Die Klasse wiederholen - Kindergarten und Schule in Südtirol

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Die Klasse wiederholen - Kindergarten und Schule in Südtirol

Die Klasse

wiederholen

14 Jänner 2011

Thema

Sitzen geblieben

„Ich kam mit dem Schulzeugnis nach Hause, in dem ein schrecklicher

Satz zu lesen war, ein Satz, vor dem mein ganzes Dasein

zerbrechen wollte. Ich ging mit diesem Satz große Umwege,

wagte mich nicht mit ihm nach Hause, sah immer wieder nach,

ob er nicht plötzlich verschwunden war, doch er stand immer

da, klar und deutlich. Als ich schließlich doch nach Hause kam,

weil ich nicht die Kühnheit hatte, mich als Schiffsjunge nach

Amerika anheuern zu lassen, saß bei meinen Eltern Fritz W.

Was machst du denn für ein betrübtes Gesicht, rief er mir zu.

Ist es ein schlechtes Zeugnis, fragte meine Mutter besorgt, und

mein Vater blickte mich an, als sehe er alles Unheil der Welt

hinter mir aufgetürmt. Ich reichte das Zeugnis meiner Mutter

hin, aber Fritz riss es mir aus der Hand und las es schon und

brach in schallendes Gelächter aus. Nicht versetzt, rief er, und

schlug sich mit seiner kräftigen Hand auf die Schenkel. Nicht-

versetzt, rief er noch einmal, während meine Eltern abwechselnd

ihn und mich verstört anstarrten, und zog mich zu sich

heran und schlug mir auf die Schulter. Nicht versetzt, genau

wie ich, rief er, ich bin viermal sitzen geblieben, alle begabten

Männer sind in der Schule sitzengeblieben. Damit war die

Todesangst zerstäubt, alle Gefahr war vergangen. Aus den

verwirrten Gesichter meiner Eltern konnte sich keine Wut

mehr hervorarbeiten, sie konnten mir nichts vorwerfen, da ja

Fritz W., dieser tüchtige und erfolgreiche Mann, alle Schuld von

mir genommen hatte und mich dazu noch besonderer Ehrung

für würdig hielt.“

Peter Weiss, Schriftsteller, 1916–1982

Aus: Peter Weiss, Abschied von den Eltern, Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main, 1961


Sitzen bleiben ist meist nutzlos

Erkenntnisse zur Klassenwiederholung auf der Primarschulstufe

Längerfristig betrachtet sind Klassenwiederholungen

ungenügend wirksam,

so das Ergebnis einer Studie der Universität

Fribourg in der Schweiz. Und:

Ob ein Schüler oder eine Schülerin eine

Klasse wiederholt, hängt in erster Linie

nicht von den tatsächlichen Schulleistungen

ab, sondern vor allem von den

Einschätzungen und Einstellungen der

Lehrpersonen.

In der Schweiz werden Klassenwiederholungen

in der obligatorischen Schulzeit sehr

oft angeordnet. Für nahezu jedes fünfte

Kind besteht das Risiko, im Laufe seiner

gesamten Schulpflicht eine Klasse wiederholen

zu müssen. Die Repetitionsquote in

der Schweiz ist über die letzten zwanzig

Jahre auf hohem Niveau bei rund 2,5 %

relativ stabil geblieben. Die beschriebene

Stabilität ist überraschend: Einerseits stieg

die Aussonderungsquote (Überweisung in

Sonder- und Sonderschulklassen) im selben

Zeitraum von 4 % auf 6 %. Andererseits

wurden in der gleichen Zeit in vielen

Schulgemeinden und Kantonen integrative

Schulformen realisiert, die eine Förderung

von schulleistungsschwachen Kindern innerhalb

der Regelklassen ermöglichen. Parallel

dazu wurden schulische Stützsysteme

(Schulpsychologie, Logopädie, Psychomotorik,

Aufgabenhilfe ...) erheblich ausgebaut.

In den letzten Jahren wird zudem das Angebot

an Tagesstrukturen für Kinder im

Schulalter ausgebaut (Schüpbach 2006).

Trotz der beschriebenen Entwicklungen

kann kein Einfluss auf die Repetitionsquote

festgestellt werden. Offensichtlich wird

die geforderte Norm immer enger und immer

weniger Kinder scheinen ihr genügen

zu können. Anzumerken ist, dass bezüglich

der Repetitions- und Aussonderungsquote

innerhalb der Schweiz zwischen den verschiedenen

Kantonen teilweise erhebliche

Unterschiede bestehen. Im europäischen

Vergleich gehört die Schweiz wie die Bundesrepublik

Deutschland zu den Ländern

mit einer hohen Repetitionsquote.

