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Das IT-Magazin von ferchau engineerinG

Was für ein

Projekttyp sind Sie


< Vom Kontrolleur zum Coach >

Projektmanager üben sich im Loslassen

Der Stoff, aus dem die Träume sind // Seltene Erden und die Suche nach Alternativen

Weniger Villa Hügel und mehr Silicon Valley // Verliert die deutsche Hightech-Industrie den Anschluss


®

Old School und

neue Medien – zwei, die

zusammengehören.

ihre abkürzung zu ferchau

impressum

atFERCHAU

Ausgabe 01 | 2013

Auflage: 70.000

4. Jahrgang

Herausgeber

FERCHAU

Engineering GmbH

Steinmüllerallee 2

51643 Gummersbach

Fon +49 2261 3006-0

Fax +49 2261 3006-99

info@ferchau.de

ferchau.de

Chefredaktion

(V. i. S. d. P.)

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Kerstin Kraft

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seidelfriends.de

Druck

Gronenberg

Druck & Medien

51674 Wiehl

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< 03>

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

die Bereitstellung von IT-Leistungen und die

Rekrutierung von qualifizierten Mitarbeitern haben

einiges gemeinsam: Beides wird momentan massiv

standardisiert. Doch das hat Grenzen.

Mit Cloud-Computing haben IT-Marketingstrategen

das Outsourcing konsequent weiterentwickelt

und ein Beschaffungsmodell für IT-Services

und Systemressourcen geschaffen. Neben einer

Reihe von anderen Vorteilen

wie schnelle Verfügbarkeit

und Flexibilität

sollen damit vor allem die

Kosten sinken und Ausgaben

variabler und transparenter

werden. Der Abnehmer

bezieht und zahlt

Leistungen nur noch nach

Bedarf.

Aus der Wolke kommen

die Leistungen –

nutzungsgerecht direkt in

die IT-Abteilungen oder

in Fachbereiche, die ihre

ganz spezifischen Anforderungen

damit umsetzen.

Bestellt wird im

Idealfall bequem per App

Store, und bei Nichtbedarf

genügt eine E-Mail,

damit der Service wieder

abgeschaltet wird.

Doch Wolken-Computing hat Haken und

Ösen: Abgesehen von Aspekten wie Sicherheit und

Datenschutz, welche die Euphorie bremsen, ist vor

allem die Passgenauigkeit oft nicht gegeben. Denn

die Lösungen decken weitgehend Standardanforderungen

ab. 80 Prozent Deckungsgrad müssen

reichen – bei Anpassung wird es schnell teuer und

langatmig.

Auch im Umfeld von Recruitment setzen sich

zunehmend Standardisierungen durch – die Suche per

Personalbörse im Internet oder Job App nimmt zu.

Social Media forciert diesen Trend. Natürlich ist dieser

Gedanke nicht uncharmant, aber auch hier gibt

es nach unserem Verständnis Grenzen: Denn Standardleistungen

sind oft nicht ausreichend. 80 Prozent

Passgenauigkeit sind zu wenig, wenn es um unternehmenskritische

Projekte

geht, für die Spezialisten

rar gesät sind. Und wie will

ein Personalverantwortlicher

feststellen, ob die

soziale Kompetenz und die

Chemie stimmen Sich allein

anhand digitaler Informationen

ein schlüssiges

Bild zu verschaffen, dürfte

unmöglich sein.

Selbstverständlich

nutzen wir bei FERCHAU

alle digitalen Kommunikationswege

zu Bewerbern,

Mitarbeitern und Kunden.

Doch setzen wir auch im

Zeitalter von Cloud-Recruiting

nach wie vor auf unsere

traditionellen Stärken:

ein weitverzweigtes Niederlassungsnetz

mit IT-

Consultants, IT-Vertrieb

und Recruitment, um nah dran zu sein. Intensive Gespräche

und persönliche Kontakte sind immer noch

der Kern für die Rekrutierung, damit wir unseren

Kunden die optimalen Spezialisten für ihre Projekte

vermitteln. Klingt wie Old School Wir freuen uns

darauf, Ihnen zu beweisen, dass der FERCHAU-

Weg das Beste aus beiden Welten zusammenbringt.

Viel Spaß beim Lesen wünscht Ihnen




Das IT-Magazin von ferchau engineerinG

22

06

31


05


06

Grundstoffe für

Hightech-Produkte

Seltene Erden sind heiß begehrt – und

wenige Länder halten den Daumen drauf.

Projektmanagement 2.0

Starre hierarchische Projektstrukturen

haben ihr Verfallsdatum erreicht.


10

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14

16

Coaching für agile Teams

Bei Seven2one holt ein FERCHAU-Coach

die Entwickler aus der Comfort-Zone.

Roboter: Die stummen

Helden der Arbeit

Ein Ferchau-IT-Consultant entwickelt

bei KUKA die neue Generation der

Robotersteuerung.

Atmosphäre per Knopfdruck

Steuerungstechnik von SALZBRENNER

sorgt auf den Bühnen dieser Welt für die

passende Stimmung.

Scrum-Team in Pokerlaune

Die Karlsruher CodeWrights GmbH greift

auf das Know-how von FERCHAU zurück.


19

20

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26

28

Echtzeit ist die schönste Zeit

In-Memory-Speichertechnologie soll

die Herausforderung durch große Datenbestände

lösen.

Wer den schnellsten hat

In der Champions League der Supercomputer

hat »Sequoia« von IBM die Nase vorn.

Lebst du noch oder

postest du schon

Welches Social-Media-Tool zu dir passt.

Stoff für Hightech-Träume

Seltene Erden sind ein essentieller Baustein

für unsere Zukunft.

Fragen Sie Ihren Autohändler

– oder Google

Der Suchmaschinenspezialist treibt

Automotive-Hersteller in Sachen autonomes

Fahren vor sich her.

Im Auftrag Ihrer Majestät

Agentenbasierte Programmierung und

Konzepte der künstlichen Intelligenz

beflügeln die Softwareentwicklung.

Troja 2.0

Wie ein junger Hacker zur Elite der

Industriespione aufsteigt und sich

Zugang zu sensiblen Daten verschafft.


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34

35

FERCHAU Freelance

Schnell und flexibel auf Projektanfragen

und -anforderungen

reagieren.


34

34

35

Verliert die deutsche

Hightech-Industrie den

Anschluss

»Weniger Villa Hügel und mehr Silicon

Valley« rät Prof. Dr. August-Wilhelm

Scheer der deutschen Industrie, um

international Anschluss zu halten.

FERCHAU JOB APP

Hannover MEsse 2013

CeBit 2013

GEWINNSPIEL


< 05>

Seltene Erden

Jedes Jahr geben deutsche Unternehmen

110 Milliarden

Euro für Rohstoffimporte aus. Quelle: dpa

Seltene Erden sind metallische Grundstoffe.

Zu ihnen gehören die chemischen Elemente

der 3. Gruppe des Periodensystems, die

insgesamt 17 Elemente umfasst. Darunter

Scandium, Neodym, Yttrium und Lanthan.

Sie haben nicht nur außergewöhnliche

Namen, sondern auch Eigenschaften, die in

vielen Schlüsseltechnologien eine wichtige

Rolle spielen. Die Bandbreite ihrer Verwendung

reicht von Batterien über Mobiltelefone,

Laser, Flachbildschirme bis hin zu Luftwaffensystemen.

Auch für die Herstellung

von Hybrid-Fahrzeugen sind die Rohstoffe

unverzichtbar. Ungeachtet ihres Namens sind

seltene Erden reichlich vorhanden, jedoch

meist in zu geringen Konzentrationen, um

wirtschaftlich abbaubar zu sein. Das treibt

die Preise langfristig in die Höhe. Die zeitliche

Reichweite der weltweiten Vorkommen wird

auf rund 700 Jahre geschätzt.

preisentwicklung Seltener Erden

In US-Dollar je Kilogramm, weltweit

Quelle: Lynas

11,59 14,87 10,32 13,13 16,02 59,77

2007 2008 2009 2010 2010 2010

I. Quartal II. Quartal III. Quartal

Abbau und Reserven Seltener Erden

In Tonnen

Quelle: US Geological Survey

(usgs.gov)

abbau im Jahr 2011

0

abbau im jahr 2011

130.000

usa

13.000.000

reserven

CHINA

55.000.000

reserven

abbau im Jahr 2011 abbau im jahr 2011

550

0

Brasilien

48.000

reserven

Australien

1.600.000

reserven

abbau im jahr 2011

2.800

Indien

3.100.000

reserven

abbau im jahr 2011

30

Malaysia

30.000

reserven



Lieber agil als

autoritär


07>

Agile Methoden machen Komplexität beherrschbar

Der Kontrolleur

wird

zum Coach

Allmählich vollzieht sich ein Umbruch bei Organisation,

Steuerung und Kommunikation in Teams.

Es geht um die Frage, für welche Aufgaben man noch

einen Projektleiter braucht.

A

ufgrund der vorliegenden Erkenntnisse

und Fakten wird eine Weiterführung

des Projekts heute als zu

risikobehaftet beurteilt, weshalb

sich ein Projektabbruch aufdrängt.«

Nach sieben Jahren Laufzeit zog

das Finanzministerium der Schweiz im September

einen Schlussstrich unter »Insieme« – italienisch

für »zusammen«. Mit dem Großprojekt sollten die

alten IT-Systeme der Eidgenössischen Steuerverwaltung

(EStV) zusammengeführt und erneuert werden.

Mindestens 100 Millionen Franken, umgerechnet

83 Millionen Euro, wurden für das Vorhaben aufgewendet,

Spitzenbeamte mussten zurücktreten.

Mangelhafte Absprachen beziehungsweise schlecht

definierte Anforderungen hätten dazu geführt, dass

die Softwareentwickler einfach machten, »was sie für

richtig hielten«, berichtete die »Berner Zeitung«.

Gescheiterte Projekte finden sich – nicht nur in

der IT – zuhauf. Mal ist es ein Brandschutzkonzept

für ein großes Bauwerk, mal der Orchestersaal auf

einem Hafenspeicher, schließlich eine Gesundheitskarte,

die verspätet und ohne neue Funktionen fertiggestellt

wird. Ungewöhnlich ist das nicht: »Von den

drei Projektdimensionen Zeit, Budget und Nutzen

läuft fast immer eine aus dem Ruder«, erklärt Jutta

Eckstein, die sich als Projektmanagerin, Coach

und Beraterin in der IT-Branche einen Namen

gemacht hat. Der Haken: Manche Projekte könnten

sehr erfolgreich sein, selbst wenn sie das Budget

oder den Zeitplan sprengen. »Dumm ist nur«, sagt

Eckstein, »wenn man das Falsche entwickelt.« Eine

präzise Definition des Ziels im Vorfeld sei jedoch

kaum möglich und stimme fast nie mit dem Ergebnis

überein, so Eckstein.

Die Projektleiterin beruft sich nicht nur auf ihre

Erfahrungen, sondern auch auf Publikationen von

Daniel Kahneman. Der Psychologe und Träger des

Wirtschaftsnobelpreises hat in mehreren Studien

nachgewiesen, dass man die Entwicklung komplexer

Projekte nicht vorhersagen könne. Sein bekannter

Es geht zurück zu den Wurzeln der

Kommunikation – von Angesicht zu

Angesicht

»Planungsfehlschluss« beschreibt die Tendenz von

Menschen und Organisationen, die Dauer, die Kosten

und die Risiken zur Vollendung einer Aufgabe zu

unterschätzen und im Gegenzug den künftigen

Nutzen zu überschätzen. »Wir müssen das akzeptieren

und endlich damit umgehen«, fordert Eckstein.

Auch Eckhart Hanser hat seine Erfahrungen

mit IT-Projekten gesammelt – in der Industrie

und als Professor an der Dualen Hochschule ↘



Baden-Württemberg (DHBW) in Lörrach. »Das

Problem der sich im Verlauf des Projekts verändernden

Ziele bekommt man auch nicht mit einer

vollumfänglichen Spezifikation in den Griff«, sagt der

Wissenschaftler. Schließlich müsse die Projektleitung

permanent auf Marktanforderungen und geänderte

Rahmenbedingungen reagieren, um Prioritäten neu

zu setzen. »Den zwischenzeitlich fehlinvestierten

Aufwand für Entwicklung und Dokumentation kann

man abschreiben«, so Hanser, der zudem Sprecher

der Fachgruppe für Vorgehensmodelle in der Gesellschaft

für Informatik (GI) ist. Die Zügel anzuziehen, um

den Erfolg zu erzwingen, sei dabei nicht der richtige

Weg: »Beim V-Modell mit über 100 Dokumententypen

gibt es ohnehin nicht mehr viele Freiheiten, die man

einschränken kann.«

Ein Lösungsansatz verfolgt den umgekehrten

Weg: »Weniger Dokumentation, mehr Kommunikation.«

Nicht nur der Wissenschaftler Hanser, geprägt

durch »schwergewichtige Vorgehensmodelle aus der

Pharmaindustrie«, hat mit der agilen Entwicklung

eine Alternative gefunden, die in vielen Anwendungsfällen

Vorteile verspricht. Inzwischen wird ein Viertel

aller Softwareprojekte im deutschsprachigen Raum

nach agilen Methoden umgesetzt, hat die Umfrage

»Softwaretest in der Praxis« aus dem Jahr 2011

ergeben. Davon basiert wiederum mit 57 Prozent die

Mehrheit auf Scrum. Daneben spielen eigene beziehungsweise

angepasste Modelle sowie Featuredriven

Development (FDD), eXtreme Programming

(XP), Kanban oder Crystal eine Rolle in der agilen

Entwicklung.

