausgangssituation 8

1.4 Wirtschaftsbereiche 15

1.5 Umweltsituation und Landnutzung 26

1.6 Lebensqualität 30

1.7 Bisheriger Einsatz strukturverbessernder Programme und Maßnahmen 38

1.8 Zusammenfassende SWOT-Analyse 42

1.9 Handlungsbedarf und Handlungsfelder 46

2 Regionale Entwicklungsstrategie 51

2.1 Entwicklungsleitbild 51

2.2 Strategische Entwicklungsziele 53

2.3 Leitprojekte 57

2.4 Begründung des Maßnahmeneinsatzes 65

3 Maßnahmen 69

3.1 Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit der Land- und Forstwirtschaft 69

3.3 Diversifizierung und Entwicklung der Wirtschaft 70

3.4 Verbesserung der Lebensqualität 82

3.5 Weitere für die Region wichtige Entwicklungsmaßnahmen 85

3.6 Maßnahmen zur Kompetenzentwicklung und Sensibilisierung der Bevölkerung

für die Ausarbeitung und Umsetzung regionaler und örtlicher Entwicklungsstrategien

3.7 Umsetzung von Projekten der Zusammenarbeit 90

3.8 Arbeit der lokalen Arbeitsgruppe 90

3.9 Finanztabelle für den geplanten Einsatz der LEADER-Mittel 91

4 Organisationsstruktur des Entwicklungsprozesses 93

5 Erfolgskontrolle und Programmfortschreibung 99

Anhang 101

86

XI


INHALT REGIONALES ENTWICKLUNGSKONZEPT MARBURGER LAND.

Fotos / Grafiken

XII

Abbildung Beschreibung Seite

1 Foto: Tradition und Brauchtum - Dorffest in Marburg Schröck 2

2 Grafik: Bevölkerungsverteilung in der Region Marburger Land 4

3 Grafik: Einwohnerentwicklung prozentual 4

4 Grafik: Altersstruktur nach Standard-Altersklassen 5

5 Grafik: Entwicklung der Altersklassen 1994-2000-2005 5

6 Grafik: Anzahl Einwohner/innen im erwerbsfähigen Alter nach Standart

Altersklassen

7 Grafik: Wanderungssalden absolut 2003-2005 7

8 Grafik: Wegweiser Demographischer Wandel:

Bevölkerungsentwicklung 2003-2020

9 Grafik zu Abb. 8 7

10 Grafik: BIP-Veränderungen gegenüber dem Vorjahr in % 8

11 Grafik: Landkreis Marburg-Biedenkopf – Bruttowertschöpfung 2004

nach Sektoren

12 Grafik: Verteilung der wirtschaftlich aktiven Unternehmen in der Region

Marburger Land 2005

13 Grafik: Wirtschaftlich aktive Unternehmen der Region Marburger Land nach

Mitarbeiterklassen 2005

14 Grafik: Kaufkraft-Verfügbares Einkommen der privaten Haushalte 2005 10

15 Grafik: Entwicklung der Anzahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten 11

16 Grafik: Entwicklung der Arbeitslosenzahlen 1996-2007 12

17 Grafik: Pendlersalden 2005 13

18 Fotos: Fa. Seidel 14

19 Grafik: Anzahl landwirtschaftlicher Betriebe 15

20 Grafik: Betriebsgrößenklassenentwicklung der landwirtschaftlichen Betriebe 16

21 Grafik: Anzahl landwirtschaftlicher Betriebe nach Bewirtschaftungsform 17

22 Grafik: Anzahl Milchkühe 17

23 Grafik: Anzahl Schweine 17

24 Grafik: Anzahl Übernachtungsbetriebe 21

25 Grafik: Anzahl Betten 21

26 Grafik: Durchschnittliche Aufenthaltsdauer in Tagen 21

27 Grafik: Anzahl Gastronomiebetriebe 21

28 Foto: Wasser-Erlebnis im Seepark Weimar 23

29 Foto: Wandern und Radfahren im Amöneburger Becken 23

30 Foto: Weiterbildung und Kultur im Schloss Rauischholzhausen 23

31 Foto: Ein Wahrzeichen: Kirche Fronhausen 23

32 Foto: Beispiel: Heuhotel für Kinder, Familien und Pilger 24

33 Foto: Storchennest in Rauischholzhausen 26

6

7

9

9

10


REGIONALES ENTWICKLUNGSKONZEPT MARBURGER LAND INHALT

Tabellen

Karten

34 Foto zum Leitprojekt 1: Marburger - Land mit Energie 57

35 Foto zum Leitprojekt 2: KulTourErlebnis Marburger Land 57

36 Foto zum Leitprojekt 3: Regionale Netzwerke, ... die verbinden 57

37 Foto zum Leitprojekt 4: Unsere Dörfer – Lebensraum mit Zukunft 57

38, 39 Fotos der Arbeitsgruppen 93

40 Grafik: Ablaufschema der Workshops der 5 Arbeitsgruppen 94

41 Grafik: Funktionsschema 98

Tabelle Beschreibung Seite

1 Anzahl der Ausbildungsplätze 2006 12

2 Schutzgebietssystem Natura2000

Natura2000-Flächen aktuell

3 Förderbilanz Dorferneuerung LK Marburg-Biedenkopf 2000-2006 38

4 Finanztabelle für den geplanten Einsatz der LEADER-Mittel 92/93

Karte Beschreibung Seite

1 Übersicht mit angrenzenden Regionen 1

2 Abgrenzung und Lage der Region Marburger Land 3

3

Begriffserläuterung

Hauptrouten der Region: Lahntalradweg, Radwege R1, R2 u. R6,

Elisabethpfad E1 und E2

4 Karte der aktuellen Flurbereinigungsverfahren 40

Marburg-Stadt: Kernstadt Marburg mit den Stadtteilen Cappel, Marbach und Wehrda

(nicht Region / Förderkulisse)

Marburg-Region: Alle Außenstadtteile der Stadt Marburg, die zur Region / Förderkulisse gehören

(Bauerbach, Bortshausen, Cyriaxweimar, Dagobertshausen, Dilschhausen, Elnhausen,

Ginseldorf, Gisselberg, Haddamshausen, Hermershausen, Michelbach, Moischt,

Ronhausen, Schröck, Wehrshausen)

Marburg-Gesamt: Stadt Marburg mit allen Stadtteilen

27

22

XIII


REGIONALES ENTWICKLUNGSKONZEPT MARBURGER LAND GEBIETSANALYSE

1 Gebietsanalyse

1.1 Räumliche Lage, Identität und Gebietsabgrenzung

1.1.1 Räumliche Lage

Das Marburger Land liegt in der Mitte Hessens. Als Teil des Landkreises Marburg-Biedenkopf sowie

des Regierungsbezirks Gießen übernimmt die Region wichtige Funktionen.

Zentraler Ort der Region ist die Universitätsstadt Marburg. Die Kernstadt sowie drei weitere Stadtteile

sind allerdings nicht Teil der Förderkulisse der Region Marburger Land, da es sich um städtisch geprägte

Bereiche handelt.

Zur Region Marburger Land gehören fünf Kommunen. Dazu zählen die beiden Städte Amöneburg

und Marburg im Norden und Osten, sowie die Gemeinden Ebsdorfergrund, Fronhausen und Weimar

(Lahn) im Süden. Alle Kommunen liegen im Landkreis Marburg-Biedenkopf.

Das Gebiet erstreckt sich von Michelbach (Stadt Marburg) im Norden bis nach Sichertshausen (Gemeinde

Fronhausen) im Süden, sowie von Nesselbrunn (Gemeinde Weimar) im Westen bis nach Rüdigheim

(Stadt Amöneburg) im Osten. Die Ausdehnung von Nord nach Süd beträgt ca. 20 km, von

West nach Ost ca. 25 km. Die Gesamtfläche umfasst ca. 266 km².

Naturräumlich ist das Gebiet den beiden Naturraumeinheiten Marburg-Gießener Lahntal sowie dem

Amöneburger Becken zuzuordnen. Zentrale, landschaftliche Einheiten sind die Lahn, das Lahntal, die

Lahnberge, das Amöneburger Becken, die Amöneburg sowie die Talauen der Ohm und Zwester-

Ohm. Angrenzende Naturräume sind der Burgwald im Norden, der Vogelsberg im Osten, das Gießener

Lahntal im Süden sowie das Lahn-Dill-Bergland im Westen.

Enge strukturelle Verflechtungen bestehen vor allem zu dem benachbarten Oberzentrum Gießen und

zum Ballungsraum Rhein/ Main. Die Entfernung zum Kern der Metropolregion Rhein/ Main (Frankfurter

Innenstadt) beträgt zwischen 70 und 100 km.

Karte 1: Übersicht mit angrenzenden Regionen

1


GEBIETSANALYSE REGIONALES ENTWICKLUNGSKONZEPT MARBURGER LAND.

Strukturräumlich setzt sich die Region Marburger Land aus drei dem Ordnungsraum zuzuordnenden

Kommunen (Marburg, Fronhausen und Weimar (Lahn)) sowie zwei Kommunen (Amöneburg und

Ebsdorfergrund) des Ländlichen Raumes zusammen.

Die drei erst genannten stellen die Verbindung bzw. den Übergang des ländlichen Raumes zum Verdichtungsraum

Gießen / Wetzlar dar. Hervorzuheben ist hierbei insbesondere die polyzentrale Siedlungsstruktur

entlang der Verbindungsachse Gießen - Marburg.

Die dem ländlichen Raum zuzuordnenden Kommunen Amöneburg und Ebsdorfergrund können als

ideale Ergänzung der Region auf der überörtlichen Nahverkehrs- und Siedlungsachse Kirchhain –

Amöneburg – Ebsdorfergrund – Fronhausen angesehen werden.

Als eigenständige Grundzentren bzw. Grundversorgungsbereiche sind Amöneburg, Ebsdorfergrund

(Dreihausen, Heskem-Mölln), Fronhausen und Weimar (Niederweimar/ Niederwalgern) im Regionalplan

ausgewiesen. Die Stadt Marburg als Oberzentrum besitzt im Ansatz großstädtischen Charakter

und ist Standort von Einrichtungen mit landesweiter und nationaler Bedeutung - über die Region hinaus.

1.1.2 Identität

Die RegionMarburger Land“ umfasst einen historischen Landstrich, der bereits seit Jahrhunderten

unter diesem Namen bekannt ist. Bezogen auf die Universitätsstadt Marburg wird mit diesem Begriff

das Umland dieses Oberzentrums beschrieben. Dabei spielt die gemeinsame Tradition und

Geschichte der Stadt sowie der umliegenden Dörfer eine wichtige Rolle.

Die über fast 800 Jahre gewachsenen Strukturen stellen das „Grundgerüst“ der Region Marburger

Land dar.

Der Begriff „Marburger Land“ hat eine besondere Bedeutung für die Menschen hier, da er deutlich

macht, dass es sich hierbei um eine Region handelt, die ihren Ursprung im ländlichen, bäuerlichen

Milieu hat. Auf die Traditionen ist man auch heute noch stolz.

Durch die engen Verflechtungen zwischen der Stadt Marburg und den umliegenden (früher selbständigen)

Ortschaften hat sowohl die Region, als auch die Bevölkerung einen starken Bezug zur Stadt.

Man versteht sich dennoch als ländlich verwurzelte Menschen, die gerne auf dem Dorf leben und

gleichzeitig die unmittelbare Nähe zum Oberzentrum schätzen.

Der Bekanntheitsgrad der Stadt Marburg durch Universität,

Schloss, Elisabethkirche, etc. kommt dabei

auch dem Marburger Land zugute. Auch die Bewohner

der Region sind stolz auf diese Stadt, die nicht

nur in der Vergangenheit, sondern auch heute zur

wirtschaftlichen und kulturellen Entwicklung der Region

Marburger Land beiträgt.

Die Symbiose von Stadt und Land innerhalb der Region

ist den Menschen sehr bewusst und wird auch

gelebt. Dieser Aspekt verbindet die Bewohner der

fünf Kommunen untereinander in starkem Maße.

Abbildung 1: Tradition und Brauchtum - Dorffest in Marburg-Schröck

1.1.3 Gebietsabgrenzung

Die Abgrenzung der Region Marburger Land erfolgte bewusst innerhalb eines landschaftlich, historisch

und kulturell zusammengehörigen Gebietes, welches bereits seit Jahrhunderten als Teil des

Marburger Landes“ bezeichnet wird.

2


REGIONALES ENTWICKLUNGSKONZEPT MARBURGER LAND GEBIETSANALYSE

Zur Region gehören neben den drei Gemeinden Ebsdorfergrund, Fronhausen und Weimar (Lahn)

auch die beiden Städte Amöneburg und Marburg, wobei die städtischen Bereiche des Oberzentrums

nicht in das Gebiet der Region mit aufgenommen wurden (Stadtteile Cappel, Marbach, Wehrda und

die Kernstadt).

Landschaftlich betrachtet handelt es sich bei der Region Marburger Land um drei direkt im Lahntal

gelegene Kommunen, sowie deren beiden östlichen Nachbarn im Amöneburger Becken bzw. Ebsdorfer

Grund. Dieser Abschnitt der Lahn - zusammen mit Teilen des Einzugsgebietes der Lahnzuflüsse

Ohm und Zwester-Ohm - stellt zwei eng miteinander verknüpfte, naturräumliche Einheiten dar.

Es bestehen enge wirtschaftliche und kulturelle Beziehungen zwischen den einzelnen Kommunen,

die über die politischen Grenzen hinweggehen. Die Kooperation der ländlichen Kommunen Amöneburg,

Ebsdorfergrund, Fronhausen und Weimar (Lahn) hat in den letzten Jahren stark zugenommen

und wird auch aktuell weiter intensiviert. Daneben bestehen seit jeher enge Verflechtungen der genannten

Kommunen mit der Stadt Marburg und ihren Stadtteilen.

Die übrigen Kommunen sind mit allen Orts- bzw. Stadtteilen Bestandteil der Region, sodass insgesamt

50 Ortschaften der 5 Kommunen mit 38.368 (2005) Einwohnern zum Marburger Land gehören.

Die Einwohnerdichte der Region für das Jahr 2005 betrug 144,13 EW/km², auf einer Fläche von ca.

266 km². Dies entspricht gemäß Richtlinien von unter 150 EW/km² und über 30.000 Einwohnern einer

kleinen bis mittleren Region, die relativ dünn besiedelt ist.

Als Besonderheit der Region ist die Integration des Oberzentrums Marburg in der Gebietskulisse herauszustellen.

Die enge Verzahnung von städtischen und ländlichen Gebieten schon innerhalb der

Stadtgrenzen, aber auch innerhalb der Region, spielt eine wichtige Rolle bei der zukünftigen Entwicklung

der Region Marburger Land.

Karte 2: Abgrenzung und Lage der Region Marburger Land

3


GEBIETSANALYSE REGIONALES ENTWICKLUNGSKONZEPT MARBURGER LAND.

1.2 Bevölkerungsstruktur und demografische Entwicklung

1.2.1 Aktuelle Einwohnerzahlen

Die Anzahl der Einwohner mit Hauptwohnsitz in den fünf Kommunen betrug am 31. Dezember 2005

exakt 38.368. Dies sind ca. 15 % der Gesamteinwohnerzahl des Landkreises bzw. 3,6 % des Regierungsbezirks

Gießen bzw. 0,6 % von ganz Hessen. Die prozentualen Anteile der fünf Kommunen an

der Gesamteinwohnerzahl der Region betragen zwischen 11,9% und 33,7%.

Zählt man die restlichen Einwohner Marburgs aus der Kernstadt und den restlichen drei Stadtteilen

noch hinzu, ergibt sich sogar eine Gesamteinwohnerzahl von knapp 105.000 Einwohnern.

Die regionale Bevölkerungsverteilung veranschaulicht

nachfolgende Grafik.

Die Zahlen zur Stadt Marburg beziehen sich lediglich

auf die zur Region gehörigen Stadtteile. Die Kernstadt

sowie die Stadtteile Cappel, Marbach und Wehrda

wurden bei der Darstellung nicht berücksichtigt.

Abbildung 2

1.2.2 Bevölkerungsdichte

Die durchschnittliche Bevölkerungsdichte für die Region Marburger Land liegt bei 144,13 Einwohner/qkm.

Dieser Wert liegt deutlich unter dem Landkreis-Durchschnitt (200,69 EW/qkm) und dem

Hessen-Durchschnitt (288,53 EW/qkm).

Ein deutlicher Unterschied besteht im Vergleich der Region mit der Stadt Marburg (insgesamt: 637

EW/qkm, Kernstadt 1.338 EW/ qkm).

1.2.3 Einwohnerentwicklung

Im Laufe der letzten 10 Jahre war ein einheitlicher Trend bei der Entwicklung der Bevölkerung für die

Region Marburger Land zu verzeichnen. Generell weist die Bevölkerungsentwicklung in fast allen

Kommunen tendenziell bis heute einen positiven Trend auf. Insbesondere für die Stadt Marburg sind

in den letzten 30 Jahren kontinuierlich deutliche Zuwächse zu verzeichnen gewesen.

Für die Kommunen Amöneburg, Ebsdorfergrund, Fronhausen und Weimar waren vergleichbar geringfügige

bis mittlere Zuwachsraten über die letzten Jahre zu verzeichnen – allerdings fallen die Zuwächse

inzwischen geringer aus.

Die Folgen und Veränderungen

durch den demographischen Wandel

in Form von Überalterung und

Geburtenrückgang werden zukünftig

deutliche Veränderungen für die

Entwicklung der Bevölkerungszahlen

für alle Kommunen der Region

haben. Dies ist bei der künftigen

Entwicklung zu berücksichtigen.

4

Abbildung 3


REGIONALES ENTWICKLUNGSKONZEPT MARBURGER LAND GEBIETSANALYSE

1.2.4 Struktur der Gesamtbevölkerung

Die Alterstruktur der Gesamtbevölkerung ist in den vier Kommunen Amöneburg, Ebsdorfergrund,

Fronhausen und Weimar vergleichbar. Eine Verschiebung zugunsten jüngerer Bevölkerungsgruppen

ist in der Stadt Marburg (Region) festzustellen. Hier ist ein höherer Anteil der Unter-25-Jährigen mit

knapp über 40% zu verzeichnen.

Der Anteil der 40-65-Jährigen beträgt für die Stadt Marburg (Region) lediglich 23,6 %. In den übrigen

Kommunen sind rd. 35% abzulesen. Die Über-65-Jährigen sind in allen 5 Kommunen gleich stark mit

17% vertreten.

In der Addition der kommunalen Einzelwerte ergibt sich für die Region Marburger Land ein hoher Anteil

der unter 25-Jährigen von knapp über 30%. Der Anteil der 25-65-Jährigen liegt bei ca. 50%, der

Anteil der über 65-Jährigen beträgt ca. 17%.

100,0%

90,0%

80,0%

70,0%

60,0%

50,0%

40,0%

30,0%

20,0%

10,0%

0,0%

Abbildung 4

Eine weitere Besonderheit in der Struktur der Bevölkerung ist die Religionszugehörigkeit innerhalb

der einzelnen Kommunen. So sind die vier Kommunen Ebsdorfergrund, Fronhausen, Marburg und

Weimar stark protestantisch (ca. 60 – 70%) geprägt – wie auch im Landkreis. Einzig die Stadt Amöneburg

und einige der umliegenden Ortschaften, die im 17. Jahrhundert zum Kurmainzischen Oberamt

Amöneburg gehörten, weisen einen sehr hohen Anteil an Katholiken auf, der aktuell bei über

70% liegt. Diese als katholische Enklave zu bezeichnende Situation ist historisch bedingt und wirkt

noch bis heute.

Bei der Betrachtung der einzelnen Altersklassen von 1994 bis 2005 ist insbesondere die Zunahme

des Anteils der Über-65-Jährigen um 2 bis 3% signifikant, wobei die Zunahme in der Region Marburger

Land im Vergleich mit Land, Regierungsbezirk und Landkreis am geringsten ausfällt. Der Anteil

der Unter-6-Jährigen ist dabei in der Region Marburger Land bereits seit 1994 am geringsten und hat

sich bis 2005 weiter negativ entwickelt. Relativ stark fällt für die Region hingegen die Gruppe der 15-

65-Jährigen aus, deren Wert noch immer über 70% liegt.

100,0%

90,0%

80,0%

70,0%

60,0%

50,0%

40,0%

30,0%

20,0%

10,0%

0,0%

Abbildung 5

3,8% 4,1% 1,7%

34,4% 35,2% 34,9%

21,4% 19,7% 19,7%

Amöneburg Ebsdorfergrund Fronhausen Marburg, Region Weimar Region Marburger Land

15,7% 16,5% 18,8%

68,9% 68,0% 66,6%

9,1% 9,5% 9,1%

Altersstruktur nach Standard-Altersklassen

7,9% 7,2% 8,2%

11,4%

7,4% 7,2% 6,9%

10,2%

6,9%

4,6%

7,3%

5,5%

5,9%

6,2% 9,6%

Entwicklung der Altersklassen 1994 - 2000 - 2005

Land Hessen Reg.-Bez. Gießen Landkreis MB Region ML

15,5% 16,5% 18,8%

68,0% 67,2% 66,3%

4,9% 3,7% 4,0%

13,6% 13,8% 16,5% 10,4% 13,9% 13,0%

23,6%

20,0%

14,1% 15,3% 17,7%

69,9% 68,9% 67,9%

6,4%

6,3%

5,2%

13,3% 13,8% 15,6%

73,2% 72,8% 72,1%

9,8% 10,2% 9,5% 9,5% 9,8% 9,2% 8,0% 8,2% 7,7%

6,3% 6,0% 5,5% 6,7% 6,1% 5,3% 6,5% 6,0% 5,2% 5,6% 5,2% 4,6%

1994 2000 2005 1994 2000 2005 1994 2000 2005 1994 2000 2005

9,9%

34,2%

21,9%

8,3%

31,1%

20,5%

8,5%

8,4%

7,8%

6,7%

80 und älter

65 – 80

40 – 65

25 – 40

18 – 25

12 – 18

6 – 12

0 – 6

Über 65

15 bis unter 65

6 bis unter 15

Unter 6

5


GEBIETSANALYSE REGIONALES ENTWICKLUNGSKONZEPT MARBURGER LAND.

Eine starke oder überproportionale Überalterung ist für die Region Marburger Land nicht festzustellen.

Durch den hohen Anteil an Studenten und jungen Familien ist im Umfeld der Stadt Marburg der

Anteil der jüngeren Bevölkerungsgruppen zudem besonders hoch.

1.2.5 Einwohner/innen im erwerbsfähigen Alter

Der Anteil der Personen im erwerbsfähigen Alter zwischen 18 und 65 Jahren liegt für die Kommunen

Amöneburg, Ebsdorfergrund, Fronhausen und Weimar bei über 60%. Der Wert für die Stadt Marburg-

Region liegt hingegen bei lediglich 53,5%, da hier der Anteil der Jugendlichen unter 18 Jahren um ca.

10% höher ist.

Der durchschnittliche Anteil der Einwohner im erwerbsfähigen Alter für die gesamte Region Marburger

Land beträgt ca. 60%. Davon ist etwa die Hälfte der Gruppe den 40-65-Jährigen zuzuordnen.

Dieses Drittel der Gesamtbevölkerung sind die Rentner von morgen, sodass zukünftig diese Altersgruppe

den größten Anteil der erwerbsfähigen Personen stellen wird.

Allerdings wird auch durch das Heraufsetzen der Renteneintrittsalters auf 67 Jahre nur ein geringer

Teil davon auf dem Arbeitsmarkt unterkommen. Der überwiegende Teil wird dann keiner Beschäftigung

mehr nachgehen und als Rentner und Pensionäre im Ruhestand sein.

Der Anteil der arbeitenden Bevölkerung zwischen 18 und 65 hingegen wird sich in Zukunft verändern.

Dies kann einerseits zu einer besseren Beschäftigungsquote führen, andererseits für manche Branchen

aber auch Fachkräftemangel bedeuten.

1.2.6 Altersdurchschnitt

Die demografische Entwicklung ist in den Gemeinden hinsichtlich des Durchschnittsalters nahezu

vergleichbar ausgebildet. In Amöneburg weist das Durchschnittsalter 39,6, in Ebsdorfergrund 41,6, in

Fronhausen 41,2, in Weimar 41,4 und in Marburg 39,7 auf. Der Landesdurchschnitt beträgt 42,2 Jahre.

1.2.7 Wanderungssalden

Die Entwicklung der Zu- und Wegzüge in den Jahren 2003, 2004 und 2005 macht deutlich, dass die

einzelnen Kommunen stark unterschiedliche Entwicklungen aufweisen.

Während in Amöneburg, Ebsdorfergrund und Weimar für die einzelnen Jahre sowohl negative, als

auch positive Wanderungssalden zu verzeichnen sind, liegen die Werte für Fronhausen und Marburg-

Gesamt immer im positiven Bereich. Dieser Überschuss der Zuzüge resultiert zum einen aus der Ausweisung

einzelner neuer Baugebiete z.B. in der Gemeinde Fronhausen und zum anderen auch aus

dem vermehrten Zuzug von Studenten.

6

13.000

12.000

11.000

10.000

9.000

8.000

7.000

6.000

5.000

4.000

3.000

2.000

1.000

0

Abbildung 6

1.957

1.216 995

452

Anzahl Einwohner/innen im erwerbsfähigen Alter nach Standard-Altersklassen

654

1.792

3.198

1.636

1.537

866 800

360

3.053

2.587

1.979

1.282

2.560

1.642

1.313

622

Amöneburg Ebsdorfergrund Fronhausen Marburg, Region Weimar Region Marburger Land

3.370

8.103

12.305

6.723

18 – 25

25 – 40

40 – 65

65 und älter


REGIONALES ENTWICKLUNGSKONZEPT MARBURGER LAND GEBIETSANALYSE

Für die Region Marburger Land (inkl. der Zahlen Stadt Marburg-Gesamt; andere Daten sind mit vertretbarem

Aufwand nicht zu ermitteln und bleiben dementsprechend unberücksichtigt) ergibt sich eine

stark positive Bilanz, die fast alleine aus dem Zuzug im Bereich der Stadt Marburg-Gesamt resultiert.

Für die übrigen Kommunen (ohne die Stadt Marburg) ergibt sich für die Jahre 2003 und 2004 ein gering

positiver Wanderungssaldo von 100 bzw. 65 Personen. Für das Jahr 2005 allerdings ergibt sich

zusammengefasst eine leicht negative Bilanz (minus 42 Personen).

500

450

400

350

300

250

200

150

100

50

0

-50

-100

-150

Abbildung 7

92

-37 -105

464

228

72

40

-36 -39 4 -27

Landkreis MB Region ML Amöneburg Ebsdorfergrund Fronhausen Marburg, gesamt Weimar

1.2.8 Bevölkerungsvorausschätzung bis 2020/ Bevölkerungsprognose

Die Prognosen der Bertelsmann-Stiftung bis zum Jahre 2020 liegen bis auf Fronhausen (unter 5.000

Einwohner) für alle Kommunen der Region vor.

Die Zahlen verdeutlichen für Amöneburg und Weimar, wie auch für den Landkreis Marburg-

Biedenkopf, einen teilweise erheblichen Rückgang der Bevölkerungsentwicklung. Mit Rückgängen

von 4% bis 6% werden hier deutliche Veränderungen stattfinden.

Die Prognose für die Stadt Marburg-Gesamt und die Gemeinde Ebsdorfergrund fällt hingegen positiver

aus, da hier in den nächsten 5 bis 10 Jahren zunächst noch mit einem leichten Zuwachs zu rechnen

ist. Ein Bevölkerungsrückgang wird erst ab dem Jahre 2015 prognostiziert. Im Jahre 2020 liegen

die Werte für Marburg und Ebsdorfergrund in etwa wieder auf dem Niveau von heute.

Für die Region Marburger Land ergeben sich durch die unterschiedlichen Prognosen für die einzelnen

Kommunen Werte, die weniger positiv aber auch weniger negativ als die Einzelwerte ausfallen.

Aus den durch die Bertelsmann-Stiftung ermittelten Werten ergibt sich für die Region eine Prognose

mit nur geringfügiger, negativer Veränderung in den Jahren bis 2020.

Zu berücksichtigen bei diesen Analyseergebnissen ist, dass diese Zahlen immer die gesamte Stadt

Marburg mit einbeziehen. Der Zuzug von Studenten in die Universitätsstadt findet dabei unter Umständen

zu starke Berücksichtigung, sodass für die Region Marburger Land im Grunde eine leicht negative,

d.h. abnehmende Entwicklung zu prognostizieren ist.

Abbildung 8

434

Wanderungssalden absolut 2003 - 2005

12

34

75

Abbildung 9:

Abbildung 9

364

163

476

-24

63

-51

2003

2004

2005

7


GEBIETSANALYSE REGIONALES ENTWICKLUNGSKONZEPT MARBURGER LAND.

1.3 Wirtschaftliche Ausgangssituation

1.3.1 Wirtschaftsdaten

Die wirtschaftliche Situation in den ländlich geprägten Kommunen Amöneburg, Ebsdorfergrund,

Fronhausen und Weimar sowie den Stadtteilen von Marburg-Region ist als sehr unterschiedlich zu

bezeichnen.

Es sind meist einige wenige mittlere bis größere Firmen und Institutionen, die den Hauptteil der Arbeitsplätze

zur Verfügung stellen. Dies sind zum Beispiel die Stiftsschule sowie die Firma Lindner in

Amöneburg, die Firmen Seidel und Finger in Fronhausen, die Firmen YKK und Pauly in Weimar und

die Firmen Seidel und Print-Service in Ebsdorfergrund.

Die wirtschaftliche Situation im Marburger Land wird wesentlich durch die Universitätsstadt Marburg

geprägt. Insbesondere das Angebot an Arbeitsplätzen konzentriert sich auf die Stadt. Die Philipps-

Universität, das Uni-Klinikum und die Behring-Nachfolgefirmen (CSL, Novartis, Dade, Pharmaserv)

haben als Hauptarbeitgeber mit mehreren Tausend Arbeitsplätzen hierbei eine wichtige Bedeutung.

Bruttoinlandsprodukt BIP / Bruttowertschöpfung BWS

Das geschätzte Bruttoinlandsprodukt des Landkreises Marburg-Biedenkopf lag 2004 bei ca. 6.420

Mio. Euro. Diese Zahl bezieht sich auf den gesamten Landkreis. Da alle Kommunen der Region Marburger

Land im Landkreis Marburg-Biedenkopf liegen und die Stadt Marburg maßgeblichen Einfluss

auf die gesamte Region hat, stellt die o. g. Zahl einen guten Bewertungsmaßstab für die Wirtschaftskraft

der Region Marburger Land dar.

Vergleich: (Stand 2004)

Landkreis Marburg-Biedenkopf 6.420 Mio Euro BIP

Landkreis Lahn-Dill-Kreis 6.421 Mio Euro BIP

Landkreis Vogelsberg 2.264 Mio Euro BIP

Die vorhandenen wirtschaftlichen Strukturen im Landkreis Marburg-Biedenkopf und Lahn-Dill-Kreis

sind sehr ähnlich und so verwundert auch Übereinstimmung nicht. Das BIP des Landkreises Vogelsberg

hingegen beträgt lediglich 35%. Die schwächere Wirtschaftskraft des Vogelsbergkreises ist daran

gut ablesbar.

Die Veränderung des Bruttoinlandproduktes des Landkreises hat im Verlaufe der letzten zwölf Jahre

eine ähnliche Entwicklung wie das Land Hessen und der Regierungsbezirk Gießen genommen.

8

5,0

4,0

3,0

2,0

1,0

1,7

2,2

4,1

4,7


– 0,6

– 1,0

1995 1996 1997 1998 1999 2000 2001 2002 2003 2004

Abbildung 10

BIP-Veränderungen gegenüber dem Vorjahr in %

2,4

3,6

1,1

0,7

0,9

Land Hessen

Reg.-Bez. Gießen

Landkreis MB


REGIONALES ENTWICKLUNGSKONZEPT MARBURGER LAND GEBIETSANALYSE

Aufgeteilt nach Sektoren ergibt sich für den Landkreis Marburg-Biedenkopf folgendes Bild der Bruttowertschöpfungszahlen

für das Jahr 2004:

Abbildung 11

Landkreis Marburg-Biedenkopf - Bruttowertschöpfung 2004 nach Sektoren

0,53%

16,28%

14,33%

Land- und Forstwirtschaft;

Fischerei

Produzierendes Gewerbe ohne

Baugewerbe

12,87% Verarbeitendes Gewerbe

Baugewerbe

15,32%

Dienstleistungsbereiche

Handel, Gastgewerbe und

5,78%

Verkehr

Finanzierung, Vermietung und

1,93%

Unternehmensdienstleister

Öffentliche und private

Dienstleister

32,97%

Gut zu erkennen sind die mittel bis stark vertretenen Sektoren „Produzierendes Gewerbe“, „Verarbeitendes

Gewerbe“, „Dienstleistung“ und „Öffentliche und private Dienstleister“.

Der in Hessen stark dominierende Dienstleistungsbereich stellt auch im Landkreis Marburg-

Biedenkopf den größten Sektor dar (1/3 der gesamten Bruttowertschöpfung). Schwächer fallen die

Bereiche „Handel, Gastgewerbe und Verkehr“ sowie „Finanzierung, Vermietung und Unternehmensdienstleister“

aus.

Generell stark im Vergleich mit den anderen Landkreisen und dem Regierungsbezirk fallen die Sektoren

„Öffentliche und private Dienstleister“ sowie „Verarbeitendes Gewerbe“ und „Produzierendes Gewerbe

ohne Baugewerbe“ aus. Die Sektoren „Finanzierung, Vermietung, und Unternehmensdienstleister“

und „Handel, Gastgewerbe und Verkehr“ fallen hingegen eher schwach aus.

Diese beschriebenen Gewichtungen sind im Grunde vom Landkreis auch auf die Region Marburger

Land übertragbar.

Es ist außerdem festzustellen, dass der Landkreis

Marburg-Biedenkopf in Bezug auf die Entwicklung

des BIP/ Erwerbstätigen bzw. BIP/ Einwohner benachbarte

Landkreise wie Lahn-Dill und Vogelsberg

seit 1994 „überholt“ hat.

Betriebsgrößenstruktur

Die Region Marburger Land kann aktuell insgesamt

2553 (wirtschaftlich aktive) Unternehmen aufweisen.

Dabei entfallen auf die einzelnen Kommunen folgende

Zahlen:

Stadt Amöneburg: 111

Gemeinde Ebsdorfergrund: 238

Gemeinde Fronhausen: 102

Stadt Marburg-Gesamt: 1923

Gemeinde Weimar: 179

Abbildung 12

Die Zahlen der Stadt Marburg beziehen sich auf den gesamten Stadtbereich. Separate Zahlen für den Regionalteil der Stadt liegen nicht

vor.

9


GEBIETSANALYSE REGIONALES ENTWICKLUNGSKONZEPT MARBURGER LAND.

Die durchschnittliche Betriebsgröße in der Region Marburger Land wird stark geprägt von kleineren

und mittleren Betrieben mit (1 bis 100) Beschäftigten. Dabei sind kleine Firmen mit 1-4 Beschäftigten

überproportional in einer Anzahl von 1.458 Betrieben vertreten. Dies sind immerhin knapp 60% aller

Betriebe.

Laut Angaben der Stadt Marburg beschäftigt die Philipps-Universität Marburg sogar über 2.000 Angestellte,

die allerdings in den Statistikdaten der GEFAK (Gesellschaft für angewandte Kommunalforschung

mbH) nicht berücksichtigt werden, da vom Unternehmen keine Angaben gemacht werden.

Abbildung 13

Verfügbares Einkommen der privaten Haushalte

Das verfügbare Einkommen der privaten Haushalte der Region (inkl. der Stadt Marburg-Gesamt) liegt

im Durchschnitt bei ca. 15.630 Euro pro steuerpflichtigem Einwohner. Dieser Wert liegt im Vergleich

mit dem Deutschland-Durchschnitt (17.087 €/Ew.) ca. 1.500 Euro darunter.

Dabei ist allerdings zu beachten, dass die Werte für Amöneburg, Ebsdorfergrund, Fronhausen und

Weimar näher am Bundesdurchschnitt bzw. sogar darüber liegen.

Der Wert für die Region Marburger Land erklärt sich aus der eingerechneten Zahl für die Stadt Marburg-Gesamt,

die durch die hohe Zahl an Studenten mit nur geringem Einkommen entsprechend

niedriger ausfällt.

Die aktuelle Kaufkraft-Kennziffer der GfK

Nürnberg für die Region im Jahr 2005

liegt bei 91,5 und damit 8,5 Punkte unter

dem Bundesdurchschnitt.

Negativ beeinflusst wird der Wert der Region

durch die Einberechnung der Kennziffer

für die Stadt Marburg-Gesamt, der

nur bei 89,4 liegt (sh. Hinweis oben).

Hervorzuheben ist die starke Kaufkraft in Weimar und Fronhausen. Amöneburg und Ebsdorfergrund

stellen noch einen guten Wert dar.

Die Kennziffer für die Region Marburger Land (ohne Stadt Marburg-Gesamt) dürfte deutlich über dem

errechneten Wert, d.h. ungefähr zwischen 95 und 100 liegen.

10

Abbildung 14


REGIONALES ENTWICKLUNGSKONZEPT MARBURGER LAND GEBIETSANALYSE

Kaufkraftbindungsquote

Bedingt durch die Attraktivität der Stadt Marburg als zentralem Einzelhandelsstandort der Region und

dem dortigen - auch auf junges Publikum (Studenten) ausgerichteten - Angebot bindet die Stadt viel

Kaufkraft der Region. Die Stadt Gießen ist insbesondere für den südlichen Teil der Region (Kommunen

Fronhausen, Ebsdorfergrund und Weimar) als Konkurrenz zur Stadt Marburg zu betrachten.

Innerhalb der Region besteht, wie auch in anderen Bereichen, ein ausgeprägtes Stadt-Land-Gefälle,

da das Angebot in den übrigen Kommunen im Umfeld der Stadt entsprechend eingeschränkt und

auch eine geringere Kaufkraftbindungsquote zu verzeichnen ist.

1.3.2 Arbeitsmarktdaten

Sozialversicherungspflichtige Beschäftigte

Die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten für die Region Marburger Land lag zum

31.12.2005 bei genau 37.384. Die Angaben beziehen sich immer auf alle sozialversicherungspflichtig

Beschäftigten in der Region, inkl. der Stadt Marburg-Gesamt.

Im Jahre 1995 waren es lediglich 35.454 sozialversicherungspflichtig

Beschäftigte. Fünf Jahre

später wurden bereits wieder 37.364

Beschäftigte gezählt. Mit dem aktuellen Wert

liegt die Region konstant über dem Mittel der

letzten 10 Jahre. Der Wert ist zudem seit ca. 5

Jahren gleichbleibend stabil.

Ein negativer Trend bis 2005 ist nur im Falle der

Gemeinde Ebsdorfergrund zu verzeichnen gewesen.

Hier sind von 1995 bis 2005 insgesamt

155 Arbeitsplätze in der Kommune weggefallen,

was fast 1/8 aller Stellen bedeutet. Die deutlich

positive Entwicklung für die Stadt Marburg-

Gesamt bestimmt nach dieser Berechnung auch

entsprechend das Ergebnis für die Region Marburger

Land. Es bleibt allerdings festzuhalten,

dass die Stadt Marburg einen

starken Faktor im Bereich Arbeitsplatzangebote

in der Region darstellt und Veränderungen direkte,

unmittelbare Auswirkungen auch auf die

Region haben.

Abbildung 15

Der Anteil der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten in der Stadt Marburg-Gesamt beträgt

34.672, dies entspricht ca. 93% aller Arbeitsplätze in der Region ( + Stadt). Dieser erheblichen Dominanz

der Stadt stehen die anderen Kommunen mit weniger Arbeitsplätzen gegenüber.

Ausbildungsplätze

Für die fünf Kommunen Amöneburg, Ebsdorfergrund, Fronhausen, Weimar und Marburg (-Gesamt)

besteht aktuell ein Ausbildungsplatzangebot von ca. 2.500 Lehrstellen. Hauptschwerpunkte stellen

dabei die Bereiche produzierendes und verarbeitendes Gewerbe, Dienstleistung und Handel dar. Der

Hauptteil der angebotenen Lehrstellen (ca. 2.300) entfällt dabei auf die Stadt Marburg - Gesamt.

Die Anzahl der Ausbildungsplätze deckt sich weitestgehend mit der Verteilung der Zahl der sozialversicherungspflichtig

Beschäftigten (siehe oben). Das heißt, dort, wo es Arbeitsplätze gibt, sind auch

entsprechende Ausbildungsplätze vorhanden.

Die Anzahl der Berufsschulabsolventen deckt sich in etwa mit den angebotenen Ausbildungsplätzen.

11


GEBIETSANALYSE REGIONALES ENTWICKLUNGSKONZEPT MARBURGER LAND.

Anzahl der Ausbildungsplätze 2006

Region Marburger Land 2.546 Ebsdorfergrund 53

Marburg Gesamt 2.382 Fronhausen 34

Amöneburg

Tabelle 1

21 Weimar 56

Arbeitslosenzahlen/ Arbeitslosenquote

Bei den Arbeitslosenzahlen handelt es sich um absolute Zahlenwerte und nicht um Prozentzahlen.

Arbeitslosenquoten stehen nicht zur Verfügung, da auf dieser Ebene keine vergleichbaren Bezugszahlen

(Zahl der Arbeitsfähigen in den Kommunen) geführt werden.

Anzahl der Arbeitslosen:

Stadt Amöneburg 158 Gemeinde Fronhausen 85

Gemeinde Ebsdorfergrund 244 Stadt Marburg-Gesamt 2779

Weimar 162

Verglichen mit der Zahl der Beschäftigten (s.o.) wird deutlich, dass die vier kleineren Kommunen bei

der Zahl der Arbeitslosenzahlen höhere Anteile abbilden als bei der Zahl der Beschäftigten. Das heißt

zum Beispiel, dass die Stadt Amöneburg 399 sozialversicherungspflichtige Beschäftigte aufweist,

gleichzeitig aber auch 158 Arbeitslose gemeldet hat. Somit ist der Anteil der Arbeitslosen - bezogen

auf die gesamte Region - deutlich höher als der Anteil der Beschäftigten in der Kommune.

Dies gilt im Übrigen für alle Kommunen außer Marburg. In der Stadt Marburg-Gesamt hingegen steht

einem Anteil der Beschäftigten von 93% ein Anteil der Arbeitslosen von nur 81 % gegenüber.

Die offizielle Arbeitslosenquote für den Landkreis Marburg-Biedenkopf liegt aktuell (Juli 2007) bei

7,1%.

