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SOCO-VET zusätzlicher Beitrag/CD-ROM Deutschland

Inhaltlicher Teil des Tools

1. Zielstellung

2. Arbeitsplan der Fortbildung

3. Inhaltliche Schwerpunkte

3.1 Was ist Kommunikation?

3.2 Kommunikationsmodelle

3.2.1 Modell von Watzlawick

3.2.2 Modell von Schulz von Thun

3.3 Möglichkeiten des gegenseitigen Verstehens

3.4 Ebenen des Verstehens

3.5 Voraussetzungen für gute Kommunikation

3.6 Wie kann Kommunikation gelingen?

3.6.1 Gesprächstechnik: Aktives Zuhören

3.6.2 Gesprächstechnik: Konfrontation

3.7 Wahrnehmungsfähigkeit der sozialen Wirklichkeit

3.8. Wahrnehmung und Interpretation

3.9 Nonverbale Körpersignale

3.10 Miteinander reden

4. Didaktisch-methodisches Vorgehen

5. Materialien/Folien/Vorlagen

Gelingende Kommunikation und Interaktion

Basis erfolgreichen Lehrens und Lernens

Einrichtung:

Europäisches Bildungswerk

für Beruf und Gesellschaft eGmbH,

Magdeburg

Verfasser: Dr. Gudrun Ehnert

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6. Literatur

1. Zielstellung

Kommunikation ist ein Phänomen, ohne das ein gesellschaftliches Leben nicht vorstellbar ist.

Das bedeutet, dass auch jede pädagogische Situation mittels Kommunikation erlebt wird. Die

jeweils Beteiligten treten miteinander in Beziehung, sei es, um Gedanken auszutauschen,

Wissen zu vermitteln, Wünsche zu äußern, Meinungen und Sichtweisen mitzuteilen,

Entscheidungen zu treffen, Probleme zu lösen. Auch wenn der Wunsch nach Verständigung

und befriedigenden zwischenmenschlichen Beziehungen vorhanden ist, wird er aber noch oft

genug vereitelt durch verbale Verletzungen, Nicht-Akzeptanz der jeweils anderen Ansicht

und nicht zuletzt durch mangelndes Wissen über kommunikative Vorgänge und

professionelles Gesprächsverhalten.

Kommunikative Kompetenzen sind heute mehr denn je gefragt. Die Zeit des Lehrer-Daseins

als Einzelkämpfer ist vorbei. Vorrang haben kollektive Strukturen und Teamarbeit im

Kollegium sowie Gruppenunterricht während der Ausbildung. Der Lehrer nimmt in Lehr- und

Lernprozessen immer mehr die Rolle des Moderators an.

Die Qualität der Beziehungen zwischen Lehrenden und Lernenden wirkt sich ganz

unmittelbar auch auf die Qualität von Unterricht aus. Unterrichtsstörungen und

Lernstörungen sind häufig Beziehungsstörungen. Wenn sie geklärt sind, verbessert sich

auch die Lernatmosphäre.

Im Mittelpunkt dieses Tools steht die Frage, wie der Lehrer bewusst

Kommunikationsstörungen vermeiden und zu einer konstruktiven Gesprächsführung

beitragen kann. Ausgehend davon ist die Fortbildung auf die Weiterentwicklung wesentlicher

Kompetenzen für gelingende Kommunikation gerichtet.

Die Teilnehmenden erwerben die Kompetenz,

• das eigene Gesprächsverhalten bewusst wahrzunehmen und zu reflektieren,

• aus der Kenntnis der Kommunikationstheorie heraus, eine stärkere Sensibilität

für gelingende Gespräche zu entwickeln,

• Gespräche zu analysieren,

• durch Anwendung geeigneter Gesprächstechniken verbale Verletzungen im

Umgang miteinander zu reduzieren und konstruktive Gespräche zu führen,

• langfristig mit schwierigen Gesprächssituationen bewusst umzugehen.

Kommunikationskompetenz nimmt in der Berufs- und Arbeitswelt einen besonderen

Stellenwert ein. Aus diesem Grunde müssen auch in der Ausbildung entsprechende

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Anstrengungen unternommen werden, um die Gesprächsfähigkeiten der Auszubildenden zu

verbessern. Die sprachlichen Potentiale vieler Auszubildenden sind bei weitem nicht

ausgeschöpft; unsicheres, ängstliches, passives oder aggressives Verhalten sind oft die

Folge.

Solange sich die Ausbildung auf die Inhalte konzentriert, werden Kommunikationsfragen

nicht wahrgenommen und dadurch auch nicht thematisiert. Die gängige Auffassung, dass in

der knappen Unterrichtszeit die Lehrkräfte so viel wie möglich an Stoff vermitteln müssen,

führt dazu, dass sie während der Ausbildungszeit nicht nur die meisten Redeanteile haben,

sondern häufig in lehrergelenkten Unterrichtsgesprächen enge und suggestive Fragen

stellen, auf die die Auszubildenden nur noch in Halbsätzen oder Stichworten antworten

brauchen. Dieses Vorgehen ist fatal und bewirkt, dass das sprachliche Repertoire kaum

weiter entwickelt wird. Deshalb müssen auch im Ausbildungsunterricht bewusst

Kommunikationssituationen initiiert und Kommunikationsanlässe geschaffen werden, die mit

geeigneten Unterrichtsstrukturen zu verbinden sind.

