Oktoberfest Oktoberfest - bei Polizeifeste.de

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Oktoberfest Oktoberfest - bei Polizeifeste.de

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LIZEI

EIN ARTNER

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Regionalgruppe

Steinburg-Dithmarschen

Gewerkschaft der Polizei

Oktoberfest

Sonnabend

2. Oktober 2010

im Colosseum in Wilster


www.VDPolizei.de

02.10.2010,

20.00 Uhr

Colosseum

in Wilster

POLIZEI -

Gewerkschaft der Polizei

Regionalgruppe

Steinburg-Dithmarschen

DEIN PARTNER

Oktoberfest

im Colosseum

Impressum

Verantwortlich für den redaktionellen Teil:

xxxx Klauspeter Damerau, Itzehoe

Fotos: Die Verfasser

www.photocase.com

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Bodo Andrae, Joachim Kranz

Anzeigenleiterin: Antje Kleuker

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Satz und Druck:

DTP OKS & Druck GmbH, Düsseldorf & Co. KG, Düsseldorf

© 2010

Grußworte

Programm

Artikel

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05/2010/103

VERLAG DEUTSCHE POLIZEILITERATUR GMBH

Anzeigenverwaltung


Grußwort

Der geplante Rahmen des Festes

ist für unsere Breiten wohl eher ungewöhnlich.

Aber gerade darin liegt

der Reiz. Zudem werden sicherlich

noch nicht allzu viele das „richtige“

Oktoberfest besucht haben.

Liebe Kolleginnen und Kollegen, Angehörige

sowie Freunde der Polizei

Die im Polizeikreis geborene Idee eines

Oktoberfestes“ finde ich richtig gut und

unterstütze ausdrücklich das damit verbundene

Vorhaben, mit möglichst vielen

Aktiven und deren Partner unserer Behörde

sowie benachbarter Arbeitsbereiche

eine besonders schöne Seite des kommenden

Herbstes herauszustellen.

Der geplante Rahmen des Festes ist für

unsere Breiten wohl eher ungewöhnlich.

Aber gerade darin liegt der Reiz. Zudem

werden sicherlich noch nicht allzu viele

das „richtige“ Oktoberfest besucht haben.

Ihnen und mir wünsche ich eine riesengroße

Zahl an Anmeldungen aus allen Feldern

unserer Arbeit für den Bürger.

Die Voraussetzungen sind gut, da es den

Initiatoren gelungen ist, einerseits alle

gewerkschaftlichen Organisationen für

die Idee zu gewinnen und andererseits

mit dem Fest den persönlichen und

fachlichen Verbund mit Feuerwehr, Justiz,

Zoll und Rettungswesen zu unterstreichen.

Nutzen Sie die Gelegenheit in gemütlicher

Atmosphäre den anstrengenden Alltag

hinter sich zu lassen und „bei Speis und

Trank“ ein wenig abzuschalten.

Ich freue mich darauf und hoffe, möglichst

viele aus unseren Reihen am 2. Oktober

im Colosseum mit einem Grußwort begrüßen

zu können…

Dieter Böckel

Leiter der Polizeidirektion Itzehoe

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Programm

Gewerkschaft der Polizei

Regionalgruppe Steinburg-Dithmarschen

Programm

KOLPING-KAPELLE

AUS SCHÖNAU A.D. BREND/BAYERN

In Schönau an der Brend in Nordbayern ist die Kolping-Kapelle zu Hause, die dem nordbayrischen

Musikverbund angehört. Die 45 aktiven Mitglieder spielen in kleinen Gruppen zusammen

oder treten als großes Blasorchester bei besonderen Anlässen WIE Oktoberfesten auf.

Ihr breit gefächertes Repertoire von Marschmusik, Heimatmelodien und deutschen Schlagern

lassen jede Feier gelingen. Darüber hinaus verstehen die Musiker mit ihren spaßigen Einlagen,

ganze Festsäle zu begeistern und das Publikum mitzuziehen.

Zum ersten Male ist es gelungen, die Nordbayern zu überreden, dass sie statt in der Heimat im

hohen Norden zum Oktoberfest aufspielen. Sie haben versprochen, den urtypisch bayrischen

Brauch und ihre stimmungsvolle Blasmusik in das Colosseum nach Wilster zu transportieren.

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Colosseum

COLOSSEUM IN WILSTER

Die Gewerkschaft der Polizei unterstützt das Oktoberfest im Colosseum zu Wilster, um einmal mit allen „Blaulichtern“ die breite

Öffentlichkeit anders zu begegnen. Gemeinsam wollen wir an einem Abend ausspannen und gemeinsam feiern.

In der alten ehrwürdigen Stadt Wilster befindet sich der größte Saal des Kreises Steinburg, der genügend Platz für ein Oktoberfest mit

einer echten bayerischen Blaskapelle bietet.

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All inclusive

ALL INCLUSIVE

Die Gewerkschaft der Polizei hat mit den anderen Berufsorganisationen alles Bestens organisiert und

bietet ein Allround-Paket für 25 Euro pro Person an.

Eine echte Blaskapelle aus dem tiefsten Bayern mit 35 Musikern wird bis spät in die Nacht aufspielen

und das Colosseum zum Bersten einheizen.

„Tanz op de Deel“ ist genauso gefordert wie das Schunkeln auf den langen Sitzreihen.

Für Überraschungen sind die Eidgenossen immer gut. Ob der schönste Bart kreiert werden kann oder

der Schnellste beim Baumstammsägen gefunden wird, bleibt den Könnern überlassen, die einiges auf

der Palette haben.

Im Preis sind ein deftiger bayerischer Spießbraten mit Sauerkraut und vielerlei Beilagen

sowie drei Getränkegutscheine enthalten, die zusammen eine echte Maß Bier beinhalten oder für andere

Getränke gesplittet werden können.

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Oktoberfest

WIR SIND SCHON DABEI

„Als Insider war es einfach, die ersten Eintrittskarten zu ergattern“, sagten freudig Rosi und Lara, die für die Fotoaufnahmen

Modell standen.

