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Kieler Klüngel

Eine Kapelle

für die Kuhwiese

oder

Image statt Infrastruktur

“Wir haben die Reputation des Architekten gesehen und die

Chance eines international beachteten und besuchtes Sichtzeichen

für den Stadttourismus in Kiel und Vermarktung einer

Zur politischen (Un) Kultur in Kiel


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„Das Leben ist ein Hauch”

Oscar Niemeyer


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Mitwirkende

Peter Todeskino

Bürgermeister: Dezernent für (Grüne)

Torsten Albig

Ex-Oberbürgermeister (SPD)

Fernanda von Oppersdorff

Tamo Schwarz

Redakteur Kieler Nachrichten

Ortsbeirat Kiel-Schilksee

Gesine Stück, Dr. Jürgen Falkenhagen, Jens Jacobus, Dr. Dieter Wöhlk

Bürgeriniative Schilksee

BürgerInnen und Bürger aus Schilksee


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Chronologie

01.06.

2009 Der Linienflug AF 447 (Airbus330-200) der Air France von Rio de Janeiro nach Paris stürtzte

in der Nacht vom 31. Mai zum 1. Juni 2009 ein Airbus A330-200 über dem Atlantik ab. Dabei

verloren alle 228 Insassen (216 Passagiere und zwölf Besatzungsmitglieder) ihr Leben.

http://www.sueddeutsche.de/wissen/warum-stuerzte-air-france-af-ab-in-teufels-kueche-1.1406348

http://www.spiegel.de/thema/absturz_von_air_france_flug_447

Abschlussbericht zum Absturz: http://media.webcastor.fr/vod/bea/pdf2/f-cp090601.en.pdf

Hinterbliebene Opfer des Flugzeugabsturzes AF447 : http://www.hiop-af447.de/

02.06.

2009 Der Tagesspiegel berichtet von einem Gespräch mit Joao Niemeyer dem Neffen von Oscar Niemeyer,

in dem es auch um die Kapelle ging.Herr Moritz Kock war bei Oscar Niemeyer, um mit ihm

ein den Entwurf für ein Bad in Potsdam zu besprechen.

“Noch sei aber nichts entschieden, sagt er. Oscar wolle erst richtige Fotos vom neuen Ort sehen.

Moritz Kock habe nur eine Computergrafik mitgebracht. Kock wolle jetzt aus Deutschland Fotos

mailen, sagt Niemeyer.”

“Als Joao und Oscar Niemeyer sich vergangene Woche mit Moritz Kock getroffen hatten, haben

sie nicht nur über das Potsdamer Schwimmbad gesprochen. Moritz Kock wollte einen eigenen

Niemeyer haben. Auf dem Anwesen seiner Familie in Süddeutschland sollte eine Kapelle entstehen,

entworfen von Oscar Niemeyer. “Er hat die Originalpläne von Oscar mitgenommen”, sagt

Joao Niemeyer.

07.11.

2009 Bei der Trauerfeier in Rio de Janeiro, wo das abgestürtzte Flugzeug gestartet war, wurde eine

Gedenkstätte eingeweiht. EIne Stele bei der in einer Kristallplatte ist für jedes der 228

Todesopfer eine Schwalbe eingraviert ist.

01.06.

2010 Auf dem Pariser Friedhof Père Lachaise wird ein Denkmal für die Opfer enthüllt.

Es ist identisch mit dem Denkmal in Rio einer Gedenkstele, die in Rio de Janeiro. Auf durchsichtigem

Untergrund sind 228 Schwalben eingraviert. Eine Miniatur-Ausgabe der Stele konnte jeder

Angehörige mit nach Hause nehmen.


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11.12 .

2013 Am Nachmittag findet im Kieler Rathaus eine Pressekonferenz statt. Fernanda von Oppersdorff

und Bürgermeister Peter Todeskino stellen den Bau einer Kapelle für die Hinterbliebenen der Opfer

des Absturzes der AF 417 vor. Als Standort wird Kiel-Schilksee genannt.

19:30 Am Abend findet die Sitzung des Ortsbeirats KIel-Schilksee statt.

12.12.

2013 “Mittwoch Abend wurden in einer Pressekonferenz der Stadt Kiel und im Anschluss daran im

Schilkseer Ortsbeirat Pläne für eine Erinnerungskapelle nach den Entwürfen des weltberühmten

brasilianischen Architekten Oscar Niemeyer (1907-2012) vorgestellt, die am Funkstellenweg in

Schilksee auf städtischem Grund realisiert werden soll.” (KN 11.12.2013)

“Als Erinnerungskapelle wird sie nun den Opfern des Flugzeugabsturzes gewidmet werden. Auf

Wunsch der Hinterbliebenen wurde ein Standort in Küstennähe gesucht, denn von den 228 Opfern

konnten nur die sterblichen Überreste von 51 Passagieren aus dem Meer geborgen werden.

Die Kapelle soll in 120 Meter Entfernung von der Schilkseer Steilküstenkante errichtet werden und

vom Funkstellenweg aus zugänglich sein. Zwei einander überlagernde Stahlbetonschalen mit einer

verglasten Fensterfront geben den Blick frei auf die Ostsee bis nach Laboe. Die Kapelle mit einer

Grundfläche von elf mal elf Metern und einer Höhe von fünf Metern stehe frei, also außerhalb der

Bebauung, wie Peter Todeskino gestern betonte.” (KN 01.12.2013)

“Kiels Bürgermeister sprach von einer langjährigen und sensiblen Planungsphase, die schon unter

Torsten Albig angebahnt worden sei. Er hatte 2011 gemeinsam mit Fernanda von Oppersdorff zu

einem Treffen der Hinterbliebenen aus 111 Nationen nach Kiel eingeladen, bei dem auch Spendenzusagen

von Air France und Airbus eingingen. Moritz Kocks Begeisterung für das Projekt trägt

Fernanda von Oppersdorff über seinen Tod hinaus weiter. Sie hat bislang 350000 Euro an Spenden

eingeworben. Für die Realisierung fehlen noch 150000. „Ein Klacks“, sagt Todeskino. Angesichts

dieses Architekturgeschenks kann man bedingungslos zustimmen.” (KN 12.12.2013)

13.12.

2013 “Ein Jahr nach dem Absturz wurde auf einem Hinterbliebenen-Treffen der Wunsch laut, einen Ort

zu haben, an den man gehen könne, um zu trauern, erzählt die Witwe. „Die Idee der Kapelle, die in

einem so besonderem Bezug zu dem Absturz steht, wurde begeistert angenommen.“

“Fernanda von Oppersdorff erinnerte sich an die „schöne Steilküste“ in Schilksee, an dem sie mit

ihrem Mann das erste Mal spazieren gegangen ist. Das Glück: Das Grundstück am Funkstellenweg,

auf dem die elf mal elf Meter lange und fünf Meter hohe Erinnerungskapelle errichtet werden

soll, gehört der Stadt. 2011, nach einem sensiblen Planungsverfahren, wie Bürgermeister Peter

Todeskino betonte, hatte Torsten Albig, damals Oberbürgermeister zu einem Hinterbliebenen-

Treffen eingeladen, bei dem auch die Spendenzusage von Air-France und Airbus zustande kam.

Insgesamt 300 000 der nötigen 450 000 Euro hat Fernanda von Oppersdorff zusammen und ist

zuversichtlich. „Unser Wunsch wäre es, am fünften Jahrestag, dem 1. Juni 2014, den Grundstein

für die Kapelle zu legen“, sagt Fernanda von Oppersdorff. Einige Schilkseer fühlten sich in der

Ortsbeiratssitzung von der fertigen Idee der Verwaltung überrumpelt. Doch Ortsbeiratsvorsitzender

Christoph Holst sagt: „Ich freue mich auf das Projekt. Die Formgebung ist wunderschön und ich

glaube, es kann ein guter Anziehungspunkt für Schilksee sein.“

(http://www.shz.de/lokales/kiel/erinnerungskapelle-fuer-absturzopfer-id5183021.html)

14.12.

2013 “Die Vorsitzende des SPD-Ortsvereins Schilksee, Gesine Stück, erklärt zu den Plänen der Stadt,


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eine Erinnerungshalle im Landschaftsschutzgebiet an der Schilkseer Steilküste („Kuhwiese“) zu

errichten: „Die Erinnerungshalle ist ein beeindruckendes Gebäude. Allerdings ist der Standort, der

von den Betreibern dieses Projektes vorgeschlagen wurde, gänzlich ungeeignet: Er liegt mitten in

einem Landschaftsschutzgebiet, am Rande einer Senke und viel zu nah am Steilufer.

Ausgangspunkt war eine Zeichnung von Oscar Niemeyer, die von Moritz Kock in einem Entwurf

umgesetzt wurde, der für sich genommen sehr schön ist.

Wir können aber die inhaltliche Begründung für die Standortwahl nicht nachvollziehen: Warum soll

eine Gedenkstätte für 228 Opfer aus 111 Ländern, die bei einem Flugzeugabsturz über dem Atlantik

ums Leben gekommen sind, in Schilksee an der Ostsee gebaut werden

Mit Unverständnis reagieren auch viele andere Schilkseer, mit denen wir seit der überraschenden

Vorstellung im Ortsbeirat, über die nur der Vorsitzende informiert gewesen war, gesprochen haben.

In Schilksee ist in letzter Zeit schon zu viel an falscher Stelle gebaut worden. Wir wollen dafür

kämpfen, dass Uferlinie und Steilküste nicht weiter zugestellt werden. Wir sammeln gerade Unter

schriften und werden sie zur nächsten Ortsbeiratssitzung am 22.1.2014 präsentieren.“

(http://www.spd-net-sh.de/kiel/schilksee/)

29.12.

2013 “ Ein echter Niemeyer soll nach Kiel. Was die Augen von Stadtoberen zum Glänzen bringt, erzürnt

so manchen Schilkseer, der sich übergangen fühlt.

Anfang Dezember besuchte Fernanda von Oppersdorff, Witwe des Kieler Architekten Moritz Kock

die Ortsbeiratssitzung in Schilksee.” “Gemeinsam mit Bürgermeister Peter Todeskino stellte sie

das Vorhaben der Hinterbliebenen vor, an der Schilkseer Steilküste eine Erinnerungskapelle errichten

zu wolle.” “Warum Schilksee, weshalb auf der Kuhwiese waren nur einige Fragen des

Abends. Der Widerstand ist seitdem gewachsen, obgleich die Schönheit des Gebäudes von den

Anwohnern nicht in Frage gestellt wird, der Standort dafür umso mehr.”

„Wieso soll die Kapelle im Landschaftsschutzgebiet auf unserer Kuhwiese stehen“, fragt Dr. Jürgen

Falkenhagen. Der 77-Jährige lebt bereits seit 38 Jahren im Norden der Landeshauptstadt und

startete nun gemeinsam mit Gesine Stück vom SPD-Ortsverein eine Unterschriftensammlung,

um den geplanten Bau zu verhindern. „Wir wollen die Leute erst einmal informieren, was geplant ist

und warum“, erzählt er. So liegt jeder Unterschriftenliste ein zweiseitiges Schreiben über das Vor

haben bei und die Gründe der „Kapellengegner“. Denn viele, so Falkenhagen, fühlten sich über

rumpelt und seien aufgrund der „falschen Bezeichnung auf der Tagesordnung“ gar nicht zur Sitzung

gegangen. Dort stand unter Punkt 4: „Vorstellung des Projektes Erinnerungskapelle am Funkstellenweg

in Kiel-Schilksee“. Falkenhagen erklärt: „Die meisten dachten, damit sei das Grundstück

gemeint, auf dem die alten Gebäude der ehemaligen Funkstelle stehen, die ist nämlich direkt am

Funkstellenweg aber doch nicht die mehr als hundert Meter entfernte Kuhwiese im Landschaftsschutzgebiet!“

Das schüre den Verdacht, Bürgerbeteiligung sei entgegen politischer Beteuerungen

bei kritischen kommunalen Vorhaben in Kiel nicht gewünscht.

Kocks Witwe begründete die Wahl des Grundstücks mit dem Bezug zum Meer, den sich alle Angehörigen

gewünscht haben, da die meisten Opfer noch immer auf dem Grund des Atlantiks liegen.

