Die Schweiz kommt nicht zum Pot - Hanfjournal

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Die Schweiz kommt nicht zum Pot - Hanfjournal

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Die Schweiz kommt nicht zum Pot

Legalisierungsdebatte im Schweizer Nationalrat weiter verschoben

Die Schweiz zögert die letzten Beratungen zur Entkriminalisierung

von Cannabis weiter hinaus. So beschloss der Nationalrat,

dass die Revision des Betäubungsmittelgesetzes in

der Session nicht mehr beraten wird. Mit 84 zu 72 Stimmen

folgten die Abgeordneten dem Vorschlag die Beratung über

die Revision des Betäubungsmittelgesetzes von der Tagesordnung

zu streichen.

Laut offiziellen Angaben war für

die Drogendebatte keine Zeit mehr,

da der Revision des Krankenversicherungsgesetzes

und dem bereits

in Angriff genommenen neuen Finanzausgleich

eine höhere Priorität

eingeräumt wurde. Die Schweiz

verspielt sich hier schon im Vorfeld

einige Mehreinnahmen. Die Steuer

war mit acht bis 15 SFR pro Gramm

geplant, was Mehreinnahmen von

300 Millionen SFR zu Folge gehabt

hätte. Zwar ist die angesetzte Steuerhöhe

laut Experten viel zu hoch,

dennoch ist es sehr fraglich, warum

im Land des Geldflusses so viel

Moos verspielt wurde.

Die Grünen konnten zu dieser

Verschiebung nur noch den Kopf

schütteln. Für sie ist es einfach eine

schizophrene Haltung, denn sie hat nach Ansicht der Mitte-

Links-Partei die Folge, dass man weiter nach Ordnung und

Disziplin ruft und gleichzeitig alles tut, um die Verwirrung

und Heuchelei zu verlängern. „Es wäre doch höchste Zeit die

Situation im Cannabisbereich zu klären, in dem das Verbot

aufgehoben, der Konsum geregelt und die Prävention gefördert

wird!“, so die Schweizer Grünen. Der Antrag der Grünen und

der Sozialdemokratischen Partei in der Schweiz (SP) das Betäubungsmittelgesetz

in Gänze zu behandeln, scheiterte jedoch

schon in der Eventualabstimmung.

Nachdem der renommierte Cannabis-Autor Ed Rosenthal

wegen Anbaus von Hunderten Hanfpflanzen im Januar von

einem US-Bundesgericht schuldig gesprochen wurde, ist dieses

Urteil nun aufgehoben. Stattdessen wurde er zu einem Tag

Haft, die er bereits in Untersuchungshaft abgesessen hat,

verurteilt. Neben der Gefängnisstrafe muss Ed Rosenthal eine

Geldstrafe von 1.000 Dollar zahlen und steht für drei Jahre

unter Bewährung.

Obwohl Rosenthal die Pflanzen im Auftrag der kalifornischen

Stadt Oakland angebaut hatte, war er im Januar von einer Jury

schuldig gesprochen worden. Laut „San Francisco Chronicle“

hatte Richter Breyer den Geschworenen die Tatsache vorenthalten,

dass er im Auftrag der Stadt Oakland gehandelt hatte

und dass die Pflanzen für Patienten unter dem „Compassionate

Use Act“ (Proposition 215) bestimmt waren, einem kalifornischen

Gesetz aus dem Jahre 1996, das die medizinische

Verwendung von Cannabis legalisierte. Zwar ist die Marihuana-

Behandlung nach Bundesrecht strafbar, nach kalifornischem

Recht ja allerdings nicht. Wären sie darüber informiert gewesen,

so gaben einige Geschworene nach dem Prozess an, hätten sie

Rosenthal freigesprochen. Acht der insgesamt zwölf Geschworenen

unterzeichneten vor der Strafverkündung einen Brief an

Richter Breyer, in dem sie Freiheit für Rosenthal forderten.

Sogar der kalifornische Justizminister Bill Lockyer hatte sich

für den Hanf-Guru eingesetzt.

Seit vielen Jahren kämpft der Cannabis-Experte für eine Legalisierung

der Droge zu medizinischen Zwecken. Im Gegensatz

zu den Anhängern Rosenthals sah er selbst das Urteil nicht als

Bahn brechenden Erfolg. Gegenüber der amerikanischen Organisation

Green Aid, die für die Legalisierung von Marihuana

für Schwerkranke kämpft, sagte Rosenthal: „Niemand sollte

ins Gefängnis gehen, weil er Patienten hilft, ihre Medizin zu

bekommen - auch nicht für einen Tag.“ Rosenthal will den

Berufungsprozess gegen das Urteil nun fortsetzen.

Das reguläre Strafmaß liegt bei fünf bis 40 Jahren und einer

Geldstrafe von bis zu zwei Millionen Dollar. Und das obwohl

70 bis 80 Prozent der US-Amerikaner laut amerikanischer Umfragen

dagegen sind Patienten wegen der medizinischen Verwendung

von Cannabis mit Strafen zu bedrohen.

Hanf Journal

unabhängig, überparteilich, legal

Die Grünen konnten nur den Kopf schütteln

Bisher schien es, als wollten Schweizer Politiker die Tatsache,

dass 700.000 Schweizer Bürger häufig bis gelegentlich kiffen,

nicht länger ausblenden. Der Bundesrat hat schon lange Ja

gesagt. Auch die Mehrheit der Kantone will Cannabis legalisieren.

Und 32 gegen acht Ständeräte haben im Dezember

2001 ein straffreies Kiffen gefordert.

Eine schriftliche Umfrage der Schweizer Zeitschrift „FACTS“

bei den 200 Nationalräten zeigt jetzt

ein anderes Bild. Die Debatte über

die Entkriminalisierung von

Cannabis-Konsum kippt ins Nein.

83 von 200 Nationalräten werden

am Schluss ablehnen, 69 sagen Ja.

30 wollten ihre Haltung noch nicht

äußern.

Ausgabe Juni 2003 kostenlos

Viele bürgerliche Parteien wie die

FDP (nicht unsere in Deutschland)

oder CVP stehen nicht mehr zu

ihrer einstigen Haltung, Cannabis

zu entkriminalisieren. Selbst die

linke SP und SVP sind sich nicht

mehr sicher, ob man eine Legalisierung

fordern darf. Im Wahljahr

scheint das Parlament nach rechts

abzudriften, ein Phänomen, das

schon in vielen europäischen

Staaten auftrat.

Die nächsten Beratungen zum Betäubungsmittelgesetz sind

nun für den Herbst geplant. Ob sie tatsächlich stattfinden

werden, weiß noch keiner. Aber in der Schweiz kann ja alles

ein bisschen länger dauern.

Werner Graf

Ed Rosenthal – eine Hanflegende kämpft weiter

Mehr Infos zur allgemeinen Gesetzgebung in den USA findet

ihr auf www.cannabislegal.de/international/us.htm

Katrin Schmidberger

>>

news s.2

wirtschaft

cool-tour

s.7

guerilla growing s.8

regional

anderswo

s.13

fun+action s.17

s.9

s.16

In dieser Ausgabe

Lasst uns endlich Steuern zahlen!

Durch die Legalisierung von Cannabis könnten einige

Millionen Euro in die Staatskassen eingebracht werden.

Der Liedermacher Götz Widman schrieb daher einen

offenen Brief an Hans Eichel und der DHV und das Hanf

Journal machten Aktionen bei den beiden Parteitagen der

Regierungsparteien. Seite 2 und Seite 4

Wenn der Genuss auf Reisen geht

Drogentourismus ist bei Kiffern ein weit verbreiteter Volkssport.

Doch ist er wirklich angebracht oder eher verwerflich?

Claudia Greslehner beschäftigt sich auf Seite 6 mit diesem

Thema.

Jamaika – das Kifferparadies

Und wenn ihr wirklich Bock auf Drogentourismus habt,

dann darf man Jamaika nicht verpassen. Auf Seite 16 findet

ihr den Artikel zum Paradies der Kiffer und Heimat von

Bob Marley.


2

news

Götz Widman, will Weed man! Der bekannte Liedermacher

will sogar noch mehr. Er will den Staat sanieren!

Daher schrieb er einen offenen Brief an Hans Eichel,

den das Hanf Journal exklusive an dieser Stelle

veröffentlicht.

offener brief

Lieber Hans Eichel,

Götz Widmann

kaum ein Politiker kann einem im Moment so Leid tun

wie Sie. Als genialer Sparfuchs gestartet, stehen Sie zur

Zeit überall nur noch als Pleitegeier da. Und Sie können

noch nicht mal so richtig was dafür, erst waren es die

Altlasten der Regierung Kohl, dann die miese Weltkonjunktur,

jetzt müssen Sie überall die letzten Cents

zusammenkratzen und kommen doch nicht über die

Runden. Sie sehen traurig aus in letzter Zeit, man merkt

Ihnen an, dass Ihr Job Sie fertig macht.

Ich würde Ihnen gerne helfen. Leider fürchte ich, dass

meine eigenen bescheidenen finanziellen Mittel nicht

ausreichen werden, Ihnen ernsthaft aus der Patsche zu

helfen. Aber ich habe eine Idee für Sie, die Milliarden

bringen könnte. Herr Eichel, falls Sie das hier lesen,

ordnen Sie es bitte nicht unter Satire ein. Was hier steht

ist ernst gemeint. Statt die Mehrwertsteuer zu erhöhen

oder die Tabaksteuer und damit Millionen von Menschen

furchtbar auf die Nerven zu gehen, was Sie garantiert

bei den nächsten Wahlen zu spüren bekommen

werden, wäre es doch sicherlich besser für alle, wenn

Sie sich das Geld bei einer Personengruppe holen

würden, die begeistert wäre, endlich Steuern zahlen zu

dürfen.

Mit einer Steuer auf Cannabisprodukte könnten Sie

einen Haufen Geld einnehmen und noch mehr sparen.

Sie würden dem organisierten Verbrechen einen Riesenmarkt

nehmen, etliche neue, noch mehr Steuern zahlende

Unternehmen und Tausende von legalen Arbeitsplätzen

schaffen und nicht zuletzt Polizei, Gerichte, Gefängnisse

und ganz besonders die Betroffenen massiv entlasten.

Der volkswirtschaftliche Nutzen eines Umdenkens in

der Drogenpolitik ist schwer zu berechnen, liegt aber

auf jeden Fall im mehrfachen Milliardenbereich.

Schwere Zeiten brauchen mutige, nach vorne orientierte

Entscheidungen. Herr Eichel, ich würde mich freuen,

wenn Sie mal drüber nachdenken würden.

Mit freundlichen Grüßen

Ihr Götz Widmann

Achtung!

jeder Missbrauch von

Drogen ist gefährlich!

Wir wollen niemanden

dazu auffordern oder

animieren Drogen zu

konsumieren

Hanfhistorie

Im Drogenwahn

Es war ein mal vor langer, langer Zeit . . . da wurde der Rausch

zum Wahnsinn. Dies ist kein Märchen, sondern die Geschichtsschreibung,

darüber, wie der Chef der US-Drogenbehörde,

Harry J. Anslinger, dem Drogenwahn verfiel und ganze

Generationen mitriss.

Mit Kongressbeschluss vom 1. Juli 1930 wurde das Federal

Bureau Narcotics, die US-Bundesdrogenbehörde, gegründet.

Die neue Behörde unterstand dem Finanzministerium und der

Minister für Finanzen fand für die neue Herausforderung einen,

von dem er wusste, dass er dem Rausch der Macht sicher

verfallen würde: Sein Neffe, Harry J. Anslinger. So machte

Andrew Mellon, der US-Finanzminister, Anslinger zum vorläufigen

Chef der Bundesdrogenbehörde.

Die Hearst-Presse hatte eine Hetzkampagne gegen Marijuana-

Konsumenten gestartet und Anslingers Büro unterstützte dies

gemäß den Anweisungen von Mellon. Anslinger inhalierte das

neue Lebensgefühl und widmete fortan sein Leben nur noch

dem Drogenwahn. Eine Hetzkampagne folgte der nächsten

und ihre Züge wurden immer grotesker. Der Bevölkerung

wurde suggeriert, dass Marihuana ein in den Wahnsinn und

zum Tod führendes Rauschgift sei. „Neger, Mexikaner, Puertoricaner

und Jazzmusiker“ würden damit das Land vergiften

und weiße Frauen verführen wollen. Die hochdosierte Kampagne

gegen die ungeliebten Minderheiten begann zu wirken.

Durch fortwährende Verwendung der südlichen Ausdrücke

„Marijuana“ und Vermeidung der bekannten, mit harmlosen

Assoziationen verknüpften Begriffe wie Hanf und Cannabis

wurde suggeriert, es handele sich hier um eine neue, hochgefährliche

Droge. „Beeinflusse die Sprache eines Volkes und du

beherrscht ihr Denken!“ muss sich Anslinger wohl gedacht

haben und die Wirkungskraft seiner Strategie zeigt sich bis

heute.

Auf dem Tiefpunkt der Wirtschaftskrise startete Anslinger 1931

mit einem fetten Sonderetat von 100.000 Dollar in den Drogenwahn.

„Killer-Weed“, „Nigger-Weed“ - das US Bundesdrogenbehörde

schreckte vor fast nichts zurück, arbeite mit zum Teil

verfälschten Fall-Akten. Der Propagandafilm „Reefer Madness“

(„Reef“ englisch Slangwort für Joint; „Reefer“ Slangwort für

Kiffer) wurde 1937 produziert und läuft heute als erfolgreiches

Musical in New York. 1932: Anslinger wurde offiziell zum

obersten Chef des US Bureau of Narcotic ernannt. Als ein Jahr

später das Ende der Prohibition verkündet wurde, der Alkohol

wieder legal durch den Zapfhahn floss, strömten die frei

gewordenen Repressionskräfte zu Anslinger – die Finanzierung

des Drogenwahns war gesichert.

Und wenn die Wirtschaft wie heute der Rezession zusteuert,

dann wäre es wieder an der Zeit den Staat zu sanieren - und

Hanf zu legalisieren!

Herausgeber:

Agentur Sowjet GmbH i. G.

Lettestraße 3

10437 Berlin

tel.: 030/44675901

fax.: 030/44793286

email: zentrale@hanfjournal.de

Redaktion:

Werner Graf (V.i.s.d.P.); Katrin Schmidberger

Mitarbeiter an dieser Ausgabe:

Michaela Fabian (Koordination Österreichbeilage;

redaktion.oesterreich@hanfjournal.de), Ines Eichmüller, Kerstin

Koch, Claudia Greslehner, Chrisitian Schlicht, Oliver Nuss, Pol Sax,

Martin Schwarzbeck, Veit Schnetker, Dirk Rehahn, Raoul Rossmann,

Maulhelden, Sina Schidor

Layout:

modul design

Illustration:

Lukas Tkotz, modul design, Martin Schwarzbeck

Fotos:

Privat/ Im Auftrag des Hanf Journal/ modul design/ Dirk Rehahn

Korrektur:

Kerstin Thierschmidt

Anzeigen und Vertrieb:

Emanuel Kotzian

030/44793284

vertrieb@hanfjournal.de

Vertrieb:

Das Hanf Journal wird im gesamten deutschsprachigem Raum

verteilt. Gegen einen Betrag von 36,-€ jährlich kann das Hanf

Journal beim Herausgeber bezogen werden.

(Abonnement unter www.hanfjournal.de)

Druck:

Union Druckerei Weimar GmbH

Alle Rechte vorbehalten. Nachdruck nur mit Genehmigung des

Herausgebers. Manuskripte, Bilder und Beiträge sind willkommen,

es wird aber keine Haftung übernommen.

Im Sinne des Urteils des LG Hamburg vom 12. Mai 1998 - 312 0

85/98 distanziert sich der Herausgeber ausdrücklich von allen

Inhalten der angegebenen Internetadressen und Links.

Achtung jeder Missbrauch von Drogen ist gefährlich! Wir wollen

niemanden dazu auffordern oder animieren Drogen zu

konsumieren.

Besucht auch die Homepage www.hanfjournal.de

Impressum


Lasst Friedman in Ruhe!

Gegen den Frankfurter Anwalt, Politiker und Talkshow-

Moderator Michel Friedman läuft ein Ermittlungsverfahren

wegen Verdachts auf Verstoß gegen das Betäubungsmittelgesetz

(BtMG). Laut Angaben der Berliner Staatsanwaltschaft, die

diese Ermittlungen leitet, waren am Abend des 11. Juni bei

einer Durchsuchung von Friedmans Wohnung und Büro drei

Tütchen mit weißen Pulverrückständen von der Polizei beschlagnahmt

worden. Der weiße Stoff wird gerade noch

chemisch untersucht und analysiert. Der CDU-Politiker gab

außerdem noch eine Haarprobe ab, auch dazu gibt es noch

kein Ergebnis. Nachdem der Name Friedman bei einer Telefonabhörung

im Zuge von Ermittlungen gegen eine Osteuropäische

Gruppe gefallen war, geriet der Stellvertretende Vorsitzende

des Zentralrats der Juden ins Visier der Fahnder.

Bis zur endgültigen Klärung lässt Friedman seine Talkshow-

Tätigkeit ruhen. Ob er – wenn sich herausstellen sollte, dass er

illegale Drogen konsumiert – noch weiter moderieren darf, ist

derzeit noch unklar. Sein Arbeitgeber will erst einmal das

Ergebnis abwarten. Rückendeckung erhielt Friedman vom

Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Paul

Spiegel. Er bezeichnete die Ermittlungen gegen seinen Stellvertreter

als dessen Privatangelegenheit. Sie stünden nicht im

geringsten Zusammenhang mit dessen Funktionen im

Zentralrat.

Was die Öffentlichkeit gerade breit diskutiert, ist die Frage:

War es Koks oder nicht? Doch selbst wenn es Koks war, geht

es jemanden an, ob und welche Drogen Friedman oder sonst

wer konsumiert? OK, er ist nun mal ein Promi, der ja auch

gerne und freiwillig in der Öffentlichkeit steht. Und der „Saubermann“

hat zum Beispiel auch mal die Grünen wegen ihrer

Forderung nach der Legalisierung von Cannabis fertig gemacht.

Aber trotzdem hat ein solcher Mensch doch auch das Recht

auf Privatsphäre und darf konsumieren, was er will. Außerdem

ist der Konsum von illegalen Drogen nicht strafbar, Konsum

ist nicht gleich Besitz oder Anbau. Es gibt außerdem keine

zwingenden Rückschlüsse auf den Konsum.

Zugegeben, ich persönlich mag Friedman nicht, ein konservativer

CDU-Politiker und ein fieser und z. T. schlechter Journalist

na und?! Michel Friedman soll konsumieren dürfen, was er

will und das ganz in Ruhe!

Katrin Schmidberger

Der Frontangreifer Friedmann in der Defensive

news

Rigoroses Tabakgesetz

Niederlande. - Ab Anfang nächsten Jahres soll jeder

Arbeitnehmer in den Niederlanden das Recht auf einen

rauchfreien Arbeitsplatz haben (Hanf Journal berichtete).

Betroffen sind davon auch Mitarbeiter im Gaststättengewerbe.

In Kneipen, Cafés und Restaurants soll absolutes

Rauchverbot herrschen. Das gilt auch für Clubs und –

pikanterweise – für die berühmten Coffee-Shops.

Das Recht auf einen rauchfreien Arbeitsplatz komme de

facto einem Rauchverbot für die ganze Branche gleich.

Daß Arbeitnehmer ein Recht auf einen rauchfreien

Arbeitsplatz haben, wird zwar grundsätzlich begrüßt,

aber dennoch eher als Haager Puritanismus aufgenommen.

Auch in den 800 Coffee-Shops, die mit einem geschätzten

Gesamtjahresumsatz von 300 Millionen Euro fast 100.000

Menschen direkt oder indirekt beschäftigen sollen, ist

man über die Beschlüsse aus Den Haag nicht erfreut.

Auch hier werden negative Auswirkungen auf den

Beschäftigungsstand befürchtet.

Hanf Journal verwundert: Jetzt darf man dann nicht mal

mehr im Coffee-Shop kiffen! Früher war eben alles besser.

Niederlande nicht mehr größter

Drogenlieferant

BRD. - Die Bedeutung der Niederlande als Lieferant

illegaler Drogen für Niedersachsen hat abgenommen.

Verstärkt kämen jetzt Drogen auf neuen Transportwegen

aus Osteuropa, erklärte der Landesdrogenbeauftragte

Lothar Rimpl. Derzeit gelten in Niedersachsen etwa

190.000 Menschen als alkoholkrank und 12.000 als

drogenabhängig.

Hanf Journal meint: Irgendwo kommen sie immer rein!

Cannabis als Medizin!

Großbritannien. - Ein englischer Krebspatient, der mit

Drogen handelte, um seinen eigenen Cannabiskonsum

zu finanzieren, stand nun vor einem Gericht in York.

Der 23-Jährige hatte Cannabis als Schmerzmittel benutzt,

nachdem die operative Entfernung eines Tumors aus

seinem Rücken vor drei Jahren zu anhaltenden Problemen

geführt hatte. Dadurch war er in Kontakt zu

anderen Cannabiskonsumenten gekommen, an die er

die Droge auch weiter verkaufte, um so seinen eigenen

Konsum zu finanzieren.

Richter Robert Taylor erklärte aber, daß er aufgrund der

besonderen Umstände von einer Haftstrafe absehen

wolle. Stattdessen muss der Angeklagte 60 Stunden

soziale Arbeit ableisten.

Die Polizei hatte in der Wohnung des Angeklagten 32,5

Gramm Cannabis sowie Bargeld, das aus dem Verkaufserlös

stammen soll, beschlagnahmt.

Hanf Journal erzürnt: Lasst sie alle leiden!!

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news

Hanf Journal Online

Die Website des Hanf Journals (www.hanfjournal.de)

wird immer breiter. Denn neben der Fülle an inhaltlichen

Informationen und dem Meinungsaustausch

kommen nun neue Rubriken wie Bilderreihen, Aktionsideen

oder kleine Filmchen auf die Homepage.

Die neue Community

Ganz neu ist auf der Seite die Rubrik „Community“.

Schon seit längerer Zeit kann man auf der Hanf Journal-

Seite Bildergalerien bewundern. Diese findet ihr in

Zukunft auch im Community-Bereich. Unter dem Stichwort

„Impressionen“ werdet ihr ab sofort immer wieder

neue Bildergalerien wie die vom Hanffeuer in Wien,

von den Aktionen vor dem SPD-Parteitag oder vom

Herstellen von Bubbelhasch bewundern können. Auch

die Touren des Hanf Journals und verschiedenste

Eindrücke über unsere Arbeit werdet ihr hier regelmäßig

finden.

Der zweite Unterbereich der Community ist „Fun“.

Hier gibt es in Zukunft die breitesten Kifferspiele des

Netzes, Fundstücke, Präsentationen oder andere

Überraschungen, die zur Erheiterung des Kifferherzen

gedacht sind.

Und zu guter Letzt haben wir auch noch die Aktivistenrubrik

eingeführt. Wir wollen euch die Möglichkeit

geben aktiv zu werden. Im Bereich „Action“ werdet

ihr regelmäßig Möglichkeiten bekommen eurem Protest

Ausdruck zu verleihen. Von Protestmails über Unterschriftenlisten

zum downloaden bis hin zu Demounterstützungen

könnt ihr hier alles finden. Die Rubrik für

Aktive und solche, die es werden wollen.

Die Fülle an Informationen wird weiterhin so bleiben.

Das komplette Hanf Journal ist online per html und

seit neuestem auch zum Download als PDF zu lesen.

Jeden Sonntag gibt’s die neuesten aktuellen Informationen

in unserem Newsticker, den man auch als E-Mail-

Newsletter bestellen kann. Wer Informationen über

Hanf haben will, ist auch in Zukunft auf

www.hanfjournal.de gut versorgt. Wir sind das einzige

monatliche Hanfmagazin in Deutschland, haben dazu

noch einen wöchentlichen Newsletter mit vielen

weiteren Informationen rund ums Kiffen auf der

Homepage.

Neu wird auch die Linkliste und ein Archiv sein. Im

Archiv könnt ihr bald alle jemals im Hanf Journal

erschienenen Artikel nachlesen und nachrecherchieren.

Bei den Links könnt ihr dann nach dem stundenlangen

Herumklicken auf www.hanfjournal.de weitere

interessante Seiten über Hanf finden.

Also guckt mal vorbei und werdet interaktiv!

www.hanfjournal.de

Lasst uns endlich Steuern zahlen!

Hanf legalisieren – Staat sanieren

Georg Wurth (DHV) will

“Hanf legalisieren -Staat sanieren”

Sparen, sparen, sparen ist die Devise der Bundesregierung.

Und mit der Agenda 2010 versucht sie das auch. Doch leider

gerade durch soziale Einschnitte. Die Kassen sind leer. Und

nun scheint es so, als ob gerade die Ärmsten ran müssen um

dieses Problem zu beheben. Und dabei könnte sparen so einfach

sein. Denn immer noch wird Geld zum Fenster rausgeschmissen.

Die Cannabisprohibition kostet Milliarden Euro, verhindert

Arbeitsplätze und blockiert Steuereinnahmen.

Genau dies versuchten der Deutsche Hanf Verband (DHV) und

das Hanf Journal in der politischen Debatte um die Agenda

2010 zu thematisieren. So fuhren Georg Wurth (Geschäftsführer

des DHV) und Werner Graf (Chefredakteur des Hanf Journals)

zu den Parteitagen von SPD und Bündnis 90/DIE GRÜNEN

und warben für mehr Steuereinnahmen durch Cannabis. Vor

den beiden Parteitagshallen erregte ein Banner mit der Aufschrift

„Hanf legalisieren – Staat sanieren“ die Aufmerksamkeit und

mehrere Aktivisten in Sträflingskostümen verteilten das dazu

passende Flugblatt.