Beide haben bereits die Eintrittskarten für das „All-Inclusive-Paket“ erhalten und wollen pünktlich um 19.30 Uhr zum Einlassbeginn

im Colosseum sein, um mit Freunden geschlossen an einem Tisch zu sitzen. Platzkarten oder Reservierungen sind nicht vorgesehen.

Um 20 Uhr wollen die Musiker der Kolpingkapelle aus Schoenau zum ersten Mal auf die Tube hauen und das Oktoberfest eröffnen.

Die Eintrittskarten gibt es im Vorverkauf, solange der Vorrat reicht. Am besten ist es, mit einem der beiden Vorsitzenden Klauspeter

Damerau [Telefon 04821/ 602-2004] oder Sönke Behrmann [0481/94359 oder Handy 0179-299 66 83] zu telefonieren, damit

ein verlässlicher Termin für die Abholung der Eintrittskarten vereinbart werden kann.

Die letzten Karten mit dem All-Inclusive-Paket werden nur bis Freitag, den 24. September 2010 verkauft. Sollten nicht alle Karten

vergriffen sein oder werden aufgrund persönlicher Umstände Karten zurückgegeben, können auch am Abend des Oktoberfestes

Billets zu 15 Euro erworben werden, die weder Spießbraten noch Getränkegutscheine beinhalten.

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Karin Lange

Amoklauf

AMOKLAUF

Auswirkungen auf Betroffene und Mitmenschen

Unmittelbar nach dem Ereignis eines Amoklaufes „reichen die Reaktionsmöglichkeiten

von Erstarren über Taubheit bis zur Tobsucht“, sagt Robert Bering,

leitender Arzt am Zentrum für Psychotraumatologie am Krefelder Krankenhaus

Maria-Hilf. Es kann auch vorkommen, dass sich manche Menschen erst einmal

überhaupt nichts anmerken lassen. Häufig ist das erste Symptom das, was

Mediziner als „dissoziativen Zustand“ beschreiben.

Die Überlebenden dieser Schreckenstat

schildern oft, dass sie auf das gesamte

Ereignis blicken können, andererseits

sagen sie auch, dass sie nur die Farbe Rot

gesehen hätten, erklärt Bering. Außerdem

klagen sie über Erinnerungslücken,

manchmal trete das Gefühl auf, als sehen

sie alles in Zeitlupe. Fast gleichzeitig, es

tritt jedoch erst nach einigen Tagen oder

Wochen auf, leiden die meisten Betroffenen

unter Schlaf- und Konzentrationsstörungen,

Hyperaktivität, Flashbacks (Rückblenden),

Albträumen und Angstzuständen.

Um Panik auszulösen reicht es völlig

aus, wenn eine Person auftaucht, die

dem Amokläufer ähnelt oder die eine

Bewegung ausführt, die der Täter ebenfalls

gemacht hat, beschreibt Hartmut Jatzko.

Der Trauma-Experte betreute unter

anderem bereits die Schüler des Erfurter

Gutenberg-Gymnasiums und die Überlebenden

der Tsunami-Katastrophe. Klingen

diese Symptome nach etwa vier

Wochen nicht ab, sondern sie verschlimmern

sich sogar noch und zwar in der

Form, dass sich ein Schüler gar nicht mehr

aus dem eigenen Haus traut, ist die Rede

von einer posttraumatischen Belastungsstörung;

nach weiteren drei Monaten wird

sie als chronisch bezeichnet.

Jeder dritte Mensch entwickelt, laut Statistik,

eine solche posttraumatische

Belastungsstörung sagt Miriam Köhler

von der Traum Transform Consult, die

sich an der Erstbetreuung der Überlebenden

beteiligte. Mit der Dauer des

Ausnahmezustandes und mit der

Bekanntheit des Täters steigt jedoch die

Wahrscheinlichkeit, an einer posttraumatischen

Belastungsstörung zu erkranken.

Der Amoklauf von Tim Kretschmer

dauerte insgesamt rund drei Stunden.

Der Täter besuchte bis 2008 selbst die

Schule.

Was den Amoklauf in Erfurt betrifft, so

war zum Beispiel der größte Teil der über

600 Schüler und Lehrer ein Jahr später

noch in Therapie. Unter Anleitung vom

Trauma-Experten Hartmut Jatzko lernen

die Überlebenden die Kontrolle über die

Bilder zu bekommen, die immer wieder

in ihren Köpfen auftauchen. Mit zum Beispiel

schnellen Augenbewegungen können

sie die Eindrücke löschen. Andere

wiederum lenken sich mit Rechenübungen

ab, um scheinbare Gefahrensituationen

bewältigen zu können; auch bestimmte

Bewegungen oder Körperhaltungen

können den Betroffenen helfen, sich sicherer

zu fühlen.

