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2006 Johanni - Nikolaus - Cusanus - Haus

2006 Johanni - Nikolaus - Cusanus - Haus

2006 Johanni - Nikolaus - Cusanus - Haus

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Nikolaus-

Cusanus-Haus

Freies Altenheim e.V.

Lebensgemeinschaft im Alter

Hauszeitung



Bewohner- und

Angehörigenbefragung

Vegetarische Ernährung

Johanni 2006


2

Hauszeitung

INHALT:

Seite

Aktuelles in Kürze aus dem NCH .............................................................. 5

Sommerfest ............................................................................................................. 8

Neue Bewohner .................................................................................................... 10

Spurensuche des Herzens ............................................................................... 11

Totengedenken ..................................................................................................... 13

„Anthroposophische Pflege“ ........................................................................ 14

Gedanken zur Pflegebedürftigkeit im NCH ......................................... 17

Mitarbeiter ............................................................................................................... 18

Bewohner- und Angehörigenbefragung ................................................ 20

Veranstaltungen ................................................................................................... 30

„Echo“ aus unserem Kulturleben ............................................................... 32

Die kunsttherapeutische Arbeit und die offene Werkstatt ........... 38

Unsere Hauszeitung geht in Druck ... ...................................................... 40

Vegetarische Ernährung ................................................................................. 42

Neue Bücher in unserer Bibliothek .......................................................... 47

Unsere Jubilare .................................................................................................... 55

Herausgeber: NIKOLAUS-CUSANUS-HAUS,

Freies Altenheim e.V., Lebensgemeinschaft im Alter,

Törlesäckerstraße 9, 70599 Stuttgart-Birkach

Telefon 0711 / 45 83 - 0

Auflage Nr. 44: 800

Redaktion: Stefanie Heckle, Annedore Hennig, Andrea Nickel,

Ursula Schütt, Heinz Bollinger, Sören Hirning,

Eckehard Rauch

Für die Beiträge unserer Bewohnerinnen und Bewohner

danken wir herzlich.

Spendenkonto: Nr. 100 555 004 Volksbank Esslingen (BLZ 61190110)


Johanni 2006

3

S O M M E R W I L L E

Ihr meines Hauptes

Bildende Seelenkräfte,

Ihr erfüllet mein Eigensein,

Ihr dringet aus meinem Wesen

In die Weltenweiten

Und einigt mich selbst

Mit den Weltenschaffensmächten.

Rudolf Steiner


4

Hauszeitung

Sehr verehrte Leserinnen, sehr geehrte Leser,

bereits in unserer Weihnachtsausgabe hatten wir für Anfang 2006 eine BewohnerInnen-

und Angehörigenbefragung angekündigt. Sie sollte uns sowohl vertiefte

Erkenntnisse über die Wünsche und Bedürfnisse der unmittelbar betroffenen Menschen

liefern, wie auch mögliche Schwachstellen und damit verbundene Verbesserungspotenziale

aufzeigen.

In der Zwischenzeit ist die Befragung abgeschlossen und eine entsprechende Auswertung

erfolgt. Näheres dazu lesen Sie ab Seite 20.

Bemerkenswert und mehr als erfreulich scheint uns zunächst der hohe Rücklauf zu

sein. Von insgesamt 363 ausgegebenen Fragebogen kamen 256, das sind über 70 %,

ausgefüllt zurück. Unser herzlicher Dank gilt somit all denen, die sich der Mühe der

Beantwortung unterzogen haben.

Die Auswertung der angekreuzten Antworten zeigt eine überaus hohe und positive

Akzeptanz unserer Arbeit bzw. unserer Dienstleistungen. Nur äußerst vereinzelt

wurde mit „trifft eher nicht zu“ oder mit „trifft gar nicht zu“ votiert. Dies veranlasst

uns zu der Folgerung, dass die Befragten zum weit überwiegenden Teil dem Haus

insgesamt ungewöhnlich positiv gegenüberstehen, es nicht als „Gegenüber“ oder nur

Vertragspartner sehen, sondern sich selbst vielmehr als organischen Teil des Ganzen

und damit als Mitgestalter sehen.

Zusammen mit den wenigen „Negativ-Voten“ sind für uns vor allem die von den

Befragten frei formulierten Bemerkungen hilfreich. Ihnen werden wir uns in den

nächsten Wochen und Monaten ausführlich widmen, hier scheint es Schwerpunkte

zu geben, bei denen nicht nur Gesprächs-, sondern eventuell auch Handlungs- bzw.

Änderungsbedarf besteht. Anregungen und Fragen zu den Themen Konzeption und

Atmosphäre – Pflege, Betreuung und zeitliche Zuwendung – Informationsfluss,

Erreichbarkeit und Sprechstunden der MitarbeiterInnen – sowie Reinigung und

Wäsche – könnten dazugehören.

Über den weiteren Fortgang werden wir in der Hauszeitung, in Bewohnerversammlungen,

Angehörigenabenden und Mitarbeiterbesprechungen berichten.

Mit herzlichen Grüßen und allen guten Wünschen für eine schöne Sommerzeit

Heinz Bollinger

Ursula Schütt


Johanni 2006

5

Aktuelles in Kürze

aus dem Nikolaus-Cusanus-Haus

Seit vielen Jahren kommen immer wieder Besuchergruppen in unser Haus, um

speziell die ungewöhnliche Bepflanzung des Innenhofes wahrzunehmen. Durch Reportagen

in Fachzeitschriften, beispielsweise für gärtnerische Gestaltung und Architektur,

ist das Nikolaus-Cusanus-Haus in einschlägigen Fachkreisen längst zu einem

festen Begriff geworden. Trotzdem waren wir ein wenig überrascht, als uns Mitte Mai

die Anfrage eines japanischen „Indoor Green Style magazins“ mit der Bitte um eine

Fotoreportage und Interview erreichte. Durch Hinweise aus Architekturkreisen und

unseren Internet-Auftritt (!) war man auf uns aufmerksam geworden. Am 24. Mai

erfüllte Frau Bockemühl bereitwillig und routiniert wie immer den Wunsch, das Ergebnis

dürfte dem japanischen Leserkreis in einer der nächsten Ausgaben präsentiert

werden. Besonders haben wir uns darüber gefreut, dass die „Indoor-Spezialisten“

angesichts der Blütenpracht in unserem Garten ihr Interesse spontan auch auf unseren

„Outdoor-Bereich“ ausdehnten und so ziemlich alles fotografierten, was sich ihnen in

den Weg stellte.

Eine weitere japanische Besuchergruppe hatten wir am 01. Juni zu Gast. Zum wiederholten

Male handelte es sich dabei um verschiedene Initiativen, die sich in Japan

den Aufbau von anthroposophischen Altenhilfeeinrichtungen zum Ziel gesetzt haben.

Aber auch Initiativen aus Deutschland suchen immer wieder Unterstützung, Rat

und Hilfe. So besuchten uns Anfang Mai einige Berliner Freunde aus dem Umfeld der

Havelhöhe. Selbstverständlich geben wir unsere Erfahrungen gerne weiter, allerdings

ist uns deutlich, dass Empfehlungen oder Ratschläge zu Konzeption, Größe etc. einer

Einrichtung in Planung heute angesichts der sich dramatisch verändernden sozialpolitischen

Landschaft ungleich schwieriger als noch vor 15 Jahren, wenn nicht sogar

unmöglich sind.

Apropos Besuchergruppen: seit Eröffnung im Frühjahr 1992 bieten wir bekanntlich

an jedem ersten Freitag im Monat um 14.30 Uhr eine öffentliche Führung an.

Durchschnittlich nehmen bis heute jeweils ca. 20 bis 25 Menschen teil. Das heißt,

dass wir etwa 3.500 bis 4.000 Interessierten unser Haus auf diese Weise vorstellen

konnten. Eine beeindruckende Zahl, wie wir meinen.

Nicht unerwartet, sondern eher wie befürchtet, erreichte uns die Mitteilung der Kostenträger,

dass eine „allgemeine Erhöhung“ (Indexierung durch gestiegene Kosten)


6

Hauszeitung

der Pflegesätze auch im Jahr 2006 nicht vorgesehen sei. Zur Begründung heißt es,

dass „eine solche Maßnahme nicht mehr zeitgemäß sei“. Das bedeutet für die Altenhilfeeinrichtungen,

dass sie seit dem Jahr 2003 allgemeine Kostensteigerungen, beispielsweise

im Energie- und gesamten Sach-, aber auch Mitarbeiterkostenbereich

nicht weitergeben können, sondern versuchen müssen, diese durch Einsparungen an

anderen Stellen (an welchen) auszugleichen. Eine mehr und mehr unbefriedigende

Situation für die Pflegebedürftigen, die zu Recht Qualitätsverluste befürchten müssen,

wie für die Heime, die immer mehr wirtschaftlich in Schieflagen geraten.

Besonders wichtig ist in diesem Zusammenhang daher eine möglichst hohe Auslastung

der Einrichtungen. Im Gegensatz zu den meisten Heimen in näherer und weiterer

Umgebung blicken wir dankbar auf unsere Vollbelegung.

Roland Reck, seither Wohnbereichsleiter der Ebene 2, hat ab April dieselbe Aufgabe

auf Ebene 3 übernommen. Seine Nachfolge auf Ebene 2 hat Petra Sroke angetreten.

Wir wünschen beiden viel Erfolg und Freude in ihrer veränderten bzw. neuen

Tätigkeit.

Nach zähen Verhandlungen und einem langen Streik einigten sich der Kommunale

Arbeitgeberverband Baden-Württemberg und die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi

ab dem 01. Mai 2006 auf eine Erhöhung der wöchentlichen Arbeitszeit von 38,5

auf 39 Stunden. Durch den Abschluss einer Betriebsvereinbarung zwischen Heimleitung

und Mitarbeitervertretung gilt die neue Arbeitszeit nun auch im Nikolaus-

Cusanus-Haus.

Dem (mehr oder weniger sinnvollen!) Trend der Zeit folgend, beschäftigen auch wir

seit einigen Wochen, vor allem im Garten, sogenannte 1,50-Euro-Jobber (Hartz IV-

Empfänger). Eine Maßnahme, die auch intern bei uns durchaus nicht unumstritten ist,

zumal wenn man sich beispielsweise die Schlagworte von „wirtschaftlicher Notwendigkeit“

bis „moderner Sklavenhaltung“ ins Bewusstsein ruft.

Bereits im März fand die diesjährige Mitgliederversammlung unseres Fördervereins

statt. Die stattliche Zahl von knapp 500 Mitgliedern sorgte auch im Jahr 2005 erneut

dafür, dass wir mit beträchtlich hohen Spenden in unserer Arbeit massive Unterstützung

erfahren durften.

Zu der am 28.06. um 10.30 Uhr in unserem Festsaal stattfindenden Mitgliederversammlung

unseres Träger- und Betreibervereins haben die Mitglieder bereits eine

persönliche Einladung erhalten. Interessierte Teilnehmer aus unserer Leserschaft sind

uns darüber hinaus als Gäste herzlich willkommen.