Den Delegierten der beiden Parteitage wurde darin nahe

gebracht, dass durch das Verbot von Cannabis der Staat die

Chance vergibt, Genussmittelsteuer auf Hanf zu erheben. So

wurde ihnen folgendes vorgerechnet: „Im Zuge der Regulierung

des Hanfmarktes in der Schweiz soll dort auch eine Abgabe

eingeführt werden. Wenn man die erwarteten Einnahmen in

der Schweiz auf Deutschland hochrechnet, ergibt sich ein

Steuervolumen von über 2 Milliarden (2.000.000.000) Euro pro

Jahr.“ Doch dies sind nur die entgangenen geschätzten Steuereinnahmen,

die trotz millionenfachen Konsums nicht bezahlt

werden.

Auch Arbeitsplätze werden durch das Verbot verhindert. Der

Handel mit Rauschhanf würde bei einer Legalisierung den

illegalen Strukturen entrissen werden. Somit könnten Tausende

legaler Arbeitsplätze entstehen, was Mehreinnahmen im Bereich

der Unternehmens- und Lohnsteuer zur Folge hätte. Auch die

Sozialkassen hätten bei mehr Arbeitsplätzen mehr Einnahmen

und würden dadurch entlastet werden.

Den größten Batzen an Einsparungen hätte man wohl bei den

Kosten für die Repression. Im Jahre 2002 gab es 140.000 Ermittlungen

wegen Hanf. Das bedeutet, dass 140.000-mal ein Polizist

eine Strafanzeige stellen muss, dass 140.000-mal der Staatsanwalt

entscheiden muss, ob das Verfahren nicht wegen „geringer

Menge“ eingestellt wird und das etliche Tausende Male ein

Richter sich mit dem Thema Cannabis beschäftigen muss. Und

das obwohl die Polizei, die Staatsanwälte, die Richter und auch

die Gefängnisse sicherlich sinnvollere Beschäftigungsbereiche

hätten als Kiffer zu verfolgen. Gerichtsverfahren könnten

endlich deutlich verkürzt werden, Polizisten könnten sich um

Gewalt- und Sexualverbrechen kümmern, die Gefängnisse

wären endlich nicht mehr überfüllt.

Doch noch gilt für all das „wäre, hätte, wenn“, denn all dies

Geld, diese Einsparungen und Erleichterungen will der Staat

einfach nicht haben. „Nur weil der Staat seine Bürger keine

andere Droge als Alkohol oder Tabak konsumieren lassen will,

häufen wir jährlich Milliarden Euro zusätzliche Schulden an.

Und das Ganze noch ohne einen einzigen positiven Nebenaspekt.

Eine vollkommene Fehlinvestition!“ kommentierte

Georg Wurth, Geschäftsführer des DHV, diesen wirtschaftlichen

Fehlgriff.

Dass die SPD oder die Grünen auf den DHV oder das Hanf

Journal hören werden, ist eher unwahrscheinlich. Vielleicht

haben einige (wenige) doch begriffen, dass es in der Wirtschaftsund

Sozialpolitik nicht nur Einschnitte bei den sozial Schwachen

oder mehr Schulden als Lösung gibt, sondern auch andere

Mehreinnahmen bzw. Einsparungen. Und wo sonst kann man

die Menschen glücklich machen, wenn sie endlich Steuern

zahlen dürften?

Werner Graf

SPD-Spitze


Immer wieder Sonntags

die Dope am Sonntag feiert ihre 150. Ausgabe

We want you!

FreD versucht erstauffällige Drogenkonsumenten zu schnappe

Das Bundesministerium für Gesundheit und soziale Sicherung

(BMGS) hat 2000 in Kooperation mit acht Bundesländern das

Modellprojekt „Frühintervention bei erstauffälligen Drogenkonsumenten“,

kurz FreD, initiiert. Das Projekt war vor allem auf

jungendliche Konsumenten zwischen 14 und 25 Jahren ausgerichtet,

die zum ersten Mal wegen illegalen Drogen auffällig

geworden waren. Ziel des Projektes war es, frühzeitig ein kurzes

und gezieltes Hilfs- sowie Beratungsprogramm für diese

Jugendlichen zu bieten. Das Hanf Journal beleuchtet die

Ergebnisse dieses Projekts für euch.

An 15 Modellstandorten (in Bayern, Berlin, Brandenburg,

Mecklenburg Vorpommern, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen,

Sachsen sowie Rheinland Pfalz ) wurde jugendlichen

Drogenkonsumenten, die zum ersten Mal polizeilich auffällig

wurden, das Informations- und Hilfsprogramm FreD angeboten.

Das Programm bestand aus einem persönlichen Gespräch

(InTake-Gespräch) sowie einem achtstündigen Kursangebot.

Zunächst hatten Polizei und Justiz Jugendliche über den Modellversuch

„informiert“, die Jugendlichen sollten dann telefonischen

Kontakt zu den örtlichen Stellen aufnehmen. Von

den 676 Anrufern wurde 514 danach eine Kursteilnahme bzw.

57 Personen suchtspezifische oder psychologische Beratung

empfohlen. 446 nahmen an den Kursen auch teil, 83% davon

haben den Kurs abgeschlossen. Die Kursteilnehmer waren

durchschnittlich zwischen 17 und 18 Jahre, die meisten davon

Schüler oder Auszubildende.

Vor ihrer ersten polizeilichen Auffälligkeit konsumierten über

95% Cannabis, nur 11,5% hatten vorher Ecstasy, 7,7% Pilze und

6,7% Amphetamine konsumiert. Fast ein Drittel der Teilnehmer

hatten ihre Hauptdroge innerhalb eines Monats sieben mal eingenommen.

Demgegenüber stand über 28% der Jugendlichen,

die fast täglich konsumierten. Die Teilnehmer unterschieden

sich gar nicht bzw. kaum bezogen auf Konsummotivation oder

Selbstwertgefühl von anderen Jugendlichen. Es wurden vor

allem hedonistische Gründe für den Konsum genannt, wie

beispielsweise Genießen und Entspannung. Die meisten hatten

ein positives Selbstbild und zeigten eine altersgemäße Haltung

zu (begrenzten) Regelverletzungen.

Auffällig bei der Evaluation des Modellprojektes ist, dass leider

keine Angaben bestehen, inwieweit und wie viele Jugendliche

zur Teilnahme gezwungen wurden und wie viele wirklich aus

eigener Motivation mitgemacht haben. Bei den meisten jugendlichen

Drogenkonsumenten war mit einer Einstellung ihres

Verfahrens zu rechnen, die Frage ist nur unter welcher Auflage.

Wenn auch in dem schriftlichen Bericht viel von freiwilliger

Teilnahme gesprochen wird, so finden sich auch Textabschnitte,

die alles andere als freiwillig klingen: „Die Interventionen des

Modellvorhabens waren ... zu Beginn u.a. als frühzeitiges, kurzes,

gezieltes und freiwilliges Angebot konzipiert. Die Modellumsetzung

hat dann jedoch zu Veränderungen geführt und

verschiedene Zugangswege hervorgebracht , zu denen auch

Weisungen nach den §§ 45, Abs. 2, 3 und 47 JGG zählen.“ Georg

Wurth, Geschäftsführer vom Deutschen Hanf Verband sieht

das ebenfalls kritisch: „(. . .) Auch den teilweise ausgeübten

news

Jeden Sonntagnachmittag ganz frisch:

Dope am Sonntag

Das Boulevard-Blatt für den

informierten Kiffer

Und seit neuestem wöchentlich mir der

Nackten von Seite 2

Für noch entspannteres Chillen

Ein Hanf Journal-Projekt

www.dopeamsonntag.de

Zwang zur Teilnahme an den Kursen halten wir für problematisch.

Stattdessen wäre eine flächendeckende Diskussion über

den bewussten Umgang mit legalen und illegalen Drogen im

Schulunterricht sinnvoll. Ein offener und ehrlicher Austausch

über Drogenerfahrungen ist aber erst dann möglich, wenn die

Jugendlichen keine Angst vor Strafverfolgung haben müssen.“

Von Frühintervention kann auch kaum die Rede sein; die jungen

Leute wurden durchschnittlich drei Jahre nach ihrem ersten

Drogenkonsum erreicht. Außerdem ist in dem Bericht kaum

etwas zum genauen Inhalt der Kursangebote zu finden. Zwar

finden sich Angaben wieder, dass Gespräche, Videovorstellungen

und Vorträge von teilweise externen Referenten stattfanden,

jedoch nicht was für Informationen vermittelt wurden. Schließlich

gibt es in der Drogenaufklärung die verschiedensten Inhalte,

die vermittelt werden sollen. Von einem bewussten und verantwortungsvollen

Umgang mit Drogen bis zu einer Verteufelung

aller Berauschender Mittel sind alle Lerninhalte möglich.

Es ist zwar besser, jungen Menschen gezielte Hilfen und Beratung

anzubieten, als erst dann Unterstützung bereitzustellen, wenn

bereits eine langjährige Abhängigkeit vorliegt. Was nicht heißen

soll, dass alle Drogenkonsumenten früher oder später abhängig

werden. Der entscheidende Punkt ist, dass Menschen aus freien

Stücken und von sich selbst aus Hilfe in Anspruch nehmen müssen,

ansonsten kann ihnen sowieso nicht richtig geholfen werden.

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Katrin Schmidberger


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Drogentourismus – ein Wort wie ein Faustschlag. „Was sind

das nur für Menschen, die ihre Urlaubsplanung nach einer

Droge ausrichten? höre ich schon die konservativen Stimmen

fassungslos fragen. „Tja, was sind das für Menschen, die Jahr

für Jahr teilweise von weit her anreisen um einem der größten

(und überteuertsten) Drogen-Verherrlichungs-Spektakel, dem

Oktoberfest, beizuwohnen?“ halte ich dagegen. Dass der

„Drogentourismus“ einen gewichtigen Wirtschaftsfaktor stellt,

ist jedoch bei weitem nicht nur auf das herbstliche Saufgelage

im Freistaat beschränkt. Regionen wie das Burgenland und die

Steiermark mit ihrer berühmten Weinstraße in Österreich oder

französische und spanische Weinbaugebiete sind darauf angewiesen,

dass sich alljährlich unzählige Touris kistenweise mit

der Volksdroge Alkohol eindecken, und es ist noch gar nicht

lange her, da auch Mitglieder meiner Familie regelmäßig nach

Tschechien pilgerten um sich dort mit Tabakerzeugnissen einzudecken

(bis die Einfuhr auf eine Stange pro Person begrenzt

wurde und sich die Anreise nicht mehr rechnete).

Liquide Mitbringsel, ob vergoren oder destilliert (russischer

Wodka!) wirken immer, wenn es darum geht, Gäste zu beeindrucken.

Und selbst eingefleischte Nichtraucher erliegen dem

Charme kubanischer Zigarrenfabriken. Wer legaler Genussmittel

wegen sein Ränzlein schnürt, gilt gemeinhin als „Kenner“ oder

„Gourmet“. Wer dies für illegale Genussmittel tut, erntet meist

wenig Beifall. Hanfkonsumenten, die in Amsterdam Urlaub

von der Illegalisierung machen wollen oder sich der Qualität

wegen nach Marokko aufmachen, werden bestenfalls belächelt,

Wer kennt das nicht? Mensch ist unterwegs, hat sich ein paar

Joints vorgedreht und gerade wenn man sie herausholt sind

sie verdellt, eingedrückt oder schlimmstenfalls gebrochen.

Bisher hatte man zwei Möglichkeiten: Entweder bei jedem

Wetter und in jeder Situation doch gleich frisch einen zu drehen

oder halt mit der Gefahr des Kaputtgehens zu leben.

Diese Zeiten sind nun vorbei. Ein genauso einfaches wie simples

Produkt gewährt euch nun Transportsicherheit. Der j-pack,

oder auch jointpack, ist einfach eine Plastikhülle, die dem Format

eines Jointes angepasst ist. Joint reinstecken, Stöpsel drauf,

fertig. Und so kann man den Joint sogar vor Regen, Hagel und

Schläge schützen.

Dieses neue Produkt ist genauso einfach wie praktisch. Denn

wer will seinen Joint schon ungeschützt lassen? Natürlich sind

die j-packs in verschieden Farben erhältlich.

www.jointpack.nl

news

Wenn der Genuss auf Reisen geht . . .

schlimmstenfalls verteufelt. Es kann einfach nicht sein, was

nicht sein darf. Und doch stehen sich der Weinkenner und der

Hanfliebhaber näher, als dies Exekutive, Politik und die

Vereinten Nationen wahrhaben wollen.

„Eine Umgebung, die toleranter im Zusammenhang mit dem

nichtmedizinischen Gebrauch von Cannabis ist, bringt die

Einspannungen für die Prävention und die Maßnahmen gegen

den internationalen Drogenhandel ernstlich in Gefahr“, hieß

es in einem Brief des United Nations International Narcotics

Control Board an die belgische Regierung anlässlich der dortigen

Entkriminalisierung des Hanfes zu privaten Zwecken. Die

belgische Regierung tat das einzig Richtige: Sie beschloss, nicht

auf das Schreiben zu reagieren. Denn betrachtet man diese

Aussage genauer, bleibt (erwartungsgemäß?) nicht viel mehr

als heiße Luft. Wäre die UNO in ihren Handlungen wenigstens

konsequent, so müssten Alkohol und Tabak sofort verboten

werden, da ja sonst auch hier die „tolerante Umgebung die

Prävention ernstlich in Gefahr brächte“. Und dass die effektivste

Maßnahme gegen den „internationalen Drogenhandel“ (welch

präzise Definition!) die Legalisierung mit der damit einhergehenden

wieder gewonnenen Kontrolle über den Markt wäre,

ist doch beinahe schon obsolet anzuführen, weil so logisch wie

sonst kaum etwas. Angesichts solcher Aussagen stellt sich

immer wieder die Frage, ob UNO-Mitarbeiter in derselben

Welt leben wie „Normalsterbliche“.

Anfang Juni überraschte nun die niederländische Regierung

mit der Ankündigung, man wolle dem „Drogentourismus“

den Kampf ansagen. Dass Windows immer noch das meist

verwendete Computer-Betriebssystem der Welt darstellt, ist

offensichtlich nicht das einzige Beispiel, dass nicht unbedingt

nur Qualitäts- und andere logische Kriterien zum Erfolg führen.

Entscheidend ist nicht, wer die richtigen Argumente auf seiner

Seite hat, sondern wer mehr Macht hat um seine Argumente

durchzusetzen, und das sind nun mal die europäischen Schwergewichte

Frankreich und Deutschland. Oder eben die UNO

mit ihren Knebelkonventionen. Thomas Zeltner, Schweizer

BAG-Direktor, formulierte dies anlässlich der bevorstehenden

Abstimmung zur Gesetzesänderung so: „Ein sozial verträglicher

Umgang mit Suchtmitteln ist ja durchaus möglich. Die Akzeptanz

bei Experten und Bevölkerung wäre jetzt schon groß. Aber

die internationale Drogenkonvention lässt eine Legalisierung

von Cannabis nicht zu, und der Bundesrat will diese Konvention

nicht kündigen.“ Allein in der Schweiz werden so bislang

600.000 regelmäßige Hanfkonsumenten illegalisiert, jährlich

über 30.000 Anzeigen wegen Konsums sind die Folge. Laut

Eurobarometer 57.2 von 2002 hat jeder vierte Europäer zwischen

15 und 24 schon mal Hanf konsumiert, jeder zehnte im letzten

Monat. Dennoch apportiert die Europäische Union weiterhin

brav Drogenberichte und kämpft gegen den gemeinsamen

Gegner, der, wie Christie & Brun es in ihrem Buch „Der nützliche

Feind“ so schön formuliert haben, „klar genug ist um bekämpft

zu werden, zugleich aber unklar genug, damit er hinter der

nächsten Ecke vermutet werden kann.“ Derzeit scheint „der

Terrorismus“ den Genussmitteln in dieser Hinsicht zwar den

Rang abzulaufen, aber wie sagte General Schwarzkopf noch

so schön: „Der Drogenhandel ist nach dem Zusammenbruch

des Kommunismus der wichtigste Feind der Vereinigten

Staaten.“ Na, wenn das nicht Grund genug ist!

Xenophobie beherrscht das Denken. Anderssein wird immer

noch und immer wieder nicht als Bereicherung, sondern als

Bedrohung der eigenen Wertesysteme verstanden. Verständlich:

wenn diese auf tönernen Füssen stehen, braucht es die Be-

stätigung von außen. Die Niederlande leben nun schon seit

über 30 Jahren vor, wie es gehen kann - das alleine hilft nichts.

Als die Grenzgemeinde Venlo den Bau zweier Drive-in-Hanfläden

an der Autobahn plante, um die Massen der deutschen

Kunden in die Peripherie zu verlegen und damit die Innenstadt

zu entlasten, reagierte man auf der anderen Seite mit Entsetzen.

Auch einmal an die Lebensqualität der Holländer zu denken,

wäre ja wirklich zuviel verlangt.

Der nun veröffentlichte Vorschlag des niederländischen Justizministeriums,

die ausländische Nachfrage nach „Nederwiet“

durch eine Absenkung seines THC-Gehaltes zu minimieren,

regt zum Schmunzeln an. Das Zeug ist einfach zu gut, Qualität

wird bestraft. Wer seine Sache schlecht macht, darf bleiben.

Als wenn die europäischen Hanfkonsumenten nicht schon

genug Adulteration zu ertragen hätten, sollen sie sich nun auch

noch offiziell mit minderer Ware begnügen. Rein mit dem

Frostschutzmittel in die Weinflaschen!

Die Schweiz will sich diese lästigen Diskussionen ersparen,

indem nur Schweizer oder in der Schweiz ansässige Ausländer

Hanf erwerben dürfen. Ein geschickter Schachzug um die

Entkriminalisierung als „innere Angelegenheit“ darlegen zu

können. Wer dann an wen weiterverkauft wird in der Praxis

wohl kaum zu kontrollieren sein. Schon in den letzten drei

Jahren ist die Zahl der Suchtgiftanzeigen im Grenzbundesland

Vorarlberg laut Sicherheitsdirektor Dr. Elmar Marent stark

gestiegen. Und auch den Italienern scheint der Weg ins Ländle

nicht zu weit. Als Reaktion auf die bevorstehende Liberalisierung

im Nachbarstaat plant man nun in Zukunft verstärkt

gemischte Streifen entlang des Rheins, in der Ostschweiz, in

Vorarlberg und in Liechtenstein. Marent betont, dass „durch

den enormen bürokratischen Aufwand wegen der vielen

Kleindealer die Exekutive stark belastet sein und die Bekämpfung

der großen Händlerringe darunter leiden wird“. Es wäre

so einfach, die armen Beamten zu entlasten! Einmal unvoreingenommen

über den Tellerrand zu blicken, zum Beispiel

nach Lambeth, würde schon viel helfen. In diesem Stadtteil

von London Hanfbesitz nicht mehr zu kriminalisieren, sondern

nur mehr mit einer Verwarnung und der Aufnahme der

Personalien zu ahnden, ersparte jedem Beamten monatlich

zehn Arbeitsstunden. Und gegen glückliche Polizisten ist doch

nun wirklich nichts einzuwenden.

Auch Thomas Zeltner versteht diesen Aufwand nicht:

„Selbstschädigung ist nicht strafbar. Das Strafrecht soll nur

dann angewendet werden, wenn die Gesellschaft einen Schaden

erleidet. Das ist beim Cannabiskonsum nicht der Fall.“ Und in

punkto Selbstschädigung ist Hanf bewiesenermaßen Tabak

und Alkohol keineswegs voraus.

Es gibt auch positive Beispiele. „The Smokers Guide to

Amsterdam“ etwa hilft, aus dem für Neulinge unübersichtlichen

Angebot an Coffee-Shops die besten zu wählen und nicht von

Straßenverkäufern über den Tisch gezogen zu werden. Für die

dazugehörige Website werden jede Woche vier bis fünf verschiedene

Hanfsorten getestet und bewertet. Es bleibt hoffentlich

nur eine Frage der Zeit, bis Wein- und Hanflexika friedlich

nebeneinander im Buchregal stehen werden und man auch mit

grünen Mitbringseln seine Gäste beeindrucken darf.

Claudia Greslehner


Hanf Journal on Tour

Das Hesi Team Siglinde (Hesi) und Dirk (HaJo)

Hanf Journal on TourImmer wieder sind die Macher des Hanf

Journals „on tour“ und besuchen Hanffirmen in ganz Europa.

Wir wollen euch mitnehmen und berichten ab sofort regelmäßig

von einigen Firmenbesuchen:

Hesi – Alles was die Pflanzen lieben

Wer growt, kennt die Firma Hesi. Schließlich ist Hesi eine der

führenden Pflanzendüngerhersteller der Hanfszene. Doch auch

bei Henk und Siglinde – die beiden Köpfe von „He-Si“ – hat

alles einmal klein angefangen.

Früher arbeitete die aus Deutschland stammende Siglinde bei

einer Produktionsfirma für Aquarien- und Teich bedarf als

Leiterin des Forschungs- und Kontrolllabors. Als ihr Chef sich

einen riesigen Wintergarten mit exotischen Pflanzen zulegte,

bekam der Gärtner ein Problem! Er schaffte es einfach nicht

,die Pflanzen auf Pep zu bringen. Schnell war klar, nun muss

Siglinde ran. Sie ging in die Universitätsbücherei, durchforstete

alles Wissen über den Aufbau und die Ernährung von Pflanzen

und stellte aus hochwertigsten Grundstoffen einen neuen

hochwertigen Dünger her – schließlich spielte für den Chef

Geld keine Rolle. Und siehe da - Siglindes Zaubertrank brachte

die Pflanzen fix wieder auf Vordermann. Und da die gemischten

Pflanzendünger so gut wirkten, wollten auch Freunde von

Henk und Siglinde diese Dünger für ihre Hanfpflanzen

ausprobieren. Und so begab es sich im Jahre 1993, dass nach

den ersten Tests klar war: Dieser Dünger wirkt. Und so hagelte

es bald hysterische Anrufe: „Ich brauch 20 Liter – und das bis

morgen!“ Da hies es, in der eigenen Garage produzieren

EnviroLights

Ganz nah dran

Auch im Bereich der Pflanzenlampen erreichen uns immer

wieder neue Innovationen. Eine davon ist EnviroLight.

Sie ist eine Energiespar-Leuchtstoffröhre mit sehr gutem Lichtspektrum

für Pflanzen. Die Lampe ist sowohl mit Rotspektrum

für die Blütephase als auch im blauen Daylight-Vollspektrum

für die Wuchsphase erhältlich. Wie ihr in den beiden Grafiken

erkennen könnt, schaffen es diese Lampen präzise, die gewünschten

Lichtfarben (Wellenlängen) zu erzeugen, die eure Babies

brauchen (Wuchsphase ca. 450–500 nm, Blütephase, ca. 600–700

nm).

Zu den technischen Daten: Im Moment gibt es 95 Watt und 125

Watt starke Versionen, stärkere sind in Planung. Die 95 Watt-

Version erzeugt 8.900 Lumen mit 2.700 Kelvin (rot), 6.400 K

(blau) und einer Brenndauer von 10.000 Std. Alle EnviroLights

passen in die E-40-Fassungen, also die gleichen Fassungen,

welche auch für die herkömmlichen Na-HD Lampen verwendet

werden. Das Vorschaltgerät ist integriert. Die Wärmeentwicklung

ist entscheidend geringer als bei Na-HD-Lampen. Dadurch

wird der Mindestabstand zur Pflanze in gut belüfteten Räumen

1996 gründete sich die Firma. Da dauerte es nicht lange, bis

Siglinde hochschwanger im noch bescheidenen Betriebsraum

stand und in großen Bottichen Dünger anrührte. Erst als die

Hebamme sie im achten Monat fragte, wann sie denn das

Kistenschleppen aufhören wolle, sah sie langsam ein, dass sie

nun ein bisschen pausieren sollte.

Diese Zeiten sind nun vorbei! Nun kann Hesi auf eine lange

Firmengeschichte zurückblicken. und hat seitdem sogar einige

Preise eingestrichen. Um nur einige zu erwähnen, seien hier

der 2. Preis auf Hydro bei dem High Life Gras Cup 2003 (gewonnen

durch Hydroland Nijmngen, gezüchtet mit Hesi) und

sogar der 1. Preis auf Erde letztes Jahr genannt. Aber manches

ist auch noch beim Alten geblieben, denn wie wir uns selbst

überzeugen konnten, ist Hesi immer noch eine der einzigen,

die selber produzieren und abfüllen. Und das Prinzip der besten

Qualität gilt auch immer noch. „Nur das beste ist uns gut

genug!“ beteuert Siglinde und erklärt, wie viel sie sparen könnten,

wenn sie Billigmaterial benützen würden. Aber das wollen

sie nicht. Und so werden die Produkte, vom Wurzelkomplex

und Supervit über die spezial Dünger für jedes Medium immer

noch auf höchster Qualität erzeugt.

Hesi ist eine echt liebe Firma, die uns herzlichst in Holland

empfangen haben. Ihre Begeisterung mit der sie über Dünger

philosophieren, haben mich überwältigt. Man hat gemerkt,

dass sie eine Liebe für die Pflanzen haben und so ist es auch

nicht verwunderlich, dass Siglinde eine der meistgefragtesten

Growspezialistin ist, die probiert, mit ihren Fachartikeln jedem

ein bisschen mehr Wissen zu vermitteln.