Außerdem müsse das Gebäude wirken und freistehen, sagte Todeskino.

Anwohnerin Gesine Stück: „Wir können aber die inhaltliche Begründung für die Standortwahl nicht

nachvollziehen: Warum soll eine Gedenkstätte für 228 Opfer aus 111 Ländern, die bei einem Flugzeugabsturz

über dem Atlantik ums Leben gekommen sind, in Schilksee an der Ostsee gebaut

werden“ Es gebe schon zwei Erinnerungsorte, sagt Falkenhagen: „Und zwar dort, wo sie auch

hingehören: in Rio de Janeiro mit Meerbezug und in Paris“

Falkenhagens Idee: Kocks Witwe funktionierte den Entwurf ihres Mannes um. Falkenhagen.....”

“Damit teilt der 77-Jährige die Auffassung einiger Schilkseer: „Wenn eine Kapelle, dann auf Seekamp“,

sagen Anwohner, die nicht genannt werden wollen.” „Auf der Kuhwiese wäre das völlig

zweckfrei.“ Und die Schilkseer haben noch eine andere Befürchtung: Für die Stadt stehe nicht die


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Zweckbestimmung als Erinnerung für die Absturzopfer im Vordergrund, sondern nur die erhofften

Besucher wegen Niemeyers einzigem Sakralbau auf europäischem Grund. Dann, so Falkenhagen,

wäre es nur ein Architektendenkmal.”

Gegen die Kuhwiese spreche laut Falkenhagen auch folgendes: Es müssten Leitungen verlegt,

Baustraßen und Parkplätze geschaffen werden, die sonst so dichte Bebauung Schilksees verliere

eine wichtige Sichtachse, Kühe könnten dort nicht mehr weiden.

Die Kapelle wird ein Fremdkörper sein, nicht wegen der sicherlich bemerkenswerten Architektur,

sondern wegen ihrer Nutzlosigkeit“, sagt Falkenhagen. Aus der Stadt war wegen Urlaubs aller

Beteiligten keine Stellungnahme zu bekommen. Nur so viel: Im Januar steht das Thema wieder auf

der Tagesordnung, dann werden gern alle Fragen der Anwohner beantwortet.

Gesine Stück: „In Schilksee ist in letzter Zeit schon zu viel an falscher Stelle gebaut worden. Wir

wollen dafür kämpfen, dass Uferlinie und Steilküste nicht weiter zugestellt werden. Wir sammeln

gerade Unterschriften und werden sie zur nächsten Ortsbeiratssitzung am 15.Januar präsentieren.“

Ortsbeiratsvorsitzender Christoph Holst hat den Unmut schon vernommen: „Ich persönlich finde die

Idee einer Kapelle gut, jetzt muss nur noch ein geeigneter Standort gefunden werden.“

(SHZ 29. 12 2013 - “Kapelle auf Kuhwiese nicht erwünscht”

01.01.

2014 “Nur wenn die Sonne der Kultur ganz niedrig steht, kann der Zwerg Todeskino in Schilksee

lange Schatten werfen.*

Der zuständige Dezernent Peter Todeskino stellte in der Ortsbeiratssitzung in Schilksee am

11.12.2013, für die BürgerInnen völlig überraschend, Pläne für die Errichtung einer „Erinnerungshalle“

im Landschaftsschutzgebiet an der Steilküste in Schilksee -Moorkuhle, Volksmund „Kuhwiese“-

vor. Ebenso überraschend war für die BürgerInnen, dass von einer langjährigen und sensiblen

Planungsphase die Rede war, von der sie vorher nie gehört hatten.

Der entsprechende Tagesordnungspunkt war unter Punkt 4 sehr missverständlich angekündigt,

„Vorstellung des Projektes Erinnerungskapelle am Funkstellenweg in Kiel-Schilksee“.

Ausser dem Vorsitzenden des Ortsbeirates, Christoph Holst (CDU), war keines der Mitglieder informiert

worden.Bei dem „Projekt“ handelt es sich um eine „Kapelle von Stararchitekt Oscar Niemey

er“ und „diese soll in Kiel an die Flugzeugabsturz-Opfer erinnern“.

Das Gebäude mit den Ausmaßen 11m x 11m und etwa 5 m Höhe, soll von einer Zeichnung des

brasilianischen Architekten Niemeyers sein und von Moritz Kock, dem Sohn des Bildhauers Hans

Kock, umgesetzt worden sein.

Moritz Kock war das einzige deutsche von 228 Opfern aus 111 Ländern mit einem Bezug zu Kiel,

die beim Flugzeugabsturz des Linienfluges von Rio de Janeiro nach Paris über dem Südatlantik am

1. Juni 2009 umkamen.


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Keines der Opfer kommt aus Kiel. Moritz Kock hat in München gewohnt.

Es existieren auch bereits zwei Erinnerungsstätten für die ums Leben gekommenen Menschen bei

diesem Absturz. Eine befindet sich an der Küste von Rio de Janeiro mit Blick aufs Meer und die

zweite Erinnerungsstätte steht in Paris auf einem Friedhof.

Fernanda von Oppersdorff (München), die Witwe von Moritz Kock und der „Grüne“ Bürgermeister

Peter Todeskino stellten das Projekt am 11.12.2013 noch vor der Sitzung der ahnungslosen Orts

beiräte der Öffentlichkeit als quasi beschlossene Sache vor.

Der Standort für dieKapelle“ liegt mitten in einem Landschaftsschutzgebiet, am Rande einer Senke

und nicht weit vom Steilufer entfernt.

Zu diesem Naturdenkmal gehört ein besonders gut erhaltener Kanal aus der Eiszeit. Da das

Gelände abschüssig ist, müssten besonders hohe Fundamente den Höhenunterschied ausgle

ichen.

Nach dem Absturz hat die Witwe, warum auch immer offensichtlich die Pläne aufgeben, das Gebäude

auf dem eigenen Anwesen zu errichten und mit Peter Todeskino einen willfährigen Partner

gefunden.

Das Projekt wird mit 500.000 Euro beziffert. Zusammengekommen sind aber bislang nur 300.000

Euro. die im wesentlichen von Air France und Airbus stammen. Es bleiben also 200.000 Euro für

die Stadt. Ein Klacks für die leere Stadtkasse, wenn man dafür etwas „Kultur“ bekommt , „an der“,

so von Oppersdorff, „ihr Mann und der weltberühmte Stararchitekt Oscar Niemeyer gemeinsam

gearbeitet hatten“.

Nach der Errichtung soll die Stadt Eigentümerin dieser privaten Einrichtung werden.

Den gesunden Menschenverstand macht all das sprachlos. Und zwar als erstes die Kulturlosigkeit

dieser dreisten Nummer.

Die Projektbetreiber reiten immer wieder auf der „Kapelle“ rum, weil dieser religiöse Kontext die Bebauung

in dem Landschaftsschutzgebiet rechtfertigen soll und zudem als Totschlagargument miss

braucht wird.

Bleiben wir einmal bei der Sachlage:

- die gesetzliche Mindestbeteiligung wurde eklatant übergangen.

„Der Ortsbeirat ist über alle wichtigen Angelegenheiten, die den Ortsteil betreffen, zu unter

richten.“ (GO SH §47). Obwohl es schon eine längere „sensible Planung“ gab, wurde nur kurzfristig

der Vorsitzende des Ortsbeirats (OBR) informiert, die anderen Mitglieder wussten vor der

Sitzung von nichts.

- Bürgermeister Peter Todeskino hielt nach der Präsentation des Projektes im Ortsbeirat eine Ansprache

mit dem Resümee, dass es doch angesichts des traurigen Anlasses und der „Stararchitektur“

nur ein positives Votum des OBR geben kann.

Urteilen sie selbst, wie sie das nennen möchten.

- Ausgerechnet der „Grüne“ Bürgermeister will ein Naturdenkmal zerstören und schenkt ein Stück

Land weg

- Seit wann ist Kiel eine Flughafenstadt Dafür aber Hamburg, Frankfurt, München oder die beiden

Ziel- und Start-Flughäfen, wo es ja bereits Gedenkstätten gibt. Kiel, weil es ein deutsches Opfer

aus München gibt Wieso gibt es in Kiel keine Gedenkstätte für die Estonia Opfer, obwohl es hier

viel eher einen Bezug gibt

- Bislang taucht nur der Name Kock auf, nicht die Namen der anderen Opfer. Soll es eine namentliche

Nennung aller 228 Opfer aus 111 Länder geben Oder bleibt es im Zusammenhang mit

Namen bei Kock Geht es hier um einen Ein-Personen-Kult Welche Verbindungen haben die

anderen Opfer zu Kiel

- Bei der Bauunterhaltung gilt die Faustregel (wenn auch im öffentlichen Bereich selten umgesetzt


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weshalb auch alles verfällt) 10% der Herstellungskosten pro Jahr als Unterhaltungskosten anzusetzen.

Da kann man leicht errechnen (so man sich das Ding nicht schön und kostengünstig rechnen

will), was dieses “Geschenk” die so reiche Stadt Kiel fortdauernd kosten wird.

- wieso ist, wenn wir schon von Kultur sprechen beispielsweise ein identitätsstiftenden Bauwerk bei

der alten Feuerwache so verfallen, dass es erst privatisiert und jetzt abgerissen wird, weil die

Stadt keine Bauunterhaltung betrieben hat Und das trotz eines Vertrages, der einen Erhalt bein

haltete

Um dem ganzen die Krone aufzusetzen wird hier Missbrauch mit dem Namen von Oscar Niemeyer

betrieben. Die geplante Nutzungsart der Kapelle steht in eklatantem Widerspruch zu den Überzeugungen

des Architekten Oscar Niemeyer. Für Niemeyer war die Anbindung seiner Entwürfe an den

jeweiligen Ort ein unumstößliches Leitmotiv.

Aus dem Vorlauf ergibt sich, dass er diese „Kapelle“ nie für diesen Standort und diesen Nutzungszweck

geplant hat. Niemeyer, bekennender Kommunist, hielt es in seiner materialistischen Überzeugung

mit dem französischen Philosophen Jacques Lacan, der sagte: “Wenn wir sterben, ver

schwinden wir.” Für Niemeyer war das Leben „immer nur ein Hauch“.

Seine Tätigkeit als “spiritueller Kommunist” steht in unmittelbarer Verbindung zur sogenannten

Befreiungskirche in Südamerika. Niemeyer setze u.a. zwei Kirchenentwürfe um, die nicht nur Gebetsräume,

sondern auch ein Bildungs- und Gesundheitszentrem beherbergen.

06.01.

2014 “Kiels Bürgermeister Peter Todeskino freut sich über die Initiative der Hinterbliebenen des Flugzeugabsturzes:

“Es entsteht ein einzigartiger Ort für Trauer und Einkehr an der Kieler Förde mit

einer spektakulären Architektur von Oscar Niemeyer. Die Verbindung zwischen internationaler Architektur

und den Kunstwerken des Kielers Hans Kock bilden eine einzigartige Symbiose an der

Steilküste. Die Landeshauptstadt unterstützt dieses Projekt gern.”

(http://www.kiel-magazin.de/stadtinfo/sehenswertes/artikel/detail/kapelle-von-stararchitekt-os

car-niemeyer-soll-in-kiel-an-flugzeugabsturz-opfer-erinnern.html)


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07.01.

2014 “In einem offenen Brief an die Bürgerinnen und Bürger in Kiel-Schilksee, im Zusammenhang mit

dem Plan für die Errichtung einer Erinnerungskapelle im Landschaftsschutzgebiet vor der Steilküste

Schilksees, stellt Dr. Jürgen Falkenhagen fest, dass Bürgerbeteiligung bei kritischen kommunalen

Vorhaben entgegen politischen Beteuerungen in Kiel “nicht erwünscht” ist.

Den Beleg zu dieser Feststellung liefert Bürgermeister Peter Todeskino selbst:

“2011, nach einem sensiblen Planungsverfahren, hatte Torsten Albig, damals Oberbürgermeister

von Kiel, zu einem Hinterbliebenen-Treffen eingeladen, bei dem auch die Spendenzusage von Air-

France und Airbus zustande kam.”

Das lief alles so sensibel und leise, dass dieses Treffen erst 11/2 Jahre später zur Sprache kam.