In diesem Sinne soll im Rahmen dieses Tools dazu beigetragen werden, die Lehrkräfte zu

befähigen, während des Ausbildungsprozesses - zu einem gegebenen aktuellen Anlass -

das Phänomen Kommunikation zu thematisieren und den Auszubildenden in geeigneten

Übungen festgefahrene Sprachmuster und Möglichkeiten zur konstruktiven

Gesprächsführung aufzuzeigen.

Die Teilnehmenden erwerben die Kompetenz,

• die Auszubildenden zu sensibilisieren, bewusst Gesprächsabläufe in ihrer

Wirkung wahrzunehmen und zu reflektieren,

• den Auszubildenden in geeigneten Übungen gelingendes und konstruktives

Gesprächsverhalten erfahrbar zu machen.

Im Sinne der Zielerreichung erhalten die Lehrkräfte Kenntnisse über

Kommunikationstheorien, sie lernen Ursachen für Kommunikationsstörungen kennen und

können in Übungsphasen Kommunikationsstrategien in konkreten Gesprächen anwenden

und reflektieren.

Darüber hinaus dienen die Übungsphasen dazu, den Lehrkräften ein methodisches Gerüst

zu vermitteln, damit sie in geeigneten Situationen während des Ausbildungsprozesses diese

Übungen mit den Auszubildenden praktizieren können.

Gelingende Kommunikation ist erlernbar. Den Lehrkräften muss bewusst gemacht werden,

dass sich Sprachmuster und Sprachbarrieren über Jahre und Jahrzehnte entwickelt haben

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und diese nur über einen längeren Lernprozess korrigiert werden können. Um eine

nachhaltige Wirkung zu erreichen, bedarf es eines ständigen kollegialen Austausches.

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2. Arbeitsplan der Fortbildung

Für die Lehrerfortbildung wurde entsprechend der Zielstellung des Tools folgender

Ablaufplan aufgestellt:

Freitag, 06.07.2007

15.30 bis 17.00 Uhr Begrüßung

Tool 1 – Rückkopplung

Tool 2 – Zeitplan

Ziele des Kurses und Einführung in den Kurs

17.15 bis 19.00 Uhr Was macht Kommunikation so schwer?

Kommunikation aus theoretischer Sicht

Samstag, 07.07.2007

8.00 bis 12.00 Uhr Kommunikation in der Praxis

Kommunikationsstile

12.00 bis 12.30 Uhr Mittagspause

12.30 bis 14.30 Uhr Wie Kommunikation gelingen kann:

• Gesprächstechniken

• Zusammenhang von Kommunikation und Wahrnehmung

• Nonverbale Körpersignale

14.30 bis 15.00 Uhr Schlussfolgerungen für den beruflichen Alltag

Angemessene kleine Pausen sind eingeplant.

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3. Inhaltliche Schwerpunkte

3.1 Was ist Kommunikation?

Unter Kommunikation versteht man sprachliche Mitteilungen („miteinander

sprechen“) sowie nicht sprachliche Mitteilungen (Aussagen über Mimik, Gestik usw.).

Kommunikation beinhaltet ein „sich im Gespräch verstehen“ als auch ein

„Nichtverstehen“.

3.2 Kommunikationsmodelle

3.2.1 Watzlawick (1969): Fünf Axiome der Kommunikation und Interaktion

1. Es ist unmöglich, nicht zu kommunizieren.

2. Jede Kommunikation hat einen Inhalts- und einen Beziehungsaspekt.

3. Jede Interaktion ist durch die Interpunktion seitens der Partner bedingt.

4. Jede Kommunikation ist digital und analog.

5. Jede Interaktion ist symmetrisch oder komplementär.

3.2.2 Schulz von Thun (1981): Modell der vier Seiten einer Nachricht

Appell

Rückmeldung

A - Sender Nachricht Empfänger - B

Selbstmitteilung

Nachricht

Beziehung

Sache

Selbstmitteilungsseite: was ich von mir mitteile (wie es mir geht)

Sachseite: worüber ich dich informiere (wie ich die Sache sehe)

Beziehungsseite: wie ich zu dir stehe

Appellseite: wozu ich dich veranlassen möchte

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Beispiel (nach Miller, a.a.O.)

Bitte erklären Sie mir Ihre

Ansichten doch genauer

Ich habe da ganz andere

Ansichten.

Sie haben aber komische

pädagogische Ansichten.

Ich bin Ihnen gegenüber

skeptisch eingestellt.

Der Sender teilt die Nachricht verschlüsselt mit.

Es ist nicht klar, welche der vier Seiten er meint.

Der Empfänger muss erraten, welche der vier Seiten der Sender meint,

d.h. was er„wirklich“ meint. Er muss die Nachricht entschlüsseln.

3.3 Möglichkeiten des gegenseitigen Verstehens

Es geht hier um päda-

gogische Ansichten.

Menschen gehen mit dem „Vier-Seiten-Modell“ unterschiedlich um: Die einen bevorzugen

mehr die Sachseite (Ingenieure, Juristen, Architekten), die anderen mehr die Appellseite

(Eltern, Lehrer, Polizisten), wieder andere die Beziehungsseite (Therapeuten, Ärzte). Die

Selbstmitteilungsseite, die gerade in Konfliktsituationen wichtig ist, scheint verkümmert.

Pendeln

Klärung über wahrnehmen, verstehen, intervenieren ... durch „Pendeln“

nach Miller, a.a.O.

