in Israel - Österreichisch-Israelische Gesellschaft

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in Israel - Österreichisch-Israelische Gesellschaft

41. Jahrgang • 2. AUSGABE 2008


Editorial

Inhalt

Staat der Juden

INGE DALMA

Chefredakteurin

Seit sechzig Jahren – in der Stastistik eine Generation – gibt es den Staat

Israel auf historischem Boden. Er basiert auf der Vorgabe der britischen

Balfour-Deklaration als „Heimstatt der Juden“ und wurde erträumt und

entworfen von dem Wiener Journalisten Theodor Herzl, der allerdings die

meisten Konflikte, die noch kommen sollten, nicht ahnen konnte.

Diese Ausgabe von SCHALOM, erweitert auf 24 Seiten, widmet sich dem

Thema aus verschiedenen Aspekten. Wenn man den geschichtlichen Verlauf

dieser sechs Jahrzehnte vor Augen hat, ist es fast ein Wunder – oder, wie

Herzl sagte – „wenn Ihr nur wollt, ist es kein Märchen“.

Analysen und Gratulationen finden Sie von Frau Außenministerin Ursula

Plassnik auf Seite 5, im Leitartikel unserer Präsidenten Sepp Rieder und

Richard Schmitz auf Seite 4, von Israels Botschafter Dan Ashbel auf den

Seiten 6–7.

Mit dem Schwerpunkt-Thema befasst sich unsere Mitarbeiterin, die Historikerin

Chava Gurion auf den Seiten 9–11, aus ihrem Pinsel stammt auch

das Cover-Bild.

Wirtschaft (Seite 18) – Armee (Seite 17) – Diplomatie (Seiten 14/15) – Medizin

in der Hadassah-Klinik (Seiten 12–13) werden von erstrangigen Fachleuten

ausgeleuchtet.

In der Geschichte der Neuzeit ist diese Staatswerdung ohne Beispiel. Eine

junge Demokratie wurde erfolgreich in Wirtschaft, Wissenschaft, Bodenbefruchtung,

Kunst, Kultur und Militär von einem sehr alten Volk gegründet

und entwickelt. Die Umstände konnten schlechter gar nicht sein.

Überblicken Sie nochmals die leicht veränderten Angaben zu unserer

Herbst-Reise nach Israel auf Seite 8, Anmeldungen sind rasch erforderlich,

weil wir nicht mehr als 20 Personen mitnehmen können.

„bis 120“ ist unter Juden der traditionelle Wunsch auf Lebenserwartung –

wir wünschen dem jungen/alten Staat Israel weit mehr als die Verdoppelung!

Ansicht von Jerusalem

gemalt von Chava Gurion........... 1

Editorial ............................... 3

Anlaß zu Stolz

Leitartikel von Dr. Sepp Rieder

und Dr. Richard Schmitz ............ 4

Mut zum Frieden

von Frau Bundesminister

Dr. Ursula Plassnik ................... 5

Israel nach 60 Jahren

vom Botschafter Israels in Wien,

Dan Ashbel ........................ 6/7

ÖIG-Reise nach Israel ......... 8

Schwerpunkt Analyse

„60 Jahre Israel

von Mag. Chava Gurion ....... 9-11

Hadassah-Massaker 1948

von Susi Shaked ................... 12

50 Jahre Diplomatie

von Botschafter i. R.

Dr. Kurt Hengl .................. 14/15

Die Bedrohung ist ein Chamäleon

von Generalmajor i. R.

Dr. Karl Semlitsch ............. 16/17

60 Jahre Wirtschaft in Israel

eine Erfolgstory

von Dr. MMag. Ilan Knapp... 18/19

Nachruf auf Eeva und

Adalbert Huber-Huber

von Traude Litzka................... 20

Veranstaltungen ................ 21

Ex libris ........................ 22/23

IMPRESSUM SCHALOM – Medieninhaber, Herausgeber: Österreichisch-Israelische Gesellschaft. Chefredakteurin: Inge Dalma. Zweck: Die Zeitschrift Schalom ist

das offizielle Organ der Österreichisch-Israelischen Gesellschaft. Diese tritt für die Interessen des befreundeten Staates Israel und seiner Bewohner ein. Ziel ist der

Friede im Nahen Osten. Sitz: 1080 Wien, Langegasse 64. Redaktion, Anzeigenannahme: Telefon und Fax 405 66 83. E-Mail: info@oeig.at, Internet: www.oeig.at.

Layout: North Bondi Design, Sydney. Bankverbindung: Bank Austria Blz 12000-00262620801 Druck: Typo Druck Sares, 1190 Wien, Muthgasse 68.

Schalom

3


Anlass zu Stolz

Israel würdigt die

sechzigste Wiederkehr

seiner Staatsgründung

durchaus selbstkritisch,

aber selbstbewusst

und mit dem

Selbstvertrauen in seine

Zukunft, das auf die

Überwindung vieler

Krisen beruht. Jedenfalls

ohne falschen Pathos,

ohne Selbstgefälligkeit

und ohne überzogene

und anmaßende

Militärparaden.

Gründung und Fortbestand

des Staates Israel

haben historische Bedeutung

weit über die

Region hinaus. Israels

Geschichte ist auch Teil

der europäischen Geschichte.

Denn Israels

Identität ist mit dem

Holocaust untrennbar

verbunden, der wiederum

ein Kapitel unserer

eigenen europäischen

Geschichte ist.

Wirtschaftliche und soziale

Stabilität, Innovationskraft,

Bildungswesen

und Migration auf

hohem Niveau können

sich sehen lassen. Dazu

bedarf es nicht erst des

Vergleichs mit der Situation

in anderen Ländern

der Region. Und

das trotz der enormen

Last der permanenten

Verteidigungsausgaben,

auch wenn Israel

mit der Unterstützung

der USA rechnen konnte

und weiter rechnen

kann.

Israel ist übrigens der

einzige Staat der Region

mit demokratischer

Verfassung und

hat sich seine demokratischen

Grundsätze

trotz ständiger militärischer

Bedrohung

und zahlloser Terroranschläge

bewahrt.

Dass das alles andere

als selbstverständlich

ist, kann man daran

erkennen, wie rasch

Terroranschläge selbst

in Staaten, die sich als

Hochburgen der Demokratie

und Freiheitsrechte

verstehen, zum

Abbau von politischen

und persönlichen

Grundrechten führten.

Die Menschen in Israel

begehen eben das

Staatsjubiläum unter

ganz anderen Bedingungen

als wir in Österreich

etwa heuer unsere

Feierlichkeiten begehen

können. Während für

uns der Frieden längst

zur Selbstverständlichkeit

geworden ist, leben

die Israelis in einem

Staat, dem Nachbarn

das Existenzrecht absprechen

und müssen

mit einer Situation militärischer

und terroristischer

Bedrohung zu

Recht kommen.

An sich besteht Anlass

zu Stolz auf das was geleistet

wurde. Daraus ergibt

sich aber auch eine

Verantwortlichkeit, die

wir in Europa nicht immer

wahrhaben wollen,

vor allem wenn Sympathien

für Israel den eigenen

wirtschaftlichen

Interessen im Weg stehen

könnten. Manche

denken offenbar, um

Israel kümmern sich

ohnehin die Amerikaner,

da brauchen wir in

Europa nicht zusätzlich

noch für Israel Partei

ergreifen.

Genau darum geht es

aber. Nicht um euphorische

Lobeshymnen

geht es, sondern um

die Bereitschaft zu einer

fairen Beurteilung

in der öffentlichen und

medialen Berichterstattung

zu werben, für

Meinungsbildung zu

sorgen und um internationale

Unterstützung,

wann immer es notwendig

und möglich

ist. Darum wird sich

die Österreichisch-Israelische

Gesellschaft

mit ihren bescheidenen

Mitteln – auch weiter

bemühen.

Dr. Sepp Rieder

Dr. Richard Schmitz

4 Schalom


Mut zum Frieden

Wie kein anderer

Staat wurde Israel

von seinem Gründungstag

an in Frage

gestellt und herausgefordert.

Unter schwierigsten

äußeren und

inneren Bedingungen

haben Generationen

zwischen Galiläa und

Negev beachtliche Aufbauarbeit

geleistet und

das Land in vielen Bereichen

zu Spitzenleistungen

geführt. Heute

ist Israel eine lebendige

Demokratie, ein Hochtechnologieland

und

eine Gesellschaft, die

durch ihren kulturellen

Reichtum, ihren Traditionen

und ihrer Gestaltungskraft

beeindruckt.

Diese Aufbauleistung

verdient Anerkennung

und Hochachtung.

Schon die Gründung

des Staates Israel, aber

auch seine wechselvolle

Geschichte, hat viel mit

Österreich und mit Europa

zu tun: Es war der

Alt-Österreicher Theodor

Herzl, der die Vision

einer „Heimstätte

des jüdischen Volkes“

in Palästina im Wien

der Jahrhundertwende

artikuliert hat.

Das einzigartige Verbrechen

und das unermessliche

Leid der

Shoa, zu dem leider

auch viele Österreicher

beigetragen haben, hat

die Existenzwerdung

Israels vollends zu einer

unverzichtbaren und

unaufschiebbaren Notwendigkeit

gemacht.

Ein Erfolg ist Israel bis

heute allerdings versagt

geblieben: in Frieden

und Sicherheit mit seinen

Nachbarn leben

zu können. Während

der militärische Erfolg

des 6-Tagekrieges 1967

ein für alle Mal die Gefährdung

der Existenz

Israels in einem konventionellen

Konflikt

auszuschließen schien,

stehen heute andere

Bedrohungen im Vordergrund.

Dazu zählt

das iranische Atomprogramm.

Zur Gefahr der

inneren Aushöhlung

Israels ist mittlerweile

die andauernde Kontrolle

und Isolation

der über 3,5 Millionen

Palästinenser auf der

Westbank und in Gaza

geworden.

Die destruktiven Kräfte

des Fanatismus und

des Extremismus greifen

immer wieder zur

unakzeptablen Waffe

des Terrorismus, um

sich Bemühungen um

Verständigung und ein

friedvolles Miteinander

zu widersetzen. Israel

verdient gegen diese

Kräfte unsere Solidarität.

Zugleich bleibt

unsere Verpflichtung

aufrecht, alle konstruktiven

Ansätze für einen

haltbaren Frieden, wie

etwa auch die arabische

Friedensinitiative, zu

unterstützen. Dabei ist

eines klar: Ein nachhaltiger

Frieden ist nur

auf Basis einer Zwei-

Staaten-Lösung und

bei vollem Respekt des

Existenzrechts Israels

möglich. Davon werden

wir nicht abrücken.

Österreich wird als

Nachbar und Freund

Israelis wie Palästinenser

bei ihrer Friedenssuche

weiter hartnäckig

und solidarisch unterstützen.

Israel hat in den letzten

60 Jahren eindrücklich

nachgewiesen, dass

karge Landschaften allein

durch die schöpferische

Kraft und den

Pioniergeist der Menschen

zum Blühen gebracht

werden können.

Meine Hoffnung ist,

dass dieser Erfolg Israels

verbunden wird

mit dem genauso beeindruckenden

kreativen

Potenzial und

dem Optimismus der

Palästinenser. Beiden

wünsche ich den Mut

zum Frieden. Meine

Zuversicht schöpfe ich

aus dem tiefen Wissen

unseres konfliktdurchfurchten

Kontinents

um die Kraft der Überwindung

und der Versöhnung.

