MANN OHNE SCHNÖRKEL - Porsche

porsche.at

MANN OHNE SCHNÖRKEL - Porsche

Seite 40

F. A. PORSCHE

Christophorus 348

MANN OHNE

SCHNÖRKEL

Text Fabian Brunner

Produktfotografi e Jürgen Schwope

Ferdinand Alexander Porsche gilt als der Vater

des Porsche 911. Der Designer mit Weltruf

feierte am 11. Dezember seinen 75. Geburtstag.

Bis heute bestimmt seine Philosophie die

Linienführung des Hauses.

„Die Funktion ist die Basis

der Überlegungen. Funktionale Gestaltung von

innen heraus statt lediglich äußerlich erfolgtem

Styling ist das Resultat.“

75

Jahre

Ferdinand Alexander

Porsche

Christophorus 348 Seite 41

Chronograph I (1972)

Die weltweit erste schwarze

Uhr. Der Chronograph lehnt

sich an die Optik refl exionsfreier

Rennwageninstrumente

an (bis auf Ziffern und Zeiger

in Mattschwarz). Der Chronograph

I besitzt ein schwarzes

Zifferblatt, eine weiße Beschriftung,

mit weißer Leuchtmasse

gefüllte Zeiger sowie

Stabindizes. Den einzigen

Farbakzent setzt der rote

Sekundenstoppzeiger.


Seite 42 Christophorus 348

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„Mir macht es einfach Spaß, Dinge besser zu machen.

Denn irgendwie mache ich sie immer auch für mich selbst.“

Er formuliert Sätze, die so eindeutig sind wie seine

Linien, die er zu zeichnen pfl egte. Zum Beispiel diesen:

„Design muss ehrlich sein.“ Oder: „Das, was unsere

Produkte zeigen, ist das, was sie können.“ Für Professor

Ferdinand Alexander Porsche ist Design mehr als

nur bloße Form. Vor allem aber ist Design für ihn nie

Mode, bunt, schrill oder Selbstzweck. Und auch, wenn

er sich wie alle anderen Familienmitglieder bereits Anfang

der 70er Jahre aus dem operativen Geschäft des

Unternehmens zurückzog, so bestimmt seine kompromisslose

Linie bis heute jede Form, die den Namen

Porsche trägt – vom Fahrzeug bis zum Kugelschreiber,

von der Kaffeemaschine bis zum Chronograph. Im

Dezember feierte Ferdinand Alexander Porsche seinen

75. Geburtstag. Die Konzentration aufs Wesentliche

hat auch vor ihm selbst nicht haltgemacht. Die ganze

Welt nennt ihn nur F. A. Porsche.

Viele halten F. A. Porsche, vielfach geehrt und ausgezeichnet,

für einen Puristen. Andere halten ihn schlicht

für genial. Den Dingen, die er schuf, wird stets eine

zeitlose Eleganz bescheinigt. Dass die Funktion die

Form bestimmt, ist für ihn nie eine Fessel gewesen,

sondern Freiraum, den es kreativ zu füllen gilt. Dass

Alles Porsche

Vater Ferry und Sohn F. A. vor dem Bild

des Großvaters Ferdinand (1960)

die Nüchternheit, mit der er Ideen umsetzt, stets zu unverhohlener

Begeisterung führt, ist das eigentlich Faszinierende

an seinen Arbeiten. Als er 1963 den ersten,

„seinen“ Porsche 911 (der damals noch Porsche 901

hieß) vorstellte, begründete er die weichen runden

Formen so: „Ich wollte ein total neutrales Auto schaffen,

ohne Schnickschnack.“ Total neutral – das ging

gründlich daneben. Noch heute, fast 50 Jahre später,

ist der Elfer in nur leicht modifi zierter Form noch immer

eines der emotionalsten Fahrzeuge, das die Automobilindustrie

je hervorgebracht hat. Dabei ist F. A.

Porsche nicht nur der Vater des Elfers. In den 60er Jahren

designte er auch alle Porsche-Rennwagen wie den

Porsche 804 für die Formel 1 und vor allem den Porsche

904 Carrera GTS, der unter Automobilfans als

einer der schönsten Rennwagen aller Zeiten gilt.

