Förderkonzepte - Friedrich-v.Bodelschwingh-Schulen

gymnasium.bethel.de

Förderkonzepte - Friedrich-v.Bodelschwingh-Schulen

LERNEN IN WÜRDE

Beraten – Begleiten – Betreuen:

Förderkonzepte an den Friedrich-v.Bodelschwingh-Schulen

1. Die Friedrich-v.Bodelschwingh-Schulen:

Organisation und pädagogische Grundsätze 1

2. Gemeinsam lernen

Gemeinsamer Unterricht 5

Lernwerkstatt 6

Ergänzungsunterricht 7

Diakonisches Lernen und Handeln 9

Lions-Quest 9

3. Beraten

Schülersprechtag 11

Individuelle Lernberatung 11

Psychosoziale Beratung 12

Suchtprophylaxe 12

Studien- und Berufsorientierung 12

4. Lernen begleiten

Verlässliche Schule – S’Cool 14

Lernpaten 14

Schüler-helfen-Schülern 15

LRS-Förderkurs 16

Schulportfolio 17

5. Europafähig machen

Europakontakte 19

Schüleraustausch 19

Internationale Sprachdiplome 20


1 ORGANISATION UND PÄDAGOGISCHE GRUNDSÄTZE

Die Friedrich-v.Bodelschwingh-Schulen:

Organisation und pädagogische Grundsätze

Der Schulträger

Die von Bodelschwinghschen Stiftungen Bethel sind Träger von

Förderschulen, Berufskollegs und allgemeinbildenden Schulen

mit einem sehr differenzierten Bildungsangebot. Der Schulträger

der Betheler Schulen wird durch den Vorstand der von Bodelschwinghschen

Stiftungen vertreten, der von einem Schulkuratorium

beraten wird. Das Kuratorium berät über das Budget,

über die Errichtung und Schließung von Bildungsgängen sowie

über die Besetzung von Schulleitungsstellen. Die Abstimmung

der Betheler Schulen untereinander erfolgt in der Koordinierungskonferenz.

Mitglieder sind die Geschäftsführerin (Vorsitz),

die Schulleiterinnen und Schulleiter sowie der Leiter der Schulverwaltung.

Der Schulträger verfügt über die Dienstherreneigenschaft und

übt damit die Personalhoheit aus. Deshalb sind die Betheler

Schulen weniger in bürokratische Abhängigkeiten eingebunden

als öffentliche Schulen und können daher organisatorisch und

inhaltlich flexibel und rechtzeitig auf die sich ständig ändernden

Anforderungen der Gegenwart reagieren. Diese besonderen

Rechte hinsichtlich der inhaltlichen Gestaltung geben den Schulen

die Möglichkeit, ihr Profil in besonderer Weise auszuprägen.

So treten neben den Fachunterricht zahlreiche besondere unterrichtliche

und außerunterrichtliche Angebote im musikalischen,

im künstlerischen, im sportlichen, im sozialen und im fachbezogenen

Bereich, mit denen sich die Schule nach außen öffnet und

sich ihrem Umfeld präsentiert. Darüber hinaus ist es unser Ziel,

die Schülerinnen und Schüler in den außerunterrichtlichen Aktivitäten

als ganzen Menschen anzusprechen, ihnen in verantwortungsvollen

Tätigkeiten soziale Kompetenz zu vermitteln und

ihre Bindung an Personen und Sachen zu fördern.

Die Friedrich-v.Bodelschwingh-Schulen

Der Schulverbund der Friedrich-v.Bodelschwingh-Schulen umfasst

die Realschule Bethel, das Öffentlich-Stiftische Gymnasium

Bethel und das Berufskolleg Bethel.

Die Realschule wurde 1978 gegründet. Sie wird zweizügig

geführt und von 350 Schülerinnen und Schülern besucht.

Organigramm des Stiftungsbereichs Schulen

Das Öffentlich-Stiftische Gymnasium ist in der Sekundarstufe I

vierzügig und in der Sekundarstufe II sechszügig. Zurzeit besuchen

1180 Schülerinnen und Schüler diese Schulform, die der

Träger seit 1925 unterhält.

Das Berufskolleg ist 1998 aus der Kollegschule entstanden,

die 1978 aus der Oberstufe des Gymnasiums und allen damals in

Bethel vorhandenen Berufsschulen gebildet wurde. Im Berufs-

1


1 ORGANISATION UND PÄDAGOGISCHE GRUNDSÄTZE

Leben zu füllen. Wir versuchen in unseren Schulen spezifische

Antworten auf die Frage zu geben, was Erziehung leisten muss.

Die Einsicht, dass der Mensch der Erziehung bedarf, damit er

sein Leben menschlich gestalten kann, ist zunächst ein ganz

weltliches Wissen. Nach christlicher Überzeugung braucht der

Mensch in seiner Erziehung die Religion, um Antworten auf die

Fragen nach Sinn, Schuld und Hoffnung finden zu können. Darüber

hinaus sind Werteerziehung, wissenschaftliche Erkenntnissuche

sowie die politische und ästhetische Erkenntnissuche in

seiner Welt wesentliche Elemente seiner Erziehung.

Unsere Schulen sollen deshalb

• Orte des Lernens

• Orte der Erziehung

• Orte der Erfahrung

• Orte der Begegnung

sein.

Was bedeutet das für unsere pädagogische Arbeit

Das christliche Verständnis von Mensch und Wirklichkeit prägt

das Schulleben und dient als Basis für die Persönlichkeitsbildung,

die Individualität des Menschen ist handlungsleitend.

Die Wertschätzung von Heterogenität hat einen hohen Stellenwert,

das wird insbesondere am Angebot des Gemeinsamen

Unterrichts (siehe Kapitel 2) sowie durch die differenzierten

Lernangebote für unterschiedliche Leistungs- und Interessenprofile

sowie durch Projekte zur Förderung von Toleranz und

Verantwortungsbereitschaft deutlich.

In der Schulgemeinde wird eine ermutigende und wertschätzende

Grundhaltung gelebt. Alle Gruppen in der Schule bemühen

sich, ein Arbeitsklima zu fördern, das durch Empathie, Authentizität

und Glaubwürdigkeit geprägt ist. Konfliktmanagement,

Zeit für Gespräche, Wahrnehmung von Lebenskrisen und Wertschätzung

jedes einzelnen Schülers, jeder einzelnen Schülerin

sind Ausdruck dieser Haltung. Die Grundsätze, die die Unverletzlichkeit

der Würde jedes einzelnen Menschen, den Stellenwert

der Eigenverantwortung, den Anspruch der Entfaltung der persönlichen

Stärken, die Wahrnehmung persönlicher Interessen im

sozialen Raum einfordern, sind für die Frage nach dem „Lernen

in Würde“ von elementarer Wichtigkeit.

Es bleibt jedoch nicht aus, dass es in der Praxis, im täglichen

Miteinander immer wieder zu Konflikten kommt, die nicht

in der Situation selbst von den Beteiligten gelöst werden können.

Das sind oft Meinungsverschiedenheiten, umstrittene Entscheidungen

und Beeinträchtigungen von Rechten zwischen den

am Schulleben beteiligten Gruppen (in erster Linie Schülerinnen

und Schüler, Eltern, Lehrerinnen und Lehrer).

Um hier zu transparenten, gerechten und pädagogisch

sinnvollen Einschätzungen und Entscheidungen zu gelangen,

sind an unseren Schulen in den letzten Jahren zwei miteinander

verzahnte Konzepte gemeinsam von allen am Schulleben beteikolleg

sind Ausbildungsgänge zusammengefasst, die zu einer

beruflichen Qualifikation führen. Der Schwerpunkt dieser Ausbildungen

liegt im sozialpädagogischen und im heilpädagogischen

Bereich. In Kombination mit dem Berufsabschluss können

auch die Fachhochschulreife oder das Abitur erworben werden.

Zurzeit besuchen 650 Schülerinnen und Schüler die verschiedenen

Bildungsgänge des Berufskollegs.

Die Organisationsstruktur der

Friedrich-v.Bodelschwingh-Schulen

Die drei Schulformen der Friedrich-v.Bodelschwingh-Schulen

haben ein gemeinsames Lehrerkollegium mit 158 Lehrerinnen

und Lehrern. Das heißt, viele Lehrerinnen und Lehrer unterrichten

Schulform übergreifend, also an der Realschule, am Gymnasium

und am Berufskolleg. Diese Organisationsform hat sich seit

30 Jahren bewährt und ist ein Teil unseres Konzepts. So gibt es

gemeinsame Fach- und Lehrerkonferenzen und jeweils eine

gemeinsame Schulpflegschaft und Schulkonferenz für den

Schulverbund. Alle schulformübergreifenden pädagogischen

und organisatorischen Vorhaben werden in diesen Gremien

geplant und koordiniert. Die wöchentliche Schulleitungskonferenz

(Schulleiterinnen und Schulleiter sowie stellvertretende

Schulleiterinnen und Schulleiter) stellt eine pädagogische Gesamtplanung

sicher und bindet die Schulleitungen in eine Gesamtverantwortung

ein.

Die Realschule und die Sekundarstufe I des Gymnasiums

nutzen ein gemeinsames Schulgebäude. Das Schulhaus der Sekundarstufe

II liegt einen Kilometer entfernt. Es wird gemeinsam

von der Oberstufe des Gymnasiums und den sozialpädagogischen

Bildungsgängen des Berufskollegs genutzt. In zwei weiteren

Gebäuden findet der Unterricht der heilpädagogischen

Bildungsgänge und der Sozialhelferinnen und Sozialhelfer statt.

Die pädagogische Grundorientierung der

Friedrich-v.Bodelschwingh-Schulen

Über die Trägerschaft der von Bodelschwinghschen Stiftungen

Bethel sind die Schulen in die diakonische Einrichtung eingebunden.

Die Stiftungen verstehen sich als handelnde Kirche, und so

leiten sich auch die Grundsätze für das Leben und Arbeiten in

den von Bodelschwinghschen Stiftungen von diesem Selbstverständnis

ab.

Diese Grundsätze werden geprägt von den Begriffen

• Würde

• Eigenverantwortung

• Entfaltung

• religiöse Orientierung und

• soziales Leben.

Für unsere Schulen kommt es darauf an, diese Begriffe zu konkretisieren,

sie in den Alltag der Schule hineinzutragen, sie mit

2


1 ORGANISATION UND PÄDAGOGISCHE GRUNDSÄTZE

ligten Gruppen erarbeitet worden, nämlich eine Vereinbarung

Lernfreundlicher Unterricht und ein Beschwerdemanagement.

Erstere beschreibt und operationalisiert die Rechte und Pflichten

aller Gruppen bei der Gestaltung von Unterrichtsbedingungen,

die ein Lernen in Würde ermöglichen; letzteres umfasst gestufte

Maßnahmen zur Bewältigung von Konflikten, die sich auf den

Unterricht als komplexen Vorgang beziehen. Abschließend ist es

in jedem Falle wichtig, die Vorgehensweise und die Resultate

des Konfliktlösungsvorgangs zu evaluieren und die Nachhaltigkeit

sicherzustellen. Dazu gehört auch die Rückmeldung an alle

am Prozess beteiligten Gruppen und Personen.

Die Schule hat ein Leistungsverständnis entwickelt, das

den Menschen mit seinen Stärken und Schwächen als Geschöpf

Gottes wahrnimmt. Bereits im Aufnahmeverfahren wird sicher

gestellt, dass die Schule offen für alle Kinder ist. Die Klasse mit

Gemeinsamem Unterricht und individualisierte Lernformen und

Lernangebote im Ergänzungsunterricht stehen exemplarisch

dafür.

Die Schule bietet den Schülerinnen und Schülern Möglichkeiten,

sich für Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung der

Schöpfung einzusetzen.

Der in unserer Gesellschaft zu beobachtende, zunehmende

Verlust an Orientierung, der mit einem Wertewandel einher

geht, führt dazu, dass viele junge Menschen geradezu auf der

Suche nach Beispielen für Glaubwürdigkeit und Vertrauenswürdigkeit

sind. Damit wird es umso wichtiger, Werthaltungen in

der Schule erfahrbar werden zu lassen. Dafür muss in der Schule

Raum geschaffen werden. Wenn aber die hinter dieser Werthaltung

stehende Sinnfrage in der Schule erfahrbar sein soll, darf

sie nicht künstlich aufgesetzt sein. Die Umsetzung dieser Grundhaltung

lässt sich auch nicht an der Anzahl der Gottesdienste

oder Andachten allein festmachen. Sie muss täglich erfahrbar

sein. Die Voraussetzungen für Vertrauen und Glaubwürdigkeit

werden in der Schule durch unseren Umgang miteinander geschaffen.

