Programm 2020

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Programm 2020

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Einleitung

„Wir sorgen vor: heute für morgen!“

Der Vorstand des Martinsclub Bremen e.V., die Geschäftsleitung und die

Fachbereichsleitungen haben dieses Programm erarbeitet, um die Zukunftsperspektiven

des Vereins und sein Leistungsspektrum für die kommenden

Jahre zu beschreiben.

Der Martinsclub Bremen e.V. hat in seiner Geschichte eine sehr dynamische

Entwicklung vollzogen. Den notwendigen Wechsel von einer ehrenamtlich

geprägten Vereinsstruktur zu einer professionell geführten, dienstleistungsorientierten

Organisation haben wir erfolgreich abgeschlossen. Dabei wurde

die Rechtsform des Vereins bewusst beibehalten und eine entsprechende

Kultur gepflegt. Mit zunehmender Größe wird es immer wichtiger, im Martinsclub

Bremen e.V. die ideellen Bereiche zu stärken und mit den wirtschaftlichen

und arbeitsrechtlichen Rahmenbedingungen sinnvoll und inhaltlich

in Einklang zu bringen. Das ist die Grundlage und Intention dieses

Programms, das allen Mitgliedern, MitarbeiterInnen und KundInnen sowie einer

interessierten Öffentlichkeit im Hinblick auf die weiteren Entwicklungen

des m|c Orientierung geben soll.

Inklusion

Ambulantisierung

Selbst- und Mitbestimmung

Gesellschaftsund

Organisationsform

Organisation der Leistungen

Rechte und Interessen

Die Zukunft gestalten

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Inhalt

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Zum Thema „Inklusion“:

Was heißt das für uns? Inklusion ist ein gesellschaftlicher Prozess, der

unabhängig von der Frage der Behinderung in den vergangenen Jahren öf-

fentlich diskutiert wird. Spätestens mit der Ratifizierung der UN-Konvention

für die Rechte von Menschen mit Behinderungen im Jahr 2009 orientiert sich

der Martinsclub Bremen e.V. inhaltlich und strukturell an dem Prozess der

Inklusion. Wir verändern unsere Arbeit in diesem Sinne und öffnen uns neuen

Zielgruppen!

Was bedeutet das konkret?

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Die Umsetzung der UN-Konvention ist ein Menschenrecht, und sie verpflichtet

uns zur Inklusion. Inklusion ist deshalb der zentrale Begriff der

kommenden Jahre für unsere Arbeit.

Inklusion ist ein gesellschaftlicher Prozess, an dem der Martinsclub Bremen

e.V. nur mittelbar beteiligt sein kann. Er tritt als Moderator und

Impulsgeber auf.

Der Begriff Integration behält seine Bedeutung, eine Abgrenzung zum

Thema Inklusion ist notwendig. Wir werden diese Begriffsabgrenzung

wieder stärker in die fachliche Diskussion bringen.

Selbstbestimmung ist ein zentraler Aspekt in der Inklusion. Deshalb müssen

alle Beteiligten mit einbezogen werden. Inklusion darf niemandem,

insbesondere Menschen mit Behinderungen, übergestülpt werden.

Inklusion verändert die Angebote und Leistungsbereiche des Martinsclub

Bremen e.V.

Die traditionelle Zielgruppenorientierung des Martinsclub Bremen e. V.

wird sich verändern - ohne die spezifische Kompetenz für Angebote für

Menschen mit Behinderungen zu verlieren.

Inklusion ist eine Chance, neue Zielgruppen einzubeziehen, neue Angebotsformen

zu entwickeln und sich stärker in unterschiedlichen Bereichen

des gesellschaftlichen Lebens zu verankern.

Eine Dezentralisierung der Angebote vom Martinsclub Bremen e.V. ist

eine wesentliche Konsequenz des inklusiven Prozesses.

Inklusion erfordert neue Kern- und Schlüsselkompetenzen von Mitarbeiterinnen

und Mitarbeitern aller Fach- und Leistungsbereiche innerhalb

des Martinsclubs Bremen e.V.

Mitglieder, MitarbeiterInnen, Kunden und deren Angehörige sowie die

Kooperationspartner des Martinsclub Bremen e.V. sollen mitgenommen

und aktiv am Prozess der Inklusion beteiligt werden.


