313 impressum - Porsche

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313 impressum - Porsche

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Text

Elmar Brümmer

Fotografie

Matthias Martin

Lifestyle

Matteos Passion

Christophorus 313

Christophorus 313

Ein-Laden: Matteo Thun macht über das Schaufenster

hinaus den ganzen Store zum Spiegel der Produkte

Premiere für den weltweit ersten Porsche Design Store einer neuen Generation in Berlin: Stararchitekt

Matteo Thun geht es bei der Gestaltung um mehr als den Vorbildcharakter. Für ihn funktioniert

das noble Einkaufen schon heute nach einer Erlebnisformel von morgen – sehen, fühlen, shoppen.

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Berühren. Kann es einen besseren gestalterischen Ansatz geben

als diesen? Kaum. Einen schwierigeren allerdings auch nicht.

Matteo Thun macht seine Arbeit aus Prinzip zur Gefühlssache.

Wer mitfühlen will, der kann die Aufforderung dazu auch

gern schriftlich haben. Dort, wo die Berliner Flaniermeile Kurfürstendamm

so nobel ist, wie man sich das immer vorgestellt

hat, steht an der Fensterscheibe der Hausnummer 190/192 die

unmissverständliche Aufforderung „Touch me“. Das ist keine

billige Anmache, sondern eine klare Botschaft: Mit der Gestaltung

des ersten Porsche Design Stores der neuen Generation

legt der Architekt und Designer aus Südtirol dem Kunden eine

neue, edle Produktwelt quasi in die Hand. Versonnen spricht

Thun von der„taktilen Erotik“seines Tuns. Aus den Augen, aus

den Händen spricht das Motto, das er im Interview umgehend

mündlich manifestiert: „Die Lust, etwas zu ergreifen!“ Tasten

wir uns heran.

Den Porsche-nahen Gedanken, dass die Form der Funktion

folgt, interpretiert Thun – Mitbegründer der Mailänder Gestaltungs-Gruppe

„Memphis“ – auf seine Art weiter: Die Form

folgt auch der Emotion, woraus sich mit einem Augenzwinkern

ein berühmter Design-Slogan umformulieren lässt: Form

follows fun. Der Spaß an der Aufgabe, den Läden der Porsche

Design Group ein in die Zukunft gerichtetes Gesicht zu geben,

ist dem Sohn eines Keramikfabrikanten anzusehen. Er hat ein

Retail-Konzept entworfen, das vom vorbildlichen Store in der

Bundeshauptstadt aus in 30 Läden, die in den nächsten Jahren

weltweit eröffnet werden, exportiert wird. In unterschiedlichen

Größenordnungen zwar, aber stets nach dem gleichen Vorsatz.

Die Welt des Matteo Thun ist ein komplexer Kosmos, bestimmt

von Leichtigkeit, Geschwindigkeit, Genauigkeit, Erfassbarkeit,

Zeitlosigkeit und Beständigkeit. Das mündet in alles, was in

seinem Mailänder Studio entsteht – ob es Besteck für WMF,

Uhren für Bulgari oder gleich ein Designhotel in seiner Heimat

ist: „Was wir schaffen, muss nachhaltig wirken.“ Das Motto

hat weniger mit seiner Hochschulprofessur, mehr mit seiner

Profession zu tun, am meisten mit seiner Passion. Bei aller gestalterischen

Leidenschaft bleibt die Kreativität einer Lebensauffassung

des 52-Jährigen unterworfen: „Die konsequente

Suche nach Nachhaltigkeit hat mit der moralischen Pflicht

zu tun, die ein Architekt erfüllen muss. Ich möchte den Planet

Erde in einem so guten Zustand an meine Kinder weitergeben,

wie ich ihn angetroffen habe. Das beeinflusst die Frage, ob, wie

und was man baut.“ Die Antworten findet er eben in seiner holistischen

Vorgangsweise, die er aus der Philosophie ableitet:

Eine Lehre, die alle Erscheinungen des Lebens aus einem ganzheitlichen

Prinzip erklärt. Das Ganze betreffend, so denkt und

baut Thun.Vom Großen ins Kleine. „Bei dem, was ich tue, gehe

ich stets nach dem Rezept vor, wie man ein Haus baut. Ob man

eine Stadt plant oder einen Löffel gestaltet, es sind die gleichen

Kriterien gefragt. Wenn man so will, ist auch der Porsche 911

ein Haus, ein sehr dynamisches eben.“ Tempo im Denken, im

Arbeiten und im Leben schätzt er ohnehin. Groß geworden in

den Bergen und in der Zeit der Bergrennen, ist der Porsche-

Pilot Edgar Barth für ihn ein Idol. Selbst hat er sich vorzugsweise

auf zwei Brettern ins Tal gestürzt, es auf Abfahrtski sogar zu

Meisterehren gebracht. Seinen ersten Elfer steuerte er mit 18;

einen gebrauchten, orangefarbenen 911S.

