E-CITY BERLIN - Daimler

evobus.de

E-CITY BERLIN - Daimler

E-CITY BERLIN

In der deutschen Hauptstadt entscheidet

ein Netzwerk über die Zukunft der Elektromobilität

TECHNICITY

MAGAZIN

FÜR

INNOVATION

TECHNOLOGIE

MOBILITÄT

DIGITALE WELT

Warum digitale Entwicklungsprozesse unser Leben

und Arbeiten wesentlich verändern.

INNOVATIONSPROZESSE

Wie in Innovationsregionen durch vernetzte Kreativprozesse

Hightech-Applikationen entstehen.

MOBILITÄTSKONZEPTE

Wie Metropolen auf der ganzen Welt effizient und

schnell auf komplexe Mobilitätsengpässe reagieren.

AUTO DER ZUKUNFT

Warum intelligente Forschungsfahrzeuge bereits heute

die automobile Zukunft wesentlich beeinflussen.

AUSGABE

01 2010

6,50 EUR

9,00 USD

10,00 CHF

6,00 GBP

60,50 CNY

DAIMLER-TECHNICITY.COM


i

TECHNIZITÄT

Der technische Charakter einer Innovation ist neben der Neuheit,

der erfinderischen Tätigkeit und der gewerblichen Anwendbarkeit

eine Voraussetzung für deren Patentierung.


TECHNOLOGIE Der Wasserstoff-

Einfüllstutzen einer Mercedes-Benz

B-Klasse F-CELL mit Brennstoffzellenantrieb

in Berlin.

3


E-CITY Ein komplexes Netzwerk aus

Politik, Wirtschaft und Wissenschaft

treibt den Ausbau der Elektromobilität

in Berlin engagiert voran.

4

T


HIGHTECHNETZWERK

DER ZUKUNFT

TECHNOLOGIE Das Auto der

Zukunft basiert auf einer Vielzahl

von Innovationen. Das neue

Forschungsfahrzeug „F800 Style“

von Mercedes-Benz offeriert eine

technologische Synthese aus

Antriebs-, Sicherheits-, Design-,

und Komfortsystemen. Seite 52

TALENTE Seit über 30 Jahren

ent wickelt eine Daimler-Forschungsgruppe

Zukunftsszenarien: Sie

unter sucht die Entwicklungen, die

die Märkte von morgen bestimmen –

umfeldorientiert und zukunftsgerichtet,

interdisziplinär und

international. Seite 62

TOLERANZ Die Urbanisierung

birgt große Herausforderungen für

Städteplaner und Betreiber des

öffentlichen Nahverkehrs. Die rasant

wachsende Weltmetropole Istanbul in

der Türkei hat hierfür ein schnelles

und effizientes Mobilitätskonzept

gefunden. Seite 80

SEIT FAST 125 JAHREN treibt uns immer wieder aufs Neue

die „Liebe zum Erfinden“ an, wie Carl Benz es formulierte. In

dieser Tradition haben unsere Ingenieure seither mit Pionierleistungen

Maßstäbe gesetzt, die unsere Kunden auf der

gan zen Welt faszinieren. Und mit dem gleichen Pioniergeist

werden wir das Rennen um die Neuerfindung des Automobils

ein weiteres Mal für uns entscheiden.

Mit TECHNICITY, dem neuen Daimler-Magazin für Innovation,

Technologie und Mobilität, berichten wir deshalb fortan

über intelligente Hightech-Applikationen, urbane Mobilitätslösungen,

Technologie- und Innovationsprozesse und Kreativitäts-

und Innovationstrends. Die Faszination unserer Produkte

und unsere „Liebe zum Erfinden“ sind hierbei unser Gradmesser.

Sie dürfen gespannt sein, mit welcher Leidenschaft wir

uns weltweit engagieren.

Im Moment blicken wir gespannt auf Berlin. Hier arbeitet

ein einzigartiges Netzwerk aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft

an der automobilen Zukunft. Mit dem Mobilitätsprojekt

E-MOBILITY stellen wir dabei wichtige Weichen für die Zukunft,

denn der Pilotversuch in der deutschen Hauptstadt vereint viele

Innovationen, die über den künftigen Erfolg von Elektromobilität

entscheiden werden.

Hightech-Applikationen vereinen sich auch in unserem

neuesten Forschungsfahrzeug F800 STYLE. Es zeigt schon heute,

wie die Zukunft des Premiumautomobils aussehen wird.

Berlin war auch hierbei für uns ein kreativer Innovationspool:

Seit über 30 Jahren analysiert von dort aus eine Daimler-For -

schungsgruppe gesellschaftliche, politische, wirtschaft liche

und automobile Trends und bündelt sie in aussagekräftige

ZUKUNFTSSZENA RIEN. Ihre Erkenntnisse konnten wir in die

Entwicklung des „F800 Style“ einfließen lassen.

Unsere Gegenwart stellt uns vor weitere Herausforderungen:

Mehr als sechs Milliarden Menschen werden 2050 nach

Schätzungen der UNO in Städten leben, arbeiten – und sich fortbewegen.

Hier gestalten wir mit innovativen Lösungen die Mobilität

der Zukunft aktiv mit. Dem „Verkehrsinfarkt“ vieler rasant

wachsenden Metropolen kann zum Beispiel mit sogenannten

BUS RAPID TRANSIT-Systemen schnell und effizient entgegen

gewirkt werden.

Erfahren Sie mehr über diese und weitere Themen!

Viel Freude bei der Lektüre wünscht Ihnen

Ihr

Thomas Weber

Vorstandsmitglied der Daimler AG, verantwortlich für Konzernforschung

und Mercedes-Benz Cars Entwicklung

DAIMLER-TECHNICITY.COM

5


10

Wissensnetzwerk

80

Mobilitätskonzepte

52

Auto der Zukunft

40

Innovationsprozesse

24

E-CIty BErlIn

Berlin führt die Zukunft der nachhaltigen

Mobilität in die Gegenwart:

• PArtnErsChAftEn: Wie die Infrastruktur

über den Erfolg entscheidet. Seite 24

• hIntErgrund: Netzwerk Elektromobilität –

wo die Fäden zusammenlaufen. Seite 25

• KrAftstoff: Ist Wasserstoff der

Kraftstoff der Zukunft Seite 27

• ExPErtEnsICht: Herbert Kohler über

die technologischen Herausforderungen.

Seite 34

6 T


INDEX

09

TECHNoloGIE

Neue Technologien sind unverzichtbarer

Treibstoff für Innovationen und Fortschritt

im 21. Jahrhundert – spannend,

elektrisierend und faszinierend.

10

Wissensnetzwerk

Aus einem globalen Wissensnetzwerk

schöpfen Ingenieure und Entwickler Ideen,

im „Kompetenzcenter für emissionsfreie

Mobilität“ (KEM) in Mannheim adaptieren

sie diese Lösungen in noch effizientere

und umweltfreundlichere Fahrzeuge.

18

spEKTruM

24

E-CIty BErlIn

Elektromobilität im netzwerk Zukunft.

In der deutschen Hauptstadt werden die

Weichen der Zukunft der Elektromobilität

gestellt.

40

Innovationsprozesse

Eine Erfolgsgeschichte über die strategische

Partnerschaft und den Ideenaustausch

zwischen Apple und Mercedes-Benz im

Silicon Valley.

48

ANAloGIE

51

TAlENT

„Der Kampf um Talente entscheidet über

wirtschaftlichen Erfolg“, sagt Richard

Florida, US-Ökonom. In den Innovationsregionen

definieren Kreative die Zukunft.

52

Auto der Zukunft

Warum intelligente Forschungsfahrzeuge

bereits heute die automobile Zukunft

wesentlich beeinflussen. Sie sind Testplattformen

für neue Technologien und

Trendsetter zugleich.

62

Zukunftsforschung

Zukunftsforscher helfen Unternehmen,

Szenarien und Wahrscheinlichkeiten

über die Welt von morgen zu skizzieren.

Sie untersuchen dabei Entwicklungen,

die die Märkte von morgen bestimmen –

umfeldorientiert und zukunftsgerichtet,

interdisziplinär und international.

68

designposition

Mercedes-Benz Chefdesigner Gorden

Wagener über Methodik, „grünes Denken“

und urbanes Design.

70

METropol

74

TrANsfEr

„Zwei Milliarden Fahrzeuge sind keine

Katastrophe“: der kalifornische Verkehrsexperte

und Buchautor Dan Sperling

über nachhaltige Mobilität.

79

TolErANz

Toleranz, Offenheit und kulturelle Vielfalt

sind entscheidend für wirtschaftliches

Wachstum in Metropolen – und Ausdruck

eines neuen urbanen Lebensstils.

80

Mobilitätskonzepte

Die Urbanisierung birgt große Herausforderungen

für Städteplaner und Betreiber

des öffentlichen Nahverkehrs. „Bus Rapid

Transit“-Systeme können schnell und

effizient Verkehrsprobleme in den Griff

bekommen.

88

digitale Welt

Digital entwickelte, realistisch wirkende

Bilder inspirieren Architekten und Künstler,

helfen Ärzten bei der Diagnose und verkürzen

Ingenieuren die Zeit auf der Teststrecke.

Die virtuelle Welt hat unser Leben

und Arbeiten wesentlich verändert.

96

DIGITAl

97

IMprEssuM uND KoNTAKT

98

projEKTor

78

sKAlA

DAIMLER-TECHNICITY.COM

7


Eine Marke der Daimler AG

„Oh Lord …“

Der Mercedes-Benz SLS AMG. www.mercedes-benz.com/sls-amg

Kraftstoffverbrauch innerorts/außerorts/kombiniert: 19,9/9,3/13,2 l/100 km; CO₂-Emission kombiniert: 308 g/km.

Die Angaben beziehen sich nicht auf ein einzelnes Fahrzeug und sind nicht Bestandteil des Angebots, sondern dienen allein Vergleichszwecken zwischen den verschiedenen Fahrzeugtypen.


• Jung v. Matt • 215 x 280 mm • Kunde: Mercedes-Benz

• 13404/18/10001/16 • • Produkt: SLS Front „Oh Lord“

• DTP Thomas -1144 • 4c • Titel/Objekt: Hightech Report

sukzessiv kollektiv innovativ

Weltweit arbeiten ingenieure und entwickler an umweltfreundlichen antriebslösungen, wie

zum Beispiel erdgas- oder hybridantriebe, um das Ziel von der emissionsfreien mobilität

sukzessiv erreichen zu können. (Seite 10)

in Berlin arbeiten Politik und Unternehmen hand in hand, um die Zukunft der elektromobilität

neu zu definieren. Dabei ist klar: nur kollektiv lassen sich die technologischen herausforderungen

der elektromobilität in Zukunft realisieren und wirtschaftliche Ziele erreichen.

(Seite 24)

Die Produkte von apple und mercedes-Benz haben zahlreiche Gemeinsamkeiten: sie sind

innovativ, haben ein stilvolles Design und lassen sich individuell je nach Kundenanforderungen

einsetzen. Wie sich diese eigenschaften bei einem partnerschaftlichen innovationsprozess

im Silicon Valley ergänzen, zeigt die erfolgsgeschichte der integration vom iPhone in

die mercedes-Benz S-Klasse. (Seite 40)

Daimler-TechniciTy.com 9


TexT

Björn Lohmann

foTografie

Henrik Spohler

KEM

Wie sieht er aus, der Antrieb der Zukunft, der schon bald eine Ergänzung

zum konventionellen Verbrennungsmotor bieten soll Ω

Ein Blick ins Mannheimer Kompetenzcenter für emissionsfreie Mobilität

(KEM) zeigt: Viele Wege führen zu umweltfreundlichen Antrieben.

10


PARAMETER

NaMe: Kompetenzcenter für emissionsfreie Mobilität

grüNduNg: 1994

MiTarBeiTer: ca. 80

ProduKTioN: ca. 6.000 Fahrzeuge im Jahr 2009

STaNdorT: Werkshallen 55/56 und 67

Waldheim

KeM

MaNNHeiM

Berlin

Leipzig

Rhein

Frankfurt

MaNNHeiM

Stuttgart

THiNK local

Der Standort Mannheim profitiert von der Nähe zu anderen Werken

des Daimler-Konzerns und ist gleichzeitig Teil eines weltweiten

Kompetenznetzes zu alternativen Antrieben.

MercedeS-BeNZ faHrZeugeNTWicKluNgeN iM KeM

E 200 NGT

Vito mit E-Antrieb

Econic NGT

Citaro FuelCELL

Atego BlueTec Hybrid

B180 NGT

Citaro FuelCELL Hybrid

NEBUS mit Brennstoffzelle

Atego 1217 Hybrid

Sprinter NGT

Plug-in Sprinter Hybrid

SafT-Box Die Batterie ist das Herz der Hybridfahrzeuge,

die im Kompetenzcenter für emissionsfreie Mobilität in Mannheim

in Mercedes-Benz Pkw und Nutzfahrzeuge eingebaut wird.

11


MIKROSKOP

NaTural gaS TecHNology (NgT)

In Achtergruppen gelangen Mercedes-Benz B-Klasse

Rohbauten von ihrem Produktionsstandort mit dem

Lkw nach Mannheim. Im KEM unterziehen die

Mit arbeiter jedes Fahrzeug einer Kontrolle auf Transportschäden,

dann geht es in die Produktionslinie.

Die Techniker verbinden den Druckregler mit dem

Motorkreislauf, dann setzen sie die Druckgasbehälter

unter der Reserveradabdeckung und unter dem

Fußraum des Fahrers ein.

Beide Gastanks entstehen im KEM, zusammengesetzt

aus Ventilen, Druckgasleitung, Schmelzsicherung

und weiteren Komponenten. Besonders

raffiniert ist ihre Konstruktion aus Kunststoff, umhüllt

mit Glas- und Kohlefasern. Damit sind sie genauso

stabil wie die früher üblichen Stahltanks, wiegen

jedoch erheblich weniger, was zu deutlich niedrigeren

Emissionen führt.

Voll gaS Ein Mercedes-Benz B-Klasse NGT,

ausgerüstet mit Gastanks unter dem Wagenboden,

verlässt die Halle 67 im Werk Mannheim.

12


Halle 67 Im Kompetenzcenter für emissionsfreie Mobilität

des Mercedes-Benz Werks Mannheim werden die Modelle

Sprinter und B-Klasse für den Gasantrieb umgerüstet. Wegen der

wach senden Nachfrage ist der Bau einer weiteren Halle geplant.

14


CHRONIK

effiZieNTe aNTrieBe VoN MercedeS-BeNZ

1996 Transporter Vario 814 D mit Hybridantrieb

Kleintransporter Vito mit Elektroantrieb

1997 Omnibus NEBUS mit Brennstoffzellenantrieb

Transporter T1 410 mit Elektroantrieb und

einer Zink-Luft-Batterien

1998 Lkw Atego 1217 mit Hybridantrieb

Kleintransporter Sprinter NGT mit Erdgas -

antrieb (Markteinführung)

2000 Vito mit Elektroantrieb für die EXPO 2000

in Hannover

2001 Sprinter mit Brennstoffzellenantrieb

(Erprobungsfahrzeug)

2003 Omnibus Citaro FuelCELL mit Brennstoffzellenantrieb

(Kleinserie)

Lkw Econic NGT mit Erdgasantrieb

Sprinter mit Flüssiggasantrieb

2004 Lkw Atego 1217 mit Hybridantrieb

Sprinter mit Hybridantrieb und Nickel-

Metallhydrid-Batterien (Prototyp)

Sprinter Hybrid mit Plug-in-Technik

E-Klasse 200 NGT mit Erdgasantrieb

(Serienstart)

2007 Citaro G BlueTec Hybrid (Prototyp)

Sprinter Hybrid (Prototyp)

2008 B-Klasse 180 NGT (Prototyp)

Sprinter 316/516 NGT (Prototyp)

2009 Citaro FuelCELL Hybrid (Mitwirkung Prototyp)

Citaro G BlueTec Hybrid

(Mitwirkung Prototyp)

Atego BlueTec Hybrid (Prototypen)

2010 Atego BlueTec Hybrid (Innovationsflotte)

E-Klasse 200 NGT (Serienstart)

leiTuNgSfuNKTioN Eine Kiste mit

Gasleitungen für den Einbau in die Mercedes-Benz

B-Klasse mit Erdgasantrieb.

16

T


Das Kompetenzcenter für emissionsfreie Mobilität in Mannheim ist

ein Beispiel für Synergien im Konzern und für einen weltweiten

reibungslosen Technologietransfer zur Entwicklung effizienter Antriebe.

NacHHalTige MoBiliTÄT Nutzfahrzeuge von Daimler fahren in

jeder Ecke der Erde und werden in zahlreichen Werken weltweit

produziert, unter anderem in den USA, Mexiko, Brasilien, Südafrika,

Thailand und der Türkei – und in Mannheim. Im dortigen Motorenwerk

hat sich eine kleine, aber feine Schmiede etabliert, die Fahrzeuge des

Konzerns mit nachhaltigen Antrieben ausrüstet: das Kompetenzcenter

für emissionsfreie Mobilität, kurz KEM.

Das KEM ist Teil des deutschen Local Application Center, das zusammen

mit anderen Zentren wie in Redford (USA) einen Verbund

bildet und eng mit dem Global Hybrid Center im japanischen Kawasaki

zusammenarbeitet, das die weltweiten Hybridaktivitäten von Daimler

Trucks bündelt. Die Center haben sich auf die Fahne geschrieben,

emissionsarme und emissionsfreie Fahrzeuge für eine nachhaltige

Mobilität zu entwickeln und auf die Straße zu bringen.

Dabei gibt es keinen Königsweg. „Road to Emission-free

Mo bi lity“, die Daimler-Initiative für die Antriebe der Zukunft, sieht eine

dreigeteilte Strategie vor: Auf Elektroantriebe setzt Daimler wegen

der begrenzten Reichweite vor allem bei Stadtautos, etwa beim

smart. Ein weiterer Entwicklungsschwerpunkt sind Hybridantriebe, die

ihre Stärke vor allem im urbanen und regionalen Verkehr ausspielen,

beispielsweise im regionalen Lieferverkehr. In den USA fahren bereits

2.700 Orion Busse und 550 Freightliner Fahrzeuge mit Hybridantrieb,

in Japan rund 800 leichte Lkw und Busse von Mitsubishi Fuso.

Weil alle Prognosen davon ausgehen, dass der Verbrennungs motor

noch viele Jahre die dominierende Antriebstechnik sein wird, arbeitet

Daimler auch an dessen steter Optimierung. Über 290.000 Nutzfahrzeuge

mit Daimler CleanDrive-Technologies und mehr als 13.000

Nutzfahrzeuge mit umweltfreundlichen Antrieben hat Daimler auf

die Straße gebracht, viele nahmen ihren Ursprung in Mannheim.

Im Gründungsjahr 1994 hatte das Kompetenzcenter für emis sionsfreie

Nutzfahrzeuge, aus dem später das KEM entstand, noch den

Charakter einer Experimentierwerkstatt und konzentrierte seine

Entwicklung auf Nutzfahrzeuge. Speziell ausgebildete Mitarbeiter

haben dort neue Ideen aufgegriffen, was sich schnell bezahlt machte:

so bestellte die Deutsche Post DHL im Jahr 1996 eine Innovationsflotte

von 50 Elektro-Sprintern.

Weil die Grundlagen nachhaltiger Antriebe für Nutzfahrzeuge und

Pkw ähnlich sind und weil in Mannheim technische Ausrüstung und

Experten vereint waren, entschloss sich Daimler, die Aktivitäten im

KEM auf Pkw wie die Mercedes-Benz B- und die E-Klasse NGT auszudehnen.

Die Nähe zu den Daimler-Werken in Wörth, Rastatt und

Sindelfingen bietet dabei logistische Vorteile und hilft, gleichermaßen

an Pkw und Lkw, Transportern und Bussen zu arbeiten.

Mittlerweile ist das KEM fest in das weltweite Entwicklungs- und

Produktionsnetzwerk von Daimler eingebunden. Zudem ist es wichtiger

Partner für das Hybridentwicklungscenter in Stuttgart, das die

internationalen Strategien an den deutschen Markt und die deut-

schen Modelle anpasst. Das KEM ist damit ein gelebtes Beispiel

für Synergien innerhalb des Konzerns und für einen reibungslosen

Technologietransfer zwischen den Geschäftsfeldern.

Diese Vielseitigkeit und der Innovationsgrad stellen hohe Anforderungen

an die Mitarbeiter und die Ausstattung des KEM. Die rund

80 Facharbeiter und Ingenieure müssen sich nicht nur mit dem Verbrennungsmotor

auskennen, sondern auch mit Erd- und Flüssiggas,

mit Hochspannungstechnik und mit Wasserstoff. Diese Spezialisten

sind der Grund, weshalb im KEM, das eigentlich Teil eines Nutzfahrzeugwerks

ist, inzwischen auch Pkw mit nachhaltigen Antrieben gefertigt

werden. Etwa 6.000 Fahrzeuge haben im Jahr 2009 das KEM

verlassen, weit mehr als 10.000 sind möglich – ganz ohne Roboter.

Die Aktivitäten werden in den kommenden Jahren weiter ausgebaut,

denn die Bedeutung effizienter und umweltfreundlicher

Antriebe werde wachsen, so Hermann Doppler, Leiter weltweite

Motoren produktion Lkw und verantwortlich für das Mercedes-Benz

Werk Mannheim: „Die Strategie des KEM ist es auch in Zukunft, für

alle Anforderungen unserer Kunden den besten emissionsarmen

Antrieb zu entwickeln.“

Aktuell produziert das KEM eine Innovationsflotte des

Mercedes-Benz Lkw Atego BlueTec Hybrid in einer Stückzahl von

50 Fahrzeugen, die ab Ende 2010 bei zahlreichen Kunden im

Alltagseinsatz getestet werden. Im vierten Quartal 2010 geht zudem

die Mercedes-Benz E-Klasse 200 NGT in Serie. •

HYPERLINK

Weitere Informationen zu diesem Beitrag finden Sie unter:

daimler-technicity.com/technikundinnovation

mit folgenden Features:

1. Interview mit Hermann Doppler, Leiter des Mannheimer Mercedes-Benz Werks

2. Daimler-Nutzfahrzeugmodelle mit umweltfreundlichen Antrieben

3. Der Arbeitsprozess im Kompetenzcenter für emissionsfreie Mobilität

4. Fotoserie aus dem Kompetenzcenter für emissionsfreie Mobilität

DAIMLER-TECHNICITy.COM 17


SPEKTRUM

DolmetsCher Die Brille von NEC übersetzt

Sprache in lesbare Texte.

tokio, Japan Wer bei Verhandlungen mit japanischen Partnern leicht den Durchblick

verliert, sollte es vielleicht mal mit diesem Hilfsmittel versuchen: Der japanische Elektronikkonzern

NEC hat eine Dolmetscherbrille entwickelt, die die Sprache des Gegenübers

simultan übersetzt. Dazu ist ein Headset eingebaut, eine Erkennungssoftware setzt die

Sprache zunächst in Text um, ein Übersetzungsprogramm erzeugt daraus Text in der anderen

Sprache. Dieser Text wird über Miniprojektoren in die Netzhaut des Trägers projiziert, quasi

als Untertitel.

Laut NEC ist die Brille besonders für vertrauliche Gespräche geeignet, wo man auf keinen

Fall einen Dolmetscher dabeihaben möchte. Schon in diesem Jahr soll die Babel-Brille in

Japan auf den Markt kommen. nec.com

asien HIGHTECHNEWS AUS DER INNOVATIONSREGION

„Nach Hybridautos bauen asiatische Ingenieure jetzt auch

Akkumulatoren in Schiffe und Züge ein.

Bald ist unsere Zivilisation ohne Akkus nicht mehr vorstellbar.“

Martin Fritz, TECHNICITY-Korrespondent, Tokio

singapur, singapur Bewegungsmelder

für die Beleuchtung, wasserlose Urinale,

Parkplätze mit Ladeanschluss für Elektroautos

– das sind nur ein paar Highlights der

City Square Mall, Singapurs erstem Öko-

Einkaufszentrum.

Im Vergleich zu Standardgebäuden stößt

das Einkaufszentrum pro Jahr 5.700 Tonnen

Kohlendioxid weniger aus. Einen wichtigen

Beitrag liefert das begrünte Dach mit Solarzellen

und einer Anlage zum Sammeln von

Regenwasser. zdnetasia.com

taipeh, taiwan

Chutung hsinChu, taiwan

seoul, südkorea

tokio, Japan

taipeh, taiwan Recyceln von CDs und

DVDs hieß bisher: schreddern. Wissenschaftler

der Da-Yeh University in Taiwan

haben ein Verfahren entwickelt, das sämtliche

Beschichtungen von der Polycarbonatscheibe

ablaugt. Die lässt sich wieder neu

beschichten.

Recycelte Discs kosten noch dreimal mehr

als Scheiben aus neuem Plastik. Allerdings

wäre die Umweltentlastung enorm: Allein in

Taiwan werden jedes Jahr 60 Millionen CDs

und DVDs weggeworfen. etaiwannews.com

singapur, singapur

18 T


PERSPEKTIVE

tokio, Japan In Großstädten sieht man sie

immer häufiger, auch Polizeistreifen stehen

darauf: Die zweirädrigen Segway-Transporter,

die nicht umfallen und durch Gewichtsverlagerung

gesteuert werden. Dass das auch

mit nur einem Rad funktioniert, beweist jetzt

Honda mit dem U3-X. Das Vehikel sieht aus

wie eine Acht, unten ein Rad, oben ein Sitzpolster,

und balanciert sich von selbst, artistische

Fahrkünste sind dafür nicht nötig.

Das Gerät ist kompakt und wiegt nur

zehn Kilogramm, der Akku reicht für eine

Stunde. Das genügt für eine kleine Spazierfahrt

durch die Innenstadt und dafür ist

es auch gedacht, denn mit seiner Höchstgeschwindigkeit

von sechs Kilometern pro

Stunde ist das Rad etwa so schnell wie ein

Fußgänger. Kaufen kann man U3-X noch

nicht, es dient zunächst als Entwicklungsplattform

für künftige Einräder.

world.honda.com

seoul, südkorea Das Korea Institute of Science and Technology Evaluation and Planning

(KISTEP) hat eine Liste der zehn wichtigsten Technologien des kommenden Jahrzehnts aufgestellt.

Ganz oben auf der Liste der 54 Experten: tragbare Computer, die in Kleidungsstücke

eingearbeitet sind, und 3-D-Displays, die auch ohne Brille dreidimensionale Bilder zeigen.

Ebenfalls unter den Top Ten sind Roboterkrankenpfleger, Impfstoffe mit mehrfacher Wirkung

und Kernreaktoren der nächsten Generation.

Nach Ansicht der Experten dreht sich das Innovationskarussell immer schneller, sodass

Prognosen schwieriger werden. Doch seien solche Vorhersagen wichtig, damit Korea bei den

wichtigen Megatrends vorn mitspiele, so die KISTEP-Wissenschaftler. koreatimes.co.kr

flexpeaker Ein Lautsprecher, so dünn und bie g-

sam wie ein Blatt Papier: Die Industrie horcht auf.

Chutung hsinChu, taiwan Die amerikanische

Tageszeitung „Wall Street Journal“

hat gesprochen: fleXpeaker hat den ersten

Preis bei den Technology Innovation Awards

2009 gewonnen. Der Name deutet es an:

fleXpeaker ist ein flexi bler Lautsprecher, der

aussieht wie ein per foriertes Blatt Papier und

auch nur ein Millimeter dünn ist. Daraus lassen

sich besonders kompakte und gebogene

Lautsprecher in allen Größen und Formen

bauen, zum Beispiel für Handys, Autos und

sogar für ganze Möbel. Auch sprechende Plakate

oder Cornflakes-Verpackungen wären

eine attraktive Anwendung.

Entwickelt wurde fleXpeaker vom Industrial

Technology Research Institute in Taiwan,

das auf die Technologie 45 Patente hält. Für

die kommerzielle Produktion, bei der dünne

Metallschichten auf Papier gedruckt werden,

sucht das Institut nun Partner. itri.org.tw

martin fritz

Asien-Korrespondent

und Buchautor, seit

2001 für den deutschen

öffentlich-rechtlichen

Rundfunk in Tokio.

akkus aus asien Es gibt Indizien dafür,

dass in Ostasien eine neue Energieepoche

begonnen hat: die Ära der Akkus. So stellt

der weltgrößte Akkuproduzent Panasonic

eine aufladbare elektrische Kraftquelle in

das Zentrum von Ökohäusern: Sie kann

genug Energie speichern, um einen normalen

Haushalt eine ganze Woche lang mit

Strom zu versorgen. Den erzeugt der

Hausbesitzer mit Solarzellen oder einer

Brennstoffzelle natürlich selbst. Dadurch

werden viel weniger Klimagase freigesetzt.

Auch die neuen intelligenten Stromnetze

basieren auf Akkumulatoren: Japanische

Hochleistungsakkus mit Natrium­Schwefel­

Zellen sollen bis zu 10 Megawatt Strom

speichern, die ein Windkraftwerk auf den

britischen Orkney­Inseln erzeugt. So lässt

sich Ökostrom endlich auch nutzen, wenn

die Sonne nicht scheint und der Wind nicht

weht. Akkus machen unsere Welt immer

mobiler: Ob Handy, Netbook oder Tablet­PC

– dank sparsamer Schaltkreise und starker

Akkus läuft tragbare Elektronik immer

länger. Auch die Fantasie von Aktienanlegern

ist geweckt, weil Batterie fabrikanten

wie die chinesische BYD (= Build Your

Dreams) oder die japanische K. K. GS Yuasa

Corporation (größter asiatischer Hersteller

von Autobatterien) phänomenale Wachstumsraten

versprechen. Im Reich der Mitte

haben Millionen von Elektromofas –

dank Nickel­Metallhydrid­Akku bis zu

25 km/h schnell – bereits das Mao­Fahrrad

ersetzt. Ein Hybridlaster der Daimler­

Tochter Mitsubishi Fuso entwickelt sich

zum internationalen Verkaufsschlager.

Kein Tag ohne Akkunachricht: Mithilfe einer

Silizium­Elektrode wurde gerade die

Ladekapazität eines Lithium­Ionen­Akkus

um ein Fünftel erhöht. Japanische Wissenschaftler

haben eine flexible Lithium­

Polymer­Batterie zum Ausdrucken entwickelt.

Nach Hybridautos bauen asia ­

tische Ingenieure jetzt auch Akku mulatoren

in Schiffe und Züge ein. Bald ist

unsere Zivilisation ohne Akkus nicht mehr

vor stellbar.

DAIMLER-TECHNICITY.COM

19


SPEKTRUM

norDamerika HIGHTECHNEWS AUS DER INNOVATIONSREGION

„Die Übergänge zwischen Text, Ton und Bild lösen sich auf,

die Grenze zwischen eigenen Daten und aus der Ferne eingespeisten

Informationen verschwindet.“

SteFFan Heuer, TECHNICITY-Korrespondent, San Francisco

san franCisCo, usa

app fÜr Die nase Für Smartphones könnte es schon bald

einen „Geruchsaufsatz“ geben, der olfaktorische Singale verstärkt.

los angeles, usa

washington, usa

washington, usa Daimler Trucks North America (DTNA) erhält im Rahmen

des US-Förderprogramms „21st Century Truck Technology Partnership“ rund

40 Millionen US-Dollar. Die vom US-Energieministerium (Department of Energy)

bereitgestellten Mittel wird das Unternehmen in der Nutzfahrzeug- und Motorenentwicklung

einsetzen.

