LINZ,SPEKTRUM - Stadt Linz

stadt.linz.at

LINZ,SPEKTRUM - Stadt Linz

LINZ,SPEKTRUM

Journalistische Streifzüge durch die Kulturhauptstadt Europas 2009

Ein Best-of des Journalistenpreises zur

Kulturhauptstadt Europas 2009

ISBN 978-3-200-01686-6


ISBN 978-3-200-01686-6

www.linz.at/tourismus


LINZ,

SPEKTRUM

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Linz.verändert,

Warum wurde gerade Linz an der Donau durch die Europäische Union zur

Kulturhauptstadt Europas 2009 gekürt

Eine Frage, die sich aufgrund des Industrieimages und etwas Linzer Torte, womit

man in weiten Teilen Europas Linz – wenn überhaupt – bislang verband,

berechtigt stellen konnte.

Aber auch im 21. Jahrhundert passieren – oft unbemerkt – Veränderungen.

Linz hat sich verändert, ist nicht von einer Industrie- zu einer Kulturstadt geworden,

sondern hat sich als Erfolgsmodell für die Verknüpfung von erfolgreicher

Industrie mit hoher kultureller und ökologischer Qualität entwickelt. Dies

macht eine Kulturhauptstadt Europas in unserer Zeit aus.

Die Politik, die Intendanz der Kulturhauptstadt und auch die Verantwortlichen

des Tourismus haben sich bemüht, Linz als ganzheitliche Stadt zu präsentieren.

Dies war auch Basis für die Philosophie des, vom Tourismusverband Linz

ausgeschriebenen, Journalistenwettbewerbes SPEKTRUM.

Die Medienresonanz und insbesondere die, von der Jury ausgezeichneten und

im vorliegenden Buch vorgestellten, Beiträge zeigen, dass dies gelungen ist.

Linz wurde nicht nur von den Verantwortlichen vor Ort, sondern auch von den

vielen Gästen und gerade von den Medienvertretern als veränderte Stadt im

positiven Sinn wahrgenommen.

Linz hat sich nicht verbogen und auch nicht auf eine vermeintliche Kulisse

reduziert, sondern sich authentisch präsentiert. Darin liegt die Faszination

dieser Stadt, die aufgrund der vielen neuen Kultureinrichtungen und auch

neuer Kulturformate den Schwung und die Anerkennung aus dem Jahr der

Kulturhauptstadt für die nächsten Jahre mitnehmen wird.

Linz wird sich als eine der interessantesten Städte Österreichs in den kommenden

Jahren weiterentwickeln. Gäste in Linz erleben die Faszination einer

erfolgreichen Stadt der Gegenwart und sind Teil eines Prozesses, der in der

Rückschau vielleicht einmal ähnlich „romantisierend“ bewertet wird, wie man

heute auf die Zeiten der Renaissance, der Romantik oder auf die goldenen

20er Jahre blickt.

Unser Dank gilt allen JournalistInnen, die so engagiert berichtet haben.

Unser Dank gilt den Mitgliedern der Jury und den beiden Damen, die für die

Konzeption und Realisierung stehen: Dr. Rosemarie Schuller und Mag. (FH)

Marion Schmiedinger.

Herzlich gratulieren wollen wir speziell jenen JournalistInnen, die von der

Jury am höchsten bewertet und deren Beiträge in diesem Buch veröffentlicht

wurden. Sie haben mit ihren Einreichungen am meisten überrascht, die beste

Zielgruppenwirkung erzielt, den Fokus auf Aspekte der Gegenwart gerichtet

und auf der Bühne Linz abgehandelt.

Lassen auch Sie sich bei der Lektüre dieser Beiträge auf „Linz.verändert,“ ein

und sich vielleicht auch selbst von den Veränderungsimpulsen anstecken.

Wir freuen uns auf Ihr Interesse an Linz auch nach dem großen Jahr der

Kulturhauptstadt Europas – seien Sie herzlich willkommen.

KR Manfred Grubauer

Vorsitzender Tourismusverband Linz

Georg Steiner

Tourismusdirektor Linz


Ich bin mit der Entwicklung die Linz in den letzten Jahren genommen hat,

sehr zufrieden und freue mich auf unsere Erfolge, auf die wir stolz sein können.

Heute wird Linz nicht mehr mit negativen Schlagzeilen wie in den 70er

und 80er Jahren assoziiert. In der österreichweiten und internationalen Meinung

hat sich Linz zu einer modernen Stadt mit Zukunft gewandelt. Dass das

auch so bleibt, ist nicht selbstverständlich. Wir werden uns nicht auf unseren

Lorbeeren ausruhen, sondern uns noch mehr anstrengen.

Franz Dobusch

Bürgermeister der Stadt Linz

Seit Beginn meiner Arbeit für Linz habe ich Tag für Tag all die Medienberichte

zur Kulturhauptstadt durchgesehen. Mit wachsendem Vergnügen – immer

deutlicher kam darin zum Ausdruck, was wir mit unserer Arbeit bewirken

wollten. Eine Stadt wurde entdeckt, die niemand so richtig kannte oder kennen

wollte. In vielen Erzählungen, Tipps, Bildern, Informationen und Anekdoten

ist Linz auf neue und oft überraschende Weise greifbar geworden.

Und nun, zum Ende des Kulturhauptstadtjahres, die Ernte der für den

Journalistenpreis eingereichten Beiträge, die sich liest wie eine Belohnung:

Mit großem Vergnügen finde ich darin jenes Linz, das den Autorinnen und

Autoren sowie unseren Gästen, aber auch mir selbst eine Heimat auf Zeit und

zur Wiederkehr geworden ist.

Martin Heller

Intendant Linz09

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Veränderung ist frei nach Friedrich von Schiller das Salz des Vergnügens.

Verändert hat sich Linz, unsere Stadt an der Donau, tatsächlich. Und dies

deutlich. Linz ist heute eine Stadt der Wirtschaft und Arbeit, der Wissenschaft

und Forschung, von Kultur und Tourismus.

Viele Menschen aus dem In- und Ausland haben die Ernennung von Linz

zur Kulturhauptstadt Europas zum Anlass genommen, sich 2009 von dieser

Veränderung selbst zu überzeugen, unter ihnen zahlreiche Delegationen

und Journalisten. Letztere haben ihre Eindrücke in Form von Berichten und

Reportagen mit unterschiedlichen Schwerpunkten nach ganz Europa hinaus

getragen. Unerheblich, ob dabei die Geschichte und die Tradition von Linz

oder Programmhöhepunkte des Kulturhauptstadtjahres im Vordergrund standen:

die ausgesprochen positive Berichterstattung der Medienvertreter war

augenscheinlich.

Der Tourismusverband Linz vergibt aus diesem Grund zum ersten Mal den

Journalistenpreis SPEKTRUM Linz09, durch den drei journalistische Werke

prämiert werden. Die begleitend dazu erschienene Publikation ermöglicht

den konzentrierten Blick auf diese besonderen, im Laufe des heurigen Jahres

veröffentlichten Artikel über unsere Kulturhauptstadt Europas Linz 2009.

Die Journalisten haben durch ihre Arbeit eine wichtige Botschaftertätigkeit

für unsere Stadt erfüllt. Als Tourismusreferent bedanke ich mich dafür sehr

herzlich und gratuliere den Preisträgern des SPEKTRUM Linz09.

Dr. Erich Watzl

Vizebürgermeister der Stadt Linz

Tourismus- & Kulturreferent der

Stadt Linz

Linz09: viele Seiten – viele Möglichkeiten

Linz ist Synonym für Technologie und zeitgenössische Kunst, hatte aber

vor 2009 noch nicht den Bekanntheitsgrad erlangt, der einer Stadt, die

internationale Kulturereignisse wie etwa eine Klangwolke hervorgebracht

hat, zusteht. Die einzigartige Chance der Kulturhauptstadt Europas hat Linz

genutzt, um kreatives Potenzial und Angebote von Kunst und Kultur in einem

großen Rahmen vorzustellen. Linz, Oberösterreich und somit auch Österreich

konnten sich damit hervorragend als Kulturregion im europäischen Raum

positionieren.

Die Verbindung von Industrie, Kultur und Natur gehört zu den Linzer

Besonderheiten. Linz ist aber noch viel mehr, und das wird in den Texten

spürbar. Diese sind ebenso vielfältig wie Linz selbst – und gehen alle (mehr

oder weniger intensiv) auf die vielen verschiedenen Seiten der heurigen

Kulturhauptstadt ein. Da wird mit Vorurteilen aufgeräumt und aus dem

Dornröschenschlaf geweckt. Beim Lesen erwacht die Lust, die Gesellschaft

hinter der Torte zu entdecken. Einige Texte lesen sich gar wie eine

Liebeserklärung an die Stadt an der Donau, die auch in den kommenden

Jahren ganz sicher viel zu bieten hat.

Die Breite der Berichterstattung und die Vielfalt der journalistischen Zugänge

auf das Thema Linz09 ist beachtlich. Das zeigt, wie mannigfaltig und fein

differenziert Linz09 konzipiert wurde und wie gut es gelungen ist, aus der

Vielzahl der gesetzten Initiativen ein feinmaschiges Netz zu weben, das die

Stadt Linz in seiner kulturellen Bedeutung abbildet.

Dr. Petra Stolba

Geschäftsführerin

Österreich Werbung

Mag. Siegmar Schlager

Geschäftsführer Falter

Verlagsgesellschaft mbH, Falter

Zeitschriften GesmbH, Wien

Bedingt durch das Engagement der voestalpine im Kulturhauptstadtjahr 2009

sind mir zwar viele Aktivitäten bekannt, dennoch habe ich beim Lesen der

Beiträge immer wieder Neues entdeckt.

Daher möchte ich besonders in diesem Zusammenhang den Journalisten

für ihre Arbeit gratulieren, da es ihnen gelungen ist, auch eine neue

und interessante Betrachtungsweise bestehender und zumeist auch

bekannter Themen darzustellen. Eine der wahrscheinlich schwierigsten

Herausforderungen bei touristischen Themen – die Überwindung des

Spannungsbogens zwischen touristischer Information und journalistischem

Unterhaltungswert – ist meines Erachtens hervorragend gelungen.

Gerhard Kürner

Leitung Corporate Communications

und Konzernsprecher voestalpine AG


Monika Maria Kalcsics

35 Jahre

Wien

ORF/Ö1

LINZ,

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Monika Kalcsics, Ö1 Ambiente

Linz – Kulturhauptstadt 2009.

1. Preis

Eine Neuentdeckung der

oberösterreichischen Landeshauptstadt

ANMODERATION: *

57 Prozent der Österreicher kennen

Linz kaum, belegt eine aktuelle

IMAS-Studie.

Linz kennen die meisten vom Linksliegenlassen

auf der Westautobahn

von Salzburg nach Wien.

Doch keine österreichische Stadt hat

sich in den letzten Jahrzehnten so

stark verändert wie Linz. Einst eine

unauffällige Handelsniederlassung

an der Donau, dann die Patenstadt

Hitlers, später Industriestandort mit

allen Lasten und Risiken, ist Linz

heute eine Stadt im Aufbruch, die

nach neuen Zielen sucht – eine

Stadt der Veränderung.

Linz09“ soll Teil dieses Prozesses

sein. Seit 1985 ernennt die Europäische

Union eine, seit 2005 zwei

oder mehrere europäische Städte

zur Kulturhauptstadt Europas.

Gemeinsam mit der litauischen

Hauptstadt Vilnius teilt sich Linz

dieses Jahr den Titel. Mit 220 Projekten

in 365 Tagen feiert sich die

oberösterreichische Landeshauptstadt

als Kulturmetropole.

ATMO: Durchsage Zug

„Wehrte Fahrgäste wir erreichen

in wenigen Minuten Linz

Hauptbahnhof, Kulturhauptstadt

2009...“

MOD:

Es ist nicht schwierig, die Kulturhauptstadt

zu finden. Man muss

nur stehen bleiben. Bitte nicht

durchreisen. Das haben schon so

viele zuvor getan. Mozart, Nestroy,

Andersen oder Qualtinger. 2009

schauen die Linzer selbstironisch auf

die gar nicht so gute alte Zeit zurück:

Im Stifter-Haus präsentieren sie bis

November unter dem Titel „Nur

durchgereist“ Briefe, Postkarten und

Reiseberichte, in denen berühmte

Besucher zumeist ihre Abneigung

gegenüber der Stadt an der Donau

bekunden. Also bitte aussteigen,

wenn der Zugschaffner durchsagt

Linz Kulturhauptstadt 2009“.

MUSIK: Attwenger

MOD:

So frech und rotzig wie sich die oberösterreichischen

Folk-Punk-Rock-

Hiphop-Electro-Attwenger durch die

Musikgenren bewegen, sie aufbrechen,

neu formulieren, miteinander

verbinden und haltlos experimentieren,

so intensiv arbeitet Linz seit gut

zwei Jahrzehnten daran sich neu zu

positionieren.

Als Linz09 befreit sich die oberösterreichische

Hauptstadt endgültig vom

Klischee der mittelgroß-mittelmäßigen

grauen Stahlstadt, scheut nicht

zurück vor der Konfrontation mit

den braunen Flecken der Stadtgeschichte

und besetzt das barocke

Stadtbild mit zeitgenössischer Kunst

im öffentlichen Raum.

Nach 48 Stunden Kulturhauptstadt

wird man nicht alles verstanden oder

gemocht haben, aber man wird auf

alle Fälle erstaunt abfahren.

ATMO: Taxi

MOD:

Bereits kurz nach der Ankunft

beim Blick aus dem Taxifenster

staunt man: Das soll Linz sein Der

Taxifahrer, der sich als Amaru aus

Nigeria vorstellt, aber lieber ohne

Mikrofon erzählt, findet, dass Linz

dank Kulturhauptstadt viel schöner

geworden sei. Seit zehn Jahren

wohnt er hier, aus Wien ging er

weg und aus Linz will er nicht mehr

weg. Linz habe jedoch kein Glück,

behauptet er, denn die Kulturhauptstadt

findet ausgerechnet in

der Wirtschaftskrise statt. Doch

die Touristiker sind zufrieden. Im

vorsaisonalen März hatte Linz ein

Übernächtigungsplus von 12 Prozent,

während Wien ein Minus von

15 Prozent einstecken musste.

ATMO: Taxi

MOD:

Amaru aus Nigeria lenkt durch Linz

wie ein Reiseleiter ohne, dass man

darum überhaupt bittet. In Vorbereitung

zum Kulturjahr hat die Stadt

die Taxifahrer Linz09-fit gemacht.

Mit selbstverständlicher Geste zeigt

Amaru auf die zwei markantesten

architektonischen Eckpfeiler in

der Innenstadt: Direkt am Ufer der

Donau, zwischen barock geprägtem

Altstadtkern und dem ehemals

verwaisten Stadtteil Urfahr liegen

zwei mächtige Glasbauten einander

direkt gegenüber: am Südufer das

Lentos Kunstmuseum, benannt

nach dem keltischen Namen der

Donausiedlung, ein 130 Meter langer

3 Stockwerke hoher Glasbau. Am

Nordufer das neue Ars Electronica

Center. Um den bestehenden

Bau von 1996 wurde eine gläserne

Hülle errichtet. 40.000 Leuchtdioden

färben bei Nacht die Glasfassade

mal blau, grün oder weiß. Zwischen

altem und neuem Teil entstand eine

über zwei Stockwerke reichende

großzügige Halle.

ATMO: Ars Electronica Center

MOD:

Als Museum der Zukunft widmet

sich das Haus den zahlreichen

Spielarten modernster Technologien

und interaktiver Medienkunst. Nichts

am Ars Electronica Center ist museal

im klassischen Sinn. Repräsentatives

für Wissenschaft, Technik und Kunst

hängt hier nicht bloß zum Ansehen

an den Wänden. Alles bewegt sich

auf die Besucher zu: Mitmachen ist

angesagt. Für Linz09 rückt das Ars

Electronica Center noch näher an die

Menschen heran: Es verlässt seinen

angestammten Ort – trotz des neuen,

erweiterten Prachtbaus – und tritt

sowohl mit den bewusst Suchenden

als auch mit den zufällig Vorbeilaufenden

in Kontakt. Auf dem Linzer

Hauptplatz kann man ab 17. Juni in

80 Tagen um die Welt reisen.

OT:

Basierend auf dem Roman von Jule

Vernes „In 80 Tagen um die Welt“

haben wir es in unseren Recherchen

sehr interessant gefunden, dass

wir draufgekommen sind, dass die

Reise, die Jule Vernes gemacht hat,

einerseits die Reiseroute ist, die als

erstes telegraphisch und logistisch

am besten ausgestattet wurde und

wo andererseits heute die dicksten

Internetkabel liegen, also datenmäßig

am besten verbunden ist.

Wir machen aber keine lineare Reise,

das ist uns sehr wichtig, sondern

reisen vernetzt und quer herum,

also wir sind einmal im Norden,

dann im Süden, im Osten oder im

Westen.

MOD:

Das Basislager für die virtuelle

Weltreise ist der Linzer Hauptplatz,

erzählt die Kuratorin Manuela Pfaffenberger,

ein rechtwinkeliger Glasund

Stahlquader als Expeditionsfahrzeug

zu zwanzig thematischen

Orten auf einer virtuellen Reise in

die Zukunft.

OT:

Wir fragen nach unterschiedlichen

Problemstellungen, die uns

in Zukunft betreffen werden. Wir

behandeln zum Beispiel das Thema

Migration mit dem Schlüsselort

Lampedusa, weil wir glauben, dass

für Europa noch keine Lösung vorliegt,

wie mit Migration umgegangen

wird. Wir behandeln unter anderem

auch das Thema Altern und gehen

auf die Insel Okinawa, weil dort

statistisch gesehen die ältesten

Menschen der Welt leben, aufgrund

verschiedenster Faktoren, die noch

nicht wirklich komplett erforscht

sind. Man sagt, dass es entweder

an den Nahrungsmitteln liegt, die es

dort gibt oder an gewissen Mineralien

oder auch daran, dass die Menschen

dort spezielle Tänze haben.

Was machen wir daher in Linz Wir

tanzen mit unseren Senioren und

sind live mit Okinawa verbunden,

wo auch getanzt wird.

MOD:

„80+1“ heißt die Weltreise am Linzer

Hauptplatz, denn am 81. Tag, also

am 5. September werden dann

alle, die an der Reise um die Welt

teilgenommen haben, noch einmal

aufeinander treffen – im virtuellen

Raum, mit neuen Erfahrungen,

wünscht sich Manuela Pfaffenberger,

und Einblicken, was es bedeutet

sich in einer globalisierten Welt zu

bewegen.

>>

*Dies ist das Konzept zu einem Radiobeitrag. MOD = Moderation / ATMO = Atmosphäre / OT = Originalton.


LINZ,

SPEKTRUM

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[...] Als Linz09 befreit sich die

oberösterreichische Hauptstadt

endgültig vom Klischee der mittelgroßmittelmäßigen

grauen Stahlstadt, [...]

Monika Kalcsics, 1. Preis SPEKTRUM


LINZ,

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OT:

Diese Möglichkeit jederzeit mit jedermann

und jeder Frau verbunden

zu sein und vielleicht sogar daran zu

glauben, dass es das Reisen, also

ein sich selbst Bewegen ersetzt, das

ist unsere Herangehensweise. Also

inwieweit wird man träge, inwieweit

sollte man trotzdem mobil sein und

darum auch das Statement: Reisen

an sich kann man durch alle virtuellen

Möglichkeiten und alle Technologien,

die wir haben trotzdem nicht

ersetzen.

MUSIK: Attwenger

MOD:

Zum Reisen gehört auch das

Ankommen, das Ankommen an

temporären Unterkünften, in

denen man sich im besten Fall von

dem Erlebten erholen kann. Doch

auffallend ist, dass die Herbergen

von heute selbst zu Erlebnisstätten

werden, wie in Linz, wo Hotels

zu Kunstobjekten werden. Linzer

Architekten und Designer haben

für das Kulturjahr die Idee des

Pixelhotels entwickelt. Da wohnt

der Gast in für die Hotellerie zuvor

nicht vorgesehenen Quartieren

stadtweit. In einer ehemaligen

Hinterhof-Tischlereiwerkstatt zum

Beispiel – hundert Quadratmeter

mit Sechziger-Jahre-Wohnwagen

mitten im Raum, die Kleider hängt

man in den alten Lastenaufzug.

Oder man haust auf einem Donaukahn

im Hafengebiet oder mitten

in einer Galerie mit einem eigens

designten Kunstobjekt als Bett.

OT:

Das ist eine sechseckig aufgefaltete

Polychromfläche, wo drei Seitenflächen

hochgeklappt sind, die mit

Leder bespannt sind. Zwischen

diesen ergibt sich in der Mitte eine

sechseckige Matratze. Das Ganze

schwebt ungefähr einmeterzwanzig,

einmeterdreißig über dem Boden.

Das ist also ein Sitzliegebett, ein

Überdimensionales.

MOD:

Jürgen Haller ist Architekt und

Mitbegründer des Pixel Hotels, das

so heißt, weil jeder Standort nur

ein Pixel darstellt. Erst wenn man

alle sieht, ist das Bild von der Stadt

vollständig. Er und seine Kollegen

bezeichnen sich als Verein zur Reurbanisierung

und Stadtreparatur.

OT:

Wir nutzen ja leerstehende Objekte,

die der Stadtverwaltung und dem

Bürgermeister ein Dorn im Auge sind.

Gerade zu Anlässen wie Kulturhauptstadt

will man sich ja hübsch

herausgeputzt präsentieren. Insofern

reparieren wir Teile der Städte, indem

wir gewisse Dinge wiederbeleben,

auch in der Nachbarschaft und in der

Umgebung von den Hotel-standorten.

