Sachbericht Projekt „Frühe Hilfen“ - Deutscher Kinderschutzbund ...

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Sachbericht Projekt „Frühe Hilfen“ - Deutscher Kinderschutzbund ...

Sachbericht

Projekt „Frühe Hilfen“

2008

Entwicklungsbegleitung und Betreuung junger Mütter (Väter)

mit Säuglingen zur Stärkung der Bindungsfähigkeit


MUM (& DAD)

Mehr Unterstützung für Mehr Bindung

(Arbeitstitel)

„Ohne Behandlung sind sie in Gefahr, die seelische Störung an die nächste

Generation weiterzugeben und an der Liebe, nach der sie sich so verzweifelt

gesehnt haben, vorüber zu gehen“ (Lawson, 2002, S.10).

Ein Projekt des Kinderschutzbundes Landau-SÜW e.V., Leistungsbereich

Kinderschutzdienst in Kooperation mit dem Jugendamt Landau:

Deutscher Kinderschutzbund Landau-SÜW e.V.

Jugendamt Landau

im Kinderhaus Blauer Elefant

Rolf-Müller-Str. 15 Friedrich-Ebert-Straße 3

76829 Landau 76829 Landau

Telefon: 06341 - 14 14 22 Telefon: 06341 - 130

Inhalt

1 Rolle der Bindung an die Eltern und die Relevanz von Intervention und Prävention .. 3

2 Das Projekt MUM (&DAD) ................................................................................................. 4

2.1 Rechtliche Grundlage ................................................................................................ 5

2.2 Kooperation ............................................................................................................... 5

3 Arbeitszeitaufwand und Inhalte der Arbeit ..................................................................... 6

3.1 Phasen ........................................................................................................................ 6

3.2 Aufschlüsselung über drei Dimensionen ................................................................... 7

3.3 Schwerpunktsetzung .................................................................................................. 8

3.4 Zusätzliche Arbeitsaufwendungen ............................................................................ 8

4 Kapazität ............................................................................................................................ 9

5 Ausblick ........................................................................................................................... 10

6 Anhang ............................................................................................................................. 10

Dokumentation der Beratungskontakte im Projekt „Junge Mütter“ .................................... 11

Übersichtsbogen zum Projekt „Junge Mütter“ ..................................................................... 12

Einschätzungshilfen zur Persönlichkeitsstruktur.................................................................. 15

Erstentwurf eines Flyers ....................................................................................................... 22

2


1 Rolle der Bindung an die Eltern und die Relevanz von Intervention

und Prävention

Die Bindungsfähigkeit eines Menschen entsteht maßgeblich im ersten bis dritten

Lebensjahr 1 . Wird der Säugling von einer Person betreut, die feinfühlig auf seine

Bedürfnisse eingeht, sich konstant verhält und es schafft, die Emotionen des Säuglings

zu regulieren (also etwa ihn zu trösten, wenn er erregt ist), kann er Vertrauen in die Welt,

die Menschen und seine eigenen Fähigkeiten fassen. Eine sichere Bindung wird als ein

bedeutender Schutz vor psychischen Krankheiten und vor sozialen Schwierigkeiten

angesehen.

Ist ein Kind nicht sicher an zumindest eine Bezugsperson gebunden, ist ein wesentliches

Grundbedürfnis nicht erfüllt

2 . Das Kind bzw. der Säugling leidet und ist im weiteren

Verlauf vielen Stresssituationen ohne ein entsprechendes Gefühl von Schutz und

Selbstwirksamkeit ausgeliefert. Besonders relevant für die im Projekt angebotene

Beratungsarbeit ist dabei, dass sich Traumata der Mütter und unsichere Bindung bei den

Säuglingen wechselseitig beeinflussen. Traumatische Erfahrungen können zu

Bindungsstörungen führen, andererseits sind bereits unsicher gebundene Kinder und

Erwachsene anfälliger dafür, nach einer Belastung eine Posttraumatische

Belastungsstörung zu entwickeln. Wichtig zu wissen ist auch, dass sich über die Trauma-

