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<strong>lex</strong>-<strong>art</strong>-<strong>webkat</strong>.<strong>de</strong><br />
IMPRESSUM<br />
Angelika <strong>Dombrowski</strong> (sign. AROT)<br />
UM DIE LIEBE RINGEN, Acryl auf<br />
Leinwand, 1993, 100 x 100 cm<br />
Konzeption <strong>de</strong>r Publikationsreihe und Autor:<br />
Axel-A<strong>lex</strong>an<strong>de</strong>r Ziese et al.<br />
Alle Texte und Abbildungen dieser Publikation sind<br />
urheberrechtlich geschützt für Künstler, Autor und<br />
Herausgeber © 2011 - ISSN 2191-0626
Eine ungewöhnliche Künstlerin ist Angelika <strong>Dombrowski</strong>, die von<br />
1963-1968 an <strong>de</strong>r HfBK Dres<strong>de</strong>n bei Gerhard Stengel, <strong>de</strong>m später<br />
bekanntesten Aquarellisten in <strong>de</strong>r DDR, und Gerhard Kettner, <strong>de</strong>ssen<br />
Bildnisse im dtv-Lexikon <strong>de</strong>r Kunst als „lyrische, humanistische Weltansichten“<br />
beschrieben wer<strong>de</strong>n, studierte und diplomierte; zu einer<br />
Zeit, über die Günter Grass im Hinblick auf die Einheit von Kunst in<br />
<strong>de</strong>n bei<strong>de</strong>n <strong>de</strong>utschen Staaten folgen<strong>de</strong>s formulierte: „...<strong>de</strong>n Künstlern<br />
in und zwischen <strong>de</strong>n Machtbereichen mangelt es nicht an Stoff,<br />
Reibung und Zeugungswut. Ihr patriotisches Begreifen misst weiter<br />
als Bun<strong>de</strong>stags<strong>de</strong>batten und ZK-Beschlüsse; es grün<strong>de</strong>t neue Traditionen,<br />
die oft genug <strong>de</strong>r Politik und ihren Ansprüchen zuwi<strong>de</strong>rlaufen.“<br />
Als Günter Grass die Eigengesetzlichkeit <strong>de</strong>r Künste proklamierte,<br />
hatte er bereits frühzeitig erkannt, dass ein befruchten<strong>de</strong>r Austausch<br />
zwischen <strong>de</strong>n produzieren<strong>de</strong>n Künstlern in bei<strong>de</strong>n I<strong>de</strong>ologien für <strong>de</strong>n<br />
<strong>de</strong>utschsprachigen Kulturraum unabdingbar ist, sofern kosmopolitisches<br />
Denken erhalten bleiben soll. Das war in <strong>de</strong>n 1960er Jahren<br />
jedoch im Bereich <strong>de</strong>r DDR nicht erwünscht, son<strong>de</strong>rn eine kommunistische<br />
I<strong>de</strong>ologie sollte alle Bereiche <strong>de</strong>s Lebens erfassen, und<br />
beson<strong>de</strong>rs die Maxime für die Künste sein.<br />
PORTRAIT HERMANN (Ausschnitt), Mischtechnik, 1993<br />
Alle Texte und Abbildungen sind urheberrechtlich geschützt für Künstler, Autor und Herausgeber - © 2011
v.l.n.r.: oben: PORTRAIT HELENA S.,<br />
Acryl auf Leinwand, 1993, 100 x 100 cm<br />
SNOB,<br />
Acryl auf Leinwand, 1990, 100 x 100 cm<br />
unten: WACHSAM,<br />
Acryl auf Leinwand, 1989, 100 x 100 cm<br />
WER BIST DU,<br />
Acryl auf Leinwand, 1994, 100 x 80 cm<br />
DIE FRAU DES STIERKÄMPFERS,<br />
Acryl auf Leinwand, 1990, 75 x 55 cm<br />
Alle Texte und Abbildungen sind urheberrechtlich geschützt für Künstler, Autor und Herausgeber - © 2011
DER ROTE FADEN, Acryl auf Leinwand, 1994, 80 x 100 cm<br />
Alle Texte und Abbildungen sind urheberrechtlich geschützt für Künstler, Autor und Herausgeber - © 2011
In dieser Wirrnis traf die junge Künstlerin ihr Schicksal in Gestalt<br />
eines Südamerikaners, so dass es sie für die kommen<strong>de</strong>n drei<br />
Jahrzehnte zuerst nach Kolumbien und dann allein mit ihren<br />
Kin<strong>de</strong>rn Cecilia und Ciro für die folgen<strong>de</strong>n zwanzig Jahre nach<br />
Venezuela verschlug. Erst Anfang <strong>de</strong>r 1990er Jahre, gereift und<br />
