Fachartikel KunststoffXtra 04/2011 - IE Engineering Group AG

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Fachartikel KunststoffXtra 04/2011 - IE Engineering Group AG

Einheitliche Nutzlast der Bodenplatte, hochgelegtes

Medientrassee, Stützenfreiheit und ein innovatives Krankonzept

– die wandlungsfähige Fabrik der Georg Utz AG.

Bild: J. J. Ruchti

Arealentwicklung bei der Georg Utz AG Schweiz

Langfristige Planung zahlt sich aus

Seit über einem Jahrzehnt verfolgt die Georg Utz AG Schweiz mit Sitz in Bremgarten einen langfristigen Planungsansatz

für die Erneuerung und Erweiterung der Produktionskapazitäten. Das Unternehmen fährt gut damit. Es

weiss genau, wohin es will, und schützt sich wirksam vor Fehlinvestitionen.

Walter Kern

Die geografi sche Lage der Georg Utz AG

könnte nahezu als idyllisch bezeichnet werden.

Das Fabrikareal des auf Kunststofftechnik

für Lager und Transport spezialisierten

Unternehmens liegt in unmittelbarer Nähe

der malerischen Altstadt von Bremgarten

und der Reuss, die das Gelände und die

westlich angrenzenden Quartiere mit einem

eleganten Bogen umrundet (Bild 1). Diese

Situation ist eine Herausforderung für ein

wachstumsorientiertes Unternehmen, das

seine Produktionskapazitäten kontinuierlich

erneuert und erweitert.

Im Jahr 1953 zog die damalige Firma für

Werkzeugbau Georg Utz vom Gründungsstandort

in Zürich Höngg nach Bremgarten,

wo 1958 die erste Spritzgiessmaschine in

Betrieb genommen wurde. Das Unternehmen

entwickelte sich erfolgreich und baute

im Laufe der Jahre seine Produktion entsprechend

aus. Im Zuge eines organischen

Wachstumsprozesses reihte sich mit der Zeit

ein Gebäudeteil an den andern. Geplant

wurde – wie damals üblich – eher kurzfristig

mit Fokus auf das jeweilige Ausbauprojekt.

Dies war auch der Fall, als das Unternehmen

in den Neunzigerjahren die Erstellung einer

weiteren grösseren Produktionshalle ins

Auge fasste, die 1999 betriebsbereit sein

sollte.

Beginn einer

langfristigen Partnerschaft

Mit der Planung der Produktionshalle 99

beauftragte die Georg Utz AG die IE Plast

Engineering, die als spezialisierter Bereich

der IE Engineering Group über langjährige

Erfahrung in der Planung und Realisation

von Fabrikbauten für die Kunststoff verarbeitende

Industrie verfügt. Dieser Planungsauftrag

war der Auftakt einer Zusammenarbeit

zwischen der Georg Utz AG Schweiz

und der IE Plast Engineering, die bis heute

andauert.

Die Ingenieure und Architekten der IE Plast

Engineering planten die Produktionshalle

99 nach bewährter Methodik von innen

nach aussen: zuerst das Betriebskonzept

einschliesslich des Versorgungskonzepts für

den Maschinenpark, darauf aufbauend das

Haustechnikkonzept und schliesslich das

Gebäudekonzept. Die Produktionshalle 99

sollte zur Heimstatt für drei Spritzgiessmaschinen

mit einer Gesamtschliesskraft von

7300 Tonnen und einem Rohmaterialdurchsatz

von bis zu 1450 kg/Std. werden. Diese

Dimensionen waren vor allem auch im

Hinblick auf das Haustechnikkonzept eine

Herausforderung, denn die geforderten Anschlussleistungen

und der Kältebedarf überstiegen

die bisher in der Schweiz gängigen

Grössenordnungen bei Weitem.

Die Produktionshalle 99 wurde gemäss den

defi nierten Anforderungen termingerecht

fertiggestellt. Damit hätte die Unternehmensführung

der Georg Utz AG zur Tagesordnung

übergehen können, denn die Produktionskapazitäten

entsprachen nun wieder den

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KUNSTSTOFF XTRA

VERARBEITUNG

aktuellen Bedürfnissen. Doch genau dieser

Punkt löste bei Utz einen Denkprozess aus.

