EU-Gebäude-Richtlinie

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EU-Gebäude-Richtlinie

Klemens Leutgöb

Rechtliche Verankerung von erhöhten

Baustandards und Energiemonitoring

Green IQ, 15.11.2012


Überblick

Teil 1: Rahmenbedingungen für Niedrigstenergiegebäude

EU-Gebäude-Richtlinie (Neufassung 2010)

● Umsetzung EU-Gebäude-RL in Österreich

EU-Energieeffizienz-Richtlinie (Vorschlag)

Teil 2: Energiemonitoring als Kernelement von

Niedrigstenergiegebäuden

● Integration Energiemonitoring-Konzept in die Planung

Klemens Leutgöb, Green IQ, 15. November 2012

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Hintergrund und politische Ziele

● Versorgungssicherheit, Klimaschutz, Wettbewerbsfähigkeit

EU Klimaschutzpaket 2008: „20-20-20 Ziele“ bis 2020

• ↓ 20% Treibhausgasemissionen

• ↑ Energieeffizienz um 20% verbessern

• ↑ Anteil erneuerbarer Energieträger auf 20 % anheben

● Energiestrategie Österreich: „16-20-34 Ziele“ bis 2020

• ↓ Reduktion der Treibhausgasemissionen um mind. 16% (Basis 2005)

in Sektoren, die nicht dem Emissionshandel unterliegen

• ↑ Steigerung der Energieeffizienz um 20%

unverbindlich; nur als „Ziel“ erwähnt

• ↑ 34% Anteil erneuerbare Energieträger am Bruttoenergieendverbrauch

Klemens Leutgöb, Green IQ, 15. November 2012

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EU-Gebäude-Richtlinie

Neufassung 2010 im Überblick

● Kennzahlen für Primärenergie und CO 2 im Energieausweis

● Mindeststandards: Kosten-Nutzen-Betrachtung über den Lebenszyklus

● Niedrigstenergiegebäude („Nearly zero energy“) ab 2021

● 1000m²-Schwellenwert für Mindeststandard bei „größerer Renovierung“

gestrichen

● Systemanforderungen für Haustechnik

● Energieausweis verpflichtend in Immobilienanzeigen

● Energieausweis: strengere Aushangverpflichtungen

● Qualitätssicherung -> Kontrollmechanismen für Energieausweise

● Sanktionen

Klemens Leutgöb, Green IQ, 15. November 2012

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EU-Gebäude-Richtlinie

Neufassung 2010

● Kostenoptimale Mindeststandards (Art. 4)

• Mindestanforderungen müssen auf einem kostenoptimalen Niveau liegen

• Gesamtbetrachtung der Kosten für Investition, Wartung und Betrieb

(einschließlich der Energiekosten und –einsparungen) sowie ggfs.

Einnahmen aus der Energieerzeugung und Entsorgungskosten

● Niedrigstenergiegebäude (Art. 9)

• MS stellen sicher, dass bis 31. Dezember 2020 alle neuen Gebäude

Niedrigstenergiegebäude (nearly zero energy buildings) sind.

Klemens Leutgöb, Green IQ, 15. November 2012

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EU-Gebäude-Richtlinie (2010)

Besondere Regelungen für öff. Einrichtungen

● Niedrigstenergiegebäude

• MS stellen sicher, dass nach dem 31. Dezember 2018 neue Gebäude, die

von Behörden als Eigentümer genutzt werden, Niedrigstenergiegebäude

sind.

● Energieausweise – Maßnahmenempfehlungen

• Behörden sollten mit gutem Beispiel vorangehen und

Maßnahmenempfehlungen so bald als möglich umsetzen.

● Energieausweis – Aushangverpflichtung

• In Gebäuden, in denen mehr als 500 m² Gesamtnutzfläche von Behörden

genutzt werden und die starken Publikumsverkehr aufweisen

• Am 9. Juli 2015 wird dieser Schwellenwert auf 250 m² gesenkt.

