Brevierle HH/06 S.1-64 - Stuttgarter Weindorf

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Brevierle HH/06 S.1-64 - Stuttgarter Weindorf

Gutes aus dem Norden

Das Weinjahr am Stintfang

„Hanse Primeur“ heißt der Tropfen,

der aus Trauben des nördlichsten

Weinbergs in Deutschland, dem

Hamburger Stintfang, gekeltert

wird. Zwischen 50 bis 80 Flaschen

(0,375 l) sind das Jahresergebnis –

ziemlich ausgesucht. Der Rotling,

eine Komposition aus weißen sowie

roten Beeren, schmeckt fruchtbetont

und glänzt mit feinem Beerensäurespiel.

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Allerdings gibt es nur wenige, die ihn

je ausführlich „geschlotzt“ haben,

denn er ist eine Rarität und käuflich

nicht zu erwerben. Lediglich die

Hamburger Bürgerschaft hat Zugang

zu den limitierten Flaschen, deren

Etikett von Jahrgang zu Jahrgang

vom Designer Ingo Offermanns

gestaltet wird. Wichtige (Staats-)Gäste

der Hansestadt sind so schon in den

Genuss des Norddeutschen mit

schwäbischem Einschlag gekommen.

Die über 70 Weinstöcke sind übrigens

ein Geschenk der Wirte des Stuttgarter

Weindorfs zum jeweils zehnten

und zwanzigsten Jubiläum des Festes

zu Gast auf dem Rathausplatz. Doch

was passiert eigentlich auf dem Stintfang

das ganze Jahr über, bevor der

„Cuvée“ der vergangenen Lese Ende

Juni seine Reise von Stuttgart-Uhlbach

– hier werden die Trauben nämlich

nach der Lese von Christel Currle und

ihrem Vater Fritz ausgebaut – nach

Hamburg antritt?

Winterruhe

Beginnt nach dem Blätterfall und endet

mit dem Schwellen der Knospen.

In dieser Zeit erfolgt der Rebschnitt.

Dabei wird alles Holz (Fruchtruten)

des letzten Jahres abgeschnitten und

nur die für den neuen Fruchtansatz

wichtigen Hölzer belassen. Christel

Currle vom gleichnamigen Weingut:

„Das Ganze kann durchaus romantisch

sein. Der klate Wind pfeift, der

Schnee unter den Stiefln knirscht...“

Frühling/Sommer

Austrieb der Knospen. Zuerst sieht

man eine Anschwellung, wenig später

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sehr feine Wolle, die den Austrieb vor

Kälte schützt. Dann sprießt zartes

Grün und schon nach einer Woche

erkennt man den Blattansatz. „Die

Hoffnung ist von nun an unser ständiger

Begleiter. Hoffentlich kommt

kein Frost mehr, kein Sturm. Und hoffentlich

haben wir gutes Wachstum,

damit die Kräuselmilbe keine Fraßchance

hat.“Christel Currle und ihr

Vater Fritz sind für die Reben auf

dem Stintfang hauptverantwortlich.

Die Reben wachsen und gedeihen,

man kann recht bald die Gescheine

(Trauben vor der Blüte) erkennen.

Blütezeit ist im Juni und dauert zirka

acht Tage; ein feiner Duft legt sich

dann über den Weinberg. Zur gleichen

Zeit werden die grünen Triebe in

Draht geflochten, damit die Beeren

nicht nur optimal versorgt werden,

sondern sich auch viel Zucker in ihnen

sammelt. Zudem werden die

Spitzen immer wieder eingekürzt.

Die Arbeiten am Weinberg pausieren

jetzt erst einmal. Trotzdem wird ordentlich

geschafft, denn das Ernteequipment

muss vorbereitet sein: Fässer

und Tanks, Eimer und Scheren, Pumoen

und Schläuche, alles muss

grundlich gereinigt sein. Und nicht

zuletzt werden die fleißigen Helfer

informiert, dass es bald losgeht.

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