Geheimnisvoller Osten

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Geheimnisvoller Osten

Ausgabe 3

Jahrgang 8

Herbst 2005

„Niemand beweist auf der Bühne

so viel Mut wie Mark Murphy.“

Philipp Weiss hat bei Mark Murphy gelernt – auch seinen

Mut. Beide unterhalten sich auf Seite 9.

Aktuelle News, Tourdaten und Neuerscheinungen

jeden Freitag neu unter http://www.jazzecho.de

Soundcheck

Meine erste Jazzplatte war keine Platte,

sondern ein Mixtape, das mir meine

Freunde, die Geschwister Moritz und

Laura S., an einem denkwürdigen

gemeinsamen Nachmittag aufnahmen.

Das war am 20.09.1992 und ich war 17

Jahre alt. Es war schon kalt und wir tranken

einen türkischen Augenöffner. Angenehm

beduselt und satt vom Kuchen,

begann Moritz, von Dizzy Gilles pies „Dee

Gee Days“ zu erzählen und von Charlie

Parker und Miles Davis und dem Hühnchen

auf der Rückbank. Für alle, die diese

Meine erste Jazzplatte

Geschichte nicht kennen: In seiner Autobiografie

schildert Miles Davis eine Taxifahrt

mit Charlie Parker, auf der sich Charlie auf

dem Rücksitz von einer Nutte einen blasen

lässt, während er sich ein halbes Hähnchen

einverleibt. Toll! Und Drogen haben sie

auch alle genommen. Ich war beeindruckt.

Moritz legte ein paar Scheiben auf und dirigierte

wild in der Luft herum. Die Musik

waberte durch die Küche, „Salt Peanuts”,

„Olé”, „Round Midnight”…

Wir zogen uns noch ein paar Leberwurststullen

mit Gürkchen rein, Lauras Lieblings-

snack. Laura erzählte, wie ihre Stiefmutter

Dizzy einmal nach einem Konzert in der

Philharmonie gesalzene Erdnüsse anbot

und er lachte. Das war für uns der Inbegriff

der Hipness. Laura und Moritz waren der

Meinung, es könne nicht so weitergehen

mit meinem Musikgeschmack (ich hörte

damals Led Zeppelin, Deep Purple und

so’n Kram) und sie müssten mir was aufnehmen,

also gingen wir rüber in Moritz’

Zimmer, machten ein paar Räucherstäbchen

an und los ging’s. „Dee Gee Days“,

„Ella in Berlin 1945”, aber auch „Clap

Hands“ von Tom Waits oder die Arie der

Dido aus Purcells „Dido And Aeneas“,

gesungen von Jessye Norman. Mein Lieblingslied

war „Schooldays“ von „Dee Gee

Days“: Der Sänger singt nur Kinderreime,

hängt sie aneinander und phrasiert so hip,

dass daraus ein irres Lied wird, mit unheimlich

tighten Bläsersätzen. Babaliubaliuba!

Ba baliubaliuba! Baba! Baba! Bababababadadiduliadudiduda!

Ich hörte die Kassette

Tag und Nacht, auf Autofahrten und Reisen,

lernte jedes Solo auswendig, sie war

meine Initiation in den Jazz. Ich fing an,

world’s best-sounding newspaper

Intro Classics Feedback Details Call & Response Porträt Planet Jazz Mix

Jazz, Lügen

und Video

Die besten Neuerscheinungen:

Diesmal mit

Jamie Cullum,

Johnny Liebling,

Kenny Barron,

Charlie Haden,

Oscar Peterson

und vielen anderen.

Wie immer

ab Seite 2.

Alles

oder Jazz

Die interessantesten Wiederveröffentlichungen

– diesmal unter

anderen von Sammy Davis Jr.,

Carmen McRae und den

legendären Swingle Singers. Dazu

eine brandneue „Spiegel“-Jazzedition

und ein Rückblick auf die

Edition of Contemporary Music,

seit mehr als drei Jahrzehnten

besser bekannt als ECM. Wie

immer auf Seite 4.

Womit man

Omas rührt

Ein Journalist ist nur so gut wie

seine Quellen, und unsere sind

die besten, nämlich alle. In jeder

Ausgabe präsentiert Ihnen das

JazzEcho die interessantesten

Rezensionen aus Deutschlands

Musikpresse, diesmal mit brandaktuellen

Artikeln über Götz Alsmann,

Lizz Wright, Wayne Shorter, Keith

Jarrett und andere. Wie immer auf

Seite 5.

Die ganze

Wahrheit

Im deutschen Sprachraum ist

es der Teufel, der in den Details

steckt – im englischen ist es Gott.

So oder so, in unseren Details

steckt alles drin, alle Namen, alle

Titel, alle Instrumente aller Veröffentlichungen

aus diesem Heft,

und noch einige mehr. Wenn Sie

es also ganz genau wissen wollen,

sind Sie ab Seite 6 an der richtigen

Stelle.

Mut und

Möglichkeiten

Der Münchener Philipp Weiss

gehört zu den größten Fans des

New Yorkers Mark Murphy. Im

Juli trafen sich die beiden auf der

Dachterrasse von Universal Music

in Berlin, um sich über Gott, die

Welt, Miles Davis, Picasso, Till

Brönner, Inspiration und Ekstase

zu unterhalten. Den Wortlaut dieses

Insidergesprächs lesen Sie auf

Seite 9.

Geheimnisvoller Osten

In Polen ist ANNA MARIA JOPEK ein Popstar. Obwohl sie Jazz singt. Mit „Secret“,

ihrem elften Album und dem ersten auf Englisch, überzeugt sie jetzt auch den Rest der Welt.

Gesang kennt keine Geheimnisse“,

meint Anna Maria

Jopek. „Die Stimme ist das

Instrument, mit dem man am

wenigsten von sich verbergen kann.

Jeder hört sofort, wenn hinter dem

Klang kein Gedanke steht. Als Sänger

ist man, wer man ist. Das ist das

Schlimmste an diesem Job: Man weiß

einfach nie, woran man ist. Jede Nacht

vor jedem Konzert bete ich, dass das

Besondere passiert, dass ich mich öffnen

kann und gut sein werde.“ Das klingt so

bescheiden, dass es unbescheiden wirkt.

Natürlich steckt hinter dieser Äußerung

auch ein wenig Stolz, besonders aus

dem Munde eines erfolgreichen Stars,

einer von Pat Metheny und dem polnischen

Präsidenten bewunderten Sängerin,

deren Auszeichnungen, Preise und

nicht zuletzt auch deren Verkaufserfolge

ihrer zehn Alben für sich und sie sprechen.

Doch die Chancen stehen gut,

dass Anna Maria Jopek es eigentlich

genauso meint, wie sie es sagt. Die glamouröse

Hyperblondine mit den durchdringenden

Raubkatzenaugen ist vor

allem Musikerin. Mit Talent, Können

und Leidenschaft. „Die Musik an sich ist

mir das Wichtigste und Größte“, sagt

sie. „Sie ist für mich die größte Befriedigung

und die größte Herausforderung.

Aber je mehr ich darüber weiß, umso

mehr Fragen stellt sie mir.“

Anna Maria Jopek, die Tochter einer

Tänzerin und eines Sängers der Folkloregruppe

Mazowsze, wächst umgeben

von Volksmusik in Warschau auf.

Das 100 Performer starke Traditionsensemble,

1948 gegründet und seitdem

6000 Mal vor insgesamt fünfzehn Millionen

Menschen aufgetreten, gehört

noch heute zu den erfolgreichsten Botschaftern

polnischer Musik, Tänze und

Trachten. Für Anna Maria bedeutet das

vor allem, dass ihre Eltern viel unterwegs

sind, ständig proben oder auftreten,

und ihr schon früh eine natürliche

Leidenschaft für die Musik vermitteln.

Sie selbst beginnt mit sieben Klavierunterricht

zu nehmen und studiert später

auch an der Chopin Musikakademie in

Warschau. „Wir wollten am liebsten alle

nur Mozart spielen“, erinnert sie sich.

„Oder zumindest Bach, das ‚Wohltemperierte

Klavier’. Wir waren

ANNA MARIA JOPEK

Secret

06024 987 0158 4

eben richtige, besessene Musikstudenten.

In dieser furchtbaren Zeit des Kommunismus

war das unsere Rettung,

etwas, das uns geholfen hat, diese Zeit

zu überleben.“ Mit 16 oder 17 bekommt

Anna Maria von ihrem Vater, eben von

einer Europa-Tournee zurückgekehrt,

den ersten CD-Player. Und ihre erste CD,

„Bring On The Night“ von Sting. „Seitdem

liebe ich Sting“, sagt sie. „Und seine

Musik. Er ist mein absoluter Schwarm,

mein Idol, mein Liebling. Gleich hinter

Pat Metheny.“ Zwei oder drei Jahre,

nachdem Stings jazzinfizierter Pop in

ihr Leben tritt, überzeugt sie ein Workshop

an der Manhattan School of Music

vom Jazz. „Es war eine faszinierende,

andere Welt“, schwärmt sie. „Ich kam ja

aus dem Kommunismus, aus der letzten

Generation, die sich an diesen Alptraum

noch erinnert. Und dann hörte ich Ella.

So ein Engel! Ich konnte nicht glauben,

dass so ein Wesen existiert. Da sagte ich

zu mir, ich will auch so wie sie … fliegen.

Natürlich kann niemand so sein wie sie.

Aber sie war und ist meine erste Meisterin.

Als ich sie hörte, wusste ich, dass es

auch andere musikalische Welten gibt.“

1996, zwei Jahre nach ihrem Abschluss

als Konzertpianistin an der Akademie,

wagt sie sich zum ersten Mal als Jazzsängerin

auf eine Bühne, beim legendären

„Jazz Jamboree“-Festival in Warschau.

Im Jahr darauf unterschreibt Anna Maria

Jopek einen Plattenvertrag mit Universal

und nimmt „Ale Jestem“ auf. Langsam,

aber sicher erobern ihre polnischen Jazz-

und Folkmelodien das Land. Nach einem

Jahr bekommt sie für das Debütalbum

eine goldene Schallplatte und wird mit

dem „Fryderyk“, dem wichtigsten polnischen

Musikpreis, ausgezeichnet. Für ihr

zweites Album „Szeptem“ bekommt sie

sogar Platin. Und noch mehr Preise. Sie

singt mit Joe Lovano beim 40. „Jazz Jamboree“

und arbeitet unter anderen mit

Tomasz Stanko und dem Komponisten

Wojciech Kilar. Einmal eröffnet sie mit

ihrer Band sogar ein Konzert von Sting

in Katowice, und schließlich, etliche

Nummer-1-Hits und Platinplatten später,

nimmt sie 2002 sogar ein komplettes

Album mit Pat Metheny auf.

Einige der Geheimnisse, die die 34-

Jährige der Musik in den letzten 27 Jahren

entrissen hat, verrät sie jetzt auf

1970

Am 14. Dezember kommt

Anna Maria Jopek in Warschau

zur Welt.

„Secret“, ihrem elften Album insgesamt

und dem ersten auf Englisch, auch

dem Rest der Welt. „Mir ist es vor allem

wichtig, zu kommunizieren“, erklärt sie.

„Nicht, dass mir die vielen Polen auf der

Welt nicht genug wären. Nicht, dass ein

Klang oft viel mehr sagt als Worte. Aber

mich hat die Idee gereizt, besonders weil

es nicht meine eigene war, sondern sie

vom Chef meiner Plattenfirma aus London

kam.“ Gemeinsam mit ihrer Freundin

Nina Madhoo übersetzte sie die

Texte einiger ihrer eigenen Lieblingslieder

und wählte zusätzlich einige Coverversionen

aus. Van Morrisons „Moondance“

(„Ich liebe ihn!“), No Doubts

„Don’t Speak“ („Der Song ist tragisch,

umso mehr, weil wir ihn als Bossa Nova

spielen!“) und „I Burn For You“ von

ihrem allerersten Sting-Album machen

sich gut neben den verwobenen Harmonien

und den schönen Melodien ihrer

eigenen Stücke. „Das Wichtigste ist mir,

dass Musik mich berührt“, meint sie.

„Egal, was für Musik es ist. Sie muss mir

eine Gänsehaut geben und mich anfassen,

ganz direkt. Egal ob es Jazz oder

Hardrock oder sonst was ist. Wenn es

mich berührt, ist es gut.“ Um nicht nur

musikalisch, sondern auch sprachlich zu

überzeugen, nahm Anna Maria Jopek für

„Secret“ nicht nur zusätzlichen Sprachunterricht,

sondern engagierte auch

einen ganz besonderen britischen Produzenten.

„Hast du ‚Tatsächlich Liebe’

gesehen?“, fragt sie. „Mein Produzent

Ross Cullum ist der, der in dem Film

diesen alternden Rocker produziert. Er

ist großartig und hat ein tolles Ohr für

Sänger, weil er sofort merkt, ob man die

Worte, die man singt, auch meint. Als ich

in New York war, habe ich nie an meinen

Akzent gedacht. Da kann man singen,

was und wie man will. „Be yourself“,

sagen sie. In England heißt es: „Dein

Akzent verrät, wer du bist.“ Wenn du

Musik für intelligente Engländer machen

willst, musst du auch einen guten Akzent

haben. Es war eine Bewusstseinslektion

für mich, dass ich so intensiv an meiner

Aussprache arbeiten – und immer an sie

denken musste.“ Die phonetischen Hürden

nimmt Anna Maria Jopek wie der

Profi, der sie ist. Wenn überhaupt klingt

sie auf ihren Bossa Novas brasilianisch,

beim walzernden „I Burn For You“ bri-

1977

Die Tochter zweier erfolgreicher

Volksmusiker

beginnt ihre klassischen

Klavierstudien.

1989

Ein Workshop an der

Manhattan School of Music

macht sie zum Jazzfan.

tisch und beim beschwingten Titelsong

vor allem weiblich. „Ich liebe

diese kleinen Spielchen zwischen

Mann und Frau“, kommentiert

sie den Text des Songs.

„Dabei habe ich kaum noch

Zeit dazu. Ich konnte diese

zehn Alben in acht Jahren,

diese vielen Touren und

Konzerte und Gastauftritte

nur machen, weil

ich ein absolutes „working

girl“ bin. Meine

Realität ist längst nicht

so glamourös, wie es

die Bilder vorgeben.

Meine ‚Männerspiele’

konzentrieren sich

auf meinen Ehemann

und das gelegentliche

Fußballspielen mit

unseren zwei Söhnen.

Wenn ich Männer

verführe, dann nur

mit meiner Musik.“

Sie lacht. „Dann aber

richtig. Und mit aller

Leidenschaft.“

JazzLink: jopek

1996

Zwei Jahre nach ihrem

Diplom als Konzertpianistin

begeistert sie als

Sängerin beim „Jazz Jamboree“

in Warschau.

Katché me

if you can

Der Schlagzeuger Manu Katché

gehört zu den gefragtesten der

Welt. Fast jeder von uns hat eines

seiner Alben im Regal stehen – nur

leider hat er sie alle als Sideman

aufgenommen, an der Seite von

Peter Gabriel, Jan Garbarek oder

Joni Mitchell. Jetzt erscheint bei

ECM endlich sein zweites Soloalbum.

Bitte das Porträt auf Seite 10

lesen und dann kaufen.

1999

Ihr Debütalbum „Ale

Jestem“ wird unter anderem

mit einer goldenen

Schallplatte und dem wichtigsten

polnischen Musikpreis,

dem „Fryderyk“,

ausgezeichnet.

Neue Serie: JazzEcho-Leser der ersten Stunde berichten. In dieser Folge: Lisa Bassenge.

Lieder

und Leben

Die Welt ist

groß, und die

Spielarten des

Jazz und seiner

Verwandten

zahlreich. Die

interessantesten

finden sich auch

in diesem Heft

wieder auf Seite

11.

mich für das Leben der Musiker zu interessieren,

las die Biografien von Charlie Parker,

Miles Davis, Billie Holiday, Anita O’Day. Ich

glaube, was mich besonders animierte, war

das Lebensgefühl, die Selbstverständlichkeit,

mit der Musik in das Dasein integriert

wurde, das nie die Frage gestellt wurde:

„Warum mache ich das eigentlich?“ Das

kam mir bei meiner Identitätsfindung sehr

entgegen. Ich wusste plötzlich, was ich

wollte, nämlich Musik machen.

Das Tape hab ich irgendwann verloren.

Nach ihm kamen viele andere.

Ghetto-

Cocktailkleid

Was sonst nicht

passt, wird bei

uns nicht passend

gemacht,

son dern landet

auf Seite 12,

zusammen mit

Konzerttipps

und vielem

mehr.

Cullum Benson

Schifrin

Lebenslinie ANNA MARIA JOPEK

2002

Ihr polnisches Erfolgsalbum

„Bosa“ erscheint als

„Barefoot“ international, ihr

Album „Nienasycenie“ steigt

auf Platz 1 der polnischen

Popcharts, und sie nimmt

ihr Album „Upojenie“ mit

Pat Metheny auf.

2005

„Secret“, ihr insgesamt elftes

Album und ihr erstes

auf Englisch, erscheint bei

Verve.

Lisa Bassenge

Sängerin von Nylon, dem

Lisa Bassenge Trio und Micatone


Seite 2 Ausgabe 3 Jahrgang 8

Intro

Lässt sich nicht festlegen: JAMIE CULLUM

Mit neuem Look und neuen Funktionen: WWW.JAZZECHO.DE

Übertrifft sich selbst: KENNY BARRON

Jazz, Lügen und Video

Ob er will oder nicht: Mit „Catching Tales“ zeigt JAMIE CULLUM, wohin Jazz im 21. Jahrhundert gehen sollte.

Wenn mir Journalisten langweilige

Fragen stellen, wie ‚Wann

hast du angefangen, Klavier

zu spielen?’ oder irgendwas anderes,

das sie einfach in meiner Bio nachlesen

könnten, tendiere ich dazu … na

ja, nicht unbedingt zu lügen, aber mir

vielleicht eine interessante Antwort auszudenken“,

gesteht Jamie Cullum, ziemlich

zu Anfang des Gesprächs. Weniger

als Warnung, wie er versichert, denn

als Kompliment und Erklärung. „Ed

Harcourt sagt in Interviews grundsätzlich

nicht die Wahrheit. Als ich ihm

erzählte, dass ich in etwa 95 Prozent

der Fälle die Wahrheit sage, meinte er:

‚Warum? Das macht kein Mensch!’“

Eigentlich ging es um die vielen

Geschichten, die allumfassenden

Trivial-Dokumentationen und Diskussionen,

die im Internet durch

alle möglichen Jamie-Foren geistern.

Texanische Teenagermädchen

sammeln Ideen für das

perfekte Geburtstagsgeschenk,

holländische

Stiftung Websitetest

Zum Relaunch der JazzEcho-Website haben wir uns prominente Hilfe ins Testlabor geholt:

Deutschlands besten Pianisten, FRANK CHASTENIER.

FRANK CHASTENIER

estsurfer Frank Chastenier weiß,

Two der Jazzhammer hängt. Darum

haben wir ihm, kaum hatte er Mark

Murphy bei den Aufnahmen zu dessen

neuem Album „Once To Every Heart“

(Seite 9) geholfen, das neue, verbesserte

Online-Jazz Echo vorgestellt. Hier sein

Urteil:

„Für mich ist www.jazzecho.de seit

Jahren ein zuverlässiges Informationsmedium.

Allerdings gab’s auch den einen

oder anderen Kritikpunkt, was insbesondere

den Serviceteil und die Benutzerfreundlichkeit

betraf. Beim Relaunch der

Perfektes Programm

evor das Bradley’s Ende der 90er

BJahre seine Pforten schloss, genoss

die gemütliche Piano-Bar rund 25 Jahre

lang den Ruf, Manhattans intimster und

musikerfreundlichster Jazzclub zu sein.

Im April 1996 war an dieser Stätte zwei

Abende lang das Kenny Barron Trio

zu Gast, um in der entspannten Club-

Atmosphäre Aufnahmen für ein Live-

Album mitschneiden zu lassen. Der erste

Teil der Einspielungen erschien 2001 auf

dem Album „Live At Bradley’s“. Nun gibt

es einen Nachschlag, der im Untertitel

der CD „Live At Bradley’s II“ als „The

Perfect Set“ angepriesen wird. Wer die

vor drei Jahren veröffentlichte erste CD

kennt, wird dies kaum glauben können,

da diese schon nichts zu wünschen übrig

ließ.

Kenny Barron galt jahrzehntelang als

„musicians’ musician“ und war aufgrund

seiner stilistischen Flexibilität und seines

Einfühlungsvermögens einer der gefragtesten

Begleitpianisten. Seine Soloalben

Halbstarke analysieren die Live8-Backstage-Bilder

von Jamie und Natasha

Bedingfield nach erotischen Gesichtspunkten,

findige Franzosen decken

Ungereimtheiten in Interviews auf.

Jamie selbst nervt das, mal mehr, mal

weniger. Denn eigentlich will er Musik

machen. Mit steigendem Enthusiasmus

erzählt der Knabe mit den hoch stehenden

Haaren und tief hängenden Jeans

von seinen Studio-Erfahrungen mit

dem Robbie-Williams-Liedermacher Guy

Chambers, dem Singer/Songwriter Ed

Harcourt oder Beattüftler und Gorillaz-

Ex Dan „The Automator“. Er schwärmt

von einer alten Mark-Murphy-Aufnahme

von „I’m Glad There Is You“, wegen der

er das Stück für sein neues Album eingespielt

hat, und hat kaum Probleme,

Dinah Washington, Dizzee Rascal, King

Pleasure, Marvin Gaye, Donny Hathaway,

Roy Ayers und Stevie Wonder im

gleichen Atemzug zu nennen. „Ich bin

irgendwo in der mittleren Entwicklungsstufe

menschlicher Existenz“, meint er.

„Ich bin nicht total doof, aber auch nicht

Website wurde speziell auf diese Kritikpunkte

der Nutzer reagiert und als Erstes

die Navigation grundlegend verbessert.

