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64. JAHRGANG – AUGUST 2013 – NR. 8

ISSN 1861- 9746 Verkaufspreis: 3,- Euro H 6114

Schlesischer Gottesfreund

NACHRICHTEN UND BEITRÄGE AUS DEM EVANGELISCHEN SCHLESIEN

Altar der Lutherkirche in Biala

Foto: Edgar Kraus, Cottbus


114

GEISTLICHES WORT

GEISTLICHES WORT

„Erkennet doch, dass der Herr

seine Heiligen wunderbar führt”

Predigt beim Deutschlandtreffen

der Schlesier S. 114

BEITRÄGE

Rückblick –

Schlesischer Kirchentag und

Deutschlandtreffen der Schlesier S. 115

„Brich den Hungrigen dein Brot” S. 117

Flucht und Vertreibung

als individuelles und

kollektives Schicksal S. 121

Jenseits von Oder und Neiße –

Das alte Ostdeutschland im

Spiegel der DDR-Literatur S. 123

BUCHEMPFEHLUNG S. 125

HUMOR S. 126

VERANSTALTUNGEN S. 126

AUS DER LESERGEMEINDE S. 127

REISEIMPRESSIONEN S. 128

Vom10.6. – 16.6.2013: fand unter dem

Thema „150 Jahre Innere Mission/

Diakonie in Schlesien“ eine Standortstudienreise

nach Oberschlesien, Tschechien

und ins Teschener Land statt. Das

Titelbild und die hintere Umschlagseite

wollen hiervon einen kleinen Eindruck

vermitteln.

Fotos S. 128: Edgar Kraus; Cottbus.

Predigt beim Deutschlandtreffen der Schlesier am 23. Juni 2013 in Hannover Messegelände

„Erkennet doch, dass der Herr seine Heiligen wunderbar führt”

DR. CHRISTIAN-ERDMANN SCHOTT

Liebe Gemeinde,

alt und älter gewordene Schlesier neigen zum Bilanzieren.

In der Regel sind es runde und halbrunde Geburtstage oder

familiäre Jubiläen, die sie nutzen, um rückblickend eine

vorläufige Bilanz ihres Lebens zu ziehen. Das ist nichts

Ungewöhnliches. Andere Altersgenossen tun das auch. Der

Unterschied besteht allerdings darin, dass die Schlesier

von einem ganz anderen Leben berichten als etwa die Einheimischen.

Heimatverlust, Flucht und Vertreibung, Neuanfang,

häufige Demütigungen nach der Ankunft in der

Bundesrepublik Deutschland sind Ereignisse, die nun

schon Jahrzehnte zurückliegen, für uns, die wir diese Zeit

mit unseren Eltern durchgestanden haben, sind sie bis

heute prägend, für nicht wenige immer noch quälend und

bedrückend. Das erklärt, warum bis ins Alter, bis in den

späten Abend des Lebens, alle die Fragen, die für unsere

Generation wichtig waren, weiterhin da sind, ja durch das

Bedürfnis, das Ganze wenigstens in einem persönlichen

Resümee zusammen zu fassen und auf den Punkt zu bringen,

manchmal sogar noch eine Zuspitzung und Intensivierung

erfahren.

Die Briefe von Mitgliedern der „Gemeinschaft evangelischer

Schlesier (Hilfskomitee) e.V.” während der letzten

zehn, fünfzehn Jahre – in der Regel Antworten auf Gratulationen

– in denen sich Äußerungen zu dieser Thematik

finden, zeigen, wie wichtig vielen Schlesiern diese Fragen

sind, wie sehr sie das alles beschäftigt. Ganz von sich aus,

ohne Aufforderung haben sie das Bedürfnis, ihre diesbezüglichen

Gedanken freimütig und gern mitzuteilen. Dabei

wird immer wieder deutlich, dass die Bilanzen ganz unterschiedlich,

ja gegensätzlich ausfallen können.

Zwei Tendenzen allerdings treten besonders deutlich

hervor: Die eine zum Beispiel wird vertreten von einem

älteren Herrn: „…ich … reise viel. Leider ist meine Heimat

Schlesien nicht mehr mein Reiseziel: Jede Reise dorthin

hat mir körperliche Schmerzen in der Herzgegend bereitet.

Die Verbitterung ist einfach zu groß! Leider bin ich nicht

tief genug im christlichen Glauben verwurzelt, um verzeihen

zu können – obwohl sich diese Verbitterung nicht auf

einzelne Menschen bezieht" (Nov. 2006).

Die andere Tendenz wurde vertreten durch eine inzwischen

verstorbene ältere Dame: „Ich habe viel zu danken,

wenn ich daran denke, wie Gott mich durch viel Schweres

hindurch geleitet hat; schon in meinen frühesten Kinderjahren.

Ich durfte in einer Kinderheimat von Mutter Eva

von Tiele-Winckler aufwachsen, habe sie auch selbst gekannt,

weil sie ja immer die Kinderheimaten besuchte. Mit

welcher Liebe wir erzogen wurden und durften von der

Liebe Jesus lernen” (März 2007).

Die Frage stellt sich: Wie kommt es, dass zwei

Menschen unserer Generation ihr Vertriebenenschicksal so

unterschiedlich, ja gegensätzlich sehen und verstehen Die

nahe liegende Vermutung, dass der ältere Herr in seiner

Kindheit vielleicht schlimmere Dinge erlebt hat als die

Dame und darum so verbittert ist, scheidet m. E. aus. Wenn

es so wäre, dass sehr schwerwiegende Erlebnisse, Bedrohungen

und dergleichen ganz automatisch in Hass, erträglichere

Umstände in Verständnis einmünden, wäre die Freiheit

des Menschen aufgehoben. Wie bei einem Automaten

wäre ab einer bestimmten Stufe Hass angesagt. Der

Mensch ist aber auch durchaus fähig, nicht zu hassen.

Begründet kann vielmehr vermutet werden, dass die gegensätzlichen

Bewertungen darauf zurückzuführen sind,

dass die beiden Briefschreiber die Zeit ab 1945 unterschiedlich

wahrgenommen haben. Der alte Herr hat die

Vertreibung als böse Tat von Russen und Polen erlebt. Seitdem

fühlt er sich durch die Erinnerungen an diese Zeit gedemütigt,

ohnmächtig und ehrlos, den Siegern und ihren

Launen ausgeliefert. Diese Erfahrung verdüstert den Blick

auf die schlesische Heimat, in der er das alles erlebt hat.

Er erwartet eine Entschuldigung, die aber bleibt aus. Und

von sich aus kann er seine Verbitterung nicht überwinden.

Anders die Dame. Sie betont auch „das Schwere”, was

sie erleben musste. .Aber sie bringt eine zusätzliche Dimension

ins Spiel: Sie erleidet das Schwere als ein Mensch,

der mit Gott im Gespräch ist. Dadurch ist ihre Sicht geteilt.


BEITRÄGE 115

Sie ist nicht ausschließlich auf Polen und Russen fixiert,

sieht nicht nur die „Feinde”, sondern weiß sich beheimatet

bei Gott. Sein Wort ist ihre Leitlinie. Und so – mit Gott im

Herzen – geht sie aus Schlesien heraus. Sie nimmt den

Glauben an Gott mit. In diesem Glauben sieht sie sich nicht

aufgerufen zum Hass gegen Polen und Russen, sondern zur

Annahme ihres Schicksals aus den Händen Gottes. Dieser

Friede im Glauben an Gott bedeutet, ihre Seele ist ungebrochen.

Und das war der unsichtbare Schatz, den die

Flüchtlinge und Vertriebenen bei sich trugen und mitbrachten.

Aber es waren nicht nur Unterschiede in der Wahrnehmung,

die in den Bilanzen der Menschen von damals auftauchen.

Für die Urteilsbildung und Bewertung war auch

der Umgang mit dem Bösen entscheidend. Der ältere Herr

ist überwältigt von der Stärke und Sieghaftigkeit des Bösen.

Jedes mal, wenn er nach Schlesien reiste, spürte er bis

ins Körperliche hinein die Verbitterung darüber, dass sich

das Böse so erfolgreich durchgesetzt und behauptet hat:

Sein Bericht klingt denn auch zornig und traurig.

Anders die Dame. Ganz im Sinn unsres Predigttextes

blickt sie dankbar zurück auf die Führung durch Gott in

schwerer Zeit. Dabei stützt sie sich auf den Glauben an die

Liebe Gottes. Diesen Glauben trägt sie seit den Tagen in

der Kinderheimat der Mutter Eva von Tiele-Winckler in

sich. Er ist unerschütterlich, aber angefochten durch die

Maßnahmen der Militärregierungen von Russen und Polen.

Es gelingt ihr, an die Liebe Gottes zu glauben, weil sie

Gott und Christus abgenommen hat, dass ihr Weg und ihr

Handeln so gemeint ist. Das heißt, sie unterstellt Gott die

gute, liebende Absicht mit den Menschen, ist damit allerdings

auch gezwungen, nach Belegen für diese Güte zu suchen.

Die Suche auf der Basis des Gottvertrauens gibt sich erst

zufrieden, wenn es ihr gelingt, einer unter Umständen auch

bösen Sache einen guten Bezug abzugewinnen. Auf diese

Weise kann Böses in Sinn und Segen verwandelt werden.

Aber wir werden auch verwandelt. Diese Verwandlung

beginnt damit, dass ich bereit bin, das Schicksal nicht nur

hinzunehmen, sondern im Glauben an seiner Verwandlung

und Umsetzung in Sinn und Segen zu arbeiten; oder anders:

wenn ich erkenne: Wir sind nicht nur Empfänger des

Schicksals, sondern gestalten es mit, damit alles einen

guten Sinn bekommt. In diesem Verständnis ist der Glaube

an die Führung Gottes kein passiver, sondern ein aktiver,

tätiger Glaube. Es ist der Glaube, der die Liebe Gottes in

allem festhält.