Für die gegenwärtigen Herausforderungen

war man gerüstet. Doch wie sollte die Zukunft

aussehen Welche strategischen Ziele

wollte das Unternehmen für die nächsten

zehn Jahre verfolgen Und welche Konsequenzen

würden sich daraus für die Standortentwicklung

ergeben War es überhaupt

möglich, in Bremgarten weiter zu wachsen

und wenn ja in welchem Rhythmus und in

welchem Ausmass

Planungshorizont zehn Jahre

Mit der letztgenannten Frage wandte sich

die Geschäftsführung der Georg Utz AG wiederum

an die IE Plast Engineering. Das methodische

Vorgehen bei der Planung der

Produktionshalle 99 und der von der Betriebs-

statt von der Gebäudeplanung ausgehende

Planungsansatz hatten überzeugt.

Rainer Grether, Geschäftsleiter der Georg

Utz AG Schweiz: «Wir wollten mit dem Team

der IE Plast Engineering über die langfristigen

Entwicklungsmöglichkeiten unserer Produktionskapazitäten

diskutieren. Es gab für

uns bisher noch keine klare Vorstellung eines

Endausbaus der Produktion. Das wollten

wir ändern.»

Gemeinsam nahmen die Verantwortlichen

der Georg Utz AG und der IE Plast Engineering

die Entwicklung eines Arealentwicklungsplans

in Angriff. Dieser Masterplan

sollte über einen Zeithorizont von zehn bis

zwölf Jahren hinweg aufzeigen, wie das

Fabrikareal der Georg Utz AG dannzumal

organisiert sein würde, und welche Ausbauschritte

zu welchem Zeitpunkt zu realisieren

wären, um dorthin zu gelangen.

Bild 1: Die Georg Utz AG in Bremgarten verfolgt

einen langfristigen Planungsansatz für

die Erneuerung und Erweiterung der Produktionskapazitäten.

Bild: Georg Utz AG

Die Unternehmensstrategie

als Basis

Ein Arealentwicklungsplan basiert immer auf

der langfristigen strategische Ausrichtung

eines Unternehmens. Nur wer weiss, wohin

er will, kann darüber nachdenken, welche

Voraussetzungen erfüllt sein müssen, um

zu diesem Ziel zu gelangen. Der Arealentwicklungsplan

ist somit ein strategisches

Steuerungsinstrument für die langfristige

Investitionsplanung und sieht verschiedene

Entwicklungsszenarien vor. Im Arealentwicklungsplan

sind mit einer langfristigen Perspektive

die Nutzungs- und Erschliessungsmöglichkeiten

des Areals dargestellt. Er defi

niert in Form von Beschreibungen und

Diagrammen die Betriebsabläufe und die

entsprechende Konfi guration der Produktionsanlagen.

Ein wesentliches Element des Arealentwicklungsplans

bildet die sinnvolle Führung der

Materialfl üsse. Versorgung, Produktion und

Entsorgung müssen als wichtige Elemente

des Betriebskonzepts streng organisiert und

systematisiert werden. Schliesslich antizipiert

der Arealentwicklungsplan auch den

Bedarf an haustechnischen Anlagen und

deren Positionierung im Gesamtkontext des

Areals.

Der Arealentwicklungsplan

als Leitinstrument

Der Arealentwicklungsplan dient der Unternehmensführung

als übergeordnete Leitplanke

für die gezielte und nachhaltig sinnvolle

Planung und Realisation einzelner Ausbauschritte.

Er ist der Bezugspunkt, um bei der

Erneuerung oder der Erweiterung der Produktionsinfrastruktur

die Prioritäten im Sinne

der Unternehmensstrategie zu setzen. Er

erlaubt eine Etappierung der Projekte und

bietet so die nötige zeitliche Flexibilität, um

Schwankungen bei der Investitionsfähigkeit

des Unternehmens aufzufangen.

Marktentwicklungen sind konjunkturabhängig

und lassen sich nicht mittel- oder

gar längerfristig prognostizieren. Diese Planungsunsicherheit

muss der Arealentwicklungsplan

auffangen, indem er ein hohes

Mass an Flexibilität bietet. Er darf kein eng

geschnürtes Konzept sein, sondern muss

Veränderungen der Produktionskapazitäten

und unter Umständen auch neue Arealnutzungen

zulassen. Obwohl der Arealentwicklungsplan

die übergeordneten Leitlinien

vorgibt, kann jeder Ausbauschritt zu jedem

Zeitpunkt hinterfragt und verifi ziert werden.