Das Ministerium fördert neun herausragende Forschungsprojekte zur Senkung

von Emissionen von US-Nutzfahrzeugherstellern mit insgesamt 115 Millionen

US-Dollar – DTNA erhält davon die größte Summe. DTNA will in einem fünfjährigen

Forschungs- und Entwicklungsprozess unter anderem nachweisen,

dass die Transporteffizienz eines Lkw mit über 15 Tonnen Gewicht um 50 Prozent

gesteigert werden kann. Der Schwerpunkt der Arbeiten liegt dabei auf der Ent -

wicklung moderner Fahrzeugsysteme und Motorentechnologien.

eere.energy.gov/vehiclesandfuels

los angeles, usa Es gibt für alles ein App – warum

nicht schon bald auch für eine elektronische Nase,

die in iPhones oder andere Mobiltelefone eingebaut

wird. Amerikas Ministerium für Heimatschutz hat ein

For schung s programm vorgestellt, das kleine und preiswerte

Chemiesensoren entwickeln soll, die sich in ein

herkömmliches Handy einbauen lassen. Damit sollen

künftig elektronische Bürgerwehren gefährliche Chemikalien

erschnüffeln und automatisch Alarm in Washington

schlagen. Drei Projekte aus Kalifornien wurden aus 100

Vorschlägen ausgesiebt und haben bereits Proto typen

wie einen integrierten Nanochip entwickelt, der alle Komponenten

zum Schnüffeln und Analysieren auf win zigen

20 mal 20 Millimetern unterbringt.

Auch dieses App klingt nützlich: Aydogan Ozcan,

Professor an der University of California Los Angeles

(UCLA), hat ein Bündel aus Software und Hardware

entwickelt, mit dem sich ein gewöhnliches Handy für zehn

US-Dollar zum Mikroskop ausbauen lässt. Seine Vision:

Mit ein paar Handgriffen lässt sich jedes Handy in ein

medizinisches Gerät verwandeln, das auch fern eines

Kran kenhauses unkompliziert einen Tropfen Blut untersucht

und bei Abweichungen automatisch ein Labor

alarmiert – ideal für Entwicklungsländer, wo Handynetze

moderner sind als die medizinische Versorgung.

public.cq.com, innovate.ee.ucla.edu

20 T


PERSPEKTIVE

steffan heuer

USA-Korrespondent

für brand eins und die

deutsche Ausgabe von

Technology Review.

Fachgebiete: Hightech

und Ökonomie.

Das Jahr Des taBlets Was Microsoft­

Gründer Bill Gates vor Jahren verkündete,

wird 2010 endlich Realität: kleine leichte

Tablet­Rechner treten ihren Siegeszug

an. Auch wenn Apples iPad Dutzenden von

Mitbewerbern die Schau gestohlen hat, ist

es keineswegs die einzige „Flunder“, die

Arbeit und Unterhaltung umkrempelt. Im

Verbund mit „Cloud Computing“ ­­ also

Daten und Rechenleistung aus dem Äther

­­ werden Tablets die Lücke zwischen

Smartphones, stationären Rechnern und

Unterhaltungselektronik elegant und

innovativ schließen.

Namhafte Hersteller haben bereits

ihre Antwort auf die Frage vorgestellt, wie

Familien Urlaubsfotos und TV­Sendungen

ansehen werden, wie Wissensarbeiter

Präsentationen und Verträge mit sich

tragen werden, wie Schüler und Studenten

mit einer neuen Generation von Lehrbüchern

und Hausarbeiten umgehen und

wie Dienstleister ihre Leistungen den

Kunden nahebringen. So werden in diesem

Jahr vier Millionen Tablets neben mehr als

55 Millionen Netbooks und fast eine

Viertelmilliarde Smartphones verkauft,

Tendenz rasant steigend.

Viel wichtiger als die technischen

Daten ist der allgegenwärtige Zugang zum

Netz. Damit lösen sich die Übergänge

zwischen Text, Ton und Bild auf, die Grenze

zwischen eigenen Daten und aus der Ferne

eingespeisten Informationen verschwindet.

Das hat weitreichende Folgen. Die

Arztvisite wird mit bisher ungeahnten

Visualisierungen von Diagnose und Behandlungsverlauf

neue Prägnanz gewinnen, Telemedizin

und Altenpflege auf eine neue

Ebene gehoben. Diagnose und Wartungsarbeiten

lassen sich mit punktgenauen,

multimedialen Hinweisen erledigen. Unterricht

in abgelegenen Klassen­ und Kinderzimmern

verschmilzt mit Fernstudiengängen

weltberühmter Professoren, Bücher

erwachen zum Leben wie in einem Harry­

Potter­Film. Gewiss, der Trend hat eine

Kehrseite: Die Gnadenfrist, bis wir auch

komplizierteste Fragen beantworten, wird

weiter schrumpfen. Aber zugleich sehen

die Antworten besser aus denn je.

autoenergetisCher Chip Ein implantierter Sensorchip könnte in Zukunft

wichtige Informationen über den Gesundheitszustand von Patienten liefern.

washington, usa Elektroingenieure an der University of

Washington haben einen einpflanzbaren Sensorchip entwickelt, der

ohne eigene Energiequelle auskommt und sich drahtlos aus bis zu

einem Meter Entfernung auslesen und aufladen lässt. Erstes Versuchsobjekt:

eine Motte, deren Nervensystem die Forscher messen,

während das Insekt seine Flügel bewegt.

Der Sensorchip ohne eigene Batterie besitzt kommerzielles Potenzial

für medizinische und andere messintensive Anwendungen, da

er sich mit herkömmlichen RFID-Lesegeräten ansprechen und aufladen

lässt. Implantierbare Mikroprozessoren für die Netzhaut oder

das Ohr werden bislang mit Induktionskopplung betrieben, bei der die

Energiequelle nur ein paar Zentimeter entfernt sein kann.

technologyreview.com

katalYSatOr

BiOMaSSe

san franCisCo, usa Biodiesel ist an sich

nichts Neues. In der Regel wird er in chemischen

Anlagen beispielsweise aus Raps

gewonnen. Jetzt hat LS9, ein Unternehmen in

San Francisco, ein Verfahren entwickelt, bei

dem diese Arbeit von Bakterien übernommen

wird. Obendrein verdauen diese nicht nur

Raps oder Zucker, sondern Biomasse wie

Stroh oder Holzreste.

Verfahren, die beliebige Pflanzenteile zu

Diesel verarbeiten können, gibt es zwar

schon, aber sie basieren nicht auf Bakte -

rien. Andererseits gibt es schon Bioreaktoren

für Diesel, doch die benötigen reine Ausgangsstoffe

wie Zucker. Das Besondere an

FerMenter

erneuerBare erDÖlPrODukte

• Treibstoffe

• Chemikalien

FettSÄuren

zuCker

der LS9-Entwicklung: Das Bakterium E. coli

wurde genetisch so verändert, dass es ein

Enzym produziert, das die Zellulose in Zucker

spaltet. Den Zucker verdaut es dann zu Fettsäuren,

die im Reaktor oben schwimmen und

nur noch abgeschöpft werden müssen. Dass

ein und dasselbe Bakterium alle Schritte beherrscht,

ist neu.

Getestet wurde bisher ein Biodieselreaktor

mit 1.000 Liter Fassungsvermögen, der

pro Woche ein Barrel Diesel produziert. Eine

neue Anlage soll dieses Jahr in Betrieb gehen.

Laut LS9 könnte ein Barrel Biodiesel der Designermikroben

unter 50 US-Dollar kosten

und wäre damit sogar billiger als Rohöl.

ls9.com

DAIMLER-TECHNICITY.COM 21


PERSPEKTIVE

SPEKTRUM

philipp Jarke

Europa-Korrespon dent

in Hamburg und London

von der internationalen

Journalistenagentur

„Zeitenspiegel“.

wann wirD strom intelligent

Anfang des Jahres vergab die britische

Re gierung Lizenzen für neue Offshorewindparks.

Rund um die Insel sollen bis 2020

Tausende Windräder auf dem Meeresgrund

verankert werden, Gesamtkapazität:

32 Gigawatt. Auch andere Länder hegen

ehrgeizige Pläne: Die Zahl der Turbinen vor

Europas Küsten wird sich bald verhundertfachen.

Eine tolle Sache.

Aber auch problematisch: Mit jedem

neuen Offshorewindrad wird die Stromproduktion

stärker schwanken. Im vergangenen

Dezember zum Beispiel blieb in

Großbritannien der sonst so konstante

Westwind aus, was der Insel den härtesten

Winter seit 30 Jahren und den Stillstand

seiner Offshorewindräder einbrachte.

Umgekehrt arbeiten die Stromnetze bei

Starkwind über der Nordsee schon heute

an der Kapazitätsgrenze.

Was ist zu tun Als Erstes müssen die

Hochspannungsnetze ausgebaut werden,

um die schwankende Stromproduktion auf

dem gesamten Kontinent auszugleichen.

Ein Anfang ist gemacht: Neun europäische

Länder planen, ein Stromnetz durch die

Nordsee zu legen, das verschiedene

Ökostromquellen verbindet. So ließe sich

überschüssiger Windstrom nach Norwegen

leiten und dort speichern, indem damit

Wasser flussaufwärts in die Reservoire der

Wasserkraftwerke gepumpt wird.

Das allein reicht allerdings nicht. Auch

unser Stromverbrauch muss flexibler

werden, zum Beispiel durch intelligente

Stromzähler und variable Strompreise.

So könnten wir Teile unseres Verbrauchs

automatisch in Stunden verlegen, in denen

viel Energie produziert wird und der

Strom billig ist. Unsere Waschmaschine

läuft dann nachts und die Kompressoren

von Kühl häusern springen vor allem dann

an, wenn auf der Nordsee der Wind bläst.

Umgekehrt könnten Elektroautos ihre

Akkuenergie sogar wieder ins Netz zurückspeisen,

wenn das Stromangebot besonders

knapp ist.

Das kostet viel Geld, doch nur so wird

unsere Stromversorgung nicht nur grün,

sondern auch intelligent.

severn, großbritannien

Bergen, norwegen

ottoBrunn, Deutschland

leBenDe paCkung Bakterielles Verpackungsmaterial

könnte in Zukunft um die Fracht wachsen.

Bremen, Deutschland Wie wird Fracht

im Jahr 2020 sicher und ressourcen spa rend

verpackt und transportiert Mareike Frense -

meier von der Hochschule für Künste in Bremen

glaubt: mit Bioverpackungs mate rial, das

sich selbst erzeugt. Mit dieser Idee gewann

Frensemeier den dritten Platz im Designwettbewerb

Vision Works Award.

Im Verpackungsmaterial namens Bacs

werden Acetobacter-Xylinum-Bakterien wie

ein Kunstrasen auf der Oberfläche der zu

schützenden Fracht kultiviert. Sie verdauen

Zuckermoleküle zu einem Netz aus hygienischen

Zellulosefasern, die sich um das Objekt

legen. visionworksaward.com

Bremen, Deutschland

Bergen, norwegen Gencode für Musik:

Musik, Video, Text – für alles gibt es spezielle

Dateiformate. Mit MusicDNA hat der

Norweger Dagfinn Bach nun die eierlegende

Wollmilchsau vorgestellt: ein Musikformat,

das auch Songtexte, Bilder, Videos und Blogbeiträge

einbindet und bei jeder Verbindung

mit dem Internet aktualisiert. Bis zu 32 Gigabyte

zusätzliche und durchsuchbare Informationen

kann die Datei enthalten.

Bach kennt sich aus: Er war einer der

Entwickler des ersten MP3-Players, auch

MP3-Erfinder Karlheinz Brandenburg, Leiter

des Fraunhofer-Instituts für Digitale Me -

dientechnologie in Ilmenau, ist mit von der

Partie. „MusicDNA bringt einige Ideen zusammen,

die schon lange herumgeisterten“,

so Brandenburg. „Viele hatten gefordert,

dass legale Musikdownloads eine neue

Nutzererfahrung bieten müssen und nicht

nur Musik.“ bachtechnology.com

22 T


ottoBrunn, Deutschland Energieernte im All – diese Idee geistert

seit 30 Jahren durch die Köpfe von Raumfahrtenthusiasten: Satelliten

sollen Sonnenlicht einfangen und mit einem konzentrierten

Laserstrahl zur Erde schicken. Dieser Traum rückt nun näher, denn

EADS Astrium sucht Partner, um ein Testsystem aufzubauen und in

den Orbit zu schicken. Im Labor sei die drahtlose Energieübertragung

bereits gelungen, doch die geringe Leistung der Laser begrenzt derzeit

noch den Nutzen.

Die Idee hätte Charme, denn Solarzellen ernten im All weit

effizienter und unbehindert durch Wolken und das rund um die Uhr.

Doch es gibt noch hohe technologische Hürden zu überwinden,

damit der intensive Laserstrahl aus dem All nicht zum Risiko für Flora

und Fauna wird. astrium.eads.net

solarkraftwerk Montage von hocheffizienten

Solarpanels vor dem Start ins All: Solche Solarzellen

könnten eines Tages Energie zur Erde schicken.

europa HIGHTECHNEWS AUS DER INNOVATIONSREGION

„Elektrische Geräte springen vor allem dann an, wenn auf der

Nordsee der Wind bläst. Und Elektroautos könnten ihre Energie

ins Netz zurückspeisen, wenn das Stromangebot knapp ist.“

PHiliPP Jarke, TECHNICITY-Korrespondent, London

funktionsprinzip gezeitenkraftwerk:

Meer

Flussbecken

Turbine

Grund der Flussmündung

Das steigende Wasser fließt aus

dem Meer in das Mündungsbecken

des Flusses.

Bei Höchststand der Flut werden

die Schleusentore geschlossen und

das Wasser im Mündungsbereich

des Flusses gestaut.

Bei Ebbe werden die Schleusen geöffnet.

Das gestaute Wasser fließt ins

Meer und treibt dabei Turbinen an.

severn, großbritannien England plant die Gezeitenwende: An der Mündung des Severn,

Englands größter Fluss, soll das bis dato größte Gezeitenkraftwerk der Welt entstehen. Mit 8,6 Gigawatt

erzeugt es so viel elektrische Leistung wie acht Großkraftwerke und würde fünf Prozent des Strombedarfs

der Insel decken – ohne CO 2

-Ausstoß oder Endlagerdiskussion. Der Severn eignet sich deshalb so gut,

weil an der Mündung ein Tidenhub von 15 Metern zwischen Ebbe und Flut herrscht – dem Mond sei Dank.

Diese Kraft nutzen Propeller, ähnlich Windrädern.

An ähnlichen Projekten arbeitet Voith Hydro Ocean Current Technologies. Das Unternehmen testet

eine 110-Kilowatt-Turbine vor der Küste Südkoreas, ein 6-Megawatt-Kraftwerk vor der Küste Schottlands

ist geplant. voithhydro.com

DAIMLER-TECHNICITY.COM 23


VANCOUVER

(Kanada)

^ Daimler AG/Ballard Power Systems, Inc.

Produktion: Brennstoffzellenstacks

lONdON seit 2007

(England)

rOyAL DUTCH SHELL plc

e-city bErliN

ElEktromobilität im NEtzwErk zukuNft

berlin führt die zukunft der nachhaltigen mobilität in die Gegenwart:

in der deutschen Hauptstadt laufen die Netzwerke zusammen,

in denen an der umsetzung von Elektromobilität im Alltag gearbeitet wird.

SAN CARlOS

(USA)

^ Daimler AG/Tesla Motors Inc.

Produktion: Lithium-Ionen-Batterien

bEiSPiElHAftE iNitiAtiVEN

fÜr ElEktromobilität iN DEutSCHlAND

PARiS

(frankreich)

TOTAL S.A.

H 2

MObility

Initiative zum Aufbau einer Wasserstoffinfrastruktur

in Deutschland.

Im September 2009 wurde ein

Me morandum of Understanding

(MoU) unterschrieben. Darin sollen

Möglichkeiten für den Aufbau einer

flächendeckenden Infrastruktur

zur Versorgung mit Wasserstoff in

Deutschland geprüft werden, um

die Serienfertigung von Elektrofahrzeugen

mit Brennstoffzelle voranzutreiben.

Partner der Initiative

„H 2

Mobility“ sind: Daimler, EnBW,

Linde, OMV, Shell, Total, Vattenfall,

NOW.

NOW

NOW GmbH Nationale Organisation

Wasserstoff- und Brennstoffzellentechnologie.

Organisationsplattform

der deutschen Bundesregierung

zur Koordinierung von Forschungsund

Entwicklungsaktivitäten, wie

dem Programm „Modellregion Elektromobilität“.

CEP

Clean Energy Partnership. Zusammenschluss

verschiedener Unternehmen

und Verkehrsbetreiber in Deutschland

zur Förderung von Wasserstoff als

Kraftstoff der Zukunft. Partner der

Initiative sind: BMW, BVG, Daimler,

Ford, Opel, Hamburger Hochbahn,

Linde, Shell, Statoil, TOTAL, Vattenfall

Europe, Volkswagen.

MAdRid

(Spanien)

KONZErNZENTrALE, FIrMENSITZ ^ Niederlassungen, Tochterunternehmen

NOW-Modellregion CEP (Clean Energy Partnership) H 2

Mobility

FAHrErPrOBUNG: smart electric drive Mercedes-Benz B-Klasse F-CELL Citaro FuelCELL Hybrid

24 t


StAVANgER

(Norwegen)

STATOIL ASA

StOCkHOlM

(Schweden)

VATTENFALL AB

NOW GmbH

BVG – Berliner Verkehrsbetriebe

BUNDESMINISTErIEN Für:

• Verkehr, Bau und Stadtentwicklung (BMVBS)

• Umwelt, Naturschutz und reaktorsicherheit (BMU)

• Wirtschaft und Technologie (BMWi)

• Bildung und Forschung (BMBF)

EMdEN

STATOIL DEUTSCHLAND GmbH

Produktion: Kompressoren

für H 2

-Tankstellen

HAMbURg

HAMBUrGEr HOCHBAHN AG

CLEAN ENErGy PArTNErSHIP

WOlFSbURg

VOLKSWAGEN AG

bERliN

MülHEiM AN dER RUHR

V HOFEr HOCHDrUCKTECHNIK GmbH

Produktion: Kompressoren

für H 2

-Tankstellen

düSSEldORF

^ Daimler AG/Mercedes-Benz Werk

künftige Produktion:

Mercedes-Benz E-Sprinter

ESSEN

EVONIK INDUSTrIES AG

rWE AG

bereitstellung von:

1.000 E-Ladestationen in Deutschland

kÖlN

FOrD-WErKE GmbH

lEUNA

^ Linde AG/Hydromotive GmbH

Produktion: H 2

mit Dampfreformer

kAMENZ

^ Daimler AG/Li-Tec Battery GmbH

^ Daimler AG/Deutsche

Accumotive GmbH & Co KG

Produktion: Lithium-Ionen-Batterien,

Flachzellen, keramische Separatoren

RüSSElSHEiM

ADAM OPEL GmbH

FRANkFURt/ M

HAMbACH

(frankreich)

Daimler AG/smart-Werk

Produktion:

smart electric drive

StRASSbURg

(Frankreich)

E-Teststrecke zwischen

Stuttgart und Straßburg

MANNHEiM

^ Daimler AG/EvoBus GmbH

^ Daimler AG, Kompetenzcenter

für emissionsfreie Mobilität (KEM)

^ Mercedes-Benz

Produktion:

Citaro FuelCELL Hybrid u.a.

kARlSRUHE

Projekthaus e-drive

(Daimler AG und Karlsruher

Institut für Technologie)

SiNdElFiNgEN

^ Daimler AG/Mercedes-Benz

Werk Sindelfingen

Produktion:

Mercedes-Benz B-Klasse F-CELL,

A-Klasse E-CELL

StUttgARt

DAIMLEr AG, Konzernzentrale

EVOBUS GmbH

ENBW AG

kiRCHHEiM/tECk

^ Daimler AG /NuCellSys GmbH

Produktion/Entwicklung:

Brennstoffzellen

^ Daimler AG/Deutsche

Accumotive GmbH & Co KG

MüNCHEN

LINDE AG

BMW AG

Entwicklung: reformer

zur Erzeugung von gasförmigem

H 2

aus Flüssiggas

WiEN

(Österreich)

OMV

ZüRiCH

(Schweiz)

MAilANd

(Italien)

MONACO

(Fürstentum Monaco)

PiSA

(Italien)

ROM

(Italien)

ENEL S.p.A

25


SmArt fortwo ElECtriC DriVE

reichweite: 135 km Energiespeicher: lithium-ionen-Akku, 16,5 kwh

leistung: 30 kw Drehmoment: 120 Nm

Höchstgeschwindigkeit: elektronisch begrenzt auf 100 km/h

Von 0 auf 60 km/h in: 6,5 Sek.

ElEktROlAdESäUlE am reichstag, berlin-mitte

26

t


tExt

Peter thomas

FOtOgRAFiE

Joel micah miller

bERliN Ein kalter wintermorgen im Januar 2010 mitten im

Netz der elektromobilen zukunft. Der smart fortwo electric

drive strahlt urbane Souveränität aus im blauen licht der

Dämmerung. Dieser wagen hat das Potenzial, individuelle

mobilität in ballungsräumen neu zu definieren: lokal emissionsfrei und

nahezu geräuschlos.

in Deutschlands Hauptstadt fährt der smart fortwo electric

drive schon heute vorweg in diese zukunft, gemeinsam mit der neuen

mercedes-benz b-klasse f-CEll. „Ein erfolgversprechendes Pilotprojekt“

nennt Dieter zetsche, Vorstandsvorsitzender bei Daimler, die

Elektrifizierung des Autoverkehrs an der Spree. Es ist ein wichtiger

Schritt auf der „road to Emission-free mobility“ von Daimler zur

Erprobung des kundenverhaltens. „Es ist keine frage mehr, ob die

Elektromobilität eine Ergänzung zum Verbrennungsmotor wird; die

frage ist nur noch wann“, betont thomas weber, Daimler-Vorstand für

konzernforschung und mercedes-benz Cars Entwicklung. bei Daimler

ist der weg zu emissionsärmeren und letztlich emissionsfreien fahrzeugen

dreispurig ausgebaut, erklärt weber. Auf Spur eins stehen

effiziente fahrzeuge mit Hightechverbrennungsmotoren, auf Spur

zwei die bedarfsgerechte Hybridisierung und die Spur drei ist das

Elektroauto mit batterie und brennstoffzelle.

in berlin wird seit Dezember 2009 diese dritte Spur der „road

to Emission-free mobility“ zum beschleunigungsstreifen. Dafür sorgen

unter anderem der batterieelektrisch angetriebene smart fortwo

electric drive (30 kw leistung, 135 kilometer reichweite mit einer

batterieladung) und die mercedes-benz b-klasse f-CEll, die ihre

elektrische Energie über eine brennstoffzelle aus auf 700 bar verdichtetem

wasserstoff gewinnt (100 kw leistung und rund 400 kilometer

reichweite mit einer tankfüllung). beide fahrzeuge sind wesentliche

bestandteile eines Paradigmenwechsels hin zur immer emissionsärmeren

und letztlich lokal emissionsfreien mobilität.

FRANkFURt AM MAiN Hierher schaut die welt, wenn die Autoindustrie

ihre innovationen auf der internationalen Automobil-Ausstellung

(iAA) präsentiert. 2009 stand der „Concept bluezEro“ von

Daimler im mittelpunkt des interesses: Die modular aufgebaute Studie

gibt es mit drei verschiedenen, sich ergänzenden Antriebs arten:

batterieelektrisch als E-CEll, mit brennstoffzelle als f-CEll und als

Elektroauto mit Verbrennungsmotor als range Extender (E-CEll

PluS). So lassen sich komplexe und unterschiedliche kundenanforderungen

bedienen. Elektromobilität, das unterstreicht das konzept

bluezEro, wird technische Vielfalt in die Verkehrsnetze bringen.

Die Strahlkraft der Hauptstadt entspricht dabei dem Szenario

der Experten. Denn in der Vision eines Netzwerks nachhaltiger infrastruktur

für die nahe zukunft werden lokal emissionsfreie Antriebstechniken

über metropolen, ballungsräume und über den individuell

eingesetzten Personenwagen hinaus eine wesentliche rolle einnehmen.

„Vielfalt wird es dann nicht nur bei den Antrieben, sondern auch

bei den mobilitätsformen geben,“ sagt klaus bonhoff, Vorsitzender

der Geschäftsführung der Now GmbH Nationale organisation wasserstoff-

und brennstoffzellentechnologie (Now). Als Ausgangspunkt

und labor ist die Hauptstadt dabei unverzichtbar: „in einer metropole

wie berlin lässt sich sehr gut demonstrieren, wie E-mobility auch

in größere Netzwerke verschiedener Verkehrsformen eingebunden

werden kann“, betont bonhoff.

„in berlin lässt sich demonstrieren,

wie E-mobility in größere Netzwerke

eingebunden werden kann.“

KLAUS BONHOFF, Vorsitzender der Geschäftsführung der Now GmbH

Nationale organisation wasserstoff- und brennstoffzellentechnologie (Now)

berlin lässt sich von der Elektromobilität begeistern. Sehr zuversichtlich

zeigt sich bonhoff deshalb schon im Jahr 2010, was die Akzeptanz

der neuen Antriebe in der bevölkerung angeht. letztlich muss sich die

Elektromobilität auch hier in einem Netzwerk bewähren. Denn nichts

anderes ist das öffentliche bewusstsein – geknüpft aus informationen,

kommunikation und ideen. um zu messen, wie das Elektroauto

von den menschen in dieser kollektiven wahrnehmung bewertet wird,

begleitet die Now ihre Arbeit auch mit sozialwissenschaftlicher forschung.

Erste Ergebnisse zeigen, dass die lösungen für die mobilität

mit technischem und urbanem Appeal ihre Chance gut genutzt haben.

DAimlEr-tECHNiCity.Com 27


RAStAtt/SiNdElFiNgEN im Süden Deutschlands, genauer gesagt

im rastatter mercedes-benz werk, wurde der „Grundstein“ für die

mercedes-benz b-klasse f-CEll gelegt. Die Erfahrung aus der Entwicklung

fließt nun in die Produktion ein: Ab frühjahr 2010 wurden

die ersten in den mercedes-benz werken Sindelfingen und rastatt

produzierten 200 fahrzeuge der b-klasse f-CEll an kunden aus -

ge liefert. im smart werk Hambach (frankreich) laufen bereits seit

Ende 2009 1.000 smart fortwo electric drive vom band. Außerdem

stößt im Herbst 2010 die batterieelektrische A-klasse E-CEll (70 kw,

200 kilometer reichweite) als drittes Elektromodell dazu, zunächst

sind gut 500 fahrzeuge geplant. 2010 liefert mercedes-benz über

100 Elektrotransporter auf basis des Sprinter an flottenbetreiber und

öffentliche institutionen zu fahrten in umweltsensiblen zonen aus.

weitere 2.000 fahrzeuge sind geplant.

„lithium-ionen-Akkus haben die

doppelte leistungsdichte wie Nickelmetallhydrid-batterien.“

CHriStiAN MOHrdieCK, leiter Antriebstechnik für brennstoffzellenund

batterietechnologie

Das kompetenz- und Produktionsnetzwerk von Daimler überlagert

sich mit den innovationsnetzwerken der modellregionen. Deshalb ist

Daimler nicht nur in der E-City berlin mit elektromobilen lösungen

präsent, sondern zum beispiel auch in Hamburg. Hier fahren bereits

die Dieselhybridbusse vom typ Citaro G bluetec Hybrid von 2010 an

werden an der Alster außerdem neue brennstoffzellenbusse des typs

Citaro fuelCEll-Hybrid eingesetzt, sowie brennstoffzellenfahrzeuge

der b-klasse. Der smart fortwo electric drive tankt an einer ladestation.

Dass kraftfahrzeuge sich künftig aus dem Netz der Stromversorger

bedienen, wird vor allem in Städten und ballungsräumen

zur alltäglichen Elektromobilität gehören. Solche grundlegenden

Neuerungen für die Antriebe von individualverkehr und öffentlichem

Personennahverkehr gab es nicht mehr, seit sich der Verbrennungsmotor

bei Straßenfahrzeugen durchsetzte.

„Durch die lithium-ionen-technologie konnte der lade- und

Entladewirkungsgrad der Akkumulatoren gegenüber früheren Nickelmetallhydrid-batterien

um 30 Prozent erhöht, die leistungsdichte

verdoppelt und die kaltstartfähigkeit weiter verbessert werden“,

beschreibt Christian mohrdieck die leistungsfähigkeit des batteriepakets

im smart electric drive. „Aber es gibt noch eine menge zu tun

– zum beispiel in puncto Schnellladefähigkeit und zyklenfestigkeit“,

betont der leiter Antriebstechnik für brennstoffzellen- und batterietechnologie

bei Daimler. Entsprechend intensiv arbeitet der Autohersteller

an der weiterentwicklung der batterietechnologie: mehr als

600 Patente zu batteriegetriebenen fahrzeugen haben die Daimleringenieure

in den letzten 30 Jahren angemeldet, davon über 230

auf dem Gebiet der lithium-ionen-batterien.

wenn der elektronisch auf 100 km/h begrenzte kompaktwagen

smart fortwo electric drive seine batterien lädt, verbindet ihn ein

Spiralkabel mit leuchtend blauen Steckern mit dem Netz – das ist die

Nabelschnur zwischen dem Netzwerk Energieversorgung und dem

Auto. Als technisches konzept ist der smart electric drive aber auch

mit den Netzwerken aus forschung, technik und politischer förderung

verbunden, die Elektromobilität in Deutschland vorantreiben.

28

t


kontext

PiONiERE bEi dER WASSERStOFFNUtZUNg

Daimler hat bereits 1994 das erste brennstoffzellenfahrzeug

vorgestellt. weltweit ist eine flotte von

über 100 brennstoffzellenfahrzeugen – von der

mercedes-benz A-klasse bis zum mercedes-benz

Citaro-bus – bei kunden im Einsatz. mit mehr als

4,5 millionen schadstofffrei zurückgelegten kilometer

und einer flottenlaufzeit von über 200.000 Stunden

verfügt Daimler auf diesem Gebiet über umfang -

reiche Erfahrungen und umfassendes know-how.

bRENNStOFFZEllENtECHNik

Die mercedes-benz b-klasse f-CEll ist das erste

alltagstaugliche Elektroserienautomobil mit brennstoffzellenantrieb.

Es emittiert lediglich wasser –

und keinerlei Schadstoffe.

Der brennstoffzellenstack, das Herz des Antriebssystems,

ist der Energiewandler, der sich unter

einer sicheren Abdeckung im kofferraum befindet.

Er erzeugt aus atmosphärischem Sauerstoff und

wasserstoff aus dem tank elektrischen Strom, der

dann den Elektromotor speist.

UMWANdlER iM HECk

Der brennstoffzellenstack (blau eingefärbt) ist das

Herzstück des H 2

-Antriebs.

MERCEdES-bENZ b-klASSE F-CEll

am Potsdamer Platz, berlin

DAimlEr-tECHNiCity.Com 29


VErkEHr iN DEr HAuPtStADt

EiNWOHNER

3,4 mio.

