Lehrtafeln - Liechtensteiner Imkerverein

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Lehrtafeln - Liechtensteiner Imkerverein

Bienen – Natur - Mensch

Unsere Schöpfung ist voller Geheimnisse und Wunder.

Wer sich mit Bienen befasst,

öffnet eines der geheimnisvollsten Bücher unserer Natur.

Wenn die Biene von der

Erde verschwindet,

dann hat der Mensch nur

noch vier Jahre zu leben;

keine Bienen mehr,

keine Bestäubung mehr,

keine Pflanzen mehr,

keine Tiere mehr,

keine Menschen mehr...“

Albert Einstein

Geschätzte Besucher und Naturinteressierte

Die Biene verrichtet seit Millionen von Jahren

ihre wertvolle Tätigkeit in unserem Lebensraum.

In den vergangenen Jahrzehnten hat sich unser

Lebensraum stark verändert, deshalb sind die

Lebensbedingungen für die Bienen schwieriger

geworden. Die Imker leisten somit durch die Pflege

der Bienen einen grossen Beitrag zur Erhaltung

unserer Natur und Umwelt.

Der grosse Nutzen der Imkerei liegt nicht im

Honigertrag sondern vor allem in der Bestäubungsleistung.

Nur dadurch sind Erträge und

das Weiterbestehen zahlreicher Nutz- und Wildpflanzen

gesichert.

Der Liechtensteiner Imkerverein möchte mit

dem Lehrbienenpfad und dem Lehrbienestand

allen Interessierten einen Einblick in die Welt

der Bienen und in die Arbeit der Imker geben

und bedankt sich für das Verständnis und das

Interesse. Die Bienenhaltung ist eine naturnahe,

ausgleichende und entspannende Freizeitbeschäftigung.

Weitere Auskünfte erhalten Sie bei jedem

Imker.

Liechtensteiner Imkerverein

Biene mit Pollenhöschen

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Der Bienenschwarm

Ein besonders beeindruckendes Naturschauspiel ist der

Bienenschwarm, er ist die natürliche Vermehrung der Bienen zu

ihrer Arterhaltung.

Ein Schwarm im Mai-

Ein Fuder Heu!

Auf dem Höhepunkt seiner Entwicklung vermehrt

sich das Bienenvolk durch die Bildung

eines Schwarmes. Dieser besteht aus ca. 20 000

Bienen, ein paar Dutzend Drohnen und einer

Königin. Die alte Königin zieht mit einem Teil

des Bienenvolkes aus der bisherigen Behausung

aus, um sich eine neue Wohnung zu suchen.

Der Bienenschwarm wird sich nach kurzem

Flug im Umkreis von ca. 50 m zunächst an einem

Baum oder Strauch niederlassen bis die

„Spurbienen“ eine geeignete Wohnstatt gefunden

haben. Dies ist der geeignete Zeitpunkt, zu dem

ein Imker den Schwarm leicht einfangen kann.

Die Arbeiterinnen des Schwarms nehmen sich

für drei Tage Futtervorräte mit.

Der Auszug eines Bienenschwarmes ist ein äusserst

eindrucksvolles Naturschauspiel und kann

den unkundigen Betrachter durchaus in Angst

und Schrecken versetzen. Dafür gibt es jedoch

keinerlei Grund. Schwärmende Bienen sind absolut

harmlos.

Sollte sich in Ihrem Garten oder beim Haus ein

Bienenschwarm niederlassen, besteht keinerlei

Grund zur Panik. Lassen Sie die Bienen gewähren

und verständigen Sie bitte einen Imker, damit

der Schwarm fachgerecht eingefangen werden

kann.

Schwarmtraube

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Honig - mehr als nur ein Süssstoff !

Liechtensteiner Bienenhonig ist eingefangener Sonnenschein!

Honig ist mehr als nur ein süsser Brotaufstrich.

Über 180 nachgewiesene Inhaltsstoffe machen

den Honig zu einem wertvollen Helfer für den

menschlichen Organismus. Frucht- und Traubenzucker

werden sofort in Energie umgewandelt

und fördern die Leistungsfähigkeit. Honig

ist ein wertvoller Kraftspender und unterstützt

das Allgemeinwohl des Menschen

Seit Jahrtausenden dient der Honig als gute

Hausmedizin, zur Behandlung von Wunden

und Erkältungskrankheiten, da er natürliches

Antibiotikum erhält.