MOD:

Und so wird der Gast eingeladen,

sich sein Frühstück selbst zu besorgen.

Mithilfe eines Frühstücksgutscheins

wird er auf Reise geschickt,

an Orte, die einem als Gast in einem

gewöhnlichen Hotel verborgen

bleiben.

Weit weg von gewöhnlich ist man

auch auf der nördlichen Donauseite

im Spitz Hotel. Kunst und Kultur

findet hier bis ins Hotelzimmer statt.

OT:

Die Idee hier in Linz war, wie ich

die Stadt miteinbeziehen kann und

die Kultur, die ja tagtäglich da ist,

dem Gast schon im Hotel mitgeben,

ihn also schon darauf aufmerksam

machen.

MOD:

Das Konzept, dass sich jedes Stockwerk

an einer Kunst- bzw. Kulturstätte

der Stadt orientiert, ist weltweit

einmalig, erzählt die weitgereiste

Direktorin des Spitz Hotels, Regine

Wölger.

Der erste Stock im Gelb/Orange des

Ars Electronica Centers mit Drucken

von Projekten der Ars Electronica

an den Zimmerwänden. Der zweite

Stock im Rot des Brucknerhauses,

wo der Gast sich in seinem Hotelzimmer

mitten in eine Aufführung

hineinversetzt fühlt, aber „back

stage“, mit überdimensionalen

Bildern aus der Sicht der Techniker

oder Ankleiderinnen. Oder der vierte

Stock, in Hellgrau, der in Kooperation

mit der Kunstuniversität entstand,

wo die künstlerische Intervention so

subtil ist, dass man danach suchen

muss, etwa nach einem „Spion“,

der scheinbar indiskrete Blicke ins

Nebenzimmer erlaubt.

Die schrägen Ideen auf sieben

Stockwerken machen deutlich, dass

das Spitzhotel das Konzept des

Designhotels neu definiert.

OT:

Das Konzept des Designhotels hat in

den 80er Jahren angefangen. Heute

ist es eine Kopie von einer Idee, die

vor 30 Jahren geboren wurde. Das

heißt, wenn ich nur auf das Äußere

und auf das Design gehe, dann

kommen wir in das zweite Stadium,

in dem die Hotels jetzt alle neu und

modern, aber wieder alle gleich sind.

Der Lebensstil ändert sich aber mit

der Zeit. Und so hat sich auch das

Hotelleben in den letzten 30 Jahren

verändert.

Ein Hotel kann mehr sein, als nur

ein Ort, an dem man nur übernachtet.

Das Hotel als Ganzes soll ein

Erlebnis sein.

MUSIK: Attwenger

MOD:

Auf dem Weg zurück vom nördlichen

Donauufer in die Altstadt überquert

man die wichtigste Verbindung

zwischen Linz und dem ehemaligen brutalsten Bedingungen abgebaut

Fischerdorf Urfahr, die Nibelungenbrücke.

Die Brücke und die klobigen das Projekt, das bis Ende des Jahres

wurde. „In Situ“, also „vor Ort“ heißt

Torhäuser am Südende sind die einzigen

realisierten Bauten der 1938

zu sehen sein wird.

geplanten monumentalen “Kulturhauptstadt”

der Nazis. Neben Berlin, Es sind die Installationen, die sich

MOD:

München, Nürnberg und Hamburg der Eventisierung verweigern, die

spielte Linz eine ganz besondere Aufmerksamkeit erregen – also leise

Rolle in den Plänen Hitlers: nicht Wirksamkeit zeigen, wie im wahrsten

nur als Handels- und Industriestadt, Sinne des Wortes an der zweitlängsten

Einkaufsstraße Österreichs, der

sondern vor allem als Kunststadt.

Es ist also nicht möglich, Europäische

Kulturhauptstadt zu sein und kurz vor den Bahnhof führt: Mitten

Landstraße, die vom Hauptplatz bis

die Tatsache zu übersehen, dass der im fiebrigen und quirligen Shoppingtreiben

entstand im ehemaligen

Begriff “Kulturhauptstadt” 70 Jahre

zuvor geschändet wurde.

Central-Kino ein Ruhepol.

Die Ausstellung “Kulturhauptstadt In den ersten vier Monaten Kulturhauptstadt

waren schon 10.000

des Führers”, die im Schlossmuseum

gezeigt wurde, hat viel für die Ruhesuchende da – arbeits- und

Stärkung des Gedächtnisses getan. shoppingmüde Linzer genauso, wie

Aus dem dichten Kulturprogramm überstimulierte Kulturtouristen.

für 09 ist die Ausstellung im März Der Ruhepol ist Teil der „Hörstadt“,

schon wieder verschwunden, aber die bis November dem belastendsten

Organ des Menschen, dem

seither verschränkt ein neues Projekt

das Gedächtnis der Stadt mit dem Ohr, Aufmerksamkeit schenkt.

gegenwärtigen Linz:

„Hörstadt“ engagiert sich für eine

Nach dem Prinzip der leisen Wirksamkeit

erinnern 65 Markierungen Umwelt, erklärt der Intendant der

dem Menschen gerechte akustische

an Linzer Plätzen, Straßen und Kulturhauptstadt, Martin Heller, der

Gebäuden an die NS-Vergangenheit. so beschäftigt ist, dass man ihn nicht

In Form von Schablonensprayungen

tritt man zum Beispiel auf der

im Ruhepol trifft.

Nibelungenbrücke auf Geschichte OT:

und erfährt, dass als Baustoff für Letztlich ist Hörstadt die Chiffre zur

den Bau der Brücke unter anderem Rehabilitisierung eines Sinns, der

Granit zum Einsatz kam, der im nahe in einer Zeit, wo wir alle das Gefühl

gelegenen KZ Mauthausen unter haben, wir seien nur von den Augen >>


LINZ,

SPEKTRUM

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abhängig, also von den visuellen Erscheinungen,

darauf hinweist, dass

das Hören vielleicht viel fundamentaler

für die Orientierung im Raum ist,

für Lebensqualität, weil wir können

die Augen schließen, aber mit den

Ohren ist das schon etwas schwieriger.

Da sind wir darauf angewiesen,

dass für uns auch jemand Sorge

trägt.

MOD:

Zur Hörstadt-Kampagne gehören

Aktionen wie der „No Music Day“,

ein vom schottischen Künstler und

Musiker Bill Drummond ausgerufener

Tag, am 21. November, an dem

jeder auf Musik verzichten soll, um

der Grundbeschallung zu entsagen

und sich der Bedeutung von

Musik und Tönen, ebenso wie ihrer

Unausweichlichkeit, wieder bewusst

zu werden.

Hörstadt ist übrigens als eine weit

über das Kulturjahr hinaus gedachte

Initiative angesetzt.

OT:

Hörstadt ist auch politisch in Erscheinung

getreten. Es gibt eine Charta

der Hörstadt. Der Gemeinderat von

Linz hat diese Charta angenommen.

Wir gehen mit dieser Charta auch

auf Wanderschaft und möchten

andere Städte einladen sich dieser

Charta anzuschließen und zu sagen,

auch wir tragen dem akustischen

Raum Sorge, weil das genauso ein

öffentlicher Raum ist, wie da, wo wir

uns darüber die Köpfe zerbrechen

oder einschlagen, wie die Parkbänke

ausschauen sollen. Der akustische

Raum ist aber vielleicht essentieller.

Die politische Dimension der Hörstadt

ist ganz Linz09 enorm wichtig.

MOD:

Seit dem touristischen Slogan in den

70er Jahren “In Linz beginnt‘s” und

der ablehnenden Antwort „In Linz

stinkt’s“ bis zum heutigen Stadtslogan

Linz verändert“ hat sich viel

getan in der Donaustadt. Ein Kurztrip

bringt Vorurteile ins Wanken.

Was der Stadt wohl immer erhalten

bleiben wird und von vielen als

Linzer Institution oder als kulinarisches

Wahrzeichen der Stadt

bezeichnet wird, ist die Linzer Torte.

Unübersehbar wirbt sie sogar als

lokale Versuchung für 09, die Torte,

die übrigens als die älteste bekannte

Torte der Welt gilt. Bereits 1696

wurde sie namentlich erwähnt.

Auch wenn auf mancher Linzer

Torte „original“ steht, gibt es so viele

Rezepte, wie es Köche gibt, weiß der

Konditor Fritz Rath zu berichten, der

die Linzer Torte in vierter Generation

bäckt.

OT:

Nehmen Sie ein einziges Klavier,

nehmen Sie ein Notenblatt, nehmen

sie zehn Pianisten, lassen Sie jeden

das gleiche Stück spielen und dann

sagen Sie mir, welcher Pianist das

Musikstück am besten interpretiert

hat. Es ist persönliches Dafürhalten.

Und so entstehen die verschiedensten

Rezeptvariationen.

MOD:

Da Geschmäcker bekanntlich

verschieden sind, muss schon jeder

selbst nach Linz kommen, um sich

durchzukosten und die beste Linzer

Torte für sich zu entdecken.

Wem der Linzertorten-Stopp

zwischen intensivem Kulturprogramm

zu süß ist, der wird beim

„Warmen Hans“ gut aufgehoben

sein: Beim legendären Imbissstand

am Hauptplatz laben sich an den

Puztalaibchen und Burenwürsten

Nachtschwärmer nach dem

Bruckner-Konzert ebenso wie die

Unbehausten.

ABMODERATION:

Linz09 Infocenter & Tourist Information

Hauptplatz 5, 4020 Linz

Tel. +43 732 7070 2009

tourist.info@linz.at

www.linz09.at


LINZ,

SPEKTRUM

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[...] Linz ist eine lebendige Stadt

mit Charakter. Eine Spätzünderin,

die die Lust am Schönsein

gerade erst entdeckt.

Lisa Stocker, 2. Preis SPEKTRUM


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Lisa Stocker, SPIEGEL Online / MERIAN Linz

Der Prinz hat Linz geküsst

2. Preis 2. Preis

Dornröschen ist aus dem

Schlaf erwacht und schön

wie nie. Heißt der Prinz etwa

Linz09“, wie die Stadt ihr

Kulturhauptstadtjahr nennt

Nein, die Linzer selbst haben

sich neu erschaffen, hübsch

aufgebrezelt treten sie eine

neue Ära an.

Da sitzt man nun vor dem Kaffeehaus

„Traxlmayr“ und staunt in

die Sonne und in die blinkenden

Fassaden. Die der Häuser und die

der Menschen. Das soll Linz sein

Industriestadt, Hermann-Göring-

Werke, Linz, die Dreckschleuder

In der Hitler seinen Altersruhesitz

nehmen wollte Eine unglückliche

Geschichte, eine Riesenlast. Nach

1945 erfuhr Linz nur Geringschätzung.

So wie man Frauen, die

Mandy oder Nicole heißen, keine

Ausstrahlung zutraut, tendierte

auch der Linzer Sex-Appeal lange

Zeit gegen null. Doch für Städte

gelten dieselben Attraktivitätsgesetze

wie für Menschen: Fehlerfreie Visagen

werden langweilig, auf Dauer

fasziniert das Unperfekte.

Auch deswegen hat sich die Bevölkerung

schon immer mit ihrem Motor,

der Stahlindustrie, identifiziert.

Und die meisten Leute, die mehr

oder weniger zufällig hier landeten,

wollten bald nicht mehr weg. Stadtführerin

Silvia Mayr-Pranzeneder,

die früher in Wien gelebt hat, meint

gleich zu Beginn ihres Rundgangs:

„In den Siebzigern muss es hier

ziemlich düster gewesen sein. Doch

in den letzten 20 Jahren hat Linz

ständig an Kultur und an Lebensqualität

gewonnen.“

Aus dem früheren Stahlrevier an

der Donau ist ein kunstsinniges,

umweltbewusstes Zentrum geworden,

die Luft ist sauberer als in den

meisten anderen österreichischen

Städten. Bei voestalpine pusten

die Schornsteine kaum noch Gift in

die Atmosphäre – ansonsten lädt

man ins neu erbaute Besucherzentrum,

gibt den Mäzen und stellt die

Werksgeschichte im Stadtmuseum

Nordico aus.

Die Arbeitslosenrate ist mit unter

vier Prozent eine der niedrigsten

des Landes. Und der alte Industriehafen

hat sich zu einer wildromantischen

Idylle gewandelt.

„Wär schön, wenn die Leute von

auswärts ihre überholten Märchen

jetzt langsam der Realität anpassen

könnten“, hofft Frau Mayr-Pranzeneder.

Und klingt entschlossen, das

Ihre dazu beizutragen.

Tun wir ihr also den Gefallen und

fangen noch mal ganz unvoreingenommen

an. So wie man heute als

Linz-Tourist in der Stadt eintrifft. Am

besten mit dem Zug. Der renovierte

Bahnhof wurde vom Verkehrsclub

Österreich schon wiederholt zu

dem schönsten des Landes gekürt.

Modern ist er, licht, mit Cafés und

großem Supermarkt. Unterirdisch

startet die Straßenbahn, die den

Fahrgast zuckelnd über die Landstraße

zum Hauptplatz bringt.

Die Landstraße ist die Fußgängerzone

der Stadt. Und weil sie so lang

und schön ist, ist sie von allen Einkaufsstraßen

Österreichs außerhalb

Wiens die meistbesuchte. Vinotheken,

Traditions-Beisln, Dachbars

und liebevoll dekorierte Delikatessenläden

bilden eine urbane Melange,

die zeigt, wie gut die Linzer

im Genießen sind. Selbst außergewöhnliche

Konzeptstores haben sie

– in die Mode- und Möbel-Boutique

„eggs“ etwa kommen die Eingeweihten

bis aus Wien, Graz und

München, weil in dem Laden am

Fuße des Schlossbergs Kollektionen

von Yohji Yamamoto oder Dries van

Noten auf Möbel-Editionen einer

Eileen Gray oder Andrée Putman

treffen. In Linz!

Der Hauptplatz,

das Herz der Stadt

An der Haltestelle Hauptplatz

bitte aussteigen. Hier schlägt das

Herz der Stadt: ein geschlossenes

Ensemble alter Bürgerhäuser mit

farbenfrohen, barocken Fassaden.

Hinter einer von ihnen befindet sich

das „Hotel Wolfinger“ in einem

600 Jahre alten Haus, eingerichtet

mit Biedermeier-Raritäten, dass

sich jeder wohlfühlt. Kaiserliche

Hoheiten, preußische Könige und

Künstler logierten hier.

Spannend ist auch die Innenarchitektur

des „Wolfinger“. Wie die

anderen Häuser am Hauptplatz

zieht es sich endlos weit nach

hinten. Nicht zu breit, nicht zu viele

Fenster nach vorn, das kostete

einst Steuern, also in die Tiefe,

in die Altstadtgassen hinein. So

hat man vor sechs Jahrhunderten

gebaut, damals, als Linz schon eine

umtriebige Handelsstadt war. Das

hat uns der Konditor Fritz Rath von

der k.u.k. Hofbäckerei in der Pfarrgasse

lakonisch erklärt: „Wir hatten

zwar keinen Kaiser oder Erzbischof,

der uns Prunkbauten spendiert

hätte. Aber wir waren fleißig, und

Geld war immer da.“ Rath ist ein

Original, wie seine Linzer Torten.

Ein Vertreter der „Küss die Hand“-

Fraktion und Charmeur der alten

Linzer Schule.

Der schwarz gekleidete Ober im

„Café Traxlmayr“ steht ihm da kaum

nach – obwohl sein Österreichisch

spanisch gefärbt ist und der Mann

vor zehn Jahren aus Kuba kam. Der

graugrünsamtene Salon des Cafés

ist schon wegen seiner Zeitungsfülle

ein wunderbarer Ort. Und dann

betritt auch noch eine bildhübsche

Person die Terrasse: Maxi Blaha,

1,80 Meter groß, Uma-Thurman-

Typ, Schauspielerin.

Hat Jahre an der Wiener Burg

gespielt, später am Zimmertheater

in Tübingen, seit 2001 ist sie in

Linz. Müsste eine perfekte Mimen-

Biographie nicht genau umgekehrt

verlaufen Frau Blaha lacht.

„Für mich war es hier immer nur

ganz fein. Nach 13 Jahren Festanstellung

genieße ich jetzt das Leben

als Solokünstlerin.“ Wenn die Blaha

auftritt, ist das Brucknerhaus, die

Linzer Konzerthalle, ausverkauft.

Das Theater Phönix genauso, wo sie

in der Farce „Der Zwerg ruft“ das

Schneewittchen gibt, das zusammen

mit Hitler einem Glassarg entsteigt.

Ausgerechnet auf dem Pöstlingberg

– dem Ausflugsidyll mit Restaurant,

Biergarten und Wallfahrtskirche.

Kurzum: Hitler kehrt genau an den

Ort zurück, den jeder Linzer zuerst

empfiehlt, wenn man ihn fragt, wo es

besonders schön ist.

Maxi Blaha mag diesen Hang zum

Skurrilen. In der experimentellen

Kunst. Aber auch in den Altstadtgassen

um die Herrenstraße, wo

sich die Liebe zum Abseitigen in

schrulligen Trödelläden und Cafés

zeigt, in denen sich jeden Tag

Künstler, Architekten, Freischaf-

fende und Studenten in lebhafte

Diskurse verstricken. Die Linzer

lieben es zu disputieren.

Komposition aus Glas

und Sichtbeton

Und wenn der Kopf dann wieder

frische Luft braucht, sind es nur

ein paar Fußminuten in die Natur.

Mitten in der Stadt. An der Donau.

„Donaulände“ heißt die Flussuferstraße,

an der Kaiser Franz

Joseph 1854 seine Sissi in Empfang

genommen hat. Heute liegt hier das

Brucknerhaus. Die Eisen-Skulpturen

davor, das „forum metall“ aus

den siebziger Jahren, demonstrieren

den frühen unbeirrten Willen

zur Kunst.

Doch die Hauptrolle an dieser Uferseite

spielt das 2003 eröffnete, aus

der Neuen Galerie der Stadt hervorgegangene

Lentos Kunstmuseum.

Der Bau der Schweizer Architekten

Weber & Hofer ist aus Glas und

Sichtbeton komponiert. Und symbolisiert

nebenbei den Ansatz der

Museumsdirektorin Stella Rollig, außer

der klassischen österreichischen

Moderne auch aktuelle Gegenwartskunst

zu präsentieren.

Frau Rollig war von 1994 bis 1996

in Wien die Bundeskuratorin für

Kunst. Von ihren Ansprüchen ist

>>


LINZ,

SPEKTRUM

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die zierliche Frau mit dem blonden

Kurzhaarschnitt nie abgewichen.

Toll findet sie, dass die Künstlerszene

hier über die einzelnen Disziplinen

hinweg so gut vernetzt ist. So

gab es zum Beispiel schon Ballettaufführungen

im Museumsfoyer.

Schade sei nur, dass es in Linz bis

heute keinen international renommierten

Galeristen gebe. Weil immer

noch zu viele gute Leute weggehen,

sobald sie die Kunstuniversität

abgeschlossen haben.

Das Lentos-Restaurant ist täglich

bis Mitternacht gut besucht. Von

der Terrasse schaut man auf die

nördliche Donauseite, hinüber

zum Ars Electronica Center, der

Speerspitze der Linzer Bewegung

für experimentelle Kunst. Drüben in

Urfahr, dem alten früheren Fischerort,

wo die Linzer heute am liebsten

wohnen – wenn sie es sich leisten

können. Es ist aber auch zu idyllisch.

Am Urfahraner Strand kann

man abends nach der Arbeit noch

ein Bad nehmen. Oder zwischen

den Trauerweiden in Hängematten

lesen.

Das Pixelhotel-Projekt

nach dem Motto „Ganz Linz

ein Hotel“

Einer der schönsten Orte auf

dieser Seite aber ist die „Li+Do“

– wie Linz und Donau. So heißt

das Restaurantschiff von Helene

Schaurecker. An der Seine war

der rothaarigen Kosmopolitin

aufgefallen, dass Paris mit diesem

Pfund wuchert wie jede Stadt

am Wasser. Nur Linz nicht. Und

als ihr Vater dann noch ein altes

Gaststättenschiff aus Beständen

der DDR-Armee fand, haben sie es

schick und stilvoll ausgebaut, zu

einer wunderbaren Insel des Savoirvivre

in dieser doch lebensfrohen

Stadt. Im Sommer kann man sich

vor dem Frühstück mit Helene und

ihrem Schiffshund aus Bali zum

Yoga treffen. Abends zum Dinner

hat man einen herrlichen Blick auf

das Schloss hoch über der Altstadt.

Und direkt gegenüber strahlt das

Lentos Kunstmuseum in pink.

Kleine Großstadt mit enormer

Lebensqualität und mondänen

Einsprengseln. Architekt Jürgen

Haller, 35, ist froh, dass es so ist.

Dass Linz nie so mit Sehenswürdigkeiten

und Stars protzen konnte

wie Wien oder Salzburg. Weil erst

das unkonventionelle Kunstformen

zulasse, meint er. Statt der üblichen

schwarzen Architektenkluft trägt er

ein schlichtes weißes T-Shirt, Jeans

und Rucksack.

Und es passt zu dem bodenständigen

Kerl, dass er den normalen

Linzer Alltag spannender findet

als große Namen. In diesem Sinne

hat er zum Kulturhauptstadtjahr

mit Kollegen auch das Pixelhotel-

Projekt initiiert, das nach dem

Motto funktioniert: „Ganz Linz

ein Hotel“. Gemeint sind damit

Übernachtungsräume an Orten, wo

keiner sie vermutet: In einer alten

Hinterhofwerkstatt. Im umgebauten

Campingbus. Sogar auf einem alten

Schiff im Industriehafen wurde eine

Gästewohnung installiert. Und weil

das Hotel eben nur ein Pixel stellt,

die kleinste Einheit, muss sich der

Gast zum Frühstücken ins nächste

Kaffeehaus bemühen.