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3.4 Ebenen des Verstehens

Die Verständigung kann auf drei Ebenen stattfinden:

Ebenen

auf der Ebene der Gedanken

auf der Ebene der

Empfindungen/Gefühle

auf der Ebene der gesamten

Lebensgeschichte

Person A

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mit

Person B

Argument Argument

Wut

Ärger

Freude

Herkunft

Erfahrungen

Sichtweisen

Bedürfnisse

Zwänge

Verlustebenen der Verständigung

Kommunikationspartner A:

gedacht/

gespürt:

mitgeteilt:

Kommunikationspartner B:

gehört:

beobachtet:

verstanden

Gedanken

Empfindungen, Gefühle

Wörter, Sätze ... verbal

Gesten ... nonverbal

Wörter, Sätze ... verbal

Gesten ... nonverbal

Gedanken,

Empfindungen, Gefühle

Angst

Enttäuschung

Sehnsucht

Herkunft

Erfahrungen

Sichtweisen

Bedürfnisse

Zwänge

1. Verlustebene:

Es ist nicht alles in

Worte/Gesten zu fassen.

2. Verlustebene:

B entscheidet, was er hört,

beobachtet (Selektion)

3. Verlustebene:

B „vermischt“ das Wahrgenommene

mit eigenen Gedanken,

Empfindungen, Gefühlen

Ich höre, was ich hören will.

(Ich sehe, was ich sehen will.)

Was ich gesagt habe, weiß ich erst,

wenn ich die Antwort kenne.


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Killerphrasen verhindern gute Kommunikation

• Von sich reden

o „Das hat mir früher auch nicht geschadet.“

• Bewerten/Abwerten

• Vorwürfe

o „Ungeschickter konntest du nicht vorgehen. Immer dasselbe.“

o „Du hast alles vermasselt.“

• Detektivisches Ausfragen

• Überreden

o „Was war genau um 12.00 Uhr?“

o „Überlege doch mal, das lohnt sich doch nicht.“

• Schnelle Lösungen anbieten

o „Kein Problem, das mache ich schon immer so.“

• Drohen/Befehlen

o „Das werde ich an entsprechender Stelle melden müssen.“

• Nicht ernst nehmen/Ironie/Lächerlich machen

o „Da haben wir aber ein nettes kleines Problemchen.“

• Lebensweisheiten

o „Lehrjahre sind keine Herrenjahre.“

• Gegenbehauptungen

o „Mach mir doch nichts vor.“

Ein „Killen“ bedeutet das Aus des Dialogs: Die Gesprächspartner flüchten oder werden durch

Angriff zu Gegnern.

Deshalb:

ICH-Botschaften, wie z.B.: „Ich sehe, euch geht es nicht gut. Erzählt mir, worum es geht.

Ich möchte euch helfen.“

3.5 Voraussetzungen für gute Kommunikation

Grundlegende Voraussetzungen für gute Kommunikation:

Wertschätzung

Empathie

Kongruenz

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ICH-Botschaften statt Killerphrasen

Beide Kommunikationspartner „kreuzen die Klinge“. R. Miller (2004) spricht von der

„Überkreuzkommunikation“. So kann Kommunikation nicht gelingen.

Durch ICH-Botschaften teilen beide Kommunikationspartner etwas von sich selbst mit und

vermeiden dadurch Beschimpfungen, Vorwürfe, Anschuldigungen.

Das Entscheidende einer förderlichen zwischenmenschlichen Kommunikation besteht darin,

ob es den Beteiligten gelingt, ihre Mitteilung gegenseitig zu akzeptieren.

Verstärker für Gespräche

• dem Partner zugewandt intensiv zuhören

• Zeit lassen (Pausen)

• Nonverbale Bestätigung wie Blickkontakt, Nicken, unterstützende Handbewegungen

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• Unterstützung durch Zusammenfassung, das Wichtigste herausfiltern und offenes

Nachfragen (Was macht dir Schwierigkeiten?)

• Sprachliches Verstärken von Gefühlen (Das hat dir weh getan. Oder Das war

besonders schön für dich.)

• Nähe herstellen (nicht erdrücken)

• kurze eindeutige Redebeiträge

• verständliche Sprache wählen

• Probleme direkt ansprechen (Dann hast du ihn geschlagen.)

• Mimik und Gestik des Gegenüber beobachten und verwerten

3.6 Wie kann Kommunikation gelingen?

3.6.1 Gesprächstechnik:

Aktives Zuhören

3. Stufe: Verbalisieren der emotionalen Erlebnisinhalte

und der Körperreaktion des Anderen (Ratsuchenden),

(„Spiegeln“ von vermuteten Gefühlen und

wahrgenommenen Körperreaktionen des Anderen)

2. Stufe: Paraphrasieren der inhaltlichen Aussage, z.B. bei Unklarheiten

der Sachaussage bzw. um nachzuprüfen, ob der Andere

(Ratsuchende) richtig verstanden wurde

1. Stufe: Bereitschaft ausdrücken, zuzuhören und zu verstehen

(„Ja“, „Hm“, „Genau“, Gestik und Mimik)

3.6.2 Gesprächstechnik:

Konfrontation

Konfrontation als dreiteilige ICH-Botschaft

� Ich beschreibe dein Verhalten und sage dir, dass es für mich unannehmbar ist.

� Ich sage dir, welche Folgen dein Verhalten bereits hatte und welche weiteren Folgen

dein Verhalten für mich haben könnte.

� Ich sage dir, welche Gefühle dein Verhalten bei mir ausgelöst hat.

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Vorgehen:

o Reihenfolge ist egal.

o Konfrontation wirken lassen, nicht wiederholen

o Gesprächspartner beobachten: wie wirkt Konfrontation auf ihn? Zusehen.