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Anfassen, berühren, herantasten sind menschliche, sinnliche

Funktionen, die im Porsche Design Store gefordert sind und

durch Einrichtung und Gestaltung gefördert werden, die in Zusammenarbeit

mit der Münchner Corporate Design Agentur

KMS entstanden sind. „Nicht wie herkömmlich das Schaufenster

mit seiner Auslage, sondern der Store selbst soll Spiegel

der angebotenen Produkte sein. Dafür haben wir ein ,Gate

to the Future‘ entwickelt“, sagt Matteo Thun über seine jüngste

Schöpfung. Das (gedachte) Tor in die Designwelt hochwertiger

Porsche-Accessoires besteht aus drei großen Plasma-Monitoren,

die sich an einer Säule in der Mitte des Ladens und rechts

und links davon an den Wänden befinden. Zentrum ist der

„Scantable“, ein im Zentrum angeordneter quadratischer Schieferblock,

in dessen Oberfläche Scanner und Monitor integriert

sind. Sobald ein Kunde ein Produkt auf diesen intelligenten

Tisch legt, erscheinen auf den Bildschirmen Filme und Informationen

zum jeweiligen Produkt. So wird virtuell der Eindruck

eines sich öffnenden Tores erzeugt.

Die innovative Form der Präsentation setzt auf besseres Verstehen,

auch ohne große Worte. Dreidimensionales Einkaufen.

Den Eröffnungs-Event für den ersten Porsche Design Store einer

neuen Generation nutzt Dr. Siegmund Rudigier, Geschäftsführer

der Porsche Design Group, zu einer richtungweisenden

Standortbestimmung: „Wir haben die deutsche Hauptstadt bewusst

für diesen Generationswechsel ausgewählt, da von Berlin

derzeit viele kreative Impulse ausgehen. In dieser pulsierenden

Metropole ist es für uns als deutsches Unternehmen ein Muss,

Flagge zu zeigen.“ Der Star-Architekt bestätigt seinen Auftraggeber

darin: „Ich glaube an die positive Kraft der Metropolen.“

Auch aus Statik kann Dynamik entstehen.

Das Zusammenspiel von natürlichen Materialien und futuristischen

Effekten – je nach Produktgruppe variiert die Hintergrundbeleuchtung

des Porsche Design Stores farblich – dient

weder dazu, Hightech-Junkies noch Luxus-Voyeure zu befriedigen,

und schon gar nicht das Ego des Designers. Thun denkt

da schlichter als manch anderer seiner ähnlich berühmten

Kollegen, die Boutiquen zu Tempeln in eigener Sache umfunktionieren:

„Das Produkt, die Marke gehört in den Vordergrund.

Der Gestalter soll sich zurückhalten. Ich nenne es das Hebammenprinzip.

Ich möchte dem Markenauftritt aus dem Bauch

helfen, aber nach dem Trennen der Nabelschnur ist das Konzept

allein lebensfähig. Die Kunden sollen sich für das Produkt A

Pfeilschnell: Das Night Shopping ist für den Porsche Design

Store entwickelt worden

Materialismus der schönsten Art: Auf die Oberflächengestaltung

kommt es bei der Ware und der Präsentation an

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Klare Haltung: Matteo Thun und Dr. Siegmund Rudigier bei der

Eröffnung des Porsche Design Store in Berlin

Räumliches Sehen: Das ganzheitliche Denken des Architekten

wird in der Shop-Gestaltung plastisch

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Unternehmensprofil

Porsche Design Group

Firmensitz:

Porsche Lizenz- und Handelsgesellschaft mbH & Co. KG (PLH)

Porschestraße 1

D-74321 Bietigheim-Bissingen

www.porsche-design.com

Geschäftsführer: Dr. Siegmund Rudigier

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Eigentümer: 65 % Dr. Ing. h.c.F. Porsche AG, Stuttgart;

35 % Porsche Design Produkte Vertriebs GmbH, München (Familie Porsche)

Die Marke Porsche Design wurde 1972 von Professor Ferdinand Alexander

Porsche gegründet, dessen Produkte seither für funktionelles, zeitloses

und puristisches Design stehen und durch technische Innovationen überzeugen.

Die Porsche Lizenz- und Handelsgesellschaft wurde im November

2003 gegründet.

Porsche Design wird in den kommenden Jahren zu einer der führenden

Premiummarken im Segment hochwertiger Accessoires aufgebaut. Das bestehende

Produktportfolio soll zu gegebener Zeit um eine Mode- und Duftlinie,

Sportgeräte sowie elektronische Produkte erweitert werden. Mit Accessoires

und sportlicher Mode der Sub-Marke Porsche Design Driver’s Selection

wird eine zusätzliche Möglichkeit zur Identifikation mit Porsche angeboten.

