Schmerztherapie Visceral- Thorax- und Gefäßchirurgie

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Schmerztherapie Visceral- Thorax- und Gefäßchirurgie

Eingriffe

Appendektomie

Hernien

Cholezystektomie

Schilddrüse

Laparoskopie

Gefäß-OP, Aorta

Laparotomie

Thorakotomie

Amputationen

(siehe auch „

Phantomschmerzstandard“)

Schmerztherapie Visceral- Thorax- und Gefäßchirurgie

Basistherapie

- Stufe I -

Novalgin* 4 x 40 Tropfen

alternativ

4x1g als Kurzinfusion

Novalgin* 4 x 40 Tropfen /

alternativ 1g als Kurzinfusion

+

PDK oder PCA

Voltaren 3 x 50 mg +

PDK oder PCA

Voltaren 3 x 50 mg +

Regionalanästhesie oder

PCA

Zusätzlich bei anhaltenden Schmerzen

(VAS in Ruhe > 3)

- Stufe II - - Stufe III -

Ibuprofen 4 x 400 mg

Ibuprofen 4 x 400 mg

Novalgin*4 x 40

Tropfen alternativ /

4x1g als Kurzinfusion

Novalgin* 4 x 40

Tropfen / alternativ

4x1g als Kurzinfusion

Oxygesic**2x10 mg

(ggf. steigern auf

2 x 20, 2 x 30)

Oxygesic 2 x 10 mg

(ggf. steigern auf

2 x 20, 2 x 30)

Oxygesic 2 x 10 mg

(ggf. steigern auf

2 x 20, 2 x 30)

Oxygesic 2 x 10 mg

(ggf. steigern auf

2 x 20, 2 x 30)

Statt Voltaren 3x50 mg kann auch Voltaren Resinat 2x75 mg gegeben werden; bei Schluckstörungen Voltaren Supp (3 x 50 mg).

Opiate Zur Einstellung Titration erforderlich

Komedikation mit Laxans (z.B. Macrogol = Movicol),

bei Übelkeit Bedarfsmedikation (z.B. MCP, Vomex etc.) oder Präparatwechsel

Zusätzlich bei Bedarf

(VAS bei Belastung > 7

Sevredol 10 mg /

Dipidolor 7,5 mg als

Kurzinfusion

Sevredol 10 mg /

Dipidolor 7,5 mg als

Kurzinfusion

Sevredol 10 mg /

Dipidolor 7,5 mg als

Kurzinfusion

Sevredol 10 mg /

Dipidolor 7,5 mg als

Kurzinfusion

* Metamizolpräparate -sind kontraindiziert bei Patienten mit Zustand nach Nierentransplantation

relative Kontraindikation bei Patienten mit allergischer Disposition

alternativ kann hier kann Paracetamol entweder oral (4 x 500 mg) oder 4x1g als Kurzinfusion (Perfalgam) gegeben

werden.

-

** Oxygesic: - Steigerung in 10 mg Schritte (..2x20 mg, 2 x 30 mg) bei Schmerzen innerhalb der ersten 8 Stunden

- Steigerung in der Abgabefrequenz (statt 2x 10 mg 3x 10 mg usw.) bei Patienten, die den Wirkstoff sehr schnell abbauen

können (Fast-Metabolizer; 10% aller Patienten, Ultra-Fast-Metabolizer 1% aller Patienten))

-

Spätestens ab dem dritten postop. Tag ist die Schmerzmittelgabe bei der täglichen Visite zu evaluieren und ggf. zu reduzieren.!!