«Der Arealentwicklungsplan ermöglicht eine

sinnvolle etappenweise Überbauung des

Fabrikgeländes im Hinblick auf einen optimalen

Endzustand im Rahmen gegebener

Bedingungen. Mit der phasenweisen Realisierung

sollen zukünftige, unbekannte Unternehmensentwicklungen

nicht behindert,

respektive verbaut werden.»

Percy Limacher, IE Plast Engineering, Zürich

Der Arealentwicklungsplan (Bild 2) der

Georg Utz AG Schweiz wurde nach einer

Vielzahl von intensiven Diskussionen, Workshops

und mehreren Optimierungsphasen

im Jahr 2003 in Kraft gesetzt. Rainer Grether:

«Wir haben am Anfang ganz bewusst den

Fächer weit geöffnet und selbst einen Neubau

unserer Fabrikanlagen auf der grünen

Wiese in Betracht gezogen.» Tatsächlich ist

die Planungsoption Neubau ein Schlüsselelement

im Planungsprozess. Sie zeigt auf,

welche Vorteile des Ideallayouts sich auf die

Organisation des Areals übertragen lassen,

welche Kompromisse eingegangen werden

müssen und wie mit diesen zielorientiert

umgegangen werden kann.

Für die Georg Utz AG Schweiz wurde ziemlich

schnell klar, dass das bestehende Areal

in Bremgarten trotz eingeschränkten Expansionsmöglichkeiten

ausreichendes räumliches

Potenzial für die Erneuerung und

Erweiterung der Produktionskapazitäten

beinhaltete. Der Arealentwicklungsplan umfasst

im Wesentlichen vier Planungsschwerpunkte:

Die Erneuerung und Er weiterung

der Rohmaterialversorgung, die Erstellung

einer weiteren grossräumigen Produktionshalle

unmittelbar neben der Produktionshalle

99, die auf Energieeffi zienz ausgelegte

Erneuerung der elektrischen Energieversorgung

und der Kälteerzeugung sowie die

Errichtung eines neuen Lagers.

Vorgehen nach

bewährter Methodik

Die IE Plast Engineering wurde mit der Gesamtplanung

für dieses Vorhaben beauftragt.

Dabei wandte sie das in jahrelanger

Praxis bewährte 4-Phasen-Modell an, das

bei einer Machbarkeitsstudie ansetzt und

über die Konzeptplanung und die System-

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VERARBEITUNG

KUNSTSTOFF XTRA

Bild: IE Industrial Engineering Zürich AG

Bild 2: Leitfaden Arealrichtplan.

planung in die Ausführungsplanung mündet.

Die generellen Zielsetzungen für die Erneuerung

und Erweiterung der Produktionskapazitäten

leiteten sich aus den betrieblichen

Anforderungen im Hinblick auf die Produktionseffi

zienz ab. Angestrebt wurden eine

Optimierung der Materialfl üsse, kürzere

Rüstzeiten, zusammenhängende funktionale

Flächen, zusätzlicher Raum für neuen

Produktionsmittel und eine Medienversorgung

über kurze Distanzen. Eine intelligente

Etappierung der verschiedenen ineinandergreifenden

Projekte sollte es ermöglichen,

die Investitionen auf mehrere Jahre zu verteilen

und ohne Beeinträchtigung der Produktion,

das heisst bei laufendem Betrieb,

zu bauen.

Im Grundsatz erfolgte die Planung und Realisierung

der einzelnen Projekte dem im

Arealentwicklungsplan vorgezeichneten Weg.

Die im übergeordneten Plan festgehaltenen

Termine wurden hingegen im Rahmen der

laufenden Investitionsplanung und in Koordination

mit der kurz- und mittelfristigen

Produktionsplanung permanent angepasst

und optimiert.

In den Jahren 2005 bis 2006 werden mit

einer neuen Siloanlage und der Planung der

Trassen für die Rohmaterialförderung die

Voraussetzungen für eine Steigerung der

Produktionsleistung geschaffen.