Die Bienen sammeln Nektar von Blüten und

Honigtau von Bäumen. Nektar und Honigtau

werden in einem komplizierten Verfahren mit

körpereigenen Sekreten angereichert und umgearbeitet,

danach zum Ausreifen in Waben gespeichert.

Jeder Honig kristallisiert früher oder

später aufgrund seiner Zusammensetzung.

Jahreszeit, Herkunft und Blütenart ergeben eine

unterschiedliche Beschaffenheit des Honigs. Farbe,

Geschmack und Zusammensetzung variieren

vielfältig

Besser Honig kaufen -

als zum Doktor laufen…

Vitamine ...

... sind die kleinen Helfer mit der großen

Wirkung: Vitamin B1 verbessert die Zuckerverwertung;

das bekannte Vitamin C hilft, die

Eisenausnutzung zu optimieren.

Mineralstoffe ...

... wie zum Beispiel Kalium und Magnesium

steuern die Muskel- undNervenfunktionen. Für

den Stoffwechsel sind sie unentbehrlich.

Zuckerverbindungen ...

... finden sich in Honig mannigfach. Vor allem

der Traubenzucker ist wertvoll, weil er verbrauchte

Energiereserven sofort wieder auffüllt.

Enzyme ...

... wandeln den Zucker im Honig um und produzieren

antibakterielle Stoffe. An dem alten

Hausmittel „heiße Milch mit Honig“ ist also

durchaus etwas dran.

Aminosäuren ...

... sind unverzichtbar für ein reibungsloses

Stoffwechselsystem.

Säuren und Pollen ...

... wirken appetitanregend und verdauungsfördernd

- da fühlt sich der Mensch gleich wohler.

Aromastoffe ...

... stimulieren das Immunsystem. Die ätherischen

Öle wirken angenehm auf die Atemwege.

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Bienen im Winter

Bienen schlafen nicht. Sie befinden sich in einer Kugelform,

um die notwendige Wärme zu halten. Sie nehmen Futter auf und

entwickeln dadurch die Energie, die sie brauchen, um auch bei

starker Kälte zu überleben. Die Königin befindet sich immer in der

Mitte der Kugel.

Nachdem im Oktober der Brutvorgang abgeschlossen

ist, beginnt der erste eigentliche

Wintermonat mit nur wenigen Flugtagen mit

dem November. Der Imker ist nun bemüht, jede

Störung vom Bienenstand fern zuhalten. Bei

einer Außentemperatur von 12 °C hört der Flug

auf, wenn die Temperatur weiter auf 10 - 6 °C

sinkt, schließen sich die Bienen zu einem kugelförmigen

Wintersitz, der sog. Wintertraube,

zusammen. Diese Wintertraube ist allseitig von

leeren Zellen umschlossen und hat lediglich an

den Randbereichen Anschluß an die Futtervorräte.

Die Bienen verteilen sich in ihrem Wintersitz

sehr unterschiedlich - im Außenbereich drängen

sie sich dichter als im lockeren Innenbereich, in

dem sich auch die Königin aufhält.

Sollte die Temperatur im Inneren auf unter 14 °C

sinken, heizen die Bienen durch ständige Zitter-

Bewegung der Flügelmuskel die Temperatur bis

auf 20°C auf. Die Temperatur in den Randbereichen

darf nicht unter 7 - 8 °C absinken - Bienen

die längere Zeit dieser Temperatur ausgesetzt

sind, sterben ab. Um dies in zu vermeiden, findet

ständig eine systematische Umschichtung von

außen nach innen ab.

Steigt die Temperatur wieder über 6 - 10 °C wird

die Wintertraube aufgelöst, es findet dann meist

ein Reinigungsausflug statt. Hierbei werden die

im Darm der Biene angesammelten Verdauungsrückstände

ausgeschieden.

Bienenbeuten im Schnee

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Drei Bienenwesen - ein Volk

Die Honigbiene gehört zu den staatenbildenden Insekten,

ein Einzeltier kann nur in Gemeinschaft überleben.