Wir wünschen Israel

und allen seinen Menschen

ein herzliches

Mazal-tov!

Ministerin für Europäische und

Internationale Angelegenheiten

Dr. Ursula Plassnik

Schalom

5


Israel nach 60 Jahren

srael nach 60 Jah-

ist anders als „Iren

bei seiner Gründung“,

schreiben besorgte

Kommentatoren, und

sie haben Recht. Von

einem Staat mit ca.

800.000 Einwohnern im

Jahr 1948 ist es zu einem

Staat von 7,2 Millionen

gewachsen. Der Staat,

dem bei seiner Gründung

nur wenige Chancen

zum Überleben gegeben

wurden, ist heute

die Heimat für über 5,8

Millionen Juden. Die

arabischen Bürger Israels

zählen heute ca. 1,4

Millionen im Vergleich

zu 150.000 im Jahre

1948. Von einem Land

das eine total zerstörte

Infrastruktur nach dem

Unabhängigkeitskrieg

hatte, in dem 700.000

Flüchtlinge – Überlebende

der Shoah aus

Europa, sowie verfolgte

Juden aus der arabischen

Welt – in Zelten, Baracken

und Flüchtlingslager

lebten, hat sich

Is-rael in eine blühende

und demokratische Gesellschaft

entwickelt.

Israel ist in seinem 60.

Jahr ein Weltspitzenreiter

in Bereichen der

modernen Industrie,

der Forschung und des

Hi-Tech, von der blühenden

Landwirtschaft

ganz zu schweigen. Kein

Land der Welt widmet

mehr Mittel (in Prozent

vom Bruttosozialprodukt)

der wissenschaftlichen

Forschung als

Israel. Der Anteil der

Bürgerinnen und Bürger

mit einem akademischen

Titel in Israel

ist einer der größten in

der Welt. Das Bruttosozialprodukt

– pro Person

– ist höher als das

einiger europäischer

Staaten. Auch andere

statistische Werte bestätigen,

dass Israel sich

Staatspräsident Shimon Perez beim Jubiläumsfest

sehr wohl geändert hat –

und zum Besseren – seit

1948. Die arabischen

Bürger (und nicht „Mitbürger“)

Israels sind in

allen Lebensbereichen

des Staates vertreten. Sie

bekleiden Ministerposten,

sind Abgeordnete

in der Knesset (Parlament),

tätig im akademischen

Bereich, leiten

Krankenhäuser und

vieles mehr. Wir alle

sollten und können uns

darüber freuen, dass Israel

sich seit 1948 geändert

hat.

Die Rückbesiedelung Palästinas

durch die Juden

begann nicht erst Ende

des 19. Jahrhunderts. In

den 4000 Jahren der Geschichte

des jüdischen

Volkes haben die Juden

nie ihr Land freiwillig

verlassen. Mehr noch,

in all dieser Zeit gab es

keine Periode, in der es

im Land Israel keine jüdischen

Bewohner gab.

Schon im Jahr 1860 bildeten

die Juden die absolute

Mehrheit der Bewohner

Jerusalems.

Am 29. November 1947

beschloss die Vollversammlung

der UNO die

Teilung des britischen

Mandatsgebiets von

Palästina in einen jüdischen

und einen arabischen

Staat. Hier ist

es wichtig zu erwähnen,

dass ein Jahr zuvor, im

Jahr 1946, die Briten

auf 80 Prozent der Fläche

des ihnen vom

Völkerbund gegebenen

Mandatsgebiets – östlich

des Jordan Flusses

– das Haschemitische

Königsreich von Transjordanien

gegründet

haben. Trotz des geographisch

unmöglichen

Teilungsplanes hat die

zionistische Führung

in Palästina diesen Plan

akzeptiert, in der Hoffnung

auf ein friedliches

Nebeneinander mit der

arabischen Bevölkerung.

In der Unabhängigkeitserklärung,

sechs Monate

später, heißt es ausdrücklich:

„Wir reichen

allen unseren Nachbarn

und Nachbarstaaten

die Hand zum Frieden

aus“. Sechs arabische

Staaten sind in den soeben

proklamierten

Staat einmarschiert, mit

dem klaren Ziel diesen

Staat schon bei seiner

Gründung zu vernichten.

Dies war ein eindeutiger

und flagranter

Angriff auch auf die

Entscheidung der UNO.

Nach dem Krieg waren

die arabischen Staaten

nur bereit Waffenstillstandsabkommen

mit

Israel zu unterzeichen.

Diese Abkommen bil-

6 Schalom


deten auch die Waffenstillstandslinien,

die von

keinem arabischen Staat

als Grenzen anerkannt

wurden. Das Westjordanland

wurde von Jordanien

annektiert und

der Gazastreifen wurde

von Ägypten erobert

und jahrelang verwaltet.

19 Jahre später, im Jahr

1967, haben Ägypten,

Syrien und Jordanien

einen weiteren Versuch

unternommen, um diese

„Schande“ oder „Naqba“,

nämlich den Staat Israel,

Tanz und Jubel zum Gründungsfest

gab den Ägyptern den

gesamten Sinai, inklusive

der Ölfelder und der

Meeresstraße von Tiran

im Roten Meer, die einzige

Verbindung Israels

in die südlichen Meere,

die in der Vergangenheit

von den Ägyptern zweimal

blockiert wurde. Im

Jahr 1993 hat Israel mit

der PLO die Oslo- Abkommen

unterzeichnet

und damit sich klar

für eine Zwei-Staaten-

Lösung in Palästina erklärt.

Ein Jahr danach,

Vor mehr als zwei Jahren

hat sich Israel aus dem

Gaza-Streifen zurückgezogen

und „erntet“ seitdem

tägliche Raketen-

und Bombenangriffe

auf zivile Ortschaften

im Süden des Landes.

All den Bemühungen

Israels um Frieden

zum Trotz, wird auch

heute, 60 Jahre nach

seiner Gründung, das

Existenzrecht Israels von

der Mehrheit der arabischen

Staaten wie auch

vom Iran, der Hamas in

Gaza und der Hisbollah

(wörtlich übersetzt die

„Partei Gottes“) im Libanon

abgelehnt. Es ist

leider auch keineswegs

sicher, dass alle Angriffe

auf Israel aufhören werden,

sobald die Palästinenser

einen eigenen

Staat halbwegs zu ihrer

Zufriedenheit haben.

Wenn Österreich seiner

Mitverantwortung auf

Grund der Geschichte

gerecht werden will, so

muss und kann es gemeinsam

mit der gesamten

Völkerfamilie, die

arabischen Staaten, den

Iran und die verschiedenen

Terror-Organisationen

dazu motivieren,

das Existenzrecht Israels

zu akzeptieren und auf

den Versuch Israel zu

vernichten, zu verzichten.

Israel hat mehrmals,

in Worten wie auch in

Taten, seinen Willen

und seine Bereitschaft

zum Frieden bewiesen.

Israel ist jedoch nicht

bereit, seine Existenz,

und damit die Existenz

des einzigen immer offenen

Zufluchtsortes für

Juden und Jüdinnen aus

aller Welt, aufzugeben.

Dan Ashbel

Botschafter des Staates

Israel, Wien

von der Weltkarte zu

radieren. Sowohl dieser

Versuch wie ein weiterer

im Jahr 1973 schlugen

fehl. Einige Jahre später,

im Jahr 1979, unterzeichnete

Ägypten

einen Friedensvertrag

mit Israel. Demzufolge

wurde einerseits Ägypten

von der arabischen

Liga boykottiert und

Israel anderseits über-

im Jahr 1994, hat auch

Jordanien Frieden mit

Israel geschlossen und

beide Staaten haben seit

damals eine gemeinsam

anerkannte Grenze. Im

Laufe der Jahre hat sich

Israel auch aus dem Süden

des Libanons zurückgezogen,

von wo

aus es vorher und auch

nachher, zuletzt im Jahr

2006, angegriffen wurde.

Schalom

7


WIR FAHREN NACH ISRAEL !

(23. Oktober bis 3. November 2008)

Do. 23. Okt.

Fr. 24. Okt.

Sa. 25. Okt.

So. 26. Okt.

Anreise – Jerusalem – Hotel

Yad Va Shem, Ölberg, Kidron Tal, Shabbatfeier im Hotel

Synagoge optional, Altstadt, Via Dolorosa, Grabeskirche, Klagemauer,

Lunch im österr. Hospiz, nachmittag Nahlaot Viertel,

Ronny Reich-Ausgrabung, Supreme Court,

Herzlia-Empfang beim Botschafter zum Nationalfeiertag, retour ins Hotel

Mo. 27. Okt. Hadassah-Spitäler, Chagall-Synagoge, oder Herzl-Museum.

Die. 28. Okt. Totes Meer nach Massada, Weiterfahrt durch die Jordansenke zum Kibutz Nir

David, Übernachtung, Schwimmen

Mi. 29. Okt. Ausgrabungen in Beit Shean,

Aufführung eines Schattentheaters mit einem Stück von Martin Buber

Do. 30. Okt. Kapernaun, Berg der Seligpreisungen – Nir David

Fr. 31. Okt. Tefen Park mit Skulpturen im Golan, Golan Höhen – Haifa,

Sa. 1. Nov. Akko-Tel Aviv-Besuch von Jaffo Altstadt Hotel in TA

So. 2. Nov. Besuch TA Weltkulturerbe, Museum, Abend Treffen mit Ben Segenreich

Mo. 3. Nov. Abflug

Anmeldungen unter 01 405 66 83 (Tonband) oder info@oeig.at.

Die Quote der Teilnehmerzahl ist schon fast erreicht!

Was macht der Flughafen Wien

eigentlich beim Belvedere

Der Flughafen bringt Kaufkraft aus aller Welt ins Land.

Fast jeder zehnte Euro des Bruttoinlandsproduktes Österreichs kommt aus dem Tourismus.

Alleine die Wien-Besucher, die mit dem Flugzeug anreisen, geben 270 Euro pro Kopf und

Nacht aus – weit mehr als der Durchschnittsurlauber. Da 80% aller Fluggäste, die nach

Österreich kommen, am Flughafen Wien landen, ist es für uns eine Selbstverständlichkeit,

für ein modernes, qualitätsvolles Willkommen zu sorgen.

Mehr unter www.viennaairport.com/wirtschaftsfaktor2007

8 Schalom


VERGESSE ICH DICH, JERUSALEM,

VERDORRE MEINE RECHTE ...

von Chava Gurion

„D

er allererste

Zionist Welche

Frage!“, antwortete

mir Michal bei einem

Reservistentraining vor

gut dreißig Jahren, „König

David natürlich! Der

hatte Verstand und integratives

Talent!“

Nun mag es ein gewagter

Ansatz sein, die

im politischen Zionismus

des 19. und 20.

Jahrhunderts enthaltene

Utopie eines Moses

Hess und eines Theodor

Herzl zur idealen jüdischen

Gesellschaft mit

der „mythischen“ Macht

des König David in Verbindung

zu bringen. Vor

allem vor der Realität

des jungen, demokratischen

Staates Israel,

die schon bei der Staatsgründung

1948 mit

dem jüdischen Talent

zur Selbstkritik als dem

Traum nicht ganz entsprechend

wahrgenommen

wurde. Es stimmt

schon, dass Davids politische

Bedeutung archäologisch

nicht belegt

ist und literarisch nur in

den späteren Samuelbüchern

der Bibel tradiert

wird, sie als damals politisch

dienliche Mythenbildung

abzuqualifizieren

hieße Fakten eines

ersten jüdischen Staates

mit der Grundidee einer

nationalen Einheit seit

damals sowie die entscheidende

politische

Botschaft zu vernachlässigen:

König David

erreichte die Einigung

aller israelitischen Stämme

unter seiner Herrschaft,

indem er das

gemeinsame Heiligtum,

die Bundeslade, auf den

Berg Zion schaffen ließ.