Wesentliche Faktoren für

eine Klassenwiederholung

Welche Faktoren beeinflussen den Entscheid

der Lehrperson, ein Kind eine Klasse

repetieren zu lassen? Dieser und weiteren

Jänner 2011

15


Fragen nach der Wirksamkeit der Maßnahme

bezüglich der schulischen Leistungen

sowie ihrer sozialen und emotionalen

Konsequenzen ist eine Nationalfondsstudie

an der Universität Fribourg nachgegangen

(vgl. Bless, Schüpbach, Bonvin 2004). Die

Untersuchung wurde bei 4.690 Schülerinnen

und Schülern der zweiten und dritten

Primarschulklassen in der Deutschschweiz

und in der Romandie durchgeführt. Die

Ergebnisse zeigen auf, dass Risikofaktoren

für eine Klassenwiederholung schwache

Schulleistungen sowie ein nach Einschätzung

der Lehrpersonen tiefes Begabungspotenzial

sind. Als zusätzlicher und wichtiger

Risikofaktor ist in der französischsprachigen

Schweiz die ausländische Herkunft zu

betrachten. Mehr als die Hälfte der französischsprachigen

Repetierenden stammt

aus dem Ausland. Unter den schwächsten

Kindern kommt es jedoch nur für eine Minderheit

zur Klassenwiederholung. Die genannten

Merkmale zeigen jedoch nur auf,

wie sich die Repetierenden von ihren Mitschülerinnen

und Mitschülern unterscheiden,

und können deshalb nicht als direkte

Bedingungsfaktoren für eine Wiederholung

betrachtet werden. Dieses Ergebnis

bestätigen auch weitere Studien aus dem

amerikanischen Raum.

Ob Lehrpersonen die Klassenwiederholungen

effektiv anordnen oder nicht, wird

häufig mit den Einstellungen der Lehrpersonen

in Zusammenhang gebracht. Die

Fribourger Studie hat aufgezeigt, dass die

Entscheidung zugunsten einer Klassenwiederholung

bei einem Kind ausgehend von

vier Faktoren vorhergesagt werden kann:

durch eine von der Lehrperson wahrgenommene

Entwicklungsverzögerung, durch

ein von ihr wahrgenommenes tiefes kognitives

Potenzial, durch Unterschätzung der

Leistungen in der Unterrichtssprache sowie

durch eine positive Einstellung der Lehrper-

16 Jänner 2011

son gegenüber der Klassenwiederholung.

Künftige Repetierende werden bezüglich

verschiedener Merkmale systematisch unterschätzt,

während andere Kinder, die in

Bezug auf die Leistungsfähigkeit und das

kognitive Potenzial vergleichbar sind, adäquater

eingeschätzt werden und in die

nächste Klasse versetzt werden. Die Urteile

und Einschätzungen der Lehrpersonen

spielen somit eine wesentliche Rolle

für den Entscheid. Lehrpersonen, die der

Klassenwiederholung positiv gegenüberstehen

und von deren Wirksamkeit überzeugt

sind, neigen dazu, die Klassenwiederholung

auch häufiger anzuordnen. Dies belegen

auch weitere Studien (vgl. zum Beispiel

Tomchin und Impara 1992, Paul 1996).

Wie wirkt sich eine Klassenwiederholung

auf die schulische

Leistung aus?

Im Weiteren stellt sich die Frage, ob Klassenwiederholungen

die erhoffte positive

Wirkung auf die schulische Leistung haben.

In der Literatur findet man zum größten

Teil ein negatives Bild der Klassenrepetition

dokumentiert. Werden Repetierende, die

in der zweiten Klasse sind, mit leistungsschwachen

promovierten Kindern in der

dritten Klasse verglichen (Same-Age-Vergleich),

kann – in Übereinstimmung mit dem

Forschungsstand – auch in der Schweizer

Studie insgesamt von einem schlechteren

kurz- und mittelfristigen Abschneiden der

Repetierenden ausgegangen werden (vgl.

Bless et al. 2004). Dabei ist zu berücksichtigen,

dass im Allgemeinen Same-Age-Vergleiche

die Repetierenden benachteiligen,

da sie den Schulstoff des nächsten Schuljahres

noch nicht gelernt haben.

Nebst negativen können auch einzelne positive

Effekte nachgewiesen werden. Diese

sind jedoch insgesamt nur kurzfristiger Na-

tur. Gemäß diesen Untersuchungen scheinen

Repetierende im Vergleich zu den Promovierten

vor allem im Repetitionsjahr zu

profitieren. Ihre Leistungen lassen jedoch

im Verlauf der Zeit wieder nach, sodass die

ehemaligen Repetierenden leistungsmäßig

hinter die regulär promovierten Kinder zurückfallen.

Dies bestätigt auch die Studie

von Bless et al. (2004). Werden die Repetierenden

mit den neuen Mitschülerinnen

und Mitschülern verglichen (Same-Grade-

Vergleich), schneiden sie generell besser ab

als im Vergleich zu den ehemaligen Mitschülerinnen

und Mitschülern (Same-Age-

Vergleich), was vermutlich auf das höhere

Alter und auf das erneute Lernen des gleichen

Inhalts zurückzuführen sein dürfte.

Die Betrachtung der Ergebnisse bezüglich

der Wirksamkeit der Klassenwiederholung

auf die schulische Leistung weist insgesamt

darauf hin, dass diese Maßnahme nicht die

erwünschte Wirkung zu erbringen scheint.

