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EIN LEBEN FÜR EIN PAAR SCHUHE

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wenigstens schöne Schuhe machen. Doch

keine Krankenkasse wollte das bezahlen.

Also kündigte er mit 32, mietete einen Laden

in Parchim und steckte all sein Erspartes

hinein. Er kaufte gebrauchte Nähmaschinen

von einem verstorbenen Schuster in

Lübeck. Geld von der Bank bekam er

nicht, weil kaum jemand an sein Konzept

glaubte: handgefertigte Schuhe für einen

Preis von 1000 bis 4000 Euro, in Parchim,

einer Kleinstadt mit 18.000 Einwohnern in

Mecklenburg-Vorpommern.

WELTMARKTFÜHRER IN

MECKLENBURG VORPOMMERN

Die Arbeitslosenquote lag bei über 20

Prozent, die Bevölkerung war seit der Wende

um über zehn Prozent geschrumpft. Wer

konnte verließ das Land Richtung Westen

und gründete kein Start up mit einem teuren

Produkt, dass noch dazu ein absolutes

Luxusprodukt war. Erst in den vergangenen

Jahren hat sich das Bundesland Mecklenburg

Vorpommern etwas erholt. Im

Jahr 2012 stieg das Bruttoinlandsprodukt

um 1,9 Prozent. Seit 1991 hat sich die Zahl

der Selbstständigen mit knapp 70000

Betrieben fast verdoppelt. Unter den kleinen

Firmen befinden sich immerhin sechs

Weltmarktführer.

Schicksalsschläge überstanden. Seine

Schwester ist bei einem Autounfall ums

Leben gekommen. Er selbst lag nach einem

Motorradunfall im Koma.

Doch auch in diesen schweren Zeiten

glaubte Gundlack immer daran, dass es

genug Leute gibt, die seine Arbeit und deren

Qualität schätzen. Nach einem Fernsehbericht

im NDR riefen so viele Leute an, dass

er davon eineinhalb Jahre lang zehren konnte.

Heute besucht ihn der Ministerpräsident

in seinem Laden, er ist als Schirmherr für

Veranstaltungen begehrt, und Fans von

David Garrett pilgern in die Provinz, um zu

bestaunen, wo die Boots ihres Lieblingsgeigers

hergestellt werden.

GUT SCHUH WILL WEILE HABEN

Wer ein Paar Schuhe von Kay Gundlack

tragen will, muss fünf bis sieben Monate

Geduld haben. Die Auftragsbücher sind

voll. Jedes Paar ist ein kleines Kunstwerk,

entstanden in seiner Zauberkammer.

Gundlack öffnet die Glastür und geht nach

hinten, in seine Werkstatt, in diese andere

Welt. Die Welt, in der er seinen Traum leben

und von der er nicht genug kriegen kann.

„Wenn die Tür zugeht, vergeht die Zeit

einfach schneller“, sagt er. Das Ganze ist

„Die haben mich alle für verrückt erklärt“,

sagt Gundlack. Damals nahm er einmal an

einer Veranstaltung für die Handwerker der

Gegend teil. Er baute einen Stand auf und

stellte seine Schuhe auf feinem rotem

Samt aus. Als er den Interessenten

erzählte, was seine Werke kosten sollen,

wurde er ausgelacht. „Ich bin nach

Hause gefahren und habe geweint“,

erinnert sich Gundlack.

Aber aufgeben kam für ihn nicht

infrage. Er hat schon ganz andere

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