Quasi in Umkehrung des

antiken Rechtsgrundsatzes

cuius regio eius

religio [wem das Gebiet

gehört, gehört der

Kult] verschaffte er sich

zwar seine Herrschaft

über den gemeinsamen

Kult, Jerusalem wurde

aber auch politisch zur

Hauptstadt, zur Ir David,

der Stadt Davids.

Sein Sieg über das Seevolk

der Philister ist

auch nur legendär, doch

nachdem diese von Historikern

heute ziemlich

einig griechischer

Herkunft zugeordnet

werden, eignen sie sich

ohnehin kaum für aktuelle

arabische Interpretationen

als „vertriebene

Stammväter“ der

heutigen Palästinenser.

Vergesse ich dich,

Jerusalem …

Nachdem die Einheit des

Reiches nur unter Davids

Sohn Salomo aufrecht

erhalten werden

konnte, das Nordreich

Israel von den Assyrern

zerschlagen, dessen

Oberschicht deportiert

worden war, hatte das

Südreich Juda unter den

Babyloniern das gleiche

Schicksal mit der

Zerstörung des Ersten

Tempels und Deportation

der Oberschicht in

die babylonische Gefangenschaft

erlitten. Diese

erhielt sich jedoch auch

dort ihre jüdische Identität,

Bindung an ihr

Land und die Sehnsucht

nach Rückkehr, wie Klagelieder

und vor allem

Psalm 137/5 belegen. Sie

blieb in den täglichen

jüdischen Gebeten bis

in unsere Zeit erhalten

und überdauerte die

Jahrtausende des wechselvollen

Schicksals des

Landes: Die Rückkehr

nach Jerusalem unter

dem Perserherrscher

Kyros, die Errichtung

des Zweiten Tempels, die

hellenistische Zeit unter

Alexander dem Großen

und den Seleukiden, die

wieder erlangte staatliche

Eigenständigkeit

nach dem erfolgreichen

Makkabäeraufstand bis

zur Eroberung durch

die Römer, deren Gebietsgliederung

in die

Provinzen Syria und Judäa,

die Zerstörung Jerusalems

und des Tempels

im Jüdischen Krieg,

der Fall von Masada, die

Niederschlagung des

letzten jüdischen Aufstandes

unter Bar Kochba

durch Kaiser Hadrian.

Erst durch dessen

Erlass wurde das Land in

„Palästina“ umbenannt,

um die Erinnerung der

unter römischer, sassanidischer,

später byzantischer

Herrschaft stehenden

Bevölkerung an

die vielen, in Folge in der

Diaspora zerstreuten,

aber nie zur Gänze vertriebenen

Juden möglichst

auszulöschen. Die

kriegerische Eroberung

durch die Araber erfolgte

636 und erst seit

deren fortschreitender

Besiedlung wird ganz

Palästina mehrheitlich

von Arabern bewohnt.

Dass über den gesamten

Schalom

9


Verlauf der Geschichte

stets auch eine jüdische

Bevölkerung mit eigenständiger

Kultur in der

Region erhalten blieb, ist

unbestritten und literarisch

belegt, u. v. A. vor

allem durch den Talmud

Yerushalmi [auch Palästinensischer

Talmud]

belegt, wenn auch der

Babylonische Talmud

der Diaspora-Rabbinen

in der Lehre Autorität

erlangte.

Yerushalayim–Al Quds

In den fünftausend Jahren,

in denen archäologische

Ausgrabungen

eine menschliche Besiedlung

der heute als Yerushalayim

oder (arabisch)

Al Quds bekannten

Stadt nachzuweisen

glauben können, war sie

immer nur Hauptstadt

eines israelitischen oder

jüdischen Staates – ausgenommen

die 88 Jahre

des Kreuzfahrerstaates

„Christliches Königreich

Jerusalem“ – und, seit

ihrer Eroberung 638

auch unter ganzer oder

teilweiser muslimischer

Hand nie Hauptstadt

eines islamischen Staates

oder auch nur einer

muslimischen Provinz.

Sie wird weder im Koran

selbst namentlich

erwähnt, noch kann sie

der Prophet Mohammed

historisch je betreten haben.

Warum sollte nur

der davidisch-jüdische

Mythos als „zionistisches

Märchen“ abgetan

werden und einem

muslimischen Mythos

weichen

Nationalitäten

und Demokratie

Weder die Herrschaft

der Mamelucken

[1291–1517] noch die der

Osmanen [1517–1918]

hatte für Palästina eine

eigene Verwaltung vorgesehen

oder das Gebiet

als selbstständige

geografische Einheit

betrachtet, die Region

war für muslimischen

Dynastien ein Teil Syriens,

in dem Juden und

Christen nur theoretisch

(und fälschlich verklärend)

den Status von

Dhimmi [tolerierten

„Schutzbefohlenen“ mit

stark eingeschränkten

Bürgerrechten] hatten.

Real waren Juden auch

dort niemals vor Verhöhnung

und Pogromen

geschützt. Entsprechend

war auch das 19. Jahrhundert

des Nationalismus

im Osmanischen

Reich nahezu wirkungslos

vergangen, konnten

Ideen der Aufklärung

und der modernen Demokratie

erst gar nicht

Fuß fassen. So blieb es

nach dem Ersten Weltkrieg

den vor Ort siegreichen

Westalliierten

– Briten und Franzosen

– überlassen, auf dem

Boden des eroberten

Nahen und Mittleren

Ostens im Ausgleich eigener

Machtinteressen

neue Grenzen zu ziehen,

neue Staaten und Mandatsgebiete

zu schaffen,

in denen man wie bis dahin

von demokratischen

Verhältnissen jedoch

weit entfernt war. Diese

zu realisieren gelang in

der Region erst und bis

heute nur dem Staat Israel.

Arabischer

Antisemitismus

So wie manche Rechte die

zwei Jahrtausende lange

Geschichte des europäischen

Antisemitismus

gerne nur im „Verhalten

der Juden“ begründet

sehen wollen, blenden

auch israelische „neue

Historiker“ der Linken

die Entwicklung des arabischen

Antisemitismus

gerne ganz aus, um ihre

Positionen im aktuellen

Nahostkonflikt halten zu

können. Andere erklären

ihn als Reaktion auf den

Zionismus sowie die verstärkte

Rückwanderung

von Juden in ihre historische

Heimat ab 1880

und sehen auch Zusammenhänge

mit dem Erwachen

des arabischen

Nationalismus um 1920.

Antisemitische Stereotype

in arabischer Sprache

erschienen schon

1921 und 1927 als Roman

und als Übersetzung der

Fälschung „Protokolle

der Weisen von Zion“.

Nach 1947 nahmen arabische

antisemitische

Veröffentlichungen zu,

haben aber auch Wurzeln

im Koran selbst

[„Affen und Schweine“

– 2:65,5, 5:60,7 und

7:166] und im mittelalterlichen

islamischen

Antijudaismus, z. B. des

Gelehrten Ibn Khaldun

im 14. Jh. Die Gründung

des Staates Israel 1948

und deren regionale Folgen

nur auf die Shoah zu

beziehen, für die nur die

Europäer, nicht aber die

Palästinenser die Verantwortung

hätten, ist

reine Polemik und entbehrt

jeder historischen

Basis. Arabischer Nationalismus,

der natürlich

im Gegensatz zum

Zionismus stand, war

schon zur Mandatszeit

für Unruhen, Aufstände

und Judenpogrome

1920 und 1921, vor der

4. Alija, aber auch nach

der 5. Alija 1933–39 verantwortlich.

Einwanderungsbeschränkungen

und -verbote für Juden

seitens der Briten waren

die Folge, die allerdings

dem ursprünglichen

Mandatstext der Förderung

jüdischer Einwanderung

widersprachen.

Der die Unruhen anführende,

spätere „Großmufti“

von Jerusalem,

al-Husaini, stützte seine

politischen Argumente

auch auf seine engen

Beziehungen mit NS-

Deutschland. Das ist

ebenfalls im Kontext des

gemeinsamen Antisemi-

10 Schalom


tismus zu sehen, diente

als Basis für den sich

viel später formierenden

palästinensischen Nationalismus

[PLO-Charta

1968] und ist nichts,

worauf die arabische Seite

sonderlich stolz sein

könnte.

Israels Rückkehr

als Staat

Die neuerliche Gründung

des souveränen

jüdischen Staates dort,

wo Juden seit 4000 Jahren

leben und von wo sie

niemals freiwillig weggingen,

ist die Korrektur

historischer Fehler, die

niemals die Juden selbst

zu verantworten hatten.

Das mit der Staatsgründung

1948 auf arabischer

Seite verbundene Unheil

der Naqba [„Katastrophe“]

hätte verhindert

werden können, hätten

die Araber die UN-Resolution

181 zur Schaffung

eines jüdischen und

eines arabischen Staates

auf dem Mandatsterritorium

nicht zurückgewiesen

und wären sie tatsächlich

an einem eigenen

Staat interessiert gewesen.

Der Teilungsplan

von 1947 hatte ihnen ein

weit größeres Gebiet zugewiesen,

als ihnen nach

den fünf verlorenen Angriffskriegen

ihrer arabischen

Nachbarstaaten

auf den jungen Staat Israel

je verblieben war.

Die arabischen Armeen

überließen nach ihrem

zurückgeschlagenen

Eindringen die Palästinenser

ihrem Schicksal.

Die meisten gingen um

nicht in die Kämpfe von

1948 zu geraten und nur

sehr wenige wurden von

Israel gezwungen zu gehen.

Die arabische Bevölkerung

stieg von November

1948 innerhalb

eines halben Jahres um

zwei Drittel auf 155.000

an, weil viele nach dem

Krieg zurückkehrten und

den Status als gleichberechtigte

Bürger Israels

akzeptierten. Es folgten

bald weitere 150.000

palästinensische Flüchtlinge

nach Israel, heute

zählen wir fast 1,5 Millionen

arabische Israelis,

die auch Stellungen als

Botschafter, in Ministerien

und in der Knesset

einnehmen.

Von „ethnischer Säuberung“

seitens Israels

zu reden entbehrt daher

aller Fakten. Eine

solche gab es allein von

arabischer Seite während

des Krieges 1948

hinsichtlich der 17.000

aus dem Westjordanland

und Jerusalem vertriebenen

oder ermordeten

Juden, denen bis 1967

das Leben in den Territorien

verboten worden

war.

Es war die Entscheidung

der arabischen Staaten,

die Palästinenser nie

bei der Gründung ihres

Staates zu unterstützen,

nicht bei vorherigen

Gelegenheiten wie 1937

[Peel-Kommission],

1939 [MacDonald-

Weißbuch] und 1947

[UN-Resolution 181],

auch nicht, als die Territorien

von 1948 bis

1967 unter jordanischer

bzw. ägyptischer Kontrolle

standen, sondern

ihnen – im Gegensatz

zu 700.000 von Israel

zwischen 1948 und 1951

aufgenommenen und integrierten

Überlebenden

der Shoah und jüdischen

Verfolgten aus der arabischen

Welt – die Integration

zu verweigern,

ihren Status als Flüchtlinge

in Armut bewusst

und künstlich stets aufrecht

zu erhalten und als

politische Waffe gegen

Israel bis heute einzusetzen.