NEUZUlASSUNgEN FAHRZEUgE/JAHR (gerundet)

94.000 krafträder

80.000 lastkraftwagen

läNgE dER ÖFFENtliCHEN StRASSEN (gerundet)

260 km klassifizierte Straßen

80 km Autobahnen

200 km bundesstraßen

1,4 Mio. davon

1,2 Mio. davon Pkw und kombi

5.700 km davon

5.100 km Stadtstraßen

wasserstoffinfrastruktur

WASSERStOFF H 2

ist das häufigste chemische Element

im Universum. Er kommt allerdings in reinform in der Natur

nicht vor, sondern muss unter Einsatz von Energie aus

wasserstoffhaltigen Verbindungen hergestellt werden. Wasserstoff

kann einen deutlichen Beitrag zur CO 2

-reduktion im

Verkehrssektor leisten und weltweit eine bedeutende rolle

für eine nachhaltige Mobilität spielen.

iNFRAStRUktUR Um das Fahren von Brennstoffzellenfahrzeugen

für den Nutzer attraktiv zu machen, muss Wasserstoff

als Kraftstoff über ein flächendeckendes Tankstellennetz

angeboten werden. In Deutschland werden im rahmen

verschiedener Pilotprojekte öffentliche Wasserstofftankstellen

entstehen, die nach und nach zu einem flächendeckenden

Netz ausgebaut werden sollen.

bErliN bEwEGt SiCH GrÜN

bERliN Die deutsche Hauptstadt ist geprägt durch eine vergleichsweise geringe

motorisierungsrate je Einwohner im Vergleich zu anderen deutschen Großstädten.

kraftfahrzeug 31 %

elektroinfrastruktur

ÖPNV 26 %

Zu Fuß/mit dem Fahrrad 43 %

iNdiVidUAlVERkEHR Die Einwohner berlins erledigen 43 Prozent aller wege

zu fuß und mit dem fahrrad, 31 Prozent mit dem individuellen kraftfahrzeug

und 26 Prozent mit dem öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV). Dabei entfallen

etwa 30 Prozent aller fahrten mit dem kraftfahrzeug auf den berufsverkehr.

Hier nimmt die zahl der Ein- und Auspendler zu, was die Verkehrsströme

wachsen lässt.

VERkEHRSMix Neben dem individualverkehr mit kraftfahrzeugen, fahrrad und

zu fuß gibt es ein ausgedehntes Netz von bussen, Straßenbahnen, u-bahnen

und S-bahnen sowie die binnenschifffahrt mit Schiffen und fähren. Allein die

berliner Verkehrsgesellschaft (bVG) und die S-bahn befördern im Jahr zusammen

rund 1,3 milliarden fahrgäste. Dazu kommen die Eisenbahn und das flugzeug:

2008 flogen 21,4 millionen menschen von oder nach berlin.

QuEllEN: Amt für Statistik berlin-brandenburg, kraftfahrt-bundesamt, flensburg,

Senatsverwaltung für Stadtentwicklung

ElEktRiSCHER StROM Um Fahrzeuge mit elektrischem

Strom zu versorgen, ist es notwendig, Leitungen von den

Kraftwerken zu den E-Tankstellen zu legen. Dazu werden

Stromnetze mit genormten Spannungen und bei Wechselstrom

mit festgelegten Frequenzen verwendet. über weite

Distanzen wird in Deutschland die Energie mittels Dreiphasenwechselstrom

mit einer Netzfrequenz von 50 Hz und

einer Netzspannung von bis zu 400 kV übertragen. Erst in

der Nähe des Verbrauchers wird sie auf eine Niederspannung

mit einem Effektivwert von 230 V (Einphasenwechselstrom)

bzw. 400 V (Dreiphasenwechselstrom) für die Abgabe an

den Elektrotankstellen transformiert.

iNFRAStRUktUR Zu den Kennzeichen der E-Mobility gehört

die Versorgung der Fahrzeuge mit elektrischer Energie aus

regenerativen Quellen. Im Gegensatz zur herkömmlichen,

zentralen Energieerzeugung in Großkraftwerken ist diese

Lösung durch eine Vielzahl von dezentralen Erzeugern wie

Wasser- und Windkraftanlagen, Sonnen- und Biogaskraftwerke

geprägt. Für ein stabiles und nachhaltiges Stromangebot

garantieren Energieunternehmen, wie beispielweise

rWE und Vattenfall, mit einem Strommix u. a. aus Windenergie

und Kohlekraftwerken mit CO 2

-Abscheidung.

30

t


E-City bErliN:

ElEktroNEtzwErk

AN DEr SPrEE

flughafen berlin-tegel

Alexanderplatz

Siegessäule

brandenburger tor

Potsdamer Platz

8

museumsinsel

Spree

kaiser-wilhelm-Gedächtniskirche

Bundesministerium für Wirtschaft

und Technologie (BMWi)

Bundesministerium für Verkehr,

Bau und Stadtentwicklung (BMVBS)

Bundesministerium für Umwelt,

Naturschutz und reaktorsicherheit (BMU)

Bundesministerium für Bildung und

Forschung (BMBF)

Senatsverwaltung für Stadtentwicklung

Mercedes-Benz Welt

smart center Berlin

Mercedes-Benz Vertrieb

Deutschland (MBVD)

TOTAL Deutschland GmbH

Vattenfall Europe Berlin AG & Co. KG

BVG – Berliner Verkehrsbetriebe

Berliner Energieagentur GmbH

NOW GmbH Nationale Organisation

Wasserstoff- und Brennstoffzellentechnologie

(NOW)

Elektrotankstelle

CEP H 2

-Tankstelle

Daimler AG

research & Development Society and

Technology research Group

DAimlEr-tECHNiCity.Com 31


cHronik

bAttERiEgEtRiEbENE ElEktROMObilität iN

bERliN: diE ERStEN StAtiONEN

1899 Der erste omnibus mit batteriebetrieb war

der Shuttle-bus des „kaiser Hotel“.

1901 Erstes Hybridtaxi mit dem Namen

„mercédes mixte“.

1906 mit einem mercedes-lohner-Porsche, eine

Spezialkonstruktion auf basis des mercedes-

Simplex, gewann ferdinand Porsche das

Exelberg-rennen.

1908 in berlin-marienfelde fuhren ab 1908 elektrische

Stadtwagen des typs „mercedes

Electrique: landaulet, Coupé und mylord“.

WARtUNg UNd SERViCE der fahrzeuge

erfolgt in der mercedes-benz und smart Niederlassung

am Salzufer.

32

t


Die Stränge dieser Verbundsysteme kommen unter anderem aus Stuttgart,

Sindelfingen, rastatt, Essen, münchen, Nabern und kamenz, aus

frankreich und kalifornien – und sie laufen in der deutschen Hauptstadt

zusammen. berlin steht tag und Nacht unter Strom. Das politische,

gesellschaftliche und kulturelle zentrum der bundesrepublik ist

einer der großen knotenpunkte im europäischen Netzwerk der urbanen

mobilität mit ihren Potenzialen und Problemen. Deshalb überzeugt

die pulsierende Stadt auch als internationale bühne für eine

neue Automobilität mit umweltfreundlichen Elektroantrieben: berlin

ist modellregion im Nationalen Entwicklungsplan Elektromobilität der

deutschen bundesregierung und steht gleichzeitig im fokus der Arbeit

des „Clean Energy Partnership“ (CEP). So sind mercedes-benz brennstoffzellen-Pkw

seit beginn des CEP im November 2004 im Einsatz.

Später kamen noch smart fortwo electric drive im Projekt „e-mobility“

dazu, das 2009 startete.

Einsteigen, anschalten, zurück auf die Straße: Geladen werden

kann der smart fortwo electric drive entweder zu Hause über eine

normale Steckdose – oder an öffentlichen Dreiphasen-wechselstromladestationen.

Der Stecker ist das Ergebnis eines eigenen Netzwerks,

in dem Stromversorger, Autohersteller und zulieferer zusammengearbeitet

haben. Denn auch künftige Elektroautos von Daimler und

anderen Herstellern sollen die infrastruktur nutzen können. Vor

allem mit der Vereinheitlichung des Steckers in form eines VDE-

Standards haben Hersteller und Energieversorger im Herbst 2009

eine wichtige Grundlage für diese zukunft batterieelektrischer fahrzeuge

geschaffen.

Strom tANkEN –

wiE fuNktioNiErt DAS

uND wElCHEr StECkEr

PASSt

zukunftstechnik braucht Verlässlichkeit. Deshalb wurde

ein einheitlicher Stecker entwickelt, mit dem die batterien

von Elektroautos aufgeladen werden:

• siebenpolig,

• überträgt 3-phasigen Drehstrom oder 1-phasigen Strom.

Der Stecker ist ausgelegt für:

• Spannungen bis maximal 500 Volt,

• Ströme bis 63 Ampere

• bei leistungsaufnahme von 40 kw.

Solche Standards sind unumgänglich, um eine neue

technik auf breiter basis durchzusetzen – das entspricht

den zapfpistolen für gasförmige treibstoffe an der tankstelle.

Der Stecker wird an den öffentlichen und privaten

ladestationen mit maximal 44 kw respektive

22 kw ladeleistung eingesetzt. zum Vergleich: Haushaltssteckdosen

liefern 3,7 kw oder weniger.

„Der Schlüssel zu noch mehr Effizienz

und umweltverträglichkeit liegt

in der Elektrifizierung des Antriebs.“

HerBert KOHLer,

leiter E-Drive & future mobility sowie umweltbevollmächtigter bei Daimler

Gespeichert wird der Strom in einer leistungsfähigen lithium-ionenbatterie

mit 16,5 kwh kapazität. in den Akku fließt auch die beim

bremsen gewonnene Energie. Dazu schaltet der Synchron-E-motor

an der Hinterachse auf Generatorbetrieb, das ist ökonomisch und

eine ökologisch sinnvolle Sparsamkeit. im fließenden Verkehr übt der

smart fortwo electric drive dagegen alles andere als Verzicht, flitzt

stattdessen mit der typischen Durchzugskraft eines Elektromotors

durch die Hauptstadt und beschleunigt in 6,5 Sekunden aus dem

Stand auf 60 km/h. Das sorgt für Spaß am spritzigen, dynamischen

fahren mit batteriekraft aus dem Sandwich-boden.

Netzwerk Antriebstechnik: Daimler setzt für die saubere zukunft

auf eine möglichst große bandbreite der Antriebsformen. So stehen

in der flotte der Daimler-marken effiziente fahrzeuge mit sparsamen

Verbrennungsmotoren, ergänzt um Hybridfahrzeuge und Elektrofahrzeuge

mit batterie und brennstoffzelle.

Die kombination optimierter Verbrennungsmaschinen mit Elektromotoren

ist eine wichtige Stellschraube für eine emissionsarme

flotte, erklärt Herbert kohler, leiter E-Drive & future mobility sowie

umweltbevollmächtigter bei Daimler: „Der Schlüssel zu noch mehr

Effizienz und umweltverträglichkeit liegt in der Elektrifizierung des Antriebs.

Das Potenzial ist groß, es reicht von Start-Stopp-funktion über

die Elektrifizierung von Nebenaggregaten bis zum rein elektrischen

VERtRAg Der kunde schließt mit

einem Stromanbieter einen Autostromvertrag

ab.

AUFlAdEN Der standardisierte

ladestecker passt in jedes

Elektrofahrzeug.

MESSUNg Die Elektronik überwacht

den ladevorgang und beendet ihn

bei vollem Akku.

RECHENZENtRUM Die Daten

des ladevorgangs werden an ein

rechenzentrum übermittelt.

RECHNUNg Die Autostromrechnung

enthält den Gesamtbetrag sowie

eine liste der einzelnen ladevorgänge.

DAimlEr-tECHNiCity.Com 33


HERbERt kOHlER mercedes-benz museum, Stuttgart

SyStEMkoNVErGENz


HErbErt koHlEr

leiter E-Drive & future mobility sowie Daimler-umweltbevollmächtigter,

über Elektromobilität an der Schwelle zur Großserie

und wie sich unterschiedliche Antriebsstrategien ergänzen.

ERFAHRUNg Herr kohler, wann

haben Sie zum ersten Mal ein Auto mit

elektrischem Antrieb gefahren

Das muss irgendwann mitte, Ende der

1990er-Jahre gewesen sein – in einem

unserer allerersten Prototypen mit brennstoffzellenantrieb.

mit kalter Verbrennung

zu fahren war für mich damals ein unglaublich

interessantes Gefühl. Dazu kam die

Emotionalität des Elektroantriebs: direkt,

dynamisch – man spürt sofort, dass das

ein anderes fahren ist.

PARAdigMENWECHSEl lässt sich

der aktuelle Paradigmenwechsel in

der Fahrzeugmotorisierung mit dem

Wechsel vom dampf zum Verbrennungsmotor

vergleichen

ich bin kein freund von martialischen

bildern und Vergleichen. Einen „Clash of

Systems“, einen zusammenprall der

Systeme, sehe ich deshalb auch nicht für

die kommenden Jahre. Es wird mehr um

die Elektrifizierung des vorhandenen Antriebsstrangs

gehen – sei es durch kombination

von Elektromotor und Verbrennungsmaschine

oder durch den alleinigen Einsatz

von Elektroantrieben. wie die Entwicklung

im Detail verläuft, das werden wir in einigen

Jahren im rückblick sagen können. Aber

die Entwicklung von Energietechnik ist doch

immer ein evolutionärer Prozess, da löst

ein Antrieb nicht auf einen Schlag einen

anderen ab.

SyNERgiEN Sie sind leiter von

E-drive & Future Mobility bei daimler.

Seit dem vergangenen Jahr bündeln

Sie im internen kompetenznetzwerk

alle wesentlichen Aktivitäten zukünftiger

Mobilität. Welche Prozesse

haben Sie dafür entwickelt

Die organisatorische Veränderung vor

einem Jahr hat alles, was zur forschung und

Vorentwicklung gehört, zusammengeführt.

Dazu kommt eine enge kooperation mit

anderen Geschäftsbereichen. innerhalb

unserer Projektstrukturen sind die Aktivitäten

also stark vernetzt, damit wir alle Synergien

nutzen können, die sich bieten. Das

betrifft nicht nur forschung und Entwicklung,

sondern auch den Schritt in die Serie:

weil alles Entscheidende in einem bereich

abläuft, können wir bei der Serieneinführung

neuer fahrzeuge besonders schnell sein.

tECHNik Wie wirkt sich dieser

Prozessablauf auf die technischen

details der serienreifen Fahrzeuge

aus

in diesem internen Netzwerk für die

zukunft ist es wichtig, dass wir die Vielfalt

neuer fahrzeugmodelle für die Serie mit

einer modulstrategie verwirklichen. Dahinter

steckt der Gedanke eines baukastensystems.

Das Vorgehen betrifft Hybridisierungen

genauso wie Elektrofahrzeuge mit

batterieelektrischem Antrieb und brennstoffzelle.

wichtig ist dabei, dass wir nicht nur

system-, sondern auch baugleich arbeiten.

NEtZWERk dER ZUkUNFt berlin

und „e-mobility“, das ist eines der großen,

dynamischen Zukunftsnetzwerke.

Welche Rolle spielt daimler darin

wir haben in berlin „e-mobility“ initiiert.

Die wasserstoffinitiative in berlin würde

es ohne uns auch in dieser form nicht

geben. zusammen mit anderen Herstellern

und Energieversorgern haben wir zudem von

Anfang an die Entwicklung eines Standardsteckers

für batterieelektrische Autos mit

vorangetrieben. Aber solche großen Projekte

können nur umgesetzt werden, wenn viele

Partner mit interesse und Engagement daran

zusammenarbeiten. Das gilt für berlin, das

gilt aber auch für Hamburg, wo wir schon

lange mit der Hamburger Hochbahn kooperieren.

in dieser zusammenarbeit stellt sich

auch heraus, auf wen man sich langfristig

verlassen kann – so wie beispielsweise auf

die firma linde, mit der wir im wasserstoffbereich

auf eine lange und gute zusammenarbeit

zurückblicken.

StRAtEgiE Wo steht daimler hinsichtlich

dem Ziel emissionsfreier

Mobilität, wenn smart fortwo electric

drive und b-klasse F-CEll in die kleinserienfertigung

gehen

wir sind in den letzten drei bis fünf Jahren

sehr weit gekommen. ich sage immer:

wenn man marathon läuft, dann fängt das

rennen erst nach den ersten zwei kilometern

richtig an. Den Punkt hat Daimler bei

der Elektromobilität und den dafür notwendigen

fahrzeugtechnologien längst hinter

sich gelassen. Aber wir sind noch lange

nicht am ziel, vor allem beim entscheidenden

thema infrastruktur. •

curriculuM Vitae

+++ seit 1976 bei Daimler +++ 1992 Gründer des

Centers „umwelt, technik und Verkehr“, bis Ende

1999 leitung der strategischen Produktplanung in

der Entwicklung +++ seit 1998 Honorarprofessor

an der universität Stuttgart +++ von 2000 bis 2006

leitung der forschungsdirektion fahrzeugaufbau

& Antrieb, anschließend des bereichs konzernforschung

& Vorentwicklung für fahrzeugaufbau

und Antrieb +++ seit märz 2002 zudem umweltbevollmächtigter

bei Daimler +++ 2005 b.A.u.m.

umweltpreis +++ seit 2009 leiter der Direktion

„E-Drive & future mobility“, in forschung und

Vorentwicklung für die Entwicklung von batterieund

brennstoffzellen verantwortlich. +++

DAimlEr-tECHNiCity.Com 35


moDulArE

ElEktroANtriEbE

Energieverteiler

bordlader

leistungselektronik

leistungselektronik

Verbrennungsmotor

(range Extender)

Hochvoltbatterie

Elektromotor

kraftstofftank

E-CEll

BlueZErO E-CELL ist ein rein batterieelektrisches Fahrzeug, eine

Batterieladung ist für eine reichweite von 200 km gut. Auf den

Elektroantrieb weist von außen lediglich die Karosserie ohne Auspuff

und Auspuffausschnitt hin.

Hochvoltbatterie

brennstoffzellensystem

E-CEll PluS

Hochvoltbatterie

Elektromotor

Das Auto wird von einem batteriegespeisten Elektroantrieb angetrieben,

dazu kommt ein Verbrennungsmotor als Stromgenerator.

Dieser sogenannte „range Extender“ ist ein Dreizylinder-Ottomotor

mit Abgasturboaufladung und 1.000 cm 3 Hubraum. Damit ist eine

reichweite von bis zu 600 km möglich.

leistungselektronik

leistungselektrik

Elektromotor

ladegerät

Elektromotor

lithium-ionen-batterie

Getriebe

kühler für Antrieb

wasserstofftank

Gaspedalmodul

f-CEll

BlueZErO F-CELL mit Brennstoffzelle tankt Wasserstoff und erzielt

lokal emissionsfrei eine reichweite von rund 400 km. Die Zusatzaggregate

für den neuen Antrieb sind im Sandwich-Boden der

B-Klasse verbaut.

unterdruckpumpe

für bremssystem

SmArt fortwo ElECtriC DriVE

Der smart fortwo electric drive ist bereits die zweite Generation des

elektrischen Stadtautos. Sein 30 kW starker Synchron-E-Motor treibt

die Hinterräder an. Die Energie für den Motor mit einem maximalen

Drehmoment von 120 Nm kommt aus einer Lithium-Ionen-Batterie

mit 16,5 kWh Speichervermögen.

t


fahren, wobei gilt: Ein Hybrid ist letztlich nur so umweltfreundlich wie

sein Verbrennungsmotor.“

Die Daimler-ingenieure setzen auf bedarfsgerechte Hybridisierungen,

die Verbrennungsmotoren und elektronische komponenten

in unterschiedlichen konfigurationen kombinieren. Die konzepte reichen

vom milden Hybrid bis hin zum Plug-in-HybriD.

Selbstbewusst hat mercedes-benz hier den ersten Schritt in die

Serie mit seinem flaggschiff getan: im oktober 2008 stellten die

Stuttgarter den mercedes-benz S 400 HybriD vor. Die S-klasse mit

kombiniertem Antrieb aus ottomotor und Elektroaggregat war weltweit

der erste Hybridwagen mit lithium-ionen-batterie, der erste in

Serie gebaute deutsche Hybrid-Pkw und vor allem die sauberste

luxuslimousine der welt.

berührungsängste beim Austausch von kompetenzen zwischen

den verschiedenen Abteilungen gibt es nicht, auch das gehört zur

„road to Emission-free mobility“. Dies zeigte schon die erfolgreiche

Einführung der Abgasreinigung bluEtEC für Dieselantriebe, die 2005

in Nutzfahrzeugen von mercedes-benz debütierte und 2006 in der

E-klasse Premiere im Pkw-bereich hatte.

„wasserstoff und Strom können

Diesel und benzin als leitwährungen

der mobilität langfristig ergänzen.

Der wettlauf um die führungsrolle ist

in vollem Gang.“

HerBert KOHLer,

leiter E-Drive & future mobility sowie umweltbevollmächtigter bei Daimler

fest steht: Die optimierung bestehender und im markt etablierter

Antriebe ist ein guter Ansatz, um schon kurzfristig signifikante reduzierungen

von Verbrauch und Co 2

-Emissionen im gesamten fahrzeugbestand

zu erreichen. zusätzliche lösungen wie Elektrofahrzeuge

haben hier mittelfristig ebenfalls ein großes Potenzial und müssen

deshalb heute mit Nachdruck gefördert werden. Aber sie werden sich

erst dann deutlich auf die Schadstoffbilanz des Straßenverkehrs auswirken,

wenn eine größere Anzahl davon unterwegs ist. langfristig

wird sich die E-mobility aber durchsetzen, ist sich kohler sicher:

„wasserstoff und Strom können Dieselöl und benzin als leitwährungen

der mobilität langfristig ergänzen. Der wettlauf um die führungsrolle

in diesem Veränderungsprozess ist derzeit in vollem Gang.“

Ein Netzwerk der gezielten förderung: Der Nationale Entwicklungsplan

Elektromobilität (NEPE) der deutschen bundesregierung

will diesem Prozess mehr Dynamik geben. So sollen bis zum Jahr

2020 eine million Elektrofahrzeuge verschiedener typen auf die Straße

gebracht werden. Die erste Phase des Entwicklungsplans umfasst

förderprojekte im umfang von insgesamt 500 millionen Euro. Die

finanzmittel stammen aus dem konjunkturpaket ii, umgesetzt werden

die Vorhaben von einem Netzwerk der bundesministerien für bildung

und forschung (bmbf), für umwelt, Naturschutz und reaktorsicherheit

(bmu), für wirtschaft und technologie (bmwi) sowie für Verkehr,

bau und Stadtentwicklung (bmVbS).

Das Engagement in berlin ist nur einer von mehreren bausteinen

in der Daimler-Strategie hin zu einer emissionsfreien mobilität. im Ver-

gleich zu früheren Projekten wie dem flottenversuch mit 100 smart

electric drive der ersten Generation in london hat „e-mobility berlin“

genauso wie die teilnahme am „Clean Energy Partnership“-Programm

zusammen mit zahlreichen Partnern aus Auto- und Versorgungsindustrie

noch einmal an bedeutung gewonnen. in berlin werden

schließlich auch die weichen für Versorgungs-, Service- und infrastrukturnetzwerke

gestellt, die den Serieneinsatz von Elektrofahrzeugen

schon in den beiden nächsten Jahren und darüber hinaus

möglich machen: rwE will 2010 insgesamt 500 ladestationen für

Elektroautos in der Hauptstadt installieren, in ganz Deutschland

werden es 1.000 Stück sein. und im februar ist gerade die zweite

berliner wasserstoff tankstelle von totAl mit innovativer technik von

linde und Statoil ASA in betrieb gegangen.

Die neuen Netzwerke zur Energieversorgung werden die kulturtechnik

des tankens verändern. Das gilt insbesondere für batterieelektrische

Autos oder Plug-in-Hybride. Denn das laden der batterien

wird auch an den Hochleistungsstationen weiterhin mit einer längeren

fahrpause verbunden sein – allerdings wird künftig in minuten statt

in Stunden gerechnet. Aus diesem Grund baut rwE in berlin das engmaschige

Netz aus ladepunkten auf.

MüNCHEN Auch die tank- und Speichertechnik für wasserstoff ist

technisch ausgereift, sagt markus bachmeier, leiter der Abteilung

Hydrogen Solutions bei linde in münchen. für den Nutzer unterscheide

sich das befüllen der tanks kaum vom betanken eines Erdgasautos

– nur dass der wasserstoff mit viel höherem Druck gespeichert

wird, nämlich bei 700 bar. Der typische tankvorgang dauert nur

drei minuten. zentrale Anlaufstelle für Autos mit brennstoff zellen -

antrieb war zunächst die von linde gebaute und entwickelte totAltankstelle

an der Heerstraße 324. Gerade ist der zweite Standort

an der Holzmarktstraße eröffnet worden. und linde hat zudem eine

mobile betankungsanlage zur Versorgung der CEP-flotte im Einsatz,

den „trailH2 Gas“.

Das Netzwerk klassischer tankstellen sieht markus bachmeier

künftig als wichtigsten Standort für H 2

-zapfsäulen: „tankstellen

müssen auch künftig die maximale zahl der verfügbaren Energieträger

vorhalten, denn der Verbraucher will seinen treibstoff an der vertrauten

Stelle erhalten“, erklärt der linde-manager. Potenzial sieht bachmeier

künftig bei der stärkeren Anwendung von „grünem H 2

“ – zum

beispiel aus klärgasen oder aus Abfallprodukten der biodieselerzeugung.

Nachhaltig ist auch mit Elektrolyse erzeugter wasserstoff,

wenn der Strom dafür aus windkraft und durch fotovoltaik erzeugt

wird – hier dient der wasserstoff als Speichermedium der aus regenerativen

ressourcen erzeugten elektrischen Energie. Das resümee

des Experten ist rundweg positiv: „Es wird eine Vielzahl von Produktionspfaden

geben, aus denen sich grüner wasserstoff wirtschaftlich

sinnvoll und nachhaltig erzeugen lässt“.

Die Energie für die ladestationen von rwE beim „e-mobility“-

Projekt in berlin stammt bereits heute ausschließlich aus regenerativen

Quellen, sagt Carolin reichert: „unsere ladestationen liefern

ausschließlich zertifizierten, regenerativ erzeugten Strom. Dazu

weisen wir nach, dass rwE im umkreis jeder ladestation die gleiche

menge Ökostrom einspeist, wie die E-fahrzeuge aus dem Netz

ziehen.“ Die infrastruktur – bis hin zum Stecker – ist bereits heute

darauf ausgelegt, dass eine große flotte von Elektroautos sogar zum

Ausgleich schwankender Stromeinspeisungen – etwa bei windkraft

– beitragen kann.

Ein landesweites Netzwerk neuer tankmöglichkeiten ist für die

Einführung der Elektromobilität in der fläche unabdingbar. Hier

DAimlEr-tECHNiCity.Com 37


mache Daimler mit seinen Partnern derzeit die ersten Schritte, sagt

kohler: zwischen berlin und Hamburg entstehe ein ringsystem mit

tankstellen für wasserstoff und für Strom. „fahrzeughersteller müssen

sich bewusst machen, wie wichtig dieses infrastrukturnetz neuer

tankmöglichkeiten ist“, betont kohler. Ein intelligentes Netz knüpft

seit 2009 auch die Vertriebsorganisation für mercedes-benz und

smart. Dabei geht es um die Verteilung von wissen statt von Energie:

bereits vor der Einführung der fahrzeuge hat in zusammenarbeit mit

Experten aus verschiedenen Daimler-Standorten die Schulung der

Serviceteams in der mercedes-benz Niederlassung berlin am Salzufer

1 und im benachbarten smart center begonnen. Von der Hauptstadt

aus wird sich auch das künftige Servicenetzwerk für Elektroautomobile

der beiden marken für ganz Deutschland entwickeln.

kAMENZ Parallel zu diesem kompetenznetzwerk der E-mobility entwickelt

Daimler auch ein neues Produktionsnetzwerk: Die Deutsche

Accumotive GmbH baut in kamenz Europas größte fabrik für lithiumionen-batterien.

Damit wird Daimler, dem die Deutsche Accu motive

zu 90 Prozent gehört, zum ersten Automobilhersteller in Europa,

der auch lithium-ionen-batterien für Elektroautos in Großserie

fertigen wird.

Auch bei der brennstoffzellenproduktion ist Daimler gut aufgestellt.

Seit Sommer 2009 ist die NuCellSys GmbH in Nabern eine

hunderprozentige Daimler-tochter. Das unternehmen fertigt seit

2003 brennstoffzellen und arbeitet derzeit an der nächsten Generation.

weiteres know-how für Elektroantriebe kommt aus kalifornien.

Hier ist Daimler mit zehn Prozent am Elektromobilitätsunternehmen

tesla aus San Carlos beteiligt. tesla-wissen fließt in die Ausrüstung

der ersten 1.000 smart fortwo electric drive ein. „Es gibt kein anderes

Automobilunternehmen, das seine strategische Aufstellung so breit

und so tief in richtung Elektromobilität ausbaut wie Daimler“, sagt

dazu Christian mohrdieck.

Daimler hat das Netzwerk zukunft für die Elektromobilität weltweit

gespannt. Es ist das Netz, das zur zukunft des Autos führt, zum

„Auto 2.0“. Der smart fortwo electric drive fährt in berlin, im mittelpunkt

dieser Entwicklung. Er scheint die Dynamik der Entwicklung

und das in ihn gesetzte Vertrauen zu spüren. mit dem Schwung des

Elektromotors bringt er seinen fahrer nach Hause, wo der wage n

wieder ans Netz darf. Die ladebox für private Garagen sorgt dabei für

Stromnachschub. Hier lädt der smart fortwo electric drive Energie –

für die zukunft der mobilität. •

HyPerlink

DiE wElt fÖrDErt ElEktromobilität

für elektrisch betriebene fahrzeuge und antriebsbegleitende technologien entwickelt

sich ein weltweit wachsender markt. Schon heute werden enorme fördersummen

für Pilotprojekte und technische Entwicklung investiert. Nur wer sich

schon heute im zukunftsmarkt der Elektromobilität strategisch positionieren kann,

wird am wachstum teilnehmen.

iNtERNAtiONAlE FÖRdERSUMMEN

CHiNA

innovationen im bereich effizientere Antriebe:

1.000 Mio. Euro

Entwicklung von 10 Pilotregionen:

USA

Entwicklung von batterietechnologie:

JAPAN

Entwicklung von batterietechnologie:

145 Mio. Euro

dEUtSCHlANd

innovationen im bereich effizientere Antriebe:

700 Mio. Euro

NAtiONAlES ZiEl: 1 MiO. ElEktROFAHRZEUgE biS 2020

PHASEN

2.000 Mio. Euro

2.000 Mio. Euro

2009 2011 markthochlauf

2020

FOkUS

markt-/technologievorbereitung

ZiEl 2020:

1 mio. kfz

QuEllE: Auszug aus dem bericht an den Haushaltsausschuss konjunkturpaket ii, ziffer 9 fokus

„Elektromobilität“ (bmwi, bmVbS, bmu, bmbf, bmElV).

Volumen

Weitere informationen zu diesem Beitrag finden Sie unter:

daimler-technicity.com/technikundinnovation

mit folgenden Features:

1. funktionsweisen der aktuellen Elektrofahrzeuge von Daimler

2. Nationale und internationale förderung von Elektromobilität

3. Geschichte der Elektrofahrzeugentwicklungen bei Daimler

38

t


MERCEdES-bENZ b-klASSE F-CEll vor

dem bundesministerium für Verkehr, bau und

Stadt entwicklung, berlin.

mErCEDES-bENz b-klASSE f-CEll

reichweite: ca. 400 km Energiespeicher: lithium-ionen-Akku (1,4 kwh)

brennstoffzellenleistung: 100 kw Drehmoment: 290 Nm

Höchstgeschwindigkeit: elektronisch begrenzt auf 170 km/h

DAimlEr-tECHNiCity.Com 39


TexT

Steffan Heuer

FoTograFie

Sascha Pfläging

Wie kommt das iPhone

in die S-KlaSSe

Das Mercedes-Benz Forschungslabor im Silicon Valley sorgt dafür,

dass Innovationen ihren Weg schnell ins Fahrzeug finden.

Bestes Beispiel ist die iPhone-Integration in der neuen S-Klasse.