Ach ja, von Hesi und dem Hanf Journal gibt’s derzeit auch ein

Rundum-Sorglos-Paket zu gewinnen. Einfach auf

www.hanfjournal.de nachgucken.

www.hesi.nl

Werner Graf

auf bis zu 5 Zentimeter (beim 95 Watt-Modell getestet) reduziert.

Bei einer 600 Watt Na-HD-Lampe sind es mindestens 50 cm.

Dies bringt einen ernormen Vorteil, da die Lichtausbeute

exponential proportional zum Abstand ist. Das heißt, dass der

halbe Abstand zur Pflanze die vierfache Lichtausbeute erbringt.

Zwar ist die Lichtleistung dieser Lampe relativ gering (8.900

lm bei 95 W bzw. 12.000 lm bei 125 W gegen ca. 60.000 lm bei

600 W), doch wird genau das durch den kürzeren Abstand

ausgeglichen.

wirtschaft

Ya roll da Blunts, ya

smoke da Blunts, ya

love da blunts

Put the crown on your blunt!

Yo Baby, damit wird dein Blunt absolut perfekt ! Tip Tube

BlunTT sorgt nicht nur für topeinfaches Drehen des königlichen

Teils, dieser speziell für alle Blunts entwickelte Tip verwöhnt

dich mit angenehmen, kühlen Rauch bis zum allerletzten Hit.

Dr. Donners ist ja bereits für die eine oder andere Spezialität

bekannt, aber hier zeigt sich die ganze Erfahrung aus fünf

Jahren Blunt-biznezz. Zwei speziell gefräste Kappen aus hochwertiger

Keramik sorgen für krassen Durchzug, ohne das dein

Blunt mit jedem Zug heißer und heißer wird. Wer Tip Tube

BlunTT als Mundstück nimmt, wird rasch feststellen, dass der

Blunt mit jedem Zug kühler und kühler wird. Unglaublich -

aber wahr. Das so ganz nebenbei das Finish kaum noch von

einer maschinell hergestellten Zigarre zu unterscheiden ist,

macht die Sache für Fans des „Ich will schmöken wo ich will“

doppelt interessant. Tip Tube BlunTT findest du im gut sortierten

Head-, Streetwear-, oder Skatershop. Für mehr Infos einfach

mal www.bluntz.de anklicken und in Ruhe auschecken.

Unser Fazit:

Die EnviroLights bieten ein sehr gutes Licht mit geringer Hitzeentwicklung

und einer langen Lebensdauer. Ihre Kompaktheit

und die einfache Installation machen sie zu einer vielseitig einsetzbaren

Waffe gegen die Dunkelheit. Ob als Zusatzbeleuchtung

zum Verbessern der Lichtqualität und Ausleuchten der

Ecken und unteren Pflanzenbereiche, für kleinere geschlossene

Setups als „coolere“ Komplettalternative zu den herkömmlichen

Lampensystemen, als Stecklingsbeleuchtung oder für den

gesamten Pflanzenzyklus, Einsatzmöglichkeiten gibt es genug.

Die Lampen haben leider auch ihren Preis:

Das 95 W-Modell soll 95,- Euro, das 125 W-Modell 105, - Euro

kosten, also ist die 125 W-Variante klar die kosteneffizientere.

Auf unserer Homepage bei den Bildgalerien findet ihr auch

eine kleine Testreihe von uns mit einer 95 W-Birne im Ikea-

Schrank. Schaut es euch an unter www.hanfjournal.de -

exklusive Bildgalerien!

Der Vertrieb der Lampe läuft über:

Growth Technology UK

info@growthtechnology.com

0044 1823 325 291

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guerilla growing

Das Guerilla Growing-Team präsentiert:

Katrin entdeckt die Welt des Growing - "Outdoor – nur für die Harten"

Nils und ich haben uns von den bösen Dieben, die uns unsere

Guerillas Gusto geklaut haben, nicht die Lust aufs Growing

verderben lassen. Wir werkeln fleißig weiter im holländischen

Garten. Unsere Valley Queens und unsere Guerillas Gusto

entwickeln sich prächtig weiter. Lasst euch überraschen, was

wir in dieser Folge so alles machen . . .

Selbstverständlich ist die Outdoor-Methode der natürlichste

Weg zum Weed, aber sehr abhängig vom nassen und kaltem

Herbstregen. Vor allem in den nördlicheren Teilen Europas

kommen die Pflanzen zwar gut durch das vegetative Stadium

(Wachstumsstadium) und sehen auch sehr schön aus, aber

dann geht es oft in der Blühphase schief, weil es draußen viel

zu nass und feucht ist. Du solltest kein Risiko eingehen und

deshalb die Babies nicht zu früh und nicht zu spät aussetzen:

nach den Eisheiligen Mitte Mai ist wohl der optimale Zeitpunkt.

„Gib mir mal die Schaufel“, ruft Nils mir in seinem wunderschönen

Garten zu. Der sympathische Holländer und ich

pflanzen nun die Valley Queens, die bisher auf Nils` Balkon

wachsen, in den Garten. Diese Sorte schuf die Samenbank No

Mercy mit einer Kreuzung aus Everest Queen und Silver Pearl,

eine sehr gute Outdoor Pflanze, die verspricht innerhalb von

neun Wochen einen reichlichen Ertrag zu bringen. Die Kleinen

sind groß und stabil genug, circa 30 bis 50 cm hoch, um Wetter

und Fressfeinde draußen zu überstehen. Außerdem, da legt

Nils besonderen Wert darauf, ist sein Garten der optimale Platz

fürs Outdoor-Growing. „Natürlich könnte ich die Pflanzen

auch in die Pampa setzen, aber mir ist das irgendwie zu stressig.

Da muss man schon ein besonders harter Grower sein. Der

Aufwand und die Risiken sind mir einfach zu hoch“, erklärt

mir mein hilfreicher Lehrer.

Vergesst das nie:

Ja, wir müssen es immer wieder sagen: der Anbau und Besitz

von Cannabis ist in Deutschland verboten. Anders als hier in

den Niederlanden dürft ihr keinen Hanf anbauen. Sollten doch

einige von euch so böse sein und es doch tun, hier die wichtigsten

Tipps, wie man es schaffen kann, dass keiner davon

Wind bekommt:

Es laufen selbst an den entlegendsten Örtchen Leute rum:

Förster, Waldarbeiter, Bauern, Strommastenwärter oder Spaziergänger.

Außerdem müsst ihr auf Wildwechsel achten, sonst

sind eure Pflänzchen schnell weggefressen. Die beste Methode,

um schnell einen sicheren Ort zu finden, ist folgendes Motto:

Je schlechter und fieser der Weg, desto besser ist der Ort.“ Also,

nehmt keine schon vorhandenen Trampelpfade - viel zu gefährlich

und produziert sie vor allem nicht selbst. Durch Sträucher,

Brennnesseln, Wälder und Gestrüpp kämpfen ist besser als

entdeckt zu werden. Lasst außerdem auf gar keinen Fall euer

Handwerkszeug zurück, das könnte euch verraten. Ebenso

solltet ihr keine Bestellscheine von Samen und anderem Growing-Zubehör

in eurer Wohnung liegen lassen. Manchmal frage

ich mich schon, wie blöd sich so manche Grower anstellen

können. Es gibt so viele Leute, die auf dem Balkon züchten

und die gesamte Nachbarschaft kann zuschauen. Hey, die

meisten Grower, die von unseren grünen Freunden entdeckt

werden, haben ihre Pracht auf dem Balkon gezüchtet. Schützt

eure Pflanzen und euch selbst und macht es so, dass es wirklich

niemand mitbekommt! Und erzählt es so wenig Leuten wie

möglich bzw. nur so vielen Leute wie unbedingt nötig.

Das Outdoor- Experiment

Von den 16 von Nils eingepflanzten Samen Guerillas Gusto

sind 14 nun prächtige Pflänzchen mit bereits drei bis vier

Nodien (Blattpaaren) geworden. Die Kleinen sind allerdings

noch nicht groß und stabil genug, um Wetter und Fressfeinde

draußen im Garten zu überstehen. Außerdem wird es schwierig

werden, sie noch rechtzeitig zur Blüte zu bringen. „Mal sehen,

ob wir die Kleinen noch nach draußen pflanzen, es kann sein,

dass sie es dann nicht mehr rechtzeitig schaffen.“, blickt Nils

skeptisch, „Vielleicht werden wir auch nur ein paar in den

Garten setzen und den Rest auf dem Balkon weiter pflegen,

mal sehen.“ Na dann warten wir mal ab . . . das wird ein richtiges

Outdoor- Experiment: denn die Kleinen wurden nicht

wie gewöhnlich – anfangs unter Kunstlicht oder auf der Fensterbank

vorgezogen, sondern werden „nur“ von der guten, alten

Sonne beleuchtet, und sind auch erst am 20.Mai als Samen in

die Erde gedrückt worden. Nils und ich pflanzen die Kleinen

nochmals um, `ne Menge Arbeit, aber man muss einfach an

den Ertrag denken und es geht highter weiter! Unsere Kleinen

haben in den ersten Wochen einen relativ langen und dünnen

Stängel bekommen, wie ihr auf Bild 2 sehen könnt. Nils zeigt

mir beim Umtopfen noch einen Trick, wie man diese dünnen

empfindlichen Pflänzchen in kurze robuste verwandelt.

Einfach beim Umtopfen tief in den neuen Topf setzen und bis

zu den Keimblättern mit Erde auffüllen. Der dünne Stängel

verwandelt sich dann in eine Wurzel und die Pflanze wird

stabiler und kürzer! Bild 3 und 4 zeigen euch wie`s geht. Am

21. Juni ist jedes Jahr die Sommersonnwende, schon immer.

Was hat das mit meinen Pflanzen zu tun? Ne ganze Menge,

denn sie hat Auswirkungen auf die Reifeschnelligkeit der Pflanze.

Hanf durchlebt eine Wachstums- eine Übergangs- und eine

Blühphase, eine biologische Uhr. Wenn die Pflanze die hauptsächliche

Wachstumsphase abgeschlossen hat (die Pflanze

wächst schon noch weiter), kommt sie in die Übergangsphase,

wo die Pflanze die für sie nötigen Vorbereitungen auf die

Blühphase trifft, z.B. mobilisiert die Pflanze die dafür nötigen

Stoffe. Dieses Stadium kann sich bis zu 70 Tage hinziehen. Bei

der Indoor- Zucht sind es meist 10 bis 12 Tage; denn dort stellt

man ja nur das Licht von 18 auf 12 Stunden um. Wenn nun

während der Sonnwende Vollmond bzw. der Mond sehr voll

ist, kann es zu einer längeren Übergangsphase kommen. Das

ist sehr ungünstig, da es dann logischerweise bis zur Blühphase

länger dauert. Dann muss man die Pflanze nachts in dieser

Zeit abdunkeln bis sie zum Blühen beginnt. Das gleiche gilt,

wenn eine große Straßenlaterne oder anderes Licht die Pflanze

in ihrer Nachtruhe stört. Und das wichtigste ist: die Pflanze

muss wirklich durchgehend mindestens 12 Stunden abgedunkelt

sein!

„Meinst du die schaffen es noch bis zum Herbst zu blühen?“,

frage ich Nils nach verrichteter Arbeit. „Dürfte schwierig werden,

da wir vielleicht erst im Oktober/ November ernten

können, die Blühphase kann bis zu 14 Wochen betragen. Da

kann es schon wieder kalt werden und uns die ganze Ernte

versauen. Allerdings gibt es da eben diesen Trick: wenn wir

bis zur Sommersonnwende die Pflanze nachts bei ihrem 12

Stunden Schlaf noch abdunkeln (mit schwarzer Tüte/ dunklem

Stoff), kommt die Pflanze schneller in die Blühphase. Wenn sie

dann erst mal blüht, muss man das nicht mehr machen“, belehrt

mich der Grow Profi.

Und was muss man noch mal beim Boden beachten, wie hoch

darf der pH-Wert sein, wie viel Dünger und Wasser brauchen

die Pflanzen im Freien? Tja, diese Fragen sind nicht einfach zu

Viele Brennnesseln und Dornenbüsche:

ein perfekter Platz!

Der lange dünne Stängel vor

dem Umtopfen

... tief in den Topf reinsetzen ...

... und bis zu den Keimblättern mit

Erde auffüllen.

beantworten. Und deshalb werdet ihr darüber in der nächsten

Ausgabe einen kleinen Crash-Kurs erhalten, freut euch drauf.

Solltet ihr dringend Unterstützung und Hilfe bei eurer Zucht

brauchen, seid ihr in unserem Forum genau richtig. Die erfahrensten

Grower und Kiffer stehen euch dort mit Rat und

Tat zur Seite. Mehr erfahrt ihr auf www.hanfjournal.de! Dort

könnt ihr auch mehr Bilder von den Guerillas Gusto und den

anderen Babies bestaunen.

Katrin Schmidberger

Gewinnen, Gewinnen, Gewinnen

Ihr wollt gewinnen? Das ist kein Problem. Ihr

müsst nur erraten was. Auf www.eurohydro.com

müsst ihr herausfinden, was in einem „Tripack

– One Part“ so alles drin ist. Das ist ganz einfach,

selbst bekifft schafft man das! General Hydroponics

spendiert den 5 glücklichen Gewinnern

jeweils ein Tripack – One Part. Die ersten beiden

erhalten dazu sogar noch eine AquaFarm bzw.

eine WaterFarm, tolle Preise für den Grower

Bedarf. Also auf der Website nach der Lösung

suchen und eine Email an

gewinnen@hanfjournal.de

schicken!

Ein Bild vom 25.06

Einsendeschluss ist der 22. Juli, der Rechtsweg

ist wie immer der falsche.

1. Preis: 1 AquaFarm und 1 Tripack – One Part

2. Preis: 1 WaterFarm und 1 Tripack – One Part

3. bis 5. Preis: jeweils 1 Tripack – One Part


Dope Pollution – Zwischen Farm und Pharmageddon

Werner Piepers Buch über die Folgen illegaler Drogenherstellung

Ist euch bewusst, dass man mit dem Konsum von illegalen

Drogen die Umwelt verschmutzt? Ich will euch damit bestimmt

nicht mit dem moralischen Zeigefinger kommen. Ich meine

diese Frage wirklich ernsthaft, mir persönlich war das nicht so

klar. Wenn man sich irgendwelche Drogen besorgen geht, sei

es Kokain, XTC oder Cannabis, man schadet der Umwelt. Die

Sache ist nur die: man tut das ja nicht freiwillig, diese Drogen

sind verboten. Und genau diese Tatsache verursacht Umweltzerstörung

und Raubbau an der Natur. Viel Lebensraum für

Mensch und Tier werden durch die Repression täglich zerstört.

Werner Pieper, einer der renommiertesten Drogenschriftsteller

unserer Zeit, versucht in seinem Buch „Dope Pollution – zwischen

Farm und Pharmageddon“ eine Bestandsaufnahme zu

geben, welche globalen Auswirkungen auf die Natur und Umwelt

sowie auf Menschen durch die Herstellung illegaler Drogen

bestehen. Einige Auszüge aus dem Buch wollen wir euch hier

zusammengefasst vorstellen.

Die Zahl der illegalen Drogenplantagen und -labors nimmt

weltweit rasant zu. Die hochgiftigen Grundstoffe, die bei der

Drogengewinnung übrig bleiben, verseuchen ganze Regionen,

deren Flüsse und das Grundwasser. Aber nicht nur die Abfälle

der Drogen-Herstellung bergen Gefahren – sowohl im Goldenen

Dreieck Asiens wie auch in den Anden, den Zentren der globalen

Kokain- und Heroin-Industrie werden für den Anbau von Coca

und Mohn große Gebiete Tropenwald und andere natürliche

Bepflanzung vernichtet um den Boden für den Anbau der

Pflanzen (der entstehenden Drogen) zu bereiten. Je aktiver die

örtliche Polizei oder das Militär ist, umso weiter ziehen sich

die Anbauer in bislang unberührte Gegenden zurück und

vergrößern so die Fläche „verbrannter Erde“. Der neue Bewuchs

ist häufig nicht in der Lage, die einsetzende Bodenerosion zu

verhindern, die Böden trocknen schnell aus.

Ein Beispiel ist Peru: Dort sind in den vergangenen 20 Jahren

nach unterschiedlichen Schätzungen zwischen 700.000 und 2,4

Millionen Hektar Regenwald, das wäre etwa die Größe El

Salvadors, allein für den Cocaanbau vernichtet worden. Doch

nur ein Drittel dieser Länderein wird noch bepflanzt; einen

Cocabusch kann man normalerweise bis zu 35 Jahre lang abernten,

seine Wurzeln können sich in Ruhe stärker entwickeln

und Erosion verhindern. Doch Militär und Polizei treiben die

Landwirte und die Infrastruktur, die für die Herstellung der

Droge notwenig ist, immer mehr in die Wälder, diese werden

dann dadurch vernichtet.

cool tour

In den Anden sieht es ebenfalls düster aus: Eine Untersuchung der Landwirtschaftsuniversität

Lima in den früheren 90ern zufolgre fallen für die Kokainherstellung

in den Anden jährlich rund 600 Millionen Liter Chemikalien an,

für die es keine legale Entsorgung gibt. Das entspricht rund zwei metrische

Tonnen hoch toxischer Chemieabfall pro Hektar

Cocapflanzen. Ein Fachmann hat dies für Pieper

hochgerechnet: Demnach fielen 1986 bei einem

Hektar Land rund 2.400 kg getrocknete Cocablätter

an. Insgesamt wurden in der Huallaga-

Region rund 160.000 Hektar mit Coca bepflanzt,

aus denen 6.400 Tonnen Cocapaste gewonnen

wurden. Das bedeutet, dass diese Region mit

rund 57 Millionen Litern Petroleum, 32 Millionen

Liter Schwefelsäure, 16.000 Tonnen Kalk, 3.200

Tonnen Karbid, 16.000 Tonnen Toilettenpapier,

6.400.000 Liter Essigsäure und gleichviel Toluol

getränkt wurde. Nachweislich sind in jener

Zeit pro Jahr allein in dieser Region in Peru

rund 100 Millionen Giftabfälle in den Huallaga-Fluss,

der dann später in den Amazonas

fließt, eingeleitet worden. Wissenschaftler

haben einige der Nebenflüssen des Huallaga

untersucht und dabei festgestellt, dass die

Verseuchung der meisten dieser Nebenflüsse

die Verschmutzungsstandards der

Weltgesundheitsorganisation (WHO) bei

weitem überschreiten und ein Großteil der

normalerweise in diesen Flüssen heimischen

Fische und Pflanzen vernichtet

wurden. Solange es für die Menschen vor

Ort keine wirkliche Alternative zum Cocaanbau

gibt, wird der Krieg gegen die Um- Bis zu 2,4 Millionen Hektar Regenwald allein für den Cocaanbau in Peru vernichtet

welt kein Ende finden.

Derweil erhöhten die USA ihren Etat 2002 für ein Sonderprogramm

zur Vernichtung der Kokaplantagen in Kolumbien auf

1,3 Milliarden US-Dollar. Rund 120.000 Hektar werden mit

dem Herbizid Glyphosphat gegen Mohn- und Cocapflanzen

besprüht. Seit dem Beginn dieser Aktion meldeten sich über

1.000 Verletzte aus der behandelten Region: Haut- und Augenverbrennungen,

Husten und Erbrechen sind sichtbare Folgen.

Der Herbizidmantel hatte sich auch über Kornfelder und Gärten

gelegt.

Selbstkritisch beleuchten wir den Hanfanbau. Traditionell ist

der Hanfanbau eine „handwerkliche“ Einnahmequelle von

Landwirten der Dritten Welt. Sie haben seit Generationen das

Know-how, sind ohne importierten Dünger und Pestizide ausgekommen.

Reine Bio-Ware. Wie in anderen (Bio-)Bereichen

verleitete eine steigende Nachfrage oft zu unüberlegten Schritten.

Anfang der 70er-Jahre verursachte die Ölkrise ein großes

Defizit im Haushalt Jamaikas. Da die örtlichen Farmer keine

Chance hatten ihre Produkte im eigenen Markt gegen die hoch

subventionierten aus den USA durchzusetzen, versprach nur

ein Produkt, das in den USA alles andere als subventioniert

wurde, Gewinne: Marijuana. Mitte der 80er-Jahre führte der

Hanfboom dann zu immer mehr Regenwaldrodungen, sodass

sogar die Regierung einschritt. Und auch die Grower hier in

Deutschland bauen ihren Hanf nicht sehr umweltverträglich

an: Immer mehr unter Umständen, unter denen man sein Gemüse

oder Obst nicht wachsen lassen würde, gen-gezüchtet

auf kunstdünger-getränkten Kunstböden und Kunstlicht.

Werner Piepers „Dope Pollution“ ist innerhalb der Rauschkunde

Edition in Zusammenarbeit mit dem Verein für Drogenpolitik

(VfD) erschienen. Besonders interessant sind auch die genauen

Beschreibungen der Herstellung von Kokain, Heroin, XTC und

Cannabis sowie deren Auswirkungen auf die betroffenen Regionen.

Auch Auswirkungen auf Mensch und Natur von legalen

Arzneien hat Pieper genau geschildert. Ein erschreckend interessantes

Buch, das uns wieder einmal die Chance gibt, über

den europäischen Drogentellerrand hinaus zu schauen.

Unter www.gruenekraft.de könnt ihr das Buch für einen

geringen Preis bestellen, es lohnt sich!

9

Katrin Schmidberger


10

cool tour

laugh and dance

Dieses Jahrwird die Deko noch höher ...

Lachen und Tanzen. Gerne doch, natürlich am liebsten in angenehmer

Umgebung, mit der passenden Musik und im Sommer

mit Vorliebe unter freiem Himmel. Um das alles unter einen

Hut zu bringen empfehlen wir euch das Antaris-Project-Festival

in der Nähe von Berlin.

Ok, die passende Musik ist eigentlich eine Geschmacksfrage,

doch auf der Antaris bekommt ihr (sogar wissenschaftlich

belegbar) die tanzbarste Musik. Denn es ist eines der größten

Goa-Festivals der Republik. Goa Trance (auch bekannt als

Psychedelic Trance) ist eine Stilrichtung der elektronischen

Musik, die sich Ende der 80er-Jahre aus Trance entwickelt hat.

Benannt nach einem indischen Bundesstaat, der sich zu einer

Art Mekka von Hippies, Rucksacktouristen und anderen

Aussteigern der westlichen Industrieländer entwickelte, was

auch schon sehr viel über den Sound aussagt. Dieser ist sehr

spacig, treibend, teilweise sehr von Tribal beeinflusst und gerne

auch mal mit Gitarrensounds unterlegt. Doch das entscheidende

sind die Beats pro Minute (BPM), denn die bewegen sich bei

Goa im Rahmen von 135 bis 150 BPM. Mit dieser Frequenz

kommt vereinfacht ausgedrückt das menschliche Rhythmusgefühl

am besten klar und macht die wenigsten Fehler (die

selbst bei dem besten Schlagzeuger unterlaufen würden). Das

Gehirn ist nicht mehr so stark damit beschäftigt im Takt zu

bleiben, sondern kann sich anderen Dingen hingeben. Solche

Schlagfrequenzen werden daher auch in rituellen Zeremonien

benutzt um Trancezustände herzustellen, deswegen auch der

Name Goa Trance. Psychedelische Trance-Erfahrungen sind

also nicht nicht nur mit irgendwelchen Substanzen zu erleben,

sondern auch allein durch Tanzen.

Auf der Antaris lädt ein Dancefloor mit einem Durchmesser

von 44 Metern zum ausschweifenden Tanz. Eine „Electro Voice“-

Anlage mit acht Boxentürmen rund um den Floor und zusätzlichen

Acht-Bass-Systemen in der Mitte wird die Tanzgemeinde

mit einen äußerst voluminösen Sound versorgen. Für die

Schallwellenverbreitung werden über 150.000 Watt zur Verfügung

stehen, was wohl einmalig für eine Goa-Party ist. Mit

einer solchen technischen Ausstattung dürften die diversen

DJs (unter denen auch internationale Größen vertreten sind)

und natürlich auch die Live Acts die besten Voraussetzungen

geboten sein neue Klangwelten und ergreifende Sphären zu

schaffen.

Die Antaris ist neben der VOOV (die im August stattfindet)

das wohl älteste europäische Trancefestival und ist mittlerweile

eine feste Größe mit Kultstatus. Die erste Party feierten sie im

Jahre 1993 im Berliner Umland . Nach einer zweijährigen Pause

wurde dann im brandenburgischen Tarmow zum Tanz gebeten.

Tarmow zog dann auch in den folgenden sieben Jahren zahlreiche

Besucher an und wird wohl auch noch in den nächsten

Jahren die Location in Form einer Kuhweide stellen. Das Festival

selbst wird von einer Handvoll Menschen organisiert, die es

sich zur Aufgabe gemacht haben, die eigenen Träume, Sehnsüchte

und Vorstellungen in die Realität umzusetzen. Das heißt

ein Stück Natur, wo sich sonst nur Kühe verwirklichen, in

einen brodelnden Kessel aus spacigem Licht, Farben, Psytrance

und einem kräftigen Schuss Spaß zu verwandeln. Das auf Goa-

Partys viel Wert auf eine entsprechende (also auf eine alles

andere als von dieser Welt kommende) Dekoration gelegt wird,

steht für sich, doch die Antaris wollen ihre internationale

Partygemeinde diesmal besonders beglücken und kündigen

für dieses Jahr die höchste Deko an, die je in Europa geschaffen

wurde. Na, wenn das mal nichts verspricht. Verantwortlich

dafür wird Ananto vom Fluorecent Network, Infin-E.T. aus

Berlin sein. Des weiteren werden Laser-Installationen und

Performance-Künstler aller Art für ein visuelles Vergnügen

sorgen.

