TaxARTIST 1/10 ARTIST 1/10 - HHP - Hammerschmied ...

hhp.eu

TaxARTIST 1/10 ARTIST 1/10 - HHP - Hammerschmied ...

Jänner 2010

TaxARTIST 1/10

www.hhp.eu

DIE ERSTE WAHL IN WIRTSCHAFTSBERATUNG


EDITORIAL

ÖSTERREICHISCHE KULTURBETRIEBE IM

VISIER DER BEHÖRDEN

© HHP

Rascher als befürchtet betreffen die Auswirkungen der Krise nun auch die Kulturwirtschaft.

Bereits beim HHP-Kulturkongress im April dieses Jahres haben Bernulf

Bruckner und auch Dr. Nike Wagner ihre Überzeugung geäußert, dass die Kulturbetriebe

von den wirtschaftlichen Entwicklungen negativ betroffen sein werden. Derzeit

ist feststellbar, dass viele kleinere und mittlere Kulturinstitutionen für 2010 mit Budgetkürzungen

konfrontiert sind. Weiters dokumentiert sich die angespannte Situation

leider auch im zunehmend hektischen, panikartigen Agieren der Finanzbehörden und

Gebietskrankenkassen.

So mancher Finanzamtsprüfer, Beitragsprüfer oder die neuen so genannten GPLA-

Prüfer glauben offensichtlich durch ihr verstärktes Augenmerk auf Kulturbetriebe neues

„Kundenpotential“ akquiriert zu haben, um den öffentlichen Haushalt zu sanieren!

Es handelt sich dabei aber bestenfalls um eine kosmetische Maßnahme; andere

öffentliche Gebietskörperschaften haben diese Abgabennachzahlung zu bezahlen oder

im anderen – ungünstigeren – Fall kommt es zu einer drastischen Einschränkung des

Kulturbetriebs. Zum anderen ist fraglich, ob den Sozialversicherungsträgern bewusst

ist, dass das ständige Ausweiten ihres „Versicherungsschutzes“ auf neue und weitere

Berufsgruppen nur sehr kurzfristig Geld in die Kassen bringt, aber bekanntlich mittelfristig

die Finanzierungslücken unseres Sozialversicherungssystems vergrößert.

Doris Hohenegger

taxartist@hhp.eu

Hammerschmied Hohenegger und Partner

Wirtschaftsprüfungs Ges.m.b.H.

Am Heumarkt 13

A-1030 Wien

Tel.: + 43 1 717 63-0

Fax: + 43 1 717 63-50

E-Mail: office@hhp.eu

www.hhp.eu

© NLK Pfeiffer

EHRUNG

LH Dr. Erwin Pröll verlieh Mag. Hans

Hammerschmied das Goldene Ehrenzeichen

für Verdienste um das

Bundesland Niederösterreich!

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DRAMA IN MEHREREN AKTEN

Seit einigen Jahren werden von den Gebietskrankenkassen verstärkt

Sommerfestivals geprüft. Hauptschwerpunkt ist dabei

in der Regel die Frage, ob bei den einzelnen KünstlerInnen eine so

genannte durchgehende Beschäftigung vorliegt. Es ist klar, dass es

dabei durchaus zu erheblichen Nachforderungen der Gebietskrankenkasse

kommen kann, die jedenfalls existenzgefährdend sind.

Nach unzähligen Interventionen auf allen Ebenen hat die Niederösterreichische

Gebietskrankenkasse im Sommer 2009 eine Art

„Richtlinie“ für die sozialversicherungsrechtliche Behandlung von

Festivals und Sommertheatern in Niederösterreich herausgegeben:

Weiters sind Dienstverschaffungsverträge möglich – d.h.

Beschäftigung eines ganzes Chors oder Orchesters. Hier wird der

Vertrag nicht mit der einzelnen Person, sondern mit dem gesamten

Ensemble abgeschlossen.

Von Seiten der Gebietskrankenkasse wird die Begründung

einer Gesellschaft bürgerlichen Rechts (ARGE) für ein einzelnes Projekt

oder eine einzelne Aufführungsserie nicht anerkannt, da sie

dahinter eine unangemessene Vertragsgestaltung und ein Scheingeschäft

sieht.

Nach wie vor wird das Vorliegen des E101 bei ausländischen

Künstlern akzeptiert.

Personen, die nicht in den Theaterbetrieb eingegliedert

sind, können im Rahmen eines Werkvertrages beschäftigt werden –

das sind beispielsweise Komponisten, Bühnenbildner und Autoren,

etc.

Für selbständige Künstler, die für Hauptrollen engagiert

werden, eine überdurchschnittliche Gage (durchschnittlich EUR

5.000,-- bis EUR 7.000,- für 10 Aufführungstermine) beziehen sowie

bei der Sozialversicherungsanstalt der gewerblichen Wirtschaft nach

dem Gewerblichen Sozialversicherungsgesetz (GSVG) versichert

sind, besteht keine Verpflichtung zur Anmeldung bei der Gebietskrankenkasse

als Dienstnehmer.

Alle sonstigen SchauspielerInnen sind als DienstnehmerInnen

pflichtversichert und nach dem Allgemeinen Sozialversicherungsgesetz

(ASVG) anzumelden.

Die Meldung bei der Gebietskrankenkasse muss vor Arbeitsantritt

erfolgen, d.h. die Pflichtversicherung beginnt mit Aufnahme der

Beschäftigung - somit mit Probenbeginn.

Für SchauspielerInnen kann allerdings die Verordnung des

Bundesministers für soziale Sicherheit und Generationen über die

beitragsfreie pauschalierte Aufwandsentschädigungen, BGBl. II Nr.

409/2002, zur Anwendung kommen. Voraussetzung hierfür ist, dass

die Tätigkeit nicht Hauptberuf und Haupteinnahmequelle bildet und

der/die SchauspielerIn einen Aufwand bis zu EUR 537,78 monatlich

glaubhaft macht.

Beschäftigte in der Bühnentechnik sind in der Regel ebenfalls

Dienstnehmer entsprechen dem ASVG. Es können aber selbständige

Unternehmer mit einem entsprechenden Gewerbeschein

für gewisse Arbeiten herangezogen werden (z.B. Friseure als Maskenbildner,

Kostümherstellung, etc.).

Daraus ergeben sich in der Praxis wiederum unzählige Problembereiche

und Diskussionspunkte:

Die Prüfung von Arbeitsverhältnissen in Sommertheatern

und Kleinbühnen wird weiterhin von den jeweiligen Gebietskrankenkassen

unterschiedlich gehandhabt.

