Schaufenster Kultur.Region Oktober/November 2013 - Museen ...

noemuseen.at

Schaufenster Kultur.Region Oktober/November 2013 - Museen ...

Nachrichten aus der Kultur.Region Niederösterreich . Oktober/November 2013

schaufenster

Kultur.Region

Wenn die Tage kürzer werden

Haus der Regionen / Bordunmusik . Museumsdorf Niedersulz / Alte Obstsorten

Kulturpreise Niederösterreich 2013 / Preisträger Volkskultur & Kulturinitiativen

P.b.b. · Vertragsnummer 10Z038552S · Erscheinungsort: 3452 Atzenbrugg · Verlagspostamt: 3451 Michelhausen · DVR: 0933 295


WIEN NORD

ach VorNe

SchaueN.

Wir SchaffeN daS.

Seit 90 JahreN.

Ein Jubiläum ist ein schöner Anlass, um sich zurückzulehnen

und den Blick auf Vergangenes zu richten. Viel lieber

blicken wir aber in die Zukunft und freuen uns auf viele

weitere Jahre in denen wir gemeinsam mit Ihnen

all das schaffen, was Sie sich vornehmen.

www.noevers.at


EinBlick / 3

Editorial

Wissen

Erst Kreativität und Ausbildung kultureller

Kompetenzen vollenden den Menschen.

Ein Plädoyer.

Stell dich nicht dümmer als du bist, mit solch einer Bemerkung wurden

so manche Schülerin und so mancher Schüler vor noch nicht

allzu langer Zeit heruntergemacht und vor der ganzen Klasse verhöhnt.

Was seinerzeit zum normalen Schulalltag gehören mochte,

kommt heute kaum mehr einer Pädagogin oder einem Pädagogen

über die Lippen. Im gesellschaftlichen Diskurs dagegen gewinnt man

da und dort den Eindruck, sich dümmer geben zu müssen sei geradezu

notwendig – und in der Folge salonfähig geworden.

Ein Thema umfassend zu betrachten und eingehender darzustellen,

wird ja recht gern als fad, uninteressant und zu kompliziert heruntergemacht.

Simplifizieren liegt im Trend, also die Vereinfachung komplexer

Inhalte bei gleichzeitigem Ausblenden der gedanklichen

Grundlagen. Nur schön an der Oberfläche bleiben, lautet das Motto,

denn wer möchte schon mit theoretischem Know-how belästigt werden.

Und außerdem: Wissen findet sich lieber auf dem Niveau von

Rateshows angesiedelt: Welches Auto fährt Rihannas Frisör Wann

fand der (wirklich) letzte Musikantenstadl statt Wer erfand den

Dudelsack Wie heißt die Hauptstadt von Absurdistan A, B, C oder

D, drücken Sie auf die richtige Taste!

Geht es im Quiz nur um den Aufstieg in die nächste Runde, so fordert

das wirkliche Leben Entscheidungen, die für weitere Entwicklungen

nicht nur wesentlich, sondern im Ergebnis auch unumkehrbar sein

können. Ja, wenn ich das gewusst hätte, mit solch einer Floskel werden

Fehleinschätzungen üblicherweise eingestanden, aber erst, wenn

es zu spät ist. Ob nun ein Kleidungsstück als Tracht gelten soll oder

ein Lied als kunstvoll oder kitschig bewertet wird, ist sicher seriös

und wissenschaftlich fundiert nachzuweisen. Für das Gesamtwohl

der Menschen ist aber jenes Wissen relevant, das über die Gesundheit

oder die Rechte und Pflichten der Bürger in einem konkreten politischen

System Auskunft gibt. Hier sind Entscheidungskompetenz und

die Fähigkeit zum Ausgleich verschiedener Positionen angesagt: nicht

bloß herbeigeredet, angedichtet oder suggeriert, sondern tatsächlich

ausgebildet.

Nicht zuletzt aus diesem Grund wird die Kultur.Region.Niederösterreich

ihre Angebotspalette zur Ausbildung und Aneignung von Wissen

und Kreativität weiter ausbauen. Kulturelle Kompetenz und

künstlerisches Schaffen sind integrierende Bestandteile des menschlichen

Lebens und weit mehr als philanthrope Freizeitangelegenheiten.

Dorli Draxler, Edgar Niemeczek

MusikSCHUL

management

KULTUR . REGION

NIEDERÖSTERREICH

schaufenster / Kultur.Region / Oktober/November 2013


Top-Termine / 4

Oktober/November 2013

TOP-TERMINE

HANDWERKSMARKT

——————————————————

So, 6. 10. 2013, 10.00–18.00 Uhr

Brandlhof

3710 Radlbrunn 24

——————————————————

Beim traditionellen Handwerksmarkt

steht heuer die Keramik im Mittelpunkt;

auch in der Musik, denn es spielt die Sieghartskirchner

Pfeiferlmusik mit den Okarinas

zum Frühschoppen auf.

Keramiker aus Ungarn, der Slowakei und

Österreich stellen ihr Handwerk vor, Traditionelle

irdene Waren mit ihren überlieferten

Mustern werden hier ebenso präsentiert

wie moderne Formen. Und es gilt wieder,

den Handwerkern über die Schulter zu

sehen mit ihnen ins Gespräch zu kommen.

Im Brandlhof wird Handwerk erlebbar.

—————

Information

Tel. 02956 81222

brandlhof@volkskulturnoe.at

www.volkskulturnoe.at/brandlhof

SALTERINA

——————————————————

Fr, 25. 10. 2013, 19.30 Uhr

Haus der Regionen

Donaulände 56

3504 Krems-Stein

——————————————————

Das Ensemble Salterina bietet im Haus

der Regionen ein Konzert unter dem Motto

„Ländlicher Tanz & Höfische Eleganz“. Das

Salterio war im 18. Jahrhundert ein Vorgänger

des Hackbretts. Ursprünglich in der

Kirchenmusik eingesetzt, fand es nach und

nach in virtuoser Spielweise den Einzug in

die weltliche Musik.

Im Programm finden sich höfische Musik

aus Barock und Renaissance sowie traditionelle

Volksmusik dieser Epochen. Gespielt

werden Sonaten und Variationen, Duette

für zwei Hackbretter, virtuose Kompositionen

von Vivaldi und Corelli sowie

ländlerische Tänze von Mozart. Zu hören

sind Hackbrett, Gitarre, Harfe und Kontrabass.

——————

Information

Tel. 02732 85015

www.volkskultureuropa.org

JUNGE MEISTER

Preisträger

NÖ Volksmusikwettbewerb

——————————————————

Sa, 16. 11. 2013, 18.00 Uhr

Haus der Regionen

Donaulände 56

3504 Krems-Stein

——————————————————

Beim Niederösterreichischen Volksmusikwettbewerb

treten jährlich Musiker und

Sänger aus Musikschulen unseres Bundeslandes

sowie Familienmusiken an. Auch

im Jahr 2013 nahmen wieder zahlreiche

hervorragende Solomusiker und Ensembles

am Volksmusikwettbewerb teil und

bewiesen die Vitalität der jungen Volksmusik.

Jene der ausgezeichneten Preisträger,

die beim Wettbewerb im Mai einen

ersten Preis erlangten, werden im Haus der

Regionen auf die Bühne gebeten. Mit einem

abwechslungsreichen Volksmusikprogramm

zeigen die jungen Talente solistisch oder in

Ensembles ihr musikalisches Können.

—————

Information

Tel. 02732 85015

www.volkskultureuropa.org

schaufenster / Kultur.Region / Oktober/November 2013


Inhalt / 5

Oktober/November 2013

INHALT

350 Jahre Landespatron

6 / Hl. Leopold

——————

Naturgartenfest & Herbstfest

9 / Ein Fest für Gärten

und gute Taten

——————

Haus der Regionen

10 / Bordunmusik

——————

Haus der Regionen

12 / Norwegen zu Gast

——————

Kremser Kamingespräche

13 / Selbermachen

——————

Volkskultur

14 / Musik

——————

Kulturpreisträger 2013

16 / Helga Maria Wolf

——————

Kulturpreisträger 2013

17 / Familienmusik Zehetner &

pink noise

——————

Musikschulen

18 / Kindergarten-Kooperation

——————

Chorszene

20 / Markus Pfandler

——————

Jazz

23 / mm jazzfestival St. Pölten

——————

Weinviertel

24 / Das Literaturviertel

——————

Mostviertel

26 / Stubenmusik Berger

——————

Mostviertel

27 / Mariazellerbahn

——————

Waldviertel

28 / Abfischen

——————

Handwerk

30 / Kaffeerösterei

——————

Ethnologie

32 / Das „Kronprinzenwerk“

——————

Auslage

34 / Bücher, CDs & feine Ware

——————

Museumsdorf Niedersulz

36 / Obstgärten & Dorffest

——————

Museum Horn

39 / Urgeschichtesammlung

——————

Stift Zwettl

40 / Schatzkammer

——————

Stadtmuseum Wr. Neustadt

42 / Jüdisches Familienalbum

——————

Mährisch-Schlesisches Museum

43 / Schuberts Familie

——————

W.-H.-Auden-Museum Kirchstetten

44 / Kunst im öffentlichen Raum

——————

Nachschau

46 / Dirndlgwandsonntag

——————

Kultur.Region

47 / Fortbildung

——————

Kultur.Region

49 / Intern & Zwischen

Himmel und Erde

——————

50 / Die letzte Seite

——————

IMPRESSUM

Herausgeber: Dr. Edgar Niemeczek, Dorothea Draxler. Chefredakteurin: Mella Waldstein. Redaktionsteam: Karin Graf, MA, Mag. Michaela Hahn, Mag. Katharina Heger,

Mag. Marion Helmhart, Mag. Andreas Teufl, DI Claudia Lueger, Dr. Freya Martin, Dr. Veronika Plöckinger-Walenta, Mag. Ulrike Vitovec, Mag. Anita Winterer, Mag. Eva Zeindl,

Michaela Zettl, Mag. Doris Zizala. Mitarbeiter dieser Ausgabe: Michael Ambrosch, Mag. Doris Buchmann, Mag. Ricarda Denzer, MMag. Wolfgang Ch. Huber, Otto K. Knoll,

Toni Kurz, Mag. Silvia Reiß, Mag. Josef Schick, Stefan Straubinger, Dr. P. Martin Strauß OCist, Dr. Helga Maria Wolf. Produktionsleitung, Marketing, Anzeigen und Beilagen:

Mag. Marion Helmhart. Eigentümer/Medieninhaber: Volkskultur Niederösterreich GmbH, 3452 Atzenbrugg, Schlossplatz 1, FN 308711m, LG St. Pölten. Tel. 02275 4660,

office@volkskulturnoe.at, www.volkskulturnoe.at. Geschäftsführung: Dorothea Draxler, Mag. Dr. Harald Froschauer.

Sekretariat: Petra Hofstätter, Tina Schmid. Grafik/Layout: Atelier Olschinsky Grafik und Design GmbH, 1060 Wien. Druck: good friends Druck- und Werbeagentur GmbH.

Verlagspostamt: 3451 Michelhausen. Versandpostamt: Postamt 3112 St. Pölten. ISSN 1680-3434.

Copyrights: Kultur.Region.Niederösterreich GmbH, 3452 Atzenbrugg. Artikelübernahme nur nach Vereinbarung mit dem Herausgeber. Fotos: Wenn nicht anders angegeben, Bildarchiv

der Volkskultur Niederösterreich GmbH. Ziel der Zeitung: Information und Berichterstattung über Kunst und Kultur und ihre gesellschaftlichen Bedingtheiten mit besonderer

Berücksichtigung der Regionalkultur im Bundesland Niederösterreich, Beiträge aus Wissenschaft und Praxis, Ankündigungen und Hinweise.

Alle in der Zeitschrift verwendeten Begriffe, Personen- und Funktionsbezeichnungen beziehen sich ungeachtet ihrer grammatikalischen Form selbstverständlich in gleicher Weise

auf Frauen und Männer. Namentlich gekennzeichnete Beiträge müssen nicht unbedingt die Meinung des Herausgebers und der Redaktion widerspiegeln.

Cover: SpuimaNovas, Foto: z. V. g.

schaufenster / Kultur.Region / Oktober/November 2013


350 Jahre Landespatron / 6

Hl. Leopold

SOHN DES

HL. PETRUS

Der Babenberger Markgraf Leopold III. der Heilige (um 1075–15. 11. 1136) wurde 1663

vom Habsburger Kaiser Leopold I. zum Patron aller österreichischen Länder erhoben.

Rückenschild vom Markgrafen-Ornat, Klosterneuburg, um 1640. Foto: Stift Klosterneuburg

Kaiser Leopold I. war als letztgeborener Sohn

von Ferdinand III. für eine geistliche Laufbahn

vorgesehen und dementsprechend auch

erzogen. Der Tod seines Bruders Ferdinand

(1654) brachte für den Erzherzog von heute

auf morgen einen Richtungswechsel in das

Amt des Thronfolgers; bald darauf wurde

ihm auch die Kaiserwürde zuteil. Für Leopold

I., der um die großen Verdienste seines

von ihm hochverehrten Namenspatrons

wusste, war es daher schlüssig, Markgraf Leopold

III. zum Landespatron zu erheben. Die

Habsburger sahen zudem auch in den Babenbergern

ihre Vorgänger im Herrscheramt.

Dem Babenberger Leopold III. ist es u. a.

gelungen, zur Ausbildung des österreichischen

Landesfürstentums entscheidend beizutragen,

sodass man von ihm als ersten

österreichischen Landesfürsten sprechen

kann.

Leopold I. wallfahrte seit 1661 fast jährlich an

seinem Namenstag zum Grab Leopolds III.

des Heiligen nach Klosterneuburg und legte

damit den Grundstein zur „Österreichischen

Staatswallfahrt“, die bis in das 18. Jahrhundert

das Leopoldifest in Liturgie und Brauch

prägte. Das Leopoldifest am 15. November

hat in Klosterneuburg auch in unserer Zeit

einen hohen Stellenwert im Land. Die Leopoldiwallfahrten

sind zentraler Gegenstand

des Leopoldifestes, begleitet von Brauchveranstaltungen

wie Fasslrutschen, Leopoldimarkt

und Weinverkostung.

Österreichischer Erzherzogshut

Die Bedeutung Markgraf Leopolds III. für

das Haus Habsburg ist bereits auf eine lange

Tradition vor Leopold I. zurückzuführen.

Der Habsburger Albrecht II., dessen Ehe mit

Johanna von Pfirt 15 Jahre lang kinderlos

blieb, wallfahrte nach der Geburt seines Kindes

Rudolf 1339 regelmäßig nach Klosterneuburg

zum Grab Leopolds III. Herzog Rudolf

IV., der Sohn Albrechts II., unternahm 1358

den ersten Anlauf zum Heiligsprechungsprozess

Leopolds III. Im 15. Jahrhundert werden

dem milden Markgrafen zahlreiche Gebetserhörungen

zugeschrieben, was natürlich

einen zweiten Anlauf für einen Heiligsprechungsprozess

1465 begünstigte. 1485 wurde

der Babenberger Markgraf Leopold III. vom

Papst in die Schar der Heiligen aufgenommen.

Erzherzog Maximilian III. schenkte

1616 dem Stift Klosterneuburg als neue heilige

Landeskrone und als Gegenstück zur

ungarischen Stephanskrone und zur böhmischen

Wenzelskrone den Österreichischen

Erzherzogshut.

Leopold III., erster österreichischer Landesfürst

und Landespatron von Österreich,

erfreute sich auch bei großen Verantwortungsträgern

des 20. Jahrhunderts, wie einem

Leopold Figl, der maßgeblich zur Freiheit

und zum Frieden Österreichs nach 1945 beitrug,

großen Zuspruchs. Leopold Figl gestaltete

„aus dem Glauben heraus“, wie sein Sohn

Johannes in einem Gespräch mitteilte, sein

Leben in Familie und Politik.

Leopold III. wurde wegen seiner besonderen

Glaubenstreue in einem Schreiben des

Papstes im Jahr 1135 die Auszeichnung zuteil,

„er wolle ihn wie einen Sohn des heiligen

Petrus ehren“. /

Text: Otto Kurt Knoll

schaufenster / Kultur.Region / Oktober/November 2013


350 Jahre Landespatron / 7

Hl. Leopold · 350 Jahre Landespatron

LEOPOLD

IN DER KUNST

Das Bild des hl. Leopolds variiert – je nachdem, ob er eher in spiritueller oder

in staatstragender Funktion dargestellt wird.

Darstellungen bischöflicher Heiliger und

Kirchenväter herleiten. Einen Mann mit den

Leopold zugeschriebenen Charakterzügen

konnte man sich nicht als jungen Heißsporn

vorstellen, er musste von der Weisheit des

Alters gezeichnet sein. Tatsächlich wurde er

für seine Zeit außergewöhnlich alt (über

60 Jahre) – und das war wohl auch den

Schöpfern dieser Bilder und Statuen bewusst.

Der volkstümliche Markgraf

Um die Wende des 15. zum 16. Jahrhundert

hat Rueland Frueauf d. J. dann den Markstein

gesetzt, mit dem Leopold vor unseren Augen

endgültig Gestalt angenommen hat. Seine

Bildfolge der Schleierlegende, tausendfach

reproduziert, zeigt einen volkstümlichen

Markgrafen, einen richtigen Landesvater,

besonders schön zu sehen an dem herzlichen

Händedruck, mit dem er den Baumeister des

von ihm initiierten Kirchenbaus begrüßt.

Rueland Frueauf d. J., Bau der Stiftskirche.

Foto: Michael Zechany

Als der historische Markgraf Leopold III. im

Jahr 1136 starb, war der Bildtyp des Porträts

in der europäischen Kunst unbekannt. Somit

ist uns kein authentisches Bild dieses Mannes

überliefert. Es lag an den Künstlern, eine

Figur des hl. Leopold zu entwickeln, zu prägen

und Jahrhunderte hindurch am Leben zu

erhalten. Der uns geläufige Typus ist rund um

die Heiligsprechung 1485 entstanden und hat

sich dann als erstaunlich beständig erwiesen.

Leopold der Heilige auf einem Stammbaum der

Babenberger in einer Handschrift des Stiftsarchivs

Klosterneuburg.

Der Markgraf ist üblicherweise als älterer,

langhaariger und vollbärtiger Mann dargestellt.

Auf dem Kopf trägt er den Österreichischen

Erzherzogshut, in den Händen das

Modell der Stiftskirche oder die Fahne des

Landes, je nachdem, ob er eher in spiritueller

oder in staatstragender Funktion dargestellt

wird. Die gesamte Erscheinung drückt herrscherliche

Würde, Weisheit und Milde aus.

Der Grundtypus der Figur lässt sich von den

Die Attribute Erzherzogshut, Fahne und Kirchenmodell

zusammen mit der langbärtigen

Erscheinung begleiten ihn dann durch die

folgenden Jahrhunderte. In der Barockzeit

gerät er gern in Ekstase, fährt himmelwärts

oder wird von überirdischen Erscheinungen

mitgerissen, ganz wie es der kompositionelle

Schwung der Altäre erforderte.

Für die Habsburger, die wie alle großen europäischen

Herrscherhäuser bestrebt waren,

sich möglichst tief in der Geschichte verwurzelt

zu wissen, wurde Leopold besonders seit

dem 17. Jahrhundert eine Art Haus- und

Familienheiliger. Das äußerst sich unter

anderem darin, dass kaiserliche Prinzen

schaufenster / Kultur.Region / Oktober/November 2013


350 Jahre Landespatron / 8

Hl. Leopold, Maximilian Lenz,1904, Öl auf Karton (Mosaikentwurf), Stiftsmuseum Klosterneuburg,

Inv.Nr. GM 571. Foto: Michael Himml.

gerne auf den Namen Leopold getauft wurden,

nicht zuletzt Kaiser Leopold I., dem wir

die Erhebung seines Namensheiligen zum

Landespatron von Niederösterreich verdanken.

Diese Ahnenfunktion beginnt ihn nun

aber zusehends zu drücken, er wird immer

älter. Im 19. Jahrhundert hat man bei manchen

Darstellungen den Eindruck, es handele

sich bei ihm um einen zwar milden und fürsorglichen,

aber doch schon ziemlich müden

Großpapa – ganz anders als seine Kollegen

aus den anderen Kronländern: der heißblütige,

dynamische Stefan in Ungarn und der

jugendliche Märtyrer Wenzel in Böhmen.

Das „wahre“ Gesicht

Das 20. Jahrhundert sieht auf der einen Seite

Versuche, aufgrund naturwissenschaftlicher

Erkenntnisse aus Anatomie und Anthropologie

das „wahre“ Gesicht Leopolds zu rekonstruieren

– was letztlich doch wieder zu einer

idealisierten Darstellung führt. Auf der anderen

Seite erleben wir Elemente eines Historismus,

der bis dahin unbekannt war: den

bewussten Rückgriff auf die ältesten zur Verfügung

stehenden Vorlagen, die aus einer Zeit

stammen, in der das altbekannte Leopoldsbild

noch nicht ausgeprägt war.

Anlässlich des 800. Todestages des Heiligen

1936 wurde am Niederösterreichischen

Landhaus in der Herrengasse in Wien ein

Mosaik nach einem Entwurf von Leopold

Schmid angebracht, dessen Darstellung sich

auf die Glasmalereien aus den Stiften Klosterneuburg

und Heiligenkreuz zurückführen

lässt – es sind, obzwar lange nach seinem Tod

entstanden, tatsächlich die ersten bewussten

Darstellungen dieses Herrschers. Für die Initiatoren

des zeitgenössischen Kunstprojekts

2012/13 im Zuge der Ausstellung „Heiliger

Leopold – Mensch, Politiker, Landespatron“

im Landesmuseum Niederösterreich stand

außer Frage, dass die Person des Heiligen nur

lebendig bleiben kann, wenn es gelingt, weiterhin

Künstlerinnen und Künstler für sie zu

interessieren.

„Schutzgespenst“ & Filmheld

Und sie ließen sich interessieren und inspirieren

und haben der Leopolds-Ikonographie

teilweise überraschend neue und originelle

Elemente hinzugefügt: Leopold als „Schutzgespenst“,

als Filmheld oder in der antikisierenden

Toga. Die Werke, die hier entstanden

sind, so unterschiedlich sie auch sein mögen,

zeigen eines ganz deutlich: Die Kunst hält den

hl. Leopold lebendig – und das gibt Hoffnung

für die Zukunft. /

Text: Wolfgang Ch. Huber

RUND UM LEOPOLDI

———————————————————

Bis So, 26. 1. 2014

Hl. Leopold – Mensch –

Politiker – Landespatron

Öffnungszeiten:

Di–So, Fei 9.00–17.00 Uhr

In enger Kooperation mit dem Stift Klosterneuburg

wird versucht, zunächst den

Menschen Leopold III. fassbar zu machen,

was sich ohne direkte Zeugnisse als überaus

schwierig gestaltet. Alle Nachrichten,

Mythen und Legenden sind nach seinem

Tod entstanden und haben das Bild von

ihm im Laufe der Zeit überlagert. Über

eine Dokumentation der Lebensumstände

des 12. Jahrhunderts soll der Person nahe

gekommen werden.

Landesmuseum Niederösterreich

3100 St. Pölten, Kulturbezirk 5

Tel. 02742 908090

www.landesmuseum.net


So, 17. 11. 2013, 14.00 Uhr

Leopoldisingen

Zisterzienserstift Zwettl

Eintritt frei

Bereits zur Tradition geworden ist das

Leopoldisingen der niederösterreichischen

Bäuerinnensinggruppen, das diesmal

im Zisterzienserstift Zwettl erklingt.

Gemeinsam mit der Arbeitsgemeinschaft

der Bäuerinnen, Landwirtschaftskammer

Niederösterreich und der Chorszene

Niederösterreich bittet die Volkskultur

Niederösterreich am 17. November Bäuerinnensinggruppen

auf die Bühne, um das

Publikum mit geistlichen Volksliedgut zu

erfreuen, die von Herzen kommen.


Fr, 1. u. 8. 11. 2013, 16.00 Uhr

So, 3. u. 10. 11. 2013, 10.30 u. 15.00 Uhr

Es war einmal ein Schleier

Schleier liegen über der frühen Geschichte

Klosterneuburgs. Der Schleier der Agnes.

Schleier schweben über der Donau, aus

Nebelschleiern taucht das Donauweibchen

auf. Das erste Veilchen wird gefunden.

HE-LO hat drei Sagen aus dem Donauraum

für Figurentheater dramatisiert.

He-Lo Puppentheater

2100 Korneuburg, Laaer Straße 32

Tel. 02262 71774 od. 0650 4158190

eleonore@tele2.at

schaufenster / Kultur.Region / Oktober/November 2013


Nachschau / 9

Naturgartenfest & Herbstfest für Hilfe im eigenen Land

EIN FEST FÜR GÄRTEN

UND GUTE TATEN

Beim diesjährigen Naturgartenfest am 14. September standen nicht nur der Pflanzen- und

Kunsthandwerksmarkt im Mittelpunkt des Geschehens: Hilfe im eigenen Land feierte parallel

das 3. Herbstfest, eine Benefizveranstaltung für in Not geratene Familien.