Linz ist eine Spätzünderin

„In wenigen Minuten kannst du auf

dem Fahrrad fast überall sein – im

‚Café Meier‘ oder am Pleschinger

Weiher. Und im Winter bei der Eishalle

im Parkbad. Das ist für mich

der größte Vorzug der Stadt.“ Sagt

Haller, der selbst jeden Mittag nach

Hause radelt, um seinen Töchtern

das Essen zuzubereiten. Praktischerweise

liegt sein Lieblingsort,

der Südbahnhofmarkt, gleich auf

dem Weg. Auf diesem Wiener

Naschmarkt en miniature lassen

sich die Angestellten der umliegenden

Banken wochentags bei „Hartl‘s

Kulinarikum“ ihr Schnitzel schmecken.

Samstags gibt‘s Selbstgebackenes,

Gebranntes, Geschlach-

tetes von den Bauern aus dem

Umland. „Wenn es uns nicht taugen

würde, wären wir doch längst weg“,

sagt Jürgen Haller grinsend. Besser

lässt sich das Lebensgefühl der

Hiesigen kaum ausdrücken. Linz ist

eine lebendige Stadt mit Charakter.

Eine Spätzünderin, die die Lust am

Schönsein gerade erst entdeckt.

Lisa Stocker

München

lebt und arbeitet in

Hongkong

freie Autorin


LINZ,

SPEKTRUM

20 / 21

Sherin Hafner, SI Style

Linz im Glück

3. Preis 3. Preis

Europa blickt auf die Kulturhauptstadt

2009:

Neue Bauten und Ideen

locken Gäste an. Die grosse

Chance für Österreichs

Nummer 3.

In Linz beginnts, versprach die

Stadt an der Donau einst in ihrer

Werbung. Die meisten fragten sich

nicht einmal, was denn beginnen

sollte oder wann. Sie fuhren an der

Industriestadt glatt vorbei, auf dem

Weg von Salzburg, der Festspielstätte,

nach Wien, der Metropole.

Ausser in Linz lebte die Grossmutter

oder ein Liebhaber. Dann wusste

man zumindest, was beginnt.

Die Lage änderte sich, als Linz

Kulturhauptstadt 2009 wurde. Nun

entdecken auch internationale

Touristen die Destination und fahren

extra hin. Wer aus dem umgebauten

Hauptbahnhof tritt, sieht gleich,

was ihn erwartet: Licht, Glas, Stahl,

Beton. Hier wird geklotzt. Moderne

Bauten wie das Lentos, das Ars

Electronica Center, der Wissensturm

oder das OK Offene Kulturhaus

setzen sich prominent ins Bild. Sie

sollen junge, kunstsinnige Gäste

anziehen.

Die Linzer Torte dürfte etwas vom

wenigen sein, das Ortsfremde

kennen. Das Original – mit Ribiselmarmelade

(Johannisbeerkonfitüre)

auf Haselnussmürbteig – wird in

der Konditorei Jindrak serviert und

verkauft. Wem nach Geistigem gelüstet,

besieht sich das Kulturmenü.

Auf der Karte stehen 220 Projekte,

von Toulouse Lautrec bis zur Schäxpir-Theateraufführung

für Kinder.

Aufgetischt wird der Mehrgänger

von Martin Heller. „Kultur ist in

Österreich das Salz in der Suppe“,

sagt der Intendant, der aus Zürich

stammt. Heller würzt ordentlich: Er

mischt Lokales mit Zutaten aus aller

Welt. Seine Nouvelle Cuisine Linzer

Art schmeckt nicht jedem. Aber

kosten wollen sie viele. Die Tourismusbehörde

zählte schon in den

ersten drei Monaten 1,5 Millionen

Besucher.

Die modernen Kulturstätten wie das

Lentos markieren ihre Präsenz in

Neonpink oder Kobaltblau, je nach

Tageszeit. Das Museum ist das neue

Wahrzeichen an der Donaulände.

Am anderen Ufer, im Stadtteil

Urfahr, buhlt in Sichtweite das Ars

Electronica Center um die Gunst der

Gäste. Für Linz09 wurde es erweitert.

Wer Lust auf digitale Interaktion

hat, trifft sich in diesem „Museum

der Zukunft“. 40 000 Leuchtdioden

wurden in die Scheiben des gläsernen

Kubus eingesetzt. Selbst die

Aufzüge sind nicht blosse Transportmittel.

In die oberen Stockwerke reisen

Sie mit multimedialem Ausblick

à la Google Earth. Die Installation

nennt sich „Flow in a Lift“. Wen der

Fluss im Aufzug allzu mitgenommen

hat, gönnt sich in der „Sky Media

Loft“ einen Verlängerten (das ist

ein Café crème) und blickt auf die

Stadt, die sich dem Wasser entlang

erstreckt.

Die Linzer sind in Bewegung

Die meisten der 190 000 Einwohner

erwarten sich viel vom heurigen Jahr.

„Bei uns werden Visionen Wirklichkeit“,

sagt Bürgermeister Franz

Dobusch. „Hauptsache, adabei“,

denkt sich die Szene und bevölkert

die Kneipen der Altstadt. Nach

einem „Höhenrausch“, dem Rundgang

über die Dächer der Stadt,

lässt es sich wunderbar diskutieren.

Möchten Sie mit den Einheimischen

ins Gespräch kommen Setzen Sie

sich an einen Tisch am Hauptplatz

mit den pastellfarbenen Häusern

im Zuckerbäckerstil. Platzieren Sie

Ihre Linz09-Karte gut sichtbar und

bestellen Sie einen „Sommergspritzten“,

eine Mischung aus Weisswein

(weniger) und Wasser (mehr). Und

warten Sie ab. Bis zum Rausch

braucht es einige Sommergspritzte,

und man prostet sich gern und willig

zu. Wer den Kopf nicht verlieren will,

sei schon vor der Hinreise gewarnt.

Die Landeshauptstadt ist geradezu

berüchtigt für ihre Schönheiten.

Immerhin stammt die amtierende

Miss Austria aus Oberösterreich.

Zwölf Monate lang haben sogar

Prominente die Industriemetropole

(hier produziert die voestalpine, Österreichs

grösster Stahlkonzern) auf

ihrem Radar. Den Jungfernflug an

die Donau unternahm der Schauspieler

Klaus Maria Brandauer.

An Silvester 2008 eröffnete er das

Jubeljahr in der Hafenhalle mit der

Musiktheater-Produktion „Das Buch

der Unruhe“ nach Fernando Pessoa.

Aber nicht allein Schauspieler

zieht es nach Oberösterreich: Sportler,

Politiker, Maler, Performance-

Künstler und Musiker reisen herbei.

Im Sommer praktizieren „Die Ärzte“

im Linzer Stadion. Stiller verbringen

Sie den Trip im Mariendom. Eine

Woche lang ziehen Sie sich als Eremit

in ein Turmzimmerchen zurück:

Kein Computer, kein Mobiltelefon

wird Ihre Gedanken stören. Die

Einsiedler leben in der Klause – ein

Bett, ein Tisch, ein Stuhl – und notieren

Eindrücke in ein Tagebuch,

das dem Nachfolger weitergereicht

wird. Die innere Einkehr eignet sich

auch als Abschied vom Kulturjahr.

Wie kommt man nach Linz Von der

Schweiz am einfachsten mit dem

Zug (ab Zürich dauert die Fahrt sieben

Stunden ohne Umsteigen). Mit

dem Flieger und einem Zwischenstopp

in Wien benötigt man rund

drei Stunden. Oder Sie schwimmen

gegen den Touristenstrom und

kommen per Schiff! Flussfahrten,

etwa von Basel aus, werden im Pauschalarrangement

angeboten. Für

die Navigation durch die drittgrösste

Stadt Österreichs brauchen Sie kein

GPS. Laufen Sie einfach geradeaus.

Die Landstrasse teilt die Stadt vom

Bahnhof bis zur Donau. Über den

Fluss führt die Nibelungenbrücke,

und danach geht es genauso gerade

weiter. Nun folgen Sie der Hauptstrasse.

Rechts und links können

Sie kaum ein Wahrzeichen, ein

Warenhaus, Café, Restaurant oder

einen Park verfehlen.

Sich unter Wert verkaufen Das

kann sich die Europäische Kulturhauptstadt

nicht leisten. Der Staat,

das Bundesland Oberösterreich,

die Stadt, die EU und Sponsoren

machten 105 Millionen Franken

locker. Preiswert ist Linz für Schweizer

Verhältnisse dennoch: Ein

Verlängerter im traditionellen Café

Traxlmayr kostet vier Franken zehn.

Essen in Restaurants und Kleider in

Boutiquen sind 20 Prozent billiger

als hierzulande. Weckt das Ihre

Einkaufslust Nun, Linz ist keine

Stadt, die vor Shops platzt. In den

Boutiquen Bluma, Eggs, Penz, Lia

Peroni, im Modehaus Peek & Cloppenburg

sowie beim Juwelier S. M.

Wild sollten Sie aber fündig werden.

Wer sein Budget zu arg strapaziert

hat, versucht sein Glück im Casino.

Werfen Sie einen Euro in einen

einarmigen Banditen und vielleicht

endet Ihr Trip wie in Las Vegas: mit

viel Geklimper.

Gelingts Linz Fremde verlieben

sich nicht auf den ersten Anblick

in die Stadt. Aber: Geben Sie Linz

eine Chance. Sie werden die herbe

Schönheit schätzen lernen. Ihr

spröder Charme ist nicht leicht

zugänglich, aber ehrlich. Spazieren

Sie händchenhaltend durch einen

Park (Linz gehört zu den grünsten

Städten Europas!) und sehen Sie

das als Happening. 2009 wird

schliesslich alles zum Kunstgenuss

hochstilisiert. „Linz soll 2015 die

interessanteste Stadt Österreichs

sein“, sagt Martin Heller. Viel Glas

und viel Licht heben die Schwere

der alten Stahlstadt auf. Die neuen

Kulturstätten werden da sein, wenn

der letzte Eremit vom Mariendom

heruntergestiegen ist. Die neuen

Hotels und das Interesse an der

Kunst werden ebenso bleiben. Und

Sie kommen bestimmt wieder.

>>


LINZ,

SPEKTRUM

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Hotspots

Wo Linz süss und sauer isst

Seit Österreichs drittgrösster Ort zur

Kulturhauptstadt 2009 gewählt wurde,

rückte er ins Blickfeld Europas. Das

verpflichtet: die Stadt an der Donau

putzte sich heraus. Erleben Sie die Ars

Electronica – und setzen Sie sich ins

„Traxlmayr“ zum Verlängerten.

Hotel

Spitz Neues Design-Hotel, eingerichtet

von der österreichischen Künstlerin

und Architektin Isa Stein.

DZ ab 220 Franken. Fiedlerstrasse 6

Tel. +43 732 733 733

www.spitzhotel.at

PIXEL Sie schlafen in einer alten

Volksküche, einem früheren

Ladenlokal, im Wohnwagen, in einer

Galerie. Das Wohn-Kunst-Projekt

dauert ein Jahr.

DZ ab 189 Franken.

Tel. +43 650 743 79 53

www.pixelhotel.at

Schillerpark Hier steigen Stars ab:

Grandhotel-Flair im Glaswürfel.

Das 111-Betten-Haus liegt sehr

zentral. Mit Gourmetrestaurant, Café,

Fitnesscenter.

DZ ab 185 Franken. Schillerplatz

Tel. +43 732 69 50

www.austria-trend.at

Restaurant, Bar, Klub

Vanilli Der legendäre Achtzigerjahre-

Klub rockt das 21. Jahrhundert.

Immer wieder feiert die Jeunesse

dorée.

Hofgasse 8

Tel. +43 699 120 015 60

www.vanilli.at

LI+DO Ahoi! Erste fixe Gastrostation

auf der Donau in Linz. Frühstück,

Lunch, Dinner.

Urfahrmarkt 1

Tel. +43 732 700 806

www.li-do.at

Jindrak Konditorei der original Linzer

Torte. Mit säuerlicher Ribisel und

nicht mit Himbeermarmelade!

Herrenstrasse 22–24

Tel. +43 732 779 258

www.linzertorte.at

Traxlmayr Traditionscafé mit Terrasse.

Sehen und gesehen werden.

Promenade 16

Tel. +43 732 773 353

www.cafe-traxlmayr.at

solaris Treffpunkt für Szenies.

Zuerst ins Kino Moviemento,

dann beim Wein fachsimpeln…

OK Platz 1

Tel. +43 732 907 606

www.solarisbar.at

Herberstein Alles in einem: Bar, Café,

Restaurant im alten Gewölbe. Ladies’

Night, Dinner für zwei, House.

Altstadt 10

Tel. +43 732 786 161

www.herberstein-linz.at

P’AA Fleischloses wie Lassi, Erdapfelcreme

mit Kürbiskernen, süsse

Heidelbeeren in Grappa. Lecker!

Altstadt 28

Tel. +43 732 776 461

www.paa.cx

ENTREMUNDO Urbane Bar mit

Antipasti und Crostini. Pasta und

Kalbsbacken am Holztisch.

Harrachstrasse 1

Tel. +43 664 543 49 52

Shopping

Alex Sie suchen einen Krimi

Oder eine Biografie Fragen Sie

Alexander Stelzer, den Besitzer der

Buchhandlung.

Hauptplatz 21

Tel. +43 732 782 440

www.deralex.at

Bluma Miu Miu, Balenciaga, Acne,

Missoni, Chloé, Diane von Furstenberg,

Hausmarke Bluma für

Fashionistas.

Hauptplatz 15–16

Tel. +43 732 771 525

www.bluma.at

S. M. Wild Schmuckes Mitbringsel

Liebe, teure Erinnerungen vom

Juwelier.

Landstrasse 49

Tel. +43 732 774 10 50

www.smwild.at

Lia Peroni In der lichtdurchfluteten

Taubenmarkt-Arkade liegt der Laden

mit Accessoires von Mandarina

Duck, Prada, Costume National,

DKNY.

Landstrasse 12

Tel. +43 732 795 479

www.liaperoni.at

Peek & Cloppenburg Ein Warenhaus

macht Mode.

Landstrasse 17–25

Tel. +43 732 773 030

www.peekundcloppenburg.at

Penz Damen und Herren kleiden

sich paarweise ein. Abendgarderobe.

Landstrasse 54

Tel. +43 732 771 433 11

www.penzmode.at

Diverses

Lentos Das Kunstmuseum bietet

Modernes und Zeitgenössisches.

Ernst-Koref-Promenade 1

Tel. +43 732 707 036 00

www.lentos.at

Brucknerhaus Veranstaltungen von

der Klangwolke bis zur Galanacht

des Sports.

Untere Donaulände 7

Tel. +43 732 775 230

www.brucknerhaus.at

Casino Glück im Spiel Beim Poker,

Roulette oder Black Jack ausprobieren.

Wer lieber Anlässe besucht,

nimmt im Casineum Platz.

Rainerstrasse 2–4

Tel. +43 732 654 487

www.casinos.at

Ars Electronica Center Die digitale

Revolution! Hauptstrasse 2

Tel. +43 732 727 20

www.aec.at

COIFFEUR INMANN Bart ab Haar

hoch Meister Marco Inmann und

sein Team stylen Sie. Ihm vertraute

sich auch Model Petra Nemcova an.

Spittelwiese 5

Tel. +43 732 773 447

www.inmann.at

TOURISMUSVERBAND Pauschalarrangements,

Eintrittskarten, Infos.

Tel. +43 732 70 70

www.linz.at

Sherin Hafner

Mag. phil., Dr. jur.

34 Jahre

lebt in Zürich

Redakteurin (SI Style)


LINZ,

SPEKTRUM

25/ 24 / 25

[...] Geben Sie Linz eine Chance.

Sie werden die herbe Schönheit

schätzen lernen. Ihr spröder

Charme ist nicht leicht zugänglich,

aber ehrlich. [...]

Sherin Hafner, 3. Platz SPEKTRUM


LINZ,

SPEKTRUM

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Michael Fink, Dolomiten Tagblatt

Herr Ludwig war in Linz

Linz09: Die Kulturhauptstadt

ist eine Reise wert – Die Stadt

hinter der Torte.

Ich habe heute Herrn Ludwig

getroffen. Rein zufällig. Sie müssen

wissen, Herr Ludwig ist ein feiner

Mensch. Sehr gebildet und einer,

der viel reist. Ab und zu treffen

wir uns, und dann beginnt er zu

erzählen. „Stellen sie sich vor ich

war in Linz“, sagte er. „Kennen sie

Linz überhaupt“ „Naja, die Torte

schon, die Stadt dahinter jedoch

nicht. Ich weiß lediglich, dass Linz

an der Donau liegt“, antwortete ich.

Ludwig brummelte vor sich hin. „Die

Torte, die Donau“, sagt er, „ja, ja,

das stimmt, aber Linz ist dann doch

ein bisschen mehr“.

Sie müssen wissen, Herr Ludwig ist

„austrophil“. Seine Reisen führen

ihn vornehmlich zu unseren nördlichen

Nachbarn, und: Herr Ludwig

fährt liebend gerne Zug. Apropos

Zug: „Merken sie sich: Linz liegt

auch an der Westbahn zwischen

Salzburg und Wien“, sagte Herr

Ludwig, während er sich an seiner

Tasche zu schaffen machte. Zum

Vorschein kam ein Bündel Linz-

Prospekte. Auf diese deutend,

erklärte mir Herr Ludwig, dass

die Stadt gar nicht unhübsch sei.

Es ließe sich gut und ungestört

flanieren. Besonders abseits der

Trampelpfade werde der Neugierige

belohnt. ,,Auch Linz hat besondere

Winkel und Plätzchen.“ Ich nickte

zustimmend. Sie müssen wissen,

Herr Ludwig hat einen Hang zu

den wenig ausgetretenen Pfaden.

Menschenmengen sind seine Sache

nicht, kreischende Touristengruppen

sind ihm ein Gräuel, auch wenn

solche in Linz laut Herrn Ludwig nur

selten zu sehen sind.

Linz wurde heuer sozusagen

geadelt, es ist eine der zwei Europäischen

Kulturhauptstädte“, erzählte

Herr Ludwig weiter. Deshalb und vor

allem wegen der Fülle des Angebotes

habe er daher seine Gewohnheit,

alleine zu streunern, über Bord

geworfen und sich einen Stadtführer

gemietet. „Apropos Führer: Linz ist

irgendwie auch die Heimatstadt Hitlers“,

erklärte er mir. Eine Tatsache,

die der Stadt – „hätte dieser Wahnsinnige

den Krieg gewonnen – ein

völlig neues Gesicht beschert hätte“.

Die Linzer seien doch sehr darauf

bedacht, die braune Vergangenheit

nicht in den Blickpunkt zu rücken

bzw. wenn, dann doch sehr aufklärend.

„Viel gibt es sowieso nicht,

abgesehen von der Brücke über

die Donau und die dazugehörigen

Brückenkopfgebäude“, sagte Herr

Ludwig. „Hätte dieser Hitler, aber

lassen wir das, er hat ja nicht.“

Das Schöne an Linz sei, dass es

immer noch „stark ländlich geprägt

ist. Nur wenige Minuten abseits des

Zentrums steht man in der Natur“,

schwärmte Herr Ludwig.

Als Gegensatz und im Blickfeld

dabei, die rauchenden Schlote der

Stahlwerke. Auch eine Industriestadt

sei Linz, „ein weiteres Erbe

HitIers“. Über Jahrzehnte hätte die

Schwerindustrie die Luft verpestet.

„Und heute, ja heute hat sich die

Situation verändert, und die Stadt ist

dabei, ein Kulturzentrum zu werden.

Was sagen Sie dazu, mein Freund“

„Wussten Sie, dass der Neue Linzer

Dom die größte Kirche Österreichs

ist.“ Herr Ludwig

Ich schwieg. Ehrlich gesagt interessierten

mich die Erzählungen

des Herrn Ludwig nicht besonders.

Heute nicht. Als er auch noch

von Bruckner, Kepler und Stifter

zu berichten begann, spielte ich

Eile vor. Er ließ aber nicht locker.

„Wussten Sie, dass der Neue Linzer

Dom die größte Kirche Österreichs

ist“ Das Gotteshaus würde 20.000

Menschen fassen. „Unvorstellbar,

oder“ Ich nickte und schaute dabei

auf die Uhr. „Was ist Langweile ich

Sie etwa“ Herr Ludwig fixierte mich

mit strengem Blick. „Keineswegs“,

log ich und erklärte ihm, dass ich

noch einen Termin beim Frisör

hätte. „Beim Frisör, beim Frisör. Ich

erzähle Ihnen von einer Kulturstadt.

Der Heimat Bruckners, auch Mozart

war zu Besuch, ebenso Bernhard,

und Sie müssen zum Frisör“, sagte

er verärgert. „Es tut mir ja leid Herr

Ludwig, aber ich ...“. Er wandte sich

ab, stand auf und zog schnaubend

seinen Mantel an. „Sie müssen

wissen ...“, und nun unterbrach ich

Herrn Ludwig und sagte ernst:

„Ja ich weiß: Linz ist eine Reise

wert.“ Herr Ludwig lächelte.