Johanni 2006

7

Am Sonntag, den 25.06. geht eine Ära im Nikolaus-Cusanus-Haus zu Ende. An

diesem Tag werden Frau und Herr Pfister ihr Café letztmals geöffnet haben. Seit

dem 01.08.1993, also fast 13 Jahre lang, trugen sie mit viel Schwung, Elan und

Begeisterung zu den vielfältigen Angeboten unseres Hauses bei. Über all die Jahre

haben die Qualität ihrer Arbeit und vor allem die ihrer Kuchen und Torten viele

BewohnerInnen und BesucherInnen angesprochen und verwöhnt. Wir bedanken uns

herzlich bei Ehepaar Pfister für ihre Verbundenheit und ihre Tätigkeit mit und im

Nikolaus-Cusanus-Haus und wünschen ihnen auch an fast neuer Wirkungsstätte in

der Filderklinik viel Erfolg und viel Freude. Ab etwa Mitte Juli werden wir dann das

Café selber betreiben und unseren ganzen Ehrgeiz daransetzen, würdige Nachfolger

zu werden.

Schon seit der Planungs- und Gründungsphase Anfang der neunziger Jahre begleitete

Herr Alfred Hohlweg als überaus zuverlässiger Haus- und Hofdrucker unsere Arbeit.

Er war es auch, der ab der ersten Ausgabe an Michaeli 1995 bis heute unsere

Hauszeitung wesentlich mitgestaltete.

Aus einer anfänglich völlig

normalen Geschäftsbeziehung

ist mit den Jahren eine echte

Freundschaft gewachsen. Dies

nehmen wir zum Anlass, uns an

dieser Stelle herzlich für die Unterstützung

in all den Jahren zu

bedanken und ihm alles Gute,

Gesundheit und endlich mehr Zeit

für Hobbys und persönliche Neigungen

im gerade begonnenen

Ruhestand zu wünschen. Die bewährte

Zusammenarbeit werden

wir mit seinem Sohn, Herrn Jörn

Hohlweg, der den elterlichen Betrieb

übernommen hat, gerne fortsetzen.

Heinz Bollinger


8 ________________________________________________________________________________________________________________

Hauszeitung

S O M M E R F E S T

Sehr geehrte, liebe Bewohnerinnen und Bewohner,

zu unserem diesjährigen Sommerfest laden wir Sie, Ihre Angehörigen, Freunde und

Bekannten am

Samstag, den 1. Juli 2006 ab 16.00 Uhr

sehr herzlich ein.

Wie in den Vorjahren werden wir mit einem ca. einstündigen Programm in unserem

Festsaal beginnen. Auch dieses Jahr werden wir – was die Kultur betrifft – in die

Ferne schweifen: nämlich nach Indien. Orientalische Musik, bunte Kleider und

klassische indische Tänze erwarten uns.

Natürlich wird es daran anschließend genügend Raum für ein „Schwätzle“ zwischen

alten und neuen Freunden geben, bevor Sie unser Küchenteam mit dem abschließenden

Abendessen noch ein wenig verwöhnen möchte.

Damit wir neben dem Innenhof auch den Außenbereich beleben können, hoffen wir

auf ein sonniges Sommerfest – und natürlich vor allem auf Ihre zahlreiche Teilnahme.

Wir freuen uns auf die Begegnung mit Ihnen und auf ein fröhliches und schönes

Fest.

Mit herzlichen Grüßen

NIKOLAUS-CUSANUS-HAUS

- HEIMLEITUNG -

Heinz Bollinger

Ursula Schütt


Café im Nikolaus-Cusanus-Haus

Törlesäckerstr. 9

70599 Stuttgart-Birkach

Tel.: 0711/4583-931

Lassen Sie sich von unserem Angebot

einfach überraschen.

Wir haben Süßes, Salziges, Demeter-

Produkte, Schokolade, Kekse, und,

und, und ...

Gerne richten wir Ihre Feierlichkeiten

für Sie aus.

Besuchen Sie uns!

Eröffnungstage von Dienstag, den

18. Juli, bis Freitag, den 21. Juli

2006.

In dieser Zeit haben wir natürlich

spezielle kulinarische Angebote und

Überraschungen für Sie vorbereitet.

Es freut sich auf Ihren Besuch

für das Nikolaus-Cusanus-Haus

Café Team

Joachim Ruthardt

Öffnungszeiten:

Dienstag bis Sonntag jeweils

von 14 15 bis 17 30 Uhr


Johanni 2006

11

Spurensuche des Herzens

Als der Prophet Johannes der Täufer mit 30 Jahren in die Wüste zog, reiste er auch

durch Jerusalem und begann dort sein Wirken als Täufer. Auch Jesus ließ sich von

Johannes taufen. Durch sein Wirken erregte er das Misstrauen des Königs Herodes.

Johannes wurde verhaftet und enthauptet.

Der 24. Juni, Geburtstag des Johannes, war als Sonnwendtag von jeher ein Festtag -

und war durch den Ausspruch des Johannes: „Er muss wachsen, ich muss aber abnehmen“

sehr geeignet: Der abnehmenden Sonne konnte das aufgehende Christuslicht

gegenübergestellt werden.

Die Sommersonnwende wird im Brauchtum durch Lichtverstärkung gefeiert. Wenn

es Abend oder Nacht wird, entzündet man Feuer, um das Licht zu verstärken, um

dem Licht in der Nacht über seine momentane Schwäche hinwegzuhelfen.

Mittsommer, hohe Zeit des Jahres. Was im Frühling noch leise Ahnung war, hat sich

jetzt voll entfaltet. Zum Johannisfest gehörten früher Johanniskränze aus siebeneroder

neunerlei Kräutern und Pflanzen, z.B. Bärlapp, Beifuß, Eichenlaub, Farnkraut,

Johanniskraut, Klatschmohn, Kornblumen, Lilien, Rittersporn und Rosen. (Man

stelle sich diesen Reigen einmal vor!)

Das Symbol an Johanni, das Johanniskraut, war früher schon wegen seiner wie

durchstochen scheinenden Blätter als Wundheiler bekannt. Darüber hinaus scheint

es sich die Sonne geradezu in sich aufzubewahren und im Herbst und im Winter in

Form von Teeaufgüssen unser Gemüt zu erhellen. An Johanni gepflückte Kräuter,

zu denen natürlich auch das Johanniskraut gehörte, galten als besonders heilkräftig.

Sie hingen das ganze Jahr über in der Stube oder sollten unter dem Kopfkissen für

aufschlussreiche, erhellende Träume sorgen.

Gelb – die Farbe um Johanni herum. Gelb sind die Gesichter der Margeriten mit

ihren weißen Krägen, in der Schattierung von gelb bis orange blühen die Ringelblumen.

Der Künstler van Gogh hat Gelb in verschiedenen Abstufungen besonders

gern und häufig in seinen Bildern benutzt. Gelb ist die Farbe der Sonne.

Hieraus dürfen wir in unserem Dasein Lebendigkeit spüren, und wir dürfen aus

dieser Fülle die Lebensenergie schöpfen.


12

Hauszeitung

Der Sommer ist da.

Ich strecke mich aus nach der Sonne,

spüre sie auf meiner Haut.

Es tut mir gut, mich erwärmen zu lassen, durch und durch.

Die Wärme löst die Verspannung in meinen Muskeln,

aber auch die Verspannung in meiner Seele.

Dort, wo ich mich festhalten wollte,

das Leben vertagen wollte auf später –

Da darf ich das Jetzt leben.

Ich sehe den Schmetterlingen zu.

So leicht wie sie möchte ich im Sommer werden.

Die Farben, die Blumen, die Früchte genießen.

Die Fülle des Lebens liegt vor mir,

zum Greifen nah,

wenn ich mein Herz nicht verschließe,

meine Augen aufmache

und meine Hand danach ausstrecke.

Ich bin versorgt mit dem, was ich für mein Leben brauche.

Mit Sonne zum Reifen – und mit Regen zum Wachsen.

Geh auf, mein Herz und suche Freud,

denn dies ist deine Sommerzeit,

und es sind gute Gaben.

Kerstin Schmale-Gebhard

Gefunden von Sigrid Nägele, Ebene 3


14

Hauszeitung

„Anthroposophische Pflege“

Am 09. und 10. Mai gab es zwei weitere Fortbildungstage mit dem Thema „Rhythmische

Einreibungen nach Wegman/Hauschka“. Frau Kees-Baumann, die Ausbilderin

für Rhythmische Einreibungen ist, hat uns sechs Mitarbeitern verschiedene

Teileinreibungen in Theorie und Praxis vermittelt, welche in der täglichen Grundpflege

angewandt werden können. – Nachfolgend kommen die Kursteilnehmer

selbst zu Wort.

Was sind „Rhythmische Einreibungen“

Rhythmische Einreibungen sind leichte Bewegungen auf der Haut, die den Wärmeorganismus

des Menschen anregen und die Lebenskräfte unterstützen. Durch gezielte

Einreibungen, orientiert an der Anatomie und Physiologie des Menschen, können

bestimmte Wirkungen erreicht werden, wie z. B. einen antriebsarmen Menschen mit


Johanni 2006

15

einer Rückenbehandlung zu aktivieren und ihn in die „Vertikale“ zu bringen. Die

Prozesse können mit Heilmitteln in Form von Ölen oder Salben unterstützt werden.

Nach eigener Erfahrung sind diese Einreibungen sehr wohltuend für Körper, Geist

und Seele !!

* * * * *

Eva Blomen / Ebene 3

Gedanken zur Fortbildung „Rhythmische Einreibungen nach Wegman/

Hauschka“ und deren Bedeutung für mich:

Hier sein ohne Arbeitsalltag

Ohne Dienstkleidung

Ohne Piepser und Abrufbereitschaft

Beschäftigung mit neuen geistigen Inhalten

Entwicklung neuer Gedanken, gemeinsam mit Kollegen, auf dem Weg zum

Thema

Differenziertes Wahrnehmen und Kennenlernen der Kollegen bzw. Vorgesetzten

im gemeinsamen Tun

Im Rollenspiel Üben von Geben und Nehmen, d. h. sich in die Hände der

Kollegen zu begeben. GEBEN und NEHMEN als bewusster Prozess im Sinne

der Einreibung

Motivation für den Arbeitsalltag zu bekommen, nämlich das Erlernte umzusetzen

und anzuwenden

Stärkung des Mitarbeiterdenkens und des Zugehörigkeitsgefühls zum Haus

Alles in allem habe ich die Fortbildung über die Rhythmischen Einreibungen sehr

genossen und viel mitgenommen.

* * * * *

Haike Heuse / Ebene 3

Mein Erleben des 2. Blocks „Anthroposophische Pflege“

Die „Rhythmischen Einreibungen nach Wegman/Hauschka“ waren Inhalt des zweiten

Blocks. Da wir in kleinen Gruppen zusammenarbeiteten, konnte es jeder selbst

ausprobieren, also am eigenen Körper erfahren, und bekam Rückmeldung von den

Kollegen über das Tun. Da jetzt einige Zeit vergangen ist, hatte ich die Gelegenheit,


16

Hauszeitung

diese entspannende, beruhigende – einfach wohltuende Einreibung an „meinen Bewohnern“

durchzuführen.