Mit einer Andacht verlieh Pater Martin

Rotheneder, Stift Melk, dem Fest einen würdigen

Rahmen. Anschließend begrüßte der

Chef des Museumsdorfs und Geschäftsführer

der Kultur.Region.Niederösterreich Dr.

Edgar Niemeczek die Gäste. Landeshauptmann

Dr. Erwin Pröll sprach von einem

breiten Kulturverständnis in Niederösterreich:

„Dort wo die Kultur des Einzelnen in der

Gemeinschaft aufgeht, entsteht Kraft und

Zusammenhalt. Die Menschen spüren, dass

sie wieder für den Nächsten da sein müssen

– ganz im Sinne der Organisation Hilfe im

eigenen Land. Die Zusammenarbeit von privaten

Eigeninitiativen und Staat führt zum

Erfolg.“ Sissi Pröll, Präsidentin der Hilfsorganisation

Hilfe im eigenen Land, freute sich,

dass so viele Persönlichkeiten aus Kunst,

Politik und Wirtschaft gekommen waren,

um Hilfe im eigenen Land zu unterstützen.

Insgesamt wurden € 7.000 gesammelt. Der

Gesamterlös kommt notleidenden Familien

in ganz Österreich zugute. „Über 1800 Besucher

bestätigen eindrucksvoll wie gut der

,Natur im Garten-Schaugarten’, das Museumsdorf

sowie Musik und Tanz zusammenpassen.

Wenn ein Benefizgedanke das Fest

abrundet, freut mich das umso mehr“, so

Landeshauptmann-Stellvertreter Mag. Wolfgang

Sobotka.

Das traditionelle Volkstanzfest mit Publikumstanz,

Chöre- und Singgruppen am

Dorfplatz, Handwerksvorführungen und

Gartenführungen durch die herbstlich blühenden

und bunt gefärbten Bauerngärten

des Museumsdorfs rundeten den festlichen

Tag ab. /

Naturgartenfest im Museumsdorf: Pflanzenmarkt, Gartenführungen und jede Menge Tipps.

Foto: Dietmar Bodensteiner

Dorli Draxler, Geschäftsführerin der Volkskultur Niederösterreich, Dr. Edgar Niemeczek, Geschäftsführer der

Kultur.Region.Niederösterreich, Landtagsabgeordneter Rene Lobner, Sissi Pröll, Präsidentin Hilfe im eigenen Land,

LH Dr. Erwin Pröll, Moderatorin Barbara Stöckl, LH-Stv. Mag. Wolfgang Sobotka, Abg. z. NR. Ing. Hermann

Schultes, Militärkommandant NÖ Brigadier Mag. Rudolf Striedinger. Foto: Dietmar Bodensteiner

schaufenster / Kultur.Region / Oktober/November 2013


Haus der Regionen / 10

Bordunmusik

DAS GROSSE

BRUMMEN

Dass Bordunmusik nichts mit verstaubten Instrumenten und eintönigen Liedern zu tun hat,

beweisen im Oktober zwei Konzerte im Haus der Regionen.

SpuimaNovas, Bavarian Dancefloor im Haus der Regionen. Foto: z. V. g.

„Und i nimm mein Dudldudlsack, dudl mir

auf den ganzen Tag”, so lautet der Refrain

eines Hirtenliedes aus dem Flachgau in Salzburg.

Was ist Bordun eigentlich Damit

bezeichnet man Musik, bei der eine Melodie

von einem oder mehreren permanent durchlaufenden

Tönen begleitet wird. Der Begriff

Bordun stammt wohl von dem französischen

Wort „bourdon“ und bedeutet Hummel. Der

Bordun ist seit dem Mittelalter als Bezeichnung

für einen tiefen Brummton belegt.

Borduninstrumente sind entsprechend Instrumente,

bei denen zur Melodie ein oder

mehrere gleichbleibende Töne erklingen. In

der Regel Grundton oder Quint oder beides.

Die Drehleier sowie der Dudelsack gehören

zu den Borduninstrumenten. Während bei

der Drehleier die Tonerzeugung über ein Rad

erfolgt, welches über Melodie- und Bordunsaiten

streicht, wie bei der Geige der Bogen,

ist der Dudelsack ein Rohrblattinstrument,

schaufenster / Kultur.Region / Oktober/November 2013


Haus der Regionen / 11

bei dem über einen Windbeutel die Spielpfeife

sowie Bordunpfeifen angeblasen werden.

Beiden Instrumenten gemein sind die tiefen,

in gleichbleibender Tonhöhe mitklingenden

Bordune. Auch die Maultrommel zählt zu

den Borduninstrumenten: durch das Anzupfen

einer Metallzunge wird ein Grundton,

sprich Bordunton, erzeugt. Durch das Anlegen

am Mund, lassen sich mittels Veränderung

des Mundraumes, wie beim Pfeifen,

unterschiedliche Obertöne erzeugen, also

eine Melodie spielen. Man hat somit bei der

Maultrommel ebenfalls das den Borduninstrumenten

eigene System: Melodie plus

Bordun.

Bordunmusik in Europa

Bei Drehleier und Dudelsack denken viele

zuerst an Irland oder Schottland. Dabei

waren beide Instrumente spätestens seit dem

Mittelalter in ganz Europa verbreitet, auch im

deutschsprachigen Raum. Es gibt einige

historische Darstellungen, welche den

Gebrauch von Drehleier und Dudelsack in

Österreich und Deutschland belegen sowie

bis heute erhaltene historische Instrumente.

Diese Instrumente waren noch Ende des

18. Jahrhunderts gebräuchliche Volksmusikinstrumente

und verschwanden in Österreich

und Deutschland etwa bis Ende des 19. Jahrhunderts.

Welche Musik wurde nun in Österreich und

Deutschland auf Drehleier und Dudelsack

gespielt

Bei der Suche nach Handschriften aus dem

Mittelalter, der Renaissance sowie alten

Volksmusikhandschriften, vor allem aus dem

18. und 19. Jahrhundert, stößt man immer

wieder auf Melodien, welche mit Drehleier

und Dudelsack spielbar sind und wohl seinerzeit

auch mit Borduninstrumenten gespielt

wurden. Einige Melodien weisen sogar

durch ihre Titel wie etwa „Leirer-Tanz“

darauf hin, dass sie mit Borduninstrumenten

gespielt wurden.

Ein weiterer Hinweis darauf, wie die ländliche

Bordunmusik im 18. Jahrhundert

geklungen haben mag, ist die „Bauernhochzeit“

von Leopold Mozart, in dessen Werk

Drehleier und Polnischer Bock, also Dudelsack,

zum Einsatz kommen.

Lebendige Bordunmusik

Nachdem Dudelsack und Drehleier im

20. Jahrhundert weitgehend in Vergessenheit

geraten waren, wurden sie ab zirka der Mitte

des 20. Jahrhunderts neu entdeckt.

So begannen ein paar Pioniere, allen voran

der Altmeister des historischen Instrumentenbaus

Tibor Ehlers (1917–2001) mit dem

Bau und der Wiederverbreitung von Drehleier

und Dudelsack im Süddeutschen Raum.

Unter anderem durch zahlreiche Bordunmusik-Kurse

sowie Instrumentenbauworkshops

der letzten Jahrzehnte ist inzwischen in

Österreich und Deutschland eine lebendige

„Bordunmusikszene“ entstanden, die sich

sehen und hören lässt. Die Musik, welche

heute im deutschsprachigen Raum mit Drehleier

und Dudelsack gespielt wird, ist so vielfältig

wie ihre Spieler. Sie erstreckt sich von

traditioneller Bordunmusik aus dem deutschsprachigen

Raum sowie anderen Ländern

Europas über Alte Musik, Pagan Folk, bis hin

zu avantgardistischer Musik und Jazz.

Bagpipe & Hurdy-Gurdy

Die Experten für Bordunmusik Michael Vereno

(Dudelsack, Drehleier, Geige, Gesang)

und Rudolf Lughofer (Dudelsack, Gesang)

gemeinsam mit Werner Mayrhuber (Klarinette,

Gesang) begeben sich am 11. Oktober

im Haus der Regionen auf die Spuren der

Bordunmusik, die sogar bis in die Antike

zurück reichen, sich dann aber im geschichtlichen

Dunkel verlieren. Mit vorwiegend

österreichischem Repertoire sowie tschechisch-böhmischer

Dudelsackmusik, die bis

in die böhmische Auswanderergemeinde

Puhoi im Norden Neuseelands Verbreitung

fand, wird ein abwechslungsreicher Abend

geboten. Im Konzertprogramm wird mit fundiertem

Hintergrundwissen ein musikalischer

Bogen von der historischen Bordunmusik

bis hin zu zeitgenössischen Interpretationen

gespannt.

Gemeinsam mit den Musikern von Spuima

Novas stellt Stefan Straubinger am 18. Oktober

mit einer exotischen Mischung aus

Instrumenten ein eigenwilliges Konzertprogramm

auf die Bühne. Alte bayrische Lieder

werden in mitreißenden Ethno-Pop verwandelt.

Orientalische, brasilianische oder jazzige

Einflüsse – die Bandbreite der Interpretation

Der Dudelsack-Experte Michael Vereno. Foto: z. V. g.

ist weit gefächert. Gekonnt wird Altes mit

Neuem verbunden und dabei mit verschiedensten

Klängen experimentiert. Da stehen

Dudelsack und Drehleier neben Blockflöte

und Klarinette, das Bandoneon wird mit

Kontrabass kombiniert. E-Gitarre, Saxophon

und Perkussion machen das aufregende

Hörerlebnis komplett. /

Text: Stefan Straubinger

Bordunmusik im Haus

der Regionen

———————————————————

Fr, 11. 10. 2013, 19.30 Uhr

Die Wiederkehr des Dudelsacks –

Vereno, Lughofer, Mayrhuber

Fr, 18. 10. 2013, 19.30 Uhr

Bagpipe & Hurdy-Gurdy –

SpuimaNovas

Konzertkarten

Kat. I: VVK: EUR 16,00, AK: EUR 18,00

Kat. II: VVK: EUR 14,00, AK: EUR 16,00

Kombi-Karte für beide Konzerte

Kat. I: VVK: EUR 29,00

Kat. II: VVK: EUR 25,00

Information und Kartenbestellung

Haus der Regionen

3504 Krems-Stein, Donaulände 56

Tel. 02732 85015

ticket@volkskultureuropa.org

www.volkskultureuropa.org

Öffnungszeiten Galerie der Regionen

Di–Fr, 10.00–12.00 und 15.00–18.00 Uhr,

jeden 1. Sa im Monat 10.00–12.00 und

14.00–17.00 Uhr, an Konzerttagen bis

21.00 Uhr

schaufenster / Kultur.Region / Oktober/November 2013


Haus der Regionen / 12

Hordaland – Telemark

KLANGWELT

DES NORDENS

Im Rahmen des Norwegen-Schwerpunkts im Haus der Regionen präsentieren

zwei norwegische Duos die Musik ihres Heimatlandes.

Mit Gesang, Maultrommel und Gitarre interpretieren

die beiden Norweger wunderschöne

nordische Lieder und traditionelle Balladen

aus Jon Anders Heimatprovinz Telemark.

Die Musiker repräsentieren die stille, gedankenvolle

Seite norwegischer Volksmusik und

feierten damit bereits große Erfolge im Inund

Ausland. /

Text: Karin Graf

Jon Anders Halvorsen & Tore Bruvoll. Foto: z. V. g.

Rannveig Djønne & Annlaug Børsheim. Foto: z. V. g.

Entgegen einiger anderer europäischer Länder

besitzt Norwegen eine ungebrochene

Tradition der Volksmusik. Die Schauplätze,

an denen die Musik präsentiert wird, haben

sich jedoch im Laufe der Zeit gewandelt,

ebenso wie sich lokale Ausdrucksformen,

Variationen und Dialekte entwickelt haben.

Als traditionelle Volksmusikinstrumente

kommen am häufigsten die Fiedel oder die

Hardangerfiedel zum Einsatz. Letzteres

Instrument wird insbesondere in Südnorwegen

gespielt. Benannt ist es nach der Region

Hardanger, aus welcher auch das Duo Djønne

& Børsheim kommt, deren Musik eine sensible

Mischung aus traditioneller Volksmusik

der Westküste Norwegens und Eigenkompositionen

ist. Den beiden Musikerinnen gelingt

der Spagat zwischen moderner Komplexität

und traditioneller Geradlinigkeit wie kaum

einem anderen skandinavischen Duo. Rannveig

Djønne unterlegt mit ihrem diatonischen

Akkordeon die Stücke mit abwechslungsreichen

Harmonien und zarten Melodieparallelen,

während Annlaug Børsheim in virtuoser

Weise mit Hardangerfiedel oder Gitarre

darauf aufbaut und gefühlvoll dazu singt.

Nordlichter

Den zweiten Konzertabend im Haus der

Regionen gestaltet das norwegische Duo Halvorsen

& Bruvoll. Jon Anders Halvorsen ist

ein musikalischer Zauberer, der es versteht,

die alten norwegischen Balladen und Lieder

so zu erzählen, dass man sie emotional miterlebt.

Begleitet wird er vom Gitarristen Tore

Bruvoll, der bereits in seinen jungen Jahren

einen ganz eigenen, gleichermaßen einfühlsamen

wie innovativen Gitarrenstil entwickelte.

Sein sparsames, punktgenaues Spiel

imitiert den Stil der norwegischen Zither

Langeleik ebenso wie den Blues des Mississippi-Deltas.

Im Wechselspiel zwischen

schlichter und experimenteller Balladenbegleitung

blüht Jon Anders Halvorsens Solo-

Stimme auf.

NORWEGEN /

Hordaland – Telemark

IM HAUS DER REGIONEN

———————————————————

Do, 21. 11. 2013, 19.30 Uhr

Klangwelt des Nordens

Djønne & Børsheim

Fr, 29. 11. 2013, 19.30 Uhr

Nordlichter

Halvorsen & Bruvoll

Konzertkarten

Kat. I: VVK: EUR 16,00, AK: EUR 18,00

Kat. II: VVK: EUR 14,00, AK: EUR 16,00

Kombi-Karte für beide Konzerte

Kat. I: VVK: EUR 29,00

Kat. II: VVK: EUR 25,00

Tipp: Genießen Sie vor den Konzerten

ab 17.30 Uhr ein dreigängiges Menü im

Restaurant Blauenstein inkl. Konzerteintritt

um insgesamt EUR 34,00.

Information und Kartenbestellung

Haus der Regionen

3504 Krems-Stein, Donaulände 56

Tel. 02732 85015

ticket@volkskultureuropa.org

www.volkskultureuropa.org

schaufenster / Kultur.Region / Oktober/November 2013


Haus der Regionen / 13

Glauben finden

Kremser Kamingespräche

SELBERMACHEN

Die Lust am Selbermachen und der Drang

zur Individualisierung scheinen auch vor

dem Glauben nicht halt zu machen: Im

November betrachten Abt Matthäus Nimmervoll

und Sissi Pröll, Präsidentin des Vereins

„Hilfe im eigenen Land – Katastrophenhilfe

Österreich“, das Thema Selbermachen

aus einer religiösen Perspektive und diskutieren

über „selbstgestrickte“ Lebensmodelle.

Die Kremser Kamingespräche gehen in die nächste Runde und

sorgen wieder für viel Gesprächsstoff.

Foto: kollektiv fischa

Foto: Sissi Furgler

Foto: Harald Schmid

Foto: z. V. g.

Angesichts der Pluralisierung der religiösen

Angebote können Menschen heute aus

unterschiedlichen Traditionen wählen und

sich ihre persönliche Religion beziehungsweise

Lebensmodelle zusammenstellen. Die

Kirchen finden sich als Angebote im Supermarkt

der Religionen, Philosophien und

Weltanschauungen wieder. Inwiefern lassen

sich Religionen in einzelne Fragmente zerlegen

Verändert sich der Glaube angesichts

der gesellschaftlichen Entwicklung hin zu

Individualisierung Lässt sich vor diesem

Hintergrund eine eigene Glaubensposition

finden Diesen und ähnlichen Fragen gehen

die Kremser Kamingespräche im Herbst/

Winter 2013/14 nach. /

Text: Karin Graf

Thomas Geisler MAS, Dr. Eva Kreissl.

Prälat Abt Mag. Matthäus Nimmervoll, Elisabeth Pröll.

Im Fokus der aktuellen Staffel stehen Vielfalt

und Relevanz des Selbermach-Prinzips in

Geschichte und Gegenwart. Wie üblich widmen

sich acht Persönlichkeiten in vier

Gesprächsrunden dem Generalthema.

Was vor nicht allzu langer Zeit noch als altmodisch

und rückständig galt, ist heute zur

Lebensmaxime vieler geworden: selbst Hand

anzulegen, ganz nach dem Motto „Do it

yourself “. Als Gegenbewegung zum Dogma

von Wachstum und passivem Konsum

gewinnt in vielen Bereichen unseres Lebens

das Phänomen Selbermachen an Bedeutung.

Welche Motive stecken hinter dem Erfindungsreichtum:

Ist es Mangel, Neugierde,

Protest oder Ausdruck von Kreativität und

Individualität Evoziert die Fortschrittlichkeit

unserer Gesellschaft ein Verlangen nach

mehr Autonomie

Lebensstil wählen

Zum Start der 15. Staffel der Kremser Kamingespräche

diskutieren Thomas Geisler

(Kustode Sammlung Design, Österreichisches

Museum für angewandte Kunst/

Gegenwartskunst) und Eva Kreissl (Kuratorin

Universalmuseum Joanneum) über

unterschiedliche Lebensstile und die Kultur

des Selbermachens.

Was früher Gebot der Not war, ist heute Ausdruck

eines alternativen oder vielleicht sogar

nachhaltigen Lebensstils – Dinge des täglichen

Bedarfs werden wieder selber hergestellt.

Immer mehr Menschen finden Gefallen

daran, Dingen ihren individuellen Stempel

aufzudrücken, der letztendlich einen

ideellen, einen symbolischen Mehrwert darzustellen

scheint. Ist dieser neue Lebensstil

als Gegenbewegung zum Massenkonsum zu

verstehen Leidet die Moderne an der

geschaffenen Perfektion des Industriellen

Warum dilettieren immer mehr Menschen

in Bereichen, die Professionalisten vermeintlich

besser und schneller und manchmal

auch günstiger bearbeiten könnten Gibt es

auch eine Kehrseite der Kultur des Selbermachens

KREMSER

KAMINGESPRÄCHE

———————————————————

Mi, 9. 10. 2013, 18.00 Uhr

Lebensstil wählen

Thomas Geisler MAS, Dr. Eva Kreissl

Mi, 13. 11. 2013, 18.00 Uhr

Glauben finden

Prälat Abt Mag. Matthäus Nimmervoll,

Elisabeth Pröll

Mi, 11. 12. 2013, 18.00 Uhr

Regeln schaffen

Dr. Barbara Kolm,

Mag. Dr. Stephan Schulmeister

Mi, 8. 1. 2014, 18.00 Uhr

Talente fördern

HR Hermann Helm, Prof. Beatrix Konicek

Eintritt frei, Anmeldung erbeten!

_

Haus der Regionen

3504 Krems-Stein, Donaulände 56

Tel. 02732 85015

www.volkskultureuropa.org

schaufenster / Kultur.Region / Oktober/November 2013


Volkskultur / 14

Rund um die Musik

LIEDER IM VOLKSTON

Von höfischen Liedern, Spielleuten und Meistersingerschulen

bis zur Volksliedpflege.

sowie die Schilderung eines Bauerntanzes,

wobei die Bauern zu ihrem eigenen Gesang

tanzten. Daneben gab es Heldensänger, die

allein oder zu zweit auftraten und ihre Erzählungen

mit Saiteninstrumenten begleiteten.

Das in diesem Zusammenhang immer wieder

zitierte Nibelungenlied ist aufführungstechnisch

schwierig einzuordnen. Sicher gab

es neben dem höfischen Vortrag der geschriebenen

(gedichteten) Fassung auch Heldensänger,

die diesen und andere Sagenstoffe

auswendig, oder den Text im Augenblick

erfindend, darboten.

Niederösterreich „war ein Land, das von

Volkslied und Volksmusik geradezu überquoll,

in dem man einfach viel und gern sang

und musizierte“, stellte Leopold Schmidt in

seiner „Volkskunde von Niederösterreich“

fest. „Das alte Liedgut war in hohem Ausmaß

in das Jahres- und Lebensbrauchtum eingeordnet

(…) im dauernden Wandel, nach den

wechselnden geschichtlichen Bedingungen.“

Im höfischen Bereich pflegten die Babenberger

Lieder und Tänze. Bekannt sind Mai- und

Bauerntanz.

Sonnwendreigen, doch gab es wohl schon um

die erste Jahrtausendwende auch andere

„liedverwandte Stücke“. Nach dem Tod Herzog

Leopold VI. (1176–1230) klagten die

Wiener: „Wer singet uns nu vor zu Wienn auf

dem chor (…) Wer singet uns nu raien, wer

zieret uns nu die maien“ Im volksmusikalischen

Bereich haben wir fast keine schriftlichen

Quellen, die ersten sind Geißlerlieder

(Hugo von Reutlingen, 1349), Lieder vom

Kindelwiegen (ab 1350), einzelne Gesänge

der Sammlung des „Mönch von Salzburg“

Keinesfalls dürfen die Spielleute vergessen

werden, die vor Bauern, Kleinbürgern und

Handwerkern aufspielten und ihre Lieder

sangen oder als sogenannte „bekannte Spielleute“

am Hof und im kirchlichen Bereich

tätig waren. Interessant ist auch, dass unter

den geistlichen und weltlichen Musikdokumenten

des Mittelalters der Großteil der

Melodien Textunterlegungen hat. Daraus

kann man ableiten, wie wichtig das Singen im

Mittelalter war. Instrumentale Tanzmusik ist,

in wenigen Einzelfällen, erst ab 1400 dokumentiert.

Bis zum 16. Jahrhundert blieben die Quellen

spärlich. Das änderte sich durch die Erfindung

des Buchdrucks mit beweglichen

Metalllettern (Johannes Gutenberg, Mainz,

um 1450). In Niederösterreich richtete der

Geistliche Myllius (Müller) 1521 in Schrattenthal

eine Druckerei ein. Er verfasste,

druckte und verlegte geistliche Gesänge in

der Mentalität des Mittelalters. Eine weitere

Zäsur brauchte die Reformation (Martin

Luther, Wittenberg, 1517). Um 1570 waren

schaufenster / Kultur.Region / Oktober/November 2013


Volkskultur / 15

mehr als drei Viertel der Bewohner Niederösterreichs

evangelisch. Seit den 16. Jahrhundert

sind gedruckte Ansingelieder bekannt,

mit denen arme Schüler zu Terminen wie

Weihnachten, Neujahr und Dreikönig heischen

gingen. „Vielfach scheinen derartige

Umzugs- und Singbräuche Einführungen der

protestantischen Schulmeister gewesen zu

sein“, schreibt Schmidt. Auch der deutsche

Kirchengesang gewann an Bedeutung. Die

Ausführung dürfte aber nicht sehr ansprechend

gewesen sein. In einem Bericht von

1579 heißt es polemisch, die Kirchenbesucher

von St. Veit an der Triesting schrien und

brüllten so entsetzlich, dass den Priester

Furcht, Zittern und Entsetzen befiel.

Mit der Ausweisung der evangelischen Prediger

und Lehrer durch Kaiser Ferdinand II.

(1578–1637) im Jahr 1627 erreichte die

Gegenreformation einen Höhepunkt. Alle

Meistersingerschulen wurden geschlossen.

Neue, katholische Lieder waren gefragt. 1648

erschien das große Gesangbuch „Geistliche

Nachtigal der Catholischen Teutschen“.

Herausgeber, zum Teil auch Dichter und

Komponist, war David Gregor Corner (1585–

1648), Abt des Benediktinerklosters Göttweig

und Rektor der Universität Wien. René Clemencic,

der mit seinem Ensemble eine CD

mit Corners Weihnachtsliedern aufgenommen

hat, schreibt: „Von der Macht und Zauberkraft

der guten Musik zutiefst überzeugt,

war Corner sicher, die katholischen Christen

durch diese Weisen und Worte im rechten

Glauben zu stärken und zu erhalten. Für

seine Auswahl hat er nahezu alle in seiner

Zeit verfügbaren katholischen Gesangbücher

verwendet.“ Die Wirkung war beträchtlich.

Das Medium der Flugblattdrucke, oft generationenlang

vom selben Satz hergestellt, erwies

sich ebenfalls als breitenwirksam. Leopold

Schmidt spricht von einer „Barockisierung

des Volksgesanges durch das Flugblattlied“.

