Fischarmut der Lenne und vieler anderer Flüsse

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Fischarmut der Lenne und vieler anderer Flüsse

Kooperationen bei der Umsetzung der EU – Wasserrahmenrichtlinie Veranstaltung des Landesfischereiverbandes NRW Durchweg langatmige Vorträge ohne wirklich Neues. Der Schwerpunkt der – von den Maßnahmenträgern - durchzuführenden Maßnahmen liegt weiterhin bei der Wiederherstellung der Durchgängigkeit unserer Flüsse und der Verbesserung der hydromorphologischen Zustände derselben. Von Maßnahmen zur Verbesserung der Wasserqualität als solcher – bezüglich der stofflichen Belastungen – war, da offensichtlich bisher auf keiner Ebene der Entscheidungsträger vorgesehen, mit keinem Wort die Rede. Die – jedenfalls für mich – einzig wirklich positive Information – mitgeteilt durch Dr. Olaf Niepagenkämper vom Landesfischereiverband Westfalen und Lippe – lautete : „ Es ist angedacht, in Zukunft mit dem BUND zusammenzuarbeiten.“ In Gesprächen zum Themenkreis des Tages erfahre ich immer wieder – so auch am Rande dieser Veranstaltung – eine fatale Grundeinstellung zur Bedeutung der Belastung des Wassers unserer Flüsse. Etwa so: Mit den Belastungen - in der Menge und Vielfalt und der vielfach übertrieben als schädlich für den Menschen dargestellten Auswirkungen – leben wir doch schon – und zwar recht gut – seit mindestens fünfzig Jahren. Und das Einzige was sich bis heute und aktuell geändert hat, ist die Tatsache, dass wir inzwischen über Analyseverfahren verfügen, mit denen wir kleinste Mengen von Wasserbelastungen nachweisen können, was damals nicht möglich war. Mit solchen Äußerungen wird immer wieder – von den verschiedensten Seiten – letztlich die Belastung des Wassers unserer Flüsse gerechtfertigt. Kein Wort über zunehmende Unfruchtbarkeit der Menschen Kein Wort zur Anreicherung von nicht abbaubaren Stoffen im menschlichen Körper. Kein Wort zu solchen chemischen Verbindungen, welche - selbst in den geringen nachgewiesenen Konzentrationen – bei längerer Aufnahme Krankheiten auslösen können. Und erst recht kein Wort zur ständigen Abnahme der Unterwasserflora – und fauna – sowohl bezüglich der Artenvielfalt wie der Individuendichte – durch derartige Wasserbelastungen, welche die Selbstreinigungskraft der Fließgewässer hoffnungslos überfordern. Statt dessen immer wieder der Hinweis auf die –angeblich zu erwartende - fast alles heilende Kraft einer wieder herzustellenden Durchgängigkeit. Nicht nur bei solchen Gesprächen, sondern auch in öffentlichen und offiziellen Mitteilungen – durch welche Medien und in welcher Form auch immer – wird immer wieder und meistens nur nach einem Störfall versichert, dass für Menschen keine akute Gefährdung bestehe. Die Die Gefahr und die Tatsache von Beeinträchtigungen der menschlichen Gesundheit über die Zeit hin, wird schlichtweg verschwiegen. Die zunehmende Zerstörung der Unterwasserfauna durch derlei Belastungen wird de facto total ausgeblendet. Statt dessen wird die immer geringer werdende Lebendigkeit – das Abnehmen der Lebensfülle unserer Gewässer – immer und immer wieder festgemacht an Gewässerverbauungen und angeblich mangelhaft natürlich strukturierten Fließgewässern. Das verstärkte Bemühen von Entscheidungs – und Maßnahmenträgern den Rückbau von Querbauwerken vorzuschreiben, wasserbauliche Maßnahmen zur Strukturverbesserung zu genehmigen und die Umsetzung dieser gewollten baulichen Veränderungen zu konkretisieren, ist sicher nicht grundsätzlich falsch. Es bleibt jedoch ein kosmetisches Handeln, dessen Ergebnis in der Hauptsache sein wird, unsere Fließgewässer gefälliger aussehen zu lassen und als Nebenprodukt die Durchwanderbarkeit der immer kleineren Restpopulationen von Unterwasserlebewesen zu ermöglichen. Die eigentliche Ursache der immer schlimmer werdenden Verödung unserer Fließgewässer durch stoffliche Belastungen, welche - bezogen auf ihre negativen Auswirkungen für die aquatischen Lebewesen – die zu tolerierenden Konzentrationen und Mengen schon lange