Besorgniserregend scheint insbesondere

die Langzeitwirkung zu sein. Die Repetition

wird zudem zu einem wichtigen Prädiktor

für einen späteren negativen Verlauf

der Schulkarriere (zum Beispiel erhöhte

Selektion in Schultypen mit geringerem

Anspruchsniveau).

Eine Klassenwiederholung

stört die sozial-emotionale

Entwicklung nicht

Welche Konsequenzen hat eine Repetition

bezüglich der sozialen und emotionalen

Entwicklung der betroffenen Kinder? Die

Studie von Bless et al. (2004) belegt, dass

der erneute Besuch der zweiten Klasse

für die Repetierenden zur Folge hat, dass

sie im Vergleich zu den leistungsschwachen,

aber promovierten Kindern kurzfristig

eine höhere Beliebtheit, ein höheres

Begabungskonzept bezüglich ihrer


Untersuchungsergebnisse zeigen: Im Primarbereich sind Klassenwiederholungen nicht geeignet, um Schulschwierigkeiten zu begegnen.

schulischen Leistungen und eine größere

Schullust aufweisen (Same-Age-Vergleich).

Allerdings baut sich dieser positive Effekt

innerhalb eines Schuljahres wieder

ab. Vor dem Repetitionsentscheid weisen

die Repetierenden im Vergleich zu

den leistungsschwachen Promovierten

in den genannten Bereichen ungünstigere

Werte auf. Bis zum Ende der dritten

Klasse bestehen diesbezüglich keine Unterschiede

mehr (Same-Grade-Vergleich).

Anzumerken bleibt, dass der internationale

Forschungsstand in diesem Bereich

sehr heterogen ist. So findet man Studien,

die positive und solche die negative

Wirkungen auf das Begabungskonzept

nachweisen können.

Die Entscheidung für eine Klassenwiederholung

hängt nicht primär von den tatsächlichen

Schulleistungen ab, sondern zu

einem wesentlichen Teil von den Einschätzungen

und Einstellungen der Lehrpersonen.

Bei der Schulleistungsentwicklung sind

kurz- und mittelfristig sowohl positive als

auch negative Ergebnisse zu beobachten.

Längerfristig muss allerdings von einer ungenügenden

Wirksamkeit der Klassenwie-

derholung ausgegangen werden. Keine negativen

Konsequenzen hat diese Studie für

die soziale und emotionale Entwicklung der

Kinder aufgezeigt. Die ausgeführten Untersuchungsergebnisse

legen nahe, dass sich

insgesamt nicht die erwünschten positiven

Wirkungen nachweisen lassen. Aus diesem

Grund kann die Klassenwiederholung aus

pädagogischer Sicht nicht die geeignete

Maßnahme sein, um Schulschwierigkeiten

wirksam begegnen zu können. Zudem widerspricht

sie dem Gedanken der integrativen

Schulung.

Marianne Schüpbach, Professorin an der

Universität Bern, Institut für Erziehungswissenschaft,

marianne.schuepbach@edu.unibe.ch

Literatur

• Gérard Bless, Marianne Schüpbach,

Patrick Bonvin, Klassenwiederholung.

Determinanten, Wirkungen und Konsequenzen.

Bern, Haupt Verlag, 2004.

• Jean-Jacques Paul, Le redoublement: pour

ou contre? Paris, Editions ESF, 1996.

• Marianne Schüpbach, Außerfamiliale

Bildung und Betreuung im Vorschulund

frühen Schulalter. In: Beiträge zur

Lehrerbildung. Zeitschrift zu Theorie

und Praxis der Aus- und Weiterbildung

von Lehrerinnen und Lehrern, 24. Jahrgang,

Heft 2, 2006, S. 158–164.

• Ellen M. Tomchin, James C. Impara,

Unraveling teachers’ beliefs about grade

retention, In: American Educational

Research Journal 29, 1992, S. 199–223.

Seminar 14.14

Lernberatung in der Oberschule

für 20 Lehrpersonen der Oberschule, Mitarbeiter/innen im ZIB, Vertrauenslehrpersonen

Schwerpunkt: Falsche Schule? Null Bock auf Lernen? Leistungsängste? Lernberatung

gewinnt auch in der Oberschule zunehmend an Bedeutung. Gespräche mit jungen

Erwachsenen sollen Orientierung geben und Wege in die Eigenverantwortung aufzeigen.

Referent: Renè Reichel

Am 24. und 25. Februar 2011, im Bildungshaus Lichtenburg, Nals

Anmeldung über das Kursprogramm „Athena“

Jänner 2011

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Hält doppelt besser?

Klassenwiederholungen in Grund- und Mittelschule problematisch

Wenn in Schulen besonders hitzig diskutiert

wird, wenn Emotionen die Regie

übernehmen und rationales Argumentieren

ins Hintertreffen gerät und wenn

schließlich immer öfter die Verwaltungsgerichtsbarkeit

und Rechtsanwälte bemüht

werden, geht es nicht selten um

Klassenwiederholungen.