Auch das weltliche Volkslied des 18. und

19. Jahrhunderts wurde durch Flugblätter

verbreitet. Neben sentimentalen Liedern wie

„Ich hab’ ein kleines Hüttchen nur“ beeinflussten

Theaterlieder den Volksgesang. „So

leb’ denn wohl, du stilles Haus“ aus Ferdinand

Raimunds Zauberspiel „Der Alpenkönig und

der Menschenfeind“ (Musik: Wenzel Müller,

1828) zählt zu den populärsten „volksbekannten

Kunstliedern“. Auch das Mundartlied

war in der Wiener Spätromantik beliebt.

Anerkannte Poeten und Gelegenheitsdichter

begannen, sich dem „Volkston“ zu nähern. Es

war die Zeit der Entdeckung der Alpen, der

Alm-, Jäger- und Wildschützenlieder. Zum

„Eigenwuchs des Landes“ zählt Schmidt u. a.

bergbäuerliche Lieder des Südens, Jodlerlieder

des Schneeberggebietes, Landlerlieder

des Mostviertels sowie ländliche Parodien

und Spottlieder.

Im ausgehenden 18. und mehr noch im

19. Jahrhundert, setzte die städtisch-bürgerliche

Volksliedpflege ein, die zu traditionellen

Überlieferungen neue Liedarten hinzufügte.

1837 bemerkte der Schriftsteller und Literaturkritiker

Ignaz Jeitteles (1783–1843): „Der

eigentliche Charakter dieser Volksmelodien

wurde meistens von jenen, die sie sammelten,

verwischt, weil sie bessern und angeblich

veredeln wollten, statt die Töne, wie sie der

wandernde Musikant spielte oder die Bauerndirne

sang, genau und unverändert niederzuschreiben.“

„Wie von selbst ergab sich eine vom Städter

beabsichtigte Spiegelung des Landlebens in

den ,Liedern im Volkston‘, die der bürgerliche

Dichter und Komponist im naturnahen

Auf, auf zum fröhlichen Jagen.

Schwärmen für ,Land und Leute‘, für die

,Lieder zur Laute‘ und für den vielerorts entstehenden

Männerchor schuf. So begann am

Ende des 18. Jahrhunderts eine Produktionswelle

volkstümlicher Liedgattungen, die bis

in die Gegenwart anhält“, schreiben die

Musikethnologen Walter Deutsch und Gerlinde

Haid. Und weiter: „Im Gegensatz zum

volkstümlichen Lied, dessen Kennzeichen es

ist, größte ,Popularität‘ zu erreichen, ist das

Volkslied regional gebunden und erreicht in

den seltensten Fällen eine größere Verbreitung.“

/

Text: Helga Maria Wolf

Illustrationen: Magdalena Steiner

Verwendete Literatur:

René Clemencic: „Weihnachts- und Hirtenmusik

aus dem alten Österreich“, CD, Wien 2001

Walter Deutsch, Gerlinde Haid, Herbert Zeman:

„Das Volkslied in Österreich“, Wien 1993

Gerhard Kilger (Hg.): „Musik als Glück und Nutzen

für das Leben“, Katalog zur Ausstellung „macht

musik“, Köln 2005

Leopold Schmidt: „Volkskunde von Niederösterreich“,

Horn 1972

schaufenster / Kultur.Region / Oktober/November 2013


Kulturpreise des Landes Niederösterreich / 16

Volkskultur und Kulturinitiativen

NACH DREI

JAHREN „URALT“

Die Ethnologin, Journalistin und Autorin für „Schaufenster Kultur.Region“ Helga Maria Wolf

erhält den Würdigungspreis des Landes Niederösterreich für Volkskultur und Kulturinitiativen.

Helga Maria Wolf. Foto: Helmut Lackinger

Sie erklärt uns Bräuche, geduldig und immer

mit Enthusiasmus, Jahr für Jahr: vom Fasslrutschen

bis zum Osterhasen, vom Peitschenknallen

über Halloween bis zum Mittelalterrevival.

Schon der Großvater war Sammler

und Mundartdichter, der Vater, Druckereibesitzer,

war 33 Jahre Leiter des Bezirksmuseums

Alsergrund. „Das Interesse für die

Volkskultur habe ich schon mit der Vatermilch

mitbekommen“, sagt Prof. Wolf, eine

zarte Dame, die in ihrem Salon sitzt, wo die

Bücher bis zum Plafond der Wiener Wohnung

reichen.

Ihr Studium – damals hieß es noch Institut

für Volkskunde – absolvierte sie unter Prof.

Helmut Fielhauer, der mit modernen Ansätzen

frischen Wind und radikalen Aufbruch

in die vom Nationalsozialismus kontaminierte

Wissenschaft brachte. Das war die Zeit,

in der „oral history“ aufkam, die Geschichte

von unten. Parallel zum Studium arbeitete sie

in der väterlichen Druckerei. Und von dort

war der Schritt zum Journalismus nicht weit.

Helga Maria Wolf schrieb für „Die Presse“

und wechselte danach in die ORF Landesstudios

Wien und Niederösterreich. „So bin ich

eine berufliche Zweitwohnsitzerin in Niederösterreich

geworden.“

„Das lässt sich kaum ausrotten“

Die Volkskunde und der Journalismus hätten

einen ähnlichen Zugang, räsoniert Wolf, in

beidem müsse man auf Menschen zugehen

und neugierig sein. Sie hat für den ORF jahrelang

die Sendung „Ins Land einischaun“

gemacht. Wichtig dabei ist ihr, bei Bräuchen

und Festen mit den Vorurteilen „uralt“,

„mythisch“, „keltisch“ und „germanisch“ aufzuräumen.

„Das lässt sich kaum ausrotten.

Gerade heute erlebt das wieder Hochkonjunktur.“

Warum

„Einerseits können sich durch das Internet

falsche Vorstellungen explosionsartig verbreiten.

In der öffentlichen Meinung gilt ,uralt‘

als Qualitätsmerkmal. Manche meinen, nach

zwei Jahren ist etwas ein Brauch, nach drei

Jahren ein uralter. Dabei hat schon Professor

Károly Gaál uns Studierenden eingeschärft:

,Uralt ist ein Weinbrand‘.“ Für Helga Maria

Wolf gilt der Grundsatz, dass Volkskunde zu

sehen hat, was ist, und nicht zu bewerten. So

hält sie es als freischaffende Autorin bis heute.

Einerseits für das österreichische Wissensnetz

im Internet, dem „Austria Forum“

(www.austria-forum.org), oder im „Schaufenster

Kultur.Region“ (siehe vorangehende

Doppelseite).

Eine Lücke füllen

Jahr um Jahr wird bei ihr angefragt, warum es

Osterhasen gibt. Da füllt sie eine Lücke. Denn

das Institut für Europäische Ethnologie (ehemals

Volkskunde) geht in eine andere Richtung.

„Da will sich niemand mit dem Osterhasen

beschäftigen. Also mache ich es.“ So

entstanden ihre zahlreichen Bücher wie „Das

neue BrauchBuch“ (Öst. Kunst- und Kulturverlag,

2000) oder „Österreichische Feste &

Bräuche“ (NP-Verlag, 2003). Im kommenden

Jahr erscheint ihr Buch über Wiener Bräuche.

„Ein kleiner Stachel bleibt“, sagt Helga Maria

Wolf: „Was wäre gewesen, wenn ich in der

Wissenschaft geblieben wäre“ Wir können

das beantworten, geschätzte Frau Wolf: Wer

würde uns dann Fasslrutschen, Peitschenknallen

und Halloween erklären /

Text: Mella Waldstein

schaufenster / Kultur.Region / Oktober/November 2013


Kulturpreise des Landes Niederösterreich / 17

Volkskultur und Kulturinitiativen

GELEBTE

VOLKSKULTUR

Volkskultur und Kulturinitiativen

MÄDELS AUF

DIE BÜHNE

Die Familienmusik Zehetner zeichnet sich vor

allem durch unglaubliche Virtuosität, schwungvollen

Stil und eine gewisse Leichtigkeit aus.

Pink noise begleitet Mädchen auf

den Weg zur Bühne und stärkt sie abseits

von Klischees.

Die Familienmusik Zehetner stammt aus St. Georgen am Ybbsfeld,

einem idyllischen Ort im Mostviertel. Musik und das gemeinsame

Musizieren in der Familie und mit Freunden spielte im Leben von

Vater Alois Zehetner bereits in seiner Kindheit und Jugend eine bedeutende

Rolle. Diese Liebe für traditionelle, authentische Volksmusik gab

er später auch an seine Kinder weiter. Ende der 1980er Jahre begleiteten

die beiden Töchter Elfi und Maria ihren Vater zur Abschlussveranstaltung

eines Hackbrettkurses. Sie waren von den aufgeführten

Stücken so begeistert, dass sie das Instrument gleich selbst erlernten.

Alois Zehetner begleitete auf der Gitarre und Schwester Elisabeth

komplettierte vorerst die Familienmusik mit dem Kontrabass. Schließlich

stießen auch die jüngeren Geschwister Alois und Michaela zum

Ensemble hinzu, beide sind Könner an der Geige. Und so treten die

„Zehetners“ seit etwa zehn Jahren auch als Geigenmusi mit zwei bis

drei Geigen, Steirischer Harmonika, Gitarre, Harfe und Kontrabass

auf. Es ist vor allem die traditionelle, alpenländische Volksmusik, die

ihnen am Herzen liegt. Mehrfach waren sie beim Niederösterreichischen

Volksmusikfestival aufhOHRchen zu Gast, genauso wie bei

Aufnahmen für Sepp Forchers „Klingendes Österreich“, für den Fernsehfrühschoppen

oder zahlreiche Radiosendungen wie „aufhOHRchen

auf Radio Niederösterreich“. Die Familienmusik Zehetner zeichnet

sich vor allem durch unglaubliche Virtuosität, schwungvollen Stil

und eine gewisse Leichtigkeit aus. Sie begeistern in den unterschiedlichsten

Besetzungen. Hausmusik, Tanzmusik, Saitenmusik, Geigenmusik

oder Stubenmusik – all diese Bezeichnungen passen zur Familienmusik

Zehetner. /

Foto: Helmut Lackinger

Mädchen finden nur wenige

weibliche Vorbilder in der

Kunst, die nicht idealisiert und/

oder stark sexualisiert sind. Es

fehlen role models, die nahe

und natürlich genug sind, um

für das Leben ganz normaler

Personen eine Bedeutung zu

bekommen. Hier setzt die

Arbeit von pink noise an. Mädchen

und junge Frauen sollen in

ihren künstlerischen Fähigkeiten

bestärkt werden und in dem

Willen, Ziele zu formulieren

und umzusetzen. Musik eignet

sich dafür hervorragend. Jedoch bietet die Branche zu wenig Angebote.

So entstand das Girls Rock Camp (GRC) als Projekt des Vereins pink

noise. Und das bedeutet: Mädels auf die Bühne! Zugleich geht es um

einen größeren popkulturellen Kontext, definiert durch die Eckpunkte

Musik, Comic, Film und Medien. Eine Woche lang arbeiten die Teilnehmerinnen

intensiv an unterschiedlichen Themen, mit Bandcoaching-Einheiten

als Kernstück. Sie formieren sich zu Bands, proben

gemeinsam, Songs entstehen und werden auf die Bühne gebracht. Die

Gruppendynamik und der Umgang miteinander ist dabei ebenso

wichtig wie die Musik. Was ist eine Band Wie ist es, gemeinsam auf

der Bühne zu stehen Wie funktioniert die Technik Kabel, Monitore,

Mischpult

pink noise organisiert diese intensive Woche der Auseinandersetzung

mit Musik und sich selber seit 2011. Die Idee kommt wie vieles im Pop-

Kontext aus den USA und wurde in den frühen 2000ern erstmals in

Portland umgesetzt. Inzwischen gibt es die European GRC-Alliance

mit Dependancen in 45 Ländern und dem Ziel, GRC weltweit zu initiieren.

Die wahre Herausforderung: Bei jeder künstlerischer Aktivität

soll die Person mit ihren Fähigkeiten bewertet werden. Und nicht das

Geschlecht. /

Text: Josef Schick

Foto: Helmut Lackinger

schaufenster / Kultur.Region / Oktober/November 2013


Musikschulen / 18

Kindergarten

MIT MUSIK

DURCHS JAHR

Kooperationen von Musikschulen und Kindergärten bereichern beide Institutionen

und bestärken die musikalischen Fähigkeiten der Kinder. Für dieses Jahr wurde

das Thema „Musik im Jahreskreis“ gewählt.

Im Landeskindergarten Breitenwaida wird musikalisch mit Gartenschläuchen experimentiert. Foto: z. V. g.

Die Frage nach der Notwendigkeit von Kooperationen

zwischen Musikschule und Kindergarten

bzw. zwischen Musikschule und

allgemeinbildender Schule wird oft sehr einseitig

gesehen und beantwortet. Pressemeldungen

wie „Musikschulen fürchten um

Nachwuchs“, die die Sorge der Musikschule

angesichts des Ausbaus ganztägiger Schulformen

und sinkender Schülerzahlen ausdrücken,

werden immer häufiger. Doch ist es

wirklich nur die Sorge um den zukünftigen

Musikschulnachwuchs, die die Musikschulen

veranlassen sollten, die Zusammenarbeit mit

anderen Bildungsinstitutionen zu suchen

Natürlich bieten Kooperationen die Chance,

mehr Kinder zu erreichen. Wird aber die

Musikschule als gleichberechtigter Bildungspartner

gesehen, eröffnen sich andere Sichtweisen.

Kinder brauchen Musik, Spiel und

Tanz als ganzheitliches Bildungsangebot in

der kindlichen Erziehung.

Musische Bildung muss als eine der wichtigsten

Erziehungsbereiche für junge Menschen

gesehen werden, um neue Ausdrucksmöglichkeiten

für ihre Talente und Begabungen

zu erfahren. Lange Zeit wurde diese

Erziehung ausschließlich in die Hände der

Familie und des Elternhauses gelegt. Natürlich

obliegt es dem Elternhaus, den Grundstein

für soziale und kulturelle Bildung zu

legen. Werden jedoch auch Kindergarten,

Schule und Musikschule miteinbezogen,

kann eine weit größere und breitere Wirkung

erzielt werden. Musik, Spiel und Tanz sind

aber nicht nur unter entwicklungspsychologischen

Aspekten wichtig, sondern auch als

kultureller Baustein von großem Stellenwert.

Es geht darum, Kindern die Möglichkeit zu

bieten, sich Kunst und Kultur zu nähern und

sich kulturell zu betätigen. Nur wenn Kinder

an Kunst und Kultur herangeführt werden,

können sie auch die Werte unseres kulturellen

Erbes als Bereicherung ihres eigenen

Lebens erkennen. Musische Bildung muss

spätestens im Kindergarten beginnen, um

Kinder in die kulturelle Umwelt einzuführen

und einzubetten.

Entwicklungspsychologische

Grundlagen

In der Debatte über die Gewichtung von

Anlagen und Umwelt muss sinnvoll gefragt

werden, welcher Anteil an Fähigkeits- und

Merkmalsunterschieden in einer Population

auf Unterschiede in den Erbanlagen und in

der Entwicklungsumwelt zurückführbar sind.

Die Qualität der Wechselwirkungen zwischen

Anlage- und Umweltfaktoren scheint entscheidend

für eine optimale Entwicklung des

Kindes zu sein. Natürlich spielt das familiäre

Umfeld für die musikalische Sozialisation

schaufenster / Kultur.Region / Oktober/November 2013


Musikschulen / 19

und Entwicklung eines Kindes eine entscheidende

Rolle, aber nicht zu unterschätzen sind

weitere Sozialisationsinstanzen wie Kindergartenpädagogen,

Lehrer, Erzieher und in

späterer Folge die Gruppe der Gleichaltrigen

und die Medien.

Durch die Bildung und Förderung eines Verständnisses

und Umgangs mit Musik werden

einerseits die Bereiche Kognition, Motorik

und Sprache weiterentwickelt und vertieft,

andererseits wäre der Aufbau musikalischer

Fähigkeiten ohne ein kognitives, sprachliches

und soziales Repertoire nicht möglich. Bei

Vorschulkindern liegen in der Regel große

Unterschiede in den entwicklungspsychologischen

Kategorien wie musikalische, motorische,

kognitive und sprachliche Fähigkeiten,

Sozialverhalten und Kommunikationsfähigkeiten

sowie Spielverhalten vor. Diesem

Umstand ist bei der musikalischen Arbeit mit

dieser Zielgruppe Rechnung zu tragen.

Workshops 2011/12

Bereits im Schuljahr 2011/12 wurden in den

Landeskindergärten Robert-Löffler-Straße

Hollabrunn und Breitenwaida zwei Kooperationsprojekte

mit der Walter-Lehner-Musikschule

Hollabrunn durchgeführt. In beiden

Kindergärten waren als Zielgruppe die Kinder

aller Kindergartengruppen definiert.

Konzepterstellung und Organisationstätigkeiten

wurden von Silvia Reiß, Instrumentalpädagogin

für Violine und Blockflöte an der

Musikschule Hollabrunn, übernommen.

Wesentlich war dabei die enge Zusammenarbeit

mit den Kindergartenpädagoginnen beider

Kindergärten. Durchgeführt wurden die

Workshops von Lehrern und Schülern der

Musikschule Hollabrunn.

Das Ziel der Projekte war nicht, den Musikschulunterricht

zu ersetzen, sondern die

musikalischen Angebote des Kindergartens

zu bereichern. Das Hauptanliegen war das

Herstellen von Zugänglichkeit durch eigenes

Tun und musikalisches Experimentieren. Die

Evaluierung der ersten Projekte zeigte großen

Erfolg und stellte unter Beweis, dass die

Beschäftigung mit Musik einen hohen Stellenwert

im Kindergarten hat. Die Workshops

wurden sowohl von den Kindern als auch

den anderen Akteuren (Eltern, Kindergartenpädagogen)

positiv aufgenommen.

Im Landeskindergarten Robert-Löffler-Straße, Hollabrunn. Foto: z. V. g.

Kindergartenjahr 2013/14

Aufgrund der positiven Erfahrung und der

Begeisterung der Kinder in den ersten Projekten

gab es auch im Kindergartenjahr

2012/13 einen gemeinsamen musikalischen

Schwerpunkt – das Theaterstück „Regenbogenfisch,

komm hilf mir“ wurde instrumental,

rhythmisch, gesanglich und kreativ von

Musikschul-Partnern begleitet.

Eine weiterführende Kooperation wird während

des gesamten Kindergartenjahres

2013/14 stattfinden. Ausgehend vom Projektthema

„Musik im Jahreskreis“ sollen die

musikalischen Fähigkeiten der Kindergartenkinder

positiv beeinflusst und weiterentwickelt

werden. Durch das außermusikalische,

übergeordnete Thema wird in der musikalischen

Arbeit der rote Faden gewährleistet

und inhaltlich an den Jahreskreis im

Kindergarten angeknüpft. Das Projekt wird

von verschiedenen Musikschullehrerinnen

durchgeführt, um ein breites Spektrum musikalischer

Erscheinungsformen anbieten zu

können. Als Abschluss des Projektjahres wird

unter Einbeziehung der Eltern eine gemeinsame

Veranstaltung geplant.

Besonders anzumerken ist nochmals, dass

dieses Projekt den Musikschulunterricht

nicht ersetzen kann und soll. Während sich in

der Nutzung von Musikschule und außerschulischen

kulturellen Angeboten eine soziale

Selektion zeigt, werden durch die musische

Bildung im Kindergarten alle Kinder erreicht.

Übergeordnetes Ziel dieser Kooperation zwischen

Musikschule und Kindergarten ist die

musische Bildung für Kinder im letzten Kindergartenjahr,

wobei im Kindergartenalltag

eine größtmögliche Kontinuität in der Arbeit

bei größtmöglicher Flexibilität in der Zusammenarbeit

mit den Kindergartenpädagoginnen

gegeben sein muss. /

Text: Silvia Reiß

schaufenster / Kultur.Region / Oktober/November 2013


Chorszene Niederösterreich / 20

Interview

KNABENCHOR IST

DIE KÖNIGSDISZIPLIN

Markus Pfandler-Pöcksteiner, Komponist und Chorleiter der Altenburger Sängerknaben

im Gespräch über Kafka, Komposition und Knabenchöre.

Markus Pfandler an der Orgel der Stiftskirche von Altenburg. Foto: Dieter Schewig

Markus Pfandler-Pöcksteiner, geboren 1979

in Zwettl, studierte Katholische Kirchenmusik

und Gesangspädagogik an der Universität

für Musik und darstellende Kunst in

Wien. Er gründete während des Studiums

den Kammerchor „studiovocale“, ist als

Komponist tätig und seit 2005 Chorleiter

der Altenburger Sängerknaben sowie in der

Ausbildung zum Psychotherapeuten.

Wie haben Sie zur Musik gefunden

Markus Pfandler-Pöcksteiner: Der Weg

zur Musik kam über die Kirchenmusik. Als

Kind wollte ich eigentlich im Kirchenchor

singen und kam dann aber auf Empfehlung

des Chorleiters in Gmünd zuerst zur Orgel.

Das Übernehmen einer Rolle in der Gemeinschaft,

besonders als Kind, hat mir gefallen.

Auch die Liturgie hat mir entsprochen. Sie

ist ein Gesamtkunstwerk.

Warum Kirchenmusik

MPP: Das schöne an Kirchenmusik ist, dass

sie keine „Behübschung“, sondern integraler

Bestandteil einer Handlung ist und eine Funktion

hat. Denn wo singen wir sonst Gerade

bei einem Geburtstag wird ein „Happy Birthday“

angestimmt, bei sportlichen Ereignissen

wird gesungen, aber ansonsten konsumieren

wir Gesang und Musik zumeist in Form von

Konzerten oder als Hintergrundbeschallung.

schaufenster / Kultur.Region / Oktober/November 2013


Chorszene Niederösterreich / 21

Sie sind Komponist und schreiben

Auftragswerke. Wie läuft der Prozess

MPP: Meist läuft das so, dass man z. B. von

einem Streichquartett, einem Chor oder

einer Kollegin, einem Kollegen für ein Stück

angefragt wird. Im Gespräch findet man

heraus, ob man für das Projekt „zusammenpasst“

und steckt einen zeitlichen Rahmen

ab. Meist inspirieren mich die Auftraggeber

selbst, wie sie über das gewünschte Stück

reden, was sie sich von ihm wünschen.

Komponieren ist für mich die Sucht, die

eigene Musik durch andere aufgeführt zu

erleben. Nur fallweise schreibt man Stücke

für die Schublade, von denen man hofft,

dass sie aufgeführt werden. Natürlich ist die

Schublade trotzdem voll.

Arbeiten Sie aktuell an einem Auftrag

MPP: Da gibt es ein Projekt für ein szenisches

Stück über eine Episode aus dem

Leben Franz Kafkas. Kafka hat sich, nachdem

zwei andere Frauen den Vorschlag

zuvor abgelehnt hatten, mit einer von ihm

stark verehrten Frau – Milena Jesenská – in

Gmünd getroffen,. Sie kam aus Wien, er aus

Prag und sie trafen sich auf halbem Weg, am

Bahnhof Gmünd – heute Česke Velenice –

und haben eine Nacht miteinander verbracht.

Diese wird von beiden ganz unterschiedlich

beschrieben. Ich habe durch

Zufall von der Geschichte erfahren und den

aus Gmünd stammenden Autor Thomas

Sautner kontaktiert. Wir haben einen Kaffee

getrunken und gefunden, dass das ein

Wahnsinnsstoff für eine Kammeroper wäre.

Die Altenburger Sängerknaben …

MPP: … das sind 34 Buben zwischen fünfter

und zwölfter Schulstufe. Es gibt in Österreich

vier Klöster mit Sängerknaben, wobei Altenburg

die einzige Institution ist, wo die vierzehntägige

Gestaltung der Liturgie die Hauptaufgabe

der Sängerknaben ist. Außerdem

fahren wir jährlich auf Konzertreise. Unser

Chor hat ein großes Repertoire – in der Kirchenmusik

können wir schließlich auf 2000

Jahre Repertoire zurückgreifen. Auch haben

mich die Burschen schon gefragt, ob wie in

diesem Jahr „eh wieder Gregorianik machen“,

was mich sehr gefreut hat. In Altenburg ist es

Tradition, dass die Chorleiter Stücke schreiben.

Insgesamt haben alle Chorleiter vom Stift

an die 900 Stücke geschrieben, ich davon

knappe 300. Eine Auswahl davon wird als

„Altenburger Chorhefte“ vom Pastoralamt

und dem Kirchenmusikreferat der Diözese

St. Pölten herausgegeben.

Worin liegt die Herausforderung, einen

Knabenchor zu leiten

MPP: Knabenchor ist für mich die Königsdisziplin.

Erstens ist es der Stimmwechsel,

mit dem man pädagogisch und organisatorisch

erst umgehen lernen muss und zweitens

ticken Jugendliche ganz anders als Erwachsene,

haben andere Ansprüche, Fähigkeiten

und auch Grenzen. Ich wundere mich oft,

dass sie so schön singen, wenn man bedenkt,

was sie alles um die Ohren haben – von der

Schule bis zur Pubertät.

Wie motivieren Sie

MPP: Wenn man vermitteln kann, was für

eine Freude man an der Musik hat, dann

kann man auch Disziplin einfordern. Sie

merken dann, dass Qualität Spaß macht.

