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Luzern

3/2007

lokal

«Natur-nah», der neue Hide

von Pro Natura Luzern


2 50 Jahre Pro natura luzern

100 Gäste und ein Besuch

bei Familie Frosch

Pro Natura Luzern dankt herzlich

für die finanzielle und fachliche Unterstützung:

Sponsoren Hide

– Albert Koechlin Stiftung AKS

– LOVAR Stiftung für Umweltschutz

– Ella & J. Paul Schnorf Stiftung

– ARTHUR UND FRIEDA

THURNHEER-JENNI

STIFTUNG

– Kiwanis Club Luzern-Seetal

– LIONS CLUB LUZERN

– Fonds Landschaft Schweiz (FLS)

– MIGROS Kulturprozent

– TSCHOPP Holzbau

– Franz Stucki, Horw

Fachliche

Unterstützung

Pro Natura Zentrum Champ-

Pittet

– Schweizer Vogelschutz SVS/

BirdLife Schweiz

– Silberweide Naturstation am

Greifensee

Dreimal wöchentlich

offen

Der Hide, die neue Beobachtungshütte

im Naturschutzgebiet Ronfeld

am Südende des Baldeggersees, ist

jeweils am Mittwoch, Samstag und

Sonntag von 9 bis 18 Uhr zugänglich.

Gruppen – zum Beispiel Schulklassen

– erhalten Zutritt nach Vereinbarung.

Es sind auch Führungen

möglich. Das Ronfeld ist ab dem

Bahnhof Hochdorf oder Baldegg-

Kloster zu Fuss in einer Viertelstunde

erreichbar, mit dem Velo oder

dem Auto (wenige Parkplätze vorhanden).

Interessierte erhalten Auskunft bei

Pro Natura Luzern (041 240 54 55,

pronatura-lu@pronatura.ch).

In nur zwei Jahren haben Dutzende

Tier- und Pflanzenarten

das neue Naturschutzgebiet

Ronfeld bei Hochdorf entdeckt.

Zu ihrem 50-Jahr-Jubiläum hat

Pro Natura Luzern der Bevölkerung

hier eine Beobachtungshütte

geschenkt. Am 2. Juni

wurde sie eingeweiht.

«Sensationell», sagt Niklaus Troxler.

«Ausserordentlich», findet Heinz Bolzern.

Troxler ist Geschäftsführer von Pro

Natura Luzern und hat die Aufwertung

des Ronfelds am Südende des Baldeggersees

in den vergangenen fünf Jahren

geleitet, Biologe Bolzern hat hier 2005

und 2006 die Tier- und Pflanzenarten erfasst.

Ergebnis: Allein 39 Libellenarten,

seltene Amphibien wie der Teichmolch,

Seidenreiher, die das neue Feuchtgebiet

als Rastplatz entdeckt haben, oder kaum

mehr anzutreffende Gräser wie der Kurzgrannige

Fuchsschwanz. «Den gibts nur

noch an drei, vier Orten im Kanton Luzern»,

weiss Niklaus Troxler. «Bis jetzt

wurden bereits 24 Rote-Liste-Arten im

Ronfeld gezählt.»

Störche picken nach Nahrung

Im Ronfeld überlebten die Samen des

Fuchsschwanzes und anderer gefährdeter

Arten über Jahre im Boden, ehe

Pro Natura Luzern die Voraussetzungen

schuf, dass sie keimen konnten: Humus

wurde abgetragen und der Boden auf

diese Weise ausgemagert, die Mähhäufigkeit

und -zeiten angepasst, verschiedene

Arten Gewässer entstanden –

Weiher, die das ganze Jahr über Wasser

enthalten, Flachwassermulden, die

reguliert werden können und zeitweise

versumpfen oder austrocknen, was beispielsweise

Heidelibellen oder Kreuzkröten

besonders mögen. «Die Vielfalt

der Lebensräume in eng verzahnter

Nachbarschaft zueinander ist entscheidend»,

sagt Niklaus Troxler.

Erstaunlich ist, wie schnell manche Arten

neue Rast- und Futterplätze entdecken.