Spätestens hier, liebe Gemeinde, muss ich allerdings

auch Protest anmelden. Protest gegen eine allzu sichere

Frömmigkeit, die sich zur selbsternannten Deuterin der

göttlichen Absichten aufschwingt und dabei Gott doch nur

ihre eigenen Gedanken unterstellt, Dabei denke ich zum

Beispiel an die nach 1945 vielfach geäußerte Meinung,

dass die Vertreibung eine Strafe Gottes für die Verbrechen

der Deutschen in der NS-Zeit sei. Das ist eine sehr nahe liegende

Deutung. Aber wissen wir wirklich, ob Gott das will

und denkt Es wäre bescheidener, wenn wir bei allen Deutungen

und Unterstellungen nicht zu viel sagten. Das Geheimnis

des Handelns Gottes in der Geschichte bleibt damit

gewahrt. Und der Predigttext ist damit ebenfalls zu seinem

Recht gekommen. Denn im Grunde besagt der Satz

aus Psalm 4 dasselbe; „Erkennet doch, dass der Herr seine

Heiligen wunderbar führt” (Ps. 4,4).

Amen

Rückblick

Schlesischer Kirchentag und Deutschlandreffen der Schlesier

CHRISTIAN-ERDMANN SCHOTT

Es waren zwei für die „Gemeinschaft” wichtige Ereignisse,

die in diesem Sommer dicht hintereinander

stattgefunden haben: Vom 5.-9. Juni der Schlesische

Kirchentag in der evangelischen Tagungsstätte Kreuzbergbaude

Jauernick-Buschbach bei Görlitz und vom 21.-23.

Juni das Deutschlandtreffen der Schlesier in Hannover.

Von unserer Seite sind beide mit fast ausschließlich ehrenamtlichen

Kräften durchgeführt worden. Und beide haben

bei den Teilnehmern eine erfreulich hohe Zustimmung und

Anerkennung gefunden.

Den erfolgreichen Abschluss dieser Veranstaltungen

nehme ich zum Anlass zu einem Rückblick und um im

Namen des Vorstandes der „Gemeinschaft evangelischer

Schlesier (Hilfskomitee)” e. V. allen, die dabei mitgewirkt

und sich so außerordentlich eingesetzt haben, noch einmal

öffentlich und herzlich zu danken

Für den Präsidenten des Schlesischen Kirchentages,

Landespfarrer i. R. Dr. Hans-Ulrich Minke, gestaltete sich

die Vorbereitung dieses Mal so schwierig und langwierig

wie noch nie. Das lag hauptsächlich an den Problemen, die

die Landesarbeitsgemeinschaften mit der Delegierung hatten.

Wen sollten, wen konnten sie als Vertretung zum Kirchentag

schicken Das Alter, der Gesundheitszustand, anderweitige

Verpflichtungen und Verhinderungen der Mitglieder

machten die Auswahl schwierig. Hinzu kommt,

dass bei einigen LAGen der Vorstand nur noch rudimentär

besetzt und begrenzt arbeitsfähig ist. Mit bewundernswerter

Ausdauer und viel Phantasie ist es Dr. Minke – in

„Tateinheit” und mit kräftiger Unterstützung durch den

stellvertretenden Präsidenten des Schlesischen Kirchentages,

Schuldekan a. D. Georg Burkert – dann doch gelungen,

ein sehr würdiges und ansehnliches Plenum zusammenzubringen.

Dazu kamen die Ehrengäste, die den Kirchentag durch

Ihre Präsenz und ihre Ansprachen auszeichneten. Zu nennen

sind hier besonders Konsistorialpräsident Ulrich See-


116

BEITRÄGE

Evangelischer Gottesdienst beim Deutschlandtreffen

Fotos: K.-U. Vogel

Pfarrerin D. Cunow, Ritter des Johanniterordens und der Vorsitzende

der Gemeinschaft Dr. C.-E. Schott Fotos: K.-U. Vogel

lemann von der Kirchenleitung Berlin-Brandenburg-schlesische

Oberlausitz in Berlin; Bischof Ryszard Bogusz aus

Breslau, Generalsuperintendent Martin Herche aus Görlitz,

Janus Witt vom Kirchenvorstand Breslau, Pfarrerin Petra-

Edith Pietz für die Diakonie der schlesischen Oberlausitz,

Superintendent Dr. Thomas Koppehl vom Verein für Schlesische

Kirchengeschichte e.V. und Oberin Irmgard Stolz

für das Diakonissenmutterhaus Frankenstein-Wertheim/M.

Dr. Minke seinerseits dankte seinem Stellvertreter, Georg

Burkert, dem Vorstand, den Damen der Geschäftsstelle

in Porta Westlica und Oberkonsistorialrätin i. R. Margrit

Kempgen (Görlitz). Sie war bei den Vorbereitungen für

den Kirchentag vor Ort und dann bei der Durchführung

ständig im Einsatz – ich denke hier vor allem an die

Führungen im Rahmen der verschiedenen Ausstellungen

und an den „Abend der Begegnung” im Wichernhaus.

Danken möchten wir aber auch Pfarrer Dr. Hans-

Wilhelm Pietz für die mit Humor gewürzte Andacht in der

Peterskirche, dem Chor der Peterskirchengemeinde unter

der Leitung von KMD Reinhard Seeliger, der den

Abschieds-Abendmahls-Gottesdienst mit seinem kraftvollen

Gesang bereicherte. Die Predigt unseres Präsidenten

war dann zugleich Höhepunkt und Abschluss dieses 12.

schlesischen Krchentages, der in dieser Art dann auch der

Gut besucht: der Stand der Gemeinschaft evangelischer Schlesier – auch von jungen Menschen!

Letzte gewesen ist. Nach den eingangs geschilderten Erfahrungen,

ist verständlich, dass Präsident Dr. Minke den Antrag

gestellt hat, der Schlesische Kirchentag möge das Delegationsprinzip

aufgeben und sich in Zukunft als Mitgliederversammlung

konstituieren. Die notwendigen Änderungen

der Satzung wurden auf den Weg gebracht. Abschließend

wurde Dr. Minke unter dem Beifall der Delegierten mit

der Goldenen Ehrennadel der „Gemeinschaft evangelischer

Schlesier (Hilfskomitee)” e.V. ausgezeichnet.

Nur knapp zwei Wochen später folgte das Deutschlandtreffen

der Schlesier. Bis zum Jahr 2005 fand es in Nürnberg

statt, seit 2007 ist es wieder in Hannover, im Partnerbundesland

der Schlesier. Die Veranstaltungen sind weitgehend

im Messegelände konzentriert. Veranstalter ist die

Landsmannschaft Schlesien – Nieder- und Oberschlesien.

Das „Heimatwerk Schlesischer Katholiken” und die „Gemeinschaft

evangelischer Schlesier” sind aber eingeladen

und gebeten, dort Gottesdienste zu halten – und zwar einen

gemeinsamen ökumenischen zur Eröffnung und je einen

katholischen und einen evangelischen Festgottesdienst

am Sonntagvormittag.

Mit dieser Umstellung, das heißt seit der Rückkehr des

Schlesiertreffens aus Franken und der Neuaufstellung in

Foto: K.-U. Vogel


BEITRÄGE 117

Hannover weiß sich die LAG Hannover-Braunschweig-

Schaumburg/Lippe unter der Leitung von Oberstudienrat

i. R. Christoph Scholz für die organisatorische Vorbereitung

und die möglichst problemlose Durchführung unserer

Beteiligung verantwortlich; mit der Folge, dass sie inzwischen

über eine gut eingeübte Professionalität verfügt.

Diese Professionalität war auch in diesem Jahr wieder

sehr entlastend zu spüren für alle, die wir woanders wohnen

und uns an den Vorbereitungen kaum beteiligen konnten. Sie

zeigte sich in der Einrichtung und Besetzung eines Info-

Standes in der Messehalle, direkt neben dem „Heimatwerk”,

der guten Zuspruch fand. Sie zeigte sich aber vor allem bei

den Vorbereitungen rund um den Festgottesdienst – bei der

Beschaffung und Aufstellung eines Altarkreuzes in der

schmucklosen Münchner Halle, auch von Blumenschmuck,

bei der Verteilung von Liedblättern, der Einsammlung und

Zählung der Kollekten, in der Bereitschaft zu schneller Hilfe

im Bedarfsfall. Christoph Scholz hat das alles souverän geleitet

und in unerschütterlicher Ruhe fest in der Hand gehalten.

Das war für die Beteiligten, gerade auch für mich als

Prediger, sehr beruhigend.

Danken möchte ich auch Pfarrerin Dietlinde Cunow und

den Rittern der Schlesischen Genossenschaft des Johanniterordens,

die sich am Gottesdienst und an den Lesungen beteiligten

und den Bläsern der Kirchenmusikschule Herford unter

der Leitung von Rainer Meyer-Arend, die uns sicher durch

die für sie fremde Liturgie bis zum guten Ende begleitet

haben – schließlich auch Klaus Christian Röhrbein für die

von ihm im Anschluss an den Eröffnungsgottesdienst durchgeführte

gut besuchte ökumenische Gesprächsrunde

„Christsein in Schlesien heute”.

„Brich den Hungrigen dein Brot”

Herausforderungen für Kirche und Diakonie in der niederschlesischen Oberlausitz

angesichts wachsender Individualisierung und Liberalisierung

PFARRERIN PETRA-EDITH PIETZ, VORSTAND STIFTUNG MARTINSHOF ROTHENBURG DIAKONIEWERK

Foto: Martinshof

1. Professionalisierung

diakonischer Handlungsfelder

War es in DDR-Zeiten so, dass die diakonischen Einrichtungen

wohlwollend geduldet waren – kümmerten sie sich

doch hauptsächlich um alte Menschen und Menschen mit

Behinderung, die für den Staat keinen volkswirtschaftlichen

Nutzen hatten, so wuchs nach der politischen Wende

ein Bewusstsein dafür, dass es mehr diakonische Handlungsfelder

gibt, die jetzt mit staatlicher Unterstützung und

gesetzlichen Leistungen angepackt werden können und

dem Subsidiaritätsprinzip entsprechen.

Dazu gehörten die Zivildienstschulen und jetzigen Freiwilligendienste

(FSJ und BFD), gehören die Kinder- und Jugendsozialarbeit,

die ambulanten Dienste, Bildungs- und Begegnungsstätten,

Beratungsarbeit vom Schwangerschaftskonflikt

bis hin zur Suchtprävention, vom Frauen- und Kinderschutzhaus

bis zur Tagespflege. In der Liga der Freien

Wohlfahrt hat die Diakonie eine wichtige Stimme. Die

Marke „Diakonie” gilt es in der schlesischen Oberlausitz

und darüber hinaus fest zu verankern.