mit einem neuen Lebensp<strong>art</strong>ner, kehrte sie nach Europa, nach<br />
Bayern, zurück.<br />
In <strong>de</strong>n drei Jahrzehnten, die sie in einer Kultur lebte, <strong>de</strong>ren<br />
Basis von <strong>de</strong>n Azteken, Indios, Spaniern und Mexikanern<br />
geschaffen wur<strong>de</strong>, hat sie ihre Bildaussage zur maximalen Form<br />
entwickeln können; es sind Manifestierungen divergierenster<br />
Empfindungen zwischenmenschlicher Kommunikation vom Maler<br />
zum Objekt. Durch ihre multikulturellen Lebens- und<br />
Kunsterfahrungen entwickelte sie <strong>de</strong>n progressiv dynamischen,<br />
aber auch hintergründig sensibel-melancholischen Malstil, mit<br />
<strong>de</strong>m sie Menschen, die ihr begegnen, charakterisiert. Mit <strong>de</strong>r<br />
Rücksiedlung nach Europa und <strong>de</strong>r Gewissheit um <strong>de</strong>n endgültigen<br />
Abschluss jener südamerikanischen Epoche kann sie<br />
einen Lebensabschnitt einerseits als eine Ref<strong>lex</strong>ion an ihre<br />
Jahre in Venezuela und Kolumbien aufarbeiten und an<strong>de</strong>rerseits<br />
kommt neu hinzu, dass sie die Physiognomien <strong>de</strong>r Menschen,<br />
die ihr hier in Europa begegnen und zu <strong>de</strong>nen sich ein intensiverer<br />
Kontakt ergibt, an<strong>de</strong>rs, vielschichtiger erfasst.<br />
HOMMAGE AN LATEINAMERIKA, Acryl auf Leinwand,<br />
1990, 70 x 55 cm<br />
Alle Texte und Abbildungen sind urheberrechtlich geschützt für Künstler, Autor und Herausgeber - © 2011
Interessant ist <strong>de</strong>r Kommentar, durch <strong>de</strong>n AROT (ihr Pseudonym,<br />
mit <strong>de</strong>m sie ihre Werke signiert, aus <strong>de</strong>m Initial <strong>de</strong>s<br />
Vornamens und <strong>de</strong>n ersten drei Buchstaben ihres Mädchennamens<br />
Ro<strong>de</strong>wald entwickelt) <strong>de</strong>n Impetus zu ihren Bildschöpfungen<br />
erläutert:<br />
Der Ausdrucksakt ist <strong>de</strong>r ursprünglichste Wunsch nach Freiheit<br />
und Befreiung. In ihm vereinen sich Traum und Wirklichkeit<br />
sowohl <strong>de</strong>r individuellen als auch <strong>de</strong>r kollektiven Existenz. Er ist<br />
ein dramatischer Tanz, in <strong>de</strong>m Macht und Ohnmacht Bewegungslinien<br />
markieren mit ihrem existentiellen Wechselspiel<br />
von Licht und Schatten, Aufstieg und Fall, Ruhe und Unruhe,<br />
Stille und Explosion. Es entsteht eine Struktur <strong>de</strong>r Zeitlichkeit.<br />
Wie sehr es AROT nicht um bloß formale sequentielle Bild-<br />
Erfindungen, son<strong>de</strong>rn um komp<strong>lex</strong>e Sinngehalte <strong>de</strong>s Darzustellen<strong>de</strong>n<br />
geht, lässt sich in persönlichen Gesprächen mit ihr<br />
extrahieren, <strong>de</strong>nn die von ihr gemalten, subjektiv emotional<br />
erfassten Charaktere enthalten parallele Phänomene ihres<br />
eigenen Erlebten implantiert. So wie sich die Formen, die<br />
Konturen beim Malen erst erschaffen, so entwickeln sich die<br />
Gehalte ihrer Bildgeschichten in einer Wechselwirkung, einerseits<br />
fundierend auf gehabte Erkenntnisse und an<strong>de</strong>rerseits<br />
auf die Emotion während <strong>de</strong>s Malprozesses, da AROT sich<br />
dabei nach innen, ins Unterbewusste öffnet und so ihr Ego<br />
einbringt.<br />
DER MECHANISCHE KUSS, Acryl auf Leinwand,<br />
1982, 50 x 40 cm<br />
Alle Texte und Abbildungen sind urheberrechtlich geschützt für Künstler, Autor und Herausgeber - © 2011
UNTREU, Acryl auf Leinwand, 1997, 120 x 150 cm<br />
