Die Ausbreitung des Islam in Arabien, Nordafrika und ... - Kerber-Net

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Die Ausbreitung des Islam

in Arabien, Nordafrika und Spanien bis 750 n. Chr.

Mit dem Tod Mohammeds war die muslimische Gemeinschaft ohne Führung. Zwar konnte

Mohammed als „Siegel der Propheten" keinen Nachfolger haben, doch als politischem Führer

folgten ihm die unter seinen treuesten Gefährten ausgewählten vier „Rechtgeleiteten Kalifen".

Während ihrer Regierungszeit (632-661), vor allem unter dem zweiten Kalifen Omar ibn al-

Khattab (634-644), begann die Eroberung von Territorien außerhalb Arabiens. Beeinflusst von

den politischen Systemen dieser Regionen, wurde mit der Ermordung des letzten

Rechtgeleiteten Kalifen Ali das Führertum erblich, und aus der Aristokratie der Koraisch ging

die Dynastie der Omaijaden (661-750) hervor. Während die Rechtgeleiteten Kalifen in Mekka

und Medina residierten, verlagerten die Omaijaden ihr Machtzentrum nach Damaskus. Ihre

Nachfolger, die weniger arabisch orientierten Abbasiden (750-1258), errichteten in einer

fruchtbaren Region an den Hauptrouten zwischen Irak, Iran und Syrien eine neue Kapitale:

Bagdad.

Die Geschichte der Eroberungen

Die arabischen Eroberungen begannen als sporadische Stammesvorstöße. Eine wirkliche

Armee entstand vermutlich nicht vor 634, drang dann aber schon bald in Richtung Osten zum

Sassanidenreich und Richtung Norden nach Palästina und Syrien gegen das Byzantinische

Reich vor (s. Karte). Unter Befehlshabern wie Amr ibn al-As und Khalid ibn al-Walid besiegten

die Muslime die Byzantiner in Jarmuk (636) und zerstörten mit ihrer neuorganisierten Marine

die christliche Flotte in der Schlacht von Attaleia (655). Seit dieser Zeit wurde auch

Konstantinopel immer wieder sporadisch belagert, jedoch nie eingenommen. An der

orientalischen Front erlitt die Sassaniden - Armee eine vernichtende Niederlage in der

Schlacht von AI-Qadisiya (637) und musste bald darauf ihre Hauptstadt Ktesiphon aufgeben,

was zum Zerfall des Sassaniden - Reiches führte. Amr ibn al-As zog 639 Richtung Westen

nach Ägypten, wo er Heliopolis und Alexandria eroberte (646). Im Jahr 643 wurde die Stadt

Fustat (Alt - Kairo) gegründet und der Nordosten Afrikas besetzt, von Alexandria aus

unternahm man Seefeldzüge gegen Zypern und Sizilien. Unter den Omaijaden schließlich, die

ab 661 herrschten, entwickelte sich das islamische Reich zur wirklich bedeutenden Seemacht.

Im 8. Jahrhundert folgten weitere Expansionen nach Osten bis zum Indus und der Region Sind

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und nach Westen über Nordafrika bis Spanien und Frankreich, wo der Vorstoß einer

versprengten Armee in der Schlacht von Poitiers 732 durch den fränkischen Hausmeier Karl

Martell aufgehalten wurde.

Das hohe Tempo der Eroberungen lässt sich dadurch erklären, dass die entsprechenden

Länder durch längere externe Konflikte (Sassaniden) oder durch eine fragile Infrastruktur

(Spanien) geschwächt waren. Überdies herrschte unter der lokalen Bevölkerung vor allem in

Syrien und Spanien große Unzufriedenheit mit der despotischen Führung und der hohen

Steuerlast, sodass den Ankömmlingen keine großen Widerstände entgegengesetzt wurden.