Durch die überarbeitete Suchfunktion

finde ich das, was ich bisher ohne

große Probleme gefunden habe, nun völlig

problemlos. Und als ich letztens Informationen

zu Jazzlegenden wie Jimmy

Smith oder Ray Charles suchte, habe

ich auch das auf den insgesamt über 30

neuen Künstlerseiten gefunden. So bleibt

Jazz Echo eine immer wichtigere und vielseitige

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Künstler sowie Radio- und TV-Sendungen

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Unter Featured Artists finden Sie

Hintergrundinformationen zu über 30

Jazzkünstlern, mit Biografien, Diskografien,

Rezensionen und News zum jeweiligen

Künstler. Weitere Serviceangebote

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sowie der CD-Shop. Damit

haben Sie immer einen aktuellen Informationspool

zu Ihren Lieblingskünstlern.

Im Archiv finden Sie chronologisch

geordnet alle JazzzEcho-News und

-Rezensionen. Auch die E-Mail-News letter

und Printausgaben mit allen Jazzlinks

(Hörproben der vergangenen Jahre) sowie

die Printkataloge der Verve Music Group,

EmArcy und ECM stehen Ihnen hier zur

Verfügung. Auch die Rubrik Links wurde

erweitert. Dort finden Sie jetzt noch mehr

Verweise zu Veranstaltungsorten und speziellen

Websites zum Thema Jazz im Internet.

Frank Chastenier

www.jazzecho.de

www.frankchastenier.com

Nach dem 01er-Album „Live At Bradley’s“ hat

KENNY BARRON nun einen zweiten Teil vorgelegt,

der seinem Untertitel „The Perfect Set“ alle Ehre macht.

wurden jedoch oft schmählich übersehen.

Dies änderte sich erst in den 90ern

dank der Einspielungen, die er an der

Seite von Stan Getz bis kurz vor dessen

Tod im Jahre 1991 machte. Seitdem gilt

Barron als einer der besten Jazzpianisten

der Gegenwart.

Auf „Live At Bradley’s II“ bildet Kenny

Barron mit Bassist Ray Drummond und

Schlagzeuger Ben Riley ein traumhaft

swingendes Trio, das in der Tat ein wunderbares

Programm – bestehend aus dem

Jazzstandard „You Don’t Know What Love

Is“, zwei Titeln des genialen Thelonious

Monk, einem Stück des brasilianischen

Komponisten Heitor Villa-Lobos und

Barrons eigenem „The Only One“ – präsentiert.

Jazz in höchster Vollendung.

KENNY BARRON

TRIO

Live At Bradley’s II

06024 9831 124 0

superschlau. Eben eher in der Mitte. Ein

Durchschnittstyp. Aber wenn es um

Musik geht, hole ich mir von allem das

Beste. Warum sollte ich nicht gleichzeitig

N.E.R.D. und Andy Bey mögen? Für mich

ist das nur logisch.“ Dieser neugierigen

und nach allen Stilen offenen Logik folgt

der singende Pianist, der sicherlich beste

Entertainer des modernen Jazz und einer

der erfolgreichsten dazu, auch auf seinem

neuen Album „Catching Tales“. Die

vierzehn Tracks reichen von geschmackvollen

Radiohits, über reflektierte Pop-

Balladen, von gut gemachten Covers zu

grandiosen Eigenkompositionen. All das

klingt vor allem nach Jamie Cullum, aber

auch nach sehr viel Jazz, Soul, Singer/

Songwritertum und allem, was gut an

Pop ist. „Der Song ‚Photograph’ ist nicht

nur vom Text her sehr persönlich“, sagt

er. „Er erfüllt auch musikalisch eigentlich

viele der Dinge, um die es mir geht:

Da gibt es den Jazzteil, den rockigen

Teil, dann ist da noch das Klavierspiel

und sogar dieser elektronische Part am

Ende. Das ist der Song, der zeigt, wer

Seine Musik lebt weiter: CHARLES MINGUS

JAMIE CULLUM

Catching Tales

06024 987 3771

Mingus’ muntere

Erbengemeinschaft

Totgesagte leben länger: In CHARLES MINGUS’ Fall gleich

dreimal länger, denn nicht weniger als drei Bands pflegen das

Vermächtnis des viel zu früh verstorbenen Leaders.

ands und Orchester, die sich nach

Bdem Ableben eines großen Bandleaders

auf dessen musikalische Nachlassverwaltung

spezialisieren, gibt es viele.

Oft genug erhalten sie die Musik zwar

auf hohem technischen Niveau in Erinnerung,

können aber den kreativen

Geist, der mit dem Bandleader von ihnen

gegangen ist, nicht wiederbeleben. Der

Fall des 1979 mit nur 56 Jahren verstorbenen

Charles Mingus bildet in dieser

Hinsicht eine einmalige Ausnahme, da es

mittlerweile drei Formationen gibt, die

unter der Obhut der Witwe des Genies

dessen Erbe nicht nur verwalten, sondern

seine Werke aus immer neuen Perspektiven

interpretieren. Den Anfang

machte noch im Todesjahr des Bassisten

die Mingus Dynasty, die aus Mitgliedern

von Mingus’ letzter Band bestand.

1991 wurde das 7-köpfige Ensemble zur

14-köpfigen Mingus Big Band erweitert,

die seitdem wöchentlich in New York

auftritt (erst über 13 Jahre lang im Fez

ich bin. Komplett.“ Tatsächlich gelingt

es Jamie Cullum mit dem gesamten

neuen Album, gleich mehrere Kreise zu

quadrieren. Das Album ist (noch) besser

und eigenständiger als der Vorgänger.

Es zeigt alle möglichen Facetten seiner

musikalischen Persönlichkeit, ohne dabei

beliebig oder inkonsequent zu wirken. Es

ist ansprechend und anspruchsvoll. Vor

allem aber zeigt es auf poppige Weise,

wohin Jazz sich im 21. Jahrhundert orientieren

sollte: Vorwärts.

JazzLink: cullum

JAMIE CULLUM

Get your way

06024 987 3780

Under Time Café, seit ein paar Monaten

im Iridium). Vor wenigen Jahren bildete

sich schließlich noch das 11-köpfige

Mingus Orchestra, der jüngste Spross der

ungewöhnlichen Erbengemeinschaft. Die

Bands setzen sich aus dem gleichen Pool

von rund 60 Musikern zusammen, haben

aber, wie das erste gemeinsame Album

„I Am Three“ beweist, sehr unterschiedliche

Interpretationsansätze. Die Mingus

Dynasty nutzt die Flexibilität einer kleineren

Besetzung, das Orchester spiegelt in

seinen Arrangements vor allem den Einfluss

wider, den die europäische Klassik

auf Mingus’ Werke hatte, und die vitale

Big Band begeistert mit Raffinesse und

Powerplay.

MINGUS BIG BAND

ORCHESTRA &

DYNASTY

I Am Three

06024 9831 140 0


Protest: CHARLIE HADEN und das LIBERATION MUSIC ORCHESTRA

Jazz Against The Machine

CHARLIE HADENs Liberation Music Orchestra findet seit

über 30 Jahren immer dann zusammen, wenn amerikanischer

Protest gegen amerikanische Politik nötig wird.

Eines Nachts 1969 saß Charlie Haden

im Auto und hörte die Nachrichten:

Die US-Luftwaffe bombardierte auf

Befehl Präsident Nixons nun auch Vietnams

Nachbarn Kambodscha. Haden

fühlte sich hilflos als Bürger, als Musiker

jedoch war er davon überzeugt, seinen

Protest artikulieren zu können. Mit

seiner langjährigen Kollegin, der Pianistin

Carla Bley, und einem zwölfköpfigen

Ensemble nahm er das phänomenale

„Liberation Music Orchestra“-Album

auf. Die All-Star-Besetzung des LMO

machte später eine kontinuierliche Arbeit

unmöglich, doch Hadens revolutionäre

Garde tauchte immer wieder an Eckpunkten

politischen Unmuts in den USA

auf: Als Reagan 1982 den Bürgerkrieg

in El Salvador finanzierte und Grenada

besetzte, veröffentlichte das LMO „The

Ballad Of The Fallen“; George Bush Sr.

gab ihm 1989 den Anlass zu einer überwältigenden

Darbietung von „We Shall

Overcome“ auf dem Montreal Jazz Festival.

Und nie war es so wertvoll wie heute,

Wer ist JOHNNY LIEBLING? Alle!

denn das neue musikalische Manifest des

LMO kann mit seiner individualistischen

instrumentalen Eingängigkeit mehr ausdrücken

als jeder zur Abgegriffenheit verdammte

Slogan. Aufgenommen in Rom

am Ende einer triumphalen Tour, überzeugen

die acht „amerikanischen“ Kompositionen

– von David Bowies „This Is

Not America“ zu Dvoráks „Going Home“

aus der Symphonie „Aus der Neuen Welt“

– durch Intelligenz, Abgeklärtheit und

Zugänglichkeit. Der aufrechte Gang von

Bleys Arrangements ebnet der sanft mitreißenden

Performance dieser gereiften

Alt-68er-Jazzstars den Weg. Am besten zu

hören auf dem Medley von „America The

Beautiful“, „Lift Every Voice“ und „Skies

Over America“. JazzLink: haden

CHARLIE HADEN

LIBERATION MUSIC

ORCHESTRA

Not In Our Name

EmArcy 0624 982 9248

Der lange Abschied

BOBO STENSONs neues Album „Goodbye“ ist nach 40 Jahren der Abschied

vom Leben als schwedischer Sideman und sein Durchbruch als internationaler Bandleader.

uch wenn Bobo Stenson der schwe-

Adische Pianist ist, der seit den 60er

Jahren als Sideman unzähliger internationaler

Jazzstars gearbeitet hat – wie

Sonny Rollins, Stan Getz, Don Cherry,

Tomasz Stanko oder Charles Lloyd –,

so ist ihm als Bandleader ein vorläufiger

Abschied aus der skandinavischen Jazzszene

womöglich erst mit seinem neuen

Trioalbum „Goodbye“ gelungen. Vielleicht

hat der Aufnahmeort New York

eine Rolle gespielt, wo Stenson im April

vergangenen Jahres mit Bassist Anders

Jormin und Schlagzeuger Paul Motian

die vierzehn Titel von „Goodbye“ auf-

nahm. Natürlich liegt es an der Präsenz

des amerikanischen Freundes

Motian, der einst in Bill Evans’ großartigem

Pianotrio trommelte, somit für

Stenson der „Schlagzeuger seines

Idols“ ist. Aus der Transparenz des

aus stark variierenden Quellen stammenden

Materials zeichnet sich darüber

hinaus ein später internationaler

Durchbruch für Stenson als Leader ab.

Stenson, Jormin und Motian spannen

einen ganz eigenen Bogen über Interpretationen

von Henry Purcells 300

Jahre alter „Music For A While“, Ornette

Colemans „Race Face“ und Stephen

Nachruf

Im August verlor die Jazzwelt

zwei weitere ihrer großen Persönlichkeiten:

Der deutsche Posaunist Albert

Mangelsdorff und der belgische Pianist,

Arrangeur und Bandleader Francy

Boland kamen beide in den 20er Jahren

zur Welt und veröffentlichten

ab den 60er Jahren ihre wichtigsten

Schallplatten auf dem MPS-Label des

im vergangenen Herbst verstorbenen

Produzenten Hans Georg Brunner-

Schwer. So unterschiedlich ihre Musik

auch gewesen sein mag – Boland brillierte

an der Seite von Kenny Clarke mit

der besten Big Band Europas, während

Mangelsdorff ein stilistisch vielseitiger

Erneuerer der Posaune war –, so unverzichtbar

ihr Beitrag für die jüngere

Jazzgeschichte. Vor kurzem wurden

die Clarke-Boland-Alben „All Smiles“,

„More Smiles“ und „Fellini 712“ auf

MPS wiederveröffentlicht, im kommenden

Jahr erscheint eine Box mit

den wichtigsten MPS-Alben von Albert

Mangelsdorff.

FRANCY BOLAND

ALBERT MANGELSDORFF

Sondheims „Send In The Clowns“, das

sie annähernd radiotauglich machen.

Songs des russischen Protestsängers

Vladimir Vyotsky und des argentinischen

Komponisten Ariel Ramirez stellen sie

neben Benny Goodmans „Goodbye“,

das in den 50er Jahren zum großen

Hit für Frank Sinatra und Nelson Riddle

wurde. Den Großteil des Materials stellte

Anders Jormin zusammen und fügte es

mit eigenen Kompositionen und anderen

Originalen von Stenson zusammen.

Elegant und zurückhaltend entfaltet sich

der Reichtum dieser Musik bereits beim

ersten Anhören, hält aber, wie man das

Hat seine Autobiografie veröffentlicht: OSCAR PETERSON

BOBO STENSON

TRIO

Goodbye

06024 9825 173 7

Ausgabe 3 Jahrgang 8

Odysseus am Klavier

Zum 80. Geburtstag des immer noch fleißig tourenden Jazzpianisten

OSCAR PETERSON erscheinen nicht nur legendäre

Aufnahmen neu, sondern auch sein erstes Buch.

m 15.08.2005 feierte er seinen 80.

AGeburtstag. Und das Geschenk liefert

Peterson selbst, als Autobiografie,

an der er fünfzehn Jahre lang arbeitete.

„Meine Jazz-Odyssee“ gehört ohne Zweifel

zu den besten Büchern aus der Feder

eines Jazzmusikers. Der Pianist wendet

sich weniger an die Experten als an ein

interessiertes breites Publikum, das den

Menschen hinter der Legende besser

kennen lernen möchte. Petersons Karriere

umfasst sechzig Jahre Jazzgeschichte,

die er in seinem Buch selbst Revue passieren

lässt. Er schildert seine Kindheit

und Jugend in Kanada, seine musikalische

Entwicklung vor dem sozialen und

politischen Hintergrund in Nordamerika

und seinen Aufstieg zur Leitfigur des Jazz.

Seinem Manager und engsten Freund,

dem Impresario Norman Granz, widmet

er ein Kapitel, und er erzählt von seinen

Begegnungen mit anderen Jazzgrößen.

Schließlich befasst sich Peterson mit Rassismus

und politischen Fragen sowie in

von Stenson und Motian erwartet, eine

gute Weile vor. Parallel zu „Goodbye“

spielt Bobo Stenson auch auf Thomas

Strønens neuem Album „Parish“. Paul

Motian veröffentlichte unlängst mit seinem

eigenen Trio aus Joe Lovano und

Bill Frisell das ECM-Album „I Have The

Room Above Her“. JazzLink: stenson

Liebling

Schanzenviertel

Seite 3

Intro

„Es ist niemals zu spät, wenn man mal weiß, wie’s geht“ heißt es bei JOHNNY LIEBLING.

Die ganze Wahrheit verraten die heftigen Hamburger auf ihrem Debütalbum „Goldene Zeiten“.

Die Frage drängt sich auf: Warum

gibt es diese geniale Band erst

seit zwei Jahren?“, meint Kris Kiel,

einer der beiden Sänger und Frontmänner

von Johnny Liebling, provokant, aber

schmunzelnd. „Weil Kris seine Songs

vor uns geheim halten musste“, fällt

ihm Ralph Beulshausen, der zweite singende

Frontmann, ins Wort. „Und vor

seinem Gewissen.“ Und dann lachen

sie. Nicht nur die beiden, sondern auch

Martin Fekl, der Gitarrist, Kim Kiesling,

der Bassist, und ihr Schlagzeuger Rüdiger

Hensel. Überhaupt haben die auf den

ersten Blick eher strengen Herren viel

Freude bei der Arbeit. „Weil wir’s erstens

ernst nehmen“, meint Martin, „und es

außerdem nur zum Spaß machen.“

Die laut Info „sicherlich beste und

wahrscheinlich älteste Newcomerband

des Landes“ fand sich tatsächlich erst vor

knapp zwei Jahren in einem Übungsraum

in Hamburg zusammen. Natürlich kannten

sie sich alle irgendwie, die meisten

aus ihrer Zeit als Lovekrauts. Schnell fand

man einen eigenen Sound, irgendwo

zwischen Sixties-Beat, Party-Polka und

Jazz-Chanson, und wurde sich über die

einem kulturpolitischen Aufsatz mit dem

„Verrat am Jazz“. Auch die persönliche

Ebene kommt nicht zu kurz: Peterson

berichtet über Missgeschicke bei Freizeitaktivitäten,

seine Ehen und die „fortwährende

Suche nach wahren Freunden“. Für

den Bassisten Ray Brown schrieb er sogar

ein längeres Gedicht. Den Soundtrack

zum Buch liefert ein anderer Weggefährte,

der 2004 verstorbene Hans Georg

Brunner-Schwer. Der MPS-Chef hatte

noch kurz vor seinem Tod das Remastering

aller neun Studioalben seines Labels

beaufsichtigt – viele Erinnerungen aus

Petersons Buch klingen hier musikalisch

an, schliesslich nahm der Klavier-Gigant

für das deutsche Label die nach Meinung

vieler Fans und Kritiker bestklingendsten

Jazzpiano-Schallplatten der 60er und

70er Jahre auf.

Alle MPS-Wiederveröffentlichungen von

Oscar Peterson finden Sie in den Details

auf Seite 8. JazzLink: peterson

Bildunterschriften dolores ratum BOBO STENSON TRIO manum erarum est

Durchbruch als Leader: BOBO STENSON (Mitte)

Mutter- als Songsprache einig. Nach

wenigen Monaten kam der erste Auftritt,

ohne große Ankündigung, in einer Bar

im Schanzenviertel – ein unglaublicher

Erfolg. „Die Band ist ja des Musizierens

wegen gegründet worden“, meint Kris.

„Aber obwohl wir das ‚nur so’ machen

wollten, merkten wir schnell, dass es

eben eigentlich nur auf die eine Art geht:

Die ganze.“ Dafür, dass sie da angeblich

eher so „reingeschliddert“ sind, machen

die fünf von Johnny Liebling ihre Sache

eigentlich zu gut. Wer sie je im Konzert

erlebt hat, etwa auf ihrer eben abgeschlossenen

Deutschlandtournee, spürt

wahrscheinlich noch das Kratzen in der

heiseren Kehle und die schweißtreibende

Musik dieser Energiekapelle in den Knochen.

Auf „Goldene Zeiten“, ihrem ehrlichen

und umwerfenden Debüt, kann

man das jetzt nicht nur nachempfinden.

Die Studioproduktion, die so angenehm

authentisch, direkt und skrupellos

klingt, vermittelt auch die zerbrechlichen

Zwischentöne dieser oberflächlich

brachialen Naturgewalt. „An guten Tagen“

steht ebenso zu seiner herzbrecherischen

Melodie wie „Quelle“ zur unverblüm-

Erinnerungen

an Evans

Als der Bassist Marc Johnson

vor genau zwanzig Jahren für ECM sein

Solo-Debütalbum „Bass Desires“ aufnahm,

sicherte ihm damals schon die ebenso ausgefallene

wie hochkarätige Besetzung (mit

John Scofield, Bill Frisell und Peter Erskine)

Schlagzeilen. So wie der 1987 mit derselben

Band aufgenommene Nachfolger „Second

Sight“gilt „Bass Desires“ als eines der besten

und originellsten Jazzalben der gesamten

80er Jahre.

Auch auf Johnsons drittem ECM-Album

ist Scofield wieder zu hören, wenngleich

diesmal nur als einer von drei Gästen (die

beiden anderen sind Tenorsaxophonist Joe

Lovano und Organist Alain Mallet). Dreh-

und Angelpunkt ist diesmal aber ein Trio,

das Erinnerungen an das Bill Evans Trio

weckt, in dem Johnson von 1978 bis zum

Tod des großartigen Pianisten 1980 spielte

und das oft mit Evans’ legendärstem Trio

(jenem mit Scott LaFaro und Paul Motian)

verglichen wurde.

Mit der brasilianischen Pianistin Eliane

Elias und Schlagzeuger Joey Baron, die für

ihr filigranes Spiel und Einfühlungsvermögen

bekannt sind, fand Johnson eine Idealbesetzung.

Mit Baron spielte Johnson erstmals

1984 im Trio des italienischen Pianisten

Enrico Pieranunzi, mit Elias 1991 auf deren

Soloalbum „Long Story“. Nicht weniger

beeindruckend ist, wie die Gäste (allen voran

der formidable Joe Lovano) mit diesem wunderbar

intuitiv agierenden Trio harmonieren.

Der Titelsong ist übrigens eine Anspielung

auf LaFaros Komposition „Jade Visions“, die

das Bill Evans Trio 1961 für das Album „Sunday

At The Village Vanguard“ aufnahm.

MARC JOHNSON

Shades Of Jade

06024 987 1477

ten Erotik und „30 Sommer“ zur Midlifekriselnden

Sentimentalität. Ralph

Beulshausens „Goldene Zeiten“ ist

ebenso zynisch und wieder erkennbar

selbstkritisch, wie „Heroin“ von Tobias

Gruben bitter und böse ist. „Was wir

machen, ist total authentisch“, sagt Kris.

„Wir sind alle in einem Alter, in dem man

Musik nur noch aus Leidenschaft macht.

Jetzt ist klar: Das machst du bis zum Tod.

Das ist unser Weg. Und das merkt man

auch, denke ich.“ Spätestens da merkt

man auch, warum sich diese Band nach

dem Satansbraten und Schlagersänger

aus dem Film „Angel Heart“ genannt hat.

Sie sind so höllisch gut, dass man um

Gottes willen nicht mehr ohne sie auskommen

will.

