08 I Rück und Ausblick

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08 I Rück und Ausblick

Rück- und Ausblick:

Das erste Quartal 2008 war für viele Aktienindizes durchaus dramatisch.

Der weltweite MSCI Welt Euro ging an der Spitze über 18 % zurück und beendete das Quartal

mit einem Verlust von rund 15 %.

Angeführt wurden die Verlierer-Ranglisten – wie so oft in einem Zyklus - von den vormaligen

Spitzenreitern – nur eben diesmal mit dicken Minuszeichen davor. So verloren chinesische

Festlandsaktien knapp 40 %, die sog. „H-Aktien“ in Hong Kong, sowie indische Aktien rund 30 %

und die meisten europäischen und japanischen Aktien gingen um rund 15 bis 18 % in die Knie.

Der Ursprung der Krise lag im amerikanischen Hypothekensektor von wo aus sich eine

Finanzkrise ausgebreitet hat. Die Stimmung gegenüber amerikanischen Aktien ist so schlecht wie

selten – dabei haben genau diese Aktien im Vergleich mit – währungsbereinigt „nur“ rund 10 %

Verlust - eigentlich gar nicht so viel verloren. Die große Ausnahme in diesem Quartal war

Südamerika – hier waren die meisten Märkte stabil oder gar im Plus. Einige asiatische Märkte –

wie Korea, Taiwan und Thailand konnten sich ebenfalls relativ gut behaupten.

Mitte März kam es zu richtiger Panik – wie man sie in der Regel am Ende einer längeren

Abwärtsbewegung regelmäßig beobachten und mit diversen Indikatoren auch messen und

nachweisen kann. Da die Abwärtsbewegung an den meisten Märkten bereits 9 Monate gedauert

hat, ist davon auszugehen, daß der Markt zunächst „sauber“ ist und wir einen deutlichen

Tiefstpunkt gesehen haben.

Aktuell sind überall Zweifel zu hören. Kommen noch weitere Milliarden-Abschreibungen Wird

die Real-Wirtschaft von der Finanzkrise erfasst Kommen noch weitere Pleiten Auch solche

Zweifel sind absolut normal nach einer solchen Verkaufswelle. Jedoch sind solche Zweifel auch

meist die Basis für weitere Kursgewinne. Wie schon Sir John Templeton sagte: „Bull markets are

born on pessimism, grow on skepticism, mature on optimism and die on euphoria“

Diese Phase der Skepsis und Zweifel ist sehr wichtig für die Märkte. Denn in dieser Phase

verlieren ganz langsam immer mehr Leute ihren Pessimismus und treten mit „frischem“ Geld als

Käufer auf. Somit sollte auch die Stimmung den Märkten tendenziell einen Auftrieb verleihen.

Von Seiten des „Präsidentschaftszyklus“ – ein nicht von der Hand zu weisender 4-Jahres-Zyklus

an den amerikanischen Märkten – verlief das Jahr bisher auch eher typisch, als ungewöhnlich !

Demnach ist das erste Halbjahr eines Wahljahres meist negativ – oft mit hohen Schwankungen.

Der Tiefpunkt wurde durchschnittlich im zweiten Quartal gefunden von wo aus eine starke Rally

für den Rest des Jahres startete. Auch für diesen Zyklus lassen sich eine Vielzahl von Erklärungen

finden. Man stelle sich nur vor, daß in wenigen Wochen die definitiven Kandidaten für das

Präsidentschaftsamt fest stehen und vielleicht auch eine Partei bereits mit einer deutlichen

Mehrheit für Ihren Kandidaten auftrumpfen kann: Dann würden zum Beispiel Aktien der einen

oder der anderen Branche plötzlich deswegen favorisiert. Vermeintlich neue Strategien in der


Sozial-, Außen-, Währungs-, Sicherheits- oder Wirtschaftspolitik würden bereits Auswirkungen

auf den US-Dollar, Zinsen oder andere „Börsenthemen“ haben und die Stimmung könnte

plötzlich von Weltuntergang auf Hoffnung umschlagen.

Wir wollen jedoch nicht an den Risiken vorbei berichten:

Die Gefahren für das weltweite Finanzsystem waren in den letzten 70 Jahren niemals größer als

heute. Es ist unseres Erachtens nach (leider) noch nicht klar abzusehen, ob die Aufwärtsbewegung

der letzten Wochen der Turnaround nach einem harten – aber absolut typisch verlaufenen –

„Bärenmarkt“ (fallende Kurse) war, oder ob wir lediglich eine Zwischenerholung sehen – wie

zum Beispiel im Frühling 2001 oder auch im Herbst 2001 nach den Terroranschlägen in den

USA. Die Finanzkrise hat auf jeden Fall das Potential mit weiteren Horrormeldungen noch mal

für eine Verkaufs- und Pleitewelle zu sorgen.

Ein weiteres deutliches Risiko ist die Inflation. Die Notenbankpolitik in den USA wird nicht nur

zum Scherz immer öfter mit der Politik einer „Bananenrepublik“ verglichen. Es gibt DEUTLICHE

Parallelen zu anderen Volkswirtschaften, die kurz vor einer Hyperinflation standen (wie der

Weimarer Republik oder Argentinien 2002). Ein Zitat könnte von Ben Bernanke – dem

amerikanischen Notenbankpräsident stammen: „Wo uns das Geld für große Investitionen fehlt,

dort drucken wir es eben“. So ähnlich lauten viele seiner Äußerungen. Dieses Zitat stammt

jedoch nicht von Bernanke, sondern dem von vielen westlichen Institutionen mehrfach hoch

ausgezeichneten, bisherigen Regierungschef von Simbabwe - Robert Mugabe. Auch er schaffte es

mittels Inflationierung der Geldmenge irrwitzige Preissteigerungen „für“ seine Bevölkerung zu

erreichen, was in einem totalen Vertrauensverlust in die Währung des ehemaligen Vorzeigelands

mündete und das ganze Land ins Chaos stürzte.

Ein ganz anderes Risiko liegt in den (relativ) hohen Rohstoffpreisen – und zwar gerade dann,

wenn die Hyperinflation „nicht gelingen“ sollte: Dann könnten ja die Rohstoffpreise wieder

einmal stark fallen – was ja auch nicht untypisch wäre. Das stört dann vor allem die

Finanzinvestoren, die gerade in den letzten ein oder zwei Jahren auf den Rohstoffzug

aufgesprungen sind und sich nun erhoffen erlittene Kursverluste aus Aktien mit kurzfristigen

Preissteigerungen in Rohstoffen wett machen zu können.

Wie immer gibt es also auch eine Vielzahl von Risiken.

Leider können wir Ihnen nicht sagen, daß der weitere Weg jetzt „völlig klar“ ist. Wir wissen, daß

viele Leute mit Ihren Käufen oder Verkäufen von bestimmten Papieren aber genau darauf

warten. Wir möchten Sie jedoch erinnern, daß es diesen Zeitpunkt niemals geben wird. Selbst

wenn die Finanzkrise geheilt sein sollte und jeder weiß, wie der nächste US Präsident heißt –

dann kommt eben eine Vogelgrippe, eine Kriegsgefahr, eine Bilanzfälschung, eine neue Krankheit

oder ein neues Supermedikament bei der Konkurrenz.

Unsere Hauptaufgabe ist es die Risiken zu bewerten und demnach Investitionsentscheidungen

vorzunehmen. Auf jeden Fall fühlen wir uns bei Kursen, die 30% oder gar 50% unter ihrem

letzten Höchststand stehen deutlich wohler Investitionen zu treffen, als vorher.

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