NFV_04_2008 - Rot Weiss Damme

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06_12InterviewSchiris 21.03.2008 20:39 Uhr Seite 10

Interview

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„Hoyzer ist für uns überhaupt kein Thema mehr“ – Babak Rafati beim Interview mit dem Fußball-Journal Niedersachsen.

Bornhorst: Das ist sicher keine Schwäche

im Schiedsrichterwesen des Bezirkes

Weser-Ems, sondern eher ein Nachweis dafür,

dass es bei der Besetzung der Schiedsrichter-Kader

auf höheren Ebenen keinen

Proporz gibt. Zudem stellen wir mit Frank

Willenborg einen aktuellen Schiedsrichter

der zweiten Liga, mit Guido Kleve, Arne Aarnink,

Rainer Bippen, Kuno Fischer und mir

immerhin fünf weitere Schiedsrichter als

Assistenten auf der DFB-Liste.

Fußball-Journal: Frau Steinhaus, Sie

haben die intensive Vor- und Nachbereitung

auf ein Spiel angesprochen. Jeder in der

Bundesliga eingesetzte Unparteiische geht

noch einer beruflichen Tätigkeit nach. Wie

lassen sich Beruf und Schiedsrichterjob miteinander

verbinden?

Steinhaus: Ich habe in meiner Funktion

als Polizeibeamtin eine ganz normale

40 Stunden-Woche. Zusätzlich wende ich

Zeit für mein Training auf. Einzig und allein

mit Laufeinheiten ist es hier nicht getan.

Die Vorbereitung der Spiele und ihre Nachbereitung

nehmen einen großen Zeitrahmen

in Anspruch. Mit Hobby hat das eigentlich

kaum noch etwas zu tun. Wir betreiben

Leistungssport. Ohne die Unterstützung

meines Dienstherrn wäre die Ausübung

meines Hobbys in dieser Größenordnung

gar nicht möglich.

Rafati: Auch ich bin Vollzeit beschäftigt.

Mein Arbeitgeber, die Sparkasse Hannover,

unterstützt mich sehr. Dafür bin ich

April 2008

Babak Rafati

Geburtsdatum: 28. Mai 1970

Wohnort: Hannover

Verein: SpVgg Niedersachsen Döhren

NFV-Bezirk: Hannover

NFV-Kreis: Hannover-Stadt

Beruf: Bankkaufmann

Familienstand: verheiratet

Größe: 1,80 m

Gewicht: 79 kg

Schiedsrichter (SR): seit 1986

DFB-Schiedsrichter: seit 1997

2. Bundesliga-SR: seit 2000

1. Bundesliga-SR: seit 2005

FIFA-Schiedsrichter: seit 2008

dankbar. Ich arbeite zum Beispiel zwischen

Weihnachten und Neujahr, wenn andere

frei haben.

Fußball-Journal: Also braucht der

Fußball den von FIFA-Präsident Sepp Blatter

geforderten Profischiedsrichter gar nicht?

Meyer: Der Trainingsaufwand, die Förderung

sowie die Spielvor- und -nachbereitung

der Schiedsrichter sind professionell.

Finanziell und damit existentiell ist jeder

Schiedsrichter aber durch seinen zivilen Beruf

abgesichert. Damit ist ein fundamentaler

Aspekt gewährleistet: Die Schiedsrichter

sind in all ihren Entscheidungen vollkommen

unabhängig!

Fußball-Journal: Hat sich das Verhalten

der Spieler auf dem Fußballplatz gegenüber

den Schiedsrichtern in den vergangenen

Jahren verändert?

Rafati: Es hat sich verschlechtert. Das

ist ein Spiegelbild unserer Gesellschaft. Die

Spieler versuchen um jeden Preis zum Erfolg

zu kommen. Als Beispiel möchte ich die vermehrten

Schwalben ansprechen, mit denen

der Schiedsrichter absichtlich getäuscht werden

soll. Auch Ellbogenchecks, die zu

schweren Verletzungen führen können,

haben zugenommen.

Meyer: Aber nicht allein Täuschungen,

sondern auch offensichtliche abwertende

und herabwürdigende Gesten mancher

Spieler erschweren den Schiedsrichtern die

Spielleitungen. Ebenso ist auch das Verhalten

der Spieler untereinander respektloser

geworden. Dies zeigt sich sowohl in der Zunahme

ansatzloser, rücksichtsloser und

hinterhältiger Foulspiele als auch in Verhaltensweisen,

die darauf abzielen, den Gegner

bewusst so weit zu reizen und zu provozieren,

dass dieser sich zu einer Reaktion hinreißen

lässt, durch die er sein eigenes Team

schwächt.

Fußball-Journal: Ist es für einen

Schiedsrichter schwieriger, auf dem Platz das

Regelwerk umzusetzen oder das unrühmliche

Verhalten der Fußballer auf dem Platz

unter Kontrolle zu bringen?

Steinhaus: Das lässt sich kaum bewerten.

Es sind Synergieeffekte. Gute Regelkenntnisse

können vielen Fußballern helfen

und außerdem vielleicht auch der einen oder

anderen verbalen Entgleisung vorbeugen.

Fußball-Journal: In wie weit sind

Schiedsrichter heutzutage selbst schon kleine

Stars? Denken wir zum Beispiel an ihren

ehemaligen italienischen Kollegen Pierluigi

Collina, der Kultstatus erreicht hat.

Rafati: Wir sind keine Stars, sondern

Spitzensportler. Wenn wir während des

Spiels kaum auffallen, ist das die schönste

Situation für uns.

Bornhorst: Ich freue mich, wenn sich

jemand für meine Tätigkeit interessiert. Das

hat aber nichts mit Starsein zu tun.

Niedersächsische Schiedsrichter – eine Erfolgsgeschichte

„Florian Meyer leitet am 26. März das Testspiel Frankreich gegen England“; „Babak Rafati

in Katar im Einsatz“, „Bibiana Steinhaus ist die erste Schiedsrichterin im deutschen Profifußball“

– seit Jahren schreiben niedersächsische Unparteiische herausragende Schlagzeilen.

Zum 1. Januar 2008 durften sich gleich drei von ihnen über einen Aufstieg freuen: Florian

Meyer aus Burgdorf wurde in den erlesenen Kreis jener 28 europäischen Schiedsrichter

aufgenommen, die weltweit Spiele leiten dürfen, Babak Rafati (Hannover) rückte auf die

Liste der FIFA-Schiedsrichter und Christoph Bornhorst (Damme) erhielt die Berufung zum

Schiedsrichter-Assistenten auf Ebene des Fußballweltverbandes FIFA. Der Südoldenburger

ist damit neben Carsten Kadach (Suderburg) der zweite Niedersachse, der international

ausschließlich als Assistent eingesetzt wird. Im Team von Herbert Fandel (Fußballverband

Rheinland) ist Kadach sogar für die kommende Europameisterschaft in der Schweiz und

Österreich vorgesehen. Von den aktuell aktiven niedersächsischen Bundesliga-Schiedsrichtern

wurden vor Babak Rafati bereits Florian Meyer und der Ottensteiner Michael Weiner

(beide 2002) sowie Bibiana Steinhaus zum FIFA-Referee (2005) ernannt. Stand 1. April 2008

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