Die diakonischen Einrichtungen unserer Region sind

für Arbeitsuchende mit entsprechender Ausbildung gute

Arbeitgeberinnen, auch wenn der angewandte Tarif nicht

immer zu 100% durchgehalten werden kann und Ausgründungen

von Serviceleistungen in 100%ige Tochtergesellschaften

verlockend erscheinen. In der schlesischen Oberlausitz

finden ca. 2000 Menschen in diakonischen Einrichtungen

Arbeit. Die unternehmerische Diakonie ist somit in

der Region eine wichtige Arbeitgeberin. Neben den erforderlichen

Fachkräften kommen viele Menschen als Hilfskräfte

in Lohn und Brot. Die Bindung der Menschen hier

an Hof und Scholle ist hoch, selbst wenn die Jungen zur

Ausbildung woanders hingehen, kommen doch etliche nach

einigen Jahren zurück, was den demografischen Wandel dennoch

nicht aufhalten wird.

Der Altersdurchschnitt ist besonders in den pflegerischen

Berufen hoch, so daß wir versuchen müssen, sukzessive

ältere Mitarbeitende durch jüngere zu ersetzen: durch

Umsetzen in einen anderen Arbeitsbereich z.B. – was nur

sehr begrenzt möglich ist (Fachlichkeit, Gehalt, Stellenumfang

u.s.w.). Um körperliche und mentale Belastungen

zu minimieren, legen wir Wert auf Schulungen und Weiterbildungen,

die dann auch durch die jeweilige Einrichtung

finanziell gefördert werden.


118 BEITRÄGE

Welche Folgen hat nun die Professionalisierung innerhalb

der Diakonie für die Kirchengemeinden Schaut man sich

das Fortbildungsprogramm der Bundesakademie für Kirche

und Diakonie (Burckhardthaus) an, finden sich Angebote wie

„Kirchengemeinden im Gemeinwesen entwickeln und gestalten

– Von der Gemeindediakonie zur Gemeinwesendiakonie”;

„Älter werden in Dorf und Quartier – Demografischer

Wandel”; „Netzwerkarbeit als Schlüssel zur Gemeinwesendiakonie”

…. u.s.w. Was mit solchen Angeboten

deutlich wird: Es kann gar nicht alle diakonische Arbeit

von der unternehmerisch arbeitenden Diakonie geleistet

werden; es braucht immer das freiwillige, ehrenamtliche

Arbeiten, um den Gedanken der christlichen Nächstenliebe

erfahrbar und wirkmächtig in unser Lebens- und Arbeitsumfeld

zu tragen. Mit dem Kirchenzusammenschluß von

EKiBB und EKsOL zur EKBO wurde das Diakonische

Werk der Evangelischen Kirche der schlesischen Oberlausitz

aufgelöst. Übrig blieb im Kirchenkreisverband niederschlesische

Oberlausitz eine Arbeitsstelle für Diakonie, die

ihren Briefkasten in Görlitz in der Schlaurother Straße 11

und einen nichtselbständigen Vorstand hat, der Zinserträge

aus den eingebrachten Rücklagen in Projekte und Regelförderungen

ausreicht.

Frage: Würde es nicht Sinn machen, wenn evangelische

Schlesier/innen aus Ost und West eine Förderstiftung ins

Leben rufen,die an die Arbeitsstelle angedockt ist, um mit

finanzieller Unterstützung den Herausforderungen unserer

Zeit und Region besser begegnen zu können und so das

Evangelium in Wort und Tat zu den Menschen bringt

Haupteingang Martinshof Rothenburg

2. Besser gemeinsam als einsam oder

Zusammen ist man weniger allein

Wenn Touristen durch Görlitz gehen oder sogar in die kleineren

ländlich geprägten Städte wie Reichenbach, Niesky,

Rothenburg, Bad Muskau, Ruhland kommen, dann werden

sie feststellen, daß viel öffentliches und auch privates Geld

in die Rekonstruktion alter Bausubstanz, in Marktplätze

und öffentliche Räume investiert wurde. Was nicht bedacht

wurde vor 15 Jahren, daß der demografische Wandel bestimmte

Anforderungen an Wohnen und Teilhabe am gesellschaftlichen

Leben alter und hochbetagter Menschen

mit sich bringt. Das fällt den Kommunen jetzt auf die Füße.

Deshalb ist es für diakonische Träger interessant, ja mehr

noch eine Pflicht, nach guten Finanzierungsmöglichkeiten

zu suchen, um zusammen mit Wohnungsbaugesellschaften,

Kommunen und dem Land Modelle des „Daheimbleibenkönnens”

bzw. des Zusammenseins zu entwickeln. So

schön es ist, weitgehend selbstbestimmt im hohen Alter in

den eigenen vier Wänden sein zu können, darf nicht unterschätzt

werden, dass sehr viele allein in diesen vier Wänden

sind. Auch hier gilt es ein Netzwerk von professioneller

Hilfe durch diakonische Träger und ehrenamtliches

Engagement von Kirchengemeinden stärker zu knüpfen.

Ein gutes und gelungenes Beispiel dafür ist das Soziale

Zentrum St. Barbara in Schleife in der Trägerschaft des

Martinshofes. Hier ist in Zusammenarbeit mit dem Energieunternehmen

Vattenfall, der Kommune, der Kirchengemeinde

und dem Martinshof ein Treffpunkt, Verweil- und

Kommunikationsort für alte Menschen entstanden – mitten

Foto: Martinshof


BEITRÄGE

119

Restaurant im Martinshof

in einem Mehrgenerationenwohnkomplex. Kurzzeitpflege,

Tagespflege und Sozialstation unter einem Dach – ein Angebot

im ländlichen Raum, das durch seine Nähe zum Ort

mit Einkaufsmöglichkeiten, Cafe, Apotheke und Arzt genau

auf die Bedürfnisse der Menschen abgestimmt ist. Am

29. April konnten wir es unter großer öffentlicher Aufmerksamkeit

seiner Bestimmung übergeben. Ein Ausflug dahin

lohnt sich!

Ähnlich verhält es sich mit der in aller Munde geführten

Debatte um Inklusion. Menschen mit Behinderung sind

mitgestaltend und mitverantwortlich im Blick auf die Entwicklung

unserer Gesellschaft: Wohnen, Arbeiten, Partnerschaft,

Geld, Freizeit, Wahlrecht – das alles sollen Menschen

mit Behinderung frei und selbstbestimmt wählen,

ausüben und händeln. Also nicht mehr das Wohnheim allein

und die geschützte Werkstatt, der Heimbewohnerurlaub

und das Freizeitwerk einer Einrichtung bilden das Lebensumfeld

von Menschen mit Behinderung ab. Je nach

Hilfe- und Assistenzbedarf leben sie Tür an Tür mit mir

und Ihnen, sitzen im Theater oder Kino neben uns, bedienen

im Restaurant, fahren einen Gabelstapler im mittelständischen

Unternehmen, gehen mit anderen Kindern in die

Regelschule, erfahren eine vergleichbare medizinische Betreuung

in Krankenhäusern und bei niedergelassenen Ärzten

und Ärztinnen. Hierzu ein Beispiel: Die drei Stiftungen

Diakoniesozialwerk Lausitz, Diakonie Görlitz und Martinshof

Rothenburg (inclusive MVZ Martinshof) haben zusammen

mit der Orthopädischen Klinik Martin-Ulbrich

Krankenhaus in Rothenburg ein besonderes Projekt gestartet,

das die medizinische Versorgung von Menschen mit

Behinderung in den Fokus rückt. Es geht darum, zum einen

Standards zu entwickeln, die eine optimale medizinische

Versorgung von Menschen mit Mehrfachbehinderung im

ambulanten und stationären Bereich gewährleisten und

zum anderen geht es darum, den Nachweis des finanziellen

Mehrbedarfs auf Grund von Betreuungs- und Pflegeaufwand

gegenüber den Kassen zu erbringen. Das Projekt ist

auf vier Jahre angelegt und soll Modellcharakter haben.

Foto: ANN

Inklusion betrifft alle Lebensbereiche und die ganze Gesellschaft

ist gefragt. Noch ist unsere Gesellschaft auf das,

was Inklusion meint, in der Fläche nicht vorbereitet. Andererseits

sind diakonische Einrichtungen keine geschlossenen

Anstalten mit hohen Zäunen, sondern es vollzieht

sich in ihnen eine Art gemeinschaftlichen Lebens, die sich

viele wünschen: der private Raum für die individuelle Lebensführung

ist ebenso vorhanden, wie die Möglichkeit,

mit anderen zusammen zu sein.

3. Es wächst zusammen, was zusammen gehört …

Ein konzertiertes Zusammenrücken vielleicht sogar Verschmelzen

von großen diakonischen Trägern mit ähnlichem

Profil und ähnlicher Organisationsstruktur halte ich

für unsere Region angezeigt. Die demografische Entwicklung

und die Fachkräftesituation könnten entspannter angegangen

werden und im Verbund wären wir gegenüber den

anderen Anbietern der Wohlfahrtspflege gut aufgestellt. In

der Öffentlichkeit könnte die Marke Diakonie und auch

eine Stärkung der Ortsgemeinden bzw. der Kirche überhaupt

nachhaltig vorangetrieben werden. (siehe Arbeitsstelle

Diakonie) Effizienz in Verwaltung und Bewerbung der

Dienstleistungen wären gegeben, innerdiakonische Konkurrenzen

ausgespart.

4. Fundraising und Spendengewinnung

am Beispiel des Martinshofes

Natürlich geht es darum, für die Arbeit auch Geld einzuwerben.

