Kind, Jugendliche, Familie, Frau (KJFF) - h.e.p. verlag ag, Bern

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Kind, Jugendliche, Familie, Frau (KJFF) - h.e.p. verlag ag, Bern

Training & Transfer Pflege 1 6

Curriculumsverbund ABZ (Hrsg.)

Kind, Jugendliche,

Familie, Frau (KJFF)


Inhaltsverzeichnis | KJFF | 16

Inhaltsverzeichnis

Vorwort 7

1 Einführung in das Thema 9

Begriffsklärung 10

Kompetenzen 11

1.1 Vernetzungen mit anderen Lehrplaninhalten 12

1.2 Lernziele 13

1.3 Methoden 14

Vorgaben 14

Kompetenzenorientierung 14

1.4 Fallbeispiel 16

1.5 Vorkenntnistests 17

Involutions- und Heilungsprozesse 17

Brustkontrolle und -pflege 19

Stillen und Ernährung 21

Einen Säugling baden 23

Nabelpflege 25

Wickeln 27

Kapillare Blutentnahme an der Ferse 28

Kontrolle der Ausscheidungen 29

Vitalzeichen und Temperatur überwachen 31

2 Handlungsabläufe 35

2.1 Kontrolle der Involutions- und

Heilungsprozesse 36

Kontrolle von Lochien, Uterus und Damm –

Handlungsablauf 36

Kontrolle von Lochien, Uterus und Damm –

Arbeitsauftrag 49

Kontrolle von Lochien, Uterus und Damm –

Beobachtungscheckliste 51

2.2 Brustkontrolle und -pflege 62

Brustkontrolle und -pflege – Handlungsablauf 62

Brustkontrolle – Arbeitsauftrag 72

Brustkontrolle und -pflege – Beobachtungscheckliste

74

2.3 Stillen und Ernährung 82

Feinziele zu den Themen Stillen und Ernährung 82

Stillen – Handlungsablauf 83

Flaschennahrung zubereiten und verabreichen –

Handlungsablauf 90

Flaschennahrung zubereiten und verabreichen –

Arbeitsauftrag 95

Zusatzauftrag 96

Stillen – Beobachtungscheckliste 97

Flaschennahrung zubereiten und verabreichen –

Beobachtungscheckliste 101

2.4 Einen Säugling baden 105

Feinziele zum Thema Säuglingsbad 105

Einen Säugling baden – Handlungsablauf 106

Einen Säugling baden – Arbeitsauftrag 112

Einen Säugling baden – Beobachtungscheckliste 113

2.5 Nabelpflege 117

Nabelpflege – Handlungsablauf 117

Nabelpflege – Arbeitsauftrag 127

Nabelpflege – Beobachtungscheckliste 129

2.6 Wickeln 138

Wickeln – Handlungsablauf 138

Wickeln – Arbeitsauftrag 152

Wickeln – Beobachtungscheckliste 154

2.7 Kapillare Blutentnahme an der Ferse 166

Feinziele zum Thema Kapillare Blutentnahme

an der Ferse 166

Kapillare Blutentnahme an der Ferse –

Handlungsablauf 167

Kapillare Blutentnahme – Arbeitsauftrag 170

Kapillare Blutentnahme an der Ferse –

Beobachtungscheckliste 172

2.8 Kontrolle der Ausscheidungen 175

Urinbeutel ankleben – Handlungsablauf 175

Urinbeutel ankleben – Arbeitsauftrag 185

Urinbeutel ankleben – Beobachtungscheckliste 187

2.9 Vitalzeichen kontrollieren 195

Atmung überwachen – Handlungsablauf 195

Herzfrequenz überwachen – Handlungsablauf 204

Temperatur überwachen – Handlungsablauf 209

Vitalzeichen (Atmung, Puls) und Temperatur

überwachen – Arbeitsauftrag 217

Atmung überwachen – Beobachtungscheckliste 219

Herzfrequenz überwachen –

Beobachtungscheckliste 226

Temperatur überwachen – Beobachtungscheckliste

230

3 Aufgaben zur Vertiefung und

zum Transfer 237

3.1 Weiterführende Aufgaben 238

Familienwerdung 1 238

Erste Entwicklungsschritte beim Neugeborenen 239

Familienwerdung 2 240

5


16 | training & transfer Pflege | Kind, Jugendliche, Familie, Frau

Involutionskontrolle: Wie viel Blut ist zu viel 242

3.2 Aufgaben zum Transfer 243

KJFF – Aufgabe 1 243

KJFF – Aufgabe 2 244

Brustkontrolle und -pflege – SOMAT 245