Die Storchenpaare, die sich in den vergangenen

zwei Jahren im Frühling in Baldegg

vorübergehend niederliessen, hätten

im Ronfeld regelmässig nach Kleingetier

gepickt, hat Troxler beobachtet. «Das

beweist, dass sich mit solchen Aufwertungsaktionen

einst heimische Arten zurückholen

lassen. Denn Grund für das

Verschwinden sind häufig schlicht die

versiegenden Nahrungsquellen.»

Von der neuen, zweistöckigen Beobachtungshütte

aus lässt sich gut beobachten,

was im Ronfeld kreucht und

fleucht. Pro Natura Luzern hat mit Hilfe

von Spenden 145000 Franken darin

investiert und schenkt sie dem Seetal

zu ihrem 50-Jahr-Jubiläum. Der Hide –

englisch für Versteck – ermöglicht es,

unbemerkt sozusagen ins Wohnzimmer

von Familie Frosch zu äugen, ohne dort

zu stören; vorausgesetzt, man lässt sich

Zeit und ist leise.

Fast zehn Jahre Arbeit

Der Erfolg im Ronfeld musste freilich

fast zehn Jahre erdauert werden. 1998

bot die Ziegelei Hochdorf Pro Natura

Luzern hier vier Hektaren Land zum

Kauf an. Die Bodenrechtskommission

verweigerte aber die Zustimmung. Erst,

nachdem das Verwaltungsgericht die

Argumente der Naturschützer stützte,

konnte der Handel abgewickelt werden.

2002 wurden der Naturschutzorganisation

weitere zwei Hektaren angetragen.

Die Arbeiten – auf bisher drei Hekta ren –

begannen im Oktober 2001: Holzen, entbuschen,

die alten Weiher ausbaggern

und einen neuen anlegen, Humus abtragen,

Naturwiesen ansäen. «Der grösste

Teil der Fläche ist weiterhin landwirtschaftlich

nutzbar», sagt Niklaus Troxler.

Landwirt Leo Schwegler mäht die

Wiesen, Troxler selbst ist für die besonderen

Pflegearbeiten verantwortlich.

Drei Hektaren sind noch zu

wenig

Er sei «äusserst zufrieden, wenn die wieder

aufgekommene Artenvielfalt erhal-


50 Jahre pro natura luzern 3

ten bleibt», sagt er. Die Naturschützer

sind bescheiden, reden aber auch Klartext:

«Bedrohte Arten wie der Violette

Silberfalter (Schmetterling), das Braunkehlchen

oder gar der im Kanton Luzern

ausgestorbene Laubfrosch lassen

sich nicht mit bloss drei Hektaren renaturierter

Fläche ansiedeln», sagt Troxler.

Derzeit überwiegt zwar die Freude –

«aber um wirklich starke Populationen

zu schaffen, müsste das Land von

der Strasse, die zur Lehmgrube führt,

bis zum See in ähnlicher Weise naturschutzfachlich

aufgewertet werden».

An der Generalversammlung von Pro

Natura Luzern am 2. Juni doppelte

Thomas Joller, Vorsteher der Dienststelle

Umwelt und Energie im Bau-,

Umwelt- und Wirtschaftsdepartement

des Kantons Luzern, nach. Joller nahm

Bezug auf den Werbespruch «Seetal

Wohntal» der Regionalmarketingorganisation

«Idee Seetal». Aus der Sicht

der Natur sei dieses Wohntal angesichts

der ausfransenden Siedlungen ohne Organisationen

wie Pro Natura erst recht

in Gefahr.

Bitte keine zweite Goldküste

Rund 100 Gäste – darunter Ständerätin

Helen Leumann und Grossratspräsidentin

Heidy Lang – nahmen anschliessend

an der Jubiläumsfeier zum

50. Geburtstag von Pro Natura Luzern

im Festzelt bei der Sporthalle Baldegg

teil. Die Uelihof AG tischte hier

ein grossartiges (von ihr gespendetes)

Buffet auf.

Jörg Baumann, Präsident von Pro Natura

Luzern, hob die Gesprächsbereitschaft

des Verbands und dessen Willen

zur Zusammenarbeit hervor, was Zentralsekretär

Otto Sieber besonders auf

die Bauern bezog: «Sie sind von Feinden

zu Partnern des Naturschutzes geworden.»

