Unsere Kirche 2/2012 Mai bis Juni - Evangelische Kirchengemeinde ...
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Leben und vertieften Glauben<br />
aufrufen. Gedanken, die auch bei<br />
Joachim Neander die Wirkung nicht<br />
verfehlen. Er studiert Theologie,<br />
kann das Studium aber mangels<br />
Geldes nicht abschließen und wird<br />
Hauslehrer in Frankfurt, später, mit<br />
24 Jahren, Rektor der Lateinschule<br />
in Düsseldorf und Prediger an der<br />
dortigen <strong>Kirche</strong>.<br />
Nach dem Vorbild der Erweckungsprediger<br />
sammelt er eine kleine Gemeinde,<br />
einen Hauskreis, um sich.<br />
In privaten Erbauungstreffen wird<br />
gebetet, gesungen und die Bibel<br />
ausgelegt. Dies führt zur Kritik<br />
seitens der Düsseldorfer Gemeinde.<br />
So geht Neander mit seinem Kreis<br />
in das wildromantische Tal, durch<br />
das das Flüsschen Düssel fließt.<br />
Hier kann er unbeobachtet seine<br />
kleine Gemeinde unterweisen. Aber<br />
auch das bleibt nicht ohne Folgen.<br />
Die SchÖpfung<br />
– ein<br />
Bilderbuch<br />
Gottes.<br />
Die Düsseldorfer Gemeinde belegt<br />
ihn mit Kanzelverbot. Neander<br />
sucht sich eine neue Stelle, kehrt<br />
zurück nach Bremen und stirbt<br />
dort bald mit 30 Jahren.<br />
Das Tal jedoch, durch das er mit<br />
seinem Kreis wanderte und seine<br />
Erbauungsstunden abhielt, wird<br />
zum Gedenken und aus Dankbarkeit<br />
mit seinem Namen belegt:<br />
Neandertal. Und eben hier finden<br />
1856 die Arbeiter die Reste des Urzeitmenschen,<br />
der so letztlich seinen<br />
Namen nach Joachim Neander<br />
erhält: der Neandertaler.<br />
Man kann nun aus seinen Liedern<br />
einiges über seinen Glauben und<br />
sein Gottesbild erfahren. So auch<br />
aus dem Lied: Himmel, Erde, Luft und<br />
Meer zeugen von des Schöpfers Ehr<br />
Dieses Lied ist wie alle anderen<br />
Lieder Neanders ein Lob-und Danklied.<br />
Er ruft in seinen Texten zum<br />
Lobe Gottes auf, nennt als Gründe<br />
die Erschaffung der Menschen,<br />
Gottes Schöpfung und den Erhalt<br />
des eigenen Lebens. So auch in<br />
dem Lied, das so unglaublich<br />
bekannt geworden ist: „Lobe den<br />
Herren, der alles so herrlich regieret,<br />
der dich auf Adelers Fittichen<br />
sicher geführet.“<br />
Er wirkt deshalb so glaubwürdig<br />
und überzeugend, weil er die Not<br />
am eigen Leib durchlebt und<br />
durchlitten hat.<br />
Joachim Neander sieht in der Natur<br />
Gottes Schöpfung. Er sieht die<br />
Schöpfung wie ein Bilderbuch<br />
Gottes an. Und diese Bilder sind<br />
umso erstaunlicher, wenn wir bedenken,<br />
dass die Menschen damals<br />
in seiner Zeit in der Hauptsache<br />
Verwüstung um sich herum hatten.<br />
Gerade ihnen will Neander Hoffnung<br />
und Zuversicht vermitteln, sozusagen<br />
einen anderen Blick auf diese<br />
Welt. Eine Welt wie Gott sie gemeint<br />
und geschaffen hat. Der Mensch<br />
kann sie zerstören auf unterschiedliche<br />
Weise, aber Neander will den<br />
Blick auf das Naheliegende lenken:<br />
auf Gottes Gegenwart in seiner<br />
Schöpfung.<br />
Deutlich wird in den Strophen: Jedes<br />
Detail in der Natur ist ein Gleichnis<br />
des Handelns und der Liebe Gottes.<br />
Alles: Himmel, Erde, Luft und Meer<br />
spiegeln Gottes Handeln wider. Ein<br />
Hinweis, dass wir die Schöpfung viel<br />
intensiver wahrnehmen sollen und<br />
nicht alles als so selbstverständlich<br />
betrachten.<br />
Denn Joachim Neander geht es eben<br />
nicht nur um bloße Naturromantik.<br />
Das Lied endet mit dem Vers: Drücke<br />
stets in meinen Sinn, was du <strong>bis</strong>t und<br />
was ich bin. Gerade das kann man<br />
von der Schöpfung lernen, angesichts<br />
der Kräfte und Mächte: Wie<br />
verletzlich unsere Welt ist und wie<br />
klein und verletzlich wir eigentlich<br />
sind. Und mich bringt es auch immer<br />
wieder zum Nachdenken darüber,<br />
welche Verantwortung wir unserer<br />
Welt gegenüber haben, wenn<br />
ich an Themen wie Klimawandel<br />
oder Atomenergie denke. Und ich<br />
denke, wir können uns in diesen<br />
Tagen, in denen die Natur wieder<br />
so richtig erblüht anstecken lassen<br />
zum Lob Gottes.<br />
Jutta Hofmann-Weiß<br />
Informationen zum Lied aus: den Kummer sich vom<br />
Herzen singen von Beate und Winrich Scheffbuch<br />
DrÜcke stets in meinen Sinn,<br />
was du <strong>bis</strong>t und was ich bin.<br />
10 <strong>Unsere</strong> <strong>Kirche</strong><br />
2/<strong>2012</strong><br />
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