Die Entwicklung der Arbeitslosenzahlen in den

fünf Kommunen der Region verlief ab 1998

eher rückläufig. In den Jahren 2005 bis 2006

jedoch stieg die Zahl der Arbeitslosen wieder

deutlich an. Seit Ende 2006 jedoch sinkt die

Zahl der Arbeitslosen in allen Kommunen der

Region wieder.

Die Werte für das Jahr 2005 wurden gemittelt,

da die Statistik des Arbeitsamtes nur Arbeitslose

nach dem SGB III erfasst hat. Die

Arbeitslosen des Kreisjobcenters wurden dabei

nicht eingerechnet. Ab 2006 wurden die Daten

jedoch wieder zusammengefasst.

Eine Aufsplitterung der Arbeitslosenzahlen für

den Regional-Teil der Stadt Marburg war nicht

möglich, da die Zahlen nicht stadtteilbezogen

Abbildung 16

vorliegen.

Pendlersalden

Die aktuelle Situation im Marburger Land ist zweigeteilt. Während der Anteil der Pendler in die Stadt

Marburg – Gesamt sehr hoch ist (Pendlersaldo + 15.433), überwiegen in den übrigen vier Kommunen

die Auspendler und es ergeben sich durchweg negative Pendlersalden.

12


REGIONALES ENTWICKLUNGSKONZEPT MARBURGER LAND GEBIETSANALYSE

Einpendler in die Kommunen Amöneburg und Fronhausen sind fast überhaupt nicht zu verzeichnen.

Für Ebsdorfergrund und Weimar gibt es geringfügige Einpendlerzahlen von 577 und 633.

Die Arbeitsplatzstandorte für die Auspendler sind überwiegend Frankfurt / Rhein-Main, Gießen /

Wetzlar und Stadtallendorf.

Menschen, die nach Marburg-Stadt bzw. in die anderen Kommunen der Region einpendeln, stammen

nicht nur aus der Region Marburger Land, sondern auch aus der weiteren Umgebung.

Die Anziehungskraft der

vier kleineren Kommunen

bzw. das dortige Arbeitsplatzangebot

ist dabei

nicht sehr stark ausgeprägt.

25.000

20.000

15.000

10.000

5.000

0

-5.000

-10.000

-15.000

Abbildung 17

-1.537 -2.268 -1.030

Pendlersalden 2005

15.433

-1.519

Amöneburg Ebsdorfergrund Fronhausen Marburg, gesamt Weimar Region ML

9.079

Einpendler

Auspendler

Pendlersaldo

Regionale arbeitsmarktpolitische Aktivitäten

Die regionalen arbeitsmarktpolitischen Aktivitäten der Region stehen in engem Bezug zu den bestehenden

Institutionen und Organisationen wie MitteHessen e.V., Region Mittelhessen, Industrie- und

Handelskammer Kassel, HessenAgentur, die es sich zum Ziel gesetzt haben, den Wirtschaftsstandort

Mittelhessen, zu dem auch die Region Marburger Land gehört, weiterzuentwickeln und zu stärken.

Dazu zählt natürlich auch der Erhalt und die Schaffung neuer Arbeitsplätze durch die Stärkung und

Weiterentwicklung ansässiger Betriebe sowie die gezielte Ansiedlung neuer zukunftsfähiger Unternehmen

in der Region.

Gezielte arbeitsmarktpolitische Einzel-Aktionen der Kommunen hingegen stehen im Moment noch

nicht auf der Agenda, da die Zusammenarbeit mit den Wirtschaftsverbänden und

Wirtschaftsorganisationen mehr Erfolg und Effizienz verspricht.

1.3.3 Wissensinfrastruktur, Innovations- und Kooperationsprojekte

Hochschulen

Die Universitätsstadt Marburg mit der Philipps-Universität hat eine jahrhundertealte Hochschultradition

seit 1527. Die älteste protestantische Universität ist weit über die Grenzen Hessens und Deutschlands

bekannt.

Neben den Geisteswissenschaften genießen die medizinische Fakultät auf den Lahnbergen und die

naturwissenschaftlichen Fachbereiche (z.B. Biologie, Chemie, Geographie) ein hohes Ansehen in

der Fachwelt.

Mit einer Gesamtzahl von ca. 19.000 Studenten und Studentinnen bestimmt die Universität das Bild

und das Leben der Stadt Marburg. Das Arbeitsplatzangebot der Universität mit allen Fachbereichen

beträgt knapp 4000 Stellen (Mai 2007: 358 Professoren, 1901 wissenschaftliche Mitarbeiter, 1692

administrativ-technische Mitarbeiter).

Die überaus wichtige Zusammenarbeit von Wissenschaft und Wirtschaft funktioniert in einigen Teilbereichen

- wie z.B. mit den Behring-Nachfolgefirmen oder der Firma Seidel - bereits heute schon sehr

gut.

13


GEBIETSANALYSE REGIONALES ENTWICKLUNGSKONZEPT MARBURGER LAND.

14

Gemeinsames Forschungsprojekt

der Fa. Seidel, Uni Marburg und Uni Gießen

Als ein Beispiel ist die vom Bundesforschungsministerium (BMBF) geförderte

Kooperation zwischen der Firma Seidel (Fronhausen) und der Philips-

Universität Marburg (Institut für Physikalische Chemie, Kernchemie und

Makromolekulare Chemie, Fachbereich Chemie) zu nennen. Dabei geht es

um die Entwicklung und Untersuchung von neuen Verfahren für die Herstellung

von Designartikeln für die Kosmetikindustrie. Im Rahmen des Programms

Wing (Werkstoffinnovationen für Industrie und Gesellschaft) soll

durch die Förderung des BMBF in Höhe von ca. 1,3 Mio € die klassische

Materialforschung mit der Basisdisziplin Chemie und der Nanotechnolgie

integriert werden. Neben der Firma Seidel und der Uni Marburg ist auch das

Institut für Anorganische und Analytische Chemie der Universität Gießen in

dieses Forschungsprojekt eingebunden.

(Abbildung 18: Fa. Seidel)

Eine weitere Verknüpfung zwischen der Region und der Universität Gießen ergibt sich durch das

Schloss bzw. das Versuchsgut Rauischholzhausen in der Gemeinde Ebsdorfergrund. Diese Forschungseinrichtung

des Fachbereichs Agrarwissenschaften der Justus-Liebig-Universität Gießen

stellt einen engen Bezug zur Gießener Hochschule her, da sich hier eine wichtige Außenstelle mit

Versuchsfeldern und Versuchsanlagen des Fachbereichs befindet.

Außeruniversitäre Forschungseinrichtungen, Technologie-Transfer-Einrichtungen

Außeruniversitäre Forschungseinrichtungen bzw. Technologie-Transfereinrichtungen und Kooperationsnetzwerke

gibt es in der Region Marburger Land bislang nur im Bereich der Stadt Marburg. Hierzu

zählen u.a. das Max-Planck-Institut sowie mehrere Sonderforschungsbereiche (SFB´s).

Als Technologie-Transfer-Einrichtungen sind zudem Mafex (Marburger Förderzentrum für Existenzgründer,

gemeinnützige Stiftung) und TransMIT (Gesellschaft für Technologietransfer mbH, Mitglieder:

Philipps-Universität Marburg, Justus-Liebig-Universität Gießen, Fachhochschule Gießen-

Friedberg, örtliche Volksbanken und Sparkassen sowie die Industrie- und Handelskammer Kassel)

zu nennen, die ebenfalls in der Stadt Marburg bzw. auch in Gießen ansässig sind.

Aufwendungen für Forschung und Entwicklung

Die Aufwendungen für Forschung und Entwicklung sind auf mehrere Millionen Euro zu beziffern. Diese

Mittel werden vornehmlich in der Philipps-Universität, den sonstigen privaten Forschungseinrichtungen

sowie in den ansässigen Pharmafirmen und Industrieunternehmen (z.B. Firma Seidel) eingesetzt.

Unterstützung von Unternehmensgründungen

Die Förderung junger Unternehmen spielt für alle fünf Kommunen eine wichtige Rolle und wird dementsprechend

bereits seit mehreren Jahren praktiziert und forciert. Die Unterstützung und Hilfestellung

erfolgt in unterschiedlichem Rahmen, so zum Beispiel als Anschubfinanzierung oder auch in

Form von Vermietung günstiger Büroräume. Zu nennen ist hier auch wieder das Förderzentrum Mafex

als Anlaufstelle für Existenzgründer, mit dem Ziel zur Weitergabe von Wissen der Universität Marburg

an die heimische Wirtschaft, speziell junge Unternehmen.


REGIONALES ENTWICKLUNGSKONZEPT MARBURGER LAND GEBIETSANALYSE

1.4 Wirtschaftsbereiche

1.4.1 Landwirtschaft und Forstwirtschaft

Einleitung

Die Region Marburger Land ist aus landwirtschaftlicher Sicht sowohl von den Standortfaktoren, als

auch von der Produktionsausrichtung sehr unterschiedlich geprägt.

Sie verfügt über die besten Ackerbaustandorte des gesamten Landkreises Marburg-Biedenkopf. Generell

liegt der Ackerlandanteil mit 75 % gegenüber kreisweit nur 64 % sehr hoch.

Auch die Bereiche Direktvermarktung und Einkommenskombination (Diversifizierung) sind überproportional

ausgeprägt und insbesondere auch im Hinblick auf touristische Aktivitäten ausbaufähig.

Die erneuerbaren Energien und nachwachsenden Rohstoffe spielen in der Region für die Landwirtschaft

ebenfalls eine immer wichtigere und herausragende Rolle. Auf Grund der guten und (noch)

zahlreich verfügbaren Ackerflächen sind bereits größere Vorhaben, wie Biogasanlagen, eingeleitet,

die starke Veränderungen der Anbaustrukturen mit sich bringen werden.

Betriebsstrukturen

Insgesamt 493 landwirtschaftliche Betriebe, davon 107 Haupterwerbsbetriebe, bewirtschaften gegenwärtig

gut 13.700 ha landwirtschaftliche Fläche in der Region Marburger Land. Dies ist knapp ein

Viertel der Landwirtschaftsfläche des gesamten Landkreises Marburg-Biedenkopf.

900

800

700

600

500

400

300

200

100

0

Anzahl landwirtschaftlicher Betriebe

Amöneburg Ebsdorfergrund Fronhausen Marburg, Region Weimar Region ML

1991 1999 2007 1991 1999 2007 1991 1999 2007 1991 1999 2007 1991 1999 2007 1991 1999 2007

Der Anteil der Haupterwerbsbetriebe, die mit über 9000 ha rund 66 % der Landwirtschaftsfläche der

Region bewirtschaften, ist mit 26 % überproportional hoch (17 % auf Kreisebene). Davon sind nur 35

Betriebe (7 %) über 100 ha groß, die jedoch über mehr als 5.000 ha - und damit annähernd 40 % der

LF - verfügen.

Generell haben in allen 5 Kommunen der Region die Betriebe über 100 ha sehr stark zugenommen,

während die kleineren Betriebe bis 5 ha und zwischen 5-20 ha von 1999 bis 2007 in drei Kommunen

zahlenmäßig wieder zugenommen haben und in Fronhausen sowie Stadt Marburg-Region die Betriebszahlen

weiter zurückgingen.

Der Anteil der mittleren Betriebe, d.h. zwischen 20-50 ha und zwischen 50-100 ha ist für die Region

weitestgehend stabil. In den einzelnen Kommunen hingegen sind jedoch neben Zunahmen auch

Rückgänge zu verzeichnen.

624

263

404

386

174 107

Nebenerwerb

Haupterwerb

Abbildung 19

15


GEBIETSANALYSE REGIONALES ENTWICKLUNGSKONZEPT MARBURGER LAND.

100,0%

Die durchschnittliche Flächenausstattung der Betriebe beträgt nur ca. 28 ha. Im Haupterwerb hingegen

liegt der Schnitt bei ca. 85 ha und im Nebenerwerb bei nur 15 ha pro Betrieb.

Produktionsausrichtung

Die 531 landwirtschaftlichen Betriebe des Marburger Landes teilen sich aktuell (geschätzte Näherungswerte)

wie folgt auf:

Marktfruchtbau 50% bzw. 265 Betriebe

Futterbau 30% bzw. 160 Betriebe

Gemischt 12% bzw. 60 Betriebe

Veredlung 7% bzw. 40 Betriebe

Gartenbau 1% bzw. 6 Betriebe

Dabei ist zu erkennen, dass sowohl die Veredlungsbetriebe, wie auch die Gemischtbetriebe (früher

dominierende Form), nur noch sehr schwach vertreten sind.

Flächenverteilung

Der Grünlandanteil liegt mit 35 % im Kreisdurchschnitt. Er schwankt jedoch zwischen gut 40 % in

Marburg und lediglich 23 % in Weimar.

Der Ackerbau wird bestimmt von 70 % Getreideanteil (7.000 ha), wobei Winterweizen (3.400 ha) und

Wintergerste (2.050 ha) überwiegen. In nennenswertem Umfang werden aber auch Hafer (300 ha),

Braugerste (200 ha) und Triticale (350 ha) angebaut. Bei den Blattfrüchten überwiegen Winterraps

(1.200) zur Nahrungserzeugung und Silomais (500 ha).

Der Anteil der Energiepflanzen (insbesondere 800 ha NawaRo-Raps) ist noch gering; insbesondere

dürfte der Bau von Biogasanlagen den Energiemaisanteil (bisher nur rund 100 ha) vervielfachen.

Der Anteil der ökologisch wirtschaftenden Betriebe beträgt flächenbezogen immerhin 10 %, betriebsbezogen

(30 Betriebe) jedoch nur 6 %. Die Ökobetriebe sind also überdurchschnittlich groß und werden

meist im Haupterwerb geführt.

Gemessen an der Anzahl landwirtschaftlicher Betriebe stellen die ökologischen Landwirte sowohl in

Fronhausen wie auch in Amöneburg einen Anteil nur um die 10%, da die Betriebe in Fronhausen wesentlich

mehr Fläche bewirtschaften als beispielsweise in Amöneburg. In der Region beträgt die Gesamtzahl

der ökologischen Betriebe derzeit 30, die der konventionellen Betriebe bei 453.

16

90,0%

80,0%

70,0%

60,0%

50,0%

40,0%

30,0%

20,0%

10,0%

0,0%

Betriebsgrößenklassenentwicklung der landwirtschaftlichen Betriebe

Amöneburg Ebsdorfergrund Fronhausen Marburg, Region Weimar Region ML

1991 1999 2007 1991 1999 2007 1991 1999 2007 1991 1999 2007 1991 1999 2007 1991 1999 2007

über 100 ha

50-100 ha

20-50 ha

5-20 ha

bis 5 ha

Abbildung 20


REGIONALES ENTWICKLUNGSKONZEPT MARBURGER LAND GEBIETSANALYSE

500

450

400

350

300

250

200

150

100

50

0

Anzahl landwirtschaftlicher Betriebe nach Bewirtschaftungsform

7

77

10

137

5

40

6 2

99 100

Amöneburg Ebsdorfergrund Fronhausen Marburg, Region Weimar Region ML

Tierhaltung

Im Bereich Tierhaltung meldet die Hit-Datenbank aktuell 7.500 Rinder, davon rund 2.200 Milchkühe in

81 Betrieben. Erzeugt werden 15 Mio. kg Milch. Schwerpunkt der Milchproduktion ist mit über

5 Mio. kg die Stadt Amöneburg und ihre Ortsteile. Schlusslichter sind die Gemeinden Weimar und

Fronhausen mit 1,4 bzw. 1,1 Mio. kg Milch. Je ha LF werden in Amöneburg 2.200 kg, in Weimar dagegen

lediglich 550 kg Milch „ermolken“ bzw. erzeugt. Auch sind hier in den vergangenen 15 Jahren

mehr als 30 Boxenlaufställe – gefördert über das AFP – entstanden.

Die Schafhaltung ist mit 2.500 Mutterschafen, genauso wie die Hühnerhaltung (8.500 Hühner) unterrepräsentiert.

Die Pferdehaltung (1.000 Pferde), Zuchtsauenhaltung (1.000 Zuchtsauen) und insbesondere

Schweinemast (14.000 Mastschweine) sind überproportional ausgeprägt. Auch hier gibt es

starke regionale Unterschiede. So sind Fronhausen und Weimar das Zentrum der Schweineproduktion,

Marburg und sein Umland hingegen der Schwerpunkt der Pferdehaltung.

Abbildung 22 Abbildung 23

Wirtschaftslage

Der Strukturwandel wird sich aufgrund der aktuellen positiven Preisentwicklung im Ackerbau verlangsamen.

„Weitestgehend leergefegte“ Weltmärkte und die gestiegene Nachfrage nach Bioenergieflächen

werden das Preisniveau mittelfristig hoch halten. Neu werden für die Landwirte aber gewaltige

Preisschwankungen („Schweinezyklus für alle“) sein, sodass der optimale Verkaufszeitpunkt und damit

die eigenen Lagermöglichkeiten immer wichtiger werden.

Die Wertschöpfung im Bereich Landtourismus ist derzeit noch stark unterentwickelt und spielt heute

keine wirtschaftlich tragende Rolle.

Im Bereich der Produktion von Bio-Produkten, d.h. ökologischen Nahrungsmitteln, stehen die Erzeuger,

Verarbeiter und Händler in starker Konkurrenz zu den etablierten Lebensmittelunternehmen, die

immer stärker in diesem Markt-Segment präsent sind.

Kooperationen mit einzelnen Unternehmen (wie z.B. Rewe) und die Einrichtung von Landmarkt-

Abteilungen in normalen Supermärkten bieten eine gute Möglichkeit an diesem Trend weiter teilzuhaben

und die Marktanteile wieder „zurückzuerobern“.

30

453

Ökologisch

Konventionell

Abbildung 21

17


GEBIETSANALYSE REGIONALES ENTWICKLUNGSKONZEPT MARBURGER LAND.

Verarbeitung und Vermarktung

Nennenswerte Bedeutung hat die Erzeugergemeinschaft Oberhess. Naturprodukte mit Sitz in Amöneburg-Mardorf.

Der Schwerpunkt der Vermarktung liegt hier insbesondere im Bereich Ökogetreide.

Daneben gibt es die Hessische Erzeugergemeinschaft für nachwachsende Rohstoffe. Dort werden

nahezu 100 % des Energie-Rapses sowie des Energie-Getreides aus dem Marburger Land über die

in Wölfersheim ansässige Zentrale verkauft.

Der letzte in der Region ansässige Molkereistandort ist die Privatmolkerei Schwälbchen, die für ihr

Marburger Werk gut 40 % der im Kreis erzeugten Milch verarbeitet. Den restlichen Anteil der Milch

erfasst die genossenschaftliche Hochwaldmolkerei (Erbiskopf-Eifelperle, Thalfang / Hunsrück) mit

Verarbeitungsstätten in Hungen und Neunkirchen. Die in der Region erzeugte Biomilch geht

vornehmlich in die Molkereien nach Usseln (Upländer Bauernmolkerei) oder Coburg (Milchwerke

Oberfranken West).

Die bäuerliche Viehverwertung Marburg erfasst zwar mehr als zwei Drittel des Schlachtviehs aus der

Region. Am Marburger Schlachthof selbst werden aber nur weniger als 30 % selbst geschlachtet. Der

übrige Teil wird außerhalb der Region geschlachtet und weiterverarbeitet. Auch der Zerlegebetrieb in

Marburg ist eher unbedeutend.

Bildung, Ausbildung und Qualifizierung

In der Region Marburger Land gibt es aktuell nur noch 12 landwirtschaftliche Ausbildungsbetriebe mit

ungefähr ebenso vielen Ausbildungsplätzen. Die Ausbildung erfolgt zum Landwirt / Landwirtin bzw.

zur Fachkraft Agrarservice.

Im gesamten Kreis Marburg-Biedenkopf gibt es keine landwirtschaftlichen Ausbildungsstätten (Schulen)

mehr. Die landwirtschaftlichen Berufs- und Fachschulen sitzen in Alsfeld oder Fritzlar. Die landwirtschaftliche

Meisterausbildung erfolgt auf dem Eichhof in Bad Hersfeld.

Dennoch findet eine ständige Fortbildung im Bereich Landwirtschaft direkt vor Ort statt. Im Rahmen

der landwirtschaftlichen Erwachsenenfortbildung werden jedes Jahr ca. 100 Veranstaltungen im

Landkreis Marburg-Biedenkopf (Vortragsveranstaltungen, Seminare, Lehrfahrten, Vorführungen etc.)

angeboten.

Die Träger dieser Fortbildungsveranstaltungen im Kreis sind der Verein der ehemaligen Fachschulabsolventen

Marburg/ Biedenkopf/ Kirchhain, der Bauernverband, die Landfrauen, Tierhalter, etc. Die

Betreuung und Koordinierung erfolgt durch den Fachbereich Ländlicher Raum des Landkreises Marburg-Biedenkopf.

Spezielle Bildungsveranstaltungen (Ausbildungen zu Agrarbürofachfrauen, Bauern- und Unternehmerschulung,

Seminarreihe Fit sein für Morgen, u.a.) werden zusätzlich - meist gemeinsam mit dem

Bauernverband – angeboten.

Forstwirtschaft

Die gesamten zum Forstamt Kirchhain gehörigen Waldflächen der Region Marburger Land nehmen

einen Flächenanteil von ca. 33 % der Gesamtfläche der Region ein.

Die Eigentümerstruktur teilt sich wie folgt auf: 4.400 ha Staatswald, 1.000 ha Kommunalwald und

3.200 ha Privatwald, davon 1.700 ha Gemeinschaftswald. Die Waldstruktur setzt sich im Wesentlichen

zusammen aus 60 % Nadelwald (Kiefer 30 %, Fichte 25 %, Sonstige Nadelhölzer 5 %) und

40 % Laubwald (Buche 25 %, Eiche 10 %, Sonstige Laubbäume 5 %).

Die gesamten Waldflächen werden nach Aussage des Forstamtes Kirchhain naturgemäß bewirtschaftet,

sodass eine nachhaltige Nutzung von Wald und Holz auch für die Zukunft sichergestellt ist.

Die wesentlichen Funktionen des Waldes in der Region sind wie folgt zu beschreiben:

a) Holzproduktion, Rohstofflieferant b) Erholungsraum für Menschen

c) Lebensraum für Tiere und Pflanzen d) Luft- und Klimaschutz

e) Wasser- und Bodenschutz

18


REGIONALES ENTWICKLUNGSKONZEPT MARBURGER LAND GEBIETSANALYSE

Die Holznutzung und Weiterverarbeitung findet nur in Teilen innerhalb der Region durch holzverarbeitende

Betriebe (Sägewerk, Schreinereien) sowie Privatleute (z.B. für Brennholz) statt. Der Hauptanteil

an geerntetem Holz wird in andere Regionen exportiert.

Potentiale zur energetischen Nutzung land- und forstwirtschaftlicher Biomasse

Zur Zeit werden rd. 600 ha Energieraps (Verarbeitung zu Biodiesel) und 87 ha Energiemais (als Substrat

für Biogasanlagen) und rd. 50 ha Zuckerrüben / Energiegetreide (zur Bioethanol-Gewinnung)

angebaut. Das sind lediglich gut 7 % der Ackerfläche von 10 400 ha. Diese Ackerfläche teilt sich ansonsten

auf in knapp 7.000 ha Getreide, 2.500 ha Blattfrüchte (davon rd. 500 ha Silomais) sowie über

900 ha Flächenstilllegung / Nichtproduktion.

Eine „sinnvolle“ Fruchtfolge - Wirtschaftlichkeit und Konkurrenzsituation zur Nahrungsmittelproduktion

einbezogen - ermöglicht einen Blattfruchtanteil von bis zu 50 % (jetzt 24%) und einen Silomaisanteil

von bis zu 25 % (jetzt 5 %) zur Vermeidung von Monokulturen, Verminderung des Krankheitsrisikos

und auch von Wildschäden.

Dies bedeutet, dass für den Anbau von Energiemais als dem zentralen, nahezu konkurrenzlosen

Substrat für mögliche Biogasanlagen bis zu 2.000 ha zusätzlich angebaut werden könnten. Vorraussetzung

ist hier jedoch, dass der bisherige Umfang der Energiepflanzen für Biodiesel und Bioethanol

nicht ebenfalls großflächig ausgeweitet wird.

Zu berücksichtigen ist auch, dass der Energiepflanzenanbau aufgrund der Transportkosten und der

Rückführung der vergorenen Substrate auf die Flächen nur in einer Entfernung von bis zu 10 km um

die Anlage herum wirtschaftlich sinnvoll ist. Das verfügbare Flächenpotential reicht also unter Berücksichtigung

der Standortbedingungen aus, Biogasanlagen mit einer Gesamtleistung von 4 MW zu „füttern“.

Die zur Zeit in der Region vorgesehenen Anlagen in Ebsdorfergrund-Mölln und Heskem/ Wittelsberg

sowie in Amöneburg-Roßdorf und Marburg würden dieses Potential bereits ausschöpfen. Hier könnte

zur Entspannung der Fruchtfolgen in Ergänzung / teilw. Ersatz zu Energiemais auch Ganzpflanzen,

Grünlandaufwuchs u.a. siliert werden.

Eine Verknappung der Anbauflächen in Verbindung mit höheren Pachtpreisen zeichnet sich schon

jetzt ab. „Negativ“ ist auch die Explosion der Getreidepreise um bis zu über 50 % zu beurteilen, die

auch die Substratkosten für Biogasanlagen entsprechend beeinflusst. Biogasanlagen sind vor diesem

Hintergrund nur noch wirtschaftlich, wenn die durch das BHKW erfolgte Wärmefreisetzung (ca. ein

Drittel der erzeugten Gesamtenergie ) wirtschaftlich genutzt werden kann.

Die gebaute Anlage in Heskem-Mölln (Ebsdorfergrund), die die Gesamtschule sowie das Hallenbad in

Heskem mit Wärme versorgt, ist hierbei beispielgebend. Bei Ausnutzung des beschriebenen Biogaspotentials

sind jeweils rd. 15 bis 20 Mill. Kilowattstunden Stromeinspeisung und Wärmefreisetzung

verfügbar. Allein die Wärmenutzung würde es ermöglichen, in mehr als 1000 Haushalten das Heizöl

zu ersetzen und somit einzusparen.

Über die Biogasanlagen hinaus gibt es in der Region ebenfalls Überlegungen im Hinblick auf die Bioethanol-Gewinnung,

die Verflüssigung von Biorohstoffen, das sog. BTL-Verfahren (Biomass to liquid)

sowie zur Nutzung von Biomasse als Dämmstoffe und Verpackungsmaterial.

Für das Marburger Land zusammengefasst bedeutet dies bei gut 10.000 ha verfügbarem Ackerland:

a) Energiemais für Biogasgewinnung

Bis zu 2.000 ha mit je 20 Mio. kw Stromeinspeisung und Wärmefreisetzung. Dies bedeutet 3 Mio Euro

Einspeisevergütung sowie 2 Mio. Liter Öleinsparung (Wärmeversorgung von ca. 1000 Haushalten)

b) Holzzuwachs

20.000 Festmeter Schwachholz bringen 40 Mio. kw. Wärme und damit 4 Mio l Ölersparnis (Wärmeversorgung

von über 2000 Haushalten)

c) Energieraps

1.000 ha mit je 40 dt Ertrag und 40 % Ölgehalt sind realistisch anzustreben, erzeugt werden können

so 1,6 Mio Liter Pflanzenöl/Biodiesel

19


GEBIETSANALYSE REGIONALES ENTWICKLUNGSKONZEPT MARBURGER LAND.

d) Energiegetreide

1 ha Getreide (80 dt Ertrag) liefert rd. 3000 Liter Heizöläquivalent und versorgt somit einen durchschnittlichen

Bauernhaushalt mit Wärme. Mit einer Freigabe des Energiegetreides, zunächst nur für

die Getreideerzeuger, ist in Kürze zu rechen.

Rund 150 Bauernfamilien könnten mittelfristig umstellen (bei lediglich 150 ha Bedarf).

1.4.2 Industrie, Kleine und mittlere Unternehmen (KMU), Handwerk,

Allgemeine Dienstleistungen

Nach mehreren Jahren der Stagnation und Negativentwicklung durch die Verlagerung von Arbeitsplätzen

in andere Regionen und Länder (Rhein/ Main, Ostdeutschland, Osteuropa) spiegelt die derzeitige

wirtschaftliche Lage in der Region Marburger Land die aktuelle Aufbruchstimmung in Hessen

und der Bundesrepublik Deutschland wider. Die hier ansässigen Industrieunternehmen und Gewerbetreibenden

verspüren eine gestiegene Nachfrage aus dem In- und Ausland und stellen daher auch

wieder vereinzelt neue Mitarbeiter in ihren Betrieben ein. Dies ist insbesondere an den aktuellen Beschäftigungszahlen

abzulesen (siehe 1.3).

Dementsprechend hat die Zahl der Insolvenzen in den letzten beiden Jahren stark abgenommen, wohingegen

in den letzten zehn Jahren davor zahlreiche Firmen, insbesondere aus der Baubranche,

dem Handwerk u.a. Bereichen, für immer schließen mussten.

Die zeitweise forcierte Gründungswelle zu Beginn des Jahrzehnts hat sich wieder „normalisiert“ und

beginnt sich langsam wieder zu entwickeln, indem junge, neue Unternehmen - insbesondere in der

Stadt Marburg - versuchen langfristig Fuß zu fassen.

Die Wirtschaftsinfrastruktur der Region Marburger Land wurde in den letzten Jahren bereits ausgebaut

und verbessert. Insbesondere durch die bereits realisierten Umgehungsstraßen und dem vierspurigen

Ausbau der B3a wird die Region Marburger Land noch besser an bestehende Wirtschaftsregionen

(Rhein/Main bzw. Gießen/Wetzlar) angebunden. Der bisherige Standortnachteil einer unzureichenden

Verkehrsanbindung der Region wird damit endgültig aufgehoben und in Kombination mit

günstigen Baulandpreisen und dem Angebot an gut ausgebildeten Fachkräften zu einem Standortvorteil

umgewandelt.

Die bereits lange existierenden - zusammen mit den neu entstandenen bzw. geplanten - Gewerbegebieten

der Stadt Marburg - und der übrigen 4 Kommunen - bieten ein breites Angebot an Flächen

rund um die Stadt Marburg.

1.4.3 Tourismus

Situation der Tourismuswirtschaft

Das Marburger Land als markante und abwechslungsreiche, offene und bisweilen hügelige Mittelgebirgslandschaft

beidseitig der Lahn ist für Urlauber und Gäste sehr interessant und reizvoll, bietet aber

bislang zu wenige gut entwickelte, touristische Highlights.

Die Region ist aus diesem Grunde derzeit noch kein - über den Landkreis oder Hessen hinaus - bekanntes

und stark frequentiertes Ferien- bzw. Ausflugsziel.

Als Teil der erfolgreichen und aktuell mit dem Hessischen Tourismuspreis 2007 ausgezeichneten

Destination Lahntal bieten sich durch den weiteren Ausbau der Zusammenarbeit mit dem Lahntal

Tourismus Verband jedoch zukünftig sehr gute Entwicklungs- und Vermarktungschancen. Durch die

Kooperation mit anderen Kommunen und Regionen in verschiedensten touristischen Bereichen (z.B.

Wassersport, Gastronomie, etc.) bestehen gute Möglichkeiten, insbesondere den Rad-, Wander- und

Kanutourismus wesentlich zu beeinflussen und zu verbessern. Die durchgängige Befahrbarkeit der

Lahn nördlich von Weimar-Roth sowie die Verknüpfung der Region mit dem erfolgreichen Lahnradweg

durch den weiteren Ausbau des Radwegenetzes „Lange Hessen“ stehen dabei an vorderster

Stelle der notwendigen und geplanten Infrastrukturmaßnahmen.

20


REGIONALES ENTWICKLUNGSKONZEPT MARBURGER LAND GEBIETSANALYSE

Mit abwechslungsreichen und umweltverträglich ausgerichteten Aktiv- und Naturerlebnis-Angeboten

ist die Region Marburger Land als Teil des Lahntals somit für kulturell interessierte und für naturorientierte

Urlauber und Ausflügler gleichermaßen interessant.

Als touristisch bislang nur wenig erschlossenes Gebiet hat die Region bei genauer Betrachtung auch

heute schon mehr zu bieten als man als Außenstehender zunächst denken mag bzw. die reinen Übernachtungs-

und Besucherzahlen vermuten lassen.

45

40

35

30

25

20

15

10

5

0

8 7

Anzahl Übernachtungsbetriebe

2

Amöneburg Ebsdorfergrund Fronhausen Marburg, gesamt Weimar Region ML

Abbildung 24

24

5

46

200

175

150

125

100

75

50

25

0

2000

1750

1500

1250

1000

750

500

250

0

106

164

Anzahl Betten

40

Amöneburg Ebsdorfergrund Fronhausen Marburg, gesamt Weimar Region ML

Abbildung 25

Abbildung 26 Abbildung 27

Amöneburg Ebsdorfergrund Fronhausen Marburg, gesamt Weimar Region ML

Die Stadt Marburg selbst ist im Vergleich mit dem Marburger (Um-) Land als touristische „Hochburg“

im direkten Zentrum der Region zu bezeichnen. Dies ist auch deutlich an den hohen Übernachtungszahlen

abzulesen.

Dabei spielen insbesondere die zahlreichen Besucher der Altstadt mit Schloss, Universität und Elisabethkirche

sowie sehr viele Tagungs- und Seminargäste eine wichtige Rolle.

Dementsprechend ist auch das Angebot an Übernachtungsmöglichkeiten in der Stadt sehr viel höher

als in der Region Marburger Land. Die Gesamtzahl der Betten beträgt für die Region ca. 527 Betten

(ohne Gesamt-Stadt Marburg). Das Bettenangebot für die Gesamt-Stadt Marburg beträgt ca. 1597,

sodass in der Summe ca. 2124 Betten für die Region zur Verfügung stehen.

Gleiches gilt auch für die sonstige touristische Infrastruktur. Insbesondere das Angebot an Gaststätten

und Restaurants hat in den letzten Jahren in der Region Marburger Land weiter abgenommen.

Zwar hat sich mit diesem Wandel in der Gastronomie auch die Vielfalt der Küche an sich erhöht (Italiener,

Griechen, Türken), allerdings gibt es nur noch sehr wenige Betriebe, die mit Bezug zur Region

arbeiten und traditionelle Marburger bzw. Mittelhessische Küche anbieten.

Das Übernachtungsangebot ist sehr stark auf die Ansprüche der Besucher der Stadt Marburg ausgerichtet.

Und dazu zählen neben Besuchern des historischen Marburgs zunehmend immer mehr Tagungsgäste

sowie Besucher der Kliniken auf den Lahnbergen.

Ein entsprechend breit gefächertes Angebot von einfachen Frühstückspensionen bis zum 5-Sterne-

Luxus- und Verwöhnhotel kann die Stadt Marburg bieten.

Die Region Marburger Land ohne die Stadt Marburg-Kernstadt hingegen beschränkt sich eher auf

das untere und mittlere Preissegment. Dementsprechend ist die Auswahl an Restaurants, Gaststätten,

Hotels und Pensionen eher gering bis übersichtlich.

Das Thema Wellness bzw. Kur- und Badebetrieb stellt sowohl in der Stadt als auch im Umland bislang

- bis auf wenige einzelne Ausnahmen (z.B. das 5-Sterne-Hotel & Residenz Rosenpark) - derzeit

keine touristische Alternative dar.

13

23

10

1635

Anzahl Gastronomiebetriebe

153

115

11

2060

210

21


GEBIETSANALYSE REGIONALES ENTWICKLUNGSKONZEPT MARBURGER LAND.

Der Landkreis Marburg-Biedenkopf in Form der TouR GmbH organisiert derzeit in Abstimmung mit

den Kommunen den Ausbau und die Verbesserung der Infrastruktur in der Region, z.B. in Form von

Ergänzung des Radwegenetzes zwischen Fronhausen-Hassenhausen und Ebsdorfergrund-Hachborn

sowie weitere Teilstücke des Lange-Hessen-Weges zur Verbindung von Lahntalradweg und R6.

Die in der Landkreisverwaltung befindliche Vermittlungs- und Informationsstelle ist gleichzeitig Anlaufstelle

für Gäste und Besucher des gesamten Landkreises und damit auch der Region Marburger

Land. Zusätzlich steht das Tourismusbüro der Stadt Marburg (MTM) Besuchern der Region für Informationen

zur Verfügung.

Touristische Infrastrukturausstattung

Das Marburger Land bietet schon heute eine reichhaltige und gleichzeitig noch entwicklungs- und

ausbaufähige touristische Infrastruktur in unterschiedlicher Ausprägung und Qualität.

Die fünf Kommunen der Region arbeiten bereits eng zusammen, beispielweise bei der Neuausweisung

und Verbesserung des Wegenetzes insbesondere für Radfahrer, Wanderer und Pilger.

Speziell der seit vielen Jahren bestehende Lahntalradweg ist über die Region hinaus bekannt und

wird touristisch sehr gut vermarktet. Der starke Zuspruch seitens der Bevölkerung und der Urlauber

bestätigt die hohe Qualität und Attraktivität dieses überregionalen Radweges.

Großes Entwicklungspotential bietet die Infrastruktur insbesondere entlang der bekannten Rad-, Wander-

und Pilger-Routen. Teilweise nur vereinzelt findet man derzeit Verpflegungs-, Service- und

Infostationen, insbesondere abseits der Hauptroute des Lahntalradweges.

Sehr oft verlaufen Wegstrecken durch touristisch noch wenig oder kaum erschlossene Bereiche. Insbesondere

die gastronomische Versorgung ist momentan nicht zufriedenstellend. Doch auch das

Übernachtungsangebot ist stark entwicklungsfähig, da es bisweilen in manchen Teilen der Region

kaum Hotels, Gasthöfe oder Pensionen gibt. Auch private Anbieter von Betten sind eher unter repräsentiert.

22

Karte Nr. 3 : Hauptrouten der Region: Lahntalradweg, Radwege R1, R2 u. R6, Elisabethpfad E1 und E2


REGIONALES ENTWICKLUNGSKONZEPT MARBURGER LAND GEBIETSANALYSE

Besser ausgebaute und reichhaltigere Tourismus-Strukturen gibt es vornehmlich in der Kernstadt

Marburg und entlang der Lahn, beispielsweise in Niederweimar am Weimarer See.

Die übrigen Ortschaften am Lahntalradweg (z.B. Argenstein, Roth und Fronhausen) bieten bislang

hingegen nur ein begrenztes Angebot an touristischer Infrastruktur.

Abbildung 28: Wasser-Erlebnis im Seepark Weimar Abbildung 29: Wandern und Radfahren im

Amöneburger Becken

Die Lahn wird im südlichen Teil der Region bereits stark touristisch genutzt. Der sehr gut frequentierte

Bootseinstieg in Weimar-Roth ist nördlichster Punkt der aktuell befahrbaren Lahn für Wassersportler

(Kajak, Kanu, etc.). Durch die geplante Verbesserung der Durchgängigkeit der befahrbaren Strecke

Richtung Norden bietet sich für die Region Marburger Land ein zusätzlicher Schwerpunkt für die zukünftige

Ausrichtung der touristischen Arbeit und Angebote.

Abseits des Lahntalradweges bietet insbesondere die Amöneburg - als besonderes landschaftliches

und kulturhistorisches Highlight der Region - eine entsprechende gewachsene touristische Infrastruktur

(vom Besucherparkplatz bis zum Heimat-Museum). Die dort vorhandenen Einrichtungen und

Strukturen sind jedoch stark auf den Kernort Amöneburg selbst beschränkt. Die übrigen Ortschaften

in direkter Nähe (Roßdorf, Mardorf, Rüdigheim, Erfurtshausen) sind wenig in diese Konzeption eingebunden,

obwohl auch diese Ortschaften touristische Qualitäten aufweisen.

Das unmittelbar in der Nähe der Amöneburg gelegene Rauischholzhausen (Gemeinde Ebsdorfergrund)

hat ebenfalls lokale Bedeutung, da das Schloss Rauischholzhausen und der dazugehörige

Landschaftspark von besonderer kulturhistorischer und landschaftlicher Bedeutung sind und eine

große Anziehungskraft für Gäste, Besucher und Touristen ausstrahlt.

Abbildung 30: Weiterbildung und Kultur im Schloss

Rauischholzhausen

Abbildung 31: Ein Wahrzeichen: Kirche Fronhausen

23


GEBIETSANALYSE REGIONALES ENTWICKLUNGSKONZEPT MARBURGER LAND.

Die Nutzung für Kulturveranstaltungen, ebenso wie die Nutzung durch die Universität Gießen (Außenstelle

des Fachbereichs Agrarwissenschaften) sowie das Land Hessen (Bildungsseminar LLH),

bewirken bereits heute einen großen Zulauf sowohl von Privatpersonen, als auch von Mitarbeitern

von Behörden und den Universitäten.

Für die genannten, sowie die übrigen Ortschaften aller fünf Kommunen werden zukünftig individuelle

touristische Konzepte entwickelt werden müssen, welche die Besonderheiten und Möglichkeiten jedes

Ortes herausstellen und fördern. Die touristische Infrastruktur vor Ort ist dann den Möglichkeiten

und Ansprüchen der Nutzer und Besucher anzupassen.

Touristisches Entwicklungspotential in der Landwirtschaft

(Bauernhof- und Landurlaub)

Das touristische Entwicklungspotential in der Landwirtschaft bietet sich aufgrund der oben beschriebenen

Defizite in der touristischen Infrastruktur für zahlreiche Bereiche und Betriebe in besonderer

Weise an.

Das weitgehende Fehlen von (einfachen) Versorgungs- und Beherbergungsmöglichkeiten in weiten

Teilen der Region - insbesondere für Radfahrer, Wanderer und Pilger - bietet den landwirtschaftlichen

Betrieben an den ausgewiesenen Routen die Möglichkeit, ihren Standort sinnvoll zu nutzen und

schon mit einfachen Mitteln und wenig Aufwand ein touristisches Angebot für diese Zielgruppen zu

schaffen.

Insbesondere der hoch frequentierte Lahntalradweg sowie der geplante Radweg durch das Marburger

Land aber auch die (neu) ausgewiesenen Pilgerrouten (Elisabethpfad, Jakobsweg, Bonifatiusweg)

und Wanderwege bringen immer wieder Menschen in die Region, die als Gäste bewirtet werden

wollen oder eine Übernachtungsmöglichkeit suchen. Hier können schon sehr einfache Unterkünfte

- wie beispielweise ein Heuhotel - ein attraktives und gleichzeitig günstiges Angebot beispielsweise

für Radwanderer oder Pilger darstellen.

Im Umfeld der touristischen Highlights der Region (Amöneburg,

Schloss Rauischholzhausen, Weimarer See, Archäologisches

Freilichtmuseum Argenstein etc.) sowie der Stadt

Marburg bietet sich für Landwirte ebenfalls die Möglichkeit,

attraktive touristische Angebote zu entwickeln.