Ein Volk besteht aus einer Königin, ein paar hundert Drohnen

sowie 10‘000 - 50’000 Arbeiterinnen.

Königin Drohne Arbeiterin

Die drei Bienenwesen, zeigen schon äusserlich

auffällige Unterschiede. Die Königin, auch

Weisel genannt, verfügt über (königinneneigene)

Drüsen, die für das Sozialleben des Volkes

unentbehrlich sind. Sie besitzt einen besonders

langen Hinterleib, in dem sich die Eierstöcke sich

die Samenblase befinden. Während der Hauptbrutzeit

legt sie bis zu 2000 Eier an einen Tag.

Sie wird 4-5 Jahre alt.

Die einigen hundert Drohnen im Bienenstock,

sind grösser, plumper und haariger als die Arbeitsbienen.

Ihr Lebenszweck ist es, jungfräuliche

Königinnen zu begatten und sorgen für

ausgeglichen Harmonie im Bienenvolk. Sie haben

eine gut ausgeprägte Flugmuskulatur und große

Augen, um die Königin im Flug zu sehen.

Gleich nach dem Schlüpfen der jungen Bienen

beginnt ihr vielseitiges Arbeitsleben im Volk. Zu

Anfang arbeiten sie nur im Inneren des Bienenstocks:

Putzen der Zellen, Regelung des Wärmehaushaltes,

Brutpflege, Wabenbau, Wachdienst

und Speichern von Nektar und Pollen. Nach ungefähr

drei Wochen erledigen sie auch Arbeiten

außerhalb des Stockes: Sammeln von Nektar,

Honigtau, Pollen, Kittharz und Wasser.

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Die Sprache der Bienen

Die Bienen verfügen über verschiedenste Möglichkeiten, miteinander

zu kommunizieren. Die Verständigung im Bienenvolk erfolgt, in

absoluter Dunkelheit, über den Geruchssinn sowie den Tastsinn. Die

Tanzsprache gewährt eine perfekte Nachrichtenübermittlung, die zu

den abstraktesten Sprachleistungen im gesamten Tierreich zählt.

In erster Linie orientieren sich Honigbienen nach der Sonne

Biene beim Sammeln von Pollen

Durch die Übertragung von Informationen können

heimkehrende Bienen die gefundenen Futterquellen

mitteilen. Entfernungen von bis zu 100 m

werden den Stockbienen in einem Rundtanz, über

100m in einem Schwänzeltanz, mit einer erstaunlichen

Genauigkeit von mitgeteilt.

Die Richtung erkennen die ausfliegenden Bienen

auch bei bewölktem Himmel. Sie verfügen

über ein ausgeprägtes Zeitgefühl, welches die

Berücksichtigung der Sonnenbewegung möglich

macht

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Bienen sichern eine reiche Ernte

Wir können den Honig und alle Produkte

unserer Bienen, importieren...

...aber nicht die Bestäubung unserer Pflanzen in der Natur!

Ohne Biene kein Obst

Millionen Sammel- und Stockbienen sind in der

Vegetationszeit jeden Tag in Liechtenstein tätig

und sorgen für blühende Wiesen und Felder.

Kein anderes Insekt trägt durch die Bestäubung

der Wild- und Hauspflanzen mehr zum Erhalt

der Natur bei. Honigbienen sind blütenstet.

Haben sie eine Blütenart als gute Quelle ausgemacht,

bleiben sie ihr treu. Über 80% der Blütenpflanzen

werden von der Honigbiene bestäubt.

Gesamtökonomisch betrachtet, übersteigt die

Bestäubungsleistung der Honigbienen den wirtschaftlichen

Wert der Honigproduktion etwa um

das Dreissigfache. Die Bienenhaltung sichert eine

reiche und vielfältige Ernte. Ein Bienenvolk kann

in einem Tag bis 30 Millionen Blüten besuchen,

welche nach dem Beflug bestäubt sind und somit

Früchte erzeugen können. Ohne Bienen würde

unser Land hoffnungslos verarmen!

Die Bestäubung der Blüten ist eine notwendige

Voraussetzung für die Bildung von Früchten und

Samen. Die Früchte an Bäumen und Sträuchern

Blumenwiese

dienen sowohl uns Menschen als auch vielen Tieren

als Nahrung. Die Samen sichern die Erhaltung

der Vielfalt von Pflanzenarten.