»Der starre, hierarchische Ansatz verliert sich

immer mehr«, berichtet Hanser aus der Praxis,

»auch in kritischen Branchen.« Der Einsatz agiler

Methoden beeinflusst in erster Linie Struktur und

Kommunikation des Teams. So verteilen sich die

Aufgaben des Projektleiters bei Scrum auf den

»Führung durch Autorität und

Hierarchie ist auf dem Rückzug«

Product Owner, den ScrumMaster und die Entwickler.

»Die Mitarbeiter sollen sich als Team verstehen

und gemeinsam vorgehen«, sagt Hanser. Rollen

vermischen sich, früher getrennte Disziplinen wie

Projektmanagement, Qualitätssicherung und die

eigentliche Systementwicklung wachsen zusammen.

Der Kontrolleur entwickelt sich zum Coach.


09>

Die Mitarbeiter

sollen sich als Team verstehen und

gemeinsam vorgehen

Mit der schriftlich geprägten Kommunikation

entlang traditioneller Hierarchieebenen lässt sich der

agile Ansatz jedoch nicht wirklich vereinen. »Osmotische

Kommunikation« fordert Hanser, der sich

dabei auf den Agil-Pionier Kent Beck bezieht: »Man

bekommt viele wichtige Informationen nebenbei mit,

wenn man im gleichen Raum sitzt.« Und während

früher eine kleine Spezifikation auf vier Seiten

schriftlich definiert wurde, reichen dafür in der agilen

Methode häufig drei Halbsätze. Die Details klären

sich im Gespräch.

Es geht zurück zu den Wurzeln der Kommunikation

– von Angesicht zu Angesicht, an einer Tafel mit

Stiften und Klebezetteln, in der Kantine, am Kaffeeautomaten.

»Die Nähe ist entscheidend, um die ›Collective

Code Ownership‹, also die gemeinsame Verantwortung

für das Ganze, zu gewährleisten«, sagt Hanser.

Wenn er selbst bei offener Tür zwei Räume vom Team

entfernt sitzt, spreche ihn kein Student mehr direkt

an – »das ist nicht mehr osmotisch«. Auch Jutta

Eckstein findet die gemeinsame Team-Kommunikation

vor dem Whiteboard ideal, um zu visualisieren und

Transparenz zu erzeugen. Werkzeuge allein reichten

aber nicht aus, sagt sie: »Kommunikation funktioniert

nur, wenn eine qualitativ gute Beziehung zwischen den

Team-Mitgliedern aufgebaut wurde.« Im beruflichen

Kontext müsse allerdings davon ausgegangen werden,

dass die Beziehung nicht immer gut ist: »Wenn ich

keine Arbeit reinstecke, werden die meisten Beziehungen

auch nicht weiterleben.«

Arbeit bedeutet auch die Rolle des Coachs, der das

Team im Idealfall von außen beobachtet und dessen

Kompetenzen über Erfolg und Misserfolg des Projekts

entscheiden. Bei aufkommenden Schwierigkeiten, in

Konflikten und durch eine gute Perspektive kann er

frühzeitig gegenlenken und verhindern, dass sich das

Team in eine Comfort-Zone zurückzieht oder auseinanderdriftet.

Dafür hat der ScrumMaster neben der

Kommunikation die Aufgabe, sich als Coach nicht ins

Tagesgeschäft hineinziehen zu lassen und selbst mitzuentwickeln.

Zudem steuert er die natürliche und positive

Spannung zwischen Product Owner (Nachfrageseite)

und dem Team (Angebotsseite). Hier stehen sich einerseits

Kosten und Geschwindigkeit, andererseits Nachhaltigkeit

und Qualitätsanspruch gegenüber.

Jutta Eckstein, die agile Methoden als »Kultur,

Wertesystem und Haltung« bezeichnet, hofft, dass

moderne Ansätze allmählich alte Strukturen aufbrechen:

»Der Management-Führungsstil sollte auf dem

Grundvertrauen basieren, dass ein Team komplexe

Aufgaben lösen kann.« Dies sei produktiver als

der tayloristische Ansatz mit strikter Arbeitsteilung.

Gelinge dies und werde eine Team-Beziehung aufgebaut,

»wird das Projekt kaum an einer technologischen

Aufgabe scheitern«. Auch der Lörracher Professor

Hanser begrüßt die strukturellen Veränderungen

in den Organisationen: »Der Projektleiter wird zum

Diener des Projekts, der die Hindernisse beiseiteräumt.«

Führung durch Autorität und Hierarchie sei

auf dem Rückzug, »sozietäre Autorität« durch die richtige

Zusammensetzung des Teams setze sich durch,

prognostiziert Hanser. //

mehr informationen

Warum IT-Projekte scheitern; Studie der

Universität Oxford: bit.ly/npha4t

Ergebnisse der Softwaretest-Umfrage:

softwaretest-umfrage.de

Manifest für agile Software-Entwicklung:

agilemanifesto.org/iso/de

Deutsche Gesellschaft für Projektmanagement:

gpm-ipma.de

Blog von Agil-Pionier Kent Beck:

threeriversinstitute.org/blog



Seven2one: Coaching für agile Teams

Raus aus

der Comfort-zone

FERCHAU-IT-Consultant Heiko Stapf hat für

die Firma Seven2one ein Softwareprojekt

umgesetzt und das Entwicklungsteam als Coach

in der agilen Methode Scrum

vorangebracht.


< 11>

N

atürlich fällt das einem

externen Berater

leichter«, sagt Heiko

Stapf, ScrumMaster

von FERCHAU Karlsruhe,

»denn von einer

neutralen Position aus kann ich die

Blockaden visualisieren und transparent

machen.« Mitarbeiter im Tagesgeschäft

hätten selten Zeit für strategische Entwicklungen

– der nächste Kunde und das

nächste dringende Projekt verhindern,

dass langfristig wichtige Aufgaben angegangen

werden, so Stapf.

Der Experte übernimmt operative

Aufträge für FERCHAU Karlsruhe, in

denen er seine Erfahrung als Projektleiter

und Scrum-Coach zur Geltung

bringen kann. Bei Seven2one, einem

Softwareunternehmen aus Karlsruhe,

sollte ein neues Release der zentralen

Software »Mesap« in der agilen Methode

Scrum entwickelt werden. Die Software

führt technische, betriebs-, marktwirtschaftliche

sowie fundamentale Daten

zusammen und fungiert als zentrale

Datendrehscheibe für Analyse, Reporting,

Controlling und Planung in der Energiewirtschaft.

Mit Mesap strukturieren und

automatisieren Energiehandelsunternehmen,

Energieerzeuger und Kraftwerksbetreiber

ihre Informationsflüsse und

machen Analyse, Auswertung sowie

Distribution ihrer Daten effizienter.

Ein stärkerer Antrieb aus der

Entwicklung war gefragt

Das zentrale Projekt sah vor, erinnert

sich Stapf, in einem ersten Schritt die

Prozesse bei Seven2one zu analysieren.

Ziel war es, Scrum intensiver und besser

als bislang zu nutzen. »Gefragt war ein

stärkerer Antrieb aus der Entwicklung,

das Team sollte eigenständiger werden.«

Mit dieser zusätzlichen Dynamik wurde

das Großprojekt einer neuen Softwareversion

gestemmt – »bislang hatte das

Tagesgeschäft alle diesbezüglichen Aktivitäten

der Entwickler überschrieben«,

erinnert sich Stapf. »Als Erstes mussten

wir uns einen Freiraum schaffen und die

verfügbare Zeit auf die Weiterentwicklung

des Projekts und auf die Anforderungen

im Tagesgeschäft aufteilen.«

Das Scrum-Coaching leistete Stapf

parallel zum Entwicklungsprojekt über

zwei Jahre bis zum Herbst 2012. Die

besondere Note: Von den insgesamt

sieben Team-Mitgliedern kamen zwei

Entwickler aus Partnerunternehmen, die

Seven2one seit der Gründung verbunden

Wie bringt man Agilität und

Planungssicherheit unter

einen Hut

waren. Weil das Projekt mit reinem Scrum

nicht funktioniert hätte, hat Stapf pragmatisch

einige Wasserfall-Vorgehensweisen

eingebaut.

So konnte einerseits die Plattform

Mesap 5 fertiggestellt werden, wobei

alle Zielvorgaben des Managements

erreicht wurden. Dazu zählten etwa eine

Beschleunigung um den Faktor zehn

und mehr, Zukunftsfähigkeit, Benutzerfreundlichkeit

und Erweiterbarkeit der

Software sowie eine sanfte Migration,

bei der keine Funktion verlorengehen

durfte. Andererseits brachte Scrum-Experte

Stapf das agile Vorgehensmodell im

Unternehmen entscheidend voran. Heute

gibt es bei Seven2one ein Team, das sehr

gut mit Scrum arbeiten kann, während

die zwei externen Entwickler eng damit

verbunden sind. »Die Planung ist an

Scrum orientiert«, berichtet Stapf, »und

in der Umsetzung handelt es sich um ein

Hybrid-Team.«

Stapf selbst hat nach dem erfolgreichen

Projekt seine Rolle als Product

Owner von Mesap 5 abgegeben, um

sich ganz auf das Scrum-Coaching bei

Seven2one zu konzentrieren. Jetzt trainiert

er die Projektleiterin zur »Product

Ownerin« und analysiert in regelmäßigen

Intervallen, ob sich das Team in

die ›Comfort-Zone‹ zurückgezogen hat:

»Die IT befindet sich in einem kontinuierlichen

Veränderungsprozess, und

kein Zustand hat ewig Bestand.«

Schwerpunkt seien auch hier die

Visualisierung und die inkrementelle

Arbeitsweise. Als konkretes Beispiel

nennt der Coach die Roadmap und die

Frage, wie lange im Voraus und auf

welcher Detailebene eine sinnvolle Planung

möglich ist, ohne dabei Zeit zu

verschwenden oder unflexibel zu werden.

»Das Problem ist diffizil, denn das

Bedürfnis nach langfristiger Planungssicherheit

steht in einem Spannungsfeld

mit der hohen Komplexität und Flexibilität

des Softwaremarkts sowie der damit

verbundenen Unsicherheit.«

Die Lösungsfindung bleibt jedoch zu

einem großen Teil Aufgabe der Coachs.

»Ist das Problem erst einmal visualisiert,

fällt das aber in der Regel nicht

mehr schwer«, sagt Stapf. Dabei ist ihm

für seine Rolle bewusst: Weniger ist

manchmal mehr: »Nur wenn man dem

Team den nötigen Raum zur Entwicklung

gibt, kann es auch gute Software

entwickeln.« //

methoden & tools

Für die Entwicklung der Plattform Mesap 5

werden bei Seven2one folgende Tools

eingesetzt:

Entwicklungsumgebung: Microsoft .NET

Datenbanken: Oracle und MS SQL Server

Infrastruktur: Jira (Project-, Bug- und Issue-

Tracker), FinalBuilder (Build-, Test- und

Release-Prozess)

über seven2one

Seven2one Informationssysteme GmbH

mit Sitz in der Technologieregion Karlsruhe

wurde 2001 als Spin-off des Instituts für

Energiewirtschaft der Universität Stuttgart

gegründet. Das Unternehmen bietet automatisiertes

und zentrales Management von

Markt-, Fundamental-, und Erzeugungsdaten

für Energiehandelsunternehmen, Energieerzeuger

und Netzbetreiber in Europa.

mehr informationen

Kerstin Kraft

Stellvertretende Niederlassungsleiterin

FERCHAU Karlsruhe

karlsruhe@ferchau.de

ferchau.de/go/karlsruhe



User-Interface-Entwicklung bei KUKA

ROBOTER

EroberN Fabrik

und KINO

Geschwindigkeit, Flexibilität, Einfachheit und Sicherheit sind Eckpfeiler

erfolgreicher Automatisierungslösungen. Ganz besonders gilt das

für Industrieroboter von KUKA. Alexander Dick, IT-Consultant bei FERCHAU

Augsburg, entwickelt die neue Generation der Robotersteuerung.

Ganz im Trend: für ein Touchpad.


< 13>

ch bin mit Microsoft. NET

I

aufgewachsen«, lautet die

klare Ansage von Alexander

Dick, IT-Consultant

von FERCHAU Augsburg.

Software entwickeln, die

komplexe Vorgänge steuert und den Bedienern

das Maximum an Komfort bietet;

Programme testen und letztlich sehen,

was die Software bewegt – hier ist der Diplominformatiker

in seinem Element.

Seine fundierten Kenntnisse in der

Microsoft-Entwicklungsumgebung spielt

Dick bei der KUKA Roboter GmbH aus.

