Nr. 04/2010 - Renditewerk

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Nr. 04/2010 - Renditewerk

RenditeWerk

Zur Pflege des Stiftungsvermögens

Nr. 04/2010 Thema DISKRETIONÄRE MANDATE

02 Das Beste für beide Seiten

Die Qualität diskretionärer

Vermögensverwaltung hängt

von der Vertragsgestaltung ab

06

Wir investieren in Fondsmanager

Der erfahrene Investmentstratege –

Peter Brandstaeter über seinen

Anlageprozess

03

Interessenskonflikte vermeiden

Ein Interview mit Florian Wagner

über das Profil der DAB Bank

07

Lernen aus Nachkrisenzeiten

Oliver N. Hagedorn über die

Notwendigkeit der Depotoptimierung

04

05

Bitte genau hinschauen

Alexander Daniels über Vermögensverwaltungs-Kosten

bei Banken und

unabhängigen Verwaltern

Mit Divdenden gegen Inflation

Georg Thilenius über eine offensive

Anti-Inflations-Strategie

08

09

11

Kontrolle ist besser

Marc Krzewinski über das Controlling

von W-S-H

Vollen Schutz beibehalten!

Gunhild Peiniger über versicherungstechnische

Konsequenzen der veränderten

Haftung von Stiftungsvorständen

Schluss & Ausblick

Fortsetzung von S. 2 & Planung

Ganz Frisch –

RenditeWerk

der unabhängige

monatliche Newsletter

mit den besten

Ratschlägen zur Pflege

des Stiftungsvermögens.


Ganz Frisch – RenditeWerk, der unabhängige monatliche Newsletter mit den besten Ratschlägen zur Pflege des Stiftungsvermögens.

Seite 2

Nr. 03/2010 04/2010

RenditeWerk

Zur Pflege des Stiftungsvermögens

Das Beste für beide Seiten

Die Qualität diskretionärer Vermögensverwaltung hängt von der Vertragsgestaltung ab

Nein, sie ist nur etwas für reiche Private

und ja, sie dient den Instituten nur dazu,

viele hohe Gebühren zu verstecken. Solche

Meinungen geben nur zwei Vorurteile

wieder, die über individuell ausgehandelte

Vermögensverwaltungsmandate kursieren.

Experten glauben dagegen, dass gerade

die individuelle Form der Steuerung

des Vermögens für Stiftungen besonders

sinnvoll sein kann. Dafür haben sie eine

Menge guter Gründe. Ein Plädoyer in vier

Kapiteln.

1. Diskretionäre Mandate erlauben ein

Höchstmaß an Individualität.

Stiftungsvermögen sind meist komplizierte,

mit vielen Anlagevorbehalten versehene

Gebilde. Da ist der Gesetzgeber, der

den Substanzerhalt und die Erwirtschaftung

laufender Erträge vorschreibt. Da ist

der Stifter, der oftmals Anlagegrundsätze

(„Mündelsicherheit“) und Präferenzen

(„soll, wenn möglich, Unternehmensnah

angelegt werden“) vorgegeben hat. Und

da sind die verschiedenen Stiftungsorgane,

die zunehmend darauf achten, dass

Anlagen nicht dem Stiftungszweck entgegenstehen.

Mit standardisierten Produkten

kann man diese Komplexität häufig

Diskretionäre

Vermögensverwaltung

Diskretionäre Vermögensverwaltung

(Individuelles Mandat) ist

die Steuerung von Kapital, die im

Rahmen eines Verwaltungsvertrages

von einem unabhängigen Vermögensverwalter

oder einem Kreditinstitut

erbracht wird. Im Unterschied zur standardisierten

Vermögensverwaltung,

die meist in Form von Investmentfonds,

aber auch durch Zertifikate oder

produktungebunden als standardisierte

(Fonds-)Vermögensverwaltung durchgeführt

werden kann, bestimmt der

Kunde bei der individuellen Verwaltung

die Investmentstrategie selbst.

nicht abbilden. Nur mit einem individuellen

Verwaltungsauftrag wird man den verschiedenen

Organen und Interessen, die in

einer Stiftung wirken, gerecht.

2. Diskretionäre Mandate sind für viele

Stiftungsgrößen geeignet.

Ab wann lohnen sich eigentlich diskretionäre

Mandate Diese Frage stellen sich

viele Verantwortliche. Im privaten

Bereich lautet eine der gängigen

Rechnungen, dass individuelle

Vermögensverwaltung sich erst

frühestens ab 250.000 Euro Vermögen

lohnt. Für Stiftungen, die

auch in Fonds günstiger als Private anlegen

können, wird es wohl erst ab einem

Vermögen von einer Million Euro lohnend.

Erst ab dann dürften bestimmte Kostenvorteile

(Transaktionskosten, Gewinnbeteiligungen)

sowie der Gewinn an Individualität

die Vorteile standardisierter Produkte

(zum Beispiel weniger Kontrollaufwand)

überwiegen. Damit sind individuelle Mandate

für die etwa 10.000 kleineren Stiftungen

im Lande wohl eher nicht geeignet.

Für alle anderen aber überwiegen bei

richtiger Ausgestaltung die Vorteile individueller

Verwaltung (und sei es in Form der

Spezialfonds).

Fortsetzung auf Seite 11

diskretionäre Vermögensverwaltung

ist wie ein Gang zum Bäcker.

Sie gehen in den Laden voll von

Kaffee- und Brötchendüften und

suchen aus dem Angebot an

frischen Waren die leckersten aus:

Individueller Service mit ausgesuchten

Produkten. Und die standardisierte

Vermögensverwaltung Sie stehen

vor einem Automaten …

Ihr Elmar Peine

Wahrheit

Guten Tag,

Das Vertrauen ist etwas so Schönes, dass selbst der ärgste

Betrüger sich eines gewissen Respektes nicht erwehren kann vor

dem, der es ihm schenkt.

Von Marie von Ebner-Eschenbach

MonatsStifter

Maren und Werner Otto ...

... Zum Hundertsten des

Otto-Versandgründers

Werner Otto gründen

er und seine Frau eine

Stiftung.

Herzlichen Glückwunsch!


+++ Florian Wagner im Interview +++ Über das besondere Profil der DAB +++ Florian Wagner im Interview +++ Über das besondere Profil der DAB +++

Seite 3

Nr. 04/2010

RenditeWerk

Zur Pflege des Stiftungsvermögens

Interessenskonflikte vermeiden

Interview mit Florian Wagner ( Leiter institutionelle Kunden der DAB Bank ) über das besondere Profil der DAB Bank

Florian Wagner:

“Wir glauben sehr

konkurrenzfähig zu sein.“

Nr. 04/2010

RW: Welches Leistungsspektrum eröffnet die

DAB Bank für Stiftungen

Florian Wagner: Wir stehen für Stiftungen als attraktive

Depotbank zur Verfügung.