Chronische Erkrankung, Behinderung 246

Psychiatrie 247

4 WERKSTATTANALYSE, LERN-

ERFOLGSKONTROLLE UND LÖSUNGEN

VORKENNTNISTEST 249

4.1 Reflexion zur Werkstattarbeit 250

4.2 Lernerfolgskontrolle 253

4.3 Vorkenntnistests – Lösungen 265

Involutions- und Heilungsprozesse 265

Brustkontrolle und -pflege 267

Stillen und Ernährung 270

Baden eines Säuglings 273

Nabelpflege 275

Wickeln 277

Kapillare Blutentnahme an der Ferse 279

Kontrolle der Ausscheidung 280

Vitalzeichen und Temperatur überwachen 281

5 LITERATUR 285

5.1 Bücher/Broschüren/Zeitschriftenartikel 286

5.2 Pflegestandards/Richtlinien 291

5.3 Filme (DVD und CD-ROM) 292

5.4 Links 292

6 Kurzchecklisten für die Praxis 293

6.1 Kontrolle von Lochien, Uterus und Damm 294

6.2 Brustkontrolle und -pflege 305

6.3 Stillen 313

6.4 Flaschennahrung zubereiten und

verabreichen 316

6.5 Einen Säugling baden 319

6.6 Nabelpflege 322

6.7 Wickeln 330

6.8 Kapillare Blutentnahme an der Ferse 342

6.9 Urinbeutel ankleben 345

6.10 Atmung überwachen 352

6.11 Herzfrequenz überwachen 359

6.12 Temperatur überwachen 363

6


VorwoRT | KJFF | 16

Vorwort

Zum Lehrplan Pflege HF gehört einerseits nicht nur eine fundierte schulische

Ausbildung, in der Sie als angehende Pflegefachperson die notwendigen theoretischen

Kenntnisse erwerben, sondern andererseits auch eine praktische

Schulung, in der Sie sich in der Praxis Kenntnisse, Fähigkeiten und Fertigkeiten

aneignen: In einem Akutspital, einem Pflegeheim, einer psychiatrischen

Einrichtung oder einer Spitex-Organisation erlernen Sie die professionellen

Fähigkeiten und Fertigkeiten und setzen das theoretische Grundwissen um.

Wie muss nun aber der Transfer zwischen den beiden Lernbereichen gestaltet

werden, damit jeder Bereich vom anderen optimal profitiert Wie lässt sich

das angeeignete theoretische Wissen in der Praxis umsetzen Und wie können

in der Praxis erworbene Fähigkeiten und Fertigkeiten mittels Theo rie gefestigt

werden Solche Fragen betreffen den Lernprozess jeder und jedes Studierenden.

Die Antworten finden sich am «dritten Lernort», im Lernbereich Training

& Transfer (LTT).

Im Lehrplan der Kantone Aargau, Bern, Schaffhausen und Zürich (ABZ) wird

den Schnittstellen zwischen Theorie und Praxis viel Gewicht beigemessen.

Aus der Überzeugung heraus, dass die Kompetenz, etwas theoretisch Gelerntes

in der Praxis umzusetzen bzw. etwas in der Praxis Gelerntes mit Theorie

zu untermauern, unterstützt und geübt werden will, wurde im Rahmen der

Entwicklung des Lehrplans für den LTT ein eigenes Lehrmittel erarbeitet,

welches nicht nur im Lehrplan ABZ, sondern bei jeder Ausbildung zur Pflegefachperson

HF eingesetzt werden kann.

Mit den 18 Arbeitsheften der Reihe Training & Transfer Pflege möchten wir

den Studierenden der HF Pflege, der Pflegepraxis und anderen Interessierten

im Gesundheitswesen ein Arbeitsmittel zur Verfügung stellen, das als Transferelement

zwischen Theorie und Praxis dienen soll. Jedes Arbeitsheft basiert

auf einem Fallbeispiel, das als Ausgangslage für die Arbeitsaufträge dient.

Dabei wird auf dem Vorwissen der Studierenden aufgebaut – mit einem Vorkenntnistest

kann der eigene Wissensstand überprüft werden. Alle Arbeitshefte

wurden unter Mitwirkung von Berufsfachpersonen aus Praxis und

Schule entwickelt. An dieser Stelle danken wir allen Beteiligten herzlich für

ihr grosses Engagement.