Schmerztherapie bei relevanten Nebendiagnosen

mit Nicht-Opioiden Analgetika (NOA) Stand: Oktober 2006

Begleiterkrankung

Schlecht eingestelltes

Asthma bronchiale

Atopiker,

Allergische

Diathese

Gastrointestinale

Ulzera

Vermeiden Bemerkung Alternative Bemerkung

Diclofenac

Ibuprofen

ASS

Metamizol

Gefahr des Auslösens

eines akuten Anfalls

(Leukotrien-vermittelt oder

direkt allergisch)

Metamizol Therapieresistenter

Bronchospasmus

Diclofenac und

Ibuprofen

Niereninsuffizienz Diclofenac

Ibuprofen

COX II-Hemmer

Hypovolämie,

Exsikkose

Diclofenac,

Ibuprofen

COX II-Hemmer

Metamizol

möglich

Generell Ulkusprophylaxe

sinnvoll

Kontraindiziert bei GFR <

30 ml/min, sowie wenn der

Patient hypovoläm oder

exsikkiert ist

Potentiell nephrotoxisch

Paracetamol

(evtl. Celecoxib u.a.

COX II-Hemmer)

Paracetamol

Metamizol,

Paracetamol,

COX II-Hemmer

Paracetamol

(Metamizol)

Perfalgan®, Paracetamol oral

oder als Supp.

Adäquate Hydratation

Supp. = Suppositorium

Paracetamol Ausreichende Hydratation

Leukopenie Metamizol

Blutdruckabfall, Schock

Agranulozytose Paracetamol

Leberinsuffizienz, Paracetamol In höheren Dosen Metamizol Anpassung der Dosierung

chronischer

hepatotoxisch

Alkoholismus

(Antidot: NAC)

Erhöhtes kardio- COX II-Hemmer (?) Erhöhen auch bei Metamizol,

vaskuläres Risiko (nachgewiesen für Kurzzeitanwendung Paracetamol

(KHK, CVI, pAVK) Rofecoxib und

Parecoxib),

Diclofenac,

(evtl. Ibuprofen)

Herzinfarkt- und

Schlaganfallrisiko

Celecoxib erhöht vermutlich nicht die Rate an

kardiovaskulären Komplikationen

Allen NOA wohnt im Rahmen der Dauertherapie ein hohes Nebenwirkungspotential inne: Im Jahr 1997 starben in den USA 16500 Menschen an der

gastrointestinalen NSAR-Toxizität (Diclofenac, Ibuprofen u.a.), gleichviel wie an der Immunschwächekrankheit AIDS. Es wird geschätzt, dass 80 % aller

tödlichen Ulkuskomplikationen und 3 % aller Fälle akuten Nierenversagens NSAR-induziert sind. NSAR sind für 2 Drittel aller medikamentenbedingter

Todesfälle bei Patienten mit chronischer Polyarthritis verantwortlich. Opioiden fehlt dieses ausgeprägte organtoxische Potential.


Interventionsbedingte Schmerztherapie September 2006

Maßnahme Nicht

pharmakologische

Legen einer Pleura-/

Thoraxdrainage

Ziehen einer Pleura-/

Thoraxdrainage

Punktion von Aszites,

Pleura und Perikard

Anlage eines

arteriellen Katheters

Maßnahme

Information an den

Patienten,

entspannte Lagerung

Information an den

Patienten

Information an den

Patienten

Information an den

Patienten

Anlage eines ZVK Information an den

Patienten,

Anlage eines PVK >

1,3 mm ø( „grün“)

Anlage eines PVK bei

Kindern;

Punktion eines Shunt

zur Dialyse

Lumbalpunktion /

Lumbaldrainage,

Anlage eines

Epiduralkatheters

entspannte Lagerung

Information an den

Patienten

Lokale

Analgesie

Infiltration der Cutis,

des subcutanen und

möglichst des

viszeraleren Gewebes

mit Mepivacain 1%*

bei liegendem PDK:

Bolusgabe mind. 15

min vorher (bei PCEA

Pat. informieren)

Lokale (oberflächliche

und tiefe) Infiltration mit

Mepivacain 1%* wird

dringend empfohlen

Lokale Infiltration mit

Mepivacain 1%* wird

dringend empfohlen

Infiltration mit

Mepivacain 1%*

Lokale Infiltration mit

Mepivacain 1%* wird

dringend empfohlen

EMLA-Pflaster

Zur Beachtung:

Das Pflaster unbedingt

60-75 min vor geplanter

Punktion anbringen und

mind. 15 Minuten vor

Punktion entfernen!!!