RW: Warum zu Ihnen und nicht zur Volksbank oder

zur Sparkasse

FW: Wir wissen, dass 85% der Stiftungen ihre Depots

und Konten bei Sparkassen sowie Volks- & Raiffeisenbanken

haben und das aus unterschiedlichsten Gründen.

Wenn wir die gebotenen Konditionen und den

Service mit den Leistungen der DAB bank vergleichen,

glauben wir, sehr konkurrenzfähig sein zu können.

RW: Was heißt das in Zahlen

FW: Nur drei Stichpunkte: Wir bieten Depots ab Null

Euro Kosten an. Wertpapiertransaktionen gibt es ab

25,- Euro. Und wir reichen Bestandsprovisionen, die

wir erhalten, zu 90 Prozent an die Stiftungen weiter.

RW: Und was für einen Service-Vorteil dürfen Stiftungen

bei der DAB Bank erwarten

FW: Stiftungen werden von unserem Team für institutionelle

Kunden persönlich betreut. Darauf legen wir

viel Wert. Stiftungen profitieren darüber hinaus, wie

alle anderen Kunden auch, von unserer Unabhängigkeit

im Produktbereich.

RW: Die DAB Bank gehört zum Unicredit-Konzern.

FW: Ja, wir sind eine Tochter der HypoVereinsbank.

Wichtig ist aber, dass wir als DAB Bank keine eigenen

Produkte auflegen und vertreiben und so vollkommen

neutral sein können. Unsere Kunden können

mehr als 20.000 Fonds und Zertifikate

von allen Anbietern über uns handeln.

Und unsere Kunden können direkt

mit unserem Handelsteam sprechen

und die Orders direkt aufgeben – ein

Service, den nur wenige bieten.

RW: Die DAB Bank arbeitet mit vielen

unabhängigen Vermögensverwaltern

zusammen.

FW: Ja, ca. 60 Prozent der deutschen

unabhängigen Vermögensverwalter

nutzen die Vorteile der DAB bank.

RW: Kann es für eine Stiftung sinnvoll

sein, sich einen unabhängigen Vermögensverwalter

zu holen

FW: Ja, absolut. Die Trennung von Bankdienstleistungen

und Bankberatung hilft ganz eindeutig Interessenskonflikte

– Stichworte: Transaktionen, hauseigene

Produkte - zu vermeiden.

RW: Was können Vermögensverwalter besser als

Banker

FW: Die Zusammenarbeit mit einem Vermögensverwalter

bringt Kosten- und Qualitätsvorteile. Stiftungen

können sich so einen günstigen Einkauf und

eine besseren Kostenstruktur sichern. Hinsichtlich

der entstehenden Kosten profitieren wir auch davon,

nicht an die Produkte oder Vorgaben einer Institution

gebunden zu sein. Auf der Qualitätsseite können Kunden

das große Know-how des Vermögensverwalters,

dessen hohe Motivation als Unternehmer und eine

langfristige Verfügbarkeit des Beraters nutzen. Dazu

kommt, dass dem Vermögensverwalter die gesamte

Produktpalette des Kapitalmarktes ohne Einschränkung

und Präferierung zur Verfügung steht.

RW: Bringen Vermögensverwalter unter dem Strich

einen Mehrwert

FW: Davon bin ich überzeugt. Neben den erwähnten

Vorteilen stehen sie als selbstständige Unternehmer

mit meist hoher regionaler Verankerung erst recht

in der Verantwortung des Vermögens, das sie zur

Verwaltung anvertraut bekommen.

RW: Vermögensverwaltern wird gelegentlich vorgeworfen,

sie hätten kaum Research-Kapazitäten.

FW: Die meisten Vermögensverwalter kommen aus

Banken und kennen ihre Researchquellen. Da sie

nicht nur auf ein Institut fixiert sind,

haben sie häufig sogar Zugang zu

mehr Researchmöglichkeiten und

können sich so ein umfassenderes und

neutraleres Bild machen.

RW: Wie seriös sind denn Vermögensverwalter

FW: Seriosität steht absolut im Vordergrund.

Vermögensverwalter sind durch

die Bundesaufsicht für Finanzdienstleistungen

(BaFin) zugelassen. Sie müssen

eine hohe Hürde an Kriterien erfüllen,

um diese Anerkennung zu erhalten. Die

meisten Vermögensverwalter kommen aus Banken

und haben sich ganz bewusst für diesen Schritt in die

Selbstständigkeit entschieden. Sie wollen im Sinne

des Kunden handeln und sich nicht einer Verkaufsvorgabe

unterordnen.

RW: Steht die DAB Bank für Auskünfte bereit

FW: Ja, selbstverständlich. Wir helfen gerne weiter

und vermitteln wo wir können.


+++ Knapp Voith AG +++ Alexander Daniels über unabhängige Vermögensverwaltung vs. Verwaltung durch Banken +++

Seite 4

Nr. 04/2010

RenditeWerk

Zur Pflege des Stiftungsvermögens

Bitte genau hinschauen

Kosten unabhängiger Vermögensverwaltung vs. Kosten bei Banken. Von Alexander Daniels

Nr. 04/2010

Viele Stiftungen sind aufgrund der Anlageergebnisse

des Stiftungsvermögens in den letzten Jahren unzufrieden

mit der Betreuung durch ihre Bank. Trotzdem

zögern Stiftungsgeber bzw. Anlageausschüsse, sich

mit einer sinnvollen Alternative zu beschäftigen: die

Betreuung des Stiftungsvermögens durch

eine unabhängige Vermögensverwaltung.

1.080.000 €

980.000 €

Als Grund für diese Zurückhaltung

werden oft die vermeintlichen

Zusatzkosten als

880.000 €

780.000 €

Hauptfaktor genannt. Diese

Bedenken werden aber zu

680.000 €

Unrecht angeführt, da eine

580.000 €

individuelle Vermögensverwaltung

bei einem bankenunabhängi-

480.000 €

gen Verwalter oftmals überhaupt keine

Mehrkosten verursacht – darüber hinaus

bietet der unabhängige Partner in der Regel eine

viel individuellere und persönlichere Betreuung als

bei einer Betreuung durch eine Bank.