Die Tatsache, dass dieses Thema als besonders

brisant empfunden wird, ist darauf

zurückzuführen, dass es in einem der

großen Dilemmatafelder angesiedelt ist,

die die Schule charakterisieren. Schule soll

einerseits fördern, andererseits hat sie einen

gesellschaftlichen Selektionsauftrag zu

erfüllen, der an Berechtigungen, Zeugnisse,

Diplome gekoppelt ist. Angesichts dieses

unlösbaren Widerspruches verstricken sich

direkt Beteiligte immer wieder in heftig ausgetragenen

Grundsatzkonflikten.

Klasse wiederholen:

kurzfristig von Vorteil,

langfristig ein Nachteil

Einen verführerisch logisch klingenden

Ausweg aus diesem Dilemma bietet das

Argument, das von Klassenräten häufig

ins Feld geführt wird, wenn eine Klassenrepetition

vorgeschlagen wird: „Die Klassenwiederholung

geschehe zugunsten der

zurückgesetzten Schülerin oder des zurückgesetzten

Schülers. Es würde so die Gelegenheit

geboten, Versäumtes nachzuholen.

Die Wiederholung ist eine Gelegenheit, in

einer neuen Klassengemeinschaft positive

Lernerlebnisse zu erfahren, da Repetenten

nun einen gewissen Bildungsvorsprung hätten.“

Diese und ähnliche, meistens in gutem

Glauben gemachten Einschätzungen,

18 Jänner 2011

dienen nicht selten zur Rechtfertigung von

Klassenwiederholungen.

Die große Mehrheit der empirischen Forschungen

auf diesem Gebiet hat allerdings

das Gegenteil bewiesen. Abgesehen von

wenigen Sonderfällen ist längst ausgiebig

belegt, dass Klassenwiederholungen, vor

allem im Pflichtschulbereich, manchmal

kurzfristige Vorteile, immer aber mittel-

und langfristig gesehen nur Nachteile für

den betroffenen Schüler oder die betroffene

Schülerin bringen.

Durchfallquoten an Schulen

verschieden

Wie sehen nun die Zahlen bezüglich der

Klassenrepetitionen an Südtiroler Grund-

und Mittelschulen aus? Grundsätzlich ist

festzuhalten, dass die Gesamtzahlen tröstlich

sind und diesen Erkenntnissen Rechnung

tragen (siehe Grafik). Vor allem an

den Grundschulen sind Klassenwiederholungen

sehr selten. Dazu trägt wohl auch

die Rechtslage bei, die vorsieht, dass die

Maßnahme einer Klassenwiederholung nur

mit dem Einverständnis aller Mitglieder eines

Klassenrates getroffen werden kann. Auch

in den meisten Mittelschulen des Landes

liegen die Klassenwiederholungen in einem

unbedenklichen Bereich. In vielen Schulen

liegt der Prozentsatz nahe bei null.

Allerdings gibt es verstreut im Lande einige

Schulen, die sich in den Durchfallquoten

erheblich von den anderen unterscheiden.

In einigen dieser Mittelschulen lag in den

letzten vier Jahren die Klassenrepetitionsquote

nahe bei 20 Prozent. Diese Unterschiede

lassen sich sicher nicht mit den

Schülerleistungen erklären. Einige dieser

„Ausleseschulen“ liegen im ländlichen Be-

reich, nur wenige Kilometer entfernt von

Schulen, deren Durchfallquote nahe bei

null liegt. Man kann also keinesfalls davon

ausgehen, dass es sich um Schulen handelt,

die im „sozialen Brennpunkt“ operieren.

Die soziale Hintergrundstruktur der

Schülerpopulationen ist vollkommen homogen.

Entscheidend ist also vielmehr die

Überzeugung von Lehrerschaften, dass die

Klassenwiederholung ein probates Mittel

für das Beheben von Lernproblemen sei.

Ähnliche Situationen finden sich aber auch

in Südtiroler Städten wieder.

Auffallend ist weiters, dass an Mittelschulen

mit hoher Durchfallquote auch das

Phänomen der Mehrfachwiederholungen

beobachtbar ist. Schüler werden nicht einmal,

sondern mehrere Male zurückgestellt.

Eine vollkommen inakzeptable Strategie,

denn damit verbaut man diesen Schülerinnen

und Schülern auf Dauer den Weg

in die Zukunft. Hier scheint nur eine Lösung

auf gesetzlichem Weg Abhilfe schaffen

zu können.

Frühzeitig fördern beugt vor

Zusammenfassend lässt sich festhalten,

dass in der „ewigen Diskussion“ pro und

contra Klassenwiederholungen vor allem

für den Pflichtschulbereich die Klassenrepetition

als Maßnahme bei Lernschwierigkeiten

sehr problematisch erscheint. Im

Umkehrschluss heißt das allerdings nicht,

dass alle Schulen zur „Durchwinkinstitution“

mutieren sollen. Vor allem auch deshalb

nicht, da noch geklärt werden muss,

wie in der Sekundarstufe II mit der (zu)

hohen Durchfallquote, vor allem im Biennium,

umgegangen werden soll, wie der

Übergang lernförderlicher gestaltet wer-


den kann, welche Strategien und Ressourcen

notwendig sind, um dieser Problematik

sinnvoll zu begegnen. Eine Lösung, die

jetzt schon praktikabel erscheint, ist die

frühzeitige Diagnose, wenn sich Schwierigkeiten

abzeichnen, und entsprechende

Fördermaßnahmen. Die Ressourcen dafür

ergäben sich durch das erhebliche Einsparungspotenzial,

wenn sinnlose Klassenwiederholungen

wegfallen würden.