Selbstverständlich gibt es nicht nur einen main floor, der zum

Tanzen einlädt, sondern auch einen zweiten, der jedoch eher

zum Abkühlen geeignet ist. Allein auf dem second floor erwarten

euch rund 20 DJs aus aller Welt zum Kraft tanken. Für

das leibliche Wohl wird natürlich auch gesorgt und eine internationale

und bunte Mischung aus Buden lädt zum Shoppen.

Um das Angebot absolut zu vervollständigen gibt es auch einen

Badesee. Der Eintritt liegt mit 32 Euro in einem absolut fairen

Rahmen. Tarmow liegt an der A 24 zwischen Berlin und

Hamburg und ist daher relativ problemlos zu erreichen. Ein

bus shuttle macht es möglich das Auto mal stehen zu lassen

und stressfrei anzukommen

(mehr Infos auf www.reiselogistik.de).

mehr Infos zum Festival bekommt ihr auf

www.antaris-project.de

Christistian Schlicht


Jr. Kelly und Anthony B. hospitieren in Europa. Zwei überzeugte

Rastas, die es verstehen ihre Message weiterzugeben. Was sie

verbindet ist die Fähigkeit die Menge mit ihrer Musik nicht

nur zum Tanzen zu bringen, sondern sie auch gedanklich

anzustoßen und emotional zu treffen. In grandiosen Performances

- die so manches Feuerzeug zum Erliegen bringen - propagieren

sie Liebe und Frieden, verlangen Gerechtigkeit und

klagen Babylon (synonym für das westliche kapitalistische

System) an. In der diesjährigen Sommerzeit sind sie nun wieder

in Kombi- und Solo-Konzerten sowie auf Festivals in unseren

Gefilden zu sehen. Beide besitzen sie eine überwältigende

Ausstrahlung, die sowohl überzeugt als auch ihre Konzerte zu

einem unvergesslichen Ereignis werden lässt. Da brennt nicht

nur der Boden unter den Füßen . . .

Lang ist es her, da war Frankfurt auf der Hip Hop-Landkarte

stark präsent, das Rödelheim-Hartreim-Projekt (RHP) machte

im Land Furore und der Hip Hop-Szene teilweise Kopfzerbrechen.

Doch das ließ schnell nach. Moses P feierte Erfolge

und repräsentierte eher sich selbst als die Szene seiner Stadt.

Unbemerkt einer größeren Öffentlichkeit entwickelte sich jedoch

parallel eine lebendige Szene, die zu dem Wirken von RHP

vorerst eher auf Distanz ging. Ein Stichwort wären die Asiatic

Warriors die Anfang der 90er aktiv waren und 1994 die EP

„Told Ya!“ veröffentlichten. Eines der Asiatic Warriors-Mitglieder

sorgt nun seit zwei Jahren dafür, dass Frankfurts Szene wieder

bundesweit im Gespräch ist und die oft eintönige deutsche

Rap-Szene bereichert.

Die Rede ist von Azad, dem Frankfurter Allround-Talent. Egal

ob Produzieren, Rappen oder Scratchen, er ist in allen Disziplinen

des Hip Hops bewandt. Seine Bühnenpräsenz summiert

sich mittlerweile auf 15 Jahre, begann also wo für die meisten

der heutigen Aktivisten Hip Hop noch ein undefinierbares

Wortspiel war. Vor einem Monat hat Frankfurts Ein-Mann-

Armee Azad sein zweites Album veröffentlicht. „Die Faust des

Nordwestens“ ist der Titel des Werkes und es schlägt auch

entsprechend ein. Was sollte er auch anderes tun, er bleibt

seinem Stil treu und überzeugt mit straighten Hardcore-Rap.

Seine tiefe und monotone Stimme durchpflügt die atmosphärischen

Beats und zeigt einmal wieder, was Rap eigentlich

bedeutet. Rap ist Ausdrucksform, für den Lebensstil einer

Kultur, für soziale Themen oder auch für die innersten persönlichen

Gefühlswelten. Auch auf dem neuen Album sind wieder

eine Vielzahl von Eigenproduktionen Azads dabei, aber auch

andere viel versprechende Köpfe der Frankfurter Szene

steuerten Beats dazu. Der Track „Ehre und Stärke“ zeichnet

sich besonders aus. Hier holte sich Azad Hilfe von der

französischen Elitegruppe I AM, was ein wunderbares Ergebnis

hervor brachte.

Anthony B., geboren als Keith Blair, der es in sehr jungen Jahren

mit Songs wie „Fire pon Rome“ geschafft hat sich eine Zeile

im Reggae-Lexikon zu sichern, hat mittlerweile über 150 Singles

produziert und erscheint auf über 73 Alben. Wie sein großes

Idol Peter Tosh, Mitglied der Wailing Souls, ist er ein überzeugter

Panafrikanist, ganz in der Tradition von Marcus Mosiah Garvey

(Gründer der Universal Negro Improvement Association).

Nach typisch jamaikanischer Sängerkarriere nahm auch die

Seinige ihren Ausgangspunkt im Kirchen- bzw. Schulchor.

Nach ersten Startversuchen mit dem heimischen Shaggy Hi-

Power Sound-System zog er 1988 aus dem ländlichen Clarks

Town (Parish: Trelawny, das bekannt durch die afrikanischen

Freiheitskämpfer Maroons ist, die sich gegen die englische

Kolonialmacht stellten) nach Portmore. Dort lernte er Little

Devon kennen, mit dem er 1993 seine erste Single „The living

is hard“ veröffentlichte und durch ihn den Kontakt zu Producer

Richard Bell (Star Trail) bekam, mit dessen Hilfe Anthony B.

Geschichte schrieb. Auf seinem neuesten Album „Streetknowledge“

- von verschiedenen Größen produziert (Nocturne

Records, 2003) - beweist Anthony in 56 Minuten zum einen

seine musikalische Vielfalt (Offbeat-Hits von unterschiedlichsten

Charakteren), zum anderen seine Gabe in lyrischer Gewandtheit

Stellung zu beziehen, was z. B. in „Ghetto Man Do Dat“ oder

„Police“ deutlich zu hören ist.

Frankfurts Nordwesten wieder auf der Landkarte

Azad tourt durch die Republik und stellt sein neuestes Album vor

Zusammenfassend wäre zu sagen, dass Azad mit der „Faust

des Nordwestens“ ein Schritt nach vorne gegangen ist.

Empfehlenswert für alle Sympathisanten des plain rap! Im

Juli tourt Azad durch die Republik und zeigt, was wirklich

hinter der Ein-Mann-Armee steckt. Seine Gigs können nicht

anders als energiegeladen sein. Vorfreuen darf mensch sich

schonmal auf den Winter, denn dann soll Azad zusammen mit

seinem Berliner Mitstreiter Kool Savas ein gemeinsames Album

herausbringen!

mehr infos: www.azad.de

Christian Schlicht

TERMINE

10.07.03 Weinheim - Cafe Central

11.07.03 Basel - Fame Club

12.07.03 Freiburg - Crash

13.07.03 Zürich (tba)

14.07.03 Stuttgart - Röhre

15.07.03 Giesen (tba)

16.07.03 Berlin - Tränenpalast

17.07.03 Großenhain (bei Dresden) - Albertreff

18.07.03 Hamburg - Markthalle

19.07.03 Paderborn - Disko Mirage

20.07.03 Bremen - Modernes

22.07.03 Erlangen (TBA), Hannover (tba)

23.07.03 Oberhausen - Altenberg

24.07.03 Kassel - Spot

25.07.03 Salzburg (A) - Rockhouse

26.07.03 Rosenheim - Hammerhalle

cool tour

Conscious Entertainer „If Love so nice, why does it hurt so bad?“ fragt Junior Kelly

und singt damit die dickste Reggae-Hymne des Jahres 2000

über die Bassline von Marley’s Stir It Up. Fünfzehn Wochen

lang blockiert sein Hit die Top-Position der jamaikanischen

Charts und so durchbricht Kelly nach langer Arbeit im Alter

von 30 Jahren endlich die Barrieren des Geschäfts. Viele Jahre

vergingen, bevor ihm dieser Erfolg gegönnt sein sollte. In den

späten 80ern und frühen 90ern versuchte er es bei zahlreichen

Studios, die ihn des Profits wegen allerdings immer wieder

abwiesen. Er lehnte es ab Guntalk- und Slackness-Texte zu

singen. Mit diesen war allerdings mehr Geld zu verdienen und

so verweilte er mit viel Geduld vor den Türen der Studios.

Geboren in Kingston 13, wurden ihm die musikalischen Vibes

11

schon mit dem Elternhaus in die Wiege gelegt. Begeistert

schaute er zu seinem älteren Bruder Jim auf, der mit unterschiedlichen

Sound Systems (darunter: Killamanjaro) über die Insel

tourte und dem damals kleinen Junior von seinen Reiseerlebnissen

berichtete. Seit dessen Tod 1983 (er wurde von einem

Gunman auf offener Straße erschossen) brennt der Wunsch in

Jr. Kelly Musik zu machen und so die Mission seines großen

Vorbildes zu Ende zu bringen. Seine Debüt-Single veröffentlichte

Junior bei einem kleinen Produzenten 1985 in Spanish Town,

Kingston, es dauerte allerdings acht Jahre, bis er eine zweite

Chance bekam und weitere sieben mussten vergehen, bis die

Öffentlichkeit reif für sein Schaffen war. Wenn man sich heute

sein erstes Album „Rise“ (Jet Star, 2000) anhört ist sofort klar

das Junior Kelly kein One Hit-Wunder ist, sondern einer, der

mit Skills gesegnet, zu Recht als großartiger, internationaler

„conscious entertainer“ (um mit einem Liedtitel Anthony B’s

zu sprechen) bezeichnet werden kann.

TERMINE

Raoul Roßmann

Anthony B. & Junior Kelly

4.-6.07.03 Summer Jam 03, Köln – Fühlinger See

12.07.03 München - Muffathalle

15.07.03 Berlin – 2BE Club:

Anthony B.:

04.07.03 Zürich – Rote Fabrik

06.07.03 Hamburg - Stadtpark, mit Jimmy Cliff

08.07.03 Genf -KAB - Usine

Junior Kelly (mit Morgan Heritage):

16.07.03 Hamburg - Fabrik


12

cool tour

Das weiße Rauschen

beklemmend und erleuchtend zugleich

„Wer das weiße Rauschen sieht, der wird sofort wahnsinnig.

Außer wenn er schon wahnsinnig ist. Dann wird er normal.“

(Lukas)

Hans Weingartner widmet sich in seinem Regiedebüt der

Geschichte eines jungen Mannes, der gerade anfangen will zu

leben, als eine Krankheit bei ihm ausbricht und ihn zu zerstören

droht. Lukas ist 21 und soeben zu seiner Schwester und deren

Freund in die Großstadt gezogen. Endlich Party, endlich was

los, denkt er sich und lässt es richtig krachen. Nach einem

wilden Drogentrip hört Lukas plötzlich Stimmen. Erst glaubt

er, dass es an den Pilzen liegt, die er geschluckt hat, aber bald

ist klar, dass die Stimmen bleiben, ja sogar stärker werden und

von Lukas Besitz ergreifen. Lukas verliert immer mehr die

Kontrolle über sein Leben, er leidet unter Verfolgungswahn

und wird so aggressiv, dass er schließlich in der Psychiatrie

landet. Paranoide Schizophrenie, lautet die Diagnose der Ärzte.

Ein Schock für die ganze Familie, denn schon Lukas’ Mutter

war in der Psychiatrie und beging am Schluss Selbstmord. Die

Ärzte stellen Lukas nur ruhig, die Stimmen in seinem Kopf

hingegen verschwinden nicht. Nun beginnt für Lukas der

Kampf gegen das Chaos in seinem Kopf. Am Ende einer Reise,

die ihn bis an die spanische Atlantikküste führt, scheint er

etwas gefunden zu haben, das aus dem Wahnsinn herausführen

könnte: Das weiße Rauschen.

Ein Film, in dem es um den Wahnsinn im Hirn geht, muss auch

wahnsinnig aussehen. Man erlebt ganz subjektiv Lukas’ Sicht

auf die Dinge, also wackelt die kleine DV-Kamera, bis dem

Zuschauer die Augen flimmern. Lukas kann die Welt immer

weniger ordnen, dementsprechend werden die Bilder laufend

konfuser, Lukas hört immer mehr Stimmen in seinem Kopf,

also dröhnt eine irres Stimmengewirr aus den Kino-Lautsprechern.

Je schwerer Lukas an seiner Krankheit leidet, desto

schwerer ist es, den Film zu ertragen. „Das weiße Rauschen“

ist kein einfach zu konsumierender Kinostreifen, sondern eine

filmische Auseinandersetzung mit einer Krankheit - der Schizophrenie.

Und das ohne Klischees und Vorurteile. Mit der

herausragenden schauspielerischen Leistung des Hauptdarstellers

Daniel Brühl ist der Film eine faszinierende

Herausforderung für die Sinne.

Die Homepage zum Film ist absolut empfehlenswert. Unter

anderem informiert der Regisseur – er hat Gehirnforschung

studiert - über Schizophrenie und den gesellschaftlichen

Umgang damit. www.dasweisserauschen.de

Katrin Schmidberger

Hanfjournal Reihe

Literatur und Drogen

Die Sucht nach dem Leben

Jörg Fausers Romane und Erzählungen

Fauser, Jörg:

Gesammelte Werke

Rogner & Bernhard

bei Zweitausendeins

Endlich Online:

Der Normenkontrollantrag bezüglich Cannabis!

Wird Sie die Legalisierung bringen?

Alles auf www.hanfjounal.de

Da ist zum Beispiel „Der Schneemann“. Sein

Studium hat er abgebrochen. Als Galerist ist

er gescheitert. Als Kunstfälscher ist er aufgeflogen.

Als Pornohändler war er glücklos.

Kleine Gaunereien, billige Tricks: er schummelt

sich durch. Reist über den ganzen Globus,

versucht sich von alternden Touristinnen

aushalten zu lassen. Aber der Geruch des

Erfolglosen haftet ihm an. Bis ihm durch einen

Zufall fünf Pfund reinsten Kokains in die

Hände fallen.

Als Reisender in Sachen Glück kehrt er zurück

nach Deutsch-land, in der Hoffnung auf den

großen Deal. Denn er sieht sich schon als

reichen Mann. Nur seine „Ware“ muss er noch

schnell los werden, und seine Träume werden

alle in Erfüllung gehen. Doch es gibt Schwierigkeiten.

Haben wollen alle seine Peruvian

Flakes, aber zahlen will dafür keiner.

Verrauchte Kneipen, dubiose Nachtbars, versoffene

Geschäfts-männer. Liegt es an dem

schmuddeligen Winterwetter? Es ist ein

graues, schmutziges Deutschland, durch das

Fauser seine Protagonisten reisen lässt. Hier

gibt es nicht den Glanz der High-Society, nicht

den Glamour der Reichen und Berühmten zu

bestaunen, wie es im Genre des Kriminalromans

nur allzuoft der Fall ist. Nein, die

Menschen in seinen Büchern leben am Rand

der Gesellschaft. „Nur nicht auffallen!“ lautet

die Devise. Einfach durchmogeln ist, was

bleibt. Denn längst begraben sind die Hoffnungen

und Illusionen der jungen Jahre. Man

klagt sich gegenseitig sein Leid, aber was

letzten Endes bleibt ist doch immer nur das

Gefühl, dass in diesem Spiel jeder für sich

selber kämpft.

Die Liebe bleibt ausgeklammert. Wo sie vorkommt,

wird sie falsch verstanden. Denn in

dieser Philosophie des Jeder-gegen-Jeden ist

für sie kein Platz mehr.

Fauser ist nicht der Mann, darüber ein langes

Lamento anzu-stimmen. Er beobachtet nur

und berichtet. Ohne falsches Mitleid, ohne die

großen Gefühle, wie wir sie aus dem Kino

oder aus verlogenen Schmonzetten kennen.

Ein weites Land, darin ein paar Menschen,

die sich als Schachfiguren in einem Spiel bewegen,

dessen Regeln sie nicht kennen und

dessen Richtung sie nicht sehen können. Bis

es zu spät ist.

Jörg Fauser, selbst lange Jahre morphiumabhängig,

schrieb eine Unmenge an Reportagen.

Hier fand er den Stoff für seine Romane und

Erzählungen. Der Plot ist nur von sekundärer

Bedeutung und oft genug reichlich hanebüchen.

Fauser porträtiert den Typus des

Außenseiters, und mit ihm eben auch die

bundesdeutsche Gesellschaft, oder zumindest

einen Teil von ihr.

Seine eigentliche Qualität aber ist es, seine

Figuren auch noch in ihren aberwitzigsten

Gedankengängen glaubwürdig erscheinen zu

lassen. Denn ihre Spannung beziehen Fausers

Texte nicht aus einem spektakulären Handlungsverlauf,

sondern aus den Psychogrammen

der Protagonisten.

„Der Schneemann“ übrigens driftet aus

schierer Angst vor seinen eingebildeten

Verfolgern in Panik und Paranoia ab: kein

Wunder, dass er am Ende leer ausgeht. Auch

seine Pläne sind bescheidener geworden.

Gefragt, was er nun vorhabe, lautet sein letzter

Satz: „Ich sehe mir die Show in der Roxy-Bar

an.“

Pol Sax


Überleben ist echt so eine Sache für sich. Zum Glück gibt es da Hunderte von Büchern,

wie ich denn im Wald draußen in der Pampa überlebe, wie ich mit Holz Feuer machen

und welchen Strauch man essen oder rauchen soll. Auch die Information, wie ich mich

sinnvoll vor Haien schütze, hab ich gefunden. Aber um ehrlich zu sein, als ich mich vor

einem Drei-vierteljahr plötzlich in Berlin wiedergefunden habe, hat mir das alles nicht

wirklich geholfen. Denn Haie gibt es hier gar nicht!!

In Berlin lauern ganz andere Abenteuer. Um eine Großstadt zu bändigen, braucht man

daher auch ganz andere Qualitäten. Sehr gefährlich kann die soziale Ader werden, die

kann einen hier echt arm machen. Erst neulich haben mich während einer U-Bahnfahrt

sechs verschiedene Musikanten beglückt. Ein jeder hat mich vorzüglichst unterhalten,

machte nur die Fahrt insgesamt um sechs Euro teurer. Zu viel – eindeutig. Wer überleben

will, darf nicht mehr als einen durchfüttern – is halt so.

Die simpelste Möglichkeit nichts zu geben, ist der beliebte, grimmig-trübe Berliner

Tunnelblick. Nix-Geben geht aber auch mit mehr Spaß. Mein Liebling ist mit großem

Abstand: kurz zuhören, verwirrt gucken und plötzlich wegrennen. Liegt viel Geld im

Hut wirkt auch folgendes recht verstörend: eigenen Geldbeutel zücken, daneben ausleeren

und klarstellen, wer hier der wirklich Bedürftige ist. Ah ja und bevor ihr noch als arme

Hunde endet und denkt mich auch noch anschnorren zu müssen, merkt euch eines: Nix

geben, wenn man nicht in Bewegung ist. Es gibt immer Nester von Schnorrern! Und

haben die mal ein Opfer lokalisiert, fliegen sie zurück zum Stamm und führen einen

komplizierten Tanz auf, der den anderen den Weg zu dir weist. Kriegt einer was -

kommen alle (gilt genauso für Zigaretten und Joints).

ueberregional

I will survive

Doch nur Schnorrern auszuweichen beweist noch keine Großstadttauglichkeit.

Als professioneller Großstadtsurvivor sollte

man zumindest den Indiana-Jones-Abrollsprung beherrschen.

Wie sollte man sonst spektakulär in abfahrende Züge einsteigen?

Auch beim Aussteigen (gegen hinterhältige Fahrkartenkontrollen)

zeigt diese Technik immer wieder ihren Nutzen. Fortgeschrittene

sparen sich sogar die Rolle und sliden in alter

Footballmanier direkt auf dem Boden. Achtung: Vor dem Absprung

die lebensbedrohliche Schlucht zwischen Bahnsteig

und Zug einplanen.

Großstadtabenteuer zu bestehen, ist oberste Pflicht in Berlin!

Aber wer die überleben will, benötigt die richtige Ausrüstung.

Und damit ihr nicht so lange leiden müsst wie ich, hier die

ultimativen, seit Jahrhunderten geheim überlieferten Großstadt-

Survival-Kit-Rezepte.

Man nehme:

Eine „aus Versehen“ nicht abgestempelte Fahrkarte, mixe

sie mit einem unschuldigen Touri-Blick und serviere es frisch

dem Fahrkartenkontrolleur.

Ein kaputtes Feuerzeug, kombiniere es mit ausgiebigem

hilflosen Schnippen und ernte mitleidige Blicke und zahlreiche

Feuerspender. Vorteil gegenüber vollen Feuerzeugen:

Es wird nicht geklaut!

Einen Hut, eine Mundharmonika (oder ein ähnlich grausames

Instrument) und versuche zu spielen. Sehr hilfreich

wenn die Kohle mal ausgeht. Tipp: Auf Plätzen ohne Fluchtmöglichkeit

kriegt man selbst fürs Aufhören Geld.

13

Mindestens eine Packung lange Blättchen, garniere damit

die hintere Hosentasche (von außen sichtbar) und erhoffe

viele Blättchenschnorrer! Der Gewinn des Ganzen ist das

allumfassende Wissen, wer wo was wie viel mit wem kifft!

Meist fällt dabei auch was für den edlen Blättchenspender

ab.

Und nicht zuletzt: Ein Schweizer Armeemesser, verrühre es

mit dem Wissen aus 150 Folgen McGyver und man kann

sich alles andere selbst bauen.

„Bua pass acht, Grossstadt is gfärlich“ hat meine Oma mal

gesagt. Und wisst ihr was, sie hatte Recht. Großstadtleben ist

nicht so einfach, und Abenteuer warten hinter jeder Ecke! Aber

ich werde sie alle überleben – soviel ist sicher!

Die Großstadtsurvivor


14

ueberregional

Karneval der Kulturen 2003

größer, bunter, schöner, lauter!

Im Rahmen einer Stellungsuntersuchung in St. Pölten wurden

1.902 18-jährige Männer im Auftrag der Ärztekammer für

Niederösterreich untersucht. Anfang Juni wurden in Wien die

Ergebnisse präsentiert. Die Ärztekammer schlägt Alarm und

kündigt an vermehrt mit medizinisch und gesellschaftspolitisch

relevanten Themen an die Öffentlichkeit zu gehen.

Eine unter 4 Prozent aller 18-jährigen Österreicher im Rahmen

einer Stellung durchgeführte Untersuchung und Befragung

brachte für den Auftraggeber, die Ärztekammer für Niederösterreich,

“alarmierende” Ergebnisse: 70 Prozent der Jugendlichen

gaben an, dass ihnen Alkohol schmecken würde, jeder Dritte

trinkt Alkohol wegen seiner beruhigenden und stimmungsaufhellenden

Wirkung. Knapp jeder sechste der mittels Harnund

Blutproben Untersuchten erfüllt die Kriterien eines

Alkoholmissbrauchs.

“Gesellschaftliche Fehlentwicklungen”

OMR-Brigadier Peter Rainer-Harbach, Allgemeinmediziner

und Erfinder sowie medizinischer Leiter der Stellungskommission

des österreichischen Bundesheeres, hat entscheidend

dazu beigetragen, dass in Österreich die größte Studie über

Tabak-, Alkohol- und illegalen Drogenkonsum durchgeführt

werden konnte. “Nirgendwo sonst in unserem Gesundheitssystem

gibt es die Möglichkeit, ausnahmslos alle männlichen

18-Jährigen einer derart umfangreichen medizinischen Untersuchung

zu unterziehen, wie dies im Rahmen der Tauglichkeitsuntersuchung

des Bundesheeres erfolgt”, so Rainer-

Harbach. Deshalb halte er es für seine Pflicht, “gesellschaftliche

Fehlentwicklungen”, als solche würde er den illegalen

Suchtmittelkonsum bezeichnen, entgegenzuwirken.

Und wieder einmal ist er vorbei, der Karneval der Kulturen.

Jetzt heißt´s wieder ein Jahr warten. Aber so ist das nun mal

mit den schönen Zeiten. Und spektakulär war’s allemal!

Größer bunter schöner lauter - und die definitiv wildere Party

als die Love Parade. Es gab wieder viel zu bewundern und zu

bestaunen. Mitreißende Sambagruppen, fantasievolle Kostüme

und liebevoll dekorierte Wagen. Da war für jeden was dabei.

Und das den ganzen Tag lang bis mitten in die Nacht. Da ernteten

die Aktiven mit steigender Schrittzahl schon mal mitleidige

Blicke. Mit die meisten Fans, Tänzer und ausgelassenen

Wissenschaft Alkohol und Nikotin Einstiegsdrogen?

Auch auf Zigarettenkonsum wurden die Jugendlichen abgeklopft:

Über 52 Prozent rauchen regelmäßig Zigaretten – deutlich

mehr als ältere Erwachsene. 27 Prozent konsumieren mehr als

zehn Glimmstengel pro Tag. “Wir haben eindeutig festgestellt,

dass Raucher lieber Alkohol konsumieren als Nichtraucher.