Folgen häufig auch die unsichere Bindung fortträgt. Denn oftmals gelingt es

traumatisierten Eltern nicht, ihr Kind vor den eigenen oft schrecklichen Erfahrungen zu

schützen. Unbewusst lösen Trigger Erinnerungen an Traumata aus. Trigger können etwa

die Zuwendungssuche des Kindes, Autonomieverhalten (Anzeichen einer gesunden

Bindung) und Bedürftigkeit sein. Die folgende affektive Erregung des Elternteils fördert

eine Re-Inszenisierung des Traumas mit dem Kind. So werden Nähewünsche des Kindes

zurückgewiesen, es wird Gewalt angewendet oder es finden sogar sexuelle Übergriffe

statt. Weitere mögliche Folgeschäden sind psychosomatische Störungen, aggressives

Verhalten im Konflikt, Defizite in den kognitiven Möglichkeiten oder die Störung in der

Entwicklung des Gehirns (vgl. Brisch 3 , Reddemann 4 ). Dies gilt es durch eine frühzeitige

Intervention zu verhindern.

Man kann also sagen, dass eine sichere Bindung in den ersten drei Lebensjahren enorm

wichtig ist; eine störungsfreie Bindung im Säuglingsalter ist für das Allgemeinwohl

genauso wie für das Wohl der einzelnen Säuglinge absolut notwendig. Denn nicht nur

der Säugling hat so körperlich, geistig und seelisch wesentlich bessere

Entwicklungschancen und darüber hinaus Chancen auf persönliches Glück, sondern

auch die Mutter bildet eine feste Bindung an ihr Kind aus und wird es so sein ganzes

Leben lang besser versorgen. In Untersuchungen stellt sich immer wieder heraus, dass

einzelne Kinder ihrem „Milieu“ bzw. familiären und sozialen Schwierigkeiten

entkommen konnten. Hier stellte sich eine sichere Bindung als ein herausragender

5

Schutzfaktor dar .

1 Bowlby, J. (2001). Frühe Bindung und kindliche Entwicklung. Ernst Reinhardt Verlag München Basel

2 Brisch, K.H. (2008). Bindung und Umgang. In: Deutscher Familiengerichtstag (Hrsg.) „Siebzehnter Deutscher

Familiengerichtstag von 12. bis 15. September 2007 in Brühl“. (Brühler Schriften zum Familienrecht, Band 15).

Bielefeld Gieseking Verlag, S. 89-135

3 Brisch, K. H. & Hellbrügge, T.l (2007). Die Anfänge der Eltern-Kind-Bindung. Schwangerschaft, Geburt und

Psychotherapie. Stuttgart, Klett-Cotta S.174-195.

4 Reddemann, L. & Dehner-Rau, C. (2006). Trauma. Stuttgart TRIAS Verlag

5 Schnotz, W. (2006). Pädagogische Psychologie. Beltz, Psychologie Verlags Union.

3


Die systematische Intervention und Prävention in Sachen Bindung steckt noch in den

Kinderschuhen 6 . Es gibt aber bereits deutschsprachige und teilweise evaluierte

Weiterbildungsangebote (SAFE 7 , STEEP 8 , Frühe Hilfen 9 , SEE 0-3 10 ).

2 Das Projekt MUM (&DAD)

Das Projekt „Junge Mütter“ besteht seit dem 01.01.2008. Im ersten Durchführungsjahr

wurde an geeigneten Kriterien zur Aufnahme jünger Mütter in das Projekt gearbeitet. Als

hilfreich erwiesen sich Vorinformationen vom Jugendamt und Zugang zu den

vorliegenden Gutachten, dieses Vorgehen würden wir auch in Zukunft begrüßen.

Aufgenommen werden junge Mütter mit Kind, die auf Grund sozialer Benachteiligung

oder individueller Beeinträchtigung auf sozialpädagogische Hilfe angewiesen sind. Die

Schwangeren bzw. jungen Mütter benötigen aufgrund ihrer Selbständigkeit keine

intensive Rund-um-die-Uhr-Betreuung, brauchen aber eine Unterstützung bei der

Betreuung und Versorgung ihres Kindes, Förderung des Bindungsverhaltens, sowie bei

der selbständigen Lebensführung. Ferner ist aufgrund der Persönlichkeit der Mütter,

weiteren Risikofaktoren sowie des fehlenden sozialen Netzes immer wieder mit Krisen zu

rechnen. Es wurde schnell klar, dass beispielsweise schwer an Borderline erkrankte

Frauen einen erhöhten Einsatz der Projektmitarbeiterinnen, aber auch zusätzliche

Maßnahmen wie z.B. eine Bereitschaftspflegestelle, erfordern 11 . Aus der Dokumentation

der Arbeitszeiten ist der sehr hohe Betreuungsaufwand ersichtlich.