JazzLink: liebling

JOHNNY LIEBLING

Goldene Zeiten

CD 06024 9871 183 5

LP 06024 9871 185 9


Seite 4 Ausgabe 3 Jahrgang 8

Classics

Später Triumph: SAMMY DAVIS JR. und CARMEN McRAE

Die Macht der Acht

Wenn’s um achtstimmigen Gesang geht, sind die

SWINGLE SINGERS unschlagbar. Jetzt werden

auch ihre Alben „American Look“ und „Place Vendôme“

perfekt remastert wiederveröffentlicht.

er Name klärt sich leichter auf als

Derwartet: Swingle ist kein seltsames

Wortspiel mit dem Swing, sondern

der Nachname des Bandgründers. Ward

Lamar Swingle aus Mobile in Alabama,

der schon mit 16 als Sänger und Saxophonist

der Big Band von Ted Fio Rio

auftrat, blieb nach seinem Fulbright-stipendierten

Klavierstudium mit Walter Gieseking

in Paris hängen. Eben 30, begann

er 1957 mit den Blue Stars zu singen,

einem vokalen Sex- bis Oktett um Blossom

Dearie, das gerade (noch ohne ihn)

seine ersten Jazzvokalisationen für Barclay

aufgenommen hatte. Mit einigem Achtungserfolg,

aber längst nicht so erfolgreich

wie die nachfolgenden Double Six,

dem vielleicht größten Gesangseinfluss

für einen gewissen Al Jarreau. Auch dieser,

von Mimi Perrin, einem Teilzeit-Blue-

Star, gegründeten Vokalgruppe gehörte

Ward Swingle an. Doch der wollte mehr

als nur Bebop singen. Mit Christiane

Legrand, mit der er in beiden vorhergehenden

Ensembles gesungen hatte, und

sechs weiteren akademisch ausgebildeten

Sängern, plus Bass und Schlagzeug,

hob er 1962 die Swingle Singers aus der

Taufe. Hier, endlich, konnte sich Swingle,

gelangweilt von „langweilig einfachen“

Poparrangements, nach bestem Wissen

und Gewissen austoben. Inspiriert

von Jacques Loussiers beswingten Klassikhits

nahmen auch die Swingle Singers

anfangs Alben wie „Swinging Mozart“,

„Going Baroque“ oder natürlich das

mit dem Grammy ausgezeichnete „Jazz

Sebastian Bach“ auf. Die Swingle Singers

waren echte Stars. In ihren Pierre-Bal-

Swingen heute noch: WARD SWINGLE und seine SINGERS

main-Anzügen und Yves-Saint-Laurent-

Abendkleidern traten sie beim Filmfest in

Cannes und im Weißen Haus auf. Nicht

nur Quincy Jones und Edith Piaf gehörten

zu ihren Fans, sondern auch Yehudi Menuhin,

Glenn Gould oder Svatoslav Richter.

Und natürlich John Lewis. Der „Third

Stream“-Maestro des Modern Jazz Quartet

gab seiner Bewunderung schließlich

mit einem gemeinsamen Albumprojekt

Ausdruck. Auf „Place Vendôme“ singen

und spielen das beste Jazzquartett seiner

Zeit und die vielleicht beste Vokalgruppe

aller Zeiten nicht nur klassische Werke

von Bach und Purcell, sondern auch vier

Kompositionen aus Lewis’ Feder. Auf

„American Look“, dem vorletzten Album

der Swingle Singers, widmen sich Swingle

und seine sieben Sangeskollegen sowohl

moderner Klassik als auch klassischem

Jazz und dessen Ursprüngen. Neben ein

paar Spirituals und Folksongs singen sie

darauf auch ein Stephen-Foster-Medley

und eine Suite mit den bekanntesten Stücken

aus Gershwins „Porgy And Bess“.

THE SWINGLE

SINGERS / THE

MODERN JAZZ

QUARTET

Place Vendôme

06024 9830 556 0

THE SWINGLE SIN-

GERS

American Look

06024 9830 555 3

Im akustischen Geschichtsbuch: DUKE ELLINGTON

Jazz im Spiegel

Wenn Louis Armstrong und Ella

Fitzgerald als das perfekte Paar

in Sachen Jazzgesang gelten,

kommt die Kombination von Sammy

Davis Jr. und Carmen McRae wohl unmittelbar

dahinter. Nur wusste das bislang

kaum jemand. Ihre erste gemeinsame

Single von 1955, mit „A Fine Romance“

auf der A- und dem lustigen Cha Cha „I

Go For You“ auf der B-Seite, ging ebenso

unter wie das erste ihrer gemeinsamen

Alben, „Boy Meets Girl“ von 1957, dessen

schnappschüssiges und pastellkoloriertes

Cover auch diese neue CD mit

den gesamten gemeinsamen Aufnahmen

ziert. Sogar für die zehn

Songs aus der Gershwin-Oper

„Porgy And Bess“, die Sammy

und Carmen 1958 aufnahmen,

konnte sich damals

kaum jemand erwärmen.

Was kaum nachzuvollziehen

ist, wenn man diese Aufnahmen

heute hört. Vielleicht

lag es ja bloß daran,

dass beide noch weit entfernt

von ihrem Karrierezenit

waren (obwohl Sammy

Davis Jr. schon damals

ungleich erfolgreicher als

seine Duettpartnerin war).

Ihre Stimmen könnten zu

Eine neue Box aus dem „Spiegel“-Verlag versammelt Highlights

des swingenden Jazz auf acht CDs: SPIEGEL JAZZ HISTORY.

piegel”-Leser hören mehr - ebenso

Ssorgfältig recherchiert wie das größte

deutsche Nachrichtenmagazin ist diese

Sammlung ausgesuchter Perlen der Jazzgeschichte

in Form einer acht CDs umfassenden

Sammlerbox. Jede Dekade - von

den 20er bis zu den 90er Jahren – passiert

mit vielen ihrer wichtigsten Protagonisten

Revue, die informativen Linernotes lassen

zusätzlich die Jazz-Geschehnisse der entsprechenden

Jahrzehnte wieder aufleben.

“It Don’t Mean A Thing, If It Ain’t Got

That Swing”, meinte Duke Ellington, und

bis heute gilt dieses Motto vielen Jazzmusikern

und Fans als Postulat. Im Sinne

Ellingtons folgt die SPIEGEL JAZZ

HISTORY vor allen Dingen den Spuren

des swingenden Jazz quer durch

das 20. Jahrhundert. Von der Jazzszene

der “roaring twenties” (sie nahmen mit

dem Börsenkrach ein jähes Ende) zu den

Swing-Bigbands von Benny Goodman

und Fletcher Henderson, die in den 30er

Jahren den Jazz zum Massenphänomen

machten. Von den Bebop-Bilderstürmern

der 40er, die den Weg in die 50er mit

Junge trifft Mädchen

Endlich erscheinen die gemeinsamen Aufnahmen von SAMMY DAVIS JR. und

CARMEN MCRAE auf einer CD. Echte Meisterwerke, nicht nur was die

Stimmen und ihren Gesang angeht, sondern auch in puncto Harmonie und Humor.

einer Genre-Vielfalt zwischen Cool und

Hard-Bop ebneten, bis zu den 60ern,

als der Jazz sich weiter aufspaltete - in

Soul-Jazz, Bossa Nova und Avantgarde.

Die 70er und 80er gelten als schwierige

Epoche für den Jazz, trotzdem beweist

die SPIEGEL JAZZ HISTORY, dass selbstverständlich

kein Mangel an auch heute

noch schönen und hörenswerten Aufnahmen

herrschte. Auch das Jazz-Revival

der 90er Jahre, mit einer Generation

junger Jazzkünstler wie Roy Hargrove,

Diana Krall und Till Brönner, spiegelt die

Box wider, deren CDs übrigens auch einzeln

erhältlich sind. Was Sie schon immer

über Jazz wissen wollten: Hier finden

Sie von A bis Z von allem ein bisschen.

Und wer nur ein bisschen “schnuppern”

möchte, dem sei der preiswerte Sampler

ans Herz gelegt.

VARIOUS ARTISTS

Spiegel Jazz History:

1920s–1990s

Verve 06024 983 1806

besonders gewesen sein oder die Arrangements

zu anspruchsvoll. Wahrscheinlich

ist das alles nicht. Näher liegt, dass

sie zu schwarz waren – nicht nur, was

ihre Hautfarbe, sondern auch was ihren

Humor, ihren Umgang miteinander und

ihre Sprache anging. Aber allein deshalb,

eben weil sich die beiden bei diesen

Sessions so ehrlich und großartig

und einzigartig erotisch ansingen, sind

sie unschlagbar. Nicht, dass ihre einzeln

eingesungenen Stücke für „Porgy And

Bess“, begleitet von Orchestern unter

der Leitung von Buddy Bregman, Morty

Stevens und Jack Pleis, nicht gut wären.

Carmens „Summertime“ ist mindestens

so schön und exemplarisch wie Sammys

„It Ain’t Necessarily So“. Aber ihr

gemeinsames „I Loves You, Porgy“ hat

trotzdem mehr Energie, Elan und Einzigartigkeit.

Glücklicherweise singen sie

sogar alle zwölf Stücke von „Boy Meets

Girl“ und den Extra-Singletrack „I Go For

You“ gemeinsam. Und wie! Schon beim

damals wie heute einführenden „Happy

To Make Your Acquaintance“ ziehen

sie alle Register. Sammy führt mit einer

extrem hip gesprochenen Anmache ein,

Carmen singt ihm daraufhin vor, wie

man eine Dame höflich anzusprechen

habe. Dann, weil sie insistiert, singt er

die Melodie, während sie ihn ermuntert

Alles oder Jazz

Man mag nicht zuletzt das Label ECM dafür loben oder

schelten, dass Jazz heute alles Mögliche bezeichnet.

er damals 26-jährige Manfred Eicher

Dlegte 1969 seine „Edition of Contemporary

Music“ in einer Zeit auf,

als Miles Davis noch tapfer gegen The

Grateful Dead anspielte und am Ende

verlor. ECM triumphierte dagegen immer

wieder. Die Millionenseller des Labels

(Keith Jarretts „Köln Concert“ oder Jan

Garbareks „Officium“) lagen zu ihrer

Veröffentlichung in keinem erkennbaren

Trend, vielleicht setzten sie dafür den

einen oder anderen. Was nun das Kontemporäre,

Zeitgenössische an Eichers

Editionen ist, darüber mag man nachdenken.

Möglicherweise hat ECM in

unserem Post-Zeitalter mit seiner Verbindung

von Futurismus mit Anachronismus

längst die so oft beschworene

Zeitlosigkeit erreicht. Nichtsdestotrotz

hat sich das Label in seiner 35-jährigen

Geschichte verschiedenste Phasen und

Facetten erlaubt. Das zeigen drei ziemlich

unterschiedliche, hoch interessante,

lang erwartete und gerade erschienene

Wiederveröffentlichungen aus den

70er Jahren. Julian Priesters 1973 in

San Francisco aufgenommenes Album

„Love, Love“ knüpft an den amerikanischen

Geist der frühen Weather Report

und die jazzigeren Seiten von Herbie

Hancocks Headhunters an, moogt und

wah-waht sich durch zwei epische Stücke

und 38 Minuten aufregender Afround

Brazil-Jazz-Fusion mit genialischen

Soloexkursen von Posaunist Priester und

Pianist Bayete Umbra Zindiko. Der Pianist

Steve Kuhn, der vergangenes Jahr

Da waren Pelze noch okay und Brillen groß: STEVE KUHN

und beglückwünscht. Die coole, tiefstimmige

Erotik, die perfekte Phrasierung der

Carmen McRae und das freche Gecroone

von Sammy Davis Jr. ergänzen sich auch

auf „Tea For Two“, „They Didn’t Believe

Me“, „You’re The Top“ oder „There’s

A Small Hotel“ perfekt. Die offensichtlich

spontanen Kommentare und Reaktionen,

die kleinen Spitzen gegen den

damals alles überschattenden Rock’n’Roll

oder Sammys geschickt eingebrachte

Stimmimitationen etwa von Nat „King“

Cole machen diese Duette zudem lebendig,

lustig und nicht zuletzt lustvoll. Der

Höhepunkt ist allerdings ihr komplett

szenisch durchgespieltes „Baby, It’s Cold

Outside“, die wohl beste Version dieses

unsterblichen Songs (sogar noch besser

als die von Ray Charles und Betty

Carter!). Besser spät als nie, denkt sich

der Freund musikalischer Meisterwerke,

wenn er diese CD in den Händen hält.

Schade nur, dass weder Sammy noch

Carmen diesen späten Triumph miterleben

können. JazzLink: davis

SAMMY DAVIS JR.

CARMEN MCREA

Boy Meets Girl

07314 5895 462 0

mit seinem Album „Promises Kept“ ein

grandioses Comeback erlebte und kurz

darauf in New York mit seinem Trio das

Debütalbum des Münchener Jazzsängers

Philipp Weiss einspielte (siehe auch Seite

9), nahm 1974, ebenfalls in New York,

seinen brasilophilen, stürmisch und intim

klingenden Klassiker „Trance“ auf, seit

den 90er Jahren eine gern gespielte Platte

aller möglichen Neo-Jazz-DJs wie Rainer

Trüby und Gilles Peterson. Auch „Trance“

setzte einen Trend, als Kuhn auf diesem

Album romantische Samba-Passagen mit

New Yorker Nostalgie kontrastierte. Die

Rhythm-Section aus Steve Swallow, Jack

DeJohnette und Perkussionistin Sue Evans

schmiegt sich wie ein Seidenhandschuh

an seine virtuosen Finger. Kontemplativer,

sparsamer und europäischer als vorangegangene

Alben ist dagegen „Music

From Two Basses“ von David Holland

(damals noch nicht Dave) und Barre

Phillips. Aufgenommen 1971, spiegelt

es die eigensinnige und experimentelle

Komponente ECMs wider, wenn Holland

und Barre auf manchmal unorthodoxe

Weise die Schwingungen ihrer Kontrabässe

miteinander verschmelzen. ECM

war zu dieser Zeit ein noch sehr junges

Label, heute würde man Start-up dazu

sagen. JazzLinks: kuhn, holland

STEVE KUHN

Trance

06024 987 1774


Womit man Omas rührt

GÖTZ ALSMANN küsst am besten.

Großmeister der Songrevue: GÖTZ ALSMANN

aben Sie schon einmal einen Karpfen

Hgeküsst? So einen schönen, gut gekühlten,

mit glasigen Augen und lasziv geöffneten

Lippen, der Sie des Nachts aus dem Kühlschrank

heraus anglotzt, wo Sie Ihre heimlichen

Kuss-Übungen mit dem blutigen Stück

Kalbsfleisch fortsetzen wollten, das nun nicht

mehr da ist, aber statt dessen jenes Prachtexemplar

von Karpfen?

Von solchen und ähnlichen Übungen weiß

Götz Alsmann viele hinreißende Lieder zu singen.

„Kuss“ heißt das neue Programm des

rastlosen Musikers und Moderators aus dem

westfälischen Münster, und es erzählt unter

anderem davon, wie ein pubertierender Kuss-

Gänsehaut-Stimme

Nur eine von vielen Glanzleistungen von LIZZ WRIGHT: Mit einer Jazz-CD,

die eher im Blues und Folk ihre Wurzeln hat, Pop-CD des Monats bei „Stereoplay“ zu werden.

LIZZ WRIGHT

Dreaming Wide

Awake

988 155-3

Auf dem roten Teppich: LIZZ WRIGHT

paria sich aufmacht, ein Meisterküsser

zu werden.

Der Untertitel „Eine musikalisch-rhetorische

Songrevue“ hält, was er verspricht.

Die Ankündigung des Mannes

mit der wetterfesten Tolle als „Doktor

Sommer des deutschen Jazzschlagers“

auch. Grandios wirbeln Wörter und

Töne, Alsmann übertrifft sich selbst

am Flügel, mimt erfolgreich den aalglatten

Verführer mit dem garstigen

Grundnaturell. Selbst Spielzeugklavier,

Kindergitarre und Melodica entfalten

ungeahnten Ausdrucksreichtum – von

todeinsam über anzüglich bis gruselig.

Und die Komusiker Altfrid Maria Sicking

an Vibraphon und Xylophon, Michael

Müller an der Bassgitarre, Rudi Marhold

am Schlagzeug und Markus Passlick an

Kongas, Bongos und vielem anderen spielen

auf, dass es ein Vergnügen ist.

Wundersame Begegnungen passieren

da zwischen Schlager, Jazz, Klassik und

Klamauk. Wir erfahren, wie der kleine

Götz von seinem Klavierlehrer, einem

Ex-Stummfilmbegleiter, beigebracht

bekommt, wie man aus einem sehr schönen

Stück ein „sehr, sehr schönes Stück“

macht, zum Beispiel mit einer eiskalt auf

die Tränendrüsen der Oma zielenden

Fusion von „Stille Nacht“ mit den silbrigen

Glöckchen-Einwürfen des „Donauwalzers“,

deren Erfolg den Knaben zu

dem Entschluss bewegt, Berufsmusiker zu

werden.

Wir erfahren ferner, dass auch Bonbons

vortrefflich Musikinstrumente bauen können;

dass die Mehrzahl der Musiker aus

nordrhein-westfälischen Orten mit schlimmen

Doppelnamen kommt, die klingen

wie die Namen von Erdkunde-Lehrerinnen

mit halben Stellen; und welch schaurige

Begegnungen bei der Deutschen

Schlafwagengesellschaft möglich sind.

Das alles passiert bei Götz Alsmann

so ganz nebenbei zwischen zündenden

Musikeinlagen, die gar nicht so einfach im

Sitzen anzuhören sind. Und so war denn

auch das Publikum in der gut besuchten

Alten Oper sehr glücklich. Zum Küssen.

Annette Becker, Frankfurter

Rundschau 30.05.2005

GÖTZ ALSMANN

Kuss

00750 210 3663

Die Jungs machen’s richtig

Der dritte Teil der Serie VERVE//REMIXED polarisiert – und das soll er auch.

he Boy’s Doin’ It“ von Hugh Masekela,

Tin der Neubearbeitung von Carl Craig,

ist wohl einer der Stand-out-Tracks dieser

Compilation. Willkommen zur dritten

Runde der genauso beliebten wie teilweise

auch verhassten Remixes von Verve-

G enau zwei Jahre ist es her, da

weckte eine junge farbige Sängerin

aus dem US-Süden Begeisterungsstürme

mit ihrer ungewöhnlich klaren,

runden, reifen, eleganten Stimme.

Lizz Wright verdichtete ihre souveräne

Jazz- und Gospel-Performance

in dem fabelhaften Album „Salt“ (CD

des Monats in „Stereoplay“ 7/03).

Eine solche Glanzleistung noch einmal

zu toppen, scheint fast nicht

möglich, doch der Ausnahmesängerin

aus einer Kleinstadt in Georgia

ist es tatsächlich gelungen. Das aktuelle

Album „Dreaming Wide Awake“

(erschienen bei Verve/UMG) entstand

unter der Regie von Cassandra Wilsons

Hausproduzent Craig Street und

legt den Vergleich Wright/Wilson

noch zwingender nahe als das Debüt.

Der relaxte Jazz-Flow des Vorgängers

wich einer sparsamen Blues-Folk-

Pop-Instrumentierung, die für Miss

Wrights vokale Möglichkeiten buchstäblich

den roten Teppich ausrollt.

Man lauscht der manchmal fast nur

gehauchten Stimme – und möchte

ob ihrer Intensität selbst den Atem

anhalten.

Matthias Inhoffen,

Stereoplay 07/05

Records-Klassikern.

Glücklicherweise lehnen sich die

Beteiligten diesmal ein wenig mehr

aus dem Fenster. Dabei ist der Anteil

an Eighties-inspirierter Elektronik

überraschend hoch und steht den

Stücken überraschend gut zu Gesicht.

Aber es ist auch genug Platz für herzerweichende

Verbeugungen vor Billie

Holiday („Speak Low“). Überraschend,

frisch, mutig.

Christian Fuchs, H.O.M.E. 06/05

Ausgabe 3 Jahrgang 8

Das TRIO Wasilewski / Kurkiewicz / Miskiewicz

hat sich aus Tomasz Stankos Schatten herausgespielt.

Erfolg im Trio: SLAWOMIR KURKIEWICZ, MARCIN WASILEWSKI, MICHAL MISKIEWICZ

Im Alter weise

Vier neue Stücke hat Wayne Shorter

geschrieben. Sie sind auf dem überragenden

Live-Album zu hören, das einen

imposanten Eindruck vermittelt von den

Konzerten der triumphalen Live-Tour des

inzwischen über 70-jährigen Sopransaxophonisten.

Die Aufnahmen – entstanden

zwischen 2002 und 2004 – sind, obwohl

immer wieder ausgeblendet, aus einem

Guss. Sie präsentieren ein formidables

Quartett (Danilo Pérez, p, John Patituc ci,

b, Brian Blade, dr), das zum Besten des

gegenwärtigen Jazz zählt. Es bewegt

sich weit entfernt von neokonservativen

Richtungen, hält sich fern von Standards

und anderem bekannten Material, bietet

dafür Free-Ergüsse eigener Prägung.