Schulstufe/Klassenstufe Schuljahr 2008/2009 Schuljahr 2009/2010

1. Klasse Grundschule 99,46% 99,51%

2. Klasse Grundschule 99,44% 99,66%

3. Klasse Grundschule 99,75% 99,83%

4. Klasse Grundschule 99,81% 99,95%

5. Klasse Grundschule 99,67% 99,79%

1. Klasse Mittelschule 96,91% 96,79%

2. Klasse Mittelschule 97,41% 97,77%

Helmuth Mathà, Inspektor für die Unterstufe,

Schulentwicklung und Fortbildung

Helmut.Matha@schule.suedtirol.it

3. Klasse Mittelschule 96,84% 97,12%

1. Klasse Oberschule 81,09% 80,26%

2. Klasse Oberschule 90,39% 89,03%

3. Klasse Oberschule 91,98% 93,40%

4. Klasse Oberschule 95,85% 96,17%

5. Klasse Oberschule 99,16% 97,29%

100%

80%

60%

40%

20%

0%

Quelle: Deutsches Schulamt

1. Klasse

Grundschule

2. Klasse

Grundschule

Grafik: Werner Clara

3. Klasse

Grundschule

Erfolgsqouten an den deutschsprachigen Schulen in Südtirol

ohne externe Kandidaten und Kandidatinnen der Abschlussprüfungen

Schuljahre 2008/2009 und 2009/2010

Erfolgsquoten an den deutschsprachigen Grund-, Mittel- und Oberschulen

(ohne externe Kandidatinnen und Kandidaten der Abschlussprüfungen)

Schuljahre 2008/2009 und 2009/2010

4. Klasse

Grundschule

5. Klasse

Grundschule

Erfolgsqouten an den deutschsprachigen Schulen in Südtirol

ohne externe Kandidaten und Kandidatinnen der Abschlussprüfungen

Schuljahre 2008/2009 und 2009/2010

Schulstufe/Klassenstufe Schuljahr 2008/2009 Schuljahr 2009/2010

1. Klasse Grundschule 99,46 % 99,51 %

2. Klasse Grundschule 99,44 % 99,66 %

3. Klasse Grundschule 99,75 % 99,83 %

4. Klasse Grundschule 99,81 % 99,95 %

5. Klasse Grundschule 99,67 % 99,79 %

1. Klasse Mittelschule 96,91 % 96,79 %

2. Klasse Mittelschule 97,41 % 97,77 %

3. Klasse Mittelschule 96,84 % 97,12 %

1. Klasse Oberschule 81,09 % 80,26 %

2. Klasse Oberschule 90,39 % 89,03 %

3. Klasse Oberschule 91,98 % 93,40 %

4. Klasse Oberschule 95,85 % 96,17 %

5. Klasse Oberschule 99,16 % 97,29 %

1. Klasse

Mittelschule

2. Klasse

Mittelschule

3. Klasse

Mittelschule

1. Klasse

Oberschule

2. Klasse

Oberschule

Schuljahr 2008/2009

Schuljahr 2009/2010

3. Klasse

Oberschule

4. Klasse

Oberschule

5. Klasse

Oberschule

Jänner 2011

19


Nicht versetzt – was bringt’s?

Wie Klassenwiederholungen erlebt werden

Eine Klasse zu wiederholen ist für alle

Beteiligten eine besondere Situation.

INFO hat sich bei Schülerinnen und

Schülern, Lehrerinnen und Lehrern,

Schulführungskräften, Eltern und Beraterinnen

umgehört.

Zweimal auf Maturareise

Im ersten Moment war ich enttäuscht, als

ich erfuhr, dass ich nicht zur Matura zugelassen

werde. Vorher hatten mir noch einige

Lehrpersonen zugesagt, dass ich zur

Matura antreten könne. Aber ich habe mich

bald damit abgefunden, und es hat mich

auch nicht länger gestört. Die Klasse zu

wiederholen war schlussendlich eine gute

Erfahrung. Das Beste daran war, dass ich

zweimal auf Maturareise war.

Stefan Waldthaler, Student

Reibungsloser zweiter Anlauf

Ich musste die erste Klasse Grundschule

wiederholen. Dabei hatte ich keine besonders

negativen Empfindungen, denn

ich war das gesamte Schuljahr über krank

und längere Perioden vom Unterricht abwesend.

Als der Lehrer mir mitteilte, ich

müsse die Klasse wiederholen, habe ich dies

hingenommen und es fiel mir auch nicht

besonders schwer, da ich wegen meiner

Krankheiten keine engeren Kontakte zu

meinen Mitschülerinnen und Mitschülern

knüpfen konnte. Der zweite Anlauf verlief

dann reibungslos.