Zuhören!

Psychologischer Hintergrund:

ICH-Sprache stärkt das Selbstbewusstsein des Anderen:

„Ich spreche über mich, statt vom Anderen über ihn.“

DU-Sprache schwächt das Selbstbewusstsein des Anderen. Seine Verantwortung für das

gezeigte Verhalten nimmt ab. DU-Sprache bedeutet Schuldzuweisung. Ergebnis ist

Verteidigung, Abwehrhaltung bzw. wieder Schuldzuweisung.

3.7 Wahrnehmungsfähigkeit der sozialen Wirklichkeit

Unsere Wahrnehmungsfähigkeit im zwischenmenschlichen Bereich ist nicht „objektiv“. Wir

sehen die Menschen um uns herum nicht „wie sie sind“, wir machen uns ein Bild von ihnen.

Fehlerquellen der Wahrnehmung:

Übertragung

Übertragungsphänomene in zwischenmenschlichen Beziehungen sind normal, weil

Menschen nicht immer in der Lage sind, zwischen früher Erlebtem und dem Jetzt zu trennen.

Vor allem im Bereich Schule und Ausbildung sind sie ein fester Bestandteil des

Beziehungsprozesses.

„Wir sehen plötzlich im anderen auch die entsprechende frühere Person und

verhalten uns ihr gegenüber so, wie wir uns jener Person gegenüber verhalten haben.

Subjektive Erfahrungen werden in das aktuelle, objektive Geschehen hineingesehen,

ohne dass es bewusst wäre. Diesen Vorgang nennt man Übertragung. Dabei werden

nicht nur negative Erinnerungen, Gefühle und Handlungsmuster aus der

Vergangenheit in die momentane Situation hinein genommen, sondern auch positive.

Beides ist gleich störend. Eine Übertragung ist immer ein ‚Irrtum’ in Zeit, Ort und

Person!“ (Langmaack, Braune-Krickau, a.a.O., S.118)

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Einschätzung „auf den ersten Blick“

Der erste Eindruck bestimmt das Bild, das wir uns von einem Menschen machen. Er ist nur

schwer zu korrigieren.

Vorurteile, Stereotype

Die Wahrnehmung wird von vorgefertigten Bildern, die wir bereits in unserem Kopf haben,

beeinflusst.

Projektionen

Einem zufällig beobachteten Verhalten einer Person werden entsprechende Eigenschaften

zugeschrieben.

Halo-Effekt

Eine hervorstechende Eigenschaft einer Person bestimmt den Gesamteindruck, die anderen

Eigenschaften werden nicht mehr wahrgenommen.

Pygmalion-Effekt

Eine unberechtigte Erwartungshaltung schafft Situationen oder Ereignisse, die die

Bestätigung der Erwartungshaltung zur Folge haben.

Logischer Fehler

Er besteht darin, dass angenommen wird, dass bestimmte Eigenschaften nur zusammen

auftreten, wie z.B. höflich und sauber oder faul und uninteressiert usw.

Soziales Lernen ist ein Lernen im

Beziehungsbereich. Es beinhaltet die

Auseinandersetzung mit anderen

Menschen und mit der eigenen Person.

Soziales Lernen beginnt mit der

Entwicklung der Fähigkeit, sich selbst

und andere Personen differenziert

wahrzunehmen.

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3.8 Wahrnehmung und Interpretation

Wahrnehmung

Wirkung

Empfindung/Gefühl

Interpretation

Rückfrage/

Vergewisserung

Empfindung

Reaktion

Variante 1

Der Lehrer beobachtet:

Sabine hat den Kopf auf die

verschränkten Arme gelegt.

Sabine wirkt auf den Lehrer

abgeschlafft, desinteressiert.

Der Lehrer fühlt sich in seiner

Tätigkeit missachtet und ist

deswegen verärgert.

Der Lehrer interpretiert:

Sabine hat sich wohl die

Nacht um die Ohren

geschlagen.

Der Lehrer rüttelt Sabine und

fragt sie: „Na, hast wohl ne

tolle Nacht gehabt?“

Variante 2

Der Lehrer beobachtet:

Sabine hat den Kopf auf die

verschränkten Arme gelegt.

Sabine wirkt auf den Lehrer

abgeschlafft, desinteressiert.

Der Lehrer fragt nach,

vergewissert sich, klärt ...

Der Lehrer versteht, fühlt mit

(aber leidet nicht mit).

Der Lehrer lässt Sabine in

Ruhe, unterrichtet weiter und

spricht nach der Stunde mit

Gelingende Kommunikation und Interaktion – Basis erfolgreichen Lehrens und Lernens 14

ihr.

nach Miller, a.a.O.


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Das Verhalten einer Person wahrnehmen und es sofort interpretieren hat oft fatale Folgen,

weil bei diesem Vorgang Wahrnehmungsfehler erfolgen und die Person deshalb falsch

eingeschätzt wird.

3.9 Nonverbale Körpersignale

Der Psychologe Albert Mehrabian fand in einer wissenschaftlichen Untersuchung heraus,

von welchen Faktoren die Wirkung einer gesprochenen Botschaft abhängt. Es sind drei:

• der Inhalt des Gesagten mit 7 %,

• die Körpersprache mit 55 %,

• die Stimme und die Sprechtechnik mit 38 %.

Dieses Ergebnis zeigt, wie einflussreich körpersprachliche Äußerungen sind, wenn sich

Menschen begegnen. Körpersprache lässt das Unsichtbare und Ungesagte, nämlich

Gedanken, Motive und Haltungen sichtbar werden.