Lokale Infiltration mit

Mepivacain 1%* wird

dringend empfohlen

Zur Beachtung: eine

Infiltration der Bänder

sollte unterbleiben, da

dies sehr schmerzhaft ist.

Beckenstanze Lokale Infiltration des

subkutanen Gewebes

und des Periosts mit

Anlegen einer

Wundnaht

Entfernen eines

V.A.C.-Verbandes

Information an den

Patienten

Anfeuchten des

Verbandmaterials mit

steriler Ringerlösung

Wunddebridement Information an den

Patienten

Mepivacain 1%*

Infiltration mit

Mepivacain 1% *

Lokale Infiltration des

Verbandmaterials mit

Mepivacain 1%*

EMLA-Salbe auf die

Wundfläche auftragen,

Systemische

Analgesie

15 min vor

Eingriffbeginn 10 mg

Sevredol® p.o.

2.Wahl:

7,5 mg Dipidolor® in

50ml NaCl 0,9% als Kurzinfusion

(max.

Infusionszeit: 15 min.)

Mögliche Atemdepression

bei Dipidolor®

beachten -

Überwachung nötig.

evtl. 15 min vor

Eingriffbeginn 10 mg

Sevredol® p.o.

15 min vor

Eingriffbeginn 10 mg


Ausgeprägtes

Wunddebridement

Information an den

Patienten

Bronchoskopie Information an den

Patienten

Portanlage

Hickmananlage

Information an den

Patienten.

mit Folie abdecken und

30-60 min einwirken

lassen!

Anästhesie der

Nasenschleimhaut:

je 1ml Lidocain 1%;

Rachen- und

Kehlkopfanästhesie:

Sprühanalgesie mit

Lidocain-Spray

(max. 3mg/kgKG)

®

Sevredol® p.o.

2.Wahl:7,5 mg

Dipidolor® in 50ml NaCl

0,9% als Kurzinfusion

(Infusionszeit: 15 min),

Mögliche Atemdepression

beachten - Überwachung

nötig.

Analgesie:

15 min vor Eingriffbeginn

mind. 10 mg

Sevredol® p.o.

2.Wahl:7,5 mg

Dipidolor® in 50ml NaCl

0,9% als Kurzinfusion

(max. Infusionszeit: 15

min) Mögliche

Atemdepression beachten

- Überwachung nötig.

Sedierung

(wenn nötig):

Midazolam 1-2 mg

fraktioniert i.v. oder

7,5 mg p.o.

Kodein s.c.,

Atropin s.c.

bei Problemen ggf.:

Tracheal-Anästhesie

(4ml Lidocain 4%

intratracheal durch

Cricothyreoid-

Membran)

oder Blockade des

N. laryngeus superior

vorher:

½ - 1 Amp.

Dipidolor® i.v als

Kurzinfusion

nachher:

bei Bed.: 20-30°

Novamin®

oder 10mg Sevredol

Lokale Infiltration mit

Knochenmarkpunktion

Ultracain® 2%

* Statt Mepivacain (Scandicain® 1%) kann auch Bupivacain (Carbostesin® 0,5%) oder alternativ dazu

Ropivacain (Naropin® 0,75%) verwendet werden. Der Wirkungseintritt ist langsamer (bis zu 10 min), dafür

hält die Wirkungsdauer länger an (3-10 Stunden). Eine Kombination aus beiden Substanzklassengruppen

ist nicht unüblich.