Biene

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Weitere Bienenprodukte

für unsere Gesundheit

Pollen

Neben dem Honig sammeln die Bienen besonders

im Frühjahr auch Pollen, den sie als Eiweißquelle

für die Aufzucht der Brut benötigen. Pollen haben

einen hohen Nährstoff- und Vitamingehalt.

Vom Imker werden Pollen in sogenannten Pollenfallen

gesammelt. Der Pollen regt die Verdauung

an, gibt Kraft, fördert das Wachstum und hilft

bei Prostatabeschwerden.

Propolis oder Kittharz

Das sind Baumharze, die die Bienen an Knospen

von Bäumen sammeln und zum Abdichten von

Ritzen verwenden. Propolis hat entzündungshemmende

und antibiotische Wirkung und wird

in Salben und in Tinkturen für die Wundheilung

und bei Magen- und Darmgeschwüren erfolgreich

eingesetzt.

Bienengift

Bienengift ist von jeher als Heilmittel bekannt. In

verschiedenen Medikamenten daher enthalten,

so in Salben und Flüssigkeiten zum Einreiben

und Lösungen zum Einspritzen. Solche Mittel

helfen bei rheumatischen Muskel-, Nerven- und

Gelenkerkrankungen. Der Giftstachel ist die

Verteidigungswaffe der Bienen. Beim Stich bleibt

der mit dem Widerhaken versehene Stachel in

der Haut des Menschen hängen. Nach einem

Stich muss die Biene sterben. Nur für Allergiker

können Bienenstiche lebensbedrohlich sein.

Bienenwachs

Die Honigbiene zählt zu den Insektenstaaten, die

das Material für ihre engeren Behausungen und

Vorratskammern, den Wabenbau, selbst herstellen

- sie schwitzen das Wachs an der Bauchunterseite

aus. Die Verwendung des Bienenwachses

durch den Mensch für seine Bedürfnisse ist wahrscheinlich

genau so alt wie die Honiggewinnung.

Die sechseckigen Zellen der Waben stellen ein

Meisterwerk der Raumausnutzung und Festigkeit

bei geringstem Materialverbrauch dar. Sie

Biene beim Stechen

sind leicht nach oben geneigt, damit der Honig

nicht ausfließt. Die alten Waben schmilzt der Imker

ein. Das daraus gewonnene Wachs verwendet

man zur Herstellung von Kerzen, in der Medizin

und Kosmetik sowie als Holzpolitur.

Gelee Royale - Weiselfuttersaft

Die Ammenbienen erzeugen den Futtersaft in

ihren Schlunddrüsen. Sie füttern damit die Königinnenlarven

und die Königin. Ähnlich wie

Honig und Pollen soll Gelee Royale ein Energiespender

sein.

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Wussten Sie, dass…

• 10 Bienen 1 Gramm wiegen

• eine Bienenlarve bis zu 2’000 Pflegebesuche bekommt

• die Winterbienen bis 9 Monate alt werden

• Sommerbienen sich in 6 Wochen zu Tode gearbeitet haben

• 1’500 – 1’800 Eier ebenso viel wiegen wie eine Königin

• der Nutzen der Honigbiene für den Obstbau zehnmal grösser ist

als der Honigertrag

• Bienen rund 80% der Bestäubungsarbeit in der Natur leisten

• in einen Bienenvolk bis zu 50‘000 Bienen leben

• ein Bienenvolk pro Jahr für den Eigenbedarf etwa 50 - 70 kg

Honig und Pollen benötigt und der Imker pro Volk nur etwa zehn

Kilogramm Honig erntet

• Bienen für ein kg Honig etwa 10 Millionen Blüten besuchen

• Bienen für ein kg Honig etwa 4mal um die Erde fliegen

• ein Bienenvolk täglich 10‘000 bis 15‘000 Bienen aussendet

• Bienen vier Flügel und fünf Augen haben

• Bienen beim Stechen den Stachel verlieren und dann sterben

• die männlichen Bienen, also die Drohnen, aus unbefruchteten

Eiern entstehen und nicht stechen können

• die Königin von April und Juni täglich bis zu 2‘000 Eier legt

• eine Arbeitsbiene während des Sommers nur rund 40 Tage lebt,

die Königin aber gut und gern fünf Jahre alt werden kann

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Wildbienen

In Liechtenstein kommen etwa 500

Wildbienenarten vor. Sie leben nicht

in Völkern, sondern einzeln. Leider

sind sie heute gefährdet, da natürliche

Niststätten weitgehend fehlen und das

spezifische Nahrungsangebot knapp

geworden.