Mit dieser Richtlinie wird bestimmten Schauspielern

(Hauptrolle, überdurchschnittliche Gagenhöhe) richtigerweise ganz

offiziell zugestanden, Werkverträge abzuschließen. Je nach Größe

der Rolle und Höhe der Gage kann ein Engagement im Werkvertrag

entlohnt werden. Hier wird auf den Punkt der „Weisungsfreiheit“

Bedacht genommen. Kritisch wird dies allerdings von SchauspielerInnen

gesehen, die keine Hauptrollen erhalten bzw. von Veranstaltern,

die für Hauptrollen derartige Gagen gar nicht bezahlen können.

Was ist allerdings, wenn ein renommierter Schauspieler auf einmal

eine Nebenrolle übernehmen würde Oder, wenn dieser renommierte

Schauspieler einmal bereit wäre, eine Hauptrolle zu einer für

den Veranstalter „günstigen Kondition“ zu spielen – Das darf er

nicht mehr, wird ihm sein Steuerberater dann jedenfalls empfehlen.

Ein grundlegendes Problem ist die offenbar überaltete

Auffassung, dass das Schauspielgesetz keine selbständige Schauspieltätigkeit

kennt.

Wenn dem wirklich so ist, wäre es daher das Naheliegendste, die

„freie Theaterszene“ vom Schauspielgesetz auszuschließen. Denn

wäre diese nicht wirklich FREI und SELBSTÄNDIG, wäre sie auch

nie entstanden.

Bettina Kirisits

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KUNST ALS BETRIEB - BETRIEB A

„ES WAR DIE BÜRGERLICHE GESELLSCHAFT, D

AURA DES ERHABENEN GEWÄHRTE.“

CARL AIGNER ÜBER DIE ÖKONOMIE DER KUNST

Kunst darf nicht zum Betrieb verkommen.

Daniel Richter

Zur Zeit gibt es unter der Hamburger Künstlerschaft einen massiven

Aufstand gegen die Stadtviertelpolitik der Hamburger

Regierung. Um vor einigen Jahren den Abriß des desolaten „Gängeviertels“

zu verhindert, kam es zu einer Besetzung und Bewohnung

zahlreicher Häuser, auch weil es billige Atelier- und Wohnorte

waren. Im Laufe der Jahre sanierten die Künstler viele leerstehenden

Baulichkeiten – es wurde ein Gegenentwurf, eine Utopie für eine

andere Weise urbanen Lebens, wie es in vielen Städten der Fall ist,

denken wir etwa an die ehemalige Hellerfabrik in Wien. Es dauerte

nicht lange bis Immobilienunternehmungen diese Viertel als Profitcenter

entdeckten. Die Folge: Vertreibung der Künstler zugunsten

nun - Dank des künstlerischen Imagegewinns - finanziell profitabel

gewordener Stadtgebiete. Künstler als unfreiwillige und billige

Stadtentwicklungsakteure

Spätestens seit der Renaissance gibt es keine (europäische) Epoche,

in der die Kunst nicht maßgeblich durch den ökonomischen

Kontext ko-konstituiert wurden. Und in jeder Epoche gab es – ent-

Carl Aigner war langjähriger Künstlerischer Leiter der Kunsthalle Krems und ist

seit 2001 Künstlerischer Direktor des Niederösterreichischen Landesmuseums.

© zVg

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© zVg

GASTKOMMENTAR

LS KUNST

IE DEM KÜNSTLER DIE

sprechend den Gesellschaftsformen - eigene adäquate „Betriebssysteme“

für die Künstler und ihre Werke. Über Jahrhunderte war es

das (oft gnadenlose) Prinzip des Auftraggebers/Mäzens der großen

Malwerkstätten; seit dem Entstehen einer bürgerlichen Gesellschaft

mit ihrem neuen ökonomischen Unternehmertum wandelt sich auch

der Künstler endgültig zum Einzelunternehmer: Seine Abhängigkeit

verschob sich vom Auftraggeber hin zum „freien“ Markt.

Es war die bürgerliche Gesellschaft, die dem Künstler und seinem

Werk in Folge einer zunehmend arbeitsteiligen, immer säkularer

werdenden Gesellschaft die Aura des Erhabenen gewährte.

Nicht zufällig avancierte der Künstler zum Genie, das sich außerhalb

der Gesellschaft situiert und aus dieser sozialen Stellung heraus

immer wieder nachdrücklich zum Opponenten eben dieser Gesellschaft

werden konnte: Der provokante Außenseiter und

Kontrahent bürgerlicher Werte trat auf den Plan. Als Folge

der beginnenden Ökonomisierung vieler Lebensformen

wurde der künstlerische Diskurs einerseits zu einem Ort

der Erbauung, andererseits zu einem Ort des Ventils und

der aufklärenden Revolte gegenüber vielen negativen

Entwicklungen.

Erst die in den letzten Jahrzehnten vor sich gehende

totale Ökonomisierung unserer Lebensbereiche (Stichwort

„Timemanagement“) katapultierte künstlerische

Werte und Werke zu einer herausragenden finanziellen

Werteposition: Mit der gegenwärtigen Finanzkrise werden

Kunstwerke nun endgültig zu „Aktien“ der besonderen

Güteklasse (und viele klagen heute angesichts der

Finanzkrise darüber, dass sie ihr Vermögen doch besser

hätten in Kunstwerken anlegen sollen denn in Aktien). Das

künstlerische Werk wurde endgültig zu einem „kapitalen“

Gut. Aber nicht nur das: Künstler wurden zu einer Trademark

in der entstandenen Kreativwirtschaft, zu einem Vehikel

unternehmerischer Werkzuwachsmöglichkeit, wie

die Hamburger Diskussion eindringlich zeigt.

Der künstlerische „Betrieb“ ist immer an die jeweiligen

gesellschaftlich aktuellen Wirtschaftsformen mit

ihren (sozial)rechtlichen und gesellschaftspolitischen Implikationen

geknüpft, wie auch die gegenwärtige Sozialversicherungsdebatte

im Zusammenhang mit dem Theatersommer

Niederösterreich zeigt. Die dezisive Frage hier wie beim Beispiel

Hamburg jedoch ist, welche Verfügungsrechte Künstler über ihre

Werke und den daraus resultierenden Imagegewinn für eine Gesellschaft

haben bzw. was deren öffentlicher Status eigentlich heute ist.

