LICHTB LICKE - Birseck Magazin

birseckmagazin.ch

LICHTB LICKE - Birseck Magazin

LICHTBLICKE

Zeig mir den Platz an der Sonne,

wo auch der Schatten dich verwöhnt.

Ausgesucht und beschrieben von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des BirseckMagazins; Fotos: Werner Thüring

Panta rhei – alles fliesst

Christine Amrhein Loosli, freischaffende Journalistin, am

Rhein auf der Brücke beim Kraftwerk Birsfelden.

Rheinabwärts erinnert mich der Blick auf Basel an die erste Begegnung

mit dieser Stadt. Da ich in Frankreich aufgewachsen bin und

wir die Ferien vorwiegend in den Schweizer Bergen verbrachten,

verband ich mit der Heimat eine Heidi-Idylle. Ich war wohl etwa

zwölf Jahre alt, als ich meinen Götti – ein Basler mit Leib und

Seele – zum ersten Mal besuchte. Mit der Münsterfähre überquerten

wir den Rhein. Ich war vom Anblick Basels so hingerissen,

dass ich gesagt haben soll: «Wenn ich jemals in der

Schweiz leben müsste, dann in Basel.» Dieser Wunsch hat sich

erfüllt und es wurde kein Müssen.

Manchmal schaue ich in die schäumenden Strudel und gebe den

Wogen Seelensplitter mit auf die Reise in die Weite des Nordens.

Nur wenige Jahre habe ich hinter den Deichen gelebt, aber die Sehnsucht

nach dem unendlichen Himmel, dem Wind ist geblieben.

Dort oben ist die Sonne ein eher seltener Gast, aber dem melancholischen

Charme der Nebelschwaden, die wie Laken über das

Moor streichen, konnte ich mich nur schwer entziehen. Und wenn

dann die Sonne kommt, dann explodiert der Himmel in Bläue,

die nasse Weite der Moore taumelt im Licht, saugt sich voll mit

tausend Spiegeln, als ob der Himmel auf Erden gefallen wäre.

Natürlich gleitet mein Blick auch rheinaufwärts, meine Gedanken

schweifen ins Fricktal, wo ich nahezu die Hälfte meines Lebens

verbracht habe. Freundliche Städtchen säumen die Ufer, an die

sanften Hügel schmiegen sich Reben, Kirschbäume wirken wie verstreute

Blumensträusse an den Hängen. Jedes Dorf hält ein «Weisst

du noch» für mich bereit, jeder Weg hat seine Geschichte.

Alles fliesst: Von Heidis Maienfeld über das Fricktal, Basel bis zur

Nordsee. Das Kraftwerk: Eine Brücke über den Fluss.

Energie tanken mitten in der Stadt

Hans Peter Frey, freischaffender Journalist, im Botanischen

Garten der Universität Basel.

Einen Lieblingsplatz an der Sonne sollen wir beschreiben, so

lautet der Auftrag. Da muss ich nicht lange überlegen: Der

Botanische Garten der Universität Basel, gleich beim Spalentor,

verdient dieses Prädikat wie wenig andere Orte. Aus meiner Sicht

natürlich. Und darum gehts ja.

Wie oft habe ich diese grüne Oase inmitten der Stadt Basel besucht!

An guten wie in schlechten Tagen. Über Probleme nachgegrübelt.

Mein inneres Gleichgewicht wieder gefunden. Einer frohen Stimmung

freien Lauf gelassen. Oder mich ganz einfach an den Pflanzen

erfreut. Ich bin zu allen Jahreszeiten im Garten anzutreffen.

Nirgends ist der Frühling so schön und so gut zu spüren wie in der

Natur. Und da diese – sozusagen naturgemäss – in der Stadt nicht

so stark vertreten ist, freue ich mich immer wieder, dass es diesen

Ort gibt, in dem ich am Ende des Winters die ersten Anzeichen

des nahenden Frühlings beobachten kann. Wie aus dem kahlen

Boden von Woche zu Woche mehr Grün spriesst. Im Sommer lädt

der Botanische Garten zum «Sünnele» inmitten satten Grüns ein;

gleichzeitig lockt er aber auch mit kühlendem Schatten seiner

Bäume und Sträucher. Ein Spaziergang durch den Alpengarten gehört

zum «Pflichtprogramm». Steinböcke sieht man da zwar keine,

dafür aber fast sicher ein paar Eidechsen. Zieht der Herbst ins Land

und fehlt die Gelegenheit für eine Herbstwanderung – der Botanische

Garten zeigt den Wandel der Vegetation im Kleinformat und

bietet zudem einen passenden Rahmen für ein paar besinnliche

Momente. Im Winter schliesslich zieht es mich mehr ins Tropenhaus,

in dem man den Stadtlärm vollends vergessen und sich

herrlich aufwärmen kann. Und natürlich strahlt auch die Wintersonne

im Garten viel schöner als entlang der Strassen …

© BirseckMagazin Juni 2009, Seite 6


Idylle pur zwischen Stadt und Land

Andrea Bürki, freischaffende Journalistin, morgens im Merian

Park in der ehemaligen Grün 80 in Münchenstein.