Bernhard Baur, Händler

20 Jänner 2011

Eine Lehre fürs Leben

Ich habe eine turbulente Oberschulkarriere

hinter mir. Als schwer verdaulicher und verdauender

Schüler kämpfte ich mich kompromisslos

und unverstanden durch die

Oberschuljahre. Nach zweimaliger Nichtversetzung

habe ich nach einem „Nicht

reif“ bei der Maturaprüfung die Schule geschmissen.

Keiner hat mich gefragt, weder

in der Schule noch zu Hause, ob ich die

Klasse nicht wiederholen will oder was die

Gründe für mein Verhalten in der Schule

sind. In späteren Jahren wurde mir bei

Begegnungen mit ehemaligen Professoren

erklärt, die Prüfungskommission wollte mir

eine Lehre fürs Leben geben.

Heute wird wohl etwas sanfter mit den

Schülerinnen und Schülern umgegangen.

Dennoch beobachte ich, dass „schwierige

Fälle“ immer eine Herausforderung sind.

Dort kann es sich zeigen, ob eine Lehrkraft

kompetent ist, ob Klassenrat, Direktor,

Schule und Eltern bereit sind zu sehen, zu

hören, kreativ zu handeln, um gemeinsam

eine angemessene und möglichst individuelle

Unterstützung und Lösung zu finden.

Andreas Unterholzner, Gitarrenlehrer

Schwierige Kommunikation

im Elternhaus

Als Mutter und Lehrerin fragt man sich,

woran es liegt, dass der eigene Sohn beim

Lernen unmotiviert ist. Eine brenzlige Beziehung

entsteht. Das Wiederholen der

Klasse war für mich nicht so schlimm, eher

die eingefahrene und schwierige Kommunikation

in dieser Zeit zu Hause. Heute:

Schwamm drüber.

Astrid Kratzik, Lehrerin, Grundschule

Schule aktiv oder passiv

verweigern

Werden wir als Schulberaterinnen mit dem

Thema Schulverweigerung konfrontiert,

geht es in einem ersten Moment darum zu

erkennen, warum eine Schülerin oder ein

Schüler passiv oder aktiv die Schule verweigert.

Die Gründe hierfür können sowohl

beim Schüler oder bei der Schülerin

selbst als auch im familiären oder schulischen

Umfeld liegen. Um den Betreffenden

helfen zu können, ist es notwendig,

im systemischen Sinn alle Faktoren zu berücksichtigen

und gegebenenfalls für eine

Differentialdiagnostik (Schulunlust – Schulangst

– Schulphobie) weitere Fachdienste

mit einzubeziehen.

Evelyn Matscher, Schulberaterin

Für alle Beteiligten

unangenehm

Wenn Schülerinnen und Schüler am Ende

des Schuljahres das Klassenziel nicht erreichen,

so ist dies für alle Beteiligten unangenehm:

Die direkt Betroffenen sind traurig,

die Eltern sind enttäuscht und die Lehrerinnen

und Lehrer müssen eine schwere

Entscheidung treffen. Trotzdem hat mir

die Erfahrung gezeigt, dass eine Klasse zu

wiederholen sehr oft Wunder bewirken

kann. Für einige ist es eine Orientierungshilfe,

andere werden wach gerüttelt, wieder

andere gewinnen an Selbstvertrauen

und die Leistungen steigen und bei manchen

bewirkt es sogar ein „Jetzt erst recht!“

Martin Kaserer, Lehrer, Oberschule


Habe mich selbst enttäuscht

Für mich war die Klassenwiederholung

sehr schlimm. Mir kam es vor, als hätte

ich nicht nur meine Familie und Freunde

enttäuscht, sondern an erster Stelle mich

selbst. Ich hatte große Probleme, mich in

der neuen Klassengemeinschaft zurechtzufinden.

Ich finde, dass im Jugendalter schon

ein Jahr ein großer Altersunterschied sein

kann. Mittlerweile sehe ich die Schule als

einen Ort, wo ich für meine Zukunft arbeite

und nicht als einen Ort, um Freunde

zu treffen und Spaß zu haben. Mir ist ein

guter Schulabschluss sehr wichtig und ich

bin deshalb irgendwie froh, dass ich die

Klasse wiederholen musste, so habe ich

die Augen geöffnet und mir ist nun klar,

dass ich zu meinem Lernerfolg beitragen

muss. Klassenwiederholung kann Neuanfang

sein, eine zweite Chance. Andererseits

wird man aus seinem sozialen Umfeld

herausgerissen, das nimmt einem die

Sicherheit. Das Selbstvertrauen ist am Boden

und muss neu aufgebaut werden. Das

Wichtigste ist positives Denken.

Mara Laner, Schülerin, Oberschule

Realistische Einschätzung

bei Lernstörungen

In der Integrationsberatung erfahre ich

immer wieder, dass für Schülerinnen und

Schüler mit Lernstörungen Klassenwiederholungen

und Schulabbrüche in der Ober-

schule eine schmerzhafte Erfahrung sind.

Um das zu verhindern, ist eine realistische

Einschätzung der Erwartungen von Lernenden

an die weiterführende Bildungsinstitution

und das Anforderungsprofil des Berufes

besonders wichtig. Die frühzeitige integrative

Berufsorientierung und die Erstellung

eines persönlichen Lebensentwurfs können

den individuellen Prozess eines Schülers,

einer Schülerin mit Lernstörungen unterstützen.