Sind die Künstler mit ihren Werken nur mehr bloße Möglichkeiten

von kapitalen Wertsteigerungen diverser Unternehmungen Degeneriert

der Kunst-Betrieb letztendlich doch nur zu einer Betriebs-

Kunstunternehmung Oder gibt es doch noch im Sinne einer pluralen

Gesellschaft den künstlerischen Diskurs als gesellschaftliches

Erkenntnispotential, insoferne Kunst eine besondere und durch

nichts Anderes ersetzbare Erscheinungsform von Kultur ist – durchaus

auch im Sinne von prodesse et delectare, von sinngewinnender

Nützlichkeit und geglückter Erbauung/Unterhaltung

Carl Aigner

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UMSATZSTEUER NEU

NEUREGELUNGEN BEI DER UMSATZSTEUER AB

1. JÄNNER 2010

Ab 01.01.2010 gilt das vom Rat der EU verabschiedete Mehrwertsteuer-Paket,

in dem der Leistungsort für grenzüberschreitende

Dienstleistungen grundsätzlich neu geregelt wird sowie die Vorsteuerrückerstattung

vereinfacht wird.

In erster Linie entscheidend ist für die Bestimmung des Leistungsortes

(der Ort, an dem die Dienstleistung besteuert wird), ob

es sich um Dienstleistungen an einen Unternehmer - „B2B“

bzw. Business to Business, oder eine Privatperson - „B2C“

bzw. Business to Consumer, handelt. Die Unternehmereigenschaft

kann am schnellsten durch den Nachweis der

Umsatzsteuer-Identifikationsnummer (UID-Nummer) überprüft

werden.

Dienstleistungen an Unternehmer („B2B“):

Prinzipiell werden Dienstleistungen, die ein Unternehmer

an einen anderen Unternehmer erbringt, künftig an

jenem Ort umsatzsteuerpflichtig, wo der Leistungsempfänger

sein Unternehmen betreibt (Empfängerort). Bei

grenzüberschreitenden Leistungen ist dabei zwingend der

Übergang der Steuerschuld auf den Leistungsempfänger

(Reverse-Charge-System) vorgesehen. Die Rechnung ist

hierbei ohne Umsatzsteuer (d. h. netto) und mit dem Hinweis

auf Übergang der Steuerschuld auszustellen.

Dienstleistungen an Privatpersonen („B2C“):

Dienstleistungen an Privatpersonen werden weiterhin

dort besteuert, wo der leistende Unternehmer sein Unternehmen

betreibt (Unternehmensort).

Kulturelle, künstlerische, wissenschaftliche, unterrichtende,

sportliche, unterhaltende oder ähnliche Leistungen

werden wie bisher dort umsatzsteuerpflichtig, wo der Unternehmer

ausschließlich oder zum wesentlichen Teil tätig

wird (Tätigkeitsort).

Eine Änderung ab 2010 gibt es für Leistungen im Zusammenhang

mit Messen und Ausstellungen einschließlich

der Leistungen der jeweiligen Veranstalter. Diese

Leistungen werden ebenfalls am Tätigkeitsort besteuert und

nicht wie bisher am Grundstücksort.

Ab 01.01.2011 ist eine weitergehende Änderung beabsichtigt.

Im Bereich B2B ist es geplant, dass nur mehr die

Gewährung der Eintrittsberechtigung (insbes. Eintrittskarten)

und die damit zusammenhängenden Dienstleistungen

am Tätigkeitsort steuerbar sind. Alle anderen unternehmerischen

Leistungen im Bereich Kunst, Kultur, Sport, Wissenschaft,

Unterricht, Unterhaltung oder ähnliche Veranstaltungen wie

Messen und Ausstellungen, sind nach der Grundregel am Empfängerort

zu versteuern; z. B. Vortragstätigkeit eines Wissenschafters

bei einem Fachkongress. Der Vorteil für den Leistungsempfänger

ist, dass er in der Regel nicht mehr auf die Vorsteuerrückerstattung

angewiesen wird.

ÜBERSICHT: ORT DER SONSTIGEN LEISTUNG

Grundregel:

Vermittlungsleistungen

Grundstücksleistungen

Personenbeförderung

Güterbeförderung

ig Güterbeförderung

Kunst, Sport, Wissenschaft, Unterricht, Unterhaltung und ähnliche Leistungen

einschließlich der Leistungen der jeweiligen Veranstalter

Nebentätigkeiten zur Beförderung

Begutachtung von / Arbeiten an beweglichen körperlichen Gegenständen

Restaurant- /Verpflegungsdienstleistungen

Restaurant- /Verpflegungsdienstleistungen bei ig Personenbeförderung

Kurzfristige Vermietung von Beförderungsmitteln (max 30 Tage)

Langfristige Vermietung von Beförderungsmitteln (KFZ-Leasing)

Elektronisch erbrachte Dienstleistungen vom Drittland

Telekom-, Rundfunk- und Fernsehdienstleistungen vom Drittland

Katalogleistungen ( zB Leistungen von Rechtsanwälten, Steuerberatern,

Ingenieuren, Sachverständigen, Personalgestellern, Werbe- und Datenverarbeitungsdienstleistungen)

an Drittlandskunden

Katalogleistungen ( zB Leistungen von Rechtsanwälten, Steuerberatern,

Ingenieuren, Sachverständigen, Personalgestellern, Werbe- und Datenverarbeitungsdienstleistungen)

an EU-Kunden

1) Verlagerunsmöglichkeit mittels UID-Nummer

2) ab 01.01.2013 Wohnort bzw gewöhnlicher Aufenthalt der Privatperson

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Beispiel:

Unternehmer S aus der Slowakei stellt bei einer Antiquitätenmesse

in Österreich aus. Der österreichische Veranstalter verrechnet

an S eine Standgebühr.

Lösung ab 01.01.2011:

Die Leistung des Veranstalters (Bereitstellung des Standes) fällt

unter keine Sonderregelung, sondern unter die B2B-Generalklausel

(Leistungsort ist der Empfängerort). Die Leistung ist daher am Empfängerort

steuerbar. Da der Leistungsempfänger nicht in Österreich

ansässig ist, ist die Leistung nicht in Österreich steuerbar.

Lösung vor 01.01.2011

Die Leistung des österreichischen Veranstalters ist am Tätigkeitsort

und somit in Österreich steuerbar. Da die Messe in Österreich

stattfindet, unterliegt die Leistung der österreichischen USt.

