Sachbericht Kinder- und Jugendtelefon - Deutscher ...

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Sachbericht Kinder- und Jugendtelefon - Deutscher ...

Sachbericht

Kinder- und Jugendtelefon

2011

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1. Das Kinder- und Jugendtelefon in Landau

Bereits seit 26 Jahren besteht beim Kinderschutzbund in Landau ein Sorgentelefon

(„Kinderund Jugendtelefon“) für Kinder- und Jugendliche. Seit 1997 ist das Landauer

Telefon über die kostenlose und bundesweit einheitliche Rufnummer 0800-1110333

erreichbar. Die übergeordnete Koordination übernimmt Nummer gegen Kummer e.V. in

Wuppertal.

So können inzwischen montags bis samstags von 14-20 Uhr junge Menschen mit den

ehrenamtlichen BeraterInnen ihre Sorgen und Nöte besprechen. Seit drei Jahren ist das

Kinder- und Jugendtelefon die deutsche Helpline für Web-Sorgen im SaferInternet-

Programm der Europäischen Union - in Kooperation mit klicksafe.de. Deshalb wurde die

Schulung aller BeraterInnen zu diesem Schwerpunktthema Pflicht. Die Jugendlichen

können sich also auch mit Schwierigkeiten an sie wenden, welche im Zusammenhang

mit der Nutzung Neuer Medien entstehen.

Seit 2009 beteiligt sich der Standort Landau am Projekt „Jugendliche beraten

Jugendliche“. Ausgebildete junge Leute zwischen 16 und 21 Jahren machen samstags

Telefondienst. Diese Peer-Beratung bietet den AnruferInnen den Vorteil,

niedrigschwelliger mit etwa Gleichaltrigen über ihre Anliegen sprechen zu können. Diese

jungen BeraterInnen kennen und verstehen die Situation der Jugendlichen aus ihrer

eigenen Lebenssituation heraus und sprechen ihre Sprache. Außerdem finden sie

oftmals unkonventionelle Lösungswege mit den Anrufenden.

Von Anfang an (2003) ist der Standort Landau an der Em@il-Beratung von Nummer

gegen Kummer e.V. beteiligt. Die erfahrenen Telefonberaterinnen erhielten eine

zusätzliche Schulung, da die schriftliche Beantwortung von Anliegen Jugendlicher eine

ganz eigene Herausforderung darstellt und einen großen zeitlichen Einsatz erfordert.

1.1 Personelle Besetzung

Am Standort Landau ist seit diesem Jahr Frau Diplom-Psychologin Christin Fritz

zuständige Projektleiterin. Sie kümmerte sich 2011 durchschnittlich zehn Stunden

wöchentlich um die Organisation rund um den Telefondienst, sowie die Aus- und

Fortbildung der Ehrenamtlichen. Dazu gehörte auch die Durchführung von regelmäßigen

Praxisbegleitungen, die den Ehrenamtlichen die Möglichkeit boten, Fälle zu besprechen

und sich auszutauschen. Die verantwortliche Bereichsleitung lag bei Diplom-Psychologin

Ilse Gärtner.

Die tägliche Beratungsarbeit wurde von über dreißig engagierten erwachsenen, und

einem Dutzend jugendlichen Ehrenamtlichen durchgeführt, die alle vorher nach den

Richtlinien von Nummer gegen Kummer e.V. geschult worden sind. Dazu kamen 2011 vier

Em@il-Beraterinnen. Waltraud Meichßner, die seit vielen Jahren nicht nur als Beraterin

tätig ist, sondern auch koordinatorische Aufgaben übernimmt und uns regelmäßig bei

Bundesversammlungen vertritt, sei an dieser Stelle ganz besonders für ihren Einsatz,

ihrer Umsicht und ihrer Verlässlichkeit gedankt!


1.2 Konzeptionelle Grundlagen, Prämissen u. Ziele und Inhalte

Das Kinder- und Jugendtelefon ist für alle Sorgen und Nöte der AnruferInnen offen.