Er zeigt sich in der Art, wie Lehrerinnen und Lehrer

Beispiel und Vorbild geben für einen fairen Umgang – das kann

man sogar auf jede Unterrichtsstunde beziehen, wenn die Schülerinnen

und Schüler merken, dass die Lehrerin oder der Lehrer

nicht nur bei der Sache, sondern auch bei der Gruppe ist; er

zeigt sich, wenn Lehrerinnen und Lehrer nicht wegschauen,

wenn Erziehung gefragt ist; er zeigt sich in der Art, wie Lehrerinnen

und Lehrer mit epochaltypischen Schlüsselproblemen

unserer Zeit umgehen, wie sie Stellung beziehen und sich um

sachliche Beurteilung bemühen, in Fragen, die zentrale Themen

der nächsten Generationen sein werden und die in verschiedenen

Fächern oder fächerübergreifenden Projekten altersstufengemäß

in verschiedenen Formen eingebracht werden. Dazu

gehören auch Projekte, die aktuelle Fragestellungen berühren

und soziale, humanitäre, ökologische, ökonomische und politische

Herausforderungen für die Gesellschaft des 21. Jahrhunderts

reflektieren.

Die Beziehung der Friedrich-v.Bodelschwingh-Schulen zu

den stiftischen Förderschulen

Aus dem oben beschriebenen Selbstverständnis heraus pflegen

die Friedrich-v.Bodelschwingh-Schulen auf unterschiedlichen

Ebenen Beziehungen zu den Förderschulen der von Bodelschwinghschen

Stiftungen. Exemplarisch seien hier folgende

Formen der Kooperation genannt:

• auf der o.g. Koordinierungskonferenz findet ein regelmäßiger

Austausch auf Schulleitungsebene statt

• im „Bethelbaustein 2“ lernen die Lehrkräfte die jeweils

anderen Schulformen kennen

• es werden regelmäßige Projekte mit den Förderschulen

und anderen Einrichtungen Bethels in den Bereichen Sport

(z.B. Bethel Athletics), Musik (z.B. Stomp-Projekt) und Kunst

(z.B. Projekt Blaue Hand) durchgeführt

• die ausbildungsbegleitenden Praktika des Berufskollegs

sowie das Sozialpraktikum der Oberstufe können z.T. an

den Förderschulen abgeleistet werden

• es findet ein Austausch zwischen Lehrerinnen und Lehrern

– vor allem mit Blick auf die Klassen mit Gemeinsamem

Unterricht (siehe Kapitel 2) – statt.

Gebundener Ganztag

Die Friedrich-v.Bodelschwingh-Schulen (Realschule und Gymnasium)

haben entschieden, zum Schuljahr 2010/2011 den Gebundenen

Ganztag schrittweise (beginnend mit Jahrgangsstufe 5)

einzuführen.

Aufgrund der gesellschaftlichen Veränderungen in den

Familienstrukturen und der stetig wachsenden Anforderungen

an Schule insgesamt halten wir die Einführung des Gebundenen

Ganztags für pädagogisch sinnvoll. Gerade den erhöhten Anforderungen,

die an Schülerinnen und Schüler und Schule heute

gestellt werden, können wir auf diese Weise mit effektiverer

individueller Förderung begegnen. Wir vertrauen hier auf die

Erfahrungen unserer europäischen Nachbarn und auf internationale

Studien, die zeigen, dass durch die ganztägige Präsenz

in der Schule die Lernchancen von Schülerinnen und Schülern

nachhaltig verbessert werden können.

Grundvoraussetzung für ein effektives Lernen im Gebundenen

Ganztag ist die sinnvolle Rhythmisierung des Schultags.

Dazu gehört beispielsweise eine gestaltete Mittagspause, die

nicht nur der Einnahme des Mittagessens dient, sondern auch

Raum für Kreativität, Bewegung und Ruhe bietet. Die Schülerinnen

und Schüler können selbst entscheiden, welche Angebote

sie wahrnehmen. Das Mittagessen wird in den unteren Klassen

gemeinsam im Klassenverband eingenommen und von einer

Lehrkraft der Klasse begleitet. Auf diese Weise bekommt das

Mittagessen einen hohen Stellenwert bei den Schülerinnen und

Schülern und stärkt die Klasse als Gruppe.

Im Zusammenhang mit dem sich ändernden Schultag erschien

3


1 ORGANISATION UND PÄDAGOGISCHE GRUNDSÄTZE

es uns besonders wichtig, das selbstständige Lernen stärker in

den Blick zu nehmen und methodisch zu unterstützen. Dies

geschieht besonders durch die Lernwerkstatt (siehe Kapitel 2).

Über die Kooperation unserer Schule mit verschiedenen diakonischen

Einrichtungen des Trägers finden auch kleine sozial-diakonische

Projekte in der Lernwerkstatt ihren Platz.

Ergänzt wird der Pflichtunterricht durch Neigungs- und

Förderangebote. In diesem Bereich haben die Schülerinnen und

Schüler die Möglichkeit, Lerndefizite auszugleichen, individuelle

Stärken zu fördern und ihre Freizeit sinnvoll zu nutzen. Zu den

Angeboten gehören ebenso Formen von Erholung, Spiel und

Bewegung wie Arbeitsgemeinschaften im naturwissenschaftlichen,

fremdsprachlichen, musikalisch-künstlerischen und sportlichen

Bereich sowie zu neuen Medien.

Schulentwicklung als Prozess

Die Schulentwicklung wird seit mehr als zehn Jahren unter Beteiligung

von Schülerinnen und Schülern, Eltern sowie Lehrerinnen

und Lehrern in Arbeitsgruppen entwickelt und von einer

Steuerungsgruppe koordiniert. Diesen langfristig angelegten

Diskussionsvorgang, mit dem wir Zielvereinbarungen über

unsere pädagogische Grundorientierung, über die Unterrichtsgestaltung,

über unser Schulleben und über organisatorische

Fragen treffen wollen, verstehen wir als Prozess. Von diesen

Gesprächen erhoffen wir uns mehr Transparenz und Konsens

über die schulische Arbeit bei allen beteiligten Gruppen sowie

ein zunehmendes Verständnis für unser gemeinsames Tun. Wir

sehen darin eine wesentliche Voraussetzung für die Qualitätsverbesserung

des Unterrichts, aber auch für die Zufriedenheit

und Freude am Leben und Lernen in der Schule.

Ein besonderes Augenmerk unser programmatisch-konzeptuellen

Arbeit gilt derzeit der Weiterentwicklung unseres

Förderkonzepts, um bisherige Fördermaßnahmen kontinuierlich

zu verbessern, zu evaluieren und in ein schlüssiges Gesamtkonzept

zur individuellen Förderung von Schülerinnen und Schülern

nach dem Prinzip des Forderns und Förderns einzubinden. Unser

Förderkonzept, das sich dem Prinzip der Inklusion verpflichtet

sieht, zeichnet sich durch mehrere eng miteinander verzahnte

Module verschiedener Bereiche aus.

Die folgenden Darstellungen von Modulen und Projekten

verdeutlichen, wie wir in unseren Schulen aktuelle Förderkonzepte

konkret umsetzen. Sie beschreiben sowohl den aktuellen

Entwicklungsstand als auch den Prozess der Neu- und Weiterentwicklung.

Aus Platzgründen beschränken wir uns in unseren

Darstellungen auf die Realschule und das Gymnasium.

4


2 GEMEINSAM LERNEN

Gemeinsamer Unterricht

Die Vision der v.Bodelschwinghschen Stiftungen Bethel beinhaltet

die Vorstellung, dass ein selbstverständliches Zusammenleben,

ein gemeinsames Lernen und Arbeiten aller Menschen in

ihrer Verschiedenheit möglich und erstrebenswert ist. „Gemeinschaft

verwirklichen“ bedeutet, dass „mehr oder weniger ge -

sunde, mehr oder weniger behinderte, mehr oder weniger leistungsfähige,

jüngere und ältere Menschen, Menschen unterschiedlicher

kultureller Herkunft und religiöser Prägung (…) als

Bürgerinnen und Bürger mit gleichen Rechten und Chancen in

der Gesellschaft leben“ (aus: Bethel – Gemeinschaft verwirklichen:

Unsere Vision und unsere Ziele 2007 bis 2011).

Diese Vision wird bezüglich der Bildungschancen ergänzt

durch folgende These der Betheler Erklärung. Sie lautet: „Alle

Menschen haben das Recht, eine Schule mit individueller Förderung

zu besuchen und einen angemessenen Beruf zu erlernen.

Jeder Mensch hat sein eigenes Lerntempo. Deshalb müssen

Wünsche und Leistungsfähigkeit berücksichtigt werden. Ein

Leben lang müssen Lernen und der Zugang zu Bildung für alle

ohne Schwierigkeiten möglich sein.“

Konsequenterweise haben wir, die Friedrich-v.Bodelschwingh-Schulen,

daraus ein Konzept abgeleitet, das darauf

abzielt, das Unterrichts- und Schulleben auf die individuellen

Förderbedarfe aller unserer Schülerinnen und Schüler auszurichten.

Durch die selbstverständliche Einbeziehung von Schülerinnen

und Schülern mit sonderpädagogischem Förderbedarf

und durch die Kooperation zwischen Förderpädagogen und

Lehrkräften der Allgemeinen Schule entsteht eine positive, bereichernde

Heterogenität mit einer Förder- und Forderstruktur

für alle Schülerinnen und Schüler (Inklusion).

Seit Beginn des Schuljahres 2008/09 setzen wir dieses Konzept

um, indem wir jährlich eine Klasse mit Gemeinsamem Unterricht

einrichten, in der alle Schülerinnen und Schüler gemeinsam

lernen und unterschiedliche Bildungsabschlüsse erreichen können.

Die Klassen setzen sich aus 20 Schülerinnen und Schülern

ohne sonderpädagogischen Förderbedarf (je zur Hälfte aus den

Schulformen Realschule und Gymnasium) und aus 5 Schülerinnen

und Schülern mit sonderpädagogischem Förderbedarf zusammen.

Die Einrichtung einer Klasse mit Gemeinsamem Unterricht

an unseren Schulen erfolgte in enger Kooperation mit der Mamre-Patmos-Schule

Bethel. Sie ist eine Förderschule für lern- und

geistig behinderte sowie schwer und schwerst mehrfach behinderte

Kinder und Jugendliche. Bereits während der Vorbereitungsphase

fanden eine regelmäßige fachliche Beratung sowie

eine personelle Unterstützung durch eine Förderschulpädagogin

dieser Schule statt.

Zu jedem Lehrerteam einer Klasse gehören mindestens

eine Sonderpädagogin/ein Sonderpädagoge und die Fachlehrerinnen

und Fachlehrer der Klasse. Klassenlehrerin oder Klassenlehrer

können Kolleginnen und Kollegen aus allen Schulformen

sein. Das Team ist gemeinsam für die Begleitung des Lernprozesses

aller Schülerinnen und Schüler mit und ohne sonderpädagogischen

Förderbedarf verantwortlich. Um dieses Ziel zu erreichen,

achtet jedes Teammitglied darauf, dass die Hauptaufgabe,

für die es verantwortlich ist, im Team verfolgt wird und dadurch

jedes Kind die individuelle Begleitung bekommt, die es für seinen

Lernprozess braucht.

In wöchentlichen Teamsitzungen und bei regelmäßig stattfindenden

Planungsworkshops werden die gemeinsame Arbeit

sowie die besonderen Belange der Klasse reflektiert und kontinuierlich

weiterentwickelt. Dabei geht es nicht nur um unterrichtliche

Belange, sondern auch um außerunterrichtliche Aktivitäten

und das Miteinander in der gesamten Schulgemeinde.

Die gemeinsame Lernerfahrung am gleichen Unterrichtsgegenstand

ist in den unteren Jahrgängen leichter möglich. Je

höher die Klassenstufe wird, umso höher werden auch die Anforderungen

an die Differenzierung, um diese gemeinsamen

Lernerfahrungen in den einzelnen Fächern zu ermöglichen. Eine

Sammlung von Unterrichtsvorhaben, die ein hohes Maß an gemeinsamen

Lernerfahrungen möglich machen, wird kontinuierlich

weiterentwickelt.

Abbildung oben: Jeder motiviert den anderen

Abbildung unten: Bei der Akrobatik hat jeder seine wichtige Position

5


2 GEMEINSAM LERNEN

In Phasen, die weniger gemeinsame Unterrichtsvorhaben ermöglichen,

soll gemeinsames Lernen durch Klassen-Projekte,

Pausenaktivitäten und andere außerunterrichtliche Unternehmungen

kompensiert werden.

Die Planung der Unterrichtseinheiten erfolgt nach folgenden

Grundsätzen: Inhalte, Methoden und Unterrichtsformen

werden so ausgewählt, dass möglichst alle Schülerinnen und

Schüler Zugänge zum gemeinsamen Unterrichtsthema haben.

Wochenplanarbeit oder die Arbeit in und an Projekten sind u.a.

geeignete Arbeitsformen. Um einen gemeinsamen Unterricht zu

realisieren, der allen Kindern angemessene Lernchancen bietet,

werden vorwiegend offene Unterrichtsformen gewählt.