Zudem gibt mir die „Zweihand-Einreibung am Rücken“ mit den kreisenden Bewegungen

selbst Ruhe und Entspannung. Somit profitieren Bewohner und Pflegekräfte

von dieser Fortbildung.

* * * * *

Hedwig Stirmlinger / Ebene 2

Mein Resümee

Es war spannend zu sehen, wie gut die verschiedenen Einreibungen (Rücken,Füße,

Bauch und Unterschenkel) in der Pflege zu integrieren sind, ohne einen Mehraufwand

an Zeit zu beanspruchen.

Wichtig war es für mich, das Gelernte direkt nach der Fortbildung in die Tat umzusetzen,

da vieles sonst verloren gehen würde.

Es waren zwei schöne, abwechslungsreiche und lehrreiche Tage für alle Beteiligten.

Valentin Kober / Ebene 4


Johanni 2006

17

Gedanken zur Pflegebedürftigkeit

im Nikolaus-Cusanus-Haus

„In Pflege sein“ ist für die meisten Menschen ein schrecklicher Gedanke. Ich will

heute einmal mit einer kleinen Geschichte schildern, wie ich Pflege erlebe.

Aus einem im Ungewissen treibenden Boot wurde ich über Nacht auf ein riesig

großes Schiff gebracht.

Zunächst hatte ich Angst. Langsam erkannte ich, dass sich auf dem Schiff nur

freundliche Menschen befinden. Sie sind alt, zum Teil pflegebedürftig, wie ich. Alle

haben das Bestreben, die ihnen noch verbleibende Zeit gemeinsam sinnvoll zu

gestalten. Dazu bietet das Schiff vielfältige Gelegenheit.

Ein Restaurant im 2. Deck bietet mir Wahlkost an, Konzerte und Theater-Aufführungen

in einem großen Saal kann ich besuchen. Eurythmie und künstlerisches

Arbeiten, auch Singen, sind im Programm.

Aus dem Zwischendeck gelange ich auf das, zu einem blühenden Garten umgestaltete,

Promenadendeck. Wir haben einen guten Kapitän und freundliche, perfekt

ausgebildete Offiziere.

Alle Pflegenden, die sich um mich bemühen, haben ihren schweren Beruf frei gewählt.

Gemessen an meinen Jahren sind sie jung. Sie arbeiten hart, sind manchmal

gestresst, doch immer geduldig. Wieviele mich in zwölf Jahren gepflegt haben, kann

ich nicht sagen. Toleranz, Sensibilität und Eingehen auf persönliche Eigenheiten und

Nöte erleichtern mir und ihnen ein Leben miteinander.

Tag und Nacht kann ich mich geborgen fühlen. Ich lebe gern in meiner kleinen

Kajüte auf dem großen Schiff.

Wohin es seinen Kurs nimmt, bleibt uns verborgen. Gemeinsam vertrauen wir auf

ein gutes Ende der Reise. –

Elsbet Stübler


20

Hauszeitung

Bewohner- und Angehörigenbefragung

Die Bewohnerbefragung erforderte einige Fleißarbeit sowohl bei der Erstellung als

auch bei der Durchführung und insbesondere auch bei der Auswertung. Es wurden

drei Fragebögen erstellt: für BewohnerInnen der Pflege, für Rüstige (Wohnheim) und

für Angehörige der pflegebedürftigen BewohnerInnen. Jeder dieser Fragebögen hatte

etwa 60 Fragen. Es folgen nun ausgewählte, repräsentative Fragenbeantwortungen in

Schaubildern, da die gesamte Darstellung mit über 40 Grafiken diesen Rahmen hier

überfordern würde. Dabei gibt die Höhe der Balken die Anzahl der Nennungen an.

Anzahl

80

70

60

50

40

30

20

10

0

Ich wohnte in der Nähe

Angehörige/Freunde wohnen in der Nähe

Warum haben Sie sich für das NCH entschieden

(Wohnheim)

Bekannte in der Einrichtung

Größe und Ausstattung der Appartements

Die Architektur des Hauses

Die Lage des Hauses

Die weltanschauliche Ausrichtung

Konzept der Lebensgemeinschaft im Alter

Kulturelles Angebot

Pflegekonzept

Das Haus hat einen guten Ruf

Betreuung und künstlerische Aktivitäten

Unsere rüstigen Bewohner halten unsere anthroposophische Ausrichtung sowie unser

Konzept und die Kultur für die wichtigsten Einzugsgründe. Wenig wichtig ist die

Nähe zum ursprünglichen Wohnort.


Johanni 2006

21

Anzahl

35

30

25

20

15

10

5

0

Ich wohnte in der Nähe

Warum haben Sie sich für das NCH entschieden (Pflege)

Angehörige/Freunde wohnen in der Nähe

Bekannte in der Einrichtung

Größe und Ausstattung der Appartements

Die Architektur des Hauses

Die Lage des Hauses

Die weltanschauliche Ausrichtung

Konzept der Lebensgemeinschaft im Alter

Kulturelles Angebot

Pflegekonzept

Das Haus hat einen guten Ruf

Betreuung und künstlerische Aktivitäten

Im Pflegeheim ist der gute Ruf des Hauses, der sich auch in dieser Befragung bestätigt,

am wichtigsten. Das Appartement ist nicht so wichtig. Ganz ähnlich antworteten

die Angehörigen.

Allgemeines zum NCH (Wohnheim)

90

80

70

60

Anzahl

50

40

30

20

10

0

Die Ausstattung

der Gruppen- und

Aufenthaltsräume

ist gut

Wohnliche /

gemütliche

Atmosphäre

im ganzen Haus

Erhalte

Informationen

über wichtige

Veränderungen

Angemessenes

Preis-Leistungsverhältnis

im

Wohnheim

Die Einkaufsmöglichkeiten

in der Umgebung

sind gut

Zufriedenheit

mit Café und

Friseur

Anbindung an

den öffentlichen

Nahverkehr

ist gut

Ich fühle mich

hier wohl

Trifft voll und ganz zu Trifft eher zu Trifft eher nicht zu Trifft gar nicht zu Ich weiß nicht / Keine Angaben

Allgemein ein sehr gutes Bild, herausragend ist: „Ich fühle mich hier wohl“.


22

Hauszeitung

Allgemeines zum NCH (Pflegeheim)

45

40

35

30

Anzahl

25

20

15

10

5

0

Die Ausstattung der

Gruppen- und

Aufenthaltsräume ist gut

Wohnliche / gemütliche

Atmosphäre im ganzen

Haus

Informationen über wichtige

Veränderungen

Zufriedenheit mit Café und

Friseur

Ich fühle mich hier wohl

Trifft voll und ganz zu Trifft eher zu Trifft eher nicht zu Trifft gar nicht zu Ich weiß nicht / Keine Angaben

Im Pflegeheim ein ähnliches Bild.

Allgemeines zum NCH (Angehörige)

90

80

70

60

Anzahl

50

40

30

20

10

0

Die Ausstattung an

Gruppen- und

Aufenthaltsräumen

ist gut

Wohnliche /

gemütliche

Atmosphäre im

ganzen Haus

Im Wohnbereich

meines

Angehörigen wird

Wert auf eine

schöne Dekoration

gelegt

Die Atmosphäre im

Aufenthalts-

/Speiseraum

meines

Angehörigen ist gut

Zufriedenheit mit

Café und Friseur

Informationen über

wichtige

Veränderungen

Mein/e Angehörige/r

fühlt sich hier wohl

Trifft voll und ganz zu Trifft eher zu Trifft eher nicht zu Trifft gar nicht zu Ich weiß nicht / Keine Angaben

Etwas mit Abstrichen bewerten hier die Angehörigen manche Fragen.


Johanni 2006

23

50

Heimbeirat / Beschwerden (Pflegeheim)

45

40

35

Anzahl

30

25

20

15

10

5

0

Ist Ihnen bekannt, dass es

im Nikolaus-Cusanus-Haus

einen Heimbeirat gibt

Wurden Sie über die

Aufgaben des

Heimbeirates informiert

Kennen Sie die

Ansprechpartner für

Anregungen und

Beschwerden

Meine

Anregung/Beschwerde

wurde

umgesetzt/bearbeitet.

ja nein Ich weiß nicht / Keine Angaben

Auffallend ist, dass einige Bewohner den Heimbeirat und noch mehr seine Aufgaben

nicht kennen, obwohl in den Verträgen hinlänglich darauf hingewiesen wurde. Mehr

ist dies noch beim Beschwerdewesen der Fall.

45

Pflege und Betreuung 1 (Pflegeheim)

40

35

30

Anzahl

25

20

15

10

5

0

Ich fühle mich von den

MitarbeiterInnen gut betreut

und gepflegt

Ich halte die

MitarbeiterInnen der Pflege

für fachlich kompetent

Das Auftreten der

MitarbeiterInnen ist

freundlich und

zuvorkommend

Die MitarbeiterInnen sind

für mich zeitnah erreichbar

Meine persönliche

Tagesgestaltung wird bei

der Pflege in der Regel

berücksichtigt

Trifft voll und ganz zu Trifft eher zu Trifft eher nicht zu Trifft gar nicht zu Ich weiß nicht / Keine Angaben


24

Hauszeitung

40

Pflege und Betreuung 2 (Pflegeheim)

35

30

25

Anzahl

20

15

10

5

0

Meine individuellen Wünsche und

Gewohnheiten werden soweit als

möglich berücksichtigt

Die Tätigkeiten werden mir vorher

angekündigt und erklärt

Die MitarbeiterInnen nehmen sich

Zeit für ein persönliches Gespräch

Mein persönlicher Bereich wird

von den MitarbeiterInnen mit

Sorgfalt und Diskretion behandelt

Trifft voll und ganz zu Trifft eher zu Trifft eher nicht zu Trifft gar nicht zu Ich weiß nicht / Keine Angaben

Die MitarbeiterInnen werden als freundlich und kompetent beurteilt. Defizite sehen

die Befragten bei der Zeit für persönliche Gespräche.

90

Pflege und Betreuung (Angehörige)

80

70

60

Anzahl

50

40

30

20

10

0

Mein/e

Angehörige/r wird

gut gepflegt und

betreut

Ich halte die

MitarbeiterInnen

der Pflege für

fachlich

kompetent

Das Auftreten der

MitarbeiterInnen

ist freundlich und

zuvorkommend

Die

MitarbeiterInnen

sind für meine/n

Angehörige/n

zeitnah erreichbar

Individuelle

Wünsche und

Gewohnheiten

werden soweit als

möglich

berücksichtigt

Ich werde über

gesundheitliche

Veränderungen

meiner/s

Angehörigen

informiert

Die

MitarbeiterInnen

nehmen sich Zeit

für ein

persönliches

Gespräch mit mir

Die

MitarbeiterInnen

in der Pflege sind

für mich

telefonisch

erreichbar

Trifft voll und ganz zu Trifft eher zu Trifft eher nicht zu Trifft gar nicht zu Ich weiß nicht / Keine Angaben

Die Angehörigen sehen Defizite im Informationsfluss und in der Erreichbarkeit.