Michael Fink

36 Jahre

Latsch/Südtirol

Journalist

Leiter der

Dolomiten-Bezirksredaktion

Vinschgau


LINZ,

SPEKTRUM

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7/4 Hohe Nervosität. […] Nachm. gepackt, plötzlicher

Abreise-Entschluss.- […] Beim Verleger. Allgemein

Entrüstung über Reigen; Verlogenheit, Feigheit.

Aerger.-Kopfweh. 8/4 […] Reise nach Linz. Ankunft,

Regen, Hotel Erzherzog Karl, der Wirth, Gespräch.- 9/4

Linz. Spazierg. an der Donau.- Verändert.- Abreise. [...]

Arthur Schnitzler (1862–1931), Tagebuch 1903–1908


Angelika Sauerer

42 Jahre

Regensburg

freie Journalistin

Wochenend-Magazin der

Mittelbayerischen Zeitung

Regensburg

LINZ,

SPEKTRUM

30 / 31

Angelika Sauerer, Mittelbayrische Zeitung

Linz – Eine Stadt bricht zum zweiten Mal auf

Auf der Suche nach dem, was Linz

zur Kulturhauptstadt macht, muss

man nicht weit in die Vergangenheit

gehen. Nicht bis ins frühe 17. Jahrhundert,

als Johannes Kepler für

15 Jahre hier lehrte. Nicht bis ins

späte 18. Jahrhundert, als Mozart

als Gast seine Linzer Symphonie

schrieb. Und auch nicht bis ins

19. Jahrhundert, als Anton Bruckner

für 13 Jahre Domorganist und

der Schriftsteller Adalbert Stifter

hier Schulrat war. Es reichen 25, 30

Jahre, und es gab damals eigentlich

nichts, auf das die Stadt mit der

braunen Vergangenheit (Hitler ging

hier zur Schule und machte 1938

Linz zu seiner „Patenstadt“) und

den rauchenden Hochöfen hätte

bauen können. „In Linz stinkt’s“

und „Linz – Provinz“ – so reimte

man sich das Image der oberösterreichischen

Hauptstadt zusammen.

Wo nicht viel ist,

ist alles möglich

Oben ein verrauchtes, abgewohntes

Kaffeehaus, in dem am Nachmittag

die alten Männer Schach spielten.

Unten ein schmuddeliger Keller.

„Abgefuckt“, sagt Bernhard Lichtenberger,

aufgewachsen in Linz

– ein Stahlstadtkind mit Ohrring im

linken Ohr – und seit zwei Jahren

Kulturchef der Oberösterreichischen

Nachrichten. Ständig Razzien –

auch das schürte den Kult ums

Café Landgraf, wo Bands wie

Willi Warma mit Punk und Ska eine

Szene schufen, für die die Wiener

Luft zu sauber und die Salzburger

Gassen zu eng gewesen wären.

Zeitgleich zwangen Stahlkrise

und Umweltbelastungen Linz zu

einem wirtschaftlichen Umbau.

Die dreckige Stahlstadt mauserte

sich zur Stadt mit der saubersten

Luft in Österreich. Gezielt wurden

Unternehmen aus der Kommunikationstechnologie

angesiedelt. Den

etablierten Kulturmetropolen Wien

und Salzburg begann Linz 1979 mit

der Ars Electronica, einer Computerkunst-Schau,

die Stirn zu bieten.

In der faden Provinz spielte plötzlich

die spannendste Musik. Jetzt, wo

Linz zusammen mit der litauischen

Hauptstadt Vilnius Europäische

Kulturhauptstadt 2009 ist, fragt man

sich, was noch da ist vom Aufbruch

Anfang der 80er. Wir machen uns

auf die Suche nach Spuren im

Programm von Linz09, und zwar

jenseits der glänzenden Fassade

des Kunsttempels Lentos („Best of

Austria“) und der bunt leuchtenden

Glasfront des neuen Ars Electronica

Centers – zwei Gebäude, die Nacht

für Nacht über die Donau hinweg in

einen Dialog der Farben treten.

Die erste Fahrt geht hinaus aus

der Stadt mit den RebellInnen (mit

großem „I“). Während vor den Fenstern

die renovierten Barockhäuser

vorbeiziehen, der Blick hinauf zum

Schloss mit seinem modernen Südflügel

wandert, kurz auf dem Pöstlingberg

gegenüber hängen bleibt,

bohrt sich ein irritierendes Hörspiel

in die Ohren. „Ich komme ..., ich

komme aus ..., komme ...“ Das

Stakkato der Frauenstimmen mit

ausländischem Akzent konterkariert

die Situation: Man macht eine

Stadtrundfahrt, man macht auf

Kultur, und man ist erwünscht.

„Wie bittä“ Eine unfreundliche

Mehrheitsmännerstimme mit österreichischem

Akzent macht klar,

was die Frauen mit Akzent sind:

Minderheit, unerwünscht.

Die Sehenswürdigkeiten, die einem

die Linzer RebellInnen in ihren

Kunstwerken, Videos und Installationen

vor den Toren von Linz und

vom Bus aus zeigen, heißen Migration,

Inländerprimat, Sexarbeit. Der

rote Bus fährt an Wohnsilos vorbei

und die Ansage lautet: „Bis 2006

durften MigrantInnen in Wohnungsinseraten

vom Markt ausgeschlossen

werden.“ Wir passieren die

Schlote der Stahlindustrie und die

Stimme erklärt das „Inländerprimat“

des österreichischen Ausländerbeschäftigungsgesetzes.

Zurück in der Innenstadt gehen wir

zu Fuß zum ältesten Straßenstrich

von Linz. Man erfährt, dass Prostituierte

Steuern zahlen, Pflichten

haben, aber kaum Rechte, zum

Beispiel auf Krankengeld. Der gemeinsame

Weg mit den RebellInnen

endet dort, wo vor 30 Jahren die

„Initiative zur Anstiftung zur Initiative“

begann: In der Stadtwerkstatt

im Stadtteil Urfahr, gleich hinterm

Café Landgraf. Drinnen ist es duster,

kalter Rauch von gestern und

vorgestern mischt sich mit frischem

von heute. Das ist wie mit der Rebellion.

Linz hatte angefangen, sich

selbst zu genügen. Aber mit Linz09

kam wieder eine neue Diskussionskultur

in die Stadt. Über Stadtkultur

ist noch nie so viel geredet worden

wie zuletzt“, sagt Bernhard Lichtenberger.

Die Stille in der „Hörstadt“

Die zweite Fahrt geht nach innen.

Hinein ins Zentrum der Stadt, über

den schmucken Hauptplatz, die

quirlige Landstraße entlang, wo die

Tram laut rumpelnd die Ströme der

shoppenden Fußgänger teilt.

Zwischen den Geschäften tut

sich eine Passage auf. Schwarzer,

genoppter Schaumstoff frisst die

Schallwellen und es wird still. Der

Eingang führt in ein Kino. Amel

Andessna nimmt einem den Mantel

ab und erklärt mit gedämpfter

Stimme die Regeln im „Ruhepol“.

Im Vorraum stehen Tee und Wasser

bereit, es gibt eine Spielecke für

Kinder und es darf geredet werden.

Im Kino nicht. Schuhe ausziehen.

Eine Kissenlandschaft breitet sich

im Saal aus. Im Liegen geht die

Reise weiter nach innen. Kopfkino

mit geschlossenen Augen. Und

geschlossenen Ohren. „Wir haben

ja keine Ohrenlider“, sagt Peter

Androsch, Komponist und einer der

Programm-Macher der Kulturhauptstadt.

Deshalb will er dafür sorgen,

dass die Ohren mehr Ruhe haben.

Androsch ist zuständig für alles,

was bei Linz09 zu hören ist – und

das ist viel, angefangen bei Bruckner

bis hin zur Linzer Klangwolke.

Er ist aber auch zuständig für das,

was nicht zu hören ist: Die Linzer

„Hörstadt“ will Bewusstsein schaffen

für den akustischen Raum, die

hörbare Umwelt menschenwürdiger

gestalten, Kampagne machen gegen

jede Form von Zwangsbeschallung.

Ein ziemlich politisches Anliegen ist

das, wenn man bedenkt, dass arme

Menschen mehr Lärm ausgesetzt

sind als reiche und dass es auch

um Geld geht, wenn öffentliche Gebäude

wie Schulen akustisch besser

geplant werden sollen.

Hörkultur – auch damit setzt Linz

als Kulturhauptstadt ein Zeichen.

Ein Kompetenzzentrum für Akustik,

das „Akustikon“, entsteht und für

die „Linzer Charta“ sollen weitere

Städte gewonnen werden. „Es wäre

absurd, in einer Stadt zwischen

Wien und Salzburg nur auf die

Kunst zu bauen. Und es wäre verantwortungslos,

das Geld in etwas

zu investieren, das zwar schmückt,

aber nächstes Jahr nichts mehr

bedeutet“, sagt Peter Androsch.

Wo ist hier der Kracher Das sieht

auch Bernhard Lichtenberger so.

Ihm gefallen die für fremde Besucher

eher unscheinbaren Programmpunkte

wie das Schulprojekt „I like

to move it move it“ oder der „Kepler

Salon“ mit den Diskussionsabenden.

„Manche fragen: Wo ist hier der

Kracher Aber viel wichtiger ist, zu

fragen: Was bleibt im Kulturschaffen“

Die Samen dafür, dass Linz09

weiterlebt, wurden jedenfalls gelegt.

www.linz09.at

www.hoerstadt.at


LINZ,

SPEKTRUM

33/ 32 / 33

Endlich erreichte meine

Stifterverehrung jenen Grad, in dem

ich mir zurief: du mußt ihn sehen,

von Angesicht zu Angesicht sehen.

[…] Ueber der Donaustadt lag der

sonnigste Vormittag; aber Stifter

saß in seiner Wohnung, von deren

stromseitigen Fenstern aus er

allerdings das schönste Stadt- und

Landschaftsbild genießen konnte.

Peter Rosegger (1843–1918), 1867


LINZ,

SPEKTRUM

34 / 35

Claudius Rajchl, Kurier

Linz. Viel besser als sein Ruf.

Die meisten fahren nur

durch. Dabei hat die Stahlund

neuerdings auch Kultur-

Hauptstadt einiges zu bieten.

Linz stinkt nicht mehr. Aber bei

vielen Österreichern hat sich dieses

Vorurteil tief ins Geruchsorgan

gefressen. Linz sei provinziell –

meinen selbst viele Linzer, und erst

recht die Urfahraner, also die Linzer

drüber der Donau.

Heuer ist Linz vor allem eines:

Kulturhauptstadt und als solche das

„Gelbe vom Ei“, wie das Spiegelei-

Logo andeuten soll. „In Linz

beginnt‘s“, lautete ein touristischer

Slogan in den Siebzigerjahren. Aber

was eigentlich – Ein Kurztrip bringt

Vorurteile ins Wanken.

Linz stinkt. Also zumindest stinkt

Linz nicht mehr als jede andere

Stadt. Wer sich durch das Zentrum

zwischen Hauptplatz, Rathaus-,

Herren- und Pfarrgasse bewegt,

wird in schmucken Geschäften mit

allerlei Düften konfrontiert – vom

Leberkas-Pepi mit seinen neun

Leberkässorten (der giftgrüne ist mit

Spinat) bis zur „Schlemmerei“ mit

feinsten Linzer Delikatessen.

Linz ist ungenießbar. Nein! Linz

schmeckt nach Mürbteig, Haselnuss

und Ribiselmarmelade. Der

Konditor Leo Jindrak hat das Linzer

Auge heuer zum Kulturhauptstadt-

Logo mutiert.

Das Originalrezept der Linzertorte

beanspruchen gleich mehrere

Konditoren. Dabei stammt die Torte

eigentlich aus Spanien. Die Habsburger

brachten das süße Souvenir

in die Donau-Stadt. Das Gitter soll

an maurische Fenster erinnern und

hat auch einen praktischen Nutzen:

Die Marmelade kann besser trocknen.

Die Konditoren laden Gäste

übrigens zum kollektiven Backen.

Linz ist fad. So viele ehrwürdige

Baudenkmäler wie Salzburg oder

gar Wien hat die Stahlstadt natürlich

nicht. Aber jede Menge

nette Gassen und originelle Läden:

„Elfriedes Kaufgeschäft“ etwa ist ein

schrulliger Kitschladen. Im Lokal

„Der glückliche Augenblick“ steht

nichts drinnen als ein großer Thron

und ein Büchertisch mit Lektüre für

Leute, die sich das Rauchen abgewöhnen

wollen. Und in der kleinen

Boutique „living small“ gibt‘s chice

Klamotten junger Designer.

Linz ist Beton. Im Gegenteil:

50 Prozent der Stadt sind grün. Als

Relaxzonen bieten sich der Donaupark,

der Pöstlingberg oder der

Botanische Garten an.

Linz ist laut. Von wegen: Linz09 hat

das Centralkino auf der Landstraße

zum „Ruhepol“ umfunktioniert. Hier

herrscht absolute Stille, man kann

Tee trinken oder im Fauteuil ein Nickerchen

machen. Im Neuen Dom

wird im Mai ein weiterer Ruhepol

errichtet, und im Turmzimmer kann

man als Eremit zur inneren Ruhe

kommen (heuer ausgebucht).

Linz ist altmodisch. Punkto moderner

Kunst, Museen und Architektur

kann Oberösterreichs Hauptstadt

locker mit dem Rest Österreichs

mithalten. Sensationell: das neue

Ars Electronica Center an der

Donau. Dort passiert die Technik

der Zukunft. Zum Beispiel spuckt

ein 3-D-Drucker Kunststoff-

Werkzeuge aus, die am Computer

konstruiert wurden.

Linz ist Einheitsbrei. Nicht wahr. In

vielen Arbeitervierteln leben Linzer

und Ausländer friedlich nebeneinander.

Im „Pixel mit Garten“, einer

zum Hotelzimmer umfunktionierten

Arbeiterwohnung im Franck-Viertel,

taucht man ins Multi-Kulti-Leben

ein. Beim Türken Ali in der Franckstraße

gibt‘s Bosna mit orientalischem

Brot.

Linz ist Zwerg. Das stimmt teilweise.

Die Linzer fahren mindestens ein

Mal im Jahr zum Zwergerlschnäuzen

auf den Pöstlingberg. Drinnen

in der Grottenbahn pilgern sie auch

zum kranken Hasen. Den haben

die Macher von Linz09 für heuer

allerdings gesund geschrieben und

in die Stadt verrückt. Jetzt spukt

er als blauer Schatten herum „Wie

viel Verrücktheit verträgt die

Provinz“

Linz ist verschlafen. Auch das

stimmt. Viele Baustellen sind im

Kulturhauptstadt-Jahr nicht fertig

geworden. Wer am Sonntag abseits

der Landstraße bummelt, spaziert

durch menschenleere Gassen und

trifft oft auf geschlossene Wirtshäuser.

City-Info:

Linzertorte & Leberkas-Pepi

Schlafen

Pixel Hotel: 6 originelle Einzel-

Adressen, z.B. Arbeiterwohnung.

Zimmer mit Frühstücksgutschein

(einlösbar in Cafés): ab 87 €.

www.pixelhotel.at

Essen & Trinken

Leberkas Pepi: 9 Leberkäs-Sorten,

Rathausgasse 3

www.leberkaspepi.at

Café Traxlmayr: das Traditionskaffeehaus,

Promenade 16

Josef‘s: Brauwirtshaus, oö. Tapas

Landstraße 49

www.josef.eu

Linzertorte: Konditorei Jindrak

Herrengasse 22

www.linzertorte.at

k. u. k. Hofbäckerei Fritz Rath,

Monarchie-Look, Pfarrgasse 17

www.kuk-hofbaeckerei.at

Shoppen

Schmuck aus Steinen: Donau Stein

Design, Hofgasse 7

www.donausteindesign.com

Junge Designermode: living smalI,

Klammstraße 14

www.livingsmall.at

Kitsch und Originelles: Kaufgeschäft

Elfriede, Bischofstraße 9

www.kaufgeschaeft.at

Entdecken

Citywalks Linz mit Linz09-Tipps.

Falter-Verlag 2008.

128 Seiten, € 9,90.

Auskünfte

TVB Linz, Tel. 0732 7070 2009

www.linz.at/tourismus www.linz09.at

Claudius Rajchl

43 Jahre

Wien

Reiseredakteur der

österreichischen

Tageszeitung KURIER


LINZ,

SPEKTRUM

37/ 36 / 37

Meine Erinnerung hat mich

nicht betrogen. Es stimmt.

Das ist einer der schönsten

Plätze der Erde.

Adolph Menzel (1815–1905), 1891


LINZ,

SPEKTRUM

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Kati Moser, Schweizer Illustrierte

Wie Phönix aus der Asche

Linz ist 2009 Europas Kulturhauptstadt.

Und bietet weit

mehr als nur Linzer Torte.

220 Projekte sollen musische

Menschen und Flaneure

in die oberösterreichische

Landeshauptstadt locken. Ein

heller Schweizer mischt mit!

Wie vom Zauberstab berührt,

verwandeln sich nachts die beiden

Donauufer zu schillernden Schönheiten.

Zwei riesige Museen buhlen

dabei um Aufmerksamkeit: Zur Altstadt

hin ist es das Lentos Kunstmuseum,

ein kühnes Werk aus

Stahl, Glas und Beton, das 2003

vom Schweizer Architekturbüro

Weber Hofer Partner geschaffen

wurde. Der grosse Quader

mit Durchblick leuchtet rosarot in

der Dämmerung, später abwechselnd

in Pink und Blau. Ihm gegenüber,

am linken Ufer, steht der

gläserne Erweiterungsbau des Ars

Electronica Centers, des Museums

der Zukunft. Tagsüber tauchen

hier Gross und Klein in die Welt

des Forschens, Experimentierens

und Spielens ein, nachts erstrahlt

es in den kitschigsten Farben.

Linz, keltisch Lentos, hat sich für

die Nominierung zur Kulturhauptstadt

Europas mächtig ins Zeug

gelegt. In erster Linie galt es, sich

mit der Vergangenheit auseinanderzusetzen

– immerhin war

Linz Adolf Hitlers Lieblingsstadt.

Dann musste der Ruf als schmutzige

Industriemetropole widerlegt

werden. Heute ist die Luftqualität

der zweitgrössten Stadt Österreichs

hervorragend, der Lebensstandard

mit praktisch null Prozent Arbeitslosigkeit

hoch. Und Geld für Kulturprojekte

ist auch vorhanden. Zu

den beliebtesten Anlässen gehören

die Linzer Klangwoche, ein visuellakustisches

Musikerlebnis an der

Donau (Anfang September), sowie

das internationale Strassenkunstfestival,

auch „Pflasterspektakel“

genannt (Ende Juli). Dieses Jahr

mischen 220 Projekte das

kulturelle Leben zusätzlich auf.

Intendant ist der Schweizer Martin

Heller, unser Mister Expo.02.

Die beste Linzer Torte hat die

Konditorei Jindrak (Herrenstrasse

22–24). Zu Kaffee und Kuchen

lädt das „Traxlmayr“ ein. Gleich

nebenan liegt die edle Boutique

Dantendorfer (Promenade 14). Bei

Elfriede (Bischofstrasse 9) gibt´s

exquisite Mitbringsel. Hungrig vom

Shoppen Was Deftiges kriegen

Geniesser im Garten des „Klosterhofes“

(Landstrasse 30), leichtere

Kost in der „Domviertel Relounge“,

wo schon der Blick auf den Neuen

Dom ein Hit ist (Herrenstrasse 36).

Geheimtipp für Nachtschwärmer:

Bei „Leberkas-Pepi“ finden Sie

zwölf Fleischkäsesorten!

Kati Moser

59 Jahre

Zürich

Redakteurin Kultur & Reisen

– Die Besten


LINZ,

SPEKTRUM

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Linz. – Der schöne Franz Josefs Platz.

Genussvoller Abend auf der Hotelterrasse:

schimmernde Donauwellen […]

Theodor Herzl (1860–1904), 1883


LINZ,

SPEKTRUM

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Kathrin Krüger-Mlaouhia, Sächsische Zeitung

Linz ist pink

ÖSTERREICH Europas

Kulturhauptstadt 2009 beherbergt

ihre Besucher an

ungewöhnlichen Plätzen.

Linz ist pink. Schon am Hauptbahnhof,

dem schönsten Bahnhof

Österreichs, empfangen den

Besucher pink-rote Streifen auf

dem Fußboden. Auf Taxis und

Tüten, auf den Info-Aufstellern und

Werbeprospekten steht in Pink

deutlich zu lesen: Linz 2009 ist

die Kulturhauptstadt Europas. Das

09 ist stilisiert und taucht auch als

Spiegelei auf. Hin und wieder sogar

als Doppeldotter. Was sich gern als

„das Gelbe vom Ei“ verkauft, ist

eine preisgekrönte Werbeidee, die

zurecht nicht unbescheiden in die

Stadt an der schönen blauen Donau

lockt: Das Programm der Kulturhauptstadt

ist so vielfältig, dass

gerade in diesem Jahr ein Besuch

der österreichischen „Gastgeberin

Europas“ zu empfehlen ist. Linz

verändert, sagen die Macher der

Kulturhauptstadt. Will sagen: Linz

hat sich verändert. Aus der einst

unauffälligen, aber sympathischen

Handelsniederlassung am Strom,

der späteren reinen Industriestadt

mit Stahlschloten und Chemiegestank,

wurde ein Ort des internationalen

Kulturtourismus.

Fünf Plätze neu gestaltet

Das neue Flair entfaltet sich beim

Bummeln im Donaupark. Oder

beim Schlendern durch die gut erhaltene

Altstadt. „Die Bauvorhaben

sind geflutscht“, sagt Martin Heller,

Intendant von Linz09. Fünf zentrale

Plätze wurden neu gestaltet, so die

Promenade am Landhaus, Sitz des

Landeshauptmannes und der oberösterreichischen

Landesregierung.