Das Unternehmen ist einer der führenden

Anbieter von Industrierobotern weltweit.

Die orangefarbenen Maschinen haben

es sogar schon als »Darsteller« bis ins

Kino geschafft: Im James-Bond-Epos

»Stirb an einem anderen Tag« bringen

auf Schienen verfahrbare KUKA-Laserstrahlroboter

die Schauspielerin Halle

Berry in Bedrängnis.

Ganz gleich, ob sechs Kilo oder

1,5 Tonnen Traglast, die entscheidenden

Kriterien für den Einsatz von Industrierobotern

sind Zuverlässigkeit, Sicherheit in

Durch smarte Bedienoberflächen

gehört Programmieren der

Vergangenheit an

jeder Situation und einfache Bedienbarkeit.

Die Hauptaufgabe von Dick besteht

darin, die auf einer Robotersteuerung

laufende Grundsystem-Software über

ein innovatives User-Interface (UI), bei

KUKA intern als »SmartHMI« bezeichnet,

komfortabel bedienbar zu machen.

Nach dem Motto: »Programmieren

war gestern« können User künftig Verfahrwege,

Lastaufnahme, Stopppunkte,

Sicherheitsbefehle und weitere Bewegungen

des Roboters bequem per Tablet-PC

und Touchscreen, auf dem die SmartHMI

via RDP (Remote Desktop) angezeigt wird,

eingeben. Umständliches Befehle-Lernen

ist somit nicht mehr nötig. Alexander Dick:

»Auf dem Bediengerät, das einem iPad

ähnelt, kann der Bediener per Toucheingabe

den Ablauf des Roboters vorgeben

und steuern.«

Unterteilt ist die Robotersteuerung

mit der Bezeichnung »KRC4« in zwei

Systeme: »Das Grundsystem mit Echtzeit-Anteil

läuft unter einem VxWorks-Betriebssystem

und bietet über diverse

Schnittstellen die Möglichkeit der

Ansteuerung«, erklärt er. Echtzeit ist hier

nötig, da die Roboter im Falle einer Störung

sofort stoppen können müssen. Die

Bedienung – beziehungsweise die Kommunikation

mit dem Grundsystem – ist in

IT zum Anfassen. Das macht

den Reiz der Arbeit bei KUKA aus

drei Schichten unterteilt. Das SmartPAD

(Bediengerät), auf dem ein Windows CE

läuft, stellt via RDP eine Verbindung zur

Windows-Seite auf der Robotersteuerung

– auf der die SmartHMI läuft – bereit. Die

SmartHMI kommuniziert ihrerseits auf

diversen Wegen mit dem Grundsystem

(VxWorks).

Den passenden Rahmen für die Entwicklung

der UI-Funktionen stellt ein KU-

KA-eigenes Framework bereit. Darin lassen

sich neue Applikationen, Funktionen

und Änderungen an bestehenden Modulen

quasi einklinken, im Fachjargon als Plugins

bezeichnet. Eine Leidenschaft von Dick

ist es, das Framework kontinuierlich zu

optimieren, Schnittstellen bereitzustellen

sowie Sicherheitsfeatures und die Stabilität

kontinuierlich zu verbessern. Dabei

nimmt er die Rolle des Softwarearchitekten

ein. »Das ist nicht trivial«, berichtet er.

»Denn das SmartHMI-Framework und die

bereits von uns implementierten Plug-ins

umfassen mittlerweile eine Summe von

rund drei Millionen Programmzeilen.«

Die Herausforderung dabei: das System

zu perfektionieren und das Framework

so stabil und flexibel wie möglich zu

gestalten. Nicht nur durch Methoden- und

Toolkompetenz, etwa von »VisualStudio

2008/2010«, .NET, C# oder von den IBM-

Tools »ClearCase« und »ClearQuest«, umschifft

Alexander Dick so manche Klippen:

»Der intensive Austausch mit Kollegen der

Fachteams ist der Schlüssel zum Erfolg«,

gibt er zu Protokoll. Des Weiteren müssen

auch bereits verkaufte und freigegebene

Softwarestände gepflegt und ergänzt

werden. Als Lead-Developer im User-Interface-Team

steht Alexander Dick zudem

bei Fragen, die sich auf das SmartHMI-

Framework beziehen, allen anderen

Teams mit Rat und Tat zur Verfügung.

Eine weitere Aufgabe besteht darin,

neue Anforderungen, die an die UI gestellt

werden, zu prüfen, Entwicklungskonzepte

zu erstellen und diese auch umzusetzen.

»Im Regelfall gibt der Kunde seine

Wünsche und Requirements an das Produktmanagement

weiter, wo ein Anforderungsdokument

erstellt wird«, beschreibt

Dick den Start des Entwicklungsprozesses.

Nachdem die Projektleiter die Funktionen

technisch beschrieben und zeitlich

geplant haben, erfolgt in Review-Runden

die Analyse der einzelnen Anforderungsschlüssel.

Nach der Umsetzung werden

die Komponente dokumentiert und

Unit-Tests geschrieben. »Für Testzwecke

verfügt KUKA über hauseigene Prüfstände,

auf denen wir die geforderten Funktio-nen

auf Herz und Nieren checken«,

sagt Dick und schmunzelt: Die Programme

testen und sehen, was passiert – IT

zum Anfassen. Das macht für ihn den

Reiz seiner Arbeit bei KUKA aus. //

methoden & tools

Entwicklungsumgebung:

VisualStudio 2008/2010

Betriebssystem:

Windows 7 Enterprise

Softwarekonfiguration:

IBM Rational ClearCase

Change-Management:

IBM Rational ClearQuest

über kuka

Die KUKA Roboter GmbH mit Hauptsitz

in Augsburg ist ein Unternehmen der

KUKA Aktiengesellschaft und gilt als

einer der weltweit führenden Anbieter von

Industrierobotern. Das Unternehmen ist

Marktführer in Deutschland und Europa,

weltweit an dritter Stelle. Die KUKA

Roboter GmbH beschäftigt weltweit etwa

2.750 Mitarbeiter. 2011 wurde ein Umsatz

von 616,3 Mio. Euro erwirtschaftet.

mehr informationen

Karsten Raddatz

Niederlassungsleiter

FERCHAU Augsburg

augsburg@ferchau.de

ferchau.de/go/augsburg



SALZBRENNER STAGETEC MEDIAGROUP:

Präzision im Audio-Engineering

Licht aus

Spot an

Wenn in Theatern, Opernhäusern oder Stadien die Stars die Bühne rocken,

sorgt Medientechnik der SALZBRENNER STAGETEC MEDIAGROUP

dafür, dass sie im rechten Licht erscheinen und der Sound den Fans einheizt.

IT-Consultants von FERCHAU Schweinfurt unterstützen die Entwicklung

der komplexen Steuerungssoftware.


m 27. Juli 2012 blickte die

A

Welt nach London: 62.000 Zuschauer

im Olympiastadion und

rund vier Milliarden Menschen

weltweit vor den TV-Geräten

ließen sich an dem sommerlichen

Abend vom Eröffnungsspektakel der

30. Olympischen Spiele verzaubern. Auf den

Bühnen tanzten, sangen und schauspielerten

Dutzende Superstars und Tausende Statisten. Für

die passende Atmosphäre aus Licht, Klang und

Effekten und einen reibungslosen Ablauf sorgten

hinter den Kulissen zum großen Teil Hightechsysteme

aus dem fränkischen Buttenheim.

Die SALZBRENNER STAGETEC MEDIA-

GROUP ist auf Entwicklung und Produktion

professioneller Kommunikations- und Medientechnik

spezialisiert. Planung, Projektierung

und Bau von schlüsselfertigen Ton- und Videoanlagen,

etwa für Theater, Opern, Kongressgebäude,

Schulen, gehören zum Tätigkeitsfeld des

Unternehmens. Das Bolschoi-Theater, die Oper

in Sydney und der Eurovision Song Contest sind

einige der Referenzen.

»Da bekommt man selbst als eher nüchterner

Informatiker Gänsehaut, wenn man sieht,

bei welchen herausragenden Events die Systeme

zum Einsatz kommen, an denen man Monate

mitgewirkt hat«, sagt Abdullah Raufi, IT-Consultant

von FERCHAU Schweinfurt. Er entwickelt bei

SALZBRENNER hardwarenahe Software für die

Mediensteuerung. Im Projekt »Antares« ist er


< 15>

Frank Welzel, Olaf Pusch (beide FERCHAU),

Thomas Bauer (SALZBRENNER) und

Abdullah Raufi (FERCHAU) überprüfen die

fertige Steuereinheit.

an der Konzeption und Entwicklung einer

grafischen Software beteiligt, mit der sich

Endgeräte konfigurieren und steuern lassen.

»Man kann sich als Außenstehender

kaum vorstellen, wie komplex die Technik

hinter der Bühne, etwa in einem Theater

oder einer Oper, ist«, ergänzt Frank Welzel,

ebenfalls FERCHAU-IT-Consultant,

der das insgesamt zehnköpfige Entwicklungsteam

verstärkt. Lichtanlagen, Ton,

Bühnen- und Haustechnik, Video- und

Tonanlagen, Controller sowie Sicherheitseinrichtungen

sind von Haus zu Haus verschieden.

Je nachdem, welche Hardware

verbaut ist, seien daher sehr unterschiedliche

Softwarelösungen und Schnittstellenprogramme

vonnöten. Entsprechend

kundenspezifisch sind die Mediensteuerungen.

Vorhang auf und zu, Bühne verfahren,

Lichtanlage schalten, Kommunikation

in alle Räume, Effekte steuern

und vieles mehr. Und am Ende gilt: »Die

Stimmung auf der Bühne, das Licht, die

Effekte und die Musik müssen per Knopfdruck

in Echtzeit abrufbar und änderbar

sein, damit die Dramaturgie stimmt.«

Hier nun greift die Entwicklung von

Antares. Um die Konfiguration und die

Inbetriebnahme der Steuerungstechnik

künftig zu vereinfachen, entschied sich

SALZBRENNER im Herbst 2010, die verschiedenen

Programme zu dem Konfigurations-Tool

zusammenzuführen. Das

Ziel: eine zentrale Stelle mit einem einheitlichen

und einfachen Bedienkonzept,

ohne dabei auf Konfigurationsmöglichkeiten

zu verzichten. Durch die flexible Konzeption,

so sieht es der Entwicklungsplan

vor, kann die Software künftig auch für

andere Projekte und Kunden eingesetzt

werden. Seine Feuertaufe bestand Antares

Ende Oktober 2011 mit der Wiedereröffnung

des Bolschoi-Theaters in Moskau.

Während Abdullah Raufi schwerpunktmäßig

die grafischen Oberflächen

sowie die Verwaltung der Datenstrukturen

innerhalb von Antares umsetzt, erstellt

Frank Welzel die Binärdateien, deren Inhalte

das Verhalten der Hardwarekomponenten

je nach vorher definierter Konfiguration

steuern. Werden diese Daten falsch

erzeugt oder interpretiert, verhält sich die

Anlage nicht wie erwartet oder reagiert

im schlimmsten Fall überhaupt nicht

mehr. »Die grafische Umsetzung ermöglicht

dem Benutzer die unkomplizierte

Konfiguration der verschiedenen Module

per Drag and drop und intuitive Menüführung«,

ergänzt Abdullah Raufi. Das Aufgabenspektrum

beider FERCHAU-Spezialisten

reicht von der Anforderungsanalyse

über Konzeption und Entwicklung bis zur

Integration und zu Tests.

Wann immer das Antares-Team und

auch andere Projekte bei SALZBRENNER

Treiber für serielle Schnittstellen für medientechnische

Geräte brauchen, ist Olaf

Pusch zur Stelle. Dem IT-Spezialisten von

FERCHAU Schweinfurt und studierten

Ingenieur für Elektrotechnik liegt hardwarenahe

Programmierung in den Genen.

»Zurzeit schreibe ich ein Programm,

welches ursprünglich in Assembler geschrieben

wurde, in C um«, erklärt er.

Seine eigenen strengen »Coding-Rules«,

die er während seiner langjährigen Tätigkeit

entwickelt hat, helfen ihm dabei, den

bestehenden Code schnell zu verstehen,

Optimierungspotentiale zu erkennen und

rasch neue Komponenten zu entwickeln.

Die installierte Hardware auf Software

abzubilden ist eine der größten

Herausforderungen für die Entwickler.

»Keiner weiß vorher, wie das System aussehen

soll«, führt Frank Welzel aus. Da

die Projekte komplex sind, können auch

keine effektiven Spezifikationen geschrieben

werden. Bewährt hat sich hier, die

Arbeit der Teams nach dem Vorgehensmodell

Scrum zu organisieren.