Auch die Alkoholabhängigkeit findet sich bei Rauchern zwei

Mal häufiger als bei Nichtrauchern”, gibt der Co-Autor Nestor

Kapusta zu bedenken.

“Klassische Einstiegsdrogen”

Dr. Lothar Fiedler, Präsident der Ärztekammer Niederösterreich,

schlägt in die selbe Kerbe: “Die Gefahren, die Rauchen und

Alkohol mit sich bringen, werden in unserer Gesellschaft noch

immer nicht genügend beachtet.” Damit liefert Fiedler die

Überleitung zu einem weiteren Studienergebnis: 7,6 Prozent

der untersuchten 18-Jährigen nehmen illegale Rauschmittel zu

sich, wobei Cannabis mit über 5 Prozent die Hitliste anführt.

An zweiter Stelle rangieren mit 2,7 Prozent Opiate (Heroin und

andere Opiatderivate im Harn).

Die Studienverfasser wollen einen Zusammenhang zwischen

Zigaretten- und Cannabis-, Kokain- und Amphetaminkonsum

erkennen. “Raucher konsumieren 14-mal häufiger Cannabis

als Nichtraucher. Zigaretten und Alkohol sind also bereits

klassische Einstiegsdrogen”, meint Kapusta.

Doppelliter & Unkultur

Größer, bunter, schöner, lauter ...

Der Kinder- und Jugendpsychologe Max Friedrich versucht

eine Erklärung für das den Jugendlichen attestierte Suchtverhalten

zu liefern: “Der Substanzmissbrauch nimmt seinen Ausgang

bereits im Kindesalter.” Das Kind imitiere das Verhalten

der Eltern. “Als Gegenrezept wirkt nur, Kinder ehrlich zu

erziehen, Gefahren nicht zu überzeichnen und auch auf die

Jugendlichen einzugehen”, wartet der renommierte Psychologe

mit Patentrezepten auf. Scharfe Kritik übt Friedrich am Umgang

mit Alkohol: “Was ist das für eine Unkultur, wenn Wein in

Doppellitern abgefüllt wird?”

Michaela Fabian

Besucher schleppte der Hanf –Journal-Wagen mit HESI und

Grow-in Berlin hinter sich her. Aber kein Wunder bei dem

fetten Raggae-Sound. Exzessives Gehüpfe im sommerlichen

Staubnebel. Und das bei echter Hochsommer-Hitze. Deshalb

wurde es auch immer besonders euphorisch, wenn die mitfühlenden

Anwohner ihre Gartenschläuche und Gießkannen

auspackten und die verschwitzten Besucher mit kühlenden

Wasserschauern beglückten. Aber nicht nur unser Raggaewagen

hatte begeisterten Anhang. Auch die Crew von den Pyonenpartys

wurde frenetisch gefeiert. Bei den begeistert tanzenden

und schreienden Massen von Technofreunden lag akute Verwechslungsgefahr

mit der Love Parade vor. Der DJ der Pyonen

musste seine Anlage sogar zweimal aufbauen, weil er die

staubige, verschwitzte Masse zu früh befriedigt glaubte.

Obwohl das diesjährige Straßenfest abgebrochen werden

musste, weil eine umstürzende Kabelbrücke drei Menschen

schwer verletzte, ist der Karneval insgesamt wieder ein großer

Erfolg geworden. Hunderttausende Menschen drängelten sich

durch die Straßen Kreuzbergs und hinterließen, entgegen der

Prophezeiung der Veranstalter, auch wieder riesige Müllberge.

Die Menschenmassen konzentrierten sich an diesem Wochenende

hauptsächlich auf Kreuzberg und so wurde die liebevoll

gestaltete „Mitte-Stylerevolte“-Party in der Backfabrik leider

eher ein Misserfolg. Zum Glücken konnten wir die gelangweilten

Gäste mit Hanf Journalen und Kiffer-Krimskrams ein

bisschen aufheitern.

Insgesamt also: Tolles Wochenende. Riesenparty. Gerne wieder!

Bis nächstes Mal – natürlich am Hanf Journal-Wagen!

Martin Schwarzbeck

“Als Gegenrezept wirkt nur,

Kinder ehrlich zu erziehen”


“ÖVP und FPÖ im Anti-Drogen-Kurs festgefahren”

Dieter Brosz

Dieter Brosz, Abgeordneter zum Nationalrat

und Zuständiger für Drogenangelegenheiten,

saß als einziger Vertreter der Grünen

im Nationalrat, als die verpflichtenden

Drogentests im Straßenverkehr mit den

Stimmen der ÖVP-, FPÖ- und SPÖ-MandatanInnen

beschlossen wurden. Im Gespräch

mit dem Hanf Journal erläutert der

grüne Drogenexperte, wieso die Legalisierungspartei

gegen die Tests auftrat und

warum die SPÖ in Sachen Drogen zu keiner

Parteilinie findet.

Hanf Journal: Seit 01.01.2003 werden auf Österreichs Straßen

verpflichtende Drogentests durchgeführt. Warum haben sich

die Grünen gegen diese Tests ausgesprochen?

Brosz: Beeinträchtigung der Wahrnehmung und der Reaktionsfähigkeit

im Straßenverkehr, wodurch auch immer diese ausgelöst

wurden, sind untragbar. Deshalb bedarf es speziell für

Drogen einer entsprechenden Reglementierung. Die im Vorjahr

vom Parlament beschlossenen Drogentests sind jedoch methodisch

und medizinisch nicht geeignet, eine solche Beeinträchtigung

nachzuweisen. Sie stellen lediglich einen Konsum fest,

nicht jedoch dessen Zeitpunkt oder die konsumierten Mengen.

Hanf Journal: Warum waren Sie bei der dritten Lesung im

Parlament, als über das Gesetz abgestimmt wurde, als einziger

Abgeordneter der Grünen anwesend? Gerade von den Grünen

würde man/frau sich doch mehr Einsatz in diesem Bereich

erwarten.

Brosz: An diesem Tag sind die Abgeordneten der Grünen

aus Protest wegen der Nicht-Zulassung einer Debatte über die

umstrittene Rede Ewald Stadlers bei einer Sonnwendfeier

geschlossen aus dem Plenum ausgezogen. Um den einstimmigen

Beschluss der “verpflichtenden Drogentests im Straßenverkehr”

jedoch zu verhindern, bin ich eigens zu dieser Abstimmung

nochmals ins Plenum zurückgekehrt.

Hanf Journal: Exekutivbeamte können laut diesem Gesetz

auf Verdacht der Beeinträchtigung durch Suchtmittel einen

Drogentest anordnen. Haben Sie Kenntnis von Fällen, bei denen

willkürlich gehandelt wurde bzw. bei denen sich anfängliche

Vermutungen der Beamten nach der amtsärztlichen

Untersuchung als nichtig herausgestellt haben?

Brosz: Immer wieder wenden sich Menschen an mich, die

von der Exekutive wegen Drogenkonsums angehalten oder

Drogen am Steuer – Ungeheuer!

Frauen am Steuer und Mercedes-Fahrer mit Hut haben

endlich Ruhe. Die österreichischen Fahrzeuglenker-Innen

dürfen sich seit Beginn des Jahres über ein neues Feindbild

freuen: Die Unfallverursacher Nr. 1 stellen nun neben Alk-

Lenkern auch vermeintlich unkontrollierbare Drogenfreaks

dar. Wie den unguided missiles zu Leibe gerückt wird:

ÖVP-Verkehrssprecher Helmut Kukacka jubilierte: “Damit

wird mit 1. Jänner 2003 die von uns geforderte Gleichstellung

von Alkohol und Drogen im Straßenverkehr erreicht.”

Besteht bei einer Verkehrskontrolle Verdacht auf Fahruntüchtigkeit

aufgrund von Drogenkonsum und wird dieser

durch eine klinische Untersuchung bestätigt, muss eine

Blutprobe abgenommen werden.

Ein positiver Bluttest hat eine Verwaltungsstrafe von 581

bis 3.633 Euro, mindestens vier Wochen Führerscheinentzug

und eine Anzeige an die Bezirksverwaltungsbehörde nach

§§ 12 und 14 SMG (Suchtmittelgesetz) zur Folge. Des

Weiteren sind als Bedingung zur Wiedererlangung des

rosa Scheinchens fachärztliche und ein verkehrspsychologische

Gutachten geknüpft. Die Kosten dafür variieren

von Bundesland zu Bundesland, obliegt doch die Gestaltung

der Durchführungsbestimmungen den Ländern.

angezeigt wurden. So etwa ein Taxilenker, der außerhalb seiner

Dienstzeit zu Fuß mit einem Gramm Cannabis angehalten und

angezeigt wurde. Die Anzeige wurde widerrechtlich an das

Verkehrsamt weitergeleitet. Dieses hat dem Taxifahrer die

Lenkerberechtigung entzogen und nach einem negativen Drogentest

auf sechs Monate befristet wieder gegeben. Obwohl

im weder eine Beeinträchtigung während des Fahrens noch

der Konsum nachgewiesen werden konnte, ist der Mann

erstmals in seinem Leben ohne Arbeit.

Hanf Journal: Welche Motive hatte nach Ansicht der Grünen

die SPÖ, der Verfassungsbestimmung, für die eine Zweidrittelmehrheit

notwendig war, letztendlich zuzustimmen bzw.

warum gab die SPÖ ihren Widerstand urplötzlich auf?

Brosz: Beim Thema Cannabis ist die SPÖ in sich zerstritten.

So setzt sich die Sozialistische Jugend (SJ) seit Jahren vehement

für eine Liberalisierung des Umgangs mit Cannabis ein, die

“Alt-SPÖ” jedoch bleibt hartnäckig auf ihrer Anti-Drogen-Linie

und distanziert sich sogar öffentlich von der SJ.

Hanf Journal: Was werden die Grünen in Zukunft gegen

die verpflichtenden Drogentests im Straßenverkehr

unternehmen?

Brosz: Wir werden uns weiterhin dafür einsetzen, dass Tests

eingeführt werden, die eine tatsächliche aktuelle Beeinträchtigung

nachweisen können. Dazu bedarf es allerdings noch

einiger Forschung, der Festlegung von Laborstandards und

einheitlicher Grenzwerte, die eine Beeinträchtigung – vergleichbar

dem Blutalkoholgehalt – stichhaltig nachweisen. Eine Feststellung

des Konsums innerhalb der letzten vier Wochen reicht

nicht aus. Schließlich kann man einem Menschen auch nicht

den Führerschein entziehen, der in der vergangenen Woche zu

Hause Alkohol getrunken hat.

Hanf Journal: Was muss in Österreich passieren, dass beispielsweise

eine Legalisierung von Cannabis die Mehrheit im

Parlament erhält?

Brosz: ÖVP und FPÖ sind in ihrem Anti-Drogen-Kurs festgefahren,

vor allem die FPÖ entwickelt in Wahlkämpfen einiges

an Phantasie betreffend der Panikmache rund um das Thema

Drogen. Solange diese konservativen Kräfte die Mehrheit der

WählerInnenstimmen erhalten, wird sich in Österreich in der

Drogenpolitik nichts zum Besseren wenden. Allerdings gibt es

auch in der SPÖ noch einiges an Überzeugungsarbeit zu leisten.

Das Interview führte Michaela Fabian.

Fahruntüchtigkeit kann auch bei einem negativen Bluttest

festgestellt werden. Dazu reicht es, beim klinischen Test

durchzurasseln, der Führerschein wird vorläufig abgenommen.

Stellt sich beim Bluttest heraus, dass keine relevante

Beeinträchtigung durch Suchtmittel vorlag, besteht

weiter kein Grund mehr für den Entzug der Lenkerberechtigung.

Der Führerschein muss wieder ausgegeben

und ein allenfalls bereits eingeleitetes Entziehungsverfahren

eingestellt werden.

Verweigert der vermeintlich beeinträchtigte Lenker eines

Fahrzeuges die klinische Untersuchung oder die Blutabnahme,

so bekommt er/sie eine Verwaltungsstrafe von

1.162 bis zu 5.813 Euro aufgebrummt. Den Führerschein

sieht man/frau nicht vor vier Monaten wieder, Nachschulungen

sowie verkehrspsychologische und amtsärztliche

Untersuchung darf man/frau ebenfalls über sich

ergehen lassen.

Klingt doch fair, oder? Schließlich werden Besoffene auch

aus dem Verkehr gezogen. KritikerInnen und ExpertInnen

kommen in der nächsten Ausgabe des Hanf Journals zu

Wort.

ueberregional

Da sprach . . .

Statemtents zu dem am 09.07.2002 beschlossenen 128.

Bundesgesetz “Änderung der Straßenverkehrsordnung

1960”, mit dem verpflichtende Drogentests im

Straßenverkehr eingeführt wurden. Die erforderliche

Zweidrittelmehrheit kam mit den Stimmen der ÖVP,

FPÖ und SPÖ zustande.

“Man muss für ein rechtsstaatlich einwandfreies

Vorgehen Tests zur Verfügung haben, die das Richtige

messen, nämlich die Beeinträchtigung der

Fahrtüchtigkeit.”

SPÖ-Verkehrssprecher Kurt Eder,

17.06.2002

“Es könne anhand von Abbauprodukten lediglich

der Konsum von Medikamenten oder Drogen zu

irgendeinem Zeitpunkt festgestellt werden . . .”

derselbe, Aussendung vom 17.06.2002

“Medizinischer und wissenschaftlicher Nonsens!”

Vorsitzender der Sozialistischen Jugend

(SJ) Österreichs Andreas Kollross,

22.06.2002

Die Sozialistische Jugend spricht sich dezidiert

gegen solche Drogentests aus und fordert die Kräfte

der Vernunft innerhalb der SPÖ auf, in dieser Frage

auf den Pfad der Tugend zurückzukehren und nicht

in die populistische Falle der Regierungsparteien zu

tappen.”

derselbe, 22.06.2002

“Eine ernsthafte Diskussion kann nur bei der

Beeinträchtigung während der Fahrt ansetzen.”

Kurt Eder (SPÖ), 24.06.2002

Dieser Maßnahme zur Erhöhung der

Verkehrssicherheit darf sich auch die SPÖ nicht

entziehen. Daher ist es umso erfreulicher, wenn die

SPÖ von ihrer Blockadepolitik abrückt und ihre

Zustimmung zur Einführung von Bluttests erteilt.”

FPÖ-Verkehrssprecher Reinhard

Firlinger, 25.06.2002

“Der von der SPÖ mit den Regierungsparteien

ausgehandelte Kompromiss zur Novelle der

Straßenverkehrsordnung ist kein Schritt zu einer

Verbesserung der Verkehrssicherheit.”

Verkehrssprecherin der Grünen Eva

Lichtenberger, 26.06.2002

“75 Prozent der Getesteten werden bestraft, obwohl

keinerlei Beeinträchtigung vorliegt.”

dieselbe, 26.06.2002

“Hier werden Gummiparagrafen implementiert, die

der Exekutive in praxi einen immensen

Handlungsspielraum lassen.”

ÖH-Vorsitzende Andrea Mautz,

09.07.2002

“Wir konnten die Regierung in Bezug auf die

verpflichtenden Drogentests überzeugen.”

Kurt Eder (SPÖ), 09.07.2002

Die SPÖ konnte mit viel Überzeugungsarbeit zum

Umdenken bewogen werden – ein klarer Erfolg

konsequenter FPÖ-Politik!”

FP-Nationalrätin Sylvia Papházy und

Wiener LPO-Stv. Heinz-Christian

Strache, 10.07.2002

“Mit der Einführung des Mehrphasenführerscheins

und den verpflichtenden Drogentests hoffen wir die

Sicherheit auf Österreichs Straßen deutlich erhöhen

zu können.”

Ex-FPÖ-Verkehrsminister Mathias

Reichhold zur Unfallbilanz 2002, welche

um 16 Verkehrstote weniger (942)

15


16

Jamaika

anderswo

die (gras)grüne Insel

Die Tür geht auf, mein Freund kommt rein und wedelt wie

wild mit einem Papier. „Wir fliegen nach Jamaika, zwei Wochen,

im Juni!“ Jamaika!

Zu dem Zeitpunkt war Jamaika für mich der Inbegriff einer

kiffenden, reggae-hörenden Nation mit massig Sonne. Nach

einem kurzen Blick in den Reiseführer weiß ich, dass Jamaika

etwa 2,5 Millionen Einwohner hat und Kiffen tatsächlich nicht

erlaubt ist. Jamaika ist eine Insel, liegt 145 km südlich von Kuba

und ist 11.000 qkm groß. Ich hatte mich also vorbereitet. Dennoch

kam dann alles ganz anders, aber irgendwie auch nicht . . .

Und schon am Anfang war eines klar, dieser Urlaub wird nicht

normal! Wir wohnten unter den Einheimischen in einer Pension,

die von einer Deutschen und Hubert dem Rastafari geführt

wurde. In unserem Zimmer stand ein Ventilator, ein großes

Bett und ein Schrank ohne Türen. Fließendes Wasser gab es

nicht und vom Fernseher hatten die Vermieter vermutlich noch

nicht mal was gehört.

Unser erster „Trip“ mit den anderen Bewohnern der Pension

führte uns zu einem abgelegenen Dschungelfluss und zu den

Plantagen des Onkels unseres Rastafaris, Nevil.

Drei Stunden dauert die Reise zum Dschungelfluss. Nun hieß

es: Bikinis und Badehosen anziehen. Drei junge Jamaikaner

warteten bereits sehnsüchtigst auf uns. Sie versuchten per

Augenmaß unsere Schuhgröße herauszufinden, denn jeder

von uns bekam ein paar wasserfeste Gummisandalen, oder

zumindest das was noch davon übrig blieb. Und schon ging’s

los, mehr brauchst Du nicht. Schuhe und Bikini, fertig!

Auf den ersten Blick wirkte der Fluss harmlos, ruhig und

ungefährlich. Doch meine Phantasie verbot es mir, mich

hemmungslos ins Wasser zu werfen. Denn die Erinnerung an

Alligatoren, Riesenspinnen und tödliche Riesentausendfüßler,

von denen mein Reiseführer schonungslos berichtete, kam

zurück. Und wer will schon wirklich engen Kontakt mit solchen

Tieren? Doch plötzlich – die Jungs vom Schuhstand setzen sich

in Bewegung und ohne ein Zeichen der Furcht - und weißt du

- fett ohne Schuhe steigen sie in den Fluss. Da blieb mir keine

andere Wahl! Okay. Das Wasser ist angenehm kühl und die

Angst vor den schleimig-bestialischen Wassertieren sinkt

zusehends. Wir liefen durch den kompletten Fluss und kamen

uns vor wie Computerspielhelden, die mehrere Level zu

meistern haben: Eine reißende Strömung gleich nach den ersten

dreißig Metern. Gefährliche Hindernisse, die kletternd und

tauchend überwunden werden mussten. Und immer ein Auge

aufs Ufer - plötzliche auftauchende Alligatoren lauerten von

dort. Beruhigend wirkten die tapferen, jungen Flussführer, die

die ganze Zeit in unserer Nähe leichtfüßig mitwateten. Der

Höhepunkt des Walks, eine Klippe mitten im Dschungel - fünf

Meter hoch! Natürlich, alle springen! Wer will sich so was

schon entgehen lassen? Ich liebe Jamaika, denke ich, während

ich ins kühle Nass falle . . .

Wir schwammen ein bisschen, klettern und tauchen, bis plötzlich

einer unserer Begleiter den Fluss verließ. Da uns ja eh nichts

anderes übrig blieb, folgten wir ihm alle schweigend. Bis auf

ein paar Schreie und Quietscher fiel die Tour ohnehin sehr

schweigsam aus, da unsere Begleiter keine Sprache beherrschten,

deren wir auch mächtig gewesen wären. Nun folgte ein Marsch

über ein großes Feld und wir trotteten in unseren quietschenden

Gummischuhen und genossen die warme Sonne. Immer wieder

blieben wir stehen, um Pflanzen zu begutachten. Eine hatte

die Fähigkeit, dass, nachdem man ihre Blätter mit den Händen

rieb sofort Seife entstand, sogar der Geruch war original! Curry,

Basilikum, fleischfressende Pflanzen, alles da.

Zurück bei dem Schuhverleih und den Umkleidekabinen war

wieder Umziehen, Schuheabgeben und schnell ins Auto

Springen angesagt, denn jetzt kamen die Hanfplantagen und

das Mittagessen. Wir fuhren eine weitere Stunde mit dem Auto

bis zu unserem nächsten Stop, dem sagenumwobenen Garten

von Nevil. Nach einer sehr herzlichen Begrüßung bekam jeder

von uns direkt eine Kokosnuss in die Hand gedrückt. Huberts

Onkel lief mit einem langen Stab in das hintere Ende seines

Gartens und kam mit einem langen Stab und einem Sack voll

Früchte wieder: Ananas, Bananen, Mango, Papaya - alles was

das (Kiffer-)Herz begehrt. Und natürlich wurde auch für den

Rest gesorgt! Eine große Plastikeinkaufstüte voll mit Gras vom

Gastgeber, für die Gäste. „Raucht!“ Niemand lässt sich so etwas

zweimal sagen, denn das Gras auf Jamaika ist nicht nur sehr

billig, sondern auch sehr lecker. Aber ganz so krass wie die

Einheimischen, die ganze Blüten einfach in Papers wickeln,

sind wir dann doch noch nicht. Filter und Tabak waren bei uns

angesagt. Also rauchten wir und aßen während des alltäglichen

tropischen Regens und warteten auf die Dunkelheit, denn dann

werden wir zu den Plantagen geführt werden . . .

Nach fiebrigem Warten ging es endlich los. Zusammen mit

Huberts Onkel brachen wir zu einem Fußmarsch zu den kleinen

Hanfplantagen auf. Übrigens trägt Nevil keine Schuhe, er

besitzt keine Schuhe und braucht auch keine. Den ganzen Weg

führt er uns durch Matsch und steinige Wege, und wie gesagt

alles ohne Schuhe! Plötzlich standen wir vor den ersten Pflanzen.

Die Dunkelheit ist bedrückend: ein Meter Sicht war Maximum.

Aber das Wichtigste war zu sehen: Pflanzen über Pflanzen,

große, kleine und im Bonsaiformat.

Die Grassorte nannte er Alaska, und er hatte sie soweit

hochgezüchtet, dass er viermal im Jahr ernten kann! Diese

Pflanzen brauchen vom Samen bis zur Blüte drei Monate. Was

hier wirklich wichtig ist, denn die Polizei brennt hier alle vier

bis fünf Monate die Felder nieder. Die fliegen auf der Suche

nach Hanfplantagen mit einem Hubschrauber über die Insel

und wenn sie eine entdecken, brennen sie die armen Babies

eiskalt nieder. Aber das sehen die Bauern nicht so wild. Meistens

sitzen sie daneben und warten bis das Feld abgebrannt ist, um

dort gleich wieder auszusäen. Es kostet zu viel Zeit ein neues

Feld zu suchen und verbrannter Boden ist außerdem der beste

Dünger. Leider sahen wir die richtig großen Felder nicht mehr,

da der Regen nicht aufhören wollte und der Fußmarsch im

Dunkeln ansonsten zu beschwerlich gewesen wäre, zumindest

für unsere ungeübten Tourifüße. Zurück von der Plantage gab

es noch ein exotisches Abendessen bei Huberts Familie. Diese

Menschen leben an der Armutsgrenze und hatten trotzdem

eine gute Portion Reismix für jeden übrig. Man hat nichts, gibt

aber trotzdem auf Jamaika!

Es ist schön zu sehen, dass sich manche Vorurteile doch noch

bestätigen. Denn auf Jamaika gibt es tatsächlich nur weiße

Strände, türkises Meer, super Gras und lauter Rastafaris.

IRIE!

“Nach fiebrigem

Warten ging es

endlich los. Die

Hanfplantge

wartete.”

“Ich liebe

Jamaika, denke

ich, während ich

ins Wasser falle”

Sina Schidor


Civilization und

Renaissance . . .

. . . gehören in jede Spielesammlung. Vorausgesetzt, es finden

sich mindestens sechs Leute mit Spielerfahrung, die nichts

besseres zu tun haben, als mindestens fünf oder 15 Stunden

zu spielen. Ist der Kühlschrank mit Essen und Getränken gut

gefüllt, der größte

Tisch der Wohnung

leer geräumt, können

Spiel und Rauchwaren

ausgepackt

werden.

Vorher Spielregel

lesen!! Dann mit derselben

in der Hand

die Phasen durchspielen.

Wie in Aufbauspielen

typisch

werden anfangs

nicht alle Phasen

gespielt, was den

Einstieg erleichtert.

Da der vollständige

Spielablauf Seiten

füllen würde, beschränken

wir uns

auf wesentliche Züge

und die größten

Unterschiede.

Civilization und Westeuropa-Erweiterung

Hat weder was mit dem PC-Spiel von Sid Meyer zu tun noch

mit dem gleichnamigen „boardgame“. Civilization ist erstmals

1981 bei „Avalon Hill Company“ erschienen.

Worum es geht? Das eigene Gebiet vergrößern, Städte bauen,

dafür Handelskarten bekommen, diese mit den anderen Spielern

tauschen, um Zivilisationskarten zu kaufen, die einen auf der

Entwicklungstabelle nach vorn und somit zum Sieg bringen.