Oder das Freigelände am Museum

Ars Electronica am nördlichen

Donauufer mit seiner zum Sitzen

einladenden Freitreppe.

Blickt man von hier aufs gegenüberliegende

Altstädter Ufer,

bleiben die Augen unweigerlich am

modernen Kunstmuseum Lentos

haften: ein markanter Flachbau mit

viel Glas und einem überdimensionalen

Durchgang, der jeden Abend

anders beleuchtet wird. „Lentos ist

die Vorform von Linz und

lässt sich mit Kurve oder Krümmung

übersetzen“, sagt Austria

Guide Silvia Mayr-Pranzeneder bei

einer Stadtführung. Gab es in der

Vergangenheit zumeist Geschäftsreisende

und Radurlauber in Linz,

so sollen jetzt Städte- und Kunsttouristen

zufrieden gestellt werden.

Und zwar auf hohem Niveau.

Intendant Heller hatte gleich zu

Beginn seiner Arbeit für die Kulturhauptstadt

Streit mit den Hoteliers.

„Die dachten, Linz09 sei nur ein

kulturelles Programm“, so der

gebürtige Schweizer. Dass auch der

Gästeservice auf internationalen

Standard gehoben werden muss,

war nicht allen gleich verständlich.

Nun hat sich das Dienstleistungsgewerbe

kreativ auf gutbetuchte

wie weniger begüterte Kulturhauptstadtgäste

eingestellt. Die witzigste

Idee ist wohl das Pixelhotel. Besucher

logieren dabei an außergewöhnlichen

Plätzen wie in einer

ehemaligen Arbeiterwohnung auf

einem Schiff oder in einer früheren

Kunsttischlerei. Diese unkonventionellen

Zimmer sind auf das

gesamte Stadtgebiet verteilt, aus

ungenutzten Räumen wurde eine

sehr nützliche Einrichtung.

Linz schaut in die Zukunft. Gerade,

weil die Industriemetropole sich

ein neues Image schaffen will. Die

Stadtsilhouette definiert sich gerade

neu. Das Zukunftsmuseum Ars

Electronica Center gehört dazu.

Kürzlich wurde der Bau aus Stahl

und Glas enorm vergrößert, nachts

LED-beleuchtet. In Laboren wird geforscht

und ausgestellt: im BrainLab,

BioLab, RoboLab, FutureLab. So

mancher Besucher soll nur dieser

Einrichtung wegen nach Linz kommen.

Um am Pulsschlag der Zeit zu

sein, sagen die Stadtväter. Auch der

neue Südtrakt des Linzer Schlosses

wird ein lichtdurchfluteter Gigant.

Der historische Flügel ist im Jahr

1800 abgebrannt. Mitte des Jahres

soll die gläserne Brücke als Kulturneubau

fertig sein. Dann ist hier das

größte Universalmuseum Österreichs

entstanden.

Linz schmeckt auch gut

Das sagen vor allem die Liebhaber

der Linzer Torte. Die kennt man in

aller Welt. Ein ausgewanderter Deutscher

namens Leo Jindrak hat sie

vor über 300 Jahren erfunden, seine

Konditorei gibt es noch heute in der

Herrenstraße 22 bis 24. Angeblich

soll das Rezept die älteste überlieferte

Tortenanleitung der Welt sein. Der

Kuchen ist allerdings etwas trocken

und, „staubt zu den Ohren heraus“,

sagt Stadtführerin Mayr-Pranzeneder.

Typisch ist seine Marmelade aus

roten Johannisbeeren. Mandeln und

Marzipan gehören außerdem zu

den Zutaten. Man kann die Linzer

Torte als Souvenir kaufen oder sie

als Gruppe ab zehn Personen sogar

selbst herstellen – in der Schaubackstube

nach Voranmeldung. Die angesagtesten

Caféhäuser sind übrigens

das etwa 100-jährige „Landgraf‘ an

der Hauptstraße und das „Traxlmayr“

in der Nähe vom Landhaus.

Linz ist laut und vollkommen still.

Diese Gegensätze kann auch der

Kulturhauptstadtbesucher erleben.

Geräuschvoll ist der Verkehr über

die Nibelungenbrücke, die Hauptstraße

und Hauptplatz verbindet.

Quirlig das bunte Menschengewirr

in der Altstadt zwischen Schlossberg

und Museumsstraße. Selbst in den

verwinkelten Innenhöfen und romantischen

Passagen geht es mitunter

recht turbulent zu.

AUS DEM

JAHRESPROGRAMM

80+1: Per Satellitenübertragung

wird 80 Tage lang (17. Juni bis

6. September) von 20 Orten der

Welt über drängende Themen

wie Klimawandel und Gentechnik

berichtet und interaktiv diskutiert –

zu erleben auf dem Hauptplatz via

Panoramabildschirm und temporärem

Museum. Am 81.Tag ist eine

globale Konferenz innerhalb des

Ars Eleetronica Festivals geplant.

Doch die Linz09-Mannschaft hat

Einheimische und Besucher aufgerufen,

gegen zusätzliche Zwangsbeschallung

in den Geschäften mobil

zu machen. Es gibt Sticker für mehr Best of Austria: 30 Museen und

Räume, in denen man von Musik Galerien steIlten je drei Werke zur

nicht behelligt wird. In der Landstraße

36, im ehemaligen Centralkino, der Kunst in Österreich vermitteln

Verfügung, die einen Querschnitt

ist zudem ein Ruhepol eingerichtet. sollen. Die Ausstellung setzt sich

Ab Jahresmitte soll das „Akustikon“ auch kritisch mit dem Begriff „Best

in der Pfarrgasse arbeiten, wo zu of“ auseinander. Bis 10. Mai im

Hören und Lärm geforscht wird. Die Lentos Kunstmuseum.

Donaumetropole möchte akustische

Modellstadt Europas werden. Pflasterspektakel: 130 Gruppen

Linzer, die mal eine Woche völlig von Straßenkünstlern aus aller Welt

abgeschieden sein wollen, konnten machen Linz vom 23. bis 25. Juli

sich als Turm-Eremit im Mariendom in der Innenstadt zur Bühne.

bewerben. 395 Stufen führen in das

Türmerstübchen, in völlige Einsamkeit.

Nach Schweigen und Askese erste am 5. September traditionell

Klangwolke und Brucknerfest: Das

kommt der wöchentliche Eremit nur im Freien, das zweite ab 13. September

klassisch unterm Dach des

mittags nach unten in die Kreuzkapelle,

um mit Besuchern gemeinsam Brucknerhauses im Donaupark.

zu schweigen. Die Türmerstube ist “Klangwolke“ ist eine Mischung

im Kirchenschiff nachgebaut. Nur aus Licht, Ton und Feuer bei freiem

ein Geräusch stört aller Viertelstunden

die Stille: das Glockenläuten. wird die Szenerie der visualisierten

Eintritt im Donaupark. Diesmal

>>


LINZ,

SPEKTRUM

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Klangwolke zum Schauplatz eines

Dramas – zwischen Untergang und

Rettung.

Theaterlust: Das Sommerfestival

vom 27. Juli bis 2. September

verlegt die Aufführungen nach

draußen in Parks, Gärten und

Höfe. Inhaltlich wird ein weiter

Bogen gespannt.

Linz Europa Festival: Der österreichische

Musiker Hubert von Goisern

war als Botschafter von Linz09

zwei Jahre mit einem zur Bühne

umgebauten Schubschiffverbund

auf den großen Flüssen zwischen

Schwarzem Meer und Rotterdam

unterwegs. Dabei gab der Erfinder

des Alpenrock 50 Konzerte in Hafenstädten.

Zum Abschluss tritt er

unter dem Motto „Back home“ vom

3. bis 5. Juli im Linzer Hafen auf; zu

Gast werden Musiker sein, die Goisern

auf seiner Reise getroffen hat.

LinzFest 09: Das ist quasi zu

Pfingsten das Halbzeitfest der

Kulturhauptstadt. Entlang der

Donaumeile gibt es regionale und

internationale Musik, Literatur,

Kleinkunst und Schauen – bei

freiem Eintritt.

Internet: www.linz09.at

Infos: Tel. 0043 732 7070 2009

Kathrin Krüger-Mlaouhia

44 Jahre

Großenhain/Sachsen

Journalistin


LINZ,

SPEKTRUM

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Linz im Glück

Sherin Hafner, Magazinname

Heute abend sollen wir nach Linz

kommen, von dessen Schönheit die

ganze Welt gehört hat.

Frances Trollope (1780–1863), 1836


Bernhard Mogge

60 Jahre

Köln

Freier Journalist

LINZ,

SPEKTRUM

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Bernhard Mogge, Rheinischer Merkur

Bunte Donauwelle

LINZ Das ehemalige Stahlrevier

in Oberösterreich ist

aus dem Dornröschenschlaf

erwacht. In diesem Jahr wirbt

die Kulturmetropole mit einer

Fülle von Ausstellungen und

Veranstaltungen um Besucher.

An der Torte scheiden sich die Geister.

Wobei die Schreibweise, Linzer

Torte oder Linzertorte, noch das

geringste Problem ist. Ob der Mürbeteig

mit Haselnüssen oder Mandeln

zubereitet und, vor allem, welche

Marmeladenfüllung verwendet wird,

lässt wahre Glaubenskriege entbrennen.

Die Konditoren der Stadt wie

Fritz Rath von der gleichnamigen

k. u. k. Hofbäckerei schwören,

dass nur Ribiselkonfitüre infrage

kommt, also von der Johannisbeere;

Himbeere mag im Ausland angehen,

aber nicht in der Heimat des in aller

Welt bekannten süßen Backwerks.

Unter Anleitung von Fritz Rath die

eigene Torte backen, in der winzigen,

mit Fotografien und Orden aus der

k. u. k. Zeit tapezierten Gaststube einen

Kaffee trinken – das Eintauchen

in die bürgerliche Idylle einer verklärten,

längst vergangenen Vergangenheit

erzeugt ein sehr österreichisches

Kaffeehausflair, „Gemütlichkeit“ als

Schutzpanzer gegen die harsche

Welt da draußen.

Als könnte sie sich nicht recht entscheiden,

was sie eigentlich sein will,

Arbeitsplätze gibt es mehr als

Einwohner: über 200 000. Täglich

pendeln gut 100 000 Menschen in

die Stadt; die meisten arbeiten in

der Stahlindustrie oder im Dienstleistungssektor.

Der Wohlstand wird

gut genutzt; das zeigt sich unter

anderem am üppigen 65-Millionen-

Euro-Etat für das Kulturhauptstadt-

Programm, das eine große Fülle an

Veranstaltungen, Ausstellungen und

Events bietet. Es liegt sicher nicht

nur an diesem bunten Programm,

dass voreingenommene Besucher,

die wahlweise eine graue Industriestadt

mit barockem Mäntelchen oder

eine dumpf-braune „Führerstadt“

erwarten, schnell Abstand nehmen

von dem Urteil, das Ingeborg

Bachmann einst bissig formulierte:

„Nie war ich in Linz, ich bin immer

nur durchgefahren.“ Kaffeehausromantik

und quirliges Studentenleben,

schicke Boutiquen in der Einkaufsmeile

Landstraße, Avantgardekunst,

ehrwürdige Kirchen, in denen, wie im

Chorumgang des neuen Domes, am

Computer entworfene neue Glasfenster

das Tageslicht bunt filtern, Literaturabende

im Adalbert-Stifter-Haus

und ein Schaufenster der Wissenschaft

für Groß und Klein im ehemaliegt

die 190 000 Einwohner zählende

Kulturhauptstadt Europas an der

Donau zwischen Wien und Passau.

Nähert man sich mit dem Schiff

stromaufwärts, ziehen zunächst

lndustrieanlagen, Hochöfen, Häfen

vorbei. Dann, nach einer scharfen

Biegung des Flusses, das Panorama

der prächtigen alten Handelsmetropole

und Bischofsstadt; einst

Lieblingsstadt des „Führers“, in der

er seinerzeit die Schule besucht hat.

Neuzeitliche Kultur-Kathedralen säumen

das Ufer: das Bruckner-Haus

aus den Siebzigerjahren; über den

Fluss hinweg führen abends das luzide

leuchtende Lentos Kunstmuseum,

das den alten keltischen Namen der

Stadt Linz trägt, und der futuristische

Glaspalast des Ars Electronica Center

einen stummen Dialog mit ständig

wechselnden LED-Farbenspielen.

Die Nibelungenbrücke führt mitten in

die historische Altstadt mit ihren stolzen

Bauten aus Barock und Renaissance,

mit Kirchen und Bürgerpalästen.

An der Wasserfront bilden die

wuchtigen Brückenkopfhäuser aus

der NS-Zeit das Tor zum Hauptplatz

mit der Dreifaltigkeitssäule. Von oben

grüßt der Kubus des Stadtschlosses,

dem ein neuer Glasflügel angesetzt

wird. Auch betonierte Sechzigerjahre-

Architektursünden finden sich, dazu

Arbeiterwohnblocks aus der braunen

Vergangenheit sowie gesichtslose

Hochhäuser aus den letzten zwanzig

Jahren, in denen Linz einen rasanten

Aufstieg zum wichtigsten Industriezentrum

des Landes und zur prosperierenden

Metropole Oberösterreichs

hingelegt hat.

ligen Wohnhaus des Universalgenies

Johannes Kepler – Linz ist eine

gelungene Melange aus Alt und Neu,

Tradition und Unbekümmertheit.

Und dann bleibt der Blick am Boden

hängen. Mit weißer Farbe sind, in der

ganzen Stadt verteilt, 65 Orte des nationalsozialistischen

Terrors markiert.

„Beim Einmarsch deutscher Truppen

besucht Adolf Hitler seine „Jugendstadt“.

Während ihm Zehntausende

Menschen am Hauptplatz zujubeln,

werden NS-GegnerInnen bereits

inhaftiert, geschlagen und ermordet“,

steht mit Datum 12.3.1938 vor

dem Alten Rathaus. „In Situ“, am

Originalschauplatz, heißt das Projekt

von Dagmar Höss, Monika Sommer

und Heidemarie Uhl, das Alltagssituationen

und Orte aus der NS-Zeit

visualisiert.

Der Umgang mit der nationalsozialistischen

Vergangenheit ist ein

Dauerthema in der Stadt, die Adolf

Hitler zu einer pompösen Marmormetropole

aus- und umbauen wollte.

Zu mehr als den Brückenkopfhäusern

und der Nibelungenbrücke hat

es nicht gereicht, zum Nutzen der

Stadt. „Natürlich nervt es viele Bürger,

dass Linz immer wieder nur auf

diesen Abschnitt seiner Geschichte

reduziert wird“, sagt Ulrike Hack, die

als „Austria Guide“ durch städtische

Schaufenster wie verborgenste Winkel

führt. „Aber im Jahr der Kulturhauptstadt

stellen wir uns dieser

Debatte bewusst.“ Dafür sorgen nicht

nur die Macherinnen der Stolperfallen

von In Situ. Auch die Fassade

eines der Brückenkopfhäuser ist

architektonisch verfremdet und

verweist auf Arisierung und Deportationen.

Bedauerlich, dass die sehenswerte

Ausstellung „Kulturhauptstadt

des Führers“ im Schlossmuseum, die

sich mit der lokalen und regionalen

NS-Kulturpolitik beschäftigte, nur bis

Ende März zu sehen war. So bleiben

vor allem die spektakulären Projekte

in den modernen Museentempeln

wie dem Lentos Kunstmuseum, das

unter dem Titel „Best of Austria“ eine

Reihe von „Spitzenkunstwerken“

aus mehr als 30 österreichischen

Museen und Sammlungen vereint,

oder die Mitmachausstellungen im

Ars Electronica Center, das auf seinem

Logenplatz am Donauufer wirkt

wie ein soeben gelandetes Raumschiff.

„Höhenrausch“ heißt eine

Ausstellung des alternativen Offenen

Kulturhauses, die von Juni an Kunst

auf den neuen und alten Dächern

der Stadt präsentieren wird.

Den schönsten Blick darauf werden

aber die „Turmeremiten“ haben, die

– ein beliebtes Projekt von Linz09 –

im wöchentlichen Wechsel die Türmerstube

des Mariendoms beziehen.

395 Stufen über dem Treiben

der Stadt meditieren die Einsiedler

auf Zeit in einfachsten Verhältnissen

ohne Linzer Torte.

Anreise: Lufthansa fliegt von Frankfurt,

Düsseldorf und München nach

Linz, ab ca. 100 Euro.

Auch eine Donaukreuzfahrt bietet

sich an. Veranstalter: A-Rosa,

Am Kaiserkai 69, 20457 Hamburg

Tel. 040 30032 22 00.

Unterkunft: Arcotel Nike, Untere

Donaulände 9 (neben dem Brucknerhaus),

4020 Linz

Tel. 0043 732 76260, DZ ab € 90,-.

Auskunft: Tourist Information Linz,

Hauptplatz 5, 4020 Linz

Tel. 0043 732 7070 2009

E-Mail: tourist.info@linz.at

Literatur: Merian-Heft Linz. Jahreszeiten

Verlag, Februar 2009.

108 Seiten, € 7,95.

Internet: www.linz.at/tourismus

www.linz09.at

www.arcotel.at

www.insitu-linz09.at

www.lentos.at

www.arselectronica.at

www.a-rosa.de

www.merian.de


LINZ,

SPEKTRUM

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Trotz allem und allem, ich

vermisse die Donau. Es war doch

„a home“. Hier - die Straße!

August Strindberg (1849–1912), 1894


LINZ,

SPEKTRUM

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Thomas Compagno, Coopzeitung

Auf der Suche nach dem Geheimnis der

Linzer Torte

„In Linz beginnts“ sagt der

Volksmund und lässt diskret

offen, was dort beginnt. Wer

dem Geheimnis der Linzer

Torte auf der Spur ist, beginnt

in der Kulturhauptstadt

Europas 2009 sicher am

richtigen Ort.

Da stehe ich also in Linz auf dem

Hauptplatz. Vor mir fliesst die Donau

in einem grossen Bogen um die

Altstadt. Gleich daneben strahlt

das Lentos-Museum im tiefen Blau

über die Donau hinweg. 2004 von

den Züricher Architekten Weber

und Hofer erbaut, ist es heute eines

der Wahrzeichen der Stadt. Eine

Schuhschachtel, spotteten die Linzer

anfänglich über den nüchternen

Betonbau. Inzwischen haben sie das

raffiniert verglaste und beleuchtete

Museum für zeitgenössische Kunst

in ihr Herz geschlossen. Es ziert

auch das Titelblatt des neuesten

Merian über die Stadt Linz. In dieser

Stadt also sollte das Geheimnis der

Linzer Torte doch zu finden sein. Auf

der gegenüberliegenden Flussseite

leuchtet das Ars Electronica Center

mal blau, mal rot. Der moderne Glasbau

ist ein Museum nicht für Dinge

von gestern, sondern für Kommunikationsmittel

von morgen. Dafür ist

die Linzerschnitte, die ich im museumseigenen

Café serviert bekomme,

von gestern, wie die Bedienung

erklärt. Sie schmeckt trotzdem. Doch

die wahre Stärke des Ars Electronica

sind die modernen Technologien.

Der nächste Versuch an einem anderen

touristischen Ort: Der Pöstlingberg

ist der Hausberg von Linz. Eine

kleine Bahn fährt normalerweise

hinauf. Die steilste Adhäsionsbahn

der Welt, betonen die Linzer stolz

und setzen voraus, dass jeder weiss,

was eine Adhäsionsbahn ist – eigentlich

eine ganz „normale“ Eisenbahn

ohne Zahnrad oder Seil. Ab Juli ist

die Pöstlingberg-Bahn wieder in

Betrieb. Auf der Speisekarte des

romantischen Schlössl-Restaurants

lässt sich jedoch keine Linzer Torte

finden. Wirt Anton Gallistl beruhigt.

Linzer Torte bekomme man immer.

„Wenn ich die nicht hätte – das

wäre, wie wenn ich dem Gast sagen

müsste, tut mir leid, wir haben

keinen Kaffee.“ Die gereichte Linzer

Torte schmeckt verführerisch luftig

und gut. Ein Geheimnis Hausherr

Gallistl sagt nur: „Wir beziehen die

Linzer Torte von einer externen Bäckerin,

das garantiert uns gleichbleibende

Qualität.“

Doch was sorgt für

diese Qualität

Einer, der es wissen muss, ist Fritz

Rath von der „k&k Hofbäckerei“ im

alten Teil von Linz. Den wohlklingenden

Namen hat Rath von seinem

Urgrossvater geerbt, dem Erzherzog

Peter Ferdinand von Toscana

1903 den Titel „k&k Hofbäckerei“

verliehen hat. Die Urkunde, die das

mit Stempel und Unterschrift belegt,

prangt an einer der vielen mit Bildern

überwachsenen Wänden in der

urigen Gaststube. Hofbäcker nennt

sich Rath nicht, aber die „k&k

Hofbäckerei“ liess er sich nicht

entgehen. „Reines Marketing“, sagt

Rath schelmisch und wuselt durch

seine Backstube.

„Zu einer richtigen Linzer Torte

gehört Ribisel-Marmelade“, doziert

Rath. Ribisel nennen die Österreicher

die Johannisbeeren. Natürlich

weiss Rath, dass die Linzer Torte

vielerorts mit Himbeer-Konfitüre

gemacht wird. Ist das falsch Rath

kommt ganz nahe und sagt in verschwörerischem

Flüsterton:

„Mit dem Geschmack der Menschen

kann man alles machen ... “

Nun wollen wirs aber genau wissen:

Was ist denn in einer guten Linzer

Torte alles drin „Wichtig ist eine

saftige Rezeptur und vor allem viel

Liebe“, sagt Rath. Dann packt er

wieder seinen Dressiersack und

macht sich an die Gitter der nächsten

Torten. Man mag es ihm glauben.