Besonders motivierend an ihrer Arbeit

ist für alle drei FERCHAU-Spezialisten,

das komplexe Zusammenspiel von

Hard- und Software zu realisieren. »Es ist

spannend, für einen Kunden zu arbeiten,

der international ganz oben mitspielt«,

bringt es Olaf Pusch auf den Punkt. //

methoden & tools

// Entwicklung: Eclipse IDE und JavaSE

als Programmiersprache

// Bugtracking mit Jira

// Confluence als Wiki-System, fungiert

gleichzeitig als Handbuch sowohl für die

Software als auch für Anforderungen und

Konzepte

über salzbrenner

Mit den Bereichen Entwicklung, Systemintegration

und Vertrieb von Audio-/Videotechnik,

Kommunikationstechnik sowie Gefahrenmeldeanlagen

deckt die SALZBRENNER

STAGETEC MEDIAGROUP eine große

Bandbreite möglicher Anwendungen und

Einsatzgebiete ab. Dazu gehören: Rundfunk

und Fernsehen, Übertragungswagen, Theater

und Opernhäuser, Messe-, Kongress- und

Kulturzentren, Filmstudios, Regierungsgebäude

und Institutionen sowie Hochschulen.

// stagetec.de

mehr informationen

Gerhard pluppins

Business Manager IT

FERCHAU Schweinfurt

schweinfurt@ferchau.de

ferchau.de/go/schweinfurt



CodeWrights: Geräteintegration in der

Automatisierungsindustrie

Scrum-Team in

Pokerlaune

Meeting-Raum »Gerd Müller«, Zentrale

CodeWrights, Karlsruhe:

Das iDTM-Entwicklerteam rund um

Product Owner Dr. Michael Gunzert

trifft sich zum Daily Scrum.

Dr. Michael Gunzert

Product Owner

Adam Niestroj

FERCHAU-IT-Consultant

Jochen Hassinger

FERCHAU-IT-Consultant

Andreas Ernst

CodeWrights-Entwickler

Viachaslau Kuznechyk

CodeWrights-Entwickler


< 17>

Kurz vor knapp noch eine Änderung!

Der Kunde hat seine Anforderungen

erweitert: Teile der Bedienoberfläche

der Konfigurationssoftware sollen

in 3D-Optik umgesetzt werden. Das

Team beschreibt die neue User Story

auf grober Ebene. Die Komplexität der

Aufgabe muss abgeschätzt werden.

Jedes Teammitglied bringt bei der

Schätzung seine persönlichen Erfahrungen

aus ähnlichen Projekten

und Aufgabenstellungen mit ein. Die

kurze Diskussion ist fruchtbar. Die

Anforderung wird als wertvoll für den

Kunden eingestuft, mit hoher Priorität.

FERCHAU-Mann Adam Niestroj

hat bereits eine ähnliche Anforderung

umgesetzt und kennt Programmbibliotheken,

aus denen er Programmquellen

heranziehen kann.

9:03 9:18 9:32 9:34 10:47

Drei Minuten Verspätung: Mit von der

Partie sind die beiden CodeWrights-

Entwickler Viachaslau Kuznechyk und

Andreas Ernst sowie die FERCHAU-

IT-Consultants Jochen Hassinger

und Adam Niestroj. Binnen weniger

Minuten verschafft sich das Team

am Taskboard einen Überblick über

den momentanen Stand der Arbeit:

Was ist seit dem letzten Daily Scrum

erreicht worden, was steht bis

zum nächsten Daily Scrum an und

was steht dabei im Weg Die Besonderheit

heute: Um 17.30 Uhr findet

das Scrum-Review-Meeting statt, in

dem die Ergebnisse der vergangenen

14 Tage bewertet werden. Der Kunde

soll Ende der Woche sein Produkt

bekommen: eine Software zur Konfiguration

von Feldgeräten zur Füllstandsmessung,

einen sog. Device Type

Manager (DTM).

Die Entwickler setzen ihre Pokermienen

auf. Product Owner Michael

Gunzert lässt sich davon allerdings

nicht abschrecken. Er spielt das Spiel

mit und verteilt Pokerkarten. Jedes

Teammitglied erhält ein Set von Karten

mit Zahlen, die einer Fibonacci-

Reihe entsprechen (die Folgezahl ergibt

sich aus der Summe der beiden

vorherigen 1, 2, 3, 5, usw.). Je größer

und komplexer die Aufgabe eingestuft

wird, desto höher der Wert der

Karte, die der Entwickler auslegt.

Der Schätzwert ist dabei eine relative

Größe, die nur einen Bezug zu den

anderen User Storys im Projekt herstellt.

Kann das Team zum geplanten

Endtermin eine Funktionalität liefern,

die hinreichend getestet und integriert

ist, um für den Benutzer freigegeben

werden zu können Wie hoch ist der

zusätzliche Aufwand

Jochen Hassinger optimiert zeitgleich

die iDTM-Plattform. Sie ist

eine innovative Eigenentwicklung

von CodeWrights, die die Konfiguration

von Feldgeräten anhand einer

standardisierten Gerätebeschreibung

erlaubt (EDD – Electronic Device Description).

Der Clou: Der iDTM kann

sämtliche HART- und Fieldbus-foundation-Geräte

ansprechen, für die es

eine EDD gibt. Diese Beschreibungssprache

EDDL (EDD Language) ist

dabei nahezu von den Feldbus-Technologien

unabhängig.


Adam Niestroj hat ein Problem: Eine

dringend benötigte Programmbibliothek

ist nicht mehr kompatibel.

Das Entwicklerteam sucht nach einer

alternativen Lösung. Die Selbststeuerung

greift: Jochen Hassinger

übernimmt den Part, gemeinsam

mit dem ScrumMaster eine neue

Version der Bibliothek vom Server

eines anderen Entwicklungsteams zu

besorgen.

Das Team konnte dem Product Owner

zeigen, dass die User Storys in dem

Sprint erfolgreich umgesetzt sind –

trotz der spontanen Erweiterung.

Morgen holt er sich das Feedback vom

Kunden ein. Kompromisslos.

12:14

17:58

15:15

Jochen Hassingers kritischem Blick

entgeht nichts. Er testet sämtliche

von der Änderung betroffenen Programmteile

und darüber hinaus. Erst

wenn alle Anforderungen erfüllt sind,

kann die Story gemäß der vorher festgelegten

Definition of Done (DoD) abgeschlossen

werden. Die DoD ist eine

Checkliste mit Richtlinien, nach denen

eine Story als abgeschlossen gilt. Sie

enthält nicht nur funktionelle Aspekte,

sondern vor allem Bestimmungen zur

Qualitätssicherung der Software. Die

Umsetzung der User Story erfüllt die

Testkriterien, die in der DoD geforderten

Arbeitsschritte sind abgeschlossen.

Die Story ist beendet.

17:30

Product Owner Michael Gunzert geht

keine Kompromisse ein: Ein Team

hat auch dann sein Ziel verfehlt, wenn

es eine »fast fertige«, aber z. B. noch

nicht getestete Funktionalität liefert.

In diesem Fall kehren die User Storys

in das Product Backlog zurück und

werden vom ihm angepasst und neu

priorisiert. Michael Gunzert setzt die

Devise bei CodeWrights um: Lieber

90 Prozent, die einwandfrei funktionieren,

als 100 Prozent, die ständig

Stabilisierungsreleases brauchen.

über Codewrights

CodeWrights wurde im Jahr 2002 als Kooperation

der zwei Firmen Endress+Hauser

und Pepperl+Fuchs gegründet. Der Auftrag:

ein Kompetenzzentrum für die Geräteintegration

im Bereich der Automatisierungsindustrie.

Dazu gehören schwerpunktmäßig

Dienste rund um die Geräteintegration –

mit EDD- und FDT-/DTM-Technologie. Mit

iDTM hat das Unternehmen eine Plattform

aufgebaut, die eine Integration von Geräten

anhand einer Beschreibungssprache

(EDDL – Electronic Device Description

Language) erlaubt. Die Gerätebeschreibung

(DD – Device Description) ist für

mehrere Feldbus-Technologien Standard

(HART/Fieldbus Foundation). Innerhalb

des iDTM werden über 1.000 dieser

registrierten DDs von verschiedensten

Herstellern mitgeliefert.

mehr informationen

Kerstin Kraft

Stellvertretende Niederlassungsleiterin

FERCHAU Karlsruhe

karlsruhe@ferchau.de

ferchau.de/go/karlsruhe


< 19>

Echtzeit ist die schönste Zeit

In-Memory

macht müde Daten

munter

Es tut sich was im etablierten Datenbankmarkt:

In-Memory heißt die Technologie,

die Analysen fast in »Echtzeit«

ermöglichen soll. Damit wird dem

Bedarf vieler Unternehmen Rechnung

getragen, die inzwischen mehr verlangen

als einen monatlichen Report aus

dem Data-Warehouse. Technisch gelingt

In-Memory am Beispiel

von SAPs HANA-Appliance

durch einen Doppelschritt:

Erstens werden Daten

nicht auf Festplatten oder

im Cache, sondern nah

an der CPU im Arbeitsspeicher

(Memory) gehalten.

Durch diese etablierte

Technologie steigt

die Geschwindigkeit der

Datenverarbeitung signifikant

an. Um die Daten

im flüchtigen Arbeitsspeicher

zu sichern, werden

beispielsweise Snap-Shots,

Transaction Logs und Replikationen

eingesetzt. Im

Nachklang können sie bei

Bedarf etwa auf herkömmliche

Plattensysteme geschrieben

werden.

Zweitens verfolgt SAP

das Prinzip der spaltenorientierten Datenhaltung.

Während in der traditionellen

Struktur alle Felder eines Datensatzes

in einer Zeile liegen und komplett abgerufen

werden (Name, Adresse, Telefonnummer

...), umfasst die spaltenorientierte

Datenhaltung in einem Block

definierte Attribute mehrerer Datensätze

(Name, Name, Name ...).

Die zeilenorientierte Datenhaltung

erlaubt schnelle schreibende

Zugriffe, während das Lesen der Daten

länger dauert. Die spaltenorientierte

Datenhaltung in der HANA-Appliance

liest bei der Suche nach einem Namen

In-Memory auf der Überholspur

Studie zur Verbreitung von Datenbankentpyen

Relational

Objektorientiert

OpenSource

Spaltenorientiert

(ohne In-Memory)

Spaltenorientiert

(mit In-Memory)

11 %

19 %

32 %

30%

33%

44%

47 %

46%

72 %

Derzeit

Zukünftig

die entsprechende Spalte sequentiell

und ohne Sprünge aus. Durch die hohe

Lesegeschwindigkeit und die starke

Kompression wird sie meist in OLAP-

Systemen (Online Analytical Processing)

für Auswertungen und Analysen

genutzt. Allerdings verschwimmen die

84 %

0 % 20% 40% 60% 80% 100%

Quelle: Experton Group 2012, Big Data – kein neuer Hype,

aber eine neue Dimension

Grenzen zunehmend, und auch hybride

Datenbanken sind möglich. Das alles hat

Folgen für die Anwendungsentwicklung,

heißt es beim Potsdamer Hasso-Plattner-Institut

(HPI), das federführend an

der In-Memory-Technologie beteiligt ist.

Demnach verlagert sich unter anderem

Geschäftslogik in die Datenbank, es kommt

zu einer Revision von Architekturentscheidungen,

und neue

Programmierschnittstellen,

die über SQL hinausgehen,

werden verwendet. Traditionelle

Konzepte wie die 3-Schicht-

Architektur mit Datenbank,

Applikationsserver und User-

Interface müssten neu überdacht

und angepasst werden,

so das HPI.

In-Memory-Systeme, die

es neben SAP auch von Oracle,

IBM und anderen Herstellern

sowie im Fundus der Open-

Source-Gemeinde gibt (Apache

Derby), eignen sich neben

Business-Intelligence-Lösungen

etwa für Telefonkonzerne,

Social Networks, Einzelhandelsketten

oder smarte Energienetze,

in denen Millionen

dispositiver Daten zusammenlaufen,

die schnell zu Informationen aufbereitet

werden sollen.

Ergänzen lassen sich Anwendungsszenarios

durch die Einbindung mobiler

Geräte – sekundenschnelle Analysen auf

dem Smartphone sind ohne In-Memory

nicht realistisch. //



Top 500

Die Champions

League der

Supercomputer

Seit 1993 veröffentlicht der Mannheimer

Informatiker Hans Werner Meuer

zusammen mit anderen Professoren aus

den USA die »Top 500«-Liste der weltweit

schnellsten Supercomputer. Zweimal im

Jahr wird die Tabelle zur International

Supercomputing Conference (ISC) veröffentlicht.

Für die Top-500-Liste müssen

die Maschinen Benchmark-Tests mit

definierten Rechenoperationen durchlaufen,

um den Vergleichswert ihrer

Leistungsfähigkeit zu bestimmen.

In der jüngsten Tabelle vom Sommer

2012 hat sich erstmals seit 2009 wieder

ein amerikanischer Supercomputer

an die Spitze gesetzt: »Sequoia«, ein

Rechner vom System IBM BlueGene/Q,

der im Lawrence Livermore National

Laboratory des US-Energieministeriums

installiert wurde. Er erreicht eine Leistung

von 16,32 Billiarden Rechenschritten

pro Sekunde. Bezeichnet werden

diese als Petaflops ( = 10 15 Floating- Point

Operations Per Second), englisch für

Gleitkommaoperationen pro Sekunde.