Aber keine Sorge, unsere Proben sind keinesfalls

militärisch. Ich sehe den Chor nicht als

Meute und kann bei der Einzelstimmbildung

auch auf jeden einzelnen eingehen. Die Sängerknaben

sind nicht nur regional stark verankert,

sondern sie wirken auch weiter. In

den Chören der Region und darüber hinaus

finden sich viele ehemalige Altenburger Sängerknaben.

Auch bedeutende Kirchenmusiker

Österreichs sind darunter, wie der Domkapellmeister

von Graz, Josef Döller und Norbert

Matsch, Stiftskapellmeister von Wilten.

Die Sängerknaben sind nicht

Ihr einziger Chor

MPP: Nein, da gibt es noch den Altenburger

Kirchenchor und meinen vor 16 Jahren

gegründeten Chor „studiovocale“. „studiovocale“

macht im Jahr drei bis vier Projekte.

Ich habe mich beim Chor immer für die

kleine Besetzung mit drei bis vier Personen

pro Stimme interessiert. Wir suchen neue

Orte für Aufführungen, wie etwa den Wienerwald,

wo wir im vergangenen Jahr Mendelsohns

„Sechs Lieder, im Freien zu singen“

gesungen haben. Da wir in diesem Chor

aber etwa alle etwa gleich alt sind und nun

viele von uns junge Familien haben, lassen

wir es gerade etwas ruhiger angehen.

Das heißt aber für Sie nicht, dass Sie

weniger tun, oder

MPP: Parallel zur Musik mache ich eine Ausbildung

zum Psychotherapeuten. Dabei ist

mir in den Praktika unter anderem erst bewusst

geworden, welch dramatisch positive

Auswirkungen das Singen auf die Seele und

die Psyche hat. Es kann auch für Menschen,

die jahrelang keinen Ton mehr gesungen haben,

zu einer wichtigen Ressource werden. /

Interview: Mella Waldstein

Weitere Informationen:

www.markuspfandlerpoecksteiner.at

SHALOM! MUSIC

BETWEEN FRIENDS

———————————————————

Di, 22. 10. 2013, 19.30 Uhr

Ein musikalisches Freundschaftstreffen.

Katholisch, jüdisch, evangelisch; drei

Geistlichkeiten und ein Staatsdiener; vier

prominente Hobbymusiker überwinden

Grenzen mit ihrer Musik: Benediktiner-

Abtprimas Notker Wolf (Rom, Querflöte),

Bischof Michel Bünker (Schlagzeug),

Sektionschef Gerhard Steger (Gitarre)

und Oberrabbiner Chaim Eisenberg

(Gesang) präsentieren klassischen Pop

und jüdische Traditionales. Dabei werden

sie unterstützt von Jakob Sint (Piano),

Marc Bruckner (Bass) und unter der

Leitung von Markus Pfandler. Die Journalistin

Susanne Scholl führt durch das

Programm, dessen Erlös die interreligiöse

Bildungsarbeit des Koordinierungsausschusses

für christlich-jüdische Zusammenarbeit

unterstützt.

Theater Akzent

1040 Wien, Theresianumgasse 18

Tel. 01 50165-3306, www.akzent.at

ZEITEN-STRÖME

———————————————————

CD-Präsentation

So, 27. 10. 2013, 15.00 Uhr

Stiftskirche Altenburg, Abt Placidus

Much – Straße 1, 3591 Altenburg

Tel. 02982 345118

Auf der neu erschienen CD kann die

große Altenburger Stiftsorgel mit Werken

von J.N. David, H. Schroeder und

J. S. Bach erlebt werden. Um 14.00 Uhr

gibt es eine Einführung mit M. Pfandler-

Pöcksteiner-Pöcksteiner und um 15.00

Uhr die Präsentation der CD mit einem

Orgelkonzert.

schaufenster / Kultur.Region / Oktober/November 2013


NÖ Tage

der offenen Ateliers

Sa 19. und So 20. Oktober 2013

brantits

Mehr als 1100 Bildende Künstler, Bildhauer,

Galeristen und Kunsthandwerker öffnen

ihre Pforten und laden Sie herzlich ein.

Besuchen Sie Niederösterreichs Künstler

an ihren Arbeitsstätten und erleben Sie ein

ganz besonderes Herbstwochenende

in unserem Bundesland.

Alle Teilnehmer, alle Detailinfos:

www.kulturvernetzung.at

T: 02572/20 250, office@kulturvernetzung.at

Ein Projekt der


Musik / 23

mm jazzfestival

TALENTE WERDEN

IMMER MEHR

Beim mm jazzfestival in St. Pölten treten junge Musiker innerhalb der von Marianne Mendt

geleiteten Nachwuchsförderung gemeinsam mit Größen österreichischer Jazzmusik auf.

Bei den Auditions ist sie fündig geworden. 16

junge Musikerinnen und Musiker werden in

St. Pölten gemeinsam mit den Profis auf der

Bühne stehen. Es sind auch Kinder dabei,

wie der neunjährige Schlagzeuger Max Plattner

und die zwölfjährige Hannah Schultermandl,

die bei der CD-Präsentation „Live in

St. Pölten 2012“ schon vorab eine Kostprobe

ihrer großen Stimme gab. „Besonders freut

es mich, denn das ist selten, dass wir auch

einen jungen Sänger gefunden haben.“

Martin Egger, geboren 1991, studiert Jazzgesang

am Konservatorium Wien.

Im Rahmen des mm jazzfestival wird auch

„5/8 in Ehr’n“ auftreten. Man könnte sie fast

Kinder von Marianne Mendts Nachwuchsförderung

nennen, denn auch sie waren einmal

ihre „Youngsters“. Mittweile sind sie Preisträger

des Amadeus Austrian Music Award 2012

und 2013 in der Kategorie Jazz/World/Blues. /

Die mm band und die Nachwuchssängerin Barbara Neuhauser. Foto: Andreas Müller

Text: Mella Waldstein

„Die Idee“, so Marianne Mendt „entstand bei

einem Gespräch mit einem Kollegen. Für ein

Jazzfestival in der Steiermark hatte er internationale

Größen eingeladen. ,Und österreichische

Musiker‘, fragte ich nach. ,Das überlegen

wir uns …‘, war seine Antwort.“ Und

Marianne Mendts Antwort war, ein eigenes

Festival zu gründen – mit österreichischen

Musikern. In diesem Herbst findet es zum

neunten Mal in St. Pölten statt. Es spielt die

„mm band“ mit Thomas Kugi (Sax), Daniel

Nösig (Trumpet), Johannes Herrlich (Trombone),

Oliver Kent (Piano), Ulli Langthaler

(Bass) und Mario Gonzi (Drums). Weiters

die „mm big band“ unter der Leitung von

Thomas Huber.

Komplettiert und aufgemischt wird, wie in

jedem Jahr, das Festival durch die „Youngster“,

wie Mendt ihre jungen Musikerinnen

und Musiker nennt. Wie jedes Jahr ist sie

durch Österreich getourt auf der Suche nach

Talenten. Und sie stellt fest: „Talent stirbt

nicht aus. Die Talente werden immer mehr.“

Aber auch der Unterricht auf Musikschulen

und Hochschulen wird immer besserer. In

der Musik ist es wie beim Sport. Es braucht

eine breite Basis, damit die Spitzen herauskommen.

Außerdem, so die Festivalleiterin:

„Jazz ist kein Minderheitenprogramm.“

Kein Minderheitenprogramm

MM JAZZFESTIVAL

———————————————————

Fr, 4. 10. 2013, 20.00 Uhr

Festspielhaus St. Pölten

Marianne Mendt präsentiert Talente der

mm Nachwuchsförderung

Sa, 5. 10. 2013, 19.00 Uhr

Festspielhaus St. Pölten

Marianne Mendt & mm big band

Do, 10. 10. 2013, 19.00 Uhr

Cinema Paradiso

Karl Markovics & Fenority

Sa, 12. 10. 2013, 21.00 Uhr

Musikcafé Egon

5/8 in Ehr’n

www.mmjazzfestival.at

schaufenster / Kultur.Region / Oktober/November 2013


Weinviertel / 24

Literatur

IM GRÜNEN MEER

In keinem anderen Viertel Niederösterreichs ist das geschriebene Wort so verwurzelt

wie im Weinviertel. Literatur im Herbst gibt es heuer wieder auf dem Brandlhof.

„Tauchgänge im grünen Meer“ titelte Alfred Komarek seine Spaziergänge durch das Weinviertel.

Der Gendarm Simon Polt fährt mit seinem

Fahrrad über die Landstraße, zwischen

Weingärten und Ackerland hinein in die

Kellergasse. Das Bild strahlt Geruhsamkeit

aus, schon durch die Bezeichnung Gendarm

werden positive Kindheitserinnerungen

heraufbeschworen, nicht zuletzt deshalb, da

mein Vater die graue Uniform jahrzehntelang

trug. Mit Alfred Komareks Kriminalromanen

tauche ich förmlich „in das grüne

Meer“ ein, es gilt, lesend die Landschaft, die

Menschentypen zu entdecken. Alfred Komarek

hat hier einen Nerv getroffen, die Weinviertler

kennen Simon Polt – nicht zuletzt

deshalb, da Erwin Steinhauer dem introvertierten

Gendarmen ein Gesicht gegeben hat

– und so mancher fährt heute mit einem

anderen Blick durch das Weinviertel.

Ein Blick, der auch durch zahlreiche Publikationen

geschärft wurde. In Ferdinand Altmanns

„A Gulasch und a Bier“ werden die

Geschichten von Weinviertler Wirten und

ihren Gasthäusern erzählt, es ist eine Dokumentation

einer verschwindenden Alltagskultur.

Es scheint, als wäre dies eine Wirtschafts-

und Sozialgeschichte einer längst

vergangenen Zeit. Und doch erinnern sich

die Leser an den Bäcker, der ins Gai fuhr

(Wolfgang Galler: „Unser täglich Brot. Von

schaufenster / Kultur.Region / Oktober/November 2013


Weinviertel / 25

LITERATUR AM BRANDLHOF

———————————————————

So, 3. 11. 2013, 17.00 Uhr

Martin Neid liest Martin Neid,

musikalisch begleitet von den

Haus&Hofmusikanten

Brandlhof

3710 Ziersdorf, Radlbrunn 24

Tel. 02956 81 222

Eintritt frei!

www.volkskulturnoe.at/brandlhof

_

IM WEINVIERT’L DRIN

———————————————————

Sa, 26. 10. 2013, 17.00 Uhr

CD-Präsentation: Im Weinviert’l drin

Theodor Kramer: „Einen der größten Dichter der jüngeren Generation“ nannte ihn Thomas Mann.

Collage: Viertelfestival NÖ.

Bäckern, Müller und Bauern im Weinviertel“),

die Fahrten mit der Eisenbahn auf

heute längst stillgelegten Nebenbahnen

(Peter Wegenstein: „Wege aus Eisen im

Weinviertel“) oder die Betriebsamkeit in

einer Kellergasse in den Monaten September

und Oktober (Wolfgang Krammer, Johannes

Rieder: „Weinviertler Kellergassen“). Die

Geschichten und Texte berühren, wir werden

uns unserer Landschaft und ihrer

Besonderheiten bewusst – und wir bekommen

Lust auf mehr.

Gibt es spezielle Sagen im Weinviertel

Thomas Hofmann hat in seinen „Das Weinviertel

in seinen Sagen“ Überliefertes gesammelt.

Und wieder führen uns die Erzählungen

an besondere Plätze, topografisch

auffallende Orte, an denen wir im Alltag

vorüberhasten. Otto J. Schöffl, ein Mühlenkind

und -forscher, beschreibt nicht nur die

längst verschwundenen Mühlen des Weinviertels,

auch er sammelte Sagen, thematisch

beim Mühlrad angesiedelt.

Denkmal ui-Mundart

In den letzten Jahren wurde der ui-Mundart

ein Denkmal gesetzt – auch hier wird nur

mehr Vergangenem nachgetrauert, den

gesprochen wird dieser Dialekt im Alltag im

Weinviertel nicht mehr. Aber nicht zuletzt

durch die Initiativen der Bacher-Runde und

1. Singen ist uns’re Freud (1:59) · 2. Grüaß enk Gott liabe Leit (1:13) ·

3. Ihr Herren schweigt ein wenig still (1:47) · 4. Jo im Weinviert’l drin (1:49) ·

5. Aber Hansei spann ei (2:39) · 6. Gott segne den edlen Weinbau (2:20) ·

7. Drentan Steg, überm Bach (1:23) · 8. Drei Berg und drei Tål (1:41) · 9. Der Wein is a Luida (1:35) ·

10. Winkler Boarischer (2:36) · 11. A Busserl is a g’spassigs Ding (1:41) ·

12. Hintn bei da Stadltür (2:06) · 13. An Klopfer åns Fernsterl (2:09) · 14. In Gerhard seiner (2:42) ·

15. Der Weg zu mein Diandle is stoani (1:39) · 16. Geh, gib mir a Busserl (1:43) ·

17. Håb dir in d’ Äugerl g’schaut (1:39) · 18. Kam kraht der Håhn die Morgenstund’ (2:07) ·

19. Boarischer aus Klein-Mariazell (2:09) · 20. Drunt in da grean Au (3:17) ·

21. Heint iß i nix, heint trink i nix (1:15) · 22. A Tag voller Sunn (1:23) · 23. Juhu und juhe! (1:09) ·

24. Auf’m Bergerl steht a Häuserl (1:49) · 25. Geh is her über’s Wieserl (2:00) ·

26. Jetzt möcht i amol wissen (1:52) · 27. O, den hätt i so gern (0:51) ·

28. Gebirgsfreuden-Walzer (3:26) · 29. I mog koa Wasser net (2:17) ·

30. I find heit nimma hoam (1:57) · 31. Drei Winter, drei Summer (1:21) ·

dem Joseph-Misson-Bund 32. Gehts, Buama, gehn ma hoam (1:44) bekamen · 33. A ganze Weil (1:56) · die

Es singen und spielen: Weinviertler 3-Xang · Leobendorfer Viergesang · Fensterlmusi

Werke von Joseph Misson, Josef Weiland,

Lois Schiferl, Georg Pfeifer, Karl (c) (p) Bacher,

HeiVo CD 115 AuMe

Herausgeber: Volkskultur Niederösterreich GmbH

Josef Pazelt 3452 Atzenbrugg, u. a. Schlossplatz einen 1 neuen Stellenwert.

© 2013 Kultur.Region.Niederösterreich GmbH

Alle Rechte vorbehalten

Lesungen aus deren Werken erfreuen sich

großer Beliebtheit, ist es doch wieder ein

Eintauchen in eine längst vergangene Zeit,

in das Idiom der Kindheit.

Heimat bist du großer Söhne: „Einen der

größten Dichter der jüngeren Generation“

nannte ihn Thomas Mann. Dennoch war

Theodor Kramer lange Zeit vergessen. Aber

besonders im Weinviertel – er wurde in Niederhollabrunn

geboren – erinnern wir uns

des Lyrikers gerne. Es ist doch schön, wenn

einer der ganz Großen aus der eigenen Heimat

stammt, auch wenn wir ihn, als es politisch

opportun war, vertrieben und vergessen

haben.

Jahrzehntelang war das Weinviertel nur ein

Landstrich zwischen Wien und der toten

Grenze. Heute schauen wir selbstbewusst

auf dieses Viertel, auf seine Schönheiten und

auch auf seine Geschichte. Es ist „Mehr als

Idylle“. Und schlussendlich: Peter Turrini

und Felix Mitterer sind doch Weinviertler,

oder /

Text: Eva Zeindl

Fotos: Manfred Horvath

Im Weinviert’l drin

Weinviertler 3-Xang

Leobendorfer Viergesang

Fensterlmusi

Im Weinviert’l drin

Seit annähernd zehn Jahren tritt der

Weinviertler 3-Xang auf und bringt bei

verschiedensten Anlässen vor allem in seiner

Heimat Harmannsdorf einen reichen

Schatz an Liedern, vor allem aus dem

Weinviertel, zu Gehör. Gemeinsam mit

dem Leobendorfer Viergesang ging das

Ensemble nun ins Studio. Das Repertoire

der gemeinsamen CD umfasst überlieferte

Lieder, ebenso wie neue Volkslieder.

Die Instrumentalbeiträge stammen von

der Fensterlmusi. Über Jahre hinweg

bereicherte die Formation in wechselnder

Besetzung musikalisch-gesellige Runden.

Im Jahr 2010 wurde der Motor der Gruppe

Herbert Lacina, viel zu früh aus dem

Leben gerissen. Die für die CD ausgewählten

Stücke wurden schon im Jahr 2004

aufgenommen.

Digipack_HeiVo_115.indd 1 08.03.13 12:25

Am 26. Oktober 2013 laden der Leobendorfer

Viergesang und der Weinviertler

3-Xang nach Harmannsdorf/Rückersdorf

zur CD-Präsentation. Bei einem Glaserl

Wein und dem einen oder anderen geselligen

Lied wird dieser Abend ausklingen.

Hauptschule Harmannsdorf

2111 Harmannsdorf, Bahnstraße 1

Tel. 0664 8208595 (Eva Zeindl)

DPAC NP 0215

schaufenster / Kultur.Region / Oktober/November 2013


Mostviertel / 26

Stubenmusik Berger

WENN FÜNF

BRÜDER FEIERN

Fünf Brüder und kein bisschen leise – 20 Jahre Stubenmusik Berger.

Die Brüder Berger: Christoph, Roland, Sepp, Robert, Georg (v. l. n. r.). Foto: z. V. g.

verschiedensten Veranstaltungen anzutreffen.

Mittlerweile ist die Musik der Stubenmusik

Berger nicht mehr aus dem Mostviertel

wegzudenken. In den 20 Jahren ihres

gemeinsamen Musizierens hat die traditionelle

Volksmusik gerade im Mostviertel einen

enormen Zuwachs an Wertschätzung erfahren.

Den Aktivitäten der fünf Brüder ist es zu

verdanken, dass die Volkskultur in dieser

Region immer mehr an Selbstvertrauen und

Qualität gewinnt. Sie begeistern durch ihren

Charme und spielerischen Witz die Besucher:

von der kleinen Musikantenrunde bis zur voll

besetzten Basilika, beim offenen Singen, bei

Musikantentreffen, Volksmusikveranstaltungen

und auch Musikantenwallfahrten.

Die Stubenmusik Berger wurde 1993 spontan

aus der Taufe gehoben. Anlässlich der

Kulturtage ihrer Heimatgemeinde Ferschnitz

setzten sich die fünf Brüder Robert, Sepp,

Christoph, Georg und Roland zusammen

und versuchten sich auf einem für sie völlig

neuen Gebiet der Musik – der traditionellen

Volksmusik, nachdem sie in den Bereichen

klassische Musik sowie Tanz- und Unterhaltungsmusik

schon einige Erfolge gefeiert

hatten. Das gemeinsame Musizieren bereitete

so viel Spaß, dass die fünf Brüder nach

mittlerweile 20 Jahren noch immer gemeinsam

Musik machen.

Viele Jahre nahmen sie an den Volksmusikseminaren

auf Schloss Seggau bei Leibnitz

teil, wo sie auch unzählige Kontakte zu

Volksmusikanten im gesamten Alpenraum

knüpfen konnten. Nach der Präsentation

ihrer ersten CD „greahoidn“ wurden auch

die Medien auf die Stubenmusik Berger aufmerksam.

Neben zahlreichen Einspielungen

auf Radiosendern in Österreich, Bayern,

Südtirol und diversen Internetsendern waren

die fünf Brüder auch bei Großereignissen

wie „Licht ins Dunkel“ oder „Klingendes

Österreich“ im Fernsehen zu sehen. Mit der

Aufnahme des zweiten gelungenen Tonträgers,

„blaumocha“, gelang es ihnen, ihre

Musik bis weit über die Grenzen in die

Niederlande, nach Ungarn, Deutschland,

Australien und in die USA zu tragen. Auch

auf zahlreichen Gemeinschaftsproduktionen

mit anderen Musikgruppen, wie dem

Scheibbser3er, d’Kiahmöcha, oder auf Produktionen

der Volkskultur Niederösterreich

sind Stücke der Stubenmusik zu hören.

Charme und Spielwitz

Dank des abwechslungsreichen Repertoires

an Instrumental- und Gesangsstücken, Jodlern,

Liedern und Volkstänzen sind sie auf

Am 25. Oktober lädt die Stubenmusik Berger

zur Jubiläumsfeier und Präsentation ihrer

neuen CD in das Gasthaus Affengruber in

Ferschnitz ein. Ihre neue CD ist wieder eine

gelungene Mischung aus Instrumental- und

Gesangsstücken, von ruhig und beschaulich

bis heiter und witzig – ein Querschnitt über

20 Jahre gemeinsamen Musizierens./

Text: Claudia Lueger

JUBILÄUMSFEIER

———————————————————

Fr, 25. 10. 2013, 18.30 Uhr

Gasthaus Affengruber

3325 Ferschnitz, Marktstraße 6

Tel. 0664 8373928 (Sepp Berger)

info@stubenmusik.at

www.stubenmusik.at

schaufenster / Kultur.Region / Oktober/November 2013


Mostviertel / 27

Mariazellerbahn

AUF DER HIMMELSTREPPE

UNTERWEGS

Seit September ist die erste Triebzuggarnitur „Himmelstreppe“ auf der

Mariazellerbahn unterwegs. Ein guter Anlass für den steirisch-niederösterreichisches Kulturaustausch

„Mariazellerland trifft Pielachtal“ in Kirchberg/Pielach.

Überlegungen zur Errichtung einer Bahn

von St. Pölten nach Mariazell gab es schon

seit der Eröffnung der Westbahn im Jahr

1858. Durch die Wallfahrten war Mariazell

schon im 19. Jahrhundert einer der am stärksten

besuchten Fremdenverkehrsorte der

Donaumonarchie.

Im Jahr 1895 wurde der Bau der „Pielachtalbahn“

beschlossen und ein Jahr später mit

den Bautätigkeiten begonnen. Die Eröffnung

der Stammstrecke von St. Pölten über Kirchberg

an der Pielach bis nach Mank erfolgte

im Juli 1898. Fallweise sieht man auch noch

alte Grenzsteine mir der Bezeichnung

St.P.K.M. (Lokalbahn St. Pölten–Kirchberg/

Pielach–Mank).

Die ersten eingesetzten Dampfloks stammten

von den Lokomotivfabriken Krauss &

Comp. des Gründers Georg Ritter von

Krauss. Anfang des 20. Jahrhunderts wurde

die einzige elektrifizierte Schmalspurbahn

Österreichs – bosnischer Spurweite – bis

Laubenbachmühle weitergebaut, der Bau der

Bergstrecke dauerte bis 1906. Zu Beginn nur

Güterverkehr, wurde der Personenverkehr

nach Mariazell im Jahr 1907 aufgenommen

und in weiterer Folge bis Gusswerk ausgebaut.

Dieser Abschnitt wurde Ende der

1980er Jahre eingestellt.

Rüsten für die

Landesausstellung 2015

84 Kilometer schlängelt sich die Mariazellerbahn,

auch Niederösterreichisch-Steirische

Alpenbahn genannt, von der niederösterreichischen

Landeshauptstadt zum steirischen

Wallfahrtsort. Die Streckenführung lässt sich

in eine Talstrecke von St. Pölten bis Laubenbachmühle,

dem neuen Zentrum der Bahnstrecke

und auch einem der Hauptorte der

Landesausstellung 2015, sowie eine Bergstrecke

unterteilen. Die Bergstrecke führt von

Laubenbachmühle bis Gösing und von

Gösing nach Mariazell. Die Bahn trifft auf

ihrem Weg auch auf vier Flusstäler: das Traisental

bei St. Pölten, das Pielachtal, das

Erlauftal und das Salzatal auf der ehemaligen

Strecke von Mariazell nach Gusswerk. Die an

Kunstbauten überaus reiche Bahnstrecke hat

eine maximale Neigung von 25 Promille und

erreicht im 2.369 Meter langen Gösingtunnel

eine Höhe von 892 Meter.

Ab September, ziemlich genau 100 Jahre

nach dem Einsatz der ersten Elektrolok, ist

die Himmelstreppe auf der Strecke unterwegs,

Niederflurtriebzüge, die im kommenden

Jahr mit Panoramawaggons ergänzt werden.

Durch die höheren Geschwindigkeiten,

die mit den neuen Garnituren gefahren werden

können (bis zu 80 statt bisher max.

45–60 Stundenkilometer), werden die Fahrzeiten

verkürzt und attraktivere Fahrpläne

ermöglicht. Die historischen Garnituren

werden als Nostalgiezug beibehalten.