Israel heute

Neid der in Elend Gehaltenen

ist historisch

bestens bewährtes

Grundfutter für Kriege,

Revolutionen und Aggressionen

gegenüber

den Beneideten. Der

trotz innerer Gegensätze

und ständiger äußerer

Bedrohung funktionierende

Erfolgsweg Israels

als demokratischer Staat

mit blühender Wirtschaft

steht in krassem

Gegensatz zu den Bedingungen,

unter denen die

Palästinenser von jenen

eigenen politisch Verantwortlichen

gehalten

werden, die eine binationale

Einstaatenlösung

durchsetzen und das „zionistische

Gebilde“ Israel

als Ganzes vernichten

wollen. Mit international

reichlich fließender

Finanzhilfe an die Palästinensische

Autonomie

werden kaum eigene Infrastrukturen

oder eine

eigene Wirtschaft genügend

aufgebaut, sondern

vorrangig politischer

Widerstand und militärische

Ausrüstung gefördert.

Derart manipuliert

und in Not gehalten, ist

es verständlich, wenn

junge Palästinenser vor

westlichen Kameras klagend

über den Zaun zeigen:

„Drüben in Israel

gibt es Luxus, Unterhaltung

und Arbeitsplätze,

und dort stand das Haus

meines Großvaters!“

Im größten Hindernis

einer Friedenslösung,

der Frage der Rückkehr

der palästinensischen

Flüchtlinge, liegt auch

das Grundproblem: Es

wird nicht die Rückgabe

der großväterlichen Hütten

gefordert, sondern

die späte, mühelose Partizipation

an einer modernen

Welt, die Juden

in sechzig Jahren in ihrer

ewigen Heimat Israel

unter größten Entbehrungen

aufgebaut haben.

Doch die Existenz des jüdischen

Staates beweist,

dass Wunder möglich

sind – so auch das Wunder

des Friedens.

Schalom

11


60 Jahre Erinnerung an das Hadassah Massaker

an der Schwelle der Staatsgründung

von Susi Shaked

Während

Israel

feiert, denkt die

Hadassah gleichzeitig

an den Aderlass am Personal

im Jahr der Staatsgründung.

13. April 1948

In Tel Aviv bereitete

man sich auf die Feierlichkeiten

vor, während

in Jerusalem noch gekämpft

wurde. An diesem

Tag kam der tägliche

Konvoi der Ärzte,

Krankenschwestern und

Patienten ebenso wie

Medikamente, durch

die arabischen Gebiete

an das Hadassah-Spital

am Scopus Berg bringen

sollte, unter Beschuss.

Zehn Fahrzeuge waren

unterwegs, um das Personal

abzulösen. Alle

Fahrzeuge dieses Konvois

waren mit dem roten

Davidstern, also mit dem

jüdischen Äquivalent des

Roten Kreuzes gekennzeichnet.

Es war der tägliche

Ablauf, der die zwei

Busse mit dem medizinischen

Personal sowie

die zwei Ambulanzen

und einen Materialbus in

Begleitung anderer Autos

an den Mount Scopus

bringen sollte. Plötzlich

wurde der Konvoi von

allen Seiten angegriffen.

Gegen diesen Über-

raschungsangriff gestaltete

sich die Verteidigung

schwierig. Sieben

Stunden wurden die

Menschen attackiert,

79 Menschen wurden

erschossen oder verbrannten

in den Fahrzeugen.

Zwanzig von ihnen

waren Frauen, zwanzig

wurden verwundet, viele

der verbrannten Körper

konnten nicht mehr

identifiziert werden. Sie

alle wurden in einem

Massengrab in Sanhedria

beigesetzt. Unter den Toten

befand sich auch der

Direktor der Hadassah

Medical Organization,

Dr. Haim Yassky.

Für den sich neu bildenden

jüdischen Staat im

Jahre 1948 war dieser Tag

eine große Tragödie und

noch heute, im Jahr 2008,

ist dieses Ereignis in der

kollektiven Erinnerung all

jener Menschen, die mit

dem Hadassah-Spital verbunden

sind, eingraviert.

Mount Skopus

aufgegeben

In den Wochen, die diesem

Ereignis folgten,

wütete die Schlacht

um Jerusalem und der

Mount Scopus wurde

den Jordaniern überlassen.

Das Hadassah-Spital

am Mount Scopus wurde

aufgegeben und Hadassah

errichtete kleine Ambulanzen

und Behandlungszentren

in ganz Jerusalem.

Der Verlust von

fast 80 Mitarbeitern war

ein enormer Einschnitt

im Leben der Hadassah

Medical Organization.

Während die physischen

Möglichkeiten verloren

gingen, blieben der Geist

und die Energie, die Vision

der Gründerin Henrietta

Szold, erhalten.

David Ben-Gurion stellte

der Präsidentin von

Hadassah ein Stück Felsen

außerhalb von Jerusalem

in Ein Kerem für

ein neues Spital zur Verfügung.

Es dauerte über

ein Jahrzehnt, bis genügend

Geldmittel zur Verfügung

standen, um das

Hadassah Medical Center

Ein Kerem zu errichten.

Marc Chagall gestaltete

die Synagoge in Ein

Kerem, die seither von

Tausenden Besuchern

jährlich besichtigt wird.

Die Vision der

Henrietta Szold lebt

weiterhin

Im Juni 1961 füllten sich

die Räume mit ersten Patienten.

1967, nach dem

Sechstagekrieg, wurde

das Gebäude am Scopus

Berg wieder übernommen

und renoviert.

An den Hadassah-Spitälern,

am Mount Scopus

ebenso wie in Ein

Karem, arbeiten Araber

und Juden miteinander

und nebeneinader. Patienten

jedweder Herkunft

werden behandelt. Was

zählt, ist das Wohlergehen

und die Gesundung

des Patienten.

Träger dieser beiden

Spitäler ist die von Henrietta

Szold im Jahr 1912

gegründete Frauenorganisation

Hadassah, The

Women Zionist Organization

of America.

Die im Jahre 1961 in Besitz

genommenen Gebäude

sind inzwischen in

die Jahre gekommen. Die

Stadt ist größer geworden

und eine Restrukturierung

von Ein Kerem

macht es notwendig, einen

neuen Spitalskomplex

zu erbauen. Intendiert

ist ein Gebäude für

Spitzenmedizin mit Zugang

zu den modernsten

und fortschrittlichsten

medizinischen Einrichtungen.

Das Jahr 2012

soll nicht nur den 100.

Geburtstag der Hadassah

markieren, sondern

auch den Startschuss

zur Eröffnung des neuen

„Tower of Healing“ bilden,

mit Ein- und Zweibettzimmern,

Gartenanlagen

auf jedem Stockwerk,

lichtdurchfluteten

Räumen und der besten

Versor-

medizinischen

gung.

12 Schalom


50 Jahre Diplomatie Österreich-Israel

von Kurt Hengl

Vor 60 Jahren machten

die mutigen

Gründungsväter Israels

den Jahrtausende alten

Traum von der Rückkehr

in die Heimat wahr; 2006

feierten Österreich und

Israel mit vielen Veranstaltungen

das Bestehen

diplomatischer Beziehungen

seit 1956; Aus diesem

Anlass möchte ich,

ehemaliger Botschafter

in Israel, einige Entwicklungen

der bilateralen Beziehungen

der jüngeren

Zeit aus persönlicher

Erinnerung aufzeigen.

Die engagierte Außenpolitik

von Bruno Kreisky

brachte erstmals beide

Staaten auf Konfrontationskurs:

Golda Meir

konnte Kreisky nicht abbringen,

das Lager Schönau

zu schließen; die

Anerkennung der PLO

durch Österreich und

Kreiskys Verachtung Menachem

Begins ließen die

Beziehungen zwischen

beiden Ländern erstarren.

Die Erwartung einer

Verbesserung nach dem

Abgang Kreiskys erfüllte

sich nicht: Die nächste

Krise wurde durch Israels

Ablehnung von Bundespräsident

Waldheim

wegen seiner Kriegsvergangenheit

hervorgerufen

Israel ließ den Botschafterposten

in Wien

Israel Diplomatic Network

Newsletter der Botschaft des Staates Israel

unbesetzt, während der

österreichische Botschafter

in Israel noch lange

Zeit in Israel verblieb

und sogar Doyen des CD

wurde. Als seinen Nachfolger

entsandte Österreich

1990, der Reziprozität

entsprechend, den

Verfasser als Geschäftsträger,

mit dem Auftrag,

keinerlei Aktivitäten zu

entfalten ...

Auf den für die österreichische

Gesellschaft heilsamen

Schock über die

unbewältigte Vergangenheit

gehen wir hier nicht

ein, doch ebneten entsprechende

Erklärungen

von Bundeskanzler Vranitzky

im Juni 1993 an

der Hebräischen Universität

über Österreichs

Mitverantwortung den

Weg für eine völlige Versöhnung

seitens Israels.

Israel versetzte kurzerhand

wegen der FPÖ-Regierungsteilnahme

ohne

Ersatz seinen Botschafter.

Dank des Weisenberichts

vom September

2000 gaben die diversen

EU-Staaten erleichtert

ihre Sanktionen gegen

Österreich auf; nur Israel

versäumte die Chance,

mit Österreich wieder

normale Beziehungen zu

reetablieren. Der damalige

Botschafter Wolfgang

Paul bemühte sich redlich,

durch Aufklärungsarbeit

die israelischen

Meinungsbildner umzustimmen

– einige waren

jedoch noch lange nicht

bereit, aus Weisenbericht

Österreichs Botschafter verneigt sich vor dem Staatsoberhaupt

und fortwährender Praxis

der österreichischen

Regierung (Gründung

des Nationalfonds,

Kunstrestitutionsgesetz)

versöhnliche Schlüsse zu

ziehen.

Bundeskanzler Schüssel

entschied persönlich,

keine Niederstufung

vorzunehmen und entsandte

einen Botschafter.

Der Verfasser wurde erneut

mit dieser Funktion

betraut – es galt wieder,

geduldig und verständnisvoll

den israelischen

Entscheidungsträgern

seine beachtlichen Bemühungen

der Entschädigung

jüdischer Opfer

des Naziregimes näher

zu bringen; nicht weniger

gewichtig war das

Engagement im euro-

päischen Kampf gegen

Neonazismus sowie für

die Erziehung der Jugend

zu Toleranz und Verständnis

der Shoa.

2003 beschloss Ministerin

Ferrero-Waldner, initiativ

in Israel selbst die

Frage der politischen Beziehungen

anzusprechen.

Zur allgemeinen Erleichterung

erklärte die israelische

Seite, dank der

gegenwärtigen guten Atmosphäre

gäbe es keinen

Grund (mehr), die politischen

Kontakte nicht

wieder zu normalisieren;

Avraham Toledo konnte

sein Beglaubigungsschreiben

überreichen.

Seit dieser formalen Bestätigung

der guten Beziehungen

setzte eine

bis heute andauernde

erfreuliche Entwicklung

Kontakte ein:

Knessetpräsident Rivlin

gab schon kurz nach seinem

Empfang durch Nationalratspräsident

Prof.