Zurzeit teilen sich drei hauptamtliche Mitarbeiterinnen (eine Sozialpädagogin, eine

Diplompädagogin und eine Diplompsychologin) eine volle Stelle. Ferner gibt es eine

Jahrespraktikantin. Durch die umfassenden Qualifikationen der einzelnen

Mitarbeiterinnen können die jungen Familien kompetent versorgt werden. Die enge

Kooperation der Mitarbeiterinnen mit dem Jugendamt (ASD, sozialpädagogische

Familienhilfe) läuft zum Nutzen der Familien hervorragend.

Die von den Mitarbeiterinnen des Projektes geleisteten Aufgaben sind folgende:

Angebotene Betreuungsinhalte

Alltagsbegleitung

Begleitung bei Traumaerfahrungen

Bindungsförderung

Entwicklungspsychologische Beratung

Familienhilfe

Hilfe bei der Haushaltsführung

Kindererziehung

Krabbelstunde

PEKIP

Netzwerkarbeit

Telefonhotline

Begleitung in Krisenzeiten

Beratung im Umgang mit dem Kindvater

Emotionale erste Hilfe

Ernährungsberatung für Säuglinge

Hilfe bei der Betreuung des Säuglings

Interaktionsanalyse

Kinderbetreuung

Krisenintervention

Psychologische Beratung

Sprechstunde

Videoarbeit

6 Caritasverband der Diözese Rottenburg-Stuttgart e.V.(2006) Projektbericht - Frühe Prävention in der

Familiengründungsphase

7 Brisch, K. H. www.safe-programm.de

8 Farrell, M. & Egeland, B. (2006) Die Stärkung der Eltern-Kind-Bindung. Stuttgart Klett Verlag

9 Die Kinderschutz-Zentren (2008) Frühe Hilfen – Zugänge nutzen und Hilfen gemeinsam gestalten. (Fachkongress)

10 Koch, G. & Alpermann, M.

11 Bateman, A. & Fonagy, P. (2008). Psychotherapie der Borderline-Persönlichkeitsstörung. Gießen: Psychosozial-

Verlag

4


2.1 Rechtliche Grundlage

Das Projekt orientiert sich am Wohl des Kindes nach § 8a SGB VIII. Es handelt sich um

ein Sozialpädagogisch-therapeutisch betreutes Wohnen für schwangere Frauen und

allein erziehende Mütter mit Kindern - anerkannte Jugendhilfemaßnahme nach § 19 SGB

VIII. Weitere Rechtsgrundlagen sind § 35 SGB VIII und §27ff SGB VIII 12 . Das Jugendamt/

die ARGE übernimmt die Aufgabe der Sicherung von Grundbedürfnissen wie

Wohnraumversorgung und materielle Absicherung. Das Jugendamt trägt die Kosten der

Unterbringung.

Die jungen Mütter werden von einem/einer MitarbeiterIn des Allgemeinen Sozialen

Dienstes kontinuierlich über den gesamten Hilfezeitraum betreut. Diese MitabeiterIn

trägt die Fallverantwortung, insbesondere auch, wenn es um die Frage einer

Kindeswohlgefährdung geht. Besteht eine Gefährdung des Kindeswohls, veranlasst das

Jugendamt eine Inobhutnahme des Kindes. Auch die Leitung und die Koordination des

Fallverlaufs obliegen dem Jugendamt.

2.2 Kooperation

In dem Wissen darum, dass Kooperationen immens wichtig sind, wurde die

Zusammenarbeit mit div. Stellen erarbeitet. Die bestehenden Kooperationen und die

geplanten Kooperationen sind:

Bestehende Kooperationen

Geplante Kooperationen

Eltern-Besuchs-Dienst

Eltern-Kind-Treff

Jugendamt

Kinderärzte

Krankengymnasten

PEKIP

Stadtteilbüro

Therapeuten

Vinzentiuskrankenhaus

Schwangerschaftsberatung

Frauenärzten

Hebammengemeinschaften

Tagesklinik Landau

Städtisches Klinikum

Weiterhin geplant ist der weitere Aufbau und Ausbau tragfähiger Kooperationsformen

zwischen Jugendamt, Kliniken, Hebammen und Ehrenamtlichen.