Ganz im Zeichen der Mariazellerbahn, der

Verbindung zwischen Niederösterreich und

der Steiermark, findet am Samstag, 26. Oktober,

der „erste Kulturaustausch“ statt: Mariazeller

Land trifft Pielachtal. Die Anreise der

mitwirkenden Ensembles aus Mariazell

erfolgt mit der Mariazellerbahn, schon während

der Zugfahrt wird eifrig gesungen und

musiziert. Im Gasthof Kalteis in Kirchberg

Die Himmelstreppe seit September auf der

Mariazellerbahn unterwegs. Foto: NÖVOG

an der Pielach treffen sie mit den Musik- und

Gesangsgruppen zum gemeinsamen Singen

und Musizieren zusammen. /

Text: Claudia Lueger

MARIAZELLER LAND

TRIFFT PIELACHTAL

———————————————————

Sa, 26. 10. 2013, ab 11.00 Uhr

Gasthof-Restaurant Kalteis

Melker Straße 10

3204 Kirchberg/Pielach

Tel. 02722 7223, kalteis.hubert@aon.at

www.kalteis.at

schaufenster / Kultur.Region / Oktober/November 2013


Waldviertel / 28

Teichwirtschaft

WENN TEICHE

KOCHEN

Die sonst so stillen Teiche beginnen beim Ablassen „zu kochen“. Das Abfischfest

in Heidenreichstein gibt Einblick in die Teichwirtschaft und bietet Kulinarisches und

Wissenswertes rund um den Karpfen.

Abfischen am Streitteich bei Heidenreichstein.

„Tradition, das ist was für die Alten“, sagt

häufig lächelnd die jüngere Generation. Das

traditionelle Handwerk der Teichwirtschaft,

im speziellen die Technik des Abfischens,

hat sich seit dem Mittelalter kaum verändert.

Verändert haben sich die Materialien

für diese Arbeit. Anstatt Holz und Leder

werden heute Kunststoffe und Gummi verwendet,

und die Fische werden auch nicht

mehr mit dem Ochsenkarren, sondern mit

LKWs in die Hälterungen transportiert. Die

Modernisierung liegt eher im Verborgenen.

Schon an der Ausbildung zum Fischmeister

lässt sich erkennen, welch umfangreiches

Wissen und Geschick in der heutigen Zeit

gefragt ist. Die Lehrzeit zum Fischereifacharbeiter

dauert drei Jahre, zum Meister ist

eine weitere dreijährige Praxis mit einer

abschließenden Meisterprüfung erforderlich.

Waldviertler Karpfen

Die Fisch-Mensch-Beziehung entspricht

auch dem Zeitgeist des 21. Jahrhunderts, so

wie die Achtsamkeit, die den Teichen gewidmet

wird. Wasserkontrollen mit z. B. Messung

von pH-Wert und Sauerstoffgehalt

sind Standard. Betreuung durch den Fischgesundheitsdienst

und Markenrichtlinien

für den Waldviertler Karpfen garantieren

schaufenster / Kultur.Region / Oktober/November 2013


Waldviertel / 29

Die Fische werden in einen dorfnahen Hälter gebracht.

Ablassen des Burgteiches in Heidenreichstein.

uns als Konsumenten höchste Qualität. Der

Karpfen (Cyprinus carpio) wurde von den

Römern von Asien nach Europa gebracht.

Im frühen Mittelalter hielt man den Karpfen

in Weihern von Mühlbächen und ähnlichen

– der Wasserkraft wegen – angelegten Aufstauungen.

Von Natur aus entstandene Seen,

wie sie im westlichen Österreich zu finden

sind, gibt es auf der „Böhmischen Masse“

nicht. Die Seen, die nach der Eiszeit vor

ca. 10.000 Jahren auf diesem Granit-Hochplateau

nördlich der Donau entstanden sind,

sind heute verlandet und Moorgebiete. Um

Fische züchten zu können, mussten Teiche

angelegt werden. Das Anlegen der Teiche und

die damit verbundene Fischzucht erfolgten

im 14. und 15. Jahrhundert durch Adel und

Mönche. Dämme wurden gebaut und der

Abfluss mit dem sogenannten „Trum“ oder

„Mönch“ geregelt. Bei großen Teichen

braucht das Ablassen mehrere Wochen.

Einerseits um keine Überschwemmung zu

verursachen, andererseits um den Fischen die

Möglichkeit zu geben, sich in der Fischgrube

zu sammeln. „Die Teiche kochen“, heißt es

dann bei den Fischmeistern.

Auch die Grafen Puchheim, ab 1348 Burgherrn

zu Heidenreichstein, erkannten die

wirtschaftliche Gelegenheit, den sonst so

kargen Boden zu nutzen. Es ist anzunehmen,

dass der Wassergraben der Burg schon

damals, so wie heute, zur Fischzucht genutzt

wurde. Der Teichbau hielt bis ins 16. Jahrhundert

an und veränderte dadurch das

Landschaftsbild. Aus dem Waldviertel

wurde das „Land der tausend Teiche“. Diese

vom Menschen geschaffenen Biotope sind

auch vielfältiger Lebensraum für unterschiedlichste

Arten von Fauna und Flora.

Schon im 15. Jahrhundert dürfte der Bruneiteich

bei Heidenreichstein angelegt worden

sein. Der ursprünglich 39 Hektar große

Teich hat durch die Verlandung der Uferzonen

nur mehr ca. 25 Hektar Wasserfläche.

Dieser wertvolle Schilfgürtel ist seit 1980

Naturschutzgebiet. Da die Teichwirtschaft

zwar ökonomisch, aber sehr naturnahe und

nachhaltig betrieben wird, gelingt die Symbiose

von Ökologie und Ökonomie sehr

zufriedenstellend.

Dem Fischerlatein lauschen

Die Krönung dieser Symbiose ist das alljährliche

Abfischen des Bruneiteiches mit dem

Abfischfest am Nationalfeiertag, am 26.

Oktober. Die Besucher erwartet die Präsentation

des Fischerhandwerks mit einem entsprechenden

Rahmenprogramm und den

kulinarischen Genüssen der Fischernte.

Unter dem Motto „Der Waldviertler Karpfen

in der modernen Küche“ erfährt man bei

einer Filetier- und Kochpräsentation die

Zubereitung dieses Fisches.

Beim Abfischfest kann man den Fischern in

ihren Wathosen zusehen, wie sie das große

Zugnetz austragen, es ans Ufer ziehen und

die Fische in wassergefüllte Bottiche auf

LKWs verladen. Die Moderation dieses sich

wiederholenden Fischerhandwerks wird

ergänzt mit Fischerlatein und Interviews mit

Gästen und Fachleuten. Im „UnterWasser-

Reich“, ein eigener Programmpunkt dieses

Abfischfestes, betrachtet man unter dem

Mikroskop Karpfenschuppen, Karpfenkiemen

und Flossen einmal in „ganz groß“. Bei

einem Blick durch das Mikroskop erkennt

man die Planktonlebewesen, das „winzig

kleine“ Futter des Karpfens. Die Experten

aus dem „UnterWasserReich“, dem Besucherzentrum

des Naturparkes Schrems,

unterstützen dabei und informieren außerdem

über die Ökologie der Teiche, Flora

und Fauna. Natürlich ist auch für Gäste, die

keinen Fisch essen, bestens gesorgt. Hausgemachte

Mehlspeisen und der Witterung entsprechende

warme Getränke ergänzen dieses

Naturerlebnis für die gesamte Familie.

Für Kinder empfiehlt sich Kleidung, die

schmutzig werden darf – und Gummistiefel,

um der Erforschung des faszinierenden und

zugleich spannenden Teichgrundes freien

Lauf zu lassen.

Karpfenquiz

Ein Bauern- und Regionalmarkt, ein Waldviertler

Karpfenquiz, ein Schaubecken bzw.

Aquarium mit Experteninformation, Infostände

über die Region sowie ein

Schauschmieden und eine Präsentation von

Holzverarbeitung für Teiche stehen zusätzlich

am Programm des Heidenreichsteiner

Abfischfestes.

Übrigens: Alle Besucher mit dem Namen

Fischer genießen freien Eintritt. Ein Ausflug

ins Heidenreichsteiner Moor und ein Besuch

der Burg Heidenreichstein lassen den Tag zu

einem großartigen Waldviertler Erlebnis

werden. /

Text: Andreas Teufl

Fotos: Archiv Kinskysches Forstamt

ABFISCHFEST

HEIDENREICHSTEIN

———————————————————

Sa, 26. 10. 2013, 9.00–15.00 Uhr

Tel. 0664 5858091 (Reinhard Sprinzl)

www.abfischfest.at

schaufenster / Kultur.Region / Oktober/November 2013


Handwerk / 30

Kaffee

röstfrisch

Die Hausfrau machte es am Küchenherd und jeder Greißler um die Ecke: Sie rösteten Kaffee.

In Stein an der Donau gibt es noch einen Familienbetrieb, der Kaffee röstet.

Emmerich und Gerhild Beyer haben 1960 –

als die anderen kleinen Kaffeeröstereien ihre

Maschinen einmotteten – die Liebe zum

Kaffee entdeckt. „Damals haben wir fünf

Dekagramm Kaffee in kleinen Sackerln verkauft.

So ändern sich die Zeiten.“ Frau Beyer

trinkt Kaffee. Wie viele am Tag „Vier bis

fünf Tassen.“ Und welche Zubereitungsart

„Alle haben ihre Vorteile – man muss nur

den richtigen Kaffee dafür haben“, ist die

salomonische Antwort.

Edith, Gerhild und Emmerich Beyer (v. l. n. r.) vor der Kaffeerösterei in Stein.

Beyers beste Werbung ist der Duft. Wenn sie

rösten, öffnen sie die Tür des kleinen

Geschäfts am Ende der Steiner Landstraße

– hier entströmt ein köstlicher Geruch, der

magisch anzieht. Die alten Leute kennen

diesen Duft aus ihrer Jugend, als die Mütter

die Ringe aus der Ofenplatte heraushoben

und über dem offenen Feuer eine Kugel einhängten,

in der die Kaffeebohnen unter

ständigem Drehen geröstet wurden. „Dann

ist der Meinl gekommen. Und die Hausfrauen

haben aufgehört“, sagt Emmerich

Beyer. Beyers haben einen Lebensmittelhandel:

ein Geschäft, das tief ins Haus und ins

mittelalterliche Gewölbe reichte. Dort im

Gewölbe lagern jetzt der Kaffee und die

Lebensmittel, vorne beschränken sie sich auf

das Nötigste: Milch und Butter, Brot und

Zucker, Eistee, Cola, Zuckerl und ein bisserl

Wurst.

Selbstverständlich trägt der Chef eine Krawatte

– geschneidert aus einem eigenen

Jutesack. Die Säcke aus aller Herren Länder,

die im Gewölbe lagern, sind gefragte Sammlerstücke

– besonders jene aus Australien,

auf denen ein Känguru springt. En passant

ein kleiner Sackquiz: „Wo ist der Unterschied

zwischen einem Erdäpfel- und eine

Kaffeesack“, fragt der Chef. „Der Inhalt

eventuell“ – „Ja, der auch, aber ein Erdäpfelsack

wird zugebunden, eine Kaffeesack

wird zugenäht.“ Das ist Kaffeebasiswissen.

In Beyers Gewölbe lagern Spezialitäten, die

sonst nur bei Meinl am Graben in Wien zu

finden sind: Skybury Fancy aus Australien

und Kaffee aus Altura, Mexiko. Oder Blue

Mountain aus Jamaika – und der wird übrigens

nicht in Säcken, sondern in Fässern

gehandelt – und eigens aus Äthiopien geholte

Hochlandsorten.

Im Geschäft vorne haben zwei alte Damen

aus der Nachbarschaft Platz genommen. Sie

sitzen zwar auf ausrangierten Blue-Mountain-Fässern,

trinken aber die Hausmarke.

Die Spezialitäten werden zum großen Teil

per Post verschickt. Der Chef geht in das

Lager zurück und holt einen Sack. Dann

kommen die Kaffeebohnen in einen Kübel,

er steigt auf ein Stockerl und schüttet die

Bohnen in die Apparatur, die den kleinen

Laden beherrscht: die Röstmaschine. Die

schaufenster / Kultur.Region / Oktober/November 2013


Handwerk / 31

Der Spalt der Arabica-Bohne muss hell bleiben …

... anschließend wird röstfrisch abgepackt.

Maschine funktioniert wie eine Waschmaschine.

Bei 150 Grad Celsius drehen sich

die Bohnen in einer Trommel. Nach etwa

15 Minuten beginnen sie zu knistern. Das ist

der Zeitpunkt, wo die Ladentür sperrangelweit

geöffnet wird und der Duft Passanten

anlockt. Dann sind die Bohnen fertig geröstet.

„Wichtig ist, dass bei den Arabica-

Bohnen der Spalt hell bleibt, ansonsten sind

sie zu stark geröstet.“ Wo liegen nun die

Geheimnisse des Kaffeeröstens „Das ist

schnell erklärt“, antwortet Beyer. „Wer oben

Qualität reinleert, bekommt unten eine raus,

alles andere sind Launen.“

Die Maschine, in die oben die Qualität reinkommt,

ist aus Gusseisen und kommt aus

Emmerich im Rheinland. Ein schöner

Zufall, dass Herr Beyer auch Emmerich

heißt. Wenn die Maschine defekt ist, muss

ein Techniker aus Deutschland kommen.

Der fliegt nach Schwechat und fährt mit

einem Mietwagen in die Wachau. Ein teurer

Spaß für einen Greißler.

Es gibt die italienische, die französische und

die Wiener Röstung, wobei die italienische

die stärkste und die französische die

schwächste Röstung ist. Beyers rösten nach

Wiener Art, die in der Mitte liegt. „Rösten

tut nur der Mann, ich hab’ keine Nerven

dazu“, meint die Chefin. Zweimal hat die

Maschine schon gebrannt, denn Kaffee ist

leicht entzündlich. Die duftenden Bohnen

werden nun abgepackt. Tochter Edith und

Gattin Gerhild Beyer bedienen einstweilen

die Nachbarinnen, die auf den Fässern Platz

genommen haben, und die Kundschaft, die

um Wurstsemmeln oder einen Liter Milch

kommt. Und natürlich jene, die Kaffee kaufen.

Der wird bei Beyers noch in wunderbar

altmodische Packungen gefüllt, der Mocca

in eine braune mit honiggelber Schrift.

Oben ist ein verwegener Kopf eines Mannes

zu sehen, der aus „Ali Baba und die 40 Räuber“

entsprungen ist, drunter steht schlicht:

„Mocca – feinster Bohnenkaffee“. Weiters

gibt es rote und blaue Packungen, die speziellen

Sorten werden in goldene Sackerl abgefüllt.

Da wäre vor allem – „aber das ist eine

Liebhaberei“, sagt Emmerich Beyer – der

„Katzenkaffee.“ So nonchalant nennt er den

teuersten Kaffee der Welt. Die in Indonesien

wachsende Kaffeesorte Kopi Luwak wird

mithilfe der Zibetkatze veredelt. Diese fressen

die Kaffeebohnen und scheiden sie

unverdaut, aber dafür wunderbar fermentiert

wieder aus. Der Kot der Katzen wird

gesammelt, die Bohnen herausgenommen,

geputzt, geschält und geröstet. Der Kaffee

schmeckt sehr würzig, mit einem leichten

Karamell- bis Schokogeschmack. Ein Kilo

kostet ein paar hundert Euro und wird auch

bei Beyers nur in homöopathischen Mengen

verkauft.

Die Kaffeesorten werden in Hamburg am

Kaffeemarkt geordert. Nicht über Computer

und Internet, sondern noch ordentlich mit

Telefon und Schriftverkehr. Oder die Kaffeeröster

aus Stein fahren einkaufen nach Äthiopien.

Äthiopien ist die Urheimat des Kaffees.

Bei einer Reise durch das Land besuchte

Emmerich Beyer Kleinbauern, Fabriken und

kaufte bei den Händlern vor Ort ein. „Ich

bin dabei die Fotografin“, kommentiert Frau

Beyer, „und außerdem muss ich schauen,

dass ich ihn wieder wegbring’.“

„Kaffeekirschen werden nie gemeinsam reif,

deswegen ist es das Beste, sie mit zwei Fingern

zu ernten“, erklärt Herr Beyer. Dann

werden sie gewaschen, geschält und kommen

in Betonbecken, wo sind mit Wasser

vermengt werden. Es beginnt der Fermentierungsprozess.

Danach werden sie auf

Tischen getrocknet und in die Fabrik

gebracht, wo die Zellhaut geschält wird. In

Säcken verpackt kommen sie in den Handel.

Beyers haben 300 Säcke à 60 Kilogramm aus

Äthiopien mitgebracht. Hochlandbohnen

aus Harrar und Yirgacheife. „Zuerst wurden

sie in Waggons verladen und danach im

Container verschifft. Übrigens, die Transportkosten

von Äthiopien nach Krems sind

billiger als die von Hamburg.“

Seitdem die Beyers in Äthiopien waren, wissen

sie um den Wert des Kaffees und heben

jede Bohne, die ihnen auf den Boden fällt,

wieder auf. „Wir sind schon museumsreif “,

lacht Gerhild Beyer und bietet einen Kaffeelikör

an. Auch selbst gemachtes Kaffeegelee.

Dann aber schwappt eine ganze Schiffsladung

an Touristen herein und die Beyers

haben alle Hände voll zu tun. /

Text: Mella Waldstein

Fotos: Gregor Semrad

KAFFEERÖSTEREI BEYER

———————————————————

Reisperbachtalstraße 2

3500 Stein an der Donau

Tel. 02732 83122

schaufenster / Kultur.Region / Oktober/November 2013


Ethnografie / 32

Das Kronprinzenwerk

DURCH WEITE, WEITE LANDE

„Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild“ umfasst 24 Bände. Neben Landeskunde,

Geschichte und Wirtschaft besticht die Reihe durch eine umfassend dargestellte Ethnografie.

stets wechselnder Bilder“. Rudolf war

Schirmherr und Mitarbeiter des Komitees,

das aus Wissenschaftlern, Publizisten und

Persönlichkeiten der Gesellschaft zusammengesetzt

war. Der Kronprinz, dessen liberale

Ideen im Widerspruch zum Hof standen,

veröffentlichte politische Artikel unter

einem Pseudonym und war mit dem Verleger

und Publizisten Moritz Szeps befreundet,

der die liberale Zeitung „Das neue

Wiener Tagblatt“ herausgab und in dieser

für das Kronprinzenwerk warb und beratend

zur Seite stand.

Kloster Imbach mit Ruine Senftenberg im Hintergrund, Kremstal, Niederösterreich, in: Die österreichischungarische

Monarchie in Wort und Bild – Wien und Niederösterreich, Wien 1888.

24 Bände, Leineneinband mit geprägten

Goldlettern und wappengeschmückt,

machen in einem Buchregal immer Eindruck.

Diese, in denen ich blättere, schaue,

lese und rieche sind aus der k. u. k. Kriegsmarine-Bibliothek

in Pola (Pula, Istrien).

Ihren Weg von der adriatischen Küste in ein

Waldviertler Haus ist gleichzeitig ein Aspekt

dieser dargestellten Geschichte in Wort und

Bild, wo wir doch vielfach eine ungarische

Großtante und einen seefahrenden Ururgroßvater

im Stammbaum tragen.

Allgemein das „Kronprinzenwerk“ genannt,

erschien die Reihe zwischen 1886 und 1902.

Die Idee dafür wird Erzherzog Johann Salvator

(der den bürgerlichen Namen Johann

Orth annahm und mit seinem Schiff auf der

Reise nach Südamerika verschollen ist)

zugeschrieben. 1884 gründete Kronprinz

Rudolf ein Komitee sowie zwei Redaktionen

in Wien und Budapest. In einer Einleitung

ruft der Kronprinz die Leser auf „zu einer

Wanderung durch weite, weite Lande, zwischen

vielsprachigen Nationen, inmitten

„Ethnografie als ästhetischer Kitt“, nennt

Konrad Köstlin, em. Professor und Vorstand

des Instituts für Europäische Ethnologie in

Wien, seinen Aufsatz über das Kronprinzenwerk.

Wiewohl landeskundliche, historische,

künstlerische und wirtschaftliche Aspekte in

den 24 Bänden behandelt werden, liegt doch

der Schwerpunkt in der Beschreibung der

Volksgruppen, die explizit nicht als Nationen

genannt sind. Im erstarkenden Nationalismus

und beginnenden Autonomiebestrebungen

sollte ein umfassendes Werk die

Vielfalt der Einheit beschwören. Kronprinz

Rudolf schreibt im Vorwort: „Jene Volksgruppen,

welche durch Sprache, Sitte und

teilweise abweichende geschichtliche Entwicklung

sich von den übrigen Volksbestandteilen

abgesondert fühlen, werden

durch die Thatsache, dass ihre Individualität

in der wissenschaftlichen Literatur der

Monarchie ihr gebührendes Verständniss

und somit ihre Anerkennung findet, wohltätig

berührt werden; dieselben werden aufgefordert,

ihren geistigen Schwerpunkt in

Österreich-Ungarn zu suchen.“

schaufenster / Kultur.Region / Oktober/November 2013


Ethnografie / 33

Trachtentypen von Krakowiaken und Goralen, in:

Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und

Bild – Galizien, Wien 1898.

Kohlebergbau in Dux, Böhmen, in: Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild –

Böhmen, Wien 1896.

Prinzip des Lobens

Dieser Reichtum an Volksgruppen wird im

Band über die Bukowina (1899) augenscheinlich:

Je ein Kapitel ist den Rumänen,

Ruthenen, Huzulen, Lippowanern, Deutschen,

Polen, Ungarn, Slowaken, Armeniern

und Zigeunern gewidmet. Es herrscht das

Prinzip des Lobens: Die Stärke der jeweiligen

Volksgruppe – „fromm“, von „guter

Constitution“, „arbeitsam“ etc. – wird hervorgehoben.

Der Erfolg der Reihe – vor

allem der deutschen Ausgabe und weniger

der ungarischen – ist auch der Exotik der

bildlich dargestellten Volksgruppen zu verdanken.

Die Autoren stammten aus allen Teilen der

Monarchie, teilweise mussten polnisch,

ukrainisch oder italienisch verfasste Beiträge

ins Deutsche übersetzt werden. Die Auflage

des Kronprinzenwerks erfolgte in den

beiden Landessprachen des cis- und transleithanischen

Reiches – deutsch und ungarisch.

„Das Kronprinzenwerk erschien zu

einer Zeit, als sich der Antisemitismus in

Österreich ideologisch-politisch organisierte

und bezog dezidiert Stellung gegen diesen“,

schreibt Justin Stangl in „Ethnographie

in Serie“ (Institut für Europäische Ethnologie,

Wien 2008). Allerdings unterscheidet

sich die deutsche von der ungarischen Ausgabe

insofern, da in Letzterer antisemitische

Töne geduldet wurden.

Die Bände sind nach Kronländern gegliedert,

die ersten vier behandeln Wien und

Niederösterreich. Hier übernimmt Erzherzog

Rudolf die landschaftlichen Schilderungen

der „Donauauen von Wien bis zur

ungarischen Grenze“ sowie die des Wienerwaldes,

beides Jagdgebiete der Habsburger

und somit dem Thronfolger vertraut. Die

volkskundlichen Kapitel von Niederösterreich

wie „Die physische Beschaffenheit der

Bevölkerung“, Volkstracht, Mythen, Sagen

und Märchen stammen von Pater Robert

Weißenhofer, der zu seiner Zeit beliebte

Jugendliteratur verfasste und Lehrer am

Stiftgymnasium Seitenstetten war. Weißenhofer

stammt aus einer Ybssitzer Schmiededynastie.

Mit Exotik zum Erfolg

Reichlich illustriert, das verspricht auch

schon der Titel „in Wort und Bild“, ist die

Reihe mit Holzschnitten, deren Vorlagen in

den Bänden Niederösterreich und Wien von

den großen Landschaftsmalern ihrer Zeit

stammen, wie etwa Franz von Pausinger,

Jakob Emil Schindler, Eduard Zetsche,

Robert Ruß und Julius von Blaas. Frauen

arbeiteten in den Redaktionen nicht mit,

allerdings muss erwähnt werden, dass doch

einige Illustrationen aus Frauenhand stammen.

So auch von Erzherzogin Stephanie,

der Frau des Thronfolgers, die für den ersten

Band eine Ansicht der Guntramsdorfer Au

beisteuerte.

Nach Rudolfs Tod übernahm die Witwe auf

Bitte des Kaiser Franz Joseph die Schirmherrschaft,

auf den ersten Seiten ist zu lesen:

„Auf Anregung und unter Mitwirkung weiland

Seiner kaiserl. und königl. Hoheit des

durchlauchtesten Kronprinzen Erzherzog

Rudolf begonnen, fortgesetzt und dem Pro-

tectorate Ihrer kaiserl. und königl. Hoheit

der durchlauchtigsten Frau Kronprinzessin-

Witwe Erzherzogin Stephanie.“

Den Liedern, Bräuchen und der Hausindustrie

wird viel Platz eingeräumt. So beschreibt

der Band über die Bukowina die Herstellung

von Kleidung, Hauswäsche, das Besticken

von Pelzen – Männerarbeit! – Holz- und

Tonwaren, Körben, Strohmatten, Bienenkörben

und Fischernetzen. Das mag in der

Zeit der Industrialisierung, der ein marginaler

Platz eingeräumt wird, befremdlich wirken.