PCEA = Patienten-kontrollierte epidurale Analgesie


EMLA = eutectic mixture of local anesthetics, Mischung aus Lidocain und Prilocain, 1-2 ml

Creme pro 10 cm² Hautareal unter einem Okklusionsverband, mittlere Einwirkzeit 60 min

(manchmal bis zu 120 min notwendig, dickes Depot effektiver); Höchstdosis: 10 g beim

Erwachsenen, 2 g beim Kleinkind unter 12 Monaten; Gefahr: Methämoglobinämie (erhöhte

Gefahr bei Kindern unter 3 Monaten wg. verminderter MetHb-Reduktase-Aktivität); KI:

kongenitale und idiopathische Methämoglobinämie, Einnahme von Medikamenten, die eine

Methämoglobinämie induzieren

Unabhängig dieser Empfehlungen sollte bei jeder subjektiv schmerzhaft empfundenen

Intervention diese abgebrochen werden. Dann sollten zusätzliche analgetische Verfahren

eingesetzt werden.

Empfehlung: 1. Wahl 10 mg Sevredol® (unretardiertes orales Morphin) p.o.

2. Wahl 7,5 mg Dipidolor® als Kurzinfusion

Der Eingriff kann dann nach entsprechender Wartezeit fortgesetzt werden. Bei weiterhin

bestehenden starken Schmerzen wird der Eingriff abgebrochen und später unter

anästhesiologischem Standby bzw. unter adäquater Analgosedierung durchgeführt.


Prinzipien der Schmerztherapie: Stand: Oktober 2006

1) Schneller Wirkeintritt erwünscht: parenterale Gabe

Ausnahme: kein i.v.-Zugang vorhanden, dann wirkt die orale Gabe eines

nicht-retardierten Präparates (z.B. Sevredol®) meist schneller, da sonst eine

zu lange Verzögerung eintritt, bis ein i.v.-Zugang installiert wurde;

Wirkeintritt bei rektaler Gabe: oft erst nach 1 bis 2 Stunden

(Alternative, falls keine orale Applikation möglich ist oder bei Dauertherapie)

2) Beginn einer Schmerztherapie: i.v.-Titration (bis Patient schmerzfrei bzw.

VAS � 3) ist am effektivsten, danach noch mind. für 10 min überwachen.

Eine kontinuierliche Opioid-Infusion (z.B. über Perfusor) auf Normalstation ohne

kontinuierliche Überwachung ist obsolet (Alternative: PCA)!

Bei Gabe eines Opioids als Kurzinfusion muss eine Überwachung über die

Infusionsgesamtdauer und darüber hinaus (mind. 10 min) gewährleistet sein.

3) Eine Schmerzmessung (NRS/VAS 0-10) muss initial und im Verlauf erfolgen;

bei Schmerzen VAS > 3 bereits in Ruhe trotz Stufe I - Basisanalgesie mit NOA ist

i.d.R. die Gabe eines Opioids (meist WHO-Stufe III, z.B. Piritramid = Dipidolor®,

Morphin, Oxycodon = Oxygesic®) indiziert

4) Initial sind Maximaldosierungen von Nicht-Opioid-Analgetika anzustreben

Kontraindikationen beachten! Bei NSAID baldige Dosisreduktion anstreben wegen gastrointestinaler

Nebenwirkungen. Die NNT (Number needed to treat) korreliert mit der Dosis des

Analgetikums:

Wirkstoff Max. Tagesdosis

Applikationswege

Beispiel

Ibuprofen 2400 mg

4 x tgl. 600 mg,

p.o., Supp.

d.h. je 1 ½ Tabletten

Diclofenac 150 mg tgl.

Voltaren® 3 x 50 mg

p.o., Supp., i.m. Voltaren resinat® 2 x 75 mg

Celecoxib* 400 mg (p.o.) initial Celebrex® 2 Tabletten

Metamizol 5g tgl.

Novalgin, Novaminsulfon u.a.

p.o., rektal, intravenös 4 x 40 Tropfen oder 4 x 1 g

Kurzinfusion über 30 min!