12 Landesgesetz zum Schutz von Kindeswohl und Kindergesundheit (LKindSchuG) (2008).

5


3 Arbeitszeitaufwand und Inhalte der Arbeit

Der Arbeitszeitaufwand für zukünftige Fälle erschließt sich aus den bisherigen

Aufwendungen. Es ließen sich vier Phasen der Arbeit herausfiltern, nach denen sich der

Arbeitsaufwand gliedert. Weiterhin besteht ein unterschiedlicher Arbeitsaufwand für

jeden Fall. Die Beraterinnen haben ihrerseits verschiedene Arbeitskapazitäten und

Fachgebiete auf die ebenfalls Bezug genommen wird. Zuletzt werden die erforderlichen

Arbeitszeiten außerhalb der Kernarbeit, der Beratung aufgezeigt.

3.1 Phasen

Die Erfahrungen des letzten Jahres machen deutlich, dass eine Beratung häufig in vier

Phasen abläuft. Tabelle 1 stellt die Phasen inhaltlich dar.

Intensivphase

Dauert bis zu drei

Monaten

Kontaktaufnahme

Vertrauen schaffen

Kindeswohlgefährdung

einschätzen

Krisen auf Seiten der

Mutter

(um Tragfähigkeit des

Projekts zu überprüfen

oder aufgrund der hohen

Belastung durch den

Säugling oder emotionale

Überforderung durch die

eigene Geschichte)

Phase der

Bindungsarbeit

Die Mutter ist bereit

sich auf die Arbeit

einzulassen

Sie arbeitet an ihren

Beziehungen

-Zu sich

-Zum Kindsvater

-Zum Partner

-Zum Kind

-Zu Freunden

-Zu Verwandten

Phase der größten

Veränderungen in der

Beziehung zum

Säugling

Ablösung

Die Mutter braucht weniger

Unterstützung

Sie hat eine sichere Bindung

zum Kind hergestellt und kann

es angemessen versorgen

Nachbetreuung: Kontakt halten,

weiter Beratung zur

Persönlichkeitsstärkung und

Säuglingsberatung, verstärkte

Intervention bei Krisen

Das Kind wird zu einer

Pflegefamilie gegeben

Unterstützung des Übergangs

und eventuell betreuter Umgang

Selbstständig

-keit

Mutter-Kind-

Gruppe

Hotline im

Falle einer

Krise

Tabelle 1: Darstellung des Ablaufes und der Inhalte der vier idealtypischen Phasen einer Beratung

6


In Grafik 1 ist veranschaulicht, wie unterschiedlich die zeitlichen Aufwendungen innerhalb

der einzelnen Phasen sind:

20

18

16

14

Intensiv

12

Bindungsarbeit

10

Ablösung

8

Gruppe

6

4

2

0

Paar 1 Paar 2 Paar 3 Paar 4 Paar 5

Grafik 1: Mutter-Kind-Paare mit der Zeitlichen Beanspruchung in Stunden pro Woche in Unterscheidung der

einzelnen Phasen.

3.2 Aufschlüsselung über drei Dimensionen

Es konnten drei Dimensionen des Arbeitszeitaufwandes herausgefiltert werden: Phase der

Beratung, Personenfokus der Begleitung (Mutter oder Säugling) und Schwerpunktsetzung

aufgrund der Bedürfnisse bei Mutter oder Säugling (Bindungsförderung, Ernährungsberatung,

Persönlichkeitsstärkung, Organisatorisches oder Auseinandersetzung mit der

eigenen Geschichte ...).

Mutter-Kind-Paar Intensivphase Bindungsarbeit Ablösung

Fall 01 Beratung 5h 5h 0h

Familienhilfe 10h 5h 0h

Säuglingsberatung 5h 5h 2h

Gesamt pro Woche 20h 5h 2h

Anmerkungen: In der Intensivphase fanden ca. 200 h Wochenendkrisendienst statt.