Eine unabhängige Vermögensverwaltung weist die

Kosten für die erbrachten Leistungen völlig transparent

in einer Rechnung aus; der Kunde kann die Gebühren

jederzeit nachvollziehen. Banken hingegen

weisen die vereinnahmten Gebühren nicht separat

aus, sondern verstecken die tatsächlichen Kosten oft

im „Kleingedruckten“. Anschließend werden diese

Kosten oftmals in die Preise der empfohlenen Pro-

dukte hinein gerechnet – dadurch entsteht für den Bankkunden

der Eindruck, als ob er nichts für die Wertpapiere

bezahlen müsste.

Wertentwicklung eines Vermögens

von 500.000 € in 25 Jahren

Bei Kosten von 1% p.a. und 2% p.a.

bei 1% p.a.

bei 2% p.a.

1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19 20 21 22 23 24 25

Quelle: Knapp Voith AG

Die tatsächlichen Kosten vieler Wertpapierdepots bei Banken

liegen um ein Vielfaches über den reinen Kosten für

An- und Verkäufe von Wertpapieren. So hat das Private

Institut für Fondsanalyse (ifa) ermittelt, dass die durchschnittlichen

Kosten eines Investmentfonds in Deutschland

1,88% pro Jahr betragen – und dies noch vor Transaktionskosten

und Erfolgsgebühren! Die Gebühren vieler

strukturierter Produkte wie beispielsweise von Zertifikaten

liegen sogar noch über diesen Werten. Aus diesem

Blickwinkel wird deutlich, warum immer noch sehr viele

Depots bei Banken mit diesen Produkten bestückt sind – je

höher die Gebühren für die Bank, desto interessanter der

Verkauf des Produkts.

Vergleicht man diese Zahlen mit den Gebühren eines unabhängigen

Vermögensverwalters (in der Regel 1% des

verwalteten Vermögens p.a.), erscheinen die Kosten

der Vermögensverwaltung sogar eher niedrig.

Darüber hinaus erreichen viele Vermögensverwalter

sogar eine Reduzierung der bisherigen

Transaktionskosten durch Neuverhandlungen

bei Vertragsbeginn. Sämtliche vorher bei den

Banken berechneten Gebühren wie beispielsweise

Ausgabeaufschläge werden entweder

drastisch reduziert, ganz gestrichen

oder an den Kunden weitergereicht.

Wie man sehen kann, ist die unabhängige

Verwaltung eines (Stiftungs-)Vermögens

keineswegs mit zusätzlichen Kosten verbunden.

Darüber hinaus erhält man einen

kompetenten Ansprechpartner, der sich zu

jeder Zeit voll und ganz dem ihm anvertrauten

Vermögen widmen kann. Eine Bank

verdient immer – der unabhängige Vermögensverwalter

nur, wenn er mit dem Kundenvermögen

verantwortungsvoll umgeht

und mit dem Kunden gemeinsam an einem

Strang zieht.

Portrait

Knapp Voith AG

Die Hamburger Vermögensverwaltung

entstammt dem Single

Family Office der Industriellen-Familie Knapp

Voith. Nach der Öffnung 1997 hat die Knapp

Voith Vermögensverwaltungs AG nun 65 Kunden

(darunter auch Stiftungen) und verwaltet ein Vermögen

in dreistelliger Millionenhöhe. Eigentümer

sind mehrere Kunden, darunter die Gründerfamilie

sowie der Vorstandsvorsitzende

der AG, Alexander Daniels.

Daniels vertritt einen auf

Vermögenserhalt angelegten

Investmentansatz, in dem strukturierte

Produkte und Derivate

keinen Platz haben.

Alexander Daniels:

„Eine Bank verdient immer

– der unabhämgige

Vermögensverwalter nur, wenn

er mit dem Kundenvermögen

verantwortungsvoll umgeht.“


+++ Dr. Georg Thilenius (Dr. Thilenius Management GmbH ) +++ Über Ertrag und Inflation +++ Dr. Georg Thilenius (Dr. Thilenius Management GmbH ) +++

Seite 5

Nr. 04/2010

RenditeWerk

Zur Pflege des Stiftungsvermögens

Ertrag und Inflation

Dividendenbasierte Strategien können vor Inflation schützen. Von Georg Thilenius

Nr. 04/2010

Im Zuge einer Studie über langfristigen Substanzerhalt

haben wir Unternehmen ausgewählt,

die über 25 Jahre hinweg

immer Dividende gezahlt,

bei gelegentlichen

Kürzungen anschließend

wieder auf den alten Satz

aufgestockt und regelmäßig

erhöht haben. Bei

einem derartigen Konzept

ergeben sich im Laufe der

Zeit sehr ansehnliche Dividendenrenditen

von etwa

15 bis zu ca. 30 % auf die

ursprünglich eingesetzten

Beträge. Kursrückgänge,

wie zwischen 2000 und

2003 und aktuell zwischen

2007 und 2009

berühren die Dividendenzahlungen

und damit das

laufende Einkommen nicht, sofern die Dividende

nicht gekürzt wird. Daher ist bei der Auswahl der

Unternehmen auf stabile Branchen zu achten.

Hier ist die Wahrscheinlichkeit eines Ausfalles der

Dividende gering. Keines der von uns untersuchten

Unternehmen hat in den letzten 25 Jahren die

Dividende ausfallen lassen.

Der Ausgleich der Inflation erfolgt bei Dividendenwerten

über die Steigerung der Dividenden.

Idealerweise liegt die

Dividendensteigerung

deutlich über der Inflationsrate.

Daraus ergibt

sich dann ein realer

Kaufkraftzuwachs. Die

Dividende der BASF

beträgt beispielsweise

1,70 €. Bei einem Kurs

Dr. Georg Thilenius ist

geschäftsführender Gesellschafter

der bankunabhängigen

Vermögensverwaltungsgesellschaft

Dr. Thilenius Management GmbH

in Stuttgart. Das Unternehmen

unterliegt der BaFin.

von 46 € Mitte April beträgt die Dividendenrendite

4,2 %, vor Steu-ern, den Kosten

der Bank und der Vermögensverwaltung. Die

BASF hat die Dividende von 0,30 € 1995 auf 1,70

€ in 2009 um 470 % gesteigert, siehe beiliegende

Grafik. Die Steigerung von durchschnittlich 15

% hat die Inflation mehr als ausgeglichen. Bei

einem Kurs von damals 8 € beträgt die heutige

Rendite auf den ursprünglich eingesetzten Betrag

21 % jährlich. Durch die Kurssteigerung von 8 € auf

46 € ergibt sich zusätzlich ein Kursgewinn von ca.

460 % vor Kosten der Bank und Vermögensverwaltung,

siehe Grafik anbei.