Dabei ist der pekuniäre Gewinn nur ein Aspekt. Es

geht in erster Linie darum, Freunde und Freundinnen, Fürsprecher/innen

für diakonisch-unternehmerisches Handeln

zu gewinnen. Das Loben der eigenen Arbeit ist immer irgendwie

verdächtig, wenn Nutznießer von angebotenen

Dienstleistungen und deren Angehörige oder auch Kirchengemeinden

das Lob aussprechen, erfährt es eine andere

Gewichtung. Der Martinshof hat in den vergangenen

Jahren Spender/innen verloren: Alter und Tod sind dafür

die Hauptursache. Es ist nicht gelungen, in gleicher Anzahl


120

BEITRÄGE

NeuspenderInnen zu gewinnen, da sich das Spendenverhalten

der Menschen verändert hat, z.B. spenden die Leute

eher projektbezogen, d.h. einmalig oder in einer besonderen

Notsituation (siehe Hochwasser in 2010 mit zweimaliger

Evakuierung des gesamten Martinshofes). Ein Großspender

hat sich auf Grund der Wirtschaftskrise seit 2009

zurückgezogen mit der Option die Spende wieder einzusetzen,

sobald es dem Unternehmen besser geht. Der gute bauliche

Zustand der gesamten Einrichtung signalisiert nicht

„Bedürftigkeit”. Professionalität in der Öffentlichkeitsarbeit

und in der Spendengewinnung ist nur bedingt vorhanden

und müsste finanziell anders aufgestellt sein. Dennoch

wird es für die Zukunft wichtig sein eine Anzahl von Großspendern

mit einem jährlichen Engagement zwischen 5000

und 20.000 Euro zu finden, um besondere Qualitätsmerkmale

unserer Arbeit zu etablieren, bzw. auszubauen; dazu

gehört auch das Einwerben von Vermächtnissen und Anlassspenden;

als Beispiele seien genannt: das Martins-Hoftheater,

der Ausbau der Begleitung von an Demenz erkrankten

Menschen, Angebote im Freizeitbereich, die den

Inklusionsgedanken berücksichtigen, geistliche und seelsorgerliche

Begleitung für Menschen mit speziellem Hilfebedarf,

Förderung von Mitarbeitenden, die sich zum Diakon

und zur Diakonin ausbilden lassen wollen.

5. Ausblick mit Vergewisserung

Brich den Hungrigen dein Brot – als unternehmerische Diakonie

in der schlesischen Oberlausitz sind wir zusammen

mit den Kirchengemeinden und diakonisch missionarischen

Initiativen Statthalterinnen für das Soziale in einer

Gesellschaft, die mit ihrem Streben nach Individualisierung

droht, das Solidaritätsprinzip zu verlieren und einer Liberalisierung

Raum gibt, die die Schwachen immer weiter an

den Rand auch der öffentlichen Wahrnehmung drängt. In

dieser Weise haben wir einen prophetischen Auftrag, wie er

in dem Jesajawort beschrieben ist.

Und wir müssen dafür einstehen, daß Jesu Wort „Meine

Kraft ist in den Schwachen mächtig” zwar zuerst ein urchristlich/jüdisches

Anliegen aufzeigt, dessen Umsetzung

in den gesellschaftlichen Alltag aber eben auch die Gesellschaft

gestalten und prägen kann; eine Gesellschaft, in der

der das einzelne Individuum sich in Verantwortung sieht

für das Miteinander. Solchem verantwortungsbewusstem

Handeln ist eine Verheißung geschenkt, die sich an ein kollektives

„Du” richtet: „Wenn du die Hungrigen dein Herz

finden lässt, … dann wird dein Licht hervorbrechen wie die

Morgenröte und deine Heilung wird schnell voran schreiten;…

dein Licht wird in der Finsternis aufleuchten; Gott

wird dich führen immerdar und dich stärken; … du wirst

sein wie ein bewässerter Garten und wie eine Wasserquelle,

der es nie an Wasser fehlt; durch dich wird aufgebaut werden,

was lange wüst gelegen hat, und du wirst aufrichten;…

und du sollst heißen: der die Lücken schließt und die Wege

ausbessert, dass Menschen da wohnen können.” (nach

Jes.58)

Der vorstehende Beitrag wurde von Pfarrerin Pietz als

Vortrag während des SchlesischenKirchentages gehalten.

Der Martinshof aus der Vogelperspektive

Foto: Martinshof


BEITRÄGE 121

Flucht und Vertreibung als individuelles und kollektives Schicksal

GOTTHARD SCHOLZ-CURTIUS

Den nachfolgenden Beitrag hat der Verfasser als Vortrag

im Rotary Club DA-Kranichstein am 22. März 2013 gehalten.

In aller Knappheit fasst er die wesentlichen Aspekte

des gestellten Themas zusammen und gibt anhand sorgfältiger

Literaturrecherche Auskünfte, die des Nachdenkens

lohnen. Im Wesentlichen bezieht er sich auf die nachfolgend

genannten Publikationen: Stefan Aust und Stephan

Burgdorff (Hg): Die Flucht, dtv München 2005; R. M. Douglas:

Ordnungsgemäße Überführung, München 2012; Ian

Kershaw: Das Ende, 2. Aufl. München 2011. (Anm. d. Red.)

Vorbemerkung

Hitlers Politik und Krieg hat zu Vertreibungen und Zwangsumsiedlungen

größten Ausmaßes in den von der Wehrmacht

eroberten Gebieten geführt. Die Zahl wird mit etwa 10 Millionen

ausländischer Zwangsarbeiter und Kriegsgefangener

beziffert. Diese Politik war zunächst im „Generalplan Ost”,

später umfassender im „Generalsiedlungsplan” mit einer

kalkulierten Verlustquote von 32 Mio. Russen zusammengefasst.

Dazu kam die Vertreibung und Zwangsumsiedlung bis

zur physischen Vernichtung der jüdischen Bevölkerung im

ganzen von Hitler besetzten Europa. Ich möchte dies bewusst

an den Anfang setzen, bevor ich auf die Flucht und

Vertreibung in den Jahren 1944-47 aus den damaligen

Reichsgebieten jenseits der Oder/Neiße zu sprechen komme.

I. Aufbruch aus Frankenstein/ Schlesien

Am 24. Januar 1945 begann unsere Flucht aus Frankenstein.

Wir waren zu dritt, meine Mutter, mein Bruder (4)

und ich (5½). Wir hatten schon den Vortag bei einigen Grad

Kälte auf dem Bahnhof verbracht, ohne dass es uns gelungen

war, in einen Zug zu gelangen. Der Bahnsteig war

schwarz von Menschen. Schließlich konnten wir am Abend

einen Zug besteigen, dessen Fensterscheiben zerbrochen

waren. Er brauchte bis Königszelt die ganze Nacht, eine

Strecke, die man normalerweise in 50 Minuten zurücklegt.

Wir gelangten nach Lauban (etwa 140 km), wo wir bei

Verwandten unterkamen. Infolge der eiskalten, zugigen

Nachtfahrt wurden wir alle drei erst einmal krank.

Lauban war bereits mit Flüchtlingen überfüllt, die aus

Breslau evakuiert worden waren. Wenige Tage später kam

meine Tante, die in der Sparkasse arbeitete, mittags nach

Hause mit der Nachricht: „Russische Panzer bei Bunzlau.

Frauen und Kinder sollten sofort die Stadt verlassen.” Das

taten wir dann auch, obwohl mein Bruder noch fieberte. In

Falkenberg wieder 4-5 Stunden Aufenthalt. Meine Mutter

mit dem kranken Bruder im Bahnhofsgebäude, ich musste

das Gepäck auf dem Bahnsteig bewachen. – Soweit der

Bericht meiner Mutter vom Beginn unserer Flucht, den sie

25 Jahre später verfasst hat. An viele Einzelheiten kann ich

mich selbst noch gut erinnern.

II. Flucht und Vertreibung als kollektives Schicksal

Am 21. Oktober 1944 überschritten sowjetische Panzer die

Grenze von Ostpreußen. Damit begann der Exodus der

deutschen Bevölkerung aus den östlichen Reichsgebieten.

Die ländliche Bevölkerung floh zumeist in Planwagen in

endlosen Trecks über verschneite Straßen und unter Beschuss

aus der Luft. Ein Teil nimmt den Weg über das vereiste

Haff, um die Häfen an der Ostsee zu erreichen. Bekannt

ist der Untergang der „Gustloff” durch die Torpedos

eines sowjetischen U-Boots mit heute geschätzten 9000 Toten,

von der Zahl derOpfer her die größte Schiffskatastrophe.

Über die maritime Evakuierung sind zwischen 1-2

Millionen Flüchtlinge nach Westen transportiert worden.

Auch die in ostpreußischen Nebenlagern des KZ

Stutthof festgehaltenen jüdischen Menschen erlebten und

erlitten „kaum vorstellbare Tage des Schreckens” (Jan

Kershaw: Das Ende, S. 266). Auf ihrem Marsch durch Eis

und Schnee, „gekleidet in wenig mehr als Lumpen und

Holzpantoffeln” und bewacht von SS und Mitgliedern der

Organisation Todt, sollten sie schließlich in einen stillgelegten

Bergwerksschacht getrieben und der Eingang versiegelt

werden. Der Grubendirektor weigerte sich jedoch, die

Schächte zu öffnen. Sie wurden am Ende auf das Eis und in

das eiskalte Wasser getrieben und mit Maschinengewehrsalven

niedergemäht. Von ursprünglich 7000 Gefangenen

überlebten 200.

Eine besondere Rolle bei der Flucht spielte Gauleiter

Erich Koch, der eine rechtzeitige Evakuierung von Ostpreußen

strikt verbot. Seine Ehefrau und Sekretärin ließ er

jedoch in Sicherheit bringen. Die meisten Familien griffen

zur Selbsthilfe. Für viele war es dann schon zu spät.

Ein eigenes Schicksal hatte auch Breslau, die schlesische

Hauptstadt. Sie war von Hitler zur Festung erklärt

worden und sollte bis zum letzten verteidigt werden. Anfang

April 1945 ging der Flugplatz Gandau verloren. Somit

konnte die Stadt nicht mehr aus der Luft versorgt werden.

Da wurden mit Planierraupen ganze Straßenzüge abgeräumt,

um eine Notlandebahn zu schaffen. Am 2. April

löschten ununterbrochene Luftangriffe fast die ganze Innenstadt

aus. Gauleiter Hanke lehnte es ab, sich zu ergeben.

Wegen seiner persönlichen Führung ehrte Hitler ihn mit

dem Goldenen Kreuz des Deutschen Ordens. Am 4. Mai –

wenige Stunden vor der Kapitulation Breslaus – verließ der

„Held” die Stadt mit einem Fieseler Storch, wahrscheinlich

dem einzigen Flugzeug, das von der Notlandebahn in der

Stadt abhob. (Jan Kershaw: Das Ende, S. 442/3).