weit überschritten haben, wird so kurzsichtig wie es kurzsichtiger nicht geht, einfach ausgeblendet. Es ist dies eine Kapitulation – eine gewollte Kapitulation - vor dem Lebensstandard der menschlichen Gesellschaft, welcher letztlich so blind macht, dass der Unterschied zwischen Lebensstandard und Lebensqualität schon gar nicht mehr gesehen werden kann. Dabei ist es eine total falsche Einstellung zu verantwortbaren sozialem Handeln, welches - besonders in dem Aufgabenbereich sauberes und lebendiges Wasser in unseren Fließgewässern zu schaffen - zwar gelegentlich mal als notwendig erkannt wird, jedoch immer wieder mit der Begründung der Nichtbezahlbarkeit abgelehnt wird, da die dafür entstehenden Kosten – welche dann auf den einzelnen Konsumenten umgelegt werden müssten – den gewohnten Lebensstandard beeinträchtigen würden und deshalb politisch nicht durchsetzbar seien. Es muss wohl erst zu einer - von unserem gesellschaftlichen Verhalten ausgelösten – wie auch immer gearteten Katastrophe kommen, welche schlagartig unsere Lebensqualität und dadurch auch unseren lieb gewonnenen allzu üppigen Lebensstandard, massiv beeinträchtigt, bevor sich Verantwortungsträger – gerade auch als in einem solchen Fall unmittelbar selbst spürbar Betroffene - dazu genötigt sehen, der Tatsache immer mehr verödeter Gewässer vor dem Hintergrund der absoluten Notwendigkeit der Lebendigkeit, der Lebensfülle ihres Wassers, durch entsprechende Schutzverordnungen zu begegnen. Die Zeitschrift „EUWID“ - Europäischer Wirtschaftsdienst Wasser und Abwasser - berichtet im Leitartikel der Ausgabe vom 15. 02. 2011 von einer Arbeitstagung der Deutschen Vereinigung für Wasserwirtschaft, Abwasser und Abfall (DWA) in Berlin. Das Bundesumweltministerium (BMU) schlug bei dieser Tagung die Aufnahme von weiteren Schadstoffen in die neue Oberflächengewässerverordnung vor. (OgewV) „Wir wollen erreichen, dass wir nach wie vor eine sichere Versorgung mit Trinkwasser haben, das generell sauberer und gesundheitsverträglicher ist als Mineralwasser“, so die Aussage des Leiters der zuständigen Abteilung beim BMU. Auch auf dieser Tagung wird – soweit dies aus den Pressemitteilungen zu lesen ist - kein Wort verloren über den bereits mehr als besorgniserregenden Zustand der meisten Fließgewässer bezüglich des zunehmenden Fehlens der Unterwasserflora und – fauna. Kein Wort über die inzwischen fehlende Selbstreinigungskraft des Wassers. Statt dessen wird eine Haltung vertreten, welche nichts anderes bedeutet, als die Nutzung der natürlichen Ressource Wasser - ohne Rücksicht auf eben diese Natürlichkeit – welche – losgelöst aus ihrer ökologischen Komplexität – einzig der angeblich sicheren Versorgung des Naturteiles Mensch zu dienen hat. Die damit geäußerte Vorstellung zur Art der Nutzung des Naturteiles Wasser - ausschließlich für den Naturteil Mensch - erinnert äußerst besorgniserregend an die im 17. Jahrhundert vom Mathematiker und Philosophen Descartes vertretene Lehre : Die Natur - Bestandteile der Natur – als Maschine zu betrachten, sie immer wieder aufzuziehen und, falls erforderlich, auseinanderzunehmen. Er hielt es für das Recht des Menschen, die schrankenlose Herrschaft über die – von ihm – Descartes - als Maschine betrachtete Natur auszuüben Für mich bedeutet der Umgang mit dem Naturteil Wasser – so wie er heute stattfindet - inzwischen einen Rückfall in die Philosophie des 17. Jahrhunderts. Ein solcher kann und darf nicht länger hingenommen werden! Heinrich Breuckmann Februar 2011 für www. maipiere. de

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