Für Kapitalwachstum und Inflationsausgleich ist

eine Anlage in Wachstumsaktien sinnvoll.

Für die Zwecke einer Stiftung ergibt

sich hier auch die Möglichkeit nach

Kriterien der Nachhaltigkeit oder

des Socially Responsible Investing

anzulegen.

Anlageschwerpunkt

einer solchen

Strategie

sind Branchen

und Länder mit

starkem und wenig

zyklischem

Wachstum wie Medikamentenentwicklung,

Medizintechnik, Energieversorgung

in den Industrieländern

sowie Mobilfunk und andere Konsumwerte

in den bevölkerungsreichen Ländern

der neuen Welt wie China und Brasilien. Hier besteht

zusätzlich die Chancen von Währungsgewinnen

im Laufe der Zeit.

BASF-Performance in %

BASF-Dividende in €

1,6

1,2

0,8

0,4

1995 '97 '99 '01 '03 '05 '07 '09

0,0

Quelle: Thilenius

Management GmbH

Ein nach unserer

Meinung gutes

Wa c h s t u m s u n -

ternehmen ist

das amerikanische

Pharmaunternehmen

Gilead Science,

bekannt durch

Produkte gegen

537

243

120

71

47

-2

Gilead Sciences vs. DAX

Gilead Sciences

'01 '02 '03 '05

Dax 30

0

'06 '07 '08 '09 '10

Quelle: Thilenius

Management GmbH

die Vogelgrippe,

die Schweinegrippe und Aids.

Der Aktienkurs, siehe Grafik anbei

ist in den 10 Jahren von April

2000 bis April 2010 in Euro gerechnet

um 900 % gestiegen,

vor Steuern, den Kosten der

Bank und der Vermögensverwaltung.

Der DAX, untere Grafik ist

zum Vergleich fast unverändert.

Derartige Wachstumsaktien können

durchschnittliche Zuwächse im

Gewinn pro Aktie von etwa 15 - 20

% im Jahr erzielen. Langjährige Erfahrung

zeigt, dass sich derartige Gewinnsteigerungen

im Laufe der Zeit in ein ungefähr

proportionale Kursentwicklung übertragen, natürlich

unter Schwankungen.

1074

781

487

340

194

47


+++ Peter Brandstaeter (Fonds Laden) im Interview +++ Peter Brandstaeter (Fonds Laden) im Interview +++ Peter Brandstaeter (Fonds Laden) im Interview +++

Seite 6

Nr. 04/2010

Wir investieren in Manager

Peter Brandstaeter im Interview

Nr. 04/2010

RW: Wenn Sie heute 50 Millionen Euro für eine Stiftung

anlegen sollten. Was würden Sie kaufen

Peter Brandstaeter: Wir sind Anhänger einer möglichst

breiten Streuung über verschiedene Asset

Klassen. Somit würden neben den Bereichen

Anleihen und Immobilien auch Aktienfonds

berücksichtigt werden. Bei letzteren

bevorzugen wir jedoch Produkte, bei denen

man nicht zu starr an eine Benchmark

gebunden ist und das Peter Brandstaeter:

Alpha eine größere Rolle seit über 30 Jahren

spielt.

im Banken- und

Finanzbereich tätig.

RW: Das sieht aber

ziemlich offensiv für eine

Stiftung aus Kann die Sicherung des Substanzerhaltes

sowie die Erwirtschaftung der Ausschüttung denn

damit eingehalten werden

PB: Wir sind seit 16 Jahren am Markt und betreuen

ca.100 Millionen Euro. Das schaffen wir nicht mit

Experimenten, sondern nur mit Leistung. Neben dem

Anspruch des Kapitalerhalts sollte auch eine stabile

Rendite erwirtschaftet werden und zwar in unterschiedlichen

Marktphasen.

RW: Auf welche Ergebnisse können Sie denn verweisen

PB: Nehmen Sie unseren Total Return-Dachfonds.

Der liegt mit seinen Schwankungen im Bereich von

Staatsanleihen. Das ist aber nur die eine Seite.

Worauf es ankommt, ist, neben der Sicherung des

Vermögens eine möglichst stabile

Performance zu erzielen. Von daher

berücksichtigen wir neben Anleihen

und Wandelanleihen auch alternative

Investmentansätze.

RW: Wieviel Rendite hat denn Ihr

Total Return Fonds erzielt

PB: 2009 haben wir eine Rendite

von 6,7 Prozent erwirtschaftet bei

einer Volatilität von ca. 3,4 Prozent.

Dieses Jahr liegen wir bis dato bei 4,3

Prozent. Die wesentlichen Renditetreiber sind, wie

im vergangenen Jahr, High Yields und Convertibles.

Aber auch bei den alternativen Anlagen läuft es in

diesem Jahr besser. Bei den Aktien halten wir uns

noch weitgehend zurück.

RW: Investieren Sie überwiegend in Fonds

oder direkt

PB: In Fonds, genau genommen

investieren wir in Fondsmanager.

Wir wollen über die

Fondsinvestments die

besten Fachleute in Ihren

RenditeWerk

Zur Pflege des Stiftungsvermögens

jeweiligen Gebieten einkaufen. Das gilt für die Auswahl

im Sektor der Anleihen, für Hedge-Fonds und eben auch

für Aktien. Dafür führen wir bis zu dreihundert

Gespräche mit Managern im Jahr.

RW: Ist das wirklich wichtig, jemandem

gegenübergesessen zu haben

PB: Oh ja. Sie lernen die Person kennen

und lernen auch, welche Möglichkeiten

er in seinem jeweiligen Umfeld hat.

Persönliche Kenntnis ist auch wichtig, um

abzuschätzen, wie diszipliniert jemand

seinen Anlagestil umsetzt.

RW: Nennen Sie uns doch abschließend

bitte ein Beispiel.

PB: Nehmen Sie zum Beispiel Christoph

Bruns von Loys, einen versierten Wertpapierpicker,

der auch die Absicherungsseite

umsetzen kann. Da spürt man große

Expertise im Gespräch und natürlich ist es

auch nicht unerheblich, zu wissen,

dass er international

bestens vernetzt ist und den größten

Teil seiner Zeit im Ausland verbringt,

in einem der Zentren

des Wertpapierhandels.

Portrait

Stressfrei investieren

Performance in %

12,5

6,6

0,7

-5,2

-11,2

-17,1

-23,0

-28,9

Dipl. Volkswirt Peter Brandstaeter ist Gründer

und Chef des Münchener

Fonds Ladens.