Mit einem Verbrauch von 7,9 MW

zählt Sequoia zu den energieeffizientesten

Systemen. In ihm arbeiten

rund 100.000 Prozessoren mit knapp

1,6 Millionen Kernen. Mit zwei Rechnern,

dem SuperMUC in Garching bei

München und dem JuQUEEN in Jülich,

ist Deutschland in der internationalen

Rangliste sehr gut vertreten.

Top 10 der schnellsten Supercomputer (Kumuliert nach Ländern)

petaflops gesamt 10,5

02 // K Computer // FUjitsu // 10,5 PETAFLOPS

JAPAN

USA26,4 petaflops gesamt

01 // SEQUOIA // IBM // 16,3 PETAFLOPS

03 // MIRA // IBM // 8,16 PETAFLOPS

06 // Jaguar // CRAY // 1,94 PETAFLOPS

05 // TIANHE-1A // NUDT // 2,57 PETAFLOPS

10 // NEBULAE // Dawning // 1,27 PETAFLOPS

DEUTSCHLAND 4,27

CHINA

3,84

petaflops gesamt

ITALIEN

09 // CURIE // Bull // 1,36 PETAFLOPS FRANKREICH 1,36

petaflops gesamt

04 // SUPERMUC // IBM // 2,89 PETAFLOPS

08 // JUQEEN // IBM // 1,38 PETAFLOPS

1,72

07 // FERMI // IBM // 1,72 PETAFLOPS

Legende: Platzierung // Name des Computers // Hersteller // Rechenleistung


< 21>

Baum der Erkenntnis

Welcher

social-Media-typ

Bist du

Wo du deinen Status

posten solltest:

Soll es irgendjemand

mitbekommen

ist es

geschäftlich

ist es

privat

Ja

Nein

Ja

Nein

Ja

bist du

in einer Bar

wäre es heikel, es deinem

chef zu erklären

wäre es heikel, es deinen

eltern zu erklären

Ja

Nein

Ja

Nein

Nein

ist es

langweilig

bist du süchtig

nach »likes«

Ja

Ja

Nein

Google + Foursquare Nicht posten! LinkedIn Facebook Twitter



Dysprosium

z. B. für Permanentmagnete in

Generatoren von Windkraftanlagen.

Yttrium

z. B. in Leuchtstoffröhren.

Terbium

z. B. in Halbleitern,

Solid-State-Devices.

Hightech-Branche braucht seltene Erden

und sucht nach Alternativen

Samarium

z. B. in Kohlelichtbogenlampen

für Filmvorführanlagen.

Der Stoff,

aus dem

die Träume

sind

Neodym

z. B. in Magneten

für Festplatten.

Praseodym

z.B. in Legierungen für

Flugzeugmotoren.

Gadolinium

z. B. für Mikrowellenanwendungen

Holmium

z. B. für Polschuhe in

Hochleistungsmagneten.

Erbium

z. B. in Lichtwellenleitern für

optische Verstärker.

Promethium

z. B. für Radionuklidbatterien

in Satelliten.

Thulium

z. B. zur Aktivierung der

Leuchtstoffe in Fernsehgeräten.

Scandium

z. B. in Hochleistungs-Hochdruck-

Quecksilberdampflampen.

Europium

z. B. in Leuchtstoffen für

Kompaktleuchtstofflampen.


< 23>

Rohstoffspekulationen, rigide politische Systeme und Förderquoten sowie

ein aufwendiger Abbau treiben die Preise für dringend benötigte Zutaten der

Hightech-Industrie: die seltenen Erden. Um das Lotteriespiel zu beenden,

müssen Alternativen und vernünftige Recycling-Konzepte her.

ndustriestrategen sorgen

I

sich um die zuverlässige

Belieferung mit seltenen

Erden für Elektrotechnik,

Elektronik und Computer.

Die Substanzen stecken

in vielen Produkten, vom Windrad bis zum

Flachbildschirm und von der Festplatte bis

zum Kondensator. Doch was ist dran an

den Schlagzeilen über Lieferengpässe und

Verknappung Und können die Konstrukteure

und Entwickler in der Industrie nicht

auf andere Materialien und Techniken zurückgreifen

»Wir haben das Periodensystem

darauf untersucht, welche Elemente in

der Elektrotechnik verwendet werden können.

Und es sind nach dem Stand von heute

Ohne seltene Erden wären Handys

nicht westentaschenkompatibel

lediglich die bisher bekannten 17«, lautet

die ernüchternde Botschaft von Andreas

Gontermann, Chefvolkswirt des Industrieverbands

ZVEI.

Der Druck auf die Hightech-Branche

steigt also. Denn in der jüngeren Vergangenheit

waren bei manchen dieser exotischen

Materialien extreme Preissprünge zu

beobachten. Das Metall Cer zum Beispiel

wurde in nur einem halben Jahr um bis zu

400 Prozent teurer. Cer gehört zur Gruppe

der seltenen Erden und besitzt eine strategische

Bedeutung wegen seiner Verwendung

in weißen Leuchtdioden (LEDs), die als

effizientes Leuchtmittel die Energiewende

flankierend unterstützen sollen. Allein mit

Marktmechanismen ist die Preissteigerung

nicht zu erklären, aber genau das ist es, was

Industrie und Politik beunruhigt. »Auch die

physische Verfügbarkeit ist weniger das Problem

als die teilweise exorbitanten Preissteigerungen

in der jüngeren Zeit«, sagt Gontermann.

»In den Jahren 2009 bis 2011 sind

die Preise für seltene Erden durchschnittlich

um den Faktor 13 gestiegen.«

Entgegen ihrem Namen sind seltene

Erden nicht wirklich selten; zumindest

kommen sie in der Erdkruste relativ häufig

vor. »Das sollte die Liefersituation eigentlich

entlasten«, führt Gontermann aus. Aber:

Die Versorgung sei extrem konzentriert auf

wenige Lieferländer. »Der Abbau ist sehr

umweltbelastend. China fördert zu niedrigsten

Preisen, mit wenig Rücksicht auf die

Umwelt. Und jetzt sind wir abhängig«, erklärt

Gontermann die schwierige Situation.

Wie stark diese Abhängigkeit ist, wird

deutlich, wenn man die große Zahl der Produkte

und Anwendungsfelder betrachtet,

in denen seltene Erden verwendet werden.

Zum Beispiel Neodym: In Legierungen mit

Eisen und Bor wird das Metall genutzt, um

sehr starke Magnete zu bauen. Es findet

sich etwa in der Positioniermechanik von

Festplatten, in Mikromotoren und Kopfhörern.

Auch Tantal, ein Metall aus der

Vanadiumgruppe, ist in die Schlagzeilen

geraten – es wird für den Bau von Elektrolytkondensatoren

mit hohen Kapazitäten

bei kleinsten Abmessungen benötigt. Ohne

Tantal-Elkos wären Smartphones doppelt

so groß, sind sich Fachleute sicher, und

damit nicht westentaschenkompatibel.

Die größte Bedeutung besitzen momentan

Materialien, die in elektrischen

Antrieben und Generatoren verwendet

werden. Das sind vor allem Neodym, Terbium

und Dysprosium. Sie erleichtern

den Bau kompakter, starker Permanentmagnete.

Ihr Nutzen besteht darin, dass

sie die magnetischen Eigenschaften des

Motors oder Generators auch bei hohen

Temperaturen erhalten. »Je mehr Neodym

man durch Terbium oder Dysprosium

ersetzt, desto temperaturstabiler wird

das Material«, erklärt Bernd Schleede,

Experte für Dauermagnete bei Vacuumschmelze

GmbH, einem Unternehmen

mit erheblichem Know-how im Bereich

Magnetwerkstoffe.

Vor dem Hintergrund der steigenden

Preise für die seltenen Rohstoffe grübeln

Unternehmen über Alternativen nach. So

lassen sich Permanentmagnete in manchen

Anwendungen durch Elektromagnete

ersetzen. Ganz werde man aber nicht

ohne seltene Erden auskommen, ist sich

Schleede sicher. Es gehe eher darum, deren

Anteil zu reduzieren und sie effizienter

einzusetzen.

Vielleicht stellt sich das Problem aber

schon bald nicht mehr in dieser Schärfe:

Weltweit sind Geologen und Bergbauingenieure

dabei, neue Vorkommen zu erschließen

oder Minen zu reaktivieren. In

zwei bis drei Jahren sollen in Australien

und Südafrika neue Bergwerke in Betrieb

gehen, erklärt Volker Zepf, wissenschaftlicher

Mitarbeiter am Lehrstuhl für

Ressourcenstrategie an der Universität

Augsburg. Darüber hinaus könnte eine

umsichtige Verwendung die Problematik

entschärfen, etwa, bereits beim Design

neuer Produkte auf einen sparsameren

Umgang mit diesen Rohstoffen und auf

deren Rückgewinnung nach abgelaufener

Produktlebenszeit zu achten. Das Stichwort

lautet hier Green Design. »Auf jeden

Fall sollte man Recycling-Spezialisten unbedingt

von Anfang an mit ins Boot nehmen«,

rät Zepf. Nur wenn man die Geräte

so entwickelt, dass sich beim Recycling

die Rohstoffe wieder sauber voneinander

trennen lassen, können sie wieder in den

Kreislauf eingeschleust werden. //

mehr informationen

World Resources Forum:

worldresourcesforum.org

Vorträge und Präsentationen der

Veranstaltung »Green IT Along the

Value Chain« des Bitkom: bit.ly/SQcZ2D

Öko-Institut Freiburg – Recycling

und effizientere Nutzung von

Rohstoffen: oeko.de

web-special

Kohlenstoff heizt

Schaltkreisen ein

Nanotubes aus Graphen könnten

siliziumbasierte Transistoren ablösen

ferchau.de/read/it131a



Suchmaschinenspezialist vereint

Kundendaten und Autofahren

Google sitzt

am steuer

Im US-amerikanischen Bundesstaat Nevada wurde im vergangenen Jahr zum

ersten Mal ein Fahrzeug mit Autopilot zugelassen. Nicht irgendeins:

Der selbstfahrende Toyota aus der Technikgarage von Google verblüfft die

Automotive-Szene. Nach globaler Street-View-Tour treibt es das Suchmaschinen-

Unternehmen also erneut auf die Straße.


25>

teve Mahan hebt beide

S

Hände und winkt freundlich

aus dem Auto heraus.

»Hey, so gut bin ich

wirklich noch nie gefahren«,

sagt er lachend

zu seinen Mitfahrern. Steve ist Testfahrer

und nahezu blind. Trotzdem rollt der

Toyota Prius Hybrid sicher durch die

Straßen von Morgan Hill in Kalifornien –

wie von Geisterhand gesteuert. Es ist

kein Prius vom Fließband, sondern das

autonome Roboter-Modell aus dem Hause

Google. Und Mahan, Geschäftsführer

des Santa-Clara-Valley-Blindencenters,

spielt die männliche Hauptrolle im Werbefilm

zum selbstfahrenden Googlecar.

Seit 2009 führt Google bereits Tests

mit vollautomatischen Autos durch. Statt

durch menschliche Aufmerksamkeit und

Intuition gesteuert, werden die Roboter-

Autos mit Lasertechnik, Radar-Sensoren,

Kameras und GPS gelenkt. Bis heute hat

die Fahrzeugflotte offenbar über eine halbe

Million Kilometer unfallfrei absolviert.

Google hat das Prinzip des selbstfahrenden

Autos zwar nicht erfunden, versucht

aber mit zahlreichen Präsentationen

seiner Boliden zumindest die Pole-Position

im medialen Rennen herauszuholen.

Googles Spurt in puncto selbstfahrendes

Auto könnte den Eindruck hinterlassen,

die mobile Konkurrenz aus

Deutschland sehe nur auf die Bremslichter.

Das befragte Gros der Automobilindustrie

möchte derzeit denn auch

nicht öffentlich über die sportiven Google-Ambitionen

spekulieren. Darum lässt

zum Beispiel BMW durch seine Pressestelle

lediglich auf Anfrage mitteilen,

dass man dazu keine Aussage machen

könne. Auch bei Audi will niemand die Aktivitäten

der Konkurrenz kommentieren;

obwohl Google auch mit einem Audi TT

autonome Testfahrten unternommen hat.

Und Volkswagen antwortet trotz mehrfacher

Anfragen lieber erst gar nicht.

Einzig die Daimler AG in Person ihres

Pressesprechers Benjamin Oberkersch

reagiert gelassen auf den Online-Wettbewerber

um das Auto der Zukunft. Man sei

in Stuttgart von der Fahrleistung durchaus

beeindruckt, gesteht Oberkersch,

aber diese basiere nicht auf einer serientauglichen

Technik. So kostet das militärische

Auge, der Laserscanner auf dem

Dach des Fahrzeugs, allein schon rund

70.000 US-Dollar. »Google bringt das Thema

›autonomes Fahren‹ geschickt in die

Öffentlichkeit«, konstatiert Oberkersch,

aber von der Serienreife sei man in Mountain

View auch noch meilenweit entfernt.

»Google wird schneller in Serie gehen,

als wir uns das heute vorstellen können«,

prophezeit dagegen der Automobilexperte

von der Universität Duisburg-Essen,

Professor Ferdinand Dudenhöffer. In wenigen

Jahren wird eine niedrigere Kostenstruktur

die Serienreife ermöglichen.