Die Kompositionen beruhen auf breit

angelegten Prozessen, in denen sich das

solistische Profil der beteiligten Musiker

schärft. Shorter ist bekannt für komponierte

Klangwelten voller rhapsodischer

Melodiebögen, die von weiten Intervallen

und unerwarteten Akkordbrechungen

Seite 5

Feedback

Organische Einheit

as gute alte Klaviertrio sieht sich

Dplötzlich wie eine Popikone vom

Erfolg verwöhnt. Die großen Seller wandeln

dabei auf einem Weg, den Keith Jarrett

entscheidend geebnet hat. Das Label

ECM steht für den Anfang dieses Weges,

und immer hat es auch die geheimnisvollen

Seiten- und Nebenstraßen gepflegt,

die den Weg durch die Pianolandschaft

mäandrierend begleiten; man denke

an Paul Bley oder Marilyn Crispell. Kein

Wunder also, dass ECM auf dem Höhepunkt

des Klaviertrio-Booms das Debütalbum

eines polnischen Trios vorlegt, das

die Seiten- und Nebenstraßen in aktuelle

VARIOUS ARTISTS

Verve//Remixed 3

988 007-7

Gefilde lenkt. Die subtile, klangmodellierende

Spielkultur lässt an das aufregende

und dann nie gehaltene Versprechen

denken, das der junge Pianist Wolfgang

Dauner vor vierzig Jahren mit „Dream

Talk“ gab; hier erfährt es endlich seine

zeitgemäße Einlösung. Ganz natürlich

manifestiert sich der Geist der Zeit mitunter

in binärer, schwebend leichtfüßiger

Rhythmik. Völlig überraschend kommt

diese Musik, die immer wieder die harmonische

Raffinesse feiert, nicht: das Trio

aus dem Pianisten Marcin Wasilewski,

dem Bassisten Slawomir Kurkiewicz und

dem Schlagzeuger Michal Miskiewski ist

bereits seit neun Jahren die so wunderbar

einfühlsame Begleitband des Trompeten-

Poeten Tomasz Stanko. Jetzt beweisen die

drei Musiker, die ganz unspektakulär Riesenvirtuosen

auf ihren Instrumenten sind,

dass aus ihrem jahrzehntelangen Zusammenspiel

eine organische Trioeinheit

erwachsen ist, die diesseits und jenseits

des Baltikums an subtiler Tiefendurchdringung

des verarbeiteten Materials und

ihrer warmherzigen Kommunikation ihresgleichen

sucht.

Thomas Fitterling, Rondo 03/05

M. WASILEWSKI

S. KURKIEWICZ

M. MISKIEWICZ

Trio

06024 982 0632

WAYNE SHORTERs neues Live-Album präsentiert mehr

als nur ein formidables Quartett, das einen imposanten

Eindruck vermittelt.

ie unzähligen Solokonzerte von Keith

DJarrett fanden ein abruptes Ende mit

dem rätselhaften Chronic Fatigue Syndrome,

an dem er 1996 erkrankte. Ein

musikalisches Highlight ereignete sich

im Oktober 2002, als Jarrett in Japan

demonstrierte, dass er nicht nur seit einiger

Zeit im Trio wieder zu alter Form

gespeist werden. Der Sopransaxophonist

ist mittlerweile an Steve Lacys Stelle

getreten. Er spielt mit den Sounds seines

Instruments, liefert impressionistische Bilder,

unzählige Obertöne und farbenfrohe

Akkorde. Die ins Expressive schießenden

Klangbilder dringen in die Tiefe und lassen

manche Assoziationen zur europäischen

Kunstmusik aufkommen. Pérez und

Patitucci sind die richtigen Partner, einzig

Brian Blade drängt sich mitunter mit donnernden

Schlägen in den Vordergrund,

könnte mehr Sensibilität walten lassen.

Aber insgesamt ein Quartett auf der Höhe

seiner Kunst und ein Leader, der im Alter

wirklich weise geworden ist.

Reiner Kobe, Jazzpodium

07/08/05

WAYNE SHORTER

Beyond

The Sound Barrier

06024 988 1281

Leuchtkraft

Trotz schwerer Krankheit hat KEITH JARRETT auch live

zu alter Form und Spiritualität zurückgefunden.

In alter Form: KEITH JARRETT

und Spiritualität zurückgefunden hatte,

sondern sich mit unerschütterlicher

Schaffenskraft vor allem solistisch weiter

entwickelt hat. Außer seiner ungebrochen

stilistisch und expressiv mannigfaltigen

Ausdruckskraft am Flügel präsentierte Jarrett

eine deutlich veränderte Dramaturgie

zu früheren Soloimprovisationen, die

sich nun in Osaka von kurzen Interludien

über satzartige Themen zu einer Art Suite

fügten. ECM veröffentlicht anlässlich seines

60. Geburtstags das komplette Solo-

Konzert, sowie Ausschnitte des ein paar

Tage später folgenden Auftritts in Tokio.

„Radiance“ ist ein pianistisches Werk von

unendlich großer Leuchtkraft.

T. J. Krebs, Jazzzeitung 06/05

JazzLink: jarrett

KEITH JARRETT

Radiance

06024 986 9818


Seite 6 Ausgabe 3 Jahrgang 8

Details

Jazz-Neuheiten

ANNA MARIA JOPEK

Secret

EmArcy 06024 987 0158

MUSIKER: Anna Maria Jopek: vocals,

keyboards & programming, Robert

Majewski: trumpet & flugelhorn, Henryk

Miskiewicz: soprano sax, Piotr Nazaruk:

flutes & percussion, Pawel Zarecki:

piano, keyboards & programming,

Leszek Mozder: piano, Marcin Pospieszalski:

guitars, keyboards, bass & programming,

Marcin Kydrynski & Marek

Napiorkowski: guitars, Robert Kubiszyn

& Slawomir Kurkiewicz: double-basses,

Cezary Konrad: drums & percussion,

Tomas Sanchez: congas & percussion,

Michael Zebrowski: Polish voice on „All

The Virtues“

SONGS: I Burn For You / Don’t Speak /

Insatiable / Cherry Tree / Secret / The

Wind / Moondance / A Thousand Years /

Sleep / Water / All The Virtues

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JOHNNY LIEBLING

Goldene Zeiten

Boutique 06024 987 1183 (CD)

06024 987 1185 (LP)

MUSIKER: Kris Kiel: vocals, Ralph Belshausen:

vocals, trumpet, Martin Fekl:

guitar, Kim Kiesling: bass, Rüdiger Hensel:

drums

GÄSTE: Running Waters: rap (5), Lalah:

vocals (11)

SONGS: Goldene Zeiten / Pest / Zu

Hause / TP.P.B. / Prinzen / An guten

Tagen / Abre los ojos / Vampire / Heroin

/ Niemals / Quelle / Eva / 30 Sommer /

Bonustrack: An guten Tagen (Videoclip)

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MINGUS BIG BAND, ORCHESTRA

& DYNASTY

I Am Three

EmArcy 06024 983 1140

MUSIKER: Mingus Big Band (MBB): Kenny

Rampton: trumpet, Randy Brecker & Jeremy

Pelt: trumpets (1, 6 & 10), Jack Walrath

& Walter White: trumpets (2, 4 & 5),

Alex Foster & Jaleel Shaw: alto saxes (1, 6

& 10), Miguel Zenon: alto sax (2, 4 & 5),

Craig Handy: alto sax (2, 4, 5 & 10), Abraham

Burton: tenor sax, Wayne Escoffery:

tenor sax (1, 6 & 10), Seamus Blake: tenor

sax (2, 4 & 5), Ronnie Cuber: baritone sax

(1, 6 & 10), Scott Robinson: baritone sax

(2, 4 & 5), Ku-Umba Frank Lacy & Conrad

Herwig: trombones, Earl McIntyre: bass

trombone & tuba, George Colligan: piano

MERCEDES SOSA

Corazón Libre

Deutsche Grammophon 00289 474 1982

MUSIKER: Mercedes Sosa: vocals, Coqui

Sosa, Pocho Sosa: vocals, Alberto Rojo, Jorge

Giulano: guitar, Eduardo Falú: guitar &

vocals, Javier Casalla: violin, Luis Salinas:

guitar & vocals, Norberto Córdoba: bass,

Chango Farias Gómez: bombo, cajón peruano,

vocals, Facundo Guevara: bombos legüeros,

maderas, semillas

SONGS: Los niños de nuestro olvido / El

olvidau / Cantor del obraje / Sólo pa’bailarla

/ País / Chacarera del fuego / Tonada del

viejo amor / Como flor del campo / Zamba

de Argamonte / Sufrida tierra / Tonada del

otoño / La canción es urgente / Todo cambia

/ Lapachos en primavera / Corazón libre / Y

la milonga lo sabe

Mehr zu dieser CD auf Seite 11.

(1 & 10), John Hicks: piano (10), Orrin

Evans: piano (2, 4 & 5), Boris Kozlov: bass

(all tracks) & arrangement (5), Johnathan

Blake: drums (1, 6 & 10), Donald

Edwards: drums (2, 4 & 5), John C. Stubblefield:

arrangements (1, 6 & 10), Robin

Eubanks: arrangement (2)

Mingus Orchestra (MO): Kenny Rampton:

trumpet, Ku-Umba Frank Lacy: trombone,

Bobby Routch: French horn, Seamus

Blake: tenor sax, Craig Handy: alto sax,

Douglas Yates: bass clarinet, Michael Rabinowitz:

bassoon, Jack Wilkins: guitar, Boris

Kozlov: bass, Donald Edwards: drums, Sy

Johnson: arrangements

Mingus Dynasty (MD): Kenny Rampton:

trumpet, Ku-Umba Frank Lacy: trombone,

Craig Handy: alto sax & flute, Seamus

Blake: tenor sax, Orrin Evans: piano, Boris

Kozlov: bass & arrangements, Donald

Edwards: drums

SONGS: Song With Orange (MBB) /

MDM (MBB) / Chill Of Death (MO) / Paris

In Blue (MBB) / Tensions (MBB) / Orange

Is The Colour Of Her Dress (MBB) / Cell

Block F’Tis Nazi USA (MD) / Todo modo

(MO) / Wednesday Prayer Meeting (MD)

/ Pedal Point Blues (MBB)

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CHARLIE HADEN

LIBERATION MUSIC ORCHESTRA

Not In Our Name

EmArcy 06024 982 9248

MUSIKER: Miguel Zenón: alto sax, Chris

Cheek & Tony Malaby: tenor saxes, Michael

Rodríguez & Seneca Black: trumpets, Curtis

Fowlkes: trombone, Joe Daley: tuba, Sharon

Freeman: French horn, Carla Bley: keyboards

& arrangements, Steve Cardenas: guitars,

Charlie Haden: acoustic bass, Matt Wilson:

drums

SONGS: Not In Our Name / This Is Not America

/ Blue Anthem (Medley): America The

Beautiful (by Samuel Augustus Ward) – America

The Beautiful (by Gary McFarland) – Lift

Every Voice And Sing – Skies Of America /

Amazing Grace / Goin’ Home / Throughout /

Adagio

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JAMIE CULLUM

Catching Tales

Verve 06024 987 3771

MUSIKER: Jamie Cullum: vocals, piano, keyboards,

Hammond organ, Fender Rhodes,

Wurlitzer, Moog synthesizer, Omnichord, guitar,

percussion, xylophone, programming,

beats & electronics, Dan Nakamura: programming,

beats & magic, Alan Barnes: alto sax,

Ben Cullum: electric bass & backing vocals,

Merlo Podlewski: electric bass, Geoff Gascoyne:

acoustic bass & string arrangements,

John Heard: acoustic bass, James Gadson

& Sebastian de Krom: drums, Ian Thomas:

drums & percussion, Terri Walker, Isabella

Cannell, Joel Priest, Sebastiaan de Krom &

Mark Emms: backing vocals & party people,

London Session Orchestra: string

SONGS: Get Your Way / London Skies / Photograph

/ I Only Have Eyes For You / Nothing

I Do / Mind Trick / 21st Century Kid / I‘m Glad

There Is You / Oh God / Catch The Sun / 7

Days To Change Your Life / Our Day Will Come

/ Back To The Ground / Wifey / My Yard

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GEORGE BENSON

The Best Live

Verve 0604 988 4353

MUSIKER: George Benson: vocals & guitars,

Michael O’Neill: guitar & vocals, Joe

Sample: piano, David Witham: musical

direction & piano, Thom Hall: keyboards,

Stanely Banks: bass, Michael White: drums,

Dio Saucedo: percussion & vocals

SONGS: Turn Your Love Around / This Masquerade

/ Breezin’ / Love X Love / Deeper

Than You Think / The Ghetto / Never Give

Up On A Good Thing / Hipping The Hop /

Give Me The Night / On Broadway

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LEE RITENOUR

World Of Brazil

GRP 06024 988 2956

MUSIKER: Lee Ritenour: guitars, keyboards,

bass & synthesizers, João Bosco,

Djavan, Gonzaguinha, Caetano Veloso,

Ivan Lins & El DeBarge: lead vocals, Art

Porter & Steve Tavaglione: soprano saxes,

Ernie Watts: tenor sax, Russell Ferrante,

Dave Grusin & Larry Williams: keyboards,

Herbie Hancock: piano, Daniel Higgins:

flute, Melvin Davis, Anthony Jackson,

Jimmy Johnson & John Patitucci: basses,

Omar Hakim, Gary Novak & Carlos Vega:

drums, Alex Acuña, Carlinhos Brown, Paulinho

da Costa & Cássio Duarte: percussion,

Gracinha Leporace, Carol Rogers,

Marietta Waters & Regina Werneck: background

vocals, u.a.

SONGS: Water To Drink (Água de beber) /

Latin Lovers / Linda (Você é linda) / Dindi

/ Stone Flower / San Ysidro / Harlequin

(Arlequim desconhecido) / Bahia Funk /

Asa / Windmill / É

Aufnahmedatum: 1985 – 1997

MARK MURPHY

Once To Every Heart

Verve 06024 987 2410

MUSIKER: Mark Murphy: vocals, piano,

Till Brönner: trumpet, flugelhorn &

production, Frank Chastenier: piano,

Christian von Kaphengst: acoustic bass,

orchestra arranged & conducted by Nan

Schwartz

SONGS: I’m Through With Love / When

I Fall In Love – My One And Only Love /

Skylark – You Don’t Know What Love Is

/ Our Game / I Know You From Somewhere

/ Bein’ Green / Once To Every

Heart / It Never Entered My Mind / Do

Nothing Till You Hear From Me / Love Is

Here To Stay

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Den brasilianischen Einfluss hört man bei

Lee Ritenour, seit der kalifornische Gitarrist

in den frühen 70ern seine professionelle

Laufbahn begann. Ziemlich am Anfang

seiner Karriere war er etwa eine zeitlang

Mitglied von Sérgio Mendes’ Brasil ’77.

„Rio“ war 1979 sein erstes eigenes Album

mit betont brasilianischem Einschlag. Seitdem

hat Ritenour brasilianischen Klängen

und Rhythmen immer wieder Platz auf

seinen Alben eingeräumt. Die Compilation

„World Of Brazil“ enthält einige der

besten Aufnahmen von den Alben „Harlequin“,

„Portrait“, „Festival“, „Color Rit“

und „A Twist Of Jobim“. Die Highlights

sind natürlich die originären brasilianischen

Songs, die er mit den MPB-Stars

João Bosco, Djavan, Caetano Veloso, Ivan

Lins, Carlinhos Brown und dem 1991 verstorbenen

Gonzaguinha aufnahm.

KENNY BARRON TRIO

Live At Bradley’s II

EmArcy 06024 9831 1240

MUSIKER: Kenny Barron: piano, Ray

Drummond: bass, Ben Riley: drums

SONGS: You Don’t Know What Love Is /

The Only One / Twilight Song / Shuffle

Boil / Well, You Needn’t

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NYLON

Eine kleine Sehnsucht

Boutique 06024 987 2412

MUSIKER: Lisa Bassenge: vocals, Paul

Kleber: bass, drums, Stefan Rogall,

Hagen Demmin, Arnold Kasar: keyboards,

programming, background

vocals

SONGS: Wannsee ahoi / Liebe macht

blöd / Glück / Wenn ich mir was wünschen

dürfte / Unter den Sternen / Kurze

Weile / Karaoke Bar / Perlen / So oder so

ist das Leben / Ich weiss nicht zu wem

ich gehöre

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ECM

MANU KATCHÉ

Neighbourhood

ECM 06024 986 9815

MUSIKER: Manu Katché: drums, Tomasz

Stanko: trumpet, Jan Garbarek: tenor

& soprano saxes, Marcin Wasilewski:

piano, Slawomir Kurkiewicz: double-bass

SONGS: November 99 / Number One /

Lullaby / Good Influence / February Sun

/ No Rush / Lovely Walk / Take Off And

Land / Miles Away / Rose

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EVAN PARKER ELECTRO-

ACOUSTIC ENSEMBLE

The Eleventh Hour

ECM 06024 987 0854

MUSIKER: Evan Parker: soprano sax &

voice, Philipp Wachsmann: violin & live

electronics, Paul Lytton: percussion &

live electronics, Agustí Fernandez: piano

& prepared piano, Adam Linson: double-bass,

Lawrence Casserley: signal

processing instrument, percussion &

voice, Joel Ryan: sample & signal processing,

Walter Prati: computer processing,

Richard Barrett & Paul Obermayer:

sampling keyboards & live electronics,

Marco Vecchi: sound projection

SONGS: Shadow Play / The Eleventh

Hour: Part 1 / Part 2 / Part 3 / Part 4 /

Part 5

1992 gründete der britische Saxophonist

Evan Parker sein Electro-Acoustic

Ensemble, um in einem auf Improvisation

basierenden Kontext die Klänge

akustischer Instrumente mit jenen live

bedienter elektronischer Geräte und

Computer zu verbinden. „Die Erforschung

der Bezüge zwischen elektronisch

bearbeitetem Material und

Naturklang“, hieß es in einer Rezension

der „Süddeutschen Zeitung“, „gehörte

von Anfang an zum sowohl ästhetisch

avanciertesten wie intellektuell anregendsten,

was die europäische Improvisationsmusik

in ihrer genretypischen

Avantgarde-Erstarrung in den letzten

zehn Jahren hervor gebracht hat.“

„The Eleventh Hour“ ist nun schon das

vierte Album dieses außergewöhnlichen

Ensembles, das einst als Sextett begann

und mittlerweile elf Mitglieder umfasst.

Das einstündige Titelstück entstand als

Auftragsarbeit des Glasgower Centre for

Contemporary Arts.

BOBO STENSON TRIO

Goodbye

ECM 06024 982 5173

MUSIKER: Bobo Stenson: piano, Anders

Jormin: double-bass, Paul Motian:

drums

SONGS: Send In The Clowns / Rowan /

Alfonsina / There Comes A Time / Song

About Earth / Seli / Goodbye / Music

For A While / Allegretto Rubato / Jack

Of Clubs / Sudan / Queer Street / Triple

Play / Race Face

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MARC JOHNSON

Shades Of Jade

ECM 06024 987 1477

MUSIKER: Joe Lovano: tenor sax, John Scofield:

guitar, Alain Mallet: organ, Eliane Elias:

piano, Marc Johnson: double-bass, Joey

Baron: drums

SONGS: Ton sur ton / Apareceu / Shades Of

Jade / In 30 Hours / Blue Nefertiti / Snow /

Since You Asked / Raise / All Yours / Don’t

Ask Of Me (Intz Mi Khntrir, Armenian song

by Anton Mailyan)

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IRO HAARLA

Northbound

ECM 06024 987 0377

MUSIKER: Iro Haarla: piano & harp, Trygve

Seim: tenor & soprano saxes, Mathias Eick:

trumpet, Uffe Krokfors: double-bass, Jon

Christensen: drums

SONGS: Avian Kingdom / Barcarole / With

Thanksgiving / Time For Recollection / On

A Crest Of A Wave / Waterworn Rocks / Veil

Of Mist / Light In The Sadness / A Singing

Water Nymph / Yarra, Yarra … / Northbound


Die finnische Pianistin, Harfinistin und Komponistin

Iro Haarla, die mit „Northbound“

ihr erstes Album unter eigenem Namen

bei ECM veröffentlicht, ist die Witwe des

1999 verstorbenen finnischen Schlagzeugers

Edward Vesala. Als Mitglied von Vesalas

Band Sound & Fury war Haarla schon auf

vier ECM-Alben zu hören. Nun gründete sie

mit Trygve Seim, Mathias Eick, Uffe Krokfors

und Jon Christensen ein eigenes Quintett,

das der Improvisation wesentlich mehr Platz

einräumt, als dies bei Vesalas Sound & Fury

je der Fall war. Haarla selbst stellt sich hier

nicht nur als versierte Pianistin und Harfinistin

vor, sondern auch als Komponistin mit

sehr eigener Handschrift.

THOMAS STRØNEN

Parish

ECM 06024 987 0376

MUSIKER: Thomas Strønen: drums, Fredrik

Ljungkvist: clarinet & tenor sax,

Bobo Stenson: piano, Mats Eilertsen:

double-bass

SONGS: Improvisation I / Suite For Trio

I / Suite For Trio II / Suite For Trio III /

Suite For Trio IV / Improvisation II / Easta

/ Daddycation / Travel I / Quartz / Murring

/ Travel II / In Motion / C moll maj /

Improvisation III / Nu

„Parish“ ist der Name dieses schon 2001

gegründeten Quartetts, das jeweils zur

Hälfte aus norwegischen (Strønen und

Eilertsen) und schwedischen (Stenson

und Ljungkvist) Musikern besteht und

improvisierten kammermusikalischen

Jazz in der Tradition von Paul Bley und

Jimmy Giuffre spielt. Geleitet wird das

Quartett, das hier vorwiegend mit balladesken

Improvisationen besticht, vom

33-jährigen Thomas Strønen, der schon

mit Tomasz Stanko und Silje Nergaard

arbeitete sowie Mitglied der mittlerweile

aufgelösten norwegisch-britischen Band

Food war.

ANDREY DERGACHEV

The Return

ECM 06024 987 1318

MUSIKER: Music by Andrey Dergachev

SONGS: Underwater / Old Man / Shorty / In

The Bedroom / The Road / Mugam / Titles

– Run / Japan / Bekhtovo / Port / Mozart /

Rehearsal / Culmination / Piano / Georgians

/ Final Titles / Rain

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JON BALKE & BATAGRAF

Statements

ECM 06024 987 1461

MUSIKER: Jon Balke: keyboards, percussion,

vocals & sound processing, Sidsel Endresen:

text recitals in English, Miki N’Doye: text

recital in Wolof, Solveig Slettahjell: vocals,

Frode Nymo: alto sax, Arve Henriksen: trumpet,

Kenneth Ekornes, Harald Skullerud,

Helge Andreas Norbakken & Ingar Zach:

percussion, Jocely Sete Camara Silva, Jennifer

Myskja Balke & unknown media announcers:

voices

SONGS: Haomanna / Butano / Rraka / Doublespeak

/ Pregoneras del bosque / Betong /

Altiett / En vuelo / Pajaro / Whistleblower /

Karagong / Unknown

Als der Keyboarder und Perkussionist Jon

Balke 2002 mit vier Schlagzeugern und

Perkussionisten das Ensemble Batagraf ins

Leben rief, hatte er eigentlich gar nicht im

Sinn, mit der „Band“ Konzerte zu geben

oder Platten aufzunehmen. Er wollte einfach

nur im privaten Freundeskreis ausprobieren,

ob man „die metrischen, rigiden Grooves

des Computerzeitalters“ nicht aufbrechen

und in einen melodischen Fluss bringen

könnte. Als Basisinstrument wählten Balke

und seine (in Jazzkreisen bestens bekannten)

Freunde die kubanischen Bata-Trommeln.

