Themenschwerpunkt: Forschungsprojekt - Netzwerk - Pflege und ...

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Themenschwerpunkt: Forschungsprojekt - Netzwerk - Pflege und ...

Kennzeichen der Niedrigschwelligkeit sind u.a. Flexibilität, unbürokratischer

Zugang, Alltagsnähe, räumliche und zeitlich leichte Erreichbarkeit, Offenheit und

Ausrichtung der Angebote für individuelle Bedarfe, biografischer Zugang,

Kombination von Komm- und Gehstrukturen, präventive Ausrichtung, vertrauliche

Information und Beratung sowie Vernetzung mit anderen Angeboten (Dumke,

2009).

Als Qualitätskriterien für die Niedrigschwelligkeit werden genannt:

� die Personenzentrierung, d.h. auf die Wünsche der Betroffenen und ihrer

Angehörigen einzugehen,

� das Angebot von Information und Beratung und

� eine „3-Z-Pflege“, d.h. Zuwendung, Zeit und Zärtlichkeit.

(Grond 2003 nach Dumke 2009)

Auch ohne Pflegestufe erhalten Demenzerkrankte bei erheblichem allgemeinem

Betreuungsbedarf seit dem 01.07.2008 100,00 €, bzw. 200,00 € pro Monat von

den Pflegekassen um z.B. niedrigschwellige Betreuungsangebote im häuslichen

Bereich in Anspruch nehmen zu können. (vgl. Niedersächsisches Ministerium

für Soziales, Frauen und Familie – Gesundheit und Integration)

Demenzerkrankte mit Migrationshintergrund

Bundesweit gibt es schätzungsweise 120.000 demenzerkrankte MigrantInnen (vgl.

Kaiser, 2009).

In Bezug auf die Inanspruchnahme der oben erwähnten niederschwelligen

Betreuungsangebote vermuten Hüper & Hellige (2011):

„Für dementierende MigrantInnen und ihre pflegenden Angehörigen können sich

das Erleben, der Umgang mit der Krankheit und damit die Inanspruchnahme von

niedrigschwelligen Angeboten aufgrund folgender Erkenntnisse noch schwieriger

gestalten“:

- Die Symptome werden nicht als Krankheit wahrgenommen, sondern als

normaler Alterungsprozess. Diese Attribuierung gelte nach ersten

wissenschaftlichen Ergebnissen insbesondere für das Schmerzerleben

(Hüper/Kerkow-Weil 2001: 287-304),

- Die Demenz setze ggf. früher ein (migrant healthy effect).

- Hausärzte diagnostizierten eine demenzielle Erkrankung ggf. nicht, aus

Unsicherheit, Angst vor hohen Kosten und Schamgefühlen (vgl. Piechotta

2009),

- Informationsdefizite existierten bezüglich der Leistungen der

Pflegeversicherung, u.a. auch Ängste, die Leistungsinanspruchnahme könnte

zu Kürzungen bei Hartz IV und der Rente führen.

NETZWERK PFLEGE- UND VERSORGUNGSFORSCHUNG, 2. AUSGABE JAN.2012 4

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