Die Erkenntnis, dass Design immer auch mit Technik

zu tun hat, reifte bei F. A. Porsche schon früh. Er wurde

am 11. Dezember 1935 als ältester von vier Söhnen

von Dorothea und Ferry Porsche geboren. Als Kind

verbrachte er bereits viel Zeit in den Konstruktionsräumen

und Entwicklungswerkstätten seines Großvaters

Ferdinand Porsche. 1943 siedelte die Familie mit

dem gesamten Unternehmen nach Österreich um, wo

Zeichenlehre

F. A. Porsche zieht die

Linien für den 904

Carrera GTS (1963)

„Funktionale Produktgestaltung

entsteht aus dem sinnvollen Zusammenspiel zwischen

Tradition und Hightech.“

75

Jahre

Ferdinand Alexander

Porsche

Exklusivbrille (1978)

Sie wurde eine der erfolgreichsten

Sonnenbrillen der

Welt. 30 Jahre später legt

Porsche Design die Pilotenbrille

neu auf. Das Modell

P’8478 verbindet die charakteristische

Optik der siebziger

Jahre mit dem zeitgemäßen

Hightech-Material Titan.

Dadurch ist sie besonders

leicht, fl exibel und stabil. Sie

hat Wechselgläser aus bruchfestem

Polycarbonat.


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Pfeife (1983)

Christophorus 348

Auffallend sind die parallel

angeordneten Kühlrippen. Hier

wurde die Kühlrippen theorie

von Motorradmotoren angewendet.

Das System sorgt

für kühlen Rauch und steigert

so den Rauchgenuss –

denn kühler Rauch lässt das

Aroma des Pfeifentabaks

voll zur Geltung kommen.

„Grundlage meiner Designarbeit ist eine ganz

spezifi sche Auff assung von Freiheit. Diese verlangt, alle

Dinge prinzipiell in Frage stellen zu können und mit dem

dadurch geschaff enen Freiraum konsequent und

verantwortungsbewusst umzugehen.“

75

Jahre

Ferdinand Alexander

Porsche

„Gute Qualität zeigt sich in der Langlebigkeit der Produkte.

Die Basis dafür ist eine solide und perfekte Verarbeitung.“

F. A. Porsche in Zell am See zur Schule ging. Nach der

Rückkehr nach Stuttgart machte er 1950 an der Waldorf-Schule

sein Abitur und ging an die Hochschule

für Gestaltung in Ulm. 1958 begann er seine Arbeit im

Konstruktionsbüro bei Porsche und machte sich mit

der Gestaltung einzigartiger Sport- und Rennwagen

einen Namen.

Auch nach der Umwandlung der Porsche KG in eine

Aktiengesellschaft und dem damit verbundenen Ausstieg

aller Familienmitglieder aus dem operativen Geschäft

im Jahr 1971/72 blieb F. A. Porsche dem Unternehmen

eng verbunden. Als Gesellschafter und Aufsichtsrat

begleitete er die Dr. Ing. h.c. F. Porsche AG

über viele Jahre, von 1990 bis 1993 war er gar Aufsichtsratsvorsitzender.

Im Jahr 2005 übergab er sein

Mandat als Aufsichtsrat an seinen Sohn Oliver und

übernahm den Ehrenvorsitz.

Seine Leidenschaft galt in all den Jahren aber immer

dem Design. Bereits 1972 gründete er in Stuttgart

Porsche Design und ging zwei Jahre später mit seinem

Unternehmen nach Zell am See. Der Ort seiner Jugend,

mit Blick auf den See und die Dreitausender

Kitzsteinhorn und Großglockner, war ihm Inspiration

und Freiraum zum Nachdenken. Dort entwarf er in

den folgenden Jahrzehnten zahlreiche klassische

Herren-Accessoires wie Uhren, Brillen und Schreibgeräte,

die unter der Marke Porsche Design international

bekannt wurden. Bereits 1972 sorgte er für großes

Aufsehen, als er die weltweit erste schwarze Armbanduhr

gestaltete. Der Chronograph I ist längst ein Klassiker,

ein begehrtes Sammlerstück und ein Paradebeispiel

für seine Philosophie. Denn F. A. Porsche verstand

die Uhr nicht als Schmuckstück, sondern als

Präzisionswerkzeug. Deshalb lehnte er ihr Aussehen

an die Optik refl exionsfreier Rennwageninstrumente

an. Der Chronograph I besitzt ein mattschwarzes Zifferblatt.

Zur besseren Lesbarkeit ist die Beschriftung

weiß, Zeiger und Stabindizes sind mit weißer Leuchtmasse

gefüllt. Für viele internationale Auftraggeber

gestaltete er mit seinem Team zudem eine Vielzahl an

Industrieprodukten, Gebrauchsgütern und Haushaltsgeräten.