Klemens Leutgöb, Green IQ, 15. November 2012

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EU-Gebäuderichtlinien und Umsetzung in

Österreich

Zivilrechtlicher Teil

Technischer Teil

EU-Gebäude-RL

2003

EAVG 2006

OIB-RL 6

2007

Bauordnungsnovellen

2008

dzt. in Kraft

dzt. in Kraft

dzt. in Kraft

EU-Gebäude-RL

Neufassung 2010

EAVG 2012

OIB-RL

2011

Bauordnungsnovellen

2012

in Kraft

seit Juli 2010

beschlossen,

in Kraft

ab 1.Dez.2012

beschlossen,

in Kraft mit

neuen BauO

in

Vorbereitung

Klemens Leutgöb, Green IQ, 15. November 2012

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EU-EE-RL (Vorschlag vom Sept/Okt 2012)

Hintergrund und politische Ziele

● Bewertung der 2. Nationalen Energieeffizienz-Aktionspläne

• 2020-Ziele können so nicht erreicht werden: „they are not on track“

● Kluft zwischen Ist und Soll

● Daher Handlungsbedarf: Revision (Verschärfung) der EE-RL

• 2020-Ziele bleiben aufrecht, allerdings werden Maßnahmen in der RL

nun präziser formuliert

• Entkoppelung Energieverbrauch – Wirtschaftswachstum

● Wirtschafts- und Finanzkrise hat ihren Niederschlag gefunden,

einige Maßnahmen nun eingeschränkt im Hinblick auf

Konsolidierung der öffentlichen Haushalte

Klemens Leutgöb, Green IQ, 15. November 2012

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EU-EE-RL

Artikel 3: Energieeffizienzziele

● MS legen Richtwerte für nationale Energieeffizienzziele fest

• Basierend auf Primär- oder Endenergieverbrauch bzw.

• Oder auf Primärenergie- oder Endenergieeinsparung bzw.

• Energieintensität

EU-Ziele 2020: max. 1.474 Mtoe Primärenergieverbrauch bzw. max.

1.078 Mtoe Endenergieverbrauch

• Bis 30. Juni 2014 wird die Kommission den Fortschritt bewerten ob

angestrebten Einsparungen erreicht werden können oder ggfs. weitere

Maßnahmen getroffen werden müssen

Klemens Leutgöb, Green IQ, 15. November 2012

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Artikel 3a: Renovierung von Gebäuden

● MS müssen langfristige Strategie für die Sanierung von Wohnund

Dienstleistungsgebäuden (öff. und priv.) entwickeln

• Erstellung eines Überblicks über den nationalen Gebäudebestand

• Identifikation von kosteneffizienten Maßnahmenpaketen für

unterschiedliche Gebäudetypen und Klimazonen

• Instrumente für kosteneffiziente „deep renovations“, wobei Umsetzung

auch schrittweise möglich

● Erste Version der jeweiligen nationalen Strategie soll bis 30.

April 2014 vorliegen und danach alle 3 Jahre einem update

unterzogen werden das wird Teil der nationalen

Energieeffizienz Aktionspläne

Klemens Leutgöb, Green IQ, 15. November 2012

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EU-EE-RL Artikel 4: Öffentliche Gebäude

● Sanierungsverpflichtung eingeschränkt auf Gebäude der

Zentralregierungen (im Eigentum und genutzt)