Zu den Handlungsmustern, die die gemeinsame Arbeit

begünstigen können, gehören u.a.:

• individuelles Arbeiten an strukturierten Materialien

(Freiarbeit)

• gemeinsames Spielen auf verschiedenen Ebenen

• Erkundungen vor Ort, um die gemeinsame Umwelt

unmittelbar kennen zu lernen

• Lernen an individuell erstelltem Arbeits- und

Anschauungsmaterial

Diese Formen der Freiarbeit sichern nicht nur das Erreichen

der fachlichen Inhalte, sondern sie

• geben Hilfen zur allseitigen persönlichen Entfaltung und

Selbstverwirklichung

• entsprechen dem Lernrhythmus des einzelnen Kindes

• ermöglichen die Nutzung vieler Eingangskanäle und das

ganzheitliche Erleben

• ermöglichen das Erreichen grundlegender Lernziele auf

unterschiedlichem Niveau

• erhalten die Lern- und Entdeckungsfreude

Scheint die gemeinsame Arbeit am gleichen Unterrichtsgegenstand

nicht (mehr) möglich zu sein, müssen für die Schülerinnen

und Schüler mit Behinderung Inhalte gewählt werden, die dem

individuellen Lern- und Entwicklungsbedarf entsprechen. Im

Laufe der Schulzeit wird die äußere Differenzierung zunehmen.

Das betrifft insbesondere die zweite Fremdsprache und den

Wahlpflichtbereich ab der 8. Jahrgangsstufe.

Die Akzeptanz der Klassen mit Gemeinsamem Unterricht

an unseren Schulen ist sehr hoch. Sie werden von der gesamten

Schulgemeinde als Bereicherung empfunden. Die Klassenteams

loben die gute kooperative Zusammenarbeit zwischen den Kolleginnen

und Kollegen der unterschiedlichen Schulformen, die

Schülerinnen und Schüler der Klassen achten sich gegen seitig in

einer selbstverständlichen Klassengemeinschaft und die Eltern

entscheiden sich bewusst für das Lernen ihrer Kinder in Vielfalt.

Die Nachfrage für einen Platz in diesen Klassen ist deutlich

höher, als Kapazitäten zur Verfügung stehen, nicht nur für

Kinder mit Förderbedarf, sondern auch für jene mit Gymnasialempfehlung.

Lernwerkstatt

Die Lernwerkstatt ist ein neuer Baustein der Gestaltung von

Lernzeiten im Ganztag der Friedrich-v.Bodelschwingh-Schulen.

Ihr Leitmotiv ist die Förderung der selbstständigen Arbeit.

In der Lernwerkstatt sind unsere Schülerinnen und Schüler

in der Klasse 5 (nach und nach auch die Schülerinnen und Schüler

der höheren Klassen) einmal in der Woche für neunzig Minuten.

Lernen in der Lernwerkstatt heißt Arbeit an Fachprojekten

der Schulfächer, die in der Jahrgangsstufe unterrichtet werden.

Die Aufgaben sind nach Schwierigkeitsstufen, nicht nach Schulfor

men differenziert. Sie gelten für die Klassen der Realschule,

des Gymnasiums und die Klasse mit Gemeinsamem Unterricht.

Darum ist die Lernwerkstatt dem Prinzip der Inklusion verpflichtet.

Da sich die Projekte über mehrere Stunden erstrecken,

kommen hier Fachideen und Methoden zum Zuge, die sich oft

nicht oder nur schwer im allgemeinen Schulalltag umsetzen

lassen. Die Projektthemen verbinden zumeist mehrere Fächer

miteinander.

Die Lernwerkstatt ist dem individualisierten Lernen verpflichtet.

So wählen die Schülerinnen und Schüler im Verlauf

des Schuljahres aus einem Pool von Projektvorschlägen die Fach -

auf gaben aus, die sie besonders interessant finden. Allerdings

kennt unsere Lernwerkstatt als Besonderheit die obligatorischen

Elemente. Bei der Auswahl der Projekte während des Schuljahres

müssen im ersten Halbjahr übende Lernanteile der Fremdsprache

Englisch berücksichtigt werden. Weiterhin muss mindestens

ein zu wählendes Projekt fachunabhängig den sozialdiako

nischen Werten unseres Schulträgers verpflichtet sein. Auch

die Lernzeit in der Lernwerkstatt ist individualisiertes Lernen,

das sich nach den Interessen und dem individuellen Lerntempo

der Lernenden entfaltet. Darum ist die Lernwerkstatt der individuellen

Förderung verpflichtet.

Die Lernwerkstatt fördert die Methoden- und Medienkompetenz

der Schülerinnen und Schüler. Einen besonderen Stellenwert

hat die Förderung der Eigenverantwortlichkeit der Lernenden

für ihren Lernerfolg. Diese Selbstkompetenz ist eine basale

Fähigkeit, die nicht nur für die gesamte Schulzeit von Bedeu tung

ist, sondern auch von weiterführenden Bildungsinstitutionen

und in der modernen Arbeits- und Berufswelt eingefordert wird.

In der Lernwerkstatt betreuen die Lehrkräfte die Lernenden

bei der Organisation ihrer Arbeit und sie stehen ihnen während

der Projektphasen beratend zur Seite. Außerdem geben sie

eine Rückmeldung zum Arbeitsprozess und zu den Arbeitsergebnissen.

Der Schwerpunktbereich ist die Entwicklung der Selbstkom

petenz. Die Einschätzungen der Lehrkräfte sind in die Erprobungsstufenkonferenzen

(Lehrkräfte) und die Rückmeldungen

6


2 GEMEINSAM LERNEN

und Entwicklung von Lernstrategien am Schülersprechtag unter

Rückgriff auf das Portfolio (Schülerschaft) eingebunden. Dokumentiert

werden die Rückmeldungen zudem bei den Zeugnissen.

Dadurch wird sichergestellt, dass die Lehrkräfte in die bestehenden

Konferenz- und Feedbackstrukturen eingebunden sind.

Der Kompetenzerwerb in der Lernwerkstatt und die Prinzipien

dieser neuen Lernzeit im Ganztag korrespondieren mit

unseren weiteren Schulstrukturelementen wie zum Beispiel dem

Förderunterricht, dem Ergänzungsunterricht und den vielfältigen

Projekt- und Praxisphasen einschließlich der Arbeitsweltpraktika

in der Realschule und der Projektkurse in der Oberstufe.

Die Lernwerkstatt verstehen wir als Teil einer spiralförmigen

Lern- und Schulkultur, die sich bis zu den jeweiligen schulformspezifischen

Abschlüssen erstreckt.

Die Lernwerkstatt startet im Schuljahr 2010/11. Die Koordination

der Umsetzung und anschließende Evaluation der Lernwerkstatt

im Schulalltag ist durch eine verantwortliche Lehrkraft

gewährleistet. Die Konzeption der Lernwerkstatt im Schulverbund

der Friedrich-v.Bodelschwingh-Schulen ist schulorganisatorisch

der Schulprogramm-AG Gebundener Ganztag zugeordnet.

Die Vernetzung der Lernwerkstatt mit den weiteren schulprogrammatischen

Profilen der Schule erfolgt über die AG Individuelle

Förderung sowie über die Steuerungsgruppe der Schulprogrammarbeit.

Ergänzungsunterricht –

Interessen geleitetes Lernen mit Freude

und ohne Druck

Die Hinwendung zu den einzelnen Schülerinnen und Schülern

durch individualisierte Lernangebote gehörte schon immer zum

Selbstverständnis unserer Schulen.

Mit der Erhöhung der Stundentafeln durch das neue

Schulgesetz in NRW (2006) bot sich uns die Möglichkeit, diesen

wichtigen Grundsatz konzeptionell noch verbindlicher zu verankern.

Der Realschule und dem Gymnasium sind nämlich bis zu

zehn Unterrichtsstunden (verteilt auf fünf Schuljahre) als sogenannte

Ergänzungsstunden zugesprochen worden.

Unsere Schulen haben sich entschieden, mehr als die Hälfte

dieser Stunden nicht einfach den Fächern zuzuschlagen

(sprich: Französisch vierstündig statt dreistündig), sondern sie im

Sinne einer individuellen Förderung als Ergänzungsunterricht

den Schülern der 6. bis 8. Klassen zugute kommen zu lassen.

Die Ziele des Ergänzungsunterrichts sind folgende:

• das selbstständige und individualisierte Lernen zu fördern

• die Verantwortung für das eigene Lernen und die gegenseitige

Unterstützung durch Schülerinnen und Schüler zu stärken

• Motivation, Interessen, Herausforderungen und eigene Ziele

des Lernens zu entwickeln

• Defizite abzubauen und Stärken auszubauen

• Lerndiagnose und Lernberatung zu verbessern

Die Konzepte des Ergänzungsunterrichts in den Jahrgangsstufen

6/7 und in der Jahrgangsstufe 8 haben jeweils unterschiedliche

Schwerpunkte, die in den folgenden Ausführungen verdeutlicht

werden.

Ergänzungsunterricht in den Jahrgangsstufen 6 und 7

In den Jahrgangsstufen 6 und 7 ist im Stundenplan durchgängig

jeweils eine Doppelstunde Ergänzungsunterricht ausgewiesen,

die für die Schülerinnen und Schüler verbindlich ist. In den Kursen,

die immer für ein Schulhalbjahr angeboten werden, beschäftigen

sich die Schülerinnen und Schüler mit Themen der

Mathematik, Germanistik, Fremdsprachen, Naturwissenschaften

oder der Lernkompetenz.

Schon die Ausschreibungstexte der Kurse lassen erkennen,

dass sich die Angebote deutlich von dem traditionellen Fachunterricht

unterscheiden.

Z.B. ist im Themenbereich Naturwissenschaften der Kurs

„Die Kerze – ein besonderes Forschungsobjekt“ ausgeschrieben.

Am Beispiel der Kerze wird dabei in kleinen fächerübergreifenden

Projekteinheiten in die naturwissenschaftlichen Denk- und

Arbeitsweisen eingeführt, ohne an dieser Stelle bereits nach der

vermeintlichen Leistungsfähigkeit der Schülerschaft zu fragen.

In dem Kurs „Der Weg zu besseren Noten und mehr Freizeit“,

ein Angebot zur Verbesserung der Lernkompetenz, werden

fächerübergreifende Lerntipps und vielfältige Übungsmöglichkeiten

zu selbstständigem und individuellem Lernen vermittelt,

die den eigenverantwortlichen Abbau von Defiziten fördern,

aber auch vorhandene Stärken deutlich werden lassen.

„Fantasy Worlds“ ist ein Angebot der Englischfachschaft,

bei dem sich die Lernenden mit eigenen und fremden Geschichten

und Filmausschnitten beschäftigen.

Das Besondere dieser Art zu lernen zeigt sich auch in der Zusammensetzung

der Kurse. Sie bestehen maximal aus 15 Schülerinnen

und Schülern einer Jahrgangsstufe, die von einer Lehrerin oder

einem Lehrer betreut werden, und werden Klassen und Schulform

übergreifend von Schülerinnen und Schülern der Realschule

und des Gymnasiums gleichermaßen genutzt. Ganz bewusst sind

diese kleinen Jahrgangsgruppen also heterogen gehalten, das

heißt, leistungsstarke Kinder und Jugendliche können auch mit

weniger starken in einer Gruppe vereint sein, wenn sie sich für

ein bestimmtes Fach und Thema interessieren. Selbstverständlich

sind die Lerngruppen auch an der Kurswahl beteiligt.

Bereits am Schülersprechtag finden erste Überlegungen

dazu anhand eines Vorbereitungsbogens statt. Dieser beinhaltet

eine „Bestandsaufnahme“ und die „Prioritätensetzung“ hinsichtlich

der Stärken und Schwächen der Schülerinnen und

Schüler. Die Lehrkräfte fungieren hier als Unterstützer und Be-

7


2 GEMEINSAM LERNEN

rater, und es werden dann gemeinsam Verabredungen zu den

Aspekten „Planung“ und „Umsetzung“ der Lern- und Förderempfehlungen

entwickelt.

Zu Beginn jedes Halbjahres werden zudem in einer Versammlung

die unterschiedlichen Kursangebote detailliert vorgestellt.

Auch die Eltern haben die Möglichkeit, mit ihren Kindern

zu Hause zu überlegen, welches die beste Wahl ist. Die Kursangebote

liegen ihnen dazu schriftlich vor.

Der Ergänzungsunterricht wird nicht benotet. Die Schülerinnen

und Schüler erhalten eine Teilnahmebestätigung auf

ihrem Zeugnis und ein Zertifikat für ihr Portfolio, in dem inhaltliche

und methodische Aspekte sowie individuelle Lernfortschritte

reflektiert und dokumentiert werden.