Khol ein überschwänglich

positives Interview

über die Haltung Österreichs

zu Israel. Im Okto-

14 Schalom


er 2004 folgte der erste

(!) Staatsbesuch eines israelischen

Präsidenten in

Österreich, als Gegenbesuch

zu Bundespräsident

Klestils Reise nach Jerusalem

10 Jahre zuvor.

Dr. Fischer konnte mit

dem betont rechtsnationalen

Moshe Katsav

eine Vertrauensbasis

schaffen und ihn von der

Redlichkeit der österreichischen

Bemühungen

überzeugen. Ein denkwürdiger

Besuch des KZ

Mauthausen vereinte die

beiden an dem Ort, der

an die Mitverantwortung

der österreichischen Nation

für die Gräuel der

Naziherrschaft mahnt.

Erfreulicherweise ist

noch für das Jahr 2008

ein Gegenbesuch von

Bundespräsident Fischer

bei seinem seit Juli 2007

neuen Amtskollegen,

Nobelpreisträger Shimon

Peres, vorgesehen.

Wie bedeutsam persönliche

Kontakte für die

Vertiefung politischer

Beziehungen sind, beweist

das ausgezeichnete

Verhältnis, welches unsere

gegenwärtige Außenministerin,

Dr. Ursula

Plassnik, mit ihrer

kometenhaft aufgestiegenen

israelischen Kollegin

Tzipi Livni pflegt.

Diese bescheinigt der

österreichischen Außenpolitik

eine konstruktive

Haltung im Nahostkonflikt

– Österreich zähle

zu den echten Freunden

im EU-Konzert. Ministerin

Plassnik ergriff auch

die Initiative, Frauen in

führenden politischen

Positionen aus vom Nahostkonflikt

betroffenen

Ländern nach Wien einzuladen:

Livni, gegenwärtig

auch Chefunterhändlerin

mit der Palästinensischen

Behörde,

traf hier erstmalig einige

hochrangige palästinensische

Politikerinnen.

Bundeskanzler Gusenbauer und

Botschafter Hengl bei Kranzniederlegung

in Yad Vashem

Der jüngste Besuch von

Bundeskanzler Dr. Alfred

Gusenbauer im September

2007 in Israel, 14

Jahre nach dem historischen

Bekenntnis von

Österreichs Mitverantwortung

aus dem Mund

von Kanzler Vranitzky,

zementierte die nunmehr

ausgezeichneten Beziehungen

zwischen beiden

Ländern. Österreich

ist aufgerufen, dank des

Spitzenniveaus der israelischen

Forschung, zu

gemeinsamem Nutzen

verstärkt zusammenzuarbeiten.

Die diversen Freundschaftsgesellschaften

für Israel und seine kulturellen

Institutionen

stellen ein wesentliches

Bindeglied zu Israel dar,

angefangen von der ÖIG,

die auf ein 45-jähriges

Wirken zurückblicken

kann, während dessen

zahlreiche Projekte in Israel

verwirklicht wurden.

(Nittel-Verkehrserziehungspark

in Jerusalem,

benannt nach dem 1981

von palästinensischen

Terroristen ermordeten

Präsidenten der ÖIG).

Das Magazin SCHA-

LOM, das Sie in Händen

halten, feiert bereits sein

40-jähriges Jubiläum.

Neben vielen anderen

seien erwähnt die

spendenfreudigen Gesellschaften

für die Hebräische

Universität in

Jerusalem samt dessen

Austria Center und Kardinal–König-Lehrstuhl,

für die Tel Aviv-Universität

und für die Jerusalem

Foundation. Auch

der Nationalfonds sowie

der Zukunftsfonds geben

wertvolle bilaterale

Impulse (Erwerb des

Clubs der Österreicher in

Tel Aviv; Werk über die

86 österreichischen „Gerechten“

unter den Nationen).

Das 60 Jahre junge Israel

bewährte sich in einem

heldenmütigen Kampf

ums Überleben und kann

auf bewundernswerte

wirtschaftliche und kulturelle

Aufbauleistungen

sowie wissenschaftliche

Spitzenleistungen hinweisen.

Es möge dank innerlich

demokratischer

Stärke seinen erfolgreichen

Weg fortsetzen

und zum Wohl der gesamten

Region auch zu

seinen problematischen

Nachbarn zur rechten

Zeit das rechte Wort finden.

Dr. Kurt Hengl,

war bis 2007 österreichischer

Botschafter

in Israel

Schalom

15


Die Bedrohung ist ein Chamäleon

60 Jahre Freivolk in Zions Jerusalem Land

von Karl Semlitsch

Am Morgen nach

der Ausrufung

des Staates Israel am

14. Mai 1948 brach der

Krieg in die Laubhütte

Israel in Gestalt von

fünf regulären Armeen

ein. Ein scheinbar aussichtsloser

Kampf, denn

diesen organisierten Armeen

stellten sich allein

eine Ansammlung von

Untergrundkämpfern,

Weltkriegserprobten

und Freiwilligen dagegen.

Erst im Kampfe

sollten sie zur neuen

israelischen Armee werden.

Aber nach mehr

als einem Jahr unglaublicher

Entschlossenheit,

großartigem Opfermut

und höchster Improvisation

stand ein Waffenstillstand

fest und damit

war der Staat Israel Realität

geworden.

Die Proklamation zur

Errichtung des neuen

Staates „kraft des natürlichen

und historischen

Rechts des jüdischen

Volkes und auf Grund

des Beschlusses der

UNO-Vollversammlung“

war kein Stück

Papier mehr. Und die

Schlußzeile des Liedes

„dass ein Freivolk wir

wieder werden, in Zions,

Jerusalem Land“ konnte

Text der Nationalhymne

Israels werden. Eine Erfolgsgeschichte

konnte

beginnen.

Andere mögen Kriege

verlieren, du glückliches

Israel keinen

Zum ersten Male kam

aber auch die Erkenntnis

auf, dass die angreifenden

Nachbarn noch

viele Kriege verlieren

dürfen, Israel aber keinen

einzigen. So wurde

die Israeli Defence

Force, die IDF, zu einem

der entscheidenden Faktoren,

dass aus der losen

Laubhütte Israel ein

festes Haus Israel werden

konnte. Der Preis

war stete Wachsamkeit,

24 Stunden Einsatzbereitschaft,

36 Monate

Wehrpflicht für Männer

und 24 Monate Wehrpflicht

für Frauen.

In der Suezkrise 1956,

im Sechstagekrieg 1967

und im Jom Kippur-

Krieg 1973 standen jedesmal

reguläre Armeen

der Israeli Defence Force

gegenüber. Die IDF war

unverändert hoch in

Entschlossenheit und

Opfermut, jedoch diesmal

bestens organisiert

und selbst dem Überraschungsangriff

am

Beginn des Jom Kippur-

Krieges gewachsen. Das

war der Stoff aus dem

der Nimbus der Unbesiegbarkeit

kam.

Bedrohung durch

klassische Streitkräfte

Der Jom Kippur Krieg

sollte für die IDF bis

heute der letzte große

Krieg gegen eine reguläre

Armee gewesen

sein. Das liegt aber nicht

daran, dass es an militärischem

Potential fehlt.

Die IDF verfügt heute

über ein präsentes Heer

von über 160.000 Soldaten,

Ägypten von über

rund 450.000, Jordanien

über rund 100.000, Syrien

über rund 280.000

und der Libanon über

rund 50.000, alle ohne

Reserven. Zum Potenzial

des Nahen Osten

gehören auch die Streitkräfte

des Iran mit über

500.000 Soldaten und

von Saudi Arabien mit

über 200.000 Soldaten,

ebenfalls ohne

Reserven. Nur

der Irak zählt

derzeit nicht.

Das Militärpotenzial

in den

Nachbarstaaten

ist da, aber die

politische Lage

mit und in den

Nachbarstaaten

hat sich wesentlich

verändert.

Ägypten und

Jordanien stehen

in einem

Friedensvertrag mit Israel.

Syrien hat die große

Unterstützung durch die

Auflösung der Sowjetunion

verloren. Der Libanon

ist damit beschäftigt,

wenigstens einen

Teil seiner Souveränität

im eigenen Land aufrechtzuerhalten.

Und Israels

Armee ist zu Lande,

in der Luft und auf See

nicht aus Pappe. Aktuell

steht keine bedrohliche

Armee vor den Toren Israels,

das müßte eigentlich

Frieden bedeuten.

Bedrohung durch

asymmetrischen Krieg

Doch die Bedrohung ist

ein Chamäleon. Dies-

16 Schalom


mal kommt sie nicht in

Gestalt einer klassischen

Armee nach Israel,

sondern in Zivil, ohne

Uniform, bestenfalls

manchmal vermummt.

Sie rekrutiert sich aus

militanten palästinensischen

Organisationen,

die die Existenz des

Staates Israel nicht anerkennen.

Die hochgerüstete

israelische Armee

steht damit provisorisch

ausgerüsteten Kämpfern

gegenüber. Nicht im

Felde sondern mitten in

den Städten. Sie bewegen

sich inmitten der Menschenmenge,

tauchen

rasch auf und ebenso

rasch unter. Als Waffen

reichen Sprengstoffgürtel,

Handgranaten,

selbstzusammengebaute

Raketen. Und einige

sind zum Selbstmordattentat

bereit. Nicht der

physische Schaden steht

im Vordergrund, sondern

die psychischen

Folgen der Gewaltakte.

Sie sollen Angst und

Schrecken verbreiten,

politische Destabilität

erreichen und letztlich

die Zerrüttung des politischen

Willens des Gegners

erzwingen.

Der Krieg der Waffen

wird nachrangig, der

Krieg der Bilder wird

vorrangig.

Dort, wo die verwundbarsten

Stellen sind wird

zugeschlagen: in der Infrastruktur

und bei allen

Benützern dieser Infrastruktur,

ein moderner

Staat hat viele solcher

Stellen.

Der Abschuß einer Rakete

aus dem Gazastreifen

auf ein Kaufhaus in

Sderot ist militärisch

völlig sinnlos, weder

wird ein Kampffahrzeug

ausgeschaltet noch

die Armeelogistik auch

nur eine Sekunde lang

unterbrochen. Aber das

Bild mit der Botschaft

„Selbst das könnt ihr

nicht schützen“ geht sicher

um die Welt. In

den ersten vier Monaten

2008 wurden bereits

über 1500 Qasamraketen

vom Gazastreifen auf

Süd-Israel abgeschossen,

davon bisher 685 allein

auf die Stadt Sderot.

Wer immer sich einer

solchen asymmetrischen

Bedrohung gegenübersieht,

der braucht einen

langen Atem, denn der

personelle und der materielle

Nachschub scheint

unerschöpflich.

Doch diese aggressiven

militanten Organisationen

stehen nicht alleine,

sie erhalten materielle

und ideelle Unterstützung

insbesondere

vom neuen Aufsteiger

der Region, vom Iran.

Die derzeitige Staatsführung

des Iran läßt keinen

Zweifel aufkommen,

dass sie das Existenzrechts

des Staates Israel

nicht akzeptiert und was

immer von ihren Aussagen

übersetzt wird, es

kommt auf Auslöschen

und Verschwinden heraus.

Das haben wir

doch schon einmal so

ähnlich gehört.

Die neue Mega-Bedrohung

Nuklearwaffen

Nicht jeder Krieg im

Nahen Osten bedeutet

Krieg gegen Israel.

Der mit Abstand verlustreichste

aller Kriege

tobte zwischen Irak

und Iran 1980/88 und

es ging um die regionale

Vormacht. Auch

mit chemischen Waffen

seitens des Irak, damals

noch die „Atomwaffe

des kleinen Mannes“ genannt.