Körpersprachliche Ausdrucksformen sind komplex:

• eine Geste oder ein Blick lässt sich nur dann verstehen, wenn man sie zu anderen

Signalen, die man beobachtet, in Beziehung setzt

• viele Gesten, unterschiedliche Körperhaltungen und die Dynamik der Bewegungen

ergeben ein Ganzes

Körpersprachliche Signale erfolgen über

• Körperhaltung und Gangarten,

• Mimik (Mund, Lippen, Augen)

• Gestik (Händedruck, Haltung der Hände, Arme, Kopfhaltung)

• Blickkontakt

Weitere Ausdrucksmittel sind:

• Distanz

• Berührung

Zonen des Abstands sind

o Intimzone bis 15 - 50 cm

o Persönliche Zone bis 1,2 m

o Gesellschaftliche Zone bis 3,5 m

o Öffentliche Zone über 3,5 m.

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• Geruch

Zwischen Körpersprache und Sprache stehen die Sprechweise und die Sprechtechnik.

Dazu gehören

• Stimme/Stimmlage und Dialekt und Tonfall

• Lautstärke, Sprechtempo, Aussprache, Betonung, Pausen

3.10 Miteinander reden

1. Vorschlag: Wahrnehmung, Wirkung, Interpretation trennen:

sich wahrnehmen, sich mitteilen

2. Vorschlag: Grundhaltung und Einstellung überprüfen:

Grundsätzliches Wohlwollen

Toleranz/Akzeptanz

Empathie und Kongruenz

Mut zur Abgrenzung

3. Vorschlag: Günstige Bedingungen schaffen:

Ruhe und Zeit haben

4. Vorschlag: Miteinander reden:

angenehme Atmosphäre schaffen

Überkreuz-Kommunikation vermeiden

vierseitig kommunizieren

Botschaften entschlüsseln

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4. Didaktisch-methodisches Vorgehen

Einstieg in die Fortbildung

Die erste Kontaktrunde gilt der Einstimmung auf das Thema. Die Lehrkräfte bekommen

Gelegenheit, über das Thema Kommunikation nachzudenken und eine Einschätzung der

eigenen Kommunikationsfähigkeit vorzunehmen. Unterstützt wird diese Aktivität durch den

stummen Impuls mittels der Folie „Nachdenken über Kommunikation“ sowie durch das

Ausfüllen eines Fragebogens zur Bestandsaufnahme der eigenen Kommunikationsfähigkeit.

Um die vielen Assoziationen zum Thema zu bündeln, ergänzen die Lehrkräfte den

Satzanfang „Kommunikation ist für mich…“. Der Satzanfang wird auf einer Pinnwand

vorgegeben, die Lehrkräfte ergänzen den Satz auf einem Moderationskärtchen. Im Plenum

liest jeder seinen Satz vor, pinnt das Kärtchen an und äußert seine Gedanken zum Thema.

Im Anschluss wird aus dieser Bestandsaufnahme zum Thema Kommunikation

geschlussfolgert, was die Fortbildung leisten soll. Die Erwartungen der Lehrkräfte werden auf

einem Flipchart festgehalten und mit den zu Beginn der Fortbildung genannten Zielen

verglichen und abgestimmt.

Theorieteil

Ausgangspunkt ist die Geschichte aus Loriots Dramatischen Werken „Fernsehabend“. Diese

Geschichte, die zwei Lehrkräfte bereits zu Beginn der Fortbildung zum Einlesen erhalten

hatten, wird nun von ihnen vorgetragen und dient als Ausgangspunkt für die theoretischen

Betrachtungen zum Thema Kommunikation unter den Fragestellungen: Was ist

Kommunikation?/Wodurch zeichnet sich Kommunikation aus?

Zunächst werden die Ein-Weg-Kommunikation und die Zwei-Weg-Kommunikation erläutert

und mit den Lehrkräften anhand von Übungen praktiziert. Über den Vergleich der beiden

„Wege“ der Kommunikation wird auf jeweilige Chancen und Gefahren hingewiesen. Daraus

schlussfolgern die Lehrkräfte einerseits aus der Sicht des Senders: Wie kann er sich gut

verständlich machen? und andererseits aus Sicht des Empfängers: Wie kann er das

Verstehen unterstützen? – immer mit dem Ziel, besser miteinander zu kommunizieren.

Im weiteren Verlauf werden die Kommunikationsmodelle von Watzlawick und Schulz von

Thun vorgestellt.

Bei dem Modell von Watzlawick geht es um die Interpretation der fünf Axiome der

Kommunikation und Interaktion. Erläuterungen werden zum Teil mit kleinen Übungen

verknüpft, bei denen die Lehrkräfte ihre Erfahrungen einbringen können.

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Das Modell der vier Seiten einer Nachricht von Schulz von Thun wird zunächst erläutert,

bevor danach konkrete Beispiele sowohl aus der Sicht des Senders als auch aus der Sicht

des Empfängers betrachtet werden.

Um für Übungsphasen zur Kommunikation genug sprachliche Beispiele zur Verfügung zu

haben, werden zunächst von den Lehrkräften typische Äußerungen der Auszubildenden

gesammelt. Je eine Äußerung wird auf ein Kärtchen geschrieben, vorgelesen und an der

Pinnwand befestigt. Dieser „Pool“ kann jederzeit erweitert werden.