Vom Axel Springer

Finanzen Verlag ist

DJ Euro Stoxx 50

Jan 2009 Jul 2009

Fonds Laden (www.fonds-laden.de)

Kapital Total

Return AMI

Apr 2010

Brandstaeter mehrfach

zum Vermögensverwalter/berater

des

Jahres ausgezeichnet

worden.

Die Anlagegelder werden

zu 60 Prozent in

Multiasset-Dachfonds

gemanagt. Den Rest

machen diskretionäre

Mandate aus. Brandstaeter

managt zusammen

mit seinem

Anlageausschuss drei

eigene Fonds, von denen insbesondere der

AmpegaGerling – Kapital Total Return AMI P

(Wkn A0MY08) stabile Erträge bei niedrigen

Volatilitäten erbringt.


+++ Oliver N. Hagedorn +++ Über die Notwendigkeit breitgestreuter Depots + + + Oliver N. Hagedorn +++ Über die Notwendigkeit breitgestreuter Depots +++

Seite 7

Nr. 04/2010

RenditeWerk

Zur Pflege des Stiftungsvermögens

Lernen aus Nachkrisenzeiten

Manche institutionelle Investoren hierzulande

scheinen wieder auf dem Holzweg. Sie rechnen

nicht mit dem Versiegen herkömmlicher Renditequellen,

sondern bleiben investiert wie zu seligen

2007er Zeiten, als mit einem 85 prozentigen Anleivon

Oliver N. Hagedorn, avesco Financial Services AG

Nr. 04/2010

Wenn man den beiden renommierten

US-Statistikern

Carmen Reinhart und

Kenneth Rogoff Glauben

schenkt, dann

wird die Erholung

nach der Krise

2008 langsam und

unterhalb des allgemeinen

Wachstumstrends

erfolgen.

Das fanden die beiden

Ökonomen nach der

Untersuchung von „acht

Jahrhunderten ökonomischer

Narretei“ heraus. Närrisch verhalten

sich dementsprechend viele Anleger, weil sie nach

jeder Krise auf eine (zu) schnelle Erholung setzten

und immer nach dem Motto handelten: „This time

is different“. Genauso nannten Reinhart/Rogoff ihr

gerade erschienenes Buch.

hen-Anteil und ein paar Aktien (3%) eine Rendite um

fünf Prozent leicht ohne nennenswerte Inflation

zu verdienen war. Doch mit dieser orthodoxen

Depotmixtur werden institutionelle

Anleger, vor allem Stiftungen, künftigen

Performanceerfordernissen nicht mehr

gerecht werden. 1999 hatten 12 jährige

Lebensversicherungen noch 6,78

Prozent Rendite gebracht. Aktuelle Versicherungen

rentieren gerade noch mit

3,83 Prozent. Mit jedem Jahr niedriger

Zinsen sinken die Renditen von anleihebasierten

Strategien fast zwangsläufig

weiter.

Oliver Hagedorn:

„Die richtige Streuung

zahlt sich aus.“

Möglichkeiten, sich alternative Renditequellen

zu erschließen. Die

Performance des 2000 Fonds

abbildenden Eureka Hedge Index

betrug 2009 stolze 19 Prozent.

Damit wurde der Verlust

von 2008 mehr als ausgeglichen.

Viele Rohstoffe erholten

sich noch eher als Aktien.

Neue Themen wie nachhaltige

Diesmal ist alles anders.

Tatsächlich, denn niemals

zuvor hatten Investoren

so viele

Investments, Wald- und Landwirtschaftsanlagen,

aber auch eine Reihe interessanter Private Equity-

Investments lassen sich auch unter Asset Liability-

Erfordernissen passgenau in die Depot-Architektur

einfügen. Und niemand sollte sich täuschen lassen:

Die einst hochgejubelten und anschließend vielgescholtenen

amerikanischen Stiftungsfonds von Yale

oder von Harvard haben die Krise, nach allem, was

heute bekannt ist, sehr viel besser überwunden, als

die allermeisten Konkurrenten. Das ist der wirklich

breit angelegten Depotaufteilung auch auf alternative

Anlageklassen zu verdanken.

Bislang spielen die genannten Klassen bei institutionellen

Anlegern in Deutschland keine angemessene

Rolle. In Versicherungsdepots macht der Anteil

gerade 0,7 Prozent aus. Bei Pensionskassen und

Stiftungen dürfte es ähnlich aussehen. Doch ein

Umdenken deutet sich an. Für dieses Jahr

rechnen von der Deutsche Bank befragte

Großinvestoren in Europa mit dem

stärksten Zuwachs für Hedge Fonds

seit acht Jahren. Damit könnte sich

eben auch bewahrheiten, dass

jede Krise ihre eigene Geschichte

hat.

Portrait

avesco Financial Services AG

Avesco wurde 1999 von Oliver N. Hagedorn

gegründet. Mittlerweile

managt

Die besten Vermögensverwalter

die Berliner Ver-

Ewige Bestenliste 2010

Platz Land Punktestand

mögensverwal-

tung etwa 100

1. Credit Suisse (Dtld.) AG DE 98,0

2. Raiffeisenbank Kleinwalsertal DE 95,1

Millionen Euro

3. avesco Financial Services AG DE 94,0

für private und

4. Bank Gutmann DE 93,5

institutionelle

5. Berenberg Bank DE 92,5

Kunden. Mehrmals

zeichnete

Quelle: Private Banking Prüfinstanz

die renommierte

Private Banking Prüfinstanz Avesco als beste

unabhängige Vermögensverwaltung aus.

2010 gewann man zusätzlich einen Depot-

Stresstest, den die Deutsche Börse AG in

einem aufwändigen Verfahren durchgeführt

hatte, gegen praktisch alle renommierten

Vermögensverwalter des Landes.


+++ Marc Krzewinski +++ Consultant der WSH Deutsche Vermögenscontrolling +++ Über die Kontrolle von Vermögensverwaltern +++

Seite 8

Nr. 04/2010

RenditeWerk

Zur Pflege des Stiftungsvermögens

Kontrolle ist besser

Individuelle Vermögensverwaltung nicht ohne individuelles Controlling. Von Marc Krzewinski

Nr. 04/2010

Die betriebswirtschaftliche Fragestellung „make or

buy“ findet auch im Bereich der Vermögensanlage

bei Stiftungen ihre Anwendung. Die Frage, die sich

jede Stiftung in diesem Zusammenhang stellen muss,

lautet: Kann ein effizientes Portfoliomanagement

selbst durchgeführt werden, oder sollte diese Leistung

an einen oder mehrere externe Portfoliomanager

delegiert werden. Neben der Kostenabwägung, die

eine nüchterne kaufmännische Entscheidung in

Bezug auf die kritische Vermögensgröße verlangt,

kommt insbesondere der Qualität der

Vermögensverwaltung/des Portfoliomanagers

eine sehr

Marc Krzewinski:

entscheidende

„Grundsätzlich ist Vorsicht

Rolle zu.

geboten, wenn in der

Häufig führt die

Vermögensverwaltung

Beantwortung primär Investmentfonds

dieser Frage-

verwendet werden.“

stellungen zur

Mandatierung eines externen Vermögensverwalters/Vermögensberaters.