„Letztendlich können Betroffene nur lernen,

mit dem Trauma zu leben“, so Jatzko. „Das

Ereignis lässt sich nicht wegtherapieren.“ In

bestimmten Hirnkernen werden derartige

Extremsituationen mit anderen prägenden

Erfahrungen gespeichert, die überlebensnotwendig

sind. Sobald sich ähnliche

Umstände ergeben, werden sie reflexartig

angerufen. Viele Überlebende des Erfurter

Amoklaufs, bemerkte eine Sprecherin

des Gutenberg-Gymnasiums, würden

durch Tim Kretschmer sicherlich „wieder

rückfällig werden.“

Können Eltern die Taten

ihrer Kinder verhindern

Seite an Seite sitzen Christel und Günter

Steinhäuser in ihrem Wohnzimmer. Ein

Jahr nach Erfurt, ein Jahr nach dem Amoklauf

ihres Sohnes Robert durch die Flure

des Gutenberg-Gymnasiums. Christel und

Günter Steinhäuser versuchen darzustellen,

wie schwierig und unmöglich es sei,

um den eigenen Sohn zu trauern nach

solch einer Tat. Wie sollen wir trauern,

wenn die ganze Stadt mit den Angehöri-

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Amoklauf

Karin Lange

gen leidet Sie leiden mit den Opfern des

Sohnes, der als Mörder starb. Wie soll das

alles gehen, wenn die Welt eine Welt der

Experten ist, alle geben Ratschläge und

alle sehen, was vorher niemand sah

Christel und Günter Steinhäuser wissen,

was die Kretschmers fühlen. Wie bewältigen

Eltern danach ihr Leben Die Steinhäusers

erläutern, wie sie täglich, „morgens

nach dem Aufwachen“ und „abends vor

dem Einschlafen“, nach Fehlern suchen,

nach verpassten Chancen oder nach überhörten

Andeutungen. Frau Steinhäuser

erinnert sich: Einmal habe Robert gesagt,

es hat alles keinen Sinn. Darauf entgegnete

seine Mutter: „Was redest Du für einen

Quatsch“ Was wäre gewesen, wenn sie

in jener Sekunde anders reagiert hätte Die

immer wiederkehrende Frage: „Was wäre,

wenn...“ Diese Frage lässt die Steinhäusers

nicht zur Ruhe kommen; diese Frage

werden sich auch die Kretschmers stellen.

Provozierend formuliert: Hätten Eltern die

Taten ihrer Kinder verhindern können

Joachim Bensel, Verhaltensbiologe im

baden-württembergischen Kandern sagt,

es sei normal, „dass Jugendliche in der Pubertät

für ihre Eltern scheinbar unerreichbar werden.

Pubertierende tauchen ab in Innenwelten,

von denen Eltern nichts ahnen.“ Aus

der Sicht der Entwicklungspsychologie

betrachtet, ist das folgerichtig: Pubertät

bedeutet Ablösung – dazu gehören

Geheimnisse und Rebellion. Eltern verlieren

in dieser Zeit den Überblick über Nöte,

Fragen und all die Leidenschaften, die ihre

Kinder bewegen, wenn es schlecht läuft.

„Verläuft die Entwicklung gut, haben sich vom

ersten Tag an die Eltern antrainiert, ihr Kind

zu beobachten und zu verstehen“, erklärt

Gabriele Haug-Schnabel, Leiterin der verhaltensbiologischen

Forschungsgruppe in

Kandern. Die Jugendlichen geben selten

eindeutige Signale: Sie stecken mitten in

diesem elementaren Selbstfindungsprozess,

sie ringen um eine Identität und in

ihrem Kampf um eine größtmögliche

Unabhängigkeit sind sie doch so verunsichert,

dass sie unbedingt Orientierung und

Zuspruch, Geborgenheit und Anerkennung

brauchen. Vor allem viel davon. „Sie

zelebrieren Coolness um jeden Preis, um emotional

unangreifbar zu bleiben. Gleichzeitig

wollen sie in den Arm genommen werden“,

beschreibt Haug-Schnabel die heikle

Gemütsverfassung. Reagieren Mütter und

Väter verletzt, meinen sie ihre Kinder seien

undankbar, somit wächst das Missverständnis.

Auch die Angst vor der Zukunft

steigt mit zunehmender Pubertät. Die Verhaltensforscherin

Christiane Tramitz fand

in einer Studie heraus, dass männliche

Jugendliche wie Tim darauf eher mit

Resignation und Depression reagieren.

Fast alle 14- bis 15-Jährigen, mit denen

die Verhaltensforscherin sprach, leiden

unter diffusen, wellenartigen Depressionen.

„Viele malen sich ihre eigene Beerdigung

aus.“ Dieses sei der Spiegel einer „unglaublichen

Sehnsucht nach Liebe.“ Ein Moment

der Rache stecke darin: „Jetzt bestrafe ich

euch dafür, dass ihr mich nie verstanden

habt.“

Auch diese anstrengenden Gemütszustände

während der Pubertät sind natürlich

Ausdruck von Aktivität im Gehirn, wie

jedes andere Verhalten. Das Gehirn erfährt

nun einen zweiten großen Reifeschub, der

im Idealfall dazu

führt, dass sich ein

Mensch sozial angemessen

verhalten

kann. Das Geflecht

der neuronalen Netze

wird auf dem Weg

dorthin neu geordnet. Die Folge ist ein

Chaos auf der Baustelle: Die Amygdala,

eine Art Gefühlszentrum im Gehirn, benötigt

jetzt stärkere Reize, um Erlebnisse als

positiv zu bewerten; gleichzeitig kann sie

negative Gefühle schlechter kontrollieren.

Wenn Eltern es jahrelang

versäumen ihr Kind

wahrzunehmen...

„Jetzt bestrafe ich euch

dafür, dass ihr mich nie

verstanden habt.“

Das Dilemma aller Erziehung benennt die

Verhaltensforscherin Tramitz so: „Eltern

haben während der Pubertät einen Balanceakt

zu bewältigen: Sie müssen einerseits die

Grenzen ihrer Kinder akzeptieren, aber andererseits

dürfen sie sich nicht zurückziehen.“

Wichtig ist es in diesem Zusammenhang,

dass Eltern ihren Söhnen und Töchtern

vor allem gegen Ende der Pubertät eine

neue Art von Beziehung anbieten und

zwar: „Kein erzieherisch-pädagogisches, sondern

ein emotional begleitendes und unterstützendes

Verhältnis.“ Entscheidend ist,

dass Jugendliche es spüren, dass ihre

Eltern sie trotz aller Überwerfungen als

wertvoll schätzen.

In Verbindung mit einem Amoklauf lassen

sich nicht und schon gar nicht ausschließlich

die Abgründe der Pubertät verantwortlich

machen. Die Verhaltensbiologin

Gabriele Haug-Schnabel ist davon

überzeugt. „Kein Jugendlicher schießt um

sich, weil sein Leben plötzlich durcheinandergerät

und er sich gerade schlecht mit den Eltern

versteht“, ergänzt sie.

In der Regel hätten Eltern von Amokläufern

jahrelang versäumt wahrzunehmen,

ob ihr Kind glücklich sei. Das bedeutet:

Ob das Kind Freunde und Hobbys habe,

Ideen für die Zukunft, einen Platz in der

Welt. Laut Aussage von Haug-Schnabel

sei ein Amokläufer vorher mit absoluter

Sicherheit durch ein Netz gefallen; niemand

habe bemerkt, was dem Kind fehle,

weder Eltern, Großeltern noch Erzieher

oder Lehrer.