Im Namen der an der Entwicklung des Lehrplans ABZ beteiligten Kantone und

Bildungsanbieter wünschen wir Ihnen viel Erfolg bei Ihrer Ausbildung!

Die Herausgeber

Peter Marbet

Werner Mathis

Ernst Schläpfer

Hanni Wipf

7


1 Einführung in das Thema

Das Wochenbett und die Zeit danach


16 | training & transfer Pflege | Kind, Jugendliche, Familie, Frau

Thema dieses Arbeitshefts ist das Wochenbett und die Zeit danach. Der

inhaltliche Schwerpunkt liegt auf der Begleitung einer gesunden Wöchnerin

und ihres Kindes. Die Studierenden setzen sich mit der Betreuung von Mutter

und Kind im Wochenbett und in der Säuglingszeit auseinander.

Ein wichtiger Punkt ist dabei die Förderung der Familienwerdung – der Mutter-Kind-

genauso wie der Vater-Kind- und der Eltern-Kind-Beziehung. Auch

die Geschwister werden miteinbezogen.

Weiter werden Fertigkeiten vermittelt, die der Überwachung des Neugeborenen

und Säuglings dienen. In diesem Zusammenhang geht es auch um das

kranke Kind.

Ausgehend von der Mutter-Kind-Einheit, wird die Beratung, Anleitung, Pflege

und Überwachung von Mutter und Kind geplant, organisiert, durchgeführt

und reflektiert. Das Wohlergehen des Kindes steht in engem Zusammenhang

mit dem Wohlergehen von Mutter, Vater und Geschwistern. Im Wochenbett

wird deshalb immer zumindest eine Dyade oder Triade betreut. Eine systemische

Betrachtungsweise ist notwendig, um eine ganzheitliche Betreuung

(inklusive Berücksichtigung soziokultureller Aspekte) zu gewährleisten. Die

Pflegenden und Hebammen müssen der oben genannten Anforderung bewusst

Rechnung tragen.

Begleitung der Mutter-Kind-Einheit umfasst Elemente des Beziehungsaufbaus

und der Beziehungsförderung ebenso wie das Erlernen der praktischen

Fertigkeiten im Zusammenhang mit der Pflege von Mutter und Kind im

Wochenbett.

Stillen umfasst interaktive Elemente, aber auch verschiedene Stilltechniken

und die Stillförderung. Vergleichbares gilt für die Ernährung mit der Flasche.

Bei der Pflege und Überwachung der Wöchnerin stehen neben direkten pflegerischen

Handlungen die Anleitung zur Selbstkontrolle der Wöchnerin im

Vordergrund. In der Pflege und Überwachung des Neugeborenen/Säuglings

geht es in der Hauptsache um Förderung und Unterstützung der Mutter zur

selbstständigen Ausführung der Pflege ihres Kindes. Auch bei der Überwachungstätigkeit

ist der Einbezug der Eltern wünschenswert.

Begriffsklärung

Im folgenden Text ist mehrheitlich von der Mutter oder der Mutter-Kind-

Beziehung die Rede, aber Vater und Vater-Kind-Beziehung sind immer mitgemeint.

Die Mutter ist am Anfang die primäre Bezugsperson des Kindes. Nicht

nur entwicklungspsychologische Befunde, sondern auch solche aus der Verhaltensbiologie

und den Neurowissenschaften sprechen dafür, dass Mutter

und Kind zu Beginn psychisch und physisch eng miteinander verbunden und

aufeinander abgestimmt sind.

Das Wochenbett ist ein körperlicher und seelischer Umstellungsprozess, der

die Zeitspanne von der Geburt bis zur Rückbildung der Schwangerschafts-

10


Einführung in das Thema | KJFF | 16

und Geburtsveränderungen bei der Mutter und die Umstellung auf die neue

Lebenssituation umfasst. Es dauert ungefähr sechs bis acht Wochen.

Während der ersten 28 Lebenstage spricht man vom Kind als vom «Neugeborenen».

Mit dem Begriff «Säugling» wird das Kind bis zur Vollendung des

ersten Lebensjahres bezeichnet. In diesem Heft ist meistens vom «Säugling»

oder «Kind» die Rede. Ist der Fachinhalt vorwiegend auf die ersten 28 Tage

beschränkt, wie zum Beispiel bei der Nabelpflege, wird vom «Neugeborenen»

gesprochen.