Fall 02 Beratung 7h 5h 2h

Familienhilfe 2h 0h 0h

Säuglingsberatung 6h 5h 2h

Gesamt 15h 10h 4h

Fall 03 Beratung 5h 2h 1h

Familienhilfe 5h 2h 3h

Säuglingsberatung 5h 5h 1h

Gesamt 15h 9h 5h

Fall 04 Beratung 3h 1h 1h

Familienhilfe 0h 0h 0h

Säuglingsberatung 3h 2h 2h

Gesamt 6h 3h 3h

Fall 05 Beratung 1h 2h 0h

Familienhilfe 3h 0h 0h

Säuglingsberatung 2h 0h 0h

Gesamt 6h 2h 0h

Anmerkungen: In den Betreuungszeiten ist die Kooperation mit dem Jugendamt enthalten. Nach der

Intensivphase fand eine Betreuung des Übergangs zu einer Pflegefamilie statt.

Tabelle 2: Verteilung der Stunden auf Fälle, Personen und in zeitlicher Ordnung (Phasen). Darstellung der

Arbeitsstunden pro Woche.

7


3.3 Schwerpunktsetzung

Zur besseren Übersicht werden die Begrifflichkeiten aus Tabelle 2 zugrunde gelegt:

Mutter-Kind-Paar: Es ist davon auszugehen, dass jedes Mutter-Kind-Paar zwei

betreuungswürdige und betreuungsbedürftige Personen beinhaltet: die Mutter und den

Säugling. Für beide Beratungsformen ist eine eigene Fachkraft zuständig, was

synergetischen Effekt in der Beratungssituation erzeugt. Die Familienhilfe ist notwendig, um

die „materielle und organisatorische“ Hilfe von der Beratung des Mutter-Kind-Paares

abzugrenzen und so die Mutter erst zur Annahme der Beratung und zur Freisetzung von

Ressourcen zur Änderung zu befähigen.

Beratung der Mutter: Die Beratung der Mutter beinhaltet häufig auch die Organisation einer

Betreuungsperson, so dass die Mutter überhaupt die Möglichkeit zur Teilnahme hat. Inhalte

der Beratung sind im weitesten Sinne die Persönlichkeitsstärkung und Beziehungsarbeit, um

eine möglichst unbelastete Beziehungsaufnahme von der Mutter zum Säugling zu

ermöglichen. Die Beratungsarbeit findet durch eine Dipl.-Psychologin statt. Die Einschätzung

einer möglichen Kindeswohlgefährdung beruht unter anderem auf einer Einschätzung der

psychischen Stabilität der Mutter.

Säuglingsberatung: Die Säuglingsberatung beinhaltet den Umgang, die Versorgung,

Anregungen, Ernährung, Feinfühligkeitstraining und vieles mehr. Sie wurde von einer

Sozialpädagogin mit den Zusatzqualifikationen PEKIP-Leiterin und Ernährungsberatung für

Säuglinge durchgeführt. Die Fachkraft ist auch mit der Einschätzung der

Kindeswohlgefährdung durch Beobachtung des Zustandes des Säuglings betraut.

Familienhilfe: Zukünftig wird eine ausgebildete Familienhelferin das Projekt bereichern. Hier

wird die Einschätzung der Kindeswohlgefährdung über die strukturellen Ressourcen der

Familie stattfinden.

Krisenzeiten: Die Erfahrung zeigt, dass, besonders in der ersten Phase der Betreuung Krisen

auftreten. Hierfür muss immer ein Stundenkontingent eingeplant werden.

3.4 Zusätzliche Arbeitsaufwendungen

Zusätzlich zu der Einzelfallhilfe fielen administrative Aufgaben und Arbeiten, die der

Qualitätssicherung dienen, an. Weiterhin findet 1x pro Woche eine Krabbelgruppe statt.

Bisher war es möglich, eine Hotline zu bieten. So konnten alle Betreuerinnen per Handy

erreicht werden. Der Zeitaufwand für telefonische Beratungen war mit ca. 2 Stunden pro

Woche recht hoch. Die Aufschlüsselung der Anteile der administrativen Tätigkeiten, der

Qualitätssicherung und der Beratungszeiten finden sich in Grafik 2. Es wird deutlich, dass,

um gute Betreuung leisten zu können, vor allem im ersten Jahr viel Teamarbeit und

konzeptionelle Arbeit wichtig war und in etwas geringerem Umfang auch in Zukunft nötig ist.