Erfreulich ist auch hier die äußerst gute Bewertung der MitarbeiterInnen.


Johanni 2006

25

45

Mahlzeiten (Pflegeheim)

40

35

30

Anzahl

25

20

15

10

5

0

Mit der Auswahl und der

Menge der Getränke bin

ich zufrieden

Bei den Mahlzeiten werden

meine Gewohnheiten

beachtet

Bei den Mahlzeiten ist es

ruhig

Die Atmosphäre bei den

Mahlzeiten ist gut

Das Essen wird mir

freundlich und

zuvorkommend serviert und

gereicht

Trifft voll und ganz zu Trifft eher zu Trifft eher nicht zu Trifft gar nicht zu Ich weiß nicht / Keine Angaben

Die Verpflegung in den Aufenthaltsräumen wird als gut empfunden. Zwar scheint es

in einigen Räumen etwas laut zu sein, dennoch wird die Atmosphäre als gut beurteilt.

70

Mahlzeiten (Angehörige)

60

50

Anzahl

40

30

20

10

0

Das Essen

schmeckt meinem

Angehörigen

Die Größe der

Portionen kann

mein/e

Angehörige/r selbst

bestimmen

Die verordnete Diät

meines

Angehörigen wird

berücksichtigt

Bei den Mahlzeiten

werden die

Gewohnheiten

meines

Angehörigen

beachtet

Bei den Mahlzeiten

ist es ruhig

Das Essen wird

meinem/r

Angehörigen

freundlich und

zuvorkommend

serviert und

gereicht

Mit der Auswahl

und der Menge der

Getränke für

meine/n

Angehörige/n bin

ich zufrieden

Trifft voll und ganz zu Trifft eher zu Trifft eher nicht zu Trifft gar nicht zu Ich weiß nicht / Keine Angaben

Die Angehörigen sind hingegen nur überwiegend zufrieden.


26

Hauszeitung

80

Mahlzeiten (Wohnheim)

70

60

50

Anzahl

40

30

20

10

0

Das Essen ist schmackhaft Das Essen ist abw echslungsreich Das Essen w ird appetitlich

serviert

Die Größe der Portionen kann ich

selbst bestimmen

Die Atmosphäre bei den

Mahlzeiten ist gut

Trifft voll und ganz zu Trifft eher zu Trifft eher nicht zu Trifft gar nicht zu Ich weiß nicht / Keine Angaben

Die rüstigen BewohnerInnen sind mit dem Essen im Restaurant durchweg sehr

zufrieden!

50

Essenszeiten (Pflegeheim)

45

40

35

Anzahl

30

25

20

15

10

5

0

Frühstück Mittag Abendessen

genau richtig zu früh zu spät Ich weiß nicht / Keine Angaben

Bei den Essenszeiten gibt es einige Stimmen, die das Frühstück als zu spät, das

Abendessen als zu früh empfinden. Dieses Problem ist uns bekannt, und es sind schon

einige Änderungen in der Dienstzeit vorgenommen worden.


Johanni 2006

27

90

Hauswirtschaft (Angehörige)

80

70

60

Anzahl

50

40

30

20

10

0

Im ganzen Haus wird

auf Sauberkeit und

Hygiene geachtet

Die Reinigung des

Appartements meines

Angehörigen ist

gründlich und zufrieden

stellend

Persönliche

Gegenstände werden

mit Sorgfalt und

Diskretion behandelt

Die Kleidung meines

Angehörigen kommt

vollständig aus der

Wäscherei zurück

Die Kleidung meines

Angehörigen kommt

zeitnah aus der

Wäscherei zurück

Die MitarbeiterInnen

der Hauswirtschaft sind

freundlich und

zuvorkommend

Trifft voll und ganz zu Trifft eher zu Trifft eher nicht zu Trifft gar nicht zu Ich weiß nicht / Keine Angaben

Die Reinigung des gesamten Hauses wird von den Angehörigen sehr gelobt, ebenso

das freundliche Auftreten der MitarbeiterInnen der Hauswirtschaft. Abstriche gibt es

bei der Wäscheversorgung (Fremdreinigung), wobei schadhafte Kleidung ja immer

geldwert erstattet wird. Auch ist das Sauberkeitsempfinden der Angehörigen im Detail,

das zeigen auch die schriftlichen Hinweise, etwas anspruchsvoller. Die Pflegebedürftigen

selbst bewerten diesen Bereich ähnlich. Die Rüstigen, die weniger unmittelbar

mit der Hauswirtschaft in Berührung kommen, bewerten insgesamt diesen Bereich

etwas besser.

Anzahl

50

45

40

35

30

25

20

15

10

5

Haustechnik (Pflegeheim)

Die Haustechnik

hat durchweg,

auch bei den anderen

Fragebögen,

eine sehr gute

Bewertung erhalten.

0

Reparaturen durch die Haustechnik werden

zuverlässig erledigt

Die Reparaturen werden schnell erledigt

Die Mitarbeiter der Haustechnik sind

freundlich und zuvorkommend

Trifft voll und ganz zu Trifft eher zu Trifft eher nicht zu Trifft gar nicht zu Ich weiß nicht / Keine Angaben


28

Hauszeitung

Verwaltung (Wohnheim)

100

90

80

70

Anzahl

60

50

40

30

20

10

0

Empfang arbeitet

freundlich und zu

meiner Zufriedenheit

Mitarbeiterinnen

des Sekretariats

arbeiten zu meiner

Zufriedenheit

Heimkostenabrechnungen

sind übersichtlich

Sozialer Dienst ist

für mich erreichbar,

wenn ich seinen Rat

bzw. Hilfe benötige

Mit den Leistungen

des Sozialen Dienstes

bin ich zufrieden

MitarbeiterInnen der

Verwaltung sind

freundlich und

zuvorkommend

Trifft voll und ganz zu Trifft eher zu Trifft eher nicht zu Trifft gar nicht zu Ich weiß nicht / Keine Angaben

Die Verwaltung erhält in allen Bereichen bei allen Fragebögen Spitzenbewertungen.

Selbst die von uns kritisch betrachtete Frage nach der Übersichtlichkeit der

Rechnungen wird sehr positiv beantwortet.

90

Kulturelle und künstlerische Aktivitäten (Wohnheim)

80

70

60

Anzahl

50

40

30

20

10

0

Kulturelle

Veranstaltungen

sind attraktiv

Kulturelle

Veranstaltungen

sind abwechslungsreich

Ich nehme an

vielen kulturellen

Veranstaltungen teil

Eintrittspreise für

die kulturellen

Veranstaltungen

sind angemessen

Angebot an

Arbeitsgruppen/

künstlerischen

Aktivitäten ist

vielseitig

Gestaltung der

Jahresfeste

gefällt mir

Trifft voll und ganz zu Trifft eher zu Trifft eher nicht zu Trifft gar nicht zu Ich weiß nicht / Keine Angaben

Die Kultur ist uns und unseren BewohnerInnen ein besonderes Anliegen. Die Qualität

der Veranstaltungen wird nach dieser Umfrage von den Rüstigen sehr gelobt.


Johanni 2006

29

Kulturelle und künstlerische Aktivitäten (Pflegeheim)

45

40

35

30

Anzahl

25

20

15

10

5

0

Kulturelle

Veranstaltungen sind

attraktiv

Kulturelle

Veranstaltungen sind

abwechslungsreich

Ich nehme an vielen

kulturellen

Veranstaltungen teil

Angebot an

Arbeitsgruppen /

künstlerischen

Aktivitäten ist

vielseitig

Die Angebote sind so

organisiert, dass ich

teilnehmen kann

Die Gestaltung der

Jahresfeste gefällt mir

Trifft voll und ganz zu Trifft eher zu Trifft eher nicht zu Trifft gar nicht zu Ich weiß nicht / Keine Angaben

Etwas mit Abstrichen bewerten dies die pflegebedürftigen BewohnerInnen. Manche

Veranstaltungen sind für sie zu spät, viele können und wollen auch aus unterschiedlichen

Gründen nicht an den Veranstaltungen teilnehmen, etwa weil sie zu lange

dauern.

60

Kulturelle und künstlerische Aktivitäten (Angehörige)

50

40

Anzahl

30

20

10

0

Kulturelle

Veranstaltungen sind

für meine/n

Angehörige/n attraktiv

Kulturelle

Veranstaltungen sind

für meine/n

Angehörige/n

abwechslungsreich

Mein/e Angehörige/r

nimmt an vielen

kulturellen

Veranstaltungen teil

Das Angebot an

Arbeitsgruppen und

künstlerischen

Aktivitäten ist für

meine/n Angehörige/n

vielseitig

Die Angebote sind so

organisiert, dass

mein/e Angehörige/r

daran teilnehmen kann

Die Gestaltung der

Jahresfeste gefällt

meiner/m Angehörigen

Trifft voll und ganz zu Trifft eher zu Trifft eher nicht zu Trifft gar nicht zu Ich weiß nicht / Keine Angaben

Die Angehörigen bewerten diesen Bereich nicht so gut. Hier werden wir die näheren

Gründe dafür auf den Angehörigenabenden noch in Erfahrung bringen müssen.

Margit Kees-Baumann / Sören Hirning


30

Hauszeitung

Veransta l t u n g e n

J o h a n n i b is Mi c h a el i 2 0 0 6

Sonntag 25.06.2006 17.00 Uhr Johannifeier

Samstag 01.07.2006 16.00 Uhr Sommerfest

Dienstag 04.07.2006 19.00 Uhr „Gelenkersatz im Alter“

Vortrag mit Lichtbildern

von Prof. Dr. med. Helmut Strosche

Sonntag 09.07.2006 17.00 Uhr Ausstellungseröffnung

Dorothea Wagner-Beilharz, Malerei

Ansprache und musikalische Umrahmung

Die Ausstellung ist bis 08. Oktober 2006

zu sehen.

Freitag 14.07.2006 19.00 Uhr Ouvertüre zum Herzöglichen Landfest

Bürger- und Kulturverein Stuttgart-

Birkach e. V. & Birkach aktiv e.V.

Sonntag 23.07.2006 17.00 Uhr „Der Bürger als Edelmann“

von Molière

Theatergruppe Karl Schubert-Werkstätten

Samstag 29.07.2006 17.00 Uhr Benefizkonzert

zugunsten der neuen Waldorfschule

in Stuttgart-Sillenbuch

Im August ist Veranstaltungspause.


Johanni 2006

31

Samstag 23.09.2006 19.00 Uhr LE BIG BAND mit den Four Cats

Swing, Swing, Swing ...

Leitung: Albi Hefele

siehe Angaben des Veranstalters:

Bürger- und Kulturverein Birkach

Kulturreihe Birkach 2006

Mittwoch 27.09.2006 17.00 Uhr Michaelifeier

- Änderungen vorbehalten –


32

Hauszeitung

„Echo“ aus unserem Kulturleben

Und er kam doch noch, der schmerzlich

vermisste Frühling.

Nach einem langen, harten Winter,

nach wiederholten Anläufen brachte er

mit einem Warmlufteinbruch die

Pflanzenwelt zur Explosion. Über

Nacht standen gelbe Krokusse auf der

Wiese vor dem Haus – die lilafarbenen

hielten sich noch zurück.