Ergänzungsunterricht als Projektunterricht in der

8. Jahrgangsstufe

Im Ergänzungsunterricht der 8. Jahrgangsstufe steht der pädagogische

Grundsatz „Stärken fördern“ im Vordergrund. Dadurch

erhoffen wir uns Erfolgserlebnisse für die Schülerinnen und

Schüler, die sich wiederum positiv auf ihre schulische Motivation

und Anstrengungsbereitschaft auswirken könnten, denn daran

mangelt es im Vergleich zu den unteren Klassen in dieser Altersstufe

häufig. Die Umsetzung erfolgt über Projektarbeit, die lernpsychologisch

bei einem lebensnahen Gegenstand oder einem

realistischen Sachverhalt ansetzt.

Konkret bedeutet dieses, dass die Jugendlichen in dieser

Jahrgangsstufe ein Projekt auswählen, das ihnen besonders liegt

und sich vom traditionellen Unterricht noch deutlicher abhebt

als die Themen des Ergänzungsunterrichts in der 6. und 7. Jahrgangsstufe.

In Einzel- oder Gruppenarbeit können die Achtklässler

Projekte aus folgenden Arbeits- und Lernbereichen wählen:

(kleine) Forschungsprojekte in den Naturwissenschaften,

Geschichte oder Sozialwissenschaften, Erstellen von Kunstwerken,

Textilarbeiten, praktisches und künstlerisches Arbeiten mit

Metall, Holz oder Stein, Hörbuch-, Video- und Theaterprojekte,

Erkundungen und Engagement im sozialen und diakonischen

Bereich etc.. Kolleginnen und Kollegen oder externe Fachleute

betreuen diese Projekte als Lernbegleiter.

Folgender organisatorischer Rahmen liegt dem Konzept zugrunde:

Zu Beginn des Schuljahres versammeln sich die Achtklässler zu

einem „Speed Dating“ und haben die Möglichkeit, die Vielzahl

der angebotenen Projektideen und die Projektleiter kennen zu

lernen. Mit ihnen werden dann auch eigene Projektideen besprochen

und aufgenommen.

Im Stundenplan ist ein Nachmittagsblock vorgesehen, an

dem die Jugendlichen, je nach Arbeitsvorhaben, in der Schule

oder an anderen Lernorten an dem Projekt arbeiten. Wichtig ist,

dass sie möglichst selbstständig arbeiten und ihre Arbeit sinnvoll

dokumentieren (zunächst in einem Arbeitstagebuch) und abschließend

präsentieren.

Die Präsentation findet auf dem „Markt der Möglichkeiten“

statt, einer Nachmittagsveranstaltung in lockerer Atmosphäre,

zu der auch die Eltern, die Parallelklassen und die Siebtklässler

eingeladen werden, um bei einem kleinen Imbiss die

Ergebnisse zu bestaunen und auch eine Entscheidungshilfe für

spätere Projektwahlen zu haben.

Nach Abschluss des Projekts erhalten die Schülerinnen und Schüler

eine detaillierte Rückmeldung (auch in Form eines schriftlichen

Gutachtens) durch die betreuenden Projektleiter. Auf dem

Zeugnis erhalten die Jugendlichen bewusst keine Schulnote, sondern

einen „qualitativen“ Vermerk, der ausdrückt, mit wie viel

Engagement sie sich mit ihrem Projekt auseinandergesetzt haben.

Der Ergänzungsunterricht aller Jahrgangsstufen ist in der

Regel bei den Schülerinnen und Schülern beliebt, da er die Möglichkeit

bietet, sich ohne Leistungsdruck auszuprobieren, freier

und selbstständiger arbeiten zu können und einen anderen

Zugang zu schulischem Lernen zu erfahren.

Eine kursinterne Evaluation findet am Ende eines jeden

Kurses statt, indem der persönliche Lernerfolg der Teilnehmerinnen

und Teilnehmer und ihre Einschätzung des Kurs- oder Projektangebots

reflektiert werden. Die Umsetzung und Wirkung

des Ergänzungsunterrichts wird zudem durch regelmäßige

Abbildung: Physikalisches Wissen und handwerkliches

Geschick verwandeln Blech in Impulsboote

Abbildung oben: Mit den selbstgemachten Kickern werden

gemeinsam Turniere ausgetragen

8


2 GEMEINSAM LERNEN

Dienstbesprechungen, die mit allen Kurs- und Projektleitern

durchgeführt werden, überprüft.

Am Ende dieses Schuljahres können wir auf eine dreijährige

Erfahrung mit dem Ergänzungsunterricht zurückblicken.

Deshalb ist auch eine Evaluation des Gesamtkonzeptes in Vorbereitung

und wird im kommenden Schuljahr stattfinden.

Diakonisches Lernen und

Handeln

An unseren Schulen gibt es verschiedene Projekte und Praktika,

in denen individuelles Lernen und Handeln in diakonischer Perspektive

gefördert wird. Diese Projekte sind in verschiedenen

Phasen der Schullaufbahn eingebettet und finden in unterschiedlichen

Arbeitsfeldern statt. Aus diesen sich aufeinander

beziehenden Modulen ergibt sich ein Gesamtkonzept individuellen

diakonischen Lernens, welches verbindlicher Bestandteil

der Schullaufbahnen der Schülerinnen und Schüler der Realschule

und des Gymnasiums sowie des Gemeinsamen Unterrichts ist.

Im Einzelnen gliedert sich dieses Gesamtkonzept in folgende

Projekte, die jeweils im schulischen Kontext vorbereitet, begleitet

und evaluiert werden:

Jahrgangsstufe 5: Nachdem die Schülerinnen und Schüler sich

in ihrer neuen Schulumgebung eingelebt haben, findet zu Beginn

des zweiten Halbjahres eine „Bethelerkundung“ statt.

Selbstständig und eigenverantwortlich erkunden die Schülerinnen

und Schüler den Stadtteil Bethel mit seinen vielfältigen

Einrichtungen und Angeboten. In der gemeinsamen Präsentation

gewinnen die Schülerinnen und Schüler einen ersten Eindruck

der Heterogenität des Stadtteils. Sie lernen verschiedene

Wohnformen, Arbeitsmöglichkeiten, Schul- und Freizeitangebote,

Krankenhäuser, Beratungsangebote für Menschen mit Einschränkungen

kennen. Dabei wird deutlich, dass der eigene

Schulstandort in einem Ortsteil eingebunden ist, der durch den

Gedanken der Inklusion getragen wird.

Jahrgangsstufe 7: An einem Projekttag unter der Überschrift

„menschlich.bethel – Leben mit einer Behinderung“ kommen

die Jugendlichen ins Gespräch mit Menschen, die auf Grund

ihrer Einschränkung in Bethel leben und/oder arbeiten. Nach

einer Vorbereitungszeit haben die Schülerinnen und Schüler die

Möglichkeit, mit diesen Experten über ihre Fragen und Vorstellungen

zum Leben mit einer Behinderung ins Gespräch zu kommen.

Jahrgangsstufe 9: Während die Realschülerinnen und Realschüler

in dieser Jahrgangsstufe ein dreiwöchiges Berufspraktikum

absolvieren, hospitieren die Gymnasialschülerinnen und

-schüler an drei Tagen in den verschiedenen Werkstätten

Bethels. Entsprechend ihrer individuellen Interessen und Fähigkeiten

arbeiten die Jugendlichen in den verschiedenen Produktionsabläufen

der technisch-handwerklichen Betriebe oder im

Dienstleistungssektor mit. Dabei lernen sie die Fähigkeiten und

Stärken der Menschen mit Behinderungen kennen und kommen

mit ihnen in einen intensiven Kontakt. An einem Auswertungstag

haben die Schülerinnen und Schüler die Möglichkeit, ihre

Erfahrungen zu reflektieren.

Einführungsphase der Oberstufe: In diesem Schuljahr verlassen

die Oberstufenschülerinnen und -schüler für drei Wochen

den Schulalltag, um in einer sozialen Einrichtung zu arbeiten.

Nach ihren persönlichen Kompetenzen und Interessen suchen

sich die Schülerinnen und Schüler einen Praktikumsplatz, an

dem sie eigenverantwortlich im sozialen Bereich tätig werden.

In den verschiedenen Praxisfeldern werden die Schülerinnen

und Schüler mit einer für sie zumeist fremden Lebenssituation

konfrontiert. In dieser Herausforderung stärken die Schülerinnen

und Schüler ihre individuellen Fähigkeiten im Umgang mit

Menschen. Dabei lernen sie einerseits die Notwendigkeit und

andererseits die Grenzen diakonischen Handelns zu erkennen.

1. Jahr Qualifikationsphase: In der Qualifikationsphase wird

parallel zum Zusatzkurs Sozialwissenschaft ein Grundkurs Diakonie

angeboten. Dieser führt die bisher gewonnenen Erfahrungen und

Erkenntnisse aus dem diakonischen Bereich weiter. Der besondere

Standort Bethel ermöglicht in diesem Kurs vielfältige Kooperationsmöglichkeiten

mit den Einrichtungen und Bildungs- angeboten

der v.Bodelschwinghschen Stiftungen. Dabei soll die gegenseitige

Beziehung zwischen sozialer Verantwortung und persönlichen

Interessen weiterentwickelt werden, so dass dieses Lernangebot

zusätzlich einen Beitrag zur Berufsorientierung leistet.

Lions-Quest

„Erwachsen werden“

Lernen in Würde kann nur realisiert werden, wenn sich die Schülerinnen

und Schüler mit Respekt, gegenseitiger Achtung, Toleranz

und Verantwortungsbereitschaft begegnen. Da nicht jede

Schülerin/jeder Schüler die Voraussetzungen dazu mitbringt,

Abbildung: Gemeinsam sind wir stark

9


2 GEMEINSAM LERNEN

müssen sie Gelegenheit haben, sich in diesen Tugenden zu üben.

Dafür haben wir das Lions-Quest-Programm an unseren Schulen

institutionalisiert.

Lions-Quest „Erwachsen werden“ ist ein Jugendförderprogramm

für 10- bis 15-jährige Mädchen und Jungen. Es wird vorrangig

im Unterricht der Sekundarstufe I vermittelt. Damit Lehrkräfte

das Programm professionell in der Klasse umsetzen können,

werden sie von speziell ausgebildeten Trainerinnen und

Trainern in verschiedenen Seminaren praxisorientiert geschult,

begleitet und fortgebildet. Organisiert und betreut wird das

Programm vom Hilfswerk der Deutschen Lions e. V. (HDL).

Das Programm wird von den Autoren folgendermaßen

beschrieben: “Im Mittelpunkt des Unterrichts mit „Erwachsen

werden“ steht die planvolle Förderung der sozialen Kompetenzen

von Schülerinnen und Schülern. Diese werden nachhaltig

dabei unterstützt, ihr Selbstvertrauen und ihre kommunikativen

Fähigkeiten zu stärken, Kontakte und positive Beziehungen

aufzubauen und zu pflegen, Konflikt- und Risikosituationen in

ihrem Alltag angemessen zu begegnen und konstruktive Lösungen

für Probleme, die gerade die Pubertät gehäuft mit sich

bringt, zu finden. Gleichzeitig möchte der Unterricht mit diesem

Programm jungen Menschen Orientierung beim Aufbau eines

eigenen, sozial eingebundenen Wertesystems anbieten. Damit

ordnet sich das Konzept von Lions-Quest „Erwachsen werden“

in den Ansatz der Life-Skills-Erziehung (Lebenskompetenz-Erziehung)

ein, dem von der aktuellen Forschung die größten Erfolgsaussichten

bei der Prävention (selbst-) zerstörerischer Verhaltensweisen

(Sucht- und Drogenabhängigkeit, Gewaltbereitschaft,

Suizidgefährdung) zugesprochen werden. Die Eltern

werden in vielfältiger Weise in die Arbeit ihrer Kinder mit dem

Programm aktiv einbezogen“ (aus http://www.lions-quest.de/

lions-quest-im-ueberblick/was-ist-lions-quest.html).

Das Programm wurde im Schuljahr 2002/2003 an den Fr.-v.

Bodelschwingh-Schulen Bethel eingeführt und ist seitdem fester

Bestandteil der pädagogischen Arbeit. Die Umsetzung erfolgt

schwerpunktmäßig in den Jahrgängen 5-7 und ist in den Schuljahresplan

integriert. In regelmäßig stattfindenden 90-Minuten-

Blöcken erhalten die Schülerinnen und Schüler Gelegenheit, sich

z.B. im Rahmen der Themenblöcke „Meine Klasse“, „Mit Gefühlen

umgehen“ oder „Ich weiß, was ich will“ intensiv mit eigenen

Wahrnehmungen, Gefühlen und Einstellungen sowie mit denen

Anderer auseinanderzusetzen. Angeleitet und unterstützt werden

sie dabei von einem Lehrerteam, bestehend aus einer/einem

geschulten Lions-Quest Lehrerin oder Lehrer und einer weiteren

in ihrer Klasse eingesetzten Lehrkraft. Diese Doppelbesetzung

(soweit möglich bestehend aus einer männlichen und einer

weiblichen Person) ermöglicht unter anderem die Auflösung des

Klassenverbandes in geschlechtshomogene Gruppen, die für

einzelne Themenbereiche, vor allem in der von Veränderungen

geprägten Zeit der Pubertät, sinnvoll erscheint.