Die psychologischen Gutachten zeigten bei

den meisten jungen Amokläufern in den

USA, dass diese Einzelgänger

gewesen

seien. Das heißt, sie

waren nicht geschätzt

und sozial beschämt.

Soziale Beschämung

verarbeitet unser

Gehirn als Schmerz. Ängste und Qualen

werden verursacht, wenn ein Mensch nirgendwo

richtig dazugehört. Tim habe sich

wahrscheinlich am Ende in seiner Einsamkeit

so lange ins Unrecht gesetzt gefühlt,

dass er Recht und Unrecht selbst gestalten

wollte. Nur dieses eine Mal.

In diesem Stadium einen Täter zu stoppen

ist schwierig. „Wenn sie sich entschieden

haben, kommt man kaum noch an sie heran“,

sagt der Berliner Entwicklungspsychologe

Herbert Scheithauer. „Die befinden sich

in einem Jagdmodus kalter Wut und töten ohne

Mitleid“, sagt der Darmstädter Kriminalpsychologe

Jens Hoffmann.

In dem Zusammenhang stellt sich die Frage:

Kann sich ein Mensch Mitleidlosigkeit

antrainieren Killerspiele sind zumindest

für labile Jugendliche ein Risiko. Der

amerikanische Militärpsychologe Dave

Grossman, der Soldaten für den Kampf

ausbildete, sagt, dass Spiele wie „CounterStrike“

jenen Videosimulatoren glichen,

die von der US-Armee eingesetzt werden,

um die Treffsicherheit zu erhöhen und

gleichzeitig Hemmungen vor dem Töten

abzubauen.

Den Abstumpfungseffekt belegen Experimente

amerikanischer Forscher: Mit deutlich

weniger Mitgefühl reagieren Probanden

auf Bilder realer Gewalt, die ein Bal-

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Karin Lange

Amoklauf

lerspiel gespielt hatten, im Vergleich zu

Versuchsteilnehmern, die passiv einen

brutalen Film geschaut oder eine brutale

Geschichte gelesen hatten. Der hannoversche

Kriminologe Christian Pfeiffer

sagt hierzu: „Das ist ein systematischer

Desensibilisierungsprozess“; fortführend

bemerkt er: „Killerspiele sind ein Risikoerhöhungsfaktor“.

Die meisten Amokläufer

senden vor der Tat Signale aus

Vor der Tat senden die meisten Amokläufer

Signale aus, die im Rückblick als Warnungen

gedeutet werden müssen. Katastrophen

könnten vielleicht verhindert

werden, würden diese Warnungen rechtzeitig

erkannt. Der Berliner Psychologe

Scheithauer untersucht in einem Forschungsprojekt

das Phänomen des sogenannten

Leakings, des Durchsickerns von

Tatphantasien. Scheithauer und sein

Team untersuchen systematisch die

Amokläufe an deutschen Schulen und

vergleichen diese mit Fällen in den USA.

Scheithauer weist darauf hin, dass viele

Täter bereits vorher durch ihr bizarres

Verhalten auffallen, wie zum Beispiel

Anspielungen und Drohungen oder martialische

(kriegerische) Videos im Internet.

Irgendwann soll aus den zugrundeliegenden

Daten ein Kommunikationssystem

entwickelt werden können, das

Eltern, Schulen und Polizei ermöglichen

wird, grenzüberschreitende bzw. kritische

Fälle rechtzeitig zu identifizieren.

Ein Online-Programm, bestehend aus

Ermittlungsakten und Fallstudien, hat

bereits der Kriminalpsychologe Jens

Hoffmann entwickelt, welches eine

Erleichterung für Lehrer, Schulpsychologen

und Polizeibeamten sein soll, damit

sie verhaltensauffällige Schüler richtig

einschätzen. In Verbindung mit dem Programm

werden Informationen über solche

Schüler mit den Daten früherer

Amokläufer verglichen und bewertet, wie

wahrscheinlich eine Gewalttat tatsächlich

ist. Was die Fälle anbelangt, die von

den Wissenschaftlern durchleuchtet werden,

gleichen sich diese auf eine ziemlich

unheimliche Weise. Hoffmann stellt heraus,

dass es die „Nachahmereffekte“ sind.

„Junge Männer, die sich wertlos fühlen und

Konflikte in sich hineinfressen, sehen in einem

Amokläufer das Vorbild des großen Kriegers.“

Die ersten Verehrungsvideos habe es

bereits am Abend nach dem Amoklauf im

Internet gegeben, bemerkt Hoffmann.

Demzufolge steigt das Amokrisiko nach

jeder Tat deutlich an.

Entscheidend ist es, durch eine frühe Prävention

in Kindergärten und Schulen

dafür zu sorgen, dass kein Kind zum

Außenseiter wird. Die Verhaltensbiologin

Gabriele Haug-Schnabel meint hierzu:

„Niemand darf dauerhaft am Rand stehen.

Solche Kinder verbergen ihre Scham lange

und lassen sich alle erdenklichen Demütigungen

gefallen. Und irgendwann halten sie

den Druck nicht mehr aus.“

In jener Turnhalle, in der Tim Kretschmer

im vergangenen Sommer sein Abschlusszeugnis

überreicht bekam, steht nun

Astrid Hahn, Schulleiterin der Albertville-Realschule.

Sie erinnert sich an einen

jungen Menschen, der im ersten Durchgang

alle Prüfungen bestanden hatte. „Er

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Amoklauf

Karin Lange

war ein völlig unauffälliger Schüler“, stellt

sie fest. Schüler und Lehrer verbrachten

am Mittwoch die Stunden nach dem Massaker

in dieser Turnhalle. Sie selbst habe

das Massaker nicht hautnah miterlebt.

Eine Lehrerin meldete sich bei ihr per

Handy aus einem Klassenzimmer. „Hier

schießt einer, bin getroffen“, sagte die Lehrerin.