Und so sensibel der Umgang mit der Planung war, so egal waren in diesem Zusammenhang die

Bürgerinnen und Bürger in Schilksee, die Todeskino im Dezember 2013 auf der Ortsbeiratssitzung

mit geschaffenen Tatsachen überrumpelte.

Er wollte bei seinem Auftritt die BürgerInnen zum einen moralisch für den Flugzeugabsturz und

die Trauer der Hinterbliebenen in die Pflicht nehmen und zum anderen schwang er dazu die Keule

“Stararchitekt Oscar Niemeyer hier bei uns in Kiel”!

Todeskino, Ex-OB Albig und Frau Teichert aus dem Stadtplanungsamt hatten bereits vor ca. 11/2

Jahren VertreterInnen der Hinterbliebenen und einen Vertreter der Air France zu einem Ortstermin

auf die Kuhwiese eingeladen um den von ihnen ausgewählten Standort vorzustellen.

Dass es sich bei dem auserwählten Standort um ein Naturschutzgebiet handelte, behielten Albig,

Todeskino, Teichert für sich. Mittlerweile sind die VertreterInnen der Opfer darüber aufgeklärt

worden.

Die VertreterInnen sind nach ihren getroffenen Absprachen bei diesem Ortstermin überrascht, dass

es jetzt zu Widerständen aus der Bevölkerung in Kiel kommt. Sie hätten doch mit der “Stadtspitze

selbst” gesprochen und die hätten dem Ganzen doch schon quasi zugestimmt und behauptet, es

hätte dazu eine Bürgerbeteiligung im Ortsbeirat stattgefunden.

So viele überraschte Menschen auf allen Seiten…

Oscar Niemeyer hat die Kapelle selbst nie für diesen Standort geplant. “Moritz Kock wollte einen eigenen

Niemeyer haben. Auf dem Anwesen seiner Familie in Süddeutschland sollte eine Kapelle

entstehen, entworfen von Oscar Niemeyer.

Er hat die Originalpläne von Oscar mitgenommen”, sagt Joao Niemeyer.” (Der Tagesspiegel

02.06.2009).

Von Niemeyer ist bekannt, dass er nie einen Entwurf gemacht hat, ohne den Standort zu kennen

und der Standort zu dieser Kapelle war 2009 noch gar nicht im Gespräch.

Einen traurigen Beleg dafür liefert der Anlass der Reise von Architekt Moritz Kock nach Brasilien.

Er plante zu diesem Zeitpunkt zusammen mit Oscar Niemeyer ein Bad für Potsdam. Die Planung

wurde jedoch abgebrochen, weil “Oscar erst richtige Fotos vom neuen Ort sehen wollte. Moritz

Kock habe nur eine Computergrafik mitgebracht. Kock wolle jetzt aus Deutschland Fotos mailen,

sagt Niemeyer.” (Der Tagesspiegel 02.06.2009)

Der Verwaltung mit Todeskino geht es natürlich um eine erhoffte “Aufwertung” der Kuhwiese am

Rande der Sailing City Kiel und sie möchte sich so gerne mit einem Stararchitekten schmücken

können. Das lässt natürlich keine Rücksicht auf die Befindlichkeiten der BürgerInnen seitens der

Verwaltung zu.

Die Privatkapelle (zumindest laut bisheriger Planung) soll und will die Stadt nach der Fertigstellung

übernehmen und sie zu einer öffentlichen Einrichtung machen.

Bislang wurden aber nur 300.000 Euro eingeworben. Die mit 500.000 Euro genannten Gesamtkosten,

darf man getrost als Wolkenkuckucksheim bezeichnen. Bei dem Entwurf handelt es sich


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um eine Spannbetonbauweise in hyperparaboloider Form. Also eine in unseren Breiten nicht baukonstruktiv

beherrschbare Bauweise, die ihren Preis hätte, der dann allerdings weit über der genannten

Summe liegen würde. Wer trägt die Differenz

Zudem kommen die Kosten für den Unterhalt dazu, die aus der Stadtkasse bezahlt werden, also

von uns BürgerInnen.

Nein, da wird im Rathaus wieder ohne Sinn und Verstand rumgegaschkelt und wir alle sollen

zu dem Spektakel am Ende bei der Einweihungfeier nur brav in die Hände klatschen.”

( http://wifhv.wordpress.com/2014/01/07/kapelle-bedroht-kuhwiese/)

08.01.

2014 “Bürgermeister Peter Todeskino reagiert in seiner Eigenschaft als Stadtbaurat auf den Bürgerprotest

gegen die geplante Erinnerungskapelle nach dem Entwurf von Oscar Niemeyer in Schilksee.

Gegenüber unserer Zeitung kündigte er eine Veranstaltung Mitte Februar an, die für das umstrittene

Vorhaben werben wolle. Darin solle über Niemeyers Werk, Gedenkorte in Architektur und

Städtebau und den Standort informiert werden.” (“Todeskino wirbt für die Kapelle”, Kieler Nachrichten

08.01.2012, S.1)

08.01.

2014 “Na toll, wie generös – nun reagiert Todeskino auf die Geister, die er selber rief und kündigt dazu

eine Informationsveranstaltung im Februar an.

Wohlgemerkt, es soll nicht um eine ergebnisoffene Diskussionsveranstaltung gehen, nicht um

irgendeine Art von Beteiligung, sondern um eine Werbeveranstaltung äh Informationsveranstaltung

für die Kapelle.

In diesem Zusammenhang ist der Begriff “Bürgerprotest” eine Frechheit und unverschämte Abwertung

der BürgerInnen, die eine andere Meinung als Todeskino haben.

Sein Verhalten in dieser Sache ist bislang allemal grenzwertig.

Nicht genug damit, dass deutlich wurde, dass die Planung schon seit 2 Jahren läuft, verhielt sich

Todeskino bislang so, als sei alles schon beschlossen und der Ortsbeirat nur noch schnell abnicken

sollte, um die nötige Legitimation abzuliefern.

Wem glaubt Todeskino mehr verpflichtet zu sein, als der Kieler Öffentlichkeit” Die Fragen werden

nicht weniger.

www. http://wifhv.wordpress.com/2014/01/08/todeskino-wirbt-fur-kapelle kommentiert Peter

Todeskino”

10.01. Kieler Nachrichten vom 10.1.2014, “Der Krach um die Kapelle”; Seite 3

In dem Artikel stellt der Redakteur Tamo Schwarz die Behauptung auf, dass Dr. Jürgen Falkenhagen

bei einem Ortstermin mit Frau Teichert aus dem Büro des Bürgermeisters Todeskino gesagt

hätte: ”Ich glaube, die Wogen könnten schon bald geglättet sein.”

Dr. Falkenhagen stellt klar, dass er diese Aussage nie gemacht hat

“In dem Artikel der Kieler Nachrichten vom 10.1.2014 wurde ich zitiert mit den Worten, dass ‘die

Wogen schon bald geglättet sein können’. Das habe ich nicht gesagt und entspricht in keiner Weise

meiner Meinung.” (Jürgen Falkenhagen)

Bei einem Anruf von Herrn Falkenhagen gesteht der Redakteur (Tamo Schwarz) ein, dass er die

sen Satz gesagt hat und gemeint habe, die Zustimmung von Herrn Falkenhagen wahrgenom

men zu haben.

13.01.

2014 “Mit Blick auf den geplanten Bau der Kapelle auf der „Kuhwiese“ sagte Kruber (Anmerkung der

Redaktion: CDU und Kandidat für das Amt des Bürgermeisters) beim Ortstermin in Schilksee,

derzeit sei es rechtlich nicht möglich, dort zu bauen. Am unglücklichsten sei die Art, wie das

Projekt kommuniziert worden sei. In der Stadt brauche man eine ergebnisoffe Diskussion, müsse


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ein transparentes Verfahren haben und dürfe nicht nach dem Modell „Friss, Vogel, oder stirb” vor

vollendete Tatsachen gestellt werden.” (KN 12.01.2014)

“Ortsbeiratsvorsitzender Christoph Holst plädierte für Sachlichkeit in der Diskussion. Die von der

Stadt geplante Infoveranstaltung im Februar sei der richtige Weg, denn zum gegenwärtigen Zeitpunkt

gebe es auf Seiten der Bürger und des Ortsbeirates sehr viele Unsicherheiten.” (KN

12.01.2014)

15.01.

2014 In einem Interview, dass die KN veröffentlicht stellt Peter Todeskino eine Reihe von Behauptungen

im Zusammenhang mit dem Bau der Erinnerungskapelle in Schilksee und dem Bürgerbegehren

gegen Möbel Kraft, ohne sie zu belegen.

“Kritik muss man in meinem Job aushalten können. Nicht gut ist es aber, wenn falsche Behauptungen

aufgestellt werden oder unter die Gürtellinie gehen. Ich beobachte schon, dass die Vehemenz

und Missachtung anderer Auffassungen zugenommen haben. Die Auseinandersetzungen

werden persönlicher.”

“Zurzeit gibt es eine heftige Diskussion über die Erinnerungskapelle und auch über die Informationspolitik.

Hier wird der Verwaltung vorgeworfen, die Bürger nicht rechtzeitig eingebunden zu haben.

Ist der Vorwurf berechtigt

Aus meiner Sicht ist der Vorwurf unberechtigt. Die Verwaltung hat doch den allgemeinen

Wunsch des Ortsbeirates Schilksee beachtet, ihn bei wichtigen Angelegenheiten immer zuerst zu

informieren. Dieser Wunsch entspricht der Geschäftsordnung der Ortsbeiräte bei wichtigen Bauoder

Planungsvorhaben und erfolgte hier pflichtgemäß im Dezember, ohne dass – wie fälschlich

behauptet wird – Fakten geschaffen werden sollten. Die finale Hergabe des städtischen Grundstücks

für das Vorhaben, die damit verbundene Gründung einer Stiftung sowie die Unterhaltungspflege

sollten erst danach Gegenstand einer Ratsvorlage werden. Eine Beteiligung der Ortsbeiräte

und der Selbstverwaltung macht immer erst dann einen Sinn, wenn die Verwaltung belastbare

Grundlagen zur Diskussion stellen kann. Das war auf Wunsch der Hinterbliebenen erst jetzt der

Fall. Selbstverständlich sind kritische Blickwinkel in der Sache legitim und auch willkommen. Unberechtigte

Verfahrensvorwürfe halte ich für unfair.” (KN 15.01.2013, S.12)

17.01.

2014 Wir in Friedrichsort kommentiert das Interview von Peter Todeskino in der KN.

Belege für seine Behauptungen liefert er nicht. Er nutzt diese Aussagen, um die KritikerInnen zu

diskreditieren und so findet Todeskino “aus seiner Sicht” den Vorwurf unberechtigt, dass die BürgerInnen

mit seiner “Informationspolitik” im Zusammenhang mit der Erinnerungskapelle auf der

Kuhwiese nicht rechtzeitig eingebunden worden sind und sagt allen Ernstes folgendes: “Die Verwaltung

hat doch den allgemeinen Wunsch des Ortsbeirates Schilksee beachtet, ihn bei wichtigen

Angelegenheiten immer zuerst zu informieren. Dieser Wunsch entspricht der Geschäftsordnung der

Ortsbeiräte bei wichtigen Bau- oder Planungsvorhaben.”

Hier geht es allerdings wohl eher um ein Wunschkonzert für Todeskino, denn die Gemeindeordnung

verpflichtet ihn zu dieser Unterrichtung und das nicht erst nach 2 Jahren Vorlauf. Todeskino

findet, dass er den Ortsbeirat “pflichtgemäß im Dezember” unterrichtet habe, “ohne dass – wie

fälschlich behauptet wird – Fakten geschaffen werden sollten.” Im Vorfeld unterrichtet wurde aber

nur der Vorsitzende des Ortsbeirates Herr Holst (CDU) informiert und die restlichen Ortsbeiratsmitglieder

und die BesucherInnen überrascht. Einen zweijährigen Vorlauf und den Hinterbliebenen die

Kuhwiese bereits vor 11/2 Jahren den Standort Kuhwiese vorzustellen u.v.m. sind keine Fakten

Das sind keine “belastbaren Grundlagen zur Diskussion”

Zudem haben natürlich die BürgerInnen recht, weil zum Zeitpunkt der „Unterrichtung“ im formalen

Verfahren bereits alle wesentliche Entscheidungen eines Projektvorhabens getroffen wurden, so

dass für die „Beteiligung“ nach dem Baugesetzbuch keinen Raum mehr lässt, geschweige denn für

eine Mitbestimmung.