Baumann spielte auch auf die immer

wiederkehrenden Spannungen an zwischen

der See-Eigentümerin Pro Natura

und den Seetaler Behörden über die

Nutzung des Sees. «Die Natur ist hier

nicht reiner Selbstzweck, sondern auch

für die Bevölkerung da.» Der Hide solle

ihr ermöglichen, Einblick zu nehmen

und die Achtsamkeit für die bedrohte

Vielfalt schärfen.

«Perlen der Entwicklung»

missfallen

Es wurden indessen – zwischen den

Zeilen – auch kämpferische Töne angeschlagen.

Der Baldeggersee, an dessen

Südende das Ronfeld liegt, ist das

grösste Schutzgebiet von Pro Natura.

Diese war 1909 als Schweizerischer

Bund für Naturschutz gegründet worden.

Zentralsekretär Otto Sieber hob

den Moorschutz als besonderen Erfolg

der Luzerner Sektion hervor. Mit Blick

auf das Seetal sagte er, hier könnte

«in naher Zukunft wieder ein besonderer

Einsatz» nötig sein. Sieber

spiel te damit auf die «Perlen der Entwicklung»

an, Sonderbauzonen für

gehobenes Wohnen, welche die Regionalplanung

im neuen Richtplan vorsieht.

Doch politisieren mochte an diesem

Tag niemand, zumindest nicht am Rednerpult.

Der offizielle Teil fand seinen

Abschluss mit der Eröffnung des Hide,

worauf die Prominenz die ersten Blicke

durch die Sehschlitze in die Stube

von Familie Frosch & Co. werfen durfte.

Deren herzliche Begrüssung unterstrich,

dass sich an diesem Tag niemand

durch ein bisschen (Dauer-) Regen die

gute Laune verderben mochte.

Dominik Thali

Grossratspräsidentin Heidy Lang

muss bei der Eröffnung des

Hide, anders als bei dergleichen

Anlässen, nicht nur ein Band

durchschneiden, sondern gleich

ein ganzes Bündel Schilfstängel

und Weidenruten. Mit präsidialer

Unterstützung von Jörg Baumann

ist dies jedoch bald geschafft.

Foto: Dominik Thali


4 50 Jahre Pro natura luzern

Seltene Ehre für zwei Seetaler

Würdigung von Bruno Jans

Ehrenmitglied Bruno Jans, 62, aus Herlisberg

war ab 1982 während über 20 Jahren Präsident

von Pro Natura Seetal, der früheren

Seetalkommission.

Dass Pro Natura Luzern Ehrenmitglieder

erkürt, sei selten und

deshalb umso höher zu gewichten,

sagte Präsident Jörg Baumann

an der Generalversammlung

am 2. Juni. An diesem Tag

wurde die Ehre dafür gleich zwei

Seetalern zuteil, Bruno Jans und

Alois Hofer.

Nachfolgend die beiden Laudationes

für die Ehrenmitglieder

anlässlich der Jubiläumsfeier:

Geschätzte Anwesende, liebe Naturfreunde

Zuerst muss ich mich vergewissern, ob

der, dessen Leistungen wir heute würdigen

wollen, auch wirklich anwesend ist

oder ob er erst in zirka einer Viertelstunde

zu uns stossen wird. Sie staunen vielleicht,

liebe Anwesende, aber die Frage

ist durchaus berechtigt. Einige von euch

wissen, dass Bruno bei seiner Geburt

irgendwo eine Viertelstunde auf mysteriöse

Weise abhanden gekommen ist.

Ja, liebe Gäste, wir wissen auch, dass

die Uhr von Bruno Jans seither etwas

anders tickt. Er lässt sich weder vom

Zeitgeist noch von bedrohlich näher

rückenden Ereignissen in seinem

Tun beeinflussen. Bruno hat sein eigenes

Zeitempfinden und seinen eigenen

Takt, der rhythmisch, liebenswürdig

und korrekt ist, aber eben immer sein

eigener ist. Bruno Jans kann mit politisch

anders Denkenden genauso gut

kommunizieren wie mit Gleichgesinnten,

und er hat sich nicht zuletzt auch

wegen dieser seltenen Gabe weit über

das Seetal hinaus Respekt und Anerkennung

von allen Seiten verschafft. Ich arbeitete

mit Bruno während vieler Jahre

im Seetal zusammen und weiss, dass

er als Präsident von Pro Natura Seetal

(früher Seetalkommission) nicht nur als

der profunde Naturwissenschafter auftritt,

sondern immer auch als geduldiger

Zuhörer und geschickter Verhandlungspartner.