Unter

Beachtung einiger wesentlicher Punkte sollte

diese Entscheidung sich auch mittel- bis langfristig

auszahlen. Von besonderer Bedeutung für den Anlageerfolg

ist hierbei neben der Kompetenz des/der

Portfoliomanager auch die Kostensituation in dem

Einzelmandat. Diese sollte im Vergleich zu am Markt

verfügbaren Fondslösungen bei einer professionellen

Verwaltung mit Einzeltiteln u. ggf. ETFs deutlich

günstiger sein. Aufschluss über die Angemessenheit

der Vermögensverwaltungsgebühren kann nur ein

Marktvergleich geben. Grundsätzlich ist Vorsicht geboten,

wenn in der Vermögensverwaltung primär

Investmentfonds verwendet werden. Diese können

die Gesamtkosten und damit die zu erwartende Portfoliorendite

durch die i.d.R. höhere Kostenbelastung

auf Fondsebene deutlich negativ beeinflussen. Übervorteilt

wird der Kunde zudem, wenn die

gezahlten Management-Fees bei

hauseigenen/selbstgemanagten

Investmentfonds nicht

auf die zu entrichtenden Gebühr

für die Vermögensverwaltung

angerechnet

werden. Um nicht in

derartige Kostenfallen zu

tappen, ist eine individuelle/diskretionäre

Vermögensverwaltung

einer standardisierten

Lösung vorzuziehen.

Der Vermögensinhaber hat

hierbei die Möglichkeit über

individuelle Anlagerichtlinien u.a.

Anlageklassen u. Instrumente wie z.B.

Fondsinvestments für die Verwaltung auszuschließen

oder nur in Ausnahmefällen zuzulassen.

Der gezielte Einsatz der Anlagerichtlinien kann darüber

hinaus dem Stifter als Steuerungsinstrument dienen,

mit dem er alle Freiheiten hat, die Vermögensanlage

genau auf die Stiftungszwecke auszurichten. Für

die Gesamtvermögenssteuerung

bieten

die individuellen

Anlagerichtlinien die

Möglichkeit, einzelne

Verwalter Ihren

Kompetenzen entsprechend

nur für bestimmte Anlageklassen einzusetzen,

in denen Sie einen nachweislichen Erfolg erzielt haben.

Wie die Erfahrung zeigt, kann die zielgerichtete Auswahl

mehrerer Vermögensverwalter (Spezialisten) mit ggf.

unterschiedlichen Strategien, die sich in den unterschiedlichen

Marktphasen ergänzen, den Anlageerfolg positiv

beeinflussen. Eine kompetente Beratung hinsichtlich der

Verwalterselektion ist hierfür unabdingbar.

Der Stifter sollte sich jedoch auch veranlasst sehen, das

Handeln des/der Vermögensverwalter ständig sehr aufmerksam

zu verfolgen, um einem Kontrollverlust und den

sich daraus ergebenden Fehlentwicklungen gegenzusteuern.

Ein umfassendes Controlling auf den Ebenen der Planung,

der Vermögens-/Verwaltersteuerung und der Leistungs-

und Kostenkontrolle sowie der Überwachung der

Einhaltung der Anlagerichtlinien ist eigentlich schon bei

Einschaltung nur eines Vermögensverwalters unverzichtbar.

Die daraus i.d.R. resultierende Renditeoptimierung

rechtfertigt dabei auch den bei Beauftragung mehrerer

Verwalter steigenden Controlling-Aufwand.

Portrait

WSH Deutsche

Vermögenscontrolling

Die WSH Deutsche Vermögenscontrolling,

eine hundertprozentige Tochtergesellschaft

der WSH Deutsche Vermögenstreuhand,

konzentriert sich auf die laufende Analyse,

Bewertung und Überprüfung der Leistungen

und Kosten von Vermögensverwaltern

ihrer Mandanten. Neben der Betreuung

privater Unternehmervermögen liegt einer

der Schwerpunkte der WSH

in der Unterstützung

der Entscheidungsgremien

von Stiftungen

bei der

Errichtung

und Unterhaltung

eines

effizienten

Vermögenscontrollings.


+++ Gunhild Peiniger (PP Business Protection GmbH) +++ Über die Folgen der Haftungsänderung für Vereins- und Stiftungsvorstände +++

Seite 9

Nr. 04/2010

RenditeWerk

Zur Pflege des Stiftungsvermögens

Vollen Schutz beibehalten!

Trotz Gesetzesänderungen, die die Haftung von ehrenamtlichen Vereins- und Stiftungsvorständen einschränken,

empfiehlt sich weiterhin der volle Versicherungsschutz, sagt Gunhild Peiniger, PP Business Protection GmbH

Nr. 04/2010

Gesetz zur Begrenzung der Haftung von ehrenamtlichen

Vereins- und Stiftungsvorständen

Der Deutsche Bundestag hat am 02.07.2009 das

Gesetz zur Begrenzung der Haftung ehrenamtlich

tätiger Vereins- und Stiftungsvorstände beschlossen.

Es sieht vor, dass ehrenamtlich tätige Vereins- oder

Stiftungsvorstände zukünftig nur noch für Schäden einstehen

müssen, die sie vorsätzlich oder grob fahrlässig

verursacht haben.

Die bisherige Rechtslage

Nach dem alten Recht hafteten Vereins- und Stiftungsvorstände,

soweit nicht ausdrücklich (etwa in

der Satzung) Abweichendes bestimmt war,

bereits für leichte Fahrlässigkeit. Sie waren

-unabhängig von der Ehrenamtlichkeit

ihrer Tätigkeit- damit der Gefahr ausgesetzt,

von Dritten oder der Stiftung respektive

der Stiftungsaufsicht mit ihrem

Privatvermögen zur Haftung herangezogen

zu werden. Der Gesetzgeber hat in

der Folge erkannt, dass dieses nicht dem

ehrenamtlichen Engagement zuträglich

war. Dem soll nun das Gesetz abhelfen, indem

es ehrenamtliches Engagement in Vorständen von

Vereinen und Stiftungen haftungsrechtlich privilegiert.