Mit Verstärkung durch den jungen Altsaxophonisten

Frode Nymo und eine Reihe von

Gästen (u.a. Sidsel Endresen und Arve Henriksen)

nahm dieses Ensemble nun glücklicherweise

doch ein Album auf, auf dem die

Poesie des Rhythmus sowie der Rhythmus

und die Musikalität des gesprochenen Wortes

im Mittelpunkt stehen.

LPR

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auf www.jazzecho.de

ERNIE ANDREWS

This Is Ernie Andrews

GRP 06024 9881867 1

ELLA FITZGERALD

Hello, Dolly

Verve 06024 9881865 7

MILTON NASCIMENTO

Courage

Verve 06024 9881948 7

JIMMY SMITH

Stay Loose

Verve 06024 9881866 4

JIMMY WITHERSPOON /

BROTHER JACK MCDUFF

The Blues Is Now

Verve 06024 9864471 3

MARLENA SHAW

The Spice Of Life

GRP 06024 9881869 5

SARAH VAUGHAN

After Hours At The London House

Verve 06024 9881904 3

DINAH WASHINGTON

I Wanna Be Loved

Verve 06024 9881870 1

TILL BRÖNNER

”A Night in Berlin”

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l exklusiver Bonusfilm

l Laufzeit: 105 Minuten

l High-Definition Bildqualität

l 5.1/Dolby Digital Ton

TOURDATEN 2005

01.11.05 Baden Baden Festspielhaus

02.11.05 München Philharmonie

04.11.05 Berlin Philharmonie

05.11.05 Karlsruhe J.-Brahms-Saal

06.11.05 Mannheim Mozartsaal

07.11.05 Bremen Glocke

08.11.05 Lübeck MuK

10.11.05 Dresden Kulturpalast

13.11.05 Hannover Theater am Aegi

14.11.05 Nürnberg Meistersingerhalle

15.11.05 Essen Philharmonie

Veranstalter : DEAG, Tickethotline : 01805-332433

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Ausgabe 3 Jahrgang 8

www.tillbroenner.com

Seite 7

Details


Seite 8 Ausgabe 3 Jahrgang 8

Details

Compilations

VARIOUS ARTISTS

Spiegel Jazz History, Vol. 1:

The Roaring Twenties

Verve 06024 983 1782

VARIOUS ARTISTS

Spiegel Jazz History, Vol. 2:

The Swinging Thirties

Verve 06024 983 1783

VARIOUS ARTISTS

Spiegel Jazz History, Vol. 3:

The Fabulous Forties

Verve 06024 983 1784

VARIOUS ARTISTS

Spiegel Jazz History, Vol. 4:

The Cool Fifties

Verve 06024 983 1785

VARIOUS ARTISTS

Spiegel Jazz History, Vol. 5:

The Dynamic Sixties

Verve 06024 983 1786

VARIOUS ARTISTS

Spiegel Jazz History, Vol. 6:

The Splendid Seventies

Verve 06024 983 1787

VARIOUS ARTISTS

Spiegel Jazz History, Vol. 7:

The Virtuoso Eighties

Verve 06024 983 1788

VARIOUS ARTISTS

Spiegel Jazz History, Vol. 8:

The Timeless Nineties

Verve 06024 983 1790

VARIOUS ARTISTS

The Best Of Spiegel Jazz History

Verve 06024 983 1835

Alle Details zu dieser Serie

auf www.jazzecho.de

VARIOUS ARTISTS

Music From Broken Flowers

Decca 988 3781

REPERTOIRE: The Greenhornes: There Is

An End / Mulatu Astatke: Yegelle Tezeta

/ The Tennors: Ride Your Donkey / Marvin

Gaye: I Want You / Mulatu Astatke:

Yekermo Sew / Brian Jonestown Massacre:

Not If You Were The Last Dandy On

Earth / Holly Golightly: Tell Me Now So I

Know / Mulatu Astatke: Gubelye /

Sleep: Dopesmoker / Oxford Camerata:

Requiem Op. 48 (Pie Jesu) By Gabriel

Fauré / Dengue Fever: Ethanopium / The

Greenhornes: Unnatural Habit

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Alle LP-Reissues von

Speakers Corner

im gut sortierten Schallplattenhandel

und Hi-Fi-

Fach geschäften. Weitere

Bezugsquellen unter

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BENNY CARTER:

Further Definitions

Impulse AS-12 / 04260 019 7124

MUSIKER: Benny Carter & Phil

Woods: alto saxes, Coleman

Hawkins & Charles Rouse: tenor

saxes, Dick Katz: piano, John Collins:

guitar, Jimmy Garrison: bass,

Jo Jones: drums

SONGS: Honeysuckle Rose / The

Midnight Sun Will Never Set /

Crazy Rhythm / Blue Star / Cotton

Tail / Body & Soul / Cherry /

Doozy

Aufnahmedatum: 1961

VARIOUS ARTISTS

Def Jazz

Verve 06024 988 2877

MUSIKER: Kevin Toney & Dok Ross: keyboard

programming & string arrangements,

Tony Joseph: drum programming,

percussion & string arrangements,

Audra Bryant & Ledisi: vocal arrangements,

Dwight Sills: rhythm guitar, Alex

Al & Kevin O’Neal: basses, Paul Litteral:

trumpet & horn arrangements, Scott

Mayo: saxes, flute & horn arrangements,

Bud Harner: drum fills, DJ Vicious Lee:

scratches

FEATURING: Roy Hargrove: trumpet (1),

Joey DeFrancesco: Hammond B-3 (1 &

10), Gerald Albright: sax (2 & 8), Kevin

Toney: vibes, Wurlitzer & Moog (2 &

5), Jeff Lorber: Wurlitzer, vibes, Moog &

piano (3 & 9), Dwight Sills: guitar (3, 4,

7 & 9), Audra Bryant: vocals (4), Hubert

Laws: flute (5), Ledisi: vocals (6), Oran

„Juice“ Jones: rap (6), Rick Braun: trumpet

(7), Ach: vocals (8), Scott Mayo: sax (10)

SONGS: All I Need / Hey Young World /

Can I Get A… / Doin’ It / Bring The Pain

/ The Rain / Ghetto Jam / Get U Home /

Back Seat / Give It Up

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VARIOUS ARTISTS

Mojo Club Presents Dancefloor

Jazz, Vol. 12: Feeling Good

Boutique 06024 982 0925 (CD),

Boutique 06024 982 0926

(Doppel-LP inkl. Bonus-Tracks)

INTERPRET/SONG: Lainie Kazan - Feeling

Good / Suzanne Gabriello - Z’avez

pas lu Kafka / Claude Bolling - Pop Mod

/ The Flames - Stand Up And Be Counted

/ A.A.B.B. - Pick Up The Pieces One By

One / Gerson King Combo - Blows / J.J.

Johnson - Willie Chase / Jenny Evans - In

The Name Of Love / Ambros Seelos -

Joker / Buddy Guy - Crazy Love / T-Bone

Walker - Long Skirt Baby Blues / Lefties

Soul Connection - V 2 / Paul Serrano

& The Latin Souls - Latin Soul Boogaloo

(Pt. 2) / Bernie Prock & seine Latin-

Combo - Ran-Kan-Kan / The Aquarians

- Bayu Bayu / Diane Tell - Le mauvais

numero / East Coast - The Rock / Lalo

Schifrin - Ape Shuffle / Charles Earland

- Let The Music Play / Thelma Houston

- Cheap Lovin’ / Nick Ashford - I Don’t

Need No Doctor / The Youngsters -

Tema de Kiko / Ray Bryant - Up Above

The Rock / Gloria Lynne - Speaking Of

Happiness

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GIL EVANS:

The Individualism Of Gil Evans

Verve V6-8555

MUSIKER: Johnny Coles, Bernie Glow, Thad

Jones, Louis Mucci & Ernie Royal: trumpets,

Jimmy Cleveland & Tony Studd: trombones

& trumpets, Jimmy Knepper, Frank Rehak:

trombones, Billy Barber: tuba, Ray Alonge,

James Buffington, Gil Cohen, Bob Northern

& Julius Watkins: French horns, Al Block,

Garvin Bushell, Eric Dolphy, Andy Fitzgerald,

Steve Lacy, George Marge, Jerome Richardson,

Wayne Shorter, Bob Tricarico & Phil

Woods: reeds & woodwinds, Gil Evans: piano

& arrangements, Kenny Burrell & Barry Galbraith:

guitars, Ron Carter, Paul Chambers,

Richard Davis, Milt Hinton, Gary Peacock

& Ben Tucker: basses, Osie Johnson & Elvin

Jones: drums, Harry Lookofsky: violin, Margaret

Ross: harp

SONGS: The Barbara Song / Las Vegas Tango

/ Flute Song / Hotel Me / El Toreador

Aufnahmedatum: 1963/64

Wiederveröffentlichungen

JULIAN PRIESTER

Love, Love

ECM 06024 987 1773

MUSIKER: Julian Priester: trombones, horns,

whistle flute, percussion & synthesizers,

Hadley Caliman: flute, saxes & clarinet,

Mguanda David Johnson: flute & sax, Pat

Gleeson: synthesizers, Bayete Umbra Zindiko:

pianos & clavinet, Bill Connors: electric

guitar, Nyimbo Henry Franklin & Ron

McClure: basses, Ndugu Leon Chancler:

drums, Kamau Eric Gravatt: drums & congas

SONGS: Prologue / Love, Love / Images /

Eternal World / Epilogue

Aufnahmejahr: 1973

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JAMES BROWN WITH THE DEE

FELICE TRIO

Getting Down To It

Verve 06024 988 3152

MUSIKER: James Brown: vocals , Frank Vincent:

piano, Lee Tucker: bass, Dee Felice:

drums, Marva Whitney: additional vocals

(1), Lee Garrett & Kenny Poole: guitars (6

& 12)

SONGS: Sunny / That’s Life / Strangers In

The Night / Willow Weep For Me / Cold

Sweat / There Was A Time / Chicago / (I

Love You) For Sentimental Reasons / Time

After Time / All The Way / It Had To Be You

/ Uncle

Aufnahmedatum: 1968/69

Wer James Brown, den „Godfather of Soul“,

nur als Rhythm’n’Blues-, Soul- und Funk-

Shouter kennt, ist sich der Vielseitigkeit dieses

Sängers nicht einmal halb bewusst. In

seiner nun fast schon 50-jährigen Karriere

hat Brown immer wieder überraschende

Seitensprünge unternommen. Im selben Jahr

wie das Hit-Album „Say It Loud – I’m Black

And Proud“ nahm er zum Beispiel auch das

Album „Getting Down To It“ auf, das neben

den beiden verjazzten Brown-Hits „Cold

Sweat“ und „There Was A Time“ vor allem

balladeske Jazzstandards enthielt, darunter

die vier Sinatra-Klassiker „That’s Life“,

„Strangers In The Night“, „Chicago“ und

„All The Way“. Begleiten ließ er sich dabei

vom Trio des Schlagzeugers Dee Felice.

STEVE KUHN

Trance

ECM 06024 987 1774

MUSIKER: Steve Kuhn: acoustic & electric

pianos, Steve Swallow: electric bass, Jack

DeJohnette: drums, Sue Evans: percussion

SONGS: Trance / A Change Of Face / Squirt

/ The Sandhouse / Something Everywhere

/ Silver / The Young Blade / Life’s Backward

Glance

Aufnahmejahr: 1974

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MARK MURPHY

Midnight Mood

MPS 06024 987 2742

MUSIKER: Mark Murphy: vocals, Jimmy

Deuchar: trumpet, Derek Humble: alto sax,

Ronnie Scott: tenor sax, Sahib Shihab: baritone

sax & flute, Åke Persson: tuba, Francy

Boland: piano, Jimmy Woode: bass, Kenny

Clarke: drums

SONGS: Jump For Joy / I Don’t Want Nothin’

/ Why And How / Alone Together / You Fascinate

Me / Hopeless / Sconsolato / My Ship

/ Just Give Me Time / I Get Along Without

You Very Well

Aufnahmedatum: 1967

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SAMMY DAVIS JR. &

CARMEN MCRAE

Boy Meets Girl (The Complete

Sammy Davis Jr. And Carmen

McRae On Decca)

Verve 07314 589 5462

MUSIKER: Sammy Davis Jr. & Carmen

McRae: vocals, Pete Candoli, Maynard

Ferguson, Conrad Gozzo & Ray Linn:

trumpets, Marshall Cram, Joe Howard

& Lloyd Ulyate: trombones, George

Roberts: bass trombone, James Decker

& Vince De Rosa: French horns, Willie

Schwartz & Bud Shank: alto saxes,

flutes & clarinets, Buddy Collette & Ted

Nash: tenor saxes, flutes & clarinets,

Chuck Gentry: baritone sax & bass clarinet,

Julie Jacob: oboe, Gene Cipriano &

Harry Klee: woodwinds, George Rhodes:

piano, Al Hendrickson: guitar, Whitey

Mitchell: bass, Mel Lewis: drums, Milt

Holland & Lou Singer: percussion, The

Bill Thompson Singers (Alice Armbruster,

Ralph Brewster, Tom Kenny, Sue Lyttle

& Bill Thompson): backing vocals, Israel

Baker, Victor Bay, Alex Beller, Jacques

Gasselin, Joseph Livoti, Erno Neufeld,

Lew Raderman, Mischa Russell, Eunice

Shapiro & Felix Slatkin: violins, Stanley

Harris, Lou Kievman, Virginia Majewski

& David Sterkin: violas, Armand Kaproff,

Robert La Marchina, Edgar Lustgarten &

Eleanor Slatkin: cellos, Corky Hale: harp,

Buddy Bregman, Jack Pleis & Morty Stevens:

arrangements & conduction

SONGS: Happy To Make Your Acquaintance

/ Tea For Two / They Didn’t

Believe Me / You’re The Top / Cheek To

Cheek / Baby, It’s Cold Outside / People

Will Say We’re In Love / There’s A Small

Hotel / A Fine Romance / The Things We

Did Last Summer / Two Sleepy People

/ Who Cares? / I Go For You / Summertime

/ A Woman Is A Sometime Thing /

My Man’s Gone Now / I Got Plenty O’

Nuttin’ / Bess, You Is My Woman Now

/ It Ain’t Necessarily So / I Loves You,

Porgy / There’s A Boat Dat’s Leavin’

Soon For New York / Oh, Bess, Oh

Where’s My Bess? / Oh, Lawd, I’m On

My Way

Aufnahmejahre: 1955 – 1958

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DAVE HOLLAND &

BARRE PHILLIPS

Music From Two Basses

ECM 06024 987 1766

MUSIKER: Dave Holland: double-bass & violoncello,

Barre Phillips: double-bass

SONGS: Improvised Piece I / Improvised

Piece II / Beans / Raindrops / Maybe I Can

Sing It For You / Just A Whisper / Song For

Clare

Aufnahmejahr: 1971

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OSCAR PETERSON TRIO

Great Connection

MPS 06024 982 7017

(Remastered Anniversary Edition)

MUSIKER: Oscar Peterson: piano, Nils-Henning

Ørsted Pedersen: bass, Louis Hayes:

drums

SONGS: Younger Than Springtime / Where

Do I Go From Here? / Smile / Soft Winds /

Just Squeeze Me / On The Trail / Wheatland

Aufnahmedatum: 1971

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OSCAR PETERSON TRIO WITH

HERB ELLIS

Hello Herbie

MPS 06024 982 7015

(Remastered Anniversary Edition)

MUSIKER: Oscar Peterson: piano, Herb Ellis:

guitar, Sam Jones: bass, Bob Durham: drums

SONGS: Naptown Blues / Exactly Like You /

Seven Come Eleven / Hamp’s Blues / Blues

For H.G. / A Lovely Way To Spend An Evening

/ Day By Day

Aufnahmedatum: 1969

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THE SWINGLE SINGERS

American Look

EmArcy 06024 983 0555

MUSIKER: Christiane Legrand & Jeanette

Baucomont: soprano voices, Alice

Herald & Claudine Meunier: alto voices,

Claude Germain & Ward Swingle: tenor

voices, José Germain & Jean Cussac: bass

voices, Roger Fugen: bass, Jacky Cavallero:

drums

SONGS: Country Dances / When

Jesus Wept (Canon) / Negro Spirituals

/ Patriotic Songs / He’s Gone Away

(Apalachian Folk Song) / Saints Fugue

/ Stephen Foster Medley / Porgy And

Bess Suite: My Man’s Gone Now – It

Ain’t Necessarily So – Summertime – I

Got Plenty Of Nothin’ – Bess, You Is My

Woman

Aufnahmejahr: 1969

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OSCAR PETERSON &

CLAUS OGERMAN ORCHESTRA

Motions & Emotions

MPS 06024 982 7013

(Remastered Anniversary Edition)

MUSIKER: Oscar Peterson: piano, Bucky

Pizzarelli: guitar, Sam Jones: bass,

Bob Durham: drums, Claus Ogerman:

arrangements & conduction

SONGS: Sally’s Tomato / Sunny / By

The Time I Get To Phoenix / Wandering

/ This Guy’s In Love With You / Wave /

Dreamsville / Yesterday / Eleanor Rigby /

Ode To Billy Joe

Aufnahmedatum: 1969

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OSCAR PETERSON TRIO

Tristeza On Piano

MPS 06024 982 7010

(Remastered Anniversary Edition)

MUSIKER: Oscar Peterson: piano, Sam

Jones: bass, Bob Durham: drums

SONGS: Tristeza / Nightingale / I Loves

You, Porgy / Triste / You Stepped Out

Of A Dream / Watch What Happens /

Down Here On The Ground / Fly Me To

The Moon

Aufnahmedatum: 1970

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OSCAR PETERSON &

THE SINGERS UNLIMITED

In Tune

MPS 06024 982 7014

(Remastered Anniversary Edition)

MUSIKER: Bonnie Herman, Don Shelton,

Gene Puerling & Len Dressler: vocals,

Oscar Peterson: piano, George Mraz:

bass, Louis Hayes: drums, Gene Puerling:

arrangements

SONGS: Sesame Street / It Never

Entered My Mind / Children’s Games /

The Gentle Rain / A Child Is Born / The

Shadow Of Your Smile / Catherine /

Once Upon A Summertime / Here’s That

Rainy Day Again

Aufnahmedatum: 1971

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THE SWINGLE SINGERS & THE

MODERN JAZZ QUARTET

Place Vendôme

EmArcy 06024 983 0556

MUSIKER: Christiane Legrand & Jeanette

Baucomont: soprano voices, Alice Herald

& Claudine Meunier: alto voices, Claude

Germain & Ward Swingle: tenor voices,

José Germain & Jean Cussac: bass voices,

John Lewis: piano, Milt Jackson: vibraphone,

Percy Heath: bass, Connie Kay:

drums

SONGS: Sascha (Little David’s Fugue)

/ Suite Orchestrale En Re Majeur BWV

1068 Aria / Vendôme / Ricercare / When

I’m Laid In Earth / Alexander’s Fugue /

Three Windows

Aufnahmejahr: 1966

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PHILIPP WEISS

1971 Philipp Weiss wird in München

geboren.

1980 Erster Klavierunterricht, vier Jahre

später Schlagzeuger einer Schülerband.

1997 Der Klaviervirtuose schreibt

sich für ein Gesangsstudium am Richard

Strauss Konservatorium ein.

2001 Nach dem Abschluss seines Studiums

tritt er immer öfter mit seiner eigenen

Band in Clubs wie der „Unterfahrt“

auf.

2002 Gewinner des „Jazz Song Expo

Award“. Masterclasses mit Mark Murphy

in New York.

2003 Erster Plattenvertrag mit Liquid

Loop, „Münchens spannendster Newcomergruppe“

(SZ), auf deren aktuellem

Album „Reset“ er auch zu hören ist.

2005 Das Majordebüt „You Must

Believe In Spring“, eingespielt mit dem

Pianisten Steve Kuhn und hervorragenden

Gästen, erscheint bei Universal.

Philipp Weiss wird 1971 in eine musikalische

Familie in München geboren.

Nach einigen Jahren klassischem

Klavierunterricht, Ausflügen als Xylophonist

der Orff-Truppe seiner Schule

und als Rockstar in einer Schülerband,

schreibt er sich 1991 für ein

Gesangsstudium am Richard Strauss

Konservatorium ein. Parallel ist „die

Entdeckung der Saison“ („SZ“) auch

immer öfter mit dem eigenen Quartett

zu erleben. 2003 nimmt Weiss

sein erstes Album mit Liquid Loop

auf. Mark Murphy, neben dem frühen

Al Jarreau und dem späten Tony

Bennett eine der großen gesanglichen

Inspirationen für Philipp Weiss,

stellt die Verbindung zum Pianisten

Steve Kuhn her, die jetzt zu Philipp

Weiss’ Majordebüt „You Must Believe

In Spring“ führte. An einem Sommernachmittag

des letzten Jahres aufgenommen

in New York, mit Kuhn und

seinem Trio, sowie Gästen wie dem

Trompeter Lew Soloff, dem Saxophonisten

Eric Alexander und Tim Bolden

am Flügelhorn, singt Philipp Weiss

darauf zehn Standards und eine viel

versprechende Eigenkomposition.

MARK MURPHY

1932 Am 14. März wird Mark Murphy

in Fulton, New York, geboren.

