Frühling auf dem Mond (PDF-Download: 92,0 KB) - WDR 3

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Passagen

Sendedatum: 12.6.2013

Julia Kissina: Frühling auf dem Mond

"Das Wichtigste in unserem Land ist die Poesie", sagt der KGBler unvermittelt, und Papa

hat das Gefühl gleich den Verstand zu verlieren.

"Mit der Poesie kommt auch die lichte Zukunft. Ich schreibe auch." Der KGBler wird rot.

Dass auch ein dichtender KGBler ein KGBler bleibt und bedrohlich versteht sich. Nichts

liegt Kissina ferner, als die Sowjetunion und das Kiew der 70er Jahre zu romantisieren.

Doch ändert das nichts daran, dass dieses Kiew und letztlich auch das ganze Land

wesentlich seltsamer, vielfältiger und unvorhersehbarer waren, als es die gängigen

Klischees nahe legen. Erst recht für ein phantasiebegabtes junges Mädchen, das sich

nicht nur mit kruden Erwachsenen, sondern auch mit Schule, Freundinnen, erster

schüchterner Liebe und einsetzender Monatsblutung herumschlagen muss. Julia Kissina

erzählt all das in einer barock bilderreichen, erfinderischen Sprache, die es auf

erstaunliche Weise vermag, infantil-jungmädchenhaft zu klingen und gleichzeitig poetisch

und weise. Das aber ist das große Geheimnis derartiger Literatur: eine erwachsene,

lebenserfahrene Schriftstellerin muss den Empfindungsreichtum und das Chaos des

eigenen Teenagerbewusstseins abbilden, darf dabei aber weder unsinnig wissend klingen

noch banal. Julia Kissina gelingt das mühelos, sie erschafft das Elysium der Jugend, das

Zwischenstadium des Verzaubertseins in makelloser Schönheit. Junge Mädchen erfahren

von ihr alles über die Träume und Nöte junger Mädchen. Für alle anderen ist "Frühling auf

dem Mond" zudem ein auf jeder Seite überraschendes, umwerfend schönes Buch über

Kiew und die späte Sowjetunion. Eine untergegangene Welt, genau wie die Jugend.

© Westdeutscher Rundfunk Köln 2013

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