8


Geschäftsleitung

Verwaltung

Administrative Arbeiten:

Leitung (6h)

Kooperation JA; KSD; DKSB, Konzept

Teamsitzungen

Mitarbeiterführung

Verwaltungstätigkeiten

Beratung:

-Beratung der Eltern

-Säuglingsberatung

-Familienhilfe

Supervision

1h

Mutter-Kind-Gruppe 4 h

Qualitätssicherung:

Falldokumentation und Stellungsnahmen

Grafik 2: Administrative Aufgaben, Qualitätssicherung und Einzelfallhilfe im Überblick. Die Angaben

beziehen sich auf die wöchentliche Stundenanzahl.

4 Kapazität

Aufgrund des oben dargestellten Arbeitszeitaufwandes wird die Kapazität des Projekts

angegeben. Bei vier Müttern mit kleinen Säuglingen ist die Leistungsfähigkeit ausgelastet,

bei etwas größeren Kindern können im Höchstfall bis zu 6 Familien betreut werden. Es ist

dabei zu bedenken, dass bei vier Fällen, die alle in der Intensivphase sind, die

Stundenkapazität des Projekts schnell deutlich überstiegen werden kann. Durch die enorme

Flexibilität der Mitarbeiterinnen ist dies in der Vergangenheit geleistet worden und wird auch

in Zukunft möglich sein. Die Anzahl der betreuten Fälle muss auch deshalb begrenzt werden,

da alle Mütter gleichzeitig in die Krise geraten können – wie auch schon geschehen – und

dann ein enorm höherer Arbeitseinsatz geleistet werden muss.

Betreuungsangebote, die über das Grundangebot hinausgehen, wie z.B. Kinderbetreuung,

Fahrdienste u.v.m. konnten nur durch den Einsatz einer Praktikantin geleistet werden.

Entgegen erster Annahmen hat sich herausgestellt, dass es wichtig ist, bis zum dritten

Lebensjahr des Kindes eine Betreuung anzubieten. Auch in der Literatur finden sich Hinweise

darauf, dass das Risiko der Kindeswohlgefährdung mit sich vergrößernden

Autonomiebestrebungen des Kindes steigt 13

Bisher war die Familienhilfe in das Projekt noch nicht fest integriert. Aus der Aufstellung der

Arbeitszeitanteile ist deutlich geworden, dass eine feste Familienhilfe im Projekt fehlt.

Zukünftig soll sie installiert werden.

13 Lawson (2002). Borderline-Mutter und ihre Kinder.Gießen: Psychosozial-Verlag

9


5 Ausblick

Das Projekt „Junge Mütter“ hat sich etabliert. Die Kooperation mit dem Jugendamt hat sich

bewährt. Das Jugendamt stellt für uns den wichtigsten Kooperationspartner dar. Für die

Zukunft ist über das bereits bestehende Angebot hinaus folgendes geplant:

Zuerst ist es aus unserer Sicht sinnvoll, dem bereits bestehenden Zweig der Intervention

einen kleinen Teil der Ressourcen für Prävention zur Verfügung zu stellen. So wollen wir die

Krabbelgruppe auch anderen jungen Müttern (unter 25 Jahren) öffnen. Wir erhoffen uns

dadurch präventiven Wert, sowie Vorbildcharakter der hinzukommenden Mütter für die am

Projekt teilnehmenden Mütter und die Möglichkeit zu weiteren Sozialkontakten. Ein

personeller Mehraufwand bestünde nicht. Die Bindungsarbeit und die themenspezifische

Arbeit würden so sehr bereichert werden.

Es sollen Öffnungszeiten mit Telefondiensten und Sprechzeiten festgelegt werden, in denen

es auch nicht im Projekt integrierten Eltern möglich sein soll, psychologische und

erzieherische Beratung zu erhalten. So könnte es eine Babysprechstunde geben. Diese wird

in Kooperation mit den Kolleginnen vom Eltern-Besuchs-Dienst und vom Kinderschutzdienst

erarbeitet. Auch werden mehrere Angebote im Erziehungspass angeboten. Diese Angebote

sind wichtig für die schrittweise Lösung der Eltern aus dem Projekt und ermöglichen die

Nachbetreuung.

Es wäre gleichzeitig möglich, eine feste Hotline für Notfälle einzurichten und diese auch

anderen Eltern zugänglich zu machen.

Es wäre begrüßenswert, wenn sich die Zugangswege zum Projekt ausweiten würden. So

möchten wir einen „Flyer“ erstellen. Wir rechnen damit, dass für Familien so der Zugang zu

Hilfsangeboten erleichtert werden kann.