Alle Texte und Abbildungen sind urheberrechtlich geschützt für Künstler, Autor und Herausgeber - © 2011
Das Prinzip <strong>de</strong>r Ent<strong>de</strong>ckung <strong>de</strong>s Unbekannten in <strong>de</strong>r Kunst, das<br />
sich bei AROT als Motor eines kunstgeschichtlichen Prozesses<br />
beweist und die Linie <strong>de</strong>r eigenen Arbeit bewirkt, hatte erstmals<br />
Willi Baumeister in seiner gleichnamigen Schrift 1947 beschrieben.<br />
Nicht die Wie<strong>de</strong>rgabe <strong>de</strong>s anfangs Gedachten, Vorgestellten<br />
ist die Schöpfung, son<strong>de</strong>rn die Entwicklung <strong>de</strong>r Form<br />
durch die Einwirkung einer Konkretisierung und Verdichtung <strong>de</strong>s<br />
Sinngehaltes. Dabei wer<strong>de</strong>n unterschiedliche Aspekte bedacht,<br />
präzisiert und verbun<strong>de</strong>n. Eine Philosophie über ein Gesicht entsteht,<br />
das an kein Porträt traditioneller Malweise erinnert.<br />
Zum Abschluss sei nochmals AROT zitiert: Das Eintauchen in<br />
das Sein, das Transzendieren auf <strong>de</strong>r vertikalen Achse <strong>de</strong>r 4.<br />
Dimension <strong>de</strong>r Zeitlichkeit und <strong>de</strong>s Imaginären, kann als das<br />
Lösen starrer Fesseln <strong>de</strong>r Existenz erlebt wer<strong>de</strong>n. So kristallisieren<br />
sich ewige Fragen <strong>de</strong>s Menschen: Unsterblichkeit, Liebe,<br />
Angst, Zweifel, Untreue, Sehnsucht und immer wie<strong>de</strong>r das Sein.<br />
ANGST, Acryl auf Leinwand, 1997, 100 x 80 cm<br />
Alle Texte und Abbildungen sind urheberrechtlich geschützt für Künstler, Autor und Herausgeber - © 2011
HOLOCAUST I, Acryl auf Leinwand, 1984, 50 x 40 cm<br />
HOLOCAUST II, Acryl auf Leinwand, 1987, 60 x 50 cm<br />
Alle Texte und Abbildungen sind urheberrechtlich geschützt für Künstler, Autor und Herausgeber - © 2011
Angelika <strong>Dombrowski</strong><br />
biografische Daten entnommen aus: ALLGEMEINES<br />
LEXIKON DER KUNSTSCHAFFENDEN in <strong>de</strong>r bil<strong>de</strong>n<strong>de</strong>n<br />
und gestalten<strong>de</strong>n Kunst <strong>de</strong>s ausgehen<strong>de</strong>n<br />
XX. Jahrhun<strong>de</strong>rts, DVD-Gesamtausgabe.<br />
* 1944 in Schwiebus. Pseudonym: AROT. 1963-68<br />
Studium an <strong>de</strong>r Hochschule für bil<strong>de</strong>n<strong>de</strong> Künste<br />
Dres<strong>de</strong>n. 1968 Diplom-Abschluss. 1969-72 Dozentin<br />
an <strong>de</strong>r Universidad Nacional <strong>de</strong> Bogotá/Kolumbien.<br />
1973/74 Dozentin an <strong>de</strong>r Escuela <strong>de</strong> Diseño,<br />
Valera/Venezuela. 1974-84 Priv.-Doz. für Zeichnen<br />
und Malerei.<br />
Ausstellungen: (Einzelausstellungen): 1970-72<br />
Bogotá; 1972-91 Caracas, Maracaibo, Valera,<br />
Guacara; Teilnahme an <strong>de</strong>r III. Intern. Biennial<br />
Cumaná; 1995 San José/Costa Rica; 1998 6.<br />
Offener Kunstpreis 1. intern. Internet Kunstwettbewerb,<br />
Open-Air-Ausstellung Pagenhard, Jean-<br />
Gebser-Aka<strong>de</strong>mie Offenbach. Ab 1999 Dauerausstellung<br />
in <strong>de</strong>r Heuwel Gallery Newcastle/Südafrika.<br />
Literatur: Magazin KUNST-aktuell 10/98; Kalen<strong>de</strong>r<br />
Meisterwerke zeitgenössischer Kunst 1999.<br />
AKT, Acryl auf Leinwand, 1987, 80 x 80 cm<br />
Der direkte Weg zur Lexikondokumentation: http://www.<strong>lex</strong>-<strong>art</strong>.<strong>de</strong>/<strong>lex</strong>-<strong>art</strong>.<strong>de</strong>/sicher/cd/html/dombrowski__angelika.html<br />
Alle Texte und Abbildungen sind urheberrechtlich geschützt für Künstler, Autor und Herausgeber - © 2011