Was glauben Sie (gemeint ist P. Todeskino) wie es kommt, dass die BürgerInnen auf der Ortsbeiratssitzung

in Schilksee den Eindruck hatten, vor vollendete Tatsachen gestellt zu werden. Das hat

nichts mit ihrem Verhalten zu

tun Die haben Partikularinteressen, die zu Wahrnehmungsstörungen führen

Wenn Todeskino dann noch anfügt, dass “kritische Blickwinkel in der Sache legitim und auch

willkommen” sind, ist das nachgerade eine Verhöhnung der kritischen BürgerInnen, die aktuell

einen ganz anderen Umgang mit Kritik bei ihm erleben und das führt ganz logisch zu einer

berechtigten Empörung.

Eines der von ihnen am häufigsten gebrauchten Worte im Zusammenhang mit der Erinnerungskapelle

ist das Wort sensibel. Diese Sensibilität gilt aber augenscheinlich nicht für die BürgerInnen in

Schilksee. So stellen sie nicht einmal eine Beteiligungsveranstaltung in Aussicht, sondern einen

Informationsabend, wo sie vom Podium herunter, die BürgerInnen einseitig informieren.

Vor kurzem hat sich Peter Todeskino im Zusammenhang mit dem Bürgerbegehren gegen die Ansiedlung

von Möbel Kraft geoutet und gesagt, dass er “für jegliche Art von Bürgerbeteiligung befürwortet”.

Eigentlich.

An dieser Stelle wollen wir an Willy Brand erinnern. Vielleicht erinnert sich noch einige daran, was

sein Satz aus der Regierungserklärung von 1969 “wir wollen mehr Demokratie wagen” konkret

bedeutete. Unter seiner Regierung führte der Satz dazu, dass z.B. die Bürgerbeteiligung im

Rahmen der Bauleitplanung durch eine frühzeitigere Beteiligung der Bürgerschaft mit der Änderung

des Bundesbaugesetzes eingeführt wurde.

Die Bürger wurden nicht erst dann beteiligt, wenn die Pläne und Begründungen längst ausgearbeitet

waren und die Position von Verwaltung oder der Mehrheit der Ratsversammlung festgelegt

waren. Sie wurden nach der damaligen Reform schon beteiligt, wenn es darum ging die Planungsziele

zu formulieren, also zu Beginn des Planungsprozesses.

Es bleibt zu wiederholen: “Wem Herr Todeskino glauben sie mehr verpflichtet zu sein, als der Kieler

Öffentlichkeit (http://wifhv.wordpress.com/2014/01/17/wer-stellt-hier-falschliche-behauptungen-aufherr-todeskino/#more-1992)

15


16

18.01.

2014 Kleine Anfrage

1. Wann haben Treffen und Gespräche mit Vertretern der Familie Kock und Hinterbliebenen der

am 01. Juni 2009 ums Leben gekommenen Menschen des Fluges AF 447 von Rio de Janeiro nach

Paris mit welchen Teilnehmern stattgefunden und welche Personen der Kieler Stadtverwaltung und

städtischen Selbstverwaltung haben daran teilgenommen

2. Wie wurde bei der Findung eines geeigneten Standortes für die geplante Erinnerungshalle

vorgegangen und welche Alternativstandorte wurden seitens der Verwaltung angeboten und diskutiert

3. Muss zum Bau einer Erinnerungshalle am favorisierten Standort im Landschaftsschutzgebiet

an der Steilküste Schilksees neues Planungsrecht z.B. in Form eines Bebauungsplanes geschaffen

werden und, wenn ja, wann ist eine Beteiligung der Selbstverwaltungsgremien geplant

gez. Ratsherr Wolfgang Homeyer

f.d.R.

18.01.

2014 Aus den Antworten zur Klienen Anfrage (Drucksache 0007/2014) ergibt sich.

- das der erste Termin am 16.01.2012 stattfand

- das am 13.08.2012 unter Beteiligung von Herrn Todeskino und Frau Teichert ein Termin zur Frage

der Gründung einer kirchlichen Stiftung stattfand

- das am 25.09.2012 ein Ortstermin bezgl. des Standortes mit Frau von Oppersdorff, einem Mitarbeiter

des Büros Kock&Lünz GmbH Architekten und Ingenieure (keine Homepage) stattfand.

In einem Telefonat mit Herrn Dr. Bernd Gans, dem Vorsitzenden des Hinterbliebenevereins

HIOP AF 447 im Januar 2014 äußert dieser seine Irritation über den Unmut der Schilkseer und

verweist auf die Absprachen mit den “Stadtoberen”.

- das es am 17.09.2013 ein Termin zur Klärung diverser Fragen, wie Gestaltung des Umfeldes der

Kapelle und Ausstattung zwischen Frau von Oppersdorff und Vertreter/innen des Stadtplanungsamtes,

Umweltschutzamtes, des Bauordnungsamtes, des Grünflächenamtes, des Tiefbauamtes

und des Rechtsamtes stattfand.

- das darüber hinaus fanden weitere Gespräche sowie Telefonate zwischen Frau Teichert sowie

Frau von Oppersdorff zum aktuellen Stand stattfanden.

- das als Ausschlusskriterien aufgeführt werden:

2.2 Verfügbarkeit (Eigentum Stadt Kiel,…)

2.4 Aus Naturschutzsicht hochwertige Flächen & Landschaftsbestandteile (Naturschutzgebiete,

Vorrangflächen für Naturschutz gemäß Landschaftsplan)


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Zu Punkt

der Tagesordnung

Der Bürgermeister Kiel, 13.01.2014

Dezernent für Stadtentwicklung und Umwelt

Antwort auf die Kleine Anfrage

Drucksache 0007/2014

Geplanter Bau einer Erinnerungshalle im Landschaftsschutzgebiet an der Steilküste

Schilksees

des Ratsherrn Wolfgang Homeyer (CDU-Ratsfraktion) vom 07.01.2014 zur

Ratsversammlung am 16.01.2014

Die zur Sitzung der Ratsversammlung am 16.01.2014 gestellte Kleine Anfrage beantworte

ich wie folgt:

Frage 1:

Wann haben Treffen und Gespräche mit Vertretern der Familie Kock und

Hinterbliebenen der am 01. Juni 2009 ums Leben gekommenen Menschen

des Fluges AF 447 von Rio de Janeiro nach Paris mit welchen Teilnehmern

stattgefunden und welche Personen der Kieler Stadtverwaltung und

städtischen Selbstverwaltung haben daran teilgenommen

Antwort: Am 16.01.2012 hat das erste Treffen zwischen der Landeshauptstadt Kiel

und Vertretern und Vertreterinnen der Hinterbliebenen stattgefunden.

Teilnehmer waren Vertreter/-innen des deutschen Hinterbliebenenvereins

„HIOP AF 447“, Vertreter/-innen des französischen Hinterbliebenenvereins

„Entraide et solidarite vol AF 447“, ein Vorstandsmitglied der Air France, ein

Mitarbeiter des Büro Kock& Lünz GmbH Architekten und Ingenieure,

Potsdam. Seitens der Landeshauptstadt Kiel haben Oberbürgermeister

Torsten Albig, Bürgermeister Peter Todeskino, Dezernat für

Stadtentwicklung und Umwelt, Stadtrat Gert Meyer, Dezernat für Finanzen,

Kultur, Bürgerangelegenheiten und Ordnung, Florian Gosmann, Leiter

Stadtplanungsamt, Bernd Kernke, Stellv. Leiter Umweltschutzamt, Kathrin

Teichert, Referentin im Dezernat für Stadtentwicklung und Umwelt sowie

eine Konferenzdolmetscherin teilgenommen.

Am 29.02.2012 fand ein Termin zum weiteren Vorgehen zwischen Frau von

Oppersdorff und Herrn Todeskino, Herrn Meyer und Frau Teichert statt.

Am 13.08.2012 fand ein Termin zur Frage der Gründung einer kirchlichen

Stiftung mit Propst Sönke Funck sowie Frau von Oppersdorff, Herrn

Todeskino und Frau Teichert statt.

Am 25.09.2012 fand ein Ortstermin bezüglich des Standortes mit Frau von

Oppersdorff, einem Mitarbeiter des Büros Kock& Lünz GmbH Architekten

und Ingenieure, Frau Teichert, Herrn Gosmann, Frau Westendorf und Herrn

Kernke statt.

Am 17.09.2013 fand eine Termin zur Klärung diverser Fragen wie

Gestaltung des Umfeldes der Kapelle und Ausstattung zwischen Frau von

Oppersdorff und Vertreter/innen des Stadtplanungsamtes, des


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- 2 -


Umweltschutzamtes, des Bauordnungsamtes, des Grünflächenamtes, des

Tiefbauamtes und des Rechtsamtes statt.

Am 10.12.2013 fand ein Termin zur Vorbereitung der Ortsbeiratssitzung

zwischen Frau von Oppersdorff und Herrn Todeskino und Frau Teichert statt.

Darüber hinaus fanden weitere Gespräche sowie Telefonate zwischen Frau

Teichert sowie Frau von Oppersdorff zum aktuellen Stand statt.

Frage 2:

Wie wurde bei der Findung eines geeigneten Standortes für die geplante

Erinnerungshalle vorgegangen und welche Alternativstandorte wurden

seitens der Verwaltung angeboten und diskutiert

Antwort:

Bislang wurden zum Gedenken der Opfer des Unglücks in Rio de Janeiro wie

auch in Paris Gedenkstelen errichtet. Darüber hinaus besteht jedoch der

Wunsch vieler Hinterbliebenen aus Deutschland, eine für alle

Glaubensrichtungen offene Gedenkstätte in Deutschland zu schaffen.

Der aus Kiel stammende Architekt Moritz Kock, Sohn des Schleswig-

Holsteinischen Bildhauers Hans Kock, zählt mit zu den Opfern des

Flugzeugabsturzes. Zu Lebzeiten hatte Moritz Kock gemeinsam mit dem

weltberühmten brasilianischen Architekten Oscar Niemeyer eine Gedenkstätte –

zunächst als rein architektonische Idee, ohne jeglichen Ortsbezug - geplant.

Dieses Projekt war u.a. ein Grund für die Reise des Architekten nach Brasilien.

Eine Initiative um die Hinterbliebene Fernanda von Oppersdorf entwarf die Idee,

die geplante Kapelle neu zu interpretieren und in Verbindung mit einem Standort

am Wasser in Deutschland realisieren zu wollen. Gerade der ungestörte Blick

auf den Wasser-Himmel-Horizont ist dabei eine wesentliche

Standortanforderung, um den Ort optimal der Ruhe und Einkehr widmen zu

können.

Hierzu hat das Stadtplanungsamt eine 3-stufige Standortüberprüfung

vorgenommen:

1. Stufe: Standortvorauswahl

Zur Eingrenzung des Untersuchungsaufwandes wurden zunächst die

beiden folgenden Kriterien bewertet:

1.1 Wasserlage

1.2 Einbettung in einen Grünraum, losgelöst vom Siedlungskörper

Durch diese inhaltliche Einengung kommen nur die Stadtteile Schilksee,

Pries-Friedrichsort, Wik, Düsternbrook und Neumühlendorf-Dietrichsdorf

für eine weitere Standortdiskussion in Betracht.

2. Stufe: Ausschlussverfahren

Als K.O.-Kriterien wurden angeführt:

2.1 Freier, weiter, ungestörter Blick auf einen Wasser-Himmel-Horizont

2.2 Verfügbarkeit (Eigentum Stadt Kiel,…)

2.3 Küstenschutz (Abstand zur Abbruchkante der Küste,…)

2.4 Aus Naturschutzsicht hochwertige Flächen & Landschaftsbestandteile

(Naturschutzgebiete, Vorrangflächen für Naturschutz gemäß

Landschaftsplan)


- 3 -

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Hiernach verbleiben nur noch 3 Standorte in Schilksee: die Grünfläche

östlich des Ankerplatzes, der Bereich Moorkuhl und die Fläche nordöstlich

der Bebauung Seekante/Fallreep sowie 1 Standort in Pries, der Bolzplatz

westlich Falckensteiner Strand.