Hornissen

Man bedenke: Für die Brutentwicklung

eines Nestes benötigen die Hornissen

jeden Tag ein halbes Kilo Insekten.

Hornissen sind keine Feinde!

Die solitär lebenden Wildbienen kennen keine

Brutpflege. Wildbienenweibchen bauen ohne

Mithilfe von Artgenossinnen Nester in vorhandenen

oder selbst geschaffenen Hohlräumen und

legen darin Brutzellen an. Jede Brutzelle wird

mit einem Nahrungsvorrat aus Pollen und Nektar

versorgt, der von der Larve im Laufe der Entwicklung

verzehrt wird. Viele Wildbienenarten

bauen kunstvolle Nester und benützen dabei ganz

verschiedene Baumaterialien. Sind die Brutzellen

gebaut, die Eier gelegt und mit Proviant versorgt,

endet das Fortpflanzungsgeschäft der meisten

Wildbienenmütter. Wildbienen erfüllen eine

wichtige Fuktion in unserer Natur

Die Hornissenkönigin fängt im Frühjahr an, aus

morschem Holz und Speichel eine papierartige

Wabe zu bauen und darin Eier abzulegen. Vier

Wochen später schlüpfen die ersten Arbeiterinnen.

Sie übernehmen jetzt Brutpflege und

Nestbau, die Königin widmet sich nur noch

dem Eierlegen. Für die Fütterung der Hornissenlarven

erbeuten die Arbeiterinnen täglich

bis zu einem halben Kilo Insekten, zum Beispiel

Fliegen, Käfer, Raupen, Wespen. Das entspricht

dem Tagesbedarf von fünf bis sechs Meisenfamilien.

Hornissen fangen nur lebende Beutetiere

und gehen keinesfalls an Aas. Nachts fangen

Hornissen viele dämmerungs- und nachtaktive

Insekten, denen sonst ausser Fledermäusen, zu

diesen späten Stunden kaum noch andere Insektenjäger

nachstellen. Die Hornissen leisten

dadurch einen wichtigen Beitrag zur Erhaltung

des natürlichen gemeinsamen Gleichgewichts

in der Natur. Die Arbeiterinnen selbst ernähren

sich von Zuckersaft der Bäume und gelegentlich

auch von Fallobst. Mitte August bis Ende September

erreicht die Hornissenburg eine stattliche

Grösse von 30 cm Breite und 90 cm Höhe. Dann

zählt der Hornissenstaat 200 bis 600 Tiere. Die

nun schlüpfenden Insekten bestehen ausschliesslich

aus Jungköniginnen und Drohnen, die nun

ausschwärmen und sich ausserhalb des Nestes

begatten. Die begatteten Jungköniginnen überwintern

in geschützten Hohlräumen. Damit ist

der Bestand für ein weiteres Jahr gesichert.

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Das Bienenjahr

Oktober bis Januar

Nur noch wenige Bienen fliegen aus. Sie haben

sich im Stock zur Winterruhe zurückgezogen und

drängen sich eng zu einer Traube zusammen. Die

Bienen ernähren sich vom Honigvorrat. Durch

leichtes Fibrieren erzeugen sie Wärme. So ist es

trotz grösster Kälte im Inneren der Traube nie

kälter als 20° C.

Februar

Wird es wärmer als 12° C, unternehmen die Bienen

den Reinigungsflug. Obwohl noch Winter ist,

beginnt die Königin schon innerhalb der Traube

mit der Eiablage.

März

Die Bienen holen auf ihren Ausflügen, Pollen,

Nektar und Wasser. Das Brutnest der Königin

umfaßt inzwischen schon 3-4 Waben.