Doch folgte das einer inneren Logik

heraus, in dem die Vielfalt und Divergenzen

des großen Reiches ein möglichst harmloses

Ventil brauchten – die Volkskunde eignete

sich dafür bestens.

Köstlin schreibt: „Und es wird ersichtlich,

dass dieser Akzent der Unterscheidung

allenfalls auf der folkloristischen Ebene

sozusagen ,kompensatorisch‘ aktiviert werden

darf.“ /

Text: Mella Waldstein

INFORMATION

———————————————————

Die österreichisch-ungarische

Monarchie in Wort und Bild

wurde von der Bibliothek der Universität

von Michigan online gestellt:

archive.org

(im Suchfeld den Titel eingeben)

schaufenster / Kultur.Region / Oktober/November 2013


Bücher, CDs & feine Ware / 34

Auslage

IM LAUF DER GEHZEITEN

—————————————————————

Goiserer Klarinettenmusi

EUR 18,00

Erhältlich in der Galerie der Regionen

Das Aushängeschild für echte und gute Volksmusik

im Salzkammergut, die Goiserer Klarinettenmusi,

stellt ihre neue CD zum 25-jährigen

Jubiläum vor: Mit Christoph Leitner als Tenoristen,

Peter Rebmann als Tubisten, Fritz Schodterer

an der Gitarre und Hubert Gschwandtner

als 2. Klarinettisten erfolgten die ersten Auftritte,

wobei es gleich zwei Live-Sendungen im

ORF-Hörfunk unter dem Motto „Literatur am

Bahnhof“ sein mussten. Gernot Gföllner aus

Gmunden, ein lang jähriger Volksmusikkamerad

von Klaus Neuper, kam alsbald mit seiner musikalischen

Vielfalt dazu und so konnte in verschiedensten

Besetzungen musiziert werden.

Da das Musikantenleben gewisse familiäre

Akzeptanz bedarf, kam es bereits nach kurzer

Zeit zu Umstellungen. Diese brachten mit den

Brüdern Manfred (2. Klarinette) und Hermann

Neubacher (Tuba und Kontrabass) zwei Vollblutmusikanten

zur Goiserer Klarinettenmusi.

Somit entstand eine Mischung aus echten Volksmusikanten

und Musikanten aus der volkstümlichen

Abteilung, was wahrscheinlich die ganz

eigene Art zu musizieren ausmacht. Ende April

2007 traf sie ein harter Schicksalsschlag: Bassist

Hermann Neubacher wurde während der Vorbereitungen

zu einem neuerlichen Auftritt bei der

„Liabsten Weis“ unerwartet aus ihrer Mitte

gerissen. In Walter Klanner aus Strassen/Bad

Aussee fanden sie einen exzellenten Musikanten,

der seither mit Posaune, Tuba, Bassgeige,

Gitarre und Gesang eine der wichtigsten Kräfte

der Goiserer Klarinettenmusi ist. Rainer Fischer

aus Altaussee löste Posaunist Peter Rebmann ab

und bringt seitdem mit seiner unnachahmlichen

Art nicht nur frischen Wind, sondern ob seiner

Jugend auch neue Ideen ein. Damit motiviert er

die knorrigen „Alten“ neu, was sie froh in die

Zukunft der Goiserer Klarinettenmusi blicken

lässt. In dieser Besetzung produzierten sie die

CD „ausgspielt is“. Die Jubiläums-CD beinhaltet

Stücke, die während eines Konzerts im Haus der

Regionen in Krems-Stein im Herbst 2012 live

mitgeschnitten wurden. „Ein bisschen stolz sind

wir schon darauf, bereits so lange Jahre ein kleiner

Teil der Alpenländischen Volkskultur zu

sein. Umso mehr, als wir für den einen oder

anderen jungen Musikanten Vorbild waren und

vielleicht noch ein paar Jahre sein dürfen.“ /

FRANZ XAVER FRENZEL

——————————————————————

Concerto grosso g-Moll, Concerto in F,

Swinging Symphony

EUR 21,00

www.fxfrenzel.at

Barockmusik aus dem Jahr 2012 Darf das sein

Das gibt es doch gar nicht mehr. Warum nicht,

Franz Xaver Frenzel ist ja auch eine Kunstfigur.

Als Österreichs letzter lebender Barockkomponist

setzt er sich unbeirrbar für Dreisätzigkeit,

Basso continuo und Harmonik ein. Der Mann,

der dahintersteht, agiert gegenwärtig: Der Oberösterreicher

Friedemann Katt, Jahrgang 1945,

reüssierte als Organist (etwa in Heiligenkreuz).

Auftragswerke für das Brucknerhaus, den japanischen

Kaiser oder die erfolgreiche „Rieder

Symphonie“ fernab jeglicher Avantgarde geben

dem Suchenden Recht. Seine Musik geht zu feurigen

Latin-Rhythmen über, Mazurken schauen

vorbei, auch Jazz und Swing fühlen sich bei ihm

pudelwohl. In klassischen Aufbauten glänzen die

Soloinstrumente mit dem Ensemble, der Festival

Sinfonietta Linz unter Lui Chan, um die Wette.

Und Kritikern, die meinten, dass er sich als Epigone

alter Stile betätigt, sei entgegengehalten,

dass diese Werke die geschickte Verbindung vorhandenen

Musikmaterials auszeichnet. Das

Ergebnis ist herzerfrischend reich – eine Conclusio

aus 350 Jahren Kulturgeschichte. /

WAS DER BUCHABAUER

ALLES SIEHT

——————————————————————

Erich Stöger: Mostviertler Mundartgedichte

Erhältlich über Erich Stöger,

Buchen 1, 3300 Winklarn, Tel. 07472 61337

Vor fast 30 Jahren erschien der erste Band der

Mundartgedichte von Erich Stöger vulgo Buchabauer.

Inzwischen sind sechs Bände, ein Sammelband

und ein Band mit Vierzeilern und

Gstanzln erschienen. Der nunmehr vorliegende

neunte Band beinhaltet wieder einmalige

Gedichte im kostbaren Dialekt. Es sind unnachahmliche,

meist humorvolle Gedichte, die das

Leben der Bauern und ihrer Partner, wie Ärzte,

Jäger, Politiker usw., aufs Korn nehmen. Aber

auch dem Alltagsleben sind Gedichte gewidmet,

dem Muttertag, dem Bittgang, dem Erntedank,

dem Tratsch, auch vor der Kirchentür – immer

wieder wundert man sich, was der Buchabauer

alles sieht und was er dazu zu sagen hat. /

MOSAIKSTEINE

——————————————————————

Spurensuche in der Mostviertler Geschichte

Bildband, reich illustriert, ca. 500 Seiten

Subskriptionspreis: EUR 25,00

VEMOG – Verein zur Erforschung der Mostviertler

Geschichte

Erhältlich unter: Tel. 0676 88511229

eva.zankl@magistrat.waidhofen.at

35 Autorinnen und Autoren aus den Bereichen

Geschichte, Heimatkunde und Literatur erzählen

bisher noch nicht gehörte Geschichten aus

dem Mostviertel. Ein liebevoll gestaltetes Buch

begleitet den Leser auf einer spannenden Reise

durch die Region zwischen Donau und Alpen. /

schaufenster / Kultur.Region / Oktober/November 2013


Bücher, CDs & feine Ware / 35

DER BEZIRK HORN

IN ALTEN ANSICHTEN

——————————————————————

Erich Rabl: Der Bezirk Horn

Die Reihe Archivbilder / Niederösterreich

Sutton Verlag, 96 Seiten, 167 Bilder (sw)

ISBN: 978-3-95400-172-9

EUR 19,95

Im Sutton Verlag erschien jetzt ein neuer Bildband:

„Der Bezirk Horn“ von Dr. Erich Rabl,

Leiter des Stadtarchivs Horn. Mit knapp 170 bisher

weitgehend unveröffentlichten historischen

Aufnahmen aus privaten und öffentlichen

Sammlungen wird die abwechslungsreiche

Geschichte des Bezirks von den 1870er bis in die

1970er Jahre dokumentiert. Die Aufnahmen zeigen

zahlreiche Personen, die im Bezirk gewirkt

haben, kirchliches und schulisches Leben, Vereine,

private und öffentliche Feste sowie das frühere

Aussehen der Orte im Bezirk.

Der Band gliedert sich in vier Abschnitte. Zuerst

werden die Bezirkshauptstadt Horn, ihr Werden,

frühere Ansichten und wichtige Ereignisse

bildlich erfasst. Im zweiten Abschnitt, „Menschen

im Bezirk“, werden Personen vorgestellt,

die im Bezirk im positiven wie negativen Sinn

im Blickfeld der Öffentlichkeit standen. Die

Bandbreite reicht vom Ausrufer Johann Singer

(1902–1984) bis zu den Bundespräsidenten Wilhelm

Miklas (1872–1956) und Rudolf Kirchschläger

(1915–2000). Der dritte Abschnitt widmet

sich den Städten Eggenburg, Drosendorf, Geras

und dem Markt Gars am Kamp. Der vierte Teil

des Bildbandes beschäftigt sich mit den „kleinen

Orten im Bezirk“. Hier reicht der Bilderbogen

von Altenburg bis Zogelsdorf. Dabei wird der

Leser vieles Unbekannte oder wenig Bekanntes

finden. Wer hat z. B. wirklich schon den neugotischen

Altar der Kirche Maria im Gebirge gesehen

/

WEINVIERTLER

BROT

——————————————————————

Wolfgang Galler: Unser täglich Brot.

Von Bäckern, Müllern und Bauern im Weinviertel.

Mit traditionellen Brotgerichten von

Manfred Buchinger.

Edition Winkler-Hermaden, 2013.

ISBN 978-3-9503378-6-0

EUR 19,90

www.edition-wh.at

Entgegen dem Untertitel berichtet Wolfgang

Galler von Bauern, Müllern und Bäckern und

nicht umgekehrt, was eine sehr sinnvolle Abfolge

darstellt. Als Historiker mit persönlicher Beziehung

zur Regionalgeschichte und großer volkskundlicher

Neigung stellt uns der Autor einen

gelungenen Mix aus Bilderbuch, Familiengeschichten,

Sagenhaftem und fundierter Sachkenntnis

zum Thema Brot vor. Da sind es der

Bauer, der das Korn liefert, der Müller, der es

vermahlt, und schließlich der Bäcker, der uns

das Brot auf den Tisch liefert, deren Geschichte

im Weinviertel nachgezeichnet wird. Galler

musste aufwändig recherchieren. Dabei hat er

nicht nur Facts zusammengetragen, sondern

auch ein umfangreiches Bildmaterial, vorwiegend

aus privaten Fotoschachteln. Gerade die

Bebilderung bietet eine zweite Ebene, die durch

die sorgfältig recherchierten Bildtexte eine

Metageschichte erzählt. Es werden Müller- und

Bäckerdynastien vorgestellt, die über Generationen

die Region geprägt haben. Manche Sprosse

sind berühmt geworden wie Schauspieler Oskar

Sima, Bäckerssohn aus Hohenau/March, oder

Vizekanzler Hermann Withalm, Müllerssohn

aus Gaweinsthal. Die Lektüre ist unterhaltsam

und abwechslungsreich, geeignet, sich eine

Leserschaft weit über das Fachpublikum hinaus

zu erschließen. Manfred Buchinger, Haubenkoch

in Riedenthal, hat ein paar Brotrezepte beigesteuert

und lädt zum Nachkochen ein. /

(Richard Edl)

DER BRÜNNERSTRASSLER

SOLL LEBEN

——————————————————————

Thomas Hofmann: Brünnerstraßler ABC

Mit Farbillustrationen von Franz Schwarzinger

Driesch Verlag, ISBN 978-3-902787-11-8

EUR 13,00

www.drieschverlag.org

Wer wie Thomas Hofmann ebenso Weinviertler

wie Wiener ist, obendrein Geologe und Autor,

kann als ausgewiesener Fachmann des Brünnerstraßlers

gelten. Erstens ist die Brünner Straße

jene Verbindung zwischen Wien und dem Weinviertel

bis hinaus nach Brünn, zweitens kennt

er als Geologe die Grundlage des Weins. In

alphabetischer Reihenfolge huldigt er dem Brünnerstraßler,

der als Gemischter Satz in Dopplern

auf dem Tisch stand. Schon hier sehen wir –

drei vom Aussterben bedrohte Dinge. Eben jener

rescher Wein, der nicht sortenspezifisch, also als

Gemischter Satz in Dopplern abgefüllt wird.

Noch. Hofmann hat von A bis Z viele triftige

Gründe mit ernster Liebe und gleichzeitig

augenzwinkernd gelistet, die den Brünnerstraßler

neben all den hochgebildeten Weinen leben

lassen sollen. Denn „der Brünnerstraßler bleibt

ein Brünnerstraßler und will auch gar nichts

anderes sein“. /

HEIZKISSEN

——————————————————————

Das ist ein ganz natürliches Heizkissen, ohne

Strom, aus heimischer Wollkraft und alles öko.

Die Popodackerl aus der Waldviertler Obermühle

sind aus gefilzter Wolle. 35 cm x 35 cm und

aus grauem Filz und wahlweise mit bunter

Oberseite: rot, blau, grün, violett. Das Wollwerk

und die Matratzen- und Deckenerzeugung in

der Obermühle bei Kautzen waren wesentlich

an der Wiederentdeckung und -verarbeitung der

Handfilztechnik beteiligt. /

Galerie der Regionen

3504 Krems-Stein, Donaulände 56

Tel. 02732 85015 15

Öffnungszeiten

Di–Fr, 10.00–12.00 u. 15.00–18.00 Uhr, jeden

1. Sa im Monat 10.00–12.00 u. 14.00–17.00 Uhr,

an Konzerttagen bis 21.00 Uhr

schaufenster / Kultur.Region / Oktober/November 2013


Museumsdorf Niedersulz / 36

Alte Obstsorten

SPÄTE SCHÖNHEIT

An die 400 alte und lokale Obstsorten werden im Museumsdorf Niedersulz kultiviert.

Batullenapfel.

schaufenster / Kultur.Region / Oktober/November 2013


Museumsdorf Niedersulz / 37

Gelbe Museum: Ein Lokalsorte, die im Museumsdorf entdeckt und getauft wurde.

Seit 20 Jahren werden hier alte Obstsorten kultiviert.

Der Herbst zeigt sich in den Gärten als ganz

besondere Jahreszeit. Für manche gilt er

sogar als die schönste Gartenjahreszeit: Als

buntes Farbenfeuerwerk mit einer Prise Vergänglichkeit

und Morbidität präsentiert er

sich. Prächtige farbenintensive Herbstblüher

leiten als späte Schönheiten in den Herbstgärten

das „grande finale“ des Gartenjahres

ein. Herbstzeit ist in unseren heimischen

Breiten gleichzeitig auch Erntezeit. Die

Weinlese findet in diesen Herbsttagen statt;

auch für viele landwirtschaftliche Feldfrüchte

wie Kürbisse, Kartoffel, Mais etc. oder für

viele Obstfrüchte wie Apfel, Birne und

Zwetschken ist nun die Zeit der Ernte

gekommen. Im Museumsdorf Niedersulz

nehmen vor allem die rund 600 Obstbäume

mit ca. 400 alten und lokalen Sorten in dieser

Zeit eine ganz besondere Stellung ein.

Nicht nur die Sammlung historischer

Gebäude und Objekte steht im Fokus des

größten Freilichtmuseum Niederösterreichs,

sondern auch die Sammlung, Evaluierung

und Erforschung alter Obstsorten hat man

sich im Museumsdorf schon seit über zwei

Jahrzehnten zur Aufgabe gemacht.

Sortenwissen erhalten

Die Sammlung alter Obstsorten im Museumsdorf

beruht auf einer langjährigen Kooperation

mit dem Ökokreis, einem Verein

zur Förderung biologischer, ökologischer

und sozialer Initiativen mit Sitz in Ottenstein

im Waldviertel (www.oekokreis.org).

Bereits im Jahr 1990 wurde die Idee geboren,

auch im Weinviertel nach „verschollenen“

alten Sorten zu suchen und diese im Museumsdorf

Niedersulz als lebende Zeugen

einer blühenden, bäuerlichen Kulturpflanzenvielfalt

zu erhalten. „Die Harmonie zwischen

Kultur und Natur macht das Museumsdorf

zu dem, was es heute ist“, sagte

Prof. Josef Geissler, der Begründer des

Museumsdorfes, vor vielen Jahren. Viele

jahrelange Aktivitäten, Akribie und Konsequenz

waren notwendig, um zu dieser

umfangreichen Sammlung alter und lokaler

Kern- und Steinobstsorten zu gelangen und

diese zu erhalten.

Mitarbeiter des Ökokreises und Studenten

der Universität für Bodenkultur Wien waren

im Rahmen eines Forschungsprojektes zur

Kartierung und Erhaltung genetisch wertvoller

Obstsorten in Niederösterreich in den

Jahren 1992 bis 1994 tätig. Im Jahr 2002

erfolgte die Einbindung des Obstprojektes in

die Aktion „Natur im Garten“. Die lange Jahre

geführte Baumschule, in der Jungbäume alter

Sorten erhältlich waren, wurde vor einigen

Jahren stillgelegt, existiert jedoch noch im

kleinen Rahmen zur Anzucht von Erhaltungsbäumen

in der angeschlossenen Gärtnerei

des Museumsdorfes. Bereits im Jahr

1991 konnte im Rahmen eines „Erntedankfestes“

die erste Obstausstellung mit über

hundert unterschiedlichen, alten Apfel- und

Birnensorten präsentiert werden – mit gleichzeitiger

Verkostung einer Selektion reifer

Früchte. Vor allem die Vielfalt der unterschiedlichen

Geschmacksvariationen des

„alten“ Obstes faszinierte damals wie heute.

Die Aktion zur Erhaltung der alten Sorten

hat im Laufe der Jahre viele einzigartige

„Obst-Schätze“ im Museumsdorf zum Vorschein

gebracht: So galten beispielsweise die

Kritzendorfer Einsiedekirsche oder die

Schneebergkirsche als verschollen, bis sie in

einigen Weinviertler Hausgärten wieder entdeckt

wurden. Überraschend war auch die

Vielzahl von Sommeräpfeln wie etwa der

Herzogin-Olga-Apfel oder der sogenannte

Müschens-Rosenapfel, die beide in der zweiten

Hälfte des 19. Jahrhunderts in Deutschland

erstmals beschrieben wurden und die

eine gute Alternative zum Klarapfel darstellen.

Neben diesen pomologisch eindeutig

bestimmbaren alten Sortenraritäten findet

man im Museumsdorf eine Fülle sogenannter

Lokalsorten. Diese sind aus Sämlingen

oder Wildlingen (= verwilderte Kulturformen

von Pflanzen) hervorgegangen, mit

hervorragenden Eigenschaften, die sich

optimal an den jeweiligen Standort angepasst

haben. Sie wurden zwar ebenfalls

immer wieder veredelt, jedoch nie von

einem Pomologen erfasst und beschrieben

und in ein Sortenbuch übernommen. Diese

„namenlosen Waisenkinder“ sind ganz

besondere Raritäten im Museumsdorf. Ein

Beispiel dafür ist der köstlich schmeckende

„Museumsdorfapfel“ oder „Gelber Museum“,

der im Museumsdorf entdeckt und

deshalb auf diesen Namen getauft wurde.

Vitamine für den Winter

Will man sich für den Winter einen kleinen

Vitaminvorrat an Obst zulegen, ist eine

sachgerechte Lagerung unabdingbar – hier

einige Tipps: Eine gute Obstlagerung beginnt

primär mit der richtigen Ernte. Ein

schaufenster / Kultur.Region / Oktober/November 2013


Museumsdorf Niedersulz / 38

Winterforellenbirne.

Herbstbirne „Grand Champion“ im Südmährerhof des Museumsdorfs.

Parameter, der bei der Obsternte besonders

wichtig ist, ist der richtige Erntezeitpunkt

und Pflückreife. Auf keinen Fall dürfen die

Früchte zu „grün“ sein. Ein zu frühes Abernten

ist ebenso wenig optimal wie eine zu

späte Ernte, wenn das Obst überreif und

bereits mehlig ist – wobei es nach Sorte variiert.

Beim Erntevorgang sollte man zudem

aufpassen, dass die Frucht mitsamt dem

Stiel gepflückt wird. Weiters sollen nur wirklich

einwandfreie Früchte zur Lagerung ausgewählt

werden. Das heißt: Früchte mit

faulen Stellen oder mit Schädlingsbefall wie

etwa Fraßspuren sind ein „No-go“ für Lagerobst.

Eine Ernte bei Regen bringt ebenfalls

keinen Lagererfolg, da feuchte Früchte ideale

Nährböden für Pilze sind und sehr leicht

verderben. Beim Ernten das Obst vorsichtig

in einen Kübel legen, den man am besten

mit einem Haken am Baum befestigt. Früchte

nicht fallen lassen oder unvorsichtig in

eine Kiste schütten. Achtung vor Druckstellen!

Im Lager selbst sollten die Früchte nicht

übereinander gelegt werden. Ideal ist, wenn

man Frucht für Frucht nebeneinander legt.

Dafür eignen sich am besten Regale mit

Einlegeböden, sodass die Luft zirkulieren

kann (Schimmelbildung!). Das Obstlager

sollte wöchentlich kontrolliert und faulende

Früchte entfernt werden. Äpfel sollten auch

niemals neben Erdäpfeln gelagert werden,

denn die Reifehormone, die die Äpfel bei der

Lagerung bilden, regen die Erdäpfel zum

Austreiben an.

Traditionell werden und wurden Äpfel und

Birnen in den sogenannten Erdkellern gelagert.

Der offene Erdboden und die Ziegeln

aus Ton oder Lehm, die die Feuchtigkeit

ausgleichen, schaffen frostfreie und durchlüftete

Bedingungen und ein ideales Klima

für die Obstlagerung. Wenn kein Lehmkeller

vorhanden ist, wäre ein kühler, luftiger

und dunkler Raum eine alternative Möglichkeit.

Eine nette Idee ist der „Minikeller“

für den Balkon: Man nimmt eine große

Holzkiste mit Deckel, legt sie mit Ziegeln

aus und deckt sie mit einem mit Stroh

gefüllten Jutesack ab. Im Kühlschrank gelagertes

Obst wird oft schnell runzelig, da die

Kühlung den Früchten die Feuchtigkeit entzieht.

Wenn trotzdem keine andere Möglichkeit

vorhanden ist, kann man das Obst

in luftdurchlässige Frischhaltefolie einpacken,

dann hält es zumindest kurzfristig. /

Text: Ute Baich, Ulrike Nehiba, Freya Martin

Fotos: Museumsdorf Niedersulz

veranstaltungen

im OKtober

———————————————————

So, 6. 10. 2013, 10.00–18.00 Uhr

Dorfherbst

Herbstliche Arbeiten rund um Erntedank

wie „Woaz ausles’n“ und „Drischel

dresch’n“. Traditionelle Bräuche, altes

Handwerk, Musik, Schmankerl und frischer

Sturm. In Kooperation mit der

Landjugend Zistersdorf. 15.00 Uhr: Betty

Bernstein im Museumsdorf – Familienführung

durchs Dorf.

Sa, 26. 10. 2013, 13.00–17.00 Uhr

Weinviertler Herbstbräuche

Federn schleiß’n und Striezel poschn –

traditionelle Weinviertler Herbstbräuche

und Winterarbeiten zum Saisonende im

Museumsdorf Niedersulz.

15.00 Uhr: Spezialführung „Herbst- und

Winterbräuche“ mit Andrea Grünwald.

Museumsdorf Niedersulz

2224 Niedersulz 250

Tel. 02534/333

info@museumsdorf.at

www.museumsdorf.at

schaufenster / Kultur.Region / Oktober/November 2013


Museen / 39

Museen der Stadt Horn

MAMMUTJagd &

LANGHAUS

Die reiche Urgeschichtssammlung wurde neu aufgestellt.

Die „Venus von Eggendorf“.

Die Museen der Stadt Horn gehen im Kern

auf die lebenslange Sammlertätigkeit von

Josef Höbarth zurück, der 1930 mit seiner

Schenkung den Grundstock des Höbarthmuseums

gelegt hat. Durch intensivste Grabungs-

und Sammeltätigkeit, durch Lesen

und Begegnungen mit Fachleuten hat er sich

im Laufe seines Lebens den Ruf eines exzellenten

Kenners der urgeschichtlichen Entwicklung

der Region um Horn schwer erarbeitet.

Im ursprünglichen Museum in der Prager

Straße platzten die Räume aus allen Nähten,

da der Sammler natürlich zeigen wollte, was

es an Schätzen gab. Mit der Übersiedlung

des Museums in das ehemalige Bürgerspital

gliederte ein Ausstellungskonzept die Schau,

welche vier Jahrzehnte die Sammlung zeigte.

Damit verbunden war die Inventarisierung

der über 19.000 Artefakte der Urgeschichte.