Lösung vor 01.01.2010

Die Leistung des österreichischen Veranstalters ist am Grundstücksort

steuerbar, d. h. in Österreich. Da Grundstücks- und Tätigkeitsort

in aller Regel miteinander übereinstimmen, gibt es im Vergleich

zum Zeitraum ab 01.01.2010 bis 31.12.2010 keine gravierende

Änderung.

Der slowakische Unternehmer kann bis 31.12.2009 beim österreichischen

Finanzamt und ab 01.01.2010 beim slowakischen Finanzamt

die Vorsteuerrückerstattung beantragen.

Eine weitere Änderung wird es bei Restaurant- und Verpflegungsdienstleistungen

geben. Diese werden am Tätigkeitsort steuerbar,

d. h. dort, wo der Unternehmer ausschließlich oder zum wesentlichen

Teil tätig wird. Das gilt sowohl für B2B- als auch B2C-Umsätze.

bis 31.12.2009

ab 2010 - B2B

ab 2010 - B2C

Unternehmensort

Empfängerort

Unternehmensort

Ort, an dem der vermittelte Umsatz erbracht

wird 1)

Empfängerort

Ort, an dem der vermittelte

Umsatz erbracht wird

Grundstücksort

Grundstücksort

Grundstücksort

Dort, wo sie stattfindet

Dort, wo diese jeweils stattfindet

Dort, wo sie stattfindet

Dort, wo sie stattfindet

Empfängerort

Dort, wo sie stattfindet

Abgangsort 1)

Empfängerort

Abgangsort

Tätigkeitsort

Tätigkeitsort

Tätigkeitsort

Tätigkeitsort 1)

Empfängerort

Tätigkeitsort

Tätigkeitsort 1)

Empfängerort

Tätigkeitsort

Unternehmensort

Tätigkeitsort

Tätigkeitsort

Unternehmensort

Abgangsort

Abgangsort

Unternehmensort

Dort, wo es zur

Verfügung gestellt wird

Dort, wo es zur

Verfügung gestellt wird

Unternehmensort

Empfängerort

Unternehmensort 2)

Empfängerort

Empfängerort

Empfängerort

Tatsächliche Nutzung oder Auswertung

Empfängerort

Tatsächliche Nutzung oder Auswertung

Empfängerort

Empfängerort

Empfängerort

Empfängerort (B2B) /

Unternehmensort (B2C)

Empfängerort

Unternehmensort

© Jakob Dalik

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Beispiel:

Der ungarische Unternehmer U wird vom österreichischen Unternehmer

Ö mit dem Catering für eine Firmenveranstaltung in Österreich

im Jänner 2010 beauftragt. Die Rechnung wird im Februar

2010 ausgestellt.

Lösung ab 01.01.2010:

Die Cateringleistung des U ist eine Restaurantleistung. Diese

ist am Tätigkeitsort, d. h. in Österreich steuerpflichtig. Da U ein ausländischer

Unternehmer ist, geht die Steuerschuld im Wege des

Reverse-Charge-Systems auf Unternehmer Ö über. Die Steuerschuld

bei Ö entsteht mit Ablauf des Monats, in dem die Leistung

ausgeführt wurde, d. h. im Jänner 2010. Ö steht im Jänner 2010 der

Vorsteuerabzug aus der im Reverse-Charge-System erklärten Steuer

zu, da das Vorliegen einer Rechnung weder Voraussetzung für die

Entstehung der Steuerschuld beim Reverse-Charge-System noch für

den Vorsteuerabzug ist.

Lösung vor 01.01.2010

Die Cateringleistung des U ist am Unternehmerort, d. h. in Ungarn

steuerbar.

Die weiteren umsatzsteuerliche Änderungen sind in der obenstehenden

Tabelle ersichtlich.

Zusätzlich müssen Unternehmen ab dem 01.01.2010 ihre grenzüberschreitenden

Dienstleistungen an EU-Unternehmer in die sog.

Zusammenfassende Meldung aufnehmen. Bisher war dies nur für

innergemeinschaftliche Warenlieferungen vorgesehen.

Im neuen Mehrwertsteuer-Paket ist die Vereinfachung des Vorsteuer-Vergütungsverfahren

ebenfalls vorgesehen. Somit können

die Anträge künftig direkt beim zuständigen Finanzamt in Österreich

in elektronischer Form gestellt werden. Bisher mussten Anträge in

mehreren EU-Ländern gestellt werden, sofern ein Unternehmer in

mehreren Ländern Anspruch auf Vorsteuerrückerstattung hatte.

KÜNSTLER UND DIE „ICH-GMBH“ - EIN

DORN IM AUGE DER FINANZVERWALTUNG

Wie bereits von Christian Rauter („Wo geht die freie Rechtsformwahl

hin“) in „Tax Artist 2/09“ angekündigt, informieren wir Sie

im folgenden Beitrag über die aktuellen Entwicklungen hinsichtlich

der Zurechnung der Einkünfte aus einer höchstpersönlichen Tätigkeit.

Das BMF änderte die Fassung der „Rz 104“ der Einkommensteuerrichtlinien

und sorgte damit für reichlich Kritik, da die „Vergütungen

für höchstpersönliche Tätigkeiten mit Wirkung ab 1.7.2009 demjenigen

zuzurechnen sind, der die Leistung persönlich erbringt“. Demnach

seien Leistungen von Freiberuflern, insbesondere von Schriftstellern,

Vortragenden und Künstlern, die über die Rechtsform der GmbH erbracht

werden, nunmehr der natürlichen Person selbst und nicht mehr

der GmbH zuzurechnen.

Die Gründung einer GmbH und die Erbringung der Tätigkeit über

diese GmbH kann aber für einen Freiberufler durchaus steuerlich von

Vorteil sein. Denn die Vergütung unterliegt auf Ebene der Kapitalgesellschaft

der 25%igen Körperschaftsteuer. Erst die Ausschüttung des

Gewinnes führt beim Gesellschafter zu einer Besteuerung, sodass die

Gesamtsteuerbelastung der Erträge derzeit 43,75% beträgt. Ohne Zwischenschaltung

einer GmbH würde die Vergütung der Tätigkeit bei der

natürlichen Person der Einkommsteuer mit bis zu 50% unterliegen.

Zu weiteren Bespiele verweisen wir auf den Beitrag im Tax Artist 1/09

„Die GmbH als Rechtsform im Kulturbereich“.