Kompetenzen

Durch die Arbeit mit diesem Heft erwerben Sie die folgenden Handlungskompetenzen:

Sie können

• die Mutter-Kind-, Vater-Kind- und Eltern-Kind-Beziehung fördern.

• das Vertrauen von Mutter und Vater in die eigenen Fähigkeiten und Fertigkeiten

stärken.

• Mutter und Kind bei der Gestaltung des interaktiven Stillprozesses unterstützen.

• Flaschennahrung zubereiten und dem Neugeborenen oder Säugling verabreichen.

• die Wochenbettkontrollen bei der Wöchnerin durchführen und die Wöchnerin

zur selbstständigen Ausführung der Wochenbettkontrollen anleiten.

• die Körperpflege beim Neugeborenen oder Säugling durchführen und Mutter

und Vater in der Betreuung und Pflege ihres Kindes anleiten.

• das Neugeborene oder den Säugling überwachen und die Resultate dieser

Überwachung beurteilen, wobei Sie sich der Bedeutung dieser Handlung

für die Eltern und das Kind bewusst sind.

11


16 | training & transfer Pflege | Kind, Jugendliche, Familie, Frau

1.1 Vernetzungen mit anderen Lehrplaninhalten

Die in diesem Heft behandelten Themen sind mit folgenden Modulen aus dem

Lehrplan 2010 des Berner Bildungszentrums Pflege, angelehnt an den Lehrplan

ABZ (Curriculumsverbund Aargau/Bern/Schaffhausen/Zürich), vernetzt:

• 1 PM 01: Pflegeprozess planen, durchführen und evaluieren

Informationssammlung

• 1 PM 02: Beziehungsprozesse aufbauen, gestalten und lösen

Pflegerische Gespräche

• 1 PM 03: Grundbedürfnisse unterstützen und prophylaktisch handeln

Grundlagen zur Gesundheits- und Krankenbeobachtung

Körperpflege, sich kleiden

Ausscheidung

Ernährung über die Lebensspanne

Physiologischer Stillvorgang

Prophylaxen

• 3 PM 04: Gesundheitsförderung, Prävention, Rehabilitation unterstützen

Patientenberatung/Lernprogramm

Gesundheitsförderung in komplexen Situationen

• 1 PM 05: Pflegetechnische Interventionen durchführen

Blutentnahme

vitalzeichenkontrolle, Pupillenreaktionen

• 1 PM 06: Situationen physischer, psychischer und sozialer Bedrohung,

handeln und begleiten

Veränderte Familienprozesse

• 1 GM 01: Anatomie/Physiologie

Aufbau und Funktion der Haut

Physiologische Entwicklung, Zeugung bis Geburt

• 1 GM 04: Kinder- und Frauenheilkunde

Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett

Adaptation vom Neugeborenen

Kinderkrankheiten

virale und bakterielle Infektionskrankheiten

Herz-Kreislauf-Krankheiten

erkrankungen des Urogenitaltraktes

• 1 GM 07: Psychologie

Entwicklungspsychologie

Psychische Grundfunktionen

Sozialpsychologie, Kommunikation

12


Einführung in das Thema | KJFF | 16

1.2 Lernziele

Kenntnisse

Kenntnisse/

Fertigkeiten

Kenntnisse/

Haltungen

Die/der Studierende

… beschreibt die Kompetenzen eines Neugeborenen und erklärt, welche Voraussetzungen

gegeben sein müssen, damit das Kind diese Kompetenzen

nutzen kann.

… erklärt die anatomischen und physiologischen Grundlagen, die zum Verständnis

der weiblichen Brust, des Laktationsprozesses und der Involutionsvorgänge

im Wochenbett notwendig sind.

… erklärt die Voraussetzungen und Grundlagen, die zur Begleitung des Stillens

und der Ernährung mit der Flasche notwendig sind.

… erklärt die Voraussetzungen und Grundlagen, die zur Ausführung des Badens,

Wickelns und der Nabelpflege eines Neugeborenen/Säuglings notwendig

sind.

… erklärt die anatomischen und physiologischen Grundlagen, die zum Verständnis

der Vitalzeichen- und Ausscheidungskontrolle beim Neugeboren/

Säugling notwendig sind.

Die/der Studierende

… begründet das Vorgehen beim Stillen und bei der Ernährung mit der Flasche

und führt jede dieser Fertigkeiten korrekt und situationsangepasst

aus.