Im weiteren Verlauf der Fortbildung liefern diese Beispiele das Material, um die in ihnen

enthaltene Nachricht zu übersetzen, nämlich

• aus der Sicht des Senders: Mit welchem „Schnabel“ spricht er? und

• aus der Sicht des Empfängers: Mit welchem Ohr hört er?

Reflexion des eigenen Kommunikationsverhaltens

Auf der Grundlage von zwei Übungen sollen die Lehrkräfte herausfinden, „auf welchem Ohr“

sie die Nachrichten der Auszubildenden am meisten wahrnehmen und „mit welchem

Schnabel“ sie am meisten antworten.

Im Anschluss an diese Übungen kann geschlussfolgert werden, dass die Menschen

bestimmte Kommunikationsseiten bevorzugen, wobei jede Seite sowohl Schwächen als auch

Stärken aufweist. Es kann zu einem Wechsel der Kommunikationsseiten kommen, wenn sich

die Rolle, die die Person einnimmt, ändert. Die Lehrkräfte denken darüber nach, welche

Seite der Kommunikation von ihnen im Beruf, in der Familie, im Freundeskreis, im Sportklub

usw. bevorzugt wird und welche Auswirkungen die jeweils gewählte Kommunikation auf

gegenseitiges Verstehen hat.

Ursachen für das Nichtverstehen

Mittels der Arbeitsmaterialien wird erklärt, auf welchen Ebenen die Verständigung erfolgt und

welche Verluste an Information auf diesen Ebenen zu beobachten sind.

Der Hinweis auf sogenannte Killerphrasen, die gute Kommunikation verhindern, ist deshalb

von besonderer Bedeutung, weil sie dem allgemeinen und üblichen Sprachgebrauch

entnommen sind. Oftmals sind sich die Menschen dessen gar nicht bewusst, dass sie durch

diese Art der Kommunikation den Gesprächspartner sehr verletzen können.

Für die Form der Überkreuzkommunikation werden von den Lehrkräften Beispiele aus dem

persönlichen Lebensbereich gegeben.

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Voraussetzungen für gute Kommunikation

Einige wesentliche Voraussetzungen für das Verstehen werden anhand von Beispielen

erläutert. Dazu gehören folgende Aspekte:

• Mit der Methode des „Pendelns“ kann herausgefunden werden, auf welcher der vier

Seiten (Schulz von Thun) die andere Person kommuniziert. Mit diesem Wissen kann

bewusst so eine Antwort gegeben werden, die den Partner nicht verletzt und die auf

ein Verstehen ausgerichtet ist.

• Als Gegenstück zur Überkreuzkommunikation wird auf die Bedeutung der ICH-

Botschaften hingewiesen.

• Statt der Killerphrasen gibt es natürlich auch Verstärker für Gespräche in Form von

verbaler und nonverbaler Kommunikation, mit denen kommunikative Prozesse

gefördert werden können.

• Als grundlegende Voraussetzung für gute Kommunikation gelten Wertschätzung,

Empathie und Kongruenz.

Gesprächstechniken

Als Gesprächstechniken werden das Aktive Zuhören und die Form der Konfrontation in den

Mittelpunkt gestellt. Mit dem Verweis auf Gordon wird erläutert, unter welchen Umständen

die eine oder andere Form in Gesprächen genutzt wird. Durch das Aktive Zuhören soll die

andere Person Gelegenheit erhalten, ihre Sichtweise auf ein Problem darzulegen. Bei der

Konfrontation wird der anderen Person, ohne diese zu verletzen, eine Rückmeldung darüber

gegeben, wie ihr Verhalten in einer konkreten Situation aufgenommen und empfunden

wurde.

Praxisteil

In einem umfassenden Praxisteil werden die Gesprächstechniken geübt und bewusst

reflektiert.

Die Übungen werden Schritt für Schritt erarbeitet bis die Gesprächstechnik in einem

umfassenden Gespräch angewandt werden kann. Dies ist deshalb so bedeutsam, weil sich

über Jahre Sprachmuster eingeschliffen haben, die nur schwer zu durchbrechen sind. Der in

dieser Fortbildung gegebene Schonraum für die Gespräche ist eine notwendige

Voraussetzung, um die andere Vorgehensweise gedanklich zu durchdringen und so weit wie

möglich zu verstehen.

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Übungen zum Aktiven Zuhören

Als Einstieg dient eine Übung, die auf imaginärer Ebene wichtige Aspekte der

Kommunikation zusammenfasst.

Die Lehrkräfte stellen sich in einem Kreis auf. Der Seminarleiter formt mit beiden

Händen einen imaginären Ball (Medizinball, Federball, Wurfscheibe usw.), der von

den Lehrkräften erkannt werden muss. Er (Sender) wirft einer Lehrkraft (Empfänger)

diesen Ball zu, die ihn entsprechend seiner Gestalt auffangen muss. Nun formt der

„Empfänger“ diesen Ball zu einem anderen Ball um und wirft ihn als „Sender“ zu

einem anderen „Empfänger“. Dieses Vorgehen wird solange fortgesetzt, bis alle

Lehrkräfte an der Reihe waren.

In der Auswertung wird klar, welche Verbindung zur Kommunikation (Sender und

Empfänger) besteht. Wo lagen die Schwierigkeiten beim Werfen, beim Auffangen des

Balls? Wie ging es mir als Sender/Empfänger, wenn der Ball nicht gefangen wurde?