»Es wird die größte Innovation in der Geschichte

des Autos«, davon ist der Wissenschaftler

überzeugt. Der demographische

Wandel der Gesellschaft und die

Vision von global null Verkehrstoten seien

die Antriebskraft für diese Entwicklung.

Sieht die hiesige Automobilindustrie

beim autonomen Fahren

nur noch Googles Rücklichter

Sebastian Thrun, Professor für künstliche

Intelligenz an der Universität Stanford und

Mitentwickler des autonom fahrenden

Google-VW-Touareg »Stanley«, hat nach

eigenem Bekunden sein ganzes Berufsleben

der Rettung der weltweit jährlich

über eine Million Verkehrstoten gewidmet.

Gutmensch Google US-Verbraucherschützer

haben da so ihre eigenen

Visionen: ein integrierter Fahrtenschreiber

im Dienste von Googles Profilern.

Denn Google kennt die ökonomischen

Biographien seiner Fahrzeuglenker nur

zu gut. Und sehr leicht ließe sich mit diesen

Daten ein völlig neuer Straßenatlas

zeichnen, um Produkte, Services oder

Merchandising schneller an den User,

Verzeihung, Fahrer zu bringen. Google

regelt den Verkehr: Ihr liefert das Auto,

wir die Daten! Das könnte den ein oder

anderen Autohersteller neidisch machen.

Die Verbraucherschutzorganisation

Consumer Watchdog fordert daher, den

Datenschutz explizit im kalifornischen

Gesetz für Roboterautos zu verankern. Sie

fürchtet, dass in den Roboterautos mehr

Der Suchmaschinengigant kennt

die ökonomischen Biographien

seiner Fahrzeuglenker

Daten gesammelt werden könnten, als

es für den Betrieb nötig sei. Schließlich

beruht Googles Geschäftsmodell darauf,

digitale Verhaltensprofile zu erstellen und

diese für eine personalisierte Werbung zu

verkaufen. Deshalb dürfe der Preis für

diese fahrerlose Technik nicht der sein,

die Fahrer auszuspionieren.

Dass Google die Vorliebe für einen

Drive-in bei Burger King statt beim

Konkurrenten McDonald's gewinnbringend

vermarkten will, hält Professor

Dudenhöffer dann doch eher für wenig

wahrscheinlich: »Burger King ist doch

langweilig gegenüber dem Wert null Verkehrstote.«

Aber regionale AdWords-Anzeigen

statt eines unwichtigen Drehzahlmessers

im Armaturenbrett kann sich

auch der Automobilexperte vorstellen.

Denn schließlich hat Google das Steuer ja

fest in der Hand. //

mehr informationen

autonomes-fahren.de

bit.ly/TT4ALV

bit.ly/XrwOn5

youtu.be/cdgQpa1pUUE



Die Zukunft

der Softwareentwicklung

Agent 007

zum

Programmieren


27>

ls Produktivitätsbeschleuniger

für die Ent-

A

wicklung von Software

wird momentan die

künstliche Intelligenz (KI)

gehandelt. »Im Softwareengineering

werden schon seit einiger

Zeit Ansätze aus der KI-Forschung

eingesetzt«, bestätigt Klaus-Dieter Althoff

vom Deutschen Forschungszentrum

für Künstliche Intelligenz (DFKI) in

Kaiserslautern.

Eine dieser Technologien ist das Casebased

Reasoning (CBR), das »fallbasierte

Schließen«, wie es im deutschen Sprachgebrauch

heißt. Diese von den Kognitionswissenschaften

inspirierte Technik wurde

als Modell für menschliche Problemlösungen

und Lernprozesse entwickelt. Sie nutzt

den Erfahrungsschatz gelöster Probleme,

um per Analogieschluss die Antwort auf

ein neues Problem zu finden. »Menschen

tun das täglich hundertfach«, so Althoff.

Seit Ende der 80er Jahre versuchen

sich Informatiker an dieser Technik;

mittlerweile stehen Softwareentwicklern

Tools zur Verfügung.

Praktische Anwendungen

für CBR gibt es laut Althoff etwa

im Kundendienst an komplexen

Maschinen und Anlagen. Anhand

einer umfangreichen gespeicherten

Erfahrungsbasis mit Fallbeispielen

könnten Serviceingenieure

den Ursachen komplexer Fehlererscheinungen

auf die Spur kommen,

die Software wertet dazu Schaltpläne

und Wirkketten aus und überträgt Expertenwissen

auf aktuelle Fälle. »Damit

lassen sich multiple Fehler besser

diagnostizieren«, so der CBR-Experte.

Sogar unmittelbar in den Entwicklungsprozessen

könnte CBR vorteilhaft eingesetzt

werden, und zwar überall dort, wo

es darauf ankommt, Erfahrungswissen

auf neue Zusammenhänge zu übertragen.

Im Softwareengineering ließen sich

mittels CBR-Verfahren beispielsweise so

unbeliebte Aufgaben erledigen wie Requirements

auf Konsistenz zu checken oder

Debugging zu unterstützen.

Programmierer hätten damit auch

die Möglichkeit, Lösungen anhand von

Beispielen zu programmieren. Je größer

die Zahl der verfügbaren Fälle, desto weniger

generelles Wissen müssen sie in

die Programmcodierung einbringen. Für

die Erstellung von CBR-Anwendungen

hat sich bereits ein System von Tools etablieren

können – etwa »COLIBRI« und

»myCBR«, beide auf Open-Source-Basis,

oder »DrillEdge« des norwegischen Softwarehauses

Verdande.

In eine ähnliche Richtung weisen

Versuche, Ontologien in der Softwareentwicklung

zu nutzen. Dabei handelt es

sich um computergerechte Beschreibungen

von Begriffen und deren Beziehungen

untereinander. Eine simple

Ontologie wäre etwa das Organigramm

eines Unternehmens nebst Telefonliste

der Mitarbeiter. Der Ansatz ist bis dato

eher in der Forschung als in der kommerziellen

Softwareentwicklung anzutreffen.

Ein Beispiel für die praktische Umsetzung

ist das DFKI-Projekt »iGreen«: Ziel ist die

Implementierung eines standortbezogenen

Wissensnetzes im Agrarbereich,

Produktivität

ist fast alles, auch

im Softwareengineering.

Computer, die sich selbst

programmieren, Roboter, die

Software entwickeln –

so könnte die Zukunft der

Softwareentwicklung

aussehen.

welches heterogene Informationsquellen

miteinander verknüpfen soll. Anwender

könnten dann mittels Entscheidungsassistenten

das gespeicherte Wissen

nutzen, um umweltgerechte, kollaborativ

organisierte Produktionsprozesse zu

entwickeln und zu optimieren. Das System

generiert also eine Art »Who's who«

und »Wer macht was« von Öko-Kooperativen

in der betreffenden Region.

Die Softwareindustrie macht sich

derweil Gedanken über Techniken, die

auf eine breitere Anwendungsbasis abzielen.

»Hier wird agentenbasierte Entwicklung

zunehmend relevant«, wie Michael

Behrendt erklärt, Senior Technical Staff

Member bei IBM Deutschland Research &

Development. Begünstigt wird der Einsatz

dieses Konzepts durch die zunehmende

Verteilung der Anwendungen. Als kleine,

in sich abgegrenzte Softwareeinheiten

können solche Agenten bestimmte Aufgaben

autonom wahrnehmen und dabei

als Teil einer größeren Einheit agieren.

Die Technik lässt sich bei der Entwicklung

von Steuerungen in komplexen verteilten

Systemen einsetzen, etwa bei der Simulation

von Verkehrsströmen: Für jedes Auto,

jeden Bus steht ein Softwareagent. Ihr

unter Umständen erratisches Verhalten

erzeugt ein realistisches Gesamtbild von

den Verkehrsverhältnissen in einem Ballungsraum.

In der Entwicklung von Verkehrsleitsystemen

haben agentenbasierte

Techniken deswegen bereits einen festen

Platz; das Stockholmer Leitsystem etwa

wurde so entwickelt und durchgetestet.

Auch automatische Codegeneratoren

haben sich in manchen Bereichen der

Softwareentwicklung etabliert. Ihre Stärke

spielen sie im Model-driven Development

aus, also etwa in der Entwicklung

von Embedded Software für Autos. Allerdings

sind sie nur dort überlegen,

wo sie unter sich sind. Werden Teile

des Programmcodes von menschlicher

Hand modifiziert, so muss

dies nach den Regeln erfolgen,

welche die Entwicklungstools

vorgeben. Ansonsten geraten sie

schnell aus dem Tritt, sobald sie

den manuell veränderten Programmcode

weiterverwenden

sollen. Im Fachjargon wird dieses

iterative Einpflegen optimierter

Codebestandteile als Round-Tripping

bezeichnet. »Round-Tripping in Kombination

mit Codegeneratoren bleibt ein

nichttriviales Thema«, kommentiert IBM-

Fachmann Behrendt. Im Klartext: Codegeneratoren

machen wohl häufig noch

mehr Arbeit, als sie einsparen. //

linksammlung mit

mehr informationen

bit.ly/13bz41S

web-special

Switch off your

Solution Engine

Design-Thinking: Neuer Weg zu

innovativen Lösungen

ferchau.de/read/it131b



Geschichten vom Pferd

TROJA 2.0

Hacker schlagen jederzeit zu. Effektiv und völlig lautlos.

Sie stehlen nicht, sie kopieren.

Der Cyberkrieg erobert immer neue virtuelle Schlachtfelder. *


< 29>

* Orte, Handlung und alle handelnden Personen sind frei erfunden.

Jegliche Ähnlichkeit mit lebenden oder realen Personen wäre rein zufällig.

Aber beabsichtigt! Wir danken Martin Dombrowski, Security Engineer

bei Imperva Inc., für die fachliche Beratung.

usgerechnet jetzt fällt der

A

Strom aus. Fast am Ziel.

Und nun macht ihm eine

läppische Sicherung einen

Strich durch die Rechnung

Niemals! Während

er die sechs Stockwerke seines Wohnhauses

in den Keller die Treppen hinunterrast,

verflucht er seinen Geiz: Läppische

163 Yuan für den Top-Arbeitsplatz gespart,

aber 25.000 US-Dollar aufs Spiel gesetzt

Die Tür zum Verschlag mit den Schaltschränken

steht einen Spalt offen. Seine

Furcht, die Sicherungen seien gestohlen

worden, erweist sich glücklicherweise als

unbegründet. Ob ein Kinderstreich oder

eine echte Überspannung die Ursache für

den Ausfall war, ist jetzt egal. Früher hat

er selbst oft solche Streiche mit seinen

Freunden gespielt. Heute schlüpft YÎnxíng

durch viel größere Sicherheitslücken.

YÎnxíng – der Unsichtbare – hat sich einen

Namen gemacht.

Seine Karriere hat vor etwa drei Jahren

mit unscheinbaren Zeichenkolonnen in

einer UNIX-Shell begonnen, die irgendwann

so ausgefeilt waren, dass sie seinen eigenen

Rechner lahm legten. Nach dem ersten

Schreck über den programmierten Absturz

wuchs in ihm ein unwiderstehlicher Drang,

noch mehr solcher Exploits zu schaffen.

Programme, die andere Programme ausnutzen

und sie zu willfährigen Dienern machen.

Er hat zweifelsohne ein Händchen für

schädlichen Quellcode.

Und die anfängliche Neugier entwickelte

sich immer mehr zur Adrenalin-Sucht.

Sie trieb ihn nach wenigen intensiven, aber

einsamen Wochen vor dem Bildschirm in

die E-Crime-Szene und deren Untergrundforen

im Web. Hier traf er endlich auf Gleichgesinnte,

die schnell zu seinen Verbündeten

und zu Auftraggebern wurden. Binnen weniger

Monate hatte YÎnxíng Hunderte Postings

geschrieben, die von Schwachstellen

in IT-Systemen berichteten, hatte Anleitungen

zum Bau von entsprechenden Schadprogrammen

veröffentlicht und eigene

Trojaner zum Tausch angeboten.

Im Gegenzug erntete er Vertrauen,

wurde in höhere Level empfohlen und

stieg auf – in der virtuellen Hierarchie der

schwarzen Hackerelite. Heute, als große

Nummer in der Cyber-Crime-Szene, moderiert

YÎnxíng Diskussionen über Sicherheitslücken

und lohnende Angriffsziele.

Alles auf der dunklen Seite des Webs.

Jedoch: In den vergangenen Monaten

musste er seinen Zeitaufwand für diesen

unbezahlten Job drastisch reduzieren, deaktivierte

gar die aggressivsten Threads.

Wegen des Auftrags.

Mit dem Zuschlag für diese Offerte

auf der Hackerplattform bidXploit.net

erhielt er Anweisungen, welche Server

seine Trojaner ins Visier nehmen und

welche Dateitypen sie kopieren sollen.

Über sechs Wochen experimentierte

YÎnxíng mit fertigen Tools aus einschlägigen

Hackerzirkeln, fügte eigene Bausteine

hinzu und trimmte seine Schädlinge

auf Schwachstellen diverser PDF-Viewer.