2003 gründeten F. A. Porsche und die weiteren Gesellschafter

von Porsche Design zusammen mit der Porsche

AG die Porsche Lizenz- und Handelsgesellschaft

(PLH), die den Namen Porsche in Bereichen jenseits

des Automobils nutzen soll. Die Marke Porsche

Design steht dabei im Mittelpunkt. Sie hat sich in den

vergangenen Jahren zu einer der weltweit führenden

Luxusmarken mit eigenem Vertriebsnetz entwickelt.

Das Porsche Design Studio besteht immer noch in Zell

am See. Es ist größer, mit Beton und Glas auffälliger

geworden und hat sich, ganz im Sinne des Gründers,

weiterentwickelt. Die Nachfolger von F. A. Porsche

wagen sich in immer neue Bereiche vor. Sie bieten neben

Brillen und Uhren auch Schuhe an. Sie kreierten

die Küche für Männer. Sie entwerfen Luxusyachten,

sie gestalteten das Innenleben eines Luxus-Katamarans.

Die neuen Seilbahngondeln der Schmittenhöhebahn

bei Zell am See kommen von Porsche, ebenso die

1993 in Betrieb genommene Wiener Niederfl urstraßenbahn

„ULF“. Eines aber wird sich wohl nie ändern:

Das Büro von F. A. Porsche im Design Studio ist

unberührt geblieben und sieht aus wie eh und je.

Christophorus 348 Seite 45

Was fürs Auge

Ferdinand Alexander

Porsche zeichnet eine

seiner legendären

Sonnenbrillen


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Christophorus 348

PORSCHE DESIGN STUDIO

DIE ZEHN

GEBOTE

Wenn Roland Heiler nach der Arbeitsweise in Zell am

See gefragt wird, nimmt der Chef des Porsche Design

Studios gern den Kugelschreiber TecFlex P’3110 als

Beispiel. Als Außenhaut dient ein Öldruckschlauch,

ein technisch inspiriertes Material. TecFlex korrodiert

nicht und sorgt somit für Langlebigkeit und eine außergewöhnliche

Haptik. Die Flexibilität des Materials

wird für die Funktion des Kugelschreibers genutzt,

also das Ein- und Ausfahren der Miene. Heiler: „Kein

Schnickschnack, keine modischen Trends, immer

glaubwürdig.“

Die Regeln sind klar, die Ansprüche hoch. Das Porsche

Design Studio steht von jeher für das Besondere, gerade

zeitlich ist da kein Limit gesetzt. „Wir wollen langlebige

Produkte schaffen“, sagt Heiler, „die der Vater

einmal seinem Sohn vererben soll.“ Nach welchen Kriterien

das zu geschehen hat, legte Firmengründer F. A.

Porsche einst fest. Im Studio in Zell am See wurde alles

aufgeschrieben. Intern heißen die Richtlinien „die

zehn Gebote“. Die muss jeder kennen, einengen sollen

sie niemanden. Der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt.

Es gibt auch praktisch kein Produkt, das sich

nicht im Porsche-Sinne gestalten ließe. Selbst ein

Zahnarztstuhl war schon dabei. Jetzt droht gar die

stark auf Männer orientierte Welt zu bröckeln. Heiler:

„Wir denken darüber nach, weil viele Frauen unsere

Produkte attraktiv fi nden.“ Um die Linie des Hauses

zu halten, wird seit Jahren eine systematische Nachwuchsförderung

betrieben, indem Praktikanten und

Diplomanden stilsicher an den Arbeitsalltag herangeführt

werden. Immer begleitet von erfahrenen Kräften

aus dem Studio. Ein Zusammenspiel von Innovation

Zeitloses, ehrliches Design im Sinn von

F. A. Porsche gilt bis heute als Maxime im

Porsche Design Studio. Chef Roland Heiler und

sein Team wollen in Zell am See keine reinen

Produkte, sondern Lebensbegleiter schaff en.

und Tradition. Bei seiner Gastprofessur in Graz arbeiten

Heilers Studenten an der Aufgabenstellung „das

ultimative Porsche-Design-Produkt“. Vom Sportbogen

bis zum Astronautenhelm wird alles versucht.