Das dauert aber seine Zeit, denn wir fangen fast bei Adam und

Eva an. Von einzelnen Startregionen im Mittelmeerraum und

Nahen Osten aus beginnen sich die Völker auszudehnen, um

die wachsende Bevölkerungszahl versorgen zu können. Ist die

Bevölkerung groß genug, beginnt der Städtebau, was einen

regen Tauschhandel nach sich zieht. Der endet allerdings früher

oder später in Katastrophen. Trotzdem lassen sich Entwicklung

und Fortschritt nicht aufhalten, denn mit Handelswaren erwirbt

man Zivilisationskarten. Diese bieten Schutz vor Katastrophen,

bringen aber vor allem die notwendigen Siegpunkte. So entwickeln

sich die Völker der Thrakier, Assyrer oder Gallier zu

blühenden Zivilisationen. Das Spiel endet im Jahre 250 vor

Christus.

Grundsätzliches: Das Bevölkerungswachstum bestimmt die

Zugreihenfolge und damit die Bewegung. Jeder Spielstein kann

sich genau ein Gebiet weit bewegen. Steht mehr als ein Volk

in einem Gebiet, kann es zu Kämpfen kommen. Später wird

der Städtebau wichtig, denn jede Stadt bringt eine Handelsware.

Handelswaren sind umso mehr wert, je mehr Karten man da-

Renaissance

Autor: J. Scarborough

Verlag: Descartes Editeur (Eurogames)

Alter: ab 12 Jahre

Spieler: 3 bis 6

Dauer: 5-7 Stunden

Preis: 36,95 ¤ bei www.spielenet.de

Civilization

Autor: F. G. Tresham

Verlag: Welt der Spiele

Alter: ab 12 Jahre

Spieler: 3 bis 10

Dauer: 5–15 Stunden

Preis: 32,95 ¤ bei www.spielenet.de

von hat. Jetzt sind wir beim wichtigsten Punkt des Spiels: Dem

Handel untereinander. Aber Vorsicht: Nicht alles muss dem

Handelspartner verraten werden, denn Katastrophen (liegen

unter den Handelswaren) werden auch gehandelt. Es gewinnt,

wer zuerst das Ende der Entwicklungstabelle erreicht und

höchstens elf Zivilisationskarten mit der für sein Volk

notwendigen Siegpunktzahl hat.

Zeitsprung in

Das Zeitalter der Renaissance . . .

. . . wo es mit der Entwicklung des Abendlandes von den

Anfängen des Mittelalters bis zum Ende der Renaissance

weitergeht. Die Landkarte ist in mehrere Regionen aufgeteilt,

die in Provinzen unterteilt sind. Diese stellen bestimmte Waren

her, die dem Spieler, der die Provinz kontrolliert, zu Einkommen

verhelfen. Je mehr Provinzen man kontrolliert, desto größer

wird das Einkommen und damit die Chance zu gewinnen. Ziel

des Spiels ist es, alle Fortschritte zu kaufen, die die Entwicklungen

in den Bereichen Handel, Wissenschaft, Religion, Kultur,

Entdeckungen und Gesellschaft repräsentieren.

Zu Spielbeginn werden per Los die Hauptstädte und damit

der Startplatz bestimmt. Außerdem bekommt jeder Spieler

Startkapital und Geschichtskarten, von denen es drei Arten

gibt. Erstens die Warenkarten: Für jede kontrollierte Provinz

mit der entsprechenden Warensorte gibt es Geld. Zweitens die

Persönlichkeitskarten: Sie gewähren Nachlässe beim Erwerb

von Fortschritten. Drittens die Ereigniskarten: Diese haben

positive oder negative Auswirkungen auf Spieler und

Provinzen. Die Zugreihenfolge wird geheim bestimmt. Um

eine fremde Provinz zu übernehmen, ist eine Übermacht erforderlich.

Das Kampfsystem ist angenehm einfach und schnell,

allerdings durch Würfel etwas zufallslastig.

Eine der wichtigsten spielbeeinflussenden Elemente ist der

Elendsindex, der bei der Abrechnung am Spielende viel Geld

kosten und Spieler frühzeitig aus dem Spiel werfen kann. Auswirkungen

von Geschichtskarten treiben einen genauso ins

Elend wie zu viele Handkarten, die man nicht bezahlen kann.

Die Regeln sind für ein relativ komplexes Spiel in Ordnung

aber leider nicht einfach zu verstehen, da das Regelheft wirr

strukturiert ist. Unbedingt alles lesen!

Civilization und Renaissance sind Aufbauspiele. Können bei

Renaissance maximal sechs mitspielen, macht Civilization ab

sechs erst Spaß und dauert dafür fast doppelt so lange. Herrscht

zu Beginn der Menschheit noch der Tauschhandel, ist in der

Renaissance Geld das Zahlungsmittel.

Entwickeln sich die Barbarenhorden der Steinzeit erst einmal

zu Zivilisationen, kämpfen in der Renaissance die wichtigsten

Handelsstädte um ihre Vormachtstellung. Die Kämpfe sind

deshalb differenzierter und mit Geschichtskarten zu beeinflussen.

Natürlich lassen sich auch bei Civilization kleine

Grenzscharmützel nicht vermeiden. Für beide gilt: Wird jemand

zu mächtig, dann erst einmal auf ihn. Während bei Civilization

Etappenziele den Weg zum Ziel erschweren, ist bei Renaissance

das Fortschrittssystem etwas komplexer, da alle Fortschritte

aufeinander aufbauen.

Unter http://www.spielpalast.de/www/laeden.htm findet ihr

einen Spieleladen in eurer Nähe, fragt nach, ob sie das Spiel

haben.

Viel Spaß beim Zocken und Grüße im süßlichen Nebel der

Zivilisationen Kerstin und Veit!

Der Norm

Story von K.Lypse

fun+action

17

die Maulhalde

Berlins

optisch

schönste

Wortband

Der Norm is voll n Kumpel von mir.

Kenn n noch nich so lange, aber is trotzdem cool.

Der Norm.

Der Norm hat nich nur krass lange Arme und Beine und

Dreadlocks, sondern auch noch n Artikel vorm Namen,

und zwar n kurzn.

Meistens hat der Norm ne Tüte inna Hand, oder inna

Tasche, oder hinterm Ohr, oder in n Dreadlocks.

Wenn der Norm dann bisschen müde vom Tüte haltn

aufm Fußboden liegt, isses Zimmer voll geteilt, weil der

Norm so n langer Lulatsch is.

Eine Hälfte links von dem Norm is noch Zimmer und

eine Hälfte rechts von dem Norm is auch noch Zimmer.

Und inna Mitte der Norm selbst.

Meistens liegt der Norm aber auf der Couch und schläft

n bisschen.

Dann wachta wieder auf.

Dann schläfta wieder ein.

Bisschen aufwachen.

Bisschen einschlafen…


Schlafen…

Schlafen…

Bisschen aufwachen.

Dann setzt der Norm sich erstmal gemütlich hin auf der

Couch und probiert einzeln die Augen aufzumachn.

Erst ein Auge.

Dann s andre Auge.

Wieder s erste.

Dann…

Und so weiter.

Der Norm sitzt also so auf der Couch rum und guckt

irgendwo in Raum rein und seine Arme häng so rechts

und links an ihm runter.

Die sind so lang, dasse fast aufa Erde liegen.

Auch wenna steht.

Irgendwas passiert dann in seim Innern und er fährt ein

seiner Gadget-Teleskop-Arme aus. Is wie bei dem

Inspektor Gadget, mit seim Gadget-Teleskop-Arm.

Erst fährt er voll übern ganzen Wohnzimmertisch, der

Gadget-Teleskop-Arm von dem Norm, um die Kommode

rum, am Setzkasten vorbei, unterm Hundertwasser-Bild

lang, zum Computer, aufs CD-Regal.

Da wo die Bauutensilien stehn.

Dann greift seine Hand mit den Gadget-Teleskop-Fingern

um die grüne Zigarillo-Dose – die mit den Bauutensilien

– und sein Gadget-Teleskop-Arm zieht sich wieder ein.

Vom CD-Regal zum Computer runter, unterm Hundertwasser-Bild

lang, am Setzkasten vorbei, um die Kommode

rum, übern Wohnzimmertisch auf die Couch

zurück.

Da wo der Norm mit eim offenen Auge sitzt.

Und schon fast wieder n bisschen schläft.

Ja und dann…

…dann baut er sich erstmal ein.

Den steckta sich dann inne Tasche, oder hinters Ohr,

oder inne Dreadlocks, oder in Mund.

Der Norm.

Die Maulhalden gibt’s nun auch was auf die

Ohren. Jeden Sonntag auf fritz, zwischen 17

und 18 Uhr in der Sendung Ken-FM. Lauter

lustige Kurzhörspiele von Willewalle und Hupf.

www.fritz.de; www.maulhelden.de

Achtung!

jeder Missbrauch von

Drogen ist gefährlich!

Wir wollen niemanden

dazu auffordern oder

animieren Drogen zu

konsumieren


18

fun+action

Ja, ihr Lieben, ihr lest jetzt (vielleicht) das letzte Mal Streitgespräch

mit Werner und Katrin. Tragischerweise wird Katrin

beim Hanf Journal als Redakteurin aufhören. Zitat: „Ich muss

endlich mal studieren!“. Ja, wir waren genauso geschockt wie

ihr! Aber ihr braucht nicht in Tränen ausbrechen, sie wird euch

nämlich weiterhin als freie Autorin im Hanf Journal zusülzen.

Dieses mal quatschen die beiden über die lieben anstrengenden

Eltern, Hanftourismus und ekliges Dope. Aber lest selbst . . .

Katrin: „Es gibt ja so richtig ekliges Dope. Freunde von mir

hatten da schon oft so widerlichen Scheiß. Schon beim Zug an

der Tüte haben sie es bereut. Denn beim Einziehen in die Lunge

hatten sie das Gefühl, dass alle ihre Lungenhärchen einfach

verbrannt sind. Und der Geschmack . . .“

Werner: „Wir nehmen ja auch Kontakt mit Kiffern auf, mit

diesen Kriminellen und SchwerverbrechernJ ! Sie berichten

immer wieder von echt schlechtem Homegrow, das einen

wirklich unerträglich widerlichen Geschmack hat. Ich frag

mich, warum das manchmal so scheiße schmeckt?“

Katrin: „Es gibt ja auch leckeren selbstgezogenen Hanf, und

manchmal schmeckt die Sorte einfach nicht gut. In Käffern und

Kleinstädten findet man häufig auch ekligen Shit, oft ist da

was reingemischt. Also, lasst euch so was nicht aufdrücken.

Bei Homegrow muss man wenigstens keine Angst haben, dass

etwas reingemischt sein könnte.“

Werner: „Growing ist mir eindeutig zu stressig und das

Ergebnis ist doch auch oft nicht so gut, oder?“

Wenn Redaktionsmitglieder streiten

Diskussionen rund ums Kiffen

Katrin: „Es kommt ganz auf den Grower an. Damit die Ernte

so richtig gut wird, muss man schon etwas Erfahrung in dem

Bereich haben und etwas von Botanik verstehen. Und natürlich

darf die Leidenschaft dabei nicht fehlen. Oft wird auch zu früh

geerntet oder die Pflanze wird zum Schluss nicht genug

gestresst.“

Werner: „Ich mag trockenes Gras! Das kann man viel besser

zerkleinern und der Joint raucht sich schöner. Und beim

Schwarzen Afghanen ist es toll, eine kleine Wurst in den Joint

zu drehen, das ist smooth zu rauchen.“

Katrin: „Nein, das muss gut gemischt sein. Vor allem wenn

immer noch so ein Stückchen Wurst vorne aus dem Joint raushängt,

ist es wirklich unangenehm den Joint zu rauchen.“

Werner: „Was du was wirklich unangenehm ist? Cannabis

mit Tabak zu konsumieren. Tabak schädigt den Körper so sehr.

Und es sterben jährlich über 140.000 Menschen daran. In den

USA zum Beispiel raucht man Pur-Tüten, viel besser als mit

Tabak.“

Katrin: „Da ballert man sich ja voll weg. Und den Joint muss

man doch ständig wieder neu anzünden.“

Werner: „Naja, die Joints sind ja auch kleiner. Und Joints mit

Tabak muss man auch immer wieder anzünden, weil man

einen Laberflash schiebt und vergisst daran zu ziehen.“

Katrin: „Das Gras sollte dann aber nicht zu trocken sein. Sonst

zieht man es doch durch den Filter ein, und das ist doch

unangenehm, oder?!“

Werner: „Ha, mit ’ner Pfeife zu rauchen ist toll! Das geht

nämlich pur, man muss nicht bauen, sie sind handlich und

man kann sie auch überall mit hin nehmen. Also für mich

perfekt. Hey ihr da draußen, schickt mir alle Pfeifen!!!!“

Katrin: „Bongs sind doch auch sehr toll, und ich habe gehört,

dass es jetzt schon ganz tolle Bongtaschen gibt, total unauffällig

und bruchsicher für das gute Stück.“

Werner: „Haschöl ist auch krass! Das ist beim Inhalieren

schon komisch, das kann man gar nicht richtig tief reinziehen.

Und es beamt dafür richtig heftig mit, eine neue und heftigere

Dimension vom Kiffen, ein krasser Rausch. Wenn man schlechtes

Homegrow hat, könnte man ja Haschöl draus machen!“

Katrin: „Genau, wenn es irgendwann mal legal sein sollte,

dann könnt ihr Haschöl draus machen! Aber mal zu einem

anderen Thema: Da es hier in Deutschland noch nicht legal ist,

fahren manche von uns ja ab und an gerne mal nach Holland

oder in die Schweiz. Dort hat man keinen Stress mit den lieben

Kollegen von der Polizei. Zweitens kann man einfach in einen

Laden gehen und sich etwas aussuchen, das hat so etwas von

Weihnachten. Aber bringt der Hanftourismus nicht auch einige

Probleme mit sich, z. B. die Drohung von Beckstein an die

Niederlande?“

Werner: „Länder wie die Schweiz und die Niederlande

profitieren ja auch vom Hanftourismus und machen viel Kohle

damit. Es ist wirklich schizophren, dass es da Länder gibt, wo

es legal ist - wo es auch gesellschaftlich gesehen ganz akzeptiert

ist - als Rauschgenuss oder Medizin. Und sobald du eine Grenze

überschreitest und in dem anderen Land bist, soll Hanf eine

ganz schlimme illegale Droge sein, hä?!“

Katrin: „Aber leider machen die anderen Staaten oft so großen

Druck, dass man halt diese Lügen weiterhin verbreitet. Und

andererseits habe ich durch unsere Nachbarländer Hoffnung,

dass es irgendwann mal auch bei uns soweit sein wird. Aber

Vorsicht, in Ländern wie Thailand muss man Angst haben,

dafür umgebracht zu werden. Wirklich unfassbar!“

Werner: „Na gut, im Vergleich dazu geht es uns natürlich

sehr gut. Aber das sind ja unmenschliche und menschenrechtswidrige

Zustände, gegen die man etwas tun muss! (Mehr Infos

dazu auf www.hanfjournal.de).

Aber stell dir mal vor, wie sehr die Leute hier auf die Barrikaden

gehen würden, wenn man plötzlich Koffein verbieten würde.

Und bei Alkohol würde es einen Putsch geben! Ich meine, ich

bin auch gegen so ein Verbot, aber ich muss es immer wieder

sagen: Es sind meistens die Leute, die für ein Bier demonstrieren

gehen würden, aber Cannabis verteufeln sie ohne Ende. Einfach

verlogen!“

Katrin: „Und dieser Irrglaube, dass die Droge allein Schuld

daran ist, dass Menschen abhängig werden und sich ausbreitet

wie eine Seuche! Klar, es gibt Drogen, die eine körperliche Abhängigkeit

verursachen. Aber: der entscheidende Faktor bei

der Abhängigkeit ist einfach, wie es dem Menschen psychisch

so geht, was er für Probleme hat. Es gibt so viele verschiedene

Ursachen für eine Abhängigkeit von einer Substanz, aber es

muss nicht die Substanz selbst sein.“

Werner: „Vor allem muss man doch auch die Menschen in

Ruhe lassen, die eine Droge konsumieren, aber ganz gut und

„normal“ ihr Leben bewältigen. Muss es immer der klare, reine

Mensch, Psyche, Geist oder was auch immer sein? Muss es

immer höchstes Ziel sein, nüchtern zu sein? Klar, es gibt viele

Menschen, die abhängig von einer Droge sind. Aber die wird

es immer geben. Man kann nur an den Ursachen arbeiten und

dafür sorgen, dass sie darüber aufgeklärt sind, was sie da zu

sich nehmen.“

Katrin: „Aber es ist nicht leicht, Eltern davon zu überzeugen.

Das Problem ist, dass soviel Angst geschürt wird.“

Werner: „Seit ich ausgezogen bin, sind meine Eltern lockerer.

Aber viele haben einfach Angst. Und vielen Eltern geht es doch

meistens auch so: Erst haben sie ein total falsches Bild von

Cannabis, dann informieren sie sich doch einmal und nun -

blub - sind sie nicht mehr gegen eine Legalisierung. Aber sie

sind natürlich für einen kritischen Umgang mit Drogen. Und

dann sind da auch noch die, die sich anstrengen, tolerant zu

sein und dann aber immer über das Thema Drogen reden und

sich selbst ständig vor Augen führen müssen, dass sie tolerant

sind. Eltern sind einfach anstrengend!“

Katrin: „Oh ja, Eltern einer meiner Freunde haben ihm mal

angeboten, wenn er Cannabis ausprobieren möchte, solle er zu

ihnen kommen. Naja, er hat dann auch mal mit ihnen gekifft

und die sind super locker. Sie wollten nur nicht, dass er mit

dem Schwarzmarkt in Verbindung kommt.“

Werner: „Aber wer will denn schon mit seinen Eltern kiffen?!“

Katrin: „Schau dir mal den Film „Nach 5 im Urwald“ an. Da

wurden die Eltern vom Kiffen viel lockerer. Aber Eltern sind

einfach Eltern, kompliziert und anstrengend. Aber man hat sie

ja trotzdem gerne. Und irgendwann sind wir selbst Eltern, -tja

so geht’s.“

ACHTUNG - ACHTUNG

Das Streitgespräch gibt’s nun auch als Film. Mit größerer

Besetzung (vier Leute) und den breitesten Gesprächen.

Ihr findet das Video auf www.hanfjournal.de.


Die Hanfberatung im Hanf Journal

Fragen über ragen häufen sich in den Redaktionsräumen

des Hanf Journals. Alle öffetnlich beantworten würde wie

immer den Rahmen sprengen, aber natürlich drucken wir

hier die interessantesten für euch ab. Und alle die schon

ein bisschen auf die Antwort warten, keine Panik, Sie

kommt bestimmt. Wenn du auch Probleme mit und um

Cannabis hast dann schreib einfach an Kascha R:

hanfberatung@hanfjournal.de

Marcel (ohne Alters- und Wohnortangabe) fragt:

„Moinsen . . .

Ich hab’ da mal eine kleine Frage . . . Ich kiffe nun schon

seit einiger Zeit und finde es ja auch ganz geil, aber dieser

scheiß Fressflash nervt einfach!!! Ich hab keinen Bock weiter

wie ein Hefekuchen aufzugehen! Ein paar Bekannte von

mir meinen, sie haben ihn schon gar nicht mehr, die barzen

aber schon seit fast zehn Jahren!!! Muss ich die nächsten

sieben Jahre durchkiffen, nur damit dieser Scheiß aufhört!?

Könntet ihr mir irgendwelche Tipps geben? Ob es was

dagegen gibt (wie Augentropfen für die roten Augen) oder

was man essen sollte . . . was, was gut stopft, aber nicht

gleich fett macht!!! Ich bin echt am verzweifeln!!! Wär’ echt

in Ordnung, wenn ihr mir weiterhelfen könntet . . .

thx, Marcel“

Kascha antwortet:

„Hey Marcel,

der „Fressflash“ tritt bei jedem Konsumenten

unterschiedlich auf. Auch nehmen einige davon zu, andere

nicht. Vom „Durchkiffen“ wird das auch nicht unbedingt

besser. Du kannst ballaststoffreiche Nahrung und Obst zu

dir nehmen, das stillt den Hunger ohne gleich dick zu

machen. Auch wenn man im ersten Moment lieber Schokolade

essen würde, kann man auch auf einen leckeren Apfel

oder eine Banane einen guten Geschmacksfilm schieben.

In der Apotheke und im Supermarkt bekommt man appetitdämpfende

Tees, meist auf Mate-Tee-Basis, die auch hilfreich

bei deinem „Problem“ sein könnten. Außerdem solltest du

das was du isst natürlich gut kauen, wenn man alles

runterschlingt, isst man meist mehr als man braucht um satt

zu werden. Wenn das alles nichts hilft musst du wohl versuchen

ein bisschen Sport zu treiben, um das, was du dir auf deinem

Fressflash anfutterst, wieder runter zu bekommen.“

Carsten (23) aus Köln fragt:

„High Kascha -

ich hab’ mal eine ganz theoretische Frage. Wie lange und wie

kann man Kiffen eigentlich nachweisen und wie bekommt

man es gegebenenfalls wieder aus dem Körper? Kann es sein,

dass es bei ’ner Routineuntersuchung beim Arzt gefunden

wird (z. B. Allergietest) und besteht dann Schweigepflicht?

Wie wird im Straßenverkehr getestet? Danke!

Carsten“

Kascha antwortet:

„Hallo Carsten,

Das mit den Nachweisbarkeitszeiten ist etwas unübersichtlich.

Am einfachsten ist es in den Haaren: so lang wie die Haare

lang sind. Dabei entspricht ein Zentimeter einem Monat. Im

Blut kann man THC nur sechs bis zwölf Stunden nachweisen,

aber Abbauprodukte (THC-COOH) bis zu sechs Wochen. Im

Urin sind die Abbauprodukte bis zu drei Monate nachweisbar.

Das hängt alles vor allem von deinem Stoffwechsel, deinem

Körper an sich (THC wird im Fettgewebe eingelagert) und der

Konsumhäufigkeit/-menge ab. Bei den Haaren hilft nur Abschneiden,

in der Regel werden fünf Zentimeter von der

Haarwurzel an getestet. Ansonsten muss man eben sehr viel

trinken, am besten Wasser und Entschlackungstees, und sich

bewegen und schwitzen um das Fett mit dem eingelagerten

THC abzubauen. Wenn der Urin beim Test sehr dünn ist (das

wird in der Regel anhand der Kreatininwerte bestimmt), ist

der Test ungültig und muss wiederholt werden. Bei bis zu fünf

Nanogramm THC-COOH im Blut wird übrigens in der Regel

noch kein regelmäßiger Konsum angenommen, das ist dann

also kein Problem für den Führerschein - soweit keine Fahrfehler

vorlagen und kein aktives THC im Blut war.

Bei Routineuntersuchungen beim Arzt wird in der Regel nicht

auf THC-Konsum getestet, da ja jeder Labortest Extrakosten

verursacht. Wenn es nicht gerade ein Verkehrsarzt ist, der die

fun+action

>>Erste Hilfe für Kiffer

Fahrtauglichkeit oder -eignung feststellen soll, besteht auch

Schweigepflicht. Im Straßenverkehr wird bei Verdacht auf

Betäubungsmittelkonsum (rote, wässrige Augen, unsicherer

Gang, Fahrfehler (Schlängellinien o. ä.) und verwaschene

Aussprache, Hanfgeruch, Jointreste oder Konsumutensilien

(Bong, Longpapers) im Auto) in der Regel ein Urin- oder

Schweißschnelltest angeboten. Wenn dieser abgelehnt wird,

geht es auf die Wache zum Bluttest.“

Mona (16) aus Hannover fragt:

„hi ..

ich hab gleich mehrere fragen:

mit wieviel gramm kann man erwischt werden ohne eine

anzeige zu kassieren?? und noch eine frage zur wirkung:

kann es sein, dass man sich das high-sein auch einbilden

kann? weil ich glaub’, das ist bei mir oft! ich brauch oft nur

einen zug zu nehmen und kann mich anders fühlen - das

geht doch nicht, oder? was sind die typischen symptome

fürs „high“-sein? meine letzte frage: es gibt ja verschiedene

sorten von grass, schlägt das alles gleich an?“

Kascha antwortet:

„Hi Mona,

eine Anzeige kassierst du auf jeden Fall. Bei der polizeilichen

Vernehmung brauchst du nichts weiter auszusagen, wenn

du es tust kann alles gegen dich verwendet werden. Nur

vor Gericht kann dann unter Umständen das Verfahren

eingestellt werden (bei einer geringen Menge und ohne

Fremdgefährdung (z. B. Verkauf)). Was eine geringe Menge

ist, ist in jedem Bundesland anders definiert, außerdem

MUSS in einigen Ländern das Verfahren eingestellt werden,

in einigen KANN es eingestellt werden. Wie das genau in

jedem Land geregelt ist, steht auf

http://www.cannabislegal.de.

Auch sehr geringe Dosen können schon verschiedene

Wirkungen hervorrufen. Die krampflösende, entspannende

Wirkung tritt beispielsweise schon unterhalb der psychotropen,

also psychisch wirksamen, Dosis auf. Vielleicht ist

es das, was du schon nach einem Zug bemerkst. Dosisabhängig

treten dann auch Heiterkeit, Verwirrung, Sprachstörungen,

Müdigkeit bis hin zu Angst oder Desorientierung

auf.