Vor wenigen Tagen erst kaufte er sich ein

brandneues Non-public Tutorial über eine

bislang nicht gepatchte Sicherheitslücke

im Acrobat Reader, um seine Trojaner gezielt

darauf abzurichten. Nun haben seine

digitalen Helfer Zeit – bis der Hersteller

das offene Scheunentor im PDF-Reader

entdeckt und schließt.

Wieder aus dem Keller zurück, starrt

YÎnxíng gebannt auf den Einschaltknopf

des Monitors; sein konstantes Blinken

kündet davon, dass sein Rechner wieder

bootet. Als der Rechner online ist, senden

seine Spione Botschaften aus dem

Web – sie haben Zugang erhalten. Die

unendlich langen Reihen von Hashcodes

interessieren ihn gar nicht, sollen sie ihm

doch nur die Wachsamkeit seiner Trojaner

dokumentieren. Harte Fakten sind

es, die ihn und seine Auftraggeber anlocken:

CAD-Daten, Konstruktionspläne,

Designstudien und Vorserientestergebnisse

künftiger Produkte.

In der Ruhe liegt die Kraft, seine asiatische

Geduld hat sich ausgezahlt. Bereits

vor zwei Wochen hatte YÎnxíng versucht,

sich Zugang zu Passwörtern und Servern

zu verschaffen. Damals hatte er drei

Nächte mit seinem Laptop in der Fu Cheng

Road auf der Lauer gelegen. 163 Yuan hatte

er für das Doppelzimmer in der vierten

Etage mit kompletter Office-Einrichtung

hingeblättert. Ohne Erfolg. Denn niemand

aus der Delegation des deutschen

Unternehmens loggte sich während des

Aufenthalts in das Hotel-WLAN ein. Auch

nicht in das vermeintliche, von ihm installierte

Funknetzwerk, das als local access

provider und zehnmal so stark wie das

Hausnetzwerk funkte. Hinter seiner Login-Seite

warteten die selbstprogrammierten

Sniffertools auf die neuen Hotelgäste.

Über einen unscheinbaren Facebook-Eintrag

war er ihnen damals auf die Spur gekommen.

Doch keiner aus der Delegation

nutzte während des Kurzaufenthalts in

Schanghai auch nur eine Nanosekunde

das öffentliche mobile Internet. Die IT-

Abteilung hatte die Fernreisenden sicherlich

darauf eingeschworen.

Schnee von gestern. Heute nun ist

Erntetag. Megabyte an Daten sprudeln:

Konstruktionspläne, Skizzen von Vorserienmodellen,

Kalkulationen, Forschungsdaten

und Simulationsdaten landen auf

seinem Rechner. Es hat sich also ausgezahlt,

einen Intensiv-Deutschkurs am

Goethe-Institut zu besuchen: Seine Sprachkenntnisse

reichten aus, um eine Onlinebewerbung

beim attackierten Unternehmen

abzusetzen. Sein lupenreines

Anschreiben und ein perfekter Lebenslauf,

verpackt in einer schlanken PDF-

Datei, trugen seine Schnüffelprogramme

nach Deutschland. Die IP-Adresse und

die Mail-Adresse lassen keine Rückschlüsse

auf den wahren Absender zu.

Jeder, der nun seinen Lebenslauf liest,

öffnet den unsichtbaren Spionen den Weg

ins System.

Diese hat er bei zahlreichen »bulletproof

hosting«-Anbietern platziert, Web-

Providern mit zwielichtiger Reputation,

hoher Anonymität und gesicherter Kommunikation.

Seine Programme warteten ↘

Interview



nur darauf, dass die Werkstore geöffnet

werden. Wurden sie erst einmal aktiviert,

kommunizieren sie verschlüsselt und

über anonymisierte Proxy-Server automatisch

mit den infizierten Systemen

und saugen die geheimen Daten aus den

Netzen, gekaperte Rechner attackieren

gekaperte Rechner, und zum Ende der

Schlacht werden sie alle versenkt. Auftrag

erledigt!

Um 18.00 Uhr solle er sich auf der

Website vom Crown Nugget Casino einloggen

und in der virtuellen Chat-Lobby

warten, teilten ihm seine Auftraggeber im

letzten Forenposting mit. Wenige Minuten

nach seinem Log-in spricht ihn sein angekündigter

Spielpartner an, und gemeinsam

setzen sie ihre Avatare an einen

privaten 500-Dollar-Pokertisch. YÎnxíng

muss einmalig 500 Dollar setzen, erhält

dafür eine Kreuz-Zwei und eine

Herz-Sieben. Big Deal! Aber sein Gegenüber

passt. Wieder setzen beide

500 Dollar: Karo-Dame und Kreuz-Drei.

Sein Gegenüber passt wieder. Auf diese

Weise gewinnt YÎnxíng in wenigen Minuten

25.000 Dollar. Seine Prämie für den

Hack. //

web-special

Unternehmen brauchen

interne Sicherheitsampel

Wie man sich vor Wirtschaftsspionen in

Facebook & Co. schützt

ferchau.de/read/it131c

mehr informationen

imperva.de

wirtschaftsschutz-bayern.de

Datenschutz ist ein Wettbewerbsvorteil

Datenklau und Wirtschaftsspionage haben Hochkonjunktur und rufen

den Verfassungsschutz auf den Plan. Michael George vom Bayerischen Landesamt

für Verfassungsschutz – Spionageabwehr/Wirtschaftsschutz (BayLfV) erklärt

Unternehmen, wie sie ihre Firmengeheimnisse für sich behalten können.

Bild: BayLfV

Warum beschäftigt sich der Verfassungsschutz

mit Wirtschaftsspionage

Weil es auch zu den Aufgaben des

Verfassungsschutzes gehört, Spionageaktivitäten

anderer Länder aufzuklären.

Diese Aktivitäten zielen häufig darauf ab,

die deutsche Innovationskraft anzuzapfen,

und verursachen damit erheblichen

Schaden. Wir sprechen mit den Verantwortlichen

in Unternehmen, stellen die

Risiken dar, aber auch die Chancen für die

Unternehmen, wenn sie sich schützen.

Die Unternehmen sind doch für ihren

Schutz zuständig, muss sich aufgrund der

Bedrohungslage der Staat engagieren

Viele Unternehmen unterschätzen

die Gefahr der Wirtschaftsspionage, weil

sie glauben, kein ausreichend interessantes

Ziel für die Informationsdiebe zu

sein. Und was nützen intensive Schulungen,

wenn die Mitarbeiter später doch

mit unverschlüsselten Laptops auf Geschäftsreisen

gehen

Wenn der Spion nicht zu mir kommt, reise

ich zum Spion. Welche wichtigen Regeln

beim IT-Verhalten sollten Unternehmen

berücksichtigen

Im Ausland gelten häufig andere

Spielregeln; öffentliches WLAN eignet

sich nicht für die Firmenkommunikation,

und ein Hotelzimmer bietet nicht immer

den Grad an Privatsphäre, den wir aus

Deutschland kennen: Vielleicht lässt sich

der Zimmersafe ja auch von der anderen

Seite öffnen. Und freundlich gemeinte

Firmengeschenke wie USB-Sticks sollten

bei der Rückkehr sofort von der eigenen

IT-Abteilung untersucht werden. Denn

nur das Zusammenwirken von gezielter

IT-Sicherheit und Mitarbeiterschulung

verhindert vielleicht das Imitat des eigenen

Produkts auf der nächsten internationalen

Messe am Stand nebenan. //


< 31>

Verliert die deutsche Hightech-Industrie den Anschluss

»Weniger Villa Hügel

und mehr

Silicon Valley«

Universitätsprofessor, Jazz-Musiker, Politikberater und

Unternehmer: Professor August-Wilhelm Scheer erklärt,

warum ein Cross-Over-Leben kreativer und innovativer ist als

ein immer tieferes »autistisches Bohren«.



Herr Professor Scheer, Sie plädieren für ein

Cross-over-Leben. Was meinen Sie damit

Wir leben häufig in Schubladen. Entweder

ist man Manager mit Haut und Haar

oder Künstler und lebt nur in dieser Welt.

Oder man ist Universitätsprofessor und

geht in der Welt der Fußnoten auf. Um nicht

betriebsblind zu sein, ist es wichtig, andere

Perspektiven als die der eigenen Schublade

einzunehmen und lieber mal den

geraden Weg zu verlassen. Nur dann erhält

man ein umfassendes Lebensbild und die

Chance, Persönlichkeit zu entwickeln.

Aber das ist doch längst bekannt. Persönlichkeit

und soziale Kompetenzen stehen

hoch im Kurs ...

Einspruch. Unser Erziehungs- und

Ausbildungssystem erschafft auch heute

noch genau diese Betriebsblindheit: Immer

schön fleißig, immer schön brav und

immer schön angepasst sein – dann klappt

es auch mit den guten Noten. Das setzt

sich an der Universität fort und später auch

im Berufsleben. Ich frage nur: Was ist denn

aus den Klassenbesten geworden

Was ist aus Ihren Klassenbesten geworden

Ich selbst war es jedenfalls nicht –

höchstens der Zweitbeste. Der Beste

wurde Oberstudienrat und ist in Frührente

gegangen.

»Lieber mal den geraden Weg zu verlassen.«

Ist Ihnen das Lebensmotto rückblickend

bewusst geworden

Ich habe Hesse gelesen, wie viele

in meiner Generation. Der wäre sicher

auch nur ein Stallhase geworden und kein

Steppenwolf, wenn er im Establishment

geblieben wäre. Wir sind alle mehrdimensional,

das war mir schon recht früh klar.

Auch dass die unterschiedlichen Aktivitäten

sich gegenseitig beeinflussen, denn

allen liegt Kreativität zugrunde. Und: Na

klar sehe ich das im Rückspiegel sehr viel

deutlicher und gelassener.

Was bringt ein solches Cross-over-Leben

hervor

Ich bin überzeugt davon, dass durch

die Vermischung von Disziplinen, von unterschiedlichen

Erfahrungen, Lebensläufen

und Weltbildern mehr Kreativität und

Innovation entstehen als durch das immer

tiefere autistische Bohren in der eigenen

Disziplin oder Schublade. Dabei läuft man

eher Gefahr, sich in vielfachen Verästelungen

zu verlieren und dabei letztlich nur

unwichtige Dinge zu finden. Kreative Innovatoren

haben sich eine Art positiver Kindlichkeit

bewahrt, die es erlaubt, absurd zu

denken. Sie sind eher bereit, Dinge einzureißen

und Neues auszuprobieren.

Und wo und wie leben Sie diese Vielfalt

Ich bin seit mehr als 30 Jahren Professor,

seit über 50 Jahren Musiker, habe

30 Jahre als Berater gearbeitet, habe

vor über 35 Jahren mein erstes Unternehmen

gegründet und berate seit rund

zehn Jahren die Regierung in puncto

Hightech-Entwicklung und IT. Solche

Leben kann man nicht nacheinander

führen. Wenn Sie unterschiedliche Interessen

haben, sollten Sie versuchen, so

viel wie möglich davon parallel hinzubekommen.

Ein lückenloser Lebenslauf wird von

Personalern aber auch heute noch gerne

gesehen ...

Das ist überholt. Cross-over-Denken

war vor 20 Jahren noch ungewöhnlich,

ja zum Teil verpönt. Heute hat sich aus

dieser zarten Pflanze ein ansehnlicher

Strauch entwickelt – hoffen wir, dass daraus

ein starker Baum wird.

Auch wenn man sechs Monate einen Kellner-

Job in den USA macht oder wochenlang

ziellos durch Europa oder Indien trampt

Das ist doch super! Ganz gleich, ob

Taxifahren, Kellnern oder Musikmachen.

Das alles ist persönlichkeitsbildend. Der

Berater, der mit seinem Kunden oder einem

Kollegen spricht, kann beim Bier

spannende Geschichten aus New York

erzählen und langweilt sein Gegenüber

nicht mit Erzählungen aus der Uni – denn

da war der andere auch.

Wann sind Sie das erste Mal ausgebrochen

Die größte Entscheidung war, aus

dem Lehrstuhl heraus IDS Scheer zu

gründen. Als Forscher kommt man über

einen Prototyp oder Laborversuche selten

hinaus, ich aber wollte das Konzept

und später auch die Tools rund um unsere

Entwicklung ARIS (Architektur integrierter

Informationssysteme) auf den

Prüfstand stellen: Taugen die Ideen in der

Praxis, wie kann man das für 1.000 und

mehr User umsetzen etc.

Der Schritt aus dem Elfenbeinturm

in die Industrie war eher verpönt – heute

ist das kaum noch nachvollziehbar. Damals

galt: Wenn man für die Wirtschaft

arbeitet, verrät man die Ideale der Wissenschaft.

Aber schlaflose Nächte und

durchschwitzte Bettlaken gehören dazu,

wenn man Grenzen verschieben will.

Bahnbrechende Innovationen und Entwicklungen

in Hightech- und IT-Branche

kamen und kommen aus den USA. Fehlt

der deutschen IT-Szene eine Prise kindliches

Zerstörertum

An Ideen und an Gründermentalität

mangelt es nicht. Aber richtig große Firmen

sind dabei noch nicht rausgekommen,

und wenn, dann werden sie gekauft

von ausländischen Unternehmen.