… leitet die Mutter systematisch zum Stillen oder Verabreichen von Flaschennahrung

an.

… begründet das Vorgehen bei der Kontrolle der Brust und der Rückbildungsprozesse

im Wochenbett und führt die Kontrolle von Brust, Wochenfluss,

Gebärmutter, Damm bzw. äusserem Genitale korrekt und situationsangepasst

aus.

… leitet die Frau systematisch zur selbstständigen Brust- und Rückbildungskontrolle

an.

… begründet das Vorgehen beim Baden, Wickeln und der Nabelkontrolle und

-pflege und führt jede dieser Fertigkeiten korrekt und situationsangepasst

aus.

… leitet die Mutter, den Vater oder die Eltern zur selbstständigen Durchführung

der Säuglingspflege an.

… begründet das Vorgehen bei der Kontrolle von Puls, Atmung Temperatur

und Ausscheidung beim Neugeborenen/Säugling und führt jede dieser Kontrollen

korrekt und situationsgerecht aus.

Die/der Studierende

… wendet Prinzipien der Beziehungsgestaltung zum Aufbau und zur Förderung

der Mutter-Kind-, Vater-Kind- und Eltern-Kind-Beziehung an.

… bestärkt Mutter und Vater in ihrem Selbstvertrauen zur Ausführung der

Selbstpflege und der Pflege des Kindes.

13


16 | training & transfer Pflege | Kind, Jugendliche, Familie, Frau

… integriert die Ressourcen der Mutter, des Vaters und der Eltern in die Pflege.

… ist sich der besonderen Situation eines Neugeborenen/Säuglings bewusst:

Das Kind ist ein kompetenter kleiner Mensch mit dem Alter angepasster

Kommunikations- und Interaktionsfähigkeit, Hilfebedürftigkeit, Abhängigkeit.

… behandelt das Neugeborene/den Säugling liebevoll.

… setzt sich mit der Bedeutung von pflegerischen Interventionen für das Kind

und dessen Eltern auseinander.

… geht mit den Materialien fach- und sachgerecht um.

Im vorliegenden Heft wird, insbesondere in den Aufgabenteilen, zuweilen nur

die weibliche Form – «die Studierende», «die Pflegende» – verwendet.

1.3 Methoden

Vorgaben

Das vorliegende pädagogische Konzept zeigt die notwendigen Grundlagen

auf, um den neuen Entwicklungen in der beruflichen Bildung gerecht zu werden

und um diese neuen Anforderungen der beruflichen Bildung umsetzen zu

können.

Neben den Vorgaben des Rahmenlehrplans sind für die Bildungsanbieter folgende

Vorgaben von Bedeutung:

Die höhere Berufsbildung dient auf der Tertiärstufe der Vermittlung und dem

Erwerb von Qualifikationen, die für die Ausübung von anspruchs- und verantwortungsvollen

Berufstätigkeiten erforderlich sind.

Im Bundesgesetz über die Berufsbildung, Art. 15, werden bereits folgende

Anforderungen an die berufliche Grundbildung formuliert, welche auch für

die Tertiärstufe richtungsweisend sind:

1

Die berufliche Grundbildung dient der Vermittlung und dem Erwerb der

Fähigkeiten, Kenntnisse und Fertigkeiten (nachfolgend Qualifikationen), die

zur Ausübung einer Tätigkeit in einem Beruf oder in einem Berufs- oder Tätigkeitsfeld

(nachfolgend Berufstätigkeit) erforderlich sind.

2

Sie umfasst insbesondere die Vermittlung und den Erwerb:

a. der berufsspezifischen Qualifikationen, welche die Lernenden dazu befähigen,

eine Berufstätigkeit kompetent und sicher auszuüben;

b. der Fähigkeit und der Bereitschaft zum lebenslangen Lernen sowie zum

selbstständigen Urteilen und Entscheiden.

Kompetenzenorientierung

Kompetenzen erlauben den Menschen, Lebenssituationen angemessen und

sachgerecht zu bewältigen. Kompetenz bedeutet die Fähigkeit, Handlungen zu

vollziehen, um damit Situationen zu bewältigen.

14


Einführung in das Thema | KJFF | 16

Laut Rahmenlehrplan lassen sich folgende Komponenten innerhalb einer

Kompetenz erkennen:

• Kognitive Kompetenz, die den Gebrauch von Theorien/Konzepten einschliesst,

aber auch implizites Wissen (tacit knowledge), das durch Erfahrung

gewonnen wird.

