„Der Ruf nach einer Bürgerbefragung wird lauter“.

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„Der Ruf nach einer Bürgerbefragung wird lauter“.

Leserbriefe sind eine wichtige Form der Meinungsäußerung durch die Bürger, werden aber

im Allgemeinen nicht in elektronischer Form veröffentlicht. Daher stellen wir sie als

Abschrift zur Verfügung. Die folgenden Leserbriefe erschienen am Dienstag, 23. Juni 2009

auf Seite 26 des Bonner GENERAL-ANZEIGER unter der Überschrift:

„Der Ruf nach einer Bürgerbefragung wird lauter“.

Zum Thema Festspielhaus

Der Bericht über die vier Entwürfe für das Beethoven-Festspielhaus ist zwar sehr

interessant, aber diese Projekte dürften weit über die Bonner Möglichkeiten gehen. Ist denn

bei der Stadtverwaltung der Größenwahn ausgebrochen Es ist doch naiv anzunehmen, dass

man doch naiv anzunehmen, dass man ein Haus wie „Die Wellen“ oder „Der Diamant“ für

75 Millionen Euro bauen kann. Es ist ja auch fraglich, ob die Telekom überhaupt ihren

Anteil zahlt. In der Realität wird der Bau dann mindestens das Doppelte kosten - wie bei

allen öffentlichen Bauten (siehe Kongresszentrum). Wo will denn die hoch verschuldete

Stadt Bonn das Geld hernehmen

Wenn Schulen, Krankenhäuser und Straßen hergerichtet werden sollen, heißt es sofort:

Die Stadt hat kein Geld! Es ist doch auch eine Frage der Prioritäten. Oder will sich die

Oberbürgermeisterin ein Denkmal setzen

Monika von Stosch, Bonn

Am 7. August wird die Bonner Beethovenhalle 50 Jahre alt. Viele Bürger Bonns hatten

angenommen, dass die Stadt Bonn dies zum Anlass nimmt, den 50. Geburtstag - wie den 60.

Geburtstag der Bundesrepublik - mit einem Bürgerfest festlich zu begehen und sich darauf

gefreut.

Dies wird nicht erfolgen. Denn die Stadtverwaltung hat entschieden, dass dieser

Geburtstag nicht durch Veranstaltungen festlich begangen wird. Diese Entscheidung

bedauern die Bürger Bonns und haben hierfür kein Verständnis. Denn bei der

Beethovenhalle handelt es sich um ein unter Denkmalschutz stehendes historisch

bedeutsames Gebäude mit hoher Symbolkraft für unsere Demokratie. Hier fanden

Bundesversammlungen zur Wahl des Bundespräsidenten und Bundesparteitage der im

Deutschen Bundestag vertretenen Parteien statt, präsentierten sich Beethoven Orchester,

Solisten und Sänger, fanden Bälle (unter anderem der Bundespresseball) sowie kleine wie

große Empfänge statt und wurde Karneval gefeiert.

Dr. Hubert Voigtländer, Bonn

Vor ein paar Tagen war ich in einem sehr schönen Konzert in der Beethovenhalle. Während

ich der Musik lauschte, betrachtete ich die die „Eierkartons“ an der Decke und die mit

Holzriemchen verkleideten Wände. Zugegeben, alles ein bisschen von vorgestern und

ziemlich angestaubt, aber: es ist doch unsere Beethovenhalle! Wie viele schöne Konzerte

und Aufführungen habe ich dort erlebt, in der Jugend auf etlichen Bällen getanzt und meine

Tochter auf ihren Abschlussball begleitet. Ich glaube, so wie ich, denken viele Bonner

Bürger. Doch man sollte nicht sentimental sein. Bleibt die Frage: Brauchen wir wirklich

eine größere Halle Das Konzert war sehr gut besucht, aber nicht ausverkauft. Das erlebe


ich häufig. Es gibt nur wenige Veranstaltungen, an denen wirklich alle Plätze besetzt sind.

Lohnt es sich, dafür ein neues aufwendigeres und teureres Haus zu bauen

Bevor die Stadt Bonn in punkto Beethovenhalle eine Entscheidung trifft, sollte sie neben

den finanziellen Überlegungen auch einmal diese Seiten betrachten und vielleicht auch mal

die Bonner Bürger befragen.