Die Schülerinnen und Schüler dokumentieren die Ergebnisse

der Quest-Einheiten in einer dafür vorgesehenen Mappe, so

dass bei Bedarf darauf zurückgegriffen werden kann. Zudem

werden die durchgeführten Themen gesondert im Klassenbuch

und in einem pro Klasse angelegten jahrgangsübergreifenden

Ordner festgehalten, auf den alle Kolleginnen und Kollegen

Zugriff haben.

Die Umsetzung und Wirkung des Konzepts wird in regelmäßig

stattfindenden Dienstbesprechungen der Lions-Quest

Lehrerinnen und Lehrer evaluiert und diskutiert. Hier, sowie in

einer unter Schülerinnen und Schülern durchgeführten Befragung

zeigt sich, dass das Programm sehr positiv bewertet und

als bedeutender Bestandteil der pädagogischen Arbeit geschätzt

wird. Für die Zukunft sind weitere Evaluationen sowie die Erweiterung

des Konzeptes für die Jahrgänge 8-9 geplant.

Abbildung: Lions-Quest: Vertrauen schaffen

10


3 BERATEN

Schülersprechtag

Auf dem halbjahrlich stattfindenden Schü lersprechtag werden

verbindliche Vereinbarungen in Absprache mit der Klassenlehrerin/dem

Klassenlehrer zur Verbesserung der eigenen Fähigkeiten

und Fertigkeiten getroffen. Zudem gibt es Hinweise für Förderund

Fordermaßnahmen. Am Ende des Gesprächs wird die Erfolgsbilanz

meiner Fähigkeiten und Fertigkeiten (siehe auch

Kapitel 4 – Schülerportfolio) von beiden Seiten unterschrieben,

wodurch sich sowohl die Schülerinnen und Schüler als auch die

Klassenlehrerinnen und Klassenlehrer dazu verpflichten, zum

Erreichen der vereinbarten Ziele beizutragen. Entscheidend für

die schrittweise Verbesserung der Fähigkeiten und Kompetenzen

der Schülerinnen und Schüler ist jedoch, dass sie selbstständig

die Verantwortung fü r ihren Werdegang und ihr Lernen in

die Hand nehmen und gründlich und sorgfältig mit dem Portfolio

arbeiten. Dazu können sie jederzeit auf die Hilfe und

Unterstü tzung ihrer Lehrerinnen und Lehrer und ihrer Schule

zählen. Auf diese Weise legen sie den Grundstein für ihren

schulischen und späteren beruflichen Erfolg.

Individuelle Lernberatung

Seit 2004 besteht an unseren Schulen für alle Schülerinnen und

Schüler das Angebot der individuellen Lernberatung. Das heißt

konkret, dass es die Möglichkeit gibt, unterstützt durch Einzelgespräche

mit einer geschulten Beratungslehrerin, gezielt an

dem persönlichen Lern- und Leistungsverhalten zu arbeiten.

Beratungsanlässe ergeben sich überwiegend bei folgenden

Problemlagen:

• akute Leistungsprobleme, Leistungsdruck sowie

tendenzieller Leistungsabfall

• Leistungs- und Prüfungsängste

• ständiges Unwohlsein und unspezifische

Krankheitssymptome ausschließlich während der Schulzeit

• mangelnde Schulmotivation

• mangelnde Arbeitshaltung und unzulängliche

Aufgabenbewältigung in der Schule und bei Hausaufgaben

• Konzentrationsschwäche

• zu geringe Unterrichtsbeteiligung und mündliche Mitarbeit

• Unterrichtsstörungen

• AD(H)S-Problematik

• unstrukturierte Lebensführung

• Konflikte zwischen den am Schulleben beteiligten Personen

• Mobbing unter Schülerinnen und Schülern

In der Regel erhalten die Schülerinnen und Schüler den Anstoß

für eine Lernberatung durch ihre Lehrerinnen und Lehrer oder

durch ihre Eltern. Diese informieren zudem in Vorgesprächen

die Beratungslehrerin über wichtige Hintergründe des Beratungsanlasses.

Die Teilnahme am Beratungsgespräch ist freiwillig,

also nur mit Zustimmung der Betroffenen möglich, und wird

vertraulich behandelt. Die einzelnen Beratungsgespräche finden

in der Regel zwischen den Schülerinnen und Schülern und der

Beratungslehrerin statt. Punktuell können das Lehrerkollegium

oder die Eltern in Gespräche mit einbezogen werden.

Bei dem ausführlichen Erstgespräch werden sowohl eine

differenzierte Analyse der Problemlage aus Sicht der Betroffenen

erstellt als auch Vorlieben und Stärken herausgefiltert.

Dabei soll deutlich werden, dass wir nicht nur Defizitfahndung

betreiben, sondern uns auch auf Schatzsuche begeben, um

mit den Stärken an den Schwächen zu arbeiten.

Insgesamt findet der Beratungsprozess in einer empathischen,

wertschätzenden Atmosphäre statt, in der die Betroffenen

lernen, durch eine vertiefende Auseinandersetzung mit

ihrem Problem Einstellungen und Verhaltensweisen wahrzunehmen

und zu überdenken. Mit Hilfe von gezielten Lernhilfen und

realistischen Zielvereinbarungen entwickeln sie Motivation,

Eigenverantwortung und Lerntechniken zur Veränderung ihrer

Problemlage.

Ein mangelndes intellektuelles Potential ist sehr selten

Hintergrund der Lernprobleme. Die Lernberatung erstreckt sich

Abbildung oben: Schülersprechtag Erfolgsbilanz

11


3 BERATEN

normalerweise über mehrere Gesprächstermine. Sie wird im

zweiten Schulhalbjahr vermehrt in Anspruch genommen, sehr

häufig mit Erfolg.

Psychosoziale Beratung

In einem Kooperationsprojekt zwischen der „Beratungsstelle für

Kinder, Jugendliche und Eltern“ in Bethel und der Schule kommen

geschulte Beraterinnen zu wöchentlichen Sprechstunden in

unsere Schulen (Sekundarstufe I und II). Dadurch kann bei aktuellen

Problemen schnell und unbürokratisch geholfen werden.

Für längere Beratungsprozesse werden zudem Wege und Möglichkeiten

aufgezeigt oder direkt Kontakte zu anderen Beratungsstellen

hergestellt. Das Angebot richtet sich an Schülerinnen

und Schüler aller Schulformen.

Suchtprophylaxe

Für die Suchtprophylaxe gibt es an unseren Schulen eine Kollegin,

die Ansprechpartnerin für die Kinder und Jugendlichen,

aber auch deren Eltern und für das Kollegium ist. Da wir einen

ganzheitlichen Ansatz vertreten, erstreckt sich ihr Aufgabenbereich

von der Drogen- und Suchtprävention über Einzelgespräche

mit Betroffenen bis hin zur Koordination von zahlreichen

Programmen und Projekten zu unterschiedlichen Themenbereichen

der Gesundheitsförderung und Persönlichkeitsstärkung.

Diese werden möglichst nicht isoliert vom Schulalltag angeboten,

sondern in den Gesamtzusammenhang unseres Schullebens

eingebettet.

Folgende Projekte stehen bei uns z.B. im Zusammenhang mit

Suchtprophylaxe:

• die sexualpädagogischen Projekte

der 6. und 9. Klassen

• das Theaterprojekt „Natürlich bin ich stark“

für die 7. Klassen

• das Anti-Mobbing-Theaterprojekt „Du stinkst“

für die 6. und 7. Klassen

• das unterrichtsbegleitende Projekt „Bauchgefühl – keine Lust

auf Körperkult und Schlankheitswahn“ für alle Altersstufen

• das Lions Quest-Programm (beschrieben im Kapitel

„Gemeinsam lernen“)

Darüber hinaus wird sichergestellt, dass Suchtprophylaxe kontinuierlich

im Curriculum verschiedener Fächer verankert ist, da

sich das Thema durch die ganze Schulzeit ziehen muss.

Studien- und Berufsorientierung

Das Förderkonzept der Studien- und Berufswahlorientierung an

unseren Schulen zielt ab auf Konkretisierung unserer Wertüberzeugung

im Feld von Ausbildung und Studium. Es strebt nach

individueller Orientierung.

1. Die Angebote der Studien- und Berufsorientierung sind

subjektorientiert und gleichwertig.

Die Angebote der Studien- und Berufsorientierung orientieren

sich an dem abhängig von seinem Lebens- und Entwicklungsalter

selbstverantwortlichen jungen Menschen (Subjektorientierung).

Die Angebote sind gleichwertige Angebote für sehr verschiedene

junge Menschen, mit unterschiedlichen Bedürfnissen,

Interessen und Fähigkeiten. Auf die unreflektierte Übernahme

verzichtbarer gesellschaftlicher Voraussetzungen bei der Berufsund

Studienwahl soll zugunsten der Subjektorientierung verzichtet

werden (z.B. Genderneutralität).

So sind die Ziele Ausbildung oder weiterer Schulbesuch

(Studium) gleichrangig. Es gibt keinen Königsweg, auch wenn

das in der Gesellschaft oftmals anders gesehen wird und zum

Beispiel unsere Realschüler Selbstbewusstsein benötigen, um ihr

Ziel Ausbildung offensiv gegenüber den gymnasial orientierten

Mitschülern oder den in der Nebenklasse unterrichteten Gymnasiasten

unserer Verbundschule zu vertreten.

Hierzu gehört auch das Ziel einer realistischen Einschätzung

der eigenen Fähigkeiten, der eigenen Eignung.

2. Die Studien- und Berufsorientierung ist lernfähig.

Die Konzeptstruktur ist ausgerichtet an der Offenheit für neue

Erkenntnisse, Anforderungen und Entwicklungen. Sorgen, Ängste,

Ressourcen, Wünsche und Hoffnungen der Schülerinnen

und Schüler bestimmen ebenso die Ausgestaltung und regen die

Weiterentwicklung unserer Angebote an. Studien- und Berufsorientierung

verstehen sich als lebendige Begleitung junger

Menschen in einer rapide sich verändernden Umwelt.

Die Weiterentwicklung wird mithin nicht erst als Anpassungsinstrument

zur Krisenbewältigung aktiviert. Sie ist vielmehr

auf Dauer gestellt und damit auch Ausdruck unserer Überzeugung,

dass es kein fixierbares Rezeptwissen gibt und nur alle

Beteiligten gemeinsam das Ziel erreichen können.

So hatte die Mehrheit der Schülerinnen und Schüler der

Sekundarstufe I im Rahmen einer Evaluation der Zufriedenheit

mit dem Instrument des Berufswahlpasses festgestellt, dass sie

zwar die Zielsetzung des Passes gut fänden, dass aber zu selten

in der Schule mit dem Pass gearbeitet werde. Die Schule reagiert

auf dieses Ergebnis der Evaluation mit der Einführung einer von

dem Koordinator für Fragen der Studien- und Berufsorientierung

durchgeführten so genannten StuBO-Stunde, in der die

Beschäftigung mit dem Pass einen Schwerpunkt bilden wird.

12


3 BERATEN

Zugleich hatten Schülerinnen und Schüler der Oberstufe die

Veranstaltungen der Akademischen Berufsberatung als zu allgemein

beurteilt und ein verstärktes Eingehen auf individuelle

Wünsche erbeten. Die Schule reagiert mit einer niedrigschwelligen,

da in der Schule stattfindenden, persönlichen Kurzberatung

unter vier Augen für den 12. Jahrgang, die zwischen dem

allgemeinen Informationsangebot und der in der Arbeitsagentur

stattfindenden Beratung ergänzend vermittelt.

3. Die Studien- und Berufsorientierung informiert und

orientiert.

Die Individualisierungsschübe der letzten Jahrzehnte führen

zum Teil zu großer Verunsicherung bei jungen Menschen. Unser

Anliegen ist es, sowohl Phänomenen der Überforderung als

auch des rigiden Sich-Festlegens, der Auslieferung an den Zufall

oder der Gestaltung eines „Endlos-Moratoriums“ orientierend

und informierend zu begegnen.

Studien- und Berufsorientierung erfüllt auch den Zweck

der Persönlichkeits- und der Allgemeinbildung (über den Einblick

z.B. in soziale Berufe im Rahmen des Sozialpraktikums der

11. Jahrgangsstufe). Wir lehnen eine Studien- und Berufsorientierung

ab, die die Arbeitsmarktorientierung in den Vordergrund

stellt.