T


DaIMler-TecHnIcITy.coM

41

­


KreaTiver Showdown David und Goliath sind manchmal wie

füreinander geschaffen, wenn es um Hardware geht. anstatt sich als

Sparringspartner zu messen, kann aus dem Showdown eine kreative

Partnerschaft werden.

In einer ecke des rings steht das iPhone: 1,23 Zentimeter dünn,

11,6 Zentimeter hoch, gerade einmal 135 Gramm schwer. Gemeinsam

mit seinem noch leichteren Bruder, dem iPod touch, ist das

apple-Produkt einer der begehrtesten Taschencomputer der Welt.

Beide wurden bis ende 2009 mehr als 50 Millionen Mal verkauft und

lassen sich mit weit über 100.000 Programmen bespielen. Zusammen

haben sie die Welt der mobilen Kommunikation und Unterhaltung

auf den Kopf gestellt.

In der gegenüberliegenden ecke steht der champion von

Mercedes-Benz: die neue S-Klasse. Genau 5,21 Meter lang, 1,87 Meter

breit und 2 Tonnen schwer. Mit neun verschiedenen Triebwerken –

vom Hybridmotor bis zum 12-Zylinder – und einem leistungsspektrum

von 279 bis maximal 610 PS ist die S-Klasse ein Fahrzeug, das

wie das iPhone neue Standards gesetzt hat. es bündelt modernste

Technik, Komfort und Sicherheit zu einem leistungspaket, bei dem

sich die meisten Herausforderer schnell geschlagen geben.

Wer sich die beiden ungleichen Sparringspartner genauer ansieht,

entdeckt Gemeinsamkeiten und Berührungspunkte. Sowohl

das iPhone als auch die S-Klasse sind ausdruck eines Innovationsdenkens

und einer Designphilosophie, die Komplexität unter einer

scheinbar mühelos-eleganten oberfläche verbergen. Beide Produkte

haben es dank Heerscharen von Ingenieuren und Programmierern

geschafft, ihre Kunden durch keine störenden nebeneffekte – die

Marktschreier am rande des rings – vom ungetrübten erlebnis abzulenken.

„Mercedes-Benz und apple sind Premiummarken,

bei denen Bedienungsfreundlichkeit und modernes

Design Teil der Unternehmenskultur ist.“

Johann Jungwirth,

ceo Mercedes-Benz research & Development north america, Inc.

Wer sein iPhone in einem neuen Mercedes-Benz benutzt, greift

auf seine Musik direkt über die Benutzeroberfläche des Fahrzeugs

zu. Hinter diesem nahtlosen erlebnis stecken sechs lange Jahre

gemeinsamer entwicklung, des offenen Gedankenaustausches und

experimentierens.

Die Quelle für diesen Kreislauf, der beständig neue Ideen und

Produkte hervorbringt, befindet sich am Hansen Way in Palo alto, wo

das labor für Forschung und entwicklung von Mercedes-Benz

nordamerika residiert, eine erstklassige adresse, wenn man den

Finger am Puls des Silicon Valley haben will. Im Umkreis von

45 Fahrminuten befinden sich neben apple weitere IT-riesen wie

Hewlett-Packard, Intel, Google und yahoo! Zur renommierten Universität

Stanford kann man zur not sogar zu Fuß gehen, um brillante

Professoren und Studenten zu treffen.

In dem zweistöckigen Bau mit angegliederter Werkstatt arbeiten

Ingenieure, Programmierer und andere Fachleute gemeinsam mit

kalifornischen Hightechpionieren an der Hardware und Software von

morgen. Mit apple, dessen chef vom Wirtschaftsmagazin Fortune

gerade zum „ceo des Jahrzehnts“ gekürt wurde, verbindet Mercedes-

Benz eine besondere Beziehung. Johann Jungwirth, Mercedes-Benz

research & Development north america, Inc., ist sich sicher: Der

beste Beweis für die enge Zusammenarbeit der beiden Marken ist die

Integration des iPod und des iPhone in die neue S-Klasse. Die Partnerschaft

feierte auf der Macworld 2005 ihre Premiere, als applechef

Steve Jobs in einer viel beachteten Demonstration an einem

Mercedes-Benz das erste voll integrierte iPod-Kit vorstellte. Seitdem

ist eine enge und regelmäßige Zusammenarbeit beider Unternehmen

herangereift, sagt Jungwirth. „Perfektion passiert nicht über nacht. es

ist enorm wichtig, vor ort zu sein. So kann man sich unkompliziert und

schnell am Telefon oder persönlich treffen, um Ideen, anregungen

und die Vision zu besprechen, die hinter dem Ganzen steht.“

„Bei Verbraucherelektronik besteht die erwartung,

dass man sein Gerät alle zwei bis drei Jahre

austauscht. ein Mercedes-Benz soll 30 Jahre

lang halten.“

Bharat BalasuBramanian,

leiter der Direktion Produktinnovationen & Prozesstechnologien in

der Konzernforschung und Vorentwicklung

Bharat Balasubramanian, in der Daimler-Konzernforschung und Vorentwicklung

für Produktinnovation und Prozesstechnologien verantwortlich,

weiß um die strategische notwendigkeit, frische Ideen auch

jenseits des eigenen Unternehmens bei kompetenten Partnern zu

suchen: „Unsere Mitarbeiter und die Mitarbeiter von apple verbindet

der respekt vor dem tiefen Fachwissen. Sie sind begeistert von der

Qualität unserer Integration, vom smart bis zur S-Klasse. Die gute

Vernetzung liegt nicht nur an der räumlichen nähe, sondern auch an

den entwicklungsteams, die durch die enge Kooperation auf neue

Ideen kommen.“ (Siehe Interview auf Seite 46.)

Dazu treffen sich Mercedes-Benz experten circa einmal pro

Woche mit apple-Ingenieuren in cupertino, ergänzt durch Treffen auf

der Führungsebene, wenn es um wichtige Meilensteine bei der entwicklung

geht. oft sitzen die Tüftler stundenlang im Fahrzeug und

testen ihre Geistesblitze – seien es neue Schnittstellen für die Head

Unit, um beispielsweise die cover art eines Musikstücks darzustellen,

oder seien es Details wie die Scroll-Geschwindigkeit, die auf einem

Display im Wagen anders sein muss als in der Hand.

„Dieser unkomplizierte und oft persönliche Kontakt lässt uns bei

Innovationen schneller sein und neue Ideen besser implementieren“,

erklärt Khaled Mosalem, engineering Director in Palo alto. „apple ist

an unserem Feedback interessiert, denn für den Kunden soll am ende

ein ganzheitliches erlebnis stehen: ein perfektes apple-Produkt in

einem perfekten Mercedes-Benz zu genießen.“

KulTurauSTauSch Die Schnittstelle im Silicon Valley bewährt

sich auch, wenn es darum geht, Ideen über den atlantik zu bringen,

damit Mercedes-Benz Ingenieure sie noch besser in die Produktentwicklung

einbeziehen können. So hat das Team aus Palo alto drei

Fahrzeuge in Sindelfingen stehen, um neue Konzepte vorzuführen.

„Bis vor ein paar Jahren haben wir Head Units in speziellen Koffern

nach Deutschland geflogen“, sagt Mosalem. „Jetzt geht es bedeutend

einfacher und schneller, Innovationen vor den wichtigen Fachleuten

und entscheidern zum leben zu erwecken.“ außerdem findet ein

reger austausch an Mitarbeitern zwischen Sindelfingen und Kalifornien

statt, die ein halbes Jahr oder länger in die jeweils andere

Kultur eintauchen können.

42 T


CHRONIK

2001 apple-ceo Steve Jobs stellt den ersten iPod

im oktober vor.

2003 Die enge Zusammenarbeit von Daimler

research & Development mit apple beginnt.

2005 apple-ceo Steve Jobs präsentiert auf der

Macworld in San Francisco die erste

voll integrierte lösung eines automobilherstellers.

2007 Im Januar stellt apple das iPhone vor,

das ende Juni auf den Markt kommt.

2008 Mercedes-Benz bringt die Integration ab

Werk auf den Markt. Fahrer können ihre

iPod- und iPhone-Modelle über die Head

Units, wie z. B. das coManD-System,

ansteuern.

„war room“: Im entwicklungszentrum entwerfen

Ingenieure apps fürs iPhone.

Die skizze zeigt: So fließen Informationen

zwischen Fahrzeug und iPhone.

Platzhalter aus Papier helfen beim entwurf der

Menüführung von iPhone-Programmen.

alleS hÖrT auF mycoMand

ob radio, Musikdatenbank, Verkehrsinfos, Internetbrowser: Das Infotainmentsystem mycoManD

von Mercedes-Benz ist alles auf einmal. Über die einheitliche Benutzeroberfläche auf einem Display

über der Mittelkonsole lassen sich alle Funktionen blitzschnell aufrufen:

• Der reiseassistent holt aktuelle Infos aus dem Internet zur Verkehrslage und zu einrichtungen

entlang der route wie Tankstellen, Parkplätze oder Hotels.

• ein Browser erlaubt das Surfen im Internet wie zu Hause am Pc.

• Der Musikplayer holt Titel aus der persönlichen Musikbibliothek im Internet.

• World radio empfängt jeden Webradio-Sender weltweit.

Flexible Wahl der route mit

Verkehrsinfos aus dem Internet.

route berechnet – mit abstecher

zur nächsten Tankstelle.

Schneller lotse zum nächsten

Parkplatz oder Hotel.

DaIMler-TecHnIcITy.coM 43


­

Ideen aus der kreativen Hochburg Silicon Valley früh zu erkennen und

in den Prozess bei Mercedes-Benz einfließen zu lassen zahlt sich

aus. Deswegen experimentiert das Team in Palo alto mit neuen anwendungen

(oder apps) für Smartphones wie das iPhone, die sich

schnell herunterladen lassen und eine engere Verbindung zwischen

Fahrer und Fahrzeug schaffen. ebenso entstand das Universal

consumer Interface oder UcI-Kabel im labor am Hansen Way, mit

dem Fahrer auf noch mehr Funktionen ihres iPod zugreifen können.

als ausblick auf das Infotainment der Zukunft entwickelten die

Tüftler außerdem eine Head-Unit-Vision namens mycoManD. Über

ein schnelles 4G-Mobilnetz bezieht der S-Klasse Prototyp die Daten

für navigation, Musik und Video drahtlos mit bis zu 25 Megabit pro

Sekunde. So lassen sich radiosender aus aller Welt hören oder ein

Hotelzimmer von unterwegs buchen. „Wir denken ständig darüber

nach“, sagt Johann Jungwirth zur Mission seines Teams, „wie wir

intelligente Infotainment- und Telematikschnittstellen und -lösungen

im Fahrzeug schaffen, die offen und flexibel sind.“ Dazu gehört auch

die Frage, wie man apps auf einem Mobilgerät am besten im Fahrzeug

aufrufen und steuern kann.

Der enge Feedback-Kreislauf mit den Visionären in cupertino soll

dafür sorgen, dass Mercedes-Benz und apple bei leistung, Komfort

und Bedienungsfreundlichkeit auch in Zukunft als Siegerpaar aus

dem ring gehen. •

HYPeRlINK

weitere informationen zu diesem Beitrag finden

sie unter:

daimler-technicity.com/managementundprozesse

mit folgenden Features:

1. Die beliebtesten Mercedes-Benz apps für das iPhone

2. Fotos aus dem entwicklungsslabor in Palo alto

3. Innovation: Kontoführung via Smartphone im auto

4. apple meets Mercedes-Benz: eine erfolgsgeschichte

aPPS FÜr auToS

Wo ist mein Wagen Diese Frage beantwortet künftig das iPhone. Die Mobile

application des mbrace-Dienstes von Mercedes-Benz USa kann aber noch mehr:

• Mercedes-Benz Fahrer können ihren Wagen vom Touchscreen des Mobiltelefons

auf- oder zuschließen.

• mbrace findet den Wagen per GPS-ortung auch auf Großparkplätzen.

• Bei einer Panne ruft mbrace den Kundendienst oder die Pannenhilfe.

• Das iPhone kann einen nahe gelegenen Vertragshändler ausfindig machen.

• mbrace gibt auskunft über den aktuellen Kontostand bei Mercedes-Benz

Financial.

iPhone-app für

Kontoführung

Spiel zum neuen

e-Klasse coupé

Mercedes-Benz

oldtimerquartett

44 T


Petaluma

im siliCon VallEY, DEr innoVationsrEgion River in DEn usa, arBEitEn ZahlrEiChE

SOLANO

FirmEn unD institutionEn an iDEEn FÜr DiE ZuKunFt. 37

Marine

World

Novato 37

Vallejo

Mercedes-benz (1995) 1

automobilelektronik r+D

Mitarbeiter: 2 50

Sun Microsystems (1982) 1

Server, Prozessoren und Software

Mitarbeiter: 2 6.000

oracle corporation (1977) 1

Datenbanksoftware

Mitarbeiter: 2 2.300

electronic arts (ea) (1982) 1

Videospiele

Mitarbeiter: 2 475

google inc. (1998) 1

Suchmaschine

onlinewerbung

Mitarbeiter: 2 8.000

Facebook (2004) 1

Social networking

Mitarbeiter: 2 800

hewlett-Packard (1938) 1

computer, Drucker und IT-Services

Mitarbeiter: 2 2.500

vMware (2004) 1

Software für Virtual Machines

Mitarbeiter: 2 65

Juniper networks (1996) 1

networking equipment

Mitarbeiter: 2 300

Redwood Hwy

MARIN

Sir Francis Drake Blvd

Shoreline Hwy

101

4th St

Magnolia Ave

Corte

Madera

1

101

Golden Gate

Nat'l Rec Area

1

Redwood Hwy

SAN

FRANCISCO

China Beach

Golden

Gate

Park

Great Hwy

Pacifica

35

131

Sloat Blvd

Cabrillo Hwy

SONOMA

Black Point Rd

China Camp

State Park

San Rafael

Sausalito

121

San Pablo

Bay

Richmond-San Rafael Toll Bridge

Zoo

Portola Dr

El Camino Real

Skyline Blvd

Tiburon

101

380

101

Daly City

Crystal Springs

Reservoir

92

1

101

South

San Francisco

Cabrillo Hwy

Bay St

Market St

3rd St

Junipero Serra Frwy

Skaggs Island

U.S. Naval Res

Half Moon

Bay

580

Alcatraz

U.S.

Naval Res

80

Bayshore Frwy

Richmond

Treasure

Island

82

La Honda Rd

Sears Point Rd

23rd St

Napa

River

San Francisco

Bay

92

280

35

84

Hercules

80

80

San Pablo

123

OAKLAND

Bay Toll Bridge

San Francisco Oakland

CANDLESTICK

PARK

San Francisco

Int'l Airport

San Pablo Ave

San Mateo

J Arthur Younger

San Pablo Ave

Oakland

Army

Base

101

Kings Mtn Rd

Skyline Blvd

Mandela

Pkwy

U.S. Naval

Air Station

Alameda

SAN MATEO

U.S.

Naval Res

Wildcat

Canyon

Park

Albany

61

Central

Ave

Alameda

El Camino Real

Redwood

City

84

84

24

29

Pinole Valley Rd

San Pablo Dam Rd

Oakland Int'l

Airport

NAPA

Marine World Pkwy

San Pablo

Reservoir

Lake

Merritt

Foster City

4

Berkeley

Univ of CA

C

Briones

Reservoir

880

580

92

82

13

12

780

arq

u

185

San Mateo Toll Bridge

Alameda de

las Pulgas

Woodside Rd

Sand

Portola Rd

Airport Dr

San Carlos

Airport

Bayshore Frwy

Hill Rd

Junipero Cierra

Blvd

Cervantes Rd

Skyline Blvd

Big Basin Redwoods

State Park

American Canyon

Warren Frwy

14th St

Columbus Pkwy

Camino Pablo

Hegenberger Rd

Davis St

Congress Springs Rd

9

80

in ez Str a

Mac Arthur

35

Redwood Rd

84

Page Mill Rd

Frwy

14th St

Benicia

G5

9

it

Alhambra Valley Rd

Bear Creek Rd

Stanford

Univ

John Muir Pkwy

238

680

Martinez

Hayward

Oregon

Expwy

Hesperian Blvd

El Camino Real

Pleasant

Hill

San Leandro

Reservoir

Lake

Chabot

280

24

92

Palo Alto

Foothill Expwy

Redwood Rd

Foothill Blvd

85

Cupertino

Nimitz Frwy

Dumbarton Toll Bridge

Palo Alto

Airport

Castle Rock

State Park

Stevens Creek Frwy

Saratoga

Suisun

Bay

Waterfront Rd

Gregory Ln

Hesperian Blvd

680

Mission Blvd

880

680

242

Danville

580

238

Union

City

Central Expwy

Sunnyvale

Saratoga Sunnyvale Rd

Solano Way

CONTRA COSTA

Coyote Hills

Park

U.S. Naval

Air Station

Moffett Field

Ignacio Valley Rd

82

G2

17

4

Concord

Walnut Creek

Crow Canyon Rd

Alviso Frwy

Lawrence Expwy

Quito Rd

Saratoga Ave

Peralta Blvd

101

Stevens Creek Blvd

85

Saratoga Los Gatos Rd

Port Chicago Hwy

Concord Naval

Weapons Station

Clayton Rd

Palomares Rd

G4

Dublin

84

Nimitz Frwy

El Camino Real

Mt Diablo

State Park

Mission Blvd

280

17

Los Gatos

Fremont

237

238

SAN

JOSE

Ave

1st St

Montague

Expwy

San Jose

Int'l Airport

Blackhawk Rd

ALAMEDA

1st St

Camden

Kirker Pass Rd

Dougherty Rd

680

Niles Canyon Rd

1st St

Santa Clara

87

Hillsdale Ave

G8

Railroad Ave

Calaveras Rd

680

Pittsburg

87

4

Stanley Blvd

Pleasanton

Vallecitos Rd

Alum Rock Ave

Vineyard Ave

101

Capitol Expwy

82

85

McKean Rd

yahoo (1995) 1

Internetportal

Mitarbeiter: 2 5.500

cisco Systems (1984) 1

networking und

Telecom equipment

Mitarbeiter: 2 17.000

Sandisk (1988) 1

Speichermedien

Mitarbeiter: 2 141

intel (1968) 1

Mikroprozessoren

Mitarbeiter: 2 5.700

Sharp (1995) 1

Mikroelektronik

Mitarbeiter: 2 15

applied Materials (1967) 1

Halbleiter und Solarzellen

Mitarbeiter: 2 800

adobe Systems (1982) 1

Desktop-Publishing- und

Design-Software

Mitarbeiter: 2 2.500

Fujitsu

(1979 in Sunnyvale)

IT-Produkte und

Dienstleistungen

Mitarbeiter: 2 400

ibM (1943) 1

computer und IT-Services

Mitarbeiter: 2 1.000 am

almaden-Forschungszentrum

ebay (1996) 1

Plattform für onlineauktionen

Mitarbeiter: 2 300

Trend Micro (1995) 1

Sicherheitssoftware

Mitarbeiter: 2 k. a.

Symantec (1982) 1

Virenschutz und Sicherheitssoftware

Mitarbeiter: 2 400

apple inc. (1976) 1

computer und IT-Services

Mitarbeiter: 2 2.000

1) Gründungsjahr in Silicon Valley

2) am Standort Silicon Valley

DaIMler-TecHnIcITy.coM 45


„INNOvaTION kommt aus

Bharat BalasuBramanian zu Denkanstößen aus dem Silicon Valley

CURRICUlUM vITae

Prof. dr.-ing. bharat balasubramanian

+++ geboren 1951 in chennai, Indien +++ Studium

am Indian Institute of Technology in Mumbai (Bombay)

mit abschluss Bachelor of Technology, Gesamtnote

„First class Honours“ +++ Hauptdiplom und

Promotion zum Dr.-Ing. an der Universität Karlsruhe

(TH), Gesamtnote „mit auszeichnung“ +++ interner

rufname „Prof. Bharat“ +++ mehr als 30 Jahre

bei Daimler im Bereich Innovation +++ von der

computeranalyse und computergestütztem Design

(caD) über Total-Quality-Management zum Vice

President in Daimlers Group research & advanced

engineering +++ seit april 2009 leiter der Direktion

Produktinnovationen & Prozess technologien in der

Konzernforschung und Vorentwicklung +++

ehrenprofessor der TU Berlin +++

erleben Professor Balasubramanian,

sie sind verantwortlich für Produktinnovationen.

was sind neben grünerem

Fahren und geringerem schadstoffausstoß

die wich tigen themen von morgen

Wir haben heute eine sehr stark co 2

-

orientierte Dis kussion. Diese Werte spielen

sicherlich bei der gesellschaftlichen akzeptanz

unserer Fahrzeuge eine wichtige rolle.

aber ich bin zugleich überzeugt, dass auch

die erlebnisse des Kunden, etwa bei Komfort

und Fahr gefühl, einen großen einfluss auf

das individuelle Verhältnis zur motorisierten

Mobilität haben und in der Fahrzeugentwicklung

nicht unterschätzt werden dürfen.

Wie er lebe ich jeden Tag mein auto Zu

einem wesent lichen Teil über die lenkung,

das Fahr verhalten, die Fahrdynamik – aber

auch über entspannende elemente: radio,

Musik und zum Beispiel auch durch meine

iPod- bzw. iPhone-Integration.

innovaTion innovationen, die der

Fahrer sehen und spüren kann …

richtig. Insofern ist das Thema Innovation

elementar wichtig für unsere Marke,

gerade in den Bereichen, in denen wir sehr

stark sind: Sicherheit und Komfort. Damit

meine ich nicht nur die klassische Definition

wie ride & Handling oder den Fahrkomfort,

sondern Bedienungskomfort, entspannung

und Souveränität in der nutzung von verschiedenen

Telematikanwendungen. Da ist

unser labor in Palo alto prädestiniert, neue

Wege aufzuzeigen.

SchMelzTiegel was macht das

Entwicklungslabor in nordkalifornien so

wichtig für Daimler

Silicon Valley und insbesondere Palo

alto sind der Schmelztiegel für Innovationen

und innovatives Denken. Man ist hier

be reit, ganz andere und neue Weg zu gehen,

und dabei kommen frische Ideen und

interes sante ansätze zustande. nehmen wir

das Thema MP3-Musikdateien und apples

iPod. Das MP3-Format wurde von der

Fraunhofer-Gesellschaft in Deutschland

erfunden, aber das kommerzielle Potenzial

wurde erst hier im Silicon Valley entdeckt

und gekonnt ausgeschöpft. Ideen zu gene -

rieren und unterschiedliche Technologien

zusammenzubringen, um etwas neues zu

schaffen – das ist das Markenzeichen

dieser region. Deswegen waren wir als

erstes deutsches automobilunternehmen

schon vor 15 Jah ren hier präsent.

coMMuniTy wie genau sieht der

innovationsprozess bei mercedes­Benz

aus. gibt ihnen silicon Valley dafür

wichtige impulse

aus genau diesem Grund habe ich vor

zwei Jahren die leiter meiner Forschungszentren

auf eine rundreise eingeladen, um

uns bei Firmen wie adobe, apple, Google

und Intel anzusehen, wie sie ihre Innovationsprozesse

managen. Dabei hat sich ein

Grundmuster herausgeschält: Innovation

kommt nicht aus schließlich von den Forschungs-

und entwicklungsingenieuren,

sondern auch von den Kunden und Mitarbeitern,

der so genann ten community. Jedes

Unternehmen hatte eine leicht unterschiedliche

De fi nition dieser Gemeinschaft.

Bei manchen kann jeder Mitarbeiter Ideen

vorschlagen, die dann weiterentwickelt

werden. Im extrem fall stellt eine Firma eine

Frage ins Internet und prämiert die besten

lösungen. Mir sagt die Vorgehensweise von

IBM zu, die seit ein paar Jahren so genannte

„Innovation Jams“ als firmenweites Brainstorming

ver anstalten.

PlaTTForM wie lassen sich all

diese Einflüsse und anregungen auf einen

deutschen Konzern übertragen

Gute Frage: Was passt zur deutschen

Men talität Wir haben uns entschieden, mit

einem Innovation Jam nach IBMs Vorbild

46 T

­


der community.“

anzufangen, denn wir in Deutschland sind

gewohnt, strukturierten Prozessen zu folgen.

Bei unserem Jam gibt es drei Fragenkomplexe

mit Moderatoren, welche die Diskussion

führen. Seitdem haben wir die Idee intern

weiterentwickelt und eine community-

Plattform gebaut, die vergangenen oktober

im Forschungs- und entwicklungsbereich

gestartet wurde.

Kunden im webzeitalter schlagen

Kunden inzwischen lösungen oder sogar

neue Pro dukte vor. sehen sie darin

das Poten zial auch für eine marke wie

mercedes­Benz, um in Zukunft neue

ideen einzufangen – gerade was Komfort

und Benutzeroberflächen angeht

Diese Diskussion würde ich gerne

anstoßen, aber sie wird uns nicht von

unserem ansporn entbinden, selbst kluge

lösungen zu entwickeln. Ich glaube nicht,

dass ausschließlich Kunden uns die wichtigen

Fragen nach Komfort und Bedienung

beantworten. es besteht außerdem die

Gefahr, dass nutzergenerierte lösungen

zu sehr auf spezifi sche regionen bezogen

sind. nehmen wir den Touchscreen. Der ist

in den USa sehr beliebt, aber hat akzeptanzprobleme

in europa. Das ist ein Thema, bei

dem wir eine austarierte lösung anbieten

müssen, die für europäer, amerikaner und

auch in Fernost funktioniert.

Wagen neu starten – und das unterschätzen

all jene sehr stark, die solche Prognosen

aufstellen. Systeme in einem Fahrzeug

müssen stabil laufen und dürfen keine

negativen Wechselwirkungen mit anderen,

sicherheitskritischen und gesetzlich vorgeschriebenen

Systemen haben.

QualiTÄT haben sie dafür ein

Beispiel parat

nehmen wir den Tacho. Sicher kann ich

mir vorstellen, ein digitales Display wie heute

bereits bei der S-Klasse nach meinen Wünschen

zu gestalten. Wer stellt die Qualität

dieser anzeige sicher Wer haftet, wenn die

anzeige leicht falsch ist und statt 80 km/h

nur 70 km/h angezeigt werden. Das Thema

der Qualitätssicherung und Haftung hat bei

einem auto eine ganz andere Bedeutung.

ein Fahrzeug ist weitaus mehr als nur code.

Software ist der Weg zu einer Funktion, und

diese Funktion bietet optische, akustische

und haptische erlebnisse, vom Soundsystem

bis zu den Bremsen. •

STabiliTÄT manchen Visionären

schwebt vor, autos so frei konfigurierbar

wie ein iPhone zu machen. man könnte

sich neue software herunterladen und

damit sein Fahrzeug regelmäßig modernisieren

oder seine Funktionen erweitern.

es gibt einen grundlegenden Unterschied

zwischen einem laptop, einem

iPhone und einem automobil. Wenn der

rechner nicht funktioniert, gibt es immer

eine reset-Taste. Das ist im auto tabu!

niemand kann während der Fahrt den

DaIMler-TecHnIcITy.coM 47


ANALOGIE

Energiesparhinweise im

Kombiinstrument

Bedarfsaktivierter Kompressor

der Klimaanlage

Aerodynamische

Außenspiegel

Start-Stopp-Automatik

Bedarfsgesteuerte

Lenkhelfpumpe

Leichtbauwerkstoffe

an der Karosserie

Verlängerte

Hinterachsübersetzung

Tiefergelegte Karosserie

Leichtlaufreifen

Komplett verkleideter

Unterboden

Motorendownsizing

Rückgewinnung der

Bremsenergie

Abgedichtete

Scheinwerferfugen

BlueeFFICIeNCY

Unter dem Begriff BlueEFFICIENCY hat Mercedes-Benz ein Maßnahmenpaket

geschnürt, das den Energieverbrauch und damit die Emissionen eines Fahrzeugs senkt.

Entscheidend ist der ganzheitliche Ansatz: Die Summe vieler Detaillösungen bringt

den erwünschten Effizienzgewinn.

48 T


Wärmerückgewinnung

aus der Abluft

Dichte Gebäudehülle

Südausrichtung

Wassersparende

Armaturen im Haus

Gedämmte Warmwasserleitungen

im Haus

Verschattungsfreiheit

Dreifach verglaste

Fenster mit Argon als

Zwischengas

Solarenergie

(oder Wärmepumpe)

für Warmwasser

Wärmestrahlung

der Bewohner

Automatisch getaktete

Wohnraumlüftung

Abwärme von

Elektrogeräten

optimal gedämmte Wände

Kein Kühlwasserfluss

bei kaltem Motor

Vorerwärmung der

Frischluft durch Erdreichwärmetauscher

Komplett verkleideter

Motorraum

Bedarfsgesteuerte

Lüfterjalousie

Gedämmtes Fundament

PassIvhaus

Passivhäuser beziehen den überwiegenden Teil ihrer Wärmeenergie aus passiven

Quellen wie Sonneneinstrahlung und Abwärme. Gemeinsames Merkmal ist eine

Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung. Auch hier gilt: Erst die Verzahnung zahlreicher

Maßnahmen ergibt in der Summe eine erhebliche Energieersparnis.

DAIMLER-TECHNICITY.CoM 49


Die neuesten Sehenswürdigkeiten

in New York kommen von uns.

Über die neuen Wahrzeichen im „Big Apple“ freuen sich nicht nur die Touristen,

sondern auch die Fahrgäste: Die Stadtbusse unserer Marke Orion fahren mit

verbrauchsarmem Hybridantrieb und leisten so einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz.

Mehr als 3.000 dieser innovativen Busse sind in Großstädten der USA

unterwegs, auch in San Francisco oder Los Angeles. Ein weiterer Schritt auf unserem

Weg zur emissionsfreien Mobilität.

www.daimler.com


Vision Fiktion station

eine klare Vision ist die Basis für innovationen. moderne Forschungsfahrzeuge wie der

mercedes-Benz „F800 Style“ vereinen dabei zahlreiche hightech-applikationen – und geben

dabei einen atemberaubenden ausblick auf das Premiumautomobil der Zukunft. (Seite 52)

Die Beschreibung der Welt von morgen ist weit mehr als nur eine Fiktion. Das wissen Zukunftsforscher

genau. Sie untersuchen die entwicklungen, die die märkte von morgen bestimmen

– umfeldorientiert und zukunftsgerichtet, interdisziplinär und international. (Seite 62)

Von Station zu station begleitete unser autor den kalifornischen Verkehrsexperten Dan

Sperling. Während der Fahrt erklärte Sperling, warum zwei milliarden Fahrzeuge auf der erde

zwar eine herausforderung, aber kein Problem sein müssen. (Seite 74)

Daimler-TechniciTy.com 51


leD-ScheInwerFer | LED hEaDLighTS

ausdrucksstarkes gesicht

Frontscheinwerfer

• moderne Leuchtdioden (LED)

• Lichtleiter mit hoher Lichtausbeute und

geringem Energieverbrauch

• markante optische Akzente

• dynamischer Auftritt

SeITenFlanKe | SiDEwaLL

emotionalisierende Spannung

Designmerkmale

• organisch überspannte Karosserieflächen

• konvexe Übergangszonen und präzise

geschwungene Linien

• optische Gliederung des Fahrzeugkörpers

• hochdynamische Note

• Dachlinie unterstreicht die Aerodynamik des coupés

TYP | TYPE

F800 STYle

TheMa | ToPic

DeSIgn i DESign

KOMMenTar | commEnT

Das Forschungsfahrzeugzeug F800 Style kombiniert die Funktionalität einer fünfsitzigen Premiumlimousine

mit der hochemotionalen Formensprache des neuen mercedes-Benz Designs.