Die Möglichkeit ein eigenes touristisches Profil zu entwickeln,

in dem man für bestimmte Zielgruppen (z.B. Schulklassen,

Senioren, Landfrauen, Kinder, Familien) Angebote im Bereich

Freizeit und Erholung entwickelt, besteht zusätzlich und

ist relativ standortunabhängig.

Abbildung 32: Beispiel: Heuhotel für Kinder,

Familien und Pilger

1.4.4 Energiewirtschaft

Strukturen der Energieversorgung des Gebietes

Die Region Marburger Land gehört in den Versorgungsbereich der Stadtwerke Marburg, Stadtwerke

Gießen und von E.ON-Mitte. Alternative Strom-Anbieter stehen im freien Wettbewerb jeder Kommune

und jedem Privathaushalt als Alternative zur Auswahl.

Die Gasversorgung im Bereich Marburger Land wird ebenfalls durch die Stadtwerke Marburg und

E.ON-Mitte abgedeckt. Überwiegend ist die Region jedoch ohne Gasversorgung, obwohl sie von überregionalen

Hauptgasleitungen durchkreuzt wird.

Alternative Energieversorgungskonzepte auf kommunaler bzw. privater Ebene wurden bereits entwickelt

und in kleinerem und größeren Rahmen auch umgesetzt.

24


REGIONALES ENTWICKLUNGSKONZEPT MARBURGER LAND GEBIETSANALYSE

Insbesondere die Nutzung von Solarenergie (Photovoltaik, Solarthermie) und Holz (Pellets, Scheitholz,

Hackschnitzel) aber auch Luft- und Erdwärme stehen gerade im Privatbereich hoch im Kurs und

werden inzwischen auf breiter Ebene in allen Teilen der Region eingesetzt.

Auch kommunale Einrichtungen (Rathäuser, Bürgerhäuser, Feuerwehren, etc.) werden mittlerweile in

diese Energieversorgungskonzepte mit einbezogen. Durch den Bau von Biogasanlagen und die Nutzung

der dort anfallenden Wärme, insbesondere durch öffentliche Einrichtungen, wie z.B. die Gesamtschule

und das Hallenbad in Heskem-Mölln (Gemeinde Ebsdorfergrund), besteht eine sehr gute

und vorbildliche Möglichkeit alternative Energiekonzepte sinnvoll und effektiv umzusetzen.

Die inzwischen weit verbreitete Errichtung von Photovoltaikanlagen, insbesondere im privaten (aber

auch landwirtschaftlichen) Bereich, wird noch weiter zunehmen und durch kommunale und gemeinschaftliche

Projekte weiter vorangetrieben.

Zahlreiche Bürgersolaranlagen, die von der Marburger Sonneninitiative e.V. initiiert wurden, sind bereits

umgesetzt worden. Dazu zählen unter anderem die Photovoltaikanlagen auf dem Dorfgemeinschaftshaus

in Ebsdorfergrund-Wermertshausen, der Sporthalle in Ebsdorfergrund-Heskem, der

Mehrzweckhalle in Ebsdorfergrund-Wittelsberg, dem Bürgerhaus Fronhausen und einem landwirtschaftlichen

Gebäude in Marburg-Moischt.

Die Potentiale zur energetischen Nutzung land- und forstwirtschaftlicher Biomasse wurde bereits in

Kapitel 1.4.1 eingehend erläutert.

Potenziale der Energieeinsparung - Maßnahmen zur Steigerung der Energieeffizienz

Die Potenziale zur Energieeinsparung sind sowohl im öffentlichen, als auch im privaten Bereich sehr

umfassend und breit gefächert.

Das „Kompetenzteam Erneuerbare Energien“ des Landkreises Marburg-Biedenkopf geht von ca.

20 % Energieeinsparungsmöglichkeit in den nächsten 5 Jahren aus.

Das Thema Energieeinsparung ist auch Schwerpunkt verschiedener Informationsveranstaltungen,

wie z.B. des kommunalen Energieforums des Landkreises (mit 80 Ausstellern) am 29 September

2007 in Marburg-Cappel.

1.4.5 Kulturwirtschaft

Die Region hat ein vielfältiges kulturelles Angebot, das von privaten Initiativen und den Vereinen vorwiegend

getragen wird. Darüber hinaus organisieren die Kommunen die verschiedensten Veranstaltungen

und Feste, die das Kulturprogramm abrunden.

Für die Region wichtige kulturtreibende Vereine sind u.a.:

Der Verkehrs- und Verschönerungsverein Fronhausen, Heimat- und Kulturverein Bellnhausen, Kulturund

Förderverein Alte Kirche Niederweimar, Bürger- und Kulturverein Wenkbach, Förderkreis Kultur

in der Region Weimar.

Diese und andere Vereine organisieren alljährlich die Heimat- und Dorffeste, Kirmes und die verschiedensten

Märkte, wie auch die Kulturveranstaltungen in den Ortsteilen der Gemeinde. Darüber

hinaus gibt es ein breites Spektrum von Initiativen, die sich mit der Geschichte der Region und der

Dörfer auseinander setzen.

Die herausragenden kulturellen Highlights sind das Summer-Fun-Festival in Ebsdorfergrund-Heskem,

der Kunst- und Kulturmarkt in Ebsdorfergrund, der „Autofreier (Erlebnis-) Sonntag 2007“, der Martinsmarkt

in Amöneburg, Karneval in Roßdorf, Ostereiermarkt in der Stadt Amöneburg sowie der

Dorfmarkt in Wenkbach.

Die Marburger Zeitung und die Oberhessische Zeitung berichten auf ihren regionalen Seiten über regionale

und kulturelle Ereignisse und widmen sich regelmäßig speziellen und kulturellen Themen aus

den Gemeinden. Zahlreiche Mitteilungsblätter bringen vielfältige kulturelle Themen und Veranstaltungshinweise,

die von den Bewohnern auf Grund der vielen „Geschichten und Anekdoten“ gelesen

werden.

25


GEBIETSANALYSE REGIONALES ENTWICKLUNGSKONZEPT MARBURGER LAND.

Nicht zu vergessen ist das vielseitige Angebot der Stadt Marburg mit dem Theater, den Museen, den

Kulturbühnen, den Rock- und Musik-Events, Studentenfeiern ,Straßen- und Bürgerfesten.

1.5 Umweltsituation und Landnutzung

Umweltsituation generell

Das Marburger Land ist eine ländliche Region, die geprägt ist durch einen hohen Anteil

landwirtschaftlicher und forstwirtschaftlicher Flächen. Die meist kleineren bis mittleren Ortschaften der

Region liegen gleichmäßig verstreut in einer relativ offenen Landschaft.

Die Auenbereiche der Lahn und ihrer Nebenflüsse bzw. der Ohm treten deutlich als Lebensadern der

Landschaft zum Vorschein. Diese wertvollen und sensiblen Bereiche besitzen heute das größte ökologische

Potenzial und sind Heimat und Standort zahlreicher Tier- und Pflanzenarten.

Als besonderes Beispiel der nachhaltigen Verbesserung der allgemeinen Umweltsituation in der Region

ist die Brut eines Weißstorchenpaares im Sommer 2007 zu bezeichnen. In Rauischholzhausen

gelang erstmals seit 40 Jahren im Landkreis Marburg-Biedenkopf die erfolgreiche Wiederansiedlung

und Brut dieser bekannten Vogelart. Zu erwähnen ist auch der Bau der Fischaufstiegstreppe im Bereich

der Zwester-Ohm, Ortsteil Bellnhausen.

Ein weiteres Highlight der Region stellt das Naturschutzgebiet

„Amöneburg“ dar. Dabei handelt es sich um eines

der ältesten Naturschutzgebiete Hessens.

In der Region Marburger Land gibt es rund um die Siedlungsbereiche

zum einen flach ausgebreitete, ausgedehnte

Agrarlandschaften, in denen bereits seit Jahrhunderten

konventionelle und auch ökologische Landwirtschaft betrieben

wird. Zum anderen gibt es dazwischen immer wieder

Inseln und Bänder von Schutzgebieten, die die Region

wie ein Netz durchziehen.

Abb. 33: Storchennest in Rauischholzhausen

Diese als Naturschutz- oder Landschaftsschutzgebiete geschützten Bereiche wurden in den letzten

Jahren und Jahrzehnten immer weiter ausgedehnt, miteinander verknüpft und um wichtige Bereiche

erweitert, sodass bereits heute ein großer Teil der wichtigsten Landschaftsbestandteile langfristig gesichert

ist.

Diese für die allgemeine Umweltsituation der Region überaus wichtigen Flächen bilden das Gegengewicht

zu den insbesondere im Osten und Süden der Region befindlichen guten bis sehr guten Ackerflächen,

die auch zukünftig für eine moderne und zeitgemäße Landwirtschaft zur Verfügung stehen

sollen.

Der Aufbau eines „Blauen Bandes“ zur Vernetzung der o.g. Naturschutzflächen in den Auenbereichen

von Ohm, Zwester-Ohm und Lahn sowie die Einbindung der sonstigen Schutzgebiete (wie Amöneburg)

in dieses Netz stellt eine wesentliche Strukturierung der Landschaft dar, die dazu beiträgt, die

Gesamtsituation von Natur und Umwelt zu verbessern. Ein Teilbereich der Zwester-Ohm von ca. 10

km wurde im Rahmen einer Renaturierungsmaßnahme bereits hergestellt.

Die Grundstruktur des Natur- und Lebensraumes der Region wird geprägt durch eine weitestgehend

unbelastete Landschaft, die sich dadurch auszeichnet, dass es kaum überregionale, Verkehrstrassen

(wie z.B. Autobahn, ICE-Strecke) bzw. nur ein durchschnittliches Verkehrswegenetz gibt. Das Fehlen

von Schwerindustrie rund um die Stadt Marburg trägt zusätzlich dazu bei, dass die Luftqualität besonders

hoch ist.

26


REGIONALES ENTWICKLUNGSKONZEPT MARBURGER LAND GEBIETSANALYSE

Diese sehr guten Rahmenbedingungen werten den Landschaftsraum der Region besonders auf und

machen ihn sowohl als Wohn- und Wirtschaftsraum, aber auch als Erholungs- und Freizeitgebiet im

Umfeld des Oberzentrums besonders attraktiv.

Land- und forstwirtschaftliche Bodennutzung mit Umweltrelevanz

Große Teile der Region Marburger Land wurden seit jeher landwirtschaftlich genutzt. Insbesondere

das Amöneburger Becken stellt noch heute eine der größten zusammenhängenden Ackerflächen

Hessens dar. Aber auch weitere Flächen rund um Ebsdorf, Fronhausen, Niederweimar und Niederwalgern

stehen vorrangig für eine ackerbauliche Nutzung zur Verfügung.

Mit dieser Nutzung geht eine mehr oder minder intensive Bodenbewirtschaftung einher. Gerade im

Bereich Ackerbau wird in der konventionellen Landwirtschaft durch den Einsatz großflächiger Landmaschinen,

den Einsatz von Dünge- und Pflanzenschutzmitteln die natürliche Bodenfauna und -flora

entsprechend beeinträchtigt bzw. unterdrückt.

Durch die Ausweitung des ökologischen Landbaus gibt es gebietsweise bereits Verbesserungen dieser

Strukturen, allerdings sind die Auswirkungen stark räumlich begrenzt.

Durch eine Landwirtschaft nach guter fachlicher Praxis im Mix mit ökologischer Landwirtschaft können

die Belastungen für Boden und Wasser auf ein Minimum reduziert bzw. ausgeschlossen werden,

sodass auch zukünftig Land- und Forstwirte in der Region eine nachhaltige Arbeitsgrundlage finden

können.

Ökologischer Landbau

Der ökologische Landbau in der Region Marburger Land hat sich in den letzten Jahren weiter etabliert.

Mittlerweile gibt es ca. 30 ökologisch wirtschaftende Betriebe, was einem Anteil von ca. 6% entspricht.

Die von ihnen bewirtschaftete Fläche hingegen beträgt ca. 1330 ha, was einem Flächenanteil

von knapp 10% entspricht. Diese Ökobetriebe sind also überdurchschnittlich groß und werden meist

auch im Haupterwerb geführt.

Eine Ausdehnung der Markt- und Flächenanteile für die Zukunft ist möglich. Allerdings stehen die

Öko-Betriebe in starker Konkurrenz zueinander und zu den konventionellen Betrieben. Gleichzeitig

drängen ausländische Anbieter auf den deutschen Markt. Aufgrund der noch ständig steigenden

Nachfrage nach ökologisch produzierten Lebensmitteln - nicht nur in Deutschland - bestehen gute

Chancen den Anteil des ökologischen Landbaus weiter auszubauen und dadurch auch einen Beitrag

zu Erhalt und Entwicklung von Natur und Landschaft in der Region Marburger Land zu leisten.

Schutzgebietssystem Natura2000

Das Schutzgebietssystem Natura2000 mit den gemeldeten FFH- und Vogelschutzgebieten ist in der

Region Marburger Land mit 12 Flächen und in allen fünf Kommunen vertreten. Die einzelnen Schutzgebiete

umfassen neben dem zentralen Bereich der Lahn südlich von Marburg viele Flächen, die häufig

am Rande der Gebietsumgrenzung der Region liegen.

Folgende Natura2000-Flächen gibt es aktuell:

5017-305 Lahnhänge zwischen Biedenkopf und Marburg

(FFH)

5219-304 Wald zwischen Roßberg und Höingen

(FFH)

5218-301 Kleine Lummersbach bei Cyriaxweimar (FFH) 5219-401 Amöneburger Becken (VR)

5218-401 Lahntal zwischen Marburg und Gießen (VR) 5219-303 Ohmwiesen bei Rüdigheim (FFH)

5218-302 Lahnaltarm von Bellnhausen (FFH) 5119-301 Brückerwald und Hußgeweid (FFH)

5218-303 Zwester Ohm (FFH) 5414-450 Steinbrüche in Mittelhessen (VR)

5291-301 Amöneburg (FFH)

Tabelle 2

27


GEBIETSANALYSE REGIONALES ENTWICKLUNGSKONZEPT MARBURGER LAND.

Die Gesamtgröße der genannten Flächen umfasst ca. 1400 ha, was einem Anteil von über 5% der

Gesamtfläche der Region entspricht. Die größten Flächen hierbei stellen das Lahntal (ca. 730 ha),

das Amöneburger Becken (ca. 700 ha), der Brückerwald (ca. 400 ha) und der Wald bei Roßberg (ca.

370 ha) dar.

Sonstige Schutzgebiete des Naturschutzes und der Wasserwirtschaft

Die übrigen Schutzgebietsflächen umfassen sowohl Naturschutzgebiete, Landschaftsschutzgebiete,

als auch Wasserschutzgebiete. Wobei von der Wertigkeit die Naturschutzgebiete von besonderer Bedeutung

sind und mit dem NSG Amöneburg sogleich auch eines der ältesten hessischen Naturschutzgebiete

vertreten ist.

Die Naturschutzgebiete der Region Marburger Land :

„Kleine Lummersbach bei Cyriaxweimar“, Marburg-Cyriaxweimar; „Lahnaltarm bei Bellnhausen“, Fronhausen-Bellnhausen;

(„Teufelsgraben“, Marburg-Wehrda - Kernstadtbereich); „Frauenberg bei Beltershausen“,

Ebsdorfergrund-Beltershausen; „Kehnaer Trift“, Weimar-Kehna; „Teichwiesen bei Heskem“, Ebsdorfergrund-Heskem;

„Unter dem Wolfsberg“, Weimar-Wolfshausen/ Marburg-Ronhausen; „Amöneburg“, Amöneburg

um Kernstadt

Von zentraler Bedeutung für das Biotopverbundsystem der Region Marburger Land und der Naturräume

Lahntal und Amöneburger Becken sind die zahlreichen Landschaftsschutzgebiete, die große

Teile der schützenswerten Tal- und Auenbereiche von Lahn, Zwester-Ohm, Ohm und ihrer Nebenflüsse

umfassen.

Die amtlich festgesetzten Wasserschutzgebiete finden sich vornehmlich am Rande bzw. außerhalb

der Grenzen der Region. Dabei bilden der Norden, Osten und Süden den räumlichen Schwerpunkt

der Trinkwasserschutzgebiete, die sich rund um Marburg-Wehrda, Kirchhain, Amöneburg-Roßdorf

und Allendorf (Lumda) konzentrieren.

Im zentralen Bereich der Region befinden sich nur zwei kleinere Einheiten in der Nähe von Bauerbach

und von Ronhausen. Der Westen, das Lahntal sowie große Teile von Fronhausen und Ebsdorfergrund

sind weitestgehend frei von Wasserschutzgebietsflächen. Heilquellenschutzgebiete sind in

der gesamten Region nicht vorhanden.

Gewässerzustand (Oberflächengewässer und Grundwasser) und

die regional bedeutsamen Maßnahmen nach der europäischen Wasserrahmenrichtlinie

Situation und Zustand der Fließgewässer der Region Marburger Land sind als gut bis durchschnittlich

zu bezeichnen. Die Bewertung der Gewässergüte erfolgt für Lahn, Ohm und Zwester-Ohm fast

durchgängig in Güteklasse II, d.h. das Gewässer ist biologisch nur mäßig belastet. Einzelne Zu- und

Nebenflüsse werden in Abschnitten sogar als nur gering belastet eingestuft.

Die hessische Gewässer-Strukturgütebewertung hingegen liefert schlechtere Ergebnisse, da der

Großteil der Fließgewässer von Lahn, Ohm und Zwester-Ohm nur in die Strukturgüteklasse 4 (deutlich

verändert) bzw. Klasse 5 (stark verändert) und Klasse 6 (sehr stark verändert) eingestuft wird. Die

Struktur der kleineren Nebengewässer reicht ebenfalls von Stufe 4 (deutlich verändert) bis Stufe 7

(vollständig verändert). Die intensive landwirtschaftliche Nutzung sowie die Ausbreitung von Siedlungsflächen

insbesondere im Lahntal, haben die Gewässerstrukturen nachhaltig negativ beeinflusst.

Gering veränderte bzw. nur mäßig veränderte Fließgewässer sind in der Region sehr selten und nur

in Ausnahmefällen auf kürzeren Streckenabschnitten beispielsweise im Westen der Region im Bereich

der Gewässer Allna, Ohe und ihren Nebenflüssen zu finden.

Die den Anforderungen der EU-Wasserrahmenrichtlinie WRRL unterliegenden Fließgewässer der

Region wurden im Hinblick auf die Zielerreichung „guter ökologischer Zustand“ aufgrund ihrer strukturellen

Beschaffenheit der Kategorie „Zielerreichung unklar“ zugeordnet, für die „Alte Ohm“ erfolgte gar

eine Zuordnung in die Kategorie „Zielerreichung unwahrscheinlich“. Es besteht somit für alle Gewässer

erheblicher Handlungsbedarf.

28


REGIONALES ENTWICKLUNGSKONZEPT MARBURGER LAND GEBIETSANALYSE

Teilweise existieren für einzelne Gewässer wie Allna, Mittlere Lahn und Rulfbach bereits Rahmenpläne

oder -konzepte, die eine Grundlage für konkrete Umsetzungsmaßnahmen darstellen und daher bei

der Umsetzung der WRRL zur Erreichung eines guten und ökologischen Zustands der oberirdischen

Gewässer entsprechend zu berücksichtigen sind.

Vorhandene gravierende Landnutzungskonflikte

insbesondere in Schutzgebieten oder beim Gewässer- und Auenschutz

Besonders gravierende Landnutzungskonflikte bestehen bei den ausgewiesenen Schutzgebieten in

der Regel nicht. Lediglich im Bereich von Flurneuordnungsmaßnahmen im Zuge von Straßenbaumaßnahmen

werden durch die Planung und Umsetzung von Ausgleichsmaßnahmen, beispielsweise

im sog. Bekassinenloch bei Amöneburg, der Landwirtschaft Flächen „entzogen“, womit die bisherigen

Eigentümer und Nutzer nicht immer einverstanden sind. Es handelt sich hierbei allerdings um sehr

hochwertige Wiesenflächen, die in ihren ursprünglichen Zustand zurückversetzt werden sollen und

die einen wichtigen Beitrag für den Naturschutz und das Biotopverbundsystem leisten.

Der steigende Flächendruck durch die wieder gestiegene Nachfrage nach Pachtland durch Landwirte

zur Produktion von Nahrungsmittel und von Bio-Rohstoffen, wirft die Frage auf, inwieweit ein zunehmender

Grünlandumbruch in Auenbereichen und ein stärkerer Anbau von Mais und anderen Energiepflanzen

für die Gewässer- und Auenbereiche zukünftig noch verträglich ist.

Entwicklungskonzepte und -projekte des Naturschutzes

Ein Hauptprojekt des Naturschutzes in der Region Marburger Land ist die Einrichtung eines Biotop-

Verbundsystems „Blaues Band“. Hierdurch lassen sich die zahlreich vorhandenen Schutzgebiete

(FFH-Gebiete, Vogelschutzgebiete, Landschaftsschutzgebiete und sonstige Auenbereiche der Fließgewässer)

miteinander verknüpfen und zu einem durchgängigen Schutzgebiet entwickeln. Ziele sind

die Erhaltung und Verbesserung der Fließgewässer und ihrer Strukturen, die Sicherung der Grünlandflächen,

die Offenhaltung der Talräume, die Sicherung und Verbesserung der Trittsteinfunktion der

Biotope auf der interkontinentalen Vogelfluglinie Skandinavien – Afrika.

Regionales Agrarumweltkonzept (RAK)

Das Regionale Agrarumweltkonzept für den Landkreis Marburg-Biedenkopf befindet sich derzeit in

Aufstellung und wird im Laufe der nächsten Monate erstellt und abgestimmt. Da momentan noch keine

konkreten Ergebnisse vorliegen, können Aussagen des RAK noch nicht in das REK übernommen

werden. Durch eine enge Verzahnung von Regionalem Entwicklungskonzept (REK) und Regionalem

Agrarumweltkonzept (RAK) besteht zukünftig die Möglichkeit, verschiedene Maßnahmen aus beiden

Bereichen sinnvoll miteinander zu verknüpfen und bedarfsgerecht aufeinander abzustimmen. Zu nennen

sind hier beispielweise die Themen touristische Infrastruktur (Stichwort: Wegenetz) sowie die

Neuordnung der Flurlagen (Stichwort: Flurbereinigung, Freiwilliger Land-/ Nutzungstausch), die direkt

zusammengehören und sich gegenseitig positiv beeinflussen können. Um hier Verbesserungen und

Synergieeffekte zu ermöglichen, sind REK und RAK deshalb im Laufe der gesamten Förderperiode

ständig miteinander abzugleichen und weiter miteinander zu verknüpfen.

29


GEBIETSANALYSE REGIONALES ENTWICKLUNGSKONZEPT MARBURGER LAND.

1.6 Lebensqualität

1.6.1 Infrastruktur und Dienstleistungseinrichtungen

Die Region Marburger Land ist als lebenswerte und infrastrukturell gut ausgestattete Region im direktem

Umfeld und Wirkungsfeld des Oberzentrums Marburg zu bezeichnen.

Dementsprechend sind insbesondere im nahen Umfeld der Stadt die Infrastruktur und die Dienstleistungseinrichtungen

für die Stadtteile der Stadt Marburg durch die Einrichtungen in der Stadt bzw. den

Randbezirken abgedeckt.

Durch die Nähe zur Stadt und die meist tägliche Fahrt der Bewohner in die Stadt ergab sich hier über

die Jahre hinweg ein immer weiter fortschreitender Abbau und Rückgang der Versorgungseinrichtungen

in den Stadtteilen Marburgs, sodass heute in den eher dörflichen Stadtteilen Marburgs nur noch

wenig eigene Infrastruktur vorhanden ist.

Die Situation in den Kommunen Amöneburg, Ebsdorfergrund, Fronhausen und Weimar wird in Teilen

ebenfalls von der Stadt Marburg beeinflusst. Aufgrund der größeren Entfernung sowie der Eigenständigkeit

der Kommunen hingegen, haben sich im direkten Vergleich doch noch mehr Strukturen erhalten.

Erkennbar ist aber auch hier zunehmende Konzentration von Angeboten in zentralen Orten der Kommunen.

Zu nennen sind hier beispielsweise die Ortschaften Amöneburg, Dreihausen, Ebsdorf, Fronhausen,

Niederweimar und Niederwalgern. Diese Siedlungen haben schon seit jeher und alleine

aufgrund ihrer Größe eine wichtige Position in der Versorgung der Menschen. Die in diesen Bereichen

konzentrierte Nachfrage bewirkt ein dementsprechend breites Angebot an Infrastruktur (beispielsweise

Apotheke, Schule, Einzelhandel, Gaststätten, Veranstaltungs- und Versammlungsstätten,

Sporteinrichtungen, etc.) bzw. Dienstleistungseinrichtungen (Bank, Post, Arzt).

Weiterführende Schulen gibt es außerhalb der Stadt Marburg in Weimar-Niederwalgern, Ebsdorfergrund-Heskem

und Amöneburg.

Verkehrsanbindungen, ÖPNV

Im Bereich des Öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) stellt das Stadtbusnetz der Stadt Marburg

eine fast optimale Versorgung der Kernstadt sowie der angebundenen Stadt- und Ortsteile dar. Für

manche Stadtteile der anderen Kommunen hingegen besteht nur eine unzureichende Anbindung. Die

stark auf die Schülerbeförderung ausgerichteten Fahrzeiten machen eine ganztägige bzw. ganzjährige

Nutzung für Beruf und Freizeit kaum möglich.

Kultur- und Bildungseinrichtungen

Das Angebot an Kultur- und Bildungseinrichtungen in der Region Marburger Land besteht neben den

Angeboten in der Stadt Marburg (u.a. mit Hessischem Landestheater, Stadthalle, Kinos, Bibliotheken,

Volkshochschule, etc.) im Wesentlichen aus kommunalen und oft auch kirchlichen Einrichtungen.

Hierzu zählen in erster Linie die Bürger- und Dorfgemeinschaftshäuser, die Kindergärten, die verschiedenen

Schulen sowie die Kirchen mit ihren eigenen Kultur- und Bildungsstätten.

Neben zahlreichen kommunalen, schulischen Büchereien gibt es zusätzlich auch Angebote der Kirchen

sowie einiger Vereine und Verbände, z.B. im Bereich Kultur/ Geschichte sowie Natur/ Umwelt.

Eine weitere Besonderheit stellt das Jugendwaldheim Roßberg (Gemeinde Ebsdorfergrund) dar, welches

als Heim- und Bildungsstätte Programme speziell für Jugendliche und Lehrer zur Vermittlung

einer „Ökologische Grundbildung“ anbietet.

Soziale und medizinische Versorgung und Betreuung

Die medizinische Versorgung und Betreuung kann in Anbetracht der direkten Nähe zur Universitätsklinik

Marburg sowie der Versorgung mit Allgemein- und Fachärzten in der Region als sehr gut bezeichnet

werden.

30


REGIONALES ENTWICKLUNGSKONZEPT MARBURGER LAND GEBIETSANALYSE

Durch den Verbund der Uni-Klinik Marburg mit der Uni-Klinik Gießen als Universitätsklinikum Gießen

und Marburg GmbH steht in unmittelbarer Nähe ein weiteres medizinisches Versorgungszentrum zur

Verfügung. Zahlreiche Spezial-, Fach-, Privat- und Reha-Kliniken ergänzen das überdurchschnittliche

Angebot.

Die Anzahl der Fach- und Allgemeinärzte in der Region ist als eher durchschnittlich zu beurteilen. Eine

Verbesserung der Situation wäre in einzelnen Bereichen bzw. Teilen der Region wünschenswert.

Die Versorgung mit Allgemein- und Hausärzten ist momentan zufriedenstellend.

Im Bereich der sozialen Versorgung und Betreuung bestehen Angebote sowohl seitens der Kommunen,

als auch seitens kirchlicher und privater Verbände und Vereine. Für die Kommunen steht dabei

meist die gesetzlich geregelte Versorgung von Arbeitslosen und sozial schwachen Menschen und

Familien im Vordergrund. Zusätzlich gibt es individuell unterschiedlich ausgeprägte Bereiche, wie die

Betreuung von Kleinkindern, Kindern, Schülern, Jugendlichen, Frauen und Senioren und Seniorinnen.

Andere Bevölkerungsgruppen werden beispielsweise über die „Bürgerhilfe Ebsdorfergrund“ (Verein)

angesprochen und versorgt.

Neben den genannten kommunalen und privaten Angeboten im sozialen Sektor spielen die Kirchen

der Region eine wichtige und entscheidende Rolle. Im Vordergrund steht hierbei die seelsorgerische

Betreuung von Menschen sowie die Versorgung und Betreuung von Kranken, Pflegebedürftigen und

Senioren. Aber auch Angebote für Kinder, Jugendliche, Erwachsene und „junge Senioren“, insbesondere

im Bereich Freizeit, stellen Aufgabenschwerpunkte der kirchlichen Arbeit dar.

Nahversorgung mit Gütern und Energie

Die Nahversorgung mit Gütern und Energie in der Region Marburger Land ist als sehr unterschiedlich

ausgeprägt zu beschreiben. Während im Nahbereich der Stadt Marburg sowie der bestehenden

Grundzentren eine gute bis sehr gute Versorgung festzustellen ist, gibt es mit zunehmender Entfernung

zur Stadt und mit abnehmender Bevölkerungszahl des Ortes eine merkliche Verschlechterung

des Angebotes.

Die Versorgung mit Lebensmitteln und sonstigen Dingen des täglichen Bedarfs wird teilweise in den

Dörfern nur noch über fahrende Händler (Bäcker, Metzger etc.) aufrecht erhalten. Nachbarschaftsläden

und kleinere private „Tante-Emma-Läden“ gibt es hingegen kaum.

Die Versorgung mit Energie ist ganzflächig in der Region sichergestellt. Die regionalen Anbieter

(Stadtwerke Marburg und Gießen sowie E.ON-Mitte) unterhalten ein flächendeckendes Versorgungsnetz,

sodass fast 100 % der Haushalte mit Energie, d.h. Strom versorgt werden können. Die Versorgung

mit Erdgas und Nahwärme hingegen ist auf kleinere, stadtnahe Bereiche beschränkt. Der ländliche

Bereich der Region hingegen ist nur in geringem Umfang Bestandteil des Gas- und Nahwärme-

Versorgungsnetzes. Hier besteht entsprechender Nachholbedarf bzw. es besteht die Möglichkeit für

Alternativangebote.

Als Alternativangebote können unter anderem dezentrale Biogasanlagen dienen.

Dienstleistungseinrichtungen zur Grundversorgung

Die Grundversorgung der Bürgerinnen und Bürger der Region Marburger Land im Bereich Dienstleistungen

sind in weiten Teilen – zumindest in den Grundzentren - noch vorhanden. Ähnlich wie bei der

Versorgung mit Gütern hingegen besteht in kleineren Ortschaften aber ein Versorgungsengpass. Vielerorts

haben sich Bank oder Post aus der Fläche zurückgezogen und bieten nur noch eingeschränkte

Dienstleistungen über Post-Agenturen oder Mobile Bankschalter an.

Kommunale Dienstleistungen werden in der Regel im Kernort der Stadt bzw. der Gemeinde angeboten.

Daneben üben auch die Ortsvorsteher der Orts- bzw. Stadtteile und die Stadtverwaltungen in ihren

wöchentlichen Sprechstunden direkt vor Ort einen Teil dieser Leistungen aus.

31


GEBIETSANALYSE REGIONALES ENTWICKLUNGSKONZEPT MARBURGER LAND.

Kommunikations- und Informationseinrichtungen

Die Situation im Bereich Kommunikation und Information ist unabhängig von der guten Versorgung in

der Stadt Marburg entwicklungsfähig. Insbesondere im Bereich der neuen Medien (Internet, DSL,

Mobilfunk, UMTS, DVB-T) besteht Nachholbedarf.

Beispielsweise die in Teilen unzureichende Versorgung der regionalen Haushalte mit einem kostengünstigen

Breitbandanschluss (DSL) stellt einen Nachteil der ländlichen Region dar.

Als weitere Kommunikationseinrichtungen werden verstärkt auch die zahlreich, d.h. fast in jedem

Ortsteil, vorhandenen Bürgerhäuser oder Dorfgemeinschaftshäuser genutzt. Zur Wiederbelebung des

dörflichen Lebens finden hier immer häufiger regelmäßige Treffen von Menschen aller Alterstufen

statt. Dazu zählen unter anderem Seniorentreffen, Krabbelstuben, Spielkreise, Altennachmittage, Jugendtreffs

und ähnliche Veranstaltungen.

Im ländlichen Bereich gibt es zahlreiche Schulbibliotheken und zusätzlich kommunale Büchereien in

den Rathäusern bzw. Bürgerhäusern der Region.

Über das Internet stehen den meisten Bürgern zudem über die Homepages der fünf Kommunen zahlreiche,

ausführliche und tagesaktuelle Informationen zur Verfügung. Ergänzt wird dieses Angebot

durch die Seiten des Landkreises Marburg-Biedenkopf sowie seit Mai 2007 durch die Homepage des

Marburger Landes.

Öffentliche Internet-Terminals, beispielsweise in Geschäften oder Bürgerhäusern für Bürger ohne eigenen

Internet-Anschluss, gibt es derzeit in Rüdigheim, Dreihausen und Niederweimar.

Freizeiteinrichtungen

Das Angebot im Bereich Freizeit und Erholung ist gut und breit gefächert.

Eine Palette zahlreicher Sport- und Freizeiteinrichtungen findet man nahezu in jedem Ortsteil. Allerdings

konzentrieren sich in zentralen Orten die verschiedensten Freizeiteinrichtungen. Dennoch ist

die Versorgung der einzelnen Ortschaften als gut bis sehr gut zu beschreiben.

In größeren Ortschaften bzw. den Kernorten werden diese Einrichtungen ergänzt durch Tennisplätze,

Schießanlagen, Sporthallen, Mehrzweckhallen, Minigolf, öffentlichen Parkflächen, Skateranlagen,

Kegelbahn, Sportfelder (z.B. Basketball), Reitanlagen, Schwimmbad oder Schwimmhalle, etc.

Als besondere Freizeiteinrichtungen der Region sind folgende Dinge besonders hervorzuheben:

�� Reich strukturiertes aber ergänzungsbedürftiges Rad- und Wanderwegenetz entlang der Lahn,

rund um die Amöneburg sowie in den übrigen Bereichen der Region (z.B. Lange Hessen auf

L3048)

�� zahlreiche Parkanlagen und Grünanlagen; hervorzuheben sind u. a. der Schlosspark Rauischholzhausen

(Gem. Ebsdorfergrund), die Anlage der Burgruine auf der Amöneburg sowie auf dem

Frauenberg und der Brackeborn in Fronhausen

�� in allen Kommunen, d.h. fast allen Orts- und Stadtteilen stehen Kinderspielplätze sowie Bolzplätze

in ausreichender Anzahl zur Verfügung

�� von den örtlichen Vereinen werden eine Vielzahl von Sportplätzen, Tennisanlagen, Sporthallen,

Mehrzweckplätzen, Kegelbahnen und Schießsportanlagen betrieben

�� ergänzt wird das Angebot durch ein Segelfluggelände in Amöneburg, zahlreiche Schutzhütten mit

Grillplätzen im Außenbereich der Kommunen, das Hallenschwimmbad „GrundBad“ in Heskem

(Gem. Ebsdorfergrund), eine Kanu-Slalomstrecke sowie ein Bootsverleih in Marburg, Reithallen

und -anlagen in mehreren Ortschaften der Region sowie den Weimarer See als überregionales

Freizeitzentrum mit einem Angebot für Wassersport jeglicher Art

�� Lahn als Bootsgewässer und Einstiegstelle in Weimar-Roth

�� zudem ist die Kernstadt Amöneburg „staatlich anerkannter Erholungsort“

32


REGIONALES ENTWICKLUNGSKONZEPT MARBURGER LAND GEBIETSANALYSE

Künftig werden Seniorinnen und Senioren stärker als Nutzer von Freizeiteinrichtungen in den Vordergrund

rücken, da ihre Anzahl stark zunehmen wird und sie auf Grund der körperlichen Fitness steigende

und neue Ansprüche an Einrichtungen für Freizeit und Erholung stellen werden.

Auswirkungen des demografischen Wandels

Die in den bisherigen Kapiteln schon angesprochenen Veränderungen in allen Teilen des gesellschaftlichen

Lebens als Auswirkung des demografischen Wandels - nicht nur in der Region Marburger

Land - werden in den nächsten Jahren und Jahrzehnten teilweise noch erheblich zunehmen.

Durch die stark unterschiedlichen Situationen in den einzelnen Kommunen, den einzelnen Stadt- und

Ortsteilen aber auch in jeder Familie ist es schwierig, konkrete Handlungsempfehlungen zu geben.

Die stark individuell ausgeprägten Probleme müssen einzeln betrachtet werden. Projekte und Maßnahmen,

z.B. in DE-Förderschwerpunkten können hier gute Beispiele für andere Ortschaften sein.

1.6.2 Entwicklung der Dörfer und Städte

Dorferneuerung

In den vergangenen 20 Jahren haben sich in den Dörfern der Region grundlegende Wandlungen vollzogen.

Die Anzahl der landwirtschaftlichen Betriebe hat sich in nahezu dramatischer Weise verringert.

Dies insbesondere durch die Aufgabe vieler Betriebe in Folge fehlender Nachfolge oder / und wirtschaftlicher

Grundlagen. Dies hat bewirkt, dass heute fast in jedem Ort die Wirtschaftsgebäude leerstehen,

untergenutzt sind und bereits teilweise verfallen. Mancherorts gilt das auch für Wohngebäude.

Damit einher geht die zunehmende außerörtliche Erwerbstätigkeit, verbunden mit einem Freizeitverhalten,

was eine Identität der Bewohner mit ihrem Dorf schwinden lässt.

In vielen Bereichen wurden Grundversorgungsangebote sowie Dienstleistungseinrichtungen aus den

Ortsteilen abgezogen, was eine erhebliche Verschlechterung der Versorgungssituation nach sich gezogen

hat. Grundschule und Kindergärten sind nur noch dort angesiedelt, wo auch eine entsprechende

Nachfrage nach Kindergärten oder Schulplätzen gegeben ist. Eine Konzentration findet mehr und

mehr in den Kernorten statt.

Hinsichtlich der Siedlungsentwicklung haben sich die Dörfer vorrangig an den Ortsrändern mit Neubaugebieten

entwickelt. Nur dort, wo die Dorferneuerung Zeichen setzten konnte, konnten ehem.

landwirtschaftlich genutzte Wirtschaftsgebäude zu Wohnungen oder auch zu kleingewerblichen Nutzungen

ausgebaut und saniert werden. Eine Verdichtung in den Ortskernen fand bisher nur in geringem

Maße auf zur Verfügung stehenden Freiflächen statt.

Wie die Statistik zu Bevölkerungsentwicklung (vgl. 1.2 ff) zeigt, wird eine Veränderung der Altersstruktur

und ein Bevölkerungsrückgang bis 2020 zu verzeichnen sein. D.h., dass zunehmend ältere und

weniger Menschen in der Region leben werden. Sicherlich wird es in einzelnen Bereichen und hier

mit Blick auf die Ortsteile der Stadt Marburg unterschiedliche Entwicklungen geben.

In Anbetracht dieser Situation muss Ziel sein, die Entwicklung der Dörfer auf die alten Ortskerne zu

konzentrieren und auf die weitere Ausweisung von Neubaugebieten zu verzichten. Nur dort wo es

städtebaulich und auch bei entsprechender Entwicklung verträglich ist, sollten Arrondierungen (Wohnen

und Gewerbe) an den Rändern stattfinden.

Gerade unter Berücksichtigung der vorh. technischen Infrastrukturausstattung (Straßen, Strom, Wasser

und Abwassernetz) macht es Sinn, sich auf die bestehenden Ortslagen zu konzentrieren, was

auch die Wirtschaftlichkeit der Anlagen für die Kommunen erheblich günstiger gestalten wird.

Künftige kommunale Entwicklungsplanung muss daher auf einen „geordneten“ aber auch „kreativen“

Rückbau ausgerichtet sein, der zum einen alternative Umnutzungskonzepte in bestehender Bausubstanz

und interessante zukunftsweisende Lösungen bei Neubauten auf vorh. bebaubaren Freiflächen

in der Ortslage zulässt. Zum anderen aber auch in enger Kooperation mit der Denkmalpflege Lösungen

ermöglicht, die einen behutsamen Rückbau nicht mehr schützenswürdiger Bausubstanz einräumt.

33


GEBIETSANALYSE REGIONALES ENTWICKLUNGSKONZEPT MARBURGER LAND.

Das Dorferneuerungsprogramm bietet für zukunftsweisende Entwicklungsstrategien und –konzepte

gute Grundlagen, die es in der Förderperiode 2008 – 2013 von den Gemeinden der Region umzusetzen

gilt.

Denkmalpflege

Die Denkmalpflege hat dazu beitragen können, dass viele Kulturdenkmäler und städtebauliche Gesamtanlagen

in den Dörfern erhalten werden konnten. In Verbindung mit den privaten Initiativen zur

Erhaltung historisch wertvoller Bausubstanz konnte auch durch teilweise finanzielle Unterstützung

kulturelles Erbe gesichert und auch genutzt werden.

Durch den zunehmenden Gebäudeleerstand in den Dörfern sind immer mehr Kulturdenkmäler und

die überlieferten Dorfstrukturen insgesamt vom Verfall bedroht. Hier steht der Denkmalschutz vor einer

großer Aufgabe, die nicht allein zu bewältigen ist. Die teilweise vorherrschende Praxis jede

Scheune und jeden Schuppen erhalten zu wollen, kann auf Dauer nicht dazu beitragen, das Leben in

den Dörfern zu sichern und wird bei vielen Eigentümern von Kulturdenkmälern zu einer zurückhaltenden

Investitionsbereitschaft und fehlender Motivation zur Sanierung und Erhaltung der Gebäude führen.

Die Folge wird ein zunehmender Verfall der Bausubstanz sein. Hier muss in der Denkmalpflege ein

Umdenken stattfinden und es müssen Initiativen entwickelt werden, um gemeinsam mit den Eigentümern

individuelle Lösungen zu finden.

In Verbindung mit der Dorferneuerung besteht die Möglichkeit denkmalpflegerische Aufgaben gemeinsam

anzugehen und zukunftsweisende Ideen für historische Bausubstanz zu finden. Eine aktive

Beratung vor Ort wird dabei eine zentrale Aufgabe sein und insbesondere was die Energieeinsparung

(Fassadendämmung) an z.B. Fachwerkgebäuden betrifft, wird sich die Denkmalpflege auf eine breitgefächerte

Diskussion einstellen müssen.