Die Obstbaumblüte verspätete sich,

ließ durch das ungewöhnliche Zusammentreffen

der Kirschen- und der Apfelblüte

den Bienen für ihre Arbeit nur

kurze Zeit.

Ein neuerlicher Temperatursturz ließ

vor meinem Fenster Schneeflocken

und Blüten durcheinanderwirbeln.

„Unwiederbringlich“ ist ein schönes,

rhythmisch klingendes Wort, dessen

Gewicht uns im Lauf des Lebens mehr

und mehr bewusst wird. „Unwiederbringlich“

wird im Alter zum schmerzenden

Begleiter guter Tage und festlicher

Ereignisse. Das Wort hat eine positive

Wirkung auf nachdenkliche

Menschen. Es lässt sie mit ihrer Zeit

behutsamer umgehen.

Der Frühling im Jahr 2006 hat uns viele

schöne Tage vorenthalten – unwiederbringlich.

Am 26.03.2006 wurde die gemeinsame

Ausstellung der Malerin Uta Albeck

und des Bildhauers Georg Weimer –

„Farben und Formen“ – eröffnet.

Zur Vernissage um 10.00 Uhr hatten

sich Besucher, Angehörige und Freunde

der Künstler in großer Zahl eingestellt,

obwohl alle eine Stunde früher

als gewohnt aufstehen mussten – Sommerzeit!

Vier noch junge Mädchen, „Das Junge

Streichquartett“ der Stuttgarter Musikschule,

eröffneten und beschlossen mit

ihrem hervorragenden Spiel die aufschlussreiche

Stunde.

Zuerst sprach Uta Albeck über ihre Arbeiten.

Sie war lange Zeit als Grafikerin

tätig. Prägend, einem Aufbruch

gleich, für ihre Malerei waren Reisen

durch die dramatisch schönen Natur-

Landschaften der USA. Die blubbernden

Tümpel vulkanischen Ursprungs,

mit ihren vielfarbigen Rändern, im

Yellowstone Nationalpark, die goldgelben

weiten Weizenfelder und der

rotglühende „Indian Summer“ gaben

ihrer Fantasie neue Nahrung.

Davon erzählte die Künstlerin. Sie hat

ihre Erlebnisse in ungegenständliche

Bilder eingeschlossen, geometrische

Formen herrschen vor. Komplementärfarben,

insbesondere rot/grün, liebt sie

– sind wohltuend fürs Auge. Sie nennt

diese Serie „Balsam“. Wunderbare,

harmonische Farbklänge gewinnen

durch die einfachen, klaren Formen eine

ruhige Ausstrahlung. Viele sind

Aquarelle, einige Acryl auf Holz oder

Papier. Fein und zart sind die Farben


Johanni 2006

33

der Serie „Ortlos“, was auch immer der

unverständliche Titel sagen will. Das

Auge – seit vielen Jahrtausenden auf

„Erkennen“ gepolt – kann darin überirdische

Gestalten, Engel sehen. –

Der Bildhauer Georg Weimer sprach

nicht nur über seine Plastiken, er erzählte

auch von den Marmorbrüchen in

Carrara oder auf Sardinien. „Flusssteine“

sind Marmorsteine, die nach der

Sprengung in den tief unten liegenden

Fluss kullern und dort oft jahrelang

liegen. Er selbst hat solchen Marmor

geborgen. Einige seiner Plastiken sind

aus „Flussstein“. Sie sind nicht blütenweiß.

Die Transparenz des Marmors

bietet für das Arbeiten des Künstlers

eine zusätzliche Möglichkeit der Gestaltung.

Er kann das Licht „einfangen“.

Dieser Effekt kommt mit seinen Skulpturen

im Freien, im hellen Sonnenschein,

zur Wirkung.

Marmor hat etwas Magisches an sich.

Geglättet, poliert, verlockt er zum Anfassen,

zum Drüberstreichen. Georg

Weimer hat einfache Formen gewählt.

Er lässt den Stein leben. Eine „Welle“,

einen „Flügelschlag“, auch den „Aufbruch“

und einen „kleinen Torso“ holt

er aus dem wunderbaren Material heraus.

Marmor steht für Luxus. Schon immer

haben Menschen seine Schönheit erkannt

und geschätzt. Michelangelo

wählte selbst Marmor in den Steinbrüchen

von Carrara für seine Skulpturen

aus. Damals war für einen Marmorblock,

den „Rohling“ für seinen „David“,

ein Gespann mit 20 Ochsen tagelang

von Carrara nach Florenz unterwegs.

Und heute – Ein kräftiger Laster

würde diese Distanz, ohne Beschädigung

der kostbaren Fracht, in ein

paar Stunden bewältigen.

Die Ausstellung zweier erstklassiger

Künstler war ein Licht-Blick in unserem

kalten, wolkenverhangenen Frühling.

Es ist schön, dass jedes Jahr am Vorabend

zu Palmsonntag Chor und Orchester

der Filderklinik im Nikolaus-

Cusanus-Haus musizieren.

Monica Bissegger, die Dirigentin, hat

in diesem Jahr zum 250. Geburtstag

von Wolfgang Amadeus Mozart die

„Krönungsmesse KV 317“ und die

„Vesper KV 339“ mit ihrem Chor und

Orchester einstudiert.

Am 08.04.2006 kamen sie zu uns. Die

Musizierenden sind ausschließlich Mitarbeiter

der Filderklinik. Sie opfern einen

erheblichen Teil ihrer Freizeit für

die Proben.

Ich habe den Eindruck, der Chor wird

immer größer. Die Sänger hatten Mühe,

auf der Bühne allesamt Platz zu

finden, zumal das Orchester auch nicht

klein ist.

Die zierliche Dirigentin führte sie fest

mit lockeren Händen (paradox, doch

richtig).

Vier Solisten hatte sie verpflichtet.

Die Aufführung beider Stücke ging leider

nahtlos, wortlos – jedoch ausgezeichnet

musiziert und gesungen –

über die Bühne.

Wie schön wäre es, wenn Monica Bis-


34

Hauszeitung

segger den alten Zopf, schweigend

Konzerte zu dirigieren, abschnitte, das

Publikum begrüßen und ein paar Sätze

zu den Stücken sagen würde. Es muss

ja kein Gesprächs-Konzert sein. Aber –

ein paar freundliche Worte!

Zum Dia-Vortrag von Joachim Veil am

25.04.2006 fiel mir spontan ein: „Estland

– eine spröde Schöne, die sich

dem Verführer Massen-Tourismus verweigert.“

– Wie lange noch

Joachim Veil nahm an einer Architektur-Reise

teil. Er hat nur wenige Landschaftsbilder

mitgebracht. Doch an drei

oder vier Dias war gut zu erkennen,

was außer der reichen Architektur den

Reiz dieses Landes ausmacht: die dünne

Besiedlung. Vereinzelte Gehöfte,

weite Wiesen und eine abwechslungsreiche

Küste prägen Estland. Eine Besonderheit,

an der Küste liegen noch

viele „Findlinge“, die Reste von der

Endmoräne der letzten Eiszeit. Tallinn,

das ehemalige Reval, hat einen großen

Hafen. Wir sahen Bilder von Dorpat,

der Ahrensburg und schönen gotischen

Kirchen.

Estländer lieben Chorgesang. Sie haben

sich eine Freiluftarena und einen

großen „Muschel-Pavillon“ geschaffen.

Dort singen oftmals bis zu dreitausend

Sänger gemeinsam. Einzigartig

sind auch die baltischen Herrensitze in

ihrer formschönen, schlichten Architektur.

Sie sind weit zerstreut über das

Land zu finden.

Wer ein Land kennenlernen möchte,

das sich noch im „Dornröschenschlaf“

befindet, reich an Kulturschätzen und

Naturschönheiten ist, wer Regen und

Wind nicht scheut, der mache sich auf

nach Estland.

In Abiyn, einem Dorf im Südwesten

Äthiopiens, hatten Kinder unter den

armseligsten Bedingungen Schulunterricht.

In einer Hütte, auch im Freien,

ohne ausreichendes Lernmaterial, sollten

sie Rechnen, Schreiben und Lesen

lernen.

Davon erzählte der Äthiopier, Vater

der kleinen Lydia Mengesha, im Jahr

2003 ihren Mitschülern der 1. Klasse

in der Grundschule Birkach. Die Kinder

und die Lehrer waren von seinen

Worten und den Bildern tief berührt.

So entstand der Plan, dem Dorf und

seinen Kindern zu einem richtig festen

Schulbau „mit allem nötigen Inhalt“ zu

verhelfen.

Die Kinder und ihre Lehrer konnten

Eltern für diesen Plan erwärmen. Eine

Sammelaktion wurde ins Leben gerufen.

Sie zog weitere Kreise. Es wurde

getanzt, gemalt und gesungen. Eine


Johanni 2006

35

Kunstauktion und ein Losverkauf ließen

das Sammelkonto stetig wachsen.

Und nun steht in Abiyn eine blitzsaubere,

fest gebaute Schule, inklusive

Mobiliar und Lernmaterial für 150

Kinder.

Der Erfolg ließ die Spendensammler

nicht ruhen, zumal ein Überschuss

(Euro 4.000,--) vom Projekt Abiyn auf

Verwendung wartete.

Die zwei Benefiz-Konzerte am 24. und

25.04.2006 im Festsaal des Nikolaus-

Cusanus-Hauses sollten Dank für die

vollendete – und Grundstein für eine

weitere Schule im Dorf Bamo-Chotiri

sein.

Zu Beginn zeigten Schulleiter Wolfgang

Merkle und die Lehrerin Konstanze

Pick einen Film von ihrer Reise

nach Abiyn. Sie wurden von den potentiellen

Schülern mit großem Jubelgeschrei

empfangen und gleich zu ihrer

Schule geleitet. Ein Freudenfest! –

Nach dem Film aus Abiyn boten die

Birkacher Kinder, auch mit ihren Eltern

und Lehrern, eine Fülle musikalischer

Darbietungen von Klassik bis hin

zur Clownerie. Unbefangen sprangen

Sechsjährige auf die Bühne, fiedelten

und flöteten munter drauflos. Kleine

Pianisten spielten am Flügel ihre

Stückchen. „Land of hope and glory“

und „I got rhythm“ waren Glanzstücke,

ebenso das Klassenlied, selbstgetextet:

„In unserer Klasse gibt es Kinder ...“.

Unendlich viel Arbeit und Organisation

steckte in den zwei Nachmittagen.

Die kleine Lydia Mengesha ist nun im

4. Grundschuljahr und wird ihre Schule

bald verlassen. Wohin das Leben sie

auch führen wird, sie kann voll Stolz

auf ihre ersten Schuljahre zurückblicken,

als ihr Vater einen riesigen Stein

ins Rollen brachte: „Birkacher Kinder

bauen für Kinder Äthiopiens eine

Schule.“


36

Hauszeitung

Gerald Friese hat mit seinen Spielern

von der Christengemeinschaft Stuttgart

am 26.04.2006 das „Redentiner Osterspiel“

wieder im Nikolaus-Cusanus-

Haus aufgeführt.