Doch wer heute den

Status einer Regionalmacht

im Nahen Osten

anstrebt, gibt sich

damit nicht zufrieden.

Aktuell strebt der Iran

ganz offiziell an, „das

souveräne Recht, einen

vollständigen Kreislauf

spaltbaren Materials,

inklusive der Urananreicherung

wahrzunehmen“,

und es ist klar genug,

dass das die grundlegende

Voraussetzung

für die Herstellung von

Nuklearwaffen ist.

Die UNO hat bisher weder

mit Sanktionen noch

mit diplomatischen Mittel

diese Absicht stoppen

können. Falls Clausewitz

Recht hat und der „Krieg

die bloße Fortsetzung

der Politik mit anderen

Mitteln ist“, dann würde

die bloße Fortführung

dieser Politik die Welt in

einen politischen Alptraum

führen. Würde,

falls nichts dagegen getan

wird.

Mag. Karl Semlitsch

Generalmajor i. R.

Schalom

17


60 Jahre Wirtschaft in Israel -

von Ilan Knapp

Ich möchte hier kurz

auf drei Punkte eingehen

– die wirtschaftlichen

Beziehungen

zwischen Österreich

und Israel, ein genereller

Rückblick auf Israels

Wirtschaftsperioden

und die aktuelle

Lage.

Die wichtigsten ökonomischen

Errungenschaften

Israels sollen

gleich zu Beginn genannt

werden:

1. der Anstieg des

Bruttonationaleinkommens

Israels in den

letzten 60 Jahren um

das 60-fache, was einen

Anstieg von 7% im Jahr

bedeutet.

2. das Wachstum der Bevölkerung

Israel um das

Zehnfache (4% Anstieg/

Jahr), und

3. das Anwachsen des

Bruttonationaleinkommens

pro Kopf um das

Sechsfache.

Diese drei Daten machen

Israel zu einem

einzigartigen Phänomen

und zu einer Art Wirtschaftswunder.

Eigentlich

gehören Staaten mit

einem rasanten Bevölkerungswachstum

zu den

ärmsten der Welt, doch

nicht so in Israel, wo sich

die Wirtschaft auf einem

Höhenflug befindet.

Wenn man sich etwa die

wirtschaftlichen Beziehungen

zwischen Israel

und Österreich ansieht,

so haben diese einen

vorläufigen Höhepunkt

erreicht.

Ein kurzer Rückblick auf

die Handelsbeziehungen

zwischen den beiden

Ländern, soll das verdeutlichen:

inves-

Textilindustrie

tiert.

Die ersten Jahre der

Wirtschaftsbeziehungen

waren vor allem durch

Kompensationsgeschäfte

geprägt (israelisches

Obst und Gemüse

wurde gegen österreichische

Rohstoffe und

Maschinen getauscht).

Der bilaterale Handel

entwickelte sich aber im

Einklang des wirtschaftlichen

Aufschwunges.

Hier wurde vor allem in

den späten 60er Jahren

stark in die israelische

Papier-, Chemie- und

Israel bietet heute einen

hoch entwickelten

Markt mit stabilen Rahmenbedingungen

und

liberalen Marktzugangsbedingungen,

da es ein

Assoziationsabkommen

mit der EU hat.

Im Vorjahr exportierte

Israel um 123 Millionen

Euro nach Österreich,

was einen Anstieg

um 23% bedeutet.

Doch kehren wir zur

israelischen Wirtschaft

an sich zurück – man

kann sie im Rückblick in

drei Phasen unterteilen:

Phase 1: 1948 – 1978

(Staatsgründung – bis

zum Yom Kippur-Krieg)

Phase 2: 1973 – 1985

(Yom Kippur-Krieg bis

zum Stabilisierungsprogramm)

Phase 3: seit 1985

Für die Phase 1 sind

Wirtschaftswachstum

und Bevölkerungsanstieg

charakteristisch.

Ein goldenes Jahrzehnt

gab es dabei zwischen

1954 und 1965 – trotz

der großen Aufnahme

von Einwanderern

schaffte es Israel, sich zu

einem Staat mit westlichem

Lebensstandard

zu entwickeln.

Phase 2 war eher schwierig

und führten zur Notwendigkeit

des Stabilisierungsprogrammes

durch die Bank of Israel

und das Finanzministerium.

Phase 3 wird von der

modernen Marktwirtschaft

geprägt.

Die Wachstumsrate des

Pro-Kopf-Einkommens

seit 1985 in einem beinahe

ununterbrochenen

Aufwärtstrend und liegt

heute bei 3,5%. Die gegenwärtige

Inflationsrate

ist die niedrigste, die

Israel jemals gekannt

hat, genauso die Rate

der Militärausgaben.

Während Israel lange

mehr importiert als exportiert

hat, hat sich das

in den letzten drei Jahren

verändert, und Israel

ist nunmehr ein Staat,

der sich wirtschaftlich

selbst erhält. In den

letzten 20 Jahren wurde

die Infrastruktur für ein

18 Schalom


eine Erfolgsgeschichte

langfristiges Wachstum

geschaffen.

Werfen wir nun einen

Blick auf die aktuelle

Lage. Wie ist es um

Israels Wirtschaft 2008

bestellt

Israels turbulente Geschichte

hat eine Kultur

der Innovation erzeugt,

die oft auf schierer Notwendigkeit

basiert:

Effektive Nutzung begrenzter

Ressourcen,

intelligente Improvisation

und eine Ethik des

Durchhaltens im Angesicht

von Widrigkeiten

haben dazu beigetragen,

dass innerhalb von 60

Jahren eine moderne

westliche Wirtschaft,

Armee und Infrastruktur

aufgebaut worden

sind.

Israelische Jungunternehmer

und Unternehmensgründer

profitieren

auch von der allgemeinen

Wehrpflicht, denn

sie werden dadurch nicht

nur mit unabwägbaren

Herausforderungen vertraut,

sondern auch mit

hoch entwickelter Technologie.

Der israelische

Unternehmer verfügt

über ein hohes Maß

an Flexibilität und beherrscht

häufig mehrere

Fremdsprachen.

Der Anteil von Universitätsabschlüssen

in Israel

ist gemessen an der

Gesamtbevölkerung

der höchste weltweit.

In Israel haben 24%

der Arbeitnehmer einen

Universitätsabschluß

(56,6% davon sind

Frauen) – damit befindet

sich Israel an dritter Stelle

hinter den USA und Holland.

12% haben einen

höheren Universitätsabschluß,

56,4% der Israelis

haben Bagrut (Matura).

Nach Jahrzehnten der

Entwicklung im Bereich

der Wassertechnologie

mit dem Ziel, „Die Wüste

zum Blühen zu bringen“,

konzentriert sich

Israel nun darauf, seine

Produkte im Ausland zu

verkaufen. Hierzu gehören

ultraviolette Lichttechnologie

zur Reinigung

von Wasser und

ein Recycling-System,

das mit Hilfe von Bakterien

organischen Müll

beseitigt.

Produkte aus organischer

Landwirtschaft

sind im Aufschwung,

wobei der Großteil der

Exporte (93%) Europa

betrifft.

Medizinische Technologien

aus Israel (gegen

Alzheimer und zur Behandlung

von Infektionskrankheiten),

entwickelt

an der Tel Aviv-

Universität, sind unter

jenen, der essenziellen

Technologieentwicklungen

für die Welt.

Eine Wirtschaftsbranche,

in der viele Innovationen

in Israel erdacht,

entwickelt und vertrieben

werden, ist die Softwareindustrie.

Software aus Israel ist

heute in beinahe jeder

Firma der westlichen

Welt zu finden. (Internet-Firewall,

Rechnungsstellung

per Mobiltelefon,

Voicemail,

etc). Israel baut seine

Position als weltweites

Zentrum in diesem Gebiet

stetig weiter aus.

In den frühen 90er Jahren

belief sich die Zahl

der Software-Exporte aus

Israel noch auf 90 Millionen

Dollar, heute wurde

bereits die Schwelle

von 3 Milliarden Dollar

überschritten.

Israelische Start-Up-

Unternehmen werden

unter anderem an Technikgiganten

wie Microsoft,

IBM und Siemens

verkauft.

Seit März ist Israel Mitglied

des OECD-Entwicklungszentrums.[10]

Im Frühjahr 2008 wird

die israelische Währung

in das Continous Linked

Settelment System aufgenommen,

was wegen der

dafür zu erfüllenden Bedingungen

ein Güteprädikat

für die israelische

Wirtschaft darstellt.

Die Kreditwürdigkeit Israels

wurde daher durch

mehrere führende Unternehmen

hochgestuft.

In diesem Jahr feiert Israel

sein sechzigjähriges

Bestehen. Dieses Jubiläum

ist an sich schon

ein Grund zum Stolz.

Doch der Rückblick auf

sechzig Jahre Wirtschaft

in Israel kann noch

mehr Anlass zur Freude

bieten.

Dr. MMag. Ilan Knapp

leitet das JBBZ

in Wien

Schalom

19


Eeva-Elisheva Huber-Huber,

Vorstandsmitglied der ÖIG und

Adalbert Huber-Huber sind tot.

Am 25. April 2008 haben

wir Abschied von

Eeva-Elisheva Huber-Huber

und ihrem Gatten Adalbert

Huber-Huber genommen. Sie

sind am 19. April bei einem

Autounfall in Rumänien ums

Leben gekommen.

Wie schon seit Jahren, waren

sie wieder zu einer jüdischen

Gemeinde unterwegs, um

Hilfsgüter abzugeben und

diesmal auch, um mit Freunden

Pessach zu feiern.

In Siebenbürgen, in der Nähe

von Turda, geschah dann das

Schreckliche. Ein entgegenkommender

Pkw, der durch

ein Überholmanöver auf die

Gegenfahrbahn geraten war,

rammte frontal ihren Kleinbus.

Es blieben ihnen keine

Überlebenschancen, beide

konnten nur noch tot geborgen

werden, ein mitfahrender

Journalist wurde schwer verletzt.

Mit dem Ehepaar Huber-

Huber verliert die Welt zwei

außergewöhnliche Menschen!

Gemeinsam führten sie einen

jahrzehntelangen Kampf, um

die Not der Juden, besonders

in Rumänien, zu lindern und

um ihnen effektiv zu helfen.

Eeva, die in Finnland in

einem Pastorenhaus aufwuchs,

lernte schon früh von

ihren Eltern, das Wenige das

sie hatten, mit Ärmeren zu

teilen. Vor allem aber prägte

sie deren Umgang mit dem

jüdischen Volk, denn, wie

sie später in einem Lebensrückblick

selbst schrieb: „…

es wurde mit Achtung und

Würde über das jüdische Volk

gesprochen.“

Nach ihrer Matura, arbeitete

Eeva in Helsinki als Journalistin,

schrieb Musikkritiken

und arbeitete auch kurz in

der Schweiz in einem Kinderheim.

Durch ihren Gatten,

den sie in Deutschland kennen

lernte, übersiedelte sie

nach Wien und begann hier

schon bald die Arbeit, die

sie über 28 Jahre fortführen

sollte: Sie stellte sich ganz in

den Dienst notleidender Juden.

Schon früher, Anfang der

80er Jahre, hatte sie Juden in

der Sowjetunion, die damals

noch nicht ausreisen durften

und in größter Armut lebten,

mit Lebensmittel, Geld und

Sachspenden unterstützt.