Paracetamol #

(=PCM)

bei Koliken initial oft 2,5 g als

KI notwendig

p.o., rektal, intravenös

Höchstdosis:

100 mg/kg KG tgl.

z.B. Benuron®, Perfalgan®

Initialdosis: 35-40 mg/kg KG

Repetitionsdosis: 15 mg/kg KG

Muskuloskeletale

Schmerzen

Viszerale

Schmerzen

* Celecoxib (Celebrex®) ist neuerdings in den USA (Stand Sept. 06) zur Akutschmerztherapie

zugelassen: einmalig 400 mg p.o. (d.h. 2 Tabletten), nach früh. 6 Stunden erneut 200 mg p.o.

Alternativ: Parecoxib (Dynastat®) 40 mg i.v. (einziger parenteraler COX-II-Hemmer; im Uniklinikum

Giessen-Marburg derzeit nicht gelistet); eine Erhöhung des kardiovaskulären Risikos ist bisher nur

für Rofecoxib nachgewiesen

# Paracetamol ist insgesamt sehr nebenwirkungsarm, erreicht aber oft erst bei einer Initialdosis von

ca. 40 mg/kg KG einen ausreichend analgetisch wirksamen Blutspiegel, dieser muss durch 6-8 stdl.

Gabe von 15 mg/kg KG aufrechterhalten werden (d.h. eine Gabe nur als Bedarfsmedikation ist

wenig effektiv);

die Bioverfügbarkeit von Paracetamol rektal schwankt zw. 30-70%, bei oraler Applikation liegt sie

deutlich höher; bei Überdosierung besteht die Gefahr einer Lebernekrose v.a. bei vorbestehender

Leberinsuffizienz und bei chronischem Alkoholismus (Antidot: N-Acetyl-Cystein)

Empfehlenswert im Rahmen der Akutschmerztherapie ist die i.v.-Gabe von Perfalgan® mit einer

Infusionsdauer von 15 min, damit die Bluthirnschranke durch den hohen Spitzenspiegel schnell

penetriert wird


5) Metamizol und Paracetamol wirken im Allgemeinen bei viszeralen Schmerzen

besser; saure Antiphlogistika (sog. NSAID) wie Ibuprofen, Diclofenac und

Celecoxib sind dagegen bei muskuloskeletalen Schmerzen sehr effektiv

(„Knochenchirurgie“).

6) Kurzinfusion: 50 ml NaCl 0,9% in 15 min (Ausnahme: Metamizol über 30 min)

7) Die Kombination zweier NSAID (z.B. Diclofenac mit Ibuprofen) erhöht nur die

Nebenwirkungsrate; die Kombination eines eher zentral wirkenden NOA

(Metamizol / PCM) mit einem NSAID kann u.U. von Vorteil sein zur Dosisreduktion

des NSAID.

8) Kontraindikationen v.a. der NSAID beachten!

V.a. gastrointestinal, d.h. Gefahr von Magen- und Duodenalgeschwüren mit GI-Blutung

siehe Tabelle Schmerztherapie bei relevanten Nebendiagnosen

9) Opioide besitzen im Gegensatz zu den NOA keine organtoxischen Eigenschaften,

daher sind sie bei einem potentiell geringeren Nebenwirkungsspektrum auch als

alleinige Alternative zu NOA in Erwägung zu ziehen!