Ein bewusster Transfer wurde durch weitere Fragen hergestellt: Was empfindet der

Sender, wenn der Empfänger ihn nicht ansieht, nicht zuhört, nicht auf seine Aussage

antwortet? Wie geht es dem Empfänger, wenn er nicht weiß, was der Sender wirklich

meint, worauf er hinaus will? Welche Bedeutung hat dabei die Körpersprache?

Die Übung „Kontrollierter Dialog“ entspricht der zweiten Stufe des Aktiven Zuhörens.

Diese Übung wird in Kleingruppen zu je drei Personen durchgeführt. Zwei Personen

führen ein Gespräch, die dritte Person hat eine Beobachtungsfunktion.

Gesprächsinhalt ist ein kontrovers diskutiertes Thema, zu dem die

Gesprächsteilnehmer unterschiedliche Wahrnehmungen haben (Tempolimit auf

Autobahnen, Atomkraftwerke, soziales Jahr, Haustiere, Urlaub in den Bergen/am

Meer usw.).

Nachdem Person A einige überschaubare Sätze zum Thema gesprochen hat,

wiederholt zunächst Person B die Aussage der Person A mit eigenen Worten und fügt

nach Bestätigung der richtigen Wiedergabe seine nächste neue Bemerkung an. Die

Rollen wechseln entsprechend des weiteren Gesprächsverlaufs. Der jeweilige

Beobachter achtet auf die Einhaltung der „Spielregeln“.

Diese Übung wird von den Lehrkräften als sehr schwierig und kompliziert empfunden.

Gewohnheitsmäßig wird dann, wenn der Andere redet, schon überlegt, wie man die

Meinung widerlegen kann. Dieses Überlegen kostet so viel Energie, dass die

Aufmerksamkeit zum genauen Zuhören nicht mehr gegeben ist. Folge ist, die Partner

reden aneinander vorbei und können nicht bemerken, dass es zu bestimmten

Punkten auch Gemeinsamkeiten gibt.

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Zur Vorbereitung der Stufe 3 des Aktiven Zuhörens erhalten die Lehrkräfte die Aufgabe, zu

vorgegebenen Äußerungen von Personen Vermutungen zu deren Gefühlen anzustellen.

Diese Übung ist deshalb so wichtig, weil auf dieser Stufe nicht nur die inhaltlichen Aussagen

paraphrasiert werden, sondern der Zuhörer eben auch die Gefühle des Sprechers

heraushören und wiedergeben muss.

Für die Übung zum „Aktiven Zuhören“ wird wiederum auf den bereits vorhandenen

Pool von Äußerungen der Auszubildenden zurückgegriffen. Die Dreiergruppen (zwei

Gesprächsteilnehmer, ein Beobachter) nehmen sich als Ausgangspunkt für die

Gespräche jeweils ein Kärtchen mit einer Aussage eines Auszubildenden. Eine

Lehrkraft übernimmt die Rolle des Auszubildenden, die andere Lehrkraft die Rolle des

Ausbilders. Letztere hat die Aufgabe, herauszufinden, welches Problem sich

tatsächlich hinter der Äußerung des Auszubildenden versteckt und das Gespräch so

zu führen, dass es ein möglichst einvernehmliches Ergebnis gibt.

Letzteres muss nicht zwangsläufig der Fall sein, dies hängt auch von der Einstellung

des „Auszubildenden“ ab. Die Auswertung erfolgt nach jedem Gespräch in der

Kleingruppe durch ein Gesprächsteilnehmer-Feedback und ein Beobachter-

Feedback.

Im Plenum wird die Form des Aktiven Zuhörens unter Einbeziehung der während der

Übungsphasen gemachten Erfahrungen der Lehrkräfte reflektiert. Es stellt sich

heraus, dass es schwierig ist, nicht die alten Sprachmuster in Form von Killerphrasen

zu benutzen, durch die ein vorzeitiges Ende des Gesprächs selbst zu verschuldet

wird.

Aus dieser Erkenntnis werden persönliche Schlussfolgerungen hinsichtlich des

angestrebten zukünftigen Gesprächsverhaltens gezogen.

Übungen zur Konfrontation

Die Konfrontation besteht aus einer dreiteiligen ICH-Botschaft. Nachdem den Lehrkräften

das Vorgehen klar ist, werden Situationen beschrieben, zu denen eine Konfrontation

schriftlich formuliert wird. Die Verschriftlichung ist deshalb wichtig, damit in der Diskussion

auf Fehler der Formulierung aufmerksam gemacht werden kann.

Danach diskutieren die Lehrkräfte in Kleingruppen, zu welchem Anlass und in welcher Form

sie in ihrem persönlichen Bereich eine Konfrontation formulieren könnten.

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Subjektivität der Wahrnehmung

Die Lehrkräfte sollen erkennen, dass es eine Vielfalt von Fehlerquellen bei der

Wahrnehmung gibt. Wenn sie sich dessen bewusst sind, können sie grobe Fehler in der

Beurteilung anderer Menschen vermeiden.

In diesem Zusammenhang wird auch auf die negativen Auswirkungen einer vorzeitigen

Interpretation von Verhalten eingegangen. Destruktive Kommunikation (siehe Beispiel: Folie

Wahrnehmung und Interpretation) und Nichtverstehen sind die Folge.

Bedeutung der Körpersprache

Hier wird auf die Erfahrungen der Lehrkräfte zurückgegriffen. In der Gruppe werden

nonverbale Körpersignale zusammengetragen und es wird der Versuch einer Interpretation

unternommen. Es wird herausgearbeitet, dass auch hier die Interpretation zum Teil

ambivalent ist und nicht verallgemeinert werden darf.