Die wesentlichen Änderungen

Zentrale Bedeutung hat die vom Bundestag beschlossene

Einführung eines neuen § 31a in das Vereinsrecht

des Bürgerlichen Gesetzbuches (BGB).

Die neue Regelung sieht Folgendes vor:

Ein Vorstand, der unentgeltlich tätig ist oder für seine

Tätigkeit eine Vergütung erhält, die € 500,00 jährlich

nicht übersteigt, haftet der Stiftung/dem Verein für

einen in Wahrnehmung seiner Vorstandspflichten verursachten

Schaden nur bei Vorliegen von Vorsatz oder

grober Fahrlässigkeit. Satz 1 gilt auch für die Haftung

gegenüber den Mitgliedern der Stiftung/dem Verein

(§ 31a, Abs. 1 BGB neue Fassung).

Voraussetzung der Haftungsprivilegierung ist

zunächst, dass der Vorstand unentgeltlich

tätig ist. Von dem ursprünglich vorgesehenen

Tatbestandsmerkmal der

„Ehrenamtlichkeit“ wurde im Laufe

der Beratung des Rechtsausschusses

Abstand genommen. Durch diese

Regelung wird das Schadenrisiko für

ein pflichtwidriges Verhalten von ehrenamtlichen

Organmitgliedern nunmehr

auf die Stiftung/den Verein verlagert.

Hierbei ist die Haftung der Vorstandsmitglieder

in zweierlei Richtung möglich, nämlich erstens gegenüber

der Stiftung/dem Verein (sogenannte Innenhaf-

tung) und zweitens gegenüber Vereinsmitgliedern

und Dritten (sogenannte Außenhaftung). Denkbare

Haftungsfälle sind hierbei so vielfältig wie die

Geschäftsführungspflichten selbst. Hierbei kann es

sich handeln z.B. um „Verletzungen“ vertraglicher

Pflichten der Stiftung

• wegen fehlerhafter Vermögensanlage

• oder wegen Eingehens satzungswidriger Verpflichtungen

• oder Mittelfehlverwendung.

Daneben gibt es die sogenannte Außenhaftung,

die insbesondere zum Tragen kommt, wenn die

Stiftung/der Verein insolvent ist. Als Schadenbeispiele

seien hier genannt:

• Verletzung von sogenannten Verkehrssicherungspflichten

• Verletzungen der Insolvenzantragspflicht

• steuerrechtliche Haftung

• sozialversicherungsrechtliche Haftung.

Die Auswirkung der Neuregelungen auf Versicherungen,

insbesondere die D&O- und Vermögensschaden-Haftpflichtversicherung,

sind überschaubar.

Vermögensschaden-Haftpflichtversicherung

Die Vermögensschaden-Haftpflichtversicherung für Vereine/Verbände

und Stiftungen sichert neben Ansprüchen

Dritter, das sogenannte Eigenschadenrisiko für die

Haftung und Versicherung

von Managern

Von: Gerhard Ries, Gunhild Peiniger

ISBN: 978-3-8029-1546-8

Auflage: 2., aktualisierte Auflage

Erscheinungsdatum: Mai 2009

Preis: 22,90 EUR


+++ Gunhild Peiniger (PP Business Protection GmbH) +++ Über die Folgen der Haftungsänderung für Vereins- und Stiftungsvorstände +++

Seite 10

Nr. 04/2010

RenditeWerk

Zur Pflege des Stiftungsvermögens

fahrlässigen Pflichtverletzungen

der Organe und Mitarbeiter ab. Der

Versicherer tritt bereits bei einfacher

Fahrlässigkeit ein. Durch die neue gesetzliche Regelung,

bei der die ehrenamtlich Nr. tätigen 04/2010

Organe nur bei

grober Fahrlässigkeit haften, bietet diese Versicherung

weitergehenden Schutz für die Stiftung als solche ab,

da der Grad der Fahrlässigkeit insoweit für den Versicherungsschutz

unbeachtlich ist. Als Schadenmöglichkeit,

die diese Versicherung abdeckt seien beispielhaft

erwähnt:

• Der Vorwurf nicht sparsamer Verwaltung von

Stiftungsvermögen

• fehlerhafte Beratung von

Stiftungswilligen

• Verjähren lassen von

Forderungen

• Zahlung überhöhter

Rechnungen sowie

• fehlerhafte

Durchführung von

Bauvorhaben.

D&O-Versicherung

Im Gegensatz zur

Vermögensschaden-Haftpflichtversicherung

sichert die

D&O-Versicherung Vorstände

gegen Schadenersatzansprüche

wegen angeblicher unternehmerischer Fehlentscheidungen

ab. Die Philosophie der D&O-Versicherung

(Vermögensschaden-Haftpflichtversicherung für

Unternehmensleiter) ist der Schutz vor existenzgefährdenden

Vermögensschäden für die Stiftung und das

Organ. Die Anmeldung eines Versicherungsfalls setzt

voraus, dass das Kuratorium oder die Stiftungsaufsicht

gegenüber dem Vorstand Schadenersatzansprüche

geltend macht. Beispiel: Der ehrenamtliche Stiftungsvorstand

vergisst in Folge leichter Fahrlässigkeit einen

Fördermittelantrag rechtzeitig zu stellen; die ansonsten

gewährte Förderung wird von der Behörde wegen

verfristeter Antragstellung zurückgewiesen. Künftig

wird der ehrenamtliche Vorstand der Stiftung gegenüber

hierfür nicht mehr haften, soweit es sich um

leichte Fahrlässigkeit gehandelt hat. Da keine Haftung

besteht, würde über die D&O-Versicherung zwar noch

Abwehrschutz für unberechtigte Ansprüche gewährt,

aber der Ersatz des Eigenschadens des Vereins/

der Stiftung wäre über die Vermögensschaden-Haftpflichtversicherung

zu lösen, es sei

denn -dieses würden wir empfehlen- Ihre

D&O-Versicherung sieht einen Passus vor,

wonach sich der Versicherer nicht auf

die neue Haftungsregelung beruft mit

der Maßgabe, dass die Stiftung auch bei

leichter Fahrlässigkeit einen Ersatz über

die D&O-Versicherung erhält.

Das Beispiel zeigt, dass es nach wie vor

sinnvoll ist, sowohl die Vermögensschaden-

Haftpflichtversicherung als auch die D&O-

Versicherung in einem Paket abzuschließen.