Eigentlich kaum vorstellbar, dass es zwischen Münchenstein und

Basel, zwischen Zug und Tram, Fussballstadion und Autobahn

einen solchen Ort der Ruhe gibt. Einen idyllischen Ort inmitten

der grossartigen Natur, ein Fleckchen Erde, wo die Welt noch in

Ordnung scheint.

Schon der Fussweg über den schmalen, mit Holzschnitzeln ausgestatteten

Pfad lässt mich den Alltagsstress abschütteln. Hier

riecht es nach frischer Luft, nach duftenden Blumen und nach

Entspannung. Rechts von mir rauscht leise und bedächtig das

kleine Dalbe-Bächlein und am Ende des Weges lichten sich die

Bäume und geben den Blick auf Wiese und Weiher frei. Auf einer

Parkbank sitzend lese ich ein Buch. Zwischendurch beobachte

ich die Umgebung noch einmal intensiv, sehe Menschen, die es

mir gleichtun, Vögel, die zwitschernd von Baum zu Baum fliegen

und spüre den Windhauch auf meiner Haut. Das Wasser des Weihers

glitzert in der Morgensonne und eine Entenmutter, die mit

ihrer Jungmannschaft einen Ausflug gemacht hat, schnattert aufgeregt

vor sich hin. Hinter mir raschelt es im Unterholz und lässt

eine Maus vermuten und irgendwo in der Nähe klopft ein Specht.

Für einen Moment schliesse ich meine Augen und versuche diese

beruhigenden Bilder zu speichern, ja vielleicht hilft es mir in einer

stressigen Situation diesen Gedanken wieder aus meiner Erinnerung

zu holen.

Das Eintauchen in die Natur ist ein wahrer Genuss, ebenso diese

Momente der Ruhe und des Nichtstuns. Trotzdem, oder vielleicht

gerade deswegen, verführt mich dieser Ort auch immer wieder

zum Lesen. Es ist wunderbar, sich von diesem Plätzchen an

einen anderen Ort entführen zu lassen. Oftmals ist dann die Rückkehr

aus der Welt der Fantasie grausam, hier im Merian Park

werde ich aber von der Schönheit der Natur empfangen.

Der Weitblick weckt Träume

Werner Thüring, Herausgeber BirseckMagazin, auf der Ruine

Dorneck oberhalb von Dornach.

Es ist fast der perfekte Ort, hier oben zwischen den halb verfallenen

Mauern und unter dem Schatten spendenden Baum, um

abzuheben vom Alltag und die Seele baumeln zu lassen. Perfekt

wäre der Platz zuoberst auf der Ruine Dorneck, wenn die Motorengeräusche

von unten und von oben mich nicht ins akustische

Sandwich zwingen würden. Doch wenn ich an so einem gesegneten

Ort die Kamera in die Handhöhle lege und meinen Blick

durch den Sucher und das Objektiv richte, können mir unwillkommene

Geräusche die Glückseligkeit nicht mehr verderben.

Vor mir breitet sich das Birseck aus, vom verbliebenen Zahn der

Ruine Pfeffingen hinunter in die Ebene, dem Birslauf entlang über

die Reinacher Heide bis hin zum St. Jakob-Park. Die urbanen

Flächen verschmelzen zur Birsstadt. Zu meiner Linken überschreiten

am Horizont die Höhen des Blauen die Landesgrenze

ins Elsass. Im Dunst des Tages sind die Dörfer des hinteren Leimentals

nur schwer erkennbar. Weiter rechts schweift mein Blick über

die Stadt Basel bis ins südbadische Nachbarland. Ganz hinten am

Horizont starten und landen die Flugzeuge, als wollten sie mir

zurufen: «Komm mit – wir bringen dich in ferne Länder, lebendige

Städte oder an exotische Strände!» Fast schon wäre ich ins

Träumen verfallen, nur das Klicken des Auslösers hat mich in die

Realität zurückgeholt. Mein Blick richtet sich rückwärts. Zwischen

dem satten Grün der Bäume reckt die Gempenfluh ihr Haupt in

den Himmel. Dort oben auf dem gusseisernen «Gämpeturm» ist

der Weitblick noch imposanter.

In diesem Moment wird mir wieder einmal bewusst, wie vielfältig

unsere Region ist: die abwechslungsreiche Landschaft, die

vernetzten Dörfer, das umfangreiche Angebot der nahen Stadt.

Und wenn ich ab und zu dem Ruf des Fliegers folge, komme ich

immer wieder gerne zurück an die Birs und an den Rhein.

© BirseckMagazin Juni 2009, Seite 7

Weitere Magazine dieses Users
Ähnliche Magazine