Bis zu 90 Linzer Torten gehen

jede Woche über seinen Ladentisch.

Kaum ein Ort ist so eng mit einem

Kuchen verbunden wie Linz mit

seiner Linzer Torte. Dabei müssen

sich die Linzerinnen und Linzer ihres

Kindes immer wieder erwehren. So

hat vor wenigen Jahren das „Kleine

Lexikon der unglaublichen Lügen und

Irrtümer“ ein mittleres Erdbeben in

Linz ausgelöst mit der Behauptung,

die Linzer Torte hätte mit Linz gar

nichts zu tun, sondern sei von einem

Wiener Zuckerbäcker namens Linzer

erfunden worden. Glücklicherweise

Iiess sich kein Bäcker Linzer in den

Quellen auffinden. So bleibt die Linzer

Torte weiter das Kind der Stadt Linz.

Und so lange gilt, dass die Linzer

Torte, erstmals erwähnt in einer Rezeptsammlung

aus dem Jahr 1653,

die älteste Torte der Welt ist.

Zurück mit diesem Wissen stehe ich

nach einer Tour durch Linz‘ Gastronomie

wieder auf dem Hauptplatz. Die

mächtige Dreifaltigkeitssäule mahnt,

dass Linz auch schlechte Zeiten

erlebt hat. Die letzten sind noch gar

nicht so lange her. Vor 20 Jahren war

Linz eine Industriestadt mit allen unangenehmen

Nebenerscheinungen:

schlechte Luft, schlechte Stimmung,

schlechte Aussichten. Inzwischen

aber habe sich viel getan, sagt der

Schweizer Martin Heller, der als

Intendant von Linz 2009 der Stadt zu

internationaler Ausstrahlung verhelfen

soll. Linz ist, dank der Blüte, die ihr

die Industrie verschafft hat, zu einer

Kulturstadt geworden. 2009 sogar

Kulturhauptstadt Europas.

Linz setzt auf Modernes

Coopzeitung: Wie fühlen Sie sich

als Schweizer in Linz

Martin Heller: Ich fühle mich

nicht als Schweizer, eher als

Nicht-Österreicher. Ein Stück

Fremdheit bleibt, auch nach eineinhalb

Jahren, die ich nun in Linz

tätig bin.

Sie ermöglicht jedoch den Außenblick

auf Linz, der von mir auch

erwartet wird.

Dann ist es nicht ganz zufällig,

dass ein neutraler Schweizer die

Leitung von Linz09 hat Die Stadt

hat ja als Heimatstadt Hitlers eine

etwas belastete Geschichte.

Wie viel Geld gibt Linz für sein

Kulturjahr aus

Unser Budget beträgt rund 70 Millionen

Euro. Je 20 steuern die Stadt

Linz, das Land Oberösterreich und

der Staat bei. Nicht eingerechnet

sind die neuen Kulturbauten von

280 Millionen Euro.

Gibt es Mentalitätsunterschiede,

die sich in Ihrer Arbeit bemerkbar

machen

Die Hierarchien. Stellen Sie sich

vor, Zürich würde Kulturhauptstadt.

Da müssten das Stadtparlament,

das Kantonsparlament und die

Bundesversammlung je 30 Millionen

Franken sprechen. Hier können

der Bürgermeister, der Landeshauptmann

und der Bundeskanzler

viel aus eigener Kraft bewegen.

Auch die Umgangsformen und die

Titelwirtschaft sind hier eigen.

Es wäre verfehlt und arrogant,

wenn ich hier als Oberlehrer

daherkäme. Österreich und die

Schweiz haben etwas gemeinsam:

Beide haben, im Unterschied zu

Deutschland, erst spät angefangen,

die Kriegsvergangenheit aufzuarbeiten.

Wobei Linz wiederum

Haben Sie auch einen Titel

früher war als andere österreichische

Städte. Nun muss es als Kul-

Schweiz wäre das ein künstlerischer

Ja. Intendant. Diese Funktion – in der

turhauptstadt Geschichte erzählen Direktor – ist im Ansehen sehr hoch

und sich mit ihr auseinandersetzen.

Linz macht das in meinen tonomie bei meinen Entscheidungen,

eingestuft. Ich habe eine grosse Au-

Augen sehr gut, zum Beispiel mit wenn ich sie mir nehmen will. Aber

der Ausstellung „Kulturhauptstadt ich sehe mich vor allem als Gast, der

des Führers“. die Finger auf wunde Punkte hält. >>


LINZ,

SPEKTRUM

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Wo passierte das schon

Gleich zu Beginn in der Gastronomie.

Die hatte ich als zu passiv

kritisiert. Das hörten die Wirte

zwar nicht gern, aber seither ist

viel passiert. Zum Beispiel sind

die Hotspots entstanden, eine Wirtevereinigung,

die ein attraktives

kulinarisches Programm aufgestellt

hat, das über Linz09 hinaus

gehen wird.

Warum soll man 2009 nach Linz

fahren

In Linz lernt man Österreich abseits

der gängigen Klischees kennen.

Linz ist nicht historisch orientiert

wie Salzburg oder Wien, sondern

setzt zum Beispiel im Lentos-

Museum auf zeitgenössische Kunst

oder im Ars Electronica Center auf

moderne Technologien. Zu dem

sind Stadt und Region liebenswert

und offen!

Thomas Compagno

45 Jahre

Zürich

Redakteur Coopzeitung


LINZ,

SPEKTRUM

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[...] Leben Sie wohl, bis wir uns

wiedersehen. [...] Gott segne Sie, wie

Sie mein Herz segnet.

Nikolaus Lenau (1802–1850), 1844


LINZ,

SPEKTRUM

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Heinz Schmid, Schweizer Familie

48 Stunden in Linz

Serie Städtereisen mit dem

Zug (9)

Mit dem Zug ab Zürich in 7:05

Stunden – Täglich 11 Verbindungen,

davon 3 direkt

Distanz Zürich–Linz: 580 km

Warum Linz Weil ich von Linz nur

die Linzer Torte kannte. Weil die

Stadt an der Donau nächstes Jahr

Kulturhauptstadt Europas ist. Und

weil es heisst: In Linz beginnts.

„Was“, frage ich einen Linzer:

„Ois is von doo“, alles ist von hier.

Wie man hinkommt: Linz liegt an der

Strecke Zürich–Wien, ist deshalb

gut erreichbar – mit Aussicht im

Tag- oder schlafend im Nachtzug.

Mit dem „Wiener Walzer“ komme

ich morgens um sechs an, setze

mich in der Bahnhof-Beiz an den

„Stammplatz Manfred, reserviert

ab 08:00 Uhr“, trinke ein Haferl

Kaffee, lese in der Zeitung, dass

ein Wirt mit einem Zuckerstreuer

überfallen wurde, und mache mich

auf Entdeckungsreise.

Wie man herumkommt: Die

Innenstadt kann man bequem

zu Fuss entdecken. Für rund 30

Franken gibts das Linz City Ticket

– mit Ausflügen in die nähere und

weitere Umgebung und Gratiseintritt

in alle Museen. Oder man mietet

ein Velo, der Donau-Radweg

führt mitten durch die Stadt.

Ich erschwebe das Zentrum auf

einem Segway, dem geräuschlosen

Elektroroller, balanciert durch

modernste Technologie, erlernbar in

drei Minuten.

Wo man sich bettet: Wer keine

sterilen Hotelzimmer mag, wählt

ein Pixel-Hotel. Der „Verein

zur Reurbanisierung und

Stadtreparatur“ stellt in der Stadt

individuelle Räume zur Verfügung:

Das „Pixel in der Textilpassage“

für Kinder und das ewige Kind

in uns, auf vier Niveaus, mit

einem schwebenden Schlafnest.

Das „Pixel mit Garten“ in einer

Arbeiterwohnung mit Paprika,

Stachelbeeren und Salat im

Garten. Ich beziehe ein hundert

Quadratmeter grosses Fotostudio

– mit steuerbarer Lichtwand, dem

Warenlift als Kleiderschrank und

einem Wohnwagen als Sitzecke und

für zusätzliche Betten.

Wer´s geschichtsträchtig mag,

übernachtet im ältesten Hotel, im

„Wolfinger“. Ursprünglich als Kloster

erbaut, beherbergte es schon

Fürst Metternich, Hans Christian

Andersen und Anton Bruckner.

Design-Orientierte wählen das

Spitz-Hotel, wo Kunst aus dem

musealen Rahmen fällt und zum

Wohnraum wird.

Warum die Donau nicht blau ist:

Blau war die Donau auch zu

den Zeiten von Johann Strauss

nicht. Aber man kann sie vom

Uferweg aus geniessen – oder

vom Ausflugsschiff. Zum Baden

wird sie immer beliebter, zum

Fischen ergiebiger. Aber noch

immer teilt sie die Stadt. Nördlich

der Donau liegt Urfahr, seit 1919

ein Stadtteil von Linz. Die Urfahrer

können die Linzer nicht leiden,

seit 1497, seit 500 Jahren. Damals

wurde die erste Brücke gebaut,

die traditionellen Fährleute, die

„Überfahrer“, wurden arbeitslos.

Warum Linz grün ist: Arbeitslosigkeit

kennt man in Linz kaum. Auf

190 000 Einwohner kommen

230 000 Arbeitsplätze. Und Linz ist

grüner, als man denkt. Hinter den

Häuserfassaden verbergen sich

Innenhöfe. 60 Prozent der Stadt

bestehen aus Wiesen, Gärten und

Bäumen.

Kulturhauptstadt des Führers: In

Linz war Adolf Hitler zur Schule

gegangen. Der mangelnde

Lernerfolg hinderte ihn nicht, Linz

später als seine wahre Heimat und

Lieblingsstadt zu bezeichnen. Er

plante, Linz nach dem „Endsieg“

zu seinem Alterssitz und zur

Kulturmetropole auszubauen.

Verwirklicht wurde aber nur die

Nibelungenbrücke – zum Glück.

Wo man neue Kultur findet: Schon

jetzt gibt´s in Linz das Ars Electronica

Festival, den Donausommer, das

Pflasterspektakel und die Klangwolke.

2009 wird Linz zur Kulturhauptstadt

Europas. Leiter ist der

Schweizer Martin Heller, der Kultur

nicht in Museen und Konzertsäle,

sondern unter die Leute bringen

will: „Linz ist anders, immer wieder

überraschend, eine Mischung aus

Gemütlichkeit und Grossräumigkeit,

eine Kombination von Industrie,

Kultur und Natur“. Die Linzer freuen

sich noch aus einem anderen

Grund aufs Jahr 2009: „Dann hat

der Baulärm endlich ein Ende.“

Von Zukunft und Zahnbrechern:

In der Stadt mit Vergangenheit

soll man unbedingt einen

Schritt in die Zukunft machen,

in`s Ars Electronica Center,

ab 2009 in einem neuen,

futuristischen Gebäude. Es geht

um digitale Technologien und ihre

Anwendungen, zum Kennenlernen

und Ausprobieren. Einen Schritt in

die Vergangenheit macht man im

Zahnmuseum. „Zahnärzte“ gab es

schon vor 5000 Jahren. Was sich

seither tat, wird hier gezeigt, vom

Zahnbrecher bis zum Mastikator,

einem Gerät zum Zerkleinern der

Nahrung. Beim Ausgang empfindet

man tiefe Dankbarkeit, dass man

nicht in der „guten alten Zeit“ um

1700 gelebt hat.

Wo man die Linzer Torte findet: Die

meisten Städte haben gigantische

Wahrzeichen aus Stein oder Eisen.

Jenes von Linz ist diskret, dafür

essbar: die Linzer Torte. Sie gilt als

älteste bekannte Torte der Welt, das

Rezept erschien bereits 1653 in

einem Kochbuch. Keine Bäckerei in

Linz ohne Linzer Torte. Die traditionsreichste

stammt aus der Konditorei

Jindrak, wo Leo der Vierte jährlich

80 000 Torten in alle Welt verschickt.

Ein Plakat an der Wand: „Mein Konditor

ist mir eine Sünde wert“. Die

Sünden stapeln sich darunter: Linzer

Torten, Linzer Schnitten, Linzer-

Torten-Trüffeln. Samstags kann man

hier unter kundiger Leitung seine eigene

„original Linzer Torte“ backen.

tung fast nie. Hier treffen sich

alle – „vom Bettler bis zum Millionär,

von der Nutte bis zur Nonne“.

Man isst ein scharfes Puszta-Laibchen

oder einen politisch nicht ganz

korrekten Bosnaburger, mit Zwieberl

und Gurkerl. Hier geht es sehr

menschlich zu und her, manchmal

allzu menschlich.

Schlangen bis auf die Strasse und

Palaver bis in die Morgenstunden

gibt`s auch beim „Leberkas-Pepi“.

Neben dem Klassiker gibt`s neun

handfeste Fleischkäse-Spezialitäten,

von Chili über Spinat/Knoblauch bis

Basilikum/Mozzarella. Dazu scharfen

oder süssen Senf, Bier oder

Speckbirnensekt. Darin sind sich

die richtigen Linzer einig: „I wü kan

Burger und kane Spaghetti, i mog

an Leberkas vom Pepi.“

Wo es um die Wurst geht: Am

persönlichsten geht`s im „Wurstbasar“

zu, im kleinsten Restaurant

der Welt. Vier Quadratmeter, gerade Wo es Beuscherl und Bier gibt:

gross genug für Wirtin Waltraud In Linz sind die Gerichte währschaft,

Fellner, ihre Debrecziner, Waldviertler,

Bauernwürste und ein bis zwei „Futtern wie bei Muttern“. Und wie

die Portionen gross, die Preise tief:

Gäste. Die Würste werden nicht in bei Grossmutter fühlt man sich bei

Wasser, sondern im Wasserdampf einem Beuscherl oder einer Gulaschsuppe

im ältesten Wirtshaus in

erhitzt. Dazu gibts Getränke aus

alten Zeiten: Schartner Bombe und Linz, dem Gasthof „Goldener Anker“.

Frucade. In München darf man das „Treffen, trinken, feiern“ ist das

Hofbräuhaus nicht versäumen, in Motto im „Josef“. Eine Million

Wien das Café Sacher, in Linz den Krügel Bier werden jedes Jahr

„Warmen Hans“. „Tag und Nacht getrunken, das Dunkle nach altem

warme Speisen“, verspricht die Werbung.

An Wochenenden erlöschen braut. Trinken braucht einen guten

tschechischem Rezept im Haus ge-

die Neonlichter an dieser Wurstfes- Boden. Deshalb hat Günter Hager >>


LINZ,

SPEKTRUM

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Je näher Linz, desto blühender alles

umher. Endlich erreichten wir den

letzten und höchsten Berg vor Linz,

und erschraken ordentlich vor der

plötzlichen himmlischen Aussicht,

und der zauberischen Lage dieser

schönen Stadt.

[…] Die Donau, an dessen [!] beiden

Ufern Linz im Hintergrunde liegt,

windet sich majestätisch durch das

schöne Tal […] das Ganze hat schon

einen eigenen südlich-italienischen

Anstrich.

Joseph von Eichendorff (1788–1857)


LINZ,

SPEKTRUM

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die Wirtshaus-Tapas kreiert. Kleine

Portionen, zumindest nach österreichischer

Vorstellung: Grammelschmalz

und Bauerntopfen,

Haxelsulze und Punschkrapferl –

„die Sehnsucht nach den Genüssen

der Kindheit“. Für heutige Kinder

dafür die Handy-Tankstelle, wo man

sein Handy aufladen kann, und die

Toilette mit dem Fernseher hinter

der Wasserwand: „Piss bald im

Josef!“ Ein Essen mit Weitblick kann

man im „Pöstlingberg Schlössl“

geniessen – und für einen ungestörten

Abend zu zweit für 72 Euro das

ganze Turmrestaurant mieten.

Semmel und Schwedenbombe:

Ohne Baguette kann der Franzose

nicht leben, der Linzer nicht

ohne frische Semmel. Die gibts

bei Brandl, dem „Meister des

Handgebäcks“, jeden Morgen ab

halb sechs, aus unbehandeltem

Weizenmehl, auf der Steinplatte

gebacken. „Wir wollen die beste

Bäckerei sein – und auch bleiben“,

gibt sich Franz Brandl bescheiden.

Verstecken braucht er auch seine

Salzstangerl und Käseweckerl, die

Briocheknöpfe und Topfentaschen

nicht. Er backt in der ersten gläsernen

Backstube Österreichs.

Kaiserlich-königliche Gaumenfreuden

verspricht Fritz Rath in der

k.u.k. Hofbäckerei: „Die Zeiten

haben sich geändert, doch Per-

sönlichkeit und Qualität haben wir

bewahrt.“ Bilder an den Wänden erzählen

von alten Zeiten, der Kaiserkuchen

und die „Süsse Sissy“ auf

dem Teller kommen frisch aus der

Backstube. Eine Oase im geschäftigen

Stadtleben ist das „Traxlmayr“,

ein klassisches Kaffeehaus mit

Marmortischen, Messingleuchten,

Parkettboden, Zeitungen, Schachspielern

und Milchschaumhäubchen

auf dem Kaffee. Noch weniger

verzichten kann der Linzer auf die

„Schwedenbomben“, die Mohrenköpfe

der Konditorei Niemetz.

Kleine und grosse Kinder lieben sie

schachtelweise.

Wo der Nachtwächter wandelt:

Wolfgang Liegl folgt den historischen

Spuren der Nachtwächter,

von denen erst 1908 der letzte in

Pension ging. Kleine Gruppen führt

er entlang der Stadtmauer und

zu den sechs Stadttoren. Von ihm

erfährt man, was Torschlusspanik,

Spiessbürger und Schlitzohren

bedeuten, wo sich die engste Gasse

der Welt und der einzige Turm mit

vier Sonnenuhren befinden.

Wo man Zeit für Wein findet:

In einer unscheinbaren Seitenstrasse

hängt ein vielversprechendes

kleines Schild: „Wein & Zeit“. Ein

langer Korridor, nochmals eine

Tür, nochmals ein Korridor. In

der kleinen Bar werde ich vom

Wirtepaar Barbara und Willi wie ein

alter Bekannter empfangen. Ich

sei der erste Schweizer, der es bis

hierher geschafft habe, erklärt mir

Hermann, als Direktor der Linzer

Friedhöfe immerhin Herr über

34 000 Seelen. Und bei einem Glas

Wein oder zwei erfahre ich auch,

was das Zweitwichtigste im Leben

ist: „Tanzen ist die schönste Art,

Zeit zu vergeuden.“ Um acht Uhr

abends bin ich in den schmalen

Gang getreten, um vier Uhr früh

verlasse ich das Lokal mit lauter

neuen Freunden. Es ist wichtig,

Zeit für Wein zu finden.

Glaskunst und Donaukiesel:

Nur schon wegen Günther Mausz

lohnt sich ein Ausflug über die Brücke

nach Urfahr. In der Werkstatt

kann man dem ehemaligen Chemiker

zuschauen, wie er für Geniesser

aller Art Glas zu Kunst formt, zu

Vakuum-isolierten Weinkühlern und

Bierkrügen zu perfekten Wasserpfeifen.

Im selben Raum kann man

von „Vino Vino“ Lebenslust in Weiss

und Rot kaufen – ebenfalls in Glas,

in Weinflaschen. Stein und Eisen

verschönert die Künstlerin Sieglinde

Almesberger. Aus Donaukieseln

kreiert sie Schmuck, mit Draht

schafft sie Weihnachtskugeln – eine

Erinnerung an die frühere Stahlstadt

Linz. Bei Mona Lenz gehen Frauen

hinein und kommen Damen heraus

– mit einem neuen Hut. Und wer

ein ungewöhnliches oder verrücktes

Mitbringsel sucht, wird bei Michael

Hermann sicher fündig.

Was ich nach Hause nahm: Natürlich

eine Linzer Torte von Jindrak. Und

da doch eher trocken, habe ich sie

bei „Vino Vino“ mit einem Grünen

Veltliner ergänzt, und diesen bei

Günther Mausz mit einem Vakuum-

Weinkühler, damit ich mir beim

Geniessen viel Zeit nehmen kann.

Einen Segway-Roller habe ich

zwar nicht mitgebracht – aber mir

fest vorgenommen, zurück in der

Schweiz einen zu kaufen.

Heinz Schmid

64 Jahre

San Nazzaro/Tessin/Schweiz

Journalist, Schriftsteller,

Filmemacher und Architekt

Wo gibt es was in Linz

Hotels

Pixel Hotel Tel. 650 743 79 53

Hotel Wolfinger Hauptplatz 19

Tel. 732 773 29 10

Spitz Hotel Fiedlerstr. 6

Tel. 732 733 733

Bäckerei-Konditoreien

Bäckerei Brandl Bismarckstr. 6

K. u. k. Hofbäckerei Pfarrgasse 17

Konditorei Jindrak Herrenstrasse 22

Konditorei Niemetz Fadingerstr. 23

Wurstbars

Würstelstand Warmer Hans Hauptplatz

18

Leberkas-Pepi Rathausgasse 3

Der Wurstbasar Passage am Hauptplatz

24

Cafés, Restaurants, Bars

Café Traxlmayr Promenade 16

Gasthof Goldener Anker Hofgasse 5

Pöstlingberg Schlössl Am Pöstlingberg

14

Josef – das Stadtbräu Landstr. 49

Wein & Zeit Klosterstr. 10

Einkaufen

Mausz – Glas & Metall Vino Vino

Reindlstrasse 19

Donau-Stein-Design Hofgasse 7

Mona Lenz Huthandwerk Klammstr. 1

Michael Hermann Spittelwiese 15

City-Touren

Segway Hauptplatz 1

Tel. 732 7070

Nachtwächter Wolfgang Liegl

Tel. 732 60 42 02

Museen

Ars Electronica Center Hauptstr. 2

Zahnmuseum Hauptplatz 1

Information

Tourist Information Linz Hauptplatz,

4020 Linz

Tel. 732 7070 2009

Österreich Werbung Postfach,

8036 Zürich Tel. 0842 10 18 18

Telefonvorwahl Österreich 0043


LINZ,

SPEKTRUM

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[…] und die Donau rauschte

dazwischen herauf – und es war

alles, alles gut!