Er lässt nicht auf der Bühne spielen,

sondern nutzt die Fläche vor den festen

Zuschauerreihen und das kleine Treppenpodest

vor dem Saalfenster geschickt

für die Spieler. Sie bewegen

sich ganz frei auf „gleicher Ebene“ mit

uns. Dadurch gewinnt das Spiel an Intensität.

Das Wunder der Auferstehung

Jesu rückt uns näher. Dass er, umgeben

von den vier Aposteln, persönlich auftritt,

ist behutsam in das Stück eingefügt.

Noch zwei Personen ragen aus der

Schauspielerschar heraus. Der Wächter

trägt mit seinem ausdrucksstarken, melodischen

Singen wesentlich zur erfolgreichen

Aufführung bei. Der kurze

dramatische Auftritt von Luzifer ist ein

artistisches Meisterstück.

Die Laiengruppe hat das Redentiner

Osterspiel bewegend wiedergegeben.

Das Publikum dankte mit lebhaftem

Beifall.

Der „Sängerkranz Birkach“ lud am

07.05.2006 zu seinem Konzert „Von

Figaro bis Veronika ...“ ein.

Im ersten Teil spielte das Streichorchester

der MHS ein Divertimento von

Mozart. Jan Muckenfuß, der die musikalische

Gesamtleitung hatte, war beim

Tempo des ersten Satzes sehr zurückhaltend.

Erst im zweiten Satz konnten

die Musiker sich voll entfalten.

Der gemischte Chor sang anschließend

Arien aus Mozart-Opern. Es sind

durchweg erfahrene Sänger/innen, die

mühelos und mit Bravour das Programm

bewältigten.

Aber – wo ist der Nachwuchs Wo

sind die 25- bis 40-jährigen Ist bei

dieser Gruppe das Interesse am klassischen

Chorgesang nicht mehr vorhanden

Wurde es gar nicht geweckt

Ich glaube nicht, dass aus dem Kreis

der rockenden und twistenden „Singmäuse“

an Mozart-Arien interessierte

Menschen werden.

Ingrid Harwood sang schon einmal im

Nikolaus-Cusanus-Haus. Schön anzusehen,

hat sie mit ihrer guten Sopranstimme

den „Neandertaler“ und einen

Song aus dem Musical „The Music

Man“ vorgetragen.

Stürmisch beklatscht, endete mit „Wochenend

und Sonnenschein“ und „Veronika“

das Konzert.

Das Marimbaphon ist ein Klangwunder,

das seinen Ursprung in Afrika hat.

Dort wurden schon in grauer Vorzeit

klingende Kalebassen als Musikbegleiter

zu den – oft kultischen – Tänzen

verwandt.

Jasmin Kolberg brachte ihr Marimbaphon

am 10.05.2006 ins Nikolaus-Cusanus-Haus.

Ca. zwei Meter lang, an

der Unterseite mit „Orgelpfeifen“ in

verlaufender Länge besetzt und den edlen

Klanghölzern oben, ist es nicht mit

der zierlichen „kleinen Schwester“,

dem Xylophon, zu vergleichen.


Johanni 2006

37

Mit zwei Schlegeln in jeder Hand und

rhythmischem Mitschwingen des ganzen

Körpers entlockte die mehrfach

ausgezeichnete Künstlerin ihrem

mächtigen Instrument warme, weiche

Klangströme, deren Fülle die Ohren

bedrängte. Hüpfende Rhythmen, einfache

Melodien und – ja, sogar die Fuge

aus einer Sonate von Johann Sebastian

Bach vermittelten durch den Wechsel

in der Konsistenz der vier Schlegel

immer neue Klangerlebnisse.

Dass Jasmin Kolberg zu einem Gesprächskonzert

lud, ihr „singendes

Holz“ erklärte, ließ sie begeisterten

Beifall ernten. Wissensdurstige Bewohner

bestaunten nachher auf der

Bühne das Marimbaphon, schlugen leise

Töne an, waren fasziniert.

Nachdem die Frage um das Schicksal

des Birkacher Feldes noch jahrelang

unbeantwortet bleibt, können wir uns

weiterhin an seiner, nicht auf den ersten

Blick erkennbaren, herben Schönheit

freuen.

In der Grundschule lernte ich: „Birkach,

ein typisches ‚Straßendorf’, und

das von meterdickem Lehm überdeckte

Birkacher Feld, Heimat des einzigartigen

‚Filderspitzkrauts’.“ Das Straßendorf

ist in die Breite gegangen, und

Kraut wird nicht mehr angebaut.

Geblieben ist die Topographie. Sie erlaubt

immer noch den unvergleichlich

weiten Blick rundum und himmelwärts.

Radfahrer, Wanderer mit und ohne die

zwei gesundheitversprechenden Stöcke,

Rollstuhlfahrer und Mütter mit

Kinderwagen, Traktoren und – nicht zu

vergessen – „Herr und Hund“ beleben

das Birkacher Feld.

Je nach Windrichtung steigen donnernd

oder lautlos Flugzeuge vom nahegelegenen

Flughafen auf.

Die wunderbarsten Schauspiele sind

am Himmel über dem sanft gewölbten

„Lehmrücken“ zu betrachten.

Kumuluswolken türmen sich auf und

verflachen. Regenwolken werden in

geringer Höhe von Westwinden herangetragen.

Am Albtrauf entlang ziehen

zarte Regenschleier, von der Sonne

durchschienen. Im Sommer verdunkeln

mächtige Gewitterwalzen das Feld,

entladen sich, ziehen ab und stehen zuletzt

als stahlblaue Wand im Osten.

Geschieht das am Abend, wenn die

Sonne tief am Himmel steht, können

sich die herrlichsten Regenbogen bilden.

Niemals habe ich so vollkommene

Bogen beobachtet.

Heißluftballone schweben bei günstigen

Winden übers Feld. Vor Jahren

sank einer bis auf wenige Meter nahe

dem Nikolaus-Cusanus-Haus herab.

Ich freute mich schon auf die Landung.

Doch der Ballonfahrer besann sich eines

andern, zündete die Flamme. Geräuschlos,

wie er uns besuchte, verließ

der schöne Ballon uns wieder. Bald

darauf war er nur noch als kleines rotes

Kügelchen am Abendhimmel zu sehen.

Elsbet Stübler


38

Hauszeitung

Die kunsttherapeutische Arbeit

und die offene Werkstatt

Seit März diesen Jahres findet das kunsttherapeutische, künstlerische Schaffen nicht

mehr auf Ebene 3/West, sondern im Malraum statt. In dem wunderbar großzügigen

Raum ist genügend Platz für Rollstuhlfahrer und Fußgänger, und über das gute Licht

freuen sich BewohnerInnen, die ansonsten oftmals Probleme hatten, die Farben auseinanderzuhalten.

Auch das Material, davon haben wir dankenswerterweise reichlich,

findet seinen entsprechenden Platz. Es macht Freude, in dem Raum tätig zu

sein, und für viele Menschen ist er Anreiz, im Vorbeigehen hineinzuschauen und

sich für die Bilder an den Wänden zu interessieren.

Was bislang auf Ebene 3/West stattgefunden hat, setzt sich auch im Malraum fort.

BewohnerInnen kommen zu Einzelstunden, welche vor allem vormittags stattfinden.

Die Anliegen sind dabei sehr unterschiedlich: aus Freude an der Farbe malen, neue

Ausdrucksmöglichkeiten finden, Lebensrückblick mit bildnerischen Mitteln, Bilder

als Spiegelung innerseelischer Prozesse, Gespräch, experimentelle Arbeiten, Kopieren

von Bildern, Naturbeobachtungen und vieles mehr. An den Nachmittagen treffen

sich kleinere Gruppen (bis maximal 5 TeilnehmerInnen) im Malraum. Zur Zeit wird

in den Gruppen hauptsächlich gemalt und gefilzt.

Einmal in der Woche malen die MitarbeiterInnen der Ebene 2 für 30 Minuten, derzeit

sind Märchen das Thema. Jede Mitarbeiterin, jeder Mitarbeiter hat sich ihr/sein

Lieblingsmärchen ausgesucht und setzt das mit Mitteln ihrer/seiner Wahl (Malen,

Collage, Scherenschnitt, Zeichnen) ins Bild um. Es kann ein Bild oder eine Bildserie

entstehen. Abschließend wird von jedem Mitarbeiter, jeder Mitarbeiterin das

jeweilige Märchen erzählt oder vorgelesen und das entstandene Bild bzw. die Bilder

gemeinsam betrachtet.

Was ist nun mit der offenen Werkstatt gemeint An zwei Tagen in der Woche, derzeit

Montag und Donnerstag, ist der Malraum in der Zeit von 15.00 – 17.00 Uhr geöffnet.

In dieser Zeit können interessierte BewohnerInnen gerne kommen und zuschauen,

was gerade entsteht und woran die Mitbewohner arbeiten. Vielleicht möchte

ein Zuschauer etwas ausprobieren, wie beispielsweise die Herstellung von Filz,

auch das ist möglich. Vor allem aber ist der Raum geöffnet, um Menschen einzuladen

und in die Gruppe aufzunehmen, die ohne erkennbares Ziel und ohne sichtbare

Motivation und Orientierung im Haus sind. Menschen, die der Pflege bedürfen und

unserer Bereitschaft, sie zu integrieren – sofern sie dies wollen. Vielleicht macht es


Johanni 2006

39

ihnen Freude, mitten unter anderen zu sein – einfach so. In der Gruppe können sie

aber auch angeregt werden, etwas zu tun. Sie können einen Anlass finden, Farbe auf

das Blatt zu streichen oder Wolle zu zupfen. Die in der Gruppe künstlerisch tätigen

Menschen bilden so einen neuen Raum der Begegnung, sie haben unterschiedliche

Möglichkeiten, Motive und Blickwinkel.

Ob die Idee „offene Werkstatt als Raum der Begegnung“ angenommen wird Und

ob es überhaupt einen Bedarf dafür gibt In einer Zeit wie heute, in welcher Polarisierung

Gewohnheit zu werden droht, benötigen wir dringend Möglichkeiten neuer

Begegnungen, Brücken – und die Fähigkeit, unsere Mitmenschen immer wieder neu,

mit anderen Augen zu sehen. Deshalb bin ich überzeugt, dass der neue Begegnungsraum

sicher genutzt werden wird. Wir brauchen dabei nur ein wenig Geduld und

Vertrauen in das, was werden soll.

Sie, liebe Leserinnen und Leser, sind ganz herzlich eingeladen, uns dort zu besuchen.

Renate Matthees


40

Hauszeitung

Unsere Hauszeitung geht in Druck ...

Nicht immer, aber allermeistens entsteht unsere Hauszeitung unter großem Zeitdruck

– laufen doch die Arbeiten hierfür „neben“ unseren sonstigen Aufgaben her. Doch

nicht davon soll hier die Rede sein, sondern wir haben – im Zusammenhang mit dem

im Hause unseres Druckers erfolgten Generationswechsel (siehe Seite 7) – Herrn

Hohlweg (junior) einmal gefragt, wie denn so eine Hauszeitung in der Druckerei

überhaupt entsteht. Hier ist sein Bericht.

red.