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Schlussfolgerungen aus der Fortbildung

Im letzten Teil der Fortbildung stehen drei Fragen im Mittelpunkt der Diskussion:

• Was muss ich persönlich in Gesprächen beachten, damit sie konstruktiv verlaufen?

• Was müssen wir als Kollegium in Gesprächen beachten, damit sie konstruktiv

verlaufen?

• Welche ersten Schritte wollen wir unternehmen, um unsere Auszubildenden zu

befähigen, bewusster zu kommunizieren?

Die Beantwortung der ersten Frage erfolgt in Einzelarbeit.

Zur Diskussion der zweiten und dritten Frage werden Kleingruppen gebildet. Die Ergebnisse

der Diskussion werden im Plenum vorgestellt.

Diese Übung dient dazu,

• Fortbildungsinhalte abschließend für sich persönlich zu reflektieren,

• einen Ausblick zu geben, wie auch im beruflichen Alltag konstruktive Gespräche

geführt werden können,

• Überlegungen anzustellen, wie mit den Auszubildenden das Phänomen

Kommunikation thematisiert werden kann.

Feedbackrunde

Mit einem abschließenden „Blitzlicht“ wird die Fortbildung beendet.

5. Materialien/Folien/Vorlagen

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Nachdenken über Kommunikation

Klippert, a.a.O., S.52

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Name: ________________________________________

Im folgenden Fragebogen haben Sie Gelegenheit, eine Bestandsaufnahme über Ihre

Kommunikationsfähigkeit vorzunehmen.

Als Zielgruppe in Gesprächen werden Auszubildende, Teilnehmer, ... angenommen.

In wichtigen Gesprächen darauf zu achten, wie ich wirke,

Gut zuzuhören,

Mich sprachlich auf den Gesprächspartner einzustellen,

Mich in die Lage/das Problem des Gesprächspartners

hineinzuversetzen,

Missverständnisse schnell aufzuklären,

Bei Gesprächen eine entsprechende Gesprächsatmosphäre

herzustellen,

Klar und deutlich auszudrücken, was ich von dem

Gesprächspartner erwarte,

Im Gespräch die Gefühlslage des Gesprächspartners zu

erkennen und darauf einzugehen,

Bewusst Beziehungen zu Gesprächspartnern zu gestalten,

Fachliche Zusammenhänge anderen so einfach wie möglich

zu erklären,

Mit unterschiedlichen Meinungen locker umzugehen,

Das zu sagen, was ich empfinde,

Bei schwierigen Gesprächen auf meine Gefühle zu achten,

Ehrliche Rückkopplungen dem Gesprächspartner zu geben,

Bei Unklarheiten konkret nachzufragen,

Im Gespräch darauf zu achten, dass Sprache und

Körpersprache übereinstimmen,

Bewusst die Körpersprache einzusetzen, um ein besseres

Verständnis bei anderen zu erreichen,

gelingt mir

weniger gut sehr gut

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Loriot: Fernsehabend

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Auf unterschiedlichen Ebenen

S. Bachmair, a.a.O., S.17

Was die kleine Momo konnte wie kein anderer, das war:

Zuhören ...

Wirklich zuhören können nur ganz wenige Menschen.

Und so, wie Momo sich auf’s Zuhören verstand, war es ganz

und gar einmalig.

Momo konnte so zuhören, dass dummen Leuten plötzlich sehr

gescheite Gedanken kamen. Nicht etwa, weil sie etwas sagte

oder fragte, was den anderen auf solche Gedanken brachte,

nein, sie saß nur da und hörte einfach zu, mit aller

Aufmerksamkeit und Anteilnahme.

Michael Ende

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Von der zündenden Idee zur erfolgreichen Verhaltensgewohnheit

Gedacht

Gesagt

Gehört

Verstanden

Einverstanden

Realisierbar

Angewendet

Gekonnt

bedeutet nicht

bedeutet nicht

bedeutet nicht

bedeutet nicht

bedeutet nicht

bedeutet nicht

bedeutet nicht

bedeutet noch lange nicht

gesagt.

gehört.

verstanden.

einverstanden.

realisierbar.

angewendet.

gekonnt.

beibehalten.

Miteinander zu sprechen ist besser als

gegeneinander zu schweigen.

Ignazio Silone

nach Konrad Lorenz

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6. Literatur

Bachmair u.a.: Beraten will gelernt sein, Weinheim 1989

Birkenbihl, Vera F.: Kommunikationstraining, München, Landsberg am Lech 2002

Gordon, Th.: Lehrer-Schüler-Konferenz, München 1995

Gührs, M., Nowak, C.: Das konstruktive Gespräch, Meezen 2002

Hohenadl, C.: Kommunikationstraining, Stuttgart 2001

Kliebisch, U.: Kommunikation und Selbstsicherheit, Mülheim a. d. Ruhr 1995

Klippert, H.: Kommunikations-Training, Weinheim 2001

Langmaack, B., Braune-Krickau, M.: Wie die Gruppe laufen lernt, Weinheim 2000

Miller, R.: Beziehungsdidaktik, Weinheim und Basel 2003

Miller, R.: Das ist ja wieder typisch, Weinheim und Basel 2004

Miller, R.: SCHILF-Wanderung, Weinheim und Basel 1992

Molcho, S.: Körpersprache, München 2001

Rosner, S.: Gelingende Kommunikation, München 2002

Schulz v. Thun, F.: Miteinander reden, Band 1 - 3, Reinbek 2005

Watzlawick, P.: Anleitung zum Unglücklichsein, München 2005

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