Als sie zum Tatort kam, sei es so

grausam gewesen, was sie dann sah; all

die Spuren des Massakers, sagt Astrid

Hahn. Danach nennt sie konzentriert drei

Schritte, die sie sich überlegt habe. Sie

wird die Eltern informieren, gemeinsam

mit den Psychologen; dabei geht es

darum, wie man mit traumatisierten Kindern

umgeht. Psychologen standen am

Wochenende in einem Bildungszentrum

zur Verfügung. Es gibt in dieser Woche

keine Schulpflicht, dafür ein Betreuungsangebot,

wieder mit Psychologen. Wenn

die Schule wieder aufmacht, soll sie 12

oder 13 Lehrer mehr haben; das Land

wird bezahlen, was gebraucht wird.

Die psychologische

Betreuung der Betroffenen

dauert mindestens ein Jahr

Was die Angehörigen der Opfer empfinden,

das kann man nur erahnen. Tim Kretschmer

tötete 15 Menschen; ein junger

Mensch, der so viel Hass in sich aufgestaut

hatte, dass es schon wieder unfassbar ist,

wieso so etwas überhaupt erst geschehen

kann. Das bedeutet auch, von nun an müssen

15 Familien mit dem sinnlosen Verlust

eines geliebten Menschen leben, ohne jegliche

Vorwarnung, ohne sich von diesem

Menschen verabschieden zu können. Das

Ausmaß an Leid lässt sich nur erahnen.

Bezogen auf dieses Massaker ist die Zahl

der Schulpsychologen von 50 auf etwa 100

aufgestockt worden. Man will helfen –

irgendwie, denn der Schock lässt die Menschen

zusammenrücken.

Die Betroffenen brauchen, nach Einschätzung

des Deutschen Roten Kreuzes, mindestens

ein Jahr weiterhin eine psychologische

Betreuung. Die Koordinatorin der

Notfallmaßnahmen des DRK, Annette

Kull, schätzte, dass die meisten die akute

Schockphase überwunden hätten. Danach

setzt die Trauer ein; alle seien sehr betroffen

und sehr bewegt, auch die Einsatzkräfte.

„Manche Menschen wollten reden, manche

wollten einfach nur still da sitzen und in

den Arm genommen werden“, berichtet Kull

ihre Eindrücke. Der Leiter des Betreuungseinsatzes

der Polizei, Hartmut Schröppel

erklärt, dass die Familien der Hinterbliebenen

von Teams begleitet würden. Unter

anderem erhielten sie auch Hilfe, was die

Organisation der Beerdigung betrifft.

Jedoch stießen die Betreuer, unter ihnen

befinden sich auch geschulte Kriminalbeamte,

an ihre Grenzen: „Die Belastungen

sind enorm“, sagt Schröppel. Die Helfer

konnten nicht „ausgewechselt“ werden,

weil sich die Angehörigen der Opfer an

sie gewöhnt hatten. Doch die Trauer

beginnt erst.

In Weiler zum Stein fand am 12. März 2009

ein ökumenischer Trauergottesdienst mit

über 1.000 Menschen statt. Die Mehrzahl

der getöteten Schüler und der Amokläufer

Tim Kretschmer stammten aus diesem

Ort. Der evangelische Dekan Eberhard

Gröner machte in seiner Predigt darauf

aufmerksam, dass wir es wieder lernen

müssen, neu aufeinander zuzugehen. Er

bemerkte weiterhin in seiner Predigt, dass

in diesem Ort das Grundvertrauen zerbrochen

sei. „Was ging in diesem jungen Menschen

vor, der zum Mörder wurde Das können

wir nicht einmal ahnen.“ Einen weiteren

Gedenkgottesdienst gab es in Wendlingen,

wo der Amokläufer zwei Menschen

in einem Autohaus erschossen und

sich dann selbst tötete.

Wenn ein Verstehen

undenkbar ist

Keines der 15 Opfer hatte irgendeine Möglichkeit,

sich auf Tim Kretschmers Kugel

vorzubereiten, die tödlich treffen sollte. Es

handelte sich um zufällige Liquidierungen,

weil diese jungen Schüler für ihn als

bloße Zielscheiben da standen. Der Amoktäter

schritt selbst durch die eisige Schneise,

die ihn ins Verderben führte. Nicht für

eine Sekunde hatte er sich mit dem Gedanken

befasst, was er seiner Familie und den

Familien der Opfer damit antue – und

zwar etwas so furchtbar Unfassbares, dass

ein Verstehen undenkbar sein wird. Die

Konsequenz seines Handelns hätte ihn

vermutlich überfordert. Seine Gedanken

galten einzig und allein der Planung der

Tat. Allerdings sollten die Hintergründe,

warum ein junger Mensch zu so einer Tat

fähig ist, nicht unberücksichtigt bleiben.

Gestaute Wut, Einsamkeit, keine Freunde,

sich nicht verstanden fühlen, seitens der

Eltern und des gesamten sozialen Umfeldes,

das Tim Kretschmer umgab und in

dem er aufgewachsen war. Scheinbar fehlte

ihm eines vor allem – Anerkennung.

Wenn ein Mensch weder akzeptiert, ernst

genommen, noch Anerkennung findet,

wie würde sich so ein Mensch dann fühlen

Wenn scheinbar das Materielle da

ist, jedoch das Menschliche fehlt oder es

zu kurz kommt, ist es nur noch eine Frage

der Zeit, wann die Bombe, die bereits

tickt, explodieren wird.

Junge Amokläufer greifen in erster Linie

fremde Personen an, während Amokläufe

in der Familie häufig von unauffälligen,

älteren, depressiven Tätern begangen werden.

Zu School Shootings und deren

Hintergründe gibt es einen interessanten

Befund, der aus den USA stammt. Es ist

auffällig, dass sich ein großer Teil der Taten

in entlegenen, ländlichen Orten ereignet

hat. Bereits in Deutschland ist es ebenfalls

zunehmend zu beobachten, dass

School Shootings eher in kleineren Orten

stattfinden. In dem Zusammenhang

besteht der Anlass zu der Vermutung, dass

die Einwohner solcher Gemeinden unter

einem starken Konformitätsdruck stehen.