Es gibt sehr viele verschiedene Züchtungen, von denen

einige je nach Sorte und Aufzuchtbedingungen mehr und

einige weniger anschlagen. Manche rufen ein eher körperliches

„High“ hervor, wo man sich also eher nicht mehr so

koordinieren kann; andere rufen eher „Filme“ hervor, also

ein eher psychisches „High“.“

Und hier wieder eine Situation zum Nachdenken und

Nachmachen:

Kommt ein Hippie zu seinem Dealer und sagt:

„Ey, du hast dich gestern um ’nen Zwanziger geirrt!“

„Das hättest du schon dann sagen sollen, jetzt ist es zu

spät!“

„Behalt ich ihn halt . . .“

Einen sonnigen Sommer wünscht,

Eure Kascha R.

19


20

Gebt das Hanf frei – und zwar sofort!

Am 23. August ist es wieder einmal soweit: Deutschlands

größtes Kiffer-Event zieht durch Berlin und verbreitet Glückseeligkeit

und Legalisierungsfeeling. Kiffer aus der ganzen

Republik reisen nach Berlin um für die Legalisierung von Hanf

zu demonstrieren. Auch ihr dürft dieses Jahr nicht fehlen!!!

Viele Organisationen, Shops oder sonstige Zusammenschlüsse

organisieren Busse, Mitfahrzentralen oder Bahn-Fahrgemeinschaften.

Ein Tipp: Reserviert euch schon frühzeitig Plätze,

denn mit dem Auto nach Berlin zu tuckern ist fast immer teurer.

Außerdem sind Gemeinschaftsfahrten immer lustiger und dazu

noch umweltfreundlicher. Wenn ihr selbst Fahrten organisiert,

dann teilt dies dem Hanf Journal mit. Am 15. Juli erscheint

nämlich die Sonderausgabe des Hanf Journals. Ein Special nur

für die Hanfparade! Und darin wollen wir auch alle Mitfahrmöglichkeiten

abdrucken. Also Mail an

werner.graf@hanfjournal.de

und eure Fahrt wird noch bekannter.

Ansonsten gilt für alle anderen: Haltet euch das Wochenende

frei, holt euch zur Information über die Hanfparade die Sonderausgabe

und kommt nach Berlin. Denn nicht, dass das Hanf

frei kommt und du bist nicht dabei!

www.hanfparade.de

fun+action

Hanfparade 2003 in Berlin

Werner Graf

Termine

18.–21.07.2003

Antaris-Festival

Das internationale GOA-Festival in der Nähe Berlins!

Kommt vorbei und werdet glücklich. (Mehr dazu auf

Seite 10)

www.antaris-project.de

21.07.2003:

Nationaler Gedenktag für verstorbene

DrogenkonsumentInnen

21./22.08.2003

EntheoVision-Kongress

Berlin: Am 21. und 22. August 2003 veranstaltet das

Psycho-nauten-Journal Entheogene Blätter (Hartwin

Rohde und Markus Berger) im Botanischen Garten

Berlin eine in Deutschland bis dato einzigartige öffentliche

Fachtagung zum Themengebiet „Status quo

und gesellschaftliche Auswirkungen der Drogenforschung“.

Hochkarätige Referenten füllen das zweitägige

Vor-tragsprogramm aus. (Mehr dazu in der

Sonderaus-gabe des Hanf Journals – erscheint am

15. Juli 2003)

www.entheovision.de

23.08.2003

Hanfparade 2003

Berlin: Die größte deutsche Veranstaltung für die

Legalisierung von Hanf als Rohstoff, Medizin und

Genussmittel.

www.hanfparade.de

12.09.2003-14.09.2003

8. internationale CannaBusiness

Castrop-Rauxel: Internationale Hanfmesse

www.cannabusiness.com

07.11.2003-09.11.2003

4. Pariser Hanfausstellung

Paris: Hanf und Öko-Technologien, Cité des sciences,

la Villette

In eigener Sache

Und wieder einmal geht ein Heft zu Ende. Hiermit will ich

mich einmal bei all den lieben Leserbrief-Schreibern

bedanken. Ich werde allen noch antworten und euer Lob

ist mir echt viel Wert, danke, danke, danke.Einen traurigen

Aspekt hat diese Zeitung: Katrin Schmidberger, die uns

nun seit einem Jahr begleitet hat, hört auf in der Redaktion

zu arbeiten. Wir trauern um diesen verspulten Kopf. Aber

ihr müsst nicht traurig sein, den Lesern bleibt sie auch

weiterhin erhalten, halt dann als freie Redakteurin.

Das Heft war für uns mal wieder sehr spannend – eine

Reise zu einem Hanfbauern, Aktionen vor den Parteitagen,

Hanf Journal on tour und endlich das lang erwartete

„Anderswo in Jamaika“! Was wollen wir mehr? Also kurz

und knapp: Wir hatten unseren Spaß! Ihr auch? Wenn

ja, dann freut euch schon mal auf die nächsten Ausgaben,

denn dieses Mal kommen die Zeitungen direkt

hintereinander.

Am 15. Juli erscheint die Sonderausgabe zur Hanfparade

2003. Hier erfahrt ihr alles! Wie ihr nach Berlin kommt,

was alles in Berlin los ist und wo ihr hin müsst. Außerdem

findet ihr dann noch zwei Seiten zum Entheovision-Kongress

in Berlin. Also aufpassen und mitnehmen.

Die nächste reguläre Ausgabe findet ihr am 3. August in

euren Head- und Growshops, dann wieder ganz normal:

Die Politik wird unter die Lupe genommen, Guerillia

Growing geht weiter und falls wir es schaffen, werden

wir euch auch einmal Sprachgewohnheiten anderer

Drogenkonsumenten präsentieren.

Na dann macht mal highter weiter und bis zum nächsten

Mal

Euer

Werner Graf


Überleben ist echt so eine Sache für sich. Zum Glück gibt es da Hunderte von Büchern,

wie ich denn im Wald draußen in der Pampa überlebe, wie ich mit Holz Feuer machen

und welchen Strauch man essen oder rauchen soll. Auch die Information, wie ich mich

sinnvoll vor Haien schütze, hab ich gefunden. Aber um ehrlich zu sein, als ich mich vor

einem Drei-vierteljahr plötzlich in Berlin wiedergefunden habe, hat mir das alles nicht

wirklich geholfen. Denn Haie gibt es hier gar nicht!!

In Berlin lauern ganz andere Abenteuer. Um eine Großstadt zu bändigen, braucht man

daher auch ganz andere Qualitäten. Sehr gefährlich kann die soziale Ader werden, die

kann einen hier echt arm machen. Erst neulich haben mich während einer U-Bahnfahrt

sechs verschiedene Musikanten beglückt. Ein jeder hat mich vorzüglichst unterhalten,

machte nur die Fahrt insgesamt um sechs Euro teurer. Zu viel – eindeutig. Wer überleben

will, darf nicht mehr als einen durchfüttern – is halt so.

Die simpelste Möglichkeit nichts zu geben, ist der beliebte, grimmig-trübe Berliner

Tunnelblick. Nix-Geben geht aber auch mit mehr Spaß. Mein Liebling ist mit großem

Abstand: kurz zuhören, verwirrt gucken und plötzlich wegrennen. Liegt viel Geld im

Hut wirkt auch folgendes recht verstörend: eigenen Geldbeutel zücken, daneben ausleeren

und klarstellen, wer hier der wirklich Bedürftige ist. Ah ja und bevor ihr noch als arme

Hunde endet und denkt mich auch noch anschnorren zu müssen, merkt euch eines: Nix

geben, wenn man nicht in Bewegung ist. Es gibt immer Nester von Schnorrern! Und

haben die mal ein Opfer lokalisiert, fliegen sie zurück zum Stamm und führen einen

komplizierten Tanz auf, der den anderen den Weg zu dir weist. Kriegt einer was -

kommen alle (gilt genauso für Zigaretten und Joints).

Achtung!

jeder Missbrauch von

Drogen ist gefährlich!

Wir wollen niemanden

dazu auffordern oder

animieren Drogen zu

konsumieren

Doch nur Schnorrern auszuweichen beweist noch keine Großstadttauglichkeit.

Als professioneller Großstadtsurvivor sollte

man zumindest den Indiana-Jones-Abrollsprung beherrschen.

Wie sollte man sonst spektakulär in abfahrende Züge einsteigen?

Auch beim Aussteigen (gegen hinterhältige Fahrkartenkontrollen)

zeigt diese Technik immer wieder ihren Nutzen. Fortgeschrittene

sparen sich sogar die Rolle und sliden in alter

Footballmanier direkt auf dem Boden. Achtung: Vor dem Absprung

die lebensbedrohliche Schlucht zwischen Bahnsteig

und Zug einplanen.

Großstadtabenteuer zu bestehen, ist oberste Pflicht in Berlin!

Aber wer die überleben will, benötigt die richtige Ausrüstung.

Und damit ihr nicht so lange leiden müsst wie ich, hier die

ultimativen, seit Jahrhunderten geheim überlieferten Großstadt-

Survival-Kit-Rezepte.

Man nehme:

Eine „aus Versehen“ nicht abgestempelte Fahrkarte, mixe

sie mit einem unschuldigen Touri-Blick und serviere es frisch

dem Fahrkartenkontrolleur.

Ein kaputtes Feuerzeug, kombiniere es mit ausgiebigem

hilflosen Schnippen und ernte mitleidige Blicke und zahlreiche

Feuerspender. Vorteil gegenüber vollen Feuerzeugen:

Es wird nicht geklaut!

Einen Hut, eine Mundharmonika (oder ein ähnlich grausames

Instrument) und versuche zu spielen. Sehr hilfreich

wenn die Kohle mal ausgeht. Tipp: Auf Plätzen ohne Fluchtmöglichkeit

kriegt man selbst fürs Aufhören Geld.

berlin

I will survive

13

Mindestens eine Packung lange Blättchen, garniere damit

die hintere Hosentasche (von außen sichtbar) und erhoffe

viele Blättchenschnorrer! Der Gewinn des Ganzen ist das

allumfassende Wissen, wer wo was wie viel mit wem kifft!

Meist fällt dabei auch was für den edlen Blättchenspender

ab.

Und nicht zuletzt: Ein Schweizer Armeemesser, verrühre es

mit dem Wissen aus 150 Folgen McGyver und man kann

sich alles andere selbst bauen.

„Bua pass acht, Grossstadt is gfärlich“ hat meine Oma mal

gesagt. Und wisst ihr was, sie hatte Recht. Großstadtleben ist

nicht so einfach, und Abenteuer warten hinter jeder Ecke! Aber

ich werde sie alle überleben – soviel ist sicher!

Die Großstadtsurvivor


14

berlin

Karneval der Kulturen 2003

größer, bunter, schöner, lauter!

Und wieder einmal ist er vorbei, der Karneval der Kulturen.

Jetzt heißt´s wieder ein Jahr warten. Aber so ist das nun mal

mit den schönen Zeiten. Und spektakulär war’s allemal!

Größer bunter schöner lauter - und die definitiv wildere Party

als die Love Parade. Es gab wieder viel zu bewundern und zu

bestaunen. Mitreißende Sambagruppen, fantasievolle Kostüme

und liebevoll dekorierte Wagen. Da war für jeden was dabei.

Und das den ganzen Tag lang bis mitten in die Nacht. Da ernteten

die Aktiven mit steigender Schrittzahl schon mal mitleidige

Blicke. Mit die meisten Fans, Tänzer und ausgelassenen Besucher

schleppte der Hanf –Journal-Wagen mit HESI und Growin

Berlin hinter sich her. Aber kein Wunder bei dem fetten

Raggae-Sound. Exzessives Gehüpfe im sommerlichen Staubnebel.

Und das bei echter

Hochsommer-Hitze. Deshalb wurde es auch immer besonders

euphorisch, wenn die mitfühlenden Anwohner ihre Gartenschläuche

und Gießkannen auspackten und die verschwitzten

Besucher mit kühlenden Wasserschauern beglückten. Aber

nicht nur unser Raggaewagen hatte begeisterten Anhang. Auch

die Crew von den Pyonenpartys wurde frenetisch gefeiert. Bei

den begeistert tanzenden und schreienden Massen von Technofreunden

lag akute Verwechslungsgefahr mit der Love Parade

vor. Der DJ der Pyonen musste seine Anlage sogar zweimal

aufbauen, weil er die staubige, verschwitzte Masse zu früh

befriedigt glaubte.

Obwohl das diesjährige Straßenfest abgebrochen werden musste,

weil eine umstürzende Kabelbrücke drei Menschen schwer

verletzte, ist der Karneval insgesamt wieder ein großer Erfolg

geworden. Hunderttausende Menschen drängelten sich durch

die Straßen Kreuzbergs und hinterließen, entgegen der Prophezeiung

der Veranstalter, auch wieder riesige Müllberge. Die

Menschenmassen konzentrierten sich an diesem Wochenende

hauptsächlich auf Kreuzberg und so wurde die liebevoll gestaltete

„Mitte-Stylerevolte“ -Party in der Backfabrik leider

eher ein Misserfolg. Zum Glücken konnten wir die gelangweilten

Gäste mit Hanf Journalen und Kiffer-Krimskrams ein

bisschen aufheitern.

Insgesamt also: Tolles Wochenende. Riesenparty. Gerne wieder!

Bis nächstes Mal – natürlich am Hanf Journal-Wagen!

Martin Schwarzbeck

Größer, bunter, schöner, lauter ...

Sandsational!!

1. Internationales Sandcarving Festival in Berlin

Sandburgen für Große

Sandburgen sind was für kleine Kinder. Die baut man mit

Schippe und Eimerchen und außerdem stehen sie morgen

schon nicht mehr. Alles Vorurteile! Sandburgenbauen ist in!

Da kommen gestandene Frauen und Männer mit Baggern an

und erfüllen sich mit tonnenweise Sand ihre Kindheitsträume.

Und es sieht skurilerweise sogar gut aus! Die Konstrukteure

nennen sich, natürlich, auch nicht mehr Sandburgenkönige

(wär’ ja kindisch), sondern Carver und bezeichnen ihr Werk

– selbstverständlich - als Kunst. Und es gibt sogar welche die

davon leben können! Die 15 weltbesten Carver treffen sich

gerade in Berlin zum freundschaftlichen Battle. Jeder hat 40

Tonnen Sand zur Verfügung. Und einer, das ist der König der

Sandburgenkönige, der baut ’ne acht Meter hohe Burg aus 500

Tonnen Sand. Die Burgen dürfen nur aus Sand und Wasser

gebaut werden. Dafür wird der Sand mit speziellen Maschinen

so fest gepresst, dass er zu einem richtig stabilen Klotz wird.

Aus dem wird dann mit den verschiedensten Werkzeugen die

Skulptur herausgekratzt. Eisstiel und Zahnbürste sind neben

den Klassikern Eimerchen und Schäufelchen absolut legitime

Mittel. Dem derart gepressten Sand macht dann selbst Regen

nichts aus. Regen festigt die Skulpturen sogar noch, weil der

Sand dann besser klebt. Nur Hagelstürme müssen die Kunstwerke

fürchten, aber soweit ist die Klimaveränderung ja zum

Glück noch nicht.

Um den perfekten Pappsand zu finden, wurden über 20 Proben

aus der Umgebung von Berlin genommen. Die wurden von

richtigen Wissenschaftlern analysiert. Die haben dann anhand

von Reinheit, Form und Farbe der Körnchen, den perfekten

Sand zum Skulpturenbauen ausgesucht. Verrückte Geschichte.

Da ist wohl jemand noch nicht ganz erwachsen geworden. Den

besten Sand zum Burgenbauen gibt es übrigens nicht am Meer,

sondern immer tief im Landesinnern. Aber wer bitteschön

kommt auf die die Idee Sandburgen im Landesinnern zu

bauen???

Das fertige Werk hält dann sechs bis acht Wochen, drinnen

sogar Jahre.

Festival bedeutet natürlich auch dass die Party nicht fehlen

darf. Jeden Freitag und Samstag bis inklusive 19. Juli beschallen

die Musikredakteure von Radio Multikulti und Zitty das zum

Strand ausgebaute Gelände. Gefeiert wird von 20 bis 24 Uhr,

kostet dafür auch nur 3 Euro. Partyfreie Besichtigungen der

Skulpturen sind an allen anderen Tagen von 10 bis 22 möglich

und kosten 5 Euro.

www.Sandsation.de

von 16. Juni bis 20. Juli in der East Side Gallery

Berlin-Friedrichshain


TERMINE

fuckparade

fuckparade

5. Juli, 14:00 Uhr

Berlin

Gerade am Beispiel des Ostgut konnte man mal wieder sehen,

wie funktionierende Kultur den unrealistischen Träumen der

Großinvestoren geopfert wird. Doch zum Glück gibt es ja

jemanden, der für unser Recht auf lautstarke Zwischennutzung

von zeitweise leer- und freistehenden Plätzen und Gebäuden

kämpft: Die fuckparade! Die gibt es seit 1997, damals noch als

hateparade. Sie hat ihre Wurzeln in der Clubkultur und tritt

für eine veränderte Politik in der Stadtentwicklung und im

Umgang mit (sub)kulturellen Minderheiten ein. Die Macher

der fuckparade haben extra einen von der Loveparade unabhängigen

Termin gewählt, um zu zeigen, dass sie sich als Veranstaltung

mit eigenen politischen Zielen definieren und nicht

als Gegendemo zu dem szenefremden Kommerzspektakel. Sie

sind:

- Gegen Razzien und aufgelöste Partys.

- Für eine Konzession light für temporäre kulturelle Projekte.

– Gegen Ausgrenzung und Kriminalisierung (sub)kultureller

Minderheiten.

– Gegen Beschränkung von Demonstrationen auf

klassische Protestelemente.

Trotz dieses ausgeprägten Forderungskatalogs und den zahlreichen

politischen Aktionen rund um die letztjährige Parade

(Redebeiträge von Politikern, Unterschriftensammlung auf

dem Alex, temporäre Besetzung mit Party am Palast der

Republik) gibt es noch Menschen die der fuckparade gerne

den Status als Demonstration aberkennen würden. Allen voran

der Leiter der Versammlungsbehörde Berlin, Herr Haß (passender

Name?). Der will, obwohl das Amtsgericht Tiergarten

an der letzten Parade keine Formfehler beanstandete, weiterhin,

dass die fuckparade nur ohne Musik durchgeführt werden

darf. Die Veranstalter lassen es auf einen Rechtsstreit ankommen

und versichern, dass die musikalische Untermalung nach wie

vor bereitgestellt wird.

Hoffen wir, dass es nicht so wird wie in Frankfurt am Main,

der Heimatstadt des Veranstalters DJ Trauma XP. Da wurden

schon mal friedliche Technofreunde niedergeprügelt um eine

Parade zu beenden.

Aber keine Angst: Wilde Party bleibt garantiert und das,

entspannenderweise, mal völlig ohne Wasserpistolen und

Sonnenblumen.

Für alle ganz Partywütigen geht’s danach natürlich noch weiter,

z. B. im Tresor mit Frank Finger, moog T und vielen anderen.

Die Stilrichtung ist Techno und House. Kostenpunkt: 8 Euro.

Maria am Ostbahnhof. Da gibts für 7 Euro Gabba und Goa-

Trance.

KöPi in der Köpenicker Str.137 geht’s auch noch ab. Breakcore

bis Raggae für lockere 3 Euro.

Also wo auch immer, wichtig ist, dass wir denen da draußen

zeigen: Die Gegenkultur lebt – und wie!

www.fuckparade.de

Freunde des Sommers: Aufgepasst!

2BE Birthday Bash

25. Juli

2BE-Club

Am 25.07.2003 gibt’s ein Reggae-Dancehall-HipHop Open Air-

Festival mitten in Berlin. Das Ding nennt sich 2BE Birthday

Bash und findet schon zum vierten Mal statt. Nachdem man

im vergangenen Jahr Unmengen von Menschen wieder nach

Hause schicken musste, da der 2BE-Club aus allen Nähten

platzte, hat man dieses Mal vorgesorgt: Der komplette Hinterhof

wird zum überdachten Open Air-Gelände ausgebaut. Ein

Festival mit einem Line up, das sich gewaschen hat!

Von 16 bis 22 Uhr werden u. a. live on stage sein: Gentleman

& The Far East Band, Tha Alkoholiks und Harris (mit neuem

Album).

Ab 22 Uhr steigt dann outdoor sowie indoor auf insgesamt

drei floors eine fette Party. Europas vielleicht beste Soundsystems

(David Rodigan, Pow Pow Movement & Sound Quake) sind

dabei und so ziemlich alle Berliner Reggae & HipHop DJs.

Fettes Line up, Location mit Sommerfeeling und ein

ausnahmsweise mal recht terminfreies Wochenende, was will

man mehr?

Das Festival, das eigentlich keines ist, weil`s ja nur einen Tag

geht, läuft bis 22 Uhr und kostet 18 Euro für vier Bands. Wer

die After-Party auch noch mitmachen mag, muss noch fünf

Euro drauflegen und zahlt damit insgesamt 23 Euro.

Also was für Fans und alle die es werden wollen.

Fritz Love Radio

Fritz Love Radio

12.Juli

OnAir

berlin

15

Am 12. Juli ist mal wieder LoveParade in Berlin. Eigentlich

interessiert das aber keine Sau mehr. Das diesjährige Motto ist

„love rules“, aber das interessiert auch keinen. Allerdings liegt

die LoveParade - ganz zufällig - auf dem Wochenende, an dem

so ziemlich jeder gute DJ in Berlin ist. Das muss genutzt werden!

Wir umgehen dazu aber die überfüllten Bezirke Mitte und

Tiergarten und ziehen uns nach Friedrichshain zurück. In den

Volkspark! Als ob der nicht eh schon heimelig genug wäre,

wird er auch noch beschallt. Und zwar von ausgewählten

Deluxe-DJs. Umsonst und draußen! Mit dabei sind neben den

klassischen LoveParade DJs Dr. Motte und Westbam auch eine

Fraktion von Delegierten aus Frankfurt am Main, nämlich:

Chris Liebing, Tobi Neumann und Karotte. Und natürlich treten

auch die Helden der Berliner Fraktion an den Start: Miss Kitten,

Ellen Allien, Housemeister und Haito. Für weitere Listen fehlt

leider der Platz, aber lasst euch versichern: Das LineUp wird

spektakulär!

Gefeiert wird Freitag von 18 bis 23 Uhr, Samstag von 8 bis 22

Uhr und Sonntag von 8 bis 20 Uhr. Der Höhepunkt (zumindest

der Kommerzialität ) wird wohl der Auftritt der Märtini Brös

am Samstag um 16 Uhr auf dem Dach vom Café Schönbrunn

sein.

Das Ganze läuft natürlich auch im Radio. Am kompletten

Wochenende wird ohne Unterbrechung aus dem Café Schönbrunn

gesendet. Diese Sendung brachte es sogar zu so viel

Ruhm, dass sie dieses Jahr beim German Dance Award zum

besten Radioformat gewählt wurde!

Und nochmal, damit´s auch jedem klar wird: Das Teil ist

umsonst!

Außerdem spektakulär besetzt und fängt schon um 8 Uhr

morgens an, bietet somit superangenehme AfterHours mitten

im Park!

Wer kein Techno mag, liest das hier eh schon nicht mehr, an

alle anderen: Wir sehen uns im Volkspark!


“ÖVP und FPÖ im Anti-Drogen-Kurs festgefahren”

Dieter Brosz

Dieter Brosz, Abgeordneter zum Nationalrat

und Zuständiger für Drogenangelegenheiten,

saß als einziger Vertreter der Grünen

im Nationalrat, als die verpflichtenden

Drogentests im Straßenverkehr mit den

Stimmen der ÖVP-, FPÖ- und SPÖ-MandatanInnen

beschlossen wurden. Im Gespräch

mit dem Hanf Journal erläutert der

grüne Drogenexperte, wieso die Legalisierungspartei

gegen die Tests auftrat und

warum die SPÖ in Sachen Drogen zu keiner

Parteilinie findet.

Hanf Journal: Seit 01.01.2003 werden auf Österreichs Straßen

verpflichtende Drogentests durchgeführt. Warum haben sich

die Grünen gegen diese Tests ausgesprochen?

Brosz: Beeinträchtigung der Wahrnehmung und der Reaktionsfähigkeit

im Straßenverkehr, wodurch auch immer diese ausgelöst

wurden, sind untragbar. Deshalb bedarf es speziell für

Drogen einer entsprechenden Reglementierung. Die im Vorjahr

vom Parlament beschlossenen Drogentests sind jedoch methodisch

und medizinisch nicht geeignet, eine solche Beeinträchtigung

nachzuweisen. Sie stellen lediglich einen Konsum fest,

nicht jedoch dessen Zeitpunkt oder die konsumierten Mengen.

Hanf Journal: Warum waren Sie bei der dritten Lesung im

Parlament, als über das Gesetz abgestimmt wurde, als einziger

Abgeordneter der Grünen anwesend? Gerade von den Grünen

würde man/frau sich doch mehr Einsatz in diesem Bereich

erwarten.

Brosz: An diesem Tag sind die Abgeordneten der Grünen

aus Protest wegen der Nicht-Zulassung einer Debatte über die

umstrittene Rede Ewald Stadlers bei einer Sonnwendfeier

geschlossen aus dem Plenum ausgezogen. Um den einstimmigen

Beschluss der “verpflichtenden Drogentests im Straßenverkehr”

jedoch zu verhindern, bin ich eigens zu dieser Abstimmung

nochmals ins Plenum zurückgekehrt.

Hanf Journal: Exekutivbeamte können laut diesem Gesetz

auf Verdacht der Beeinträchtigung durch Suchtmittel einen

Drogentest anordnen. Haben Sie Kenntnis von Fällen, bei denen

willkürlich gehandelt wurde bzw. bei denen sich anfängliche

Vermutungen der Beamten nach der amtsärztlichen

Untersuchung als nichtig herausgestellt haben?