Bevölkerungsentwicklung

Die in den vorhergehenden Kapiteln teilweise schon beschriebenen Veränderungen in der Bevölkerungsentwicklung

werden erhebliche Auswirkungen auf das Gefüge der Städte und Dörfer haben.

Durch die zunehmende Überalterung der Bevölkerung, insbesondere in den ländlichen Kommunen

und Orten, verändert sich die Zusammensetzung der Dorfbevölkerung in erheblichem Ausmaß.

Die früher als „Bevölkerungspyramide“ beschriebene Aufteilung der Menschen in Altersgruppen wird

sich derart wandeln, dass nicht mehr die jüngsten Bewohner in der Überzahl sind, sondern die älteren

Bürgerinnen und Bürger.

Diese erhebliche Zunahme der Menschen im fortgeschrittenen Alter bzw. im Ruhestand und der

gleichzeitige Rückgang der Gesamtbevölkerungszahlen - bedingt durch die geringe Geburtenrate und

den ausbleibenden Zuzug von Menschen außerhalb der Region - führt zu einer gewissen „Überalterung“

der dörflichen, ländlichen Bevölkerungsteile.

In besonderem Ausmaß von dieser Problematik betroffen sind die historischen Ortskerne der Region.

Da hier vielmals die zumeist älteren Eigentümer die ehemals landwirtschaftlich genutzten Hofreiten

alleine bewohnen und die Nachfolger das Dorf verlassen oder in die angrenzenden Neubaugebiete

gezogen sind.

Durch den meist noch anhaltenden Trend der Entleerung der Ortskerne „bluten“ die alten Ortslagen

immer weiter aus. Die noch verbliebenen älteren Bürger bleiben oft „unter sich“ und eine Durchmischung

der Altersklassen im täglichen Leben findet kaum noch statt. Das Zusammenleben von mehreren

Generationen unter einem Dach bzw. in einem Dorf bleibt eher die Ausnahme und es droht die

Vereinsamung der Menschen im Dorf.

Gebäudeleerstände

In engem Zusammenhang mit den vorgenannten Auswirkungen der veränderten Bevölkerungsentwicklung

steht der zunehmende Leerstand insbesondere landwirtschaftlicher Höfe und Gebäude.

34


REGIONALES ENTWICKLUNGSKONZEPT MARBURGER LAND GEBIETSANALYSE

Zwar liegt sowohl für den Landkreis Marburg-Biedenkopf, als auch für die Region Marburger Land

keine flächendeckende Bestandserhebung vor. Dennoch gibt es für einzelne exemplarische Orte wie

z.B. Marburg-Schröck, detaillierte Kartierungen, die im Rahmen von Einzelprojekten der Dorferneuerung

durchgeführt wurden.

Dabei konnten die allgemein beschriebenen Annahmen belegt werden, dass bereits heute sehr viele

Gebäude (ca. 50-70 %) der ehemals landwirtschaftlich genutzten Anwesen leerstehen oder nur noch

als Unterstellmöglichkeit für nicht mehr genutzte Geräte und Fahrzeuge dienen.

Die begrenzten finanziellen Möglichkeiten der Besitzer (zumeist Rentner mit niedrigen Bezügen) verhindern

einen Umbau oder eine Umnutzung der Gebäude, zumal auch kaum Nachfrage in den Orten,

insbesondere nach neuem Wohnraum herrscht.

Die Situation der Wohnhäuser in den alten Ortslagen, aber auch teilweise schon in den Einfamilienhausgebieten

der 50er, 60er und 70er Jahre ist ähnlich. Zwar gibt es hier noch nicht einen so hohen

Leerstandsanteil, allerdings sind die Eigentümer und Bewohner meist schon in einem fortgeschrittenen

Alter und bewohnen die oftmals großen Häuser alleine oder zu zweit. Die fehlende Bereitschaft,

in diese Gebäude zu investieren, machen eine weitere Nutzung (Vermietung, Verkauf) zukünftig umso

schwerer.

Baugebietsreserven

Ähnlich wie beim Punkt Gebäudeleerstand liegen auch hierzu noch keine genauen Ergebnisse einer

umfassenden Untersuchung bzw. Bestandserhebung im Landkreis Marburg-Biedenkopf oder in der

Region vor. Nicht beziffern lässt sich das Potential in den gewachsenen Ortslagen.

Hierbei handelt es sich nicht nur um bislang unbebaute Wohnbaugrundstücke sondern auch um nicht

mehr genutzte landwirtschaftliche Hof-, Neben- und Wirtschaftsflächen (wie Wiesen, Obstgärten,

Nutzgärten, Stellflächen). Auch der Abriss abgängiger oder nicht mehr genutzter Nebengebäude

(Ställe, Scheunen, Schuppen, Garagen) birgt ein gewisses Reservepotential, das nicht näher zu beziffern

ist.

Die exemplarische Bestandsaufnahme von Leerstand und Baugebietsreserven in Schröck im Rahmen

der Dorferneuerung gibt auch hier einen guten Anhaltspunkt bei der Bewertung der Situation in

der Region Marburger Land. Für Marburg-Schröck (einen Ort mit ca. 1.800 Einwohnern und ca. 55 ha

Siedlungsfläche) ließen sich ca. 80-90 Grundstücke ermitteln, die für eine Bebauung innerhalb der

Ortslage mit Neubaugebieten aktuell zur Verfügung stehen.

Unter Berücksichtigung der Tatsache, dass zumindest ein Teil der ehemals landwirtschaftlichen Gebäude

abgerissen und durch Neubauten ersetzt werden könnte, ergibt sich für Schröck ein noch größeres

Potential an Baugrundstücken.

Überträgt man diese Werte auf die übrigen 49 Ortschaften der Region, könnte man davon ausgehen,

dass mehrere hundert bis tausend Bauplätze bzw. bebaubare Flächen in den bestehenden Ortslagen

und Neubaugebieten aktuell bzw. zukünftig (nach Abriss) zur Verfügung stehen.

Energiesparpotential

Die Entwicklung der Dörfer und Städte steht in direktem Zusammenhang mit dem Thema Energie, da

durch die Steuerung der Umstrukturierungsprozesse in den ländlichen Siedlungsbereichen auch Potentiale

für Energieeinsparmaßnahmen abgeprüft werden können.

Zu nennen ist hier beispielsweise die Versorgung einzelner Siedlungseinheiten mit regenerativer

Energie. Dadurch wird es möglich alternative Energiequellen zu erschließen oder die eingesetzte

Energiemenge deutlich zu reduzieren.

Desweiteren stellt die Sanierung einzelner Gebäude oder Hofanlagen bzw. alter Ortskerne die Möglichkeit

dar, den Energieverbrauch deutlich zu senken. Hierbei spielen insbesondere Wärmedämmmaßnahmen

und neue Heiz- und Wärmetechniken eine besondere Rolle.

35


GEBIETSANALYSE REGIONALES ENTWICKLUNGSKONZEPT MARBURGER LAND.

Durch die Wiederbelebung der Ortskerne und Konzentration der Versorgungseinrichtungen an zentraler

Stelle wird gleichzeitig der Individualverkehr innerhalb des Ortes bzw. in die Umgebung oder in die

Stadt reduziert, was ebenfalls zu einer erheblichen Reduzierung des Energieverbrauchs beitragen

kann.

Entwicklungstendenzen

Deutliche Unterschiede und Tendenzen in der Entwicklung der Strukturen von Dörfern und Städten

innerhalb der Region sind bereits heute zu erkennen.

Dabei bestehen z.B. deutliche Unterschiede zwischen stadtnahen und stadtfernen Ortsteilen. Es ist

festzustellen, dass in den Stadt- und Ortsteilen nahe der Stadt Marburg deutlich weniger Abwanderungs-

und Überalterungstendenzen spürbar sind und auch das Problem Gebäudeleerstand nicht so

ausgeprägt ist.

Im Gegensatz dazu sind in entfernteren Orten diese Probleme oftmals viel ausgeprägter. Auch die

Versorgung in diesen Ortsteilen ist meist deutlich schlechter, was oftmals zu einer weiteren Entleerung

der Dörfer führt, da junge Familien hier seltener leben möchten als in stadtnahen Gebieten.

Im Vergleich mit anderen Teilen des Landkreises oder Regionen ohne direkten Bezug zu einem

Oberzentrum sieht die Situation für die Region Marburger Land insgesamt noch relativ positiv aus.

Die geringe Entfernung zum Oberzentrum und die guten Strukturen in den Kernorten der Kommunen

gewährleisten eine gute Versorgung und bieten die Möglichkeit, den in Ansätzen schon erkennbaren

negativen Trends durch gezielte Maßnahmen entgegenzusteuern.

Problembereiche in sozialen Strukturen

Die sozialen Strukturen der Dörfer der Region Marburger Land können als gewachsen und intakt bezeichnet

werden. Die meist seit Jahrhunderten bestehenden Dörfer rund um Marburg haben eine lange

Tradition und ihre Bewohner sind sehr eng mit ihren Dörfern und der Region verbunden.

Die dörfliche Prägung der Menschen ist eng verwurzelt mit dem landwirtschaftlichen Leben und Arbeiten

auf dem Lande. Die räumliche Enge der Region und der enge Kontakt untereinander haben es

aber dennoch nicht verhindert, dass sich die Dorfgemeinschaften in den einzelnen Orten unterschiedlich

entwickelt haben. Bedingt durch Unterschiede in der historischen, politischen und religiösen Zugehörigkeit

haben sich die sozialen Strukturen über die Jahrhunderte entwickelt und ausgebildet.

Bedarf für kooperative und überörtliche Einrichtungen

Es besteht in der Region Marburger Land nicht nur ein Bedarf sondern bereits auch die Erkenntnis für

die dringende Notwendigkeit kooperativer und überörtlicher Einrichtungen in allen Ebenen des täglichen

Lebens.

Aus diesem Grunde wurden bereits verschiedene Projekte in Zusammenarbeit verschiedener Kommunen

der Region auf unterschiedlichen Ebenen initiiert.

Als ein Beispiel ist hier die interkommunale Zusammenarbeit der beiden Gemeinden Amöneburg und

Ebsdorfergrund im Bereich der Abwasserentsorgung und -behandlung. Die Gemeinde Ebsdorfergrund

hat im August die Betriebsführung der drei Kläranlagen in Mardorf, Amöneburg und Erfurtshausen

sowie die Pumpstation in Rüdigheim (alles Stadtteile der Stadt Amöneburg) übernommen. Beide

Seiten versprechen sich hiervon verschiedene Synergieeffekte, die über die bisherigen Erfahrungen

im Rahmen der Zusammenarbeit des Abwasserverbandes Rauischholzhausen-Roßdorf hinausgehen.

Insbesondere ein effektiver Personaleinsatz, die Sicherung von Arbeits- und Ausbildungsplätzen und

die Verbesserung des technischen Know-Hows stehen dabei im Vordergrund der Zusammenarbeit

der beiden Kommunen. Eine Ausweitung dieser Kooperation auf Regionsebene wäre denkbar und

sinnvoll.

36


REGIONALES ENTWICKLUNGSKONZEPT MARBURGER LAND GEBIETSANALYSE

1.6.3 Natürliches und kulturelles Erbe, Landschaft und Landnutzung

Landschafts- und kulturhistorische Besonderheiten

Mentalitäten

Die Menschen der Region Marburger Land können auf eine jahrhundertealte Tradition und Geschichte

zurückblicken. Nicht nur die Universitätsstadt Marburg sondern auch andere Orte wie Amöneburg,

Rauischholzhausen, Beltershausen-Frauenberg, Wittelsberg, Ebsdorf, Niederweimar und Fronhausen

haben ihren Platz in den Geschichtsbüchern der Region.

Bedeutend für die Menschen waren oft kirchliche Einflüsse und Ereignisse, beispielsweise die Gründung

eines Klosters auf der Amöneburg im Jahre 721 durch Bonifatius, das Wirken der Heiligen Elisabeth

im 13. Jahrhundert und ihre Heiligsprechung, der Bau der Elisabethkirche im Jahre 1235, die

sehr schnell zum Wallfahrtsort wurde und die Gründung der ältesten protestantischen Universität im

Jahre 1527 durch Philipp den Großmütigen.

Die Menschen, insbesondere in den kleineren Orten, sind auch heute noch stark vom kirchlichen Leben

geprägt und beeinflusst. Dabei spielen - historisch bedingt –- sowohl die katholische als auch die

protestantische Kirche eine wichtige Rolle in der Region.

Imageausprägung

Das Image der Region Marburger Land wird ebenfalls stark geprägt von historischen und kirchlichen

Ereignissen und Personen, die hier gelebt und gewirkt haben.

Diese weit bis in 8. Jahrhundert zurückreichende Geschichte von knapp 1300 Jahren hat ein Image

entstehen lassen, das auch heute noch das Bild einer altehrwürdigen Universitätsstadt mit stark kirchlich

geprägtem Umland vermittelt.

Das spannungsreiche Nebeneinander der beiden großen christlichen Konfessionen innerhalb dieser

Region prägen die Kulturlandschaft dieses überschaubaren Landstrichs. Noch heute zeugen die Kirchen

und zahlreichen Kleindenkmale (wie Wegekreuze und Bildstöcke) der katholischen Enklave

rund um die Amöneburg vom Einfluss des Mainzer Bischofs.

Die weitestgehend erhaltenen Stadt- und Dorfstrukturen mit ihren Kirchen, Fachwerkwohnhäusern

und großen landwirtschaftlichen Hofanlagen geben den Bewohnern und den Besuchern ein Gefühl

von Tradition, Bodenständigkeit und Geborgenheit. Die Menschen fühlen sich hier wohl und identifizieren

sich mit ihrer Heimat. Durch die nach Marburg kommenden Studenten bleiben die Stadt und

das Land dennoch jung und modern.

Dieser Mix aus Alt und Neu, aus Tradition und Moderne, steht heute für eine moderne Region, die

sich und die Menschen bereit macht für die Zukunft.

Bezugnahme zu Nationalparks, Geoparks, Biosphärenreservaten

Ein Bezug oder Zusammenhang der Region Marburger Land zu Nationalparks etc. besteht lediglich

im Falle des Nationalparks Kellerwald. Aufgrund der größeren Entfernung zu Rhön und Odenwald

gibt es jedoch kaum Berührungs- und Anknüpfungspunkte zu Geoparks und Biosphärenreservaten.

Der Nationalpark Kellerwald ist Teil der Region Kellerwald-Edersee. Aufgrund der Entfernung (ca.

30km) bestehen zwar bislang kaum direkte Bezüge zwischen der Region Marburger Land und dem

Nationalpark Kellerwald. Jedoch für Besucher und Gäste, die sich in Mittelhessen aufhalten und hier

Urlaub machen, ist der einzige hessische Nationalpark von erheblicher Bedeutung. Die Stadt Marburg

ist nach Kassel das nächstgelegene Oberzentrum, sodass sowohl Bewohner als auch Gäste der Region

Marburger Land den Nationalpark als Ausflugsziel nutzen.

37


GEBIETSANALYSE REGIONALES ENTWICKLUNGSKONZEPT MARBURGER LAND.

1.7 Bisheriger Einsatz strukturverbessernder Programme und

Maßnahmen

Dorferneuerung

Mit Hilfe des Dorferneuerungsprogramms konnten in den Förderschwerpunkten eine Vielzahl von

strukturverbessernden Maßnahmen, aber auch sehr speziell auf die Dörfer und auf die Projektträger

zugeschnittene zukunftsweisende und nachhaltige Vorhaben realisiert werden. Von den insgesamt 17

Förderschwerpunkten wurden bis heute 11 Verfahren abgeschlossen. 6 sind noch in der laufenden

Förderperiode.

Abgeschlossene DE-Förderschwerpunkte

(mit Angabe Ende Förderperiode)

38

Laufende DE-Förderschwerpunkte

(mit Angabe Ende Förderperiode):

Amöneburg-Roßdorf (1996) Amöneburg-Mardorf (bis 2008)

Ebsdorfergrund-Beltershausen (1987) Ebsdorfergrund-Hachborn (bis 2009)

Ebsdorfergrund-Ebsdorf (1991) Ebsdorfergrund-Ilschhausen (bis 2009)

Ebsdorfergrund-Heskem/Mölln (1998) Fronhausen-Sichertshausen (bis 2012)

Fronhausen-Bellnhausen (1990) Marburg-Schröck (bis 2013)

Fronhausen-Holzhausen (1994) Weimar-Allna (bis 2015)

Fronhausen-Fronhausen (2001)

Marburg-Hermershausen (1990)

Marburg-Michelbach (2003)

Weimar-Kehna (1994)

Weimar-Niederwalgern (2003)

Förderbilanz Dorferneuerung LK Marburg-Biedenkopf 2000-2006

Anzahl der

Maßnahmen

Investitionskosten Förderfähige Kosten Zuschuss

Summe kommunal 86 2.417.865,92 € 2.296.505,51 € 1.670.458,14 €

Summe privat 225 6.952.572,91 € 6.496.550,80 € 1.797.784,60 €

Gesamt

Tabelle 3

311 9.370.438,83 € 8.793.056,31 € 3.467.932,74 €

Vornehmlich wurde im privaten Bereich die Umnutzung von ehemaligen Wirtschaftsgebäuden zu

Wohnzwecken sowie die Schaffung von zusätzlichen Arbeitsplätzen und kleingewerblichen Einrichtungen

in alten Gebäuden gefördert. Die Gestaltung und Sanierung von wohnungsnahen Freiräumen

waren weitere Förderungsgegenstände.

Im öffentlichen Bereich waren die Projekte vornehmlich auf die Erhaltung und den Ausbau / die Sanierung

von bestehenden Gemeinschaftseinrichtungen, wie Bürgerhäuser / Dorfgemeinschaftshäuser,

Backhäuser, Jugendräume für gemeinschaftliche und generationsübergreifende Aktivitäten ausgerichtet.

Die Gestaltung und Neuanlage von innerörtlichen Straßen und Platzräumen als dörfliche

Kommunikationspunkte sowie die Durchführung kultureller Projekte, die das Gemeinschaftsleben und

die Vereinsarbeit unterstützen konnten, waren weitere Hauptaufgaben.

Festzustellen ist, dass durch die Aktivitäten in den Förderschwerpunkten auch Impulse für die anderen

Ortsteile der Kommunen gegeben werden konnten. Der Blick für eine zukunftsorientierte Dorfentwicklung

konnte vor allem bei den politischen Entscheidungsträgern geschärft werden, was eine gute

Grundlage für die anstehende Regionalentwicklung bieten wird.


REGIONALES ENTWICKLUNGSKONZEPT MARBURGER LAND GEBIETSANALYSE

Als besondere Dorferneuerungsprojekte sind hervorzuheben:

�� Amöneburg-Roßdorf: Umbau des Dorfgasthauses „Goldener Stern“ zu

Altenpflegewohnungen und einer Diakoniestation mit Dorftreff.

�� Ebsdorfergrund-Ebsdorf: Durchführung einer hohen Zahl privater Bauvorhaben zur Dorfentwicklung

mit einem Anteil an Umnutzung von

historischer Bausubstanz, zur Stärkung des Ortskerns und

Pflege des Ortsbildes, große umfangreiche Maßnahmen

zur Straßenraumgestaltung.

�� Fronhausen-Fronhausen: Großer Umfang an Maßnahmen zur Erhaltung

denkmalgeschützter Bausubstanz. Bau einer landwirtschaftlichen

Gemeinschaftsanlage.

�� Marburg-Michelbach: Errichtung einer Kulturscheune in Vereinsträgerschaft. Durchführung

von Grünprojekten durch die Bürgerinnen und Bürger

(Obstbaumprojekt) und Einrichtung eines Dorfladens.

�� Weimar-Kehna: Revitalisierung des kleinen Dorfes durch Umnutzung einer

ehemaligen landwirtschaftlichen Hofanlage für den Verein

„Gemeinschaft in Kehna“ (anthroposophische Lebens- und

Arbeitsgemeinschaft)

�� Weimar-Niederwalgern: Erhaltung der Grundversorgung in der Ortsmitte und Bau

einer landwirtschaftlichen Gemeinschaftsanlage.

Die Ergebnisse der Dorferneuerungsverfahren sind unterschiedlich, da sich auch die Schwerpunktsetzung

des Dorferneuerungsprogramms im Laufe der Zeit gewandelt hat. Lag zu Beginn der 1980er

Jahre die Schwerpunktsetzung im Bereich der städtebaulichen Entwicklung, so war in der Folgezeit

die „Gemeinwesenarbeit“ in den Dörfern - und hier die Partizipationsmöglichkeiten - für die Bevölkerung

ein wichtiges Anliegen des Programms.

In Folge der allgemeinen sich verändernden wirtschaftlichen Verhältnisse und der zurückgehenden

Finanzkraft der Kommunen ist heute Ziel der Dorfentwicklung die Eigenverantwortung, die Identifikation

und auch das soziale und kulturelle Engagement und damit das Ehrenamt der Bürgerinnen und

Bürger zu motivieren und „die Mithilfe / Eigenleistung“ in allen Bereichen zu stärken („Hilfe zur

Selbsthilfe“).

In Anbetracht der zu erwartenden Folgen der demografischen Entwicklung wird bei den neuen Förderschwerpunkten

vor allem Wert auf zukunftsweisende Entwicklungsstrategien gelegt, die einen

„behutsamen und geordneten Rückbau“ in bestehenden Altort-Bereichen und zukünftig ggf. auch der

Neubaubereiche (1970er Jahre Baugebiete) zum Ziel haben müssen.

Stadterneuerung / Stadtumbau

Das Landesprogramm Einfache Stadterneuerung wurde bisher lediglich in der Stadt Amöneburg

durchgeführt und ist abgeschlossen. Weitere Förderschwerpunkte der Einfachen Stadterneuerung

wurden von den Kommunen bislang nicht beantragt.

Allerdings besteht die Absicht für das Landesprogramm Einfache Stadterneuerung weitere Orte und

hier die Kernorte für das Landesprogramm Einfache Stadterneuerung anzumelden.

Im Sinne der regionalen Verflechtung wird von den Kommunen geprüft, ob Chancen für die Aufnahme

in das Programm „Stadtumbau in Hessen“ bestehen und die Durchführung des Verfahrens gegeben

sind.

Fazit

In den Kommunen der Region Marburger Land besteht die feste Absicht die vorhandenen Förderprogramme

zu bündeln und den Einsatz noch effizienter für die Zukunft der Entwicklung zu nutzen.

39


GEBIETSANALYSE REGIONALES ENTWICKLUNGSKONZEPT MARBURGER LAND.

Nach Anerkennung der Region als LEADER-Projekt soll in Verbindung mit der Dorfentwicklung und

dem gezielten Einsatz anderer Landes- und Bundesprogramme die Entwicklung in Angriff genommen

werden. In Folge der Überschaubarkeit der Region und den günstigen Rahmenbedingungen kann

von einem effizienten Mitteleinsatz der Programme und von einem zielorientierten und zeitnahen Einsatz

der Mittel ausgegangen werden.

Flurneuordnung

Im Mittelpunkt der Flurneuordnung steht sowohl die Verbesserung der Produktions- und Arbeitsbedingungen

in der Land- und Forstwirtschaft als auch die Lösung von Landnutzungskonflikten und die

Erhaltung der ökologischen Vielfalt und der landwirtschaftlichen Schönheit der Kulturlandschaft.

Schon seit jeher wurden die unterschiedlichen Instrumentarien der Flurbereinigung auch im Landkreis

Marburg-Biedenkopf und der Region Marburger Land eingesetzt.

Die Gemarkungen rund um Marburg und in der Gemeinde Weimar sind überwiegend zwischen 1900

und 1950 in einer Flurbereinigung neu geordnet worden. Bedingt durch Straßenbauprojekte (B3a

Fronhausen und Marburg, L3048 im Ebsdorfergrund und B62 im Bereich Amöneburg) sind aktuell

3000 ha oder 11,1 % der Gesamtfläche der Region in großzügig abgegrenzt laufenden Unternehmens-Flurbereinigungsverfahren

(§ 87 FlurbG).

Die Flurneuordnung leistet aber auch heute noch - wenn auch mit anderen neuen Verfahren - einen

wichtigen Beitrag zur Sicherung der Grundlagen einer nachhaltigen Landnutzung.

Die Flurneuordnung ist ein wichtiges Instrument zur Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit der land- und

forstwirtschaftlichen Betriebe. Die Anpassung der Wirtschaftsflächen nach Lage, Form und Größe an

die durch den fortschreitenden Agrarstrukturwandel veränderten betrieblichen Erfordernisse und die

Erschließung der Flurlagen durch ein zweckmäßiges Wege- und Gewässernetz führen zu einer erheblichen

Einsparung an Arbeitszeit und Kosten.

Um dieses Ziel zu erreichen, wird neben einer Zusammenlegung von Eigentumsflächen verstärkt

auch die Verbesserung der Pachtstrukturen durch Abschluss von neuen Nutzungsregelungen

(Freiwilliger Nutzungstausch) angestrebt.

Die abgeschlossenen und derzeit noch laufenden Verfahren in der Region Marburger Land sind der

Karte (Abb. 16) zu entnehmen.

40

Karte Nr. 4: Karte der aktuellen Flurbereinigungsverfahren


REGIONALES ENTWICKLUNGSKONZEPT MARBURGER LAND GEBIETSANALYSE

Als Besonderheit und Neuerung der Flurneuordnung ist das von der Universität Gießen, Fachbereich

Agrarwissenschaften, initiierte und bislang betreute Verfahren des Freiwilligen Nutzungstausches in

den beiden Ortschaften Marburg-Schröck und Amöneburg-Rüdigheim zu bezeichnen.

In enger Zusammenarbeit von Universität, Ortslandwirten, örtlichen Landwirten und der Abteilung

Landwirtschaft des Fachbereichs Ländlicher Raum des LK Marburg Biedenkopf wurde deshalb in den

beiden genannten Orten eine tiefgehende und intensive Untersuchung des Ist-Zustandes durchgeführt,

um darauf aufbauend mit den Beteiligten neue Lösungen zur Verteilung der Nutzflächen im

Rahmen eines freiwilligen Nutzungstausches zu entwickeln und zu organisieren. Nach anfänglichen

Schwierigkeiten bei der Überzeugung und Motivation der Landwirte sind bereits Erfolge zu verzeichnen,

die zu einer wesentlichen Verbesserung für einzelne Landwirte geführt haben. Die Arbeit soll

weiter fortgesetzt werden und insbesondere Dinge, wie die Anlage eines Ortsringweges zur Verbesserung

der Fahrbeziehungen und zur Entlastung der Ortslage weiter forciert werden.

41


GEBIETSANALYSE REGIONALES ENTWICKLUNGSKONZEPT MARBURGER LAND.

1.8 Zusammenfassende SWOT-Analyse

Im Rahmen von SWOT-Analysen werden nachfolgend die internen Stärken und Schwächen (Strength

und Weakness) sowie die externen Chancen und Risiken (Opportunities und Threats) der einzelnen

Handlungsfelder für die Region Marburger Land dargestellt und beschrieben.

Anhand der vorliegenden Ergebnisse der SWOT-Analysen werden anschließend die Potentiale und

Schwierigkeiten für die einzelnen Handlungsfelder zusammengefasst.

(Zusammenfassung der Einzelanalysen in einer analytischen Gesamtaussage; Stärken, Schwächen,

Entwicklungschancen und Risiken; Regionales Leitbild; übergeordnete Entwicklungsziele; einzusetzende

Maßnahmen und Instrumente)

SWOT-ANALYSE: Räumliche Lage und Infrastruktur

�� Insellage

�� direktes Umfeld eines Oberzentrum

�� enge Stadt-Land-Beziehung

�� Universitätsstandort

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Stärken Schwächen

�� Entfernung Ballungszentrum Rhein-Main relativ gering

�� gute Erreichbarkeit

�� attraktiver Wohn- und Wirtschaftsstandort

�� günstige Immobilienpreise auf dem Land

�� Anbindung an überörtliches Verkehrs-/ Autobahnnetz

ungenügend

�� Stadt-Land-Gefälle

�� Infrastruktur-Unterversorgung in abgelegen Teilen der

Region

�� Versorgungsengpässe

Chancen Risiken

�� Kooperation mit Universitäten Marburg und Gießen

�� Stadt-Land-Synergie-Effekte

�� Tourismuspotential

SWOT-ANALYSE: Bevölkerungsentwicklung

�� Zu starke Konzentration auf die Stadt

�� Abwanderung in die Stadt

�� mangelnde ÖPNV-Angebote in der Fläche

�� Infrastrukturabbau in der Fläche aufgrund demographischen

Wandels

�� Erhöhung der Kosten für Infrastruktur pro Einwohner

Stärken Schwächen

�� relativ stabile Bevölkerungsentwicklung in den Stadt-

und Ortsteilen nahe der Stadt

�� höherer Anteil junger Menschen

durch Zuzug von Studenten

�� Zuzug von Studenten

�� attraktiver Wohnstandort für Senioren

�� Rückgang der Bevölkerungszahlen bis 2020

�� zunehmende Überalterung

�� Wanderungsverluste

�� geringe Geburtenrate durch hohen Anteil an

Studentinnen

Chancen Risiken

�� erhöhte Nachfrage an Arbeitnehmern, verbessertes

Arbeitsplatzangebot, geringere Arbeitslosenzahlen

�� Abwanderung junger Bevölkerungsgruppen

�� Altersdurchschnitt stark abhängig von

Attraktivität der Universität

�� Überalterung, Vereinsamung

�� Konzentration älterer Bevölkerungsgruppen,

z.B. in Ortskernen


REGIONALES ENTWICKLUNGSKONZEPT MARBURGER LAND GEBIETSANALYSE

SWOT-ANALYSE: Wirtschaftliche Situation

�� Gute Arbeitsmarktdaten

Stärken Schwächen

�� Arbeitslosenquote des Landkreises unterhalb des hessischen

Durchschnitts

�� Ausgeglichener Wirtschaftssektorenmix in Region (produzierendes

Gewerbe, Handel, Gastgewerbe, Dienstleistung,

Finanzen etc.)

�� Ausbau des Wissenschaftsstandortes Marburg

�� Verfügbares Einkommen unter dem Bundesdurchschnitt

�� Stadt-Land-Gefälle

�� zu wenig Arbeitsplätze außerhalb des Oberzentrums

�� Entfernung zu Ballungszentren

Chancen Risiken

�� Kooperation/ Forschung von Universität und Gewerbebetrieben

�� Ansiedlung innovativer Zukunftstechnologien

SWOT-ANALYSE: Land- und Forstwirtschaft

�� Zu starke Fokussierung auf Universität

�� Abbau von Arbeitsplätzen in ländlichen Teilen der Region

�� Verdrängungs-Wettbewerb der Konkurrenzregionen

(Gießen, Frankfurt, Kassel)

Stärken Schwächen

�� Hervorragende land- und forstwirtschaftlicher Standortbedingungen

�� gute bis sehr gute Bodenklassen

�� das Amöneburger Becken ist eine der größten zusammenhängenden

Ackerflächen Hessens

�� gewachsene, gute Strukturen in der Landwirtschaft

�� überproportionaler Anteil Ökolandwirte und

Direktvermarkter

�� Spezialisierung der Landwirtschaft

�� Keine einheitlichen Vermarktungsstrukturen

�� kaum Zusammenarbeit mit Hochschulen

(Marburg und Gießen)

�� unklare Zukunftsaussichten

�� Flächenkonkurrenz

Chancen Risiken

�� steigende Nachfrage und steigende Preise für Lebensmittel

und nachwachsende Rohstoffe

�� Neue Einkommens-Diversifizierungsmöglichkeiten

für Landwirte

�� Großes bislang ungenutztes Potential

im Bereich Tourismus

�� Technologietransfer im Bereich Landwirtschaft durch

Uni Gießen (Rauischholzhausen) und Uni Marburg

�� Abhängigkeit von Weltmarktpreisen

�� Zunahme von Landnutzungskonflikten

�� Erhöhung des Anteils von Monokulturen

�� Interessenskonflikte mit Naturschutz

�� Flächenknappheit

�� steigende Pacht- und Kaufpreise für landw. Flächen

43


GEBIETSANALYSE REGIONALES ENTWICKLUNGSKONZEPT MARBURGER LAND.

SWOT-ANALYSE: Tourismus

�� Touristische Highlights in allen fünf Kommunen

44

Stärken Schwächen

�� Die Amöneburg ist ein einzigartiges und überregional

bekanntes Kultur- und Landschaftselement

�� Die Stadt Marburg ist ein etablierter Tourismusmagnet

�� Die Landschaft der Region ist unverwechselbar,

intakt und sehr reizvoll

�� Es herrschen sehr gute klimatische Verhältnisse, es gibt

kaum Luftschadstoffemissionen und keine Schwerindustrie

�� Region profitiert bislang zu wenig von Stadttourismus

�� es fehlen wichtige touristische Infrastruktureinrichtungen

�� die Region hat kein eigenes touristisches Image

�� das gastronomische Angebot ist unterentwickelt

�� es fehlen besondere, typische, unverwechselbare Angebote

(z.B. im Bereich Kultur, Essen, Hotels)

Chancen Risiken

�� Verstärkung der touristischen Stadt-Land-Symbiose

�� Entwicklung von Alternativangeboten für Stadttouristen

�� Entwicklung eines eigenen touristischen Profils

�� gute Erreichbarkeit für Gäste aus Ballungszentren

(z.B. Rhein/ Main)

�� Zielgruppen junge Familien sowie junge,

aktive Senioren

�� Fehlende Wahrnehmung als Erlebnis- und

Freizeitregion

�� hoher Investitionsbedarf verhindert die Umsetzung

privater Ideen und Ansätze

�� Konkurrenz benachbarter Regionen und

Destinationen

SWOT-ANALYSE: Erneuerbare Energien und nachwachsende Rohstoffe

�� Pilotanlagen schon im Bau

�� Kompetenzteam „Erneuerbare Energien“

�� starkes Interesse der regionalen Landwirte

Stärken Schwächen

�� großes Interesse der Kommunen und Bürgerschaft

�� ausreichende Flächenverfügbarkeit

�� gute Ertragseigenschaften der Böden

�� Etablierung und Förderung eines

zukunftsfähigen Energiemixes

�� Energetische Selbstversorgung der Region

�� zusätzliche Einkommensalternativen für

Landwirte und Bürger

�� Großer Informationsbedarf

�� Skepsis in Teilen der Bevölkerung

�� Einzelne geeignete Standorte für Windkraftanlagen verfügbar

Chancen Risiken

�� Zusammenarbeit mit universitären

Forschungseinrichtungen (Marburg und Gießen)

�� positives Image

�� Unklare Preisentwicklung

�� Unsicherheit bei Teilen der Landwirte

�� Skepsis bei Verträgen mit zu langen Laufzeiten

�� Gefahr von Landschaftsbildveränderungen

�� zunehmende Flächenkonkurrenz zwischen Erzeugern

von Nahrungsmitteln und nachwachsenden Rohstoffen


REGIONALES ENTWICKLUNGSKONZEPT MARBURGER LAND GEBIETSANALYSE

SWOT-ANALYSE: Umweltsituation und Landnutzung

�� sehr reizvolle Landschaft

�� Wechsel von kleinteiligen und

offenen Landschaftsbereichen

Stärken Schwächen

�� markante, weithin sichtbare Orientierungspunkte

(z.B. Basaltkegel Amöneburg)

�� bis auf einzelne Strom-Überlandleitungen

kaum störende Landschaftsbeeinträchtigungen

�� hohe Qualität der ausgewiesenen Schutzgebiete

(NSG, LSG, FFH, VG)

�� sehr gute Luftqualität, kaum Luftverunreinigungen

�� keine Schwerindustrie

�� Gute Entwicklungschancen für Verbund von

Schutzgebieten (z.B. Blaues Band)

�� stark landwirtschaftlich geprägte Bereiche

insbesondere im Amöneburger Becken

mit entsprechend hoher Nutzungsintensität

�� noch kein durchgehendes Biotopverbundsystem

�� fehlende Biotopbrücken (z.B. Lahn-Ohm)

�� kaum Erhöhung des Anteils ökologisch bewirtschafteter

Flächen in den letzten Jahren

�� keine intensive Zusammenarbeit der Öko-Betriebe und

Direktvermarkter

�� bislang kaum Angebote von regionstypischen Produkte

Chancen Risiken

�� Schaffung eines überregionalen Biotopverbundsystems

�� Aufwertung der wertvollen und sensiblen Landschaftsbereiche

�� Wiederansiedlung gefährdeter Tier- und Pflanzenarten

(z.B. Weißstorch)

�� Bewusstseinsbildung in Bevölkerung für den Wert der

regionalen Naturlandschaft

�� intakte Umwelt als Anreiz für Touristen

SWOT-ANALYSE: Entwicklung der Dörfer und Städte

�� Historisch gewachsene Dorfstrukturen

�� starkes Heimatgefühl der Dorfbewohner

�� funktionierende Dorfgemeinschaften

�� wertvolle und einzigartige Bausubstanz

in alten Ortskernen

�� stark landwirtschaftlich geprägte Dorfkerne

�� ausreichendes Angebot an Bauflächen

�� Attraktive Wohnstandorte im Umfeld eines

Oberzentrums insbesondere für Familien

�� günstigere Immobilienpreise

�� Zunehmende Landnutzungskonflikte

zwischen Landwirtschaft und Naturschutz

�� Konflikte bei Verkehrs- und Siedlungsprojekten

�� Umwandlung von Grünland in Acker (Grünlandumbruch)

bei gestiegenen Preisen und erhöhter Nachfrage

für landwirtschaftliche Produkte

�� Schäden durch zunehmende Überschwemmungsereignisse

und langanhaltende Trockenperioden

Stärken Schwächen

�� Zunehmender Leerstand in den Ortskernen und

abgelegeneren Ortschaften

�� keine Nutzungsalternativen für

landwirtschaftliche Gebäude

�� Verfall der historischen Bausubstanz

�� Vergreisung und Ausbluten der alten Ortskerne

�� fehlende Nahversorgungsstrukturen

�� fehlende Mobilitätsangebote

Chancen Risiken

�� großzügige Grundstücks- und Gebäudegrößen

�� Umnutzung von landwirtschaftlichen Gebäuden und

Grundstücken

�� Entwicklung neuer Wohnkonzepte für Senioren auf

dem Dorf

�� Zu starke Konzentration auf Zentren

�� Abwanderung der jungen Bevölkerung

�� Verödung der Ortskerne

�� Zusammenbruch der Versorgungsstrukturen

�� Steigerung der Kosten für Ver- und Entsorgung im ländlichen

Bereich

45


GEBIETSANALYSE REGIONALES ENTWICKLUNGSKONZEPT MARBURGER LAND.

1.9 Handlungsbedarf und Handlungsfelder

Für die Region Marburger Land besteht nach Analyse der vorliegenden Daten Handlungsbedarf in

mehreren wichtigen zentralen Themenbereichen.

Dabei spielen insbesondere die Standortvorteile, die entsprechend ausgebaut und verstärkt werden

sollen, eine entscheidende Rolle. Gleichzeitig gibt es aber auch Handlungsfelder in Bereichen, in denen

große Defizite erkannt wurden.

Durch die Zusammenfassung einzelner Themen wurde die Anzahl der Handlungsfelder reduziert, was

zu einer besseren Übersichtlichkeit und besseren Ausrichtung der Maßnahmen führt.

Nachfolgend werden die einzelnen Handlungsfelder kurz beschrieben und erläutert.

Handlungsfeld 1

Tourismus; Freizeit und Kultur

Der Tourismus in der Region Marburger Land ist bislang nur wenig entwickelt und wird nicht nur für

Außenstehende stark überdeckt von den Angeboten der Stadt Marburg. Es gilt nun, in Zusammenarbeit

mit der Stadt Marburg ein Konzept und Maßnahmen zu entwickeln, die helfen, die Region stärker

in das Blickfeld der Gäste und Touristen zu rücken.

Es besteht die Aufgabe, unterschiedlichste, attraktive Angebote insbesondere für Familien,

„50+Senioren“, Radfahrer, Pilger, Kultur- und Städtetouristen, Seminar-, Tagungs- und Kongressteilnehmer

sowie Gäste und Besucher der Universität sowie der Universitätskliniken zu entwickeln.

Ein großes Potential und gute Entwicklungschancen bieten sich aus Sicht des Regionalforums insbesondere

im Umfeld der kulturellen und landschaftlichen Highlights der Region.

Dies sind unter anderem:

�� Stadt Amöneburg (historische Höhen-Siedlung, Naturschutzgebiet, Geotop)

�� Schloss und Schlosspark Rauischholzhausen

�� Burgruine Frauenberg

�� Wittelsberger Warte

�� Seepark Niederweimar

�� Archäologisches Museumsdorf Weimar-Argenstein

Zahlreiche bauliche und landschaftliche Besonderheiten in den einzelnen Ortschaften der fünf Kommunen

ergänzen diese Liste und machen das Marburger Land zu einem attraktiven und interessanten

Standort für Freizeit, Kultur und Erholung.

Die zahlreichen, verschiedenen Routen und Wege, die die Region durchkreuzen, sorgen dafür, dass

immer wieder „neue“ Touristen hierher kommen. Als wichtigste Routen sind dabei zu nennen:

�� Lahntalradweg, Ergänzung durch Zusatzrouten (z.B. „Lange Hessen“ als Verbindung zw. Lahntalradweg

und R6)

�� Pilgerrouten (Elisabethpfad, Jakobsweg)

Die Region Marburger Land soll zukünftig durch die Verknüpfung der einzelnen Attraktionen ein breit

gefächertes und einzigartiges Spektrum an touristischen Kultur- und Erlebnisangeboten bereithalten.

Die direkte Nähe zur Universitätsstadt Marburg und deren touristische Magnetwirkung stellt ein Alleinstellungsmerkmal

der Region dar, was zukünftig stärker genutzt werden soll. Dadurch lassen sich

auch für die (ländliche) Region weitere touristische Marktsegmente erschließen. Eine stärkere Verknüpfung

der Angebote von Stadt und Land ist hierfür notwendig und geplant.

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REGIONALES ENTWICKLUNGSKONZEPT MARBURGER LAND GEBIETSANALYSE

Ein weiterer Fokus liegt auf der Stärkung und dem Ausbau des Landtourismus. Durch die Ausarbeitung

und Verwirklichung alternativer und innovativer Konzepte sollen neue, außergewöhnliche Angebote

entstehen, die sich deutlich von städtischen „Mainstream“-Angeboten unterscheiden.

Durch die Entwicklung und Präsentation besonderer Erlebnismöglichkeiten können neue Besuchergruppen

angesprochen werden. Gleichzeitig werden dadurch regionale Wirtschaftskreisläufe dauerhaft

etabliert und die Wertschöpfung insgesamt gesteigert.

Daneben ist beabsichtigt, die mit den regionalen Besonderheiten und Traditionen verbundenen Potentiale

unter anderem im Bereich Kirche, Konfession, Geschichte, Märchen und Märchenmotive, Küche,

Trachten und Landschaft stärker herauszuarbeiten und authentische, unverwechselbare, touristische

Angebote mit starkem Bezug zur Region Marburger Land zu entwickeln.