Möglicherweise werden Kränkungen und

Hänseleien als besonders schwerwiegend

erlebt, weil diese wiederum vielen Leuten

bekannt werden und für die Betroffenen

kaum Möglichkeiten bestehen, sich einen

alternativen Freundeskreis zu suchen oder

den Ort langfristig zu verlassen. Zwar lässt

sich dieser Befund für Deutschland nicht

so genau übernehmen, es fällt immerhin

auf, dass auch hierzulande von School

Shootings vor allem kleine bis mittelgroße

Städte betroffen sind. Amoktaten finden

praktisch nie in sozialen Brennpunkten

statt. Relativ häufig sind von Amoktaten,

vor allem was sich auf die Drohungen

solcher Taten bezieht, Gymnasien

betroffen. In diesem Zusammenhang stellt

sich die Frage, inwieweit beeinflusst das

soziale Klima an einer Schule oder an

einem Arbeitsplatz die Entscheidung für

einen Amoklauf Denkbar ist beispielsweise,

dass Erfahrungen von Mobbing

oder sozialer Ausgrenzung in der Schule

oder am Arbeitsplatz schwerwiegende

psychosoziale Belastungen darstellen können.

Die jugendlichen Amoktäter stammen

nicht selten aus einem finanziell gut-

12


Karin Lange

Amoklauf

situierten und vollständigen Elternhaus.

Erste Untersuchungsergebnisse erwecken

stark den Eindruck, dass den späteren

Tätern in ihren Familien häufig große Freiräume

gelassen werden, die sie für sich so

weit als möglich ausnutzen. Meistens wissen

die Eltern kaum, was ihre Kinder den

ganzen Tag über tun. Nicht selten kommt

es vor, dass die Eltern insofern nur noch

Interesse an ihren Kindern zeigen, sofern

diese mit ihren

schulischen Leistungen

aufwarten

können. Die Eltern

konzentrieren sich

überwiegend auf

die schulischen

Amoktäter scheinen im

Allgemeinen leicht zu

kränken zu sein und haben

daher im sozialen Umgang

mit anderen Personen

häufig Schwierigkeiten.

Leistungen ihrer

Kinder, wobei die

eigentlichen

Bedürfnisse und

Anliegen ihrer Kinder zurückstehen. Darüber

hinaus scheinen Amoktäter im Allgemeinen

leicht zu kränken zu sein und

haben daher im sozialen Umgang mit

anderen Personen häufig Schwierigkeiten.

Die Ursachen dieser (von den späteren

Tätern zumindest als solche erlebten)

Kränkungen und anderen Belastungen

sind wiederum oft in deren sozialen

Umfeld zu suchen und treten dort entsprechend

häufig auf. Viele Täter fürchten

auch heute noch nach einem Konflikt den

Verlust ihrer „Ehre“ oder werden vor der

Tat mit einer für sie ausweglos erscheinenden

Situation konfrontiert. Sowohl damals

wie heute werden nicht selten Beziehungsprobleme

und Eifersucht als Auslöser und

Motive für Amoktaten genannt. Es finden

sich allerdings auch andere Auslöser,

die stärker mit vermeintlichen Wert- und

Erwartungshaltungen und mit der heutigen

Lebenssituation zu tun haben. Beispielsweise

werden so Gerichtsprozesse

oder andere Auseinandersetzungen mit

öffentlichen Organen sowie Kündigung,

Arbeitslosigkeit oder Konflikte am

Arbeitsplatz häufig als Gründe für die

Taten angegeben. Insbesondere betreffen

diese Probleme Erwachsene und berufstätige

Täter, vor allem dann, wenn sie

einen großen Teil ihres Selbstwertes über

die Arbeit beziehen und sich über diese

definieren. Deshalb verwundert es auch

nicht, dass in den USA Amoktaten am häufigsten

im Kontext des Arbeitsplatzes auftreten.

Tatsächlich befindet sich unter

Amoktätern, trotz teilweiser guter Ausbildung,

ein überproportional hoher Anteil

an Arbeitslosen bzw. Gelegenheitsjobbern.

In einigen Fällen verfügen die späteren

Täter nur über wenige soziale Kontakte,

die durch weitere Konflikte wie

Beziehungs- oder finanzielle Schwierigkeiten,

Gerichtsverfahren oder den Verlust

des Arbeitsplatzes weiter gefährdet

oder beendet werden. Was die Beweggründe

für die Amoktaten Jugendlicher

betreffen, so sind

diese denen der

Erwachsenen häufig

sehr ähnlich;

ebenfalls orientieren

sie sich speziell

an der sozialen

Situation der Heranwachsenden,

welche durch die

schulische Situation

gekennzeichnet ist. In diesem

Zusammenhang ist zu beachten, dass

jugendliche Täter von ihrem übrigen sozialen

Umfeld zwar als Einzelgänger

beschrieben werden, trotzdem zumeist

über einen festen Freundeskreis verfügen.

Auch erwachsene Amoktäter sind

zum Teil ledig oder hatten gescheiterte

Beziehungen hinter sich, teilweise sind

oder waren sie auch verheiratet.

Zu den psychischen

Hintergründen

Zur Erklärung des Phänomens Amok reichen

soziale Faktoren allein nicht aus.

Die bereits oben genannten tatauslösenden

Ereignisse wie Beziehungskonflikte,

der Verlust des Arbeitsplatzes oder die

Zurückweisung durch eine geliebte Person

sind schließlich Erlebnisse, die von

sehr vielen Menschen bewältigt werden

müssen. In keiner Weise rechtfertigen sie

die Schwere der folgenden Taten.

Nähert man sich aus psychologischer

Sicht dem Phänomen Amok, so stellt sich

zunächst die Frage, ob Amok selbst als

eine psychische Störung zu bezeichnen

ist oder ob bestimmte psychische Störungen

und Persönlichkeitszüge bestehen,

die entweder solche Taten auslösen oder

zu ihrer Entstehung beitragen können.