Zum Thema „Ambulantisierung“:

Was heißt das für uns? Es gibt einen gesetzlichen Vorrang von ambulanten

Angebotsformen vor stationären. Diesen nehmen wir ernst.

Der Martinsclub Bremen e.V. entwickelt neue Konzepte zum Abbau klassischer

stationärer Einrichtungsformen. Wir sind der Überzeugung, dass ambulante

Lösungen im Sinne der Menschen sind und zukünftig die bessere gesellschaftliche

Perspektive darstellen!

Durch neue Konzepte wie das „Quartier|Wohnen“ können wir mit unseren

ambulanten Angeboten Besseres leisten, als im stationären Bereich

üblich ist.

Ambulante Angebote können durch Kombinationen weiterer Kostenträger

wie z.B. der Pflegeversicherung ergänzt und erweitert werden. Für Klienten

bedeutet das eine wesentliche Steigerung der Leistungsqualität.

Ambulante Angebote sind nicht kostengünstiger. „Ambulant vor stationär“

ist eine gesellschaftspolitische Grundsatzentscheidung für eine inklusive

Gesellschaft und Lebensform.

Die Finanzierungsformen klassischer stationärer Betreuungsformen bieten

Anreize für Träger. Dieses sehen wir kritisch.

Nach Abwägung von Potentialen und Risiken setzt sich der Martinsclub

Bremen e. V. für die Ambulantisierung ein. Er engagiert sich aktiv in der

politischen und konzeptionellen Diskussion und zeigt mit neuen Projekten,

aber auch mit dem konkreten Abbau stationärer Plätze neue Wege

auf.

Gleichwohl muss der m|c auf die Wirtschaftlichkeit der ambulanten

Wohnformen achten. Wirtschaftlichkeit ist die Voraussetzung für Weiterentwicklung

und Innovation.


Zum Thema „Selbst- und Mitbestimmung“:

Was heißt das für uns? Der Martinsclub Bremen e.V. stellt die Selbst-

und Mitbestimmungsrechte von Menschen mit Behinderung in das Zentrum

seiner Aufmerksamkeit. Neben den grundsätzlichen Rechten, sehen wir TeilnehmerInnen,

BewohnerInnen und SchülerInnen als Kunden an. Dieser Status

gibt ihnen einen größtmöglichen Entscheidungsspielraum und weitgehende

Gestaltungsmöglichkeiten.

Selbst- und Mitbestimmungsprozesse sind im Martinsclub Bremen e. V.

nicht einheitlich gestaltet, weil die rechtlichen Anforderungen innerhalb

der Leistungsbereiche unterschiedlich sind.

Die Selbst- und Mitbestimmung von Kunden ist ein zentraler Aspekt des

Qualitätsmanagement-Prozesses.

Die Themen „Inklusion“ und „Selbst- und Mitbestimmung“ führen durchaus

zu inhaltlichen Kontroversen, die innerhalb und außerhalb des Martinsclub

Bremen e. V. diskutiert und geklärt werden müssen.

Konzeptionell ergibt sich daraus die Notwendigkeit einer Diskussion zum

Thema „PEER“. „Peer“ bedeutet, dass sich Menschen ihres Gleichen

treffen und somit einen „geschützten“ Rahmen bilden, in dem sie eine

gemeinsame Identität entwickeln können. Der „PEER-Ansatz“ wird sich

zu einer wichtigen Folgediskussion im Zusammenhang mit dem Thema

„Inklusion“ entwickeln.

Die Bedeutung der Selbst- und Mitbestimmung von Kunden wird deutlich

stärker in den Vordergrund der Angebotsentwicklung, der Veränderungsprozesse

und der Organisationsentwicklung gestellt werden.

Die große Anzahl der Vereins-Mitglieder mit Behinderung ist in der Vergangenheit

nicht hinreichend berücksichtigt worden. Der Martinsclub

Bremen e.V. wird Formen eines inklusiven Vereinslebens entwickeln.

Neue Mitglieder werden angemessen in die Vereinsarbeit eingeführt. Sie

erhalten alle notwendigen Informationen in angemessener verständlicher

Form.

Die MitarbeiterInnen entwickeln und realisieren mit ihrer Professionalität

das entsprechende fachliche Leistungsangebot, das den persönlichen

Interessen, Rechten und Bedürfnissen von Menschen mit Behinderungen

möglichst gerecht wird.