Ingrid Grenzmann, Bonn

Man kann das Expertenteam um die Festspielhaus-Entscheidung zu seiner Auswahl nur

beglückwünschen, hat es sich doch für die beiden architektonisch einzigartigen Entwürfe

entschieden. Welchem von beiden nun Priorität einräumen Die „Wellen“ Vielleicht ein

wenig zu bombastisch und monumental für Bonn und die sensible Rheinlandschaft. Der

„Diamant“ hingegen würde ein wirkliches Juwel für Bonn bedeuten. Seine filigranere

Architektur würde sich harmonischer in das vorhandene Umfeld einfügen. Gleichzeitig

würde er Baukunst von unvergleichlicher Strahlkraft darstellen, deren Harmonie, Schönheit

und Leuchtkraft den Vergleich mit den gelungensten Opernhäusern der Welt nicht zu

scheuen bräuchten.

Annegret Jacobs, Bad Honnef

Dem offenen Brief des Instituts für Kunstgeschichte und Archäologie der Uni Bonn unter

Federführung von Professorin H. Kier zum Denkmalschutz für das Gebäude der

Beethovenhalle kommt eine große Bedeutung zu. In jedem Denkmal - und dies gilt

besonders für Gebäudedenkmale - konserviert sich das Bewusstsein der Bürger für

Geschichte, weil eine signifikante Stilistik immer ein Dokument ihrer Kulturzeit ist. Über

seine Form hinaus machten die öffentlichen Ereignisse, die sich ihm zuordnen, es zu einem

Zeitdokument: zu einem Denkmal!

Beide Kriterien treffen auf das Gebäude zu. Denn der Bau von Architekt Siegfried

Wolske - den ich damals mit meinen Architekturfotografien darstellte - war und ist ein

stilistisches Formelement der für diese Stadt so entscheidenden fünfziger Jahre. Aber dieser

Bau ist nicht nur durch politische Ereignisse geschichtsträchtig mit der deutschen

Demokratie verknüpft.

Eine Stadt, die mit der Abrissbirne solche Denkmale plattmacht - und das ohne Not, denn

für den Bauplatz einer neuen Halle gibt es viele landschaftlich geeignetere Alternativen als

das Umfeld schmuckloser Straßen -, verliert ihre kulturelle Identität und wird für beliebig

gehalten.

Hans Schafgans, Bonn

Unser neuer Stadtdirektor meint, die 50 Jahre junge Beethovenhalle sei als anspruchsvolle

Musikstätte nicht mehr konkurrenzfähig. Wenn die Mängelliste so lang ist, warum hat die

Stadt seit Jahren die Mängel nicht behoben Die Beethovenhalle ist hauptsächlich für die

Bonner Bürger gebaut worden und nicht für eine Handvoll Bürger aus aller Welt.

Die Beethovenhalle hat einen guten Namen in Bonn. Mit Bayreuth, Salzburg oder Wien

kann auch ein neues Festspielhaus nicht mithalten. Das neue Wagner-Duo möchte den

Grünen Hügel für 23 Millionen Euro umbauen, nicht abreißen. Ob die Kölner Lanxess-

Arena mit 14 000 Plätzen bei Musikveranstaltungen eine bessere Akustik hat als die

Beethovenhalle, kann man bezweifeln.


Die Leuchtturmfunktion für Bonn bleibt wohl noch viele Jahre der Post Tower und nicht

die Beethovenhalle, was sie auch gar nicht sein soll. Die im Sommer grüne, modrig

stinkende Brühe des Rheinauensees und das Bonner Loch am Bahnhof sind nicht nur für

Bonnbesucher eine Schande. Nicht jeder Tagungsteilnehmer hat nach langen Sitzungen

noch Lust auf eine Theater- oder Konzertveranstaltung.

Ihr Wohlwollen für ein neues Festspielhaus können die Befürworter durch ihre Millionen

mit Spenden zeigen. Eine Umfrage, ob die Bonner Bürger überhaupt ein neues

Festspielhaus bei den hohen Schulden der Stadt haben wollen, wäre angebracht.

Egon Vogel, Bonn

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