Informations- und Orientierungsveranstaltungen am schulischen

Lernort (z.B. ein zweitägiges Kompetenzfeststellungsverfahren

in der 9. Klasse der Realschule, ein dreitägiges Orientierungsprogramm

der Gildenhaus GmbH für die Schülerinnen und

Schüler der 11. Jahrgangstufe oder das sehr realistische Bewerbungstraining

mit unserem Kooperationspartner aus der Wirtschaft)

und außerhalb der Schule (z.B. verschiedene Praktika,

Besuche des Berufsinformationszentrums BIZ, des Handwerksbildungszentrums,

von FH oder Uni) finden differenziert nach

Berufsfeldern, Studienrichtungen und sonstigen Anlässen (etwa

Informationen zum Betheljahr oder dem Programm „Weltwärts“,

bei dem Jugendliche in Südamerika oder Asien einen

einjährigen Freiwilligendienst ableisten) statt.

Weitere Informationsangebote bieten die Berufsberaterin

in ihrer Sprechstunde für die Sekundarstufe I und die Sprechstunde

des StuBO in der Sekundarstufe II, ergänzt durch das

StuBO-Tagebuch (vgl. http://stubotagebuch.blogspot.com/).

Abbildung oben: Beispiel für ein Zertifikat:

Studien- und Berufsorientierung

13


4 LERNEN BEGLEITEN

Verlässliche Schule – S’Cool

Überzeugt von der Idee „Lernen im Ganztag“ und aus der Überlegung,

dass für Kinder berufstätiger Eltern eine zuverlässige

Betreuung auch am Nachmittag gewährleistet sein muss, ist die

Verlässliche Schule entstanden.

Sie wurde im Jahr 2003 als offenes Ganztagsangebot eröffnet

und wird seit Beginn in jedem Schuljahr von rund 100

Kindern zumeist der 5. und 6. Klassen besucht.

Da die Verlässliche Schule zu einem großen Anteil vom

Schulträger finanziert werden muss – die staatlichen Fördergelder

für offene Ganztagsschulen wurden überwiegend an staatliche

Gesamt-, Grund- und Hauptschulen vergeben –, müssen

die Eltern einen finanziellen Beitrag leisten. Die Öffnungszeiten

sind täglich von 12.00 bis 16.30 Uhr. In der angrenzenden Mensa

wird jeden Tag ein Mittagessen für die gesamte Schulgemeinde

angeboten.

Das Aufgabenfeld der Verlässlichen Schule, die eigene

Räumlichkeiten zur Verfügung hat, umfasst die Aufsicht und

Begleitung der Kinder, die Hausaufgabenbetreuung und freizeitpädagogische

Angebote. Neben einer Sozialpädagogin und

einem Erzieher als hauptamtliche Mitarbeiter werden die Kinder

von angehenden Erzieherinnen und Erziehern unseres Berufskollegs

begleitet, die dort Praxiserfahrungen sammeln und dabei

ein kleines Honorar verdienen können. Lernpaten aus den

9. und 10. Klassen unserer Schulen unterstützen sie zusätzlich.

Die Freizeitangebote der Verlässlichen Schule werden

durch Bildungsangebote unserer Kindervolkshochschule S’Cool

ergänzt. Die S’Cool-Angebote können von allen Schülerinnen

und Schülern der Sekundarstufe I genutzt werden. Für die Kinder

der Verlässlichen Schule sind sie kostenfrei, von den anderen

wird ein kleiner Beitrag erhoben.

S’Cool bietet im halbjährlichen Turnus z.B. Kurse zu Fremdsprachen

(Chinesisch, Italienisch), zu ungewöhnlichen Sportarten

(Crossgolf, American Football, Baseball) oder zu Berufen (Tierarzt,

Tierpfleger, Goldschmied, Modellbauer) an. Auch lebenspraktische

Angebote wie z.B. 10 Finger-Schreibtraining, Konzentrations-

und Gedächtnistraining, Rhetoriktraining oder Antiaggressionstraining

findet man bei S’Cool. Die Kurse werden

überwiegend von außerschulischen Honorarkräften geleitet.

Die Rückmeldungen zu unseren Ganztagsangeboten sind

durchweg positiv und bestärken viele Eltern darin, ihre Kinder

an den Friedrich-v.Bodelschwingh-Schulen anzumelden.

Mit der Einführung des Gebundenen Ganztags zu Beginn

des Schuljahrs 2010/2011 werden wir die Konzeptionen dieser

beiden Ganztagsangebote an die Neuerungen angleichen.

Lernpaten

Seit Beginn unserer Nachmittagsbetreuung, der Verlässlichen

Schule (VS), haben wir immer auch eine Möglichkeit zum begleiteten

Hausaufgabenanfertigen angeboten. An jedem Wochentag

stehen den in der VS angemeldeten Schülerinnen und Schülern

– je nach Bedarf – 2 bis 4 Lernpaten aus der Klasse 9 (und

manchmal auch 10) zur Verfügung, die sie unterstützen,

falls Probleme und Fragen bei den Hausaufgaben auftauchen.

Die älteren Schülerinnen und Schüler – genannt „Lernpaten“

– werden von ihren Fachlehrerinnen und Fachlehrern

Ende des achten Jahrgangs vorgeschlagen auf Grund ihrer

Leistungen, aber insbesondere wegen ihrer Verlässlichkeit und

pädagogischen/menschlichen Eignung. Dieses Konzept hat sich

bewährt, da die Schülerinnen und Schüler es zu Recht als Ehre

auffassen, ausgewählt zu werden. Eine weitere Motivation,

sich bis zu einem Jahr lang jede Woche für andere eine Stunde

einzusetzen, ist wohl auch die Urkunde, die sie dafür für ihr

Portfolio erhalten, vielleicht auch, dass ihnen für diesen Tag das

Schulmittagessen spendiert wird.

Die Kinder, die in der VS bei den Hausaufgaben betreut

werden, kommen aus allen unseren Schulformen – Gymnasium,

Realschule, Gemeinsamer Unterricht – und werden inklusiv betreut

(momentan sind es zwei Kinder), es sei denn, sie haben

eine solche Behinderung, dass ein/e Integrationshelfer/in dabei

sein muss (momentan ist das ein Mädchen). Dann bemühen wir

uns um integrative Begleitung.

Die Kinder und ihre Eltern können wählen, ob sie die

Hausaufgaben komplett in der VS anfertigen, ob sie sie nur zum

Teil dort und den Rest zu Hause machen oder ob sie nur an den

anderen Angeboten der VS teilnehmen und die Hausaufgaben

ganz zu Hause machen. Zudem können sie auch selbst entscheiden,

ob sie Lernpatenbegleitung wünschen oder nicht. Dies wird

von den Eltern schriftlich für jedes halbe Jahr festgelegt. Sollte

diese Regelung einmal für die Familie nicht passen, genügt ein

Anruf und das Kind kann in der Woche einmal z.B. an einem

Kindergeburtstag teilnehmen. So versuchen wir individuellen

Bedürfnissen gerecht zu werden.

Die Lernpaten haben die Aufgabe, in dem Raum, in dem

sie für die Kinder zuständig sind, für eine freundliche Arbeitsatmosphäre

zu sorgen, Fragen leise zu beantworten, Kinder zum

konzentrierten Arbeiten zu ermuntern und – wenn die Kinder

fertig sind – zu überprüfen, ob alles für den Tag Geplante auch

ordentlich fertig gestellt ist. Sollte einmal die Zeit nicht gereicht

haben, schreiben sie für den Fachlehrer eine Notiz in das Hausaufgabenheft,

dass entweder etwas noch unklar ist oder es zu

viele Hausaufgaben waren. Die Lernpaten sind nicht verpflichtet,

alles auf Richtigkeit zu prüfen, das geschieht bei der Besprechung

der Hausaufgaben im Unterricht. Darüber hinaus hören

sie gelegentlich Vokabeln ab oder Gedichte und ähnliches.

Bei Konflikten der Kinder untereinander schlichten sie; ist das

14


4 LERNEN BEGLEITEN

einmal zu schwierig, können sie sich Hilfe bei den angehenden

Erziehern und der Leitung der VS holen. Dies war bislang aber

nur in Ausnahmefällen nötig.

Wenn die Zeit für die Hausaufgabenbegleitung vorüber

ist, besteht für die Kinder noch die Möglichkeit, angefangene

Aufgaben in Begleitung der Erzieher zu beenden.

Dieses Angebot der VS wird seit Beginn von einer Lehrkraft

begleitet und wird gut angenommen.

Schüler-helfen-Schülern

Seit dem Frühjahr 2008 ist das Programm „Schüler-helfen-

Schülern“ fester Bestandteil unseres Förderkonzepts. Das Modell

findet im halbjährigen Turnus statt und sieht vor, dass geeignete

Tutoren der Klassen 10 bis 13 in enger Absprache mit

den betreffenden Fachlehrerinnen und Fachlehrern zwei bis

drei Schülerinnen und Schüler der Klassen 5 bis 9 für zehn

Zeitstunden pro Halbjahr in den Fächern Deutsch, Mathe, Englisch,

Französisch und Latein fördern. Die Finanzierung des

Programms wird durch die Schule getragen, so dass für die teilnehmenden

Schülerinnen und Schüler bzw. deren Eltern i.d.R.

keine Kosten anfallen.

vom Schulgesetz NRW gefordert werden (§2 Abs. 8 SchulG). Zugleich

stellen die Tutorenprogramme für die Tutoren eine Herausforderung

dar, an der sie in ihrer Eigenverantwortlichkeit,

ihrer fachlichen, aber auch sozialen Kompetenz wachsen können

(vgl. hierzu §2 Abs. 11 SchulG). Nicht zuletzt gelingt es auch, mit

der Verortung des kostenlosen Programms im Raum der Schule

zur Demokratisierung der individuellen Förderung beizutragen,

die klassisch eher dem Bildungsbürgertum vorbehalten ist.

Aus diesen und anderen Gründen ist 2007/2008 das Förderkonzept

Schüler-helfen-Schülern an unserer Schule entwickelt

worden. An der Entwicklung des Konzepts waren vier Kollegen

unserer Schule beteiligt. Die Begleitung und Weiterentwicklung

des Konzepts wird durch einen Koordinator sichergestellt.

Auswahl der zu fördernden Schülerinnen und Schüler:

Der erste Schritt in der Auswahl der Schülerinnen und Schüler

mit Förderbedarf findet im Rahmen der Klassenteamsitzungen

oder Zeugniskonferenzen statt. Hier verständigen sich Klassenleitung

und Fachlehrerinnen und -lehrer über den Förderbedarf

und sprechen ggf. eine Förderempfehlung für das Förderprogramm

Schüler-helfen-Schülern aus. Bei der Auswahl der Schülerinnen

und Schüler wird nicht nur auf den tatsächlichen Förderbedarf

geachtet, sondern ebenso auf den sozio-ökonomischen

Hintergrund sowie die Leistbarkeit durch die Tutoren. Auf

diese Weise ist es möglich bei hoher Nachfrage in bestimmten

Fächern eine sozialverträgliche Auswahl der zu fördernden

Schülerinnen und Schüler zu treffen oder aber bestimmte Schülerinnen

und Schüler, deren Leistungsdefizite zu groß sind, im

Rahmen der Lern- und Laufbahnberatung anders zu fördern bzw.

zu beraten.

Als Rahmen, der sich auf der Basis der zur Verfügung stehenden

Tutoren und finanziellen Ressourcen ergibt, ist vorgesehen,

dass i.d.R. nicht mehr als zwei Fördergruppen á drei Schülerinnen

und Schüler pro Klasse gebildet werden.

Die Förderempfehlung wird den Schülerinnen und Schülern

und Eltern mitgeteilt, die sich dann für oder gegen eine

Teilnahme aussprechen können. Für den Fall, dass sich Schülerinnen

und Schüler oder Eltern gegen die Teilnahme entscheiden,

können ggf. andere Schülerinnen und Schüler nachrücken.

Schülertutorenprogramme wie Schüler-helfen-Schülern haben

zurzeit ihren festen Platz im Bereich der individuellen Förderung.

Diese Tatsache ist unter anderem darin begründet, dass

mit den Tutorenprogrammen zum einen eine individuelle Förderung

lernschwacher Schülerinnen und Schüler bzw. von Schülerinnen

und Schülern mit verzögertem Lerntempo ermöglicht

wird. Somit entsprechen diese Programme den vorbeugenden

Maßnahmen gegen drohendes Leistungsversagen, wie sie z.B.