Ungeachtet der Ehrenamtshaftung sollte darüber

hinaus daran gedacht werden, eine Vertrauensschaden-

respektive eine Straf-Rechtsschutz-Versicherung

abzuschließen.

Vertrauensschaden-Versicherung

Es besteht die Möglichkeit der Absicherung von vorsätzlichen

Handlungen durch Mitarbeiter oder Organe

im Wege einer Vertrauensschaden-Versicherung. Diese

schützt die Stiftung vor Vermögenseinbußen durch

vorsätzliche Handlungen von Vertrauenspersonen.

Versicherungsschutz wird in diesem Zusammenhang

geboten für Vertrauensschäden, verursacht durch Betrug,

Unterschlagung, Untreue, Computermissbrauch

oder Datenmissbrauch.

Straf-Rechtsschutz-Versicherung

Eine Vielzahl von Gesetzen und Verordnungen, deren

Inhalte selbst Juristen oft nicht bekannt sind.

Die Straf-Rechtsschutz-Versicherung stellt hierbei einen

hervorragenden, ergänzenden Versicherungsschutz

dar und übernimmt die Strafverteidigung z.B. bei

• Aberkennung der Gemeinnützigkeit

• Verfahren wegen Steuerhinterziehung

• Buchführungsdelikten

• Subventionsbetrug

• Bilanz- und Insolvenzdelikten,

um nur einige zu nennen. Zu vertiefenden Gesprächen

möchten wir Sie herzlich an unseren Stand beim

diesjährigen StiftungsTag 2010 in Frankfurt/Main

einladen. Nähere Informationen unter: PP Business

Protection GmbH, Frau Peiniger, Telefon: (0 40) 4 13

45 32-0, Telefax: (0 40) 4 13 45 32-16, gpeiniger@

pp-business-protection.de

Gunhild Peiniger

Gunhild Peiniger ist Juristin und

Geschäftsführerin der PP Business

Protection GmbH, Spezialmakler für

beratende Berufe und Management.

PP Business gehört zur Ecclesia Gruppe,

die mit rund 1.200 Mitarbeitenden

zu den größten Versicherungsmaklern

Deutschlands zählt. In ihren

traditionellen Geschäftsfeldern Kirche,

Wohlfahrtspflege und Gesundheitswesen

ist das Unternehmen nach eigenen

Angaben Marktführer.


Ganz Frisch – RenditeWerk, der unabhängige monatliche Newsletter mit den besten Ratschlägen zur Pflege des Stiftungsvermögens.

Seite 11

Nr. 03/2010 04/2010

RenditeWerk

Zur Pflege des Stiftungsvermögens

3. Diskretionäre Mandate lassen sich

preiswert und transparent gestalten.

Wie teuer und transparent diskretionäre

Mandate wirklich sind, hängt natürlich

von den Inhalten des Vertrages ab. Im

Prinzip ist alles verhandelbar. Über Depotund

Transaktionskosten sollte verhandelt

werden, wie über den Anteil von fixer und

erfolgsabhängiger Vergütung; über die

richtigen Vergleichindizes und über

Gewinnmarken. Insbesondere

über den Umgang mit Kickbacks,

also Provisionen,

die Banken bei Transaktionen

oder beim

Kauf bestimmter

Produkte dem Verwalter

gutschreiben,

muss geredet werden.

Besondere Aufmerksamkeit

ist beim

Thema Bestandsprovisionen

geboten. Bei

deren Behandlung hat der

Gesetzgeber Lücken gelassen.

Stiftungen sollten sich nicht scheuen, für

die Verhandlungen mit den Banken einen

Fachmann mit zu nehmen, der sich im

Dschungel der möglichen Vertragsklauseln

nicht verirrt. Denn wenn die Verträge richtig

gestaltet sind, dann sind diskretionäre

MAndate transparenter und preiswerter als

alle Standardprodukte.

4. Interessensgleichheit zwischen Stiftungen

und Verwaltern herstellen.

Interessenskonflikte sind das Gift in jedem

geschäftlichen Verhältnis,

so auch zwischen Verwaltern

und Stiftungen. Denn sie

bewirken, dass der Verwalter

einen Anreiz hat,

gegen die Interessen

seines Mandanten zu

handeln. Möglichkeiten

gibt es zuhauf. Da

ist das weite Feld der

Provisionen. Verwalter,

die von der Bank oder

von einem Produktanbieter

dafür belohnt werden,

wenn sie möglichst viel traden

oder genau die Produkte ins Depot des

Kunden kaufen, die am meisten Provision

versprechen, können sehr schaden. Umgekehrt

lösen so genannte All in Fees manchmal

wenig engagierte Vermögensverwaltungen

aus. Interessenskonflikte können

auch durch falsche Vergütungen hervorgerufen

werden. Stiftungen, die etwa den

Anlageerfolg übermäßig belohnen, provozieren

damit zugleich zu riskante Anlagen.

Je stärker die verschiednen Institutionen,

die der Stiftung gegenübertreten, getrennt

sind, desto geringer die Gefahr von Interessenskonflikten.

Wenn eine Bank den vollen

Service bietet, verdient sie an vielen Stellen.

Ein Verwalter dagegen hat von sich aus

kein Interesse, eine bestimmte Depotführungsstelle

zu bevorzugen.

Impressum

ViSdP: Dr. Elmar Peine

Redaktionsanschrift

FinComm (E.M.Peine e.K.),

Schönleinstr. 6a, 10967 Berlin

RenditeWerk@Fincomm.de

Gerichtsstand: Berlin Charlottenburg I

Handelsregister: 29055

Hammer Str. 50, 59075 Hamm , Tel. 02381-489269,

Mobil. 0170-9577790, Fax. 02381-73286, eva@evaquick.de

Grafik & Text

EvA QuICk

Disclaimer

Alle Angaben wurden sorgfältig recherchiert und geprüft. Für die

Richtigkeit, Vollständigkeit und Aktualität kann dennoch keine

Gewähr übernommen werden. Insbesondere kann keine Gewähr

für die Inhalte übernommen werden, auf die dieser Letter etwa

durch einen Link verweist. Etwaige Anlageempfehlungen stellen lediglich

Meinungen dar, die ohne unsere Vorankündigungen wieder

geändert werden können.

Sofern Aussagen über Renditen, Kursgewinne oder sonstige

Vermögenszuwächse getätigt werden, stellen diese lediglich

Prognosen dar, für deren Eintritt wir keine Haftung übernehmen.

Soweit steuerliche oder rechtliche Belange berührt werden, sollten

diese vom Adressaten mit seinem Steuerberater bzw. Rechtsanwalt

erörtert werden.

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Diskretionäre Mandate