NW: Obstipation (bleibend), Übelkeit und Erbrechen, Schwindel (vorübergehend);

Bewusstseinstrübung und Ateminsuffizienz treten meist erst bei deutlicher

Überdosierung nach Eintritt der Schmerzfreiheit auf

10) Dauertherapie mit NSAID: Pantoprazol als Ulkusprophylaxe; keinen Schutz vor

Magenulcera bieten H2-Antagonisten wie Ranitidin, Antazida oder Sucralfat

11) Dauertherapie: oral vor parenteral

d.h. die orale Applikation, bevorzugt eines retardierten Präparates

(z.B. Oxygesic®), ist einer parenteralen Gabe vorzuziehen

12) Durchbruchschmerzen (bei chronischen Schmerzpatienten unter Dauertherapie):

Zusätzlich zur Basisanalgesie erhält der Patient gegen Schmerzspitzen ein

nicht-retardiertes potentes Analgetikum verordnet: z.B.

§ Stufe I: 4x 600 mg Ibuprofen (oder 4x 40 Tropfen Novalgin) fix und

§ Stufe III: 2x 10 mg Oxygesic® fix und

§ 10 mg Sevredol® p.o. bei Bedarf (bis zu 6-8x tgl. in mind. 1stündigem Abstand)

13) Opioide der WHO-Stufe II (z.B. Tramadol, Tilidin N, DHC) können u.U. bei

geringer Schmerzstärke (sog. kleine Chirurgie wie Metallentfernung) oder bei

abklingenden postoperativen Schmerzen (erst ab dem 2.-3. postoperativen

Tag) indiziert sein.

Direkt postoperativ sind sie selten ausreichend wirksam, außerdem unterliegen sie

einem Ceiling-Effekt!

14) Schmerzen v.a. im postoperativen Bereich sind etwas dynamisches,

d.h. die Notwendigkeit einer Schmerztherapie muss nach spät. 3 Tagen

überprüft und die Dosis der Medikamente entsprechend angepasst werden

(bzw. ab- oder umgesetzt werden).

15) Dauertherapie mit Opioiden der WHO-Stufe III: dauerhafte Obstipationsprophylaxe

(z.B. Movicol®) und bedarfsweise antiemetische Stufentherapie

v.a. in der Einstellungsphase (siehe dort)


Abkürzungen

COX II Cyclooxygenase Typ II

kg KG Kilogramm Körpergewicht

KI Kurzinfusion oder

Kontraindikation

NaCl Natrium-Chlorid-Lösung

NOA Nicht-Opioid-Analgetikum

NSAID non steroidal anti-inflammatory drug

NNT Number needed to treat

NRS Numerische Rating-Skala

NW Nebenwirkung

PCA Patienten-kontrollierte Analgesie

(mittels eines Pumpensystems)

PCM Paracetamol

PDK Periduralkatheter

Supp. Suppositorium

VAS Visuelle Analogskala


Übelkeit, Erbrechen Stand: Oktober 2006

Postoperativ und als Nebenwirkung von Opioiden

Bei bis zu 20 % aller Opiatmedikationen treten Übelkeit und Erbrechen auf

(bei Gabe von unretardiertem Tramadol z.B. als Tropfen bei bis zu 80%!),

diese Nebenwirkung sistiert im Rahmen einer Dauermedikation.

Folgendes Therapieschema wird für Erwachsene empfohlen:

Nach Ausschluss von pathologischen Ursachen (z. B. Blutung, Ileus):

Dolasetron 12,5 mg i.v.

(Anemet®) falls Zugang

vorhanden, erneute Injektion

nach frühestens 6 Stunden.

Alternativ: andere 5HT3-Antagonisten

Granisetron 3 mg i.v. (Kevatril®)

Dimenhydrinat 62 mg i.v.

(1 Amp. Vomex A®)

ca. 1mg/kg KG;

NW: Sedierung

Alternativ: 1 Supp. 150 mg

Metoclopramid (Paspertin®) 10-40 mg i.v. oder p.o.

Indikation: Motilitätssteigerung bei Magenatonie, sowie bei Singultus und akuter Refluxsymptomatik

Alternative: Domperidon (Motilium®), verursacht keine zentralnervösen Nebenwirkungen

Kontraindikationen: Parkinson, Kinder < 2 Jahren, nicht in Kombination mit Neuroleptika wegen Gefahr

einer Dyskinesie

MCP ist v.a. gegen postoperative Übelkeit und Erbrechen (PONV) nur schwach wirksam (NNT > 10 bei

einer Dosis von � 40 mg); Haloperidol ist sehr viel effektiver – beide Substanzen nicht kombinieren!