Diese Orientierungsmaßnahmen

sollten unter Berücksichtigung der individuellen

Voraussetzungen und unter Einbezug

des familiären Umfeldes erfolgen.

Die intensive Auseinandersetzung mit begleitenden

Lehrpersonen und die Zusammenarbeit

mit institutionellen Kooperationspartnern,

wie zum Beispiel weiterführende

Schule, Berufsberatung, Integrationsberatung,

Dienste und Fachpersonen,

sind notwendig und hilfreich. Ausgehend

von den Stärken, Fähigkeiten, Neigungen

und Interessen der Schülerin, des Schülers

kann mit der Orientierung bereits in der

2. Klasse Mittelschule begonnen werden.

Dazu gibt es den Orientierungskoffer für

die Mittelschule, ausgestattet mit einem

Konzept und Arbeitsblättern zur integrativen

Berufsorientierung.

Rosemarie Schenk, Integrationsberaterin

Eine „Ehrenrunde“ drehen

Er war einer meiner besten Schüler und wir

standen anlässlich des Maturaessens gerade

gemütlich beisammen, als er meinte: „Das

Beste war, dass ich in der ersten Klasse Oberschule

einmal eine ‚Ehrenrunde’ drehen musste.

Da habe ich verstanden, dass ich meine

Einstellung völlig ändern muss, wenn ich im

Leben etwas erreichen will.“ Die Matura

hat er kurz darauf mit Bravour bestanden.

Diese Episode erzählte ich später öfters,

wenn es zusammen mit Eltern um die schwierige

Entscheidung ging, einen Schüler oder

eine Schülerin ein Jahr wiederholen zu lassen.

Womit ich mich zu jenen bekenne, die

meinen, dass diese Entscheidung in manchen

Fällen sinnvoll ist. Und zwar aus einer ganz

bestimmten pädagogischen Haltung heraus:

Ich glaube einfach nicht daran, dass immer

nur die Schule schuld ist, wenn Schülerinnen

und Schüler für sie gesteckte Ziele nicht erreichen,

und ich glaube ebenso wenig daran,

dass junge Menschen zu starken, eigenverantwortlichen

Persönlichkeiten werden

können, wenn man sie immer nur mit Samthandschuhen

anfasst.

Neben einer festen Überzeugung für moderne,

kompetenz- und schülerorientierte

Didaktik, halte ich es – ganz unzeitgemäß –

mit so etwas wie Einsatz, Fleiß und Leistung.

Wenn diese „Werte“ in einer Schule nicht

mehr gelten, verkommt sie zu einem Animationsbetrieb

und man macht sie über kurz

oder lang kaputt. Schülerinnen und Schüler

sollen das in einer Schule „mitbekommen“,

auch in der letzten Konsequenz, die hier zur

Debatte steht.

Christian Walcher, Direktor

Jänner 2011

21


Die Schülerbewertung

Gesetzliche Bestimmungen und weitere Rechtsquellen

Die Schülerbewertung ist eine Pflicht der

Lehrpersonen und ist schon in sehr frühen

gesetzlichen Bestimmungen verankert. Im

königlichen Dekret Nr. 625 aus dem Jahre

1925 ist beispielsweise davon die Rede,

dass sich die Klassenräte am Ende der

einzelnen Bewertungsabschnitte zusammenfinden,

um Leistung (profitto) sowie

Mitarbeit und Fleiß (diligenza) von Schülerinnen

und Schülern zu bewerten, wobei

sich diese Bewertungen auf eine angemessene

Anzahl von Leistungsnachweisen

zu stützen hat. Auch die Bewertung des

Verhaltens von Schülerinnen und Schülern

geht auf diese Rechtsquelle zurück; ebenso

deren Bewertung mit verschiedenen

Bewertungsformen (schriftlich, mündlich,

praktisch) während des Schuljahres und

mit einer einzigen „Note“ am Ende des

Schuljahres. In dieser Rechtsquelle sind aber

nicht nur die Regeln der Schülerbewertung

grundgelegt, auch besondere Bewertungen

sind darin angeführt: Abschlussprüfungen

(esami di licenza); Eignungsprüfungen (esami

di idoneità); Befähigungsprüfungen (esami

di abilitazione) und Nachprüfungen (esami

di riparazione).

Während in der Oberschule die Bewertung

der Leistungen der Schülerinnen und

Schüler überwiegt, spielt im Pflichtschulbereich

die Schülerbeurteilung auch nach

den jüngsten gesetzlichen Entwicklungen

im Bereich der Schülerbewertung eine größere

Rolle: Es wird mehr Augenmerk auf

die Persönlichkeit, auf das Arbeitsverhalten,

auf den Lernfortschritt, auf Haltungen und

auf den allgemeinen Reifegrad von Schülerinnen

und Schülern gerichtet.