Die Infrastruktur für Erlebnis- und Aktiv-Urlauber (z.B. Radfahrer und Wassersportler) ist in Teilen bereits

vorhanden und soll weiter ausgebaut und ergänzt werden.

Die regionalen Traditionen und Besonderheiten in Kultur, Geschichte, Sprache/ Dialekt, Küche,

Brauchtum, Handwerk, Landschaft und Landwirtschaft sollen gezielt herausgearbeitet und ausgebaut

werden. Zielsetzung ist die Förderung der regionalen Identität und die Entwicklung authentischer, touristischer

Angebote mit Bezug zur Region und den kulturellen Highlights (z.B. Themen wie Hl. Elisabeth,

Wiege des Hessenlandes, Religion, prähistorische Siedlungsreste, Regionale Küche, Ubbelohde-Märchenmotive

etc.). In diesem Sinne sollen unter anderem Spiel-, Freizeit- und Erlebnisangebote

zu regional bedeutsamen Themen geschaffen werden.

Die Angebote im Gastronomie- und Beherbergungssektor sollen ausgebaut und ergänzt werden. Favorisierte

Standorte befinden sich insbesondere entlang der klassifizierten/ überregionalen Rad-,

Wander- und Pilgerrouten.

Der Landtourismus soll weiter gestärkt und ausgebaut werden. Die Landwirtschaft wird durch die vorgesehene

Diversifikation und Schaffung alternativer Einkommensquellen zusätzlich unterstützt und

gefördert. Ferner steht in diesem Zusammenhang die Bereicherung und weitere Spezialisierung des

touristischen Gesamtangebotes der Region im Vordergrund.

Die touristische Einbindung der Stadt Marburg soll durch verknüpfende, sich gegenseitig ergänzende

und aufeinander abgestimmte Freizeitangebote weiter vorangetrieben werden.

Die kulturelle und touristische Infrastruktur soll ausgebaut und ergänzt werden. Dies beinhaltet unter

anderem die Schaffung neuer Veranstaltungsorte sowie die allgemeine Verbesserung der Veranstaltungsinfrastruktur.

Handlungsfeld 2

Erneuerbare Energien und nachwachsende Rohstoffe

Die von den aktuellen, weltweiten Veränderungen den Bereichen Energie und Klimawandel ausgehenden

Entwicklungen wirken sich mehr und mehr auch auf das politische Handeln der Kommunen

und Regionen in Deutschland aus.

Gefördert durch die aktuelle öffentliche Diskussion stehen die Politiker und Menschen der Region

diesem Thema sehr aufgeschlossen gegenüber. Die eigene Betroffenheit und die direkte Möglichkeit

zum Handeln haben diesen Themenbereich ganz nach oben auf die politische Agenda der Kommunen

gebracht.

Die Erzeugung von Strom, Wärme und Treibstoff durch die Landwirtschaft gewinnt europaweit immer

mehr an Bedeutung. Und die Nachfrage nach alternativen Energieträgern wird zukünftig noch weiter

zunehmen. Die Region Marburger Land bietet hervorragende Chancen insbesondere für landwirtschaftliche

Betriebe, sich auf diesem Markt der erneuerbaren Energien langfristig zu etablieren.

Bedingt durch die sehr guten Voraussetzungen durch die Größe und Qualität zur Verfügung stehenden

landwirtschaftlichen Nutzflächen, wurden bereits verschiedenste Maßnahmen zur Förderung der

erneuerbaren Energien und des Anbaus nachwachsender Rohstoffe ergriffen bzw. in die Planung

aufgenommen.

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GEBIETSANALYSE REGIONALES ENTWICKLUNGSKONZEPT MARBURGER LAND.

Die bereits gebaute Biogasanlage in Heskem-Mölln steht dabei für den Beginn eines umfangreichen

Maßnahmenpakets zur Förderung erneuerbarer Energien. Diese Biogasanlage kann zudem als vorbildlich

bezeichnet werden, da hier die Nutzung der erzeugten Wärmeenergie durch die Versorgung

des GrundBades (Schwimmbad) und der Gesamtschule sichergestellt werden kann.

Des weiteren wurden in der Region bereits zahlreiche, gemeinschaftliche Bürgersolarkraftwerke auf

öffentlichen und privaten Gebäuden in Betrieb genommen. Zu nennen sind hier beispielsweise das

Dorfgemeinschaftshaus in Ebsdorfergund-Wermertshausen, die Gesamtschule in Ebsdorfergrund

Heskem, eine Scheune in Marburg-Moischt, die Mehrzweckhalle in Ebsdorfergrund-Wittelsberg und

das Bürgerhaus Fronhausen. Es besteht weiterer Bedarf und große Nachfrage seitens der Bevölkerung

und auch seitens der Kommunen.

Das innerhalb der Verwaltung des Landkreises Marburg-Biedenkopf, Fachbereich Ländlicher Raum,

gebildete Kompetenzteam „Erneuerbare Energien“ hat bereits ein Konzept zur Förderung der erneuerbaren

Energien erarbeitet. Dabei wurden die unterschiedlichen Themenbereiche Landwirtschaft,

Sonnenenergie, Windkraft, Wasserkraft, Erdwärme und Energieeinsparung untersucht und fortentwickelt.

Aufbauend auf diesem Konzept sollen in Zusammenarbeit mit weiteren Beteiligten wie den Universitäten

Marburg und Gießen (Fachbereich Agrarwissenschaften) sowie den Vertretern und Interessenverbänden

der Landwirte sowie der Industrie bzw. den Energieversorgern Maßnahmen und Projekte

angestoßen und umgesetzt werden.

Förderung und Ausbau alternativer Energiequellen sind das Hauptziel der RegionMarburger - Land

mit Energie“. Dabei kommt aus Sicht der Region neben der landwirtschaftlichen Erzeugung und Verwertung

von Biomasse insbesondere der Nutzung von Sonnenenergie eine hohe Bedeutung zu (Photovoltaik

und Solarthermie).

Die nachhaltige Nutzung von Holz (mit Scheitholz, Hackschnitzel- und Pellets-Öfen) sowie die Reaktivierung

vorhandener Wassermühlen und die Nutzung von Erdwärme im Neubaubereich stellen zusätzliche

Möglichkeiten zur Reduzierung des Verbrauchs von fossilen Brennstoffen dar.

Die Förderung und der Ausbau von derartigen Anlagen sind neben der Energieberatung und der

Durchführung von Energiesparmaßnahmen zentrale Bestandteile der geplanten Energieprojekte.

Handlungsfeld 3

Landwirtschaft , Umwelt- und Naturschutz

Die Region weist einen hohen Anteil landwirtschaftlich nutzbarer Flächen auf. Es gibt gute, funktionierende

Betriebsstrukturen, teilweise mit jungen Betriebsnachfolgern, die neuen Ideen gegenüber aufgeschlossen

sind. Direktvermarkter und Produzenten von Biolebensmitteln sind bereits überdurchschnittlich

vertreten. Die Bereiche Landtourismus sowie Natur- und Landschaftspflege sind weiter

entwicklungsfähig und -bedürftig. Austausch bzw. Kooperationen mit den Hochschulen finden bislang

in Einzelfällen statt.

Gleichzeitig besteht eine hohe Nachfrage - insbesondere aus der Universitätsstadt Marburg - nach

regionalen und ökologisch erzeugten Lebensmitteln und Produkten. Eine Kooperation mit den ansässigen

Hochschulen und Gewerbebetrieben sowie örtlichen Lebensmittelhändlern bietet weiteres Potential.

Um den regionalen Kreislauf von Erzeugung, Verarbeitung und Verkauf zu stärken, soll die

Zusammenarbeit mit örtlichen, regional produzierenden Betrieben und Fachgeschäften (z.B. Fleischereien,

Metzgereien, Bäckereien, etc.) intensiviert werden. Diese Märkte sind entsprechend zu bedienen

und auszubauen (z.B. Vermarktung von regionalen, ökologischen Produkten auf Marburger Wochenmärkten

aufgrund starker diesbezüglicher Nachfrage).

Die Region Marburger Land hat in den zentralen Naturräumen Marburg-Gießener Lahntal (mit Lahntalsenke

und Lahnbergen) und Amöneburger Becken (mit Ohmsenke und Ebsdorfer Grund) zahlreiche

hochwertige Natur- und Landschaftsbereiche aufzuweisen, die auch überregional von Bedeutung

sind. Insbesondere die (touristisch) attraktive Flusslandschaft von Lahn, Zwester-Ohm, Ohm, Allna

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REGIONALES ENTWICKLUNGSKONZEPT MARBURGER LAND GEBIETSANALYSE

und Ohe etc. stellt ein entwicklungsfähiges Biotopverbundsystem dar, welches bereits heute in Teilen

durch zahlreiche FFH- und Vogelschutzgebiete (Natura2000-Flächen) gesichert ist.

Die überregionale Bedeutung als Vogelzugkorridor (Skandinavien-Afrika-Route) unterstreicht die Wertigkeit

dieser Flächen und verdeutlicht die Notwendigkeit für weitere bestandserhaltende und strukturverbessernde

Maßnahmen, z.B. durch ein Biotopverbundsystem „Blaues Band“ und verschiedene

Biotopbrücken.

Kulturlandschaftlich einzigartige Besonderheiten wie z.B. die Amöneburg (eines der ältesten Naturschutzgebiete

Hessens) sowie der Frauenberg und die Wittelsberger Warte bereichern zusätzlich Natur

und Landschaft.

Durch die Wiederansiedlung bzw. lebensraumunterstützende Maßnahmen von besonderen Kennarten

wie Storch, Bekassine, Lachs und Biber können weitere positive Effekte erzielt werden.

Entwicklungsfähiges Potential bietet auch die geologische Vielfalt innerhalb der Region, die vom

Rheinischen Schiefergebirge (Elnhausen), über den Buntsandstein (Wehrshausen/ Marburg-

Kernstadt), das Lahntal und die Lahnberge, den Lößböden im Ebsdorfergrund und Amöneburger Becken

bis zum Basalt- und Vulkankegel Amöneburg (Ausläufer des Vogelsberg) reicht.

Innovative, moderne Landnutzungskonzeptionen sollen die zukünftige Nutzung und Aufteilung der

unbebauten Flächen regeln und dazu beitragen, ein Nebeneinander von Landwirtschaft, Forstwirtschaft

und Naturschutz zu ermöglichen und langfristig zu gewährleisten.

Durch die Einbindung und Kooperation mit den örtlichen Hochschulen können auch im Bereich Natur

neue Ansätze und Konzepte verfolgt und entworfen werden.

Die Möglichkeit Bildungsangebote zum Thema Natur und Umwelt zu vertiefen und an Interessierte in

der Region zu vermitteln ergänzt die Gesamtkonzeption und trägt zur Erhöhung der Akzeptanz und

zur Steigerung der Bedeutung der Naturschutzflächen bei. Darüber hinaus bietet dieses Thema Potential

für touristische Angebote. Ausbaufähig und hierfür ideal geeignet sind u.a. das Naturschutz-

Informations-Zentrum-Amöneburg (NIZA) sowie das Jugendwaldheim Roßberg und das Kreisjugendheim

in Weimar-Wolfshausen.

Handlungsfeld 4

Infrastruktur, Städtebau und Wirtschaft

Das traditionelle Dorf soll weiterentwickelt und als attraktiver Wohn- und Lebensraum ausgebaut werden.

Das Wechselspiel von Stadt und Land mit der direkten Nähe zur Universitätsstadt Marburg bietet

dabei ganz besondere Potentiale, die entsprechend berücksichtigt werden sollen.

Um dem prognostizierten Bevölkerungsrückgang entgegenzuwirken sind intelligente und zukunftsweisende

Planungsmaßnahmen und -instrumente notwendig. Die Infrastrukturangebote der Region

sollen durch Konzentration, Kooperation und Innovation verbessert und weitgehend erhalten werden.

Eine zukunftsfähige Entwicklung der Dörfer wird durch die Sicherung einer strukturellen Grundversorgung

und die städtebauliche Neuordnung (insbesondere der alten Ortskerne) gewährleistet.

Um den Folgen des demographischen Wandels und den damit verbundenen negativen Entwicklungen

frühzeitig entgegenzuwirken, soll das Dorf durch die gezielte Förderung sowohl von Familien als

auch Senioren als homogene Lebensgemeinschaft entwickelt und gesichert werden.

Durch diesen ganzheitlichen Ansatz zur Neustrukturierung wird das Dorf als Lebensraum für Jung

und Alt auch in Zukunft eine attraktive und vorteilhafte Alternative zur Stadt darstellen.

Es soll ein regionales Flächen- und Leerstandsmanagement für die alten Ortskerne und die Einfamilienhausgebiete

der 50er, 60er und 70er Jahre initiiert und aufgebaut werden. Grundlage bildet eine

Bestandsaufnahme aller Leerstände in der Region sowie die Erstellung einer Leerstandsdatenbank

(z.B. Fachwerk- und Immobilienbörse). Gleichzeitig ist es notwendig, in der Bevölkerung durch gezielte

Bildungs- und Öffentlichkeitsarbeit Bewusstsein für den zunehmenden Leerstand zu schaffen.

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GEBIETSANALYSE REGIONALES ENTWICKLUNGSKONZEPT MARBURGER LAND.

Die historischen Dorfkerne sollen durch die Entwicklung neuer Konzepte als attraktive Wohnstandorte

insbesondere für Familien und Senioren ausgebaut werden. Hierfür ist eine Förderung und Beratung

der privaten Eigentümer erforderlich. Die betroffenen Akteure (Eigentümer, Bauherren, Banken, Makler,

Denkmalschutz etc.) sollen bei der Konzepterstellung eingebunden und die unterschiedlichen Interessen

zusammengeführt werden. Zur weiteren Stärkung der Ortskerne werden die Innenentwicklung

und die Nutzung von Baulücken forciert. Neue Bauflächen sollen bedarfs- und marktorientiert

ausgewiesen werden.

Die vorhandenen öffentlichen und privaten Infrastrukturangebote sollen durch Konzentration, Kooperation

und Innovation verbessert und weitgehend erhalten werden. Synergieeffekte und Möglichkeiten

zur Effizienzsteigerung bei der Nutzung von Infrastruktureinrichtungen sollen aufgezeigt und entwickelt

werden. Gleichzeitig ist die Schaffung alternativer Nahversorgungsangebote in den Ortsteilen

ohne Grundversorgung vorgesehen. Ziel ist die Sicherung einer dem Bedarf angepassten Grundversorgung

in der ganzen Region sowie die Förderung von zukunftsfähigen Dorf- und Infrastrukturen.

Hinsichtlich der Mobilität der nicht motorisierten Bevölkerungsteile ist die Schaffung von zukunftsfähigen

und bedarfsgerechten Beförderungsangeboten vorgesehen. Das Wege- und Verkehrsnetz für

den nicht motorisierten Verkehr und Umweltbund (ÖPNV, Rad- und Fußgängerverkehr) soll ergänzt

und ausgebaut werden. Ziel ist die Steigerung der ÖPNV-Nachfrage, des ÖPNV-Angebotes und des

nicht motorisierten Verkehrsanteils bei gleichzeitiger Reduzierung des motorisierten Verkehrsanteils.

Ferner wird eine Verringerung der verkehrlich bedingten Klimabelastung angestrebt.

Handlungsfeld 5

Soziales und Netzwerke

Der Aufbau und die Einrichtung dezentraler und regionaler Netzwerke in den Haupt-Bereichen Kultur,

Soziales, Tourismus, Wirtschaft, Städtebau und Infrastruktur stellt eine zentrale und zukunftsentscheidende

Aufgabe für die Region Marburger Land dar.

Durch den Ausbau und die Vernetzung der bestehenden Strukturen wird es zukünftig möglich sein, in

den genannten Bereichen Standortvorteile und Synergieeffekte zu entwickeln, auszubauen und zu

nutzen. Die Versorgung der Bürgerinnen und Bürger in allen Teilen der Region mit Dienstleistungen,

Waren und Informationen kann dadurch weiter ausgebaut und optimiert werden.

Die aufgrund der demographischen Entwicklung allgemein prognostizierten Nachteile für den ländlichen

Raum können so verhindert oder zumindest abgeschwächt werden.

Allgemein:

Die bestehenden, dezentralen Strukturen der ländlichen Kommunen sind zu stärken und auf den verschiedenen

Handlungsebenen (s.o.) weiter auszubauen und zu vernetzen. Eine Verknüpfung mit den

übrigen städtischen Stadtteilen sowie der Stadt Marburg selbst ist sinnvoll und notwendig.

Durch die Einrichtung eines dezentralen Kommunikationsforums (z.B. Runder Tisch) unter Beteiligung

aller fünf Regional-Kommunen besteht die Möglichkeit, anstehende Aufgaben und Ideen in regelmäßigen

Abständen zu besprechen, abzustimmen und untereinander aufzuteilen.

Die fünf Regionalbeauftragten sind direkt zuständig für die Projekte der Region und stehen den anderen

Kommunen und der Bürgerschaft als Ansprechpartner zur Verfügung. In Abstimmung mit der LAG

und den Kommunen können die Regionalbeauftragten Projekte initiieren und inhaltlich vorbereiten.

Die Regionalbeauftragten stellen das Grundgerüst dieser neuen regionalen Netzstruktur dar und unterstützen

gleichzeitig die privaten, gewerblichen, öffentlichen und kirchlichen Projektträger und Interessensverbände.

Dadurch werden die unterschiedlichen, regionalen Angebote und Nachfragen miteinander

in Verbindung gesetzt, gebündelt und verbessert.

Die Förderung und der Ausbau des ehrenamtlichen Engagements ist wesentlicher Bestandteil und

Grundvoraussetzung für ein funktionierendes Netzwerk.

Die Schulung und Weiterbildung von Ehrenamtlichen und Aktiven steht im Vordergrund für die Umsetzung

von Projekten.

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REGIONALES ENTWICKLUNGSKONZEPT MARBURGER LAND ENTWICKLUNGSSTRATEGIE

2 Regionale Entwicklungsstrategie

2.1 Entwicklungsleitbild

Das Entwicklungsleitbild für die Region Marburger Land lässt sich wie folgt beschreiben bzw. in folgenden

Punkten zusammenfassen:

Die Region Marburger Land steht für eine nachhaltige und zeitgemäße Landwirtschaft mit

starker Ausrichtung in den Bereichen Nachwachsende Rohstoffe / Erneuerbare Energien und

Erzeugung gesunder und regionaler Lebensmittel.

Das Marburger Land entwickelt sich zu einer einzigartigen „KulTourErlebnis-Region“ mit

höchsten Ansprüchen und reichhaltigen Kultur-, Erlebnis- und Freizeit-Angeboten.

Die Menschen der Region Marburger Land wollen sich gegenseitig helfen und unterstützen.

Netzwerke in allen Bereichen des täglichen Lebens schaffen zukunftsfähige Strukturen zur

nachhaltigen Weiterentwicklung der Dörfer als Lebensraum mit Zukunft.

Die einzelnen Aspekte des Entwicklungsleitbildes ergänzen sich sehr gut, da sie in direktem Zusammenhang

miteinander stehen bzw. sich zahlreiche Verbindungen auf verschiedenen Ebenen ergeben.

Dabei spielt die enge Verzahnung und Ergänzung eine wichtige Rolle.

In Anbetracht der regionalen Ausgangssituation, der beschriebenen Potentiale sowie der Ergebnisse

der Workshops stehen für die Region Marburger Land die Themen Tourismus, Landwirtschaft, Regenerative

Energien, Dorfentwicklung und Netzwerke stark im Vordergrund des zukünftigen Handels.

Alleinstellungsmerkmale:

Folgende Aspekte und Merkmale des Marburger Landes machen die Region unverwechselbar und

stellen einen Vorteil für deren zukünftige Entwicklung dar:

Die Region Marburger Land stellt einen ländlich strukturierten Raum mit starkem Bezug zum unmittelbar

angrenzenden urban geprägten Oberzentrum Marburg dar. Die Stadt selbst ist als Universitätsstadt

von überregionaler Bedeutung.

Die Qualität und Verfügbarkeit der landwirtschaftlichen Flächen im östlichen Teil der Region ist für

Hessen von besonderer Bedeutung. Das Amöneburger Becken, der Ebsdorfer Grund und das Lahntal

bieten seit jeher hervorragende landwirtschaftliche Vorraussetzungen, speziell auch für Ackerbau.

Die landschaftlich herausgehobene Lage der Stadt Amöneburg auf dem Berg ist überregional bekannt

und besitzt einen sehr hohen Wiedererkennungswert.

Die historisch starke kirchliche Bedeutung der beiden Städte Marburg (Hl. Elisabeth, älteste protestantische

Universität) und Amöneburg (Klostergründung durch Bonifatius, Exklave des Kurfürstentums

Mainz) sowie das historische, spannungsreiche Nebeneinander der beiden großen christlichen

Konfessionen innerhalb der Region prägten die Entwicklung der gesamten Kulturlandschaft und der

Menschen über eine lange Zeit. Noch heute symbolisieren die Kirchen und Trachten der Dörfer diese

wechselvolle Geschichte, wenn auch die Menschen der Region seit langem zusammengehören.

Das Marburger Land, die Universitätsstadt Marburg und das Lahntal stellen zusammen eine ausgezeichnete

Kombination („Stadt, Land und Fluss“) unterschiedlicher, touristischer Angebote auf engstem

Raum dar. Dies macht die Region für Gäste und Urlauber sehr interessant und gleichzeitig abwechslungsreich.

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ENTWICKLUNGSSTRATEGIE REGIONALES ENTWICKLUNGSKONZEPT MARBURGER LAND.

Lokale Ziele und Strategien:

Das Handeln der lokalen und regionalen Akteure orientiert sich in erster Linie an folgenden Zielen und

Strategien:

1. Verbesserung der regionalen Wertschöpfung insbesondere im Bereich Tourismus speziell

durch den Ausbau der landtouristischen Angebote sowie generell in den Bereichen Landwirtschaft,

Handwerk, Handel und Dienstleistungen

2. Ausbau zu einer „Bio-Energie-Region“ mit Vorbildcharakter. Stärkung und Intensivierung des

Anbaus nachwachsender Rohstoffe sowie die Forcierung alternativer Energieträger. Erhöhung

des Grades der Selbstversorgung mit Energie.

3. Bündelung der regionalen Kräfte in allen gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Bereichen und

Aufbau eines effizienten Netzwerks zur Stärkung der dörflichen Strukturen und zum Erhalt der

Dörfer als Lebensraum mit Zukunft.

4. Modernisierung und Verbesserung der landwirtschaftlichen Strukturen zur Schaffung neuer

Einkommensquellen, zur Steigerung der Produktivität, zum Ausbau der Erzeugung regionaler

und ökologischer Lebensmittel und zur Vereinbarung der Ziele von Landwirtschaft und Naturschutz.

Funktionen der Region im räumlichen Gesamtgefüge

und innerregionale Differenzierungen:

Die Region Marburger Land stellt das ländliche Umfeld und die weitere Umgebung der Universitätsstadt

Marburg dar. Marburg selbst ist Oberzentrum und Kreisstadt des Landkreises Marburg-

Biedenkopf.

15 Stadtteile Marburgs gehören direkt zur Region. Die südlichen Kommunen Fronhausen und Weimar

zählen gemäß Regionalplan zum Ordnungsraum zwischen den beiden Oberzentren Gießen und Marburg

und haben aus diesem Grunde eine starke Bedeutung in den Bereichen Wirtschaft/ Gewerbe

und Wohnen. Schon heute konzentrieren sich hier wohnortnahe und verkehrsgünstige Arbeitsplätze.

Die überregionale Ausrichtung und Ergänzungsfunktion erfolgt sowohl Richtung Süden (d.h. Gießen)

als auch Richtung Norden (Marburg).

Die südöstliche Gemeinde Ebsdorfergrund ergänzt diesen Ordnungsraum in Teilen, ist aber gleichzeitig

als ländliches Gebiet zu beschreiben, das neben Gewerbe und Wohnen vornehmlich für Landwirtschaft

und Tourismus prädestiniert ist. Für die nord-östlich gelegene Kommune Amöneburg gilt eine

ähnliche räumliche Funktionseinordnung. Gleichzeitig bestehen für die Stadt Amöneburg auch Beziehungen

zu den Nachbargemeinden Kirchhain und Stadtallendorf gerade im Bereich Arbeitsmarkt und

Wirtschaft.

Die Stadt- und Ortsteile von Marburg und Weimar im Westen und Nordwesten der Region dienen

vornehmlich als Wohnstandort und landwirtschaftliche Produktionsstätte (mit einem Schwerpunkt im

Bereich Direktvermarktung) und haben einen sehr starken Bezug auf die Stadt Marburg sowie die Orte

Niederweimar und Niederwalgern. Beziehungen in Bereiche außerhalb der Region bestehen nur

eingeschränkt.

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REGIONALES ENTWICKLUNGSKONZEPT MARBURGER LAND ENTWICKLUNGSSTRATEGIE

2.2 Strategische Entwicklungsziele

Im folgenden Kapitel werden die wichtigsten strategischen Entwicklungsziele der einzelnen Handlungsfelder

beschrieben. Dabei erfolgt in einem Fall auch ein Zusammenführen von zwei Handlungsfeldern,

was sich aus den thematischen Zusammenhängen ergibt und später bei der Formulierung

der Leitbilder auch fortgeführt wird.

Handlungsfeld 1: Tourismus, Freizeit und Kultur

Entwicklungsziele:

Kultur in der ländlichen Region:

�� Schaffung einer regionalen, ländlichen Kulturlandschaft

�� Attraktivitätssteigerung und Ausbau der kulturellen Angebote in der ländlichen Region

�� Vernetzung und Bündelung der kulturellen Angebote, Aktionen, Vereine und Aktiven („Runder

Tisch der Kultur“)

�� Aufbau und Inszenierung ländlicher Kultur-und-Erlebnis-Highlights (z.B. Musiktage im Schloss

Rauischholzhausen, Freilichtbühne Amöneburg, Freilichtbühne Beltershausen-Frauenberg,

Seefest/ Seebühne Niederweimar etc.)

�� Schaffung von attraktiven und interessanten Kultur-Angeboten speziell auch für die Bewohner

der Städte Marburg und Gießen zur Korrektur des kulturellen Stadt-Land-Gefälles

Regionale Identität:

�� Stärkung der regionalen Identität „Marburger Land“ und des regionalen Bewusstseins

�� Herausarbeiten und Ausbau der regionalen Besonderheiten in Kultur, Sprache/ Dialekt,

Küche, Brauchtum, Landschaft, Landwirtschaft und Handwerk etc.

�� Nutzung und Anwendung der regionalen Erkennungsmerkmale im touristischen Bereich (z.B.

Gastronomie, Wandern, Radfahren, Pilgern etc.)

Aufbau einer touristischen Arbeitsgemeinschaft der Region :

�� Bildung einer touristischen Arbeitsgemeinschaft für die Region im Rahmen der bestehenden

Destination Lahntal zusammen mit MTM und TouR GmbH sowie den fünf Kommunen

�� Erstellung eines regionalen auf die Destination Lahntal abgestimmten Vermarktungs-, Vernetzungs-

und Informationskonzeptes

�� Steigerung des Bekanntheitsgrades und des Images der Region

�� Bewerbung der Zielgruppen in den Städten (Marburg, Gießen, Wetzlar) und nahe gelegenen

Ballungszentren (Rhein/ Main)

�� Ausbau, Vernetzung und Bündelung der regionalen, touristischen Angebote

Verbesserung der touristischen Infrastruktur:

�� Ausbau und Verbesserung der touristischen Infrastruktur

�� Verknüpfung der regionalen Angebote

�� Aufbau eines Netzwerkes der regionalen Tourismusbetriebe in Zusammenarbeit mit bestehenden,

überregionalen Tourismusverbänden etc.

�� Spezialisierung auf einige, wenige touristische Gästegruppen, z.B. Radfahrer, Wassersportler,

Pilger, Städtetouristen, Kongress- und Seminargäste

�� Abstimmung und Zusammenarbeit mit der Stadt Marburg (MTM), dem Landkreis Marburg-

Biedenkopf (TouR GmbH) und der Destination Lahntal

Entwicklung von Spezialangeboten für einzelne Zielgruppen:

�� Erschließung neuer Marktsegmente im Tourismussektor

�� Zielgruppen: Familien, 50+-Senioren, Radfahrer, Pilger, Städtetouristen, Tagungsgäste,

Tagestouristen aus Verdichtungs- und Ballungsräumen (Marburg, Gießen, Rhein/Main)

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ENTWICKLUNGSSTRATEGIE REGIONALES ENTWICKLUNGSKONZEPT MARBURGER LAND.

Handlungsfelder 2 und 3: Erneuerbare Energien und nachwachsende Rohstoffe

und Landwirtschaft, Umwelt- und Naturschutz

Entwicklungsziele:

Förderung regionaler Pilotprojekte für die Erzeugung und den Einsatz

erneuerbarer Energien:

�� Ausbau und Optimierung der Nutzung heimischer und regenerativer Ressourcen

�� Stärkung der öffentlichen und privaten Kooperationen im Bereich erneuerbarer Energien

�� Stärkung des Umweltbewusstseins in der Bevölkerung

�� Reduzierung des CO2-Ausstoßes

Agrar-und siedlungsstrukturelles Leerstands-, Flächen- und Gebäudemanagement:

�� Neustrukturierung der landwirtschaftlichen Nutzflächen zur Verbesserung der Bewirtschaftungsmöglichkeiten

durch freiwilligen Nutzungstausch (Ausweitung der beiden Modellprojekte

der Universität Gießen in Marburg-Schröck und Amöneburg-Rüdigheim)

�� Vermeidung und Abbau von aktuellen und zukünftigen Landnutzungskonflikten

�� Gezielte Steuerung der ländlichen Siedlungsentwicklung zur Wahrung der Interessen der

Landwirtschaft im Außenbereich

�� Interessensausgleich zwischen Landwirtschaft und Naturschutz

�� Stärkung und Belebung der landwirtschaftlich geprägten Ortskerne

Förderung regionaler Wirtschaftskreisläufe durch den Ausbau der Direktvermarktungsstrukturen

und Ausweitung der regionalen Lebensmittelproduktion und –vermarktung:

�� Vernetzung und Ausweitung der bestehenden Direktvermarktungsstrukturen

�� Intensive Verflechtung von Handel und Produzenten für eine markt- und bedarfsgerechte

Produktion von regionalen, ökologischen und konventionellen Produkten

�� Verbesserte Vermarktung der Produkte innerhalb der Region, der Stadt Marburg und darüber

hinaus

Förderung der biologischen Vielfalt und der touristischen Attraktivität der Landschaft:

�� Sicherung und Entwicklung der biologischen Vielfalt

�� Entwicklung eines Biotopverbundsystems orientiert an den vorhandenen (Gewässer-) Strukturen

(Blaues Band)

�� Steigerung der touristischen Attraktivität der geschützten Landschaftsbestandteile und

Schutzgebiete

�� Verbesserung der Umweltbildungsangebote für die Menschen und die Gäste der Region

Bildung und Forschung in der Landwirtschaft:

�� Ausbau der Verflechtungen zwischen der Region Marburger Land und den vorhandenen Bildungs-

und Forschungseinrichtungen zur Verbesserung der ländlichen Kinder-, Jugend- und

Erwachsenenfortbildung.

�� Weiterer Ausbau und Intensivierung der Zusammenarbeit der regionalen Akteure der Landwirtschaft

(Landwirte, Bauernverband, Wasser- und Bodenverband, Landkreis etc.) untereinander

und insbesondere mit der Universität Gießen (Fachbereiche Agrar- und Ernährungswissenschaften)

sowie der Universität Marburg durch Fortsetzung der gemeinsamen Gesprächsrunde

(Expertenrunde)

Ausbau und Förderung der regionalen touristischen Angebote

im landwirtschaftlichen Bereich:

�� Im Rahmen des geplanten Ausbaus der Tourismusangebote in der Region Marburger Land

spielt die landwirtschaftliche Komponente mit einer hohen regionalen Identifikationsmöglichkeit

eine sehr wichtige Rolle.

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REGIONALES ENTWICKLUNGSKONZEPT MARBURGER LAND ENTWICKLUNGSSTRATEGIE

�� Das landtouristische Angebot soll weiter aus- bzw. aufgebaut werden. Die regionale Wertschöpfung

der angebotenen Produkte und Dienstleistungen ist entsprechend zu erhöhen. Die

Schaffung von neuen Arbeitsplätzen ist ebenfalls Entwicklungsziel.

Handlungsfeld 4: Infrastruktur, Wirtschaft und Städtebau

Entwicklungsziele:

Das Dorf als Lebensraum mit Zukunft durch Erhalt bestehender und Schaffung von zukunftsfähigen

Dorf-Infrastrukturen:

�� Verbesserung und Erhalt der Infrastrukturangebote in der gesamten Region durch Konzentration,

Kooperation und Innovation.

�� Sicherung einer strukturellen Grundversorgung in der gesamten Region (inklusive der kleineren

Orts- und Stadtteile).

�� Gezielte Bündelung (Clusterbildung) übergeordneter Infrastruktureinrichtungen in

Grundzentren

�� Aufdecken von Synergieeffekten sowie Möglichkeiten zur Effizienzsteigerung bei der Nutzung

öffentlicher Infrastruktur

Ausbau und Verbesserung des regionalen Wissenstransfers:

�� Ausbau und Vernetzung der Kommunikations- und Bildungsangebote im ländlichen Raum für

alle Bevölkerungsgruppen

�� Abstimmung und Ergänzung der einzelnen Bildungsangebote untereinander

Das traditionelle Dorf als zukunftsfähiger Wohnstandort:

�� Das „Dorf“ als attraktiven Wohn- und Lebensraum erhalten und dem Bevölkerungsrückgang

durch intelligente zukunftsweisende Planungsmaßnahmen und -instrumente entgegenwirken.

Verbesserung der regionalen Mobilität der ländlichen Bevölkerung:

�� Ergänzung des Straßennetzes (z.B. Ortsumgehungen) zur Verkehrsberuhigung und

Verkehrslenkung

�� Ergänzung und Ausbau des Wegenetzes für den nicht motorisierten Verkehr/ Umweltverbund

(ÖPNV, Rad- und Fußgängerverkehr)

�� Steigerung der ÖPNV-Nachfrage und des nicht motorisierten Verkehrsanteils

�� Schaffung von zukunftsfähigen und bedarfsgerechten Beförderungsangeboten

�� Reduzierung des motorisierten Individualverkehrs

�� Schaffung und Ausbau von Park-and-Ride-Parkplätzen

�� Verringerung der verkehrlich bedingten Klimabelastung

(CO2-Ausstoß, Feinstaub etc.)

Wirtschaftsfördernde Projekte und Maßnahmen mit regionaler Bedeutung:

�� Stärkung der Wirtschaftsregion Marburger Land und Erhöhung des Bekanntheitsgrades

�� Etablierung des „Marburger Landes“ als eigenständigen Wirtschaftsstandort mit besonderen

Qualitäten und Ansprüchen

�� Bau und Einrichtung eines „Handwerkerhauses“ zur Präsentation des heimischen Handwerks

an einem zentralen Ort in der Region (mit Verkaufs- und Beratungsmöglichkeiten und als

Standort für Existenzgründer)

�� Umsetzung konkreter Einzelprojekte mit direktem Angebot für die Verbraucher (Ausstellung,

Verkauf, Beratung, Information, Kontakt)

�� Bündelung von Wissen, Know-how und Erfahrung an zentralen Stellen zur Verbesserung der

wirtschaftlichen Attraktivität und Produktivität

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ENTWICKLUNGSSTRATEGIE REGIONALES ENTWICKLUNGSKONZEPT MARBURGER LAND.

�� Förderung neuer Firmen und zukunftsweisender Technologien

(z.B. Energie- und Haustechnik)

�� Förderung von Produktion und Erzeugung regionaler Produkte und deren Vermarktung innerhalb

und außerhalb der Region

�� Stärkung und Ausbau der Zusammenarbeit mit den Hochschulen Marburg und Gießen (inklusive

Versuchsgut Ebsdorfergrund-Rauischholzhausen und Fachhochschule Gießen-

Friedberg) beispielsweise für weitere Kooperationsmöglichkeiten von Hochschule und Wirtschaft

Ausbau der Informations- und Serviceangebote in der Region:

�� Verbesserung des Informationsangebotes für Bürger und Touristen zur Vernetzung und Stärkung

der vorhandenen Angebote der Region.

�� Verbesserung des Marketings der bestehenden Service-Angebote der Kommunen, um eine

höhere Akzeptanz und Auslastung zu erzielen.

Handlungsfeld 5: Soziales und Netzwerke

Entwicklungsziele:

Schaffung und Förderung eines regionalen Bewusstseins:

�� Schaffung und Förderung eines regionalen Bewusstseins

�� Stärkung des ländlichen, kulturellen Profils

Aufbau eines regionalen Sozialnetzwerkes:

�� Unterstützung und Ausbau vorhandener sozialer Infrastrukturen

�� Schaffung und Förderung zukunftsfähiger Organisationsstrukturen im sozialen Bereich

�� Verbesserung der Angebots- und Nachfragesituation

Unterstützung und Verbesserung vorhandener Sozialstrukturen:

�� Verbesserung vorhandener Sozialstrukturen

(Förderung einer gemischten Altersstruktur)

�� Förderung einer gesunden, zukunftsfähigen und nachhaltigen sozialen Entwicklung

Aufbau eines regionalen Wirtschaftsnetzwerkes:

�� Aufbau eines regionalen Wirtschafts-Netzwerkes zur besseren Koordinierung von

��

wirtschaftsfördernden und strukturverbessernden Maßnahmen

Interessensausgleich der Kommunen untereinander zur besseren und gezielten Abstimmung

der Ansiedlungs- und Förderpolitik, etc.

�� Erzeugung und Nutzung von Synergieeffekten im Rahmen der Zusammenarbeit und des Erfahrungsaustausches

zwischen einzelnen Unternehmen und Branchen

�� Förderung und Initiierung von wirtschafts- und imagefördernden Maßnahmen mit Bezug zur

Region

�� Einbeziehung der Hochschulen in Marburg und Gießen zum Wissenstransfer

56


REGIONALES ENTWICKLUNGSKONZEPT MARBURGER LAND ENTWICKLUNGSSTRATEGIE

2.3 Leitprojekte

In den Arbeitsgruppen wurden im Rahmen der Konzeptentwicklung in gemeinsamer Abstimmung insgesamt

vier zentrale Leitprojekte aufgestellt. Diese Leitprojekte haben eine herausragende Bedeutung,

da sie die zu bearbeitenden Themenfelder sinnvoll und prägnant zusammenfassen und so als

klare Aufgabenstellung für die Region zu verstehen sind.

Das Zusammenführen unterschiedlicher Themen unter einer Überschrift bietet die Möglichkeit einer

Sektor übergreifenden Umsetzung von zahlreichen Einzelprojekten und die Erzeugung von Synergieeffekten.

Die gewählten Formulierungen der Leitprojekte sprechen die Beteiligten direkt an und vermitteln bereits

eine Vorstellung der damit verknüpften Ideen sowie den Maßnahmen und Chancen für die Region

Marburger Land.

Die vier Leitprojekte lauten wie folgt:

1 Marburger - Land mit Energie

2 KulTourErlebnis Marburger Land

3 Regionale Netzwerke, ... die verbinden

4 Unsere Dörfer – Lebensraum mit Zukunft

1 2

Abbildung 34 Abbildung 35

3 4

Abbildung 36 Abbildung 37

57


ENTWICKLUNGSSTRATEGIE REGIONALES ENTWICKLUNGSKONZEPT MARBURGER LAND.

LEITPROJEKT 1:

Marburger - Land mit Energie

Die Verknüpfung der Themen Landwirtschaft, Energie und Natur steht für die Region Marburger Land

im Vordergrund ihrer Zukunftsstrategie.

Dies bedeutet, dass die Region Marburger Land u.a. die Erzeugung und Nutzung erneuerbarer Energien

im Bereich der Landwirtschaft sowie der Solarenergie besonders forcieren möchte. Dabei wird

nach Möglichkeiten und Lösungen gesucht, um den zunehmenden Flächenbedarf (für Nahrungsmittel

und für Biomasse) auch zukünftig zu decken und gleichzeitig naturschutzrelevante Flächen zu schützen

und weiterzuentwickeln.

Die im Rahmen von Forschungsprojekten bereits stattfindende und weiter zu intensivierende Zusammenarbeit

mit verschiedenen Fachbereichen der Hochschulen Gießen und Marburg (Fachbereiche

Agrarwissenschaften, Biologie, Geographie, Chemie etc.) bietet dabei die Chance, neue Konzepte zu

entwickeln und Wegbereiter für neue Ideen und Ansätze zu sein. Die im Rahmen einer Expertenrunde

(mit Vertretern von LLH, Unis Gießen und Marburg, Landkreis Marburg-Biedenkopf, Kompetenzteam

Erneuerbare Energien, Wasser- und Bodenverband Marburger Land) im Schloss Rauischholzhausen

angesprochene Verbesserung der Zusammenarbeit sowie die stärkere Integration der Region

Marburger Land in neue Projekte soll weiter ausgebaut und vorangetrieben werden.

Durch den Ausbau des Bereiches Landtourismus steht den landwirtschaftlichen Betrieben der Region

eine weitere Einkommensquelle mit Zukunft zur Verfügung. Durch die Kombination mit Direktvermarktung

und ökologischem Landbau sind hier gute Potentiale vorhanden, um Bewohnern und Touristen

attraktive und qualitätsvolle Produkte und Dienstleistungen anbieten zu können.

Landwirtschaft:

Die Region weist einen hohen Anteil landwirtschaftlich, insbesondere ackerbaulich, nutzbarer Flächen

auf. Es gibt weitestgehend stabile Betriebsstrukturen tlw. mit jungen Betriebsnachfolgern. Direktvermarkter

und Produzenten von „Bio-Lebensmitteln“ sind bereits überdurchschnittlich vertreten. Die Bereiche

Landtourismus sowie Natur- und Landschaftspflege sind noch entwicklungsfähig. Kooperationen

mit den Hochschulen finden bislang schon statt.

Die Erzeugung von Strom, Wärme und Treibstoff durch die Landwirtschaft gewinnt europaweit immer

mehr an Bedeutung. Und die Nachfrage nach alternativen Energieträgern wird zukünftig noch weiter

zunehmen. Die Region Marburger Land bietet hervorragende Voraussetzungen für landwirtschaftliche

Betriebe, sich auf diesem Markt der erneuerbaren Energien langfristig zu etablieren. Die erste Biogasanlage

wurde deshalb in Heskem-Mölln bereits in Betrieb genommen. Daneben werden landwirtschaftliche

Erzeugnisse auch zunehmend in anderen Bereichen eingesetzt, z.B. als alternative

Dämmstoffe.