Ständig wurden die Museen erweitert, die

agrartechnische Sammlung Mader in einem

eigenen Zubau untergebracht. Stadtgeschichte

und Volkskunde fanden neue

Räume. Beim letzten wesentlichen Zubau in

den Jahren 2007/08 entstand durch die

„Überbauung“ des Hofes eine neue Halle.

Depotbestände ins Rampenlicht

Das war Anlass, die Urgeschichte neu aufzustellen.

Umfangreiche Depotbestände der

einzelnen Abschnitte waren zu sichten,

vieles kommt dadurch wieder ins „Rampenlicht“.

An den Bedürfnissen des interessierten

Besuchers war die Neuaufstellung zu

orientieren, keine technisch aufwändigen

Inszenierungen, sondern die Präsentation

der Originale, die gerade diese Sammlung

ausmachen.

Als erster Schritt wird in zwei Räumen die

Steinzeit dargestellt: vom ersten Nachweis

des Menschen hier, seiner Tätigkeit als Jäger

und Sammler, seine Werkzeuge, wovon er

sich ernährt, wie er gelebt, sich gegen Witterung

und Kälte geschützt hat. Der erste Blick

im Altsteinzeitraum fällt auf einen enormen

Mammut-Stoßzahn, eine Projektion gibt

den Eindruck dieser mächtigen Tiere wieder.

Die Entwicklung, Verfeinerung der

Werkzeuge in den einzelnen Kulturschritten,

vor allem aber die Dichte der Funde

gerade im Horner Raum, zeigt sich in den

Vitrinen.

Das Sesshaftwerden als wesentlicher Kulturschritt

wird im Raum der Jungsteinzeit

gezeigt. Verbunden mit dem Bau von sogenannten

„Langhäusern“ – ein anschauliches

Modell ragt durch ein Fenster in die neue

Halle – ist der Beginn einer Feldwirtschaft

und Tierhaltung, damit die Erfordernis neuer

Werkzeuge. Bestattung und Erinnerung an

Verstorbene erhalten mit der neuen Lebensweise

neue Formen. Eine große Vitrine zeigt

ausgewählte Steinbeile. Die Darstellung einer

Kreisgrabenanlage verbindet sich in diesem

Raum mit einem der attraktivsten Fundstücke,

der „Venus von Eggendorf “. Eine

Reihe von sogenannten „Idolen“ – Menschund

Tierdarstellungen – ist zu sehen.

Schädelnest von Poigen

Ein bis heute unerklärliches Ereignis liegt

dem „Schädelnest aus Poigen“ zugrunde.

Mord oder Hinrichtung einer Gruppe von

Menschen könnten die Erklärungen für diesen

Fund sein.

Beschriftung, Bilder, Projektionen und Zeittafeln

stellen im erforderlichen Ausmaß

Informationshilfen, ohne die Besucher mit

Texten zu überfrachten. An den nächsten

Räumen – Bronze- und Eisenzeit – wird

gearbeitet. /

Text: Toni Kurz

Foto: Wolfgang Andraschek

MUSEEN DER STADT HORN

———————————————————

3580 Horn, Wiener Straße 4

Tel. 02982 2372

wwww.hoebarthmuseum.at

Öffnungszeiten: Bis Do, 31. 10. 2013,

Di–So 10.00–17.00 Uhr

schaufenster / Kultur.Region / Oktober/November 2013


Stift Zwettl / 40

Schatzkammer

KOSTBARE aufGABE

Die Neugestaltung der Schatzkammer anlässlich des Jubiläums 875 Jahre Stift Zwettl.

Kloster der Zisterzienser von Zwettl ist die

neue Sakristei im Stil des Barock an die

Ostseite der Kirche, an deren „österliche“

Seite, angebaut, wobei die obere Etage alles

im Gottesdienst Verwendete aufbewahrt

und Schatzkammer genannt ward, die untere

Etage zur Bereitung der Feier des Heiligen

dient und als Sakristei (im eigentlichen

Sinne) bezeichnet wird. So war es bis in die

zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts.

Eine Schatzkammer im Kloster – ist das eine

Selbstverständlichkeit oder ein Widerspruch

Die einen identifizieren Klöster mit

Reichtümern, Kostbarkeiten und Schätzen,

durch Jahrhunderte angesammelt, an Wert

gewonnen und ehrfürchtig aufbewahrt. Für

die anderen widerspricht es sich: In Klöstern

leben doch Menschen, die sich dem Ideal

der Armut verschrieben haben; ihr Schatz

ist im Himmel (vgl. Mt 6,19–21; 19,21;

Lk 12,33–34; Jak 5,2–3). Deshalb braucht er

weder gesichert noch bewacht zu werden.

Wie kommt ein Kloster

zu seinen Schätzen

Elfenbeinmadonna, Frankreich, vor 1258 ().

Sie sind ursprünglich Materie und Material

zum Vollzug des Gottesdienstes, der klösterlichen

Menschen nach der Weisung des hl.

Benedikt über alles zu gehen hat! In den

offenen Himmel hinein feiern sie und werden

zum Echo der Engel. Und darf dem

Gotteslob nichts vorgezogen werden und ist

der Liebe zu Christus nichts vorzuziehen, so

ist das Gotteslob der Nonnen und Mönche

vornehmste Auf-Gabe und die Liebe zu

Christus deren Motiv(ation).

Wo sind die Schätze

in einem Kloster

Hat die Sakristei, ihrem Namen gemäß,

ursprünglich das vor allem für die Kranken

aufbewahrte Allerheiligste in sich geborgen,

so ward sie später zur Aufbewahrungsstätte

für alles im Gottesdienst Benötigte. Im

Abt Ferdinand Gießauf (1961–1980) ließ das

in den klösterlichen Anfängen an der Ostseite

des Kreuzganges für den Prior anberaumte

Sprechzimmer zu einer neuen, nunmehr

auch so genannten Schatzkammer

adaptieren und mit bedeutsamen Exponaten

aus der oberen Etage der barocken Sakristei

und aus dem aufgelassenen Stiftsmuseum

der Öffentlichkeit zugänglich machen. Der

Einbau einer Panzertür vor der Jahrtausendwende

erwies sich als Unglück für die beiden

Ausstellungsräume, deren klimatische

Bedingungen und Pflege darunter zu leiden

begann. So entschlossen sich Abt Wolfgang

Wiedermann und sein Konvent anlässlich

der Restaurierung der Stiftskirche zu einer

Sanierung und Umgestaltung der bisherigen

Schatzkammer. Das neue Antlitz dazu gaben

Doris Zichtl und Marcello Martin Hrasko,

als „no mad designers“, vermittelt durch

Andreas Gamerith, einem exzellenten

Experten für Paul Troger und dessen Schaffen

und Werke.

Schatzkammer Sakristei

Die altehrwürdige Darstellung des Gekreu-

schaufenster / Kultur.Region / Oktober/November 2013


Stift Zwettl / 41

Detail: Engel vom Sockel der Elfenbeinmadonna.

Abtstab aus Elfenbein, um 1250 (barock ergänzt mit

gefassten Glassteinen und Figurengruppe).

zigten mag, beim Eintritt in den Raum der

edlen Kostbarkeiten, an die grünende Eiche

des Hochaltars in der Kirche mit dem Crucifixus

inmitten erinnern, und dies alles

wiederum, „was Gott den Menschen an dieser

Stätte paradiesisch träumen lässt“! So

wird überliefert, dass „in den Weihnachten“

(1137/38) das Traumgesicht der Frau, die

Gott unter den Menschen geboren und

damit zuerst das wahre Licht der Welt

erblickt hat, dem Ritter Hadmar von Kuenring

und dem Mönch Hermann von Heiligenkreuz

die Stätte zur Errichtung eines

Klosters mit einer mitten im Winter grünenden

Eiche bezeichnet habe.

Zur Zeit von Abt Johann Bernhard Linck

(1646–1671) wurde das romanische Reliquienkreuz

zu einem Vortrags- und Kapitelkreuz

adaptiert. Dieser Abt datiert es, nach

seiner Deutung verschiedener historischer

Quellenangaben in einer Inschrift, in die

Zeit von Abt Bohuslaus: um 1250. Doch

dem Stil nach und ob anderer vergleichender

Studien mag dieser kunsthistorisch sehr

wertvolle und kostbare Gegenstand mittelalterlicher

Goldschmiedekunst im Zwettler

Kloster älter sein, etwa um 1170 entstanden.

Abt Bohuslaus (1248–1258) war ein eifriger

Reliquiensammler. Die schier unglaubliche

Menge von über 300 Reliquien, wie sie das

Stiftungenbuch von Zwettl auflistet und der

Freude des Abtes zuschreibt, kann unmöglich

in diesem Kreuze sein, obgleich es

davon seinen in die Fachliteratur und in die

Klostergeschichte eingegangenen Namen

beibehalten wird.

Entgegen aller Überlieferung enthält auch

die anmutige gotische Madonna aus Elfenbein

gewiss keine Reliquien, wie wohl sie

selbst eine „Reliquie“ sein mag, aus ebenso

alter Zeit, ein weiteres Kleinod inmitten der

neuen klösterlichen Schatzkammer. Diese

Statuette dürfte der „heilige Rest“ aus dem

Mittelstück eines Klappaltärchens sein. Die

Legende weist sie aus als ein Geschenk des

heiligen Königs Ludwig IX. von Frankreich,

dem Ursprungsland der Zisterzienser, an

Abt Bohuslaus bei dessen Aufenthalten zum

Generalkapitel in Citeaux, in der Mutterabtei

des Ordens.

An Reisen, wie an das Kommen der Weisen

aus dem Morgenland, wie an die Aussendung

der Apostel in alle Welt, wie an das

(klösterliche) Leben selbst, im Sinnbild eines

Weges durch die Zeit auf Erden, erinnert

jedes – gemäß dem lateinischen Wortsinn

sogenannte – Pastorale, des Hirten Stab (vgl.

Ps 23(22),1.4) in vielerlei Formen und Fassungen.

Der romanische Abtstab aus Elfenbein

ist um 1240 angefertigt, die zierliche

Figurengruppe in der Krümmung jedoch

erst um 1650.

Die wahren Schätze

Galt der erste Blick dem Gekreuzigten, auf

den alle schauen werden, die ihn durchbohrt

haben (Sach 12,10; Joh 19,31; Offb 1,7), so

gilt insgesamt der im davon angesprochenen

Herzen bewahrte, alles zusammenschauende

„Ein-Blick“ in diese Schatzkammer dem

Mysterium des Kreuzes, unter dem die Frau

in den Wehen seines Todes steht, also dem

Geheimnis eines Glaubens, der auch durch

kostbare Kunst entbirgt und verbürgt, „was

der Mensch Gott wert ist“! Eine begnadete

Antwort, die dem am Kreuz ausgelegten

Ernstfall der Liebe menschlich dankt, ist

gewiss jedes Martyrium, das am Beispiel der

hl. Barbara und der hl. Agatha, den Frauen

unter dem Kreuze gleich, zwei spätgotische

Holzreliefs eindrucksvoll und ausdrucksstark

„auszeichnen“, worauf das ebenso

altehrwürdige Agneskreuz verweist.

Die wahren Schätze sind die Menschen,

nämlich jeder Mensch, der diese klösterliche

Schatzkammer besucht und ein Leben lang

ihn (er)sucht, der aus solcher Kunst kündet:

„Ich liebe dich, o Mensch! Du bist mein

Schatz im Himmel!“ /

Text: P. Martin Strauß OCist

Fotos: Dieter Schewig

STIFT ZWETTL

———————————————————

Schatzkammer

Zisterzienserstift Zwettl, 3910 Zwettl

Tel. 02822 20202-0

Öffnungszeiten

Bis Do, 31. 10. 2013 täglich mit

Führung um 11.00 und 14.00 Uhr,

ebenso Ostern bis Fr, 31. 10. 2014

www.stift-zwettl.at

schaufenster / Kultur.Region / Oktober/November 2013


Museen / 42

Stadtmuseum Wiener Neustadt

FAMILIENALBUM

Die Ausstellung zeigt anhand von Fotos und einmaligen Exponaten die Lebenswege von jüdischen

Familien, die im letzten Viertel des 19. Jahrhunderts in die Stadt zugewandert waren.

Ein Teil konnte dem NS-Regime entrinnen

und in verschiedenen Exilländern überleben.

Unzählige Leben wurden ausgelöscht –

nur wenige überlebten den Völkermord.

Chinesisches Dokument des Herrn Kaufmann.

Mit ihren Bildern kommt die Geschichte der

Menschen jetzt zurück. Überlebende der

Shoah und ihre Nachkommen schlagen ihr

Familienalbum für uns auf, um uns einen

Einblick in ihr Leben zu gewähren. Diese

Bilder führen uns in die Vergangenheit von

Wiener Neustadt, in die jüdische Welt von

damals und lassen uns Lebenswege jüdischer

Familien nachvollziehen. /

Fotos: Stadtmuseum Wiener Neustadt

Als die Welt noch fast in Ordnung war: Eislaufen in

Wiener Neustadt.

Kurz nach der Stadtgründung im Jahr 1192

hatten sich bereits Juden und Jüdinnen in

der einstigen „Neustadt“ angesiedelt. Ihre

Zahl wuchs bis zum Spätmittelalter kontinuierlich

an. Mit dem Ausweisungsbefehl von

Kaiser Maximilian I. im Jahr 1496 wurde die

geduldete Minderheit schließlich vertrieben

– mit dem Ziel, sie „auf ewige Zeit“ vor die

Tore der Stadt zu setzen. Doch es kam anders,

als sich ab der Mitte des 19. Jahrhunderts

Juden und Jüdinnen in Wiener Neustadt wieder

niederlassen durften. Die jüdische

Gemeinde von Wiener Neustadt entwickelte

sich zu einer der größten Israelitischen Kultusgemeinden

(IKG) des Landes Niederösterreich.

In den 1920er Jahren lebten fast 700

Glaubensjuden in der IKG, die damals die

Die Ziehharmonika gehörte einer Flüchtlingsfamilie

aus Wiener Neustadt, die auf der „Patria“ war.

zweitgrößte IKG des Landes darstellte. 1938

wohnten schließlich ca. 870 Juden und

Jüdinnen im Stadtgebiet. Es waren Jahrzehnte

des lebendigen und vielfältigen jüdischen

Lebens in der Steinfeldstadt. Mit der Vertreibung

der jüdischen Bevölkerung im Jahr

1938 wurde die jüdische Gemeinde von Wiener

Neustadt zum zweiten Mal zerstört. Dieses

neuerliche Ende war aber gewaltsamer

denn je, weil das Ziel des Nationalsozialismus

letztlich in der totalen Vernichtung des

jüdischen Volkes bestand.

Shoah und Exil

Die jüdischen Mitbürger verschwanden aus

der Stadt und mit ihnen die jüdische Kultur.

FAMILIENALBUM

———————————————————

Stadtmuseum Wiener Neustadt

2700 Wiener Neustadt, Petersgasse 2a

Tel. 02622 373951

Öffnungszeiten: Bis So, 2. 2. 2014,

Mi, Fr, Sa, So, Fei 10.00–16.00 Uhr,

Do 10.00–20.00 Uhr

stadtmuseum.wiener-neustadt.at

Werner Sulzgruber:

„Lebenslinien. Jüdische Familien und ihre

Schicksale. Eine biografische Reise in die

Vergangenheit von Wiener Neustadt“

602 Seiten, Verlag Berger

EUR 29,90

ISBN 978-3-85028-557-5

www.verlag-berger.at

schaufenster / Kultur.Region / Oktober/November 2013


Museum / 43

Familie Schubert

VERMENSCHLichUNG

Der Familie von Franz Schubert ist die Sonderausstellung im Mährisch-Schlesischen Heimatmuseum

gewidmet. Ein Beitrag zur „Vermenschlichung des Genies“.

Geburtshaus der Mutter Franz Schuberts

in Zuckmantel/Zlaté Hory. Foto: MSHM

Bauer-Lehrer-(Lieder-)Fürst, das ist eine

bemerkenswerte Karriere innerhalb von drei

Generationen. Allerdings war schon Carl

Schubert – der Großvater des Komponisten

– kein gewöhnlicher Bauer, sondern „Bauer

und Dorfrichter“ in Neudorf/Vysoká bei

Mährisch-Schönberg, Bezirk Altstadt

(Šumperk, Tschechien). Das Mährisch-

Schlesische Heimatmuseum widmet der

Familie Franz Schuberts (1797–1828) seine

diesjährige Sonderausstellung.

Das Deutsch-Verzeichnis der Werke Franz

Schuberts umfasst 1.000 Nummern, darunter

600 Lieder. Über den „Liederfürsten“ hat

es schon viele Ausstellungen gegeben,

besonders in Jubiläumsjahren. Das

Mährisch-Schlesische Heimatmuseum geht

einen anderen Weg. Ausstellungskurator

Michael Ambrosch sieht den Beitrag des

Museums als „Ergänzung, Erweiterung und

Vermenschlichung des Genies“. Er will den

Besuchern „manch unbeachtetes Detail aus

dem Leben des Komponisten näher bringen,

um das allzu oft idealisierte und verklärte

Bild ein wenig ins wirkliche Leben zurückzuholen“.

Man betritt die Ausstellung durch ein Portal,

das jenem des Geburtshauses in Wien IX,

Nussdorfer Straße 54, nachempfunden ist,

und lernt die Umwelt kennen, in welcher der

Komponist groß wurde, wie die Häuser, in

denen er als Schulgehilfe seines Vaters

unterrichtete, oder die Lichtentaler Kirche,

in der die Uraufführung seiner Messen stattfand.

Notenblätter, Erinnerungsstücke und

eine historische Nachbildung der „Schubertbrille“

sind hier zu sehen. Den Blickpunkt

bildet eine Collage aus Dutzenden Schubertporträts,

die im Lauf von Jahrzehnten der –

mehr oder weniger künstlerischen – Phantasie

entsprungen sind.

Mährische Wurzeln

Der Hauptraum stellt die älteren Familienmitglieder

im Bild vor: den Vater Franz

Theodor (1763–1830), der nach Wien auswanderte

und hier Bürger wurde, die Brüder

Ferdinand (1794–1859) und Karl (1795–

1855), die zu ihrer Zeit als Schulbuchautor

bzw. Maler bekannt waren. Die Einrichtungs-

und Gebrauchsgegenstände aus der

städtischen Biedermeierkultur kontrastieren

mit der Lebenswelt der bäuerlichen Großeltern

in Mähren. Schlichte Holzobjekte und

Geräte zur Flachsverarbeitung illustrieren

deren hartes Leben. Franz Schuberts Großvater,

Carl (1723–1787), trat dennoch als

Mäzen in seiner Heimatgemeinde auf. Er

stiftete eine Sandsteinfigur des Christus am

Ölberg und eine Kapelle. Beide sind erhalten,

anders als das Geburtshaus der Mutter

Franz Schuberts in Zuckmantel im ehemaligen

Österreichisch-Schlesien (Zlaté Hory,

Tschechien). Auch die älteste fassbare Generation,

Franz Schuberts Urgroßeltern –

Johannes Schubert (1678–1760) und mütterlicherseits

Valentin Vietz (1679–1754) –

wird noch gewürdigt. Der Überlieferung

zufolge war Johannes Vietz Regimentsmusiker

in Flandern; das fränkische Geschlecht

der Schubert lässt sich in der Gegend von

Mährisch-Altstadt schon zu Beginn des

16. Jahrhunderts nachweisen. /

Text: Michael Ambrosch

BAUER – LEHRER –

LIEDERFÜRST

———————————————————

Familie Franz Schubert

Bis Mi, 20. 8. 2014

Mährisch-Schlesisches Heimatmuseum

Schießstattgasse 2 (Rostock-Villa)

3400 Klosterneuburg

Öffnungszeiten

Di 10.00–16.00 Uhr, Sa 13.00–17.00 Uhr,

So 9.00–13.00 Uhr, Fei geschlossen

Schließtage: Mi, 18. 12. 2013–Mo, 6. 1. 2014

www.mshm.at

schaufenster / Kultur.Region / Oktober/November 2013


Ausstellung / 44

W.-H.-Auden-Gedenkstätte Kirchstetten

IN AND OUT

Anlässlich des 40. Todestages des Schriftstellers W. H. Auden zeigt eine Ausstellung rund um sein Haus

die Werke internationaler Künstler, die sich in ihrer Arbeit mit dem Hören, mit der Stimme und mit

Sprachhandlungen beschäftigen.

zu dem, was wir hinlänglich als öffentlich

und politisch oder privat und persönlich

verstehen, von einem gegenwärtigen Standpunkt

aus neu zu zeichnen. In der Ausstellung

werden rund ums Haus die Werke

internationaler Künstlerinnen und Künstler

zu sehen sein, die sich in ihrer Arbeit mit

dem Hören, mit der Stimme und mit

Sprachhandlungen sowie deren formaler,

sprachlicher, räumlicher und gesellschaftspolitischer

Transformation und Übersetzung

beschäftigen.

The Cave of Making –

Die Höhle des Schaffens

W. H. Auden (1907–1973) verbrachte die Sommer in Niederösterreich, die Winter in den USA. Foto: z. V. g.

Der angloamerikanische Schriftsteller

Wystan Hugh Auden hatte bereits sein frühes

Coming-out als homosexueller Mann

und Schriftsteller im Berlin der Weimarer

Zeit, sein politisches Engagement als Antifaschist

im Spanischen Bürgerkrieg und dem

Japanisch-Chinesischen Krieg, seine Hochzeit

mit Erika Mann, um sie vor der Deportation

des Naziregimes zu schützen, seine

Emigration von England nach New York

1939, die Zusammenarbeit mit Komponisten

wie Igor Strawinsky, Benjamin Britten

oder Hans Werner Henze sowie weltweite

Reisen und zahlreiche Publikationen hinter

sich, für die Auden bereits internationalen

Ruhm erlangte, als er 1958, gemeinsam mit

seinem Partner Chester Kallman, in das neu

erworbene Haus in dem niederösterreichischen

Dorf Kirchstetten zog. Mit diesem

Haus, in dem er bis zu seinem Tod 1973

immer in den Sommermonaten lebte,

scheint Auden so etwas wie eine Insel gefunden

zu haben. Von hier aus und hierher

zurückkehrend knüpft er – In and Out –

Verbindungslinien zu einer Gemeinde, mit

der er scheinbar nichts gemeinsam hat.

Das Leben und Werk W. H. Audens steht

hier für die Verinnerlichung eines Außenseitertums.

Die Gleichzeitigkeit von Dislokation

und Anderssein sowie die Nähe

zum Alltäglichen und das „Innen“ sind

Motive dieses Kunstprojektes, um anhand

von künstlerischen Werken die Grenzlinien

Das Auden-Haus in Kirchstetten ist sowohl

der reale Ausstellungsort als auch ein Ausgangspunkt

für Überlegungen zu der Frage,

wie die Trennlinie zwischen dem privaten

Innen und dem politischen Außen dimensioniert

werden kann. Die Beschreibung des

Hauses steht hier für die Verlängerung des

eigenen Selbst. Durch die wiederholte

Handlung des Hinein- und Herausgehens,

wo Privates und Gesellschaftliches zusammentrifft,

wird das Haus zu dem Ort der

Erzählung über die Poetik dieser Wechselbeziehung.

Das ursprünglich im Auden-Haus beheimatete

Archiv wandert während der Ausstellungsdauer

in einer neu adaptierten audiovisuellen

Zusammenstellung in den öffentlichen

Raum von Kirchstetten. Die Bewegung

zwischen mündlichen und schriftlichen

(kulturellen) Quellen, Interviews und

Gesprächen mit Dorfbewohnern, histo-

schaufenster / Kultur.Region / Oktober/November 2013


Ausstellung / 45

Migrationsforschung

HERÜBEN

„Langsam ist es besser geworden.“ Vertriebene erzählen

vom Wegmüssen, Ankommen und Dableiben.

Treffpunkt Käfer: W. H. Audens Auto wird zum Austragungsort für Lesungen.

rischen Aufnahmen, Briefverkehr, Lesungen, Auden-Zitaten auf

Twitter, Zeitungsausschnitten aus der Dorfchronik, Originaltexten

und Übersetzungen von Audens späten Haikus bis zu dem „Zeitalter

der Angst“ bildet die Grundlage dieses subjektiv arrangierten Archivs.

Auf dem Bahnhofsgelände sind wechselnde Texte auf einem Flip-

Dot-Panel wie Untertitel in der Dorflandschaft zu lesen; im Warteraum

des Bahnhofs ist der historische Film „Night Mail“ zu sehen;

gegenüber, in den Fenstern der Post, wird auf die Bedeutung der

Briefe in Audens Nachlass Bezug genommen, und auf dem Weg zum

Haus kommt man am Dorfplatz vorbei, wo der originale VW Käfer

Audens zum Austragungsort für eine öffentliche Lesung wird. Zu

hören ist die Stimme des Autors. Das zu diesem Anlass belebte

Archiv kann nach Ende der Ausstellung als Ergänzung in das Auden-

Haus mit einziehen. /

Text: Ricarda Denzer

Fotos: eSeL.at

ABOUT THE HOUSE

———————————————————————————————

Silence Turned Into Objects

Auden-Haus

3062 Kirchstetten, Hinterholz 6

Öffnungszeiten: Sa, So 13.00–17.00 Uhr

und auf Anfrage bei der Gemeinde Kirchstetten

Tel. 02743 8206, 0676 89585035

Ein Kunstprojekt von Ricarda Denzer zu W. H. Auden mit Arbeiten

von Fatih Aydogdu, Ricarda Denzer, Simone Forti, Sharon

Hayes, Olga Karlíková, Pamelia Kurstin, Brandon LaBelle, Jonathan

Quinn, Annette Stahmer, Imogen Stidworthy, Ultra-red und

einem Interview von Marcel Broodthaers mit einer Katze.