Zum Thema

„Gesellschafts- und Organisationsform“:

Was heißt das für uns? Der Martinsclub Bremen e.V. ist aus Überzeugung

ein Verein. Gemeinnützigkeit wird hier wörtlich genommen – der Nutzen für

das Gemeinwesen ist ein wesentlicher Aspekt der Arbeit und der Aktivitäten.

Der Martinsclub Bremen e. V. hat sich bewusst als gemeinnützig eingetragener

Verein konstituiert und diese Entscheidung immer wieder inhaltlich

wie betriebswirtschaftlich bestätigt.

Der Martinsclub Bremen e.V. erfüllt öffentliche Aufgaben und lebt von öffentlichen

Finanzierungen. Der Verein ist dem Gemeinwesen verpflichtet

und aktiver, gestaltender Teil dieser Stadtgesellschaft.

Die Organisationsform „Verein“ bringt eine aktive Mitgliederwerbung mit

sich.

Die Vereinsstrukturen sind den gewachsenen inhaltlichen und finanziellen

Entwicklungen und Verantwortungen anzupassen.

Die Ausgründung von Gesellschaften oder anderer Gesellschaftsformen

hat für den Martinsclub Bremen e. V. keine Priorität.

Bei der Übernahme oder beim Aufbau neuer Dienstleistungen ist allerdings

die Gesellschaftsform in jedem Einzelfall zu prüfen.


Zum Thema „Organisation der Leistungen“:

Was heißt das für uns? Der Martinsclub Bremen e.V. reagiert auf strukturelle

Veränderungen im Bereich der öffentlichen Haushalte und deren Fi-

nanzierungsstrukturen hin zu autonomen dezentralen Verteilungskonzepten.

Präsenz und Verantwortung werden in dezentralisierte Organisationsformen

verlagert. Damit einhergehend verändern sich auch konventionelle Strukturen

und Aufgabenbereiche im Martinsclub Bremen e.V.

Aufgrund der außerordentlich bedrohlichen Haushaltssituation des

Landes Bremen sind erhebliche Kürzungen bis 2020 zu erwarten. Dem

ist mit neuen Angebotsstrukturen und neuen Konzepten Rechnung zu

tragen, um die Kürzungen nicht analog an die Kunden weiterreichen

zu müssen.

Zentrale Finanzierungsformen werden zunehmend durch dezentrale

oder individualisierte Finanzierungsformen ersetzt.

Die klassische zentrale Kommunikations- und Organisationsform des

m|c wird sich angesichts der veränderten Rahmenbedingungen dezentral

weiterentwickeln.

Dezentralisierung muss einhergehen mit der Reduzierung zentraler

Einheiten und dem Aufbau von Steuerungs- und Entscheidungskompetenzen

vor Ort bei den MitarbeiterInnen.

Der Martinsclub überträgt Kompetenzen von der Spitze in die Fläche.

Dieser Kompetenztransfer wird durch Fortbildungen für MitarbeiterInnen

und offene Veranstaltungen wie Tagungen und Symposien begleitet.

Der Prozess ist langfristig, das heißt in einem Zeitraum von

ca. zehn Jahren zu planen.

„Qualitätsmanagement“ ist das zentrale Instrument für die Entwicklung

neuer und dezentraler Steuerungsmechanismen und Organisationsformen.


Zum Thema „Rechte und Interessen“:

Was heißt das für uns? Der Martinsclub Bremen e.V. erbringt in erster

Linie die bestmögliche Leistung am Kunden. Er setzt gesetzliche Vorgaben

um und hat dabei die Interessen der Mitglieder und die der MitarbeiterInnen

im Fokus.

KundInnen, Mitglieder und MitarbeiterInnen sind die Kräftepole und Leistungspotentiale

innerhalb des Martinsclub Bremen e. V.

Oberstes Ziel des Martinsclub Bremen e.V. ist es, die bestmögliche Leistung

für den Kunden/die Kundin zu erbringen.

KundInnen, Mitglieder und MitarbeiterInnen haben unterschiedliche Interessen

und Bedürfnislagen, die unterschiedlich rechtlich und strukturell

abgesichert sind.

Der Martinsclub Bremen e. V. muss für alle Gruppen attraktiv sein, um

Wachstum möglich zu machen und um Abwanderungen und Verluste zu

minimieren.