Amok wird in Verbindung mit kulturabhängigen

Syndromen als eigene Störung

definiert. Diese Definition von

Amok lautet: „Eine dissoziative Episode

(Auflösung von im Bewusstsein

zusammenhängenden Vorstellungen;

bezogen auf Trennung und Zerfall), die

durch eine Periode des Grübelns charakterisiert

ist, auf die ein Ausbruch gewalttätigen,

aggressiven oder menschengefährdenden

Verhaltens folgt, dass sich

auf Personen und Objekte richtet. Eine

solche Periode scheint durch eine wahrgenommene

Herabsetzung oder Beleidigung

ausgelöst zu werden und nur bei

Männern vorzukommen. Die Episode

geht oft einher mit Verfolgungsideen,

Automatismen, Amnesie (Gedächtnisverlust)

und Erschöpfung sowie einer

anschließenden Rückkehr zum prämorbiden

Status (Stadium vor dem Krankheitsausbruch).

In einigen Fällen tritt

Amok während einer kurzen psychotischen

Episode auf (zum Krankheitsbild

einer Psychose gehörend) oder kann den

Beginn oder die Verschlechterung eines

chronisch verlaufenden psychotischen

Prozesses kennzeichnen.“ Es werden

neben den oben genannten Störungen,

die sich auf Amok selbst beziehen auch

vielfältige andere psychische Störungen

mit Amoktaten in Verbindung gebracht.

Die wissenschaftliche Forschung hat sich

in den letzten Jahren zu Amoktaten insbesondere

auf zwei Störungsgruppen

konzentriert: Einerseits zählen dazu

depressive Störungen, die bis hin zu suizidalen

Tendenzen reichen können und

insbesondere – jedoch nicht ausschließlich

– im Zusammenhang mit School

Shootings vermehrt beobachtet wurden.

Verschiedene Autoren sehen einen

Zusammenhang zwischen unterschiedlichen

Persönlichkeitsstörungen in Verbindung

mit Amoktaten. Dazu zählen die

paranoide Persönlichkeitsstörung (hierbei

handelt es sich um eine Geisteskrankheit,

die sich in Wahnideen äußert), die

Borderline-Persönlichkeitsstörung (eine

psychische Erkrankung mit neurotischen

und psychotischen Symptomen; bezogen

auf die Neurose handelt es sich um seelische

Erlebnisse, die abnorm und krankhaft

verarbeitet werden – dieses kann

zu einer dauernden körperlichen und

seelischen Erkrankung der Gesamtpersönlichkeit

führen), die antisoziale und

insbesondere die narzisstische Persönlichkeitsstörung

(krankhafte Verliebtheit

in sich selbst). Liegen bei Personen narzisstische

Persönlichkeitsstörungen vor,

13


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14


Karin Lange

Amoklauf

neigen diese dazu sich und ihre Fähigkeiten

weit zu überschätzen und daher

Zurückweisungen oder andere Formen

der Kränkung besonders intensiv zu erleben.

Solche Erlebnisse können längerfristig

zu extremen Gefühlen der Wut und

Scham führen, die möglicherweise sogar

eine schwere Gewalttat auslösen können.

Trotzdem Persönlichkeitsstörungen

streng genommen sich erst im Erwachsenenalter

diagnostizieren lassen und

sich im Jugendalter entsprechende

Akzentuierungen der Persönlichkeit feststellen

lassen, betonen vor allem deutsche

Forscher die Bedeutung narzisstischer

Züge für die Entstehung von

School Shootings. Wie häufig Amoktäter

tatsächlich psychisch gestört sind, das ist

allerdings umstritten. Die untersuchten

Typen von Amokläufern werden in verschiedenen

Studien in vielfältiger Hinsicht

als auffällig beschrieben. Unter

anderem werden die Täter mit folgenden

Merkmalen beschrieben:

• Sie sind schon vorher aggressiv

aufgefallen.

• Sie reagieren misstrauisch und

empfindlich.

• Sie sind kontaktscheu, fühlen sich

in der Gesellschaft fremd und lehnen

diese ab, sie sind sozial isoliert.

• Ihr Selbstwertgefühl ist gering.

• Sie verfügen über unzureichende

Problemlösekompetenzen.

• Sie zeigen ein intensives Interesse an

militärischen Themen und Waffen.

„Wir wissen nicht, was in den Köpfen vorgeht

und gerade Lehrer verkünden ja nicht

immer nur Angenehmes“, sagt Petra Steudel,

Leiterin der Realschule Golzheim

und Sprecherin der Realschul-Leiter.

Weiter führt sie aus, dass sie es sich gut

vorstellen kann, darüber nachzudenken,

was Zugangskontrollen für Schulen

bedeuten. Videoüberwachungen hält sie

ihrerseits nicht für tauglich. An einer der

Schulungen, die der Schulpsychologische

Dienst gemeinsam mit der Polizei

anbietet, werden die Rektorin und ihr

Kollegium teilnehmen. Mit 17 Schulpsychologen

hat Düsseldorf weit mehr

Experten auf dem Gebiet als üblich. Es

ist eigens eine Stelle eingerichtet worden,

damit Schulen bei der Bildung von Krisen-Teams

unterstützt werden können,

in dem ihnen erklärt wird, woran ein

potenzieller Gewalttäter zu erkennbar

sein kann. „Wir setzen auf Aufklärung und

Vorsorge“, betont Schuldezernent Burkhard

Hintzsche. Bisher haben 300 Lehrer

an den Schulungen teilgenommen. Hieran

wird der hohe Informationsbedarf

deutlich. Hintzsche hält Sicherheitsdienste

an Schulen für relativ sinnlos.