Zuerst kommen die Daten von Ihnen zu uns ins Haus, werden kontrolliert und im

Bereich Datenverarbeitung (DTP) in druckfähige Daten gewandelt. Hierbei muss vor

allem auf das Datenformat und die richtige Kalibrierung der Bilddaten geachtet werden.

Zusätzlich werden per Reprokamera vorhandene oder neu gelieferte Anzeigen

zur repro-/druckfähigen Vorlage gewandelt.

Anschließend werden die gewandelten und druckfähigen Daten zur Ausbelichtung

per Datenfernübertragung gesandt. Von den fertigen Daten erstellt die Entwicklungsmaschine

dann Druckfilme.

Aus den erstellten Druckfilmen werden in der Filmmontage die Druckplatten erstellt.

Dabei muss darauf geachtet werden, dass die einzelnen Seiten so angeordnet werden,

dass beim Falten des Druckbogens (auf einem Druckbogen befinden sich mehrere

Seiten) und der späteren Verarbeitung zur Hauszeitung die endgültige Seitenreihenfolge

eingehalten wird.

Die so entstandenen Druckplatten werden in der Druckmaschine eingespannt, eingepasst

und auf Stand kontrolliert. Durch verschiedene Druckdurchläufe und Einstellen

der Druckplatten erzielt man dann eine Passgenauigkeit der Seiten zueinander. Nach

Einrichten der Druckmaschine und Befüllung durch Farbe und Wasser kann der

Druck gestartet werden.

Nach Druck der einzelnen Druckbogen benötigt die Farbe einen Tag zum Trocknen.

Hierbei entspannt sich auch das Papier wieder, das durch die starke Rotation der

Druckwalzen und den Einsatz von Wasser und Farbe ein wenig verzogen hat.


Johanni 2006

41

Farbkontrolle

Bei der Weiterverarbeitung werden die Druckbogen gefaltet, in die richtige Reihenfolge

gebracht, mit einer Rückstichhaftung versehen und auf das entsprechende Endformat

beschnitten ...

Anschließend erfolgt die Auslieferung – und der Lesefreude steht nichts mehr im

Wege!

Bogenkontrolle

Druckablage

Jörn Hohlweg


42

Hauszeitung

Vegetarische Ernährung

Eine Lebensweise mit zunehmender Bedeutung

Als Rudolf Steiner gefragt wurde, warum die anthroposophischen Mitglieder so wenig

vorankommen mit ihrer spirituellen Schulung, antwortete er seinem Mitarbeiter

Ehrenfried Pfeiffer, daß dies ein Ernährungsproblem sei: die Lebensmittel würden

zu wenig anregende Kräfte für den Menschen enthalten. Oft wird dies im Zusammenhang

mit der Anbauqualität zitiert, gilt allerdings auch für die Zusammenstellung

der Lebensmittel. Hier ist besonders die vegetarische Kost zu nennen, von der

Rudolf Steiner vielfach im Zusammenhang mit innerer Selbständigkeit und Kraftquelle

gesprochen hat. Tatsächlich galt eine Ernährungsweise

viele Jahre als vegetarisch. Nicht umsonst ist das Speisehaus in Dornach seit seinen

Anfängen ein vegetarisches Restaurant. Auch in der biologisch-dynamischen Bewegung

spielte Fleisch eine untergeordnete Rolle. Was hat es also auf sich mit der vegetarischen

Kost und der Anthroposophie

Eine kleine Kulturgeschichte

Schon in der Antike gab es Empfehlungen zur vegetarischen Kost. Sie waren Bestandteil

einer religiös-kultischen Lebensweise, die im Rahmen der Askese zu mystischer

Entwicklung und Vertiefung verhelfen sollte. Die Sekte der Orphiker und

Pythagoras (570 bis 480 v. Chr.) forderten, keine beseelten Wesen zu essen. Dies

soll auf asiatische Lehren zurückgehen, die an karmische Seelenwanderung auch

über Tierwesen glaubten und daher keine fremden Seelen verzehren wollten. Mit

Buddha (560 bis 480 v. Chr.) kam eine andere Komponente hinzu: das Mitleid mit

den Tieren. Es ging nicht mehr nur um eine Verbesserung der eigenen seelischen

Entfaltung, sondern um ein Mitgefühl mit den beseelten Lebewesen.

Neben dem Buddhismus vertritt auch der Hinduismus eine vegetarische Ernährung.

Rudolf Steiner berichtet, daß im Judentum ebenfalls pflanzliche Diät bei den Nasiräern

(einer Gruppe der Essäer) üblich war: „Besonders enthielten sie (die Nasiräer)

sich vollständig der Fleischkost und des Weingenusses. Damit verschafften sie sich

die Möglichkeit einer gewissen Erleichterung, weil in der Tat die Fleischkost den

geistig strebenden Menschen in der Entwicklung aufzuhalten vermag.“

Im Christentum sind einige Gruppierungen wie die Adventisten, Quäker und Mormonen

zu nennen, die vegetarische Kost bevorzugen sowie die fleischlose Fastenzeit

zwischen Fasching und Ostern.


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Ein neuer, weltlicher Impuls entstand 1848 mit der Gründung der vegetarischen Gesellschaft

in London. Von da an breitete sich die vegetarische Ernährung über die

Reformkost im 19./20. Jahrhundert aus. Heute gibt es in Mitteleuropa etwa acht Prozent

Vegetarier.

Rudolf Steiner stellte die Wandlung der menschlichen Ernährungsweise in einem

großen Überblick als Kulturentwicklung dar. Von einer Stufe der geistigen Kost (eine

Art Lichtnahrung) über die Luft wurde die Nahrung immer irdischer. Heute wandelt

der Mensch die tierische und pflanzliche Nahrung zu verarbeiteten Produkten

um und lernt dabei, eigene Kräfte hinzuzufügen. In der Zukunft wird die tierische

Nahrung zurückgehen und die vom Menschen verarbeitete zunehmen. Jedoch ist der

Verzicht auf Fleischkost erst möglich, wenn der Mensch die inneren Kräfte, die das

Tier aufbringt, selbst erzeugen kann.

Vegetarische Kost und Stärkung des Menschen

Von der Schulmedizin wurde die vegetarische Ernährung lange als Mangelkost angesehen,

und die Vegetarier wurden vor Krankheiten und frühem Tod gewarnt. Nur

einige Reformärzte wie Maximilian Bircher-Benner () erkannten

schon früh den gesundheitlichen Wert dieser Ernährungsform. In den 80er Jahren

des 20. Jahrhunderts gab es drei große Versuche in Deutschland mit vegetarisch lebenden

Menschen, um deren gesundheitlichen Status wissenschaftlich zu erfassen.

Diese Studien zeigen, daß Vegetarier hinsichtlich der Risikofaktoren wie hohe Blutfettwerte

und Cholesterin gesünder waren, und daß vegetarische Kost etliche gesundheitliche

Vorteile aufweist und zahlreichen Zivilisationskrankheiten wie Übergewicht,

Diabetes Typ 2, Gicht, Rheuma oder Arthritis vorbeugen oder diese verbessern

kann.

Rudolf Steiner war in seinen jungen Jahren ein Gemischtköstler. Später aß er laktovegetarisch

und äußerte, daß er die Strapazen des unsteten Vortragslebens sonst

nicht ertragen könnte. „Das weiß ich von mir selber, daß ich die Anstrengungen, die

ich seit langer Zeit, die ich in den letzten vierundzwanzig Jahren habe durchmachen

müssen, daß ich die anders [als vegetarisch lebend] nicht hätte durchmachen können!

Dann würde ich nicht ganze Nächte habe fahren können und am nächsten Tag

einen Vortrag halten.“ Allerdings sprach er sich sehr gegen eine pauschale Hinwendung

zum Vegetarismus aus und betonte, wie wichtig die individuelle Entscheidung

sei! „Aber man darf in dieser Richtung nicht fanatisch sein. Es gibt Menschen, die

können gar nicht bestehen, wenn sie kein Fleisch essen. [...] Aber wenn einer ohne

Fleisch auskommen kann, fühlt er sich, dann, wenn er von der Fleischnahrung übergeht

zu der vegetarischen Nahrung, stärker als vorher.“


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Hauszeitung

Wie ist das zu verstehen Fleisch und Fisch sind vom Tier gebildet und daher dem

menschlichen Organismus näher. Beim Verdauen dieser tierischen Substanz und

dem Aufbau menschlicher Substanz muß der Mensch daher weniger Kräfte aufwenden,

weil das Tier ihm eine Organisationsstufe abgenommen hat. Verzehrt er Pflanzen,

so muß er mehr eigene Kräfte aufbringen, um zunächst die Tier- und dann die

menschliche Organisationsstufe in der Substanzbildung zu erreichen. Diese Stoffwechselanstrengung

ist wie ein Muskeltraining, das zu mehr Leistung führt, obwohl

es erst einmal anstrengender ist. Voraussetzung ist natürlich, daß der Organismus

diese Arbeit schafft, also die physiologische Fähigkeit dazu hat. Sonst bleibt man

besser bei tierischer Nahrung.

Spirituelle Entwicklung und Vegetarismus

Je mehr eigene Aufbaukräfte man mobilisiert, um so stärker wird der innere

Mensch. Man gewinnt innere Kräfte und wird unabhängiger gegenüber den Reizen

der Außenwelt. Bei tierischer Nahrung führt man sich dagegen mehr Aufbaukräfte

durch die Nahrung zu, die innere Kraftentfaltung ist geringer, die Außenabhängigkeit

und -orientierung größer. „Die Seele wird sich veräußerlichen, er [der Mensch]

wird zugänglicher für die äußere Welt, er wird verknüpft werden mit der Außenwelt.

[...] Alles dasjenige, was den Menschen einschränkt, was ihn dazu organisiert, in eine

Spezialität hineinzukommen, das hat er von der tierischen Nahrung. [...] Je mehr

er in der Lage ist, die Pflanzennahrung überwiegen zu lassen, desto mehr wird er

imstande sein, den Sinn für weite Gesichtskreise zu entwickeln. [...] Daß die Menschen

immer dogmatischer werden, gerade nur das überschauen können, in das sie

hineingewachsen sind seit ihrer Geburt, hängt stark zusammen mit dem Übertreiben

der tierischen Nahrung.“

Rudolf Steiner beschreibt vielfach, wie sich der Mensch verändert, wenn er den

anthroposophischen Schulungsweg geht und spirituelle Übungen macht. Das schlägt

sich auch in der Ernährungsweise nieder. Bei der Ernährung erleichtert es die Pflanzennahrung,

den kosmischen Bezug zu erleben. Das Fleisch besonders der Landtiere

bindet dagegen eher an irdische Verhältnisse – so wie das Rind mit seinen vier Beinen

auf der Erde steht – und erschwert dem Meditierenden die Loslösung vom Irdisch-Materiellen.