Eine vollständige Befriedigung aller Interessen und Bedarfe der erwähnten

Personengruppen ist kaum möglich. Der Vorstand und die Geschäftsleitung

haben in erster Linie durch eine intelligente Moderation und

Führungsleistung dafür zu sorgen, dass möglichst viele Interessen und

Bedürfnisse erfüllt werden.


Zum Thema „Die Zukunft gestalten“:

Was heißt das für uns? Der Martinsclub Bremen e.V. erstellt eine Agenda

der konkreten Angebots- und Organisationsentwicklung. Er sichert damit

seine Zukunftsfähigkeit und erschließt sich weitere Betätigungsfelder und

Zielgruppen.

Im Fachbereich „Wohnen“ etablieren wir eine regionalisierte, sozialraumintegrierte

Organisationsform: Wir bauen stationäre Betreuungsformen

ab und realisieren neue innovative ambulante Betreuungsformen in den

verschiedenen Stadtteilen Bremens. Sozialräumliche Konzepte beinhalten

die Erweiterung des klassischen Leistungsspektrums und die Koppelung

von Pflege und pädagogischer Betreuung.

Im Fachbereich „Bildung und Freizeit“ konzentrieren wir uns auf die Fortbildungsaktivitäten

für Menschen mit und ohne Behinderungen. Durch Kooperationen

und neue Angebotsformen werden wir Aspekte der Inklusion

in den Bereichen „Bildung“ und „Freizeit“ für junge Erwachsene und alte

Menschen realisieren. Im Bereich der „beruflichen Bildung“ streben wir

externe Qualifizierungen mit weitestgehend anerkannten Abschlüssen

und Zertifikaten an. Im „Reisebereich“ versuchen wir starke Partner zu

gewinnen und uns mögliche neue Geschäftsfelder zu erschließen.

Im Fachbereich „Assistenz in Schule“ entwickeln wir professionelle Angebote

für die spezifischen Anforderungen von Schulen und SchülerInnen.

Wir erbringen Leistungen im Sinne des Schulgesetzes sowie des Sozialgesetzbuches

auch über die eigentliche Unterrichtszeit hinaus. Wir sind und

bleiben ein kompetenter Kooperationspartner der Schulen und erweitern

unser Leistungsangebot auch auf SchülerInnen ohne Behinderung.

Der Fachbereich „Ambulante Hilfen“ stellt die Familie und deren Angehörige

in den Mittelpunkt seiner Aktivitäten und sieht sich darin generell

dem Kinderschutz verpflichtet. Diese Verpflichtung erstreckt sich auf den

gesamten Martinsclub Bremen e.V. Der Martinsclub Bremen e.V. strebt als

Jugendhilfeträger die Zielgruppenerweiterung auf Familien ohne behinderte

Kinder an. Die Fachbereiche „Assistenz in Schulen“ und „Ambulante

Hilfen“ werden intensiv miteinander kooperieren und somit Synergien

und gemeinsame Kompetenzen verstärkt nutzen.

Der „Pflegedienst m|c“ baut seine wirtschaftliche Basis auf und etabliert

sich in ganz Bremen. Perspektivisch sollen inhaltliche Schwerpunkte entwickelt

und das fachliche Profil des Pflegedienstes ausgebaut werden.

Der Pflegedienst ist das Kompetenzzentrum für Pflege im m|c.


Das Qualitätsmanagement, das Antragsmanagement, das Fundraising und

die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit sind wesentliche Querschnittsaufgaben,

die zunächst zentral für die gesamte Organisation erbracht werden.

Im Zuge des Dezentralisierungsprozesses ist eine sinnvolle und effektive

Organisationsform für diese Bereiche zu entwickeln, um die hohen Qualitätsstandards

zu gewährleisten.

Die Geschäftsführung wird zum Vorstandsorgan des Martinsclub Bremen

e.V. Der jetzige Vorstand konzentriert seine Aufsichtsfunktion und Richtlinienkompetenz

in einem neuen Aufsichtsgremium.

Martinsclub Bremen e.V.

Buntentorsteinweg 24/26

28201 Bremen

Telefon: 0421 53747-40

Fax: 0421 53747-77

kontakt@martinsclub.de

www.martinsclub.de

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