Bruno Jans ist ein Mensch, der

mich seit jeher immer wieder tief beeindrucken

konnte. Eine seiner vielen

Stärken ist seine Fähigkeit, vernetzt

zu denken und alles in einem grösseren

Zusammenhang zu sehen. Was er

tut, besticht durch Nachhaltigkeit und

Präzision.

Ich mag mich zum Beispiel gut daran

erinnern, dass wir einmal eine grössere

Holzaktion zur Auflichtung der

Uferzonen am Baldeggersee planten.

Ich, als junger Schulabgänger, wollte

mein Wissen systematisch und konsequent

anwenden. Bruno war es, der

mich immer wieder dazu ermahnte,

nicht allzu radikal vorzugehen, und er

lehrte mich, meinen Blick für gesamtheitliche

Lösungen zu schärfen. Bruno

denkt stets strategisch, nicht nur, was

ökologische Zusammenhänge betrifft,

sondern bei allem, was er angeht und

zum Besseren wenden will. Aber nicht

nur seine Denkweise, sondern auch

sein immenses Wissen und seine riesige

Erfahrung zeichnen ihn als wertvollen

Zeitgenossen aus, der sein Leben in

den Dienst der Natur gestellt und sehr

viel Arbeit geleistet hat und noch immer

leistet.

Bruno Jans wird übrigens am Nachmittag

eine Exkursion zur Seeplattform am

Baldeggersee anbieten, wo er einen vertieften

Einblick in die Natur und die

Seegeschichte gewähren wird.

Heute ist Bruno Jans aber hier und darüber

sind wir sehr froh. Jetzt haben wir

nämlich die Gelegenheit, ihm für seinen

immensen, unermüdlichen und selbstlosen

Einsatz zugunsten der Natur ganz

herzlich zu danken.

Als Zeichen der Wertschätzung überreicht

dir, lieber Bruno, Pro Natura

Luzern die Ehrenmitgliedschaft. Wir

freuen uns, weiterhin auf deine Unterstützung

zählen zu dürfen.

Herzlichen Dank.

Bruno Muff, (ehem. Geschäftsführer

Pro Natura Seetal)


50 Jahre Pro natura luzern 5

Würdigung von Alois Hofer

Berufsfischer sind schweigsame Leute.

Sie gehören nicht zu denen, die das Wesen

der Natur wortreich erklären – sie

gehören zu jenen, die die Natur täglich

in Bescheidenheit erfahren.

Die heutige Zeit ist nicht die Zeit der

Schweigsamen, der Bescheidenen. Öffentliche

Beachtung und der Glanz des

Rampenlichts wird den Lauten, den

Spektakulären und den Auffälligen zuteil.

Berufsfischer gehören nicht dazu.

Heute erfahren wir eine Ausnahme.

Heute wird ein Berufsfischer mit der

Ehrenmitgliedschaft von Pro Natura

Luzern ausgezeichnet: Alois Hofer, der

Fischermeister von der Birkenmatt in

Gelfingen am Baldeggersee. Für mich

ist es eine grosse Ehre, die Verdienste

von Alois Hofer im Rahmen dieser kleinen

Ernennungsfeier zu würdigen. Unsere

Wege kreuzten sich vor 42 Jahren

das erste Mal – er damals bereits ein

bestandener Berufsmann im besten Alter

– ich, ein 17-jähriger Jüngling am

Anfang seiner Lehr- und Wanderjahre.

Ich erinnere mich, wie er im Dezember

1965 unterhalb von Gelfingen das Boot

an das Ufer lenkte und mir mit berechtigtem

Stolz erzählte, dass er hier, an

dieser Stelle sein Haus, seinen Fischereibetrieb

und damit seine Existenz aufbauen

werde. Damit begann ein Leben

für und mit dem Baldeggersee.

Alois Hofer, 71, aus

Gelfingen hegt und

pflegt den Baldeggersee

seit vollen 50 Jahren

als Berufsfischer.

Foto: Roland Schmid

Alois Hofer wusste, dass er vor einer

anspruchsvollen Aufgabe stand.

Seit 1957 bewirtschaftete er den Baldeggersee

als Teil des elterlichen Fischereibetriebes

in Oberkirch.