Dass all die unterschiedlichen Aktivitäten zusammen

mit den Porsche-Fahrzeugen ein harmonisches Design-Bild

ergeben, steht für Heiler außer Frage: „Die

Gemeinsamkeiten zwischen uns und den Autodesignern

von Style Porsche bestehen ja nicht in der Form

unserer Produkte, sondern in der Vorgehensweise.“

Foto: Bernd Kammerer

Das Spektrum

erweitern

Roland Heiler, Chef

des Porsche Design

Studios, mit einer

Schuh-Kreation

von Porsche Design

„Wenn man die Funktion

einer Sache überdenkt, ergibt sich die Form

manchmal wie von allein.“

75

Jahre

Ferdinand Alexander

Porsche

Christophorus 348 Seite 47

TecFlex (1999)

Die Schaftausführung

besteht aus einem Edelstahlgefl

echt. Dieser TecFlex-

Schlauch, der auch im Hochleistungsmotorenbauverwendet

wird, sorgt für eine

einzigartige Teleskop-Mechanik.

Zudem zeichnet sich

das TecFlex-Material durch

Elastizität, Verschleißfestigkeit

und Korrosionsstabilität

aus.


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Mobiltelefon (2007)

Christophorus 348

Das Gehäuse des P’9521 wird

aus einem Aluminiumblock

gefräst – einzigartig für Mobiltelefone.

Dank eines doppelten

Aluminiumscharniers lässt sich

der Bildschirm um 180 Grad

drehen. Ein Sensor liest Fingerabdrücke

– so kann sich der

Nutzer legitimieren. Zusätzlich

können Abdrücke einzelner

Finger Rufnummern oder Funktionen

zugeordnet werden.

„Design ist die Verbindung

emotionaler und rationaler Elemente, von Kultur

und Zivilisation, Kunst und Technik.“

75

Jahre

Ferdinand Alexander

Porsche

STYLE PORSCHE

MODERNE

KLASSIKER

Über Preise durften sich die Stylisten von Porsche in

den vergangenen Jahren immer wieder freuen. Eine

Auszeichnung hat Michael Mauer, Chef-Designer von

Porsche, aber besonders stolz gemacht. Der neue

Cayenne wurde vom Springer-Verlag zum „Klassiker

der Zukunft“ gewählt. „Das ist doch das, was sich jeder

wünscht“, sagt Mauer, „ein neues Fahrzeug auf

den Markt zu bringen, das sofort als Klassiker eingestuft

wird.“

Zeitloses Design, aber faszinierend, funktional, aber

überraschend, stets als neu erkennbar, aber ohne modische

Effekthascherei, modellspezifi sch, aber markentypisch

– bei Style Porsche in Weissach schafft man den

Spagat immer wieder mit klaren Linien, die der schriftlich

festgelegten Design-DNA des Hauses folgen. Und

die hat ihren Ursprung im Klassiker schlechthin: dem

911. Seine Form bestimmt bis heute, was ein Porsche in

Bezug auf Linienführung, Proportionen und bestimmte

Stilelementen unverwechselbar bieten muss. „Da

F. A. Porsche der Vater des Elfers ist, steckt in jedem

Porsche noch eine ganze Menge von ihm“, sagt Mauer.

Und nicht nur deshalb: Den Satz von F. A. Porsche, dass

die Produkte das zeigen, was sie auch können, fi ndet

Mauer „genial“. Und ein „ehrliches Design“ möchte er

auch den aktuellen Modellen bescheinigen. Denn selbst

wenn es im modernen Autodesign und im Kampf um

eine kompromisslose Markenidentität nicht immer nur

um die reine Funktionalität gehen kann, so gilt für den

Chef von Style Porsche: „Wir bauen Fahrzeuge, deren

Spitzengeschwindigkeit zum Teil weit über 300 km/h

erreicht. Wenn wir Lufteinlässe gestalten, dann haben

sie in aller Regel auch eine wichtige Funktion. Zudem

In jedem neuen Porsche steckt noch viel

von F. A. Porsche. Für Michael Mauer, Chef

von Style Porsche in Weissach, ist das eine

Frage der Philosophie. Denn der 911 dient als

Basis für die Design-DNA der Marke.

bieten wir feingliedrige Felgen. So demonstrieren wir

Leichtbau, und wir können die Bremsen zeigen, also das

hohe Sicherheitspotenzial der Fahrzeuge.“ Wer bei

Style Porsche arbeite, so der Chef, müsse die Gratwanderung

beherrschen und immer neue Stilelemente einbringen,

ohne eine Revolution durchzuführen.

Klassisch darf es bei Michael Mauer auch privat sein.

Toaster und Kaffeemaschine von Porsche Design hat

er schon, den Chronograph I sucht er seit Jahren: „Die

schwarze Uhr war damals einfach ein Hammer.“

Christophorus 348

Foto: Bernd Kammerer

Seite 49

Zwischen Ursprung

und Zukunft

Michael Mauer, Chef

von Style Porsche, mit

dem Modell des

Ur-Elfers

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