1956 „Meet Mark Murphy“, das Debütalbum

des von Kollegen wie Ella Fitzgerald

und Sammy Davis Jr. protegierten

Gesangstalents, erscheint bei Decca.

1962 Das Album „RAH“, unter anderen

mit Wynton Kelly, Bill Evans, Clark

Terry, Blue Mitchell und Jimmy Cobb,

erscheint bei Riverside.

1963 Murphy zieht nach London und

arbeitet dort nicht nur als Sänger, sondern

auch als Schauspieler.

1967 Sein inzwischen legendäres

Album „Midnight Mood“ mit Ronnie

Scott, Sahib Shihab, Francy Boland,

Jimmy Woode, Kenny Clarke und anderen

erscheint bei MPS.

1973 Zurück in den USA, beginnt er

eine lange und fruchtbare Zusammenarbeit

mit dem Muse-Label, für das er

Alben mit Viva Brasil, David Sanborn,

den Brecker Brothers und anderen aufnimmt.

2003 Zum fünften Mal in sieben Jahren

wird Mark Murphy im „Down Beat

Readers Poll“ zum „Best Male Jazz Singer

Of The Year“ gewählt.

2005 Das von Till Brönner produzierte

Album „Once To Every Heart“ erscheint

bei Verve.

Sammy Davis Jr. war der erste einflussreiche

Murphy-Fan, der den 1932 in

Fulton, New York, geborenen Jazzsänger

berühmt machen wollte. Auch

wenn es nach seinem ersten Produzenten

gegangen wäre, hätte „The

Singing M“ schon vor fast fünfzig Jahren

Frank Sinatra Konkurrenz gemacht.

Ella Fitzgerald nannte ihn „ihresgleichen“

und auch Kollegen wie Betty

Carter, Peggy Lee, Shirley Horn, Sheila

Jordan, Stan Kenton, Liza Minelli,

Cannonball Adderley, Kurt Elling,

Jamie Cullum und nicht zuletzt Till

Brönner loben ihn in höchsten Tönen.

Der 73-Jährige, der 2003 zum fünften

Mal in zehn Jahren den „Down Beat

Readers Poll“ als bester „Male Jazz

Vocalist“ gewonnen hat, wurde bisher

sechsmal für den Grammy nominiert.

Er hat zig eigene Alben mit Ikonen wie

Bill Evans, Clark Terry, Al Cohn, Ron

Carter, den Brecker Brothers oder Tom

Harrell aufgenommen. In den letzten

Jahren war der umtriebige Vokalist u.a.

auf Produktionen von U.F.O., 4hero

und Till Brönner zu hören. Seine Texte

zu „Stolen Moments“ oder „

Cantaloupe Island“ sind legendär und

sein Einfluss in fast allen modernen

Jazzstimmen zu hören. Mit seinem

neuen Album „Once To Every Heart“

könnte Mark Murphy noch erfolgreicher

als hip werden.

Gipfeltreffen auf der Dachterrasse: PHILIPP WEISS und MARK MURPHY

Ausgabe 3 Jahrgang 8

Mut und Möglichkeiten

Kurz bevor MARK MURPHY sein neues Album „Once To Every Heart“ mit Till Brönner aufgenommen hat,

schrieb er die lobendsten Worte in einen Begleittext zu „You Must Believe In Spring“, dem neuen Album seines Schülers

PHILIPP WEISS. In Berlin unterhielten sich die beiden über Miles, Picasso, Till Brönner, Inspiration und Ekstase.

JazzEcho: Wo habt ihr euch kennen

gelernt?

Philipp Weiss: Das war vor ein paar

Jahren in New York. Ich rief Mark an, um

ihn um Rat zu bitten.

Mark Murphy: Habe ich dir einen gegeben?

Weiss: Ja, obwohl du nicht besonders

gesprächig warst.

Murphy: War das nicht kurz nach dem

11. September? Ich erinnere mich noch,

wie ich am frühen Nachmittag über einen

menschenleeren Times Square ging. Ein

unheimliches Gefühl.

Weiss: Der Rat, den du mir an dem Tag

gegeben hast, war: „Singe, wie Miles

Davis spielt.“ Das war mir sehr wichtig,

und von da an fing ich an, Miles mit anderen

Ohren zu hören.

Murphy: Miles spielt die Worte. Genau

wie Till Brönner auch. Auf meinem neuen

Album singe ich eine Zeile und dann

kommt Till und führt sie fort. Und dabei

spricht er die Worte mit seiner Trompete.

Denn Till, da er ja auch Sänger ist, kennt

eben die Texte. Ich kann es selbst kaum

glauben, dass ich auf „Do Nothing Till

You Hear From Me“ das Klavier spiele. Ich

war so glücklich, als ich das hörte, und vor

allem, dass sie den Bass und diese vierzig

Streicher dazu aufgenommen haben. Ich

habe mich nie als Pianisten gesehen, aber

ich muss sagen, dass ich sehr stolz auf diesen

Track bin.

JazzEcho: Till ist ja ziemlich wichtig für

eure beiden aktuellen Alben. Wie wichtig

war er speziell für deines, Mark?

Murphy: Schwer zu sagen. Ich war vor

einigen Jahren mit Till im Studio und

nahm einen alten Song von mir auf, „Dim

The Lights“. Er schubste mich da rein

und ließ ihn mich in einem völlig anderen

Tempo singen. Aber es gefiel mir. Als

ich zu ihm ins Studio kam, behandelte er

mich wie einen König. Und davon kann

ich mehr vertragen. Es war klar, dass ich

mehr mit ihm machen wollte. Irgendwann

holte ich einige meiner Songs und

Arrangements aus dem Keller …

Weiss: Wo er tausende von Noten liegen

hat …

Murphy: Ich habe da ganz schön aufgeräumt,

inzwischen. Naja, auf jeden Fall

brachte ich diese Noten mit und wir nahmen

das Album auf. Allein schon, weil ich

Tills Spiel so mag und seine Art mit Musik

umzugehen, würde ich vielleicht sagen,

dass ich es war, der ihn dazu gebracht hat,

dieses Album mit mir aufzunehmen. Wir

haben es dann sehr einfach und schnell

gemacht. Vielleicht wurden hier und

da ein paar Harmonien besprochen

und Till hatte, glaube

ich, auch einige Noten. Aber

komplette Arrangements

gibt es bis heute nicht.

Wenn wir übermorgen ein Konzert geben

sollten, müssten wir die Arrangements erst

herausschreiben. Und die Texte für mich,

weil ich mir echt keine Songtexte mehr

merken kann. Wer mich für seinen nächsten

Film haben will, sollte schon mal die

großen Texttafeln vorbereiten. Bei Marlon

Brando ging das schließlich auch.

JazzEcho: Er hatte gegen Ende sogar

einen Kopfhörer im Ohr, über den ihm

der Text souffliert wurde, heißt es.

Murphy: Dann gibt es Hoffnung für

mich! Mann, Philipp, wir könnten das ja

auch machen: Ab sofort stehen wir immer

als Souffleur bei den Konzerten des anderen

hinter der Bühne. Ich singe dir ins Ohr

und du mir. Furchtbar! Es ist wie bei diesen

Typen, die mal ziemlich erfolgreich

waren, obwohl alles nur Playback war …

Weiss: Milli Vanilli?

Murphy: Genau. Aber davor beschützt

uns die Tatsache, dass das Jazzpublikum

ziemlich intelligent ist. Sie kommen zu uns

und zur Musik mit etwas zwischen den

Ohren: Sie haben ein Gehirn. Ich muss es

so sagen, kein Grund, zu höflich zu sein.

Was ich mache, ist einfach nicht für Leute

gedacht, die es nicht verstehen. Vocal

Jazz kann für dumme Menschen manchmal

sehr irritierend sein. Denn er (scattet)

ergibt für sie keinen Sinn. Und das soll

er auch nicht. Er ist ein Eartrip. Und ich

denke immer, dass Musik zu hören mehr

Intelligenz bedarf, als sie nur anzusehen.

Weiss: András Schiff hat mal sinngemäß

gesagt, dass es den Leuten heutzutage

schwer fällt, Musik zu hören, die

sie nicht gewohnt sind. Früher, zu Horowitz’

Zeiten, waren die Leute regelrecht

hungrig darauf, etwas zu hören, was sie

so noch nicht kannten. Das Jazzpublikum

ist immer noch offen für neue Sachen.

Wenn jemand, der sonst nur Pop hört, zu

einem deiner Konzerte kommt, wird er

nicht inspiriert und erfrischt, sondern nur

müde.

Murphy: Ich versuche inspiriert zu sein,

indem ich inspiriere. Warum sollte ich

all diese strapaziösen Reisen auf mich

nehmen und auch noch meinen Anzug

bügeln, wenn ich dann nicht wirklich

Menschen inspirieren kann?

Weiss: Ich erinnere mich noch an dein

Konzert in Joe’s Pub. Du kamst vorher zu

mir und meintest: „Heute Abend kannst

du mal sehen, wie ich mich ganz nah an

die Klippe stelle. Ob ich herunterfalle oder

nicht, wir werden es erleben.“

Murphy: Bin ich heruntergefallen?

W eiss: Nein. Ich habe dich nie herunterfallen

gesehen.

Höchstens fliegen.

Murphy: An dem Abend war Jamie

Cullum vor mir dran. Er geht mir nur bis

zum Bauchnabel. Wenn ich heruntergefallen

wäre, hätten die Leute vielleicht

gedacht, ich bin er.

JazzEcho: Dafür ist Jamie Cullum einer

deiner größten Fans.

Murphy: Ja, so sagt man. Deshalb hat

er jetzt auch meine Version von „I’m

Glad There Is You“ für sein neues Album

kopiert.

JazzEcho: Zumindest ist es seine Lieblingsversion

des Songs. Er meinte auch,

dass es eine der wenigen Versionen ist, die

er kennt, bei der das Intro mitgesungen

wird.

Murphy: Für mich bereitet diese Einführung

alles vor. Sie bereitet mich und

meine Stimme vor, die Atmung kommt in

Wallungen – das erzähle ich immer meinen

Studenten – und außerdem bereitet

sie die Stimmung vor. Nur so funktioniert

der Song und wird in seiner Gesamtheit

zu einem echten Trip.

Weiss: Deshalb haben sie diese Einführungen

in der klassischen Musik vor hunderten

von Jahren erfunden. Man braucht

das, um in die Stimmung des Songs zu

kommen. Mit dem Refrain anzufangen, ist

viel schwieriger, oder?

Murphy: Es ist fast unmöglich. Es ist

fast am besten damit zu vergleichen, wie

ein Tänzer sich hinter der Bühne vorbereitet

und Übungen macht, unmittelbar

bevor er auf der Bühne zu tanzen anfängt.

In meinen Klassen lernt man erstmal,

wie wichtig es ist, richtig zu atmen. Die

menschliche Ausstattung zur Sprachfähigkeit

haben wir den anderen Tieren voraus.

Bei den Schimpansen hört es kurz davor

auf, weshalb sie nur kreischen können. Sie

können eben nicht „I love you“ singen.

MIDNIGHT MOOD

Begleitend zum aktuellen Mark Murphy-

Album wird auch „Midnight Mood“, sein

MPS-Album aus dem Jahre 1967 wiederveröffentlicht.

MARK MURPHY

Midnight Mood

MPS 06024 987 2742

Hochgeschätzt ist dieser Album-Klassiker

schon länger in der DJ-Szene, nicht zuletzt

durch die beiden Tracks „Why & How“

und „Just Give Me Time“, die dank Kopplungen

von Gilles Peterson und dem Mojo

Club zu Dancefloorjazz-Klassikern wurden.

Zusammen mit Musikern der Clarke-

Boland Big Band und Pianist & Arrangeur

Francy Boland (siehe Nachruf auf Seite 3),

nahm Murphy das Album mit Produzent

Gigi Campi in Köln auf. Die Spannbreite

geht von hart groovenden Tracks bis zu

intensiven Balladen.

JazzEcho: In einem Interview vor einigen

Jahren hast du mal gesagt, dass das

Wichtigste, was du deinen Schülern beibringen

kannst ist, Mut zu haben.

Weiss: Mark riskiert immer alles. Es gibt

viele gute Sänger, aber keinen, der so viel

Mut auf der Bühne beweist.

Murphy: Manchmal brauche ich all meinen

Mut, um aufzutreten. Besonders übermorgen

in Moskau, wo ich keine Ahnung

habe, mit wem ich was spielen werde.

Aber das ist was anderes.

JazzEcho: Im Prinzip bist du wohl ein

eher schüchterner Mensch?

Murphy: Ja, immer noch. Ich war ein

sehr schüchternes Kind. Mit 12 oder 13

konnte ich das überwinden, um Leuten

vorzusingen. Aber auch später dachte ich

immer: „Okay, kauf mir’n Drink, wenn

es dir gefallen hat. Aber bitte komm mir

nicht zu nahe und fass mich bloß nicht

an!“ Nach einer Weile bekam ich allerdings

Spaß daran, genoss die Kommunikation.

Man muss langsam herausfinden,

wie das geht.

Weiss: Ich denke, dass jemand, der für

diesen künstlerischen Ausdruck lebt,

eigentlich schüchtern sein muss. Weil

man dann umso mehr lernen muss, aus

sich herauszugehen. Menschen, die sich

zu sicher sind, die ganz einfach und überzeugt

aus sich herausgehen können,

haben vielleicht auch dieses Verständnis

für den sprachlichen Ausdruck nicht, sie

können die diffizilen Unterschiede nicht

ausmachen.

Murphy: Ich muss an Miles denken, den

ich auch den Picasso des Jazz nenne, weil

er sich alle paar Jahre neu erfunden hat

– wie Picasso. Aber am Ende dachte ich,

dass Picasso wohl kaum ein schüchterner

Mann war, weil er ja noch mit 70 oder 80

versuchte, sich mit allen Frauen, die zu

ihm ins Studio kamen, „anzufreunden“.

Und ich habe gehört, dass es mit Miles

ähnlich war. (lacht) Und trotzdem war das

eine Fassade. Miles hatte diese „erfundene

Persönlichkeit“, die ihm alle anderen vom

Leib hielt. Vielleicht wollte ich ihn deshalb

auch nie persönlich kennen lernen.

Mein erstes Idol war Peggy Lee und mit

ihr hatte ich meine erste Erfahrung, wie

anders ein Künstler sein kann, als er sich

im Fernsehen oder auf der Bühne gibt. Ich

war schockiert.

JazzEcho: Was hat sie denn gemacht?

Seite 9

Call & Response

Murphy: Als ich Peggy Lee sah, war

sie für mich die coolste Braut der Welt,

pardon, die coolste Frau. Dann fand ich

backstage nach einem Konzert heraus,

was für eine nervige, aggressive Person sie

wirklich ist. Es waren zwei unterschiedliche

Personen. Und vielleicht muss das so sein.

Ich bin mir sicher, dass du, Philipp, auch

Leute triffst, die dir sagen, dass du auf der

Bühne ein anderer Mensch bist, oder?

Weiss: Ja, aber es wird weniger. Es wird

besser.

Murphy: Wenn man ein privater Mensch

ist, eine zeitlang nicht auf der Bühne

gewesen ist, braucht man einige Tage,

um wieder hereinzukommen. Ich habe

Miles nie kennen gelernt, aber wenn man

je irgendeinen dieser Songs mit ihm und

Gil Evans gehört hat, weiß man, dass man

einfach nicht mehr braucht, um ins Nirvana

zu gelangen. Das ist Ekstase! Und

danach streben wir. Wir erreichen es nicht

immer … Man hört Miles, um seinen

eigenen Sound zu entdecken. Man hört,

wo die Stille ist und wo die Sounds hingehören.

Weiss: Ich erinnere mich noch, als wir

uns einige Jahre später mit meinem Pianisten

Peter Wegele trafen. Dabei spielte

ich dir etwas von Miles vor, auf der Harfe.

Es ging so: (singt)

Murphy: Blue In Green!

Weiss: Genau. Und da meintest du, ich

solle so singen, wie ich Harfe spiele.

Murphy: Weißt du, ich glaube ja, dass

Bill Evans „Blue In Green“ geschrieben

hat.

Weiss: Das ist eine alte Geschichte. Und

von den Changes würde es passen.

Murphy: Damals, Ende der Fifties, als ich

gerade von Los Angeles wieder nach New

York gezogen war, rief mich Bill Evans an,

weil er Geld brauchte. Und er brauchte es

wirklich. Ich hatte Bargeld zu Hause und

er kam vorbei, in meiner Wohnung direkt

neben dem Actor’s Studio an der 44. Straße

zwischen 9. und 10. Avenue. Er kam und

nahm das Geld und sagte „Danke“. Erst

im Herausgehen merkte er, dass das ganze

Zimmer in Blau und Grün gestrichen war.

Da meinte er nur: „Ah, blue in green!“, und

ging. Ich denke, dass er nach Hause ging und

dann dieses Stück geschrieben hat. Ich weiß

es nicht, aber es ist möglich. Und manchmal

bleibt uns nichts außer Möglichkeiten.

JazzLink: murphy

MARK MURPHY

Once To Every Heart

06024 987 2410

PHILIPP WEISS

You Must Believe

In Spring

06024 987 0769


Seite 10 Ausgabe 3 Jahrgang 8

Porträt

Katché

me if you can

Das Drama des begabten Sideman: Er ist omnipräsent und dabei nicht wirklich

greifbar. Jeder kennt seinen Sound und keiner seinen Namen. Die Geschichte

aller Victor Feldmans, James Clays und Reggie Workmans erzählt auch der

Protagonist dieses Jazzecho-Porträts, der Schlagzeuger MANU KATCHÉ.

Lebenslinie MANU KATCHÉ

Zu seinen Schlagzeugbeats

haben Millionen mit den

Füßen gewippt, getanzt, sind

in Ekstase geraten, werden sich

immer wieder an bestimmte Phasen in

ihrem Leben beim Anhören von Titeln

wie Peter Gabriels „Sledgehammer“ und

so vielen anderen erinnern. Aber Manu

Katchés eigene Lebensgeschichte ist

dabei zu schnell erzählt, um das auszufüllen,

was er geleistet hat. Katché ist das

lebende Gegenteil des grobschlächtigen

Rockdrummers. Er gehört zur Schule der

melodischen Schlagzeuger, folgt immer

direkt dem Sänger, klingt auf dem

Schlagzeug wie einer, weswegen er auch

von den anspruchsvolleren Sängern der

Popwelt im Studio und auf Tour gebucht

wurde: Peter Gabriel, Sting, Joni Mitchell

… Die Liste derer, mit denen Katché

gearbeitet hat, könnte einen guten

Teil dieser JazzEcho-Porträt-Seite füllen,

ohne dabei wirklich viel über ihn selbst

auszusagen. Verehrt und angehimmelt,

hatte er in seiner Karriere bisher erst ein

einziges Soloalbum veröffentlicht: „It’s

About Time“ erschien 1991.

„Man weiß vorher nie wirklich, wann

der passende Moment für ein eigenes

Album kommt“, beschreibt es Katché

heute. „Mein neues Album ist sicherlich

auch ungewöhnlich für ECM, weil ich

auf ihm eine starke Black-Music-Attitüde

vertrete.“ Katché ist ECM schon länger

zugetan, allein mit Jan Garbarek hat der

im Großraum Paris geborene afrofranz

ösische Schlagwerker fünf Alben aufgenommen:

„I Took Up The Tunes“, „Ragas

& Sagas“, „Twelve Moons“, „Visible

Worlds“; das letzte, Grammy-nominierte

„In Praise Of Dreams“ ist der Jazzwelt

noch klar im Ohr. „Ich wollte in keinster

Weise einen Egotrip nach ‚In Praise

Of Dreams‘ durchziehen“, wehrt Katché

bescheiden ab. „Mir ist egal, ob das

jemand glaubt, aber ich bin das Gegenteil

eines frustrierten Sideman. Ich habe so

viel von meinen Mitmusikern auf diesem

Album empfangen. Dass wir überhaupt

gemeinsame Zeit für ‚Neighbourhood‘

gefunden haben, grenzt angesichts auch

ihres Terminkalenders an ein Wunder.“

27. Oktober 1958:

Manu Katché wird in St

Maur des Fossés in der

Nähe von Paris geboren.

1965–1977: Manu bekommt

Klavierunterricht,

wechselt mit 14 zum

Schlagzeug und wird mit

19 am Pariser Conservatoire

National Supérieur de

Musique aufgenommen.

Mit der Zusammenstellung des auf

„Neighbourhood“ spielenden Quintetts

hat ECM-Chef Manfred Eicher erneute

Casting-Kreativität bewiesen und dabei

intelligent vorausschauend das organisch

Gewachsene zwischen den Musikern mit

dem Überraschungseffekt verbunden.

Die bisherigen Verbindungen der einzelnen

Musiker halten das Album wie

ein Spinnennetz zusammen, und doch

ist diese Besetzung eine Premiere. Jan

Garbarek und Tomasz Stanko liefen einander

über die Jahrzehnte immer mal

wieder über den Weg, bereits in den frühen

70ern spielte Stanko mit Garbareks

„Triptykon“-Trio und beide wirken auf

Gary Peacocks sagenhafter LP „Voice

From The Past“ mit. Die polnischen Jazz-

Jungstars Marcin Wasilewski und Slawomir

Kurkiewicz (gemeinsam mit dem

Schlagzeuger Michal Miskiewicz veröffentlichten

sie vor einigen Monaten

ihr sensationell schönes eigenes „Trio“-

Album) begleiteten bereits Jan Garbarek

und spielten natürlich mit Tomasz

Stanko zwei seiner bemerkenswertesten

Alben, „Soul Of Things“ und „Suspended

Night“, ein. Manu Katché hörten sie

als Kinder auf den Platten von Sting und

Peter Gabriel.