Durch seine exakte Naturbeobachtung

blieben ihm die Reaktionen des Sees auf

die Gewässerverschmutzung nicht verborgen.

Er wusste, dass sich die «Ballen»

(so heissen die Felchen am Baldeggersee

seit Jahrhunderten) nicht mehr

natürlich fortpflanzen konnten. Für

den Laich dieser empfindlichen Fischart

waren die Lebensbedingungen auf

dem Seegrund lebensfeindlich geworden.

Doch Alois Hofer hatte Vertrauen.

Er vertraute auf sein fischzüchterisches

Können und auf die Prognosen

verschiedenster Exponenten aus Politik

und Wissenschaft, die eine baldige Gesundung

des Sees verkündeten.

Auf sein fischzüchterisches Können

konnte er sich immer verlassen – das

Vertrauen in die Gewässerschutzpolitik

und die Gewässerschutztechnik wurde

aber schon bald erschüttert.

Alois Hofer musste als unbestechlicher

Beobachter seines Baldeggersees

zur Kenntnis nehmen, dass der Bau und

die Optimierung von Kläranlagen sowie

die Beatmung und Zwangszirkulation

nicht zur schnellen Sanierung des Gewässers

führten, wie sie vor 30 Jahren

von einzelnen Fachleuten immer noch

optimistisch prognostiziert und erwartet

wurde.

Auch die Bäche aus dem Einzugsgebiet,

von denen er sich in jungen Jahren so

viel für die Gesundung des Sees versprochen

hatte, führten nicht frisches

Wasser, sondern unsichtbar die ausgeschwemmten

Nährstoffe überdüngter

Wiesen in den See.

Alois Hofer machte sich nichts vor. Er

erkannte, dass der Baldeggersee wohl

viele Jahrzehnte brauchen würde, um

sich von jenen Lasten zu befreien, die

ihm durch eine rücksichtslose Zivilisation

über ebenso viel Jahrzehnte zugemutet

wurde. Er erahnte, dass es noch

viele Jahre, wenn nicht Jahrzehnte gehen

würde, bis sich die «Ballen» wieder

natürlich fortpflanzen können.


6 50 Jahre Pro natura luzern

Pro Natura Ehrenmitglied

Alois Hofer.

Foto: Roland Schmid

Trotzdem. Er liess sich nie entmutigen.

Alois Hofer ist der Fischerei treu geblieben.

Der Felchenfang deckte schon längst

nicht mehr den Aufwand für die Zucht und

den Besatz mit Felchen. Die Felchenbewirtschaftung

folgte nicht mehr dem ökonomischen

Prinzip. Nicht der Fangertrag,

sondern die Erhaltung einer Fischart stand

plötzlich im Vordergrund. Artenschutz

und Biodiversität stehen heute zu Recht

in der Naturschutzarbeit ganz oben in der

Agenda. Alois Hofer machte sich nie etwas

aus solchen Begriffen. Aus einer inneren

Verpflichtung konnte er es ganz einfach

nicht zulassen, dass eine Fischart, die

seit rund 13000 Jahren, seit der letzten Eiszeit,

den Baldeggersee bevölkerte, stumm

und unbeachtet ausgestorben wäre. Ohne

Alois Hofer gäbe es keine «Ballen» mehr

im Baldeggersee. Für Berufsfischer vom

Schlag Alois Hofers bleibt keine Strömung

im See, keine Veränderung der Sichttiefe,

keine Nuance der Färbung unbeachtet.

Auch wenn sich die Fische der direkten

Beobachtung meistens entziehen, erahnt

ein solcher Berufsfischer doch ihren

Aufenthalt und ihr Verhalten.

Der Berufsfischer wird zum Teil des

Sees und versteht es, wie in einem Buch

seine Geheimnisse zu lesen.

Alois Hofer wurde ein Teil des Baldeggersees.

So bewirtschaftete und nutzte

er denn die Fischbestände des Baldeggerses

nach dem Prinzip der Nachhaltigkeit,

ohne über diesen Begriff besonders

nachzudenken oder gar durch

behördliche Fischereivorschriften dazu

verhalten zu werden.

Nachhaltige Naturnutzung ist ein zentrales

Anliegen jeder Naturschutzorganisation.