3. Stufe: Qualitative Bewertung

Die verbliebenen Standorte wurden anschließend qualitativ beurteilt.

3.1 Rechtliche und planerische Vorgaben (Landschaftsplan,

Flächennutzungsplan,…)

3.2 Verkehrliche Erschließung (Parkplätze, Fußwegeverbindung zum

Standort,…)

3.3 Verträglichkeit mit dem Umfeld (Nähe zur Nachbarschaft,…)

3.4 Eignung für das Gesamtkonzept (Zusammenfassende Betrachtung)

Die Standortuntersuchung kommt zu dem Ergebnis, dass die Idee einer

Gedenkstätte an dem Standort Kiel-Schilksee – Moorkuhl, gelegen am

Funkstellenweg, am besten umgesetzt werden kann.

Der Standort zeichnet sich durch eine ausreichend verkehrliche Erschließung

aus und weist einen öffentlichen Parkplatz auf, von dem aus sich der Besucher

der Gedenkstätte zu Fuß nähern kann. Auf einer leichten Anhöhe in der Wiese

kann das Gebäude errichtet werden. Das bisherige Wegenetz entlang der

Steilküste wird nicht umorganisiert oder in die „zweite Reihe“ hinter der

Gedenkstätte verlegt. Vielmehr nimmt dieser Standort einen respektvollen

Abstand von über 100 Metern Luftlinie zum nächsten Wohngebäude ein.

Das Ergebnis der Standortuntersuchung, der Standort Moorkuhl, wurde im

Rahmen der Ortsbeiratssitzung am 11.12.2013 vorgestellt. Alternativstandorte

wurden im Ortsbeirat nicht vorgestellt, da dieser Standort aus Sicht der

Verwaltung eindeutig am besten für die Umsetzung des Projektes geeignet ist.“

Frage 3:

Antwort:

Muss zum Bau einer Erinnerungshalle am favorisierten Standort im

Landschaftsschutzgebiet an der Steilküste Schilksees neues

Planungsrecht z.B. in Form eines Bebauungsplanes geschaffen werden

und, wenn ja, wann ist eine Beteiligung der Selbstverwaltungsgremien

geplant

Nein. Für die Realisierung dieses Vorhabens an dem vorgesehenen Standort

sind die Erteilung einer Baugenehmigung und eine Befreiung vom

Landschaftsschutz erforderlich. Eine Änderung des Flächennutzungsplanes und

des Landschaftsplanes und die Aufstellung eines Bebauungsplanes mit der

entsprechenden Beteiligung der Selbstverwaltungsgremien sind nicht

erforderlich.

Peter Todeskino


20

Fragestunde für Einwohnerinnen und Einwohner zum Bauvorhaben „Erinnerungskapelle“

in Kiel-Schilksee

Ratsversammlung am 16.01.2013

Sehr geehrter Herr Stadtpräsident, meine sehr geehrten Damen und Herren,

Eine erhebliche Zahl von Schilkseer Bürgerinnen und Bürger, für die ich heute sprechen darf, verneinen

dies. Als Beleg dafür , übergebe ich - seine freundliche Zustimmung vorausgesetzt- dem Herrn Stadtpräsidenten

die Listen mit mehr als 1000 Unterschriften, die von einer spontan gebildeten Bürgerinitiative

(überparteilich) gegen das Projekt in den letzten Wochen in Schilksee gesammelt wurden.

Unstrittig ist jedoch, dass öffentliche Belange der Genehmigung dieses Bauvorhabens entgegen stehen :

- die in Aussicht genommene Baufläche liegt im baurechtlichen Außenbereich nach § 35 BauBG, in dem

Bauvorhaben nur ausnahmsweise und im Einzelfall zulässig sind. Die im Baugesetzbuch aufgeführten

Ausnahmefälle können aber für das in Rede stehende Vorhaben nicht geltend gemacht werden. Einer

Zulassung im Einzelfall stehen u. a. folgende öffentliche Belange entgegen :

- der gültige Flächennutzungsplan weist diese Fläche als öffentliche Grünfläche aus

- das Gleiche gilt für den Landschaftsplan

- die in Aussicht genommene Baufläche liegt im Landschaftsschutzgebiet “Zwischen Heischer Tal und

Schilkseer Steilküste”

- und hier wiederum im Bereich der geologisch- morphologisch schützenswerten eiszeitlichen Schmelzwasserrinne

(“Geotop”)

Aufgrund dieser eindeutig definierten öffentlichen Belange ist eine Baugenehmigung für die “Erinnerungskapelle”

derzeit nicht zulässig.

Ich frage daher den für Bau- und Umweltfragen zuständigen Bürgermeister, Herr Todeskino

1. Welche Verfahren zur Überwindung dieser planungs- und naturschutzrechtlichen Vorgaben sind erforderlich

um eine rechtssichere Umsetzung des Bauvorhabens “Erinnerungskapelle” auf der in Aussicht

genommenen Baufläche sicher zu stellen

2. Wann wurden bzw. werden die zuständigen Gremien der Selbstverwaltung mit diesen Planungsfragen

befasst

3. Wie wird im Verlauf des weiteren Verfahrens die Beteiligung der Bürger und der Träger öffentlicher Belange

sicher gestellt

Mit freundlichem Gruß

Jens Jacobus

Seehundweg 3

24159 Kiel - Schilksee


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21

Antwortrede von Bürgermeister Peter Todeskino

in der Ratsversammlung am 16.01.2014

Sehr persönlich. Die Reaktion auf die erste öffentliche Präsentation der Erinnerungskapelle im Ortsbeirat

stimmt mich persönlich sehr traurig. Auch die Einwohneranfrage meines geschätzten Vorgängers Herr

Jacobus und die Unterschriften gegen das Vorhaben, Ich mache aus meinem Herzen hier keine Mördergrube,

dass ich die Erinnerungskapelle in Schilksee nach wie vor für eine riesengroße Chance für die Landeshauptstadt

Kiel begreife. Mehr noch. Der damalige Oberbürgermeister Torsten Albig und ich haben den

Wunsch der deutschen und französischen Hinterbliebenen des tragisches Absturzes der Air France über

dem Atlantik eine Gedenkstätte unter Verwendung eines Entwurfs einer Kapelle des weltberühmten Oscar

Niemeyer in Kiel-Schilksee zu errichten als Geschenk für ganz Kiel angesehen.

Wir haben ein besonderes öffentliches Interesse gesehen und wegen der hohen Sensibilität sehr leise

den Gang in die Öffentlichkeit vorbereitet. Wir intendierten nicht nur die Errichtung eines besonderen

Gedenkortes für die Hinterbliebenen des Absturzes, sondern sahen darüber hinaus eine spirituelle und

kulturelle Bereicherung für die Kieler. Ein Ort der Einkehr, der religiösen Besinnung gleich welche Glaubensrichtung,

des Gedenkens, der auf See gebliebenen oder der auf See bestatteten. Von Schilksee oder

Strande meine Damen und Herren werden jährlich tausend Verstorbene der Ostsee übergeben.

Wir glauben auch an einen Ort, des schlichten Aufenthaltes, der Ruhe für jeden, in einer Ortslage mit

einem einzigartigen Blick auf die offene See.

Und dieses alles überspannt und bewirkt mit einer Architektur des wohl international berühmtesten Architekten

des letzten Jahrhunderts Oscar Niemeyer aus Brasilien.

Der auf als auf äh.. der auf dem einzigen Sakralbau Oscar Niemeyers abgestellte Standort gewährleistet

diese funktionalen Gesichtspunkte in Kiel-Schilksee einzigartig.

Natürlich haben wir die Reputation des Architekten gesehen und die Chance einen international

beachteten und besuchtes Sichtzeichen für den Stadttourismus in Kiel und Vermarktung einer Skulptur.

Von diesem Kaliber hat Kiel nicht ganz so viel zu bieten.

Die Kapelle und die Landschaft stehen meines Erachtens nicht im Widerspruch, sondern versprechen ein

besonderes Raumerlebnis der besonderen Art.

Ich rede über eine Skulptur im öffentlichen Raum über ein zukünftiges Kleinod in Kiel. Ich rede in erster

Linie über Architektur, Landschaft und Wasser, auch im Verhältnis zueinander, natürlich von Kultur und

letztlich über Chancen.

Offenbar ist es für viele wesentlicher zur Verhinderung des Vorhabens über Jura und Verfahrensfragen zu

reden. Hierzu nehme ich Bezug ... unter Bezugnahme auf die schriftlichen Erläuterungen kurz Stellung.

Herr Jacobus hat gefragt, welche Verfahren zur Überwindung denn von statten gehen müssen. Meine

Damen und Herren, wir haben dieses Vorhaben immer als ein privilegiertes Vorhaben nach §35, Absatz

1(4) Baugesetzbuches gesehen wegen der besonderen öffentlichen Bedeutung dieses Vorhabens und die

habe ich gerade skizziert.

Natürlich haben wir uns auch mit dem Landschaftsschutz beschäftigt und da gibt es eine Vorschrift des

§67 Nr.1b Bundesnaturschutzgesetz, da muss eine Befreiung aus dem öffentlichen Wohl erfolgen. Auch

diese haben wir gesehen. Das habe ich dargelegt. Das sind die Gründe, die dafür sprechen. Ich denke

allein 1000 Menschen, die der See übergeben werden, hier vor unserer Küste. Die Menschen, die Hinterbliebenen

können einen Ort der Besinnung, der Einkehr in Schilksee, Strande oder wo auch immer gut

gebrauchen.

Meine sehr geehrten Damen und Herren, die zweite Frage: Warum wurden bzw. werden die zuständigen

Gremien in diesem Planungsfragen befasst. Sie werden sich vorstellen können, dass die Fragen, die wir

zu erörtern hatten mindestens eineinhalb Jahr sehr sensibel beurteilt werden.

Sie mussten sehr sensibel gemacht werden, weil die Toten auf dem Meer nicht gefunden worden sind.


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280 Menschen sind ums Leben gekommen und vor diesem Respekt dieser Menschen der Hinterbliebenen

haben wir natürlich haben wir natürlich nicht die Öffentlichkeit sofort beteiligt; sondern wir haben

natürlich wir haben, wies sich für eine gute Verwaltung gehört, den Fall vorbereitet, geprüft, um auch den

Hinterbliebenen zu sagen, was geht hier eigentlich und was geht hier nicht.

Und was geht haben wir gesagt und das haben wir auch vorbereitet. Und wir haben es so vorbereitet, mit

immer Rückkoppelung zu den Hinterbliebenen, Frau Oppersdorff der Witwe von Moritz Kock, der bei

dem Um..äh dem Unfall ums Leben gekommen ist. Und sie hat uns kurz vor Weihnachten das Grünes

Licht gegeben, erstmals in die Öffentlichkeit zu gehen und das haben wir dann auch getan.

Und dann haben wir es auch so getan, wie es sich gehört und wie es in Schilksee auch immer gefordert

wird. Nämlich in den Ortsbeirat. Der Ortsbeirat sollte die erste Kenntnis erlangen und die hat er auch

erlangt.

Wir haben sehr umfänglich dort vorgetragen. Frau von Oppersdorff und ich waren mit meiner Fachverwaltung

zugegen.

Meine sehr geehrten Damen und Herren, das war uns ein Anliegen und wir haben da nicht vor vollendete

Tatsachen gestellt und nicht Fakten geschaffen. Wir haben nicht gefordert, dass der Ortsbeirat eine

Entscheidung darüber abgeben sollte, ob wir eine unselbstständige Stiftung gründen, ob wir ein städtisches

Grundstück da rein geben und wie denn eigentlich die Unterhaltungspflege zu finanzieren ist und

ob wir sie finanzieren.

Natürlich haben Torsten Albig und ich, das in Erwähnung gezogen und auch offeriert, weil wir den besonderen

Zweck und die öffentliche Bedeutung dieses Bauvorhabens für die Landeshauptstadt Kiel

gesehen haben. Aber natürlich ist auch, dass die Verwaltung nur vorbereitet. Am Ende des Tages

entscheiden diese wichtigen und schwierigen Fragen natürlich sie, die Ratsversammlung.