Brosz: Immer wieder wenden sich Menschen an mich, die

von der Exekutive wegen Drogenkonsums angehalten oder

Drogen am Steuer – Ungeheuer!

Frauen am Steuer und Mercedes-Fahrer mit Hut haben

endlich Ruhe. Die österreichischen Fahrzeuglenker-Innen

dürfen sich seit Beginn des Jahres über ein neues Feindbild

freuen: Die Unfallverursacher Nr. 1 stellen nun neben Alk-

Lenkern auch vermeintlich unkontrollierbare Drogenfreaks

dar. Wie den unguided missiles zu Leibe gerückt wird:

ÖVP-Verkehrssprecher Helmut Kukacka jubilierte: “Damit

wird mit 1. Jänner 2003 die von uns geforderte Gleichstellung

von Alkohol und Drogen im Straßenverkehr erreicht.”

Besteht bei einer Verkehrskontrolle Verdacht auf Fahruntüchtigkeit

aufgrund von Drogenkonsum und wird dieser

durch eine klinische Untersuchung bestätigt, muss eine

Blutprobe abgenommen werden.

Ein positiver Bluttest hat eine Verwaltungsstrafe von 581

bis 3.633 Euro, mindestens vier Wochen Führerscheinentzug

und eine Anzeige an die Bezirksverwaltungsbehörde nach

§§ 12 und 14 SMG (Suchtmittelgesetz) zur Folge. Des

Weiteren sind als Bedingung zur Wiedererlangung des

rosa Scheinchens fachärztliche und ein verkehrspsychologische

Gutachten geknüpft. Die Kosten dafür variieren

von Bundesland zu Bundesland, obliegt doch die Gestaltung

der Durchführungsbestimmungen den Ländern.

angezeigt wurden. So etwa ein Taxilenker, der außerhalb seiner

Dienstzeit zu Fuß mit einem Gramm Cannabis angehalten und

angezeigt wurde. Die Anzeige wurde widerrechtlich an das

Verkehrsamt weitergeleitet. Dieses hat dem Taxifahrer die

Lenkerberechtigung entzogen und nach einem negativen Drogentest

auf sechs Monate befristet wieder gegeben. Obwohl

im weder eine Beeinträchtigung während des Fahrens noch

der Konsum nachgewiesen werden konnte, ist der Mann

erstmals in seinem Leben ohne Arbeit.

Hanf Journal: Welche Motive hatte nach Ansicht der Grünen

die SPÖ, der Verfassungsbestimmung, für die eine Zweidrittelmehrheit

notwendig war, letztendlich zuzustimmen bzw.

warum gab die SPÖ ihren Widerstand urplötzlich auf?

Brosz: Beim Thema Cannabis ist die SPÖ in sich zerstritten.

So setzt sich die Sozialistische Jugend (SJ) seit Jahren vehement

für eine Liberalisierung des Umgangs mit Cannabis ein, die

“Alt-SPÖ” jedoch bleibt hartnäckig auf ihrer Anti-Drogen-Linie

und distanziert sich sogar öffentlich von der SJ.

Hanf Journal: Was werden die Grünen in Zukunft gegen

die verpflichtenden Drogentests im Straßenverkehr

unternehmen?

Brosz: Wir werden uns weiterhin dafür einsetzen, dass Tests

eingeführt werden, die eine tatsächliche aktuelle Beeinträchtigung

nachweisen können. Dazu bedarf es allerdings noch

einiger Forschung, der Festlegung von Laborstandards und

einheitlicher Grenzwerte, die eine Beeinträchtigung – vergleichbar

dem Blutalkoholgehalt – stichhaltig nachweisen. Eine Feststellung

des Konsums innerhalb der letzten vier Wochen reicht

nicht aus. Schließlich kann man einem Menschen auch nicht

den Führerschein entziehen, der in der vergangenen Woche zu

Hause Alkohol getrunken hat.

Hanf Journal: Was muss in Österreich passieren, dass beispielsweise

eine Legalisierung von Cannabis die Mehrheit im

Parlament erhält?

Brosz: ÖVP und FPÖ sind in ihrem Anti-Drogen-Kurs festgefahren,

vor allem die FPÖ entwickelt in Wahlkämpfen einiges

an Phantasie betreffend der Panikmache rund um das Thema

Drogen. Solange diese konservativen Kräfte die Mehrheit der

WählerInnenstimmen erhalten, wird sich in Österreich in der

Drogenpolitik nichts zum Besseren wenden. Allerdings gibt es

auch in der SPÖ noch einiges an Überzeugungsarbeit zu leisten.

Das Interview führte Michaela Fabian.

Fahruntüchtigkeit kann auch bei einem negativen Bluttest

festgestellt werden. Dazu reicht es, beim klinischen Test

durchzurasseln, der Führerschein wird vorläufig abgenommen.

Stellt sich beim Bluttest heraus, dass keine relevante

Beeinträchtigung durch Suchtmittel vorlag, besteht

weiter kein Grund mehr für den Entzug der Lenkerberechtigung.

Der Führerschein muss wieder ausgegeben

und ein allenfalls bereits eingeleitetes Entziehungsverfahren

eingestellt werden.

Verweigert der vermeintlich beeinträchtigte Lenker eines

Fahrzeuges die klinische Untersuchung oder die Blutabnahme,

so bekommt er/sie eine Verwaltungsstrafe von

1.162 bis zu 5.813 Euro aufgebrummt. Den Führerschein

sieht man/frau nicht vor vier Monaten wieder, Nachschulungen

sowie verkehrspsychologische und amtsärztliche

Untersuchung darf man/frau ebenfalls über sich

ergehen lassen.

Klingt doch fair, oder? Schließlich werden Besoffene auch

aus dem Verkehr gezogen. KritikerInnen und ExpertInnen

kommen in der nächsten Ausgabe des Hanf Journals zu

Wort.

Da sprach . . .

austria

Statemtents zu dem am 09.07.2002 beschlossenen 128.

Bundesgesetz “Änderung der Straßenverkehrsordnung

1960”, mit dem verpflichtende Drogentests im

Straßenverkehr eingeführt wurden. Die erforderliche

Zweidrittelmehrheit kam mit den Stimmen der ÖVP,

FPÖ und SPÖ zustande.

“Man muss für ein rechtsstaatlich einwandfreies

Vorgehen Tests zur Verfügung haben, die das Richtige

messen, nämlich die Beeinträchtigung der

Fahrtüchtigkeit.”

SPÖ-Verkehrssprecher Kurt Eder,

17.06.2002

“Es könne anhand von Abbauprodukten lediglich

der Konsum von Medikamenten oder Drogen zu

irgendeinem Zeitpunkt festgestellt werden . . .”

derselbe, Aussendung vom 17.06.2002

“Medizinischer und wissenschaftlicher Nonsens!”

Vorsitzender der Sozialistischen Jugend

(SJ) Österreichs Andreas Kollross,

22.06.2002

Die Sozialistische Jugend spricht sich dezidiert

gegen solche Drogentests aus und fordert die Kräfte

der Vernunft innerhalb der SPÖ auf, in dieser Frage

auf den Pfad der Tugend zurückzukehren und nicht

in die populistische Falle der Regierungsparteien zu

tappen.”

derselbe, 22.06.2002

“Eine ernsthafte Diskussion kann nur bei der

Beeinträchtigung während der Fahrt ansetzen.”

Kurt Eder (SPÖ), 24.06.2002

Dieser Maßnahme zur Erhöhung der

Verkehrssicherheit darf sich auch die SPÖ nicht

entziehen. Daher ist es umso erfreulicher, wenn die

SPÖ von ihrer Blockadepolitik abrückt und ihre

Zustimmung zur Einführung von Bluttests erteilt.”

FPÖ-Verkehrssprecher Reinhard

Firlinger, 25.06.2002

“Der von der SPÖ mit den Regierungsparteien

ausgehandelte Kompromiss zur Novelle der

Straßenverkehrsordnung ist kein Schritt zu einer

Verbesserung der Verkehrssicherheit.”

Verkehrssprecherin der Grünen Eva

Lichtenberger, 26.06.2002

“75 Prozent der Getesteten werden bestraft, obwohl

keinerlei Beeinträchtigung vorliegt.”

dieselbe, 26.06.2002

“Hier werden Gummiparagrafen implementiert, die

der Exekutive in praxi einen immensen

Handlungsspielraum lassen.”

ÖH-Vorsitzende Andrea Mautz,

09.07.2002

“Wir konnten die Regierung in Bezug auf die

verpflichtenden Drogentests überzeugen.”

Kurt Eder (SPÖ), 09.07.2002

Die SPÖ konnte mit viel Überzeugungsarbeit zum

Umdenken bewogen werden – ein klarer Erfolg

konsequenter FPÖ-Politik!”

FP-Nationalrätin Sylvia Papházy und

Wiener LPO-Stv. Heinz-Christian

Strache, 10.07.2002

“Mit der Einführung des Mehrphasenführerscheins

und den verpflichtenden Drogentests hoffen wir die

Sicherheit auf Österreichs Straßen deutlich erhöhen

zu können.”

Ex-FPÖ-Verkehrsminister Mathias

Reichhold zur Unfallbilanz 2002, welche

um 16 Verkehrstote weniger (942)

13


14

Wissenschaft

[lead] Im Rahmen einer Stellungsuntersuchung in St. Pölten

wurden 1.902 18-jährige Männer im Auftrag der Ärztekammer

für Niederösterreich untersucht. Anfang Juni wurden in Wien

die Ergebnisse präsentiert. Die Ärztekammer schlägt Alarm

und kündigt an vermehrt mit medizinisch und gesellschaftspolitisch

relevanten Themen an die Öffentlichkeit zu gehen.

Eine unter 4 Prozent aller 18-jährigen Österreicher im Rahmen

einer Stellung durchgeführte Untersuchung und Befragung

brachte für den Auftraggeber, die Ärztekammer für Niederösterreich,

“alarmierende” Ergebnisse: 70 Prozent der Jugendlichen

gaben an, dass ihnen Alkohol schmecken würde, jeder Dritte

trinkt Alkohol wegen seiner beruhigenden und stimmungsaufhellenden

Wirkung. Knapp jeder sechste der mittels Harnund

Blutproben Untersuchten erfüllt die Kriterien eines

Alkoholmissbrauchs.

“Gesellschaftliche Fehlentwicklungen”

OMR-Brigadier Peter Rainer-Harbach, Allgemeinmediziner

und Erfinder sowie medizinischer Leiter der Stellungskommission

des österreichischen Bundesheeres, hat entscheidend

dazu beigetragen, dass in Österreich die größte Studie über

Tabak-, Alkohol- und illegalen Drogenkonsum durchgeführt

werden konnte. “Nirgendwo sonst in unserem Gesundheitssystem

gibt es die Möglichkeit, ausnahmslos alle männlichen

18-Jährigen einer derart umfangreichen medizinischen Untersuchung

zu unterziehen, wie dies im Rahmen der Tauglichkeitsuntersuchung

des Bundesheeres erfolgt”, so Rainer-

Harbach. Deshalb halte er es für seine Pflicht, “gesellschaftliche

Fehlentwicklungen”, als solche würde er den illegalen

Suchtmittelkonsum bezeichnen, entgegenzuwirken.

Auch auf Zigarettenkonsum wurden die Jugendlichen abgeklopft:

Über 52 Prozent rauchen regelmäßig Zigaretten – deutlich

mehr als ältere Erwachsene. 27 Prozent konsumieren mehr als

zehn Glimmstengel pro Tag. “Wir haben eindeutig festgestellt,

dass Raucher lieber Alkohol konsumieren als Nichtraucher.

Auch die Alkoholabhängigkeit findet sich bei Rauchern zwei

Mal häufiger als bei Nichtrauchern”, gibt der Co-Autor Nestor

Kapusta zu bedenken.

“Klassische Einstiegsdrogen”

Dr. Lothar Fiedler, Präsident der Ärztekammer Niederösterreich,

schlägt in die selbe Kerbe: “Die Gefahren, die Rauchen und

Alkohol mit sich bringen, werden in unserer Gesellschaft noch

immer nicht genügend beachtet.” Damit liefert Fiedler die

Überleitung zu einem weiteren Studienergebnis: 7,6 Prozent

der untersuchten 18-Jährigen nehmen illegale Rauschmittel zu

sich, wobei Cannabis mit über 5 Prozent die Hitliste anführt.

An zweiter Stelle rangieren mit 2,7 Prozent Opiate (Heroin und

andere Opiatderivate im Harn).

Die Studienverfasser wollen einen Zusammenhang zwischen

Zigaretten- und Cannabis-, Kokain- und Amphetaminkonsum

erkennen. “Raucher konsumieren 14-mal häufiger Cannabis

als Nichtraucher. Zigaretten und Alkohol sind also bereits

klassische Einstiegsdrogen”, meint Kapusta.

Doppelliter & Unkultur

austria

Alkohol und Nikotin Einstiegsdrogen?

Der Kinder- und Jugendpsychologe Max Friedrich versucht

eine Erklärung für das den Jugendlichen attestierte Suchtverhalten

zu liefern: “Der Substanzmissbrauch nimmt seinen

Ausgang bereits im Kindesalter.” Das Kind imitiere das Verhalten

der Eltern. “Als Gegenrezept wirkt nur, Kinder ehrlich zu

erziehen, Gefahren nicht zu überzeichnen und auch auf die

Jugendlichen einzugehen”, wartet der renommierte Psychologe

mit Patentrezepten auf. Scharfe Kritik übt Friedrich am Umgang

mit Alkohol: “Was ist das für eine Unkultur, wenn Wein in

Doppellitern abgefüllt wird?”

Michaela Fabian

“Als Gegenrezept wirkt nur,

Kinder ehrlich zu erziehen”

Achtung!

jeder Missbrauch von

Drogen ist gefährlich!

Wir wollen niemanden

dazu auffordern oder

animieren Drogen zu

konsumieren

Monatssplitter

Lecker, die Zehe!

Mitte Juni verspeiste ein 35-Jähriger unter

Rauschmitteleinfluss seine eigene Zehe. Damit

diese nicht so schwer im Magen liegt, hat der

Feinspitz das Teil zuvor in der Pfanne herausgebraten.

So gut dürfte es dem Oberösterreicher

dann doch nicht geschmeckt haben, er wurde

mit dem Notarztwagen ins Krankenhaus Steyr

eingeliefert.

Am Abend des 17. Juni inhalierte der 35-Jährige

bei sich zu Hause eine Dose Butangas, dann

setzte er eine Hacke auf die große Zehe seines

linken Fußes an und schlug mit einem „Maurerfäustel“

darauf. Als die Rettung eintraf, war der

Körperteil laut Gendarmerie bereits „ziemlich

durchgebraten“, einen Teil hatte der Mann schon

verspeist, den Rest schnappten sich die Sanitäter.

Mahlzeit.

Cannabis im Kleinen Braunen?

Mysteriöse Rundschreiben beschäftigen derzeit

die Grazer Kripo: Von Unbekannten sind zuletzt

wie polizeiliche Ladungen gestaltete Briefe an

Betreiber von Gastronomiestätten im Großraum

Graz versandt wurden, in welchen die EmpfängerInnen

zum Einsenden ihrer Speise- und Getränkekarten

aufgefordert wurden. Dies teilte

die Polizei Graz Mitte Juni mit. Die Scherzbolde

drohten bei Zuwiderhandeln sogar mit „Razzien“.

Der Grund für das Theater: „Kleiner

Brauner“ sei eine Tarnbezeichnung für

Cannabisprodukte.

Einzuschicken wäre laut dem Schreiben jeweils

ein Original der Karte an die Gemeinsame Ermittlungsgruppe

Drogen (GED). Anscheinend

hatten die „Getränkekarten-Fahnder“ bei Stichproben

in Lokalen festgestellt, dass „in zahlreichen

Speise- und Getränkekarten Ausdrücke

Verwendung finden, die geeignet sind, zum

Konsum illegaler Rauschmittel aufzufordern“.

Als Beispiele wurden die Bezeichnungen „Kleiner

Schwarzer“ und „Kleiner Brauner“ angeführt.

Eine „flächendeckende Aktion scharf“

sollte der versteckten Werbung den Garaus

machen.

Auch GRAS (Grüne & Alternative StudentInnen)

steht auf der Fahndungsliste.

300 suchtgeschädigte Babys

Im Land Salzburg kommen jährlich 300 suchtgeschädigte

Babys zur Welt, diese Zahlen vermeldete

die Neonatologie im Landeskrankenhaus

Salzburg (lt. ORF ON). Gründe dafür seien

der Konsum von Drogen oder übermäßig viel

Alkohol während der Schwangerschaft. Im

schlimmsten Fall werden diese Babys missgebildet

geboren, häufig sind sie Frühgeburten

mit der Gefahr einer späteren Behinderung.

Bereits in den ersten Lebenswochen zeigen diese

Neugeborenen klassische Entzugserscheinungen,

berichtete Andre Golser, Kinderarzt auf

der Neonatologie. Ähnlich wie der Konsum

illegaler Drogen können sich aber auch Nikotin

und Alkohol auf die Ungeborenen auswirken.

„Bei Alkohol kann man sagen, dass ein Drink

täglich, und zwar egal, ob das ein Glas Bier oder

ein Glas Sekt ist, schon gefährdend ist“, erklärt

der Kinderarzt. Das Land Salzburg startet nun

eine Informationskampagne.


Drogen im Fernsehen

Dope on TV

Auslandsreportage

Mittwoch, 25.06.03 ARD 23:00

“Das ist ein schmutziges Geheimnis” (45 min)

Drogenkonsum ist im normalen Leben streng verboten. Jedoch:

Bei der US Air Force werden die PilotInnen dazu verpflichtet,

vor Kampfeinsätzen Amphetamine einzuwerfen. Sie sollen den

Überfliegern die nötige Ausdauer, Konzentration und Kampfbereitschaft

bei langen Einsätzen verschaffen. Dabei warnt die

“US Food and Drug Administration” vor der Einnahme von

“Beschleunigern”, weil sich Euphorie, Selbstüberschätzung,

aber auch Depressionen, zu hoher Blutdruck oder Herzrasen

einstellen können. Macht doch nichts, schließlich geht es nur

um Sekundenentscheidungen über den Einsatz tödlicher Waffen.

Dem schottischen Autor Jamie Doran ist es gelungen, für seine

außergewöhnliche Dokumentation erstmals US Air ForcePiloten

und Special Forces-Soldaten vor die Kamera zu bekommen.

Von “Desert Storm” bis “Operation Freedom Iraq”.

“Wie ein verrückter Cowboy griff er uns an, einmal, zweimal.

Dabei flog er so tief, dass er uns als Verbündete hätte erkennen

müssen.”(Britischer Soldat, der einen Kollegen im so genannten

“friendly fire” verlor.)

Portrait

Mittwoch, 25.06.03 3sat 23:45

Tagebuch eines Selbstmörders (30 min, D 2001)

Der 25jährige Bert S. ließ sich 2000 im schwäbischen Balingen

von einem Zug den Kopf abfahren: Schlusspunkt einer mehrjährigen

Drogenkarriere mit Ecstasy und LSD, die ihn in die

Schizophrenie getrieben hat. In den während seiner letzten

vier Lebensjahre geführten Tagebüchern schildert Bert den

zunehmenden Einfluss der Drogen auf sein Leben mit erstaunlicher

Klarheit. Auch das Fortschreiten seiner schizophrenen

Erkrankung dokumentierte er eindrucksvoll.

Christian Liffers begab sich in Balingen auf Spurensuche, führte

Gespräche mit Familie und Freunden. Mangelnde Aufklärung

und Stigmatisierung von Drogen und Schizophrenie führten

zu Berts´ Freitod. Das Portrait wird von dem renommierten

Hamburger Drogenforscher Rainer Thomasius begleitet.

Letzte Worte im Tagebuch, 11.02.2000: “suicide commando”

Reportage/Soziales

Freitag, 27.06.03 3sat 18:00

Wo die Zeit still steht – Leben im Strafvollzug (30 min)

Tilo Pagels brachte einen Mann auf bestialische Weise um.

Daniel Reuter wurde mit 30 Kilogramm Haschisch geschnappt.

Jörg Albrecht klaute bei der Bundeswehr und entfernte sich

unerlaubt von der Truppe. Alle drei landen im ältesten Knast

Deutschlands, in der Justizvollzugsanstalt Waldheim – einer

Gefängnisstadt mit 500 Gefangenen und 200 Angestellten. Hier

müssen Pagels, Reuter und Albrecht zurechtkommen, sie

müssen sich in der Hierarchie der Straftäter behaupten.

Zeichentrickserie

Mittwoch, 02.06.03 ORF1 14:45

Die Simpsons (20 min)

Homer leidet aufgrund einer Vogelattacke unter schmerzhaften

Augenverletzungen, worauf ihm sein Arzt Haschisch zur Linderung

verschreibt. Homer wandelt von nun an, alles scheißegal,

high durch das Leben. Weil Homer derartig neben sich steht,

findet er sogar Mr. Burns´ Witze lustig. Dieser honoriert Homers´

Lachkrämpfe mit einer Beförderung zum Vizechef der Firma.

Als Haschisch auf Rezept verboten werden soll, sieht Homer

seine Karriere den Bach runter gehen.

Film

Mittwoch, 09.07.03 ARD 20:15 Uhr

Eine Hand voll Gras (90 min, D 1999)

Die Armut in einem kleinen Dorf in Kurdistan ist groß. Daher

wird der zehnjährige Kendal von seinem Onkel nach Deutschland

geholt und dort zum Dealen eingesetzt. Seine Eltern

wissen davon nichts und Strafunmündigkeit schützt vor dem

Knast. Das Leben zwischen Jugendheim, Dealerszene und

Drogenstrich wird bald zur Hölle. Kendal würde darin verbrennen,

wäre da nicht Hellkamp, ein Taxifahrer und Ex-Bulle.

Er erweist sich als Beschützer und Freund. Doch ein dunkler

Fleck in Hellkamps Vergangenheit stellt Kendal vor eine

schwierige Entscheidung.

Langzeitdoku

Mittwoch, 09.07.03 3sat 20:15

Zwei Überlebende (60 min, CH 2003)

Irene und Mauro haben Unmengen an Heroin und Kokain

konsumiert. Ihr Zuhause war die Drogenszene am Bahnhof

Letten in Zürich, sie schliefen unter Brücken und wollten dieses

Leben trotzdem nicht aufgeben. Als der Drogenumschlagplatz

Letten geschlossen wurde, kamen die beiden aus eigener Kraft

von Heroin und Kokain weg und bewältigen heute ihren Alltag

ohne Drogen mit Methadon. Der Film dokumentiert die letzten

neun Jahre von Mauro und Irene und lässt auch die Eltern der

beiden zu Wort kommen.

Infos im Web

www.tvtv.de

austria

WIESEN IM JULI

Wiesen verwöhnt diesen Sommer wieder mit

jeder Menge musikalischer Highlights. Karten

sichern – jetzt!

FORESTGLADE

3.-6. Juli 2003

underworld / guano apes / tricky / the cardigans /

rollins band plays black flag / heinz / farin urlaub

/ therapy? / cypress hill / flaming lips / type o

negative / kettcar u. v. m.

Tickets: Tageskarten jeweils ¤ 35

Einlass jeweils 11:30 Uhr, Beginn jeweils 12:00 Uhr

Zipfer Zone Wiesen, Schöllingstrasse 1, 7203 Wiesen

FORESTGLADE WEST

.-5. Juli 2003

alanis morissette / farin urlaub / therapy? / fettes

brot / tito & tarantula / jimi tenor / sam ragga band

/ cypress hill / guano apes / the cardigans /

gentleman / such a surge / garish / bauchklang u.

v. m.

Tickets: Tageskarten jeweils ¤ 35, 2-Tagespass ¤ 55

Einlass jeweils 11:00 Uhr, Beginn jeweils 12:00 Uhr

Imst, Festivalgelände, 6460 Imst

SPRING VIBRATION

11. Juli 2003

jimmy cliff / burning spear / anthony b. / junior

kelly / sam ragga band / dubtari / d-flame / the

buccaneers

Tickets: Tageskarte ¤ 32, VIP Silber ¤ 48,

VIP Gold ¤ 78

Einlass um 13:00 Uhr, Beginn um 14:00 Uhr

Zipfer Zone Wiesen, Schöllingstrasse 1, 7203 Wiesen

GROOVEQUAKE

12. Juli 2003

jestofunk / earth wind & fire / level 42 / patrice /

morgan heritage / mellow mark / hot pants road

club / della miles

Tickets: Tageskarte ¤ 32, VIP Silber ¤ 48,

VIP Gold ¤ 78

Einlass um 13:00 Uhr, Beginn um 14:00 Uhr

Zipfer Zone Wiesen, Schöllingstrasse 1, 7203 Wiesen

JAZZFEST

17. -20. Juli 2003

diana krall / herbie hancock / morcheeba / calexico

/ moloko / international pony / isaac hayes / ibrahim

ferrer / maria glen / orchestra baobab / the

pretenders & chrissie hynde / stereo mc´s / mothers

finest / john cale & band / louie austen & band u. v.

m.

Tickets: Tageskarten Do. und Fr. ¤ 38, Sa. ¤ 42

Zipfer Zone Wiesen, Schöllingstrasse 1, 7203 Wiesen

Detailliertes Programm des Festivalsommers in

Wiesen unter: office@wiesen.at oder

http://wiesen.at/

Vorverkaufsstellen u.a.:

www.clubticket.at , www.bebop.at , www.wiesen.at

www.kartenhaus.de , www.oeticket.com

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