Es ist davon auszugehen, dass auch kurzzeitige Beratungen z.B. zu den Bedürfnissen von

Schreibabys einen immensen Kindsschutz vor Misshandlungen bieten können.

Wir wollen in Absprache mit dem Jugendamt in Zukunft auch junge Mütter ansprechen, die

nicht in einer der bereitgestellten Wohnungen leben. Es sollen alle Eltern im Falle von

sozialen Schwierigkeiten oder eigenen problematischen Erfahrungen in der Kindheit die

Möglichkeit zur Beratung bekommen, dabei soll auch Kurzzeitintervention ohne

Familienhilfe möglich sein.

Für das nächste Jahr ist die Teilnahme an Fortbildungen 14 geplant 15 .

Wir möchten noch hinzufügen, dass wir uns darauf freuen, das Projekt auch in Zukunft

engagiert zu vertreten.

6 Anhang

Interne Dokumentationsbögen für Zeit und Arbeitszeit

Übersichtsbogen

Hilfe zur Einschätzung der Persönlichkeitsstruktur bei Aufnahme in das Projekt

14 Koch, G. & Alpermann, M. SEE

15 Brisch, K. H. www.safe-programm.de

10


Dokumentation der Beratungskontakte im Projekt „Junge Mütter“

Familienhilfe für:

Betreuerin:

Monat:

Datum:

Uhrzeit:

von

bis

Beratungsthema:

11


Übersichtsbogen zum Projekt „Junge Mütter“

Angaben zur Mutter:

Name Vorname Geb.-Datum

Anschrift:

PLZ Wohnort Strasse

Telefon

Ausbildungsstand:

Mobil

Angaben zum Kind:

Name Vorname Geb.-Datum

Kinderarzt:

PLZ Ort Strasse Tel.

Sorgeberechtigt ist

Vorsorgeuntersuchungen:

Spätestens durchzuführen bis

U3

U4

U5

U6

U7

Krankenkasse

Durchgeführt am

Umfeld

Zuständige(r) Mitarbeiter(in) im Jugendamt

Name Vorname Telefon Mobil

Beginn der Hilfemaßnahme:

Ende der Hilfemaßnahme:

12


Weitere Bezugspersonen:

Vater des Kindes

Vaterschaft

anerkannt:

Name Vorname Geb.-Datum Ja Nein

Anschrift:

PLZ Wohnort Strasse

Telefon

Bemerkungen:

Mobil

Name

Anschrift:

Vorname

PLZ Wohnort Strasse

Telefon

Bemerkungen:

Mobil

Name

Anschrift:

Vorname

PLZ Wohnort Strasse

Telefon

Bemerkungen:

Mobil

13


Situationsbeschreibung zu Beginn der Maßnahme:

Hilfeplangespräche:

Datum:

Teilnehmer

14


Einschätzungshilfen zur Persönlichkeitsstruktur

ICH - KOMPETENZEN

1. Selbstwahrnehmung

Datum

nimmt Mutter eigene

Gefühle wahr

kann Mutter eigene

Gefühle verbalisieren

Verhältnis zum eigenen

Körper

2. Selbststeuerung und Ausdruck von Gefühlen

Datum

Frustrationstoleranz

(kann sie Gefühle ausreichend

regulieren)

drückt sie negative

Gefühle angemessen

aus

Umgang mit

Enttäuschungen

Umgang mit Misserfolg

drückt sie positive

Gefühle angemessen

aus

3. Selbstwertgefühl

Datum

ist mit sich zufrieden

weiß sich von Umwelt

akzeptiert

bezieht Erfolgserlebnisse

auf eigenes

Verhalten zurück

4. Selbstvertrauen

Datum

traut sich zu

Anforderungen zu

bewältigen

Eigeninitiative (probiert

aus, bittet um Hilfe,

zieht sich zurück)

stellt sich neuen

Herausforderungen

(Alltag,

Bezugspersonen,

Räumlichkeiten)

15


SOZIAL - KOMMUNIKATIVE – KOMPETENZEN

1. Kontakt zu Beratungsangeboten

Datum

wird bereitwillig

angenommen

versucht sich zu

entziehen

wird eingefordert

in Abhängigkeit für

Handlungsorientierung

angemessen im

Umgang (Distanz,

Nähe, Äußerungen,

Akzeptanz)