Milch ist hingegen anders anzusehen, da sie nicht Tierkörper ist,

sondern nur Tiernahrung. Sie steht zwischen Tier und Pflanze und hilft dem Menschen,

im Gleichgewicht zu bleiben zwischen der Erdenflüchtigkeit (reine Pflanzenkost)

und der intensiven Erdenbindung (fleischbetont). „Die Pflanzennahrung ist eine

solche, daß sie in dem Organismus jene Kräfte rege macht, welche den Menschen

in eine Art kosmische Verbindung bringen mit dem ganzen planetarischen System.

[...] Die Leichtigkeit des Organismus, die er erhält durch die Pflanzennahrung, die


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hebt über die Erdenschwere hinweg, die macht eine gewisse innere – man möchte

sagen – nach und nach wie zur Geschmacksempfindung sich ausbildende Erlebnisfähigkeit

im menschlichen Organismus möglich. [... Sie können daraus] entnehmen,

daß es gerade bei der okkultistischen, bei der esoterischen Entwicklung eine ungeheure

Bedeutung hat, nicht sich sozusagen an die Erde zu fesseln, mit aller Erdenschwere

sich auszustatten durch den Fleischgenuß, wenn er entbehrt werden kann

nach den individuellen und Vererbungsverhältnissen. [...] Dagegen beginnen schon

gewisse Bedenklichkeiten, wenn der Mensch fanatischer Vegetarier in dem Sinn

sein wollte, daß er alle Milch und Milchprodukte meiden wollte. Gerade bei der

Entwicklung der Seele nach dem Geistigen hin kann das gewisse Gefahren einschließen,

[...] weil der Mensch sehr leicht dadurch, dass er allen Milchgenuß und

allen Genuß dessen, was damit zusammenhängt, meidet, leicht zu einem gewissen

bloßen Lieben des von der Erde Wegstrebenden kommt“ und die Fäden leicht verliert,

die ihn mit dem verbinden, was auf der Erde an Menschlichem getrieben wird.

Deutlich muß aber der Zusammenhang zwischen seelischer Entwicklung und Ernährung

gesehen werden. Eine vegetarische Kost erleichtert zwar den spirituellen Weg,

ersetzen kann sie ihn aber nicht. Solche Kost, ohne jedes spirituelle oder geistige Interesse,

kann sogar zu extremen oder fanatischen Lebensformen führen, da die soziale

und individuelle Selbsterziehung fehlt.

Motive für die bewusste Entscheidung

Das Einhalten einer vegetarischen Kost erfordert Tatkraft des einzelnen. Fast immer

steht dahinter eine bewusste Entscheidung im Gegensatz zum Essen aus Tradition

oder Gewohnheit. Die vegetarische Kost erfordert – wie jede von der Norm abweichende

Ernährungsform – Willenskraft, oft gegen eine ablehnende Umgebung. Die

häufigsten Motive für eine vegetarische Ernährungsform sind:

- Ethisch-religiöse Motive

Es gibt religiöse Gebote oder ethische Lebensauffassungen, die das Töten von Tieren

ausschließen. Veganer lehnen jegliche Tiernutzung ab und verzichten nicht nur

auf Fleisch, Fisch, Eier, Milch und Honig, sondern auch auf das Tragen von Leder

oder Fellen. Andere ethische Vegetarier verzichten nur auf rotes Fleisch, in dem

noch das Blut als Träger der Seele und der Leidenschaften des Tieres vorhanden ist.

- Spirituelle Motive

Hier liegt der Ansatz darin, daß das Tierische die geistige Entwicklung hemmen

kann beziehungsweise eine vegetarische Ernährung mehr innere Kräfte zur Verfügung

stellt. „Wenn wir uns bloß durch Pflanzliches nähren, so müssen wir selber als


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Hauszeitung

Menschen den ganzen Prozeß übernehmen, den uns das Tier abnimmt, indem es das

Pflanzliche schon um eine Strecke weitergeführt hat. [...] Das heißt, der Organismus

muß aus seinem Schoße, wenn er Pflanzenesser ist, ganz andere Kräfte heraufholen,

als wenn er Fleischesser ist. [...] So daß man [...] scharf betonen muß [...], daß der

Mensch arbeitsfähiger wird dadurch, weil er gewöhnt ist, Kräfte aus seinem Inneren

herauszuholen.“

- Ökologische Motive

Einige der Vegetarier lehnen tierische Kost wegen Massentierhaltung und fragwürdiger

Tierzucht ab. Sie bevorzugen meist Bio-Lebensmittel, oft mit religiöser Einstellung

(Schutz der Schöpfung).

- Ethisch-soziale Motive

„So lange es Schlachthäuser gibt, wird es auch Schlachtfelder geben“, sagte der

Schriftsteller und Vegetarier George Bernard Shaw. Auch Rudolf Steiner wies darauf

hin, wie die tierische Ernährung die Aggression in Völkern verstärken, eine vegetarische

Kost zum Frieden in der Menschheit beitragen kann. „Daß es Menschen

gegeben hat, die Kriege geführt haben, die Sympathie und Antipathie, sinnliche Leidenschaften

zueinander hatten, das kommt von der tierischen Nahrung. Daß aber der

Mensch nicht in den engeren Interessen aufging, daß er allgemeine Interessen fassen

kann, das verdankt er seinen Beziehungen zur Pflanzenwelt in bezug auf die Nahrung.“

- Sozial-ökonomische Motive

Die aufwendige Massentierhaltung führt zur Konkurrenz von Nahrung und Futtermittel

(zum Beispiel würden Getreide und Hülsenfrüchte mehr Menschen ernähren

als das Fleisch damit gefütterter Tiere). Verzicht auf Fleisch kann somit die Welternährungslage

bessern. Auch aus diesen Gründen verzichten etliche Menschen auf

tierische Nahrung oder vermindern sie.

Die vegetarische Kost kann dem Menschen und der Umwelt viele Vorteile bringen.

Voraussetzung ist allerdings, daß er sie individuell verträgt und innerlich bejaht.

Sonst kehrt sich die Wirkung um, und man ist .

Dr. Petra Kühne, Arbeitskreis für Ernährungsforschung e.V.

Niddastr. 14, 61118 Bad Vilbel

In: Das Goetheanum, Wochenschrift

für Anthroposophie Nr. 25 / 20. Juni 2004


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Neue Bücher in unserer Bibliothek (eine Auswahl)

Literatur / Romane

Siegfried Lenz

Stanislaw Lem

Thaddäus Troll

Renate Welsh

Günter Grass

Dorothy Sayers

Ernst Moritz Arndt

Yasar Kemal

Gerard de Nerval

Martin Walser

Stefanie Zweig

Jurij Brezan

Hilde Domin

Manes Sperber

Bernd Wolff

Waris Dirie

Die Erzählungen

Solaris

Der himmlische Computer

Eine Hand zum Anfassen

Ein weites Feld

Eines natürlichen Todes

Märchen

Der Granatapfelbaum

Die Geschichte von der Königin aus dem

Morgenland

Der Augenblick der Liebe

Vivian / Ein Mund voll Erde (Großdruck)

Krabat

Abel steh auf

All das Vergangene

Im Labyrinth der Täler

Wüstenblume

Biographien

Emilie und Theodor Fontane

Käthe Kruse

Rudolf Geiger

Hiltgunt Zassenhaus

Corrie ten Boom

Der Ehebriefwechsel

Ich und meine Puppen

Rückblick in mein Leben

Ein Baum blüht im November

Die Zuflucht


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Hauszeitung

Anthroposophie

Uwe Werner

Gerhard Wehr

Hermann Pfrogner

Schuyt/Elffers/Ferger

Sergej Prokofieff

Karl Heyer

Franziska Sarwey

Malte Diekmann

Lorenzo Ravagli

Günter Röschert

Anthroposophen in der Zeit des

Nationalsozialismus

C. G. Jung und Rudolf Steiner

Lebendige Tonwelt

Rudolf Steiner und seine Architektur

Anthroposophie und die „Philosophie

der Freiheit“

Das Wunder von Chartres

Grünewald-Studien

Der Kreis der Mysterienströmungen

Meditationsphilosophie

Für die Sache Gottes (Islam)

Verschiedenes

Charles Hummel

Nikolaus Cusanus. Das Individualitätsprinzip

Andy Goldsworthy

(Fotoband)

Dominic Olivastro

Das chinesische Dreieck (Mathematische

Rätsel)

Pierre Boulez

Anhaltspunkte

Margrit Kennedy

Geld ohne Zinsen und Inflation

Gerhard Wehr

Europäische Mystik

Fichte – Schelling

Briefwechsel

K. H. Janßen u. a. DIE ZEIT. Geschichte einer Wochenzeitung

Fritz Winter

Arbeiten auf Papier 1925 – 75 („Triebkräfte

der Erde“)

Giorgio Agamben

Die Zeit, die bleibt (Römerbrief)

ZEIT-Lexikon in 20 Bänden


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Johanni 2006

H e r z l i c h e n G l ü c k w u n s c h - Wi r g r a t u l i e r e n

zum 75. Geburtstag am

26. Juli 2006 Herrn Wolfgang Niehaus

07. August 2006 Frau Irene Haas

12. August 2006 Frau Dorothea Lebede

zum 80. Geburtstag am

25. Juni 2006 Frau Mechthild Feller

zum 85. Geburtstag am

12. Juli 2006 Frau Lise Messner

12. August 2006 Frau Hiltrud Werner

22. August 2006 Frau Rosemarie Hoffmeister

zum 90. Geburtstag am

01. September 2006 Frau Elisabeth Heintzeler

zum 92. Geburtstag am

24. Juni 2006 Frau Hilde Pfeiffer

05. Juli 2006 Herrn Gerhard Keppler

zum 93. Geburtstag am

05. August 2006 Frau Erika Ebert

18. August 2006 Herrn Erwin Schwarz

zum 95. Geburtstag am

24. Juni 2006 Frau Wanda Bleckwenn

10. Juli 2006 Herrn Martin Holzapfel

15. August 2006 Frau Else Keusch

zum 96. Geburtstag am

03. Juli 2006 Frau Helene Beck

19. Juli 2006 Frau Hedwig Schmid

zum 97. Geburtstag am

06. Juli 2006 Frau Emma Knauss

zum 101. Geburtstag am

04. Juli 2006 Herrn Ralf Hartmann


Aufbrechen

Wenn Du zum Tor des Lebens gelangen willst,

musst Du aufbrechen, einen Weg suchen,

der auf keiner Karte verzeichnet

und in keinem Buch beschrieben ist.

Dein Fuß wird an Steine stoßen,

die Sonne wird brennen

und Dich durstig machen,

Deine Beine werden schwer werden.

Die Last der Jahre wird Dich niederdrücken.

Aber irgendwann wirst Du beginnen,

diesen Weg zu lieben,

weil Du erkannt hast, dass es Dein Weg ist.

Du wirst straucheln und fallen,

aber die Kraft haben wieder aufzustehen.

Du wirst Umwege und Irrwege gehen,

aber dem Ziel näherkommen.

Alles kommt darauf an,

den ersten Schritt zu wagen.

Denn mit dem ersten Schritt

gehst Du durch das Tor.

Christine Busta

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