April

Die Flugbienen werden jetzt ständig animiert,

loszufliegen und Nektar von dem reichlichen

Angebot zu sammeln, weil das Volk immer mehr

Pollen und Nektar benötigt. Im Volk findet jetzt

ein Generationswechsel statt. Die Altbienen werden

durch die Jungbienen ersetzt, das Brutnest

umfaßt deshalb jetzt schon 6-8 Waben.

Mai

Das Bienenvolk ist jetzt voll entwickelt. Die meisten

Waben im Brutraum sind mit Eiern, Larven

und Puppen belegt. Es herrscht Hochbetrieb,

jetzt schwärmt die alte Königin mit einem Teil

des Volkes aus. Der Schwarm sucht sich einen

neuen Stock, den die vorher ausgeschickten Auskundschafter

entdeckt haben. Im abgeschwärmten

Volk schlüpft eine junge Königin, das Volk

hat sich vermehrt.

Juni

Der Höhepunkt der Entwicklung des Bienenvolkes

ist erreicht. Jetzt wird das Brutnest kleiner,

die Königin legt wieder weniger Eier. Der Hochzeitsflug

der Königin findet statt, sie wird von

Drohnen in der Luft begattet.

Juli

Die Drohnenschlacht beginnt, die jetzt überflüssigen

Drohnen werden aus dem Stock ausgestossen.

Die Bienen arbeiten immer weniger und

ziehen sich in ihren Bienenstock zurück.

August

Im August beginnt eigentlich das Bienenjahr,

denn von diesem Monat an schlüpfen die Winterbienen.

Je mehr Bienen überwintern, desto

leichter ist es für sie, die notwendige Stockwärme

zu erzeugen.

September

Das Bienenvolk wird kleiner. Sobald die Nächte

kühl werden, ziehen sich die Völker als Traube

im Stock zurück.

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Bienen und Umwelt

Wo alles betoniert ist, fängt die moderne Wüste an!

Wo Blüten sind, da freuen sich Mensch und Biene

Bienen brauchen eine Weide - und wir brauchen Bienen

Unter den heutigen Umweltbedingungen sind

die Bienen auf den Imker angewiesen: Er schafft

ihnen Behausungen, verbessert das verringerte

Nahrungsangebot durch Anpflanzung von Nektar-

und Pollenspendern oder Anwandern zu

verschiedenen Trachtquellen, kontrolliert die

Wintervorräte und die Gesundheit der Völker.

Das Überleben der Bienen ist von Blütenpflanzen

abhängig, an die sie sich seit Jahrmillionen

gegenseitig angepasst haben. Die Blütenpflanzen

liefern den Bienen die Notwendigen Nahrungsstoffe.

Wenn man bedenkt, dass der jährliche Eigenbedarf

eines durchschnittlichen Bienenvolkes

60 bis 80 kg Honig und 40 bis 60 kg Blütenstaub

beträgt, so wird die Bedeutung der Blütenpflanzen

für die Bienen ersichtlich.

Durch Veränderungen in unserem Landschaftsraum

haben sich die Lebensbedingungen der

Bienen in den letzten Jahrzehnten verschlechtert.

Magerwiesen, Obstbäume, Sträucher und

Hecken sind durch intensive Landwirtschaft

verschwunden oder haben der regen Bautätigkeit

Platz gemacht.

Jede Bodenfläche, auf welcher nicht Rasen gemäht

wird, sondern Blumen blühen, bietet Nahrungsangebot

für Bienen. So ist es sinnvoll „Unkräuter“

und Blumen an Wegrändern stehen zu

lassen und in Gärten und Anlagen einheimische

Pflanzen, Sträucher und Bäume zu verwenden.

Es kommt überdies nicht nur den Bienen zugute,

sondern auch Vögel, Schmetterlinge, ja die ganze

Tierwelt ist für den vielfältigen Artenreichtum

dankbar.

Obstbäume in Liechtenstein

1951 hatte unser Land 58 753 Obstbäume

1961 hatte unser Land 49 818 Obstbäume

1971 hatte unser Lande 31 822 Obstbäume

1992 hatte unser Land 18 545 Obstbäumen

In 40 Jahren sind 40‘238 Obstbäume

verschwunden,

vor 15 Jahren standen von zehn

Obstbäumen noch drei!