■ Im Jahr 2006 wird eine weitere Produktionshalle

erstellt. In der Halle 06 stehen

heute die leistungsfähigsten Spritzgiessmaschinen,

die in der Schweiz in Betrieb sind.

Die gesamte Medienversorgung mit Stromzufuhr,

Prozesskühlung, Druckluft- und Rohmaterialzufuhr

erfolgt hoch liegend und

fl exibel über zwei Haupttrassen. Bei Veränderungen

des Maschinenparks können die

Versorgungssysteme problemlos angepasst

werden.

■ 2007 und 2008 fi ndet die konzeptionelle

und bauliche Optimierung der Medienversorgung

ihre Fortsetzung. Die Zuführung

des Rohmaterials erfolgt nun arealweit für

alle Produktionshallen über hoch verlegte

Trassen.

■ Im Juni 2010 wird die Erneuerung der

Haustechnik in Angriff genommen. In Planung

ist der Neubau einer Haustechnikzentrale,

in der die Systeme für die Versorgung

mit Strom, für die Heizung und für die Kälteerzeugung

untergebracht werden. Das

neue Energiekonzept sieht einen Anschluss

an einen Wärmeverbund vor: Die Georg Utz

AG führt Prozesswärme in den Verbund ab

und bezieht dafür Kälte. Terminziel für die

Inbetriebnahme der Zentrale ist Mitte 2011.

■ Ebenfalls in diesem Jahr aufgegleist werden

der Bau einer weiteren Trafostation und

die Planung des neuen Lagers.

Bereits denken die Unternehmensführung

der Georg Utz AG und die Planer der IE Plast

Engineering über die Aktualisierung des Arealentwicklungsplans

nach. Diese wird sich

wiederum an der aktuellen strategischen

Ausrichtung des Unternehmens orientieren.

Im Zentrum der Überlegungen stehen Fragestellungen

zum Nutzungskonzept der Fabrikgebäude,

zur Identifi kation neuer Funktionsfl

ächen und damit zu weiteren Verdichtungsmöglichkeiten

auf dem Areal. Noch ist

im Hinblick auf die Zukunft vieles offen, aber

eines ist sicher: Der aktualisierte Arealentwicklungsplan

erstreckt sich über einen Zeithorizont

von zehn bis zwanzig Jahren.

Der rote Faden

Langfristiges Denken und Handeln bei der

Arealentwicklung zahlt sich laut Rainer

Grether aus: «Der Arealentwicklungsplan ist

für uns der rote Faden. Er defi niert unsern

Handlungsspielraum relativ eng, sodass wir

eine zielgerichtete und nachhaltige Investitionspolitik

betreiben können.» Dass er seinem

Planungspartner über Jahre die Treue

hält, ist Teil dieser Grundhaltung. «Kontinuität

in dieser Partnerschaft ist uns ein ganz wichtiges

Anliegen. Es kommt für uns nicht in

Frage, mit neuen Partnern immer wieder

bei Null anzufangen. Bei der IE Plast Engineering

diskutieren wir seit über einem Jahrzehnt

mit den gleichen Leuten, die unser

Geschäft verstehen und wissen, wovon sie

reden.»

Kontakt

IE Plast Engineering

Wiesenstrasse 7

CH-8008 Zürich

Telefon +41 (0)44 389 86 00

zuerich@ie-group.com

www.ie-group.com

Utz: ein Begriff für Kunststofftechnik

Die Georg Utz AG Schweiz ist die führende Herstellerin von Kunststoffbehältern für

Lager und Transport. Neben Standardprodukten bietet das Unternehmen schwerpunktmässig

individuelle Kundenlösungen an. Dank fi rmeneigenen Kapazitäten für Entwicklung,

Konstruktion und Werkzeugbau kann die Georg Utz AG Schweiz nahezu jeden Kundenwunsch

gemäss den vorgegebenen Spezifi kationen zeitgerecht erfüllen.

Um seine Leistungsfähigkeit zu bewahren und auszubauen, investiert das Unternehmen

jährlich zehn Prozent seines Umsatzes in die Erneuerung der Produktionstechnologien

und der Infrastruktur.

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