Gleichzeitig besteht bereits heute eine hohe Nachfrage - insbesondere aus der Universitätsstadt Marburg

- nach regionalen und ökologisch erzeugten Lebensmitteln und Produkten. Eine Kooperation mit

den ansässigen Hochschulen (Mensa) und Gewerbebetrieben sowie örtlichen Lebensmittelhändlern

bietet weiteres Potential. Um den regionalen Kreislauf von Erzeugung, Verarbeitung und Verkauf weiter

zu stärken, soll die Zusammenarbeit mit örtlichen, regional produzierenden Betrieben und Fachgeschäften

(z.B. Fleischereien, Metzgereien, Bäckereien etc.) intensiviert werden.

Es bestehen hervorragende Chancen durch die unmittelbare Nachbarschaft ökologischer Produkte

aus der Region und regional orientierter Nachfrage aus dem Oberzentrum Marburg, exemplarisch

einen regionalen Wirtschaftskreislauf anzulegen und zu verstärken.

58


REGIONALES ENTWICKLUNGSKONZEPT MARBURGER LAND ENTWICKLUNGSSTRATEGIE

Durch den Ausbau und die Schaffung von neuen Angeboten im Bereich Landtourismus soll der Bereich

Landwirtschaft zusätzlich gestärkt und weiterentwickelt werden. Die Schaffung zusätzlicher Einkommensquellen

und die Bereicherung des touristischen Angebotes der Region stehen hierbei im

Vordergrund.

Energie:

Förderung und Ausbau regenerativer Energiequellen sind Hauptziele der Region. Dabei kommt aus

Sicht der Region neben der Erzeugung und Verwertung von Biomasse insbesondere der Nutzung von

Sonnenenergie eine hohe Bedeutung zu (Photovoltaik und Solarthermie).

Die nachhaltige Nutzung von Holz (mit Scheitholz, Hackschnitzel- und Pellets-Öfen) sowie die Reaktivierung

vorhandener Wassermühlen, die Nutzung von Erdwärme im Neubaubereich sowie der Bau

von Blockheizkraftwerken (BHKW) stellen zusätzliche Möglichkeiten zur Reduzierung des Verbrauchs

von fossilen Brennstoffen dar.

Die Förderung und der Ausbau von derartigen Anlagen sind neben der Energieberatung und der

Durchführung von Energiesparmaßnahmen in privaten und öffentlichen Bereichen zentrale Bestandteile

der geplanten Energieprojekte.

Natur:

Die Region Marburger Land hat in den zentralen Naturräumen Marburg-Gießener Lahntal mit Lahntalsenke

und Lahnbergen sowie Amöneburger Becken mit Ohmsenke und Ebsdorfer Grund zahlreiche

hochwertige Natur- und Landschaftsbereiche aufzuweisen, die auch überregional von hoher Bedeutung

sind.

Insbesondere die (auch touristisch) attraktive Flusslandschaft von Lahn, Zwester-Ohm, Ohm, Allna

und Ohe etc. stellt ein entwicklungsfähiges Biotopsystem dar, welches bereits heute in Teilen durch

zahlreiche FFH- und Vogelschutzgebiete (Natura2000-Flächen) gesichert ist.

Die überregionale Bedeutung als Vogelzugkorridor (Skandinavien-Afrika-Route) unterstreicht die Wertigkeit

dieser Flächen und verdeutlicht die Notwendigkeit für weitere bestandserhaltende und strukturverbessernde

Maßnahmen, z.B. durch ein Biotopverbundsystem „Blaues Band“ und verschiedene

Biotopbrücken.

Kulturlandschaftlich einzigartige Besonderheiten wie z.B. die Amöneburg (mit einem der ältesten Naturschutzgebiete

Hessens) ergänzen die genannten Schutzgebiete.

Durch die Wiederansiedlung bzw. lebensraumunterstützende Maßnahmen von ausgewählten Kennarten

wie Storch, Bekassine, Lachs und Biber könnten weitere positive Effekte erzielt werden.

Entwicklungsfähiges, d.h. auch touristisches Potential bietet auch die geologische Vielfalt innerhalb

der Region, die vom Rheinischen Schiefergebirge (Elnhausen), über den Buntsandstein (Wehrshausen/

Marburg-Kernstadt), das Lahntal und die Lahnberge, den Lößböden im Ebsdorfergrund und Amöneburger

Becken bis zum Basalt- und Vulkankegel Amöneburg (Ausläufer Vogelsberg) reicht.

Innovative, moderne Landnutzungskonzeptionen sollen die zukünftige Nutzung und Aufteilung der

unbebauten Flächen regeln und dazu beitragen, ein Nebeneinander von Landwirtschaft, Forstwirtschaft

und Naturschutz zu ermöglichen und langfristig zu gewährleisten.

Durch die Einbindung und Kooperation mit den örtlichen Hochschulen können auch im Bereich Umwelt

und Natur neue Lösungsansätze und Konzepte entworfen und getestet werden.

Die Möglichkeit, Bildungsangebote zum Thema Natur und Umwelt zu vertiefen und an Interessierte in

der Region zu vermitteln, ergänzt die Gesamtkonzeption und trägt zur Erhöhung der Akzeptanz bei

der Bevölkerung und zur Steigerung der Bedeutung der Naturschutzflächen bei. Darüber hinaus bietet

dieses Thema auch ein großes Potential für touristische Angebote. Ausbaufähig und hierfür ideal

geeignet sind u.a. das Naturschutz-Informations-Zentrum-Amöneburg (NIZA) sowie das Jugendwaldheim

Ebsdorfergrund-Roßberg.

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ENTWICKLUNGSSTRATEGIE REGIONALES ENTWICKLUNGSKONZEPT MARBURGER LAND.

LEITPROJEKT 2:

KulTourErlebnis Marburger Land

Die Region Marburger Land soll zukünftig durch die Verknüpfung und Schaffung einzelner kultureller

und touristischer Attraktionen ein breit gefächertes und einzigartiges Spektrum an Kultur- und Erlebnisangeboten

bieten.

Ein Fokus liegt dabei auf der Stärkung und dem Ausbau des Landtourismus in der Region. Durch die

Erarbeitung und Verwirklichung alternativer und innovativer Konzepte sollen außergewöhnliche Angebote

entstehen, die sich deutlich von den städtischen „Mainstream“-Angeboten unterscheiden und

mit besonderen Erlebnismöglichkeiten neue Besuchergruppen ansprechen. Gleichzeitig sollen regionale

Wirtschaftskreisläufe dauerhaft etabliert und die Wertschöpfung insgesamt gesteigert werden

Die direkte Nähe zur Universitätsstadt Marburg und deren touristische Magnetwirkung sollen stärker

genutzt werden, um auch für die (ländliche) Region weitere touristische Marktsegmente und Zielgruppen

zu erschließen. Hierfür ist eine stärkere Verknüpfung der Angebote von Stadt und Land notwendig.

Daneben ist beabsichtigt, die mit den regionalen Besonderheiten und Traditionen verbundenen Potentiale

stärker zu betonen und authentische, unverwechselbare, touristische Angebote mit Bezug zur

Region Marburger Land zu entwickeln. Hierzu zählen beispielsweise die noch gelebte Volkstanz- und

Trachten-Tradition, die Osterei-Malerei in Amöneburg sowie die zahlreichen kirchlichen Feste und

Traditionen.

Diese und weitere regionale Traditionen und Besonderheiten in Kultur, Geschichte, Sprache/ Dialekt,

Küche, Brauchtum, Handwerk, Landschaft und Landwirtschaft sollen gezielt herausgearbeitet und

ausgebaut werden. Zielsetzung ist die Förderung der regionalen Identität und die Entwicklung von

neuen Angeboten mit Bezug zur Region und den kulturellen Highlights (Themen wie die Hl. Elisabeth,

Wiege des Hessenlandes, Konfessionsgrenze, prähistorische Siedlungen, Regionale Küche, Ubbelohde-Märchenmotive

bieten ein breites Betätigungsfeld). In diesem Sinne sollen unter anderem

Spiel-, Freizeit- und Kultur, Erlebnisangebote zu regional bedeutsamen Themen geschaffen werden.

Die Infrastruktur für Erlebnis- und Aktiv-Urlauber (Radfahrer, Wanderer, Nordic-Walker, Skater, Wassersportler,

Reiter) und auch andere Besuchergruppen wie Pilger ist in Teilen bereits vorhanden und

soll weiter ausgebaut und ergänzt werden.

Die Angebote im Gastronomie- und Beherbergungssektor sollen verstärkt ausgebaut und ergänzt

werden. Favorisierte Standorte befinden sich nicht nur entlang der klassifizierten/ überregionalen

Rad-, Wander- und Pilgerrouten sondern in der gesamten Region.

Der bislang nur wenig entwickelte Landtourismus soll stärker vorangetrieben und ausgebaut werden.

Die Landwirtschaft wird durch die vorgesehene Diversifikation und Schaffung zusätzlicher Einkommensquellen

zusätzlich unterstützt und gefördert. Ferner stehen in diesem Zusammenhang die Bereicherung

und weitere Spezialisierung des touristischen Gesamtangebotes der Region im Vordergrund.

Die kulturelle und touristische Infrastruktur soll ausgebaut und ergänzt werden. Dies beinhaltet unter

anderem die Neugestaltung und den Ausbau von Veranstaltungsorten (z.B. durch bislang fehlende

Freilicht-Bühnen) sowie die allgemeine Verbesserung der Veranstaltungsinfrastruktur.

60


REGIONALES ENTWICKLUNGSKONZEPT MARBURGER LAND ENTWICKLUNGSSTRATEGIE

LEITPROJEKT 3:

Regionale Netzwerke ... die verbinden

Der Aufbau und die Einrichtung dezentraler und regionaler Netzwerke in den Haupt-Bereichen Kultur,

Soziales, Tourismus, Wirtschaft, Städtebau und Infrastruktur stellt eine zentrale und zukunftsentscheidende

Aufgabe für die Region Marburger Land dar.

Durch den Ausbau und die Vernetzung der bestehenden Strukturen wird es zukünftig möglich sein, in

den o.g. Bereichen Standortvorteile und Synergieeffekte zu entwickeln, auszubauen und zu nutzen.

Die Versorgung der Bürgerinnen und Bürger in allen Teilen der Region mit Dienstleistungen, Waren

und Informationen kann dadurch weiter ausgebaut und optimiert werden.

Die aufgrund der demographischen Entwicklung allgemein prognostizierten bzw. zu erwartenden

Nachteile für den ländlichen Raum können so verzögert, verhindert oder zumindest abgeschwächt

werden.

Allgemein:

Die bestehenden, dezentralen Strukturen der Region sind zu stärken und auf den verschiedenen

Handlungsebenen (Kultur, Soziales etc.) weiter auszubauen und zu vernetzen. Eine Verknüpfung mit

den übrigen städtischen Marburger Stadtteilen sowie der Stadt Marburg ist sinnvoll und auch notwendig,

um effiziente Strukturen zu schaffen.

Durch die Einrichtung eines dezentralen Kommunikationsforums (z.B. Runder Tisch) unter Beteiligung

aller regionaler Partner besteht die Möglichkeit, gemeinsame Aufgaben und Ideen in regelmäßigen

Abständen zu erörtern, abzustimmen und untereinander aufzuteilen.

Die fünf Regionalbeauftragten des Regionalmanagements sind direkt zuständig für die Entwicklung

und Umsetzung der Projekte der Region. Sie stehen den anderen Kommunen und den Bürgern zudem

jederzeit als Ansprechpartner zur Verfügung.

Die Regionalbeauftragten stellen das Grundgerüst der regionalen Netzstruktur dar und unterstützen

gleichzeitig die privaten, gewerblichen, öffentlichen und kirchlichen Projektträger und Interessensverbände.

Dadurch werden die unterschiedlichen, regionalen Angebote und Nachfragen miteinander in

Verbindung gesetzt, konzentriert und verbessert.

Die Förderung und der Ausbau des ehrenamtlichen Engagements ist wesentlicher Bestandteil und

Grundvoraussetzung für ein funktionierendes Netzwerk. Die Ansprache von Privatleuten und deren

Einbeziehung in die Umsetzung von Projekten ist zentrale Aufgabe der Regionalbeauftragten.

Die Schulung und Weiterbildung von Ehrenamtlichen und leitenden Akteuren (Regionalbeauftragten)

steht im Vordergrund bei der Umsetzung von allen Projekten, z.B. im Rahmen der Nachbarschaftshilfe.

Die Vernetzung und Abstimmung der kommunal bestehenden Printmedien verbessert das Informationsangebot

für Bewohner und Besucher der gesamten Region.

Kultur:

Durch den Ausbau und die Neuordnung der bestehenden kulturellen Angebote und Organisationsformen

in der Region wird es möglich, zukünftig gemeinsam Veranstaltungen und größere Kulturevents

wie z.B. ein „Sommerfestival Marburger Land“ oder einen „Marburger Winterzauber“ zu planen

und durchzuführen.

Das Zusammenwachsen der Region und die Vertiefung der Beziehungen untereinander soll über den

kulturellen Austausch und gemeinsame Aktionen wesentlich verbessert werden.

61


ENTWICKLUNGSSTRATEGIE REGIONALES ENTWICKLUNGSKONZEPT MARBURGER LAND.

Gleichzeitig ist dadurch eine Steigerung der Qualität sowie eine thematische Ergänzung der Kulturveranstaltungen

möglich, sodass für Bürger und Gäste der Region eine deutliche Bereicherung und

Verbesserung der kulturellen Angebote insgesamt erreicht werden kann.

Die Abstimmung und Herausgabe eines gemeinsamen Veranstaltungskalenders vervollständigt das

kulturelle Angebot der Region.

Soziales:

Durch die Verknüpfung und Bündelung der zahlreichen bestehenden sozialen Einrichtungen und Angebote

soll ein regionales Sozial-Netzwerk aufgebaut werden, das sowohl die private als auch die

kommunale und kirchliche Ebene miteinander verknüpft.

Die Verbesserung des Netzwerkes für soziale Infrastrukturen dient der Optimierung des gegenseitigen

Informations- und Erfahrungsaustausches, der Angebotspalette und der Wirtschaftlichkeit bzw.

Tragfähigkeit einzelner Aktivitäten.

Schwerpunkte der Entwicklung für die Stärkung und Aufwertung funktionierender sozialer Netzwerke

sind im Besonderen Familien, Frauen und Senioren (Generation 50+).

Eine verbesserte Veröffentlichung und Nutzung der sozialen Angebote ist unerlässlich, um diese

langfristig in der Region etablieren zu können.

Tourismus:

Die touristischen Aktivitäten spielen in den einzelnen Kommunen bislang eine unterschiedliche und

teilweise nur untergeordnete Rolle. Eine Vernetzung der Angebote der einzelnen Kommunen ist nur

in wenigen Teilbereichen vorhanden und muss weiter ausgebaut und intensiviert werden. Dazu zählt

neben der interkommunalen Zusammenarbeit als Touristische Arbeitsgemeinschaft (TAG) auch der

Austausch mit den Tourismusorganisationen der Stadt Marburg (MTM GmbH), des Landkreises Marburg-Biedenkopf

(TOuR GmbH) sowie der Destination Lahntal.

Die bessere Vermarktung der Region als Teil der Destination Lahntal und ein intensiver Ausbau der

touristischen Stadt-Land-Beziehungen steht im Vordergrund des Projektes

Die Steigerung des Bekanntheitsgrades der Region und die Entwicklung und Vermarktung eines unverwechselbaren

Profils der Region ist dabei Grundvoraussetzung für einen überregionalen Erfolg

und erfolgt in direkter Abstimmung mit der Destination Lahntal.

Wirtschaft:

Da keine eigene Wirtschaftsregion „Marburger Land“ existiert und die ansässigen Unternehmen zumeist

selbständig planen und handeln, orientiert sich die Wirtschafts- und Ansiedlungspolitik momentan

eher an den Einzelinteressen der Kommunen und Unternehmen.

Um eine bessere Abstimmung der Interessen untereinander bzw. zwischen Kommunen und Unternehmen

zu ermöglichen, soll ein regionales Wirtschafts-Netzwerk aufgebaut werden.

Die Förderung und Initiierung von wirtschafts- und imagefördernden Maßnahmen mit Bezug zur Region

soll durch ein effizientes und zielgruppengerichtetes Standortmarketing unterstützt werden.

Das Netzwerk dient der Abstimmung gemeinsamer Strategien und Projekte sowie der besseren Koordinierung

von wirtschaftsfördernden und strukturverbessernden Maßnahmen.

Die Erzeugung und Nutzung von Synergieeffekten im Rahmen der Zusammenarbeit und des Erfahrungsaustausches

von einzelnen Unternehmen und Branchen soll angestoßen und weiter vorangetrieben

werden.

Ziel der regionalen Bemühungen ist auch der Abbau des bisherigen kommunalen Konkurrenzdenkens

im Bereich von Flächenausweisungen und Gewerbeansiedlungen.

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REGIONALES ENTWICKLUNGSKONZEPT MARBURGER LAND ENTWICKLUNGSSTRATEGIE

Die Produktion und Erzeugung regionaler Produkte und deren Vermarktung innerhalb und außerhalb

der Region („Aus der Region für die Region und die Stadt“) soll initiiert und gefördert werden.

Eine besondere Stellung bei der Konzentration und Vernetzung von Wissen und Wirtschafts-

Kompetenz in der Region nimmt beispielsweise das geplante „Handwerkerhaus“ in Ebsdorfergrund-

Heskem ein. Durch die gemeinsame Präsentation von Handwerkern in einem zentralen Gebäude hat

der Kunde die einzigartige Möglichkeit, sich konkret bei verschiedenen Firmen und Unternehmen zu

informieren und direkt in Kontakt mit den Handwerkern unterschiedlichster Gewerke zu treten.

Städtebau:

Die Siedlungsentwicklung der letzten Jahrzehnte und der voranschreitende Strukturwandel haben

ihre Spuren in den historischen Dörfern hinterlassen. Nun gilt es, neue Strategien zu entwickeln und

die Innenentwicklung zu stärken, um die Dörfer fit für die Zukunft zu machen und als moderne und

lebenswerte Wohnstandorte zu entwickeln.

Zur Weiterentwicklung und Neustrukturierung der Dörfer der Region ist eine fachlich abgestimmte und

zukunftsgerichtete Vorgehensweise erforderlich.

Die Zusammenarbeit der Kommunen, der gemeinsame Erfahrungsaustausch und die Durchführung

von zielgerichteten Bestandsaufnahmen und Umstrukturierungsmaßnahmen sind notwendig und lassen

sich als Region gleichzeitig besser und effektiver durchführen und auf die regionalen und lokalen

Bedürfnisse abstimmen.

Als Partner dieses Netzwerkes stehen neben den Kommunen und zuständigen Behörden auch Banken,

die Immobilienwirtschaft und Planer (Architekten, Stadtplaner) zur Verfügung. Die gemeinsame

Durchführung von Modellprojekten (wie z.B. in Schröck) trägt zur Bewusstseinsbildung in allen Bevölkerungs-Schichten

bei und fördert die weitere konkrete Zusammenarbeit.

Die Schaffung neuer Siedlungs- und Wohnkonzepte für die Dörfer der Region können bei gemeinsamer

Durchführung modellartig geplant, umgesetzt und übertragen werden.

Infrastruktur:

Der demographische Wandel und die damit prognostizierten Veränderungen für den ländlichen Raum

machen es notwendig, schon frühzeitig Maßnahmen zu definieren, die dazu beitragen, den Lebensstandard

in den Dörfern zu erhalten und wichtige Infrastruktureinrichtungen langfristig zu sichern.

Die Vernetzung der bestehenden Infrastrukturen und die Optimierung des Nutzungsgrades der einzelnen

Infrastruktureinrichtungen der Region sind Grundvoraussetzung für die Versorgung der Dörfer

in der gesamten Fläche der Region.

Eine Abstimmung der Kommunen untereinander sowie die Verknüpfung der Angebote fördert und

verbessert die regionale Infrastruktur in den Bereichen Mobilität, Nahversorgung, Ver- und Entsorgung,

Verwaltung, Sport, öffentliche Einrichtungen und Gebäude etc.

Eine professionelle Vermarktung der vorhandenen Infrastruktur trägt zu einer besseren Auslastung

und damit ihrem langfristigen Erhalt bei.

63


ENTWICKLUNGSSTRATEGIE REGIONALES ENTWICKLUNGSKONZEPT MARBURGER LAND.

LEITPROJEKT 4:

Unsere Dörfer – Lebensraum mit Zukunft

Das traditionelle Dorf der Region soll weiterentwickelt und zum attraktivem Wohn- und Lebensraum

aus- und umgebaut werden. Das Wechselspiel von Stadt und Land mit der direkten Nähe zur Universitätsstadt

Marburg bietet dabei ganz besondere Potentiale, die entsprechend zu berücksichtigen

sind.

Um dem prognostizierten Bevölkerungsrückgang entgegenzuwirken, sind intelligente und zukunftsweisende

Planungsmaßnahmen und -instrumente notwendig.

Eine zukunftsfähige Entwicklung der Dörfer wird durch die Sicherung einer strukturellen Grundversorgung

und die städtebauliche Neuordnung gewährleistet.

Um den Folgen des demographischen Wandels und den damit verbundenen negativen Entwicklungen

frühzeitig entgegenzuwirken, soll das Dorf durch die gezielte Förderung sowohl von Familien als

auch Senioren als heterogene Lebensgemeinschaft entwickelt und gesichert werden.

Durch diesen ganzheitlichen Ansatz zur Neustrukturierung werden die Dörfer als Lebensraum für

Jung und Alt auch in Zukunft eine attraktive und vorteilhafte Alternative zur Stadt darstellen.

Es soll ein regionales Flächen- und Leerstandsmanagement sowohl für die alten Ortskerne als auch

für die Einfamilienhausgebiete der 50er, 60er und 70er Jahre initiiert und aufgebaut werden. Grundlage

bildet eine Bestandsaufnahme aller Leerstände in der Region sowie die Erstellung einer Leerstandsdatenbank

(z.B. Fachwerk- und Immobilienbörse). Gleichzeitig ist es notwendig, in der Bevölkerung

durch gezielte Bildungs- und Öffentlichkeitsarbeit Bewusstsein für den zunehmenden Leerstand

zu schaffen.

Die historischen Dorfkerne sollen durch die Entwicklung neuer Konzepte als attraktive Wohnstandorte

insbesondere für Familien und Senioren ausgebaut werden. Hierfür ist eine Förderung und Beratung

der privaten Eigentümer erforderlich. Die betroffenen Akteure (Eigentümer, Bauherren, Banken, Makler,

Denkmalschutz etc.) sollen bei der Konzepterstellung eingebunden und die unterschiedlichen Interessen

zusammengeführt werden. Zur weiteren Stärkung der Ortskerne werden die Innenentwicklung

und die Nutzung von Baulücken forciert. Neue Bauflächen sollen bedarfs- und marktorientiert

ausgewiesen werden.

Die vorhandenen öffentlichen und privaten Infrastrukturangebote sollen durch Konzentration, Kooperation

und Innovation verbessert und weitgehend erhalten werden. Synergieeffekte und Möglichkeiten

zur Effizienzsteigerung bei der Nutzung von Infrastruktureinrichtungen sollen aufgezeigt und entwickelt

werden. Gleichzeitig ist die Schaffung alternativer Nahversorgungsangebote in den Ortsteilen

ohne Grundversorgung vorgesehen. Ziel ist die Sicherung einer dem Bedarf angepassten Grundversorgung

in der ganzen Region sowie die Förderung von zukunftsfähigen Dorf- und Infrastrukturen.

Hinsichtlich der Verbesserung der Mobilität der nicht motorisierten Bevölkerungsteile ist die Schaffung

von zukunftsfähigen und bedarfsgerechten Beförderungsangeboten notwendig. Das Wege- und Verkehrsnetz

für den nicht motorisierten Verkehr und Umweltverbund (ÖPNV, Rad- und Fußgängerverkehr)

soll ergänzt und ausgebaut werden. Ziel ist die Steigerung der ÖPNV-Nachfrage, des ÖPNV-

Angebotes und des nicht motorisierten Verkehrsanteils bei gleichzeitiger Reduzierung des motorisierten

Verkehrsanteils. Ferner wird eine Verringerung der verkehrlich bedingten Klimabelastung angestrebt.

64


REGIONALES ENTWICKLUNGSKONZEPT MARBURGER LAND ENTWICKLUNGSSTRATEGIE

2.4 Begründung des Maßnahmeneinsatzes

Im Zuge der Analyse und Diskussionen im Laufe der Konzeptentwicklung haben sich für die Region

Marburger Land die Themenbereiche Landwirtschaft, Energie, Netzwerke, Entwicklung der Dörfer

und Tourismus als entscheidende Arbeitsfelder der Zukunft herausgebildet.

Da keines dieser Themenfelder über den anderen stehen soll, sind alle Bereiche gleich stark zu gewichten.

Die noch junge Region Marburger Land hat einen Nachholbedarf bei der Umsetzung und

Entwicklung all dieser Themenbereiche. Es wurde allerdings auch erkannt, dass sehr viel Potential in

den genannten Handlungsfeldern steckt bzw. in Teilen schon vorhanden ist. Einzelne Personen, Organisationen

und Kommunen leisten hier bereits einen erheblichen Beitrag, den es nun auf die anderen

Partner zu übertragen gilt.

Die Region hat sich bewusst dazu entschieden, die genannten Handlungsfelder und Leitprojekte mit

hoher Intensität gleichwertig umzusetzen. Durch die Zusammenfassung einzelner Themenbereiche

innerhalb der vier gewählten Leitprojekte wird die Vernetzung und das Zusammenwirken einzelner

Handlungsstränge noch deutlicher.

Nachfolgend werden den verschiedenen Leitprojekten der Region die einzelnen Maßnahmen des

EPLR zugeordnet und begründet:

Leitprojekt „KulTourErlebnis Marburger Land“:

Die Themen Tourismus, Kultur und Freizeit wurden unter dem Leitprojekt „KulTourErlebnis Marburger

Land“ zusammengefasst. Da die Region ein Ferien- und Urlaubsziel ist, welches bislang nur wenig

wahrgenommen wird, soll durch den Ausbau der touristischen Infrastruktur und die Verbesserung des

kulturellen Angebots sowie der Freizeit- und Erlebniseinrichtungen eine wesentliche qualitative und

quantitative Aufwertung der Region erzielt werden.

Einzelne Maßnahmen wie landtouristische Investitionen landwirtschaftlicher Betriebe (Code

311B), landtouristische kleine Infrastrukturinvestitionen und Marketingaktivitäten (Code 313)

sowie Investitionen für Einrichtungen zur Information über Landschafts- und Kulturgeschichte

(Code 323) können wesentlich und konkret über Einzelprojekte dazu beitragen, neue Impulse zu setzen

und eine langfristige positive Entwicklung im Bereich Freizeit, Kultur und Tourismus in der Region

anzustoßen.

Durch die unmittelbare Nähe zur Stadt Marburg, steht neben den Touristen im Lahntal (Radfahren,

Wandern und Wasserwandern) auch die weiter zunehmende Zahl der Städtetouristen sowie der Besucher

von Tagungen und Kongressen im Vordergrund der touristischen Bemühungen. Der hohe Anteil

von Tagestouristen aus der Stadt Marburg aber auch aus Ballungszentren wie dem Rhein-Main-

Gebiet bietet ebenfalls ausreichend Potential für die erfolgreiche Umsetzung der Projekte und Maßnahmen.

Die verbesserte Einbindung in die Destination Lahntal durch Ergänzung des touristischen

Angebotes ist positiv zu bewerten und verstärkt die zukünftigen Entwicklungsmöglichkeiten.

65


ENTWICKLUNGSSTRATEGIE REGIONALES ENTWICKLUNGSKONZEPT MARBURGER LAND.

Leitprojekt „MarburgerLand mit Energie“:

Die Verknüpfung der Themen Landwirtschaft, Energie, Umwelt und Natur zum Leitprojekt „Marburger

Land mit Energie“ stellt wichtige Zusammenhänge her und begründet den Einsatz der Maßnahmen.

Durch die besonders guten landwirtschaftlichen Rahmenbedingungen in großen Teilen der Region

haben Investitionen sowohl landwirtschaftlicher Betriebe als auch sonstiger Träger zur Nutzung

von Biorohstoffen (Codes 311 A und B) eine besondere Bedeutung.

Die Verbesserung der landwirtschaftlichen Rahmenbedingungen, die Verbesserung der Einkommenssituation

sowie der Erhalt und die Schaffung von zusätzlichen Arbeitsplätzen sind maßgebliche

Aufgaben im Bereich Landwirtschaft, die notwendig sind um die Betriebe der Region dauerhaft zu erhalten

und zu sichern. Ein weiterer Abbau von Arbeitsplätzen und die Aufgabe von Haupt- und Nebenerwerbslandwirten

soll damit gezielt verhindert werden.

Durch die gezielte Zusammenarbeit mit den Universitäten in Marburg und Gießen (Standort Rauischholzhausen)

soll der Standortvorteil der Region besser genutzt werden, um gemeinsame Forschungsprojekte

und neue Lösungsansätze innerhalb der Region konkret wissenschaftlich zu untersuchen

und dann auch direkt umzusetzen.

Durch die zukünftig stärkere Ausrichtung der regionalen Landwirtschaft auf die Erzeugung nachwachsender

Rohstoffe, insbesondere zur Energieerzeugung, steht das Thema „Bio-Energie“ in der Region

sehr hoch im Kurs.

Doch nicht alleine die Landwirtschaft ist hier zu betrachten und weiter zu fördern. Die Region Marburger

Land will gleichzeitig auch die forstwirtschaftliche Nutzung und die Erzeugung von Brennstoffen

(Holz), die Ausweitung der Nutzung von Solarenergie, die Nutzung weiterer alternativer Energiequellen

(Wasser, Erdwärme etc.) sowie zusätzliche Energiespar- und Klimaschutzmaßnahmen im privaten

und öffentlichen Bereich fördern und unterstützen. Ziel aller Bemühungen ist die Schaffung eines

umweltverträglichen Energiemixes, der dazu beiträgt, die Region Marburger Land zu einem hohen

Anteil unabhängig von fossilen Energieträgern zu machen.

Die Bewahrung von Natur und Umwelt als erklärtes Ziel der Region steht auch aufgrund der jüngsten

Entwicklung durch ein stark gestiegenes Preisniveau und die gestiegene Nachfrage nach ertragsfähigen

Flächen in unmittelbarem Zusammenhang mit dem Thema regionale Landwirtschaft.

Zum Schutz und zur weiteren Verbesserung der wertvollen Bestandteile von Natur und Landschaft in

der Region Marburger Land soll eine enge Abstimmung zwischen Landwirtschaft und Naturschutz

dazu beitragen, möglichst einvernehmliche Lösungen zu finden und Landnutzungskonflikte zu vermeiden

bzw. gemeinsam zu lösen. Die zukünftige landwirtschaftliche Flächennutzung sowie die Bewahrung

von Schutzgebieten ist gleichzeitig ein Garant für den Erhalt der Kulturlandschaft und deren

Wert für den Tourismus in der Region.

Maßnahmen der Flurneuordnung sollen die Entwicklung von Landwirtschaft sowie Natur und Landschaft

in der Region entsprechend unterstützen. Dabei stehen Verfahren wie der „Freiwillige Nutzungstausch“

stark im Vordergrund, da so bereits kurzfristig Erfolge erzielt werden können. Zusammen

mit der Universität Gießen durchgeführte Projektstudien zu diesem Thema (in Schröck und Rüdigheim)

sind fortzusetzen, auszuweiten und auf andere Gemarkungen zu übertragen.

66


REGIONALES ENTWICKLUNGSKONZEPT MARBURGER LAND ENTWICKLUNGSSTRATEGIE

Leitprojekt „Regionale Netzwerke ... die verbinden“:

Die unter dem Leitprojekt „Regionale Netzwerke ... die verbinden“ zusammengefassten Themenbereiche

umfassen alle wichtigen Handlungsfelder des privaten und öffentlichen Lebens. Dabei werden

die Bereiche Kultur, Soziales, Tourismus, Wirtschaft, Städtebau und Infrastruktur besonders herausgestellt.

Das Thema „Netzwerk“ spricht alle Ebenen des täglichen Lebens an und ist somit von besonderer

Bedeutung für die Region Marburger Land.

Da aufgrund der zu erwartenden gesellschaftlichen Veränderungen durch den demographischen

Wandel fast alle Menschen der Region betroffen sein werden, ist es besonders wichtig, schon heute

funktionierende Strukturen aufzubauen, um den Bürgern auch zukünftig das Leben auf dem Land attraktiv

und positiv zu gestalten.

Durch verschiedene Maßnahmen wie Schulungen für Wirtschaftsakteure (Code 331), Schulungen

für Ehrenamtliche und leitende Akteure sowie Entwicklungskonzeptionen und Binnenmarketing

(Codes 341, 1-4) sollen die Verantwortlichen und aktiven Personen der Region dazu angeleitet

werden, diese Netzwerke aufzubauen und zu aktivieren.

Leitprojekt „Unsere Dörfer – Lebensraum mit Zukunft“:

Maßnahmen zum Erhalt und zur Förderung der Region als Wohn- und Arbeitsraum werden unter dem

Leitprojekt „Unsere Dörfer - Lebensraum mit Zukunft“ zusammengefasst. Dabei spielen die Veränderungen

durch den demographischen Wandel auch hierbei eine wesentliche Rolle, um schon heute

sinnvolle und effektive Maßnahmen für die zukünftige Entwicklung anzustoßen.

Durch die Förderung von Existenzgründungsinvestitionen (Code 312), Diversifizierungsinvestitionen

landwirtschaftlicher Betriebe (Code 311 C), Investitionen für Versorgungs- und Dienstleistungseinrichtungen

(Code 321 A) sowie die Dorferneuerung sollen wichtige Projekte zur Entwicklung

der Dörfer angestoßen und umgesetzt werden. Ziele sind die städtebauliche Aufwertung der

Siedlungsbereiche sowie die Verbesserung und Ergänzung von Versorgung und Infrastruktur zum

Erhalt lebenswerter und unverwechselbarer Dörfer in der Region Marburger Land.

Eine überproportionale Gewichtung eines der vier Leitprojekte soll bewusst nicht stattfinden. Die Region

will in den genannten Themenbereichen aktiv die Zukunft gestalten und eine positive Entwicklung

anstoßen. Die Themenbereiche überschneiden sich in Teilen und es bestehen unmittelbare kausale

und funktionale Zusammenhänge. Durch das gleichzeitige und effiziente Bearbeiten aller Maßnahmenfelder

sind zudem positive Neben- und Synergieeffekte zu erwarten. Die Rückstellung eines

Themenbereichs würde hingegen lediglich zu einem zeitlichen Verschieben notwendiger Maßnahmen

führen. Dies soll unbedingt vermieden werden. Eine ausführliche Begründung und Darstellung aller

ausgewählten Maßnahmen erfolgt in Kapitel 3 (nächste Seite) in Form der Beschreibung von Problemen,

Zielen, Strategien und Wirkungen zu jeder der einzelnen Maßnahme gemäß Anforderungskatalog.

67


REGIONALES ENTWICKLUNGSKONZEPT MARBURGER LAND MASSNAHMEN

3 Maßnahmen

Aufgeführt sind lediglich die Maßnahmen des Anforderungskataloges, für die Fördermittel eingesetzt

werden sollen. Die übrigen Punkte der Gliederung entfallen.

3.1 Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit der Land- und Forstwirtschaft

3.1.3 Flurneuordnung

Flurneuordnung (Code-Nr. 125 B)

Probleme

Die Lage, Größe und Aufteilung der landw. Nutzflächen in der Region genügt nicht mehr den heutigen

Ansprüchen und bedarf in Teilen einer Überarbeitung, um eine moderne und effektive Landwirtschaft

in Zukunft zu ermöglichen. Insbesondere lange Fahrzeiten mindern heute noch die Wirtschaftlichkeit.

Die Flächenstruktur ist zu oft kleinparzelliert (durchschnittliche Schlaglänge ca.

120 m) und zersplittert. Die Wegenetzstruktur ist unzureichend: Überörtliche und gemarkungsübergreifende

Wegebeziehungen fehlen. Wege- und Brückenbreiten sind unterdimensioniert.

Ziele

Die Verbesserung der Wege- und Flächen-Infrastruktur der ländlichen Bereiche der Region dient

der Steigerung der Produktivität, der Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit, der Entwicklung der

Natur- und Kulturlandschaft, dem Hochwasserschutz sowie der Verbesserung der Verkehrssituation

in und um die Ortschaften herum.

Strategien

Die laufenden und geplanten Flurneuordnungsmaßnahmen sind zu optimieren. Schnellere und

einfache Verfahren wie freiwilliger Land- und Nutzungstausch sind zu forcieren. Die Maßnahmen

sind so auszurichten, dass eine hohe Wirtschaftlichkeit durch Erhöhung von Investitionen u.a. mit

Blick auf traditionelle Felder der Landwirtschaft und neue Märkte (z. B. Erneuerbare Energien) sowie

die Sicherung und Schaffung von Arbeitsplätzen erreicht wird. Die Erhaltung des charakteristischen

Landschaftsbildes ist zu beachten.

Wirkungen

Erwartet wird eine effizientere Landnutzung durch die Zusammenlegung und Erschließung von

Flächen aufgrund der geänderten Zielsetzungen in der Landwirtschaft und der beabsichtigten Erhöhung

der Wirtschaftlichkeit. Dadurch Stabilisierung der Erwerbs- und Arbeitsplatzsituation und

Schaffung von zukunftsorientierten Grundlagen für die landw. Betriebe. Eröffnung neuer Märkte

und Vertriebswege. Verkehrsberuhigung in den Ortskernen und Verbesserung der Fahrbeziehungen

und somit Einsparung von Treibstoffen.

Maßnahmenbeschreibung und Einzelprojekte

Das Forschungsprojekt „Freiwilliger Nutzungstausch“ der Universität Gießen, Fachbereich Agrarwissenschaften,

in Marburg-Schröck und Amöneburg-Rüdigheim wird weitergeführt bzw. ausgedehnt.

Einzelne laufende Flurbereinigungsverfahren (z.B. im Zuge von Straßenbaumaßnahmen

wie Neubau B3a) sind ergänzend zu unterstützen und durch weitere sinnvolle Maßnahmen zu ergänzen.

Im Rahmen der Umsetzung von Naturschutz-, Verkehrs- und Tourismus-Projekten sind

geeignete Verfahren der Flurneuordnung zu wählen.

Ausrichtung der Flurneuordnungsmaßnahmen zur Unterstützung des Ausbaus des Biotopverbundsystems

„Blaues Band“.

69


MASSNAHMEN REGIONALES ENTWICKLUNGSKONZEPT MARBURGER LAND.

Operationelle Ziele

Vergrößerung der Schlaggrößen; Verkürzung der Fahrzeiten; Verkehrsentlastung; positive Auswirkungen

auf Natur und Landschaft; Verbesserung der Wirtschaftlichkeit der Betriebe

Indikatoren

Anzahl der Verfahren; Anzahl der Flächen pro Betrieb; durchschnittliche Schlaggröße vor und nach

der Flurneuordnung; durchschnittliche Entfernung Betrieb-Schlag; Größe der Gesamtfläche; Erhöhung

der Bruttowertschöpfung der landwirtschaftlichen Betriebe; Steigerung der Arbeitsproduktivität

in der Landwirtschaft, Anzahl der landw. Arbeitsplätze

Fördermittelansatz

100.000 Euro

Förderzeitraum

2008-2013

Förderprogramm

ELER, EAGFL u.a.

3.3 Diversifizierung und Entwicklung der Wirtschaft

3.3.1 Förderung von Unternehmensgründungen und -entwicklungen

3.3.1.1 Existenzgründungen und Teilexistenzgründungen

Existenzgründungsinvestitionen nichtlandwirtschaftlicher Träger einschließlich Dienstleistungen

(Code-Nr. 312)

Probleme

Die Region Marburger Land ist hinsichtlich des Angebotes an Arbeitsplätzen stark unterrepräsentiert.

Die strukturschwache ländliche Region ist immer noch angewiesen auf das hohe Angebot an

Arbeitsplätzen im nahe gelegenen Oberzentrum. Gleichzeitig ist das Angebot hier sehr groß und

breit gefächert. Das Arbeitsplatzangebot in den 4 Kommunen Amöneburg, Ebsdorfergrund, Fronhausen

und Weimar ist sehr gering. Der Anteil an Auspendlern ist entsprechend hoch.

Ziele

Erklärtes Ziel ist die Schaffung neuer Arbeitsplätze. Dabei spielen neben Betriebserweiterungen

insbesondere Existenzgründer als Kleinstunternehmer (Handwerk und freie Berufe) zur Stärkung

und Weiterentwicklung des regionalen Marktes eine wichtige Rolle. Die Arbeitsplätze sollen als

Vollzeit- oder Teilzeitarbeitsplätze entwickelt werden.

Strategien

Da in der Region insbesondere kleine und mittlere Unternehmen fehlen, sollen Neugründungen in

diese Richtung gezielt unterstützt werden, um die Wertschöpfung im ländlichen Raum zu steigern

und neue wohnortnahe Arbeitsplätze zu schaffen.

Die vorhandenen regionalen Kompetenzen und die Zusammenarbeit mit der Universität Marburg

und der Universität Gießen sind voll auszuschöpfen. Neue Technologien, am Markt orientierte

Dienstleistungsbereiche und traditionelle Fertigkeiten sind zu fördern Eine Vernetzung der beste-

70


REGIONALES ENTWICKLUNGSKONZEPT MARBURGER LAND MASSNAHMEN

henden und neuen Unternehmen ist von Anfang an vorzusehen.

Wirkungen

Stärkung des unternehmerfreundlichen Klimas und Kooperationsbereitschaft in der Region;

Steigerung der regionalen Wertschöpfung;

Schaffung neuer Arbeitsplätze und neuer Unternehmen;

Positive Beeinflussung einer regional ausgerichteten Wirtschaftsentwicklung;

Stärkung der regionalen Wirtschaftskraft

Maßnahmenbeschreibung und Einzelprojekte

Förderung und Investitionshilfe zur Gründung von Kleinst- und Kleinunternehmen zur Schaffung

von mindestens einem neuen Arbeitsplatz oder einer Teilzeitbeschäftigung zur Versorgung des

regionalen Marktes mit neuen Produkten und/ oder Dienstleistungen.

Insbesondere Dienstleistungen in den Bereichen Energie, Information, Kommunikation sowie Soziales

und Pflege stellen eine gute Möglichkeit für Existenzgründer.

Mögliche Existenzgründer sollen über ein regionales Beratungsangebot gezielt informiert und angesprochen

werden. Feste, regelmäßige Beratungsangebote durch das Regionalmanagement und

Gründermessen sollen die Existenzgründung unterstützen.