Joseph von Eichendorff (1788–1857)


LINZ,

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Nils Hille, Deutsches Architektenblatt

Linzer Orte

Ein Streifzug durch Europas

Kulturhauptstadt 2009 mit

Annäherung an die Donau,

einem überdimensionalen

Tischtuch und gut beschäftigten

Architekten.

Nah am Wasser gebaut – dies ist

eine neue Erfahrung für die Architekten

in Linz. Jahrzehntelang passierte

nicht viel am Ufer der Donau.

Die meisten Gebäude und Grundstücke

sind im Privatbesitz, doch

nicht jeder pflegt sein Haus. So

steht eine herausgeputzte zitronengelbe

Villa neben einem heruntergekommenen

graubraunen Schuppen.

Doch langsam wandelt sich das

Bild. Genau aus diesem Grund hat

Architekt Christoph Weidinger das

Ufer als Start für die Führung durch

seine Stadt gewählt.

Eines der neuen Gebäude ist die mit

Glas verkleidete Betonbrückenkonstruktion

von Weber und Hofer aus

Zürich, die den Ausstellungsräumen

des Lentos Kunstmuseums Platz

bietet. Wie ein großer Fensterrahmen

wirkt der sehr reduzierte Baukörper.

Doch wer durch ihn hindurchblickt,

sieht nicht aufs Wasser (dafür ist er

zu hoch gebaut), sondern auf die

andere Uferseite der Donau. „Außer

der Reflexion in den Scheiben gibt es

keinen direkten Bezug zum Fluss“,

sagt Christoph Weidinger, dem

das Gebäude dennoch gut gefällt.

Genauso wie das Museumsrestaurant

im Erdgeschoss, das er gerne

empfiehlt (siehe „Kulinarisch“).

Die Flussbebauung schreitet auch

am anderen Ufer voran, zu dem

der Architekt nun hinüberzeigt. Er

schaut zum Ars Electronica Center,

auch „Museum der Zukunft“

genannt – das Neubauprojekt

der Stadt, mit dem die meisten

Hoffnungen der Linzer Architekten

verknüpft sind. „Das Wiener

Büro Treusch integriert in seinem

Um- und Erweiterungsbau eine

große Freitreppe am Fluss“, erklärt

Weidinger. Die soll die Linzer

ans Wasser ziehen. Eine Verdreifachung

der Ausstellungsfläche

ist mit der Veränderung ebenfalls

verbunden (siehe „Kulturell“). Und

passend zum Titel „Museum der

Zukunft“ haben die Architekten an

dieses Symbol für den IT-Standort

Linz eine Medienfassade gesetzt.

„Sie bietet dem nachts beleuchteten

Lentos einen Gegenspieler am

anderen Ufer.“

Stadtgeschichten

Von dem Duo führt Weidingers Weg

den innerstädtischen Berg hinauf zu

einem dritten Museum: dem Linzer

Schloss. Es thront über der Stadt

und wird in wenigen Minuten über

einen steilen Aufgang erreicht. In

der aktuellen Ausstellung des Museums

„Kulturhauptstadt des Führers“

setzt sich die Stadt selbstkritisch mit

ihrer NS-Vergangenheit und Hitlers

Bauplänen auseinander (siehe

„Erlebenswert“).

Sehenswert ist auch die Museumserweiterung

durch den SüdflügeI.

1800 brannte er ab, nun baut HoG

Architektur bis Mitte des Jahres

an gleicher Stelle neu. Als „eine

gläserne, schwebend wirkende

Brücke, mit der Rund- anstatt Endgänge

in dem Ausstellungsbereich

entstehen“, beschreibt Weidinger

begeistert die Veränderung. Sie

bringt dem Museum 6000 Quadratmeter

Platz für zwei neue Dauerausstellungen

zur Natur- wie zur

Technik- und Wirtschaftsgeschichte

von Oberösterreich.

Über Treppenstufen geht es an der

anderen Seite vom Schlossberg

hinunter in die Altstadt. Nach und

nach werden deren Häuser renoviert

und umgenutzt. Viele junge

Architekturbüros haben dabei in

dem Viertel ihren Standort gefunden.

Auf dem Hauptplatz wurde

vor einem Gebäude ein überdimensionales

Tischtuch aufs Pflaster

gemalt. „Es ist angerichtet“ ist die

einladende Botschaft für die Kulturhauptstadtgäste

in diesem Jahr.

Wer dieses Tischtuch überquert,

gelangt in das Informationszentrum

zum Festjahr. Christoph Weidinger

führt uns aber daran vorbei, weiter

Richtung Graben 3, einer Adresse

des Projekts „Pixelhotel“. Gemeinsam

mit drei Kollegen hat er zum

Kulturjahr Zimmer in leer stehenden

Gebäuden eingerichtet, immer

individuell passend zur Geschichte

des Standorts. Dabei ergänzen

sie nur Einrichtungen, die für den

Übernachtungskomfort nötig sind.

„Wir wollen damit Orte erlebbar

machen, an die man sonst nicht

gelangen könnte“, erklärt er (siehe

„Entspannend“).

Wechselnde Akustik

Wenige Meter weiter in der belebten

Straße namens Graben zeigt Weidinger

zum Café Stern, das er als den

„Treffpunkt der Linzer Kunst- und

Kulturszene“ empfiehlt (siehe „Kulinarisch“).

Doch auch hier hinein

zieht es ihn nicht, sondern weiter in

die Seitenstraße. Und plötzlich ist es

still. „Das ist oft in Linz so, dass hier

Ruhe und Lärm nahe beieinander

liegen“, erklärt er. Die passende Aktion

„Hörstadt“ wird sich das ganze

Jahr über mit den Geräuschen der

Stadt auseinandersetzen (siehe

„Erlebenswert“).

Versteckt hinter Bäumen und einer

Baustelle liegt Weidingers nächstes

Ziel: die Synagoge in der Bethlehemstraße.

Der Bau von Friedrich

Goffitzer für die Israelitische Kultusgemeinde

ist Ende der 60er-Jahre

an dem Ort neu entstanden, an

dem bis zum Zweiten Weltkrieg

eine Synagoge stand. Auf einem

mit Granitsteinen gepflasterten

Plateau wirkt sie viel höher, als sie

eigentlich ist. Um die abgerundeten

Ecken des früher einmal weißen

und jetzt leicht ergrauten Kubus

streicht das Sonnenlicht. „Man

merkt die Spuren der Zeit, was aber

nicht stört. Besonders sehenswert

ist der klassische Zentralraum, den

Fritz Fröhlich mit Wandmalereien

gestaltet hat“, sagt Weidinger. Wer

ihn sehen will, muss sich vorher

anmelden.

gesetzt. Es wirkt deutlich neuer als

das Nebengebäude, das erst über

zehn Jahre später folgte.“ Nur für

die große Klimaanlage haben die

Betreiber keinen unauffälligen Platz

gefunden. Sie steht deutlich sichtbar

hinter dem offenen Parkplatz.

Paradies für Architekten

Linz hat mehr Arbeitsplätze als

Einwohner – darauf weisen die

Bewohner immer wieder stolz

hin. Oberösterreich und seiner

Hauptstadt geht es wirtschaftlich

gut. Viele kleine Firmen, die auch

international tätig sind, haben sich

hier nieder gelassen. Die Banken

machen gute Geschäfte und haben

große, fast schon überdimensionale

Gebäude errichtet. „Wir Architekten

haben genug zu tun und wenig zu

klagen“, sagt auch Weidinger, als

er an einer Großbaustelle für neue

Wohn- und Geschäftshäuser vorbeiführt.

Er und seine beiden Kollegen,

die gemeinsam das Büro „any time“

bilden, sind zufrieden mit der Auftragslage.

„Auch als junges, neues

Team sind wir schnell beschäftigt

gewesen.“

Einen Block weiter in der

Gruberstraße geht der Architekt

schnurstracks auf ein Gebäude zu

und bleibt davor stehen. „Die meisten

nehmen das Bürogebäude

der Oberösterreichischen Versicherung

gar nicht wahr, doch ein

genauerer Blick lohnt sich.“ Interessant

findet Weidinger vor allem

die Aluminiumfassade, mit der

die Arbeitsgruppe aus acht Linzer

Architekten ihr Gebäude ausgestattet

hat. Sie verleiht dem über 30

Jahre alten Bau immer noch „etwas Und die positive Situation hält auch

Frisches und Fortschrittliches“, nach Abschluss der Arbeiten für

wie Weidinger findet: „Statt eine das Kulturhauptstadtjahr an. Die

Tiefgarage zu bauen, wurde das Linzer Stadtentwicklung wird in

Gebäude für Parkplätze auf Stelzen diesem und den nächsten Jahren >>


LINZ,

SPEKTRUM

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Ich habe viel von den schönen

Linzerinnen gehört. Ich habe bey

meiner zweymaligen Anwesenheit

genau darauf Acht gegeben, und den

Ruf bestätigt gefunden. Es fällt einem

aufmerksamen Beobachter sehr in

die Augen, dass beide Geschlechter

hier schön sind, besonders aber das

weibliche. [...]

Friedrich Nicolai (1733–1811), 1781


LINZ,

SPEKTRUM

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ein großes Thema sein. Weitere

Lebens- und Arbeitsräume müssen

geschaffen werden. Weidinger

geht zu einer großen, im Touristenstadtplan

rein weiß eingezeichneten

Fläche. Sie symbolisiert ein

Gebiet, auf dem gerade eine solche

Nutzung neu entsteht. „Das ist

hier eine typische Vorgehensweise.

Zuerst wird alles plattgemacht

und dann gezielt neu geplant“,

erklärt er.

Reinhard Drexel und Gerhard Zweier

aus Hohenems haben in diesem

Fall die Entwürfe übernommen.

Die Wohnungsgesellschaft und die

Landeswohnungsgenossenschaft

bauen nun nach den Plänen auf

dem rund 35 000 Quadratmeter

großen Areal der ehemaligen Landesfrauenklinik

415 Wohneinheiten

– in mehreren Punktbauten und

einem Wohnriegel. „Solche Projekte

sind gut für die Stadt. Ich finde es

nur schade, dass ein langes Gebäude

entstehen muss. Auf der Seite

des Grundstücks gibt es jetzt schon

einen guten Blick auf Begrenzendes“,

kommentiert Weidinger. Er

spielt damit auf die nebenstehenden

Austria-Tabakwerke an, den

wohl mächtigsten Bau der Stadt von

Peter Behrens und Alexander Popp.

Nur noch bis Ende des Jahres wird

das Gebäude für den eigentlichen

Zweck genutzt. Über das Danach

wird diskutiert und spekuliert, auch

von unserem Stadtführer: „Eine Mischung

aus Wohnungen und Kultur

wäre hier gut.“

Rein- und rausgeschaut

Bevor Weidinger einmal halb um

das Areal läuft, biegt er in der

Lederergasse kurz zur Pfarrkirche

St. Severin von Franz Wiesmayr

ab. Im elliptischen Zentralraum hat

der Architekt, durch ein an Höhe

gewinnendes Band von bunten Glasfenstern,

gelungen mit unterschiedlichen

Lichteinfällen gespielt“, sagt

Weidinger. Als stimmig sieht er auch

das Parkbad mit Eishalle zwischen

Tabakwerken und Donauufer an.

Curt Kühne errichtete 1930 den Bau,

den die Arbeitsgemeinschaft aus

den Büros Riepl Riepl und Johannes

Kaufmam nun verändert und erweitert

hat. Das Gebäude erhielt einen

veränderten Eingangsbereich und

modernisierte Garderobenräume. Die

Eishalle und ein Parkhaus kamen

neu hinzu. Mit der Umgestaltung

der Saunalandschaft werden gerade

die letzten Schritte vorgenommen.

„Attraktiv, einladend und eine grüne

Oase der Erholung in der urbanen

Hektik soll es werden“, wünscht

sich die Stadt auf ihrer Homepage.

Weidinger gefällt die Öffnung des

Gebäudes durch große Scheiben

zur stark befahrenen Straße hin,

über die die Bürger viel diskutieren.

„Wenn es draußen dunkel ist, wirkt

es, als führen die Besucher direkt

neben der Straße Schlittschuh.“

Bald dahinter steht das Brucknerhaus,

benannt nach Oberösterreichs

bedeutendstem Komponisten Anton

Bruckner. „Auch dieser Bau war

erst umstritten, jetzt liebt ihn jeder“,

erklärt Weidinger zu dem von Kaija

und Heikki Siren 1974 errichteten

und von Roland Ertl im Jahr 2000

sanierten Gebäude. Rund 200

Konzerte und andere Veranstaltungen

finden jedes Jahr in dem

Haus direkt an der Donau statt, das

für seine akustischen Qualitäten

bekannt ist (siehe „Kulturell“). Und

seine gebogene Glasfront zeigt, wie

auch in Linz schon seit Jahrzehnten

Architektur wirken kann, die nah

am Wasser gebaut ist.

Nils Hille

28 Jahre

Wuppertal

Redakteur

Deutsches Architektenblatt

Kulinarisch

Restaurant Lentos Gelungene Kombination

aus Gastronomie und Innenarchitektur

im Kunstmuseum. Auch

zur Mittagszeit ist eine Reservierung

empfehlenswert.

www.lentos-gastro.net

Stern Café Bar Zentral im Linzer

Citykino gelegen. Auf der Speisekarte

stehen italienische Kaffeespezialitäten,

Pastagerichte. Antipasti und

Süßspeisen. www.krokodil.at

Herberstein Mehrfach ausgezeichnetes

Restaurant in der Innenstadt.

Europäische und asiatische Elemente

in der Architektur und in den

Speisen. www.herberstein-linz.at

Stieglbräu zum Klosterhof Das Traditionshaus

in Linz. In einem denkmalgeschützten

Herrenhaus gelegen.

Mit 1500 Plätzen Oberösterreichs

größter Biergarten.

www.klosterhof-linz.at

Kulturell

Ars Electronica Center „Das Museum

der Zukunft“ bietet Einblicke in

digitale Welten. Interaktive Experimente

mit den neusten Medien und

Technologien sind möglich.

www.aec.at/center

Brucknerhaus Drei Säle mit bis zu

über 1500 Plätzen bieten kleinen

wie großen Veranstaltungen des

abwechslungsreichen Programms

einen passenden Rahmen. Spezielle

Konzerte zum Kulturhauptstadtjahr.

www.brucknerhaus.at

Landestheater 1670 als ständische

Reitschule errichtet, heute Großes

Haus und Kammerspiele. 2011 soll

das neue Gebäude „Blumauerplatz“

am neuen Musiktheater eröffnen.

www.landestheater-linz.at

Entspannend

Pixelhotel Die Zimmer und Suiten

sind im Linzer Stadtraum verteilt,

zum Beispiel in einem Geschäftslokal,

in einer Hinterhofwerkstatt

oder auf einem Schiff.

www.pixelhotel.at

Landgraf Hotel & Loft Zentrales

Viersternehotel neben dem Ars

Electronica Center und somit nahe

der Donau. Sehr stilvoll eingerichtete

Zimmer, Suiten und Lofts.

www.hotellandgraf.com

Spitz Hotel Neues Lifestylehotel am

Ufer der Donau. Moderne, helle

Räume mit Designeinrichtung und individueller

künstlerischer Gestaltung.

www.spitzhotel.at

Erlebenswert

Kulturhauptstadt des Führers

Geplante und realisierte Projekte der

NS-Kulturpolitik. Das Schlossmuseum

zeigt die Ausstellung zu Hitlers

Plänen. bis 13. April

Crossing Europe Festival Jung und

eigenwillig: Rund 150 Spiel- und Dokumentarfilme

des zeitgenössischen

Autorenkinos werden innerhalb einer

Woche gezeigt. 20. bis 26. April

Hörstadt Bewusstes Hören ist das

Motto der Kampagne gegen Zwangsbeschallung.

Verschiedene Maßnahmen

sollen das Gehör entspannen

und schärfen. Ganzjährig

Good Night Stuff Linzer Künstler spielen

gemeinsam mit internationalen

Musikern an bisher unmusikalischen

Orten. Die elektronische Musik ist

zum Beispiel unter Autobahnrampen

und im Containerhafen zu hören.

Ganzjährig

Viele weitere Veranstaltungen:

www.linz09.at/info


Ankunft in Linz. Regen. Kann nicht

einmal die Stadt ansehen, die ich

zehnmal besehen und zehnmal

wieder vergessen habe.

LINZ,

SPEKTRUM

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Franz Grillparzer (1791–1873), 1836


LINZ,

SPEKTRUM

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In Linz blinkt‘s

Inge Jucker, ReiseBlick

Das Kulturhauptstadtjahr ist

noch jung, als wir Linz besuchen,

aber es ist bereits gut

zu spüren, dass der Slogan

der StadtLinz verändert –

erste Wirkung zeigt. Während

eines Tages ist TV-Moderatorin

Claudia Lässer mit uns

unterwegs in der Stadt der

Versuchungen und Verrücktheiten.

Linz ist Provinz Jein ... Denn für

das Jahr als Kulturhauptstadt 2009

– übrigens zusammen mit dem

litauischen Vilnius – hat sich die

kleine Grossstadt (oder ist es eher

eine grosse Kleinstadt) viel einfallen

lassen, das überhaupt nicht provinziell

ist, sondern eher experimentelle

Züge trägt. Martin Heller, der

in der Schweiz bereits die Expo02

auf die Beine gestellt hat, ist der

Linz09-Intendant. Und überall, wo

wir als Schweizer erkannt werden,

kommt sofort die Frage: „Kennen‘s

den Martin Heller“ Ja, klar! Nicht

persönlich, aber wir kennen ihn.

Oberflächlich schwingt bei den

Linzern ein gewisser Stolz mit.

Gräbt man aber abends bei einem

Glas österreichischen Weines etwas

tiefer, wird klar: Nicht alle sind von

der Wahl Hellers begeistert, denn

er polarisiert. Das ist natürlich gut,

denn nur so konnte eine Diskussion

entstehen über das, was Linz und

die Linzer ausmacht. Und das ist

wahrlich nicht nur die Linzertorte.

Humor, etwas Verrücktheit, Heimatbewusstsein

und eben auch

eine Prise Provinzialismus könnte

man aufzählen. Eine sympathische

Mischung, doch am besten erfährt

man sie selber vor Ort.

In Linz klingt‘s

Einhundertvierundachtzig ... einhundertfünfundachtzig

... Puhhh

... noch eine Stufe, dann ist es

geschafft! Linz09-Trompeter Hans-

Georg Reiter hat seinen steilen

und nicht ganz ungefährlichen

Arbeitsweg hinauf in den Turm der

Stadtpfarrkirche hinter sich. Die

186 unterschiedlich hohen, oft

leiterschmalen Stufen sind eine

Herausforderung und bringen jeden

ausser Atem.

Hans-Georg, im richtigen Leben

Elektronikentwickler, wartet bis

punkt 18 Uhr. Dann macht er

aussen auf dem Turm Licht, tritt auf

die Plattform und spielt auf seiner

Barocktrompete in die heraufziehende

Nacht hinaus. Viermal. In

jede Himmelsrichtung einmal. Licht

aus – und der „Spuk“, der so manchen

Passanten in den Gassen der

Stadt innehalten und staunen lässt,

ist vorüber. Hans-Georg erzählt, es

habe sogar schon Applaus gegeben.

Zusammen mit seinen 20 Kollegen

wechselt er sich das ganze Jahr

2009 über mit dem luftigen Nebenjob

– korrekt Türmerei genannt

– ab. Das Spielen auf der Barocktrompete

musste er erst lernen,

denn das ist gar nicht so einfach. Es

lässt sich mit der Spieltechnik des

Alphorns vergleichen.

Auf einem anderen Turm in der

Stadt passiert das genaue Gegenteil:

Statt Musik wird auf dem Glockenturm

des Neuen Doms ein Jahr lang

die Stille gepflegt. In dreijähriger

Planungs- und Bauzeit wurde das

Türmerzimmer neu gebaut, damit

es in jeder Woche des Jahres 2009

von einem anderen „Eremiten auf

Zeit“ bewohnt werden kann.

250 Bewerbungen hat es gegeben,

eine sogar aus New York. Schade,

dass das Jahr nur 52 Wochen

hat... So kommen nicht alle in den

Genuss einer stillen Auszeit. Von

„still“ ist natürlich das Glockengeläut

ausgenommen, doch daran

gewöhne man sich schnell, erzählt

Hubert Nitsch, der Projektverantwortliche.

Es sei auch eine echte

Millimeterarbeit gewesen, das Bett

über die Wendeltreppe auf den

Turm zu bringen, und ausserdem

mussten Wasserleitungen verlegt

und Sicherheitsvorkehrungen getroffen

werden.