Das BMF hat auf die massive Kritik reagiert und beabsichtigt, der

Randziffer 104 die „Schärfe“ zu nehmen. Die geplante Adaptierung

der Randziffer 104 soll nun mehr Klarheit schaffen und Rechtsunsicherheit

vermeiden. Die Finanzverwaltung hat primär „zwischengeschaltete“

Einmann-Kapitalgesellschaften im Auge, die unter dem

beherrschenden Einfluss der höchstpersönlich tätigen Person stehen.

Nach der abgeänderten Fassung soll bei einer „zwischengeschalteten“,

unter dem Einfluss des Steuerpflichtigen oder seinen nahen

Angehörigen stehenden Kapitalgesellschaft, eine Zurechnung der Einkünfte

an die natürliche Person nur dann erfolgen, wenn die Kapitalgesellschaft

über keinen eigenständigen, sich von der natürlichen Person

abhebenden geschäftlichen Betrieb verfügt und selbst Marktchancen

nicht nutzen kann. Dies ist bei Vergütungen für höchstpersönliche

Tätigkeiten, wie zum Beispiel bei Schriftstellern, Vortragenden, „Drittanstellung“

von Vorständen, Stiftungsvorständen und Aufsichtsräten

der Fall. Zu beachten ist, dass vorbereitende Tätigkeiten oder

Hilfstätigkeiten zu einer höchstpersönlichen Tätigkeit in der Kapitalgesellschaft,

zum Beispiel das Sekretariat, keinen eigenständigen, sich

abhebenden geschäftlichen Betrieb darstellen. Ob bei einer Kapitalgesellschaft

ein eigenständiger, sich von der natürlichen Person abhebender,

geschäftlicher Betrieb vorliegt, ist im Einzelfall zu beurteilen.

Zusammenfassung:

Bei „höchstpersönlichen“ Einkünften sind nach dem geplanten

Wortlaut zwei Aspekte zu beachten: Einerseits ist abzuklären, ob

bei der Kapitalgesellschaft ein eigenständiger Betrieb vorliegt, der

sich von jenem der natürlichen Person abhebt. Andererseits ist zu

beleuchten, ob die Kapitalgesellschaft am Markt auftritt und die Leistung

von ihr erbracht werden darf. Auch wenn die Finanzverwaltung

begrüßenswerterweise die EStR konkretisiert hat, bleiben einige Fragen

hinsichtlich der Abgrenzung unbeantwortet. Es bleibt daher die

Verwaltungspraxis abzuwarten.

Karin Posch

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„DER ORF VERZICH-

TET AUF DEN KUL-

TURAUFTRAG“

Der TaxARTIST sprach mit Alexander Götz, Kaufmännischer Direktor der

Theater in der Josefstadt BetriebsgesmbH.

Das Gespräch führte Hans Hammerschmied

© zVg

TaxARTIST: Sie sind nun seit zehn Jahren kaufmännischer

Leiter des Theaters in der Josefstadt – an welche Höhepunkte

erinnern Sie sich am liebsten

Der jüngste große Höhepunkt, der meine Zeit wesentlich in Anspruch

genommen hat, war in den letzten Jahren die Generalrenovierung

des Theaters in der Josefstadt von 2006 – 2008, wobei noch

einige Nacharbeiten im nächsten Sommer erledigt werden – wir

können schließlich nur in der spielfreien Sommerzeit des Theaterbetriebes

bauliche Maßnahmen vornehmen. Die letzte große bauliche

Erneuerung fand 1924 zu Beginn der künstlerischen Direktion

Max Reinhardts statt, also vor mehr als 80 Jahren. So ein Höhepunkt

kommt also so bald nicht wieder – wenn ich davon absehe, dass die

Kammerspiele, die zu unserem Betrieb gehören und nächstes Jahr

ihr 100-jähriges Jubiläum seit der Gründung im Jahr 1910 feiern,

auch dringend renoviert gehören, unter anderem im Bühnenbereich,

den Künstlergarderoben und technischen Bereichen.

Etwas weiter zurückliegend, zu Beginn meiner Geschäftsführungszeit,

war es eine wirtschaftliche Herausforderung, den Betrieb

zusammen mit den Kulturabteilungen der Stadt Wien und des

Bundes im Rahmen eines Sanierungskonzeptes zu entschulden. Es

war für mich ein Höhepunkt, die gemeinsame Anstrengung aller rd.

360 Mitarbeiter, die sich zusammen mit dem Betriebsrat an der Lösung

der Probleme aktiv beteiligten und auch einen wesentlichen Teil

zur Entschuldung beitrugen, in einem Kontrollamtsbericht der Stadt

Wien im Jahr 2004 positiv gewürdigt zu wissen.

Abgesehen davon ist für mich jede Produktion, die im Theater in

der Josefstadt oder den Kammerspielen zur Premiere kommt, etwas

Einzigartiges in der sich stets erneuernden Theaterwelt. Diese sind

auch Höhepunkte, wenn ich als kaufmännischer Leiter auch nicht

unmittelbar beteiligt bin, deren Entstehen ich aber genauso angespannt

miterlebe, denn letztlich arbeiten in einem Theaterbetrieb

alle MitarbeiterInnen für die jeweils nächste Premiere und deren

Erfolg, künstlerisch wie kommerziell. Für die kaufmännische Funktion

ist aus meiner Sicht eine Identifikation mit dem künstlerischen

Produkt genauso wichtig, denn ich betrachte die Funktion des kaufmännischen

Leiters eines Theaterbetriebes – wie auch in jedem Non-

Profit-Betrieb – ebenso als Berufung wie als Beruf.

Im Programmauftrag laut ORF-G (§4) ist ein klar definierter

Kulturauftrag verankert. Trotzdem werden die Übertragungen

zB von Vorstellungen aus Ihrem Theater immer

rarer. Woran liegt dieser Rückgang Ihrer Ansicht nach und

was könnte man dagegen unternehmen

Ich glaube, die Problematik liegt in dem immer stärker werdenden

Achten auf Quote und Einsparungen in Bereichen, die außerhalb

des Mainstream liegen. Dabei wird auf den Kulturauftrag

und die wesentlich zu einer gesamtgesellschaftlichen Kulturbildung

erforderlichen Programme verzichtet. Wie lange ist es her, dass die

Kulturberichterstattung ihren festen Platz in der täglichen Nachrichtensendung

hatte oder Kultursendungen im Hauptabendprogramm

liefen Wer wird schon zusehen, wenn die Sendeplätze spätabends

sind bzw. die Spätabends-Berichterstattung von der einzigen großen

österreichischen Kulturpreisverleihung für Sprechtheater grundsätzlich

im ORF diskutiert werden

Ich hoffe, dass der Präsenz des österreichischen Kulturangebots

– aus meiner Sicht natürlich vor allem den Sprechtheateraufzeichnungen

– mehr Platz eingeräumt wird. Die Bereitschaft der künstlerischen

Mitwirkenden zu günstigen Aufzeichnungskonditionen

für den ORF hat sich in den letzten Jahren schon außerordentlich

entwickelt – jetzt liegt es am ORF, diese Möglichkeiten zu nützen.