Vertreibung aus der Tschechoslowakei 1945.

1945, als sie als „Deutsche“ aus der Tschechoslowakei vertrieben wurden,

waren sie Kinder. Fast 70 Jahre danach erinnern sie sich. Erzählen

vom Ankommen in Niederösterreich. Dem Bitten und Betteln um

Essen. Von der Suche nach einem Dach über den Kopf. Von der Angst

wieder abgeschoben zu werden. Vom langsamen, schmerzhaften

Hineinfinden der Eltern in ein neues Leben. Ihren ersten Schultagen

„herüben“. Von Hilfe und Ablehnung in einem Land, welches für viele

nie ganz Heimat geworden ist. Von ihrem Kummer und ihrer Sehnsucht,

von Begegnungen mit „Drüben“, von Besuchen und Kontakten

heute. Die Ausstellung des NÖ Landesarchivs stellt die Erinnerungen

der Kinder von damals, heute hochbetagten Menschen, in den Mittelpunkt.

/

LANGSAM IST ES BESSER GERWORDEN

———————————————————————————————

Ab Do, 31. 10. 2013

Ausstellung des neuen Zentrums für Migrationsforschung (ZMF)

in der NÖ Landesbibliothek

Niederösterreichische Landesbibliothek

3109 St. Pölten, Kulturbezirk 4

Öffnungszeiten: Mo, Mi–Fr 8.30–16.00 Uhr,
Di 8.30–18.00 Uhr

www.migrationsforschung.at

schaufenster / Kultur.Region / Oktober/November 2013


Nachschau / 46

Dirndlgwandsonntag

tag der

tracht

Dirndln, Lederhosen und Trachtenanzüge prägten

das Bild am Sonntag, den 8. September und

das Dorffest in Furth an der Triesting.

VOLKSMUSIKSENDUNGEN des ORF

———————————————————————————————

ORF 2

Wetter-Panorama täglich 7.00–9.00 Uhr

Mei liabste Weis, Sa, 19. 10., 20.15 Uhr, zu Gast beim Urdlwirt

in Unterpremstätten bei Graz

Klingendes Österreich, Sa, 26. 10., 20.15 Uhr, „Inmitten stiller Berge“

– Zwischen Annaberg und Mürzzuschlag

Fernsehfrühschoppen, Sa, 26. 10., Fr, 1. 11., 12.00 Uhr

_

ORF 3

Unser Österreich, Sa 17.00 Uhr, Mo 12.00 Uhr

_

RADIO NIEDERÖSTERREICH

aufhOHRchen Spezial zu Allerheiligen, Fr, 1. 11., 11.00–12.00 Uhr

Gestaltung: Dorli Draxler und Edgar Niemeczek

ORF NÖ Landesdirektor Norbert Gollinger, Volkskultur NÖ Geschäftsführerin

Dorli Draxler, EVN-Vorstandssprecher Peter Layr, Landeshauptmann

Dr. Erwin Pröll mit Aaron Horvath, Bürgermeister Franz

Seewald, Kultur.Region.Niederösterreich Geschäftsführer Edgar Niemeczek.

Foto: Volkskultur Niederösterreich/Lackinger

„Der Dirndlgwandsonntag ist bereits zu einer festen Tradition geworden

und wird begeistert aufgenommen. Es zeigt uns, dass Volkskultur

modern und aktuell ist und Tracht als Ausdruck von Lebensfreude und

Heimatverbundenheit begeistert aufgenommen wird“, freut sich Dorli

Draxler, Geschäftsführerin der Volkskultur Niederösterreich, die

gemeinsam mit Bürgermeister Franz Seewald das Dorffest in Furth an

der Triesting eröffnete. Landeshauptmann Dr. Erwin Pröll zeigte sich

von der Vielfalt der Trachten und der liebevollen Gestaltung des Festes

beeindruckt: „Veranstaltungen wie der Dirndlgwandsonntag lassen uns

im Jahreskreislauf innehalten und ein Leben mit Werten und Gemeinschaftssinn

wieder wertschätzen.“ Auch die Partner der Initiative Wirtragen-Niederösterreich

Militärkommandant Brigadier Mag. Rudolf

Striedinger, EVN-Vorstandssprecher Dr. Peter Layr, ORF NÖ Landesdirektor

Norbert Gollinger, NV Generaldirektor Dr. Hubert Schultes

und Dorferneuerungsobfrau Maria Forstner waren von dem fröhlichen

Miteinander beeindruckt. Der Dirndlgwandsonntag wurde darüber

hinaus in ganz Niederösterreich gefeiert. Unter anderem feierte man in

Mitterndorf am Erlaufsee einen Berggottesdienst, in der Gemeinde

Markt Piesting gab es einen Festzug mit anschließendem Frühschoppen

und in Eichgraben einen Dirndlkirtag. /

aufhOHRchen, Di 20.00–21.00 Uhr

1. 10.: „Tierisch“ Ernsthaftes und Heiteres, Gestaltung: Nobert Hauer

8. 10.: Volkskultur aus Niederösterreich, Gestaltung: Dorli Draxler

15. 10.: taktvoll vokal: Volkstänze und ihre Singweisen,

Gestaltung: Edgar Niemeczek

22. 10.: Volksmusikalische Kostbarkeiten, Gestaltung: Walter Deutsch

29. 10.: Neues aus der Volksmusik, Gestaltung: Edgar Niemeczek

5. 11.: Der Hiata-Einzug in Perchtoldsdorf, Gestaltung: Hans Schagerl

12. 11.: Volkskultur aus Niederösterreich, Gestaltung: Dorli Draxler

19. 11.: Literarisches aus dem Brandlhof, Gestaltung: Edgar Niemeczek

26. 11.: Volksmusikalische Kostbarkeiten, Gestaltung: Walter Deutsch

Kremser Kamingespräch, Mi 21.00 Uhr

16. 10. Selbermachen / Lebensstil wählen

20. 11. Selbermachen / Glauben finden

„vielstimmig“ – Die Chorszene Niederösterreich, Do 20.00 Uhr

10. 10.; 24. 10.; 7. 11.; 21. 11.

G’sungen und g’spielt & Für Freunde der Blasmusik,

Mi, Do 20.00–21.00 Uhr

Musikanten spielt’s auf, Fr 20.00–21.00 Uhr

Frühschoppen, So 11.00–12.00 Uhr

Lange Nacht der Volksmusik 2013

Live auf Radio Niederösterreich: Sa, 9. 11. 2013, 20.00–23.00 Uhr

ORF NÖ Landesstudio in St. Pölten

Es spielen auf: Weinviertler Mährische Musikanten, streichfähig,

Stammtischmusi Wieselburg, Heanagschroa, Prigglitzer Vorstadtsänger,

Linzer Packl und Rosenegger Zwiefache

Gewinnen Sie Ihre Karten ab 4. November um 9.50 Uhr auf Radio

Niederösterreich! Information: noe.orf.at

Die Volkskultur Niederösterreich verlost Karten! Schreiben Sie an:

aufhOHRchen@volkskulturnoe.at

Programmänderungen vorbehalten

Detailprogramme unter www.orf.at

schaufenster / Kultur.Region / Oktober/November 2013


Kultur.Region / 47

Kurse & Seminare

Fortbildung

WIEDERSEHEN MACHT FREUDE

——————————————————————

Kundenbindung im Veranstaltungsbereich

Di, 1. 10. 2013, 18.00–21.00 Uhr

Hotel Steinberger

Hauptstraße 52, 3033 Altlengbach

Referent: Dr. Leo Hemetsberger

Der Mensch ist ein Gewohnheitstier. Positive

Erfahrungen unterstützen den Wunsch nach

Wiederholung von angenehm Bekanntem. Der

Kunst- und Kultursektor pendelt zwischen der

Suche nach dem ewig Neuen und der Frage,

wem man Traditionelles so verpacken kann,

dass es interessant bleibt. Wie können wir

Erkenntnisse zu diesen Problemen aufnehmen

und im Sinne der nachhaltigen Kundenbindung

in der Praxis umsetzen Reichen dazu die gängigen

Marketinginstrumente aus, oder braucht

es das gewisse Etwas Der Vortrag unterstützt

Sie dabei, Initiativen zu diesen Fragen in Ihrer

praktischen Arbeit lösungsorientiert zu gestalten.

Es werden Instrumente zur Kundenbindung

und ihre Anwendung vorgestellt.

Anmeldung & Information

Kulturvernetzung NÖ – Büro Industrieviertel

Tel. 02639 2552 (Stephanie Brettschneider)

seminaranmeldung@kulturvernetzung.at

www.kulturvernetzung.at

_

AUFTRETEN – WIRKEN –

ÜBERZEUGEN

——————————————————————

Ihr Auftritt in der Öffentlichkeit

Mo, 14. 10. 2013, 18.00–21.00 Uhr

BHW NÖ

Linzer Straße 7, 3100 St. Pölten

Referent: Peter Possert-Jaroschka

www.peter.possert.eu

Wann immer wir mit Menschen im Gespräch

sind, machen sich unsere Gesprächspartner von

uns ein Bild – wir hinterlassen „Eindruck“. Bei

Auftritten in der Öffentlichkeit werden diese

Eindrücke multipliziert mit der Anzahl der

Zuschauer und Zuhörer. Einerseits erzeugt das

Unsicherheit („Komme ich gut an“), andererseits

ist genau das die große Chance für uns:

Welches Bild von uns soll denn in den Köpfen

des Publikums entstehen Welche Botschaft(en)

sollen sich die Menschen merken Holen Sie

sich an diesem Abend Tipps und Anregungen

für Ihre Reden, Präsentationen und Auftritte.

Anmeldung & Information

Kulturvernetzung NÖ – Büro Industrieviertel

Tel. 02639 2552 (Stephanie Brettschneider)

seminaranmeldung@kulturvernetzung.at

www.kulturvernetzung.at

_

VOM TEXT ZUM MANUSKRIPT

——————————————————————

Texte besser zur Geltung bringen

Di, 29. 10. 2013, 9.00–18.00 Uhr

Hotel Böck

2345 Brunn/Gebirge, Wiener Straße 196

Referentin: Petra Ganglbauer

www.schreibpaedagogik.com

Sie schreiben an einem Text für ein Buch und

sind interessiert, wie dieser bei der Leserschaft

ankommt Basierend auf in Arbeit befindlichen

längeren Texten oder Textzyklen (Lyrik

oder Prosa) werden Strukturen genauer analysiert

und stilistische, dramaturgische oder auch

konzeptuelle Schwächen korrigiert. Der Workshop

richtet sich an angehende Autoren und

Literaten, mit den vorabgesendeten Texten

beschäftigen sich die Teilnehmer in Gruppenund

Einzelarbeit. Begrenzte Teilnehmerzahl,

vorrangig Mitglieder oder Mitarbeiter der Kulturvernetzung

Niederösterreich, des BHW Niederösterreich

und der Volkskultur Niederösterreich!

Teilnahmegebühr: EUR 70,00

Anmeldung & Information

Kulturvernetzung NÖ – Büro Industrieviertel

Tel. 02639 2552 (Stephanie Brettschneider)

seminaranmeldung@kulturvernetzung.at

www.kulturvernetzung.at

_

MIT GUTEM GEFÜHL

PRÄSENTIEREN

——————————————————————

Dinge auf den Punkt bringen

und Menschen begeistern

Mi, 13. 11. 2013, 9.00–18.00 Uhr

Hotel Römerhof Tulln

3430 Tulln, Hafenstraße 3

Referent: Peter Webhofer M. A.

www.peterwebhofer.at

Immer wieder ist es notwendig, dass wir unsere

Ideen, Anliegen oder Themen vor anderen

Menschen präsentieren. Wir haben dabei meist

wenig Zeit, um die Dinge auf den Punkt zu

bringen und Menschen zu begeistern oder zu

überzeugen. Oft vergeuden wir diese Zeit mit

vielen Powerpoint-Folien und unwichtigen

Details. Wir müssen sie aber eigentlich kreativ

nutzen, um unsere Anliegen gut zu kommunizieren.

Im Rahmen dieses Seminars lernen Sie

einfache und praktische Schritte, mit denen Sie

kurz und prägnant präsentieren und Menschen

für Ihre Ideen und Anliegen begeistern können.

Begrenzte Teilnehmerzahl, vorrangig Mitglieder

oder Mitarbeiter der Kulturvernetzung Niederösterreich,

des BHW Niederösterreich und

der Volkskultur Niederösterreich!

Teilnahmegebühr: EUR 70,00

Anmeldung & Information

Kulturvernetzung NÖ – Büro Industrieviertel

Tel. 02639 2552 (Stephanie Brettschneider)

seminaranmeldung@kulturvernetzung.at

www.kulturvernetzung.at

_

UMGANG MIT URHEBERRECHT

——————————————————————

Wie schütze ich mein geistiges Eigentum

Do, 28. 11. 2013, 18.00–21.00 Uhr

SZ Schwaighof

3100 St. Pölten, Landsberger Straße 11

Viele Menschen – gerade in den Bereichen

Kunstvermittlung und Kulturmanagement –

sind sowohl Nutzer fremder als auch Urheber

schaufenster / Kultur.Region / Oktober/November 2013


Kultur.Region / 48

eigener Werke. Das Urheberrechtsgesetz

schützt eben nicht nur Schriftsteller und

Komponisten, sondern etwa auch Fotografen

und Filmschaffende, Herausgeber von Ausstellungskatalogen,

Veranstalter und Datenbankhersteller.

Das Seminar bietet eine kompakte

Einführung ins Urheberrecht und widmet sich

dann den beiden entscheidenden Fragen:

Gegen welche Eingriffe ist ein Urheber

geschützt Und was alles darf ein Nutzer tun,

ohne irgendjemandes Zustimmung einholen

zu müssen Beispiele aus der anwaltlichen

Praxis illustrieren die Brisanz des Themas und

zeigen, welche Lösungen der Gesetzgeber und

die Gerichte bereithalten.

Anmeldung & Information

Kulturvernetzung NÖ –

Büro Industrieviertel

Tel. 02639 2552 (Stephanie Brettschneider)

seminaranmeldung@kulturvernetzung.at

www.kulturvernetzung.at

_

Text fehlt

text fehlt

Text fehlt

TANZMUSIKANTENSCHULUNG

——————————————————————

Sa, 23.–So, 24. 11. 2013,

Eintreffen: Sa, 14.00 Uhr

Bildungswerkstatt Mold bei Horn

3580 Mold 72

Referenten: Gerhard Fuchs (Bläser, Bassgeige

und Steirische Harmonika), 
Alfred Gieger

(Streicher), 
Raphael Kühberger (Steirische

Harmonika) Susi Raschbacher (Okarina,

Ensemble), Volker Schöbitz (Ensemble, Harfe

und Schwegel), Franz Fuchs (Akkordeon, Steirisches

Hackbrett, Steirische Harmonika)

Tanzmusikantenschulung für jeden, der ein

beliebiges Volksmusikinstrument schon halbwegs

beherrscht, auch wenn er noch nie Volksmusik

gespielt hat. Am Programm stehen:

selbst spielen, üben, Perfektion, musikantisches

Spiel, zum Volkstanz aufspielen, Zusammenspiel

mehrerer Instrumente, Singen zur

Harmonika, Begleiten mit Begleitinstrumenten,

Harmonielehre, Harmonikaspiel nach

Noten, Probenwochenende für Musikgruppen.

Anmeldung & Information

Anmeldung bis 16. 11. 2013 bei Franz Fuchs

Tel. 0664 9804315

franz.fuchs@stammtischmusik.at

www.volksmusik.cc

_

schaufenster / Kultur.Region / Oktober/November 2013


Kultur.Region / 49

Kultur.Region.Niederösterreich

INTERN

Zwischen Himmel und Erde

ACHTSAMKEIT

Wir gratulieren!

Ihren runden Geburtstag feiern unsere Ehrenmitglieder:

Bgm. a. D. Edwin Pircher (80), Tulln an der Donau,

4. Oktober

Leopold Wagner (85), Aspang, 4. Oktober

Etienne Vankeirsbilck (80), Oostrozebeke, Belgien, 11. Oktober

Peter Ebner (65), Wieselburg an der Erlauf, 13. Oktober

Landtagspräsident a. D. Mag. Franz Romeder (75), Schweiggers,

16. Oktober

Bgm. a. D. Michael Pirgmaier (95), Rabenstein an der Pielach,

17. Oktober

Bgm. a. D. Ing. Erich Grabner (85), Krems-Stein, 23. Oktober

Leonhard Kaiser (80), Miesenbach, 27. Oktober

Hermann Rottensteiner (70), St. Anton an der Jeßnitz,

28. November

Ihren besonderen Geburtstag feiern unsere Ehrenmitglieder:

Dir. Herta Hofer, Reichenau, 6. Oktober

Willfriede Emberger, Krems an der Donau, 24. November

Lucia Resch, Emmersdorf an der Donau, 28. November

Ihren runden Geburtstag feiern unsere Mitglieder:

Josef Heinz (75), St. Pölten, 19. Oktober

RegR Ludwig Köcher-Schulz (75), Wien, 24. Oktober

Ihren besonderen Geburtstag feiern unsere Mitglieder:

OSR Dir. Gertrud Egger, Lunz am See, 10. Oktober

VSDir. Phyllis Poduschka-Aigner, Staatz-Kautendorf, 29. Oktober

Leopoldine Thallauer, Atzenbrugg, 16. November

Angela Dürr, Tribuswinkel, 17. November

_

neue mitglieder

Unterstützende Mitglieder:

Mag. Rosemarie Hochmuth, Wien

DI Michael Sykora, Wien

Susanne Kappeler-Niederwieser, Wien

_

Matthäus Nimmervoll: Ein erster Schritt dazu

bedeutet, gut zu sich selbst sein.

Als Christ bin ich fest davon überzeugt,

dass alles, was Gott geschaffen hat, gut

ist. Auch seine Geschöpfe, die Natur

und der Mensch, wie wir in der Bibel

lesen können: Gott schuf den Menschen

nach seinem Bilde, als Mann

und Frau schuf er sie. Gott sah alles,

was er gemacht hatte, und siehe, es war

sehr gut (Genesis 1,27 und 31).

Darum tun wir gut daran, behutsam

miteinander umzugehen. Wir nennen

das Achtsamkeit. Ein erster Schritt

dazu bedeutet: Gut zu sich selbst sein.

In mich hineinzuschauen: Welche Gefühle wecken diese oder jene

Handlungen und Worte in mir Was reizt mich Wie reagiere ich Wo

verletze ich den anderen, obwohl ich das gar nicht möchte

Ein zweiter Schritt der Achtsamkeit bedeutet: Auf die positiven Dinge

zu schauen. Was verbindet uns Wie viel Schönes erleben wir miteinander

Wodurch kann die Nächstenliebe unter uns wachsen.

Schließlich gilt es drittens: Unsere Wahrnehmung zu schärfen. Da

genügen oft kleine Augenblicke des Kontakts: Bei jeder Begrüßung

und bei jeder Verabschiedung in die Augen schauen, uns dabei wirklich

wahrnehmen – denn: Die Augen sind die Fenster der Seele und die

Türen des Herzens.

Achtsamkeit heißt wahrzunehmen, was tatsächlich ist, nicht was sein

soll. Achtsamkeit wertet nicht und beurteilt auch nicht. Von Kindern

sagt man, dass sie nicht verwöhnt, sondern wahrgenommen werden

wollen. Aber auch Erwachsene spüren, ob und wie sie für mich und

dich wirklich existieren. Ich denke oft an das Wort von Albert Schweitzer:

Es gibt so viel Kälte unter den Menschen, weil sie sich nicht so

herzlich geben, wie sie sind. /

Mag. Matthäus Nimmervoll

ist Abt des Zisterzienserstiftes Lilienfeld

schaufenster / Kultur.Region / Oktober/November 2013


Die letzte Seite / 50

2 nd life

Die Herbstsonne soll man in einem Schanigarten

genießen. Wieder wurden wir in

Bratislava/Pressburg fündig. Diese Kabeltrommeln

kommen vor allem beim Verlegen

von unterirdischen Telefonleitungen zum

Einsatz. Die Do-it-yourself-Bewegung hat

sie schon längst als brauchbaren Tisch entdeckt,

auf einschlägigen Seiten werden jede

Menge von diesen hölzernen Trommeln

gesucht und angeboten. Recht praktisch sind

die Vertiefungen in der Platte, als wären sie

für das sichere Abstellen von Flaschen und

Kaffeebechern gemacht. Auch die passenden

Sesseln hat man in Bratislava gefunden: ausrangierte

Bürosessel ohne Räder. Die Gäste

können nicht davonrollen. /

Foto: Wolfgang Stecher

Landeinwärts

OH BUDDHA!

Ich stelle mir vor, wie die alte Frau Blaha

„Oh Buddha!“ ausruft, bevor sie beinahe

über die Schwelle des örtlichen Geldinstituts

stolpert. Aber, Buddha sei Dank, nix ist ihr

passiert. Warum Weil seit Kurzem wirklich

ein Buddhakopf in der Auslage des örtlichen

Geldinstituts steht und über uns wacht.

Daneben finden sich Ankündigungen zum

Oktoberfest, PensionistenInnenkränzchen

(sic!, das Binnen-I hat nun ländliche Rentenverbände

erreicht) und die Plakate des

hier ansässigen Filmclubs.

Der Kopf ist aus grüner Keramik und wirklich

sehr schön. Schon seit Längerem beobachte

ich diesen interreligiösen Transfer.

Auf der der Internetverkaufsplattform e-bay

läuft Buddha und Co. unter der Sparte

„Dekoration“, in den Baumärkten ist er

meist aus Ton gefertigt, für den Gartengebrauch,

und steht in der Nachbarschaft von

Gartenzwergen. Das muss doch den friedvollsten

Buddhisten in der von uns friedvoll

rezipierten Religion ärgern. Auch in unserer

Drogerie gibt es Buddha-Statuen (dort sind

sie käuflich zu erwerben). Ich glaube, mit

Buddha haben wir keine Probleme. Er

gehört zur Ikonografie einer Religion, die

weit weg ist und die wir nicht verstehen.

Was aber würde passieren, wenn unserer

Bäcker statt dem Kipferl ein Davidsternderl

backen würde Oder ein Kreuzerl mit Rosinen

Dabei ist das Kipferl ja gar nicht so

ohne. Dass die Form des Kipferls mit dem

türkischen Halbmond im Zusammenhang

steht, ist allerdings nicht nachweisbar.

Fälschlicherweise wird die Entstehung des

Kipferl auf die Legende zugeschrieben, dass

es als Hohn auf die verlorene Zweite Türkenbelagerung

entstanden sein soll.

Ich freue mich schon, wenn in unserem Ort

wieder Markttag ist. Da steht nämlich seit

vielen Jahren ein Sikh mit seinem eindrucksvollen

Turban genau vor der Kirche und

verkauft Palästinensertücher. Und vis-à-vis

lächelt Buddha unergründlich aus der Auslage

des Geldinstituts. /

Mella Waldstein

schaufenster / Kultur.Region / Oktober/November 2013


Damit Visionen Wirklichkeit werden, ermöglicht Raiffeisen

viele Kulturveranstaltungen durch seine regionalen und

lokalen Förderungen. Denn Realisierung und Erfolg von

Kulturinitiativen hängen nicht nur von Ideen, sondern auch

von fi nanziellen Mitteln ab. Gemeinsam ist man einfach

stärker. www.raiffeisen.at


5. und 6. Dezember 2013 · 19.00 Uhr

Auditorium Schloss Grafenegg

Foto: © Grafenegg

NIEDERÖSTERREICHISCHES

ADVENTSINGEN

Familiengesang Wolf · Texingtaler BlechMusikanten · Ö-Streich

Chor der Chorszene Niederösterreich · Barbara Stöckl (5.12.) · Nadja Mader-Müller (6.12.)

Konzept und Moderation: Dorli Draxler, Edgar Niemeczek

Der Reinerlös kommt der Organisation

„Hilfe im eigenen Land – Katastrophenhilfe Österreich“ zugute.

Karten und Information

Auditorium Grafenegg · T.: 02735 5500 · www.grafenegg.com

Tonkünstler-Kartenbüro · T.: 01 586 83 83

Karten: EUR 14,00 bis EUR 24,00

Inklusive

gratis Eintritt

zum

Grafenegger

Advent

Weitere Magazine dieses Users
Ähnliche Magazine