Frontmann im Hintergrund

Am Ende macht die Konstellation Katché

zum dezenten Frontmann-Solisten

im Hintergrund. Garbarek, Stanko, Wasilewski

und Kurkiewicz halten für ihn Tonnen

von Virtuosität und „Musicianship“

zurück, wenn sie ihre Phrasen immer

weiter vereinfachen und nur andeuten,

um Katchés elastischen, einfühlsamen

Drum-Grooves – so filigran und bei näherem

Hinhören so ungewöhnlich – Raum

zu geben, sich wohlig auf dem ganzen

Album auszudehnen. Erfrischende Einfachheit

und Direktheit des Materials

unterstützt eine entspannte Expansion

der Allstars, die klingen, als hätten sie

bereits Jahre in diesem Ensemble zusammengespielt.

Garbareks Phrasen auf

„Neighbourhood“ werden manche an

jene auf Miroslav Vitous letztem Album

1986: Manu Katché spielt

auf Peter Gabriels epochalem

Album „So“ und wird

darüber zum gefragtesten

Sideman der anspruchsvolleren

Pop szene.

Unbekannter Weltstar: MANU KATCHÉ

„Universal Syncopations“ erinnern.

Stanko verbreitet den Geist des Elder

Statesman, Wasilewski ist die Inspiration

seiner grandiosen Improvisationen des

„Trio“-Albums geblieben, und Kurkiewicz

verschmilzt mit Katché zu einer sanft auf-

und abebbenden Einheit.

„Neighbourhood“ wird Jazzfans, aber

nicht nur ihnen, gefallen. Denn, auch

wenn Katché betont, dass der Jazz seine

erste und größte Liebe sei, begründet

sich Katchés Mythos nicht auf den Jazz,

sondern auf Katchés Kunst, die anspruchsvollste

Popmusik der letzten 20 Jahre so

zu verjazzen, dass es keiner merkt. Sein

zweites Soloalbum nun greift an vielen

Stellen die Stimmungen der kammerjazzigen

Modal-Alben der 60er Jahre von

Wayne Shorter („Speak No Evil“), Herbie

Hancock („Inventions And Dimensions“)

und Lee Morgan („Search For The New

Land“) auf und transportiert ihren Geist

in unser Jahrtausend. Darüber hinaus

bringt Katché in den

Jazz von „Neighbourhood“

einen Geist

von afrofranzösischem

oder gar weltmusikalischem

Jazz-Pop.

„Rose“, der letzte Titel

des Albums, würde

als Instrumentalversion

eines Sting-Songs

durchgehen, denn

ebenso viele Alben wie mit Jan Garbarek,

fünf also, hat Katché in der Tat auch

mit Sting aufgenommen und den Sänger

zwei Jahre lang auf einer Welttournee

begleitet. Einen guten Eindruck von

Katchés Charisma jener Jahre (1999–

2001) vermittelt die von Jim Gable

gemachte Sting-DVD „All This Time“.

Auch mit seiner jetzigen eigenen internationalen

AllStar-Band würde Katché

sehr gern eine Welttournee unternehmen,

wie er sagt. Am 4. Oktober 2005

wird er „Neighbourhood“ auf einem

exklusiven Konzert in der Pariser Cigale

gemeinsam mit Garbarek, Stanko,

Wasilewski und Kurkiewicz vorstellen.

Dass es zu weiteren Konzerten kommt,

erhoffen sich nicht nur eingeschworene

1989: Katché spielt auf einem

Konzert in der Pariser

Cigale zum 20. Geburtstag

von ECM erstmals mit Jan

Garbarek.

„Manu hat viele

Qualitäten, er

kann viel.“

Jazz-, sondern auch Soulfans und die

Anhänger von afrokaribischer Musik.

Das wohl stärkste Beispiel für Katchés

Unbefangenheit, seiner fast schon Naivität

jeglichen „E- oder U-Genres“ gegenüber,

ist seine Mitgliedschaft in der Jury

von „Nouvelle Star“, Frankreichs Pendant

zu „Deutschland sucht den Superstar“,

übertragen vom Sender M6. Wenn

man es genau nimmt, ist Manu Katché

damit das Pendant zu Dieter Bohlen in

Frankreich. So unfassbar das klingt, so

souverän geht der Drummer damit um,

ist vielleicht mit dafür verantwortlich,

dass „Nouvelle Star“ nicht das unsägliche

Proll-Image von „DSDS“ bekommen

hat. Als musikalische Autorität schätzen

ihn die französischen Medien schon länger:

1999 übergab er dem damaligen

Newcomer Daniel Mikidache den „Prix

Découverte“ des staatlichen Radiosenders

RFI.

Geboren am 27. Oktober 1958 im

Großraum Paris,

erhält Manu Katché

Klavierunterricht mit

Jan Garbarek .......

1991: Manus erstes und bis

vor kurzem einziges Soloalbum

„It’s About Time“,

auf dem Peter Gabriel und

Saxophonist Branford

Marsalis spielen, erscheint.

7. Seine Mutter hat

ihn davor zur Ballettschule

geschickt, die

Manu nicht mag, weil

da nur Mädchen sind.

Die Familie ist musika-

lisch, seine Großmutter

spielt Geige, der

Großvater Akkordeon. Sein Vater, der die

Familie verlässt, als Manu zwei Jahre alt

ist, war Drummer und Gospelsänger. Der

Großvater übernimmt die Vaterrolle, bastelt

dem Kind das erste Kinderschlagzeug

aus Eimern zusammen und schnitzt ihm

Sticks. Mit 15 wechselt Manu vom Piano

zur klassischen Perkussion. Mit 19 wird er

am Pariser Conservatoire National Supérieur

de Musique aufgenommen, verlässt

dies jedoch kurz darauf, um sich als Amateur

auf das Schlagzeugspielen zu konzentrieren.

Er beginnt sich in der Pariser

Musikszene einen Namen zu machen,

spielt in verschiedenen französischen Jazz-

, Funk- und Fusion-Bands: bei Jeff Seffer,

Coluche, Odeur, Zao, La Velle, Bobby

Few und Tânia Maria. Schon damals

1996: Katché nimmt den

französischen Filmpreis

César für den von ihm

geschriebenen Soundtrack

des Films „Little Indian“

entgegen.

besitzt Katché, resultierend aus seiner

Ausbildung als klassischer Perkussionist,

eine eigene Herangehensweise ans

Schlagzeug, immer wieder wird er auch

als Spieler afrikanischer und kubanischer

Perkussionsinstrumente angeheuert.

Ende der 70er Jahre begleitet er französische

Popstars wie Catherine Lara, Alain

Souchon, Jean Jacques Goldman, Michel

Jonasz oder Eddy Mitchell.

Preise en masse

1984 gründet Katché seine erste

eigene Band, Preface („Vorwort“), zu

der jedoch keine weiteren Kapitel entstehen,

da er zu beschäftigt ist. 1985

nämlich wird zum einschneidendsten

Jahr seiner Karriere: Katché erhält seinen

ersten „französischen Grammy“, den

Victoire de la Musique für das Arrangement

des Songs „La boîte de Jazz“ von

Michel Jonasz. Er tourt mit Jonasz eine

Weile, bis Steve Gadd seinen Job am

Schlagzeug übernimmt. Katché selbst

wird dafür von Peter Gabriels Bassisten

Tony Levin angeheuert und begleitet

Gabriel auf dem legendären Live-Aid-

Konzert in Wembley. Als er im selben Jahr

Gabriels „So“-Album (1986) einspielt,

stellt Katché sämtliche Weichen seiner

weiteren Karriere. 1987 erhält er einen

weiteren Victoire de la Musique in der

Kategorie „Bester Studiomusiker“, kurz

davor hat ihn das Magazin „Modern

Drummer“ zum besten Newcomer

gekürt. Topstars aller möglichen Couleur

der späteren 80er und später der

90er rufen bei ihm an. Heute erwähnt

Katché gern an dieser Stelle Sting, Joni

Mitchell, Simple Minds, Dire Straits,

Youssou N’Dour, Joan Armatrading, Paul

Young, Tracy Chapman, Jeff Beck, Michel

Petrucciani, Ryuichi Sakamoto, Pino

Palladino und The Gypsy Kings. 1988

hört ihn Manfred Eicher auf einem

Robbie-Robertson-Album, empfindet

Katchés Grooves gleichzeitig als modern

und tribalistisch und visioniert mögliche

Kollaborationen mit ECM-Künstlern.

1996 erhält Katché den französischen

Filmpreis César für seinen Sound-

1999: Katché spielt sein

fünftes Album mit Sting

ein und begleitet den

Sänger auf einer zweijährigen

Welttournee.

2005: Manu Katché veröffentlicht

sein zweites Soloalbum

„Neighbourhood“

bei ECM.

track für den Film „Little Indian“. Später

wird er die Musik des Streifens „KOD –

chacun sa route“ komponieren. Seine

eigenen Projekte bleiben dabei immer

wieder im Hintergrund. Auf Katchés bisher

einziges Album „It’s About Time“,

auf dem Peter Gabriel und Saxophonist

Branford Marsalis spielen und das beachtliche

60.000 Kopien verkaufte, folgt

1991 nur eine kleine Tour. Für ihre Mitte

der 90er gegründete Fusion-Band finden

Katché, Bassist Pino Palladino und Gitarrist

Dominic Miller zunächst keinen guten

Namen, nennen diese später etwas einfallslos

The Tweeters, dann gar Manu

Katché & The Treaters, spielen 1999

noch auf dem Montreux Jazz Festival und

legen das Projekt danach in die Schublade.

So zahlreich und verschieden seine

Auftraggeber, so einzigartig, unimitierbar

und eindeutig erkennbar ist Manu Katchés

Schlagzeug-Sound. Er selbst beschreibt ihn

als „Amalgam aus afrikanischen Rhythmuskonzepten

und klassischem Schlagzeug,

von der Improvisation des Jazz illuminiert“.

„Manu hat viele Qualitäten, er kann viel“,

kommentiert ihn Jan Garbarek, der Katché

mit Schlagzeugern wie Jo Jones und Gene

Krupa in eine Reihe stellt. „Viel von seinem

Spiel ist pattern-lastig, Manu wird immer

nach einem ganz individuellen Pattern

suchen, das auf ein Stück passt, und dieses

Pattern ständig minimalistisch variieren,

die Dynamik verändern zum Beispiel.

Anstatt solistisch auszubrechen, bleibt er

die ganze Zeit in dem von ihm geschaffenen

Ambiente. Er spielt dabei sehr elegant

und sophisticated, er hat eine poetische

Ader.“ Gewidmet hat Manu Katché sein

neues, zweites Soloalbum „Neighbourhood“

dem verstorbenen Pianisten Michel

Petrucciani, einem herausragenden der

vielen, vielen Kollegen des unangreifbaren

Grenzgängers.

JazzLink: katche

MANU KATCHÉ

Neighbourhood

06024 986 9815


Lebens-weise: MERCEDES SOSA

Lieder und Leben

Es kommt drauf an, was man draus macht: Die 70-jährige

argentinische Sängerin MERCEDES SOSA bringt in ihrer

Lebensphilosophie Unicef und Seifenopern unter einen Hut.

in Lied ist nur ein Lied. Es ist nicht die

EWirklichkeit“, hat Mercedes Sosa einmal

gesagt. „Das sind immer zwei verschiedene

Dinge. Sie vergleichen doch

auch nicht eine Seifenoper mit dem wirklichen

Leben.“ Eigentlich möchte man

ihr widersprechen. So wie die eben 70jährige

Argentinierin ihre Lieder singt, ist

es schwer, ihr nicht jedes Wort zu glauben.

Doch: „Ich muss nicht immer hinter

jedem Wort eines Textes stehen, um

ein Lied singen zu können“, verteidigt

sie ihre Position. Es kommt drauf an, was

man draus macht. Seifenopern und Songs

arbeiten oft genug mit Klischees, die, so

absurd sie erscheinen mögen, immerhin

reale Hintergründe haben. Mercedes Sosa

jedenfalls, die UNICEF-Botschafterin, die

in ihrer Heimat als Freiheitskämpferin verehrt

wird und besonders auch in Deutschland

als Symbol für poetischen, politischen

Widerstand gilt, macht aus den achtzehn

Liedern ihres neuen Albums „Corazón

Fluss ohne

Wiederkehr

Szenenbild: DIE RÜCKKEHR

Wie schön, wenn Low-Budget-Filme

Preise abräumen, so wie vor zwei Jahren

„Die Rückkehr“ des russischen Regisseurs

Andrey Zvyagintsev. Realisiert mit 500.000

Dollar und einem Team von Debütanten

gewann der allegorische Thriller 2003

zwei Goldene Löwen in Venedig und weltweit

weitere achtzehn Awards. Immer wieder

betonten die Kritiker das vollkommene

Zusammenspiel der „elementaristischen“,

von Kameramann Mikhail Kritchmann aufgenommenen

Bilder mit der subtil-dramatisch

unter die Haut gehenden Filmmusik

von Komponist Andrey Dergachev.

„Seine Musik punktualisiert die Geschehnisse

mit der untertriebenen Präzision von

Nervenimpulsen“, schwärmte der „Hollywood

Reporter“. Dergatchev kontrastiert

in seinem Soundtrack elektronische

Sounds mit ganz elementaren russischen

Folksongs, durchsetzt von Naturgeräuschen

– Wind, Regen, Feuer oder dem

Geräusch von Rudern im Wasser. Seine

hypnotischen metallischen Oberton-Osti-

Libre“ mal wieder das Beste. Sie singt die

leisen Geschichten in schlichten Arrangements,

begleitet von Gitarristen wie Jorge

Giuliano, Luis Salinas oder Alberto Rojo,

einige der Herren singen sogar gemeinsam

mit ihr.

„Alles ändert sich“, singen sie, dazu von

Blumen, Frieden, Volk und Land, über vergangene

Liebe, vergessene Straßenkinder

oder die leidende Erde. Gerade wegen

der poetischen Schlichtheit und der

unvergleichlichen Art, wie sie diese jung

gebliebene alte Dame singt, kommen die

Melodien umso mehr zum Tragen. Wenn

das nur Lieder sind, ist das Leben vielleicht

nur eine Seifenoper.

Besser als das JazzEcho

ist nur das

Ja, ich möchte das JazzEcho gratis frei Haus!

Vorname, Name _______________________________________________________

Straße, Nr. _____________________________________________________________

PLZ, Ort _______________________________________________________________

E-Mail ____________________________________________ Geburtsjahr ______

Lieblingskünstler ______________________________________________________

Ich höre gern: ECM Jazz Soul, Dance, Pop/Jazz

Progressive/Modern Jazz Weltmusik (Zutreffendes bitte ankreuzen)

MERCEDES SOSA

Corazón Libre

00289 474 1982

nati verleihen Zvyagintsevs Geschichte

eines Vaters, der mit seinen Söhnen fischen

fährt, einen Touch von „Twin Peaks“. Ein

Augenzwinkern in Richtung Bollywood

sind dagegen Dergatchevs Dialogschnipsel

über den Stücken oder die sehnsuchtsvolle

persische Kamancheh-Geige über elektronisch

verfremdeten Tablas in „Titles-Run“.

Musik, die eine ganz neue Kategorie

andeutet: organische, industrielle, ländliche

Traumlandschaften, fließend und die

Fantasie beflügelnd, egal ob mit oder ohne

Film. Fans von Jean-Luc Godard, Brian

Eno, instrumentalem Folk oder Arvo Pärts

Filmscores sollten sich diese CD unbedingt

besorgen.

ANDREY

DERGACHEV

The Return

06024 987 1318

JazzEcho

A-Nr.: 5285

Postfach 90 06 41

06058 Halle

Benson’s Best in Brazil

Kein Jazzer im eigentlichen Sinn ist GEORGE BENSON,

findet der Jazzer George Benson. Sein neues Album führt ihn

und uns nach Brasilien.

m Frühjahr 2005 unternahm der ame-

Irikanische Gitarrist und Sänger George

Benson eine dreiwöchige Tournee durch

Brasilien, in deren Rahmen er neun ausverkaufte

Konzerte gab. Es war – nach

1985 und 1989 – erst das dritte Mal, dass

Benson das musikverrückte südamerikanische

Land besuchte. Aus diesem Grund

spielte er auch weniger Stücke seines im

vergangenen Jahr veröffentlichten letzten

GRP-Albums „Irreplaceable“, sondern vor

allem die Songs, die er im Laufe seiner Karriere

zu Hits gemacht hatte.

„Ich werde den Leuten das geben, was

sie hören wollen“, versprach der 62-jährige

Künstler vor der Tournee. „Es ergäbe keinen

Sinn, wenn ich so weit reiste und dann

nicht die Show brächte, die das Publikum

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Ausgabe 3 Jahrgang 8

Seite 11

Planet Jazz

Vaterschaftssoundtrack

Im neuen Film von JIM JARMUSCH sucht BILL MURRAY die Mutter eines Sohnes, von dem er bis eben nichts wusste.

Die passende Musik suchte der preisgekrönte Regisseur selbst aus.

Das Gesicht zum Soundtrack: BILL MURRAY

Minimal ist mehr: Bill Murray, der

stillste Komiker des heutigen

Kinos, ist das perfekte Vehikel

für Jim Jarmushs neuen Film „Broken Flowers“,

der manchen Kritikern als Jarmushs

bester seit „Dead Man“, anderen als sein

bisher kommerziellstes Œuvre gilt. In

„Broken Flowers“ erhält Murray als alternder

Single Don Johnston einen merkwürdigen

Brief einer anonymen Verflossenen,

aus dem er erfährt, dass er einen 19-jährigen

Sohn hat, der womöglich auf der

Suche nach ihm ist, worauf sich Don

von mir erwartet.“ Was das brasilianische

Publikum von Benson erwartete (und sich

nun auch auf dem neuen Album „The Best

Live“ befindet), war ein Potpourri seiner

größten Hits: angefangen bei „This Masquerade“

und „Breezin’“ (seinen ersten

Hit-Singles von 1976), über „On Broadway“

(1978), „Give Me The Night“ und

„Love X Love“ (1980) bis hin zu „Turn

Your Love Around“ und „Never Give Up

On A Good Thing“ (1982). Komplettiert

wird das Repertoire durch drei Stücke von

Bensons 2000 erschienenem Album „Absolute

Benson“. „Das Publikum bestimmt,

wer man ist“, meint Benson nicht ganz

ohne Bedauern. „Und meine Fans sagen

mir, dass ich ein Popsänger bin, der zufällig

auch Jazzgitarre spielt. Insofern ist die

auf eine landesweite Exkursion zu seinen

ganzen Exfreundinnen begibt, um von

ihnen Aufschluss über diesen mysteriösen

Sohn zu bekommen. Die kongeniale

Kollaboration von Murray und Jarmush

hat in diesem Jahr bereits den „Großen

Preis der Jury“ in Cannes gewonnen.

Jarmush selbst wählte die Songs zu „Broken

Flowers“ aus und ließ sich zusätzliche

Titel vom äthiopischen Musiker Mulatu

Astatke für den Film komponieren, die

Jarmushs hintergründiger Bar-Jazz-Coolness

gerecht werden. Dennoch war sich

Hier in New York, heute in Brasilien: GEORGE BENSON

reine Instrumentalmusik in den letzten

Jahrzehnten auf meinen Platten immer

mehr in den Hintergrund gerückt. Von

den 22 Hits, die ich im Laufe meiner Karriere

hatte, war nur einer reiner Jazz.“

der Autor und Regisseur beim Soundtrack

seines neuen Films für keinen Eklektizismus

zu schade und spürte Verborgenes

jenseits des Mainstream auf. So erklingt

„Dopesmoker“ aus dem letzten Album

der kalifornischen Stoner-Rocker Sleep

neben Marvin Gayes „I Want You“, der

jamaikanische 60er-Kultklassiker „Ride

Your Donkey“ der Tennors neben melodischem

Retro-Nuevo-Rock der Garageband

Greenhornes aus Cincinnati. Auch

wenn das Requiem Opus 48 von Gabriel

Fauré, gesungen von der Oxford Came-

GEORGE BENSON

The Best Live

06024 9884353 6

rata, Jarmushs Soundtrack abrundet, trifft

„Music From Broken Flowers“ insgesamt

einen loungig bis rockenden Nerv der

60er Jahre, der Murrays zurückgenommene

Leinwandpräsenz – und nicht nur

sie – wunderbar kontrapunktiert.