Im Jahr 1986, gründete sie in

Wien, mit Hilfe von Spenden

ihrer finnischen Freunde ein

Zentrum für ihre Hilfstätigkeiten

in der Schüttelstraße.

In ihrem Lebensrückblick

erzählt sie: „…Ende 1986

erlaubte Gorbatschow die

Ausreise für Juden. Durch

Mundpropaganda erfuhren

die Sowjetjuden, die zuerst in

Österreich auf ihre Weiterreise

warten mussten, von dem

Zentrum, wo ihnen geholfen

wurde. Es kamen jeden Tag

hunderte Menschen. Die ersten

warteten bereits um sieben

Uhr in der Früh, damit

wir die Tür für sie öffneten,

die letzten gingen um 22 Uhr.

Es gab Schulen für Kinder,

Vorträge für Erwachsene,

Ärzte, Frisör, Essen, Kleiderverteilung,

Konzerte, Filmabende,

jüdische Feste wurden

gefeiert. Am Anfang war

ich allein, meine Familie half

mir. Dann kam eine Freundin

zur Hilfe, dann eine zweite.

Aus Finnland meldeten sich

immer ehrenamtliche Mitarbeiter.

Zurückblickend bin ich

überrascht, wie wir diese Zeit,

die fünf Jahre dauerte, bewältigen

konnten. Insgesamt ca.

60.000 Menschen besuchten

unser Zentrum und zusätzlich

besuchten wir sie in ihren

Unterkünften.“

Ein weiteres Anliegen Eevas

war es, zum Dialog zwischen

Christen und Juden beizutragen.

Sie erkannte, dass Antisemitismus

zum Teil auch

mit Unwissenheit zu tun hatte

und versuchte Christen darüber

aufzuklären „welches

Erbe sie in ihrer Religion vom

Judentum haben und dass die

ganze westliche Gesetzgebung

ihren Ursprung im Judentum

hat. Ich wollte und will etwas

tun – auch wenn ich allein

nicht viel tun kann – damit

ein Holocaust nie mehr möglich

sein kann.“

1990, nach der Revolution in

Rumänien, organisierte Eeva

die ersten Hilfstransporte

für jüdische Gemeinden,

zunächst in Oradea, später

in 18 weiteren Gemeinden.

Anfangs fuhr sie einmal im

Monat, später mehrmals pro

Jahr nach Rumänien, zwischendurch

noch überall

dorthin wo ihre Hilfe sonst

nötig war, wie z. B. während

des Jugoslawienkrieges, nach

Sarajevo. Wenn sie nicht gerade

auf Reisen war, wurde die

Zeit mit Sammeln und Verwalten

von Kleidern, Sachund

Geldspenden genützt.

Eeva unternahm Vortragsreisen,

um für ihre Aktionen

zu werben und verstand es

auch durchaus, finanzkräftige

Spender ausfindig zu machen.

So veranlasste sie z.B.

die Wiener Symphoniker, in

Bregenz bei den Festspielen

für die Hilfstransporte nach

Sarajevo zu sammeln.

2003 wurde aus der großen

Freundin der Juden, selbst

eine Jüdin. Sie konvertierte

und hatte jetzt offiziell ihre

geistige Heimat in der liberalen

jüdischen Gemeinde

„Or Chadasch“, mit der sie

schon seit Jahren eng verbunden

war.

2006 wurde sie auf Anregung

von Staatsoperndirektor Ioan

Holaender, der auch die Laudatio

hielt, mit dem Goldenen

Ehrenzeichen der Republik

Österreich ausgezeichnet.

Unter den zahlreichen Gratulanten

und Gratulantinnen

befanden sich die Botschafterin

Finnlands, der Botschafter

Rumäniens und der

Botschafter Israels in Österreich.

Es war dies eine wohlverdiente

Würdigung Eevas

für ihren jahrelangen Einsatz,

jüdischen Gemeinden in Osteuropa

zu helfen und für ihre

Vermittlung zwischen Juden

und Christen.

Eeva war Vorstandsmitglied

des ehemaligen Vereins

„Österreichisches Dialogforum

für Israel“, den sie mitgegründet

hatte und wurde

2006 in den Vorstand der

ÖIG gewählt.

Bei all ihren Tätigkeiten hatte

sie einen besonderen Helfer

zur Seite, nämlich ihren

Mann, Berti, der ihr stets mit

Rat und Tat zur Seite stand.

Auch ihre beiden Kinder, Tamara

und Samuel nahmen regen

Anteil an den Unternehmungen

ihrer Eltern. Tamara

schrieb mir, dass ihre Eltern

alles gemeinsam gemacht hätten

und dass der Vater immer

hinter allen Aktivitäten seiner

Frau gestanden sei. Die

Arbeit für den Verein „Hilfe

und Hoffnung“, den Eeva in

den 80er Jahren gegründet

hatte, lag ihm besonders am

Herzen und nach seiner Pensionierung

vor etwa 3 Jahren

machte er alle Rumänienreisen

jetzt regelmäßig mit seiner

Frau gemeinsam.

So auch dieses Mal, es sollte

das letzte Mal sein.

Mit Eeva-Elisheva und Adalbert

Huber-Huber verlieren

wir zwei große Menschen, die

nie müde wurden, die Armut

in den jüdischen Gemeinden

Osteuropas zu bekämpfen

und dadurch die Welt ein

Stück besser zu machen. Sie

werden uns sehr fehlen.

Traude Litzka

20 Schalom


Yissakhar Ben-Yaacov:

Leben für Israel. Erinnerungen eines Diplomaten.

Hoffmann und Campe Verlag, Hamburg 2007. 330 S. Euro 22,70

ISBN 978-3-455-50041-7

Die Autobiografie des israelischen

Diplomaten

Yissakhar Ben-Yaacov Leben

für Israel ist für österreichische

Leserinnen und Leser nicht

nur deshalb von großem Interesse,

weil man darin viel über

die vier Jahre erfährt, in denen

Ben-Yaacov als Botschafter

in Wien stationiert war. Sondern

das Buch bietet auch ein

faszinierendes Beispiel einer

gelungenen Verbindung der

persönlichen Lebensgeschichte

mit tiefen Einblicken in das

Berufsleben. Die Motivation,

die den Autor beim Schreiben

geleitet hat, mag dazu beigetragen

haben: Einerseits die

Pflicht, als Überlebender den

Enkelkindern seinen Lebensweg

zu schildern und andererseits

die Absicht, jene jungen

Menschen zu animieren, die

sich mit dem Gedanken tragen,

den diplomatischen Beruf

zu ergreifen. Die Lektüre dieses

Buches kann für letztere Gruppe

vor allem durch das Beispiel

von Ben-Yacoovs hohem

Maß an ständiger Einsatzbereitschaft

im Dienst für Israel

und seine Menschen zu einem

verlässlichen Prüfstein werden

– bestens dafür geeignet, eventuelle

Wunschvorstellungen an

der Realität zu messen. Neben

grundsätzlichen Überlegungen

findet sich aber auch genügend

Platz für Anekdotisches.

1922 als Sohn der Kaufmannsfamilie

Jacobson in Hamburg

geboren, wurde ihm nach

seinem Urgroßvater Rabbiner

Jacobson der hebräische

Vornamen Yissakhar gegeben.

Die standesamtliche Namensgebung

lautete auf die Namen

Walter Bernhard, was manche

Mitglieder der gesetzestreuen

Familie irritierte. Voller Dankbarkeit

erinnert sich heute Ben-

Yaacov an die jüdisch-religiöse

Erziehung in Elternhaus und

Schule. Nicht minder dankbar

ist er seinem Vater Salomon für

die politische Wachsamkeit, die

ihn rechtzeitig die tödliche Gefahr

des Nationalsozialismus

erkennen ließ. Als Mitglied

der Zionistischen Vereinigung

drängte er bereits 1931 auf eine

Ausreise nach Palästina. Es

bedurfte erst der Machtübernahme

der Nazis, dass auch die

Mutter Paula davon überzeugt

wurde und sich die Familie

im September 1933 nach Tel

Aviv retten konnte. Dort galt

es, eine neue Existenz aufzubauen.

Der Vater verkaufte Versicherungen,

wobei ihm später

auch der junge Yissakhar, der

ein Handelsgymnasium absolvierte,

behilflich

war.

Der Eintritt

in die Arbeiterjugendbewegung

HaNoar Ha-

Oved führte

zu einem

Vater-Sohn-

Konflikt. Das

große politische

Engagement

von

Yissakhar

Ben-Yaacov

hatte zur Folge,

dass ihm

die Arbeit

eines Sekretärs in der Zentrale

der Jugendbewegung überantwortet

wurde. Dabei lernte er

bereits viele später führende

Politiker der israelischen Arbeiterbewegung

– wie etwa

den heutigen Staatspräsidenten

Shimon Peres – kennen. Nach

drei Jahren in dieser Funktion

trat er in den aktiven Dienst

der Hagana ein.

Das Kriegsende in Europa

konfrontierte die Familie Ben-

Yaacov mit dem vollen Ausmaß

des monströsen Verbrechens.

Trotz der Rettung vieler

Angehöriger durch rechtzeitige

Flucht waren unter den unzähligen

Opfern auch Verwandte

zu betrauern.

Bereits kurz vor der Gründung

des Staates Israel erhielt Yissakhar

Ben-Yaacov ein Angebot

der Arbeiterpartei, als Emissär

der Jewish Agency nach

Deutschland zu fahren, um sich

um die überlebenden Jüdinnen

und Juden in den Displaced

Persons-Lagern zu kümmern

und ihnen eine Weiterfahrt

nach Israel zu ermöglichen. In

diese Zeit fällt auch die erschütternde

Wiederbegegnung mit

Hamburg. Noch 1948 wurde in

München ein bei den Allierten

akkreditiertes Konsulat eingerichtet,

dem Ben-Yaacov zugeteilt

wurde. Hier lernte er das

diplomatische Handwerk von

der Pike auf. Eine Dienstauffassung,

mit der er sich rund

um die Uhr

als Repräsentant

seines

Landes verpflichtet

fühlte,

und ein

hohes Maß

an Respekt

und Hilfsbereitschaft

für

Menschen

sollten für

die gesamte

Laufbahn

Ben-Yaacovs

ebenso zu

einem Markenzeichen

werden wie

die Devise: „Bei der Erfüllung

meiner Aufgaben gibt es keine

unwichtigen Dinge, sondern

ausschließlich wichtige oder

besonders wichtige Angelegenheiten.“

(S. 86)

1949 lernte er seine Frau Priva

kennen, die ihn in den folgenden

Jahrzehnten auf großzügige

Weise durch gemeinsame

Arbeit in vielfältigen Aufgabenbereichen

unterstützte:

Seine Liebe und Dankbarkeit

dafür ist das gesamte Buch hindurch

deutlich zu spüren.

An die fünf Jahre in Deutschland

schloß sich ein dreijähriges

Intermezzo im Jerusalemer

Außenministerium an.

Ben-Yacoov vertrat das Ministerium

unter anderem auch im

Beirat der Regierungsgesellschaft

für Touristik; dabei kooperierte

er erstmals mit Teddy

Kollek, zu dem er in späteren

Jahren ein enger Mitarbeiter

und Freund werden sollte. Für

diese Phase beeindruckt auch

die Schilderung der menschlichen

Arbeitsatmosphäre

unter Außenminister Moshe

Sharett.