Wieviel sind es wohl heute

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Die Bienenwohnung

Aus dem natürlichen Hohlraum schaffte der Mensch

mit den Jahren für die Bienen eine künstliche Wohnung

Nördlich der Alpen bildeten sich im Mittelaltervor

allem in den Klöstern bedeutsame Zentren

der Bienenhaltung und Zucht. Dies war nicht

verwunderlich. Zum einen war Honig lange Zeit

vor allem im Mittelalter der einzige Süsstoff, zum

andern erhöhte sich der Verbrauch an Wachs

von Jahrjundert zu Jahrhundert. In den Kirchen

brannten Tag und Nacht Wachslichter. Zu Ostern

wurden mächtige Osterkerzen entzündet, und an

Feiertagen erhellte ein Lichtermeer die Klosterkirchen.

Nebst der Hausbienenzucht entwickelte sich mehrheitlich

in Nordosteuropa die Waldbienenzucht.

Die wilden Bienenvölker wurden nicht mehr wie

bei der Honigjagt restlos geplündert und abgetötet,

sondern nur ein Teil ihres Honigvorrates entnommen,

soviel aber belassen, dass die Bienen gut

durch den Winter kommen konnten. Man nannte

diese Honigentnahme Zeideln. Der Zeidler besass

das Recht, in dem ihm zugeteilten Waldbezirk geeignete

Bäume mit dem Zeidelbeil auszuhöhlen,

um Nistmöglichkeiten für wild zufliegende oder

selbst eingefangene Bienenschwärme zu schaffen

und war befugt auch Waffen zu tragen. Das

Zeidelhandwerk stand durch Jahrhunderte in

vollster Blüte. Jedoch war er zeitraubend die Bienenvölker

erst in den enlosen Wäldern zu suchen

um sei dort zu betreuen. Die Zeidler schnitten die

Bäume um und trugen die Klötze, in denen die

Bienen hausten, in ihr Heim. So entstanden die

ersten Klotzbeuten. Der erste Schritt des Werdens

der Biene zum Haustier war vollzogen.

Im letzen und vorletzten Jahrhundert vor unserer

Zeit überschlugen sich förmlich die Erfindungen

und brachten aus den ursprünglichen Klotzbeuten

und anderen Bienenbehausungen die uns heute

bekannten modernen Bienenkästen und Behälter

hervor.

Viele Gerätschaften kamenhervor und wurden

durch das Bessere wieder verdrängt. Massgebend

für die rasante Entwicklung der Imkerei waren

nebst moderner Behausungen die Erfindung der

Mittelwandpressform 1857, die Honigschleuder

1865 und die Königinnenzucht des selben Jahres.

Im wesendlichen finden wetterfeste einzelstehende

Kästen, die Magazinbeute, und der Hinterbehandlungskasten,

der durch einen Unterstand

oder durch ein Bienenhaus vor den Unbilden des

Wetters geschützt werden, Anwendung.

Typisches Zeichen unserer Imkerei ist das Bienenhaus

für 10 bis 20 Völker in Schweizerkästen.

Das Bienenhalten und Züchtenist bei uns ausschliesslich

als Freizeitbeschäftigung. Die Berufsimkerei

ist in unserer Region bedeutungslos,

da gegenüber den Erträgen von Honig zu grosse

Aufwendungen stehen. Die dichte Besiedlung, die

intensive landwirtschaftliche Nutzung der knapp

bemessenen Bodens und die ungünstigen Klimaverhältnisse

bieten keine guten Voraussetzungen

für Berufsimkereien, die auf ergibige und regelmässige

Honigerträge angewiesen sind. Zum einen

fehlen bei uns wilde, ausgedehnte, pflanzenvielfälltige

Busch- und Auenwälder sowie Hecken

und ungepflegte Waldränder, zum andern ist der

Obstbaumbestand seit 1950 um rund 70% zurückgegangen.

Diese Umstände sind für die stetige

Reduktion der Bienenvölker nach 1950 verantwortlich.

Gesellschaftliche Veränderungen in

der Freizeitgestalltung wirken sich aus zu einem

megativen Trend in der Anzahl der Bienenvölker

als auch in der Anzahl der Imker.

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