MITTEILUNGEN - Rudolf Steiner Schule Basel

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MITTEILUNGEN - Rudolf Steiner Schule Basel

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Schwerpunkt: Entwicklungsstufen und Lehrplan

Mächte immer stärker Der Fenriswolf

ernährt sich von den Lügen, die

Mitgardschlange von der Selbstsucht

der Menschen. Schliesslich muss die

grosse Götterdämmerung hereinbrechen,

in der die Götter mit der

ganzen Welt zugrunde gehen:

Die Sonne verlischt,

das Land sinkt ins Meer,

vom Himmel stürzen

die heiteren Sterne

Lohe umtost

den Lebensnährer

Hohe Hitze

Steigt himmelan.

Doch der Seherin Blick reicht weiter

in die Zukunft:

Seh aufsteigen

zum andern Male

Land aus Fluten

Frisch ergrünend:

Fälle schäumen;

Es schwebt der Aar,

der auf dem Felsen

Fische weidet.

(aus der Edda)

Eine neue Welt wird erstehen aus

den Trümmern des Unterganges,

zwei Menschen werden ein neues

Geschlecht begründen, die alten Götter

kehren wieder.

Über allem aber thront ein mächtiger

neuer Gott, der grosse «Weltenumspanner».

Seinen Namen wagt die

Seherin nicht zu nennen. Mit seiner

Hilfe aber werden die Menschen die

neue Welt erbauen.

So endet die Edda mit einem hoffnungsvollen

Blick in die Zukunft.

Die alte Götterwelt, d.h. das alte,

intuitive Hellsehen musste «verdämmern»,

damit ein neues Bewusstsein

entsteht.

Als die ersten Missionare von Irland

zu den germanischen Völkern

kamen, war der Boden für das Christentum

schon vorbereitet. Die Menschen

warteten mit grosser Sehnsucht

auf den herannahenden Gott,

der die Menschheit aus dem Dunkel

der Götterdämmerung herausführen

sollte. Gemeinsam mit den Göttern

kämpften sie gegen den Fenriswolf

und die Mitgardschlange, indem sie

Lüge und Selbstsucht überwanden,

und erwarteten voller Hoffnung das

Herannahen des ungenannten Gottes,

der mit dem Weihnachtslicht auf

die Erde kommen sollte.

In diesem Sinne ist das Ende der

Edda durchaus eine weihnächtliche

Botschaft, wenn wir die letzten Verse

dieser grossartigen Dichtung recht

verstehen:

Doch dann kommt ein anderer

Mächtiger als er.

Nimmer wag ich zu nennen ihn.

Wenige nur sehen weiter vorwärts,

als bis Walvater dem Wolfe naht.

(mit Walvater ist der Göttervater

Odin gemeint, der im Kampf vom

Fenriswolf verschlungen wird.)

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