III. Weitere Flucht bis zur Ankunft im Westen

Wir sind nach unserem Aufbruch aus Frankenstein über

fünf Stationen ( Mertendorf, Könnern, Salzwedel, Aschersleben

und Hilmsen ) schließlich nach knapp zwei Jahren im

November 1946 in der amerikanischen Zone in Wertheim

gelandet. Ich habe noch die brennenden Leunawerke und

den stark beschädigten Leipziger Hauptbahnhof in Erinnerung.

Jedes Mal, wenn wir in Leipzig unsere Kinder und

Enkel besuchen, kommen die Eindrücke von der Flucht

wieder hoch. Einige Monate haben wir bei Verwandten in

Mertendorf im Pfarrhaus gewohnt, mit einigen Konflikten


122

BEITRÄGE

über die Aufteilung der Lebensmittelkarten. In Hilmsen

waren wir bei der sehr netten Rektorenfamilie Mohr im

Schulhaus untergebracht, die uns ihr großes Schlafzimmer

überließen. Meine Mutter hatte schon 1945 Passierscheine

für die britische Zone zu ihrer Schwester nach Hamburg

erwirkt. Als wir uns damit auf den Weg machten, rückten

die Russen 150 km weiter nach Westen vor. Wir kamen nur

bis Aschersleben, nicht mehr weiter ... „Der Eiserne Vorhang

ist heruntergelassen” , hieß es schon damals. Ich habe

mir das ganz wörtlich so vorgestellt.

1946, ein weiterer V ersuch, in den Westen zu gelangen.

Als Bäuerin mit einer Kiepe verkleidet hat meine Mutter

die Grenze schwarz überquert, um eine Zuzugsgenehmigung

für uns in die amerikanische Zone zu den Großeltern

zu erwirken. Diese waren nach ihrer Flucht aus Schlesien

schließlich in einer Flüchtlingssiedlung in Wehrmachtskasernen

in Wertheim angekommen. Nach vier Wochen erhielten

wir die ersehnte Zuzugsgenehmigung in die amerikanische

Zone. Fünf Tage brauchten wir im November

1946 von Hilmsen nach Wertheim mit Grenzübertritt bei

Eisenach. Ein Lageraufenthalt blieb uns erspart, da meine

Mutter eine Fürsorgerin kannte, die uns die Papiere für den

Übergang in die Westzonen ohne Lageraufenthalt besorgte.

Mir hatten schon die Übernachtungen in den Riesenschlafsälen

der Bahnhofsmission mit all den unvermeidbaren Geräuschen

gereicht. Ich habe aufgeatmet, als wir nach fünf

Tagen schließlich in Wertheim morgens um 6 Uhr angekommen

waren. Es gab frische Brötchen in einer Bäckerei.

Mit dieser Stärkung ließ sich auch der Aufstieg auf den

Reinhardshof bewältigen. Wir sind dann bei den Großeltern

in deren Küche untergekommen und haben dort gut drei

Jahre gelebt. Die drei Ami-Pritschen für uns haben fast

vollständig den Raum ausgefüllt.

IV. Wilde und organisierte Vertreibungen

Neben der Flucht aus den Reichsgebieten jenseits der Oder/

Neiße gab es „wilde” und „organisierte” Vertreibungen. Nach

dem Potsdamer Abkommen sollte es „geordnete und humane

Umsiedlungen” geben. In Wirklichkeit waren die Vertreibungen

seit drei Monaten bereits im Gange. Die polnische

Regierung war auf die Planung der Aussiedlung nicht vorbereitet.

Es gab keinen Plan fiir das schnelle Sammeln und

Transportieren von Millionen von Menschen. Die Transporte

von Deutschen aus Danzig begannen im April 1945 und

waren eher freiwillig als erzwungen. Das wurde anders im

Juni, als militärische Direktiven die Vertreibung der deutschen

Bevölkerung anordneten. Teilweise gab es Vorschriften,

dass nur 20 kg Gepäck mitgeführt werden durfte. Pferde

und Ochsenkarren wurden an der Grenze beschlagnahmt. Es

war eine Prozession des Elends. „Während der 5 Wochen auf

der Straße lebten wir nur von Kartoffeln und Feldfrüchten,

die wir selbst ausgruben”, so ein Flüchtlingsbericht (zit. nach

R. M. Douglas: Ordnungsgemäße Überfiihrung, S. 143). Neben

den Plünderungen wurde auch den Frauen Gewalt angetan.

Andere Vertreibungen wurden in Güterwaggons durchgeführt,

nach einem Bericht mit 98 Personen in einem Waggon,

14 Tage auf der Fahrt nach Berlin, die hygienischen und humanitären

Umstände waren unbeschreilich.

V. Die Internierungslager

Tausende improvisierte Internierungslager fiir Deutsche

entstehen in Mitteleuropa in den Wochen nach dem Rückzug

der Wehrmacht: in der Tschechoslowakei, in Polen,

Jugoslawien, Ungarn und Rumänien. Viele KZ des Nazi-

Regimes wurden erst gar nicht geschlossen, sondern dienten

noch jahrelang als Internierungslager für Deutsche, so

z.B. Majdanek und Theresienstadt. In Auschwitz lagen

zwischen der Befreiung der letzten überlebenden Häftlinge

und der Ankunft der ersten deutschen Häftlinge keine zwei

Wochen. Das Lager Linzervorstadt wird von Douglas als

typisch für tausende improvisierte Internierungslager bezeichnet,

die in ganz Mitteleuropa entstanden. Es war während

des Krieges vom Reichsarbeitsdienst genutzt. Einige

Verwalter und Lagerwachen waren vor kurzem noch selbst

Häftlinge in deutschen KZ gewesen, andere waren 15-18

jährige jungeMänner, die als „Partisanen” bezeichnet wurden.

Über dem Lagertor von Linzervorstadt stand das

Motto: „Auge um Auge, Zahn um Zahn”. Neuankömmlinge

wurden nackt ausgezogen und durch Schläge mit Gummiknüppeln

ins Lagerleben „eingeführt”. Ein katholischer

Priester hatte einem Sterbenden die Sakramente gegeben,

dafür erhielt er zweimal 50 Schläge mit einem daumendikken

Stahldraht auf Rücken, Brust und Gesäß.

Nach einem anderen Bericht fanden die Torturen zumeist

zwischen 21 und 22 Uhr statt. Auch wurden frühere

Gefangene in die Waschräume eingeladen, um diejenigen

zu verprügeln, „gegen die sie aus früherer Zeit einen Groll

verspürten.” Das Lagersystem war vielgestaltig und ausgedehnt.

In Mittel- und Südosteuropa zeigte sich viel Improvisation.

Lokale Behörden, Volksmiliz oder selbsternannte

Bürgerkomitees richteten Internierungslager ein, und zwar

auch in Sportstadien, verlassenen Fabriken, Kirchen oder

Wohnhäusern. Klare Kriterien für eine Internierung lassen

sich nicht feststellen. Anweisungen, dass Alte, Schwangere

oder Behinderte ausgenommen werden sollten, wurden fast

immer ignoriert. Auch Opfer des NS-Regimes internierte

man, ebenso 2-3000 Juden, die sich einmal als Deutsche

hatten registrieren lassen. Andere hatten als politische Gefangene

den Krieg ganz oder teilweise in KZ zugebracht

und wurden ebenfalls interniert. Selbst das blonde Haar eines

14-jährigen Niederländers genügte, um ihn als „deutsch”

einzustufen und ihn nach Auschwitz III zu schicken.

Es gab aber auch Kinderlager wie z.B. im ehemaligen

KZ Bunzlau wo 1200 Jungen im Alter zwischen 12 und 15

Jahren als Zwangsarbeiter für den Straßenbau eingesetzt

wurden. Douglas fasst sein Kapitel über die Lager dahingehend

zusammen, dass 1945 für internierte Menschen das

höchste Risiko bestand, an vermeidbaren Krankheiten zu

sterben, gefoltert oder hingerichtet zu werden. Auch die

Zahl der sexuellen Übergriffe war sehr hoch. Zahlen sind

sehr schwer zu ermitteln. Douglas formuliert: „Während

die Gefangenenzahl der deutschen Konzentrationslager

Anfang 1945 mit 700.000 ihren Höhepunkt erreichte,

könnte die Zahl der in Europa in ähnlichen Einrichtungen

eingesperrten Menschen am Ende des Jahres noch höher

gelegen haben.” (Ordnungsgemäße Überführung, S. 174).


BEITRÄGE 123

VI. Zahlen

In keiner der zum Thema „Flucht und Vertreibung” herangezogenen

Darstellungen fand ich belastbare Zahlen zur

Anzahl der deutschen Flüchtlinge und Vertriebenen. Man

ist also auf Schätzungen angewiesen. Die meisten Schätzungen

bewegen sich zwischen 10 und 14 Mio. Bei dieser

Sachlage kann man nur auf die Seriosität der Schätzer abstellen.

Bei dem deutschen Historiker Hans-Ulrich Wehler

und dem amerikanischen Historiker R.M. Douglas fand ich

die Angaben: rund 14 Mio Deutsche und „Volksdeutsche

(Wehler: Die Flucht, S. 10) und die Zahl 12 bis 14 Mio bei

Douglas (Ordnungsgemäße Überführung, S. 13). Zur Verteilung

fand ich über Google (Wikipedia) folgende geschätzte

Zahlen: SBZ 4,4 Mio, amerikanische Besatzungszone

knapp 3 Mio, britische Besatzungszone 3,3 Mio und französische

Besatzungszone 0,06 Mio. Ob dabei auch Wanderungsbewegungen

zwischen den Zonen – also z.B. wie in

unserem Fall 1946 von der SBZ in die amerikanische Zone

– berücksichtigt worden sind, kann nicht gesagt werden.

VII. Zusammenfassung

1. Douglas kommt zu dem Ergebnis, dass fiir den Rest der

Welt außerhalb Deutschlands die Geschichte der Vertreibungen

„das am besten gehütete Geheimnis des Zweiten

Weltkriegs ist.” (Ordnungsgemäße Überführung, S.14). Das

hängt auch damit zusammen, dass die Vertreibungsländer

ausschließlich als Opfer und nicht auch als Täter gesehen

werden möchten.