Wichtig ist, dass wir uns auf unsere

wahren Stärken besinnen und dort weiterentwickeln!

Brauchen wir unbedingt IT-Giganten wie

Apple oder Google

Die Masse der IT-Unternehmen hier

entwickelt sich – abgesehen von SAP

und einigen wenigen Ausnahmen – nur

zu einer Größe von vielleicht 50 oder

100, höchstens aber 500 Mitarbeitern

und bieten hauptsächlich Dienstleistungen.

Sie schafft es aber nicht mehr

zu der notwendigen Bedeutung, um andere

deutsche IT-Unternehmen in ihrer

Entwicklung zu beflügeln. Auch sitzen

die Käufer nicht selten im Ausland und

scheren sich um die Fortführung der


33>

Entwicklungstätigkeit in Deutschland nur

noch selten. Die Gründung der SAP ist

schon rund 40 Jahre her, und davon

bräuchten wir mehr; Unternehmen, die

starke Produkte für den Weltmarkt bauen,

denn das erzeugt eine große Community.

Im Silicon Valley oder auch in China scheint

das zu funktionieren. Ist der Boden dort

fruchtbarer

Im Silicon Valley kommt alles zusammen,

was man braucht – ein Schmelztiegel

auf engstem Raum: die großen Unternehmen

mit Zugkraft, Investoren, Venture-

Capital, aber auch Eliteuniversitäten, die

unternehmerisch sind und unzählige Firmen

hervorgebracht haben, die es zu Weltmarktführerschaft

gebracht haben wie

Google oder wie SUN, wo der Name Programm

ist (Standford University Network).

In China ist die staatlich geplante Entwicklungspolitik

der Dünger.

Der Ansatz aus langfristigen staat

lichen Programmen, verbunden mit der

Förderung von Unternehmertum und

Dumpingpreisen, sorgt für Innovationsschübe,

Neugründungen und einen hohen

Absatz. Das zieht viele gutausgebildete

Köpfe, die in den USA oder auch in Europa

studiert haben, wieder in die Heimat.

Schließlich ist dort ja mehr los.

Was bedeutet das für Neugründungen hierzulande

Es finden sich keine starken Partner.

Und ich sehe große Gefahren, dass wir im

Higtech-Bereich den Anschluss verlieren.

Der Wirtschaft geht es doch prima. Warum

brauchen wir eine starke IT

Weil die IT der Innovationstreiber der

Zukunft ist. Die traditionell starken Branchen

wie Automobil-, Maschinen- und Anlagenbau

können nur mit IT selbst innovativ

und wettbewerbsfähig bleiben. Hard- und

Software erhält immer stärker Einzug

und wird zum entscheidenden Unterscheidungsmerkmal

– Embedded Software, die

heute die Innovation bei Autos ausmacht,

ist ein gutes Beispiel dafür. Auch deutsche

Werkzeugmaschinen und Automatisierungstechnik

sind nicht Exportschlager,

weil wir den härtesten Stahl haben, sondern

die besten Steuerungen. Weitere Zukunftsmärkte

sind intelligente Stromnetze

oder die Planung von Verkehrsströmen.

Das alles lässt sich nur mit IT-Systemen

verwirklichen. Wenn wir die Softwaretechnologie

nicht selbst beherrschen, machen

wir uns abhängig, und die Nähe zur Wertschöpfungskette

geht verloren. Wir brauchen

daher in der deutschen Wirtschaftspolitik

weniger Villa Hügel und mehr Silicon

Valley. Heißt: Nicht nur das Alte feiern, sondern

Neues wagen und fördern.

Momentan rollt eine Welle von Technologiebrüchen

auf die IT zu. Cloud-Computing,

neue Techniken in der Datenspeicherung,

Consumerization von IT, Mobilität, Social

Media etc. Auch diese Entwicklungen werden

maßgeblich aus den USA getrieben.

»Eine Eigenschaft

von Innovatoren

ist die innere

Unabhängigkeit.

Ihnen ist es egal,

ob Sie als Narren

hingestellt werden.

Sie gehen ihren

Träumen nach.«

Das ist richtig, doch die Chancen für

deutsche Firmen, genau diese Technologiebrüche

zu nutzen und neue Lösungen

zu entwickeln, sind so groß wie noch nie.

Ob das Apps für die Cloud sind, intelligente

Benutzeroberflächen, um mit den

smarten Endgeräten zu kommunizieren

und sie zu steuern – hier sind unsere

Entwickler und Ingenieure gefragt. Auch

bei der Umsetzung von Social Media in

Unternehmen gibt es enormes Potential:

So gilt es etwa, Strukturen dafür zu entwickeln

und diese mit IT zu unterstützen.

Sie greifen selbst immer wieder disruptive

Ideen auf und gründen neue Firmen –

momentan etwa im Umfeld von Cloud-

Computing und E-Learning. Was ist Ihre

Kraftquelle, wann kommen Ihnen die

besten Ideen

Ich brauche viel Zeit für mich und

träume vor mich hin. Früher hab ich das

eher als negativ angesehen. Während

andere lesen oder sich unterhalten, bevorzuge

ich die Stille als Kraftquelle.

Ein Beispiel bitte.

In einem solchen Moment der Ruhe

kam mir beispielsweise die Idee für

ARIS, was im Grunde für seine Zeit auch

etwas Zerstörerisches hatte, weil es die

bisher vorherrschende Art, Software

zu entwickeln, umkrempelte: Wir betrachteten

nicht mehr Unternehmensfunktionen,

sondern wollten künftig Geschäftsprozesse

abbilden, die über alle

Bereiche und lückenlos durch IT unterfüttert

werden.

Welchen Fehler verzeihen Sie sich oder

Ihren Mitarbeitern, wenn eine Idee nicht

wie erwartet zündet

Da bin ich mittlerweile sehr tolerant

– Jazz sei Dank. Im Jazz sind Fehler quasi

Teil des Programms: Ein falscher Ton

kann als Fehler gesehen werden oder als

Startschuss für eine Veränderung, denn

einen halben Ton höher oder tiefer passt

es dann wieder ins Gefüge. Insofern ist

eine Jazz-Band auf Fehlertoleranz und

Kreativität hin ausgerichtet. Es gibt

keine Hierarchie, die Rhythmusgruppe

bildet den Teppich, und die Solisten

sind frei im Rahmen der harmonischen

Struktur. Je schneller und turbulenter

ein Unternehmen ist, desto mehr sollte

es von diesen Eigenschaften haben.

Herr Professor Scheer, vielen Dank für

das Gespräch. //

über august-wilhelm scheer

Prof. Dr. Dr. h. c. mult.

August-Wilhelm Scheer

(* 27. Juli 1941 in Lübbecke, Westfalen) ist

ehemaliger Aufsichtsratsvorsitzender der

IDS Scheer AG und ehemaliger Direktor des

Instituts für Wirtschaftsinformatik an der

Universität des Saarlandes in Saarbrücken.

Er schuf die wissenschaftliche Grundlage für

das ARIS-Konzept (Architektur integrierter

Informationssysteme). Von 2007 bis 2011 war

er Präsident des Bundesverbandes Bitkom.

Heute investiert er in junge Hightech Unternehmen,

die er in der Scheer Group zu einem

Innovationsnetzwerk zusammenfasst.

Offizieller Blog:

august-wilhelm-scheer.com



CeBIT und HMI

IT meets

Engineering

Im Frühjahr 2013 ist die Leine-Metropole gleich

zweimal der Nabel der Hightech-Industrie. Die

weltweit größte Computermesse CeBIT steht

heuer unter dem Motto »Shareconomy«. Die

Hannover Messe Industrie hat sich dem Leitthema

»Integrated Industry« verschrieben.

Der Kunstbegriff »Shareconomy« beschreibt

die Veränderung von Gesellschaft und Unternehmen

vom Haben zum Teilen. Das gemeinsame

Nutzen von Wissen, Ressourcen, Erfahrungen

und Kontakten als neue Form der Zusammenarbeit

steht im Fokus. Cloud-Computing, Social

Networks und Collaboration sind einige der Technologien

dazu, die auf der CeBIT gezeigt werden.

FERCHAU Engineering ist diesmal Partner von

COMPUTERWOCHE Jobs & Karriere – dem wichtigsten

Job-Marktplatz der Messe.

Mit dem Leitthema »Integrated Industry«

rückt auch die HANNOVER MESSE 2013 die

zunehmende Vernetzung aller Bereiche der

Industrie in den Mittelpunkt. Maschinen,

Anlagen, Werkstücke und Bauteile werden

künftig Daten und Informationen in Echtzeit

austauschen. Das Stichwort lautet hier:

Industrie 4.0.

CeBIT 2013 Hannover Messe 2013

Besuchen Sie uns in

Halle 9,

PLaTZIERUNG 08

Besuchen Sie uns in

Halle 2,

Stand D 47

05.–09.03.2013 08.–12.04.2013

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Oder direkt im Apple App Store und auf Google Play .


< 35>

FERCHAU Freelance

Direkter Weg zu

spannenden Projekten

Konstantin von Witzleben, Leiter

Service-Center FERCHAU Freelance,

erklärt, warum das Webportal Businesspartnern

Vorteile bringt.

Angesichts des anhaltenden Fachkräftemangels

haben Selbständige

momentan eher die Qual der Wahl.

Warum ist FERCHAU Freelance dennoch

interessant für diese Zielgruppe

Wir haben einen sehr guten

Marktüberblick über innovative

Projekte in den verschiedensten

Branchen und über alle Regionen

– den hat ein Freiberufler in der

Regel nicht. Zudem sind wir durch

unsere Niederlassungsstruktur in

engem Kontakt mit Kunden und

wissen frühzeitig, ob und wann

neue Aufgaben anstehen. Wir verstehen

uns als Vertrieb für unsere

Businesspartner. Ein weiteres

Schmankerl: Momentan können

interessierte Experten auf rund 500

Projekte deutschlandweit zugreifen

und sich direkt darauf bewerben.

Das bieten andere Dienstleister

auch. Wo geht FERCHAU Freelance

denn einen Schritt weiter

Erstens: Wir forcieren den direkten

Weg. Durch die nahtlose

Verbindung über die Niederlassungen

zu den Kunden können wir sehr

schnell die Partner und Projekte

zusammenbringen. Zweitens: Mit

FERCHAU Freelance bieten wir Hilfestellung

zu Vertragsgestaltungen

und haben Vertragsmuster und vieles

mehr zum Download. Drittens:

Der Businesspartner kann seine

Daten selber pflegen. Die Betonung

liegt auf »kann«, denn auch hierbei

greifen wir unter die Arme, etwa

bei der Erstellung von Profilen. Der

Vorteil ist ein stets aktuelles Profil,

welches den Einstieg in die interessanten

Projekte vereinfacht.

Was genau ist die Aufgabe des Service-

Centers FERCHAU Freelance

Unsere Kunden sind in erster

Linie unsere Niederlassungen. Ihnen

obliegt die Verantwortung, und

sie halten den persönlichen Kontakt

zu Partnern und Kunden. Daran

ändert sich nichts. Als Service-

Center haben wir aber darüber hinausgehende

unterstützende Aufgaben.

Das wären einmal Bereitstellung

der zentralen technischen

Infrastruktur, Pflege von Datenbanken

sowie Ausbau und Pflege

des Portals. Auch in puncto »Ansprache

von Businesspartnern«

sind wir aktiv und unterstützen damit

die Kolleginnen und Kollegen

in den Regionen – immer mit dem

Ziel: mit freiberuflichen Spezialisten

Projekte zu realisieren.

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atFERCHAU-Gewinnspiel

Hallo! Ich bin SpyKee

Der SpyKee-Roboterbausatz mit

einer Gesamthöhe von 32 cm und mit

mehr als 200 Einzelteilen lässt sich

in drei verschiedene Modelle zusammenbauen.

Der Kern seiner Intelligenz

besteht aus einem ARM9-

200-MHz-Prozessor. Während er die

Umgebung erkundet, macht er Fotos,

Film- und Tonaufnahmen. Per WLAN

und Internet lässt sich SpyKee von jedem

beliebigen Ort dieser Welt steuern.

Er spricht und gibt Töne wieder.

Sie möchten ferngesteuert per

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Dann loggen Sie sich ein unter:

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beantworten Sie folgende Frage:

Wie viele Elemente zählt man zur

Gruppe der seltenen Erden Kleiner

Tipp: Aufmerksam den Artikel ab

Seite 22 lesen. Einsendeschluss ist

der 28.03.2013. Viel Glück!

Über das Smartphone Galaxy

S3 hat sich Herr Uwe Schluchter

gefreut. Er arbeitet bei der ERGO

Versicherung AG als Abteilungsleiter.

Herzlichen Glückwunsch!

klicken sie rein

ferchau.de/go/it-gewinnspiel


NIEDERLASSUNGEN

GESCHÄFTSBEREICH AVIATION

AACHEN

Fon +49 241 446896-0

aachen@ferchau.de

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augsburg@ferchau.de

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berlin@ferchau.de

BIELEFELD

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