Prinzipiell können alle Themen angesprochen werden. Zielgruppe sind alle

Minderjährigen, für die durch die Anonymität und Kostenfreiheit ein äußerst

niedrigeschwelliges Angebot existiert. Mit ihren Handys können sie auch ohne Guthaben

von unterwegs aus anrufen, ohne dass Eltern oder andere Leute davon erfahren. Die

Arbeit in Schulen zeigt auch immer wieder, dass den meisten Jugendlichen das Angebot

bekannt ist, viele kennen auch die Nummer auswendig.

Das Sorgentelefon baut auf dem ehrenamtlichen Engagement der BeraterInnen auf.

Deren Freiwilligkeit und damit oft auch vermutete „psychologische Laienhaftigkeit“ baut

Berührungsängste ab und birgt einige weitere Vorteile für die AnruferInnen. Unabhängig

davon, dass Hauptamtliche wahrscheinlich schnell ausgebrannt wären und eine Routine

entwickelten, welche der Beratungsqualität zuwiderliefe, zeigt die Forschung Faktoren,

welche zum Beratungserfolg beitragen und bei nichtprofessionellen Helfern

ausgeprägter sind. Dazu gehören, neben stärkerem Enthusiasmus und Motivation, auch

Geduld und „mitmenschliche Wärme“ (Wieners, 1995, S. 45). Selbstverständlich ist eine

professionelle Begleitung der Ehrenamtlichen durch Hauptamtliche im Rahmen von Ausund

Fortbildung und begleitender Supervision unabdingbar. Unter anderem durch die

große Anzahl alternativer Kontaktversuche (z.B. Test- und Scherzanrufe) müssen viele

Ehrenamtliche immer wieder motiviert werden, damit sie den Blick für die

hilfsbedürftigen AnruferInnen und die bereichernden Beratungsgespräche nicht

verlieren.

Einen barrierefreien Zugang bietet das zusätzliche Angebot der Em@il-Beratung,

welches es auch in Landau seit vielen Jahren gibt. Die Kinder und Jugendlichen können

sich über die Homepage www.nummergegenkummer.de einloggen und wiederholt der

gleichen Beraterin schreiben. Die Em@il-Beraterinnen sind erfahrene

TelefonberaterInnen mit zusätzlicher Qualifizierung durch Nummer gegen Kummer e.V.

Am Standort Landau konnten in den letzten Jahren stets viele Studierende aus

sozialwissenschaftlichen Fächern für das Engagement am Kinder- und Jugendtelefon

gewonnen werden. Sie erhalten damit eine gute Gelegenheit, praktische Kenntnisse zu

erwerben und Beratungsfähigkeit zu üben. Gleichzeitig sind sie flexibel im Einsatz, was

für die Dienstplangestaltung wertvoll ist. Für die AnruferInnen bietet sich, ähnlich wie

beim Projekt „Jugendliche beraten Jugendliche“, die Chance, mit jungen Leuten zu

sprechen, die noch nahe an den Problematiken der Pubertät sind und sich gut einfühlen

können. Allerdings geht damit für den Träger die Problematik einher, dass die jungen

Menschen oft nur wenige Jahre in der Gegend bleiben und damit regelmäßig neue

BeraterInnen in extra Gruppen ausgebildet werden müssen.

1.3 Statistik

Die Telefonberatung

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Es wurde am Kinder- und Jugendtelefon Landau im Jahr 2011 11956 mal der Hörer

abgenommen, davon ergaben sich 4271 Beratungen (36 %). Im Vergleich zum Vorjahr

wurden damit am Standort Landau 2254 Gespräche mehr geführt, dafür sank der Anteil

der Beratungsgespräche um einen Prozentpunkt. Die jugendlichen BeraterInnen nahmen

2011 1470 Gespräche an (etwa ein Viertel weniger als 2010) und verzeichneten 564

Beratungsgespräche (38 %). Die vier Em@il-Beraterinnen des Standorts Landau

beantworteten 2011 etwa 800 Emails von besorgten jungen Menschen.

Die genaueren statistischen Angaben zu Dauer und Inhalten der Gespräche sind im

Anhang einzusehen.