Beachte:

Haloperidol 1 mg 8 - 12 stdl.

(Tropfen, Tabl., i.v.)

in dieser Dosis sind neuroleptische

NW extrem selten,

KI: Parkinson, Kinder

Dexamethason 4-8 mg i.v.

(z.B. Fortecortin®)

KI: Diabetes mellitus

§ Die Präparate der 4 Gruppen sind in der Wirkung gleichwertig

(bei unterschiedlichen Wirkansätzen).

§ Für Kinder eignen sich Antihistaminika (z.B. Dimenhydrinat, zentraler

H1-Antagonist), Corticoide (z.B. Dexamethason) und Serotonin-Antagonisten

(sog. -setrone, 5-HT3- Antagonisten); Dosisanpassung!

§ Für einen schnellen Wirkungseintritt ist die i.v.-Gabe vorzuziehen!

Bei Verwendung von Kurzinfusionen werden die Medikamente in

50 ml NaCl 0,9% in max. 15 min verabreicht (eine Kurzinfusion bietet

gegenüber einer direkten intravenösen Injektion keinerlei Vorteil)

§ Bei fehlender Wirkung eines Präparates soll als nächstes ein Präparat

einer anderen Gruppe verwendet werden. Bei postoperativen Patienten im

Anästhesieprotokoll nachschauen, was der Patient bereits erhalten hat.

§ Bei postoperativem Erbrechen werden mindestens 2 Präparaten

gleichzeitig gegeben. In Einzelfällen kann es nötig sein Medikamente

aus allen 4 Gruppen zu applizieren!

Alle Substanzen sind gleichwertig,

am effektivsten ist eine Kombination


Obstipation: Stand: Oktober 2006

u.a. als Nebenwirkung von Opioiden

Mit dem Auftreten einer Obstipation ist unter der Therapie mit Opioiden der

WHO-Stufe III (z.B. Morphin, Oxygesic®, usw.) immer zu rechnen, daher muss

schon beim Verordnen dieser Medikamente mit einer Obstipationsprophylaxe

begonnen werden.

Diese Prophylaxe ist bei Opioiden der WHO-Stufe II i.d.R. nicht notwendig

z.B. Tramadol und insbesondere Tilidin N (das N steht für Naloxon).

Laxantientherapie

1. Diätetische Maßnahmen: ballaststoffreiche Kost, ausreichende Flüssigkeitszufuhr

2. Frühzeitige Mobilisierung

3. Osmotische Laxantien: Macrogol 3350 plus Elektrolyte (Movicol®)

1-3 Beutel / Tag (mit ausreichender Flüssigkeitszufuhr!!)

4. Natriumpicosulfat (10 - 30 Trpf. / Tag)

5. Physikalische Maßnahmen:

Digitale Ausräumung, feuchtwarme Bauchwickel, Kolonmassage

Zusätzliche Maßnahmen

§ Paraffin 1-2 Esslöffel tgl.

§ Paraffin + Senosid (Laxoberal®, Liquidepur®) 1-2 Esslöffel tgl.

§ Bisacodyl (Dulcolax®) Supp. und/oder Klysma

Anmerkung:

§ Lactulose führt durch enzymatische Spaltung im Darm häufig zu unangenehmen

Blähungen.

§ Bei hartnäckigen Obstipationen ist durch entsprechende Diagnostik eine andere

Ursache auszuschließen.

§ Nicht eingegangen wird hier auf differenzierte intensivmedizinische Maßnahmen wie

z.B. Erythromycin-Gabe, PDK-Anlage, enterale Naloxon-Therapie.

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