• Funktionale Kompetenz (Fertigkeiten, Know-how), die zur Ausübung einer

konkreten Tätigkeit erforderlich ist.

• Personale Kompetenz, die das Verhalten/den Umgang in/mit einer gegebenen

Situation betrifft.

• Ethische Kompetenz, die bestimmte persönliche/soziale Werte umfasst.

Entwicklung

der Kompetenzen

über die drei

Bildungsjahre

© ABZ-Verbund

(Auszug aus dem Dokument B1 Pädagogisches Konzept. Finale Version Juni 2010 des neuen Lehrplans

ABZ HF Pflege 2010)

Kompetenzenorientierte Bildungsprogramme sind charakterisiert durch An -

forderungen im Kontext der beruflichen Arbeit und betonen einen praxisorientierten

Unterricht. Darüber hinaus vollzieht sich die berufliche Kompetenzenentwicklung

in einem Prozess reflektierter Praxiserfahrung.

Die Hauptlernaufgabe bei einer Berufsausbildung besteht neben dem Erwerb

von einzelnen Wissensstücken (Ressourcen) auch im Erlernen, wie diese

Wissensstücke bei der Bewältigung konkreter Situationen genutzt werden

können.

Für die Methoden des Lernbereichs Schule und des Lernbereichs Training &

Transfer (LTT) im Lehrplan ABZ 2010 gilt daher die Forderung, die Erreichung

der Kompetenzen für die berufliche Praxis zu fördern und zu unterstützen. Die

15


16 | training & transfer Pflege | Kind, Jugendliche, Familie, Frau

Auswahl der Unterrichtsmethoden des Lernbereichs Schule und LTT Schule

orientiert sich an der oder den zu entwickelnden Kompetenzkomponenten

innerhalb einer Kompetenz.

Die Studierenden werden mit den unterrichteten Theorie- und LTT-Inhalten

dazu befähigt, im anschliessenden Praxismodul die beruflichen Kompetenzen

des jeweiligen Bildungsjahres zu erreichen.

Es ist also unumgänglich, dass die Inhalte im Lernbereich Schule und LTT

einen hohen Praxisbezug aufweisen bzw. während des Unterrichts sinnvoll in

die berufliche Praxis transferiert werden anhand der zu erreichenden Kompetenzen.

Ebenso ist es notwendig, dass die pädagogische Begleitung der Studierenden

im Lernbereich berufliche Praxis und LTT-Praxis auf die Erreichung

der Kompetenzen des jeweiligen Bildungsjahres abzielt.

1.4 Fallbeispiel

Die Hebamme verlegt Frau Beck und ihre kleine Tochter Nora von der Gebärauf

die Rooming-in-Abteilung. Herr Beck begleitet die beiden. Nora schläft in

ihrem Bettchen. Sie sieht rosig aus, einzig die Fingernägel sind bläulich. Sie

atmet regelmässig.

Die Hebamme aus der Gebärabteilung rapportiert der Pflegenden/Hebamme

auf der Rooming-in-Abteilung Folgendes:

Frau Beck ist eine 25-jährige Schweizerin, Primigravida/Primipara, die heute

Morgen um 8.15 Uhr in der 40 6 ∕7 Schwangerschaftswoche spontan aus einer

I. HHL geboren hat. Dammriss 2. Grades, Dammriss versorgt. Blutverlust

unter der Geburt: 350 ml gemessen.

Blutgruppe von Frau Beck: A negativ. Röteln immun, Hepatitis-Immunologie:

negativ.

Die Vitalzeichen von Frau Beck sind nach der Geburt: BD 100/60 mm Hg, P: 84,

Temperatur axillar: 36,5 °C. Sie hat zwei Stunden post partum Wasser gelöst.

Beim Wasserlösen hat sie über Brennen geklagt.

Nora wiegt 3630 g und ist 51 cm lang. Apgar 8/9/10. Der arterielle Wert des

Nabelschnur-pH ist 7.20. Sie ist schon kurz abgenabelt. Beim ersten Stillen

hat Nora an beiden Brüsten gut gezogen.

Nora hat kurz nach der Geburt Wasser gelöst und Mekoniumabgang gehabt.

Jetzt ist die Gebärmutter von Frau Beck gut kontrahiert auf Nabelhöhe. Die

Blutung liegt im physiologischen Bereich. Der Dammriss ist genäht worden

und schmerzt im Moment ein wenig. Frau Beck klagt über Nachwehen.

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