Einzelprojekte:

- Gründung von Büros zur Energieberatung und Gebäudesanierung

- Gründung einer Marketing-Agentur zur Vermarktung der regionalen Handwerksprodukte und

-dienstleistungen

- Einrichtung von Sozial- und Pflege-Tagesstätten für Senioren und pflegebedürftige Menschen

- Schaffung von Stellen für Tagesmütter und Kinderbetreuung

- Einrichtung einer „Öko-Regional-Tankstelle“ mit verschiedenen Funktionen als regionale Bio

Tankstelle, als Informations-, Kommunikations- und Servicepoint sowie als Regionalladen

- Einrichtung einer Agentur für Natur und Kunst (Vermarktung und Durchführung von Schulungen,

Seminaren und sonst Dienstleistungen)

Operationelle Ziele

Gründung neuer Unternehmen/ Teilexistenzen (7)

Schaffung neuer Arbeitsplätze (14)

Indikatoren

Anzahl der neuen Arbeitsplätze

Anzahl der neuen Kleinstunternehmen/ Teilexistenzgründungen

Höhe des (durchschnittlichen) Investitionsvolumens (je Vorhaben)

Bruttowertschöpfung/ Umsatzzahlen

Messbares Wirtschaftswachstum

Fördermittelansatz

105.000 Euro

Förderzeitraum

2008-2013

Förderprogramm

LEADER

71


MASSNAHMEN REGIONALES ENTWICKLUNGSKONZEPT MARBURGER LAND.

3.3.1.2 Diversifizierungsinvestitionen landwirtschaftlicher Betriebe als

Teilexistenzgründungen

Diversifizierungsinvestitionen landwirtschaftlicher Betriebe in Handwerk, Dienstleistung

(Code-Nr. 311 C)

Probleme

Die landwirtschaftlichen Betriebe der Region sind in Teilen nur bedingt wettbewerbsfähig. Die Bruttowertschöpfung

je Arbeitsplatz ist unterdurchschnittlich. Um den Landwirten weitere Einkommensmöglichkeiten

anzubieten, sind den Betrieben weitere Diversifizierungsmöglichkeiten zu eröffnen.

Die Bereiche ländliche Gastronomie, Einzelhandel, Handwerk und Dienstleistung sind bislang in

der Region weitgehend unterrepräsentiert. Lediglich im Bereich der Direktvermarktung bestehen

bereits gute Strukturen und Ansätze.

Ziele

Primäres Ziel der Maßnahme ist die Schaffung von neuen Arbeitsplätzen im Umfeld der Landwirtschaft.

Dazu zählen auch entsprechende Teilzeitarbeitsplätze.

Die Schaffung neuer Arbeitsplätze und entsprechender Zusatzeinkommen durch Verarbeitung,

Handwerk und sonstige Dienstleistungen ist als ergänzende Alternative zu bewerten.

Die zusätzlichen Arbeitsplätze dienen der Ergänzung der Einkommen landwirtschaftlicher Familienbetriebe

und somit zur Stärkung des ländlichen Raumes insgesamt.

Strategien

Durch die Nutzung vorhandener Qualifikationen und Fertigkeiten (speziell von Frauen) sollen neue

Beschäftigungsmöglichkeiten eröffnet werden, die es ermöglichen, in der Region und im Umfeld

der Stadt Marburg Dienstleistungen und Produkte anzubieten, die dort bislang fehlen oder aus anderen

Regionen / Gebieten importiert werden müssen.

Wirkungen

Weitere Einkommensmöglichkeiten stärken die vorhandenen bäuerlichen Betriebe und tragen zum

Erhalt von Arbeitsplätzen in diesem Sektor bei. Gleichzeitig werden Angebotslücken in der Region

und der Stadt Marburg geschlossen. Durch die positiven Effekte auf das Wirtschaftswachstum und

die Beschäftigung wird die regionale Wertschöpfung entsprechend erhöht.

Maßnahmenbeschreibung und Einzelprojekte

Durch die Förderung landwirtschaftlicher Betriebe in den Bereichen Direktvermarktung, bäuerliche

Gastronomie, Verarbeitung, Handwerk, Einzelhandel und sonstige Dienstleistungen sollen Nischen

innerhalb der regionalen Märkte genutzt und neu besetzt werden.

Das direkte Umfeld der Stadt Marburg bietet ideale Vorraussetzungen, neue Angebote zu platzieren,

da hier mit einem entsprechenden Absatz der Produkte und Dienstleistungen zu rechnen ist.

Insbesondere die Ausweitung der Direktvermarktung in der Region produzierter, veredelter und

verarbeiteter Produkte bietet ausreichend Potential.

Für Landwirte besteht die Chance gastronomisch tätig zu werden, da Nachfrage besteht und das

gastronomische Angebot in der Region wenig ausgeprägt ist.

Übrige Dienstleistungen sowie Handwerk und Einzelhandel werden eher die Ausnahme darstellen,

ergänzen aber das Angebot in sinnvoller Weise.

72


REGIONALES ENTWICKLUNGSKONZEPT MARBURGER LAND MASSNAHMEN

Einzelprojekte:

- Aufbau von „Jausen-/ Verpflegungsstationen“ mit spezifisch regionaler Küche (z.B. Schmier-

kuchen) entlang der überregionalen Rad-, Wander- und Pilgerwege sowie im Lahntal

- Verkauf und Vermarktung landwirtschaftlicher Produkte auf den städtischen Wochenmärkten und

in den Kommunen der Region

- Durchführung von Reinigungs- und landschaftspflegerischen Arbeiten auf öffentlichen Flächen

- Förderung des Direktverkaufs von Blumen und Gemüse

- Stärkung der Direktvermarktungsstrukturen durch Verbesserung der Kooperationen

- Angebot von Reparaturdienstleistungen für landwirtschaftliche Geräte und Maschinen

Operationelle Ziele

Schaffung von Arbeitsplätzen (7)

Gründung von Kleinstunternehmen (7)

Erhöhung der nichtlandwirtschaftlichen Bruttowertschöpfung

Indikatoren

Anzahl der geförderten Betriebe bzw. Kleinstunternehmen/ Förderfälle

Investitionssumme gesamt, durchschnittlich und pro Betrieb

Zusätzliche nichtlandwirtschaftliche Bruttowertschöpfung

Anzahl der neu geschaffenen Arbeitsplätze

Fördermittelansatz

105.000 Euro

Förderzeitraum

2008-2013

Förderprogramm

LEADER

3.3.2 Förderung der Entwicklung des Tourismus

3.3.2.1 Investitionen landwirtschaftlicher Betriebe für touristische Aktivitäten

(z.B. Beherbergung, Freizeit)

Landtouristische Investitionen landwirtschaftlicher Betriebe einschließlich Dienstleistungen

(Code-Nr. 311 B)

Probleme

Der Landtourismus ist bislang in der Region nicht sehr ausgeprägt. Betriebe mit Urlaub auf dem

Bauernhof und sonstigen touristischen Dienstleistungsangeboten sind derzeit nicht wettbewerbsfähig

oder fehlen ganz.

Ziele

Primäres Ziel der Maßnahme ist die Schaffung von neuen Arbeitsplätzen und Zusatzeinkommen in

der Landwirtschaft. Die Arbeitsplätze sollen vornehmlich durch die Neuschaffung von Übernachtungsmöglichkeiten,

Erhöhung der Bettenzahl und die Verlängerung der Übernachtungsdauer entstehen.

73


MASSNAHMEN REGIONALES ENTWICKLUNGSKONZEPT MARBURGER LAND.

Strategien

Das ländliche Tourismusangebot soll im Zuge des Ausbaus des regionalen Tourismus gefördert

werden, da hier ein großes Potential für die Region gesehen wird. Dabei sind Maßnahmen auch an

den überörtlichen Wegeverbindungen und entlang der Lahn von äußerst hoher Priorität, da diese

die beschriebenen Zielgruppen ansprechen (Familien, Radfahrer, Wassertouristen, 50+-Senioren

und Pilger). In Abstimmung mit der Touristischen Arbeitsgemeinschaft der Region sind eine gemeinsame

Vorgehensweise und eine Bestimmung der Ziele vorzunehmen.

Wirkungen

Die Schaffung weiterer Einkommensmöglichkeiten stärkt die noch vorhandenen bäuerlichen Betriebe

und trägt zum Erhalt von Arbeitsplätzen in diesem Sektor bei.

Der Tourismus in der Region Marburger Land wird durch neue Angebote des ländlichen Sektors

weiter aufgebaut und bekommt ein eigenes und positives Image. Die Qualität, der Service und das

Angebot werden insgesamt aufgewertet und gesteigert.

Maßnahmenbeschreibung und Einzelprojekte

Aufbau eines breit gefächerten, qualitativ hochwertigen, gleichzeitig preislich interessanten Landtourismus-Angebotes

in Ergänzung zur Entwicklung der gesamttouristischen Maßnahmen für die

Region Marburger Land. Unterstützung der Betriebe in den touristisch günstig gelegenen Gebieten

der Lahnaue, entlang der überregionalen Rad-, Wander- und Pilgerwege sowie den übrigen

Standorten der Region. Für die einzelnen Zielgruppen der Region (Familien, 50+-Senioren, Radfahrer,

Pilger, Tagungsgäste und Tagestouristen) sind entsprechende Angebote zu entwickeln. Die

Besonderheiten der Region hinsichtlich Brauchtum (z.B. Trachten und Ostereiermalerei), Tradition

und Kirche sind bei den Projekten herauszuarbeiten und zu nutzen.

Einzelprojekte:

Schaffung alternativer, einfacher und bedarfsgerechter Übernachtungs- und Verpflegungsmöglichkeiten

(z.B. Heuhotel, Backhaus-Cafe, Reiterhof-Cafe, Backhaus-Ferienwohnung, Bed & Breakfast-Scheune,

Camping auf dem Bauernhof) für Radfahrer, Wanderer, Pilger, Familien und Kinder.

Einrichtung attraktiver Erlebnis- und Freizeitangebote für Familien und Kinder (beispielsweise

Spielscheune, Abenteuer- und Waldspielplatz, Erlebnis-Bauernhof, Bauernhof-Zoo, Mitmach-Backhaus,

Landmaschinen-Ausstellung, Bauernhofmuseum, Märchen-Park und –Museum)

Operationelle Ziele

Schaffung von Arbeitsplätzen

Erhöhung der nichtlandwirtschaftlichen Bruttowertschöpfung

Indikatoren

Anzahl der geförderten Betriebe/ Förderfälle (6)

Investitionssumme gesamt, durchschnittlich und pro Betrieb

Zusätzliche nichtlandwirtschaftliche Bruttowertschöpfung

Anzahl der Arbeitsplätze (4)

Fördermittelansatz

ca. 120.000 Euro

Förderzeitraum

2008-2013

Förderprogramm

LEADER

74


REGIONALES ENTWICKLUNGSKONZEPT MARBURGER LAND MASSNAHMEN

3.3.2.2 Investitionen zur Entwicklung des Landtourismus durch Kleininfrastruktur,

Unternehmenskooperationen und „destinationsbezogene

Vermarktungskooperationen“

Landtouristisch kleine Infrastrukturinvestitionen und Marketingaktivitäten sonstiger Träger

einschließlich Dienstleistungen (Code-Nr. 313)

Probleme

Die Region hat sowohl für Bürger als auch für Gäste und Touristen eine hohe Bedeutung im Bereich

Freizeit und Erholung. Die Segmente Kurzzeit-, Wochenend- und Feierabenderholung sind

hierbei hervorzuheben.

Das derzeitige touristische Angebot bezieht sich meist auf die einzelnen Kommunen und Ortschaften.

Viele der kulturellen Angebote hingegen konzentrieren sich auf die Universitätsstadt Marburg

(Oberzentrum). Insofern ist in diesem Sektor ein gewisses Stadt-Land-Gefälle zu verzeichnen.

Trotz der vielfältigen landschaftlichen, kulturellen und geschichtlichen Besonderheiten ist das Bewusstsein

der Bürger für die kulturellen Werte nicht mehr so präsent.

Die kulturellen und touristischen Angebote der Region werden derzeit oft nur vor Ort genutzt und

vermarktet (z.B. das Schloss Rauischholzhausen in der Gemeinde Ebsdorfergund). Außerhalb der

Region werden sie oft kaum wahrgenommen.

Ziele

Die Umsetzung touristischer Infrastrukturmaßnahmen dient der Verbesserung und Erweiterung

des touristischen Angebots innerhalb der Region. Regionale bzw. destinationsbezogene Kooperationen

sollen gefördert und unterstützt werden.

Wichtigste Ziele sind die Verbesserung der Gästeinformation sowie die Steigerung von Qualität

und auch Quantität der touristischen Angebote und Informationen.

Die Angebote sind außerdem auf spezielle Zielgruppen auszurichten. Für die Region Marburger

Land stehen im besonderen Erlebnis- und Aktiv-Urlauber (Radfahrer, Wanderer, Wassersportler,

Reiter) sowie Tages- und Städtetouristen, Kongress- und Seminarteilnehmer, Familien und Senioren

(50+) und Pilger im Fokus.

Strategien

Die landschaftlichen und kulturellen Besonderheiten der Region sind den Touristen durch ansprechende

Informations- und Marketingmaßnahmen zu vermitteln.

Räumliche und thematische Schwerpunkte der touristischen Angebote (Lahntalradweg, Kirche und

Religion, Pilgern, Wandern, Schlösser und Burgen, Familien und Kinder) erleichtern die Ansprache

der Zielgruppen.

Die Bündelung und Kombination touristischer Angebote ist ein zu nutzender Wettbewerbsvorteil.

Die unmittelbare Nähe zu den Oberzentren Marburg und Gießen sowie zum Rhein/Main-Gebiet ist

eine Chance zur Erschließung neuer Märkte.

Die regionalen Tourismusprojekte und Marketingmaßnahmen sind auf die Destinationsebene

Lahntal abzustimmen.

Wirkungen

Verbesserung des touristischen Profils der Region Marburger Land

Qualifizierte Angebotsstruktur für die ausgewählten Zielgruppen

Erhöhung der Wertschöpfung für die Region

Maßnahmenbeschreibung und Einzelprojekte

Geplant sind die Förderung und Umsetzung verschiedener Infrastrukturmaßnahmen und Marketingprojekte

auf Destinationsebene.

Hierzu zählen Maßnahmen zur Verbesserung des Informationsangebotes für die oben genannten

75


MASSNAHMEN REGIONALES ENTWICKLUNGSKONZEPT MARBURGER LAND.

Zielgruppen. Durch die Erstellung von entsprechenden Druckerzeugnissen sowie die Präsentation

im Internet sowie auf elektronischen Medien (CD-ROM, DVD) ergibt sich die Möglichkeit der direkten

Zielgruppenansprache.

Andere Marketingmaßnahmen sind Info-Veranstaltungen, Messeauftritte, Presseinformationen sowie

Anzeigen- und Plakataktionen etc.

Die Verbesserung der touristischen Infrastruktur beinhaltet die Planung, Präsentation, Ausweisung

und Ausstattung von Rad-, Wander- und Reitwegen. Ausdrücklich einbezogen werden auch die

gut angenommenen Pilgerpfade/ -wege (Jakobsweg, Elisabethpfad).

Weitere Infrastrukturmaßnahmen umfassen die Verbesserung der Präsentation und Ausstattung

der regionalen touristischen Landschafts- und Kulturhighlights (z.B. Amöneburg, Weimarer See).

Einzelprojekte:

- Abstimmung und Ausbau der regionalen und interkommunalen Radwegeverbindungen in Form

einer gemeinsamen Radwegekonzeption

- Ausbau und Beschilderung des Radwegenetzes „Lange Hessen“ im Marburger Land als Teil der

Gesamtkonzeption „RadwanderLahn“ in Zusammenarbeit mit der Destination „Lahntal“

- Errichtung einer Freilichtbühne auf der Burg Amöneburg und in Beltershausen-Frauenberg

- Errichtung eines Stegs zur Argensteiner Mühle

- Ausbau der Wassereinstiegsstelle an der Lahn in Weimar-Roth mit Parkplatz und Toilettenanlage

- Bau einer Schutz- und Grillhütte Fronhausen

- Anlage von Nordic-Walking-Parks in Fronhausen und in Rauischholzhausen

- Radweg Allnatal als Zubringer zum Lahntalradweg

- Erweiterung der Freizeitangebote (Wasserski-Anlage) und Ausbau der Infrastruktur (Ausflugs-

Restaurant) am Seepark Niederweimar

- Trittsteineprojekt „Die Höfe“ in Dreihausen-

Operationelle Ziele

Durchführung von Tourismus- und Marketingprojekten

Schaffung neuer Arbeitsplätze

Erhöhung des Bekanntheitsgrades und Verbesserung des Images der Region

Bewerbung neuer Zielgruppen

Indikatoren

Anzahl der geförderten Tourismusprojekte (10)

Gesamtinvestitionsvolumen, Einzelinvestitionsvolumen

Anzahl der zusätzlichen Besucher

Zunahme der touristischen Nachfrage

Zusätzliches Wirtschaftswachstum

Anzahl neu geschaffene Arbeitsplätze und Betriebe

Fördermittelansatz

ca. 300.000 Euro

Förderzeitraum

2008-2013

Förderprogramm

LEADER

76


REGIONALES ENTWICKLUNGSKONZEPT MARBURGER LAND MASSNAHMEN

3.3.2.4 Touristische Marketinginvestitionen

Die Bewerbung der touristischen Angebote der Region Marburger Land wird derzeit vornehmlich nur

von den Tourismuseinrichtungen der beteiligten Kommunen selbst durchgeführt. Alternative und kooperative

Vermarktungswege werden aktuell nicht oder nur in Ansätzen genutzt. Der Austausch und

die Zusammenarbeit mit der Destination Lahntal ist deshalb zu intensivieren und auszubauen.

Strategische touristische Marketinginvestitionen sind konsequent einzusetzen und zielgerichtet auf

die Potentiale der Region und die beschriebenen Zielgruppen zu intensivieren. Die Bündelung der

Marketingmaßnahmen dient dem effizienten Einsatz der zur Verfügung stehenden Finanzmittel und

der erfolgreichen Umsetzung der Ziele und Strategien.

Für Maßnahmen wie Öffentlichkeitsarbeit, Herstellung von Informationsmaterialien, Werbung in Presse

und Fachzeitschriften und Messeauftritte etc. wird für die gesamte Laufzeit von 2008 bis 2013 ein

Fördermitteleinsatz von ca. 30.000 Euro angesetzt.

3.3.3 Entwicklung der regionalen Energiegewinnung und Versorgung

3.3.3.1 Investitionen landwirtschaftlicher und forstwirtschaftlicher Betriebe oder

Betriebszusammenschlüsse zur stofflichen oder energetischen Nutzung von

Biorohstoffen

Investitionen landwirtschaftlicher Betriebe zur Nutzung von Biorohstoffen einschließlich

Dienstleistungen (Code-Nr. 311A)

Probleme

Die landwirtschaftlichen Betriebe der Region sind in Teilen nur bedingt wettbewerbsfähig, die Bruttowertschöpfung

der Betriebe ist eher unterdurchschnittlich. Um den Landwirten weitere Einkommensalternativen

anzubieten, sind den Betrieben weitere Diversifizierungsmöglichkeiten zu eröffnen.

Der Bereich Erzeugung nachwachsender Rohstoffe ist bislang in der Region ausbaufähig.

Ziele

Die Erzeugung von Strom, Wärme und Treibstoff durch die Landwirtschaft gewinnt immer mehr an

Bedeutung. Und die Nachfrage nach alternativen Energieträgern wird zukünftig zunehmen. Die

Region Marburger Land bietet gute Voraussetzungen für landwirtschaftliche Betriebe, sich auf diesem

Markt der erneuerbaren Energien langfristig zu etablieren. Eine erste Biogasanlage in

Heskem-Mölln wurde bereits in Betrieb genommen.

Primäre Ziele der Maßnahme sind der Erhalt und die Schaffung von Arbeitsplätzen in der Landwirtschaft.

Dazu zählen auch entsprechende Teilzeitarbeitsplätze.

Die Arbeitsplätze sollen vornehmlich in den Bereichen energetische Nutzung von Bio-Rohstoffen

entstehen. Ergänzend hierzu soll auch die stoffliche Verwertung forciert werden.

Die damit verbundene Reduzierung des CO2-Ausstoßes ist als weiteres Ziel zu nennen.

Strategien

Im Rahmen von zusätzlich geplanten Bio-Gasanlagen für die Region Marburger Land sind die

Möglichkeiten zur Schaffung neuer Arbeitsplätze zu prüfen und entsprechend zu fördern, um Zusatzeinkommen

für die beteiligten Betriebe zu generieren. Gleichzeitig wird die Region energieunabhängiger,

der Selbstversorgungsgrad steigt und der Import von Energie wird entsprechend

reduziert.

77


MASSNAHMEN REGIONALES ENTWICKLUNGSKONZEPT MARBURGER LAND.

Wirkungen

Die Schaffung weiterer Einkommensalternativen stärkt die landwirtschaftlichen Betriebe und trägt

zum Erhalt von Arbeitsplätzen in diesem Sektor bei.

Gleichzeitig werden nachwachsende Rohstoffe langfristig auf dem Markt etabliert, das Wissen um

Anbau und Verwertung vermehrt und damit gleichzeitig ein wertvoller Beitrag zur CO2-

Reduzierung geleistet.

Maßnahmenbeschreibung und Einzelprojekte

Projektbezogene Ausweitung des Anbaus von Energiepflanzen (Getreide, Mais, Raps, Sonnenblumen,

Chinaschilf, Stärkepflanzen, Faserpflanzen, Ölpflanzen, Holz etc.) und der Produktion von

Biomasse zur Förderung der Erzeugung erneuerbarer Energien durch nachwachsende Rohstoffe

in der Region

Planung und Realisierung von Pilotprojekten, z.B. weitere Biogasanlagen innerhalb der Region

(zur Erzeugung von Strom zur Einspeisung ins Stromnetz, Wärme zur Einspeisung ins Nahwärmenetz

und Gas zur Einspeisung ins Erdgasnetz), gemeinschaftliche Holzhackschnitzelanlagen,

Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen, Raps-Ölmühlen, etc.

Einzelprojekt:

Erweiterung der Biogasanlage in Heskem-Mölln und Aufbau eines Nahwärmenetzes (für die Restabdeckung

Schule und Schwimmbad sowie die Versorgung der Ortslage Mölln)

Operationelle Ziele

Schaffung von Arbeitsplätzen

Gründung von Kleinstunternehmen

Erhöhung der nichtlandwirtschaftlichen Bruttowertschöpfung

Beitrag zum Klimaschutz, CO2-Reduzierung

Indikatoren

Anzahl der geförderten Anlage, Betriebe bzw. Kleinstunternehmen/ Förderfälle (3)

CO2- Einsparung

Investitionssumme gesamt, durchschnittlich und pro Betrieb

Zusätzliche nichtlandwirtschaftliche Bruttowertschöpfung

Anzahl der Arbeitsplätze

Fördermittelansatz

ca. 180.000 Euro

Förderzeitraum

2008-2013

Förderprogramm

LEADER u.a.

78


REGIONALES ENTWICKLUNGSKONZEPT MARBURGER LAND MASSNAHMEN

3.3.3.2 Investitionen sonstiger Träger für die energetische und stoffliche Nutzung von

Biorohstoffen

Investitionen sonstiger Träger zur Nutzung von Biorohstoffen einschließlich Dienstleistungen

(Code-Nr. 321B)

Probleme

Die Region Marburger Land bietet ein hohes bioenergetisches Potential. Die Energieversorgung

durch in der Region erzeugte Bio-Rohstoffe wird jedoch derzeit nur zu einem geringen Teil ausgeschöpft.

Es fehlen in Teilen noch marktfähige und ausgereifte Konzepte zur Nutzung der stofflichen

und energetischen Biomassepotentiale.

Ziele

Ziel der Maßnahmen ist die Steigerung der dezentralen Erzeugung und Nutzung von Energie

(Strom und Wärme) aus regional produzierter Biomasse (z.B. nachwachsende Rohstoffe).

Durch die Anlage von weiteren Biogasanlagen mit entsprechendem Nahwärmeversorgungskonzept

können Zusatzeinkommen für die beteiligten Betriebe erwirtschaftet werden.

Gleichzeitig erfolgt ein wertvoller Beitrag zur Energieeinsparung und damit zur CO2-Reduzierung.

Projekte mit hohen Wirkungsgraden, gutem Nahwärmekonzept sind zu bevorzugen. Machbarkeitsstudien

sind in Bearbeitung bzw. geplant.

Strategien

Es sind geeignete Standorte und Vorhaben mit dem höchsten Wirkungsgrad sowie der besten

Wertschöpfung auszuwählen und umzusetzen. In Zusammenhang mit den geplanten Biogasanlagen

bzw. Kraftwerken und Heizanlagen sind nach Möglichkeit entsprechende effiziente und kostengünstige

Nahwärmekonzepte einzuplanen.

Wirkungen

Durch die Umsetzung der Maßnahmen ergibt sich eine verbesserte regionale und unabhängige

Versorgung mit Energie aus der Region. Gleichzeitig wird der regionale CO2-Ausstoß maßgeblich

verringert.

Maßnahmenbeschreibung und Einzelprojekte

Die Planung und Umsetzung von Biogasanlagen, Blockheizkraftwerken, Holzfeuerungsanlagen

und Nahwärmenetzen erfolgt in enger Abstimmung u.a. mit dem Kompetenzteam Erneuerbare Energien

(s.o.). Dadurch wird eine bedarfsgerechte und maximale Anlagengröße sichergestellt.

Eine erste Anlage in Heskem-Mölln (ca. 0,5 MW) wurde gerade erstellt und in Betrieb genommen.

Eine zusätzliche Anlage in der Gemeinde Ebsdorfergrund wird bereits zusammen mit der Biokraft

Mittelhessen Betriebs GmbH geplant. Dieser „Bioenergiepark“ soll mit einer Leistung von 1,5 MW

neben der Stromeinspeisung zur Nahwärme-Versorgung von ca. 500 Haushalten genutzt werden.

Abgedeckt werden soll damit der Bedarf aus zwei nahe gelegenen Wohnneubaugebieten und einem

geplanten Gewerbegebiet sowie der Altortslagen in Heskem und Wittelsberg.

Gleichzeitig bestehen derzeit Planungen im Raum Amöneburg zusammen mit dem Energiekonzern

E-ON eine Biogasanlage zur Veredelung von Biogas und Einspeisung in das Erdgasnetz zu

projektieren. Das Produkt kann dann als „Bioerdgas“ vermarktet werden. Die geplante Anlage wird

ca. 2,5 MW erzeugen.

Die Einrichtung und der Betrieb von Blockheizkraftwerken und Holzfeuerungsanlagen sowie der

Aufbau von Nahwärmenetzen steht in Verbindung mit der Sanierung bestehender Anlagen, öffentlicher

Gebäude und Netze sowie der Erschließung neuer Wohnbau- und Gewerbeflächen.

79


MASSNAHMEN REGIONALES ENTWICKLUNGSKONZEPT MARBURGER LAND.

Operationelle Ziele

Schaffung neuer Arbeitsplätze

Erhöhung des Anteils regenerativer Energien

Reduzierung des CO2-Ausstoßes

Indikatoren

Anzahl der geförderten Vorhaben (z.B. Biogasanlage (2) und Nahwärmenetze (3))

Gesamtinvestitionsvolumen

Gesamtkapazität/ Durchschnittskapazität der geförderten Anlagen

Zusätzliche nichtlandwirtschaftliche Bruttowertschöpfung

Anzahl neuer Arbeitsplätze

CO²-Einsparung

Fördermittelansatz

ca. 225.000 Euro

Förderzeitraum

2008-2013

Förderprogramm

LEADER u.a.

3.3.5 Schulungs- und Begleitungsmaßnahmen mit wirtschaftlicher

Zielsetzung

3.3.5.1 Existenzgründungen oder Teilexistenzgründungen im Zusammenhang mit

Qualitätssicherung oder Neuausrichtung von Produkten für regionale Märkte und

für den Landtourismus, sowie für den Einsatz von Biorohstoffen zur

energetischen und stofflichen Verwertung

Schulungen für Wirtschaftsakteure (Code-Nr. 331)

Probleme

Es fehlen Angebote für wirtschaftliche Berufsfortbildungsmaßnahmen im Bereich der Unterstützung

und Information von Existenzgründern. Insbesondere Berufsanfänger, Hochschulabsolventen

und Frauen werden bislang nur unzureichend bei Fortbildungsmaßnahmen berücksichtigt. Es fehlen

familiengerechte Schulungsangebote vor Ort sowie Schulungen zu allen Themen der regionalen

Entwicklung.

Ziele

Um auch Nicht-Fachleuten eine Möglichkeit zur Weiterbildung insbesondere in den Bereichen Tourismus,

Bio-Energie und Regionalentwicklung zu bieten, sind spezielle Schulungsangebote zu

entwickeln.

Ziel ist die Schaffung neuer Arbeitsplätze und die Qualifizierung und den Wiedereinstieg in den

Arbeitsmarkt durch die Gründung von Existenzen und Teilexistenzen.

Insbesondere junge und weibliche Unternehmer sowie Über-50-Jährige sollen dabei unterstützt

werden, Dienstleistungen anzubieten und fehlende Infrastrukturangebote aus- und aufzubauen.

80


REGIONALES ENTWICKLUNGSKONZEPT MARBURGER LAND MASSNAHMEN

Strategien

Es sind neue, bislang noch nicht angebotene Schulungs- und Weiterbildungsthemen anzubieten,

die einen direkten Bezug zur Region darstellen und auf die Erfordernisse im Marburger Land eingehen.

Bislang in diesen Bereichen noch nicht ausgebildete Menschen sollen durch entsprechende Zusatzqualifikationen

direkt auf die anstehenden Aufgaben einer Unternehmensgründung und Umsetzung

einer Projektidee vorbereitet werden. Sie sind entsprechend auf die regionalen Besonderheiten

hin fortzubilden, um erfolgversprechende Nischen besetzen zu können. Die Themen Landtourismus

und nachwachsende Rohstoffe sind dabei von besonderer Bedeutung.

Wirkungen

Aufbau neuer Qualifikationen im Dienstleistungsbereich

Stärkung der Wirtschaftskraft im ländlichen Raum

Auf- und Ausbau der landtouristischen Angebote in der Region

Schaffung zusätzlicher Einkommensalternativen und Arbeitsplätze (für landw. Betriebe)

Maßnahmenbeschreibung und Einzelprojekte

Schulungs- und Begleitmaßnahmen zu den Themen Einsatz von Biorohstoffen, Landtourismus und

Vermarktung regionaler Produkte.

Zielgruppen sind landwirtschaftliche Familien, Frauen, Über-50-Jährige und Berufsanfänger.

Angeboten wird eine Schulungssequenz zu einem bestimmten Thema.

Austausch und Ergänzung mit Schulungsangeboten benachbarter Regionen.

Operationelle Ziele

Schaffung eines regional bezogenen Schulungsangebotes

Schaffung neuer Arbeitsplätze

Gründung von Kleinstunternehmen und Teilexistenzen

Indikatoren

Anzahl der Informationsveranstaltungen (1)

Teilnehmerzahl

Anzahl der Ausbildungstage

Anzahl der neu geschaffen Ausbildungs- und Arbeitsplätze

Wirtschaftswachstum

Fördermittelansatz

ca. 10.000 Euro

Förderzeitraum

2008-2010

Förderprogramm

LEADER

81


MASSNAHMEN REGIONALES ENTWICKLUNGSKONZEPT MARBURGER LAND.

3.4 Verbesserung der Lebensqualität

3.4.1 Versorgung der ländlichen Wirtschaft und Bevölkerung mit gemein-

wohlorientierten Einrichtungen für Dienstleistungsangebote, Versor-

gung und Betreuung, Information und Kommunikation, Kulturveranstaltungen

und Kulturbetrieb, Vermittlung digitaler Integration

Investitionen für Versorgungseinrichtungen einschließlich Dienstleistungen

(Code-Nr. 321A)

Probleme

Es bestehen in Teilen der Region bereits erhebliche Versorgungsengpässe in unterschiedlichen

Bereichen. Die bestehenden Angebote werden in Teilen immer weiter ausgedünnt. Die Konzentration

von Versorgungs- und Dienstleistungseinrichtungen nur in größeren Orten führt zur fortschreitenden

Unterversorgung der kleineren Ortschaften. Die Lebensqualität und Attraktivität der Orte

geht durch Aufgabe von Versorgungs- und Dienstleistungseinrichtungen zurück. Zukunftsorientierte

Betreuungsangebote für Kinder und Jugendliche sowie ältere Mitbürger existieren noch nicht.

Infolge des demographischen Wandels müssen entsprechende Angebote geschaffen werden.

Ziele

Weiterhin müssen gemeinwohlorientierte Einrichtungen erhalten und hierfür zukunftsorientierte

Konzepte entwickelt werden, die vielfältige Nutzungen und Angebote ermöglichen. Bei Neuerrichtung

und Umbauten sind vor allem Versorgungs- und Betreuungsangebote zu berücksichtigen, wie

z.B. generationsübergreifende Treffpunkte mit Dienstleistungsangeboten für Kinder, Jugendliche,

Erwachsene und Senioren.

Zeitgemäße Informations- und Kommunikationstechniken sind auf die neuen Nutzungsansprüche

und Bevölkerungsstrukturen anzupassen. Die Kulturangebote in den Dörfern, die vorwiegend von

den Vereinen getragen werden, sind auf die neuen Entwicklungen auszurichten.

Strategien

Konzentration der Angebote auf bestehende Einrichtungen und bei Bedarf Ausbau derselben.

Kein Ausbau weiterer baulicher Einrichtungen, eher Reduzierung auf wenige Standorte.

Insbesondere öffentliche Gebäude wie Bürger- und Dorfgemeinschaftshäuser sind auf ihre Umnutzbarkeit

hin zu prüfen und ggf. multifunktional auszurichten.

Wirkungen

Durch Konzentration höhere Effizienz in der Nutzung und Auslastung der öffentlichen Einrichtungen

über den gesamten Tag. Nachhaltige Verbesserung der dörflichen Lebensqualität.

Reduzierung von Versorgungsengpässen und gleichzeitig Erhöhung der Attraktivität der Angebote.

Maßnahmenbeschreibung und Einzelprojekte

Umnutzung von bereits bestehenden Gebäuden (z.B. Bürgerhäuser, Pfarrheime) zur multifunktionalen

Nutzung als Veranstaltungs- und Versammlungsstätte, Internet-Service-Point, Medienzentrum,

Kultur- und Dienstleistungsversorgungszentren, Treffpunkt für Jung und Alt sowie Zentrale

zur Organisation der Nachbarschaftshilfe und der ehrenamtlichen Initiativen.

Einzelprojekt:

EDV-unterstützte Vernetzung der Büchereien (Schulen, Kommunen, Vereine)

Operationelle Ziele

Multifunktionalität bestehender Einrichtungen

Verbesserung und Erhalt der regionalen Versorgung und Dienstleistung

82


REGIONALES ENTWICKLUNGSKONZEPT MARBURGER LAND MASSNAHMEN

Indikatoren

Investitionsvolumen

Anzahl der geförderten Einrichtungen (6)

Anzahl neuer Arbeitsplätze im Dienstleistungsbereich

Verbesserung der Attraktivität des Lebensumfeldes

Fördermittelansatz

403.000 Euro

Förderzeitraum

2008-2013

Förderprogramm

LEADER

3.4.2 Dorferneuerung und -entwicklung

Bislang war der Einsatz der Fördermittel aus dem Dorferneuerungsprogramm auf die einzelnen Förderschwerpunkte

begrenzt. Dadurch konnten im öffentlichen und privaten Bereich einzelne strukturverbessernde

Maßnahmen durchgeführt und nachhaltige Effekte erzielt werden. Bislang waren die

Maßnahmen auf baulich investive, sozio-kulturelle und gestalterische Förderprojekte ausgerichtet.

Das Bürgerengagement in den jeweiligen Dörfern ist momentan eine der wichtigen Säulen des Programms.

Aufgrund der demographischen Entwicklung und der gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Veränderungen

in den Kommunen kann die Betrachtung der Dorferneuerung nicht mehr allein auf einzelne

Ortsteile bzw. Förderschwerpunkte beschränkt bleiben, sondern es bedarf einer gesamtgemeindlichen

bzw. regionalen Untersuchung zur aktuellen Situation und zukünftigen Entwicklung der Dörfer

der Region.

Dorfentwicklung nach Programm muss künftig mehr zum Impulsgeber für die gemeindliche Entwicklung

werden um die politischen Entscheidungsträger zu veranlassen, auch andere Ortsteile in die

Analyse der Ergebnisse aus den Förderschwerpunkten mit einzubeziehen und Schlüsse für deren

Entwicklung zu ziehen. Es gilt mehr eine gesamtgemeindliche Bewertung des aktuellen Zustands und

der zukünftigen Entwicklung vorzunehmen und auch die Zusammenhänge zwischen den Ortsteilen zu

erkennen, die eine Verknüpfung von Maßnahmen ermöglichen oder gar erforderlich machen, zum

Beispiel durch die Zusammenlegung von Sportplatzen, Konzentration von Spiel- und Freizeitangeboten

sowie die Vereinigung von Vereinsnutzungen in Bürgerhäusern. Die Schaffung von Netzwerken,

die sich aus der Regionalentwicklung ergeben, ist auf die Gemeinden und somit auf die Dörfer herunterzubrechen

und in der Zielsetzung der Dorferneuerung stärker zu verankern.

Durch die über den Förderschwerpunkt hinaus gehende Betrachtungs- und Handlungsweise wird

dann zu einem effizienteren Mitteleinsatz in der Dorferneuerung führen und die positive und nachhaltige

Entwicklung einer Gemeinde bzw. Region fördern.

Für die künftige Auswahl von Förderschwerpunkten sind daher Kriterien wie gemeindliche Schwerpunktbildung,

Gebäudeleerstand in den Ortskernen, Einwohnerentwicklung, Qualität des Bürgerengagements,

Vorstellungen zur Innen- und Außenentwicklung, Konzepte für einen geordneten Rückbau

von bestehender Bausubstanz, Bereitschaft der Eigentümer zur Nutzung und Vermarktung von

Immobilien sowie das Bewusstsein der Politiker, sich den Herausforderungen im ländlichen Raum zu

stellen und aktiv mitzuwirken, zu berücksichtigen.

83


MASSNAHMEN REGIONALES ENTWICKLUNGSKONZEPT MARBURGER LAND.

3.4.4 Erhaltung und Verbesserung des ländlichen Kulturerbes durch

gemeinwohlorientierte Einrichtungen zur Information über Landschafts-

und Kulturgeschichte, Evaluierung von Projektideen,

Anschubfinanzierungen und Investitionen

Investitionen für Einrichtungen zur Information über Landschafts- und Kulturgeschichte

einschl. Dienstleistungen (Code-Nr. 323)

Probleme

Die Region Marburger Land weist ein sehr breites Spektrum an Traditionen, kulturellen sowie historischen

Gegebenheiten und landschaftlichen Besonderheiten auf. Die Identifikation der Bürger

mit der Region und das Wissen über die landschafts- und kulturhistorischen Zusammenhänge

muss gestärkt werden, da aufgrund veränderten Konsum- und Freizeitverhaltens die geschaffenen

Werte drohen verloren zu gehen. Notwendig sind daher gut ausgestattete, zeitgemäße und ansprechende

Einrichtungen zur Vermittlung der kulturellen, landschaftlichen und historischen Besonderheiten

und Qualitäten der Region.

Ziele

Natur-, Landschafts- und Kulturgeschichte der Region Marburger Land sollen den Bürgern und

Gästen der Region anschaulich vermittelt werden. Dies dient insbesondere dem Erhalt des Wissens

der kulturellen Werte sowie der Förderung von Tourismus und Freizeitaktivitäten. Die kulturtreibenden

Kräfte und Initiativen der Region und der Stadt sind miteinander zu vernetzen.

Strategien

Durch die finanzielle Unterstützung entsprechender Einrichtungen (Museen, Informationszentren,

Info-Points) zur Information über die ländliche Region Marburger Land und ihre Besonderheiten,

besteht die Möglichkeit das kulturelle, ländliche Erbe besser bewusst zu machen, zu erhalten und

langfristig zu nutzen. Durch die Stärkung der Identität mit der Geschichte und Kultur der Region

wird es möglich, die lokalen Akteure besser zu motivieren.

Wirkungen

Stärkung der regionalen Identität

Herausstellen und Präsentation der überlieferten, kulturellen Werte

Erschließung neuer touristischer Potentiale durch das Herausarbeiten regionaler Alleinstellungsmerkmale

(z.B. Trachten, Ostereiermalerei, Fachwerk)

Maßnahmenbeschreibung und Einzelprojekte

Als geplante Maßnahmen stehen im Vordergrund: Die Anlage von Lehr- und Naturpfaden, die Einrichtung

von Besucherinformationspunkten, die Einrichtung von Aussichts- und Beobachtungsstationen,

Einrichtung eines Natur-, Besucher- und Informationsleitsystem, Ausbau und Modernisierung

des Naturschutz-Informations-Zentrum Amöneburg (NIZA) sowie die Neuausrichtung der verschiedenen

Heimatmuseen der Region.

Die Maßnahmen konzentrieren sich u.a. auf die Amöneburg, das Schloss und den Park Rauischholzhausen,

die Wittelsberger Warte, den Frauenberg und „die Höfe“ in Dreihausen, das Archäologische

Museumsdorf in Weimar-Argenstein, die Naturschutz- und Landschaftsschutzgebiete sowie

die ausgewiesenen FHH- und Vogelschutzgebiete.

Einzelprojekt:

Aufarbeitung und Dokumentation der Zeit des Dritten Reiches in der Region

Operationelle Ziele

Erhalt des ländlichen Kulturerbes

84


REGIONALES ENTWICKLUNGSKONZEPT MARBURGER LAND MASSNAHMEN

Bau, Ausstattung und Verbesserung von Informations-Einrichtungen

Information der Bevölkerung und Besucher der Region

Indikatoren

Anzahl der geförderten Projekte (5)

(Gesamt-) Investitionsvolumen

Intensivierung des Stadt-Land-Dialoges

Erschließung neuer touristischer Potentiale

Wertschöpfung im Bereich Tourismus

Fördermittelansatz

350.000 Euro

Förderzeitraum

2008-2013

Förderprogramm

LEADER

3.5 Weitere für die Region wichtige Entwicklungsmaßnahmen

Weitere für die Region wichtige Entwicklungsmaßnahmen sind:

- Anlage und Ausbau von Park-and-Ride-Anlagen an den Regional-Bahnhöfen in Fronhausen und

Niederwalgern

Ziel ist die Verbesserung der Auslastung und Nutzung des bestehenden ÖPNV-Angebotes und eine

verbesserte Anbindung an die Region Frankfurt Rhein-Main sowie Gießen und Marburg und da

durch eine Reduzierung des Straßenverkehrsaufkommens sowie Verringerung von Kfz-Emissionen

- Sicherung einer flächendeckenden medizinischen Versorgung durch eine Erhöhung der Zahl

zugelassener Ärzte, durch Schaffung von Anreizen zur ärztlichen Niederlassung und zur Einrichtung

und Organisation mobiler medizinischer Dienste (in Kooperation mit den Universitätskliniken Gießen

und Marburg)

85


MASSNAHMEN REGIONALES ENTWICKLUNGSKONZEPT MARBURGER LAND.