Von 1956 bis 1959 wurde Ben-

Yaacov die Leitung der Konsularabteilung

der Israel-Mission

in Köln (damals bestanden

noch keine diplomatischen Beziehungen

zwischen der Bundesrepublik

Deutschland und

Israel) übertragen. Auf allen

seinen Posten war es ihm ein

besonderes Anliegen, engsten

Kontakt zu den jeweiligen jüdischen

Gemeinden zu halten.

Zugleich war es eine schwierige

Zeit: Alle in der Kölner

Israel-Mission Tätigen hatten

damals unter einem schikanösen

Vorgesetzten sehr zu leiden.

Obwohl er auch als Autor

stets Diplomat bleibt, sind in

diesem Kapitel sogar nach so

vielen Jahren Ben-Yaacov die

schweren Enttäuschungen anzumerken.

Zurück in Jerusalem, teilte

Außenministerin Golda Meir

Ben-Yaacov die neu gegründete

Abteilung für Afrikapolitik

im Ministerium zu. Es war

ein enthusiastischer Neubeginn

und Ben-Yaacov stürzte

sich mit voller Kraft auf diese

Aufgabe. Damals erlangte ein

Großteil der afrikanischen Kolonien

die staatliche Unabhängigkeit

und Israel unterstützte

die Entkolonialisierung mit

ambitionierten Entwickungshilfeprojekten.

Selbst noch

vom Geist einer Pioniergesellschaft

beseelt, gelang es den

israelischen Entwickungshilfeteams

in vielen Ländern, mit

ihrem Elan die Kooperationspartner

mitzureißen. Umgekehrt

wurden Fachkräfte der

jungen Staaten zur Ausbildung

nach Israel geschickt. Mit voller

Überzeugung koordinierte

in der Zentrale und oft auch

vor Ort Ben-Yaacov diese Aktivitäten

und arbeitete selbst bis

zur Erschöpfung.

Heute wird vielfach vergessen,

was damals Großartiges geleistet

wurde. Obwohl Dutzende

22 Schalom


Staaten der Dritten Welt, die

nach 1967 und 1973 die diplomatischen

Beziehungen zu Israel

abgebrochen hatten, diese

in den 90er Jahren wieder aufgenommen

haben, überlagert

jetzt leider nur allzu oft ein Klima

feindseliger Ressentiments

die Erinnerung an diese Hilfe,

die bis in die Gegenwart – hervorgehoben

seien die legendären

israelischen Hilfsteams

bei Umweltkatastrophen mit

humanitären Notständen – geleistet

wird.

Nach fünf Jahren Tätigkeit in

jenem Arbeitsbereich vertrat

Ben-Yaacov zwischen 1964 und

1969 Israel als Konsul in Philadelphia.

Neben der täglichen

Arbeit waren es dort vor allem

die Öffentlichkeitsarbeit (rund

um den Krieg von 1967 eine

besondere Herausforderung),

die zahlreichen Kontakte zu einer

großen jüdischen Gemeinde

und die Betreuung vieler

Besucher (u. a. Ben-Gurion, G.

Meir, Kollek, Rabin), die den

Konsul in Anspruch nahmen.

Die Vertrautheit mit Afrika gab

wohl 1969 den entscheidenden

Ausschlag dafür, Yissakhar

Ben-Yaacov als Botschafter

nach Lagos in Nigeria zu entsenden.

Dort wartete eine

schwierige Aufgabe auf ihn.

Der Krieg mit der sezessionistischen

Ostprovinz, die sich als

Biafra für unabhängig erklärt

hatte, war noch im Gange und

Israel wurde der „Freundschaft“

zu Biafra bezichtigt. Dennoch

gelang es Ben-Yaacov im Nu,

das Vertrauen vieler Politiker

– nicht zuletzt des Staatschefs

General Gowon – zu gewinnen.

Entwicklungspolitische

Unterstützungen verstärkten

diesen Prozess, der 1973 abrupt

gestoppt wurde. Am Ende des

Yom Kippur-Kriegs wurde auf

Nigeria Druck ausgeübt, die

diplomatischen Beziehungen

zu Israel abzubrechen. Gowon

hatte aber an einem solchen

Schritt kein Interesse – Grund

genug für Algerien, ihn zu erpressen.

Damals war Gowon

Präsident des afrikanischen

Staatenbundes OAU. Nachdem

Algerien gedroht hatte,

ihn im Falle der Fortdauer der

diplomatischen Beziehungen

zu Israel aus der Funktion der

OAU-Präsidentschaft abzuwählen,

war ihm diese Position

wichtiger als freundliche

Gefühle für Israel, die ihm von

Ben-Yaaacov attestiert wurden.

Der israelische Botschafter

musste die bittere Heimreise

antreten. Zuvor hatten ihm

die nigerianischen Gesprächspartner

noch versichert, man

werde sich für die wirtschaftlichen

und gesellschaftlichen

Beziehungen in Zukunft vom

Prinzip des business as usual

leiten lassen ...

Zwischen 1974 und 1979 war

der Botschafter vom Außenministerium

an Bürgermeister

Teddy Kollek „ausgeliehen“

worden, der für die vielfältigen

und schwierigen Aufgaben

rund um Jerusalem jemanden

mit diplomatischem Geschick

benötigte. Kollek war ein

Energiebündel und es war

kein Wunder, dass Ben-Yaacov

bald Tag und Nacht im Einsatz

stand. Unzählige Besucher aus

aller Welt galt es zu betreuen

und in Jerusalem war der Kontakt

zu den verschiedensten

Kirchenvertretern eine heikle

Aufgabe. Ben-Yaacov entwirft

von Teddy Kollek ein Bild,

das von großer Sympathie bestimmt

ist. Teddy Kollek neigte

zu Temperamentsausbrüchen

– nur die beruhigende Kraft

seiner Frau Tamar konnte ihn

besänftigen.

Von 1979 bis 1983 vertrat Yissakhar

Ben-Yaacov Israel als

Botschafter in Österreich und

war von Beginn an herausgefordert.

Fast zeitgleich mit

seinem Dienstantritt lud Bruno

Kreisky Yassir Arafat nach

Wien ein und bald darauf ermöglichte

die Republik Österreich

als erstes westliches Land

der PLO, hier eine diplomatische

Vertretung zu errichten.

Zu einem Zeitpunkt, wo die

PLO noch weit davon entfernt

war, die Legitimität Israels anzuerkennen

und in ihrer Charta

die Beseitigung des Staates

Israel forderte. Dazu gesellten

sich beleidigende Ausfälle des

Bundeskanzlers gegenüber

Menachem Begin und Äußerungen

über das jüdische Volk,

die objektiv gesehen einer österreichischen

antisemitischen

Stimmungslage entgegenkamen.

Auf all das galt es zu reagieren.

Gleichzeitig schildert

Ben-Yaacov Kreisky als überragende

Persönlichkeit, zu der

man jederzeit Zutritt hatte

und die immer bereit war, in

humanitären Angelegenheiten

schnell und effizient zu helfen

– sei es im Einsatz für die

Freilassung gefangener israelischer

Soldaten oder bei der

Rettung zum Tode verurteilter

iranischer Juden vor dem

Schafott. Große Anerkennung

zollt der Botschafter auch der

Beamtenschaft des österreichischen

Außenministeriums

für deren hohes Maß an Kompetenz.

In die Wiener Amtszeit Ben-

Yaacovs fallen auch die mörderischen

Terroranschläge auf die

Synagoge in der Seitenstettengasse

und auf Stadtrat Heinz

Nittel, der sein Engagement für

die Österreichisch-Israelische

Gesellschaft mit dem Leben

bezahlen musste. Auch der gesellige

Teil des Diplomatenlebens

hat sich für den Vertreter

Israels vor allem bei Botschaftsempfängen

oft mühsam gestaltet.

Als Botschafter Ägptens

wurde damals ein Gegner des

Friedensvertrages mit Israel

nach Wien abgeschoben, wo er

alle Gelegenheiten nutzte, den

israelischen Kollegen offen zu

brüskieren.

Damals stand Österreich erst

am Beginn der Versuche, sich

auch den dunklen Seiten seiner

Geschichte zu stellen und dafür

die historische Verantwortung

zu übernehmen. Auch

das jüdische Leben gab mit

der Eröffnung der Schule neue

hoffnungsvolle Lebenszeichen.

Abermals betätigte sich Ben-

Yaacov auf vielen Gebieten als

tatkräftiger Unterstützer. Als

die große, unvergessene Sozialistin

Rosa Jochmann ihn

auf Dorothea Neff aufmerksam

machte, die während der NS-

Zeit viele Jahre hindurch eine

Jüdin in der Wohnung versteckt

hatte, veranlasste Ben-

Yaacov deren Ehrung durch

Yad Vashem als Gerechte unter

den Völkern und organisierte

eine bewegende Zeremonie

mit achthundert Gästen.

Während des Libanon-Krieges

1982 geriet Ben-Yaacov das

einzige Mal während seines

Berufslebens in einen Gewissenskonflikt,

den er offenherzig

erwähnt. Entspannung

fanden Yissakhar und Priva

Ben-Yaacov in Wien vor allem

in der Oper. Den krönenden

Abschluss der Diplomatenkarriere

bildeten die Jahre von

1983 bis 1987 in Australien.

„Freundschaft aus Tradition“

ist der Buchabschnitt betitelt

und weist darauf hin, dass sich

in Canberra das Konfliktpotenzial

in engsten Grenzen hielt.

Die Konkurrenzsituation

zwischen den jüdischen Gemeinden

von Sidney und Melbourne,

die der Botschafter

als Disharmonie zu spüren

bekam, kann vergleichsweise

eher als Luxusproblem gewertet

werden. Obwohl der australische

Außenminister Bill

Hayden vom linken Flügel der

Labour Party anfänglich der israelischen

Politik kritisch gegenüberstand,

entwickelte er

sich zu einem leidenschaftlichen

und intellektuellen Kritiker

aller Strömungen, die den

Antizionismus auf ihr Banner

geschrieben hatten. In Australien

war Ben-Yaacov mit der

aufwändigen Organisierung

des Besuches von Staatspräsident

Chaim Herzog beschäftigt

und zusätzlich auch in allen

Südseestaaten akkreditiert.

Vierzig Dienstjahre in der Diplomatie

ähneln in ihrem Ausmass

einer Marathonstrecke.

Aber Yissakhar Ben-Yaacov war

auch in der anschließenden Pension

noch unermüdlich tätig:

Als Direktor einer jüdischen

Bildungsorganisation in Frankfurt

am Main, dann als Repräsentant

der Bar Ilan-Universität

für Mitteleuropa und zuletzt in

der von Teddy Kollek gegründeten

Jerusalem Foundation.

Ben-Yaacov ist humanistischer

Weltbürger im besten Sinn:

Im Vorwort weist er darauf

hin, dass er sein Leben als bewusster

und traditionstreuer

Jude und Bürger des Staates

Israel lebt und sich zugleich

als Bürger der Erde sieht, der

sich der Verantwortung gegenüber

seinen Mitmenschen

und Nachkommen verpflichtet

fühlt. Leben für Israel läßt

sich nicht nur als faszinierende

Bilanz eines erfüllten Lebens,

sondern auch als Geschichte

von 60 Jahren Israel lesen.

Die Erfolgsgeschichte dieses

Landes ist von Menschen wie

Yissakhar Ben-Yacoov mitgestaltet

und geschrieben worden.

Heimo Gruber

Schalom

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