als PDF downloaden - Sparkassenzeitung

sparkassenzeitung.de

als PDF downloaden - Sparkassenzeitung

30

PERSONAL

MANAGEMENT

Arbeit statt Abstellgleis

Wie kann ein Unternehmen seine Mitarbeiter fördern, damit sie möglichst lange leistungsfähig

und motiviert bleiben? Der demografische Wandel stellt vor allem Führungskräfte vor neue Fragen

und Aufgaben. In vielen Geldinstituten gibt es bereits Konzepte. In allen spielen Fortbildung,

Wissenstransfer und lebenslanges Lernen eine zentrale Rolle.

� VON ULRIKE SCHÄFER

Wir schreiben das Jahr 2045: In der

Kantine der Sparkassen Versicherung

(SV) gibt es püriertes Rindersteak

und Kaffee aus der Schnabeltasse. Die

Türklinken sind – wegen der vielen Rollstuhlfahrer

– extra niedrig angebracht.

Das Gros der Mitarbeiter ist um die 70

Jahre alt, Kollegen unter 60 gelten daher

als „junge Hüpfer“. Leute unter 35

gibt es dagegen kaum, denn sie einzustellen

können sich Unternehmen kaum

noch leisten: Eine schriftliche Zusage,

in fünf Jahren Vorstand zu sein und der

goldene Handschlag schon vorweg – das

sind die Mindestforderungen der raren

Nachwuchskräfte. Deshalb setzt die SV

auf das Projekt „75plus“: die Mitarbeiter

sollen noch einige Jahre länger bleiben

– schließlich liegt auch die Kernkundengruppe

altersmäßig schon bei 70plus.

Dieses Szenario, das die SV in ihrer

Mitarbeiterzeitschrift entworfen hat, ist

natürlich satirisch überzogen. Doch es

steckt auch ein Fünkchen Wahrheit darin:

Tatsächlich spürt das Unternehmen

zunehmend die Auswirkungen des demografischen

Wandels: Die Belegschaft

wird immer älter. So liegt der Altersschnitt

der SV bei 44,6 Jahren (Stand:

2010). 35 Prozent der Mitarbeiter sind älter

als 50 Jahre, weitere 49 Prozent liegen

in der Altersgruppe zwischen 35 und 49.

Als optimal gilt eine Altersverteilung

von 30 Prozent der Mitarbeiter unter 30

Jahren, 50 Prozent zwischen 30 und 50

Jahren sowie 20 Prozent oberhalb von

50 Jahren. Dieser Idealzustand ist also

schon heute nicht mehr gegeben. „Wenn

wir uns so weiterentwickeln, haben wir in

ein paar Jahren einen deutlichen Überhang

bei den über 50-Jährigen“, sagt Sylvia

Knittel, Pressesprecherin der SV.

Kunden vertrauen Gleichaltrigen

Doch die Altersverschiebung muss nicht

zum Problem werden, wenn die Unternehmen

sich rechtzeitig darauf einstellen

und richtig damit umgehen. Denn die

älteren Mitarbeiter sind nicht weniger

lernfähig, kreativ und flexibel als ihre

jüngeren Kollegen. Im Finanzbereich

sind sie bei den Kunden sogar besonders

Immer mehr Ältere sind erwerbstätig

Die Grafik zeigt den Anteil der Erwerbspersonen an der Gesamtbevölkerung nach Altersgruppen

im Vergleich. GRAFIK: DPA

gefragt: Ältere Berater gelten als (krisen-)

erfahrener und weniger risikofreudig

als jüngere Banker. Das stellte man etwa

bei der Sparkasse Ulm im Rahmen einer

Kundenbefragung fest: „Un-

sere Kunden verlangen ausdrücklich,

dass nicht nur junge

Leute hinter dem Schalter

stehen, sondern auch ältere

Kundenberater“, so Christine

Wöhrle, Personalentwicklerin

bei der Sparkasse Ulm.

Auch Ute Drewniak, Age-

Management-Beraterin und

frühere Personalentwicklerin

der Deutschen Bank, bestätigt,

wie wichtig es vor allem für ältere

Kunden ist, gleichaltrige

Ansprechpartner bei ihrem

Finanzinstitut zu haben: „Wir

wissen, dass viele Kunden besonderes

Vertrauen zu ähnlichen

Beratern haben: Der

vergleichbare Lebens- und

Erfahrungshintergrund und ähnliche

Einstellungen lassen das Gefühl entstehen,

dass der andere mich und meine

Bedürfnisse besser versteht.“ Im Zuge

S P A R K A S S E M Ä R Z 2 0 1 2

„Unsere

Kunden

verlangen

ausdrücklich,

dass nicht

nur junge

Leute hinter

dem Schalter

stehen.“

Christine Wöhrle,

Pesonalentwicklerin,

Sparkasse Ulm

des demografischen Wandels kommt es

also vor allem darauf an, die älteren Mitarbeiter

motiviert, flexibel und lernbereit

zu erhalten, damit sie lange im Unternehmen

bleiben und dort ihr volles

Potenzial entfalten. Aus Sicht

von Drewniak ist das eine der

zentralen Aufgaben für Personalentwicklung

und Führungskräfte:

„Am besten unterstützt

man die älteren Mitarbeiter, indem

sie während ihres gesamten

Berufslebens an den regulären

Maßnahmen teilnehmen,

die allen anderen auch angeboten

werden“, sagt die Beraterin.

„Der größte Fehler besteht

darin, zu sagen ‚die ist zu alt‘

oder ‚der weiß das doch alles

schon‘, denn damit werden die

älteren Mitarbeiter peu à peu

herauskatapultiert – und abgestempelt.“

Die Beschäftigungsfähigkeit

müsse während der

gesamten Berufslaufbahn erhalten bleiben.

„Das muss den Führungskräften

deutlich gemacht werden, denn häufig

sind sie es, die über Maßnahmen ent-

Weitere Magazine dieses Users
Ähnliche Magazine