3.6 Maßnahmen zur Kompetenzentwicklung und Sensibilisierung der

Bevölkerung für die Ausarbeitung und Umsetzung regionaler oder

örtlicher Entwicklungsstrategien

3.6.1 Dienstleistungen im Zusammenhang mit Entwicklungskonzepten wie

Prozessmoderation, Regionalanalyse, Aufbereitung und Publikation der

Ergebnisse

Entwicklungskonzepte, Moderation, Publikation (Code-Nr. 341 (1))

Probleme

Im Zeitraum der Förderperiode wird eine Überprüfung der Handlungsfelder und eine Evaluierung

der Ergebnisse durchgeführt, mit dem Ziel, das Entwicklungskonzept an Veränderungen und neue

Entwicklungen anzupassen.

Ziele

Das vorliegende Entwicklungskonzept muss spätestens nach 4 Jahren fortgeschrieben und an die

aktuellen Erfordernisse angepasst werden.

Strategien

Anpassung an heute noch nicht bekannte bzw. veränderte Entwicklungen und Ziele.

Das Konzept ist ggf. entsprechend an die veränderten Bedingungen anzupassen.

Wirkungen

Bessere Wirksamkeit und Effizienz der eingesetzten Maßnahmen und Mittel.

Maßnahmenbeschreibung und Einzelprojekt

Fortschreibung des Entwicklungskonzeptes mittels Überprüfung der Datengrundlagen und Fortschreibung

der Handlungsfelder, Leitprojekte und Projektansätze

Fördermittelansatz

25.000 Euro

Förderzeitraum

2010/2011

Förderprogramm

LEADER

3.6.2 Information über Gebiet und die lokale Entwicklungsstrategie

(Binnenmarketing)

Information über das Gebiet und die lokale Entwicklungsstrategie (Code-Nr. 341 (2))

Probleme

Im Rahmen der Konzeptentwicklung wurde eine intensive Bürgerbeteiligung praktiziert (Bottom-up-

Prinzip). Diese neue Form der Bürgerpartizipation soll auch zukünftig Verfahrensgrundlage für die

Umsetzung der Regionalen Entwicklungskonzeptes sein.

86


REGIONALES ENTWICKLUNGSKONZEPT MARBURGER LAND MASSNAHMEN

Auch wenn die Akteure und Beteiligten gut informiert sind, bestehen in der breiten Öffentlichkeit

Informationsdefizite über Entwicklung in der Region. Es sind deshalb neue Wege in der Informationsvermittlung

zu beschreiten und das Binnenmarketing über neue Medien und ein geeignetes

Informationsangebot (z.B. Veranstaltungen, Broschüren, Flyer, Internet etc.) zu verstärken.

Ziele

Die Inhalte und Ziele des Entwicklungskonzeptes sind zu dokumentieren und der Öffentlichkeit/

Bürgerschaft der Region zugänglich zu machen. Den Bürgern sind insbesondere die Entwicklungsziele,

Strategien und die Umsetzung der ersten konkreten Projekte zu vermitteln. Dafür sollen

verschiedene Medien genutzt werden, um einen möglichst breitenwirksame Informationsweitergabe

zu gewährleisten (Print, Plakate, Internet, Info-Veranstaltungen, Regionalkonferenz, Regionalmesse)

Strategien

Durch die intensive Öffentlichkeitsarbeit wird das Thema Regionalentwicklung den Bürgern näher

gebracht und sie haben die Möglichkeit zu verstehen, welche Ziele und Maßnahmen damit verbunden

sind. Dies erhöht entsprechend die Akzeptanz bei den Bürgern und regt dazu an, selbst an

der weiteren Gestaltung mitzuwirken. Dadurch können weitere lokale und regionale Akteure für die

Region gewonnen werden.

Wirkungen

Durch eine kontinuierliche und qualitätsvolle Informationspolitik kann insbesondere der Bottom-up-

Ansatz sichergestellt und eine hohe Beteiligungsbereitschaft der Bürgerschaft an der Umsetzung

der Entwicklungsziele gewährleistet werden.

Maßnahmenbeschreibung und Einzelprojekte

Durchführung von thematischen Info-Veranstaltungen, regionalen Messen, Publikationen, Print-

Produkten (Regional-Zeitung, Broschüren, Info-Blätter, Flyer, Handzettel etc.), Plakate, (Brett-)

spiele für Kinder und Familien, Internet-Auftritt, Kartenmaterialien sowie die Erstellung von CDs,

CD-ROMs bzw. DVDs mit entsprechenden regionalen Inhalten (z.B. Film, Fotos, Texte, Grafiken

etc.)

Operationelle Ziele

Information der Bürgerschaft und regionalen Akteure

Durchführung von Informationsveranstaltungen und Veröffentlichungen

Aktivierung von Bürgern zur Umsetzung des regionalen Entwicklungskonzeptes

Indikatoren

Höhe und Anzahl der Investitionen

Anzahl der Binnenmarketingprojekte

Fördermittelansatz

63.000 Euro

Förderzeitraum

2008-2013

Förderprogramm

LEADER

87


MASSNAHMEN REGIONALES ENTWICKLUNGSKONZEPT MARBURGER LAND.

3.6.3 Schulung von ehrenamtlich tätigen Akteuren auf der örtlichen und

regionalen Ebene

Schulung ehrenamtlich tätiger Akteure auf der regionalen und örtlichen Ebene

(Code-Nr. 341 (3))

Probleme

Bisher existieren keine Schulungsangebote für ehrenamtlich Tätige in örtlichen und regionalen Entwicklungsprozessen.

Infolgedessen fehlt das Wissen und die Erfahrung im Umgang mit den

Themen und Aufgaben, die es im Rahmen der Regionalentwicklung zu bearbeiten gilt.

Ziele

Den Akteuren soll Wissen zu Inhalten und Vorgehensweisen/ Methoden vermittelt werden und sie

sollen angeleitet werden, selbst Verantwortung für die örtliche und regionale Entwicklung zu übernehmen

und sich durch eigenes Tun und Handeln für die Region einzusetzen.

Es muss eine Wissensvermittlung zu theoretischen Hintergründen stattfinden wie auch zur praktischen

Umsetzung von Initiativen und Projekten und zur Organisation von Projektgruppen.

Strategien

Diese Informations- und Wissensvermittlung muss durch professionelle Schulungsinhalte und Verfahren

mit den Akteuren durchgeführt werden - speziell auf einzelne Themen- und Aufgabenbereiche

ausgerichtet. Wichtig ist insbesondere, dass die Akteure dahingehend geschult werden, dass

sie durch die erworbene Kompetenz unmittelbare und nachhaltige Erfolge erzielen können.

Wirkungen

Durch intensive Schulung lokaler Akteure können Motivation zur Mitarbeit und Kompetenz erworben

werden, die dazu dient realistische Maßnahmen und Initiativen zu entwickeln und umzusetzen.

Durch gleichzeitige Schulung vieler Akteure wächst der Zusammenhalt und das Wissen zur regionalen

Entwicklung. Grundlagen zur Schaffung von Netzwerken werden dadurch hergestellt.

Maßnahmenbeschreibung und Einzelprojekte

Durchführung von Schulungen der ehrenamtlich Tätigen auf der örtlichen und regionalen Ebene

zur Einbeziehung in die Erarbeitung und Umsetzung des regionalen Entwicklungskonzeptes durch

externe Moderatoren und Trainer.

Operationelle Ziele

Schulungen (7) von ehrenamtlichen regionalen Akteuren

Indikatoren

Anzahl der Schulungen/ Unterstützungsangebote für ehrenamtliche Akteure

Anzahl der Teilnehmer

Fördermittelansatz

49.000 Euro

Förderzeitraum

2008-2013

Förderprogramm

LEADER

88


REGIONALES ENTWICKLUNGSKONZEPT MARBURGER LAND MASSNAHMEN

3.6.4 Schulung der leitenden Akteure der Regionalforen durch Fortbildung

und Coaching

Schulung der leitenden Akteure der Regionalforen durch Fortbildung und Coaching

(Code-Nr. 341 (4))

Probleme

Die fünf beteiligten Kommunen der Region stellen für das Regionalmanagement je einen Regionalbeauftragten

zur Verfügung. Diese ausgewählten Mitarbeiter bilden das dezentrale Regionalmanagement

der Region Marburger Land.

Um ein effektives und zielgerichtetes Handeln im Sinne des regionalen Wirkens zu gewährleisten,

sind sie entsprechend zu schulen. Die Grundlagen und die Professionalität eines Regionalmanagements

sind ihnen zu vermitteln, da unterschiedlicher Wissen- und Erfahrungsstand besteht.

Ziele

Mit der Schulung der leitenden Akteure im Rahmen von Fortbildungsveranstaltungen, Netzwerkbildungen

und Coaching-Maßnahmen soll eine hohe Qualität des Regionalmanagements sichergestellt

werden. Gleichzeitig sind die strategischen Vorgehensweisen und die gemeinsame Projektabwicklung

und -abstimmung zu optimieren.

Strategien

Die leitenden Akteure/ Regionalbeauftragten sollen durch Trainingseinheiten qualifiziert werden,

um die eigenverantwortliche Entwicklung in der Region zu stärken. Sie sollen in die Lage versetzt

werden, selbständig und zusammen mit den ehrenamtlichen Akteuren regionsspezifische Entwicklungschancen

zu erkennen und Projekte anzustoßen und umzusetzen.

Wirkungen

Die Regionalbeauftragten werden durch Schulungsmaßnahmen in die Lage versetzt, auf der

Grundlage des regionalen Entwicklungskonzeptes auf die Herausforderungen der strukturellen

veränderungen und des demografischen Wandels zu reagieren.

Maßnahmenbeschreibung und Einzelprojekte

Schulungen, Trainings- und Coaching-Maßnahmen durch externe Moderatoren und Trainer

Operationelle Ziele

Erlangung von Professionalität in der Betreuung von ehrenamtlichen Akteuren und Abwicklung von

Organisationsprozessen

Indikatoren

Anzahl der Schulungen der leitenden Akteure (3)

Anzahl der Teilnehmer (5)

Fördermittelansatz

ca. 10.500 Euro

Förderzeitraum

2008-2010

Förderprogramm

LEADER

89


MASSNAHMEN REGIONALES ENTWICKLUNGSKONZEPT MARBURGER LAND.

3.7 Umsetzung von Projekten der Zusammenarbeit

Geplant ist die interregionale Kooperation zu zwei verschiedenen Themen- und Aufgabenbereichen:

1. Entwicklung von touristischen Gemeinschaftsprojekten

Abstimmung und Entwicklung gastronomischer und touristischer Angebote entlang der Lahn in Verbindung

mit der Destination Lahntal; Fördermittelansatz: 25.000 Euro

2. Gemeinsames Standortmarketing mit Nachbarregionen

Gemeinsamer Auftritt auf Ausstellungen, Messen und im Internet zur Aufwertung des Gewerbe- und

Wirtschaftsstandortes Region Marburger Land; Fördermittelansatz: 25.000 Euro

3.8 Arbeit der Lokalen Aktionsgruppe

Aufbau eines Regionalmanagements (Code-Nr. 431)

Probleme

Für die Regionalentwicklung bedarf es eines organisierten Regionalmanagements. Die Besonderheit

in der Region Marburger Land ist die dezentrale Organisation des Managements.

Das heißt, dass jede Kommune jeweils einen Regionalbeauftragten benennt und zur Verfügung

stellt. Damit ist eine Einbindung des Beauftragten in die beteiligten Verwaltungen der Kommunen

gewährleistet. Eine separat geführte Geschäftsstelle ist damit nicht erforderlich.

Ziele

Ziel des Regionalmanagements im Marburger Land ist es, speziell durch den Einsatz von fünf

Regionalbeauftragten den direkten Bezug zu den örtlichen Akteuren in der Region herzustellen,

um auf Probleme, Aufgabenstellungen und Initiativen individuell und zeitnah zu reagieren.

Hauptaufgabe ist weiter die Verbesserung der Kooperation und Motivation der Beteiligten untereinander

sowie die Initiierung und Förderung zukunftsweisender Ansätze.

Strategien

Das Regionalmanagement dient der Förderung der wirtschaftlichen Entwicklung und Unterstützung

des Arbeitsmarktes, sowie kultureller und sozio-ökonomischer Initiativen und Projekte.

Es gibt Hilfestellung bei der Organisation der örtlichen Aktionsgruppen und der Auswahl der Förderprojekte,

steuert den regionalen Meinungsaustausch und fördert die Bewusstseinsbildung, den

Wissenstransfer und das bürgerschaftliche Engagement.

Wirkungen

Mit Hilfe des Regionalmanagements werden alle Akteure der Region und die politischen Entscheidungsträger

zusammengeführt, die sich mit den Zielsetzungen und Maßnahmen des Entwicklungskonzeptes

auseinandersetzen. Dies dient dazu, die Zukunftsaufgaben der Region nachhaltig

zu lösen. Durch eine gemeinsame und abgestimmte Vorgehensweise kann das Ziel der Regionalentwicklung

eher erreicht werden.

Maßnahmenbeschreibung und Einzelprojekte

Geplant sind Maßnahmen für den Aufbau eines nachhaltig angelegten Regionalmanagements in

der Trägerschaft des Regionalforums der Region Marburger Land.

Die fünf Kommunen benennen zusammen mit dem Regionalforum insgesamt fünf Regionalbeauftragte,

die themenbezogen einzelne Aufgaben- und Handlungsfelder des Entwicklungskonzeptes

abdecken und bearbeiten. Die regionalen Akteure werden zusätzlich zu den Regionalbeauftragten

als operative Einheit des Regionalmanagements entsprechend eingebunden und sind selbständig

90


REGIONALES ENTWICKLUNGSKONZEPT MARBURGER LAND MASSNAHMEN

tätig. Die Schaffung der fünf Stellen für die Regionalbeauftragten bilden die Basis des dezentralen

Regional-Management-Systems.

Der Einsatz der fünf Regionalbeauftragten beträgt insgesamt ca. 50 Stunden pro Woche für das

Regionalmanagement.

Operationelle Ziele

Aufbau eines dezentral organisierten Regionalmanagementsystems

Einsatz von fünf Regionalbeauftragten

Indikatoren

Anzahl der geförderten leitenden Akteure/ Regionalbeauftragten (5)

Anzahl und Höhe der Förderung der durchgeführten Maßnahmen

Investitionsvolumen für Regionalmanagement

Anzahl der durchgeführten Beteiligungsverfahren

Fördermittelansatz

200.000 Euro

Förderzeitraum

2008-2011

Förderprogramm

LEADER

3.9 Finanztabelle für den geplanten Einsatz der LEADER-Mittel

Maßnahme

nach Nr.

3.3.1.1

(312 EPLR)

3.3.1.2

(311C EPLR)

3.3.2.1

(311 B EPLR)

3.3.2.2

(313 EPLR)

3.3.3.1

(311 A EPLR)

Bezeichnung

der Maßnahme

Existenzgründungsinvestitionen

Nichtlandwirtschaftlicher Träger einschl.

Dienstleistungen

Diversifizierungsinvestitionen

Landwirtschaftlicher Betriebe in Handwerk,

Dienstleistung

Landtouristische Investitionen landwirtschaftlicher

Betriebe einschl. Dienstleistungen

Landtouristische kleine Infrastrukturinvestitionen

und Marketingaktivitäten

sonstiger Träger einschl. Dienstleistungen

Investitionen landwirtschaftlicher Betriebe

zur Nutzung von Biorohstoffen einschl.

Dienstleistungen

Anzahl

der Projekte

Fördermittel

in Euro

6 90.000

7 105.000

6 120.000

10 300.000

3 180.000

91


MASSNAHMEN REGIONALES ENTWICKLUNGSKONZEPT MARBURGER LAND.

92

Maßnahme

nach Nr.

3.3.3.2

(321 B EPLR)

3.3.5.1

(331 EPLR)

3.4.1

(321 A EPLR)

3.4.4

(323 EPLR)

3.6

(341 EPLR insg.)

3.6.1

(341 Projektbereich 1

EPLR)

3.6.2

(341 Projektbereich 2

EPLR)

3.6.3

(341 Projektbereich 3

EPLR)

3.6.4

(341 Projektbereich 4

EPLR)

3.7

(421 EPLR)

3.8

(431 EPLR)

SUMME

Tabelle 4

Bezeichnung

der Maßnahme

Investitionen sonstiger Träger zur Nutzung

von Biorohstoffen einschl. Dienstleistungen

Anzahl

der Projekte

Fördermittel

in Euro

4 225.000

Schulungen für Wirtschaftsakteure 1 10.000

Investitionen für Versorgungseinrichtungen

einschl. Dienstleistungen

Investitionen für Einrichtungen zur Information

über Landschafts- und Kulturgeschichte

einschl. Dienstleistungen

Kompetenzentwicklung und Sensibilisierung

Entwicklungskonzepte, Moderation, Publikation

Information über das Gebiet und die lokale

Entwicklungsstrategie (Binnenmarketing)

Schulung ehrenamtlich tätiger Akteure

auf der regionalen und örtlichen Ebene

Schulung der leitenden Akteure der Regionalforen

durch Fortbildung und Coaching

Umsetzung von Projekten der Zusammenarbeit

mit anderen LAGs

6 403.000

5 350.000

1 25.000

3 63.000

7 49.000

3 10.500

2 50.000

Aufbau eines Regionalmanagements 1 200.000

(abzüglich Fördermittel zur Nutzung von Biorohstoffen)

2.180.500

(-405.000)

1.775.500


REGIONALES ENTWICKLUNGSKONZEPT MARBURGER LAND ORGANISATION

4 Organisationsstruktur des Entwicklungsprozesses

Das regionale Entwicklungskonzept der Region Marburger Land wurde im Zeitraum von April bis September

2007 in Zusammenarbeit und Abstimmung mit fünf Arbeitsgruppen aufgestellt und erarbeitet.

An dieser intensiven Prozessphase waren über 300 Personen aus der Region beteiligt, die zahlreiche

Ideen und Projekte entwickelt und erarbeitet haben.

Gleich zu Beginn der Planungsphase wurde am 4. April 2007 eine Informationsveranstaltung für alle

50 Ortsvorsteher durchgeführt. Da die Ortsvorsteher direkte Ansprechpartner vor Ort sind, wurden

diese als Erste informiert, um die Idee „Region Marburger Land“ in den Ortschaften schon früh bekannt

zu machen und um aktive und interessierte Bürger direkt anzusprechen und zu einer Mitarbeit

anzuregen.

Der große Zuspruch bei der anschließenden Auftaktveranstaltung am 17. April 2007 in Ebsdorfergrund-Dreihausen

mit ca. 200 Besuchern spiegelte sich auch in der Eintragung der Anwesenden in

die ausliegenden Listen für die fünf Arbeitsgruppen wider.

Die Arbeitsgruppen erarbeiteten dann von Mai bis Juli 2007 in jeweils 3 Workshops zusammen mit

dem beauftragten Planungsbüro Ideen und Projekte für ihren Aufgabenbereich und entwickelten daraus

die Handlungsfelder und Leitprojekte des Regionalen Entwicklungskonzeptes.

Für die Arbeitsgruppen wurde folgende thematische Einteilung gewählt:

AG 1 Landwirtschaft, Energie, Umwelt und Natur 52 Teilnehmer

AG 2 Tourismus 37 Teilnehmer

AG 3 Soziales, Kultur und Bildung 45 Teilnehmer

AG 4 Wirtschaft und Finanzen 34 Teilnehmer

AG 5 Infrastruktur und Städtebau 41 Teilnehmer

Abbildung 38 Abbildung 39

Die erste Runde der Workshops wurde im Mai 2007 durchgeführt. Jede der 5 Arbeitsgruppen traf sich

in einer anderen Kommune und sammelte im Rahmen eines moderierten Brainstormings Potentiale,

Defizite und Projektideen für die Region.

Im Rahmen der zweiten Workshoprunde im Juni 2007 wurden dann die einzelnen Projektideen auf

Grundlage der Ergebnisse der SWOT-Analyse zu Handlungsfeldern und Maßnahmen zusammengefasst,

ergänzt und weiter ausdifferenziert.

93


ORGANISATION REGIONALES ENTWICKLUNGSKONZEPT MARBURGER LAND.

Die anschließende Zusammenführung aller Projekt-Vorschläge der 5 Arbeitsgruppen und die Herausbildung

von vier Leitprojekten für die Region Marburger Land erfolgte anschließend im Rahmen einer

dritten Workshop-Runde mit allen Arbeitsgruppen im Juli 2007. In der abschließenden Diskussionsrunde

wurden die Leitprojekte und Handlungsfelder vervollständigt und endabgestimmt.

Abbildung 40: Grafik Ablaufschema der Workshops der 5 Arbeitsgruppen

Insgesamt wurden im Zeitraum von Mai bis Juli 2007 15 Workshops durchgeführt, bei denen vom ersten

Brainstorming bis zur Formulierung der Leitprojekte viel Zeit und Arbeit aller Beteiligten investiert

wurde.

Als symbolischer Auftakt-Event wurde an Fronleichnam (07.06.07) eine groß angelegte Luftballon-

Aktion durchgeführt, an der insgesamt 10.000 Luftballons von Kindern und Jugendlichen in allen 50

Ortsteilen der Region gleichzeitig im Rahmen eines Weitflugwettbewerbs gestartet wurden. Die Sieger

wurden am 26.08.2007 am Weimarer See ausgezeichnet und geehrt.

Anlässlich des Bauern- und Erntedankmarktes in Niederweimar wurde am 29.09.2007 der erste Tag

der Regionen im Marburger Land gefeiert. Die in diesem Rahmen stattgefundene Vorstellung der Ergebnisse

des Regionalen Entwicklungskonzeptes durch das Planungsbüro und die fünf Bürgermeister

fand eine gute Resonanz bei Bürgern und Presse.

Im gesamten Verlauf von März bis Oktober 2007 hat sich parallel in regelmäßigem Abstand von 2

Wochen die Lenkungsgruppe getroffen, um die weitere Vorgehensweise und Entwicklung des Projektes

abzustimmen. An der Lenkungsgruppe beteiligt waren alle fünf Kommunen mit Bürgermeister oder

Stellvertreter, die Stabsstelle Wirtschaftsförderung und Regionalentwicklung des Landkreises

Marburg-Biedenkopf sowie das beauftragte Planungsbüro Kind und Rausch.

Für die Umsetzung der Maßnahmen bestehen seitens der Lenkungsgruppe konkrete Vorstellungen,

so dass die nächsten Schritte bereits jetzt schon klar sind und hier kurz erläutert werden sollen.

Nach der unmittelbaren Gründung der LAG (als gemeinnütziger Verein) und der Einrichtung des Regionalmanagements

sollen die für das Jahr 2008 vorgesehenen Projekte umgehend angestoßen und

damit das unten beschriebene Aktionsprogramm umgesetzt werden.

94


REGIONALES ENTWICKLUNGSKONZEPT MARBURGER LAND ORGANISATION

Die nachfolgende Zusammenstellung veranschaulicht, welche Projekte bereits für das Jahr 2008 konkret

zur Umsetzung anstehen bzw. in 2008 vorbereitet werden sollen:

Handlungsfeld Landwirtschaft und Erneuerbare Energien Code Investitionskosten

Leitprojekt MarburgerLand mit Energie

Maßnahme/

Einzelprojekt

Vermarktung regionaler Produkte in der Stadt Marburg:

Maßnahmen zur Unterstützung und zum Ausbau des

Angebots regionaler und ökologischer Produkte und Erzeugnisse

auf den Wochenmärkten der Stadt Marburg

Handlungsfeld Infrastruktur, Städtebau und Wirtschaft

Leitprojekt Unsere Dörfer – Lebensraum mit Zukunft

Maßnahme/

Einzelprojekt

Handwerkerhaus Heskem:

Bau und Betrieb eines Handwerkerhauses zur Präsentation

und Information der in der Region ansässigen

Handwerksbetriebe; Träger: Norbert Wagner u.a.; Kosten

Bauvorhaben: ca. 3 Mio Euro; Umsetzung Bauvorhaben:

2009-2010

2008: Machbarkeitsstudie und Businessplan

Park-and-Ride-Parkplatz Weimar:

Bau eines Park-and-Ride-Parkplatzes am Bahnhof in

Weimar-Niederwalgern; Träger: Gemeinde Weimar

Park-and-Ride-Parkplatz Fronhausen:

Bau eines Park-and-Ride-Parkplatzes am Bahnhof in

Fronhausen; Träger: Gemeinde Fronhausen

Handlungsfeld Tourismus, Freizeit und Kultur

Leitprojekt KulTourErlebnis Marburger Land

Maßnahme/

Einzelprojekt

Ausbau NIZA und Museum:

Ausbau und Modernisierung des Naturschutz-

Information-Zentrum Amöneburg (NIZA) sowie des Museums

der Stadt; Träger: Stadt Amöneburg

Freilichtbühne Schloss Amöneburg:

Bau und Einrichtung einer wetterfesten Freilichtbühne

für Kulturveranstaltungen etc.; Träger: Stadt Amöneburg;,

Gesamt-Baukosten: ca. 150.000 Euro, Umsetzung

Bauvorhaben 2009

2008: Evaluierung, Durchführung, Konzeptidee, Initialfestival

(15.000 Euro)

Euro

311 C 35.000

321 A

321 A

321 A

323

313

25.000

70.000

100.000

130.000

15.000

95


ORGANISATION REGIONALES ENTWICKLUNGSKONZEPT MARBURGER LAND.

96

Archäologisches Freilicht-Museum im Lahntal:

Aufbau und Einrichtung eines prähistorischen Freilichtmuseums

bei Weimar-Argenstein; Träger: N.N.; Gesamt-Baukosten

ca. 1,3 Mio Euro; Umsetzung Bauvorhaben

2010

2008: Entwurfsplanung Gebäude und Freiflächen (ca.

50.000 Euro)

Steg zur Argensteiner Mühle:

Neubau eines öffentlichen Steges über einen Seitenarm

der Lahn zur Argensteiner Mühle (Kulturdenkmal); Träger:

Gemeinde Weimar

Wassereinstiegsstelle an der Lahn in Weimar-Roth:

Bau und Anlage eines Parkplatzes, Einrichtung von öffentlichen

Toiletten; Träger: Gemeinde Weimar

Seepark Niederweimar:

Erweiterung Gastronomiebereiche und Wasserskianlage;

Träger: Firma Hot Sport

Schutz- und Grillhütte Fronhausen:

Neubau einer Schutz- und Wanderhütte in Fronhausen;

Träger: Verkehrs- und Verschönerungsverein

Nordic-Walking-Park:

Anlage eines Nordic-Walking-Parks in Fronhausen, Träger:

Gemeinde Fronhausen

Heuhotel Rauischholzhausen:

Umbau einer Scheune zum Heuhotel auf einem Reiterhof;

Träger: Fam. Peuker

Heuhotel und Hofcafe Amöneburg:

Umbau einer Scheune zum Heuhotel und Einrichtung

eines Hofcafes; Träger: Fam. Ruhl-Bieker

Trittsteine-Projekt „Die Höfe bei Dreihausen“

Erschließung der Befestigungsanlage aus der Karolingerzeit;

Träger: Arbeitskreis Dorfgeschichte Dreihausen

Dorfgeschichte „Die Ortsteile im Ebsdorfergrund

1933-1945“

Aufbereitung und Dokumentation des III. Reiches

Handlungsfelder Soziales und Netzwerke sowie Tourismus

Leitprojekt Regionale Netzwerke ... die verbinden

Maßnahme/

Einzelprojekt

Einrichtung eines datengestützten Netzwerkes (Intranet

und Internetauftritt) für die Region insgesamt als Kommunikations-

und Präsentationsplattform; Träger: Region

Marburger Land

323

313

313

313

313

313

311 B

311 B

311 B

323

50.000

45.000

60.000

90.000

50.000

15.000

200.000

70.000

20.000

10.000

321 A 10.000


REGIONALES ENTWICKLUNGSKONZEPT MARBURGER LAND ORGANISATION

Handlungsfeld Infrastruktur, Städtebau und Wirtschaft

Leitprojekt Unsere Dörfer – Lebensraum mit Zukunft

Maßnahme/

Einzelprojekt

Regionalmanagement

Gebäude für die Jugendarbeit:

Bau einer Blockhütte für Jugendliche (mit Jugendbetreuer)

in Weimar-Roth; Träger: Gemeinde Weimar; mit

Anteil Eigenleistung

Leerstandsmanagement:

Weiterentwicklung und Fortführung des Projektes „Leerstandsmanagement“,

Übertragung von Marburg-Schröck

auf die Region; Untersuchung, Bestandsaufnahme, Analyse

und Entwicklung eines regionalen Maßnahmenkonzeptes

321 A

321 A

10.000

50.000

Eine Besonderheit der Region Marburger Land ist die gewählte Form eines dezentralen Regionalmanagements.

Durch die Benennung von fünf Regionalbeauftragten werden Personen für das professionelle Regionalmanagement

ausgewählt, die in der Lage sind, bereits kurzfristig die Arbeit zur Umsetzung des

Regionalen Entwicklungskonzeptes aufzunehmen. Die Einbindung der Regionalbeauftragten in die

kommunalen Systeme der Region machen ein effizientes Arbeiten und gleichzeitig kurze Wege möglich.

Jede der fünf Kommunen stellt jeweils einen Regionalbeauftragten, die zusammen insgesamt 50

Stunden pro Woche für das Regionalmanagement aufwenden.

Als Geschäftsstelle und offizielle Adresse der Region Marburger Land dient die Kommunalverwaltungen

der Gemeinde Weimar (Lahn). Die Regionalbeauftragte dieser Kommune ist gleichzeitig Ansprechpartner

für alle Kontakte von außen. Die Gesamtkoordination des Regionalmanagements wird

hier ebenfalls durch die Regionalbeauftragte geleistet und wahrgenommen.

Die Vorgabe der zu bearbeitenden Themen durch das Regionale Entwicklungskonzept stellt hohe Anforderungen

an die Auswahl der Regionalbeauftragten, die sich gegenseitig unterstützen, ergänzen

und auch vertreten müssen. Die verschiedenen Themen der zukünftigen Arbeit sind dementsprechend

auf die einzelnen Regionalbeauftragten, je nach Ausbildung, Kenntnisstand und Eignung aufzuteilen

und zuzuordnen. Somit wird sichergestellt, dass die Themenbereiche „Landwirtschaft, Energie

und Natur“, „Kultur und Tourismus“, „Soziales und Netzwerke“, „Infrastruktur und Städtebau“ sowie

„Wirtschaft“ weiter vorangetrieben und persönlich bearbeitet werden. Die fünf Regionalbeauftragten

arbeiten gemeinsam als Team und ergänzen sich entsprechend. Jeder einzelne ist für jeweils einen

Themenbereich zuständig und steht Bürgern, Kommunen und allen übrigen Beteiligten für Frage

und Antwort zur Verfügung.

In Ihrem Zuständigkeitsbereich liegt auch die Fortführung der fünf Arbeitsgruppen, die weiter an der

Umsetzung der Maßnahmen und Projekte sowie an der Fortentwicklung der Strategie arbeiten, um

eine langfristige Umsetzung und Ideenfindung sowie Überprüfung bzw. Rückkopplung zu gewährleisten.

Im Auftrag der Lokalen Aktionsgruppe (LAG), die als Verein spätestens 3 Monate nach Anerkennung

gegründet wird, wird der Vorstand des Vereins die offiziellen Geschäfte der Region Marburger Land

übernehmen und den Verein leiten.

97


ORGANISATION REGIONALES ENTWICKLUNGSKONZEPT MARBURGER LAND.

Die Regionalbeauftragten haben die Funktion, die Prozesssteuerung der LAG zu unterstützen und die

Umsetzung der durch die LAG beschlossenen Projektentwicklung zu koordinieren sowie die bereits

gebildeten Arbeitsgruppen weiter am Prozess zu beteiligen.

Die Besetzung der LAG erfolgt durch Mitglieder der Arbeitsgruppen, sonstige interessierte Bürgerinnen

und Bürger sowie Vertreter von Vereinen, Verbänden und Organisationen der Region (mindestens

50 %) sowie durch kommunale Vertreter, d.h. Politiker und Mitglieder der Verwaltung (höchstens

50 %). Die Vereins-Beiträge sollen entsprechend gestaffelt werden, um auch Privatpersonen eine

Mitgliedschaft im Verein zu ermöglichen.

Der Entwurf der Vereinssatzung wird dem Regionalen Entwicklungskonzept beigefügt und dient als

Beschlussvorlage für die Gründungsversammlung.

Das nachfolgende Schema veranschaulicht den Aufbau und das Zusammenwirken der regionalen

Gremien sowie der LAG:

Abbildung 41: Grafik Funktionsschema

98


REGIONALES ENTWICKLUNGSKONZEPT MARBURGER LAND ERFOLGSKONTROLLE

5 Erfolgskontrolle und Programmfortschreibung

Das vorgeschlagene Monitoring soll es der Lokalen Aktionsgruppe (LAG) ermöglichen, die Durchführung

der geplanten Aktivitäten zu überwachen. Je intensiver die im Rahmen dieses Entwicklungskonzeptes

konzipierten Aktionen bereits während der Durchführung beobachtet werden, desto schneller

wird die LAG in der Lage sein, etwaige Abweichungen von den Programmzielen von Leader+ und

den regionalen Zielsetzungen festzustellen. Frühzeitiges korrigierendes Eingreifen kann sodann den

Erfolg der Maßnahmen trotz Abweichung sicherstellen.

Das Monitoring besteht aber nicht nur aus der Überwachung von Projektträgern, sondern ist notwendigerweise

vor allem auch Selbstüberwachung der Tätigkeiten der LAG: Das konzeptionelle Vorgehen

im Rahmen einer übergreifenden Zusammenarbeit in der Region sollte in regelmäßigen Zeitabständen

einer Bestandsaufnahme hinsichtlich Zielkonformität und Effektivität unterzogen werden.

Vor allem die Überprüfung der Aktivitäten hinsichtlich der Ziel- und Programmkonformität macht es

erforderlich, die Indikatoren des Monitoring konsequent aus dem Zielsystem des Regionalen Entwicklungskonzeptes

heraus zu entwickeln.

Damit ist das Monitoring ein eigenständiger Prozessschritt, der zu einer regelmäßigen Überprüfung

der Gesamtstrategie und ihrer Einzelaktivitäten führt. Das bedeutet, dass erforderliche Veränderungen

des Gesamtkonzeptes zeitnah berücksichtigt bzw. vorgenommen werden können.

Die für das Monitoring geeigneten Indikatoren der Maßnahmenbeschreibungen sind zu überprüfen

und bei Durchführung des Projektes anzupassen.

Beteiligte des Monitoring sind in erster Linie die Mitglieder der LAG sowie deren Mitarbeiterinnen und

Mitarbeiter. Um die entsprechenden Werte für die einzelnen Indikatoren zusammenzutragen, sind

ferner die Träger der Maßnahmen und Projekte bzw. die für deren Durchführung Verantwortlichen

einzubinden. Diese haben im Rahmen einer jährlichen Berichtspflicht die jeweils mobilisierten Mittel,

die Zahl der Beteiligten usw. an die LAG zu übermitteln.

Ferner sind am Ende 2010 externe Sachverständige aus Wirtschaft und Gesellschaft in das Monitoring

mit einzubeziehen. Von diesem Zeitpunkt an sollen die externen Sachverständigen die LAG bei

der Einschätzung der Programmwirkungen unterstützen. Der Einsatz der Experten muss von den

LAG-Beteiligten mitgetragen werden.

Verantwortlich für das Monitoring sind die fünf Regionalbeauftragten. Sie sammeln die erforderlichen

Daten und bereiten sie für eine Bewertung auf.

Das Monitoring soll in Form einer jährlich stattfindenden Bewertung der Daten bzw. der Aussagen der

Sachverständigen erfolgen. Diese Bewertung beinhaltet eine Beschlussfassung über die Schlussfolgerungen,

die aus dem Monitoring zu ziehen sind, einschließlich ggfs. erforderlicher Kurskorrekturen.

Das Regionale Entwicklungskonzept soll spätestens nach 4 Jahren fortgeschrieben und an die aktuellen

Erfordernisse angepasst werden, die durch laufendes Monitoring und Controlling der realisierten

Maßnahmen ermittelt werden.

Die Region Marburger Land wird auch nach 2013 die geplanten Initiativen und Projekte mit Unterstützung

des Landes Hessen und der EU weiter fortführen wollen, da der Zeitraum von 6 Jahren in vielen

Bereichen nicht ausreichen wird, um die gesteckten Ziele zu erreichen.

99


REGIONALES ENTWICKLUNGSKONZEPT MARBURGER LAND ANHANG

ANHANG

101


ANHANG REGIONALES ENTWICKLUNGSKONZEPT MARBURGER LAND.

zu 1.1.1 Räumliche Lage

Karte entnommen aus Regionalplan Mittelhessen 2006 Entwurf

zu 1.2.2 Bevölkerungsdichte

102

300 288,53

275

250

225

200

175

150

125

100

75

50

25

0

200,69

Bevölkerungsdichte Einwohner pro qkm

144,13

120,59

123,34

149,14

173,83

148,4

Land Hessen Landkreis MB Region ML Amöneburg Ebsdorfergrund Fronhausen Marburg, Region Weimar

Daten von HSL und Stadt Marburg


REGIONALES ENTWICKLUNGSKONZEPT MARBURGER LAND ANHANG

zu 1.2.2 Bevölkerungsdichte

100,0%

90,0%

80,0%

70,0%

60,0%

50,0%

40,0%

30,0%

20,0%

10,0%

0,0%

10,7%

71,2%

18,1%

24,5%

8,7%

66,8%

19,6%

10,6%

69,8%

Religionszugehörigkeit

16,7%

22,2%

61,1%

Amöneburg Ebsdorfergrund Fronhausen Marburg, Region Weimar Region ML

zu 1.2.8 Bevölkerungsvorausschätzung bis 2020/ Bevölkerungsprognose

21,7%

10,1%

68,2%

18,9%

22,6%

58,5%

Konfessionslos bzw. sonstige

Religions- und Glaubensgemeinschaften

Katholiken

Protestanten

103


ANHANG REGIONALES ENTWICKLUNGSKONZEPT MARBURGER LAND.

zu 1.3.1 Wirtschaftsdaten

Bruttoinlandsprodukt BIP/ Bruttowertschöpfung BWS

zu 1.3.2 Arbeitsmarktdaten

104

100,00%

90,00%

80,00%

70,00%

60,00%

50,00%

40,00%

30,00%

20,00%

10,00%

0,00%

9,80%

19,13% 14,65%

9,61%

38,54%

35,32%

1,75%

9,87%

10,99%

2,42%

12,68%

13,74%

1,90%

8,50%

10,11%

17,79%

18,64%

3,67%

7,54%

8,35%

15,32%

16,28%

3,46%

11,46%

12,03%

0,31% 0,52% 0,32% 0,34% 0,57% 0,53% 1,63%

Land Hessen

LK Gießen

LK Limburg-Weilburg Vogelsbergkreis

Reg.-Bez. Gießen

Lahn-Dill-Kreis LK Marburg-Biedenkopf

�� Ausbildungsplätze

21

13,09% 14,82%

7,58%

Bruttowertschöpfung 2004 nach Sektoren

15,47%

9,30%

39,59%

9,61%

13,61%

7,17%

30,39%

2,44%

13,37% 14,33% 13,63%

18,21%

8,36%

39,93%

12,87% 14,76%

5,78%

32,97%

1,93%

7,33%

35,72%

Anzahl der Ausbildungsplätze 2006

53

34

2.382

Öffentliche und private

Dienstleister

Finanzierung, Vermietung und

Unternehmensdienstleister

Handel, Gastgewerbe und

Verkehr

Dienstleistungsbereiche

Baugewerbe

Verarbeitendes Gewerbe

Produzierendes Gewerbe ohne

Baugewerbe

Land- und Forstwirtschaft;

Fischerei

Amöneburg Ebsdorfergrund Fronhausen Marburg, gesamt Weimar Region ML

56

2.546


REGIONALES ENTWICKLUNGSKONZEPT MARBURGER LAND ANHANG

zu 1.3.2 Arbeitsmarktdaten

�� Arbeitslosenzahlen/ Arbeitslosenquote

zu 1.4.1 Landwirtschaft / Forstwirtschaft

�� Betriebsstrukturen

Stand: März 2007

105


ANHANG REGIONALES ENTWICKLUNGSKONZEPT MARBURGER LAND.

zu 1.4.1 Landwirtschaft / Forstwirtschaft

106

�� Flächenverteilung

100,0%

90,0%

80,0%

70,0%

60,0%

50,0%

40,0%

30,0%

20,0%

10,0%

0,0%

Anteil ökologisch bewirtschafteter Fläche an der Landwirtschaftsfläche

11,0%

89,0%

9,8%

90,2%

20,6%

79,4%

6,0% 5,3%

94,0% 94,7%

Amöneburg Ebsdorfergrund Fronhausen Marburg, Region Weimar Region ML

zu 1.6.1 Infrastruktur und Dienstleistungseinrichtungen

9,7%

90,3%

Ökologisch

Konventionell


REGIONALES ENTWICKLUNGSKONZEPT MARBURGER LAND ANHANG

zu 1.6.1 Infrastruktur und Dienstleistungseinrichtungen

�� Verkehrsanbindungen, ÖPNV

107


ANHANG REGIONALES ENTWICKLUNGSKONZEPT MARBURGER LAND.

zu 1.6.1 Infrastruktur und Dienstleistungseinrichtungen

108

�� Nahversorgung mit Gütern und Energie


REGIONALES ENTWICKLUNGSKONZEPT MARBURGER LAND ANHANG

zu 1.6.2 Entwicklung der Dörfer und Städte

�� Bevölkerungsentwicklung

zu 1.6.2 Entwicklung der Dörfer und Städte

�� Gebäudeleerstände

(Beispiel aus Marburg-Schröck)

109


ANHANG REGIONALES ENTWICKLUNGSKONZEPT MARBURGER LAND.

zu 1.6.2 Entwicklung der Dörfer und Städte

110

�� Baugebietsreserven

(Beispiel aus Marburg-Schröck)

zu 1.6.2 Entwicklung der Dörfer und Städte

�� Entwicklungstendenzen

(Beispiel aus Marburg-Schröck)

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