Das ist Sinn der Gründung einer Stiftung und ich oder die Immobilienwirtschaft können nur über ganz

kleine Grundstücke verfügen, aber nicht über sowas.

Ich komm zu der dritten Frage, wie wird im Verlauf der Bürger und der Träger der öffentlichen Belange

sichergestellt.

Sie können sich vorstellen, dass die Untere Naturschutzbehörde natürlich beteiligt war. Das ist eine Behörde

des Hauses und dass diese Behörde nicht immer ganz bequeme, obwohl unter meiner Ägide ist,

ist, das kann ich ihnen sagen. Natürlich führen wir unsere Kämpfe auch, aber das ist dort abgeklärt.

Wir haben im Ortsbeirat, bei der ersten Vorstellung, das stand alles ordnungsgemäß auf der Tagesordnung,

auch gesehen dass in Schilksee bei dieser Sitzung ausnahmsweise nicht so viele Menschen da

waren. Und deswegen war es der Wunsch des Ortsbeirates nochmal zu kommen und nochmal vorzutragen

und noch mehr Menschen zu erreichen. Das haben wir zugesagt.

Danach ist es dann dazu gekommen, dass die vielfältigen Reaktionen gekommen sind. Mit den 1300

Unterschriften wie ich gerade gehört habe, das sind ne Menge. (Zwischenruf: über 2000). Zweitausend

Entschuldigung 2000.

Und in Ansehung dieser Unterschriften haben wir gesagt, dann müssen wir, nicht nur nicht in den Ortsbeirat,

sondern machen wir auch noch eine umfängliche öffentliche Veranstaltung mit spezifischen Themenstellungen,

die öffentlich zu erörtern sind. Da werden dann alle Fragen erörtert. Die Öffentlichkeit wird

dann beteiligt. Wir stellen uns vor sehr nah am Ort des Geschehens und recht bald diese Veranstaltung zu

organisieren. Wir gehen davon aus, dass sie Mitte Februar erfolgen wird und dann können weitere Fragen

gestellt werden.

Ich hoffe inständig und das sage ich auch in Ansehung der vielen Unterschriften, ich hoffe inständig und

auch persönlich, dass es einen Weg der Umkehr gibt, dass wir dieses Vorhaben für Kiel doch noch retten

können. Ein persönlicher Appell meinerseits.

Stadtpräsident Tovar: Herr Jacobus, sie können jetzt noch eine Zusatzfrage stellen.

Herr Jacobus: Diese sachlich wenig fundierte und eher emotional getragene Antwort, stellt uns natürlich


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in keiner Weise zufrieden und legt diverse Nachfrage nahe. Die Geschäftsordnung gestattet mir allerdings

nur eine:

Sehr geehrter Herr Todeskino ist ihnen bekannt, das nach verwaltungsgerichtlichem Urteilen in der letzten

Zeit vergleichbare Bauvorhaben, also auch Erinnerungs- bzw. Trauerkapellen im Außenbereich unter

keinem Aspekt des Baugesetzbuches, also auch nicht unter §35 , Absatz 1 (4) wie sie es reklamieren zulässigcsind

und wollen sie etwa riskieren, dass erneut die Kommunalaufsicht eingreifen muss, um wegen

rechtswidriger Deals zugunsten einflussreicher Privatpersonen und zu Lasten der Bürger Kiel durch die

Spitzen der Stadtverwaltung realisiert werden sollen.

Anmerkung: Beifall von den Rängen.

Stadtpräsident Tovar: So meine Damen und Herren, ich meine es ernst. Bei der nächsten Äußerung

dieser Art sei des Klatschen, Buh-Rufen oder Applaudieren, werde ich sie von der weiteren Sitzung hier

aus-schließen lassen. Das müssen sie ernsthaft bitten .. sie können ja ruhig lachen, wenn sie hier nicht

mehr drin sind, kriegen sie hier nichts mehr mit. Ich finde nicht, dass das ein gebührliches Verhalten ist,

was sie hier machen. Das ist die letzte Warnung.

Todeskino: Au ha, mag ich da sagen. Ihr Hinweis auf einen Deal, das ist schon sehr ungehörig, das muss

ich an dieser Stelle sagen. Natürlich ist uns bekannt, das Urteil, auf das sie sich beziehen, des Verwaltungsgerichtshofs

Baden-Württemberg, die tatsächlich eine Entscheidung getroffen haben, die aber mit

dieser Entscheidung nicht vergleichbar ist. Wir haben ..ich habe die Fakten vorhin aufgezählt, warum wir

ein öffentliches Interesse im Sinne von §35, Absatz 1(4) Baugesetzbuch sehen und da sind wir, da bin ich

Jurist und da bin ich auf der sicheren Seite.

Todeskino trickst

(http://wifhv.wordpress.com/2014/01/22/2011/)

Peter Todeskino nutzt die Einwohneranfrage, um auf seine Art für die Erinnerungskapelle (auch Gedenkstätte,

Skulptur, Sakralbau, Chance usw.) zu werben.

In der Einleitung seiner Antwort setzt er sich nicht sachlich mit den Fragen auseinander, sondern trickst. Er

sei „persönlich sehr traurig über „die Reaktion“, sagte er und er wolle aus seinem „Herzen hier keine Mördergrube“

machen (– verwende eine gefühlvolle Sprache./ – wechsle bei Kritik in die Opferrolle. Z.B. das

Opfer „Andersdenkender“)

Bewusst oder unbewusst greift Peter Todeskino in die Trickkiste des 1×1 billiger Demagogie und bedient

sich entsprechender Mitteln:

- wechsle bei Kritik blitzschnell in die Opfer-Rolle

- definiere etwas als bedroht

- definiere “die Anderen” als Bedrohung

- verwende eine gefühlvolle Sprache

- bringe Sach-Probleme auf eine persönliche Ebene

- beschränken Sie Ihre Agitation auf wenige Themen

- erfinde Autoritäten und Fakten, um deine Argumente zu stützen

- breche geschriebene und ungeschriebene Regeln der Demokratie

Todeskino und Albig sehen die Kapelle als Geschenk für ganz Kiel. Aber zahlt man für Geschenke (- gebe

herkömmlichen Begriffen eine neue Bedeutung) Wegen der “hohen Sensibilität” wurde der “Gang in die

Öffentlichkeit” “sehr leise vorbereitet”.

Das musste so sein, weil die/der gemeine Schilkseer Bürger/in Sensibilität und Pietät nicht kennen (- bele-


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ge dich selbst und die Anderen mit eindeutigen Eigenschaften – hier “ich bin sensibel”).

Die Erinnerungskapelle ist nicht nur (wie ursprünglich) eine Gedenkstätte für die Hinterbliebenen des Absturzes,

sondern eine spirituelle und kulturelle Bereicherung. Und Todeskino und Albig sind die spirituellen

Führer und schenken uns Kultur

In Todeskinos Welt wird die Kapelle mit Kreuz für „alle Glaubensrichtungen“ auch zur Pilgerstätte für Schiiten,

Sunniten, Buddhisten, Atheisten usw.. Der von Pietät durchdrungene Todeskino scheut sich auch nicht

die „tausend Verstorbenen“ zu bemühen, die „jährlich der Ostsee“ übergeben werden.

„Dieses alles“ wird „überspannt und bewirkt mit einer Architektur des wohl international berühmtesten

Architekten des letzten Jahrhunderts Oscar Niemeyer aus Brasilien.“ Aus dem weltweit anerkannten Architekten

Oscar Niemeyer macht Todeskino „international berühmtesten“. In der Realität muss sich Niemeyer

diesen Titel in der Realität mit vielen anderen teilen (z.B. Alvar Aalto, Le Corbusier, Sir Norman Foster,

Buckminster Fuller, Antonio Gaudi , Walter Gropius, Rem Kohlhaas, Daniel Libeskind, Ludwig Mies van der

Rohe, Ieoh Ming Pei, Frank Lloyd Wright um einige zu nennen. In Norddeutschland waren übrigens Architekten

wie Fritz Höger identitätsstiftend.

Was hätte der Atheist Niemeyer wohl selbst dazu gesagt „Ich sage immer wieder, dass Architektur nicht

wichtig ist. Architektur ist nur ein Vorwand. Wichtig sind das Leben und der Mensch.“

Handschriftlich von Niemeyer verfasst hing an der Wand seines Büros: „Wir müssen diese Welt verändern“.

Unter diesem Titel gibt es auch ein Buch von Niemeyer, in dem er u.a. von seiner gutbürgerlichen Herkunft

und seiner Zuwendung zum Kommunismus, seinem Schaffen und seiner Lebensphilosophie berichtet.

Todeskino sagt, dass „der Standort“ auf den „einzigen Sakralbau Oscar Niemeyers“ abgestellt ist. Das ist

eine Verdrehung von Niemeyers Überzeugungen, der seine Bauwerke eben für einen gegebenen Ort entwarf.

Richtig ist zudem, dass dies nicht der „einzige Sakralbau“ Niemeyers ist. Bereits aus dem Jahre 1943

datiert die Sankt-Franziskus-Kapelle in Belo Horizonte und eines seiner letzten Bauwerke ist die Kathedrale

Cristo Rei ebenso in Belo Horizonte, die nicht nur Gebetsräume, sondern auch ein Bildungs- und Gesundheitszentrum

beherbergt.

Worum es Todeskino wirklich geht, macht er selbst deutlich: „Natürlich haben wir die Reputation des Architekten

gesehen und die Chance einen international beachteten und besuchtes Sichtzeichen für den

Stadttourismus in Kiel und Vermarktung einer Skulptur. Von diesem Kaliber hat Kiel nicht ganz so viel zu

bieten.“ Todeskino hofft, dass er mit diese „Kapelle“ so laut tröten kann, dass sie es ins überregionale Feuilleton

schafft. Todeskino setzt nicht auf Stadtentwicklung, sondern will eine Wette auf die Zukunft machen.

Er reduziert Kultur darauf, dass sie als „Standortfaktor“ dienen soll.

Diese Form der wirtschaftlichen Abschöpfung von Niemeyers Fähigkeiten steht in krassem Gegensatz zu

dessen Überzeugungen. Dass er selbst ein Kulturzwerg ist, verrät uns Todeskino damit, dass er die Kapelle

gleich zweimal Skulptur nennt („Vermarktung einer Skulptur“, „Ich rede über eine Skulptur im öffentlichen

Raum“ ). Wenn überhaupt Herr Todeskino, wäre es eine Plastik – aber auch das wäre Blödsinn. In einer

Visualisierung des Stadtplanungsamtes hat die Kapelle gegenüber dem Entwurf jede Leichtigkeit verloren

und sieht aus ein aufgedunsenes Zwei-Mann-Zelt, bei dem jeder gestalterische Duktus verloren gegangen

ist.

Nach seiner Vorrede kam Herr Todeskino dann endlich zur Beantwortung der Einwohneranfrage von Herrn

Jacubus. Auch hier wiederholt Herr Todeskino im Wesentlichen seine „Argumente“.

Die 238 Todesopfer des Absturzes werden dabei zu 280 und er wiederholt man habe “vor diesem Respekt”

vor den Hinterbliebenen “natürlich nicht die Öffentlichkeit sofort beteiligt”; um “auch den Hinterbliebenen zu

sagen, was geht hier eigentlich und was geht hier nicht. Und was geht haben wir gesagt und das haben wir

auch vorbereitet. Und wir haben es so vorbereitet, mit immer Rückkoppelung zu den Hinterbliebenen, Frau

Oppersdorff.”

Daraus ergibt sich ganz offensichtlich, dass den Hinterbliebenen, bzw. Frau von Oppersdorff gesagt wurde,


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die Kuhwiese geht und “Vorbereitungen” folgen lassen.

Das er damit “keine Fakten” geschaffen haben will, ist vor diesem Hintergrund schon eine Provokation und

beleuchtet, wem er sich mehr verpflichtet fühlt, als der keler Öffentlichkeit.

“Wir haben nicht gefordert, dass der Ortsbeirat eine Entscheidung darüber abgeben sollte, ob wir eine unselbstständige

Stiftung gründen, ob wir ein städtisches Grundstück da rein geben und wie denn eigentlich

die Unterhaltungspflege zu finanzieren ist und ob wir sie finanzieren.”