2. Es handelte sich um die größte Zwangsumsiedlung in der

Menschheitsgeschichte (Douglas, S.17). Zusammen mit den

weiteren, von Hitler und Stalin Zwangsumgesiedelten, Deportierten

und Gefangenen bildete dies einen traurigen Rekord

in der Geschichte.

3. Nicht zuletzt durch den Aufbauwillen und die Leistungsbereitschaft

der Vertriebenen ist das deutsche Wirtschaftswunder

ermöglicht worden. Dabei geschah die Aufnahme

im Reichsgebiet diesseits der Oder/Neiße u.a. in weitgehend

zerstörten Großstädten.

4. „Deportation” war ein Anklagepunkt bei den Nürnberger

Kriegsverbrecherprozessen. Dazu Bertrand Russel: „Sind

Massendeportationen Verbrechen, wenn sie von unseren

Feinden während des Krieges durchgeführt werden, und gerechtfertigte

Maßnahmen sozialer Anpassung, wenn unsere

Verbündeten sie im Frieden veranlassen” (zit. nach Douglas,

a.a.O. S. 357).

5. Die Vertreibungen sind Teil der unsäglichen europäischen

Geschichte der Kriegs- und Nachkriegszeit. So ist es besonders

hervorzuheben, dass zwei Generationen später Vertreiber

wie Vertriebene in der Europäischen Union zusammengeschlossen

sind. Möglicherweise war der absolute

Tiefpunkt der Schlüssel für die heutige Lösung.

Jenseits von Oder und Neiße

Das alte Ostdeutschland im Spiegel der DDR-Literatur

GEORG K. SCHMELZLE

Erst ein Jahr nach dem Mauerfall wurde bekannt, dass

allein vier Millionen ehemalige Ost- und Sudetendeutsche

auf dem Gebiet der ehemaligen DDR mit

ihren Nachfahren lebten. Weitere zwei Millionen waren

von 1945 bis zum 13. August 1961 (Mauerbau in Berlin)

weiter nach Westen geflohen. Auch von den Schriftstellern

und Dichtern der DDR sind genau ein Viertel jenseits von

Oder/Neiße und südlich des Erzgebirges geboren, wenn wir

in der DDR-offiziellen Sammlung DICHTER IM FRIE-

DEN von 1986 nachlesen.

Natürlich sind dabei die zwei Dutzend Literaten unberücksichtigt,

die man mit der Zeit aus dem „Arbeiter- und

Bauernstaat” herausgeekelt hatte, weil sie nicht linientreu

schrieben. Nur sieben Schriftsteller waren im Westen und

Süden Deutschlands geboren und stellten sich nach

Kriegsende den Sowjets zur Verfügung, darunter so bedeutende

wie Anna Sehgers (Mainz), Berthold Brecht

(Augsburg) und die Gebrüder Hermann und Uwe Kant

(Hamburg). Sie wollten helfen, den Sozialismus auf deutschem

Boden in den Kommunismus überzuleiten und sahen

bewusst keine Internierungslager, Vergewaltigungen

oder andere Übergriffe der „sowjetischen Befreier”. Diejenigen,

die aus dem Deutschen Osten stammten, hatten es

sehr schwer aus ihrer Jugendzeit zu schöpfen, sie konnten

höchstens von der Ausbeutung der Arbeiter und Bauern

durch die adeligen Gutsbesitzer und „Kapitalisten” schreiben.

Geschickt gelöst hat dieses Problem Johannes

Bobrowski in seinen LITAUISCHE CLAVIERE, die das

Lokalkolorit von Preußisch-Litauen östlich von Gumbinnen

schilderte mit der Benachteiligung dieser „Litauer”

durch die „deutschen Kolonisten”. Darum wurde er auch

im Westen Deutschlands verlegt, weil er einen Gegenpol zu

der umfänglichen Vertriebenenliteratur in den Westzonen

und später in der Bundesrepublik darstellte, die die

Schönheit der alten Heimat verklärt schilderte und Flucht

und Vertreibung drastisch beschrieb. Günter Grass tat das

aber erst 2001 in KREBSGANG!

Wir müssen uns darüber im Klaren sein, dass im

Kommunismus nur parteiliche Schriftsteller gebraucht und

geduldet wurden. Anna Sehgers hat das schon in dem

Geleitwort im aufwendigen Bildband DICHTER IM FRIE-

DEN (1986) formuliert: „Denn es begann mit dem Frieden

der Anteil des Buches am friedlichen, antiimperialistischen

Denken. Viel ist getan. Als ich aus der Emigration zurück-


124

BEITRÄGE

kam und man zeigte mir unterwegs in Schweden DAS

SIEBTE KREUZ im Aufbau Verlag, so kurz nach dem

Krieg – ich war (und bin) nicht blasiert genug um nicht froh

darüber zu sein.”

Die Machthaber in der „sowjetisch besetzten Zone

Deutschlands” hatten sehr früh erkannt, wie wichtig

Schriftsteller für die Verbreitung ihrer Ideologie waren.

Erich Weinert war ja bereits seit 1942 im Nationalkomitee

Freies Deutschland (NKFD) und die „Gruppe Ulbricht”

flog mit fertigen Schulbüchern in Berlin-Karlshorst am 2.

Mai 1945 ein. Die Kommunisten, die nach England und in

die USA emigriert waren, kamen (Jürgen Kuczynski, Anna

Sehgers, Berthold Brecht, Stefan Heym) in den kommunistisch

kontrollierten Teil Deutschlands zurück und stellten

sich den Ideologen bewusst zur Verfügung. Der tote Gerhart

Hauptmann wurde an seinen Urlaubsort nach

Hiddensee überführt (1946) und durch eine Ansprache von

Johannes R. Becher mit einem Begräbnis geehrt – es störte

die Kommunisten keinesfalls, dass Hauptmann auch mit

den braunen Machthabern ausgekommen war, man wollte

ihn nur vereinnahmen.

Im westlichen Deutschland erschien eine Fülle von

Flüchtlings- und Vertriebenenliteratur, sicher von den

Besatzungsmächten im „Kalten Krieg” begünstigt. Die

Amerikaner gaben sogar einem nationalen Kabarett eine finanzielle

Startförderung, das sich für die Wiederbewaffnung

einsetzte. Bereits bekannte Schriftsteller durften wieder

schreiben auch wenn sie nicht aus Deutschland emigriert

waren. Ich nenne nur Agnes Miegel, Erich Edwin

Dwinger, Wilhelm Pleyer; Hugo Scholz, Hans Watzlik,

Guido Kolbenheyer, Hans Schober, Frank Thiess, Bruno

Brehm u.a. Sie schilderten, wie sie durch den Krieg und die

Vertreibung gekommen waren. Dwinger hatte mit seiner

FLUCHT AUS OSTPREUSSEN 1950 eine hohe Auflage.

Nicht zu vergessen die vielen Berichte über die Endkämpfe

in den „Festungen” und die „Millionenrettung über die

Ostsee”. Das Zerbrechen der „Anti-Hitler-Koalition”

machte es möglich.

Bald schrieb auch schon die jüngere Generation und

schöpfte aus ihrer Kinder- und Jugendzeit im Osten. Denken

wir nur an Siegfried Lenz, Günter Grass, Horst Bienek,

Jochen Hofbauer, Christine Brückner und mundartliche

Schreiber; ich nenne nur stellvertretend für viele den Sudetenschlesier

Viktor Heeger .

Es wurden auch lange verstorbene Schriftsteller neu

aufgelegt, z.B. Gustav Freytag (1816- 1895) mit „Soll und

Haben” (1865) und DIE AHNEN, Hermann Sudermann mit

dem KATZENSTEG oder auch Werner Keller mit DREI

MÄNNER IM SCHNEE. Bildbände über die ostdeutschen

Provinzen hatten hohe Auflagen. Verlage wie Wilhelm

Gottlieb Korn (Augsburg früher Breslau) und der Rautenberg-Verlag

in Leer/Ostfriesland setzten sich durch. Einheimische

Verlage versuchten zu kopieren und an dem

Geschäft teilzuhaben.

Selbst Illustrierte wie der STERN brachten Sondernummern.

Die Heimatblättchen der Vertriebenen brachten als

Monatsperiodika und „Jahresbuchkalender” immer mundartliche

Heimatgeschichten und bestehen immer noch, fast

70 Jahre nach Flucht und Vertreibung – eine kulturelle

Höchstleistung der Vertriebenen begleitet von wissenschaftlicheren

Veröffentlichungen über die Bauten- und Kulturleistungen

in den Ostprovinzen und dem Sudetenland.

In der DDR waren dagegen die Namen der ostdeutschen

Landschaften, das Sudetenland und auch die Worte „Vertreibung”

und „Deportation” Unworte. Bereits die wenigen

lizensierten Kinder- und Jugendzeitschriften – BUMMI,

ATZE und ABC-Zeitung – schrieben einheitlich nur von

„Umsiedlern”, „Neubauern” und „Antifaschisten”. „Zuzügler”

von östlich der Oder galten immer als verdächtig:

„Sie fuhren als Schieber nach West-Berlin und wurden oft

von ihren alten Ausbeutern aufgehetzt, die als Rittergutsbesitzer

unter einer Decke mit den westdeutschen Imperialisten

und Kriegstreibern steckten.”

In der Literatur waren diese Gebiete nur als altes polnisches

und tschechisches Land darzustellen, selten, dass die

neuen slawischen Ortsnamen übersetzt wurden. Die „Oder-

Neiße-Linie” war ab 1950 als „Friedensgrenze” zu feiern

und als Folge des „faschistischen Überfalls” auf Polen, die

Tschecho-Slowakei und die Sowjetunion darzustellen, oder

die Provinzen mussten als urslawisches, von jenen zurück

gewonnenes Land geschildert werden.