22 Jänner 2011

Die geltenden Bestimmungen

Die Bewertung der Schülerinnen und Schüler

der Grund- und Mittelschulen ist derzeit

im Beschluss der Landesregierung

vom 12. Oktober 2010 geregelt. Genannter

Beschluss wurde in Durchführung des

Landesgesetzes vom 16. Juli 2008, Nr. 5

(Allgemeine Bildungsziele und Ordnung

von Kindergarten und Unterstufe) gefasst

und entspricht, mit kleinen Abweichungen,

auch der Bewertung der Schülerinnen und

Schüler auf staatlicher Ebene.

Grund- und Mittelschule

Sowohl in der Grund- als auch in der

Mittelschule bewerten die jeweils zuständigen

Lehrpersonen und externen

Fachleute individuell die Lernprozesse

und Leistungen der Schülerinnen und

Schüler in allen Fächern und Tätigkeiten

und halten diese in den Lehrerregistern

fest. Am Ende des ersten Semesters

und am Ende des Schuljahres

werden die Schülerinnen und Schüler

dann von den Klassenräten bewertet.

Während die Religionslehrpersonen den

Klassenräten, die unter dem Vorsitz der

Schulführungskräfte zusammenkommen,

von Amtswegen angehören, übermitteln

die Lehrpersonen im Wahlpflicht-

und Wahlbereich dem Klassenrat in der

Regel die eigenen Beobachtungen und

Bewertungen in schriftlicher Form und

nehmen nicht an der Bewertungssitzung

teil. Am Ende des ersten Semesters und

des Schuljahres erfolgt die Bewertung mit

Ziffernnoten; im Wahlpflicht- und Wahlbereich

ist die Bewertung auch durch die

Angabe einer Niveaustufe wie „erreicht“,

„teilweise erreicht“ und „nicht erreicht“

möglich. Zusätzlich zur Bewertung der

Fächer und Tätigkeiten der Schülerinnen

und Schüler mit Ziffernnoten ist sowohl

in der Grundschule als auch in der Mittelschule

eine allgemeine Beschreibung

der Lernentwicklung vorgesehen.

Am Schuljahresende erhalten die Schülerinnen

und Schüler das Zeugnis. Während

die Schülerinnen und Schüler der

Grundschule nur in besonderen Ausnahmefällen

nicht in die nächste Klasse versetzt

werden können, bedarf es in der

Mittelschule einer positiven Bewertung

in allen Fächern, um in die nächste Klasse

versetzt oder zur Abschlussprüfung der

Unterstufe zugelassen zu werden. Als

weitere Besonderheit der Mittelschule

ist vorgesehen, dass die Schülerinnen

und Schüler mindestens 75 Prozent

Schulbesuch aufweisen müssen, um am

Ende des Schuljahres überhaupt bewertet,

und somit auch in die nächste Klasse

versetzt oder zur Abschlussprüfung

der Unterstufe zugelassen zu werden.

Die staatliche Abschlussprüfung der Unterstufe

wurde um die „gesamtstaatliche“

Prüfung, das ist eine auf dem gesamten

Staatsgebiet einheitlich vorgeschriebene

schriftliche Prüfung, erweitert. Neu

ist die Ermittlung der Gesamtnote der

Abschlussprüfung: Zunächst wird der

Mittelwert aus der Zulassungsnote, den

schriftlichen Prüfungen und dem Prüfungsgespräch

gebildet und der so erlangte

Quotient sodann auf- oder abgerundet.


Oberschule

Die Bewertung der Leistungen und des

Verhaltens der Schülerinnen und Schüler

der Oberschulen erfolgt seit Jahrzehnten

mit Ziffernnoten. Wie in der Mittelschule

bedarf es auch in der Oberschule einer

positiven Bewertung in allen Fächern, um

in die nächste Klasse versetzt oder zur

Abschlussprüfung der Oberschule zugelassen

zu werden. Dabei gilt jedoch eine

Sonderregelung, die darin besteht, dass

der Klassenrat am Schuljahresende im Juni

trotz negativer Bewertung einzelner Fä-

cher das Gesamturteil (Versetzung, Nichtversetzung)

aussetzt, um den betroffenen

Schülerinnen und Schülern während der

Sommermonate die Möglichkeit einzuräumen,

die Lerndefizite aufzuholen und dies

anfangs September im Rahmen einer Prüfung

aufzuzeigen. In der Oberschule kann

auch die negative Bewertung des Verhaltens

– sie wird allerdings nur in ganz besonders

schwerwiegenden Fällen ausgesprochen

– zur Nichtversetzung in die nächste

Klasse oder Nichtzulassung zur staatlichen

Abschlussprüfung der Oberschule führen.

Besondere Bestimmungen sind für die Eig-

nungs- und Ergänzungsprüfungen, für die

Fachprüfungen an den Lehranstalten und

insbesondere für die staatliche Abschlussprüfung

der Oberschulen vorgesehen.

Auch in der Oberschule wird die Schülerbewertung

aufgrund des Landesgesetzes

vom 24. September 2010, Nr. 11 (Die

Oberstufe des Bildungssystems des Landes

Südtirol) in Kürze mit Landesregierungsbeschluss

neu geregelt werden.

Albrecht Matzneller

Direktor im Amt für Verwaltung des Lehrpersonals

Albrecht.Matzneller@schule.suedtirol.it

Jänner 2011

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