Auswahl, Betreuung und Schulung der Tutoren:

Um den Charakter „von Schülern für Schüler“ zu bekräftigen,

informieren Mitglieder der Schülervertretung einschließlich des

SV-Lehrers die Schülerinnen und Schüler der Klassen 10-13 über

das Tutorenprogramm. Diese können sich dann – unter Nennung

von Förderfächern und ihrer derzeitigen Fachlehrerinnen

und -lehrer – in Bewerbungslisten eintragen. Diese Listen werden

dem Lehrerkollegium zur Prüfung vorgelegt, so dass fachlich

und menschlich geeignete Tutoren ausgewählt werden

können. Diese empfohlenen Tutoren werden dann den entsprechenden

Schülergruppen zugeordnet. Bevor das Förder-

Abbildung: Schüler-helfen-Schülern

15


4 LERNEN BEGLEITEN

programm startet, findet ein zentrales Treffen zwischen Tutoren

und Fachlehrerinnen und -lehrern statt. Hier können Informationen

und Materialien ausgetauscht werden. Zudem findet im

Vorfeld eine Tutorenschulung statt, wo die Tutoren Fragen klären

können und Tipps zur Planung und Durchführung der Förderstunden

bekommen. Inhaltlich geht es in der Schulung u.a.

um Fragen nach dem Rollenverständnis, zur Motivation/Motivierung,

zur Kommunikation und zum Umgang mit Ängsten

seitens der Schülerinnen und Schüler. Wichtig ist natürlich, dass

die Tutoren regelmäßig in Kontakt mit den Fachlehrerinnen und

-lehrern stehen und sich auch an weitere Ansprechpartner wenden

können.

Finanzierung und Zertifizierung:

Die Teilnahme am Förderprogramm ist kostenlos und wird von

der Schule getragen. Die Tutoren erhalten ein Entgelt von 7,- €

pro Stunde und ein Zertifikat über ihre Tätigkeit.

Akzeptanz, Dokumentation und Auswertung:

Das Förderprogramm findet sehr gute Resonanz in der Elternschaft

(sowohl bei Eltern unserer Schülerinnen und Schüler als

auch denen neu aufzunehmender Schülerinnen und Schüler)

wie auch bei Schülerinnen und Schülern und Tutoren.

Die Tutoren dokumentieren fortwährend ihre Tätigkeit

und werden auch nur auf der Basis dieser Dokumentationen

bezahlt und zertifiziert. Nach Abschluss eines Durchgangs wird

das Förderprogramm durch Fachlehrerinnen und -lehrer, Schülerinnen

und Schüler und in regelmäßigen Abständen auch durch

Tutoren bewertet. Mit Hilfe entsprechender Auswertungsbögen

ist es möglich, das Förderprogramm weiterhin zu optimieren.

Zurzeit wird überlegt, die Evaluation des Förderprogramms mit

dem Schülersprechtag/der Portfolioarbeit zu vernetzen.

Abbildung: Schüler-helfen-Schülern

LRS-Förderkurs

Im Sinne der WHO-Definition (1991) ist das Hauptmerkmal einer

Lese-Rechtschreibschwäche (LRS) eine deutlich beeinträchtigte

Entwicklung der Lese- und Rechtschreibfertigkeiten, die sich

nicht durch eine geistige Behinderung, unzureichenden Unterricht,

Hör- oder Sehstörungen oder neurologische Erkrankungen

erklären lässt. Die Ursachen für Lese-Rechtschreibstörungen sind

vielfältig und meist stehen sie in Wechselwirkung mit anderen

ungünstigen Bedingungen.

In der Regel sollten größere Probleme beim Lese- und

Rechtschreiberwerb bereits in der Grundschule erkannt werden

und eine gezielte Förderung so früh wie möglich einsetzen. Aus

unterschiedlichen Gründen erfolgt dies jedoch oft nicht. Da es

sich bei der LRS um eine Teilleistungsstörung handelt, gehen

trotzdem viele Kinder mit Schwächen in diesem Bereich auf die

Realschule oder das Gymnasium.

Zu Beginn der 5. Klasse fällt den Deutschlehrerinnen und

-lehrern meist schnell auf, welche Kinder eine besondere Unterstützung

beim Lesen/bei der Rechtschreibung brauchen. Da

eine Förderung schnellstmöglich einsetzen sollte, werden die

entsprechenden Kinder nach Rücksprache mit den Eltern für

eine Teilnahme an der Hamburger Schreib-Probe (HSP) vorgeschlagen.

Die HSP ist so konzipiert, dass mit vergleichsweise geringem

Aufwand umfassende Informationen über die individuellen

Lernstände der Schülerinnen und Schüler gewonnen werden.

Durch ihre weitreichende Differenzierung im unteren Leistungsbereich

ist die HSP zur Bestimmung der Förderbedürftigkeit

(sog. LRS-Diagnose) einsetzbar. Darüber hinaus ist sie ein geeignetes

Diagnoseinstrument, um systematisch die Stärken und

Schwächen im Bereich der Rechtschreibung zu ermitteln und

somit den Übungsbedarf zu konkretisieren.

Die Hamburger Schreib-Probe findet an unserer Schule

im November statt, so dass die Auswertungs- und Beratungsgespräche

mit den Schülerinnen/Schülern und Eltern noch vor

Weihnachten durchgeführt werden können. Bei sehr auffälligen

Testergebnissen wird den Eltern empfohlen, sich für weitere

Tests und Beratungen an einen Psychologen zu wenden. Wird

dann eine LRS als Teilleistungsstörung diagnostiziert, kann zum

einen beantragt werden, dass die Benotung der Rechtschreibleitung

für zwei Jahre ausgesetzt wird, und zum anderen erhält das

Kind im Idealfall eine Einzelförderung durch einen Spezialisten.

Viele Kinder können aus Kostengründen jedoch solch eine

Einzelförderung nicht erhalten. Oft sind ihre Eltern nicht in der

Lage, sie zu finanzieren; die Jugendämter sind zunehmend seltener

bereit, die Finanzierung zu übernehmen oder Zuschüsse

zu zahlen.

Unter anderem um dieser sozialen Schieflage entgegen zu

wirken, bietet unsere Schule einen Kurs zur Förderung der Leseund

Rechtschreibleistung an. Er beginnt in der 5. Klasse nach

16


4 LERNEN BEGLEITEN

den Weihnachtsferien, findet wöchentlich über 90 Minuten

statt und geht bis zum Ende der Erprobungsstufe. Der Kurs wird

schulformübergreifend gegeben und umfasst maximal zehn Kinder.

Eine Einzelförderung kann hierdurch nicht ersetzt werden,

aber die Kinder können erfahren, dass sie mit ihren Problemen

nicht alleine gelassen werden, es Kinder mit ähnlichen Schwierigkeiten

gibt und es sich lohnt, Probleme in Angriff zu nehmen.

Insofern kann man zusammenfassend sagen, dass es in

einem LRS-Kurs nicht allein um die Vermittlung von Rechtschreibstrategien

gehen kann. Die Kinder müssen dazu motiviert

werden, sich noch einmal in einem neuen Rahmen auf das Thema

Rechtschreiben und Lesen einzulassen und zu erleben: der

Kurs ist keine Strafe, sondern eine Chance.

Deshalb ist es zu Beginn des Kurses sehr wichtig, ein Gemeinschaftsgefühl

und Klima des gegenseitigen Vertrauens

aufzubauen. Gerade männlichen Gymnasiasten fällt es oft sehr

schwer sich auf diesen Kurs einzulassen, da sie die Empfindung

haben, dass er ihnen ihr Versagen quasi vor Augen führt. Nicht

selten paart sich auch eine LRS mit einer allgemeinen Konzentrationsschwäche,

so dass diese Kinder eine besondere Motivation

brauchen, mit ihren Aufgaben überhaupt anzufangen und

sie möglichst umfassend zu bearbeiten.

Für den Kursablauf sind folgende drei Einheiten zentral:

Zu Beginn jeder Einheit stehen Einstiegs- und Motivationsspiele.

Sie machen Spaß und erleichtern so das Anfangen, lösen (Lern-)

Blockaden und Spannungen und fördern den Kontakt und Zusammenhalt

unter den Kindern.

Die zweite Phase gehört dem gemeinsamen systematischen

Wiederholen und Üben von Lese- und Rechtschreibstrategien.

Hier geht es gerade am Anfang um eine verlangsamte Herangehensweise

an Sprache: Wörter werden in kleine Einheiten

zerlegt, geschwungen, mehrfach geschrieben. Paralleltexte mit

minimalen Abweichungen müssen genau gelesen werden, um

die Unterschiede heraus zu finden. Es wird an einer Verbesserung

des allgemeinen Sprachgefühls der Kinder gearbeitet.

In der dritten Phase bekommen die Schülerinnen und

Schüler Aufgaben, welche gezielt auf ihre individuellen Problembereiche

ausgerichtet sind. Hier kann z.B. auf die Ergebnisse

der Hamburger Schreib-Probe oder die letzte Lernerfolgskontrolle

zurückgegriffen werden.

Einen hohen Stellenwert haben regelmäßige Lernerfolgskontrollen,

da sie vor allem dem Zweck dienen, den Kindern

ihre erzielten Fortschritte vor Augen zu führen. Viele haben

bereits einige Jahre unter schwachen Rechtschreibleistungen

gelitten und müssen durch die Erfahrung, dass sich Übung doch

lohnen kann, aus dem Teufelskreis dauerhafter Misserfolgserlebnisse

herausgeholt werden. Deshalb steht Motivieren und Loben

an erster Stelle.

Regelmäßige Gespräche mit den Eltern, unterrichtenden

Lehrerinnen und Lehrern und Kursteilnehmern haben sich als

hilfreich erwiesen. In Gesprächen mit den Eltern muss auch

immer wieder darauf hingewiesen werden, dass Zuneigung,

Zeit und positive Unterstützung mehr bewirken als Druck. Von

den unterrichtenden Kolleginnen und Kollegen ist es hilfreich

zu erfahren, wie sich die Kinder insgesamt entwickeln (z.B. im

Hinblick auf ihr Selbstbewusstsein/ihr Auftreten, die Entfaltung

ihrer Persönlichkeit, Verhalten im Unterricht, Störungen, Konzentration,

…) und ob sie z.B. in Aufsätzen bereits eine größere

Rechtschreib-Sicherheit feststellen können. Von den Kindern

selbst wird ein Feedback dahin gehend eingeholt, ob sie sich im

Kurs wohl fühlen, ob sie selbst Lernfortschritte beobachten können,

woran sie demnächst arbeiten wollen.

Da der Förderkurs freiwillig ist, entscheiden die Kinder

nach einem Gespräch mit der den Kurs durchführenden Kollegin

kurz vor den Sommerferien selbst, ob sie auch die Fortsetzung

des Kurses im sechsten Schuljahr besuchen wollen. Die Resonanz

ist hier ausgesprochen positiv: Etwa acht von zehn Kindern

kommen aus eigenem Entschluss heraus nach den Sommerferien

wieder.

Schulportfolio

Das an unserer Schule eingeführte Portfolio ist eine Sammelmappe,

in der über den Zeitraum der Schullaufbahn einer

Schülerin/eines Schülers hinweg eine Vielzahl von Elementen

zusammengetragen werden, die Aufschluss über Lernerfolg und

erworbene Fähigkeiten und Fertigkeiten geben und der Schülerin/dem

Schüler ein Instrument an die Hand geben, das sie/ihn in

seinem Lernprozess individuell begleitet und in der Übernahme

von Eigenverantwortung für ihren/seinen Lernprozess stärkt.

Funktionen des Portfolios:

1. Dokumentation erworbener Kompetenzen, Fähigkeiten und

außerunterrichtlichen Engagements, damit sich die Schülerinnen

und Schüler später bei ihrer Bewerbung mit der ganzen

Bandbreite ihres Könnens und ihrer Persönlichkeit präsentieren

können,

2. Verbesserung der eigenen Einschätzung und Selbstevaluation,

um zu erkennen, was schon gut gekonnt wird und wo noch

Verbesserungspotential besteht mit dem Ziel, Stärken zu fördern

und Schwächen zu vermindern,

3. Setzen und Verfolgen von Zielen und das Erreichen dieser

Ziele selbst und mit Hilfe anderer überprüfen.

Da sich die Fähigkeiten und Kompetenzen, die die Schülerinnen

und Schüler während ihrer Schullaufbahn erwerben, auf viele

Unterrichtsfächer und Bereiche beziehen, gibt es eine zentrale

Mappe, in der all diese Fähigkeiten dokumentiert werden. Dies

können auch Kompetenzen sein, die außerhalb der Schule erworben

werden (Übungsleitertätigkeiten, soziales Engagement etc.).

17


4 LERNEN BEGLEITEN

Aufbau des Portfolios:

Unser Portfolio besteht aus drei Hauptteilen:

• Leitfaden

• Bausteine und Kompetenzen

• Erfolgsbilanz und Schü lersprechtag

Im Leitfaden wird den Schülerinnen und Schülern das Portfolio

vorgestellt, es werden die Zielsetzungen und der Umgang mit

dem Portfolio erläutert.