Wie vorsichtig formulierte der 1926 in Oberschlesien

geborene Werner Heiduczek in seiner Novelle VERFEH-

LUNG (1976) mit der Herkunft seiner Hauptfigur Elisabeth

Bosch: „… sie kam mit einem der Schübe, von denen unser

Jahrhundert voll ist, aus dem Böhmischen nach Sachsen“

und das in einer Novelle, die mutig im Hintergrund die

Unmenschlichkeit der „Mauer” thematisierte. Denn Elisabeth

Bosch lernt einen westdeutschen Besucher in ihrem

durch Braunkohlenabbau geschädigten Dorf kennen. Sie

will die Karrieren ihrer beiden Kinder als Redakteur und

Lehrerin nicht gefährden und sie kommt mit ihm zu der

Lösung, dass er von Hamburg nach West-Berlin zieht und

sie sich für gelegentliche Treffen in Ost-Berlin ein Zimmer

anmieten. Werner Heiduczek – ein immer noch überzeugter

Sozialist – hat sich leider nach der Wende ganz von der

Schriftstellerei zurückgezogen, weil er meint, nun keine

Leser mehr erreichen zu können.

Ganz vorsichtig musste man bis zum 200. Todestag

(1986) mit Friedrich dem Großen und dem Staat Preußen

sein. Entweder hat sich der unfehlbare Staatsratsvorsitzende

versprochen oder man wollte 1981 zumindest die preußischen

Arbeitstugenden und das Stammland für die Identität

der DDR reklamieren. Das Reiterstandbild Friedrich

des Großen wurde aus seinem Versteck im Park von Sanssouci

hervorgeholt und auf dem alten Platz „Unter den

Linden” wieder aufgestellt. Nun waren er und Preußen wieder

ein positives Thema in der historischen Forschung und

der Literatur der DDR. Selbst Bundespräsident Richard

von Weizsäcker hielt eine bemerkenswerte Rede zu diesem

Gedenktag, die ohne die angemeldeten Besitzansprüche der

DDR auf diesen großen König wohl nicht gehalten worden

wäre. Sehr geschickt zu Werke ging schon vorher (1978)

der märkische Schriftsteller Günter de Bruyn, um die Kurmark

Brandenburg und Preußen wieder in die Literatur zu

bekommen. Er schrieb den Roman MÄRKISCHE FOR-


BEITRÄGE 125

SCHUNGEN in Anlehnung an Theodor Fontane und ließ

ganz zufällig die Suche nach einem Adeligen aus den Befreiungskriegen

in Stolp/Hinterpommem fündig werden. Er

gab mit Gerhard Wolf den MÄRKISCHEN DICHTERGAR-

TEN heraus, der den Gebildeten in Ost und West Schriftsteller

und Dichter aus des „Reiches Streusandbüchse” präsentierte.

Ich erwähne: Friedrich de la Motte Fouque,

Schmidt von Werneuchen, Rahel Varnhagen, Theodor Fontane,

Heinrich Heine, F.A. Ludwig August v.d. Marwitz,

E.T.A. Hoffmann, Ludwig Tieck und Chr. Fried. Nicolai:

Dabei konnte man auch das ganze Preußen bis Königsberg

in Ostpreußen einfließen lassen. In NEUE HERRLICH-

KEIT (1986) läßt er die Schwestern, die ein christliches

Altersheim leiten, aus Schlesien stammen und er bringt die

Ergüsse des ehemaligen Königsberger Bürgermeisters

Theodor Gottlieb Hippel über die Ehe neu kommentiert

heraus, um „Kaliningrad” wieder als „Königsberg” in die

DDR-Literatur einzuschmuggeln. Er schafft es sogar Jean

Paul Friedrich Richter aus der bayrischen Oberpfalz in der

DDR bekannt zu machen, in der Dichter aus dem Westen

nur interessant waren, wenn sie sich als „Antifaschisten”,

als nützliche „Anerkennungstrottel”, historische Revolutionäre

oder Kritiker des westdeutschen Gesellschaftssystems

gebrauchen ließen. Er holte J. P. F. Richter als historisches

Beispiel für einen der wenigen deutschen Antimilitaristen

während der Befreiungskriege (1813) aus den Archiven,

um so versteckt gegen den aggressiven Militarismus der

DDR zu zeugen!

Gebildete Menschen in der DDR konnten zwischen den

Zeilen lesen und waren auch für jedes unzensierte Buch

dankbar, welches vom Westen durchgeschmuggelt wurde.

Hundertfach wurde ein solches gelesen. Ich erinnere mich

einer Taschenbuchausgabe „Vom Winde verweht”, die ich

nach einem Jahr Dorflektüre wiedergesehen habe – vollkommen

zerlesen.

Arno Surminski war mit seinen ostpreußischen Romanen

ein Geheimtipp. Vor allem POLNIKEN ODER EINE

DEUTSCHE LIEBE, der zwei junge Ostpreußen aus Lübeck

und Jena in ihrer Heimat Ostpreußen in Liebe verstrickt.

Die tragische Lösung dieser Zuneigung führte dazu,

daß Arno Surminski die letzten Jahre vor dem Fall des

Eisernen Vorhangs nur mit der Fähre nach Danzig fahren

konnte. Seine Romane, die die Einordnung der vertriebenen

Ostpreußen in Westdeutschland beschrieben, waren

„drüben” und vor allem in Mecklenburg immer ein gesuchteres

Mitbringsel als Genussmittel und Textilien. Eben

Nahrung für die Seele! Kein Zufall, dass Arno Surminski

mit seinem Kurzgeschichtenband STRALSUND (1990)

Themen aus der Zeit nach dem Mauerfall in der DDR aufgegriffen

hat. Gern gelesen wurde von vertriebenen Sudetendeutschen

in Sachsen Gudrun Pausewang und der Kinderbuchautor

Ottfried Preußler, der das Riesengebirge von

der böhmischen Seite her besang. 1983 schaffte es der Verlag

der Nation (VdN) – er gehörte der NDPD – die Urlegenden

vom Rübezahl von August Musäus mit Zeichnungen

von Max Slevogt herauszubringen. In Leinen gebunden

war das Buch (17.50 MDN) überwiegend für den

Export in die Bundesrepublik gedacht – in der DDR blieb

er für Schlesier „Bückware”. Der gleiche Verlag fühlte sich

dem kulturellen Erbe verbunden und brachte auch den

„Rheinischen Hausfreund” heraus oder die „Wunderbaren

Reisen und Feldzüge und lustigen Abenteuer des Freiherrn

von Münchhausen” wie auch Lieder von Joseph von Eichendorff,

ohne natürlich auf seine schlesische Herkunft zu

verweisen. Selbst der „Zupfgeigenhansel” der Wandervögel

von 1912 wurde für ganze 12.50 MDN angeboten und

war auch im Großformat für Klavierspieler zu haben. Ein

kulturelles Angebot, das im Westen fehlte. Wie groß der

Hunger nach Lesestoff über den Deutschen Osten war

merkte man vor allem in Vorpommern und im deutschen

Niederschlesien, wo sich die Verlage aus dem Westen 1990

eine goldene Nase mit ihren Altbeständen verdienten.

Fortsetzung in der folgenden Ausgabe.

Buchempfehlung

SEBASTIAN RIPPRICH

Nein, eigentlich ist der Gottesfreund nicht der Ort, für Bücher

dieser Art zu werben. Aber warum eigentlich nicht,

zumal der Autor der Redakteur selbst ist.

Er hält Rückblick und zwar einen der

ganz besonderen Art: nämlich einen „karikativen”.

Kostproben seines zeichnerischen

Könnens hat Andreas Neumann-

Nochten den Lesern des „Gottesfreundes”

in den letzten mehr als acht Jahren

schon häufiger zukommen lassen, dass

er aber über Jahrzehnte hinweg Zeitgeschehen

und Zeitgenossen mit spitzer

Feder und nicht minder spitzem Humor

begleitet hat, dürfte nur Wenigen bekannt

sein. Ohne hier vollständig auf

sein „karikatives” Spektrum eingehen zu

können, darf eine grundsätzliche Wirkung beim Betrachten

vieler Arbeiten nicht unerwähnt bleiben: Es ist die des selten

abebbenden, vergnüglichen Staunens,

auch und vor allem bei jenen Arbeiten,

die sich vielleicht am besten

unter dem Hilfsbegriff „Angewandte

Karikatur” zusammenfassen lassen –

Bildgeschichten, Illustrationen oder

Parodien, bei denen er gelegentlich die

Fähigkeit aufblitzen lässt, auch wortsprachlich

mehr als solides Handwerkszeug

zu besitzen.

Bildband „karikativer Rückblick”;

gaudeoSV; 132 Seiten; 2. erw. Aufl.;

Görlitz 2013; ISBN 978-3-00-042594-3,

19,90 Euro. Zu beziehen beim Autor.


126

HUMOR

„Hiern Se moal, Perschla!”

Das war’s, was ich mir erträumt hatte: endlich

an der eigentlichen Front des Hotelbetriebes.

Vor zwei Monaten habe ich meine

Ausbildung zum Hotelkaufmann begonnen,

und zwar in einem der renomiertesten

Deutschlands, im Hyatt in Mainz. Zum ersten

Male sitze ich heute am „Belldesk”,

also am Empfang, dem Aushängeschild jeden

Hotels. Gerade habe ich – natürlich in

perfektem Oxford-Englisch – das Gespräch

mit dem Leiter der Delegation eines südkoreanischen

Konzerns beendet, als ein sympathisch-gemütlich

aussehender Gast, dem

man nicht ansieht, dass er mit der Produktion

„Schlesischer Wurstwaren” ein Millionenvermögen

verdient hat, das Hotel betritt,

auf mich zutritt und freundlich sagt: „Hiern

Se moal, Perschla, täten Se und Se hätten

noch een Zimmer Oaber schoo woas Urdentliches

und ni soo ne verpoamperte kleene

Klitsche!”

Da stand ich nun, spreche neben Deutsch

noch zwei Sprachen nahezu perfekt und

dann „Hiern Se moal, Perschla ...!”

Aber man wird’s nicht glauben und meinem

direkten Vorgesetzten, dem neben mir

stehenden Chefportier, blieb die Luft weg,

als ich antwortete: „Selbstverständlich,

mein Herr, ein Zimmer mit unserem Komfort-Frühstück,

oaber leckerfetzig und ni

etwa su’n loatschiges Gepoamper!”

Das Trinkgeld, das ich bei seiner Abreise

bekam, konnte sich sehen lassen.

Es hat schon etwas Gutes, wenn man

einen Großvater hat, der aus Neiße stammt,

dessen Jubiläumsgeburtstag unsere gesamte

Familie in Neisse mit Prälat Mróz bei

den Grauen Schwestern gefeiert hat und

dem zuliebe ich das Gedicht auswendig gelernt

hatte: „Schläßscher Kucha, Sträselkucha,

doas ies Kucha sapperlot ... nischt

wie loatschiges Gepoamper ...!”