Stichwort Schauspielnachwuchs – Wie schätzen Sie die

Situation in Österreich ein

Die Einschätzung der Nachwuchsentwicklung muss ich aus meiner

Sicht etwas differenzierter darstellen, da es nicht nur um die

vielen jungen Nachwuchstalente geht, die heute ans Theater wollen,

sondern auch darum, wie aus Ihnen Darstellerpersönlichkeiten

werden, die einen Bekanntheitsgrad erreichen und das Publikum ins

Theater ziehen und nicht vor den Fernseher, ins Kino oder zu einem

Event:

Zweifellos hat sich die Medienlandschaft im deutschsprachigen

Raum durch eine enorme Zunahme angebotsseitig verändert (TV-

Kanäle, Filme, neue Technologien). Im Vergleich zu früher, als es nur

einen, dann zwei Fernsehkanäle gab, musste sich jeder Darsteller

„nur“ in einem dieser Kanäle behaupten, um einen hohen Bekanntheitsgrad

zu erreichen. Heute nützt es nichts, in einer Serie oder

auf einem Kanal mitzuwirken, die andauernde Präsenzerfordernis

in einer Vielzahl von Medien stellt die Schauspieler vor ein großes

Problem, das zeitlich gar nicht bewältigbar ist. Das Erreichen des

Namenszusatzes „Die“ oder „Der“ vor dem Nachnamen ist in den

letzten Jahren nicht mehr wie früher möglich. Auch die Bindung des

Publikums und die Fluktuation der Darsteller zwischen den Häusern

im deutschen Sprachraum - anders als bei Opernsängern, die sich

dadurch leichter tun! – trägt nicht mehr ausreichend zum überregio-

9


„EIN KULTURBETRIEB IST EIN LE

ORGANISMUS, KEIN MUSEUM P

Alexander Götz, Kaufmännischer Direktor der Theater in der Josefstadt BetriebsgesmbH

nalen Statusgewinn bei.

Ein Signal für die Veränderung in der Nachwuchsentwicklung

ergibt sich auch durch das Abgehen von öffentlich legitimierten

Abschlussprüfungen von privaten Schauspielschülern, die keine öffentliche

Schauspielschule (Reinhardt-Seminar, Konservatorien der

Städte, etc.) absolviert haben. In Deutschland und der Schweiz gibt

es keine Schauspielprüfungen für Privatschüler mehr!

Andererseits ergibt sich durch eine Vielzahl von Quereinsteigern

aus Kabarett und Film eine neue Möglichkeit, „Nachwuchs“ aufzubauen,

der dem Publikum bekannt und bereit ist, in einem Theaterbetrieb

im Repertoire mitzuwirken.

In den letzten Jahren klafft die Schere zwischen den öffentlichen

Förderungen und dem tatsächlichen Finanzbedarf

vieler österreichischer Kultureinrichtungen immer weiter

auseinander – wo sehen Sie die Grenze der Selbstfinanzierung

Die Bereitschaft der kulturpolitischen Verantwortlichen - sowohl

der Bundesseite als auch der Stadt Wien, die erforderlichen Anpassungen

für öffentliche Förderungen vorzunehmen, ist gegeben.

Allerdings nur nach Maßgabe ihrer verfügbaren Mittel, die immer

knapper werden. Wenn ich aus Sicht der Josefstadt auch für die gute

Zusammenarbeit und die Akzeptanz unserer Anliegen dankbar bin,

muss ich trotzdem immer wieder daran erinnern, dass das künstlerische

Budget 2007 real um EUR 0,7 Mio weniger Geld zur Verfügung

hat als 2001. Das bedeutet ein ständiges Ressourcenmanagement

bei den Aufführungen und zusätzliche Kreativität, um mit den verfügbaren

Mitteln eine hochwertige künstlerische Qualität und Präsenz

zu erreichen.

Die Theater in der Josefstadt Betriebsgesellschaft mbH erzielt

mit rd. 360 Mitarbeitern einen Nettoumsatz von rd. EUR 9 Mio pro

Jahr und deckt damit rd. 40 % des Gesamtbudgets aus eigenen Erträgen.

Das ist – was Sprechtheater betrifft – im deutschen Sprachraum

einzigartig. Die Daten hierzu sind der deutschen Theaterstatistik zu

entnehmen, die jährlich eine Aufstellung der Leistungen und Kosten

der großen Bühnen in der BRD, der Schweiz und Österreich

auflistet und für Sprechtheater einen Durchschnittswert von rd. 20%

ausweist. Zweifellos sind die Josefstadt und die Kammerspiele die

effizientesten Bühnen mit rd. 700 Vorstellungen pro Saison in insgesamt

10 Monaten. Auch die Kennzahlen für die durchschnittliche

Einnahme pro Besucher oder – umgekehrt – die Förderung pro Besucher

aus öffentlichen Mitteln zeigen als repräsentative Vergleichswerte

jeweils die Josefstadt an der Spitze. Aber aufgrund der bereits

erreichten höchstmöglichen Einnahmen und Ausschöpfung der

Einsparungspotentiale werden die jährlichen Inflationsanpassungen

und kollektivvertraglichen Erhöhungen – gerade in wirtschaftlich

schwierigeren Zeiten – nicht an die Besucher weitergegeben sondern

nur durch zusätzliche öffentliche Unterstützungen abgedeckt

werden können. Hier sollte es zu einer höheren Aufmerksamkeit der

öffentlichen Fördergeber für die wirtschaftlich erfolgreicheren Kulturveranstalter

aufgrund des höheren Ausfallsrisikos im Vergleich

zu denen kommen, die noch Potential haben, wenn auch sicherlich

nicht zu einem „Theaterpaket“ - in Anlehnung an andere Branchen.