Die Ehrenamtlichen und deren Begleitung

Wie bereits erwähnt, leisteten 2011 über dreißig aktive Ehrenamtliche Telefondienste am

Kinder- und Jugendtelefon in Landau. Zusammen kamen sie auf etwa 1500 Stunden

Beratungsarbeit in täglich drei Schichten (Montag bis Freitag 14-16 Uhr, 16-18 Uhr und

18-20 Uhr). Zur Qualitätssicherung und Psychohygiene bot Dipl. Psych. Christin Fritz

zwölf abendliche Praxisbegleitungen an, an welchen auch die Em@il-Beraterinnen

teilnahmen. Hinzu kam ein extra Termin für das Em@il-Team.

Das gute Dutzend jugendlicher BeraterInnen leistete etwa 500 Stunden Beratung an den

Samstagen. Sie machten, wie vorgesehen, oft zu zweit Telefondienst in je zwei Schichten

(14-17 Uhr und 17-20 Uhr). Vereinzelt nahmen Jugendliche an den Praxisbegleitungen der

erwachsenen BeraterInnen teil, zudem gab es acht Besprechungstermine, zu welchen

ausschließlich sie eingeladen waren.

Die Diplom-Psychologin und Kinder- und Jugendpsychotherapeutin Bettina Fladung-

Köhler bot sechs Supervisionstermine für die BeraterInnen an. Ein weiterer Termin stand

exklusiv den jugendlichen Ehrenamtlichen zur Verfügung. Desweiteren wurden externe

Referenten für Fortbildungen für beide Gruppen Engagierter eingeladen. Das waren

Astrid Martin von der Telefonseelsorge Kaiserslautern zum Thema „Scherzanrufe“,

Andreas Müller vom Ministerium des Inneren und für Sport zum Thema

„Rechsextremismus“ und die Kinder- und Jugendpsychotherapeutin Sigrid Simper zum

Thema „Trauma“.

2011 wurde die 25. Ausbildungsgruppe beendet. Die elf Frauen und drei Männer,

ausgebildet von Dipl. Psych. Christin Fritz, nahmen im April den Dienst am Kinder- und

Jugendtelefon auf. Viele davon waren Studierende. Im Oktober startete dann die 26.

Gruppe, geleitet durch Christin Fritz und Dipl. Psych. Bettina Herzenstiel. Hierfür hatten

sich so viele Freiwillige beworben, dass eine Auswahl getroffen wurde. Schließlich

konnten zwölf Frauen und drei Männer teilnehmen. Sie werden voraussichtlich im März

2012 mit dem Telefondienst beginnen. Die Resonanz für das JbJ war im Sommer 2011

gering. Aufgrund mangelnder Anmeldungen konnte erst im Herbst eine dritte sehr kleine

Ausbildungsgruppe für Jugendliche starten. Somit ist es sehr wichtig, im Spätjahr 2012

wieder eine größere Gruppe zu schulen.

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Kooperationen mit Nummer gegen Kummer e.V.

Zwei Ehrenamtliche nahmen an von Nummer gegen Kummer e.V. durchgeführten

Fortbildungen teil.

Zwei Beraterinnen vom Projekt „Jugendliche beraten Jugendliche“ wurden im Sommer

2011 von Nummer gegen Kummer e.V. an einem Wochenende zu Em@il-Beraterinnen

weitergebildet. Kurzzeitig konnte der Standort Landau damit vier Em@il-Beraterinnen

vorweisen. Im Spätjahr schied jedoch eine langjährige Beraterin aus und eine der beiden

Jungen zog zum Studium in eine andere Stadt, wo sie weiter Beratung anbieten wird.

Wie die Jahre vorher, nahm die langjährige Ehrenamtliche Waltraud Meichßner im Mai an

der Mitgliederversammlung von Nummer gegen Kummer e.V. teil. Als Koordinatorin fuhr

Christin Fritz zur bundesweiten Arbeitstagung von „Jugendliche beraten Jugendliche“. An

der Arbeitstagung vom „Kinder- und Jugendtelefonund dem Treffen der rheinlandpfälzischen

Standorte in Mainz beteiligte sich Landau 2011 nicht.

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