Alternative: Notfallpläne,

Anweisungen

Stefan Göbel, Konrektor vom Riehl-

Weiterbildungskolleg, ist einer der 300

Schulungs-Teilnehmer. Er und seine Kollegen

hatten vor zwei Wochen die Schulung,

die Experten der Polizei in den

Schulen durchführen. „Wir haben Notfallpläne

und Handlungsanweisungen an die

Hand bekommen, fühlen uns gerüstet“, sagt

Göbel. Mit Nachdruck fügt er hinzu: „So

ein tragisches Ereignis gibt dem Ganzen

natürlich eine schreckliche Aktualität.“

Den Düsseldorfer Weg der Vorsorge hält

Kai Inboden von der Landesschülervertretung

für richtig und findet, dass die

Sicherheitstrakte in Schulen „nur noch

mehr Angst machen.“ Florian Falk aus

dem Jugendrat sieht das zwar ähnlich,

befürchtet trotzdem, dass die Schulen zu

Hochsicherheitstrakten hochgerüstet

werden könnten. „Ich hoffe, dass das nicht

passiert, aber die Angst, die jetzt umgeht, ist

verständlich“. Viele Debatten unter Schülern

bestimmen die Frage nach dem

Warum und die Angst davor, dass sich so

etwas Schreckliches an jeder Schule ereignen

kann. Die Schülerin Anna-Lena (11

Jahre alt) besucht die Realschule in Düsseldorf-Benrath.

„Ich habe schon Angst,

dass das auch bei uns passiert“, sagt sie.

„Es erschreckt mich.“ Dieses Erschrecken

ist vor allem deshalb berechtigt, weil es

keine Warnung gibt. Ältere Schüler sind

im Vergleich zu jüngeren Schülern weniger

verunsichert. Sie fragen nach Gründen

und versuchen entsprechend die

Situation an ihrer Schule realistisch einzuschätzen,

sofern sie es zu können meinen.

Hai Nguyen (18 Jahre alt), die das

Erzbischöfliche Schulkolleg in Neuss

besucht, sagt: „Ich glaube nicht, dass an

meiner Schule solche Leute sind.“

Drohungen von

Nachahmern sind kein Spaß

Bisher wurden die Amok-Drohungen an

Düsseldorfer Schulen schnell vor den

Gerichten verhandelt. Es gab seit 2007

sechs Verfahren. Die Richter sprachen

innerhalb weniger Wochen ihre Urteile,

die sich von Arbeitsstunden bis zu einem

Jahr Jugendstrafe erstreckten. Nicht

Schulen erstatten Anzeige; manche reagierten

auch mit Schulverweisen.

Literatur und Quellenangaben: Rheinische Post, Donnerstag 12. März 2009, A4 Politik;

Spiegel Nr. 12 / 16. März 2009, S. 39 ff.; Rheinische Post, Samstag 14. März 2009,

A5 Politik; Rheinische Post, Samstag 21. März 2009, A8 Kultur; Rheinische Post, Donnerstag

12. März 2009, D1 Düsseldorfer Stadtpost; H. Scheithauer / R. Bondü, Amoklauf /

Wissen was stimmt, Verlag Herder Freiburg im Breisgau 2008.

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Sucht

Polizeiliche Beratungsstelle; www.polizei-beratung.de

SEHN-SUCHT

Kinderschutz vor Drogen

Im Leben der meisten Kinder und Jugendlichen spielen Drogen keine Rolle. Für

manche bleibt das Probieren mancher illegaler Drogen episodenhaft und ohne

tiefgreifende Auswirkungen auf ihre Persönlichkeit. Andere Heranwachsende

aber schließen ihre Drogenkontakte leider nicht mit der Probierphase ab. Hier

kann der Drogenkonsum leicht zur Gewohnheit werden.

Als Eltern oder Erzieher fragen Sie

sich natürlich: Welchen Beitrag kann ich

leisten, damit mein Kind nicht in „so

etwas“ hineinschlittert Wer hier nach

Antworten sucht, muss sich zunächst

einmal fragen:

Warum üben Drogen auf manche Menschen

überhaupt einen derart großen

Reiz aus

Und welche Ursachen kann eine solche

Anfälligkeit haben

Die Antworten sind so vielfältig wie die

Wirklichkeit selbst. Tatsache ist: Drogengefährdung

und -abhängigkeit sind niemals

nur auf eine Ursache zurückzuführen.

Und: Sie entwickeln sich nicht von

heute auf morgen. Den Aussschlag gibt

vielmehr ein ganzes Geflecht von Gründen,

die sich in drei Bereiche unterteilen

lassen:

• die Persönlichkeit des Betroffenen

• sein soziales Umfeld

• die Droge selbst

Was tun gegen die Sucht

• Kinder brauchen seelisches Gleichgewicht.

• Kinder brauchen Anerkennung und

Bestätigung.

• Kinder brauchen Freiraum und Beständigkeit.

• Kinder brauchen realistische Vorbilder.

• Kinder brauchen Bewegung und richtige

Ernährung.

• Kinder brauchen Freunde und eine

verständnisvolle Umwelt.

• Kinder brauchen Träume und erstrebenswerte

Lebensziele.

Eine Karriere mit

Abstiegsmöglichkeiten

Im Jahre 2006 reduzierten sich die

registrierten Rauschgiftdelikte im

Bundesgebiet um -7,8 % auf

255.019 Fälle.

Dazu kommen noch 2.234 Fälle

der direkten Beschaffungskriminalität,

die im Vergleich

zum Vorjahr jedoch um 1,1 %

abnahm. Die Anzahl der ermittelten

Tatverdächtigen 209.625

Personen. 32,2 % der ermittelten

Tatverdächtigen waren jünger als

21 Jahre (2002: 41,8%, 2001: 43,4%,

2000: 43 %, 1999: 42,1 %).

Jugendliche und Heranwachsende

weisen in den Fällen mit

Cannabis, LSD und Amphetaminderivaten

(einschließlich Ecstasy)

relativ hohe Tatverdächtigenanteile

auf, deutlich niedrigere

hingegen bei Heroin und Kokain.

Der Anteil der nichtdeutschen

Tatverdächtigen an Rauschgiftdelikten

liegt bei 20,1 %. Bei den

Tatverdächtigen dominiert eindeutig

das männliche Geschlecht

mit 88,5 % gegenüber dem weiblichen

mit 11,5 %.

Die Aufklärungsquote blieb mit

94,7 % unverändert hoch.

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