Jahr | YEar

2010 BewerTung | raTing Heute schon Design und Technik von morgen.

52 T


sTyle

eMOTIOnale FOrMenSPrache | EmoTionaL FormaL iDiom

Der F800 Style gibt einen Ausblick auf das hochemotionale Mercedes-Benz Design

von morgen. Sein äußeres Erscheinungsbild ist vom langen radstand geprägt, den kurzen

Karosserieüberhängen und der elegant fließenden, coupéhaften Dachlinie. Spannungsvolle

Linien und ausgewogene Proportionen sorgen für einen Auftritt, der Stil und Souveränität

vermittelt. Die Front variiert den Kühlergrill mit dem zentralen, fließend eingefassten Stern

auf markante weise. Die akzentuierte heckansicht wird bei nacht von LED-rückleuchten

zusätzlich betont.

DaimLEr-TEchniciTY.com

53


F800 STYle | F800 STYLE

länge (mm): 4.738

Breite (mm): 1.938

höhe (mm): 1.445

radstand (mm): 2.924

Schwungmassenklasse (kg): 1.700

reifen: 215/45 r 20

TYP | TYPE

F800 STYle

KOMMenTar | commEnT

TheMa | ToPic

SIcherheIT i SaFETY

Das Forschungsfahrzeug verkörpert die konsequente Fortführung der mercedes-Benz assistenzund

Sicherheitsphilosophie. Ziel ist das unfallfreie Fahren.

Jahr | YEar

2010 BewerTung | raTing Die Vision vom unfallfreien Fahren wird Realität.

54 T


STauFOlgeFahraSSISTenT

TraFFic Jam VEhicLE FoLLow aSSiST

entlastung des Fahrers

eleKTrOnISche augen | ELEcTronic EYES

Stereokamera zum Erfassen räumlicher Tiefe bis zu 50 meter weit.

nahbereichsradar mit einer reichweite von 30 metern.

Fernbereichsradar mit einer reichweite von 200 metern.

Die bewährte DiSTronic PLUS ist im F800 Style um die

Funktion des Staufolgefahrassistenten erweitert. Über

gezielte Lenkeingriffe folgt das Fahrzeug dem vorherfahrenden

auch in Kurven – eine weltneuheit. Der Staufolgefahrassistent

arbeitet mit Nahbereichs- und Fernbereichsradarsensoren.

Die Stereokamera macht räumliche Tiefe

und Bewegungsgeschwindigkeit anderer Verkehrsteilnehmer

erkennbar und interpretierbar. Der assistent arbeitet bis zu

einer geschwindigkeit von 40 km/h.

InTellIgenTe TechnIK | inTELLigEnT TEchnoLogY

unFallFreIeS Fahren | acciDEnT-FrEE DriVing

Daimler hat das unfallfreie Autofahren als erklärtes Ziel. Sämtliche assistenzsysteme

arbeiten darauf hin. Sie entlasten und machen die Fahrt sicherer.

Beispiel DiSTronic PLUS Staufolgefahrassistent: Er regelt in dichtem Verkehr

den Abstand zum Vordermann bei sehr niedrigen geschwindigkeiten bis hin

zum Fahrzeugstopp und folgt dabei automatisch auch durch Kurven – ein

Plus an Komfort und aktiver Verkehrssicherheit. Das außerdem im F800 Style

präsentierte innovative Schutzsystem PRE-SAFE 360° System sorgt für noch

mehr passive Sicherheit. Es beobachtet zusätzlich das Fahrzeugumfeld nach

hinten und hilft, Sekundärunfälle zu vermeiden: rund 600 millisekunden vor

einem heckaufprall werden die Bremsen aktiviert, mit dem entscheidenden

Vorteil, dass das bereits stehende Fahrzeug beispielsweise nicht in eine Kreuzung

oder einen Fußgängerüberweg hineinkatapultiert wird. Der Fahrer behält

das Kommando: gibt er etwa gas, um dem herannahenden Fahrzeug nach vorn

auszuweichen, wird die Bremse sofort gelöst.

DaimLEr-TEchniciTY.com

55


wOhlFühlInnenrauM | coZY inTErior

Teiltransparentes Dach: lichtdurchfluteter innenraum

cockpitkonstruktion: viel Beinfreiheit für den Beifahrer

range-on Map: die reichweite des Elektroantriebs auf einem Blick

Spiegeldisplay: augenschonend durch größeren Betrachtungsabstand

hMI cam-Touch-Pad: bessere Bedienung bei geringerer ablenkung

echtholzfurnier mit aluminiumkern: Design und höchste Sicherheit

leIchTBauSITz | LighTwEighT SEaT

Funktion und Design

Die Leichtbausitze des F800 Style bestehen aus einer

magnesiumschale und einer rückenlehne aus Kohlefaserlaminat,

über die sich ein hochstrapazierfähiges Netzgewebe

spannt. holzfurnier setzt akzente: Sämtliche

holzteile erfüllen mithilfe eines stabilen aluminiumkerns

die für mercedes-Benz typischen anforderungen an die

Crashsicherheit.

TYP | TYPE

F800 STYle

TheMa | ToPic

KOMFOrT i comForT

KOMMenTar | commEnT

Der innenraum ist von einer modernen Leichtigkeit geprägt: Funktionale Elemente scheinen wie

Skulpturen im raum zu schweben.

Jahr | YEar

2010 BewerTung | raTing Farbverlauf und Holz sorgen im Innenraum für eine angenehme Atmosphäre.

56 T


hMI caM-TOuch-PaD | hmi cam-ToUch-PaD

einfache und sichere Interaktion

TürKOnzePT | Door concEPT

Das neuartige hmi cam-Touch-Pad erfasst die Handbewegungen

des Benutzers über dem Touchpad und blendet sie

im Zentraldisplay über den aktuellen menüfunktionen ein,

die dann durch einen leichten Druck ausgewählt werden

können. Es erkennt Fingeraktionen wie wischen, Schieben,

Drehen und Zoomen. Das erlaubt eine intuitive Nutzung

diverser Fahrzeugsysteme bis hin zum internet. neu ist die

Funktion Range-on Map: auf einen Blick zeigt das Zentraldisplay

den verfügbaren aktionsradius bei elektrischer Fahrt als

360-grad-ansicht auf einer Landkarte.

Der Schwenkarm für die hintere Tür ist an der c-Säule fixiert. So wird beim Öffnen

der volle raum für das Ein- und aussteigen zur Verfügung gestellt.

SchwenKSchIeBeTüren | PiVoT-anD-SLiDE DoorS

Das Türkonzept des F800 Style ist eine besonders kundenfreundliche Innovation: während

die Vordertüren wie üblich an der a-Säule angeschlagen sind und nach vorn öffnen, gleiten

die hinteren Portale beim Öffnen zurück und geben – dank fehlender B-Säule – eine große

Öffnung für komfortables Ein- und Aussteigen frei. Dazu haben die ingenieure einen

komplett neuartigen Öffnungsmechanismus erdacht: Die hinteren Türen sind jeweils an einem

innen liegenden Schwenkarm mit aufwendiger Kinematik aufgehängt, der an der c-Säule

fixiert ist.

Die vorderen Türen des F800 Style öffnen wie gewohnt nach vorn, die hinteren

gleiten zurück.

DaimLEr-TEchniciTY.com

57


hubraum (l): 3,5

nennleistung Ottomotor (kw): rund 220

nennleistung elektromotor (kw): rund 80

gesamtleistung (kw): rund 300

Beschleunigung 0 –100 km/h (s): 4,8

höchstgeschwindigkeit abgeregelt (km/h): 250

elektr. höchstgeschwindigkeit abgeregelt (km/h): 120

Verbrauch (l/100 km): 2,9*

elektr. reichweite (km): 30

gesamtreichweite (km): rund 700

cO 2

-emissionen (g/km): 68

Schadstoffeinstufung: Euro 6

energieinhalt lithium-Ionen-Batterie (kwh): > 10

* nEFZ-gesamtverbrauch, vorläufiger wert

Plug-In hYBrID | PLUg-in hYBriD

Verbrauchs- und emissionsoptimiert

als Plug-in hYBriD ermöglicht der F800 Style

leistungs- und Steuerungstechnik

automatikgetriebe 7g-TrOnIc

Benzintank

Onboard-loader

ein lokal emissionsfreies elektrisches

Fahren über bis zu 30 Kilometer. auf

Langstrecken sorgt ein vom hybridmodul

unterstützter ottomotor mit Benzindirekteinspritzung

der neuesten generation für

souveränen und effizienten Fahrspaß.

Der zertifizierte Verbrauch beträgt lediglich

2,9 Liter Benzin auf 100 Kilometer, mit einem

daraus resultierenden niedrigen co 2

-ausstoß

von nur 68 gramm pro Kilometer.

V6-Benzinmotor hybridmodul lithium-Ionen-Batterie

TYP | TYPE

F800 STYle

TheMa | ToPic

anTrIeBe i DriVES

KOMMenTar | commEnT

Der F800 Style bringt mobilität und Umweltschutz in Einklang. Die vorgesehenen

antriebskonzepte sind wegweisend.

Jahr | YEar

2010 BewerTung | raTing Das Auto der Zukunft ermöglicht wie bisher flexible Mobilität.

58 T


nennleistung (kw): rund 100

nenndrehmoment (nm): rund 290

Beschleunigung 0 –100 km/h (s): 11

höchstgeschwindigkeit abgeregelt (km/h): 180

wasserstoffverbrauch (kg/100 km): 0,9*

cO 2

-emissionen (g/km): 0

reichweite (km): rund 600

energieinhalt lithium-Ionen-Batterie (kwh): 1,4

* nEFZ-gesamtverbrauch, entspricht 3,0 Liter Dieseläquivalent

F-cell | F-cELL

wasserdampf als einzige emission

Brennstoffzelle

lithium-Ionen-Batterie

Die F-cELL-Variante des F800 Style hat für

ein vollkommen emissionsfreies Fahren

mit Elektroantrieb eine Brennstoffzelle mit

wasserstoff als Energieträger an Bord.

Die einzige Emission von Elektroautos mit

Brennstoffzelle ist wasserdampf. Der F800

Style ist weltweit das erste Brennstoffzellenfahrzeug

mit Heckantrieb, die

Elektro maschine ist direkt zwischen den

hinter rädern untergebracht.

wasserstofftanks

elektromotor mit

untersetzungsgetriebe

VarIaBle FahrzeugarchITeKTur | moDULar car aSSEmBLY SYSTEm

Die ingenieure haben dem F800 Style eine variable Fahrzeugarchitektur mitgegeben:

Das Fahrzeug ist für unterschiedliche alternative Antriebssysteme

geeignet. als Beispiel dienen die präsentierten Varianten mit Plug-in hYBriD und

mit F-cELL – sie lassen sich problemlos im F800 Style verwirklichen. Daimler hat

für die Konzeption von hybridfahrzeugen ein skalierbares modulares System

mit allen technischen Komponenten entwickelt.

Es bietet vielfältige möglichkeiten für die ausrichtung von Leistung und Einsatzspektrum,

sämtliche Varianten des hybridantriebs lassen sich realisieren. Von

diesem Baukasten profitiert auch der F800 Style mit F-cELL, denn beispielsweise

seine Elektromaschine und die leistungsstarke Lithium-ionen-Batterie

entstammen ebenfalls dem Systembaukasten. Ein indikator für die Alltagstauglichkeit

der Konzepte im F800 Style ist übrigens auch das Kofferraumvolumen:

Es beträgt in allen Varianten großzügige 440 Liter.

DaimLEr-TEchniciTY.com

59


V

orblende in die Zukunft: Wir schreiben das Jahr 2020.

Die Weltbevölkerung ist auf 7,6 Milliarden Menschen

angewachsen, im Vergleich zu 6,8 Milliarden zu

Beginn des Jahres 2010. Die meisten Menschen wohnen

und arbeiten in Städten, Tendenz weiterhin steigend.

Familie und Freunde, Arbeit, Freizeit und Wohnen – das

sind immer noch die wichtigsten Themenfelder des Alltags. Doch

die Prioritäten haben sich etwas verschoben: Viele Menschen

richten ihre individuellen Entscheidungen vor allem an einem

Mehr an persönlicher Lebensqualität aus.

Der mercedes-Benz F800 Style ist im Jahr 2010 das auto der

Zukunft. Er symbolisiert den wunsch nach mehr Lebensqualität in

jedem seiner Teilaspekte. „Unser anspruch ist es, Verantwortung

für die Umwelt mit praktischem Kundennutzen und automobiler

Faszination in Einklang zu bringen“, sagt Thomas weber, als Vorstandsmitglied

bei Daimler verantwortlich für Konzernforschung und

Entwicklung mercedes-Benz cars. Das Forschungsfahrzeug verbindet

diesen Führungsanspruch bei innovativen antriebskonzepten

mit den klassischen Stärken von mercedes-Benz in den Bereichen

Design, Sicherheit, Komfort und souveräne Leistung.

auto energiegünstig fährt, gibt ihm aber zugleich ein höchst elegantes

aussehen. oder im innenraum: Die innovativen Sitze des F800

Style sind für beste Bequemlichkeit auf langen Strecken gestaltet.

Für ihr geringes gewicht bei hoher Stabilität sorgen die grundstruktur

aus magnesium und eine rückenlehne aus Kohlefaser laminat,

über die sich ein hochstrapazierfähiges netzgewebe spannt – in

der Summe der Teile eine funktionale Lösung und zugleich ein

ästhetischer genuss.

Die durchdachtere Lösung ist die bessere Lösung: Dieser Leitsatz

gilt nahezu für alle Themen, die im Jahr 2020 den Alltag prägen,

immer auch mit dem Ziel, letztendlich die Lebensqualität

zu heben. So nimmt die weitere Verbreitung von Telearbeitsplätzen

bei Tätigkeiten, wo man sie problemlos einsetzen kann, dem

Menschen Stress und gibt ihm mehr Zeit – weil er nicht morgens

um 8 Uhr und nachmittags um 16 Uhr im Verkehrsstau steht

oder sich in überfüllten Pendlerzügen befindet. Ein weiteres

Beispiel sind dezentralisierte Versorgungsparks – Einkaufen ist

mit verschiedenen Mobilitätsträgern problemlos und schnell

möglich. Dabei wird das Auto mit seinem umweltfreundlichen

Antrieb bewusst eingesetzt.

Im Jahr 2020 ist Energie von einem Gut, mit dem man früher fast

verschwenderisch umgegangen ist, zu einer wertvollen Ware

geworden. Wertvoll versteht sich dabei im Wortsinn: Energie ist

voller Wert für die Alltagsgestaltung, ob zu Hause, am Arbeitsplatz

oder unterwegs. Damit ist gleichzeitig das Umweltbewusstsein

gestiegen, was mit einer hohen Sensibilität für

das ökologische Gleichgewicht auf der Erde einhergeht. Gerade

in Energiefragen wird der Alltag mit einem weitreichenderen

Horizont gestaltet. Die durchdachtere Lösung ist dabei die

bessere Lösung. So stellen beispielsweise Häuser mit Klimawänden

und zirkulierender Luft ohne weitere Klimaanlagen und

damit ohne zusätzlichen Energieeinsatz ein angenehmes Grundklima

her, in heißen Wüstenstaaten wie auch in den kalten Regionen

der Erde.

Bei der gestaltung des F800 Style war „green Design“ ein prägender

Teilaspekt. Es verfolgt dabei das Ziel, ein umweltfreundliches

auto zu sein und dieses auch zu zeigen. Ein Beispiel ist das Karosseriedesign

des Forschungsfahrzeugs: Es macht auf den ersten Blick

deutlich, dass ein niedriger Luftwiderstand gewünscht ist, damit das

Der mercedes-Benz F800 Style ist für verschiedene antriebe ausgelegt.

hierbei war nicht nur der gedanke der ingenieure leitend,

diese zu erproben: Zugleich wird deutlich gemacht, dass es durchaus

denkbar ist, wie bisher schon ein Fahrzeugmodell mit sehr verschiedenen

antriebsarten anzubieten, vom sehr emissionsarmen

Plug-in hYBriD, eine Kombination aus Elektro- und Verbrennungsmotorantrieb,

bis zum vollkommen emissionsfreien F-cELL, ein Elektrofahrzeug

mit Brennstoffzelle zur Energieversorgung. Der Kunde

wählt die Variante entsprechend seiner wünsche und ansprüche.

Thomas weber unterstreicht: „hybrid- und Elektroantriebe mit Brennstoffzelle

sind zwei wichtige Bausteine unseres breit gefächerten

antriebsportfolios, mit dem wir weltweit alle Kundenanforderungen an

die mobilität von heute, morgen und übermorgen erfüllen können.“

Der automobilhersteller Daimler baut den weg in die nachhaltige

mobilität dreispurig aus – das Spektrum umfasst die optimierung

von Fahrzeugen mit modernsten Verbrennungsmotoren, die weitere

Effizienzsteigerung durch maßgeschneiderte hybridisierung sowie

das lokal emissionsfreie Fahren von Elektrofahrzeugen mit Brennstoffzellen

oder Batterien. Die antriebskonzepte des F800 Style dokumentieren

dieses zukunftsnahe Denken: Die Serienreife des Plug-in

hYBriD ist in der nächsten mercedes-Benz S-Klasse, die 2011 auf den

TYP | TYPE

F800 STYle

KOMMenTar | commEnT

TheMa | ToPic

zuKunFT i FUTUrE

Die Zukunft beginnt jeden Tag neu. So wird das auto von morgen zwar anders sein,

als wir es jetzt kennen, doch es bleibt weiterhin ein wichtiger alltagsbegleiter.

TeXT | TEXT

Rüdiger Abele

60 T


markt kommen wird, in Sichtweite. Und die Fertigung einer

Kleinserie von Brennstoffzellenelektroautos auf Basis der aktuellen

mercedes-Benz B-Klasse ist im ersten Schritt für ausgewählte Kunden

bereits angelaufen.

Im Jahr 2020 agiert der Mensch mit einer neuen Mündigkeit: Er

hat verinnerlicht, dass er selbst die Entscheidungen fällt, die sein

direktes Umfeld und damit sein Leben betreffen, beispielsweise,

wie er mit Energie umgeht, wie er sich Mobilität ermöglicht,

wie er bestimmte Nahrungsmittel wählt. Und er hat verstanden,

dass letztendlich er die Verantwortung für sein Tun trägt.

Das ist ihm keine Last – weil daraus Freiheitsgrade

erwachsen und damit ein Mehr an Lebensqualität.

Diese neue Mündigkeit war schon im Jahr

2010 erkennbar, mit dem Internet als ein

Indikator: Es ermöglicht die besten Informationen

zu sammeln, die als Basis für

mündige und sehr individuelle Entscheidungen

dienen. Eigenverantwortliches

Handeln ist im Jahr 2020 ein wichtiger

Aspekt des Alltags.

Das Thema internet im auto beschäftigt die

ingenieure und Designer schon lange. rein

technisch lässt sich die drahtlose anbindung des

Fahrzeugs an das world wide web problemlos verwirklichen.

Doch die Lebensumgebung auto stellt vollkommen

andere anforderungen, wie das internet dort zu bedienen ist.

Das hmi cam-Touch-Pad des F800 Style weist einen weg: Es macht

eine intuitive Bedienung möglich. Selbstverständlich eignet sich das

hmi cam-Touch-Pad nicht nur für die Verwendung des internets: auch

Fahrzeugfunktionen lassen sich mit ihm steuern, etwa die Klimaanlage

oder das audiosystem. Zugleich wird der Fahrer noch weniger

abgelenkt als bisher schon – ein wichtiger Sicherheitsaspekt.

Der F800 Style wartet mit weiteren innovationen für eine bessere

aktive und passive Sicherheit auf. Dazu zählt beispielsweise der DiS-

Tronic PLUS Staufolgefahrassistent, der den Fahrer in dichtem Verkehr

weiter entlastet: mit seiner hilfe und mit gezielten Lenkeingriffen

folgt das auto dem Vordermann auch in Kurven. Das System erkennt

dabei den Unterschied zwischen Kurvenfahrt und abbiegen, folgt also

nicht „blind“ dem Vordermann, beispielsweise wenn dieser die Spur

wechselt, um von der autobahn abzufahren. Selbstverständlich kann

der Fahrer das System jederzeit übersteuern.

Für einen verbesserten Schutz bei heckunfällen sorgt PrE-SaFE ®

360° System. Es beobachtet zusätzlich das Fahrzeugumfeld

nach hinten. Droht ein heckaufprall, werden die Bremsen des bereits

stehenden Fahrzeugs aktiviert, um zu vermeiden, dass es bei

einem auffahrunfall etwa in eine Kreuzung oder auf einen Fußgängerüberweg

geschoben wird. So werden Sekundärunfälle vermieden.

Selbstverständlich behält der Fahrer stets das Kommando: ist der

weg nach vorn frei und möchte er beispielsweise über gasgeben

dem herannahenden Fahrzeug nach vorn ausweichen, wird die

Bremse sofort gelöst.

Die Suche nach der durchdachteren Lösung prägt im

Jahr 2020 insbesondere den Umgang mit Technik.

Man greift nicht immer zur einfachsten

oder aufwendigsten, zur billigsten oder

teuersten Lösung, sondern zu der, die

exakt dem gewünschten Nutzen entspricht

und beispielsweise den besten

Kompromiss zwischen Komfort und

Ressourcenschonung bietet. Das könnte

ein Handy sein, das nicht sämtliche

Funktionen beherrscht, die technisch

machbar sind, aber jene perfekt, die man

benötigt, oder ein Auto, das in seinen

verschiedenen Eigenschaften exakt auf den

eigenen Mobilitätsbedarf ausgerichtet ist. Die -

se Art des Umgangs mit Technik bedeutet nicht,

dass man ausschließlich rational handelt und emotio -

nale Entscheidungen für Techniknutzung entfallen: Technik

wird lediglich bewusster genutzt.

Für die bewusste nutzung von intelligenter Technik steht schon heute

der mercedes-Benz F800 Style. Er ist ein aufwendiges technisches

Produkt, und mit ihm trägt die marke die ständige interpretation

von „Faszination und Verantwortung“ im Sinne der mobilität des

menschen erneut auf eine höhere Stufe – so, wie es jedes neue Fahrzeug

in der fast 125 Jahre währenden geschichte des Unternehmens

getan hat. Damit folgt der F800 Style perfekt der Vorgabe von gottlieb

Daimler, der stets „das Beste oder nichts“ gefordert hat, für sich und

seine Kunden. Zugleich ist der F800 Style eine besonders dynamische

interpretation des Themas „Faszination und Verantwortung“, und

er macht Lust auf die Zukunft. Kann man etwas Besseres über ein

Forschungsfahrzeug sagen •

MOBIlITÄT Der zuKunFT | moBiLiTY oF ThE FUTUrE

hYPerlInK | hYPErLinK

Künftig gilt es mehr denn je, mobilität und Umweltschutz in Einklang zu bringen. Die

weltbevölkerung wird weiter wachsen, vor allem die Ballungszentren werden sich zunehmend

im Zuge der fortschreitenden Urbanisierung verdichten. Damit nimmt auch der mobilitäts -

bedarf und folglich die Verkehrsdichte zu. Laut aktuellen Studien wird sich der globale

automobilbestand bis zum Jahr 2030 auf rund 1,8 milliarden Fahrzeuge verdoppeln. als

Erfinder des automobils übernimmt mercedes-Benz auch die Verantwortung für dessen

weiter entwicklung – dies mit Blick auf effiziente und saubere antriebslösungen ohne

Verzicht auf Komfort, Sicherheit, Funktionalität und Fahrspaß.

Weitere Informationen zu diesem Beitrag finden Sie unter:

daimler-technicity.com/technologieundinnovation

mit folgenden Features:

1. So funktionen die Features des F800 Style

2. Fotostrecke: der F800 Style in Bildern

3. Videos und animationen zum F800 Style

DaimLEr-TEchniciTY.com

61


text

Dirk Maxeiner

illustration

Helena Dietrich

ZukunfT

Sucher

Blick nach vorn:

30 Jahre Zukunftsforschung bei Daimler

perspektiven für morgen Zukunftsforscher ist ein schöner

Beruf, doch wer ihn ausübt, hat mitunter ein Problem: Er wird gerne

mit einem Wahrsager verwechselt. Insofern erwartet die Menschheit

von der Branche immer ein wenig Weihrauch und eine gute

Selbstinszenierung. Das vieldeutige Orakel von Delphi setzte da den

ewigen Maßstab. Auch die Priester im alten Rom waren nicht schlecht,

wenn sie mit finsterer Miene die Flugbahnen der Vögel oder tierische

Eingeweide studierten. In modernen Zeiten hofften die Auguren eine

Zeit lang auf Großrechner, in deren mathematischen Schleifen sie

Zukunftsformeln kreisen ließen.

Mit all dem können die Daimler-Zukunftsforscher nicht aufwarten.

Es geht eher still und bescheiden zu in ihrem Großraumbüro am

Potsdamer Platz in Berlin, in dem rund 40 Mitarbeiter sich auf die Spur

von „langfristig denkbaren Marktumfeldentwicklungen“ begeben.

Kein Platz für Glaskugeln, es sind auch keine Raketenantriebe oder

fliegende Autos zu entdecken. Stattdessen diskutiert eine lässig

gekleidete Gruppe junger Leute vor einem Flipchart, auf dem „Future

Urban Mobility“ steht. Auch Frank Ruff und Thomas Waschke, die

Daimlers „Society and Technology Research Group“ in Berlin leiten,

sind eher von der nüchternen und vorsichtigen Art. Das Wort „Prognose“

nehmen die beiden am liebsten gar nicht in den Mund.

mission „future“ Die Society and Technology Research Group

von Daimler ist Teil des Centers „Gesellschaft, Fahrzeugkonzepte

und Mensch-Maschine-Interaktion“ unter der Leitung von Claus

Ehlers. Sie untersucht seit über 30 Jahren die Entwicklungen, die

die Märkte von morgen bestimmen – umfeldorientiert und zukunftsgerichtet,

interdisziplinär und international. Die Forschungsgruppe

entwirft gemeinsam mit ihren Kunden im Unternehmen mögliche

Szenarien der Zukunft. So entstehen Plattformen, auf denen

Pro dukte und Strategien, Organisationsformen und Arbeitsprozesse

entworfen und weiterentwickelt werden können. Das Team gibt

unter anderem einmal im Jahr den delta report heraus, der die

Entscheidungsträger im Konzern über Entwicklungen im Umfeld

von strategischer Bedeutung unterrichtet.

forschungsthemen

• Regionale Perspektiven

• Gesellschaftlicher Wandel, Lebensstile und Konsum

• Mobilität, Transport und Verkehr

• Energie, Ressourcen, Umwelt

• Innovation, Wertschöpfung und Organisation

1. Hochachtung vor der Zukunft

experimentierfeld Berlin Die Zukunftsforscher arbeiten mit

„Sze narien“. Das Szenario, und das macht es sympathisch, ist die

demütige Form der Prognose. Endgültige Voraussagen werden mit

dieser Methodik nicht angestrebt, sondern verschiedene mögliche

Zukünfte beschrieben. Und darunter gibt es wiederum mehr oder

weniger wahrscheinliche und mehr oder weniger wünschenswerte.

„Bedauerlicherweise sind die wünschenswerten nicht immer die

wahrscheinlichen“, gibt Thomas Waschke zu bedenken, „wir können

uns die Welt nicht so backen, wie wir wollen.“

Eine gewisse Hochachtung gegenüber der Zukunft lehrt ja allein

schon der historische Ort, an dem die Berliner Daimler-Forscher logieren.

Der Potsdamer Platz war einstmals Deutschlands verkehrsreichstes

Pflaster, 1925 wurde hier die erste Verkehrsampel auf-

name: Society and Technology Research Group (STRG)

gegründet: 1979

Bereich: Gesellschaft, Fahrzeugkonzepte und Mensch-Maschine-Interaktion

leiter: Claus Ehlers

sitz: Berlin, Böblingen und Palo Alto

mitarBeiter: rund 40

projekte: > 300

HYPERLInk

Weitere Informationen zu diesem Beitrag finden Sie online unter:

daimler-technicity.com/managementundprozesse

62

T


PFERd OdER AUTO

Kaiser Wilhelm II. lag mit seiner Prognose

vom Verschwinden des Autos daneben.

DAIMLER-TECHnICITy.COM 63


SL OdER SMART

Der Zukunftsbaukasten muss den Wunsch nach

Lebensqualität, nachhaltigkeit, Ästhetik, Design

und moderner Technologie befriedigen.

gestellt. Dabei hatte der vorausschauende Kaiser Wilhelm II. seinen

Untertanen noch ein paar Jahre zuvor prophezeit: „Ich glaube an das

Pferd. Das Automobil ist nur eine vorübergehende Erscheinung.“

Weitere 25 Jahre später war der Platz nur noch eine vom Krieg zerstörte

und verlassene Wüstenei im niemandsland zwischen Ost und

West, bis dann 1989 die Mauer fiel – was in den zeitgenössischen

Prognosen auf keinen Fall vorgesehen war.

Die Daimler-Zukunftsforschung arbeitet nun seit 30 Jahren in

Berlin und im Zeichen der Globalisierung, 1994 ist noch ein Ableger

im kalifornischen Palo Alto hinzugekommen. Die Entscheidung, die

neue „Forschungsgruppe Verkehr, Umwelt, Zukunft“ 1979 in der geteilten

Stadt anzusiedeln, hatte mehrere Gründe: Berlin bot ein vielfältiges

wissenschaftliches und internationales Umfeld. Die Stadt

formte zugleich ein soziales und gesellschaftliches Experimentierfeld.

Außerdem hatte das Engagement auch eine politische Dimension:

Daimler-Benz (wie das Unternehmen damals noch hieß) bekannte sich

zum Standort Berlin und damit zu einem Außenposten der Freiheit.

Das wiederum lehrt, dass Zukunft eben nicht nur erlitten, sondern

auch gemacht wird – jeden Tag von uns allen. „Wir können die Zukunft

nicht kennen. Aber wir können uns auf die Zukunft vorbereiten. Dafür

müssen wir verstehen, dass wir selbst es sind, die unsere Zukunft

gestalten“, heißt einer der Leitsätze des Hauses.

2. Horizonte öffnen

Weitsicht Die damalige Gründung eines Trabanten für „nichttechnische

Analysen zukünftiger Entwicklungen im Umfeld des Automobils“

zeigt in der Retrospektive eine bemerkenswerte Weitsicht der

Ingenieure und Maschinenbauer, die das Unternehmen traditionell

prägten. „Andere Unternehmen waren da noch längst nicht so weit“,

sagt Frank Ruff, promovierter Psychologe und Soziologe, der das

Tätigkeitsfeld als „strategische Frühaufklärung an den Systemgrenzen

des Unternehmens“ umreißt. Ein interdisziplinäres Team von Psychologen,

Volkswirten, Kommunikationsfachleuten, Kaufleuten, Physikern

und Philosophen leistet diese Aufgabe. „Zukunftsbetrachtungen

erfordern eine Vielfalt von fachlichen Horizonten und kulturellen

Herkünften, eine Zusammenschau, wie technische, wirtschaftliche

und gesellschaftliche Entwicklungen zusammenwirken und Veränderungen

bewirken“, erläutert Ruff, „deshalb sind auch vielfältige

Kontakte zu externen Experten, zu Forschern in anderen Branchen, zu

Denk- und Sichtweisen in anderen Bereichen des gesellschaftlichen

Lebens von großer Bedeutung“.