● Ab 1.1.2014 jährlich 3% der beheizten und/oder gekühlten

Gebäudefläche

• Berechnet nach der Gesamtfläche von Gebäuden mit einer

Gesamtnutzfläche von mehr als 500 m²

• Ab 9. Juli 2015 dann 250 m²

• Einbezogen werden Gebäude die am 1. Januar eines jeden Jahres die

nationalen Mindestanforderungen nicht erfüllen

● MS erstellen öff. zugängliches Gebäudeinventar bis 1.1.2014

• Von beheizten und/oder gekühlten central government buildings (


Grundausrichtung Monitoring-Konzept






Übernahme / Berücksichtigung bestehender Sensoren / Zähler

• Kosten werden in Gewerke verlagert

• Anforderungen für Datenpunkte sind Bestandteil der Gewerkeausschreibungen

• Ausstattungsanforderung bereits in der Planungsphase bekannt

Vorgabe eines Mindeststandards

• Messqualität und Quantität

Vorgabe über Zählernomenklatur

Datenbankstruktur

• Die Daten müssen in einer bestimmten Datenbankstruktur übergeben werden

bzw. müssen bei der Übergabe „lesbar“ sein.

• Details werden je nach Messgrößen vereinbart

• Nomenklatur kann bei „Übergabe“ ergänzt werden

Nur Messwerte erfassen – keine Rechenwerte

• z.B.: Erfassen Volumen & Temperatur und NICHT Energie

Klemens Leutgöb, Green IQ, 15. November 2012


Energiemonitoring: Positionierung der

Datenpunkte

● Grundsatz: vorhandene Datenpunkte nutzen!

• EVU Zähler

• Datenpunkte, die für die Regelung und Steuerung erforderlich sind

● Nach dem Ort

• Gebäude

• Zone

• Nutzungseinheiten

• Untergruppe

● Gewerke

● Zusatzdatenpunkte

• Klimadaten

Klemens Leutgöb, Green IQ, 15. November 2012


Energiemonitoring: Datenformat



Die Vorgaben zum Datenformat gelten für die Übermittlung der Daten

vom Datenkonzentrator im Gebäude an eine Auswertungssoftware,

nicht jedoch für den Bedarf des internen Gebäudemanagements.

• Die Vorgabe des Datenformates erfolgt im Rahmen der

Gewerkeausschreibungen.

• Um die Daten zentral erfassen und auswerten zu können, müssen die Daten in

offenen, technologien-unabhängigen XML Datenformaten übermittelt und

gespeichert werden.

Reduktion des Aufwandes für die Datenzusammenführung, weil

erforderliche Datenstruktur von Beginn an definiert ist

Klemens Leutgöb, Green IQ, 15. November 2012


Energiemonitoring: Zeitaspekte

Erfassungszeitschritte

• z.B.: Grundsätzlich sind die Daten mit einer zeitlichen Auflösung von

mindestens einer Minute zur verfügbar zu machen (Ausnahme Wärme).




Zeitpunkt der erstmaligen Datenbereitstellung

• Die Datenbereitstellung hat spätestens vier Wochen nach Inbetriebnahme der

jeweiligen Anlage zu erfolgen.

Systemzeit

• Um eine eindeutige zeitliche Zuordnung der Messwerte durchzuführen, muss

allen Gewerken eine Systemzeit einheitlich vorgegeben werden. Dazu ist die

Systemzeit von Frankfurt heranzuziehen.

Zulässige zeitliche Verzögerung der Datenbereitstellung

• z.B.: Die Übermittlung an die zentrale Datenbank hat bis 3:00 Uhr des

Folgetages zu erfolgen.

Klemens Leutgöb, Green IQ, 15. November 2012


Quellen

(1) Amtsblatt der EU: RL über Endenergieeffizienz und Energiedienstleistungen. RL 2006/32/EG

(2) Amtsblatt der EU: RL über die Gesamtenergieeffizienz von Gebäuden. RL 2010/31/EU

(3) Europäische Kommission: Vorschlag für EnergieeffizienzRL. COM(2011)

(4) Österreichisches Institut für Bautechnik- OIB: Richtlinie 6 (2011)

Klemens Leutgöb, Green IQ, 15. November 2012

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Kontakt

Mag. Klemens Leutgöb

e7 Energie – Forschung - Beratung

Theresianumgasse 7

1040 Wien

Tel.: 01-907 80 26-53

Klemens.leutgoeb@e-sieben.at

Klemens Leutgöb, Green IQ, 15. November 2012

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