Militär und Gesellschaft

Die expandierende muslimische Armee bestand zunächst nur aus arabischen

Stammesgruppen, vornehmlich aus Infanterie und wenig Kavallerie, wandelte sich in ihrer

Struktur jedoch allmählich durch Rekrutierungen in den eroberten Gebieten. Oft spielten die

mawali (bekehrte nichtarabische Vasallen) eine bedeutende Rolle, etwa die Berber aus

Nordafrika im Feldzug nach Spanien oder die Perser und Türken im Osten. Die Omaijaden -

Armeen vertrauten auf syrische Elitetruppen und betonten die Rolle der Kavallerie, wenngleich

die Infanterie bestimmend blieb. Die ersten Abbasiden - Armeen dagegen basierten

weitgehend auf Eliteeinheiten aus dem Chorasan, und Anfang des 9. Jahrhunderts dominierte

bereits eindeutig die Kavallerie. Zunehmende Bedeutung in der muslimischen Kriegsführung

erhielten ab dem 11. Jahrhundert die reitenden Bogenschützen zentralasiatischer und

türkischer Abstammung.

Die Alhambra

Die muslimischen Befehlshaber ließen die

gesellschaftliche Struktur der eroberten Gebiete

nahezu intakt, indem sie lokale muslimische

Gouvemeure ernannten und sich auf die örtlichen

Verwaltungs- und Finanzsysteme stützten. Auch wurde

die Bevölkerung nicht massenhaft bekehrt, obwohl mit

der Zeit die Häufigkeit der Übertritte zunahm. Die

Gründe für die Annahme des Islam reichten von dem

Wunsch, den neuen Herren näher zu sein und ihre

Privilegien ebenfalls zu genießen, bis zur Anerkennung

der toleranten und synkretistischen Natur der neuen

Konfession. Toleranz gewährte der Islam aber nur den

„Ahl al-Kitab“ (den „Völkern des Buchs“) also jenen,

die gemäß dem Koran im Besitz der Schrift waren:

Juden, Christen und „Sabäer" (in Südarabien /

Jemen). Diese durften nicht zwangsbekehrt werden (im

Gegensatz zu Polytheisten und Ungläubigen) und

erhielten gegen Zahlung einer Sondersteuer die

Garantie auf Schutz und religiöse Eigenständigkeit.

Der Islam in Spanien

Am Ende des ersten muslimischen Feldzugs nach

Spanien (711 - 713) befand sich nahezu die gesamte

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Granada

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Innenhof der Alhambra


iberische Halbinsel unter arabischer Kontrolle. Als die Omaijaden - Dynastie in Damaskus von

den Abbasiden beseitigt wurde, zog Abd ar-Rahman I. (756-788), der als einziger der Familie

überlebte, nach Westen, eroberte 755 Córdoba und gründete die spanische Omaijaden -

Dynastie, die mehr 300 Jahre Bestand hatte. Für die Leistungen jener Zeit steht die 788

errichtete Große Moschee von Cordoba, die zum Zentrum der Gelehrsamkeit wurde. Später

ging die zentrale Autorität des Staates verloren, so dass Anfang des Jahrhunderts Spanien in

zahlreiche kleine Königreiche zersplittert war. Die Eroberung Toledos 1085 durch die

christlichen Nordstaaten markiert gleichsam den ersten Schritt zu den mittelalterlichen

Kreuzzügen.

Das islamische Spanien gelangte unter die Herrschaft der Berber - Dynastien wie den

Almorawiden (1056-1147) und Almohaden (1130-1269), bevor das Bündnis christlicher

Staaten den Islam schließlich auf einen schmalen Streifen Land im Südosten rund um

Granada zurückdrängte, wo die Nasriden - Dynastie weitere 250 Jahre regierte (1232-1492).

Granada ergab sich 1492 den Christen, und innerhalb weniger Jahre wurden sämtliche Muslime

(und Juden) aus Spanien vertrieben.

Als intellektuelles muslimisches Zentrum vermittelte das islamische Spanien dem

mittelalterlichen Europa technisches, naturwissenschaftliches und philosophisches

Wissen aus dem Fernen und Nahen Osten wie auch aus Griechenland und Arabien.

s. auch: Ausbreitung_Islam_750_Grafik.doc

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Ausbreitung_Islam_750_Text.doc

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