Der Turmeremit steigt nur einmal

pro Tag herunter – 395 Stufen! –,

um am öffentlichen Mittagsgebet

„Schweigen mit dem Eremiten“

teilzunehmen und sein Essen

abzuholen. Im Restaurant des

Hotels Kolping, welches das Essen

liefert, wird jeweils gleichentags das

Gericht, das der Turmbewohner

ausgesucht hat, als „Eremitenmenü“

angeboten.

In Linz stinkt‘s

Von wegen! Es duftet! Aus unzähligen

Bäckereien und Konditoreien

– so dass einem das Wasser im

Munde zusammenläuft. Selbstverständlich

führt kein Weg an der

Linzertorte vorbei. Doch anders

als im nahen Salzburg, wo mit

Rechtsanwälten über „echte“ und

„original“ Mozartkugeln gestritten

wurde (s. ReiseBlick 1/2008), ist

jede in Linz gebackene Linzertorte

eine echte. Nicht einmal das Rezept

muss gleich sein.

Als Linzertorten-König kann man

getrost Leo Jindrak bezeichnen,

wenngleich es viele andere Linzer

Konditoreien gibt, welche die süsse

Verführung ebenfalls verkaufen.

Leo III. führt uns durch sein süsses

Imperium der Versuchungen, von

einer Backstube zur anderen, von

dieser Station zur nächsten. Claudia

Lässer ist überzeugt: „Hier könnte

ich nie arbeiten! Ich müsste immer

naschen und würde rund und runder

...“ Linzer- und andere Torten,

„Besoffene Kapuziner“ (eine Art

Savarin), Linzer Augen (Spitzbuben)

– die Verführungen sind endlos.

Und wir staunen: Nicht weniger als

80 000 Linzertorten verlassen jährlich

die Backstube an der Herrengasse

22–24!

Szenewechsel, aber immer noch

das Thema Verführungen. Während

wir mit Stadtführer Casimir

Paltinger bei NieseIwetter über

den Südbahnhofmarkt stapfen,

fragt er unvermittelt: „Kennen Sie

Schwedenbomben“ Erstaunte

Gesichter, grübelnde Gedanken ...

aber: „Nein, kennen wir nicht.“ Also

nichts wie rein ins Café Niemetz,

das die Schwedenbomben verkauft.

Dabei handelt es sich um nichts

anderes als Mohrenköpfe, die es

in zwei Sorten gibt: nackt und mit

KokosstreuseIn „verputzt“. Helles

Gelächter ... und Paltinger erzählt,

dass Schwedenbomben zu den

Kindheitserinnerungen der meisten

Österreicher gehören.

Pflaumenmus. Und wer nicht weiss,

ob er diese oder jene Spezialität

mag, dem sei ein Besuch bei

Josef angeraten. Diese Institution

in Linz ist eine Mischung aus Bar,

Brauerei, Restaurant und Konzertlokal.

Und wenn im Rest der

Stadt – beispielsweise an einem

Sonntagmorgen – nichts, aber auch

gar nichts los ist, im Josef herrscht

immer Betrieb. Beim reichhaltigen

Sonntagsbrunch zu 17 Euro (ca.

25 Franken) oder beim hauseigenen

Bier – frisch gebraut, versteht

sich! – zu österreichischen Tapas.

Das Josef ist längst kein Geheimtipp

mehr, aber man muss ganz

einfach dort gewesen sein.

Linz gelingt‘s

Doch wieder zurück zu Linz09, das

Ernsthaftes wie Verspieltes zu bieten

hat. Ein Meisterstück bezüglich Aufund

Verarbeitung der Geschichte

von Linz als von Hitler geplante

Führerhauptstadt ist dem Schlossmuseum

gelungen. Schade, dass

die beeindruckende Zusammenführung

von damaligen Plänen und

heute bekannten Tatsachen schon

vorbei ist. Ab Anfang Juni trägt

das Kunstmuseum Vilnius zu einer

Ausstellung im Schlossmuseum bei,

dessen neuer, moderner Südtrakt

im Juli feierlich eröffnet wird.

Ein anderes Meisterwerk steht an

Für Essbares, so scheint mir,

muss man in Österreich allenthalben

Übersetzungshilfe in Anspruch

nehmen. Kaiserschmarrn und

Strudel kennt man, aber was sind

Beuschel, Stelze und Powidl! Ganz

einfach: Innereien, Gnagi und >>


LINZ,

SPEKTRUM

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In Linz wurden wir aufgenommen,

wie ehemals die Könige.

Friedrich Hebbel (1813–1863), 1848


LINZ,

SPEKTRUM

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der Donau: das Linzer Kunstmuseum

Lentos. Das Gebäude mit

Durchblick, von den Züricher Architekten

Weber & Hofer entworfen,

lässt staunen; die aktuelle Ausstellung

„Best of Austria“ genauso. Je

3 Werke aus über 30 österreichischen

Museen sind noch bis zum

10. Mai 2009 im Lentos vereint.

Die Auswahl oblag den jeweiligen

Institutionen und so entstand eine

Ansammlung unterschiedlichster

Werke, quer durch alle Stilrichtungen

aus acht Jahrhunderten. Die

Ausstellung provoziert, denn so

verschieden die Erwartungen an ein

„Best of“ sind, so vielfältig sind die

gezeigten Bilder und Objekte.

Ein Wagnis, aber auch ein lustvolles

Unterfangen mit Augenzwinkern.

Die Ausstellung, die auch weniger

Kunstinteressierte in ihren Bann

zieht, weist bei genauer Betrachtung

Humor auf: Da schaut doch Kaiserin

Maria Theresia argwöhnisch aus

dem Bilderrahmen – genau auf ein

Kaffeeservice, das aus ihrem Hause

stammt, aber von einem anderen

Museum als Leihgabe zur Verfügung

gestellt wurde. Eine Spielerei

der Ausstellungsarchitekten

Für Kids in Linz

Humorvoll und märchenhaft geht

es auf dem Pöstlingberg, dem

Linzer Hausberg, zu, denn hier

kommen Kinder auf ihre Kosten. Im

Turm der ehemaligen Befestigungsanlage

befindet sich seit 1936 das

Zwergenreich mit dem Drachen

Lenzibald, der Grottenbahn und

dem Nachbau des Linzer Hauptplatzes.

Der 2. Weltkrieg ließ zwar

die Märchenwelt nicht unberührt,

doch bereits 1948 war die Grottenbahn

wieder für Besucher offen. In

den letzten Jahren sind Erweiterungen

dazugekommen und Lenzibald

hat eine Nebelmaschine bekommen,

damit er auch drachengerecht

schnauben kann.

2002 ist die Zwergengruppe „Der

kranke Hase“ in den Pöstlingberg

zurückgekehrt. Das Märchen handelt

von einem Hasen mit verletzten

Läufen, der von den Zwergen der

Grottenbahn jahrzehntelang gepflegt

wurde und allen Linzern als „Der

kranke Hase“ bekannt ist. Kaum

ein Kind, das mit dem Tier, das

sich nicht bewegen konnte, Mitleid

gehabt hätte. Doch wer jetzt nach

dem kranken Hasen sucht, trifft nur

seinen Stellvertreter. Der „echte“

Darsteller hat dieses Jahr in der

Stadt unten eine Linz09-Aufgabe:

verrückt nach Linz.

Der kranke Hase ist in Linz unterwegs

und will den Menschen neue

Wahrnehmung und neues Erleben

ermöglichen, Gewohntes verändern,

um mehr zu geniessen. Und nicht

zuletzt: um Linz etwas verrückter

zu machen. Erste Anzeichen der

Anwesenheit des kranken Hasen

sind blaue Kleber, die in der ganzen

Stadt verteilt an Türrahmen, Schaufenstern

und Laternenpfählen zu

finden sind. Was er in Linz

noch alles anstellen wird, wissen

jedoch nur die Initiantinnen des

Projekts und die Künstler aus vielen

Ländern, auch aus der Schweiz. In

Linz wird es dieses Jahr also alles

andere als langweilig sein.

Interview mit Claudia Lässer

„Menschen interessieren

mich immer“

Ihre Agenda ist voll und das Handy

der ständige Begleiter, doch wenn

TV-Powerfrau, Moderatorin und

SSF-Programmleiterin Claudia

Lässer in einer Stadt wie Linz unterwegs

ist, nimmt sie das Wichtigste

schon auf den ersten Blick wahr.

Und sie wird nicht müde, mit den

Menschen zu reden.

ReiseBlick: Welche Beziehung

haben Sie zu Österreich

Claudia Lässer: „Eine Grosse! Ich

bin ein richtiger Österreich-Fan!

Denn dort gibt es viele Schlösser.

Seit meiner Kindheit habe ich

nämlich einen Schlösser-Tick. Als

Fünfjährige habe ich mich einmal

in Wien im Schloss Schönbrunn

versteckt, weil ich dort eine Nacht

verbringen wollte. Aber man hat

mich dann leider doch gefunden.

Meine Mutter hat das natürlich

ausgenützt, denn wenn man mir

ein Schloss in Aussicht stellte,

habe ich jede Wanderung mitgemacht.

Ja, und jetzt arbeite ich

auch in Wien, habe für Sat1 Österreich

und Schweiz die Sendung

„Kickoff“ gemacht und für Puls4

einen Prominenten-Talk.“

Und welchen Eindruck hat denn

nun Linz auf Sie gemacht

„Es hat eine herzige Innenstadt,

doch wichtiger sind die Menschen.

Sie sind sehr warmherzig, „gmögig“,

gemütlich und offen. Linz

würde ich sofort wieder besuchen,

vor allem dieses Jahr. Für das

Kulturhauptstadt-Programm haben

sich die Linzer viel einfallen lassen.

Und Schlösser gibt es dort ja

auch...“ (lacht herzlich)

Mögen Sie eigentlich Linzertorte

„Ja, sehr! Mit dem Mürbeteig, wie

er in Linz gemacht wird, schmeckt

sie etwas anders als bei uns.“

In der Backstube von Jindrak haben

Sie gleich angepackt. Kochen

und backen Sie gerne selber

„O ja! Ich bin eine leidenschaftliche

Köchin. Ich koche jeden Abend

sehr kreativ – auch mit Resten.

Zum Dessert gibt es aber meistens

eher Cremes und Früchte als

Selbergebackenes. Für mich ist

das Kochen ein guter Ausgleich. So

kann ich kreativ und relaxed sein

und meine Freunde freuen sich

auch. Alle zwei Wochen treffen wir

uns mit Freunden zum Kochen.“

Welches sind denn Ihre österreichischen

Lieblingsspeisen

„Kaiserschmarren – eindeutig!

Der ist halt einfach sehr mastig

wie vieles in Österreich... Desserts

machen die Österreicher aber sehr

gute – Kalorien hin oder her. Dann

muss man nachher einfach eine

Runde länger rennen gehen.“

Sie sind Vegetarierin, überall gibt es

Wurststände, aber keine VegiSnacks.

Ist das nicht ermüdend

„Doch, das ist sogar sehr ermüdend.

Gerade in Österreich, wo es

so viele Fleischgerichte gibt, ist es

schwierig. Da reduziert sich dann

alles auf die Beilagen oder allenfalls

Fisch. Die Österreicher sind

mit der Vegi-Küche überfordert,

scheint mir.“

Sie reisen viel. Wo waren Sie

zuletzt Und wieso

„In Wien natürlich – alle drei

Wochen. Und in Mexiko. Dort habe

ich Ferien gemacht. Die Farben

waren herrlich! Als sehr visueller

Mensch hat mir die Farbintensität

besonders gut gefallen. Ein Sonnenaufgang

in Mexiko öffnet das

Herz! Und die Pflanzen, die man

zu Hause im Wohnzimmer hat, die

>>


LINZ,

SPEKTRUM

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wachsen dort einfach am Strassenrand.

Einfach paradiesisch! In einer

solchen Umgebung kann ich gut

vom Alltag abschalten. Ansonsten

bin ich eher in Europa unterwegs.“

Worauf achten Sie zuerst, wenn Sie

in eine fremde Stadt kommen

„Immer auf die Menschen. Sie interessieren

mich, denn sie machen

eine Stadt aus. Ich rede auch mit

allen Leuten. Zum Beispiel Taxifahrer

ausfragen zahlt sich immer aus.

In Österreich hat man ja meistens

einheimische Fahrer, und die

erzählen gerne einen Schwank aus

ihrem Leben.“

Wo waren Sie noch nie, möchten

aber unbedingt mal hin

„Nach Südafrika. Alle, die dort

waren, schwärmen. Die Landschaft

muss sehr speziell sein.“

Welche Bedeutung hat für Sie

das Wort Trend

„Es ist das Wort in meinem Beruf.

Sei es Sport oder Mode – ich bin

in meinem Job gezwungen, schon

vorherzusehen, was Trend sein

wird. Das ist auch schön, denn so

kann ich immer neugierig sein –

eine Charaktereigenschaft, die auf

mich sowieso zutrifft. Und deshalb

reise ich auch so gerne, lasse mich

inspirieren, sehe, was die Leute so

anziehen, essen und trinken...“

Springen Ihnen beispielsweise Modeströmungen

ins Auge oder bedarf

es einer längeren Beobachtung

„Nein, das sehe ich sofort! Auf

den ersten Blick. Das habe ich

von klein auf. Ich sehe sofort, was

in einem Land häufiger getragen

wird. Aber ich schaue sicher auch

bewusster hin als andere.“

Was ist Ihnen in Linz aufgefallen

„Dass die Retrospektive eine grosse

Rolle spielt. Das Traditionelle wird

mit modernem Schick kombiniert.

Trachtenartige Kleider, sehr auf

Taille geschnitten, und Hüte… Aufgefallen

ist mir, dass viele Linzerinnen

Hut tragen, auch extravagante

Modelle. Es scheint ein Ausdruck

der Linzer Persönlichkeit zu sein.

Gut, es gibt dort auch viele Anlässe,

zu denen man sich entsprechend

kleiden und einen Hut dazu tragen

kann. Ich finde Hüte toll, farbige

sowieso. Nur mit der ausladenden

Grösse – ich weiss nicht... damit

würde ich mich vielleicht nicht ganz

wohl fühlen.“

Wieder zurück in die Schweiz.

Welches sind Ihre Zukunftsprojekte

„Am 1. Juli startet das Schweizer

Sportfernsehen, das auch ein

wenig mein „Baby“ ist, denn bei

diesem neuen Sportkanal bin ich

Programmleiterin und verantwortlich

für Programm und Auftritt des

Senders. Ausserdem sind noch

zwei, drei Sendungen für Sat1 in

der Pipeline. Eines ist eine Castingshow,

aber ich darf natürlich noch

nicht verraten, worum es dabei

geht.“

Inge Jucker

51 Jahre

Aesch-Maur / Schweiz

Chefredakteurin des Reise-

Blicks – LZ Fachverlag AG


LINZ,

SPEKTRUM

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Thema

Ausschreibung

Jury

Linz ist 2009 Kulturhauptstadt Europas. Gemeinsam mit

der litauischen Hauptstadt Vilnius teilte sich Linz im

Jahr 2009 diesen Titel. Damit war Linz für ein Jahr lang

Gastgeberin Europas. Kultur an allen Ecken und Enden

der Stadt und der Region erwartete die BesucherInnen.

Das Programm von Linz09 ist geprägt von verschiedenen

Themen: die Stadt Linz, ihre Geschichte und Zukunft

fließen ebenso ein wie Europa und die Welt. Linz

entwickelt sich zu einem ganz besonderen Modell der

modernen europäischen Stadt – eine technologieund

wissensbasierte Industriestadt, die Kultur und Kulturwirtschaft

gleichermaßen ernst nimmt und zudem auf

eine ökologisch und sozial orientierte Lebensqualität Wert

legt. Für Linz09 ist deshalb der Zusammenhang

von Industrie, Kultur und Natur von besonderem Interesse.

Linz 2009 ist auch Linz 2015: Nicht nur im Jahr

2009, sondern erst recht darüber hinaus soll Linz zur

interessantesten Stadt Österreichs werden.

190 000 Einwohner, Zentrum einer wirtschaftlich erfolgreichen

Region mit über einer halben Million Menschen,

am Ufer der Donau gelegen, inmitten einer schönen

Landschaft: das ist Linz!

Linz ist aber noch viel mehr. Eine Stadt mit wechselvoller

Geschichte, zu der die dunkle Zeit des Nationalsozialismus

ebenso gehört wie der beispiellose Aufschwung

der letzten 20 Jahre. Eine Stadt mit einer Gegenwart, die

bestimmt ist durch vitales Selbstbewusstsein. Und eine

Stadt, in der die Zukunft ernst genommen wird:

im Planen und Handeln.

In Linz finden Musik, Theater, Film und Bildende Kunst

ein Publikum, das allem Zeitgenössischen gegenüber

sehr aufgeschlossen ist. Beim Ars Electronica Festival

und im Museum der Zukunft, im Kunstmuseum Lentos,

im Brucknerhaus, im Landestheater, im OK Offenes

Kulturhaus Oberösterreich, in der Landesgalerie, beim

Festival der Regionen oder dem Filmfestival Crossing

Europe, in vielen Theatern, Galerien und Veranstaltungsreihen

– überall dort ist Kultur zu Hause.

SPEKTRUM Linz09 wurde von Linz Tourismus ausgeschrieben.

Mit dem Preis wollte die Trägerschaft das Interesse und

die Neugier auf die Stadt Linz mit ihrer Vielfalt und dem

Blick für die Gesamtheit wecken. Dabei ging es in der

journalistischen Betrachtungsweise um die Einbettung

von Fachthemen in einen Linz-Kontext. Nicht die isolierte

Abhandlung stand im Vordergrund, sondern vielmehr war

die Stadt Linz im Hier und Jetzt Bühne und Schauplatz

der Reflexion.

Der Preis sollte Medienschaffende motivieren, sich mit

der in Linz gelebten Ganzheitlichkeit von Industrie, Kultur

und Natur auseinander zu setzen. Sei es als Reisedestination

für Gäste aus der ganzen Welt, als Kongress- und

Eventzentrum, als künftiger Wohnort, Unternehmensstandort

oder als Wissensstandort mit vier Universitäten

und den zahlreichen internationalen Forschungseinrichtungen

der bestehenden Industrien. Die Stadt Linz mit

ihrem Umland ist einer der stärksten Wirtschaftsräume

und gleichzeitig eine der umweltfreundlichsten Gemeinden

Österreichs.

SPEKTRUM Linz09 wurde unterstützt von Falter.

Die Jury wurde durch die Trägerschaft ernannt. Sie setzt

sich aus einem Gremium von namhaften Persönlichkeiten

aus den Bereichen Medien, Kultur und Wirtschaft

zusammen:

Jury-Mitglieder

Dr. Petra Stolba

Geschäftsführerin Österreich Werbung

Vbgm. Dr. Erich Watzl

Tourismus- und Kulturreferent der Stadt Linz

Martin Heller

Intendant Linz09

Mag. Siegmar Schlager

Geschäftsführer Falter Verlagsgesellschaft mbH

Gerhard Kürner

Leitung Corporate Communications und Konzernsprecher

voestalpine AG

Georg Steiner

Tourismusdirektor Linz

Die Jury bewertete die Beiträge nach folgenden Kriterien:

• Gesamtzusammenhang: Fachthemen werden auf

der Bühne Linz abgehandelt ...

• Gegenwartsbezug: Der Fokus ist auf die Aspekte der

Gegenwart gerichtet ...

• Überraschungseffekt: Linz wird in einen neuen

Kontext gestellt, von einer ungewöhnlichen Seite

gezeigt ...

• Zielgruppenwirkung: Mit dem Beitrag wird Neugier

auf Linz erzeugt; Medienecho auf den Beitrag,

z.B. Zuschriften, Anfragen, Blogs und anderen Publikumsreaktionen

...

• Spannungsmoment: Kurzweiligkeit und Vielfalt des

Beitrags unter Berücksichtigung der Symbiose von

Natur, Kultur und/oder Industrie ...


LINZ,

SPEKTRUM

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Sherin Hafner, Magazinname

LINZ,SPEKTRUM


Impressum

LINZ,SPEKTRUM

Journalistische Streifzüge durch die Kulturhauptstadt

Europas 2009

HERAUSGEBER

Tourismusverband Linz

Adalbert-Stifter-Platz 2

4020 Linz

KONZEPTION UND REALISIERUNG

Tourismusdirektor Georg Steiner

Mag. (FH) Marion Schmiedinger

Dr. Rosemarie Schuller

Sherin Hafner, Magazinname

BEITRÄGE

Monika Kalcsics, Michael Fink, Lisa Stocker, Sherin

Hafner, Angelika Sauerer, Claudius Rajchl, Kati Moser,

Kathrin Krüger-Mlaouhia, Bernhard Mogge, Thomas

Compagno, Heinz Schmid, Nils Hille, Inge Jucker

Die Texte wurden aus den Originalbeiträgen übernommen.

Der Herausgeber behält sich etwaige Kürzungen

vor.

ZITATE

Zitate entnommen aus „Nur durchgereist. Linz 09

Minuten Aufenthalt“, Begleitbuch zur Ausstellung im

StifterHaus, von Evelyne Polt-Heinzl, ein Projekt des

StifterHauses und Linz09 für Linz 2009 Kulturhauptstadt

Europas

FOTOGRAFIE

Archiv Tourismusverband Linz, Müller, Kranzler, Röbl,

Wagner, Botanischer Garten – Schwarz, OÖ Landesmuseen,

Heimo, Stadt Linz, Brochmann

GESTALTUNG

DCNTRL Kommunikationsnetzwerk

DRUCK

Friedrich VDV

Druckfehler und Änderungen vorbehalten.

Gerichtsstand Linz.

GEBÜHR € 9,80

UID ATU23464800

DVR 00007030

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