Alois Hofer hat sie praktisch

gelebt. Seit 1957, seit 50 Jahren. Genau

so lang wie es die heute jubilierende

Pro Natura Luzern gibt. Ohne

im Rampenlicht zu stehen, hat er ein

halbes Jahrhundert in Bescheidenheit

Beispielhaftes geleistet. Alois Hofer

dürfte der erste Berufsfischer sein, dem

die Ehrenmitgliedschaft einer angesehenen

Naturschutzorganisation verliehen

wird. Er verdient diese Ehre in hohem

Mass!

Josef Muggli, Fischerei- und

Jagdverwalter des Kantons Luzern


NATURSCHUTZ 7

Aktiv für Abendsegler und Co.

In der Stadt Luzern stehen

dieses Jahr die Fledermäuse

im Rampenlicht der Kampagne

«Natur im Siedlungsraum». Höhepunkt

der Kampagne war eine

Live-Videoübertragung aus der

einzigen bekannten Wasserfledermaus-Wochenstube

im Kanton

Luzern, die sich ausgerechnet

in der Holzverschalung der

weltberühmten Kapellbrücke befindet.

Von der Wasserfledermaus ist im Kanton

Luzern bisher nur eine einzige Wochenstube

bekannt. Dass sich die Wasserfledermäuse

dazu ausgerechnet die

weltberühmte, viel begangene Kapellbrücke

ausgesucht haben, macht den

Fund besonders spektakulär.

Deshalb haben sich die Organisatoren

der Fledermaus-Kampagne zu einer Live-Videoübertragung

aus diesem einzigartigen

Fledermaus-Quartier entschieden.

Mehr Raum für Fledermäuse

und Mauersegler in Luzern

Zusammen mit Ruth Ehrenbold, kantonale

Fledermausschutz-Beauftragte,

und Walter Fassbind, lokaler Fledermausschützender

und begabter Techniker,

sowie zahlreichen weiteren lokalen

Fledermausschützenden, wurde

am Freitagabend, 22. Juni 2007, ein Informationsstand

bei der Kapellbrücke

aufgestellt. Daneben wurde eine Grossleinwand

eingerichtet, auf welcher Live-Bilder

aus der Wochenstube zu sehen

waren. Hier konnten Hunderte von

Einheimischen und Touristen über die

Wasserfledermäuse in der Kapellbrücke

informiert und für Fledermäuse und deren

Schutz und Förderung sensibilisiert

werden.

Die Live-Videoübertragung war Höhepunkt

einer Fledermaus-Kampagne,

die von der Regionalkonferenz

Umweltschutz (RKU), einem Zusammenschluss

von 14 Gemeinden aus

der Agglomeration Luzern, finanziert

und vom öko-forum Luzern organisiert

wurde. Im Weiteren beinhaltete

die Kampagne einen Vortrag, an welchem

Ruth Ehrenbold, kantonale Fledermausschutz-Beauftragte,

und Hans

Schmid, Schweizerische Vogelwarte

Sempach, erläuterten, wie Gebäudenischen

für Fledermäuse und Mauersegler

erhalten oder neu geschaffen

werden können.

Was einen «fledermausfreundlichen»

Garten ausmacht, wurde in einem Kurs

von Sebastian Meyer, Umweltschutz

Stadt Luzern, und Christoph Winistörfer,

Naturgärtner aus Malters, vermittelt.

Die Abgabe von Wildpflanzen und Samentütchen

«Wildblumen für Fledermäuse»

sowie kostenlose Fledermausund

Naturgarten-Beratungen rundeten

das Angebot von «Luzern grünt» ab.

Weitere Informationen

www.luzerngruent.ch und

www.fledermaus.info/luzern

Sebastian Meyer, öko-forum

Fledermausquartiere sind

gesucht!

Die Bevölkerung wird um Mithilfe

beim Entdecken von Fledermaus-

Verstecken gebeten. Jede Meldung

eines neuen Fledermaus-Quartiers

wird mit einem kleinen Fledermaus-

Geschenk belohnt. Auf diese Weise

kann das bereits recht umfangreiche

städtische Fledermaus-Inventar um

aktuelle Datensätze erweitert werden.

Meldungen nimmt das öko-forum

Telefon 041 412 32 32,

info@oeko-forum.ch

gerne entgegen.