2. Kontakt zum Umfeld

Datum

verhält sich

egozentrisch

geht aktiv auf andere

zu

gibt es eine(n) Freundin

/ Freund

Beobachtungsposition

suchen andere den

Kontakt

kann eigene Ideen

einbringen

angemessen in Nähe

und Distanz

Suche nach

Anerkennung

Seht in Abhängigkeit

von der Zuwendung

3. Feinfühligkeit

Datum

hört anderen zu

kann sich in andere

hineinversetzen

nimmt Grenzen anderer

wahr und akzeptiert sie

übt Druck aus

bereit Hilfe anzubieten

16


4. Konfliktverhalten

Datum

Auslöser von

Auseinandersetzungen

reagiert verbal

aggressiv

reagiert körperlich

aggressiv

zieht sich zurück

kann Fehler

eingestehen

kann Kompromisse

eingehen (wobei, wobei

nicht)

kann Lösungsorientiert

denken

5. Integrationsfähigkeit in der Gesellschaft

Datum

Fühlt sich zugehörig

Unterstützt andere

(Schwächere)

Fühlt sich von

allgemeinen Themen

angesprochen

Kann eigene Interessen

zurückstellen

Kann Ideen, Interessen.

Ansichten entwickeln

Erkennt

Gruppeninteressen

Kann sich Gruppensituationen

anpassen

6. Regelverhalten

Datum

Akzeptiert Regeln

Welche

Achtet auf Einhaltung

von Regeln bei anderen

Absprachen über

längeren Zeitraum

17


LERNKOMPETENZEN

1. Lernbereitschaft

Datum

Ist motiviert etwas zu

verändern, eigen Ideen

Braucht positive

Verstärker

Stolz auf Ergebnisse

Braucht Konsequenzen

(Verträge)

Akzeptiert Verbindlichkeit

bestimmter

Aufgaben

Frustrationstoleranz

Durch persönliche

Anbindung an Freunde,

SPFH, Institution (JA)

2. Ausdauer

Datum

Arbeitet selbständig

oder nur mit

Aufforderung

Beendet Arbeit

Zeitrahmen

Konzentration oder

lässt sich ablenken

Impulsiv

Seelische Belastbarkeit

bei komplexen

Situationen

Lässt sich entmutigen

18


3. Selbständigkeit

Datum

Arbeitet eigeninitiativ

(wobei) organisiert

selbst

Kann Pläne akzeptieren

Sucht selbst nach

Lösungen bei

Problemen

Kann Anregungen

annehmen

Kann sich selbst

kontrollieren

Kann andere

einschätzen

Kann eigene Leistung

bewerten oder braucht

Rückmeldung

Kann negative Rückmeldung

akzeptieren

Kann aus Kritik pos.

Konsequenzen ziehen

4. Alltagsbewältigung

Datum

Einkauf

Wohnung

Ernährung

Orientierung im Umfeld

Selbstmanagement

Kontaktaufnahme

Finanzen

Freizeit

19


BETREUUNGSKOMPETENZEN

1. Pflege / Ernährung

Datum

Kann Wickeln

selbständig

durchführen

Kann Gefahren beim

Wickeln überblicken

Kann selbständig

baden

Kann Wundsein

erkennen und reagieren

Kommt mit kleineren

Beschwerden des

Babys zurecht

Kann Mahlzeit

selbständig zubereiten

Sorgt für ausreichend

Hygiene bei der

Zubereitung der

Mahlzeit (Flaschen,

Sauger…)

2. Feinfühligkeit

Datum

Erkennt ein Bedürfnis

des Babys

Interpretiert das Signal

des Babys

überwiegend

angemessen

Reagiert auf Signale

des Babys

Reagiert angemessen

auf Signale des Babys

Reagiert prompt

Unklare Reaktionen

Wechselhafte

Reaktionen

Geduld

Frustrationstoleranz

gegenüber Baby

Selbstkontrolle bei

Grenzbelastung

20


3. Flexibilität des Handelns

Datum

Kommt mit Baby verbal

Kontakt

Kommt mit Baby taktil

in Kontakt

Kommt mit Baby

emotional in Kontakt

Kann Baby

angemessen anregen

Kann flexibel mit

Anregungen umgehen

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