Aber ein Theater verkauft sich nicht durch den Kaufmann, sondern

durch die Attraktivität seines künstlerischen Angebots und die

Qualität seiner Aufführungen. Für die öffentlichen Förderungen sind

durchaus andere als die wirtschaftlichen Werte ausschlaggebend,

hier ist vor allem die individuelle künstlerische Positionierung des

Betriebes in der Wiener bzw. Österreichischen Kulturlandschaft für

seine Förderungswürdigkeit relevant. Eine einheitliche Selbstfinanzierungslinie

wird daher nicht realistisch sein, auch wenn den wirtschaftlichen

Daten und Benchmarking seitens der öffentlichen Hand

mehr Aufmerksamkeit geschenkt werden wird.

Angenommen, Sie könnten von nun an frei nach Ihren

Wünschen und ohne finanzielle Limits agieren. Welche Projekte

(ev. welche Stücke in welcher Besetzung) könnten Sie

dann realisieren

Das müssten Sie Herbert Föttinger, den künstlerischen Leiter

des Theaters in der Josefstadt und meinen Partner in der Geschäftsführung

fragen, der Ihnen – trotz der beengten räumlichen Verhältnisse

in unseren Theatern – von einer Vielzahl von künstlerischen

Vorhaben, beginnend mit Aufträgen für neue Theaterstücke an

bedeutende österreichische und internationale Dramatiker, der Zusammenarbeit

mit hervorragenden Regisseuren und Ausstattern für

Bühnenbild und Kostümen aus dem In- und Ausland, interessanten

Darstellerpersönlichkeiten und der besseren Möglichkeit, sich stärker

der Ausbildung des künstlerischen Nachwuchses zu widmen,

erzählen würde. Auch die verstärkte Chance, ohne Kostendruck eine

Tournee mit eigenen Produktionen im deutschen Sprachraum zu

machen, wäre eine großartige Idee, die das Ansehen des eigenen

Kulturschaffens über die Grenzen von Wien und Österreich hinaustragen

könnte. Die Koproduktionen und Gastspiele im In- und Ausland,

ob in Bregenz, Klagenfurt, Berlin, Hamburg, Prag oder Südtirol

standen bisher immer unter dem Druck der Erreichung der Selbstkostendeckung.

Wesentlich wäre für mich aus kaufmännischer Sicht vor allem

eine Erneuerung der IT-Infrastruktur, der personellen Verstärkung

10


© zVg

BENDER

ER SE“

der Ressourcen für Marketing und Vertrieb sowie eine durchgehende

Servicierung des Publikums mit Informationen über unsere

Theater mit Publizierungen, Werkeinführungen zu den Aufführungen

und Informationen, zu denen derzeit die erforderlichen personellen

Möglichkeiten fehlen. Ich denke, dass es in einem Theater

immer an den verfügbaren Mitteln, nicht an der Kreativität fehlt.

Stellen Sie sich vor, Sie gehörten der aktuellen Bundesregierung

an – welche kulturpolitischen Akzente setzten

Sie

Ich bin nicht unglücklich, nicht der aktuellen Bundesregierung

anzugehören, da die wirtschaftlichen Herausforderungen, die sich

für die Bundesregierungen der kommenden Jahrzehnte stellen

werden, aufgrund der jetzigen Entscheidungen angesichts der

Wirtschaftskrise unserer Tage maßgeblich beeinflusst werden und

daher mit sehr großer Verantwortung belastet sind. Welche Chancen

die jetzige Krise für unseren Lebensraum bietet kann ich nicht

ermessen, aber auf die öffentlichen Haushalte – die für das Wohl

und den Wohlstand unserer Gesellschaft und damit auch der kulturpolitischen

Situation bestimmend sind – kommen zweifelsohne

schwierigere Zeiten mit knapper werdenden finanziellen Mitteln aufgrund

der stark gestiegenen Verschuldung des Staatshaushaltes zu.

Dadurch wird auch das derzeit ausgezeichnete Kulturangebot Wiens

und Österreichs und dessen Bedeutung für unsere Bevölkerung und

– wesentlich für eine Kulturnation wie Österreich – den internationalen

Tourismus zu hinterfragen sein und wie immer werden dabei

auch einige Abstriche oder Veränderungen erfolgen. Aber wie in

allen Branchen gehören Veränderungen zum Leben und ein Theater-

bzw. Kulturveranstalter, der sich nicht dem sich verändernden

gesellschaftlichen Umfeld anpasst oder besser noch neue kulturelle

Akzente setzt, wird langfristig nicht überleben.

Ein Kulturbetrieb, ob aus darstellender oder bildender Kunst, ist

schließlich ein lebender Organismus, der sich mit seinem Publikum

in jeder öffentlichen Veranstaltung austauscht und kein Museum per

se!

Es wird für die Kulturschaffenden und deren positive Zukunftsperspektive

in nächster Zeit wahrscheinlich stärker darauf ankommen

zu berücksichtigen, was der große Theatermann Max Reinhardt

sagte: „Wirklich gutes Theater wird es immer dann geben, wenn das

Ensemble auf der Bühne und das Ensemble im Zuschauerraum

zusammenspielen.“ Auch für diese Auffassung und Ziele des kulturellen

Schaffens ist eine entsprechende kulturpolitische Akzeptanz

nicht unwichtig.

Es ist aus meiner Sicht daher zweckmäßig, die Möglichkeiten

der Finanzierung von Kulturveranstaltern auch durch private Haushalte

verstärkt zu ermöglichen und geeignete Rahmenbedingungen

zu schaffen, beispielsweise durch steuerliche Abzugsfähigkeit von

Spenden und Donationen für die betriebliche Finanzierung bzw. die

Erhaltung der baulichen und technischen Substanz der Theaterbetriebe.

Die Menschen im deutschsprachigen Raum sind seit dem

2. Weltkrieg gewohnt, dass die Gebietskörperschaften für das Kulturangebot

aufkommen und sich nur zu einem geringeren Teil am

Markt, d.h. durch Publikum und Sponsoren, finanzieren muß. Eine

so langfristige Gewohnheit wird nicht von heute auf morgen zu ändern

sein, aber besser früher einen Umdenkprozess einzuleiten als

zu spät.

Ein weiterer wesentlicher Akzent, den ich setzen würde, ist die

Einführung längerfristiger Planungshorizonte für große Kulturbetriebe.