Das stimmt Herr Todeskino, aber sie benennen auch hier Fakten über die der Ortsbeirat nicht zeitnah informiert

wurde.

Wir verzichten auf den Rest und stellen fest: Die Sprache von Peter Todeskino trägt keine Inhalte – sie

trügerisch und billige Trickserei.

22.01.

2014 Sitzung des Ortsbeirats Schilksee

Das Hauptthema der Sitzung war der Plan eine “Erinnerungskapelle” auf der sogenannten Kuhwiese

zu bauen. Im Raum hatten sich dichtgedrängt viele BürgerInnen aus Schilksee eingefunden,

die gar nicht “heftig protestierend”, sondern sehr sachlich ihre Argumente einbrachten. Die Bürgerinitiative

teilte mit, dass sie mittlerweile 2500 Unterschriften gesammelt hat.

(http://kuhwiese-schilksee.jimdo.com)

Die überragende Mehrzahl sprach sich gegen die Bürgermeister Todeskino für den 13.02.2014

angekündigte Informationsveranstaltung aus. Gelächter erntete die Mitteilung, dass zu dieser Veranstaltung

ein Besuch des geplanten Standortes Kuhwiese geplant war.

Die BürgerInnen in Schilksee machten klar, dass sie keine Informationsveranstaltung wollten, sondern

eine ergebnisoffene Diskussion.

In diese Richtung ging auch ein Antrag, den der Ortsbeirat verabschiedete und der zudem beinhaltete

auch relevante Gruppen über die Grenzen Schilksees hinaus einzuladen.

Die BürgerInnen formulierten einen Katalog von Fragen an den Baudezernenten.

Am Ende fand man sogar den Kompromiss, der Informationsveranstaltung von Bgm Todeskino

eine halbe Stunde vor einer anschliessenden Diskussion einzuräumen.

23.01.

2014 Erinnerungskapelle in Kiel-Schilksee: Hinterbliebene ziehen ihr Angebot zurück

Mit großem Bedauern nimmt Bürgermeister Peter Todeskino zur Kenntnis, dass Fernanda von

Oppersdorff als Vertreterin des Hinterbliebenenvereins der Opfer des Absturzes des Air-France-

Fluges AF 447 von dem Vorhaben, die Erinnerungskapelle in Kiel zu errichten, mit folgender

Erklärung Abstand genommen hat.

„Ich verstehe, dass die Errichtung einer Gedenkstelle mit den Menschen vor Ort besprochen

werden muss. Deshalb habe ich das Projekt gemeinsam mit der Verwaltung im Dezember im Ortsbeirat

Schilksee vorgestellt. In der gestrigen Sitzung des Ortsbeirats Schilksee sind Fragen aufgeworfen

worden, die geeignet sind, die Würde der Opfer und Hinterbliebenen zu verletzen und

die Reputation Oscar Niemeyers zu beschädigen. Die öffentliche Resonanz der letzten Wochen hat

mich bewogen, von Kiel als Standort für den Bau der Erinnerungskapelle Abstand zu nehmen“,

sagte Fernanda von Oppersdorff auch im Namen der Mitglieder des deutschen und des französischen

Hinterbliebenenvereins und bedankt sich bei der Verwaltung für die äußerst sensible und

professionelle Bearbeitung des Vorhabens.


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23.01.

2014 Kuhwiese bleibt Kapellenfrei. “Kiel ist als Standort gestorben”*

Einen Tag nach der gestrigen Ortsbeiratssitzung in Schilksee, sagt Frau von Oppendorff “Kiel ist als

Standort gestorben”. (http://www.shz.de/lokales/kiel/witwe-zieht-kapellenbau-zurueck-schilkseeueberrascht-id5518901.html).

Bürgermeister Todeskino bedauerte diese Entscheidung.

Auf der Ortsbeiratssitzung am 23.01.2014 wurde mitgeteilt, dass die Bürgerinitiative bislang 2500

Stimmen gegen eine Ansiedlung der Kapelle auf der sogenannten Kuhwiese gesammelt hat. Im

Raum hatten sich dichtgedrängt über 100 BürgerInnen aus Schilksee eingefunden, die gar nicht

“heftig protestierend”, sondern sehr sachlich ihre Argumente einbrachten. Die Bürgerinitiative teilte

mit, dass sie mittlerweile 2500 Unterschriften gesammelt hat.

(siehe auch: http://kuhwiese-schilksee.jimdo.com)

Der Vorsitzende des Ortsbeirates, Christoph Holst ist jetzt wie Bürgermeister Todeskino schon vorher

„sehr traurig“: „Ich finde es schade, dass offensichtlich keine richtige Bürgerbeteiligung gewünscht

war. Zumindest ist die durch das Verhalten der Bürgerinitiative konterkariert worden.“

Die Aussage, dass ausgerechnet die Bürgerinitiative die eine Bürgerbeteiligung gefordert hat, durch

ihr Verhalten die Bürgerbeteiligung konterkariert haben soll, ist über die Realitätsverzerrung hinaus

schon unverschämt und es taucht die Frage auf, wie Herr Holst die Interessen der Mehrheit der

BürgerInnen des Stadtteils seinen Aufgaben gemäß vertritt.

Bis auf wenige Stimmen sprachen sich die BürgerInnen gegen die Bürgermeister Todeskino für den

13.02.2014 angekündigte Informationsveranstaltung aus. Gelächter erntete die Mitteilung, dass

zu dieser Veranstaltung ein Besuch des geplanten Standortes Kuhwiese geplant war. Die BürgerInnen

in Schilksee machten klar, dass sie keine Informationsveranstaltung wollten, sondern eine Bürgerbeteiligung

mit einer ergebnisoffenen Diskussion.

In diese Richtung ging auch ein Antrag, den der Ortsbeirat verabschiedete und der zudem bein

haltete auch relevante Gruppen über die Grenzen Schilksees hinaus einzuladen. Die BürgerInnen

formulierten einen Katalog von Fragen an den Baudezernenten.

Am Ende fand man sogar den Kompromiss, der Informationsveranstaltung von Bgm Todeskino

eine halbe Stunde vor einer anschliessenden Diskussion einzuräumen.

Einen Tag später teilt die Frau von Oppersdorff mit, dass ihr Geschenk nicht nur für Schilksee, son

dern für ganz Kiel zurückzieht.

“In der gestrigen Sitzung des Ortsbeirats Schilksee sind Fragen aufgeworfen worden, die geeignet

sind, die Würde der Opfer und Hinterbliebenen zu verletzen und die Reputation Oscar Niemeyers

zu beschädigen. Die öffentliche Resonanz der letzten Wochen hat mich bewogen, von Kiel als

Standort für den Bau der Erinnerungskapelle Abstand zu nehmen“, sagte Fernanda von Oppers

dorff (http://www.kiel.de/rathaus/_meldungen/_meldung.phpid=36041)

Da Frau von Oppersdorff nicht der Ortsbeiratssitzung in Schilksee beigewohnt hat, taucht die Frage

wer sie dergestalt informiert hat (Herr Pasternak, Herr Holst..). Richtig ist, dass keine Fragen aufgeworfen

wurden, die darauf zielten Hinterbliebene zu verletzen, oder die Reputation von Oscar

Niemeyer zu beschädigen. Vielmehr wurden Fragen an die Verwaltung gerichtet und die Reputation

von Oscar Niemeyer blieb dabei unstrittig.

In den Kieler Nachrichten spricht der bereits bekannte Redakteur Tamo Schwarz (siehe hier)

spricht von “heftigen Bürgerprotesten”. Abgesehen davon, dass er nicht wie andere Pressevertreter

vor Ort begrüßt und so anzunehmen ist, dass er gar nicht anwesend war, bleibt die Frage, was er

damit meint: das Vorbringen von Sachargumenten, das Sammeln von Unterschriften, das Einrichen

einer Webseite der Kapellengegner Auch seine Formulierung “emotional geführte Debatte”

ist angetan ein verzerrtes Bild zu entwerfen. Die BürgerInnen waren trotz berechtigter Empörung

sehr diszipliniert. Wer die vermeintlichen “Rädelsführer/in” der BürgerInnen in Schilksee – Frau


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Stück, Herrn Falkenhagen, Herrn Jacobus und anderen erlebt hat. kann da nur schallend lachen

Herr Schwarz.

Frau Stück wird in dem genannten Artikel SHZ zitiert „Es tut mir leid, dass es so gelaufen ist. Wir

wollten es auf Null drehen und waren bereit, gemeinsam nach Alternativstandorten suchen.“ Stück

habe bereits vor zwei Jahren, als sie von Todeskino ins Vertrauen gezogen wurde, angemerkt,

dass sie sich eine Kapelle dort gar nicht vorstellen kann. „Dass er trotzdem nichts anderes gesucht

hat, wollte mir nicht in den Kopf.“

Nach der Absage hat sich jetzt Strande ins Spiel gebracht und Bürgermeister Klink sieht die Bülker

Huk als idealen Standort mit freiem Blick “aufs Meer – wo viele Menschen seebestattet werden.”*

Die BürgerInnen in Schilksee haben ein Beispiel dafür gegeben, das Engagement mehr ist, als der

Gang zur Wahlurne und BürgerInnen damit nicht für 5 Jahre ihre Stimme abgeben müssen, um

dann sprachlos zu bleiben.

Wir ziehen den unseren Hut und hoffen auf rege Beteilgung der Schilkseer bei dem Bürgerbegehren

gegen die Ansiedlung von Möbel-Kraft.

* http://www.shz.de/lokales/kiel/witwe-zieht-kapellenbau-zurueck-schilksee-ueberrascht-id5518901.

html

(http://wifhv.wordpress.com/2014/01/23/kuhwiese-bleibt-kuhwiese/)

23.01.

2014 Erinnerungskapelle in Kiel-Schilksee: - Hinterbliebene ziehen ihr Angebot zurück

Mit großem Bedauern nimmt Bürgermeister Peter Todeskino zur Kenntnis, dass Fernanda von

Oppersdorff als Vertreterin des Hinterbliebenenvereins der Opfer des Absturzes des Air-France-

Fluges AF 447 von dem Vorhaben, die Erinnerungskapelle in Kiel zu errichten, mit folgender

Erklärung Abstand genommen hat.

„Ich verstehe, dass die Errichtung einer Gedenkstelle mit den Menschen vor Ort besprochen

werden muss. Deshalb habe ich das Projekt gemeinsam mit der Verwaltung im Dezember im

Ortsbeirat Schilksee vorgestellt. In der gestrigen Sitzung des Ortsbeirats Schilksee sind Fragen

aufgeworfen worden, die geeignet sind, die Würde der Opfer und Hinterbliebenen zu verletzen und

die Reputation Oscar Niemeyers zu beschädigen. Die öffentliche Resonanz der letzten Wochen hat

mich bewogen, von Kiel als Standort für den Bau der Erinnerungskapelle Abstand zu nehmen“,

sagte Fernanda von Oppersdorff auch im Namen der Mitglieder des deutschen und des französischen

Hinterbliebenenvereins und bedankt sich bei der Verwaltung für die äußerst sensible und

professionelle Bearbeitung des Vorhabens.

(http://www.kiel.de/rathaus/_meldungen/_meldung.phpid=36041)

Kommentar

Da Frau von Oppersdorff nicht der Ortsbeiratssitzung in Schilksee beigewohnt hat, taucht die Frage

wer sie dergestalt informiert hat (Herr Pasternak, Herr Holtz...). Richtig ist, dass keine Fragen auf

geworfen wurden, die darauf zielten Hinterbliebene zu verletzen, oder die Reputation von Oscar

Niemeyer zu beschädigen. Vielmehr wurden Fragen an Bürgermeister Todeskino gerichtet und

mehrfach betont, dass die Reputation von Oscar Niemeyer unstrittig ist.”

24.01.

2014 Witwe zieht Kapellenbau zurück – Schilksee überrascht vom 24. Januar 2014 Aus der Redaktion

des Flensburger Tageblatts

Die Schilkseer Bürgerinitiative hat ihr Ziel erreicht: Die Kapelle kommt nicht. Trotzdem bricht kein

Jubel aus. 2500 Unterschriften haben die Bürger gesammelt und sich gegen die Erinnerungska-


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pelle auf der sogenannten „Kuhwiese“ im Landschaftsschutzgebiet ausgesprochen. Sie verliehen

ihrer Einstellung sogar nochmal Nachdruck auf der jüngsten Ortsbeiratssitzung am Mittwochabend,

zu der mehr als hundert Besucher kamen.