Um ein einfaches Beispiel zu nennen: Immer mehr Menschen

leben als Singles. Und die wollen nun mal andere Autos als die

klassische Familie. Die Erkenntnisse über andere Lebensentwürfe

der Menschen liegen ganz sicher an den „Systemgrenzen“ eines

Automobilherstellers, aber dennoch kann die „strategische Frühaufklärung“

wertvolle Hinweise für seine Entscheidungen liefern.

Ein ganz konkreter, aktueller Fall erfolgreicher Frühaufklärung und

der engen Zusammenarbeit zwischen den Zukunftsforschern und den

Fahrzeugentwicklern sind die Transporter des Hauses Daimler und

deren Ausstattung. Der Moment, in dem ein paar junge Unternehmer

auf die Idee kamen, gebrauchte Gegenstände über das Internet zu

versteigern, war zugleich ein Moment von großer Tragweite für die

Hersteller von nutzfahrzeugen. „Als Internetfirmen wie eBay und

Amazon immer erfolgreicher wurden, haben wir uns die Frage gestellt,

was das Heranwachsen dieses neuen Versandhandels für die Konzeption

unserer Transporter bedeutet“, erinnert sich Thomas Waschke.

Und daraus ergab sich ein umfangreicher Fragenkatalog für den

Entwicklungsbereich: Wie groß werden die Pakete sein Wie können

Regalsysteme im Auto optimal der Einzelauslieferung angepasst

werden Wie erleichtert man dem Spediteur das ständige Ein- und

Aussteigen Wie muss das Cockpit gestaltet sein, damit der Fahrer

von seinem Sitzplatz aus disponieren und navigieren kann

64

T


3. Optionen offen halten

zeitskalen Seit 1979 hat die Daimler-Zukunftsforschung in über

300 Projekten die Rahmenbedingungen der Strategien für eine naturgemäß

ungewisse Zukunft entwickelt. Die Herausforderung eines

Automobilunternehmens besteht ja in dem Zwang, heute Entscheidungen

treffen zu müssen, die sich auch in 20 Jahren noch bewähren.

Denn die Fahrzeuge, die heute in den Konstruktionsbüros entstehen,

werden über diesen Zeitraum in Gebrauch sein. „Richtig“ entscheiden

heißt vor diesem Hintergrund vor allem: für ein Unternehmen

so viele Zukunftsoptionen wie möglich offenhalten. Und dahinter

verbergen sich eben nicht nur technische, sondern auch gesellschaftliche

Fragestellungen. Die Daimler-Zukunftsforschung liefert

den Technikern und Marketingfachleuten gleichsam „komplementäre“

Hinweise, ob die eingeschlagene Richtung auch langfristig

in die Welt passt. Ein Auto mobilunternehmen muss die verschiedenen

Zeitskalen berücksich tigen, in denen es operiert, das führt

immer wieder zu Zielkonflikten: Was für die nächsten 5 Jahre sinnvoll

erscheint, kann für 20 oder 30 Jahre eine Katastrophe sein – und

umgekehrt.

Um nur einige wichtige Fragen zu nennen, die die Zukunftsforscher

im Moment beschäftigen: Wie werden sich die wachsenden

neuen Märkte beispielsweise in China und Indien weiter -

ent wickeln Erweist sich das Auto in einem zunehmend urbanen

Umfeld als weniger ge eignet („Urban Misfit“) Welche unterschiedlichen

Mobilitätsmuster und Mobilitätstypen gibt es heute und

welche in Zukunft Welche Bedeutung werden nutzfahrzeuge in

veränderten Wirt schaftsstrukturen haben Verliert das Auto seine

Funktion als Mittel der Selbstdarstellung Und damit verbunden: Wie

definiert sich künftig überhaupt Luxus Wie und durch wen findet

Sinn stiftung statt

Bei der Beantwortung dieser Fragen empfiehlt sich, so Frank Ruff,

erst einmal ein „unverstellter Blick“. Auf keinen Fall sollte man dem

glauben, was jeder zu wissen glaubt, also das als selbstverständlich

MAnn OdER FRAU

Individualisierung und Pluralisierung der Lebensstile

sowie Emanzipation führen zu neuen Lebensformen –

mit anderen Ansprüchen an Mobilität.

DAIMLER-TECHnICITy.COM 65


SPRIT OdER STROM

Richtig entscheiden heißt, sich möglichst viele

Optionen offenzuhalten – auch bei der Entwicklung

alternativer Antriebe.

FISCH OdER FAHRZEUG

Die natur hatte rund vier Milliarden Jahre Zeit,

ihre Formen zu optimieren – das macht sie als

Vorbild für Autodesigner interessant.

66

T


Erachtete für bare Münze nehmen. Die Angelsachsen haben dafür

den schönen Ausdruck „Conventional Wisdom“ („herkömmliche

Weisheit“). So nach dem Motto: „Es weiß doch jeder, dass sich in

China kein Mensch für die Umwelt interessiert.“ Aber stimmt das

überhaupt Es stimmt eben nicht. China hat eine energische Umweltgesetzgebung

auf den Weg gebracht, allerdings kommt der Druck

dafür nicht von unten, also von Bürgern und Umweltinitiativen. „In

China hat sich die Regierung des Themas angenommen, der Druck

kommt von oben“. Für Automobilhersteller könnte dies beispiels weise

bedeuten, dass elektrische Antriebe in China noch schneller gefordert

werden als im Rest der Welt.

4. Standleitung zum Zeitgeist

luxuszukunft Wer so genau hinschaut wie Frank Ruff, Thomas

Waschke und ihre Kollegen, entdeckt immer wieder Überraschendes.

Beispiel Saudi-Arabien: Jedermann scheint zu wissen, dass die gesellschaftliche

Stellung der Frau dort besonders schwach ist. „Vorsicht,

Vorsicht“, sagt Ruff, „das Verhältnis von weiblichen zu männlichen

Hochschulabsolventen ist in Saudi-Arabien bereits sechs zu vier.“

Ein Hersteller gehobener Fahrzeuge sollte in dieser Region also nicht

auf ewig davon ausgehen, dass Kaufentscheidungen ausschließlich

von Männern getroffen werden. Oder Afrika: Jedermann scheint zu

wissen, dass dieser Kontinent auf lange Sicht in Problemen erstickt.

„Angola, das noch vor ein paar Jahren als besonders problematisch

galt, ist inzwischen der am schnellsten wachsende afrikanische

Markt“, weiß Frank Ruff, „so ein Land muss man zumindest mal im

Auge behalten“.

Besonders interessant sind dabei die „jungen Eliten“, wie Thomas

Waschke sie nennt, „sie leben urban, prägen und verstärken Trends,

die später in die ganze Gesellschaft diffundieren“. Teilweise holt er

sie gleich ins Haus, als Doktoranden oder Praktikanten, die den

„Artenreichtum“ am Potsdamer Platz zusätzlich bereichern. „Von

dem, was man heute denkt, hängt ab, was morgen auf den Plätzen

und Str a ßen gelebt wird“, schrieb einmal der berühmte spanische

Philosoph, Soziologe und Essayist Ortega y Gasset. Einer der jungen

Mitarbeiter beschäftigt sich gerade mit dem Thema nachhaltige Stadtentwicklung,

ein anderer mit der Frage, welche Richtungswechsel der

Globalisierungsprozess nehmen könnte. Jenseits solch konkreter

Arbeitsfelder liefert die Zusammenarbeit so etwas wie eine „Standleitung

zum Zeitgeist“. Und die kann nicht schaden, wenn es um

eine besonders wichtige Frage geht, die die Zukunfts-Task-Force vom

Potsdamer Platz derzeit umtreibt: Wie ändert sich die Einstellung

zum Auto Und für Daimler von ganz speziellem Interesse: Was

ist in Zukunft Luxus

5. Seismografische Beobachtung

zukunftsBaukasten Die Beobachtungen der jungen Avantgarde

in den Metropolen der Welt liefert da schon einen möglichen Zukunftsbaukasten.

Frank Ruff nennt Stichwörter für den neuen Luxus:

„Lebensqualität, nachhaltigkeit des Lebensstils, Ästhetik, Design,

moderne Technologien“. Bei solchen Hinweisen wird wiederum

Claus Ehlers besonders hellhörig, der das neue Center „Gesellschaft,

Fahrzeugkonzepte und Mensch-Maschine-Interaktion“ leitet, zu dem

die Berliner Zukunftsforscher gehören. „Ihre seismografischen

Beobachtungen fließen hier in den Erkenntnispool ein“, sagt

Claus Ehlers, „und werden zusammen mit den Analysen aus Marktund

Kundenforschung auf zukünftige Fahrzeugkonzepte heruntergebrochen“.

Claus Ehlers hat die Aufgabe, mit Forschungs- und

Showcars den Weg für zukünftige Fahrzeug- und Mobilitätsanforderungen

vorzuzeichnen. Dabei geht es nicht nur um besonders

effiziente Antriebe und Sicherheitstechnologien, sondern auch

um eine inhärente Effizienz beispielsweise von Innenraum und

Materialien. Die sollen nicht nur ästhetische Vorreiter sein, sondern

beispielsweise auch Temperaturunterschiede besser ausgleichen

als bisher – und damit Heizungs- und Kühlungsenergie sparen.

Seine Berliner Zukunftsforschungsmannschaft hilft den Konstrukteuren

bei solchen Aufgaben oft mit Hinweisen aus völlig anderen

Bereichen, etwa einer Ausstellung für null-Energie-Häuser oder

einem Wettbewerb junger Modemacher. „Wir gehen mit einer

frei schwebenden Aufmerksamkeit für ungewöhnliche Verknüpfungen

durch die Welt“, sagt Ruff, „denn Zukunftsforscher ist man immer

mit der ganzen Person“.

Mitunter hilft sogar das Studium religiöser Texte. Wer beim

heiligen Augustinus nachschlägt, findet jedenfalls einen Satz, der

das Wesen der Zukunftsforschung auf den Punkt bringt: „Die Suche

ist gesprächiger als der Fund.“ •

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67


TexT

Martin Schäfer

FoTo

Markus Bolsinger

Gorden Wagener

Design der Zukunft: Mercedes-Benz Chefdesigner Gorden Wagener

über Methodik, „grünes Denken“ und urbanes Design.

CURRICULUM vItae

+++ geboren 1968 in Essen +++ verheiratet, ein

Sohn +++ 2009 erhielt er den Titel Professor honoris

causa der Moholy-Nagy-Universität für Kunst und

Design in Budapest +++ Studium Industrial Design

in Essen +++ Ab 1995 Stationen bei Opel, Mazda

und Volkswagen +++ 1997 holt ihn sein Mentor

Peter Pfeiffer zu Mercedes-Benz nach Sindelfingen

+++ 2008 Debüt als Chefdesigner auf dem Pariser

Automobilsalon mit dem „Concept Fascination“ +++

leitet 500 Mitarbeiter in weltweit fünf Designstudios

+++ sein Meisterstück ist 2009 die Neuauflage

des Flügeltürers SLS AMG +++

68


Herr Wagener, mal abgesehen von

Autos, wo haben Sie das letzte Mal

bei einem Designobjekt gedacht: „Wow,

das ist richtig gelungen“

Mein Lieblings-Gadget ist das iPhone.

Es ist schlicht und fühlt sich hochwertig an.

Das eigentlich Revolutionäre aber ist die

Grafik. Und das wird immer wichtiger für das

Produktdesign, auch im Auto. Apple hat ein

Corporate- und Produktdesign gefunden, das

viel klarer und verständlicher ist als das der

Wettbewerber. Klar und einfach bedeutet in

der heutigen Zeit auch Luxus. Diese starke

Cor porate Identity hat auch Mercedes-Benz.

Und wie drückt sich dies in Ihrer

Designstrategie aus

Wir streben mit unserer Designstrate -

gie ganz klar eine Synthese an, die man

mit „stilvolle Sportlichkeit“ beschreiben

könnte …

Wie beim Flügeltürer 300 SL aus

den 1950er-Jahren

Das ist die Inkarnation der stilvollen

Sportlichkeit. Der 300 SL hat per se attraktive

Flächen, die schön und stilvoll sind und

die unserem Schönheitsideal entsprechen.

Darüber möchten wir uns auch in Zukunft

abgrenzen.

Was kann der Designer heute

beeinflussen

Für einen kreativen Menschen gibt

es keine Grenzen. Das Schöne am Design

ist seine Universalität. Design hat einen

wesentlichen Einfluss auf den Erfolg der

Produkte und somit den Erfolg des Unternehmens.

Manche sprechen hier von einem

ideellen „Designwert“, der sich berechnen

lässt und der ganz klar Design als „Werttreiber“

in Unternehmen identifiziert …

Fühlen Sie sich dabei wie ein Architekt

Auch dessen Gestaltungsideen

prägen ein Stadt- und Straßenbild über

Jahrzehnte …

Architektur und Design haben viel

gemeinsam. Die beiden Disziplinen gleichen

sich vor allem wegen Ihrer Kreativität. Das

sieht man zum Beispiel an der Bauhaus-

Architektur. Stilvolle und sehr effiziente

Ideen sind hier eingeflossen. Und diese

wirken bis heute durch ihre ungebrochene

Modernität und Zeitlosigkeit fort. Das ist

das größte Kompliment an einen Architekten

und auch an einen Designer, auch wenn

heute ganz andere Parameter Design und

Architektur beeinflussen …

Welche zum Beispiel

Heute haben Architekten und Designer

ganz andere Methoden und Werkzeuge:

Nehmen Sie Frank Gehry. Seine Walt Disney

Concert Hall in Los Angeles wurde mit einer

Software entworfen, die bis dato eigentlich

nur für Freiformflächen aus dem Automobilbereich

genutzt wurde. So findet nicht

nur ein technologischer Wandel in beiden

Dis ziplinen statt, sondern auch ein grenzüberschreitender

Kreativprozess. Das

wiederum inspiriert und ermöglicht es,

Grenzen auch im Design zu überwinden.

Welche Bedeutung hat die zunehmende

Urbanisierung für das Design,

und aus welcher Stadt kommen dabei

die interessantesten Ideen

Die Zukunftsstadt Nummer eins ist für

mich im Moment Tokio. Von ihr gehen

unheimlich viele Impulse im „Urban Design“

aus, die auch uns bei Mercedes-Benz

beeinflussen. Ein Beispiel: Die japanische

Gesellschaft wird im Durchschnitt immer

älter, und japanische Designer reagierten

unlängst auf diese demografische Veränderung

mit einem „Sessel auf Rädern“.

In Metropolen spielt immer mehr das

Thema „Urban Green Design“ eine Rolle …

Das ist richtig. Der ganze Green-Aspekt

ist auch bei uns fester Bestandteil der

Designstrategie. Green in all seinen Facetten

gehört zu unserer Neudefinition von Luxus

einfach dazu. „Green Design“ muss dabei

nicht durch Verzicht definiert werden!

Neue Technologien und Antriebe wie der

Hybrid antrieb, der Elektro- oder Brennstoffzellenantrieb

müssen durch das Design

so inszeniert werden, dass sie technisch,

innovativ und umweltfreundlich erscheinen

– aber dabei auch stilvoll und elegant

wirken.

Wie gelingt Ihnen das im aktuellen

Produktportfolio

Durch eine besonders aerodynamische

Formsprache! Ein Beispiel ist hier die neue

Mercedes-Benz E-Klasse. Die E-Klasse ist

unsere Antwort auf die Verbindung aus Stil,

Eleganz und Effizienz, die ich skizziert habe.

Das E-Klasse Coupé erreicht einen Cw-Wert

von 0,24 – es ist ein Effizienzweltmeister in

Sachen Aerodynamik. Und trotzdem hat

das Coupé die „stilvolle klassische Sportlichkeit“,

wie wir sie uns wünschen …

Ein kurzer Rückblick und Ausblick

zum Schluss …

Das wird nicht einfach, denn seit ich

Designchef von Mercedes-Benz bin, also

seit 18 Monaten, haben wir über 13 Modelle

erfolgreich eingeführt. Wir haben ein sehr

positives Feedback dafür erhalten. Darüber

hinaus haben wir die Organisationsstrukturen

im Designbereich den Herausforderungen

der Zukunft angepasst, ein Beispiel ist hier

die Gründung von Kompetenzcentern und

die Eröffnung eines Designstudios in Japan.

Im Moment arbeiten wir gerade an der

Designphilosophie der Zukunft. Einen ersten

Ausblick haben wir mit unserer Designskulptur

in Detroit und dem Forschungsfahrzeug

„F800 Style“ bereits gegeben. Es bleibt also

spannend für mich und mein Team! •

69


­

METROPOL

PARAMETER

SINGAPUR *

StatuS: Insel und Stadtstaat

gründung: 1965

Fläche: 687 km 2

einwohner (Stadt): 4.657.452

BevölkerungSdichte (Stadt): 6.779 Einwohner/km 2

Malaysia

Singapur Malaysia

Indonesien

Borneo

SINGAPUR

Der „Tigerstaat“ ist stark in den Elektronik- und Bio technologiebranchen

und will auch bei innovativen Verkehrskonzepten

und „grüner“ Technologie Vorreiter sein.

ArchItEktur In Singapur gehen Zweckbauten wie U-Bahn-Stationen oder Staudämme weit

über ihre eigentliche Funktion hinaus. Sie sind Aushängeschild für anspruchsvolle Architektur

und ein neues urbanes Lebensgefühl:

• Die „Bras Basah MRT Station“ vor dem Kunstmuseum wurde kürzlich fertiggestellt und

ist die mit 35 Metern am tiefsten gelegene U-Bahn-Station in Singapur. Trotzdem kommt

sie mit natürlichem Licht aus, das über Oberlichter in die Tiefe fällt. Der Clou: Von oben

sehen die Glasdächer aus wie spiegelnde Teiche.

• „Marina Barrage“ ist ein Damm, der ein Süßwasserreservoir mitten in der Stadt staut.

Er kontrolliert gleichzeitig Fluten und ist obendrein zu einer neuen Lifestyleattraktion

der Bevölkerung geworden.

MobIlItät Singapur spielt seit Jahren eine Vorreiterrolle bei innovativen Verkehrskonzepten.

Singapore Mass Rapid Transit setzte 2008 als erstes Unternehmen in Südostasien Mercedes-

Benz Stadtbusse mit BlueTec 5 im öffentlichen Personennahverkehr ein. Die Stadtbusse

erfüllen die Euro-5-Abgasnorm und reduzieren Verbrauch und Abgase deutlich. Schon 2004

fuhren in dem Stadtstaat Fahrzeuge der Mercedes-Benz A-Klasse mit Brennstoffzellenantrieb.

Ziel des Tests war, die Zuverlässigkeit der Brennstoffzelle bei tropischem Klima zu testen.

daimler-technicity.com/staedteundnetzwerke­

Singapur

* QUELLE: CIA World Factbook

70

T


VON DER STADT ZUM IDEENPOOL:

INNOVATIONEN AUS VIER GROSSSTÄDTEN.

PARAMETER

AUSTIN *

StatuS: hauptstadt und viertgrößte Stadt

des uS-bundesstaates texas

gründung: 1835

Fläche: 767,28 km 2

einwohner (Stadt): 750.525

einwohner (Region): 1.557.829

BevölkerungSdichte (Stadt): 1.152 Einwohner/km 2

AUSTIN

Austin hat sich den Ruf einer Hightechstadt erarbeitet.

So testet die texanische Metropole unter anderem neue

Ideen bei der Energieversorgung und Mobilitätskonzepten.

koMMunIkAtIon Location-Based Services – Software, die weiß, wer was wann wo tut –

sind einer der großen Wachstumsmärkte für Mobilkommunikation. Eines der erfolgreichs ten

An gebote auf diesem Gebiet heißt Gowalla, ein Handyprogramm der Entwicklerfirma

Alamofire aus Austin. Die Software sendet den GPS-genauen Standort seiner Nutzer an

ausgewählte soziale Netzwerke und Freunde.

Mexiko

uSa

auStin

Kuba

EnErgIE Auf dem Gelände des ehemaligen Flughafens von Austin entsteht ein Vorzeigemodell

für Smart-Grid-Technologie, das sauberen Strom mit neuen Netztechnologien verteilt.

Das erhielt als eines von nur 32 Pilotprojekten in den gesamten USA 10,4 Millionen US-Dollar

Fördermittel des Energieministeriums.

MobIlItät Das von Daimler entwickelte Mobilitätskonzept „car2go“ wird seit Herbst 2009

mit einer Flotte von 200 smart fortwo mit Start-Stopp-Automatik eingesetzt. Damit ist Austin

die erste internationale car2go-Stadt. Das Projekt startet zunächst mit einem definierten Nutzerkreis,

wie beispielsweise den Mitarbeitern der Stadtverwaltung. In einem zweiten Schritt

soll car2go dann auch in Austin für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden.

daimler-technicity.com/staedteundnetzwerke­

auStin

* QUELLE: US Census Bureau

DAIMLER-TECHNICITY.COM 71


METROPOL

PARAMETER

BANGKOK *

StatuS: hauptstadt und größte Stadt thailands

gründung: 1772

Fläche: 1.565,2 km 2

einwohner (Stadt): 7.025.000

einwohner (Region): 12.177.000

BevölkerungSdichte (Stadt): 4.488 Einwohner/km 2

BANGKOK

Thailands Hauptstadt ist die neue In-Metropole für

grüne Architektur – und dank Bus Rapid Transit schon

bald ein Vorbild für öffentlichen Nahverkehr.

ArchItEktur „The Met“ ist ein ganz neu errichtetes Hochhaus mit Luxuswohnungen, das

einen Architekturpreis für die beste Wohnsiedlung bekommen hat. Die Idee dahinter ist, den

tropischen Baustil (innen und außen leben) mit dem Konzept eines Hochhauses zu verbinden.

In dem Hochhaus gibt es Freiräume, Verandas und Gärten und viel Licht- und Winddurchlass

für Ventilation.

Bangkok

Myanmar

Bangkok

thailand

Vietnam

MobIlItät Wer mal richtig im Stau stehen will, fährt am besten nach Bangkok. Dort stecken

Autos oft tagelang fest. Manche Fahrer haben ihr Vehikel deshalb mit TV-Geräten, Kühlschränken

und sogar Toiletten ausgerüstet. Eine Strategie gegen den alltäglichen Verkehrsinfarkt in

Bangkok ist BRT. Das Kürzel steht für Bus Rapid Transit und bezeichnet ein Verkehrskonzept

zur Entlastung staugeplagter Großstädte, das aus folgenden Bausteinen besteht:

• Auf mehreren Trunklines (Hauptachsen) verkehren große Busse mit hoher Taktfrequenz.

Angebunden sind Feederlines (Zubringer) aus allen Gebieten der Stadt.

• Abgetrennte Fahrspuren und Plattformhaltestellen erlauben sicheres und schnelles

Ein- und Aussteigen.

• Fahrkartenverkauf und Zugangskontrolle außerhalb der Fahrzeuge sorgen für schnelle

Abfertigung.

• Ein rechnergesteuertes Verkehrsmanagementsystem sorgt für eine flexible Steuerung.

In Bangkok ist Mercedes-Benz an der Umsetzung eines BRT-Systems beteiligt.

daimler-technicity.com/staedteundnetzwerke­

* QUELLE: Department of Provincial Administration Thailand

72

T


PARAMETER

LONDON *

StatuS: hauptstadt Englands und von großbritannien

gründung: 47 n. chr.

Fläche: 1.572 km 2

einwohner (Stadt): 7.172.091

einwohner (Region): 13.945.000

BevölkerungSdichte (Stadt): 4.562 Einwohner/km 2

Wembley

Ilford

london

Themse

City

Hyde-Park

Greenwich

* QUELLE: Office for National Statistics UK

LONDON

Die englische Hauptstadt wird oft als die einzige wahre

Weltstadt in Europa bezeichnet – mit Vorbildcharakter für

Verkehrskonzepte der Zukunft.

MobIlItät Die London Congestion Charge ist die wohl bekannteste Maut der Welt. Sie hat

das Verkehrsaufkommen in der britischen Hauptstadt um 15 Prozent gesenkt. Die Staugebühr

von etwa zehn Euro pro Tag müssen alle Fahrzeuge entrichten, die ins Zentrum von London

fahren – außer beispielsweise elektrisch betriebene Fahrzeuge, wie eine kleine Flotte von

smart fortwo mit Elektroantrieb, die seit 2008 in der Stadt unterwegs ist. Diese smarts sind

mit ihren 30-kW-Elektromotor so umweltfreundlich, dass keine Maut fällig wird. Die Staugebühr

müssten die Fahrer aber ohnehin nicht entrichten – die smarts stehen nämlich im

Dienst der London Metropolitan Police.

Seit zwei Jahren fahren in London außerdem zehn 7,5-Tonnen-Lkw mit Hybridantrieb. Die

Fuso Canter Eco Hybrid stammen von der Daimler-Tochter Mitsubishi Fuso Truck & Bus

Corporation, die die Nutzfahrzeuge in Kleinserie produziert und seit 2006 in Japan anbietet.

Dazu wird das Serienfahrzeug um Hybridkomponenten ergänzt. Die Betreiber, darunter die

Logistikunternehmen DHL, Royal Mail und TNT, sparen mit den Hybridfahrzeugen bis zu

15 Prozent Treibstoff im Vergleich zu herkömmlichen Dieselfahrzeugen.

coMMunIty Was als Protestbewegung einzelner Naturschützer und Kapitalismuskritiker

begann, ist zu einer friedlichen, wenn auch etwas subversiven Massenbewegung geworden.

Nachts verwandeln anonyme Gärtner triste Flecken in grüne Oasen, indem sie Samen streuen

oder Blumen und Sträucher pflanzen. Der prominenteste Guerillagärtner ist der Londoner

Richard Reynolds. Er hat ein Buch über Guerilla Gardening geschrieben und organisiert die

Online-Community guerrillagardening.org, die 4.000 Mitglieder hat.

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DAIMLER-TECHNICITY.COM 73


TRANSFER

TexT

Steffan Heuer

FoTograFie

Gabriela Hasbun

„Zwei Milliarden Fahrzeuge

sind keine Katastrophe“

Der kalifornische Verkehrsexperte Dan Sperling über nachhaltige

Mobilität und die Rolle, die Privatfahrzeuge dabei spielen werden.

Dan Sperling (rechts), Professor an der University

of California, mit Autor Steffan Heuer.

09:00 Uhr Creston Road

Professor Sperling, wie kommen Sie

normalerweise zum Campus der Universität

Davis

Als ich bis vor ein paar Mo naten noch

in Berkeley wohnte, bin ich einfach den

Hügel runtergefahren und in den Shuttlebus

nach Davis gestiegen. Das war eine Stunde

Fahrzeit auf der Autobahn, während der

ich E-Mails lesen und beantworten konnte,

die ich morgens heruntergeladen hatte,

oder einfach nur lesen und nachdenken.

Vermissen Sie die tägliche Busfahrt

zum Brainstorming

Jein. Jetzt wohne ich eine Viertelstunde

von meinem Büro entfernt in Sacramento

und kann je nach Lust mit dem Zug oder

mit dem Auto fahren. Außerdem bin ich

Mitglied des California Air Resources Board.

Deren Büro liegt mitten in Sacramento, da

kann ich hinlaufen. Diese 20 Minuten sind

extrem produktiv. Eine Kollegin von mir hat

untersucht, wie lange die ideale Pendlerfahrt

zur Arbeit sein sollte. Antwort: 15 Minuten!

Wieso ist eine Viertelstunde unterwegs

so produktiv

Damit man sich morgens auf die Arbeit

ein stimmt, die Aufgaben und Anliegen für

den Tag im Geiste durchgehen kann. Abends

ist es genau der umgekehrte Prozess: Man

fährt sein Hirn langsam wieder herunter,

stellt sich auf die Zeit zu Hause mit der

Familie ein.

Was war Ihr letzter Geistesblitz hinterm

Steuer

Als ich an meinem Buch „Two Billion

Cars“ arbeitete, kamen mir viele der Einfälle

unterwegs, vor allem, wie ich das ganze

Material am besten einteilen sollte. Es gab

ein paar Geistesblitze am Steuer. Ich habe

eine Freisprecheinrichtung und rufe in solchen

Fällen meine Assistentin an, um es ihr

zu diktieren. Wenn ich im Büro ankomme,

wartet die Datei auf mich.

09:15 Uhr Tilden Regional Park

Was hat Sie veranlasst, „Two Billion

Cars“ zu schreiben Sie haben an der

Universität und als Mitglied der Behörde

für Luftreinhaltung in Kalifornien alle

Hände voll zu tun.

Fast jedes einigermaßen bekannte Buch

zum Thema Transportwesen und Energie ist

von Journalisten geschrieben, die Experten

wie mich interviewen. Das ist lobenswert,

aber es sollte mindestens ein Buch geben,

das sich diesen Themen mit dem nötigen

Tiefgang widmet und nicht nur die Probleme,

sondern auch die Lösungen aufzeigt.

74

T


Deswegen habe ich mir in einzelnen Kapiteln

systematisch die Technologie, das Verbraucherverhalten

und die Rolle von Gesetzen

und Regelungen vorgenommen.

Dann sprechen wir doch einmal von

den Lösungen. Wie kann die Welt zwei

Milliarden Fahrzeuge bis zum Jahr 2020

in den Griff bekommen

Man kann das Problem als einen Schemel

mit drei Beinen betrachten. Ein Bein

sind die Fahrzeuge, das zweite Bein die

Treibstoffe, das dritte die Verbraucher oder

die Mobi litätsbedürfnisse der Menschheit.

Das Problem der Fahrzeuge ist am einfachsten

zu lösen, sowohl was die Technologie als

auch die politischen Entscheidungen angeht.

Wir befinden uns weltweit bereits auf dem

Weg zu effizienteren und saubereren Fahrzeugen

sowie besserer Gesetzgebung. Treibstoffe

sind etwas schwieriger. Da machen

wir kleinere Fortschritte, und wir befinden

uns erst am Anfang.

e-Mails lesen oder einfach nur nachdenken: Die Fahrt ins Büro – heute mit einem Umweg für das Interview

– ist für Dan Sperling die beste Zeit für ein Brainstorming.

Ist das primär eine Frage des Inno vationstempos,

um bessere Motoren und

Treibstoffe zu entwickeln

Da sind mehrere Elemente im Spiel:

einmal die Innovationen, zweitens die

nötigen Investi tionen und die Bereitschaft

bei Energiekonzernen und Verbrauchern,

alternative Treibstoffe zu akzeptieren. Alternative

Treibstoffe haben keine natürlichen

DAIMLER-TECHnICITy.CoM 75


TRANSFER

Verbündeten oder eine eigene, wortgewaltige

Industrie – mit Ausnahme von Elektrofahrzeugen,

die von Stromversorgern gefördert

werden. Bei Biotreibstoffen und Wasserstoff

sieht die Lage weniger gut aus.

09:45 Uhr El Cerrito BART Station

Bay Bridge

Der autor Dan Sperling spricht über sein Buch

„Two Billion Cars“.

TilDen regional park

el CerriTo

Tilden Regional Park

El Cerrito BART Station

kenSingTon

Creston Road

alBanY

Cheese Board Coop

north

UniverSiTY

oF CaliFornia

Berkeley

Berkeley Claremont Hotel

BerkeleY

South

Berkeley

eMerYville

pieDMonT

Schwingt hier nicht das Pendel der

Poli tiker und öffentlichen Meinung wild

hin und her Erst war Ethanol die Lösung,

dann Wasserstoff, jetzt stürzen sich alle

auf Elektroantrieb.

Ich nenne dieses Phänomen den „Treib -

stoff du jour“. Die Medien und Politiker

suchen immer nach der Wunderwaffe, mit

der sich alle Probleme auf einen Schlag

lösen lassen. Aber die Technologie ist oft

nicht ausgereift oder hat erhebliche nachteile,

die sich erst mit der Zeit offenbaren.