VARIOUS ARTISTS

Broken Flowers

988 3781


Seite 12 Ausgabe 3 Jahrgang 8

Mix

Die Klischees auf den Kopf gestellt: NYLON

Der JazzEcho-Konzertführer

Alle Angaben ohne Gewähr. Aktuelle Tournews

freitags unter www.jazzecho.de

GÖTZ ALSMANN

09.09.05 Braunschweig, Kulturzelt

10.09.05 Salzwedel, Kulturhaus

11.09.05 Höxter, Stadthalle

17.–18.09.05 Münster, Städtische Bühnen

23.09.05 Limburgerhof, Kultursaal

24.09.05 Emmelshausen, Zentrum am Park

01.10.05 Bremen, Glocke

02.10.05 Lübeck, Kolosseum

03.10.05 Schönberg, Gemeinde

04.10.05 Lüneburg, Vamos Kulturhalle

20.10.05 Göttingen, Stadthalle

21.10.05 Bad Meinberg, Theater

22.10.05 Marburg, Stadthalle

26.–27.10.05 Darmstadt, Centralstation

28.–30.10.05 Mainz, Kammerspiele

01.11.05 Gütersloh, Stadthalle

02.11.05 Meschede, Stadthalle

05.11.05 Willich, Jakob Frantzen Halle

20.11.05 Oldenburg, Cäciliensaal

21.11.05 Essen, Colosseum

23.11.05 Wuppertal, Rex Theater

ARILD ANDERSEN

23.09.05 Frankfurt, Brotfabrik

25.09.05 Herne

06.11.05 Berlin, Jazzfestival

REBEKKA BAKKEN

16.10.05 Ingolstadt, Festsaal

28.10.05 A-Götzis, Kulturbühne Ambach

29.10.05 Lörrach, Burghof

31.10.05 Potsdam, Nikolaisaal

01.11.05 Dresden, Kulturpalast

02.11.05 Halle/S., Oper

03.11.05 Aalen, Jazzfestival

04.11.05 Leverkusen, Jazzfestival

06.11.05 Remchingen, Kulturhalle

08.11.05 Marburg, Stadthalle

09.11.05 Ravensburg, Konzerthaus

10.11.05 Darmstadt, Centralstation

11.11.05 A-Linz, Posthof

12.11.05 A-Innsbruck, Treibhaus

15.11.05 A-Graz, Orpheum

16.11.05 A-Salzburg, Arge Kultur

KETIL BJØRNSTAD

25.10.05 A-Innsbruck, Treibhaus

26.10.05 Marburg, KFZ

27.10.05 Dresden, Scheune

RICHARD BONA

17.11.05 Berlin

ANOUAR BRAHEM & FRANÇOIS COUTURIER

& JEAN-LOUIS MATINIER A27

24.09.05 Murnau, Weltmusikfestival

DEE DEE BRIDGEWATER

19.11.05 A-St. Pölten, Festspielhaus

TILL BRÖNNER

13.09.05 Frankfurt, Alte Oper (m.d. 12 Cellisten)

30.09.05 Bonn, Oper

02.10.05 Gütersloh, Stadthalle

01.11.05 Baden-Baden , Festspielhaus

02.11.05 München, Philharmonie

04.11.05 Berlin, Philharmonie

05.11.05 Karlsruhe, J.-Brahms-Saal

06.11.05 Mannheim, Mozartsaal

07.11.05 Bremen, Glocke

08.11.05 Lübeck, MuK

10.11.05 Dresden, Kulturpalast

13.11.05 Hannover, Theater am Aegi

14.11.05 Nürnberg, Meistersingerhalle

15.11.05 Essen, Philharmonie

FRANK CHASTENIER & WDR BIG BAND

14.09.05 Lüdenscheid

15.09.05 Köln, Philharmonie

16.09.05 Essen, Zeche Zollverein

21.10.05 Köln, Klaus-von-Bismarck-Saal

18.11.05 Saarlouis (mit Roger Willemsen)

26.11.05 Köln, Philharmonie

JAMIE CULLUM

22.11.05 Hamburg, Große Freiheit

23.11.05 Berlin, Passionskirche

24.11.05 München, Elserzusatzhalle

25.11.05 Köln, Stollwerck

SIDSEL ENDRESEN

01.10.05 Nürnberg, Gostenhofer Jazztage

03.10.05 Ulm, Stadthaus-Saal

04.10.05 Köln, Stadtgarten

05.10.05 Karlsruhe, Tollhaus

06.10.05 München, Unterfahrt

07.10.05 A-Wien, Reigen

16.10.05 CH-Bern, B-Flat

17.10.05 CH-Zürich, Moods

TORUN ERIKSEN

13.09.05 Marburg, KFZ

14.09.05 Aachen, Jakobshof

15.09.05 Elmau, Schloß Elmau

16.09.05 Bielefeld, Bunker Ulmenwall

17.09.05 Braunschweig, City Jazz Night

JAN GARBAREK & THE HILLIARD ENSEMBLE

08.10.05 Eberbach, Kloster

09.–10.10.05 Berlin, Dom

13.10.05 Bremen, Dom

14.10.05 Braunschweig, Dom

15.10.05 Lübeck, Marienkirche

16.10.05 Minden, Christuskirche

20.10.05 Regensburg, Dominikanerkirche

21.10.05 Freudenstadt, Stadtkirche

22.10.05 Mannheim, Christuskirche

23.10.05 Halle/S., Marktkirche St. Marien

24.10.05 Rendsburg, Christkirche

25.10.05 Hamburg, St. Michaelis

28.10.05 Würzburg, St. Johanniskirche

29.10.05 A-Salzburg, St. Andrä

12.11.05 CH-Luzern, Kultur- und

Kongreßzentrum

13.11.05 CH-Zürich, Großmünster

Echt Nylon

15.11.05 CH-Genf, Kathedrale

16.11.05 Karlsruhe, St. Stephan Stadtkirche

17.11.05 Ulm, Münster

18.–19.11.05 Köln, St. Agnes

20.11.05 Essen, Zeche Zollverein

23.11.05 Chemnitz, Kreuzkirche

TORD GUSTAVSEN

15.09.05 Langenau, Pfleghof

16.09.05 München, Garibaldi Weinhandlung

CHARLIE HADEN & LMO

03.11.05 Berlin, Jazzfest

ROY HARGROVE / RH FACTOR

04.11.05 Aalen, Jazzfest Ramada Hotel (RH Factor)

05.11.05 Aalen, Jazzfest Ramada Hotel (Quintet)

DAVE HOLLAND & QUINTET

13.10.05 Leipzig, Opernhaus

21.10.05 CH-Luzern, Kongress- und

Kulturzentrum, Konzertsaal

23.10.05 Gütersloh

04.11.05 Siegen, Jazz Club Oase, Kultur-

und Medienhaus Lyz

ANNA MARIA JOPEK

11.10.05 Aschaffenburg, Colos-Saal

13.10.05 Hamburg, Fabrik

16.10.05 Berlin, Tränenpalast

24.10.05 München, Ampere

04.11.05 Leverkusen, Jazzfestival-Forum

MARIA KANNEGAARD TRIO

21.10.05 Heidelberg, Enjoy Jazz @

Karlstorbahnhof

23.10.05 Bremen, Sendesaal Radio Bremen

14.11.05 Bielefeld, Bunker Ulmenwall

JOHNNY LIEBLING

20.09.05 Aschaffenburg, Colos-Saal

22.09.05 Karlsruhe, Substage

23.09.05 Köln, Studio 672

26.09.05 Hamburg, Knust

27.09.05 Berlin, Roter Salon

14.10.05 Osnabrück, Blue Note

15.10.05 Bremen, Lila Eule

18.10.05 Mainz, Frankfurter Hof

19.10.05 Stuttgart, Romeos Kiste

MOJO CLUB DANCEFLOOR JAZZ &

THE ORIGINAL JAZZ ROCKERS

23.09.05 Aachen, Jakobshof

24.09.05 Hamburg, Mandarin Casino

30.09.05 Tübingen, Depot

01.10.05 Freiburg, Jazzhaus

02.10.05 Trier, Forum

07.10.05 Heidelberg, Karlstorbahnhof

08.10.05 Osnabrück, N8

14.10.05 Berlin, Roter Salon

15.10.05 Köln, Stadtgarten

05.11.05 Bielefeld, Kamp

SILJE NERGAARD

27.11.05 Bremen, Glocke

28.11.05 Hamburg, Musikhalle

29.11.05 Frankfurt, Alte Oper

30.11.05 Halle/Saale, Opernhaus

01.12.05 Kaiserslautern, Kammgarn

03.12.05 Berlin, Kammermusiksaal

04.12.05 München, Herkulessaal

05.12.05 Stuttgart, Liederhalle

07.12.05 Düsseldorf, Tonhalle

NYLON

13.10.05 München, Ampere

15.10.05 Stuttgart, Merlin

16.10.05 Trier, Forum

18.10.05 Frankfurt, Brotfabrik

20.10.05 Hamburg, Mandarin Casino

21.10.05 Bremen, Junges Theater/Schwankhalle

DAVID SANBORN & LIZZ WRIGHT

30.09.05 Berlin, Kammermusiksaal

01.10.05 Hamburg, Musikhalle

02.10.05 Bremen, Glocke

04.10.05 Friedrichshafen, Graf-Zeppelin-Haus

06.10.05 Köln, Philharmonie

07.10.05 München, Zirkus Krone

08.10.05 Frankfurt, Alte Oper

09.10.05 Stuttgart, Liederhalle

DAVID SANBORN (SOLO)

10.10.05 Kaiserslautern, Kammgarn

LOUIS SCLAVIS

23.09.05 Viersen, Jazzfestival

TOMASZ STANKO

21.09.05 Hamm, Kurhaus

22.09.05 Hamburg, Fabrik

23.09.05 Viersen, Jazzfestival

24.09.05 Gütersloh, Jugendzentrum

30.09.05 Singen, Kulturzentrum Gems

EBERHARD WEBER

16.10.05 Heidelberg, DAI

17.10.05 Tübingen, Sudhaus

18.10.05 Regensburg, Musikakademie

19.10.05 Chemnitz, Kreuzkirche

20.10.05 Schwäbisch Hall, Altes Schlachthaus

22.10.05 Ulm, Stadthaus

23.10.05 Erlangen, E-Werk

24.10.05 Kassel, Theaterstübchen

25.10.05 Oldenburg, Kulturetage

26.10.05 Osnabrück, Rosenhof

27.10.05 Kiel, Räucherei

28.10.05 Aachen, Jacobshof

29.10.05 Werne, Rathaussaal am Markt

30.10.05 Rottweil, Alte Paketpost

PHILIPP WEISS

15.12.05 Potsdam, Foyer Nikolaisaal

WIBUTEE

08.10.05 München, Unterfahrt

Shufflend: LALO SCHIFRIN

Kriegt einen … JAY-Z

Nach Redaktionsschluss

Im September erscheint die DVD „A Night

In Berlin“ von Trompeter und Sänger Till

Brönner, sie ist das außergewöhnliche

Filmdokument einer privaten Session, die

Brönner Ende April mit befreundeten

Musikern im Berliner Teldex Studio einspielte

und die Star-Fotograf Jim Rakete

außerdem noch spannungsvoll festgehalten

hat, zu sehen im reichlich bebilderten

Booklet +++ Im letzten Jahr gewann

Paco de Lucía mit seinem Album „Cositas

Buenas“ seinen ersten Latin Grammy

in der Sparte „Flamenco“. Nun wurde

dieses Jahr in derselben Kategorie „Aguadulce“

nominiert, das letzte Album seines

spanischen Label-Kollegen Tomatito.

Ebenfalls im Rennen um einen Latin Grammy:

der Brasilianer João Gilberto mit „In

Tokyo“ +++ Die kanadische Post hat

Oscar Peterson mit einer Jubiläumsbrief-

Die Band NYLON macht ihrem Namen alle Ehre: Flexibel und ohne Laufmasche präsentieren

die Berliner nun das Nachfolgealbum zu ihrem Durchbruchdebüt.

Viele Rockgruppen werden mit der Zeit

zu ihren besten eigenen Coverbands.

Was aber macht die ungewöhnliche

Berliner „Anti-Coverband“ Nylon ein

Jahr nach ihrem grandiosen Debüt „Die

Liebe kommt“? Der Presse war das Album

die „Geburt eines neuen deutschen Genres“

wert: Elektro-Pop-Chanson oder Retro

Nuevo Alemán wurde Nylon etikettiert, als

das Quintett „kühl und modern“ („Kulturspiegel“)

unsterbliche Klassiker aus über 70

Jahren deutscher Entertainment-Geschichte

interpretierte. Der „totale Schnellschuss,

eigentlich mehr aus Spaß“ (Sängerin Lisa

Bassenge) traf 2004 den Nerv des verregneten

Sommers jenes Jahres. „Ich hätte

nicht gedacht, dass wir anscheinend doch

die Ersten waren, die sich damit beschäftigten“,

räumt Bassenge quasi bescheiden

ein. Die Soundrevue von Marlene Dietrich,

über Manfred Krug zu Ideal hat Nylon

nun zu sich selbst geführt. Auf ihrer Tour

im Winter stand irgendwann unausgesprochen

im Raum, dass das zweite Album

Gute Gefühle

Es war einmal, vor gar nicht allzu langer

Zeit. Da erbebte die Jazznation,

ausgehend von einem kleinen Club an

der Reeperbahn 1 in Hamburg, sozusagen

dem Epizentrum des „Dancefloor Jazz“.

Viele Jahre lang kamen die Tanzhungrigen

von nah und fern, um dort zur besten aller

Musiken auch noch zu tanzen. Das Konzept

wurde um eigene Compilations, um

Partys und Touren, sogar um einen eigenen

Laden ausgeweitet. Und selbst als der Mojo

Club seine Pforten schloss, ging das Fest

nicht nur auf CD, sondern auch immer wieder

bei regelmäßigen Mojo-Events weiter.

Der Mojo Club lebt, auch wenn der Club

selbst mittlerweile Mandarin Casino heißt.

Jetzt ist es endlich wieder so weit: Ein

neuer Mojo-Sampler ist da. Das ist glücklicherweise

nicht nur ein guter Grund zum

Feiern, sondern auch die passende Musik

dazu. Tiefer und vielseitiger denn je hat Oliver

Korthals, Chefmusikologe und Auflege-

Legende der inspirierten Institution, diesmal

marke geehrt. Eine weitere Hommage wurde

dem weltweit populärsten kanadischen

Pianisten vom Ehepaar Diana Krall und

Elvis Costello dargeboten: Ein von

Costello eigens zum 80. Geburtstag des

Jazzgiganten verfasster Text zu einer Komposition

von Oscar Peterson, präsentiert

von Diana Krall +++ Besagte Diana

Krall hat obendrein die Aufnahmen ihrer

„Christmas Songs“ abgeschlossen, die im

November auch bei uns erscheinen +++ Ein

Winter-Wiederveröffentlichungs-Highlight

wird ein jazzgeschichteschreibendes Album

aus den 60ern von Oldschool-Organist

Jimmy Smith sein +++ Brandneu wird

dagegen das Jahr womöglich mit CDs von

Regina Carter, Salif Keïta und Nils

Petter Molvær ausklingen +++ Allen JazzEcho-Lesern

wünschen wir einen swingenden

Herbst.

vorwiegend Eigenkompositionen enthalten

sollte. Eigenkompositionen, in denen

jedoch das angelegt ist, was Nylon schon

im Debüt ausmachte: eine Chanson-Retromäßige

Ausstrahlung auf vorwiegend

elektronischem Fundament. Diesmal ist

es etwas disco- und elektrolastiger ausgefallen,

dann wieder fast schon rockig

mit live gespieltem Schlagzeug. Ebenso

kennzeichnen beide CDs die flaxigen, oft

vielschichtigen, immer wieder melancholischen

Texte. Schon der Titel „Eine kleine

Sehnsucht“, spielt auf das Nylon-Thema

der „kleinen Sehnsüchte der Menschen an.

Dass es nicht immer um so große, weltbewegende

Dinge geht, sondern um privates,

kleineres Glück oder Unglück, über

kleinere Malaisen des Alltags, so sah auch

das erste Album thematisch aus“. Der

Sprung in die eigenen Songs war eine Herausforderung.

Vor allem Bassenge musste

sich erst einmal von dem Druck befreien,

den zeitlosen Zeilen Dietrichs oder Krugs

etwas entgegensetzen zu wollen. „Irgend-

Es darf gefeiert werden: Zum zwölften Mal in ebenso vielen Jahren erscheint

ein MOJO-SAMPLER mit allerfeinstem „Dancefloor Jazz“.

in seine legendären Plattenkisten gegriffen.

Dass seine raren Grooves aus Jazz, Latin,

Disco, Blues, Chanson, Beat, Brazil und

Blaxploitation auch selten genial und ungemein

genießbar sind, versteht sich dabei

fast von selbst. Dafür sprechen nicht zuletzt

auch die elf großartigen Vorgänger und

natürlich die zwar seltener gewordenen,

aber nach wie vor umjubelten Mojo-Partys

zwischen Elbe und Rhein.

So oder ähnlich wie bei einer dieser Veranstaltungen

klingt denn auch „Feeling

Good“, der zwölfte „Dancefloor Jazz“-

Sampler. Lainie Kazan, singende und

schauspielernde Tochter von Hollywood-

Legende Elia Kazan, singt den grandiosen

Theme-Song im Arrangement von Nikkas

Vater Don Costa. Der Bop-Pianist Ray

Bryant begibt sich „Up Above The Rock“,

die Disco-Groover von East Coast feiern

schlicht „The Rock“. Thelma Houston

schwört „Cheap Lovin’“ ab, Buddy Guy will

dagegen ausgerechnet „Crazy Love“ und

Ghetto-Cocktailkleid

Ein neuer Sampler verleiht den großen Hits des

Labels DEF JAM ein jazziges neues Outfit.

rüher bediente sich der Hip-Hop beim

FJazz, heute ist es umgekehrt. Nach

Jamie Cullums akustischer „Frontin“- Version

und dem melancholischen Outkast-Cover

„Hey Ya“ von Pianistin Maria

Kannegaard kommt hier gleich ein ganzes

Album mit zehn „jazztualisierten“ Perlen

von Hip-Hop und R’n’B. Gewidmet ist

„Def Jazz“ dem Def-Jam-Mitbegründer

Russell Simmons, ohne den es diese CD

am Ende ja nun auch gar nicht gegeben

hätte. Denn Simmons, nach Berry Gordy

und vor Jay-Z wohl der größte Black-

Music-Mogul aller Zeiten, trug entscheidend

dazu bei, den Rap seiner Schützlinge

(Run DMC, LL Cool J und viele andere)

vom Ghetto-Underground der 80er in die

Popmusik der 90er zu befördern. Unvergessene

Musik, die sich heute so schön

versoulen und verjazzen lässt. Dass sich

dabei mancher Kreis schließt, spürt man

schon auf dem Albumopener „All I Need“,

gespielt von Trompeter Roy Hargrove und

Hammond-Organist Joey DeFrancesco.

Das Original mit der großartigen Mary

J Blige erschien auf Method Mans Solo-

Debüt „Tical“. Vorlage war allerdings der

Motown-Oldie „You’re All I Need To Get

By“ von Marvin Gaye und Tammi Terrell,

erschienen 1968 und geschrieben von

Ashford & Simpson. Einige andere zeitlose

Rap-Klassiker sind vielleicht etwas erwachsener

geworden, ohne dabei weniger zu

grooven: Slick Ricks positiv Reggae-infiziertes

„Hey Young World“ aus „The Great

Adventures of Slick Rick“ von 1988 wird

von Gerald Albright interpretiert. Jay-Zs

ultrabekanntes „Can I Get A …“ gerät in

Jeff Lorbeers Wurlitzer-Orgel, und Oran

Juice Jones aktualisiert schließlich seinen

Superhit „The Rain“. Wer hat an der Uhr

gedreht? „Def Jazz“ trägt Rappers Rolex

zum acid-jazzigen Cocktailkleid.

IMPRESSUM

Herausgeber

UNIVERSAL JAZZ, Berlin

Konzept und Gestaltung

TEQUILA\ GmbH, Hamburg

Litho

RAWA, Hamburg

VARIOUS ARTISTS

Def Jazz

06024 988 2877

wann habe ich dann angefangen, einfach

so vor mich hin zu schreiben, und da

kamen mir dann die Ideen. Später habe ich

mir Leute gesucht, mit denen ich dann die

Texte zusammen fertig gemacht habe. Das

fand’ ich eigentlich sehr schön, wenn man

sich so zusammentut.“ Ihre Zitaten-Collage

zum Thema „Liebe macht blöd“ („Tausend

Flugzeuge im Bauch sind kläglich abgeschmiert“)

wird sicherlich einen neuen

Nerv in der Single hauptstadt Berlin treffen.

„Es muss auch mal gesagt werden, dass es

nicht immer nur alles ganz toll ist, wenn

man verknallt ist. Man kann sich auch einfach

total bescheuert verhalten“, erklärt

Bassenge. Da haben wir die Klischees auf

den Kopf gestellt. JazzLink: nylon

NYLON

Eine kleine Sehnsucht

06024 987 2412

T-Bone Walker lobt im „Long Skirt Baby

Blues“ hauptsächlich kurze Röcke. Claude

Bolling ruft den „Pop Mod“ aus, Lalo Schifrin

tanzt den „Ape Shuffle“, Ambros Seelos

zieht seinen „Joker“. Übrige Überraschungen

kommen etwa von Suzanne Gabriello,

der Freundin von Jacques Brel, die ihn zu

„Ne me quitte pas?“ quälte, oder der bajuwarischen

Britin Jenny Evans. Dazu gibt es

allerhand Ausgefuchstes aus den Giftschränken

von J.J. Johnson oder Charles Earland.

„Feeling Good“ ist ein ebenso stringenter

wie abwechslungsreicher Sampler. Ein herrlicher

Trip durch oft wenig erforschte und

immer aufregende Regionen des guten

Geschmacks – gute Gefühle garantiert.

VARIOUS ARTISTS

Mojo Club Presents

Dancefloor Jazz 12:

Feeling Good

06024 9820925

Top Ten

Nils Petter Molvær zu seiner Top

Ten: „Ohne Rangfolge, was ich

im Moment im Kopf habe. Ich

fürchte, es sind nicht wirklich viele

aktuelle Veröffentlichungen.“ Seine

kommende CD heißt übrigens

„ER“.

1. JON HASSEL

Aka Darbari Java

2. MILES DAVIS

Live Evil

3. UNDERWORLD

Dubnobasswithmyheadman

4. JONI MITCHELL

For The Roses

5. STEVIE WONDER

Songs In The Key Of Life

6. RHYTHM & SOUND

With The Artists

7. KEITH JARRETT

Still Live

8. IVO POGORELICH

Englische Suiten no 2 & 3

9. BEASTIE BOYS

Check Your Head

10. DAVID SYLVIAN

Secrets Of The Beehive

Fotos

Myriam Santos-Kayda, Lourdes Delgado, Sven

Fobbe, Bill Phelps, Kwaku Alston, Sebastian

Schmidt u.a.

Druck

Axel Springer AG, Ahrensburg

Alle Rechte vorbehalten. Nachdruck, auch auszugsweise, nur mit vorheriger schriftlicher Zustimmung des Herausgebers:

Fax: (030) 52007-2597, E-Mail: webteam@jazzecho.de. Anzeigen: Runze & Casper Verlagsservice OHG,

Linienstraße 214, 10119 Berlin, Tel.: (030) 28018-0, Fax: (030) 28018-400, E-Mail: verlagsservice@runze-casper.de

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UNIVERSAL JAZZ, STRALAUER ALLEE 1, 10245 BERLIN

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