Bei den Bausteinen und Kompetenzen ist unser Portfolio zur

Zeit in fünf große Themenbereiche gegliedert, nämlich:

1. Diakonisches und soziales Lernen und Handeln

In dieser Rubrik werden Kenntnisse und Fähigkeiten zum sozialen

Verhalten in Gruppen, zum Verhalten in Konflikten, zum

respektvollen Umgang mit den Gefühlen anderer reflektiert,

und es wird am Beispiel Bethel gezeigt, in welcher Weise diakonisches

Handeln Hilfe für Mitmenschen darstellt.

2. Methoden und Medien

In diesem Bereich werden Methoden, wie z.B. das Erfassen von

Texten oder Techniken zur Vorbereitung auf Prüfungen oder

Klassenarbeiten, trainiert, die in vielen verschiedenen Fächern

angewendet werden können. Darüber hinaus werden z.B.

grundlegende Kenntnisse und Fähigkeiten in der Handhabung

des Computers und der Anwendung von Programmen wie Excel,

Word und Power Point dokumentiert.

3. Fremdsprachen

Der Fremdsprachenteil des Portfolios soll die Schülerinnen und

Schüler befähigen, sich in all ihren Fremdsprachen, die sie an der

Schule oder auch anderswo lernen und gelernt haben, selber

einzuschätzen, Stärken und Schwächen zu erkennen und Strategien

für ein optimales Sprachenlernen zu entwickeln. Dabei

spielt es keine Rolle, ob sie Englisch, Französisch, Spanisch oder

Latein lernen. Im Fremdsprachenteil sollen alle Sprachen Eingang

finden.

Bescheinigungen über Praktika, über soziales Engagement im

Bereich Schüler-helfen-Schülern oder über die Teilnahme an

Wettbewerben sein.

Damit die Schülerinnen und Schüler ihre Fähigkeiten in

diesen Bereichen trainieren, dokumentieren und bewerten, gibt

es für jede Jahrgangsstufe mehrere Bausteine, die im Unterricht

bearbeitet werden sollen. Diese Bausteine bestehen aus kleinen

Unterrichtseinheiten und schulen nach und nach die Fähigkeiten

und Fertigkeiten in den ersten vier Rubriken. Am Ende jedes

Bausteins schätzen sich die Schülerinnen und Schüler in Hinblick

auf die von ihnen erworbenen Fähigkeiten ein und setzen sich

Ziele für weitere Verbesserungen. Eine Übersicht über die in

einer Jahrgangsstufe zu bearbeitenden Bausteine gibt Auskunft

darüber, welche Bausteine in einem Jahr verbindlich bearbeitet

werden sollen. Diese Übersicht wird am Anfang jedes Schuljahres

von den Klassenlehrerinnen und Klassenlehrern ausgeteilt.

Die Erfolgsbilanz dient vor allem der Vorbereitung des

Schülersprechtags. Hier besprechen die Schülerinnen und Schüler

mit ihrem Klassenlehrer/ihrer Klassenlehrerin ihre Stärken

und Schwächen im Hinblick auf die Bausteine und die im Halbjahr

erworbenen Fähigkeiten und Fertigkeiten in den verschiedenen

Unterrichtsfächern besprechen und Vereinbarungen für

weitere Verbesserungen treffen. Als Vorbereitung auf diesen

Schü lersprechtag ziehen die Schülerinnen und Schüler eine Bilanz

ihrer bisher erworbenen Kompetenzen, und dafür müssen

sie sich die Bausteine und die Selbst- und Fremdbewertungen

ihrer Fähigkeiten im Anschluss an jeden Baustein sorgfältig anschauen.

Auf der Erfolgsbilanz meiner Fähigkeiten und Fertigkeiten,

die sie zur Vorbereitung auf den Schü lersprechtag ausgeteilt

bekommen, tragen sie ein, was sie schon gut beherrschen

und wo sie sich noch verbessern können (siehe Kapitel 3).

4. Arbeitswelt und Berufswahl

Dieser vierte Teil soll zeigen, was die Schülerinnen und Schüler

im Rahmen der Studien- und Berufsorientierung unternommen

und gelernt haben. Mit dem darin enthaltenen Berufswahlpass

bekommen sie Informationen, Anregungen und Hilfestellungen

zu Bewerbungen und zur möglichen Berufswahl. Dieser Teil

kommt später hinzu.

5. Zusätzliche Zertifikate

Im fünften und letzten Teil unseres Portfolios können alle weiteren

Bescheinigungen und Zertifikate einsortiert werden, die

die Schülerinnen und Schüler während ihrer Schullaufbahn

innerhalb und außerhalb der Schule erwerben. Dies können

18


5 EUROPAFÄHIG MACHEN

Europakontakte

Die Fr.-v.Bodelschwingh-Schulen pflegen seit ca. 20 Jahren Kontakte

zu Schulen im europäischen Ausland. Über Schulpartnerschaften

entwickelte sich seit 1992 ein Netzwerk von vielfältigen

Beziehungen. Somit haben die Schülerinnen und Schüler unserer

Schule viele Möglichkeiten der Begegnung und finden Orte, an

denen sie in einem zusammenwachsenden Europa gemeinsam

mit Jugendlichen aus dem Ausland lernen.

Darüber hinaus ermöglichen es diese Kontakte den Jugendlichen,

einen Blick über unsere Schulen und unser Land

hinaus in das europäische Ausland zu werfen, das Alltagsleben

und das schulische Leben dort kennen zu lernen.

Diese Begegnungen im Ausland dienen der Persönlichkeitsstärkung,

weil die Jugendlichen auch als verantwortliche

Repräsentanten unserer Schule auftreten müssen, es fördert die

kritische Auseinandersetzung mit der eigenen Lernsituation,

unterstützt das Bemühen um ein friedliches engeres Zusammenwachsen

in Europa, und es fördert selbstverständlich die Sprachkompetenzen

unserer Schülerinnen und Schüler.

Ein Teil dieses Netzwerkes organisiert sich in dem europäischen

Schulverbund HORIZON; hier sind wir seit fast 20 Jahren

Mitglied. Dieser Verband wurde mit dem Ziel gegründet, der

Ausbildung in den beteiligten Schulen eine europäische Dimension

zu geben. Beteiligte Länder sind neben Deutschland Frankreich,

Italien, Großbritannien, Holland, Russland, Estland und

Spanien. Alle Schulen bieten in ihrem Unterrichtsangebot einwöchige

internationale Projekte an, jeweils an dem eigenen

Schulort. Die Verkehrssprache des Verbandes ist Englisch. In der

Regel organisiert der Verband darüber hinaus alle zwei Jahre

ein Festival mit Beteiligung von Jugendlichen aus allen Schulen.

In den letzten Jahren konnten jeweils 20 Schülerinnen und Schüler

unserer Schule an diesen multikulturellen Großereignissen

teilnehmen.

Eine Besonderheit unserer Schule bildet die Europaklasse.

Für vier Wochen im Schuljahr laden wir Jugendliche aus den

HORIZON-Schulen und darüber hinaus aus Schulen der Bielefelder

Partnerstädte in Polen und Russland ein. Sie bilden eine

Klasseneinheit in unserem Schulgebäude und haben einen guten

Kontakt zu unseren Schülerinnen und Schülern, die sich als

Gastgeber anbieten. Schwerpunkt des gemeinsamen Lernens ist

die deutsche Sprache und die heimische Kultur. In dem Fach

„Eurokunde“ lernen die Schülerinnen und Schüler gegenseitig

das Leben in ihren Heimatländern kennen und beschäftigen sich

mit Fragen des Zusammenwachsens in Europa.

Mehrere Projekte sind von uns im Rahmen des europäischen

Bildungsprogramms COMENIUS durchgeführt worden.

Hier bieten sich noch einmal neue Möglichkeiten der Begegnung

mit weiteren Partnerschulen an. Ein gemeinsames Thema

wird von Jugendlichen aus zwei bis drei europäischen Schulen

für drei Jahre bearbeitet. Durch die Fördergelder der Bil-

dungsprogramme werden auch die Reisen von weniger

finanzstarken Familien ermöglicht.

Schüleraustausch

Die bilateralen Beziehungen zu unseren Partnerschulen in Le

Havre - Frankreich, London - England und Xàtiva - Spanien bilden

teilweise schon seit mehr als 20 Jahren eine ausgezeichnete

Chance der Erweiterung der Sprachkompetenzen. Seit dem Jahr

2010 ist es uns gelungen, auch einen Schüleraustausch mit Spanien

zu initiieren. Im Frühjahr dieses Jahres ist erstmals eine

Gruppe von Schülerinnen und Schülern unserer Schule zum Austausch

nach Spanien gereist; den Gegenbesuch der Spanier erwarten

wir im Herbst 2010. Im Ausland wohnen unsere Schülerinnen

und Schüler in den Familien ihrer Austauschpartner, beim

Gegenbesuch wohnen diese in den Familien unserer Schülerinnen

und Schüler. Auf diese Weise fördern wir die Kommunikationsfähigkeit

unserer Schülerinnen und Schüler, die Toleranz

und den Respekt im Umgang miteinander, das Aufgeschlossensein

für Neues und Fremdes, die interkulturelle Handlungsfähigkeit

und nicht zuletzt die Selbstständigkeit. In den Austauschprogrammen

berücksichtigen wir nicht nur besonders leistungsstarke

Schülerinnen und Schüler, sondern auch solche, die im

Fremdsprachenunterricht Schwierigkeiten haben, um ihnen auf

diese Weise einen anderen affektiven und motivationalen Zugang

zur Fremdsprache zu ermöglichen.

Als ein besonders gelungenes Projekt kann das deutschfranzösische

Begegnungsprojekt in Breisach angesehen werden.

Abbildung: Schüleraustausch - 25 Jahre Le Havre

19


5 EUROPAFÄHIG MACHEN

Grundidee dieses Projektes ist, dass sich deutsche und französische

Schülerinnen und Schüler an einem Drittort begegnen,

mehrere Tage zusammenleben und voneinander sowie miteinander

lernen. Erstmals haben die Schülerinnen und Schüler der

7. Klasse hier die Gelegenheit in binationalen Teams kleine

Aufgaben zu lösen und Projekte zu bearbeiten.

Internationale Sprachdiplome

An unseren Schulen werden in den Fächern Englisch, Französisch

und Spanisch verschiedene Arbeitsgemeinschaften zur Vorbereitung

auf den Erwerb international anerkannter Sprachdiplome

angeboten. Die Niveaus der Diplome orientieren sich am

Gemeinsamen Europäischen Referenzrahmen für Sprachen. In

Englisch findet für Schülerinnen und Schüler der Stufen 12-13

mit bereits sehr guten Englischkenntnissen eine AG zur Vorbereitung

des IELTS (International English Language Testing

System)-Zertifikats (Academic Module) statt. In Französisch bieten

wir Kurse zur Vorbereitung der DELF (Diplôme d’Etudes en

Langue Française)-Prüfungen der Niveaus A1, A2, B1 und B2 an,

die Schülerinnen und Schülern der Sekundarstufen I und II offen

stehen. In Spanisch können sich Schülerinnen und Schüler der

Sekundarstufe II auf die DELE (Diplomas de Español como Lengua

Extranjera)-Prüfungen der Niveaus B1 und B2 vorbereiten.

In den AGs werden die Schülerinnen und Schüler in allen

vier Kompetenzbereichen geschult und trainiert: Hörverstehen,

Leseverstehen, mündliche Textproduktion und schriftliche Textproduktion.

Da die Lerngruppen sehr klein sind, ist in diesem

Rahmen eine individuelle Förderung der Schüler besonders gut

möglich.

Der Sprechanteil der einzelnen Schülerinnen und Schüler ist auf

Grund der oben genannten Rahmenbedingungen wesentlich

höher als im normalen Klassenunterricht. Schriftliche Aufgaben

werden ebenso individuell besprochen und korrigiert. Der Lerneffekt

sollte daher auch für den „normalen“ Englisch-, Französisch-

und Spanischunterricht im Klassenverband spürbar sein.

Vor allem die Scheu, sich frei vor Mitschülern in der Fremdsprache

zu artikulieren, kann in dieser Lernform leicht überwunden

werden.

Die Arbeit in Kleingruppen, in denen auch keine Benotungen

vorgenommen werden, ist eine ideale zusätzliche Möglichkeit,

Schülerinnen und Schüler individuell zu fördern und ihnen

positive Rückmeldungen bezüglich ihrer spezifischen Fertigkeiten

zu geben. Die Vorbereitungskurse stärken die Schülerinnen

und Schüler überdies in ihren Fähigkeiten, den eigenen Lernprozess

zu reflektieren, Stärken und Schwächen zu erkennen und

Verantwortung für den eigenen Lernprozess zu übernehmen.

Perspektivisch sollen die IELTS-, DELF- und DELE-Kurse in das an

unserer Schule verfolgte Portfolio-Konzept zur Stärkung von

Schülerautonomie und zur Dokumentation individueller Lernleistungen

eingebunden werden.

Abbildung: IELTS-Sprachdiplom

20

Weitere Magazine dieses Users
Ähnliche Magazine