Es ist durchaus möglich, dass Plug-in-

Hybrid fahrzeuge eine Modeerscheinung

sind wie vorher Ethanol. Die härteste nuss

sind die Verbraucher – das dritte Bein des

Schemels. Hier haben wir am wenigsten

Fortschritte erzielt und bewegen uns sogar

in die entgegengesetzte Richtung.

Wie das Sie haben eben noch davon

gesprochen, Lösungen vorzulegen.

Leider wollen die meisten Menschen

immer größere und leistungsfähigere Fahrzeuge,

was den Fortschritt bei modernen

Motoren weitgehend zunichte macht. Die

gute nachricht ist, dass wir hier in Kalifornien

mit einem Gesetz namens SB375 zum

ersten Mal Regelungen geschaffen haben,

die die Benutzung von Fahrzeugen einschränken.

Die genaue Strategie, um diese

Werte zu erreichen, ist jeder Kommune

überlassen. Dieses Gesetz ist Bestandteil

eines größeren gesetzlichen Rahmenwerks

namens AB32, an dessen Formulierung

ich beteiligt war. Es ist das bislang einzige

Gesetz in der Welt, das den Ausstoß von

Treibhausgasen in jedem Sektor der Volkswirtschaft

deckelt.

Ist es dann nicht zu spät Sie selbst

machen die Rechnung auf, dass in einem

Jahrzehnt auf diesem Planeten zwei Milliarden

Fahrzeuge unterwegs sein werden.

Die schiere Zahl von zwei Milliarden

Fahr zeugen an sich ist keine Katastrophe.

Die Kurve zeigt steil nach oben, aber wir

76

T


können den Carbon Footprint unserer

Autos mit technischen Mitteln, die wir

bereits heute haben, fast auf null absenken.

Wir brauchen kontinuierliche Verbesserungen

bei Antrieben, Materialien, Treibstoffen.

Selbst diese Mercedes-Benz E-Klasse,

in der wir gerade sitzen, kann noch effizienter

werden.

10:00 Uhr Cheese Board Coop

Wie genau wollen Sie das Fahrverhalten

von Hunderten Millionen Menschen

zum Besseren verändern

Autos werden sich zu Hybridfahrzeugen

wandeln. Der Stromanteil wird langsam

steigen, sodass Verbrennungsmotoren an

Bedeutung abnehmen und der Ölverbrauch

sinkt. Große Fahrzeuge werden wohl nie

reine Elektrofahrzeuge werden, da die

Batterien zu groß und zu teuer sind. Wenn

wir den Strom aus erneuerbaren Quellen

erzeugen und mehr Treibstoffe wie Biomethan

einsetzen, das sich beispielsweise

aus Mülldeponien gewinnen lässt, nähern

wir uns einem fast kohlenstofffreien System.

Eine weitere option sind Brennstoffzellen.

Der Wasserstoff ließe sich aus erneuerbaren

Quellen erzeugen. Das dauert und kostet

Geld, deswegen müssen wir ebenso beim

Fahrverhalten ansetzen – also die gefahrenen

Meilen pro Kopf senken. Ein Transportsystem,

das weniger vom Auto abhängig

ist und gleichzeitig qualitativ besser ist, ist

machbar!

Wie muss unsere moderne Gesellschaft

dazu umgebaut werden

Es fehlt ein Verbund aus mehreren Ange

boten, die sich nahtlos ergänzen. Menschen

werden einen on-Demand-Shuttle

haben, der sie zu Hause abholt – ein Anruf,

eine SMS oder E-Mail genügt. Damit wären

nachbarschafts-Autos gekoppelt, um zu

öffentlichen Verkehrsmitteln zu gelangen,

sowie ein Carsharingdienst, wenn man wirklich

sein eigenes Fahrzeug braucht. Und

schließlich gibt es dynamisches Ridesharing,

bei dem ich online sehen kann, ob andere

Leute dieselbe Route fahren und mich mitnehmen

können. Daimler hat in den USA

und in Deutschland interessante Carpooling-

Konzepte getestet. Informationstechnologie

ist der Schlüssel, damit all diese Komponenten

reibungslos funktionieren.

10:15 Uhr Claremont Hotel

Warum sollten wir die bequeme

Freiheit aufgeben, uns nach Belieben

ins eigene Auto zu setzen, ohne etwas

bestellen zu müssen

Ich würde behaupten, im Idealfall würden

sich die meisten Menschen am liebsten

von einem Chauffeur herumfahren lassen.

Das beste Transportsystem bietet die

größtmög liche Auswahl, ohne dass jedermann

immer selbst fahren muss. noch

dazu kostet es Umsummen, sich ein eigenes

Fahrzeug zu leisten, das 90 Prozent der

Zeit ungenutzt herumsteht. Der durchschnittliche

US-Bürger gibt im Jahr mehr

als 8.000 US-Dollar für Betrieb und Unterhalt

seines Autos aus. Wenn wir dieselbe

Summe in ein integriertes System investierten,

etwa um den Zweitwagen mit einem

intelligenten Verbund zu ersetzen, tut sich

eine neue Welt voller optionen auf. Ich

könnte mir per Carsharing jeden Tag ein

anderes Auto leisten!

Solche modernen Transportsysteme

klingen überzeugend, aber der Autoboom

der kommenden Jahre passiert vor

allem in Ländern wie China und Indien,

in denen es oft an der IT­Infrastruktur

und anderen Dingen mangelt.

Diese Ideen sind für alle Teile der Welt

rele vant, auch wenn sie je nach Land

un ter schiedlich umgesetzt werden, selbst

in China und Indien. Die Frage ist, wie

wir dort nachhaltige Transportsysteme

schaffen, die attraktiv sind und dem

Wachstum an Privatfahrzeugen Einhalt

gebieten. Die Bevölkerungsdichte in diesen

Ländern ist so hoch, dass nachfragegesteuerter

öffentlicher nahverkehr kein

Thema ist. Dort geht es mehr um eine

bessere Qualität bei der Fortbe we gung.

Ähnliches gilt übrigens für Ballungs gebiete

in den USA wie new york: Es gibt genü -

gend Busse und Bahnen, aber viele Bürger

meiden sie aus Qualitätsgründen. Warum

sollten wir nicht unterschiedliche Fahr -

klas sen anbieten wie bei Langstreckenzügen

Wer mehr zahlt, kann in einem

Luxusbus fahren, der WLAn, Espresso und

andere Annehmlichkeiten offeriert. Wir

brauchen ein flächendeckendes netz an

Verkehrsmitteln, die unterschiedliche

Zielgruppen bedienen.

CURRICULUM vITAE

Daniel Sperling

59 Jahre +++ Professor für Umwelt- und Ingenieurwissenschaften

an der University California in Davis

+++ Leiter des Institute of Transportation Studies

+++ Mitglied der Aufsichts behörde California Air

Resources Board +++ Vorreiter für den Klimaschutz

in den USA +++ Mitverfasser des Gesetzes AB32

zur Deckelung von Treibhausgasen +++ einer der

Hauptautoren des Klimawandel-Reports des Intergovernmental

Panel on Climate Change (IPCC) +++

2007 gewinnt IPCC gemeinsam mit Al Gore den

Friedensnobelpreis +++ Autor von über 200 wissenschaftlichen

Studien und elf Büchern +++ referiert

regelmäßig zu Umwelt- und Transportthemen +++

jüngstes Buch „Two Billion Cars. Driving Toward

Sustainability.“ +++

gehen statt Fahren: Dan Sperling beim Abstecher

im Tilden Regional Park.

HYPERLINK

Weitere Informationen zu diesem Beitrag finden

Sie online unter:

daimler-technicity.com/mobilitaetskonzepte

mit folgenden Features:

1. Ausführliche Biografie von Dan Sperling

2. Liste von Sperlings Veröffentlichungen

3. Weitere Info zu den Klimagesetzen in Kalifornien

DAIMLER-TECHnICITy.CoM 77


2.000.000.000

2.130.000

80.000

… Fahrzeuge könnten 2020 auf der Erde

fahren – „keine Katastrophe“, findet der

US-Verkehrsexperte Dan Sperling.

Seite 74

… Megabyte ist der Datensatz der

Mercedes-Benz E-Klasse groß,

der bei ihrem virtuellen Crashtest

beansprucht wird.

Seite 88

1908

135

39

… Passagiere befördert das busbasierte

Mobilitätskonzept Bus Rapid Transport

System (BRT) in Istanbul jeden Tag.

Seite 80

… fuhr der erste elektrische Stadtwagen

des Typs „Mercedes Electrique“ durch

Berlin-Marienfelde.

Seite 24

... Gramm wiegt ein iPhone,

die Mercedes-Benz S-Klasse ist knapp

zwei Tonnen schwer. Trotzdem passen

sie perfekt zusammen.

Seite 40

1

… Jahre jung war Gordon Wagener,

als er 2008 Chefdesigner bei

Mercedes-Benz wurde. Ein Gespräch

über die Zukunft des Designs.

Seite 68

… einziges Exemplar existiert vom

Mercedes-Benz F800 Style, aber es

stecken zahlreiche Innovationen und

ein faszinierendes Design dahinter.

Seite 52


mobil

virtuell

digital

Die zunehmende Urbanisierung birgt goße herausforderungen für Städteplaner und Betreiber

des öffentlichen nahverkehrs. Das Mobilitätskonzept Bus Rapid Transit System (BRT) kann

dazu beitragen, dass die Stadtbevölkerung auch weiterhin mobil bleibt. (Seite 80)

Bevor große Summen an Geld für Tests ausgegeben werden, simulieren Ingenieure und Entwickler

viele Prozesse und Produkte zunächst virtuell. heute arbeiten wir mit errechneten

Modellen, die anhand von Computer Generated Imagery (CGI) visualisiert werden. In der

Industrie, der Medizin und in der Kunst ist CGI unverzichtbar geworden. (Seite 88)

TEChnICITy hört beim gedruckten Magazin nicht auf, sondern ergänzt auch digital im

Internet Reportagen, Interviews und nachrichten und beweist dabei, dass jedes Medium seine

besonderen Stärken hat, wie zum Beispiel das abspielen von Videos und animationen.

(Seite 96)

DaIMlER-TEChnICITy.CoM 79


TexT

Tilman Wörtz

FOTOS

Dawin Meckel

TRAFFIC

report

Wie metropolen weltweit durch busbasierte mobilitätskonzepte

ihre Verkehrsprobleme in den Griff bekommen.

08:00 Uhr, ISTanbUl Der Verkehr staut sich an der ersten Bosporus-Brücke.

hupen vibriert in der luft, abgase beißen in der nase.

in der Tiefe passieren Öltanker den Bosporus auf ihrem Weg von

den häfen des Schwarzen meers ins mittelmeer. Zur Überquerung

der Brücke muss sich der Verkehr morgens verjüngen, um die euro -

päische Seite der Stadt zu erreichen. entsprechend lange

stauen sich die Blechmassen nach den mautstationen. Zu den Stoßzeiten

am abend wiederholt sich das Spektakel - nur in die jeweils

andere richtung.

istanbul ist die einzige Stadt auf der Welt, die auf zwei Kontinenten

gebaut ist. Die lage am Bosporus ist istanbuls Segen und

Fluch, denn nur zwei Brücken verbinden ihre beiden Teile. istanbul hat

mit 13 millionen einwohnern – manche Quellen behaupten gar

15 millionen – eine größere Bevölkerung als 105 Staaten dieser erde.

Täglich ziehen immer mehr menschen nach istanbul. manche Prognosen

sehen im Jahr 2023 schon 25 millionen menschen in istanbul

leben, zwischen asien und europa, zwischen Wohnung und arbeitsplatz

pendeln. Und das alles über nur zwei Brücken ein Ding der

Unmöglichkeit, das wissen Stadtplaner und Verkehrsforscher und

entwickeln fieberhaft Vorschläge zur Vermeidung des Verkehrskollapses.

alle wollen das ausbaufähige Schienennetz erweitern.

Doch der Bau neuer linien würde Jahre dauern und ist wegen

istanbuls hügliger Topografie gar nicht überall möglich. Die

Verkehrsprobleme erfordern aber eine schnelle lösung. „Wir brauchen

eine Verkehrsplanung, die alle Verkehrsmittel sinnvoll miteinander

verknüpft und die vorhandenen Straßen effizienter nutzt“,

sagt einer der Pendler über die Bosporus-Brücke, der 36-jährige Selim

Dallı. er sitzt in einem Kleinbus, der ihn und Kollegen jeden morgen zu

hause im asiatischen Teil der Stadt abholt und an den arbeitsplatz

eine Stunde westlich des Zentrums bringt. Dort liegt die Zentrale von

mercedes-Benz Türk.

Selim Dallı ist bei mercedes-Benz Türk der experte für soge nannte

„Bus rapid Transit“-Systeme, kurz: BrT. BrT-Systeme sehen eine

exklusive Spur für Busse vor, welche aufgrund der hohen Taktung,

barrierefreiem einstieg an haltestellen, Pre-Ticketing sowie einer

besonderen Vorfahrtsregelung kurze haltezeiten verzeichnen und

störungsfrei operieren können, sodass diese an den Staus der Pkw

und laster vorüberrauschen können, das Transportvolumen des

öffentlichen nahverkehrs erheblich erhöhen und die Transportzeiten

und abgase reduzieren. BrT-Systeme sind eine flexible Verkehrslösung

für verstopfte metropolen mit angespannter Kasse und werden

derzeit weltweit unter Verkehrsexperten intensiv diskutiert. in f a s t

jedem lateinamerikanischen land gibt es bereits Städte, die auf ein

BrT-System setzen. Speziell schnell wachsende Volkswirtschaften

wie indien denken über die einführung nach. Selim Dallıs aufgabe

ist es, vor ort als ansprechpartner für alle BrT-spezifischen anfragen

zu fungieren.

Der „metrobüs“ ist in nur zwei Jahren auf einer von fünf Spuren

der autobahn e5, die von europa durch istanbul nach ankara führt,

eingerichtet worden - zu niedrigen investitionskosten im weltweiten

Vergleich mit anderen Verkehrssystemen und mit einer Kapazität von

715.000 Passagieren täglich. Dadurch, dass ein Schienensystem

über die Brücke nicht realisiert werden konnte, wurde der metrobüs

zur einzigen alternative.

80 T


ISTanbUl

bOSPOrUS-brücke

FährbeTrIeb aM bOSPOrUS

brT-rOUTe In ISTanbUl

eInheITlIcheS beZahlSYSTeM

PARAMETER

naMe: Istanbul

STaTUS: größte Stadt der Türkei

GründUnG: 11. Mai 330 als Konstantinopelntinopel

Fläche: 5.500 km 2

eInwOhner (Stadt): 12.569.000 (2008)

bevölkerUnGSdIchTe (Stadt): 2.400 Einwohner pro km 2

Quelle: ibb.gov.tr

WaS iST BrT

„bus rapid Transit“-Systeme (brT) sind flexible bus-verkehrssysteme, die antworten

auf verkehrstechnische herausforderungen wie verstopfte Straßen bis hin zum

verkehrskollaps, überlastete öPnv-Systeme und Umweltverschmutzung bieten:

01

ein BrT-System besteht aus einer oder mehreren Trunklines (hauptachsen), auf der

Großraumfahrzeuge in hoher Taktfrequenz verkehren und die durch mehrere Feederlines

(Zubringerlinien) aus allen Gebieten der Stadt gespeist werden.

Zincirlikuyu

02

Vom restlichen Verkehr abgetrennte exklusive Fahrspuren sowie bequemes, sicheres

ein- und aussteigen an ebenengleichen Plattformhaltestellen gewährleisten den schnellen

und reibungslosen Transport.

Beylikdüzü

ISTanbUl

Topkapı

03

Je nach Beförderungsbedarf können Fahrzeuge unterschiedlicher Transportkapazität

in der benötigten Taktfrequenz eingesetzt werden. Die Vermeidung von unnötigen leerfahrten

ist ein weiterer wichtiger Beitrag zum Umweltschutz.

avcılar

Sögütlüçesme

04

Fahrkartenkauf und Zugangskontrolle außerhalb des Fahrzeugs, sogenanntes Pre-

Boarding Ticketing, sorgen für kürzere abfertigungszeiten.

brT-rOUTen ISTanbUl Die BrT-route in istanbul wurde in

4 Bauphasen geplant.

05

intelligentes rechnergesteuertes Verkehrsmanagement ermöglicht eine flexible Steuerung

des gesamten Systems.

Phase 1: avcılar – Topkapı (Fertigstellung 09/2007)

Phase 2: Topkapı – Zincirlikuyu (Fertigstellung 09/2008)

Phase 3: Zincirlikuyu – Sögütlüçesme (Fertigstellung 03/2009)

Phase 4: avcılar – Beylikdüzü (in Planung)

Daimler-TechniciTy.com 81


STaU In rIchTUnG eUrOPa ISTanbUl ZenTrUM brT-halTeSTelle

rückSTaU nach aSIen

bOSPOrUS-brücke

08:15 Uhr, ISTanbUl avcIlar hier im Westen der Stadt startet

der metrobüs. Die haltestelle sieht aus wie ein metrobahnsteig.

Die Passagiere müssen ein Drehkreuz passieren und bezahlen mit

einem elektronischen Fahrschein, der an einem automaten aufgeladen

werden kann. im Vierzig-Sekunden-Takt rollen jeweils zwei bis

drei Gelenkbusse von mercedes-Benz an die Bushaltestelle. Diese

sogenannten „capacity“ von mercedes-Benz werden in mannheim

hergestellt und haben vier statt nur drei achsen.

Der BrT-Fahrstreifen für die BrT-Busse ist mit Drahtseilen von

den anderen Spuren der autobahn abgetrennt. in anderen metropolen

wird der BrT-Fahrstreifen lediglich durch eine gelbe linie oder

einen Bordstein abgegrenzt. mit vierzig Kilometern pro Stunde im

Schnitt rauschen die Busse an den autoschlangen rechts und links

vorbei, einmal quer durch istanbul und selbst über die Bosporus-

Brücke hinüber bis in den asiatischen Teil. „Früher habe ich zwei

Stunden anfahrt zu meinen Vorlesungen gebraucht“, berichtet ein

Student und Fahrgast, „jetzt nur noch eine.“ ein übliches mus te r :

mehr als ein Drittel der Stadtbevölkerung verbringt mehr als zwei

Stunden am Tag im Stadtverkehr.

08:55 Uhr, STadTMITTe Die BrT-linie führt nun durch die Spiegelfassadenschluchten

der Viertel mecidiyeköy und Zincirlikuyu. Dort

steigen vermehrt Passagiere im anzug und Krawatte zu, auch mal

Geschäftsfrauen im Businesskostüm. Die geräumigen, klimatisierten

Busse eröffnen eine neue Dimension im Busverkehr. „istanbul

ist eine metropole der Zukunft“, erklärt der Bürgermeister und

architekt Kadir Topbas in seinem Vorwort zum neuen Busfahrplan,

„täglich pendeln 80.000 Passagiere, die zuvor mit ihrem Pkw zur

arbeit gefahren sind, mit dem metrobüs.“ Seit inbetriebnahme werden

diese Fahrzeuge – die den künftigen abgasnormen euro V bereits

jetzt entsprechen – im linienverkehr eingesetzt. Dies zeigt, welch

hoher Stellenwert der Umwelt eingeräumt wird. Das System versetzt

den gesamten Verkehr in einen flüssigeren aggregatzustand. Bei täglich

500 neuzulassungen von Fahrzeugen wird das Sysem allerdings

vor entsprechende herausforderungen gestellt. erweiterungen des

BrT-Systems sind angedacht, auch das Schienennetz soll deutlich

ausgebaut werden.

Welches Verkehrsmittel ist für welchen Teil der Stadt geeignet

hayri Baracli, Geschäftsführer der Verkehrsbetriebe istanbul elektrik

Tramvay ve Tünel isletmeleri (ieTT): „Wir haben den metrobüs auf

einer Strecke eingerichtet, die so hügelig ist, dass der Bau einer

Schienenverbindung gar nicht möglich wäre.“ aber andererseits, auch

das sagt Baracli sehr besonnen, wären in vielen Vierteln der Stadt die

Straßen für eine exklusive Busspur zu eng. hier müsse der normale

Busverkehr als Zubringer dienen. Selim Dallı steht in engem austausch

mit den BrT-Kollegen in der Vertriebszentrale von Daimler

Buses. Dort ist eigens ein Team für das Thema BrT eingerichtet

worden. Dieses koordiniert weltweit die BrT-aktivitäten der Bussparte

und verfügt über Verkehrsplanungskompetenz. Fünf Verkehrsplaner

und Strategen sammeln in Stuttgart die erfahrungswerte ihrer

Kollegen, arbeiten sie für Fachvorträge und Beratungsgespräche auf

und entwickeln daraus regionalspezifische BrT-Strategien. So wird

zum Beispiel die Frage gestellt, ob BrT-Systeme einen Beitrag zur

Verbesserung der luftqualität leisten können. in istanbul sieht die

82 T


Wann iST ein BrT-SySTem SinnVoll

InveSTITIOnSkOSTen IM verGleIch

kOSTenGünSTIGe, raSche UMSeTZUnG

Kapitalkosten (millionen US-Dollar/km)

350

80

70

60

50

40

30

20

10

Stadtbahn

Bus rapid Transit

hochbahn

U-Bahn

Die investitionskosten von BrT-Systemen können

bei ca. 3 Prozent der investitionskosten einer

U-Bahn liegen. auch im Vergleich zu Stadtbahnen

sind die Kosten meist deutlich niedriger.

ein weiterer Vorteil von BrT: Von der Planung bis

zum Betriebsstart dauert es rund dreieinhalb Jahre,

während man bei einer U-Bahn über zehn Jahre

veranschlagen muss.

Passagiere

pro Stunde

und richtung

10.000 20.000 30.000 40.000 50.000 60.000 70.000

QUelle: lloyd Wright, Bus rapid Transit – Planning Guide 2007, new york (iTDP)

PlanUnGS- Und IMPleMenTIerUnGSdaUer IM verGleIch

BRT

STADTBAHN

METRO

2 - 3 Jahre ca. 1 Jahr

2 - 3 Jahre mind. 3 Jahre

3 - 4 Jahre ca. 4 - 8 Jahre

Planung

implementierung

Jahre 0 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12

Bilanz dazu sehr positiv aus: 623 Tonnen co 2

-emissionen werden

durch das bestehende BrT-System täglich eingespart.

STUTTGarT, 2.000 kIlOMeTer enTFernT „Bei BrT geht es um

weit mehr als nur um Busse. es geht um effektive und effiziente

mobilitätskonzepte und letztlich um mehr lebensqualität“, so holger

Suffel, head of marketing, Sales & aftersales bei Daimler Buses, dem

das BrT-Team berichtet. „Die erfahrungen aus anderen ländern versetzen

uns in die lage, maßgeschneiderte lösungen für BrT-Systeme

zu entwickeln, je nach Bedarf. Die aktivitäten stehen am anfang, doch

die rasant steigende nachfrage nährt meine Zuversicht.“ Die weltweit

wachsende Bedeutung des Themas BrT kann auch Stefan Sahlmann,

leiter BrT Konzepte und Strategie, bestätigen: Die anfragen aus der

welt weiten Vertriebsstruktur von Daimler Buses sind sprunghaft angestiegen.

in mexiko befinden sich derzeit mehrere Systeme im ausbau

und auch Südafrika setzt auf BrT, um mit dem Besucher andrang

während der Weltmeisterschaft fertigzuwerden. Viele südafrikanische

Städte haben machbarkeitsstudien bei Verkehrsplanungsbüros in auftrag

ge geben. auch aus madrid sind bereits Pläne bekannt. Die BrT-

Be auftragten sollen Daimler Buses in diesem wachsenden markt der

mobilitätskonzepte für metropolen positionieren.

richard mejía, leiter BrT-Verkehrsplanung in der Zentrale, sitzt

vor seinem computer und bereitet eine rede für eine Konferenz

in neu-Delhi vor. Der internationale Verband für öffentliches Verkehrswesen

(UiTP) hat Wissenschaftler, Beamte verschiedener Verkehrsämter

und mitarbeiter von Verkehrsbetrieben zu einem austausch

zum Thema BrT geladen und richard mejía um einen Vortrag gebeten.

Das Thema ist in indien sehr präsent. Die indische regierung hat

mittel für Pilotprojekte in 15 Städten zur Verfügung gestellt. in Pune

gibt es bereits eine 14 Kilometer lange Teststrecke. richard mejía und

Kollegen haben festgestellt, dass die Busspur übertrieben breit ist. Sie

haben am computer eine alternative modelliert, die einige Zentimeter

von jeder Busspur wegnimmt und am rande der Fahrbahn in einen

Grünstreifen und einen Fußgängerweg umfunktioniert. „Die Fußgänger

bewegen sich in unserem modell sicherer und atmen frischere

luft“, begründet richard mejía den entwurf.

eines der lieblingsthemen von mejía ist „Transit oriented Development“,

also Stadtentwicklung, die über den Verkehr angestoßen

wird. Das meiststudierte Beispiel ist curitiba in Brasilien, das weltweit

erste BrT-System. „Die Stadtregierung hatte bereits in einer sehr frühen

Phase der Urbanisierung erkannt, dass nicht der gesamte Verkehr

ins Zentrum geleitet werden darf“, sagt richard mejía. „Bei einführung

der BrT-linie 1972 definierten sie fünf breite Straßen als hauptverkehrsadern,

um eine Verdichtung der Gewerbefläche zu vermeiden

und den Verkehr dadurch zu entlasten.“ Sandro Baumann, studentischer

mitarbeiter im Bereich BrT von Daimler Buses in Stuttgart,

kommt ursprünglich aus curitiba und ist mit der dortigen BrT-linie

aufgewachsen. „entlang der Buslinie sind hochhäuser entstanden mit

Geschäften im erdgeschoss und Büros in den oberen etagen. Das

Stadtbild ist gemeinsam mit dem BrT-System gewachsen.“

Warum nur, fragt man sich, erst jetzt dieses interesse an BrT-

Systemen, obwohl die erfahrungen aus curitiba schon so lange vorliegen

Das liegt daran, dass die Schiene lange als modernere und

dauerhaftere lösung angesehen wurde, über die Vorteile von BrT hat

Daimler-TechniciTy.com

83


BRT-SYSTEME WelTWeiT

eIne InTernaTIOnale aUSwahl bUSbaSIerTer MObIlITäTSlöSUnGen IM verGleIch

lOS anGeleS, USa

MexIkO-STadT, MexIkO

3,8 Mio. 8,7 Mio.

13 Mio.

19,2 Mio.

22.000

450.000

22,5 km

50 km

14

80

2005

2005

Die „Orange Line“ ist so schnell, dass die Verkehrsbetriebe

diese BRT-Linie als Teil ihres Schienennetzes

ausweisen.

Heimat von 18 Mio. Einwohnern und 6 Mio. Fahrzeugen,

600 neue Fahrzeuge kommen täglich dazu.

BRT trägt zur Entlastung bei.

GUadalaJara, MexIkO

2009

1,6 Mio.

4,1 Mio.

125.000

16 km

27

Die Reisezeit entlang dem BRT-Korridors konnte nach

Einführung um 30 Prozent reduziert werden.

GUaYaQUIl, ecUadOr

2006

2,2 Mio.

3 Mio.

100.000

15,5 km

36

Die Haltestellen der BRT-Stationen sind architektonisch

an die Historie der Stadt angelehnt.

bOGOTÁ, kOlUMbIen

6,9 Mio.

7,9 Mio.

SÃO PaUlO, braSIlIen

10,9 Mio.

19,2 Mio.

1,4 Mio.

mehr als 2,5 Mio.

84 km

142 km

114

mehr als 235

2000

1975

Knapp die Hälfte der Fahrzeuge auf den Hauptund

Nebenstrecken des BRT-Systems TransMilenio

stammen von Mercedes-Benz.

Ist momentan das längste BRT-System der Welt mit

142 km separater Spur.

cUrITIba, braSIlIen

1,8 Mio.

3,1 Mio.

2,3 Mio.

k. A.

380

1972

Ist weltweit eines der ältesten BRT-Systeme, wurde

in den 1970er-Jahren eingeführt und befördert 2 Mio.

Passagiere pro Tag.

84

T


QUellen: allafrica.com , busway.co.nz , embarq, en.tehran.ir , gzbrt.org, itdp.org, lamata-ng.com, nctr.usf.edu, Planning Guide, voithturbo.com, vtpi.org

nanTeS, FrankreIch

290.000

560.000

ISTanbUl, TürkeI

12,6 Mio.

12,7 Mio.

26.500

7 km

40 km

715.000

15

33

2006 2007

Statt 55.000 Autos (2006) fahren heute nur noch

28.000 Pkw entlang der BRT-Strecke: Der Grund: BRT

verkürzt die Fahrtzeit von 40 auf 20 Minuten.

Das Metrobüs-System wurde 2009 mit dem „Sustainable

Transport Award“ ausgezeichnet. Er wird für

Projekte verliehen, die die Lebensqualität in Metropolen

verbessern.

JakarTa, IndOneSIen

8,5 Mio.

24 Mio.

300.000

GUanGZhOU, chIna

3,1 Mio.

10 Mio.

350.000

124 km

22,5 km

161

26

2004

2010

Die Stadt könnte 2015 die fünftgrößte der Erde sein.

Um einhergehende Transportprobleme in den Griff zu

bekommen, setzt man seit 2004 auf BRT.

Aushängeschild und Vorreiter für weitere geplante

BRT-Systeme in China.

laGOS, nIGerIa

2008

15,5 Mio.

17,5 Mio.

200.000

26

22 km

Das BRT-System in der Hauptstadt Nigerias hat ein

überdurchschnittlich gutes Kosten-Nutzen-Verhältnis.

JOhanneSbUrG, SüdaFrIka

2009

3,8 Mio.

10 Mio.

12.000

20

25,5 km

Um die Passagiermengen der Fußballweltmeisterschaft

zu befördern, hat die Stadt 2005 den Grundstein für

ein BRT-System gelegt.

adelaIde, aUSTralIen

1,2 Mio.

k. A.

25.000

12 km

3

aUckland, neUSeeland

420.000

1,3 Mio.

k. A.

9 km

5

1986 2005

Das BRT-System ist weltweit eines der wenigen spurgeführten

Systeme.

Pro vollen BRT-Bus kann die Stadt 40 Autos

weniger auf den Straßen Aucklands verzeichnen.

einwohner Stadt

Passagiere (pro Tag)

haltestellen

BrT-Zusatzinfo

einwohner Großraum

linienlänge

eingerichtet seit

Daimler-TechniciTy.com

85


WeniGer emiSSionen DUrch BrT

GeSenkTe abGaSwerTe

waS STeckT hInTer der eUrOnOrM

EURO III

EURO IV

EURO V

EEV

0 % 20 % 40 % 60 % 80 % 100 %

CO 2 (Kraftstoffverbrauch)

NO x (Stickstoffoxid)

PM (Rußpartikel)

zusätzliche Einsparung

durch flüssige Fahrt ohne

Stop - and - Go

Die Wiege der Abgasgesetzgebung ist Kalifornien,

wo es bereits in den 1960er-Jahren Grenzwerte

gab. In der Europäischen Gemeinschaft wurden

1970 erste einheitliche Abgasvorschriften vereinbart.

Die erste Euronorm für Nutzfahrzeuge wurde

in der Direktive 88/77/EEC festgelegt und 1990

eingeführt. Die nächsten Stufen folgten 1996, 2000,

2005 sowie 2008 mit der aktuellen Euro-V-Norm.