Wasserfledermaus.

Foto: www.fledermausschutz.ch

Dort, wo die Blumenkistchen fehlen, wohnen die Wasserfledermäuse.

Foto: Sebastian Meyer, öko-forum


8 AGenda

Eidgenössische

Wahlen 2007

Wer von den NationalrätInnen, die

für die Eidg. Wahlen 2007 wieder

antreten, hat in der ablaufenden

Legislatur umweltpolitische Anliegen

unterstützt

Verschiedene Umweltorganisationen

haben auf www.umweltrating.ch das

bisherige Abstimmungsverhalten im

Laufe der vergangenen Legislatur bewertet.

Pro Natura Luzern empfiehlt Ihnen,

folgende zwei bisherigen Kandidaten

zu wählen, die sich konsequent für die

Natur und umweltrelevante Themen

im Nationalrat eingesetzt haben:

– Louis Schelbert (Grüne/LU)

– Hans Widmer (SP/LU)

Impressum

Mitgliederzeitschrift von

Pro Natura Luzern

Erscheint 3–4-mal jährlich

Titelbild: Der neue Hide im Ronfeld wurde

von Roger Hodel und Niklaus Troxler entworfen

und geplant. Mit etwas Glück lassen

sich sogar seltene Gastvögel wie diese

Seidenreiher aus der Beobachtungshütte

bestaunen.

Fotos: Niklaus Troxler

Herausgeberin:

Pro Natura Luzern

Geschäftsstelle:

Mühlemattstr. 28, 6004 Luzern

Tel. 041 240 54 55,

Postkonto 60-17029-7

www.pronatura.ch/lu

E-Mail: pronatura-lu@pronatura.ch

Melden Sie

Vorkommen von

Problempflanzen!

Neophyten-Beratung

Für Fragen rund um Ambrosia, Riesen-Bärenklau,

Goldrute & Co. steht

neuerdings das öko-forum Red und

Antwort. Zugleich ist es Anlaufstelle

für Meldungen von Fundstellen.

Exotische Problempflanzen können

sehr dichte Bestände bilden und dadurch

die einheimische Pflanzenwelt

verdrängen. Das öko-forum übernimmt

für den Kanton Luzern seit Kurzem

die Funktion einer Erstanlauf- und Beratungsstelle

für die breite Bevölkerung.

Zudem können Beobachtungen

dieser Pflanzen in Naturschutzgebieten

und andern wertvollen Lebensräumen

gemeldet werden.

Der neu erarbeitete Flyer «Stopp – Umgang

mit exotischen Problempflanzen»

ist im öko-forum gratis erhältlich.

Kontakt:

öko-forum, Umweltberatung Luzern

Telefon 041 412 32 32

info@oeko-forum.ch

«Schaufel, Säge und Herz»,

20. Oktober

Dein Engagement für eine attraktive

Landschaft ist gefragt. Auf einem Bauernhof

im Seetal werden wir uns für typische

Tiere wie Zauneidechse, Gartenrotschwanz

und Fledermäuse einsetzen.

«Kompost»

27. Oktober

Was passiert eigentlich mit all dem

Grünabfall, der täglich in unseren Küchen

entsteht. Wir nehmen die Kompostanlage

auf dem Bauernhof etwas

genauer unter die Lupe.

«Hallo Abwasser»

17. November

Wir verfolgen den Weg des Abwassers

und schauen, wo es uns hinbringt.

«Kreatives Recycling»

1. Dezember

Aus Alt mach Neu! Aus Zeitungsschnipsel

schöpfen wir kreative Weihnachtskärtchen.

«Guetzle»

15. Dezember

Wir verkürzen die lange Wartezeit zum

grossen Fest und freuen uns, wenn

möglichst viele Teigauswaller und

Guetzliausstecherinnen erscheinen.

Bio-Erzeugnisse: Von Natur aus besser.

Verkauf ab Hof jeden Samstag von 8-13 Uhr

Ueli

Hof

Redaktion und Gestaltung:

Karin Voegelin, Niklaus Troxler

Druck und Versand:

Vogt-Schild Druck AG, 4552 Derendingen

Auflage: 4600

Horw/St. Niklausen · Bio-Hof Mättiwil

Telefon 041 911 22 20 · www.uelihof.ch

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