Johannes Wessels, z.Zt. Mainz, Enkelsohn

von Maria und Bernward Trouw. Gefunden

im „Neisser Heimatblatt”, Nr.271/

2013. Abbildung: „wohlhabender Gast”,

Skizze von Gerhard Loerke, 1920er Jahre,

Archiv ANN.


VERANSTALTUNGEN DER

GEMEINSCHAFT EVANGELISCHER SCHLESIER

Hamburg

Gemeindenachmittag der evangelischen Schlesier

Mittwoch, 2. August 2013 im Gemeindesaal von St. Petri

in Altona, Schmarjestr. 31.

LAG Baden-Württemberg/Stuttgart

Gottesdienst mit Feier des Hl. Abendmahls

nach der Liturgie der Altpreußischen Union

18. Sonntag nach Trinitatis, 29. September um 14.30 Uhr

in der Schloßkirche in Stuttgart.

EVANGELISCHE GOTTESDIENSTE

IN DEUTSCHER SPRACHE IN SCHLESIEN

Breslau:

an jedem Sonntag um 10 Uhr in der Christophorikirche,

pl. Św. Krzyzstofa 1.

Lauban:

an jedem 2. Sonnabend um 10 Uhr in der Frauenkirche,

al. Kombatantów.

Liegnitz:

am 1. und 3. Sonntag um 13 Uhr

in der Liebfrauenkirche, pl. Mariacki 1.

Schweidnitz:

an jedem 4. Sonnabend um 9 Uhr im Lutherhaus,

pl. Pokoju 6.

Waldenburg:

an jedem 2. Sonntag und jedem 4. Sonnabend um 14 Uhr

in der Erlöserkirche, pl. Kościelny 4.

Bad Warmbrunn:

an jedem 2. Sonnabend in der Erlöserkirche, pl. Piastowski 18.

Jauer

Friedenskirche

Auf Anfrage: Park Pokoju 2, 59-400 Jawor.

Tel. (+4876) 870 51 45. E-Mail: jawor@luteranie.pl

Pfarramt:

ul. Partyzantów 60, 51-675 Wrocław.

Tel. 0048 - 71-3484598. Pfarrer Andrzej Fober

www.stchristophori.eu

christophori@poczta.onet.eu

GEBURTSTAGE AUS DER LESERGEMEINDE

95. Am 30.08. Frau Agnes Geisler, 81543 München,

früher Schickwitz.

92. Am 23.08. Frau Ursula Bader, 64656 Heppenheim,

früher Breslau.

91. Am 09.08. Frau Hanna Schröter, 51107 Köln.

Am 11.08. Frau Gisela Schmidek, 21357 Bardowick, früher

Strehlen. Am 22.08. Frau Hildegard Glatzer, 28759

Bremen, früher Markstädt/Ohlau.

90. Am 26.08. Frau Lieselotte Schlesinger, 89073

Ulm, früher Schweidnitz.

89. Am 05.08. Frau Gerda Stock, geb. Lösche, 22177

Hamburg, früher Hirschberg. Am 14.08. Frau Johanna

Demota, 32791 Lage, früher Alt-Jauer. Am 18.08. S.H.


AUS DER LESERGEMEINDE 127

Herr Leuther v. Gersdorff, 83624 Otterfing, früher Görlitz.

88. Am 09.08. Frau Marlene Theidel, 58256 Ennepetal,

früher Breslau. Am 23.08. Frau Pfarrerin i. R.

Elisabeth Buschbeck, 79104 Freiburg, früher Frankenstein.

Am 26.08. Frau Ursula Klapper, 30559 Hannover, früher

Wittenberg, Lutherstadt.

87. Am 04.08. Herr Horst Dierschke, 95213 Münchberg,

früher Lossen und Pampitz / Brieg. Am 16.08.

Frau Eleonore Kästing, 26123 Oldenburg, früher Liegnitz.

86. Am 30.08. Herr Klaus-Dieter Gaebel, 60599

Frankfurt/M..

85. Am 16.08. Frau Johanna Ulmer, 71101 Schönaich.

Am 19.08. Frau Renate Netsch, 14052 Berlin, früher

Jauer.

84. Am 12.08. Herr Pfarrer Dr. Otto Lillge, 32760

Detmold, früher Breslau. Am 25.08. Frau Agnes Hohnhaus,

geb. Ueberschär, 60326 Frankfurt, früher Feldstr. 58,

Breslau.

83. Am 04.08. Herr Siegfried Streit, 47228 Duisburg,

früher Alt-Kohlfurt. Am 10.08. Frau Annemarie Liss,

geb. Kreutzer, 30519 Hannover, früher Breslau.

82. Am 06.08. Herr Pfarrer Reinhard Hausmann,

97827 Marktheidenfeld, früher Wüstegiersdorf. Am

07.08. Frau Margarete Kretschmer, 73431 Aalen, früher

Breslau.

81. Am 09.08. Herr Bodo Chemnitz, 24161 Altenholz,

früher Landeshut. Am 13.08. Herr Pfarrer i. R. Dr. Chr.-

Erdmann Schott, 55124 Mainz, früher Liegnitz.

78. Am 08.08. Herr Manfred Haftmann, 14478 Potsdam,

früher Troitschendorf, Krs. Görlitz. Am 14.08.

Frau Ilse Scharffetter, geb. Machoy, 37441 Bad Sachsa,

früher Langhelwigsdorf Krs.Jauer. Am 18.08. Herr Kurt

Zimmer, 21149 Hamburg, früher Postelwitz. Am 26.08.

Frau Ilse-Mette v. Oheimb, 32361 Preußisch Oldendorf,

früher Erkelsdorf.

77. Am 05.08. Herr Karl-Heinz Scholz, 77933 Lahr.

Am 11.08. Frau Margarete Zdrojek, 06502 Thale/Harz,

früher Sacken,Krs.Oppeln. Am 16.08. Herr Günter Hanke,

95447 Bayreuth, früher Hirschberg.

76. Am 17.08. Herr StD i.R. Dr. Bolko Schulz, 67433

Neustadt, früher Bolko.

75. Am 04.08. Frau Helga Krug, 39261 Zerbst, früher

Kornfelde, Kreuzburg.

74. Am 02.08. Herr Wolf-Dietrich Weidner, 90766

Fürth, früher Breslau. Am 03.08. Herr Dr. Jürgen Altmann

, 02827 Görlitz, früher Görlitz.

73. Am 01.08. Herr Werner E. Zapfe, 37520 Osterode,

früher Breslau. Am 06.08. S.D. Ernst-Johann Prinz

Biron v. Curland, 82541 Münsing, früher Groß Wartenberg.

72. Am 11.08. Frau Isolde Möller, 26135 Oldenburg,

früher Wiesau/Glogau. Am 18.08. Frau Dr. med. Astrid

Klemm, 61231 Bad Nauheim, früher Goldberg.

71. Am 31.08. Herr Ekkehard Loch, 58511 Lüdenscheid,

früher Obernick.

70. Am 30.08. Frau Friederike Jann, 30169 Hannover,

früher Oppeln.

65. Am 10.08. Frau Annelliese Woschke, geb. Wilke,

91301 Forchheim.

Beitrittserklärung:

Ich erkläre hiermit meinen Beitritt zur Gemeinschaft evangelischer

Schlesier e. V. bei einem Mitglieder-Jahresbeitrag von aktuell 30 Euro

für das laufende Kalenderjahr; im Rahmen meiner Vereinsmitgliedschaft

erhalte ich die Zeitschrift „Schlesischer Gottesfreund” kostenfrei.

Ich möchte kein Mitglied werden, bestelle aber die Monatszeitschrift

„Schlesischer Gottesfreund” zum Abo-Preis von 36 Euro pro

Jahr.

Bitte senden Sie mir eine Probenummer der Zeitschrift „Schlesischer

Gottesfreund” zu.

Datum:

Titel:

Nachname:

Vorname:

Straße:

PLZ, Ort:

Geburtsdatum/-ort:

Unterschrift:

Beruf:

persönlicher bzw. familiärer

schlesischer Herkunftsort:

Sollten Sie nicht mit der Veröffentlichung einiger Ihrer persönlichen

Daten in der Geburtstagsliste des „Gottesfreundes” einverstanden

x

sein, kreuzen Sie es bitte in den entsprechenden Kästchen an.

Bitte einsenden an: Gemeinschaft evangelischer Schlesier e.V.

Postfach 1410, D – 32440 Porta Westfalica

oder Stiftung Evangelisches Schlesien

Schlaurother Straße 11, D – 02827 Görlitz

Bankverbindung: Stadtsparkasse Porta Westfalica

BLZ: 490 519 90 Kto.-Nr.: 26 997

Impressum

Herausgeber:

Gemeinschaft evangelischer Schlesier (Hilfskomitee) e.V.

D 32440 Porta Westfalica, PF 1410, Tel.: 0571-971 99 74,

Bankverbindung: Stadtsparkasse Porta Westfalica

BLZ: 490 519 90 Kto.-Nr.: 26 997

E-mail: info@gesev.de

Verantwortlich für den Inhalt:

Andreas Neumann-Nochten

Hotherstraße 32, D - 02826 Görlitz

Tel.: 03581 - 878988

E-mail: gottesfreund@nochtenart.de

Beiträge/Grafik/Satz/Layout: Andreas Neumann-Nochten

Herausgegeben in Zusammenarbeit mit der

Stiftung Evangelisches Schlesien

Einsendungen: Schlaurother Straße 11, 02827 Görlitz

E-Mail: gottesfreund@kkvsol.net

Druck: JAENSCH & AHRENSMEYER, Porta Westfalica


128 REISEIMPRESSIONEN

Impressionen von der

Standortstudienreise

Oberschlesien, Tschechien

und das Teschener Land

„150 Jahre Innere Mission –

Diakonie in Schlesien“

Teschen, Gnadenkirche II Miechowitz,

Grab von Mutter Eva von Tiele-Winckler

II Miechowitz, Schwester Martha II

Fenster in der Ev. Kirche in Ostrau II Ein

Kanon in der Kirche von Drogomysl.

(Von links oben im Uhrzeigersinn)

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