Weitere Verschärfungen sind geplant. So hat die

EU im Juli 2009 Teile der Regelungen für Euro VI

veröffentlicht, die 2013 in Kraft treten sollen. Die

europäische Abgasnorm legt Obergrenzen für den

Ausstoß von Schadstoffen fest. Diese Grenzwerte

sind unterschiedlich für Pkw und Nutzfahrzeuge,

für Benzin- und Dieselmotoren. Aktuell gilt die

Abgasnorm Euro V.

man nur wenig nachgedacht. Vor Kurzem hat Stefan Sahlmann eine

Delegation aus abu Dhabi zu Selim Dallı nach istanbul vermittelt. es

gibt im nachbar-emirat Dubai schon eine metro-linie, eine weitere

sollte gebaut werden. ob für abu Dhabi ebenfalls eine metro infrage

kommt oder aber BrT, sollte die reise nach istanbul klären, schließlich

können BrT-Systeme weitaus kosteneffizienter implementiert

werden. (siehe infografik Seite 83)

09:18 Uhr, SöGüTlüceSMe endstation der BrT-linie auf der

asiatischen Seite istanbuls. eine Schleife nach der haltestelle erlaubt

den Bussen das Wenden. Gleich dahinter liegt ein großer Parkplatz für

autofahrer, die in den metrobüs umsteigen wollen. Kleinere Busse

nehmen die Passagiere auf Zubringerstrecken mit. Gegenüber der

Straße befinden sich Wohn- und Bürogebäude, auch eine große halle

für hochzeitsfeiern. Das Fußballstadion ist ganz in der nähe. Sögütlücesme

ist ein buntes Viertel, ein Stück modernes istanbul, das

Selim Dallı einen Satz in erinnerung ruft, den er nach einführung des

metrobüs in einem Zeitungsinterview mit einem Passagier gelesen

hat, der täglich mit der BrT-linie pendelt: „Jetzt bin auch ich ein

Bürger erster Klasse.“ •

HYPERLINK

Weitere Informationen zu diesem Beitrag finden Sie unter:

daimler-technicity.com/mobilitaetskonzepte

mit folgenden Features:

1. cityinfo istanbul: einwohner, Geschichte, Verkehrsdaten

2. Fotostrecke: lebendiger Verkehr in istanbul

3. info: Was steckt hinter den euronormen

86 T


ür

harTmUT SchicK

„Die entwicklung von noch umweltfreundlicheren

Fahrzeugtechnologien wird auch für BrT-Systeme

eine bedeutende rolle einnehmen.“

Herr Schick, wann und wo sind Sie zuletzt mit

dem Bus gefahren

Gleich nachdem entschieden wurde, dass ich chef

von Daimler Buses werde, habe ich einen Busführerschein

gemacht. ich habe danach erst einmal eine

Testfahrt mit meiner Familie in einer Setra Topclass

gemacht. am Wochenende fahre ich in die Stuttgarter

innenstadt oft auch mit Bus oder U-Bahn.

Werden wir in Zukunft häufiger mit dem

Bus fahren

Ja, ich bin davon überzeugt, dass die Bedeutung

des öffentlichen Personennahverkehrs – und hier vor

allem die relevanz von Bussystemen – zunehmen wird.

Wir nehmen einen stark wachsenden Bedarf an busbasierten

mobilitätskonzepten wahr – vor allem aus

schnell wachsenden metropolen, in denen die bestehenden

infrastruktursysteme an ihre Grenzen stoßen.

ich bin mittlerweile mitglied im executive commitee

der UiTP. Wir gehen davon aus, dass sich der öffent -

liche Personennahverkehr bis 2025 verdoppelt.

Wie stellen Sie sich darauf ein

Daimler Buses leistet zum Beispiel seinen Beitrag,

indem das BrT-expertenteam weltweit Unterstützung

bei der einführung und Weiterentwicklung maßgeschneiderter

urbaner Buskonzepte bietet – so auch in den austragungsorten

der Fußballweltmeisterschaft 2010 in Südafrika.

Dabei haben wir nicht nur den omnibus im Blick

– trotz unseres Kerngeschäfts: Bestehende und neue

Verkehrsträger sollen sich vor ort zu einem funktionierenden

vernetzten Verkehrssystem ergänzen. in Summe

heißt das, nachhaltigkeit, mobilität sowie Sicherheit und

Komfort effizient zu verbinden. Das ist unser anspruch,

der insbesondere beim Thema BrT vollumfänglich zum

Tragen kommt. Darüber hinaus diskutieren wir derzeit,

wie wir BrT-lösungen noch effizienter, schneller und

komfortabler anbieten können. Unsere ideen reichen

hier bis zum „nachhaltigen Transportdienstleister“, der

weit mehr bietet als ein klassischer Busproduzent.

Was sind dabei die größten systemischen

Hürden

Das sind zunächst die Zielsetzungen und anforderungen

bei der implementierung von BrT-Systemen.

es gibt nicht „das eine BrT-System“. Wichtig ist,

dass zunächst die Bedürfnisse der nutzer, also der

Passagiere, der lokalen Betreiber und der Städte in

den Planungs- und implementierungsprozess ganz

intensiv mit einfließen.

Und die technischen Herausforderungen

dabei …

Technisch sind es wiederum ganz andere Parameter:

BrT-Systeme können aufgrund des priorisierten

Buseinsatzes den Kraftstoffverbrauch und somit die

co 2

-emissionen um bis zu 20 Prozent reduzieren. Das

wird in Zukunft aber nicht ausreichen, um im Bus- und

BrT-Geschäft zum Zug zu kommen. Die entwicklung

von noch effizienteren und umweltfreundlicheren Fahrzeugtechnologien

wird hierbei eine entscheidende rolle

einnehmen. Das haben wir in nordamerika mit unseren

orion hybridbussen, die unter anderem in new york in

großen Stückzahlen im einsatz sind, wahrgenommen.

aus dem Grund forcieren wir auch massiv die Weiterentwicklung

des mercedes-Benz citaro G BlueTec hybrid

und oder des mercedes-Benz citaro Fuelcell-hybrid. •

CURRICULUM VITAE

harTMUT SchIck

*05. 10. 1961, oberiflingen

leiter des Geschäftsbereichs Daimler

Busse bei Daimler und Geschäftsführer

der evoBus Gmbh

Daimler-TechniciTy.com 87


MAKROSKOP

Der MilliarDencrash

Der virtuelle Crashtest ist bei Daimler fast schon ein

„Oldtimer“. Bereits vor zwanzig Jahren fuhren neben

realen Fahrzeugen auch Simulationsdaten „gegen

die Wand“. Anhand von 26.000 Messpunkten

untersuchte die Computersimulation das Verhalten

von Karosserie und Antrieb beim Aufprall. Die

errechneten Werte lieferten bereits damals wichtige

Erkenntnisse. Von einem realitätsnahen Abbild

echter Unfallszenarien waren sie allerdings noch

weit entfernt. Heute ist der virtuelle Crash seinem

realen Vorbild nahezu ebenbürtig: Inzwischen ist

das Simulationsfahrzeug in etwa zwei Millionen

Elemente gegliedert. Ein einzelner virtueller Testlauf

umfasst bis zu 320 Milliarden Rechenoperationen.

Gut 5.500 Mal schickten die Fahrzeugentwickler

die neue C-Klasse in den virtuellen „Ernstfalltest“.

Das „Gesamtgewicht“ ihres dabei verwendeten

digitalen Prototypen: 2.130 Gigabyte.

Datennetz Der Innenraum des Mercedes-Benz

SLS wurde am Computer anhand einer Netzstruktur

konstruiert – lange bevor er gebaut wurde.

88 T


text

Stephan Wengenroth

viRTuAl

World

Realistische Bilder aus dem Rechner inspirieren Architekten und Künstler,

helfen Ärzten bei der Diagnose und verkürzen Ingenieuren die Zeit auf der

Teststrecke. In der digitalen Welt gibt es die Realität längst mehrfach.

Digitale Dinosaurier Gänsehaut – ein Wort genügt, um das zu

beschreiben, was Millionen Zuschauer in den Kinositzen fühlen konnten:

Sie waren quasi „live“ dabei, als zum ersten Mal ein Dinosaurier

als Hauptdarsteller aus dem Dschungel das Filmset betrat. Den Machern

von Jurassic Park gelang es im Jahr 1993, das Fossil so

naturgetreu zum Leben zu erwecken, dass Fiktion und Realität vollkommen

mit einander zu verschmelzen schienen. Den oscarprämierten

Meilenstein der Filmgeschichte verdankten sie den damals noch

revolutio nären Möglichkeiten von Computer Generated Imagery (CGI).

Allein die sechs Minuten Celluloid, die den Dinosaurier in seiner

ganzen Lebensgröße präsentierten, verschlangen fast ein Drittel der

Produktionskosten von 63 Millionen US-Dollar. Für jedes einzelne der

24 Bilder pro Sekunde errechneten die Animationsprogramme fünf

Megabyte „Dinosaurierdaten“. Seitdem entwickelte sich die errechnete

Realität immer mehr zum Lieblingsinstrument der Filmindustrie.

Als vergangenes Jahr das Weltuntergangsepos 2012 die ganze Zivilisation

des Planeten in Schutt und Asche versinken ließ, standen die

eigentlichen Hauptakteure nicht mehr vor der Kamera. Denn ohne die

Rechenleistung des „Filmstars“ Computer wäre keine einzige Szene

mehr denkbar. Rund 1.000 Visualisierungsspezialisten arbeiteten

an den computergenerierten Spezialeffekten und errechneten auf

einem Cluster von bis zu 250 Computern insgesamt etwa ein Peta-

byte, also eine Million Gigabyte, an Filmdaten. Als Ergebnis sehen

und fühlen die Kinobesucher eine fotorealistische Darstellung des

Unvorstellbaren, etwa den Flug eines Jumbojets durch die einstürzenden

Häuser schluchten von Los Angeles.

Computergenerierte Bilder machen es möglich, in der Realität

eigentlich nicht Sichtbares an einem Bildschirm dennoch sehen und

analysieren zu können, zum Beispiel einen Lufthauch oder Temperaturunterschiede.

In der Entwicklungsabteilung bei Daimler macht man

sich dies bei der Entwicklung der Fahrzeuge zunutze. Beispielsweise

haben Ingenieure und Techniker bei Daimler den Innenraum der

neuen C-Klasse als virtuelles Modell aus knapp acht Millionen einzelner

Volumenelemente zusammengesetzt. Eine Simulationssoftware

errechnete für jeden dieser Punkte sogenannte Komfortparameter

wie Luftströmung und Wärmeschwankungen.

Von der Größe, Form und dem Einbauort von Gebläsedüsen bis

zu den Einstellmöglichkeiten der Autoklimaanlage konnten die Experten

so die Luftzirkulationen und das Klima im Fahrzeuginneren bis in den

kleinsten Winkel „messen“. Mitberücksichtigt wurden dabei auch

Parameter, die von außen auf das Fahrzeug einwirken: Fahrtwind,

Umgebungstemperatur, Sonneneinstrahlung oder Luftfeuchtigkeit.

Auf einer sechs Meter breiten und fast zweieinhalb Meter hohen

Projek tionsfläche, der „Powerwall“ im Sindelfinger Entwicklungszentrum,

DAIMLER-TECHNICITy.COM 89


MANFRED DANGELMAIER:

„Vom Design bis zum Verkauf – ohne computergenerierte

Bilder und realitätsgetreue Simulationen läuft in der

Industrie nichts mehr.“

Gibt es eine typische Vorzeigebranche für CGI,

von der man sagen kann: So geht’s, nichts wie

hinterher

Je hochwertiger ein Produkt und je größer der

Entwicklungsaufwand, desto mehr werden auch die

Möglichkeiten fortschrittlicher Visualisierungstechnologien

genutzt. Vorreiter ist dabei sicherlich einmal die

Automobilindustrie. Unabhängig von der Branche gilt

dies auch für die Gruppe der Ingenieure, die ihre Produkte

bereits an 3-D-CAD-Systemen entwerfen. Das A und

O dabei: Die dreidimensionalen Entwurfs daten müssen

bereits im System präsent sein. Dann ist auch ohne

großen Aufwand eine Visualisierung oder Anima tion als

dreidimensionales Objekt möglich.

Wo sehen Sie die größten Potenziale für CGI

In der Kommunikation! Etwa wenn es darum geht,

Entscheidern eine neue Produktidee zu präsentieren

oder Designskizzen miteinander zu vergleichen. Ein

gutes Beispiel ist neben der Fahrzeugindustrie auch die

aktuelle Entwicklung in der Baubranche. Weil im Modellbau

die physischen Architekturmodelle zunehmend

durch digitale Modelle ergänzt oder gar ersetzt werden,

ist es möglich, die geplanten Gebäude in virtu elle Stadtansichten

zu integrieren oder den Bauherrn auf einen

ersten virtuellen Rundgang mitzunehmen.

Gibt es auch Knackpunkte bei einer erweiterten

Unterstützung durch Computervisualisierungen

Sicher. Zum einen beim Erstellen der Daten. Ein

zweiter wichtiger Aspekt sind die bei der Präsentation

ein gesetzten Darstellungssysteme. Vielfach werden

3-D- Objekte flach am normalen Bildschirm oder einer

Projektionsfläche im Besprechungsraum vorgeführt.

Ein intensiveres Erleben wird erst mit einer stereoskopischen,

also tatsächlich räumlich wirkenden Darstellung

auf raumfüllender Projektionsfläche erreicht.

Systeme wie Powerwall oder Cave, die eine echte

virtuelle Realität vermitteln, haben hier eine Vorreiterrolle

übernommen – sind aber auch entsprechend

kosten intensiv. Sie sind deshalb nur in großen Unternehmen

verfügbar.

Das heißt aber dennoch: Ohne Mehraufwand

und damit auch Mehrkosten ist ein erweiterter

Einsatz der Visualisierungstechnologien nicht zu

haben.

Ebenso, wie in der Konstruktion dreidimensionale

CAD-Objekte heute bereits zunehmend Alltag sind,

werden sich 3-D-Visualisierung und virtuelle Realität

von der Ideenpräsentation und Designfindung bis

zur Kundenberatung im Verkauf immer mehr durchsetzen.

Wichtig ist dabei, sich immer vor Augen zu

halten, dass sich die einmal erstellten Daten des

virtuellen Produkts in verschiedenem Kontext mehr -

fach nutzen lassen. •

CuRRiCuluM viTAE

Dr. - ing. Manfred Dangelmaier

* 31. 05. 1960 in Heidenheim

+++ seit 2009 Institutsdirektor am Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft

und Organisation IAO, Stuttgart +++ Maschinenbaustudium

an der Universität Stuttgart +++ seit 1986 Mitarbeiter am

IAO +++ 2001 Promotion bei Prof. Bullinger zum Thema Ergonomie

von Fahrerplätzen in Pkw +++ 2001 Leiter des Competence Center

Virtual Environments am IAO +++

90 T


MAKROSKOP

lebensretter cgi

Als Visualisierung am Bildschirm liefert der Com -

pu ter immer häufiger den lebensrettenden Befund.

Aus Schnittbildern von Computer- oder Kernspintomograf

errechnet er ein virtuelles 3-D-Modell, an

dem der Arzt den Operationsverlauf exakt planen

oder Therapien besser abstimmen kann.

Besonders heikel sind Operationen am Gehirn,

etwa wenn ein Tumor (im Bild grün) entfernt werden

muss, ohne eine Arterie (rot) zu verletzen. Das Bild

stammt aus MAGI (Microscope-Assisted Guided

Interventions), das von der Universität London

ent wickelt wurde. Normalerweise sieht der Chirurg

bei der Operation nur den Bildausschnitt eines

Mikroskops. MAGI überlagert dieses Bild mit einer

computergenerierten Ansicht des umliegenden

Gewebes.

einblick Ein digitales Abbild des menschlichen

Schädels erlaubt die Diagnose von Tumoren ohne

gesundheitliche Folgen für den Patienten.

DAIMLER-TECHNICITy.COM 91


MiKROSKOP

Digitale architektur

Die Entwürfe des Mercedes-Benz Museums in

Stuttgart der holländischen Architekten UNStudio

van Brekel und Bos ließen sich nur anhand von Terabytes

an CGI-Daten realisieren.

KOnTExT

Die ForM Folgt DeM Material

Erst die Form, dann das Material – so läuft der

Gestaltungsprozess in der Architektur normalerweise.

Das ist falsch, findet Achim Menges,

Professor am Institute for Computational Design

der Universität Stuttgart. Menges verfolgt einen

anderen, sogenannten morphogenetischen Ansatz,

der nicht zwischen der Form und dem Prozess

der Materialisierung unterscheidet und die Umwelt

mit einbezieht. So entstehen atmende Gebäude

nach dem Vorbild der Natur.

Menges’ Simulationen spielen nach evolutionären

Prinzipien schier unendliche Formen durch

und prüfen sie gleich auf ihre Umwelttauglichkeit.

Die meisten Räume aus dem Rechner sprengen

unsere Vorstellungskraft – wie das Morphogenetic

Design Experiment 01.

Fantastisch Anhand komplexer Berechnungen

lassen sich Grundlagenmodelle für architektonische

Entwürfe darstellen.

92 T


wurden die Rechenergebnisse dann am virtuellen 3-D-Modell des

Fahrzeugs sichtbar gemacht: als gemäß ihrer Temperaturabstufung

unterschiedlich eingefärbte Luftbewegungen. Der Clou dabei: Dies

alles geschah zu einem Zeitpunkt im Entwicklungsprozess, an dem

vom späteren Fahrzeug noch nicht einmal ein erster Prototyp

existierte. Obwohl die Ingenieure also noch nicht selbst auf den

Sitzen Platz nehmen und den Komfort wahrnehmen können, erleben

und optimieren sie am virtuellen Modell bereits die Komponenten des

Klimasystems und deren Steuerung in den unterschiedlichsten

Fahr situationen – und das bis ins Detail.

„Konflikte im Fertigungsprozess werden

dank Simulation bereits in den Konstruktionsphasen

sichtbar.“

FranK PFlUGEr, Teamleiter Prozess-Simulation bei Daimler

Den der menschlichen Wahrnehmung weit überlegenen „Computerblick“

nutzen beispielsweise auch die Materialwissenschaftler am

Fraunhofer-Institut für Techno- und Wirtschaftsmathematik (ITWM)

in Kaiserslautern für die Suche nach neuen Werkstoffen. Mithilfe von

Simulationen „zoomen“ sie sich bis auf die Ebene von nur einige

Millionstel Millimeter großen Nanopartikeln in die Mikrostruktur eines

Materials hinein. Ihr Ziel ist es, neue, hocheffektive Dämmmaterialien

zu kreieren oder die keramische Oberfläche eines Katalysators so zu

strukturieren, dass sie auch kleinste Rußpartikel zuverlässig „fängt“.

Durch spezielle computergestützte Visualisierungsmethoden werden

nicht nur die von den Forschern kreierten Mikrostrukturen des

Katalysators sichtbar.

tonMoDell iM rechner Es lassen sich auch entscheidende

physikalische Vorgänge wie der Weg der Wärme durch das Fasergeflecht

eines Dämmstoffs hindurch anschaulich darstellen. Augenscheinlich

kleinste Veränderungen können so in ihrer Wirkung exakt

vorausberechnet werden, bevor mit der eigentlichen Entwicklung des

Herstellverfahrens eines neuen Materials begonnen wird.

Am Anfang eines neuen „Produktlebens“ stehen neben konzeptionellen

Überlegungen vor allem Entscheidungen an, die den ersten,

zweiten sowie jeden weiteren Eindruck des Produktes auf seinen

Besitzer oder Nutzer nachhaltig bestimmen: Form und Anmutung. In

der Regel arbeiten die Kreativteams von Premiumautomobilherstellern

wie Daimler dabei zunächst mit Tonmodellen im Maßstab 1:4.

Der Vorteil: Das künftige Design lässt sich von allen Seiten und aus

allen Blickwinkeln genauestens betrachten und sogar haptisch erfahren.

Geschwungene Flächen, Kanten und Übergänge zwischen den

Karosserieelementen können also auch mit den Händen erfühlt

wer den. Der Nachteil: Wie das Fahrzeug mit verschiedensten Lackierungen

bei unterschiedlichsten Lichtverhältnissen in natürlicher Umgebung

wirkt, ist anhand des Tonmodells bestenfalls zu erahnen.

Deshalb nutzen die Daimler-Entwicklerteams auch hier die

Möglichkeiten von Computer Generated Imagery: Ein 3-D-Scanner

tastet das Tonmodell Millimeter für Millimeter ab und erfasst so ein

Gitternetz aus Millionen von Punkten. Im Rechner entsteht daraus

eine bis ins Detail übereinstimmende digitale Kopie. Analog zur Trickkiste,

mit der die Filmindustrie am Computer Szenen errechnet, entsteht

so ein digitaler Prototyp. Dieser kann nun in wirklichkeits getreue

93


Szenerien „eingebaut“ und in nahezu natürlicher Umgebung an der

„Powerwall“ fotorealistisch begutachtet werden.

Überlegen ist das Designmodell im Rechner dem tönernen

Pendant in mehrfacher Hinsicht: Änderungen an der Gestaltung der

Fahrzeugaußenhaut oder des Interieurs lassen sich direkt am Computermodell

vornehmen und als Varianten speichern, aber auch

ebenso schnell wieder verwerfen. Und die Datenbasis des virtuellen

Modells kann dazu genutzt werden, das Design bereits in sehr frühen

Entwicklungsphasen zu testen. So lässt sich feststellen, ob Konflikte

beispielsweise mit dem Fahrzeuginnenleben zu erwarten sind. Durch

das frühzeitige „Durchreichen“ des Designmodells an die Technikspezialisten

kann zum Beispiel überprüft werden, ob in den Radkästen

ausreichend Platz für das Fahrwerk ist oder der Interieurentwurf sich

mit den Anforderungen der Airbagausstattung verträgt.

Damit dies möglichst reibungslos funktioniert, haben die Entwicklungsingenieure

bei Daimler die einzelnen digitalen Konstruktions- und

Prüfsysteme zu einer gemeinsamen Plattform, dem sogenannten „digitalen

Prototypen“ vereint. Die Verzahnung der Arbeit der einzelnen

Entwicklerteams macht es beispielsweise möglich, dass Probleme etwa

im Zusammenspiel verschiedener technischer Komponenten oder

zwischen Design und Technik frühzeitig erkannt werden und am virtuellen

Modell den Kollegen anderer Fachdisziplinen verständlich visualisiert

und erlebbar vorgeführt werden können.

Mit dem digitalen Prototypen wird ein Fahrzeug geschaffen, das

bereits mit allen Fahrzeugkomponenten und Funktionen (und deren

Zusammenspiel) ausgestattet ist – noch bevor es einen ersten realen

Prototypen gibt. Um beispielsweise das Fahrverhalten der neuen C-

Klasse frühzeitig bewerten zu können, war ihr digitaler Prototyp rund

„Mit den digitalen Prototypen legen wir das Mercedes-Benz typische Fahrverhalten

bereits in der Simulation aus. In den Realtests erfolgt dann der Feinschliff.“

lUDGEr DraGOn, Leiter Fahrverhalten, Simulation und Analyse bei Daimler

Zum Abschluss jeder digitalen Optimierungsphase schließlich dienen

die Computerdaten dazu, wieder ein neues Tonmodell zu fräsen, um

die Wirkung der aktuellen Entwurfsversion auch im buchstäblichen

Wortsinn zu begreifen. Generell gilt: Immer dann, wenn sich objektive

Messungen am realen Objekt nur mit verhältnismäßig hohem Aufwand

realisieren lassen, zeigen die computerbewegten Visualisierungen

eindrucksvoll ihre Stärken.

Und das gilt längst nicht nur für den Prototypenbau. So müssen

Fahrzeugkarosserien beispielsweise ein Tauchbad durchwandern, um

die Karosserie mit einer Lackschicht zu überziehen. Dabei ist es

wesentlich, die Karosserie so zu drehen und zu wenden, dass nicht

nur die Innen- und Außenbereiche, sondern auch alle Hohlräume mit

einer exakt gleichmäßigen Lackschicht bedeckt werden.

Um die dafür nötigen einzelnen Schritte für die spätere Serienproduktion

genau festzulegen, timen die Fertigungsingenieure bei

Daimler die exakten Bewegungen im Lackbad zuerst am virtuellen

Modell. Während eines virtuellen Tauch- und Trockenvorgangs

„misst“ die Simulationssoftware entscheidende Parameter wie

Lack anhaftung, Fließbewegung und Aushärtungsgrad.

Aus den Werten lassen sich anschließend Bilder errechnen, die

mit unterschiedlichen Farben die erreichten Schichtdicken illustrieren

– und dies auch an Stellen in denjenigen Hohlräumen, die an einer

realen Karosserie gar nicht zugänglich wären. Damit diese errechneten

Werte auch tatsächlich mit der Fertigungspraxis übereinstimmen,

haben die Ingenieure ihrer Visualisierungssoftware „Erfahrungen“

einprogrammiert: Sie führten bei der Tauchlackierung an realen Fahrzeugkarosserien

eine Vielzahl Messungen durch und kalibrierten

damit das Computersystem. Inzwischen haben sie damit eine Verlässlichkeit

der Berechnungsergebnisse erzielt, die im Rahmen der

un vermeidbaren Fehlertoleranz ihrer Messsysteme zur Überprüfung

des realen Lackiervorgangs liegt. Die zentrale Aufgabe der CGI-

Techno logien ist es, Menschen, die an der Entwicklung neuer Ideen

und Produkte arbeiten, durch möglichst eingängige Bilder in ihren

Aufgaben zu unterstützen. So wie am Bildschirm die Fahrzeugklimatisierung

oder Lackierprozesse visualisiert werden, überprüfen Simulations-

und Berechnungsprogramme mittlerweile auch alle weiteren

Fahrzeugfunktionen an virtuellen Modellen.

1.500 Kilometer auf virtuellen Stadt- und Landstraßen sowie Autobahnen

„unterwegs“. Auf diese Weise konnten wichtige Komponenten wie

die Crashsicherheit und Insassenschutz, Aerodynamik, Betriebsfestigkeit

der Karosserie, Fahrkomfort und Handlingseigenschaften,

Mo tor charakteristik oder Geräusch- und Schwingungseigenschaften

bereits vorab ausführlich getestet werden.

Doch trotz aller Erfolge: Auf den Bau realer Prototypen will

Daimler nicht verzichten. Schließlich fühlt und erlebt der Mensch

seine Sinne und Emotionen am besten in der Wirklichkeit. Die Feinabstimmung

und Bewertung durch Experten, Testfahrer und Kunden

wird deshalb auch weiterhin als ganzheitliches Erlebnis außerhalb

der Entwicklerbüros „er-fahren“ werden. •

HYPERlinK

Weitere Informationen zu diesem Beitrag finden Sie

online unter:

daimler-technicity.com/managementundprozesse

mit folgenden Features:

1. Rückblick: eine kleine Chronik der digitalen Simulation

2. Fahrsimulatoren – wie am Computer Blechschäden vermieden werden

3. Virtuelle Flugzeugkatastrophen: Megaberechnungen für mehr Flugsicherheit

94 T


MiKROSKOP

berechneter blick

Mit dem Computer schaffen Künstler völlig neue

For men und Realitäten – oder altbekannte, etwa

Gesichter. Doch da ist unser Urteilsvermögen beson ders

empfindlich, denn kleinste Unstimmigkeiten in der

Mimik fallen unangenehm auf und entlarven die

Person als digitalen Schwindel. Mittlerweile sind die

Werkzeuge der Grafikdesigner aber so ausgereift,

dass jede Hautpore echt wirkt – wie im Porträt eines

Mädchens der südkoreanischen Künstlerin Viki yeo.

lebensnah Beinahe echt wirken die

Gesichtszüge eines Mädchens, die zu 100 Prozent

am Rechner entstanden.

95


DIGITAL

TECHNICITY Im INTErNET

InnovatIonsnews onlIne

mEdIENspEzIfIsCHE vorTEIlE NuTzEN

weBGeReCHte aUFBeReItUnG

von InFoRMatIonen

Stärken deS MediuMS Die konsequente verbindung

der Druck- und onlineausgaben von teCHnICItY

hilft, neues wissen noch besser zu veranschaulichen.

Bedienen sie sich der stärken des jeweiligen Mediums,

wie auf DaIMleR-teCHnICItY.CoM der Filme, animationen

und Umfragen zu verschiedenen aspekten von

Mensch und Mobilität. Das gedruckte Magazin hingegen

bietet große Fotos, spezifische Haptik, langlebigkeit und

wertigkeit.

AktuAlität wer eine ausgabe verpasst hat, kann das

passende Heft jederzeit online nachbestellen – oder

gleich am Bildschirm lesen. Das teCHnICItY-onlinemagazin

bietet dasselbe leseerlebnis wie die gedruckte

ausgabe und ist oft noch näher am Puls der Zeit. ausgewählte

Beiträge erscheinen online schon vor ihrer

ge druckten ausgabe und gewährleisten so eine noch

höhere aktualität. Die schwerpunktthemen des Magazins

werden durch online-specials und Hintergrundberichte

ergänzt und informativ verdichtet.

FAcettenreichtuM wie leben wir in der Zukunft wie

werden wir arbeiten Können wir Umweltprobleme durch

Innovationen bewältigen Diese und viele andere Fragen

in all ihren Facetten greift DaIMleR-teCHnICItY.CoM

auf – in aktuellen Berichten und nachrichten aus dem

gesamten spektrum der Daimler-Innovationen.

topJournAliSMuS Regelmäßig berichten renommierte

Journalisten über trends aus technik und Gesellschaft,

inklusive faszinierender Fotostrecken, spannender

videos und interaktiver elemente – und verkürzen so

die wartezeit auf die nächste gedruckte ausgabe.

uSAbility DaIMleR-teCHnICItY.CoM bietet optimale

navigierbarkeit und nutzerfreundlichkeit. Die wichtigsten

Beiträge sind auf den ersten Blick zu finden und auf

Deutsch sowie in englischer Übersetzung verfügbar.

96 T


IMpressuM uND koNTAkT

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internationalen Forschungs- und entwicklungsnachrichten.

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redaktion: werner Roy Bien, Kai-Holger eisele, vincent Faix, Dr. thomas Giesefeld, Bernd Müller,

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lektorat: Joachim P. straßburger

art direction: Helmut Kirsten, sonja schäffer

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lisa Drechsel (Illustration), Gabriela Hasbun, Dawin Meckel, Joel Micah Miller, sascha Pfläging,

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teCHnICItY erscheint halbjährlich in den sprachversionen Deutsch und englisch.

nummer 1, 1. Jahrgang 2010

Issn-nummer: 2190-0515

© daimler ag 2010

daImlEr-TECHNICITY.Com

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DaIMleR-teCHnICItY.CoM

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PROJEKTOR

Think Tank

ERFINDEN MACHT SPASS Oder wie es Carl Benz im Alter von 80 Jahren sagte: „Die Liebe zum Erfinden hört nie mehr auf.“ Und so hat jede

Innovation in ihrem Kern etwas Spielerisches, das oftmals aus einem visionären Gedanken entstanden ist. Auch die Fähigkeit, Ideen in die Zukunft

projizieren zu können, zählt zu den kreativen Begabungen der Menschen. Sie sind es, die mit ihren Visionen die Welt von morgen gestalten.

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T


PoST-oIl cITy

dIe STadT

nach dem Öl

Die Geschichte Der Zukunft Der staDt

the history of the city of the future

Abbildung: © LAVA/atelier illume | Gestaltung: Philippa Walz, Andreas Opiolka, Stuttgart

Schauplatz Natur / ON Stage: Nature

ifa-Galerie Berlin | Linienstraße 139/140 | 10115 Berlin 23. 4.– 18. 7. 2010

Fon +49/(0)30/28 44 91 40 | Eintritt frei / free admission | www.ifa.de

mit freundlicher Unterstützung von / with the friendly assistance of

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