Die Fristen der Planung von Produktionen für Opernhäuser

liegen bei rd. 5 Jahren, in Sprechtheatern bei 2-3 Jahren, wenn die

Häuser innovativ sein sollen und lebenden Dramatikern Stückaufträge

geben, die in einer der darauffolgenden Spielzeiten zur Aufführung

gebracht werden können. Die bereits in Wien eingeführte

und bewährte 3-Jahresplanung sollte in Abstimmung mit dem Bund

durch ein roulierendes, sich jährlich stetig weiterentwickelndes System

ergänzt werden, damit nicht – nach einer längeren Verhandlungsphase

im 3. Jahr einer Finanzierungsperiode eine nicht mehr

zu beeinflussende Situation eintritt, wenn die Spielpläne mit dem

erforderlichen Finanzbedarf vorliegen, aber die tatsächliche Finanzierung

kurzfristig nachlässt. Eine 3-jährige Planungssicherheit wäre

daher für Kulturveranstalter, aber auch für die öffentlichen Hände

und deren entsandte Organe in den betroffenen Betrieben zweifelsfrei

vorteilhafter. Ergänzt werden sollte die Planung durch regelmäßige

Soll – Ist Abstimmungen anhand von auf der handelsrechtlich

erforderlichen Berichterstattung aufbauenden standardisierten Gebarungskontrollen.

Herr Götz, vielen Dank für das Gespräch!

11


ARTJUNGLE

Die regelmäßige Kolumne über die kreativen Leiden Herrn und

Frau Österreichers

Martina Popp

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Chefredakteur: Mag. Hans Hammerschmied

Chef vom Dienst: Jakob Dalik

Redaktion: Dkffr. (FH) Szilvia Fischer,

Mag. Andrea Hammerschmied,

Mag. Doris Hohenegger

Mag. Bettina Kirisits, Martina Popp,

Mag. Karin Posch

Junge und alte Leute, Politiker, Künstler,

selbsternannte Stars und andere sich nach

dem Rampenlicht sehnende Personen zieht es

immer weg von Österreich, raus in die Ferne,

weil sie glauben, dass es überall leichter ist,

Karriere zu machen als in Österreich. Wenn ich

das höre, denke ich an Thomas Bernhard und

an eines seiner umstrittensten Werke „Heldenplatz“.

Darin sagt er „Österreich selbst ist nichts

als eine Bühne...“ – jeder, der Thomas Bernhard

und dieses Stück kennt, weiß, wie das Zitat

weitergeht.

Wenn Österreich eine Bühne ist, würde

mein Schauspiel so aussehen: als Kulisse

könnte ich mir das Schloss Schönbrunn mit

dem Tiergarten, das Riesenrad, die Festung Hohensalzburg,

das Schloss Velden mit dem Blick

auf den weitreichenden Wörthersee oder den

Stadtturm Innsbruck vorstellen ... Zur musikalischen

Untermalung, wie könnte es anders

sein, würde ich die Wiener Sängerknaben in

Begleitung der Wiener Philharmoniker bitten.

Diese treten auch als Botschafter der Musik und

des österreichischen Kulturguts in der ganzen

Welt auf, begeistern Millionen von Menschen

— zum Glück hat Asien die größte Bevölkerungsanzahl

- und sie zeigen auf, dass ein gut

dargebrachtes Stück das emotionale Wohlbefinden

steigern und Länder zusammenbringen

kann. Böse Zungen könnten behaupten, dass

Wien für asiatische Musikliebhaber das gleiche

ist, wie Mekka für Angehörige des muslimischen

Glaubens.

Gut, damit hätten wir eine passende Kulisse

und die Musiker, fehlen uns noch gute

Schauspieler: zu besetzen wäre die Rolle des

immer gut gelaunten Großvaters, der Lebensweisheiten

aufbietet und doch zeigt, dass nicht

immer alles so wunderbar ist, wie es scheint.

Zu diesem Exemplar gehört eine kontrastreiche

Ehefrau, die sehr bedacht ist, alles in die

richtige Bahn zu lenken und die Etikette zu wahren.

Das Ehepaar, um das sich alles rundherum

dreht, das zwar wichtig ist für das Funktionieren

des Schauspiels, aber nicht weiter erwähnenswert.

Nicht zu vergessen ist die

Rolle des Sohnes, der die Erfahrung macht,

dass eine Mauer eine größere Hürde darstellen

kann, als man es je erwartet hätte.

Und natürlich die Durchschnittstochter, im

Leben erfolgreich, aber doch auf der Suche

nach der großen Liebe. Einer fehlt noch –

der etwas nervende Onkel, der die Familie

mit seinen „Mausis und Bambis“ nervt,

aber doch nicht wegzudenken ist. Zu guter

letzt brauchen wir noch ein Drehbuch, aber

wie die jüngsten Ereignisse gezeigt haben,

werden (gute) Drehbücher in Österreich auf

dem Müll gefunden. Außerdem schreibt

das Leben noch immer die besten Geschichten

– diese sind sogar noch besser,

wenn sie in Österreich stattfinden.

Österreich selbst ist nichts als eine

Bühne auf der alles verlottert und vermodert

und verkommen ist eine in sich selber

verhasste Statisterie von sechseinhalb

Millionen Alleingelassenen sechseinhalb

Millionen Debile und Tobsüchtige die ununterbrochen

aus vollem Hals nach einem

Regisseur schreien. (Thomas Bernhard,

Heldenplatz)

Produktion:

Jakob Dalik / HHP

Grundlayout:

Karen Sadler / domus verlag e.U.

Grundlegende Richtung: TaxARTIST ist

das Kulturmedium der Hammerschmied

Hohenegger & Partner Wirtschaftsprüfungs

Ges.m.b.H. Die grundlegende Richtung

des Mediums ist mit dem Unternehmensgegenstand

der Hammerschmied

Hohenegger & Partner Wirtschaftsprüfungs

Ges.m.b.H. vorgegeben. Im Rahmen einer

professionellen, qualitätsbewussten und

persönlichen Betreuung informieren wir

über ausgewählte Themen des Steuerrechts

sowie kulturrelevante Themen. Sämtliche

Daten und Informationen wurden von

der Redaktion sorgfältig geprüft und für

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ANKÜNDIGUNG

2. HHP

Kulturkongress

28. April 2010

Akademie der Wissenschaften.

SV-Recht

Arbeitsrechtliche

Grundlagen in Kulturbetrieben

Schauspielgesetz

Abgrenzung Werkvertrag

/ Dienstvertrag

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