Tochtergesellschaften:

Porsche Design of America, Inc., New York;

Porsche Design Asia Pacific Ltd., Hongkong;

Porsche Design GmbH (Porsche Design Studio), Zell am See

Umsatz 2003 ⁄ 2004: 80 Millionen Euro „at wholesale“

Händler: 7900 weltweit

Eigene Läden (Stand Januar 2005): Berlin, München, Beverly Hills,

Costa Mesa

Franchise Stores: Dubai, Taipeh, Bangkok (2), Hongkong (2)

entscheiden, nicht für den Designer. Sie sollen die Seele von Porsche Design

in Bruchteilen von Sekunden begreifen. Dazu muss alles selbsterklärend

sein.“ Wie von selbst versteht sich auch seine Weigerung, selbst zu einer

Marke zu werden – er möchte stets Matthäus Graf Thun-Hohenstein bleiben,

wie es in seinem Pass vermerkt ist. Aber auch auf Titel legt er weniger

Wert, gleichwohl ihm Auszeichnungen wie „Designer des Jahres“natürlich

zur Ehre gereichen.

Aus dem Pragmatismus heraus ist auch die Idee des Night Shoppings für den

Porsche Design Store entstanden. Beim abendlichen Bummel durch Mailand

hat Matteo Thun oft das ein oder andere Produkt im Schaufenster für

sich entdeckt, über das er mehr erfahren wollte. Meist hat er am nächsten A


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Morgen jemand aus seinem Büro in der Via Appiani 9 in den

jeweiligen Laden geschickt, um mehr darüber zu erfahren. Die

Ku’damm-Flaneure – und in naher Zukunft auch die Porsche

Design-Kunden in aller Welt – können ihre Neugierde gleich

befriedigen. Die am Schaufenster angebrachten Pfeile ermöglichen

es, nachts interaktiv durch die Produktpalette zu surfen.

Per Touch Control können alle im Fenster dekorierten Waren

betrachtet und die entsprechenden Informationen über die

Bildschirme abgerufen werden. Matteo Thuns Ausbildung, die

stark von Oskar Kokoschkas „Schule des Sehens“ in Salzburg

geprägt wurde, schlägt durch. Genau beobachten, und dann

einfache, aber durchaus glamouröse Lösungen finden. Thun,

der seinen Doktor der Architektur in Florenz und seine ersten

praktischen Erfahrungen im Studio von Ettore Sottsass gemacht

hat, bewundert die Arbeiten von Caravaggio, da Vinci

und Picasso vor allem deshalb, weil sie Vollendung geschaffen

haben. Sie besitzen Vorbildfunktion für ihn.

Das Nachterlebnis ergänzt sich für denjenigen, der am Tage in

den 100 Quadratmeter großen Porsche Design Store wiederkehrt,

durch ein auch im Hellen sichtbares optisches Kontrastprogramm:

Die wechselnden Lichtatmosphären, die natürlichen

Materialien wie schwarzer Schichtschiefer und geräucherte

Eiche und die technischen Materialien der Einrichtung unterstützen

die funktionelle Essenz der Premium-Produktpalette.

Das dominierende Schwarz, Titan und Dunkelbraun bildet die

dementsprechend ausgewogene Harmonie der Farbgebung.

Moderne, zeitlose Gestaltung, das ist der erste – und der bleibende

– Eindruck im Porsche Design Store, muss nicht kalt

sein. Aber es darf kühl überlegt sein, und kühn dazu. Ganz, wie

es der Kernaussage von Porsche Design entspricht: „Engineers

of Luxury“. Matteo Thun fügt noch einen programmatischen

Satz Bescheidenheit hinzu: „Meine Arbeit ist nur eine Reflexbewegung

auf Porsche Design. Ich hätte sie gar nicht anders

tun können.“

B

Dialog-Regie: Funktion und Emotion liegen für den

Ästheten nah beieinander

313 impressum

Christophorus Das Porsche Magazin

Zeitschrift für die Freunde des Hauses Porsche

54. Jahrgang, Nr. 313, April / Mai 2005,

ISSN 0412-3417

Jahresabonnement 21,50 Euro / 28 Dollar

Das Magazin erscheint alle zwei Monate in fünf Sprachen

(deutsch, englisch, französisch, italienisch und spanisch)

Herausgeber

Dr. Ing. h. c. F. Porsche Aktiengesellschaft

Öffentlichkeitsarbeit: Anton Hunger

Chefredaktion und Geschäftsführung: Karen Schulze

Redaktionsassistenz: Simone Kühner

Textredaktion und Beratung: Head-Line, Stuttgart

Grafische Gestaltung: Büro Linientreu, Stuttgart

Titelfoto: Stefan Warter

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Redaktion Christophorus

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Ein Teil der Ausgabe enthält Beilagen der Firmen Pro Idee, Charles Thyrwhitt

und Villa Grazioli

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