Gemeinsam mit dem Vorstand formulierten die Bürger ihre Fragen, die die Verwaltung zur ursprünglich

im Februar geplanten Informationsveranstaltung beantworten sollte. Die Fragen reichten

von der Suche nach Alternativstandorten, zu laufenden Kosten für die Stadt, den Sinn der Kapelle

bis hin zur Frage, welche religiöse Gemeinschaft den Sakralbau weihen soll.

Neben der Verwaltung wurde auch Fernanda von Oppersdorff über die hitzige Diskussion der

Schilkseer informiert. Sie zog gestern Nachmittag als Vertreterin des Hinterbliebenvereins der Opfer

des Absturzes des Air-France-Fluges AF 447 die Konsequenzen: „Ich verstehe, dass die Errichtung

einer Gedenkstelle mit den Menschen vor Ort besprochen werden muss. Deshalb habe ich

das Projekt gemeinsam mit der Verwaltung im Dezember im Ortsbeirat Schilksee vorgestellt. In der

gestrigen Sitzung des Ortsbeirats Schilksee sind Fragen aufgeworfen worden, die geeignet sind,

die Würde der Opfer und Hinterbliebenen zu verletzen und die Reputation Oscar Niemeyers zu

beschädigen. Die öffentliche Resonanz der letzten Wochen hat mich bewogen, von Kiel als Standort

für den Bau der Erinnerungskapelle Abstand zu nehmen.“

Christoph Holst, Vorsitzender des Ortsbeirates, ist „sehr traurig“: „Ich finde es schade, dass offensichtlich

keine richtige Bürgerbeteiligung gewünscht war. Zumindest ist die durch das Verhalten der

Bürgerinitiative konterkariert worden.“ Auch Bürgermeister Peter Todeskino drückte sein Bedauern

aus, wollte aber kein Statement dazu abgeben.

Die Bürgerinitiative (BI) hat erreicht, was sie wollte: „Keine Kapelle im Landschaftsschutzge biet“,

lautete ihre Forderung. Doch Zufriedenheit klingt anders. Gesine Stück (SPD) von der BI: „Es tut

mir leid, dass es so gelaufen ist. Wir wollten es auf Null drehen und waren bereit, gemeinsam nach

Alternativstandorten suchen.“ Stück habe bereits vor zwei Jahren, als sie von Todeskino ins Vertrauen

gezogen wurde, angemerkt, dass sie sich eine Kapelle dort gar nicht vorstellen kann. „Dass

er trotzdem nichts anderes gesucht hat, wollte mir nicht in den Kopf.“ Schilkseer Martin Mokrus, der

für die Rechtsfragen bei der BI zuständig war, freut sich, dass der vierwöchige, nervenzehrende

Kampf ein erfolgreiches Ende hat: „Wir müssen Todeskino zur Räson bringen, damit er sich auf die

rechtlichen Möglichkeiten besinnt. Es kann nicht sein, dass er schaltet und waltet wie er will.“

In Strande stehe die Tür für das Vorhaben hingegen offen, wenn es an die Gemeinde heran

getragen würde, sagt Bürgermeister Dr. Holger Klink. Bislang sei das jedoch noch nicht passiert.

„Die Bülker Huk wäre ein idealer Standort, böte sich doch von der Kapelle der freie Blick aufs Meer

– wo viele Menschen seebestattet werden.“

Doch für Moritz Kocks Witwe Fernanda von Oppersdorff ist nach der langen Debatte eins klar: „Kiel

ist als Standort gestorben.“

(emd: http://www.shz.de/lokales/kiel/witwe-zieht-kapellenbau-zurueck-schilksee-ueberraschtid5518901.html)


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Oscar Niemeyer

Oscar Ribeiro de Almeida Niemeyer Soares Filho wurde am 15. Dezember 1907 in Rio de Janeiro, Brasilien,

geboren. Er wuchs in einer wohlhabenden Familie auf. Er erzählte später, dass er schon als kleiner

Junge mit den Fingern in der Luft gemalt habe.

Niemeyer war bis zu ihrem Tode 2004 mit Annita Baldo 2004 verheiratet.

Niemeyer studierte an der Escola Nacional de Belas Artes,wo er 1934 graduierte. Er arbeitete dann im Büro

von Lúcio Costa, einem Architekten aus der Moderne Schule. 1936 - 1943 war er zusammen mit Costa an

vielen großen Gebäuden beteiligt, wie zum Beispiel dem Ministerium für Bildung und Gesundheit Gebäude,

am dem auch Le Corbusier mitwirkte.

Costa und Niemeyer schufen auch Brasiliens Pavillon für die Weltausstellung in New York 1939, dass den

damaligen Bürgermeister La Guardia so beeindruckte, dass er Niemeyer zum Ehrenbürger von NewYork

machte.

Seine ersten ausschließlich eigenen Arbeiten war die Gestaltung einer Reihe von Gebäuden in Pampulha,

einem Vorort von Rio de Janeiro. Hier findet sich dann auch schon seine eigene Handschrift mit geschwungene

Linien und dem Einsatz von Beton.

“Weder ist es der rechte Winkel, der mich anzieht, noch die gerade Linie, hart, unflexibel, geschaffen vom

Menschen. Was mich verlockt ist die Kurve, frei und sinnlich, die Kurve, die ich in den Bergen meines

Landes finde, im gewundenen Lauf seiner Flüsse, in den Wellen des Meeres, im Körper der geliebten Frau.

Aus Kurven ist das ganze Universum geschaffen - das gekrümmte Universum Einsteins.”

Niemeyer Status wuchs weiter, als er als Vertreter Brasiliens Teil der Gruppe war, die denHauptsitz der

Vereinten Nationen in New York City entwerfen. Das Gebäude basiert im wesentlichen auf seinen Entwürfen,

auch wenn er Elemente von Le Corbusier übernahm. Ein amerikanisches Arbeitsvisum für ihn wurde

jedoch aufgrund seiner Mitgliedschaft in der Kommunistischen Partei Brasiliens abgelehnt.

1956 ernannte ihn Brasiliens Präsident Juscelino Kubitschek Niemeyer zum neuen Chefarchitekt für

öffentliche Gebäude in den neuen Hauptstadt des Landes, Brasilia. Niemeyer schuf in Brasilia mehrere

Gebäude, wie den Nationalkongress, den Präsidentenpalast, das Ministerium für Justiz, den Platz der drei

Gewalten und die Kathedrale von Brasilia.

Nach einem Staatsstreich des Militärs 1964 wurde Mitgliedschaft bei der Kommunistischen Partei zu einem

Problem. Sein Büro wurde durchsucht und Niemeyer ging nach Paris. Er schuf in Europa und Nordafrika

u.a. den Hauptsitz der Französischen Kommunistischen Partei in

„Als die Polizei mich zum letzten Mal vorlud, führte man mich in einen schalldichten Raum. Ich spürte, dass

ich nicht länger im Land bleiben konnte. Also floh ich nach Europa.“

Paris, das Verlagsgebäude Mondadori, in Segrate bei Mailand, den Maison de la Culture in Le Havre, das

Bürogebäude Sede Fata in Pianezza bei Turin und die Universität in Constantine, Algerien.

Niemeyer kehrte erst nach dem Ende der Militärdiktatur nach Brasilien zurück.

Für seine Kathedrale in Brasilia erhielt Niemeyer 1988, eine der höchsten Auszeichnungen für Architekten,

den “Pritzker Architecture Prize”.

Niemeyer trat aus der Kommunistischen Partei aus, blieb aber politisch “Immer, wenn es mir nötig erscheint,

werde ich protestieren. Wir erleben zurzeit einen der schlimmsten Momente der Menschheit, die

totale Gewalt, die totale Verachtung jedes menschlichen Wesens und der Souveränität der Staaten. Wir


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wissen nicht, wohin die Reise geht. Wir wissen, dass der Kapitalismus in der Krise steckt, dass er überwunden

werden muss. Aber keiner weiß, wie lange diese Krise dauern wird. Das Römische Reich hat 300 Jahre

gebraucht, bis es unterging. Und dieser Bush und die Amerikaner werfen Bomben auf all diese wehrlosen

Städte in Afghanistan, und kaum jemand in Europa protestiert. Mir gefällt, was in Argentinien geschieht.

Dort geht das Volk wenigstens auf die Straße.”

Auf sein beeindruckendes Schaffen angesprochen sagte Niemeyer: “Mir ist schleierhaft, was das heißen

soll. Jeder verrichtet seine Arbeit – gut oder schlecht. Dieses Getue um Huldigungen und Preise erscheint

mir so sinnlos wie lächerlich. Ich hatte Glück, habe einige Dinge bewältigt, habe vielleicht mehr Möglichkeiten

nutzen können als andere. Alles in allem nichts Außergewöhnliches.”

Bei Niemeyer folgte die Architektur der Natur. Seine Achtsamkeit im Umgang mit der Natur machte ihn zu

einem wahren Grünen, lange bevor der Begriff der Ökologie aufkam.

Niemeyer machte sich bis ins hohe Alter Gedanken über Ungerechtigkeit: “Die Welt wird von den Reichen

regiert. Jemand hat mal gesagt, früher hätten die Armen die Reichen bekämpft. Heute bekämpfen die Reichen

die Armen.“ „Die Armen müssen weniger arm und die Reichen weniger reich werden. Ist es wirklich

so schwer zu begreifen, dass auch die Armen und Ausgeschlossenen den legitimen Wunsch hegen, am

Aufbau der Gesellschaft teilzunehmen und nicht an den Rand gedrängt zu werden“

Er war bis ins hohe Alter politisch: “Der imperialistische Druck ist zurückgekehrt: Brasilien, ja ganz Lateinamerika,

soll gedemütigt, ausgebeutet, rekolonialisiert werden. Der Kampf um die Erde ist folgenreicher als

irgendein architektonisches Problem.”

Den jungen Menschen sagte er, in der heutigen Welt „stellt sich die Forderung nach Solidarität und Gleichheit

besonders dringend“. „Sie müssen begreifen, dass sie alle Brüder sind, dass keine Vorurteile gelten

dürfen und sie zusammen- statt gegeneinander arbeiten müssen.“

“Der Mensch darf glauben, dass alles geschehen kann, dass seine Intelligenz unbegrenzt ist, dass er nach

Antworten auf seine Fragen suchen kann. Natürlich gibt es Dinge, die schwierig sind – das Problem des

Lebens, des Todes, das man nie wird lösen können. Dann die Tatsache, dass das Weltall sich ausdehnt,

dass neue Sterne auftauchen und wieder verschwinden in einem schwarzen Loch, ein dauerndes Entstehen

und Vergehen, und wir mitten drin ... Es tut gut, zum Himmel aufzuschauen und zu begreifen, wie

winzig, wie unbedeutend man ist. Auf diese Weise sieht man die eigene Existenz auf der Erde in klarerem

Licht.”

Am Ende des Films “Das Leben ist ein Hauch zieht Niemeyer das Resümee: „Geboren, gestorben, ... angeschissen“,

Niemeyer starb am 5. Dezember 2012 in Rio de Janeiro, Er wurde 104 Jahre alt.

Zitate aus:

- Dokumentation von Marc-Henry Wajnberg: „Oscar Niemeyer – Ein engagierter Architekt“.

ARTE ausgsstrahlt am 08.12.2012

- http://diepresse.com/home/leben/kreativ/546184/Oscar-Niemeyer_Kampf-fur-eine-bessere-Welt

- http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-21662575.html

- Oscar Niemeyer: Wir müssen die Welt verändern, ISBN 978-3-88897-871-5

- Moritz Holfelder: Oscar Niemeyer, CD-Hörbuch, ISBN-13: 9783869222363

- Paul Andreas, Ingeborg Flagge (Hrsg): Oscar Niemeyer – Eine Legende der Moderne,

EAN: 9783038210825

- Oscar Niemeyer – Das Leben ist ein Hauch (DVD Doku), EAN: 4040592003672


„Ich rede über eine

Skulptur im öffentlichen

Raum“

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