Form - Rosenthal

int.studio.haus.rosenthal.de

Form - Rosenthal

Fakten

Serviceformen


Inhalt

Serviceformen der

Rosenthal Studio-Linie

Asimmetria

Bvlgari Home Designs

Cupola

Flash

Idillio

Ikarus

Il Faro

Moon

Polygon

Suomi

TAC

Zauberflöte

Serviceformen der

Rosenthal Classic

Aida

Anna

Julia

Maria

Monbijou

Romanze

Sanssouci

Rosenthal/Schulung:

Ellen Boehm

Text:

Gerd Scherm

Graphic Design:

Klaus Wolowiec

05/2000

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Rosenthal Studio-Linie.

Das Leben bewusst und lustvoll gestalten mit Rosenthal Studio-

Linie. Die eigene Individualität genießen mit zeitgemäßen,

anspruchsvollen Produkten rund um den gedeckten Tisch und mit

Geschenken und Accessoires fürs Interieur. Rosenthal Studio-Linie

bedeutet Lifestyle und Designkompetenz auf höchstem Niveau,

entworfen von den besten Designern und Künstlern der Moderne.

Mit Produkten der Rosenthal Studio-Linie erwirbt man Zeugnisse

eines authentischen Lebensgefühls unserer Zeit, die Lebensfreude

vermitteln und die den Tag überdauern.

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Entwurf: Bjørn Wiinblad

Erstvorstellung: 1985

Rosenthal Studio-Linie

Form »Asimmetria«

Bjørn Wiinblad hat von Anfang an die

Rosenthal Studio-Linie mitgeprägt. Seine

Entwürfe waren stets Meilensteine und

stehen für die mehr romantische, verspielte

Seite der Kollektion. Bjørn Wiinblads

Servicen liegt immer eine überraschende

Idee zu Grunde – mal erzählt er

eine Geschichte in Porzellan, wie bei der

»Zauberflöte«, mal findet er einen völlig

neuen formalen Ansatzpunkt, wie bei

»Asimmetria«.

Solange man Teller kennt, war ihre formale

Grundlage die symmetrische Anordnung

zweier ineinander liegender Kreise.

Bei »Asimmetria« verließ Wiinblad dieses

anscheinend unverrückbare Prinzip und

verschob die beiden Kreise asymmetrisch.

So kommt es zu einer Funktionsfläche,

die nicht mehr im Zentrum der Tellerfahne

liegt, sondern versetzt zu ihr plaziert

ist. Die Tellerfahne selbst ist dadurch

von unterschiedlicher Breite, was beim

Gebrauch zu einer Ausrichtung des Tellers

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zwingt. Der Benutzer sollte den breiten

Teil der Tellerfahne im Blick haben.

Diese auffällige Asymmetrie wird durch

ein schwungvolles Relief betont, das alle

Serviceteile kennzeichnet. Bei den Hohlteilen

wächst dieses Relief aus dem Zweidimensionalen

heraus und gibt den Griffen

ihre unverwechselbare Form. Sie sind

bei »Asimmetria« nicht einfach Griffe,

sondern bekommen durch ihre Gestaltung

skulpturalen Charakter, indem die

Funktion zum prägenden dekorativen Element

wird.

»Asimmetria« lädt ein zu Dekoren, die

mit der Form spielen. Gerade das Relief

ist ein idealer Ansatzpunkt für vitale,

fantasievolle Interpretationen, die das

Service immer wieder anders erscheinen

lassen.


(Bvlgari gesprochen Bulgari)

Entwurf: Bvlgari und Rosenthal

Erstvorstellung: 1999

Rosenthal meets Bvlgari

Form »Bvlgari Home Designs«

Ende des 19. Jahrhunderts ließ sich Sotirio

Bulgari, Nachkomme griechischer Silberschmiede,

in Rom nieder, wo er 1905 sein

erstes Geschäft gründete. Wohl kaum

jemand ahnte damals, daß sich daraus

eine der weltweit nobelsten Marken für

Luxusgüter entwickeln sollte.

Ausgehend von Schmuck- und Uhrenkollektionen

in einzigartigem Stil, vergrößerte

die Marke Bvlgari ihr Angebot nach und

nach um edle Accessoires wie Taschen,

Schals,Krawatten und Brillen sowie außergewöhnliche

Parfum-Kreationen.

Aus dem Zusammentreffen von Bvlgari

und Rosenthal entstand 1999 »Bvlgari

Home Designs«, ein großes Sortiment

von Porzellan, Bleikristallgläsern, Silberbesteck

und Geschenkartikeln.

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Die Porzellanform vereint in sich klassische

Elemente ebenso wie die Linienführung

der modernen Sachlichkeit. Das

macht diese elegante Form zu einem zeitlosen

Service im besten Sinn.

Die großzügige, schnörkellose Form wird

zur »Leinwand« des Malers Davide Pizzigoni.

Er kommuniziert durch einfache Bilder

und klare Farben, spricht in erster

Linie die Emotionen der Betrachter an.

Dabei baut Pizzigoni in seinen Motiven

auf Erinnerungen an unterschiedlichste

Eindrücke auf, gibt ihnen durch seine

Handschrift zeitgemäßen Ausdruck.

Auf »Bvlgari Home Designs« finden sich

Interpretationen archaischer Kunst, ebenso

wie Assoziationen zu orientalischen

Ornamenten. Seine Anregungen bezieht

Davide Pizzigoni aus den kulturellen Traditionen

unserer Welt, die er in seinem

ganz persönlichen Stil in das Hier und

Heute umsetzt.


Entwurf: Mario Bellini

Erstvorstellung: 1984

Rosenthal Studio-Linie

Form »Cupola«

Mario Bellini versteht sich als Architekt,

der sich auch darum kümmert, wie es hinter

der Fassade aussieht. Deshalb entwirft

er nicht nur spektakuläre Bauten, sondern

auch Dinge des täglichen Gebrauchs

für die Innenausstattung. Und er tut dies

auf eine eigene, ganz unverwechselbare

Weise.

Die Form »Cupola« lebt von der spannungsvollen

Harmonie unterschiedlicher

geometrischer Elemente. Besonders deutlich

ist dies bei der Kaffeekanne zu sehen.

Hier werden die vier Grundelemente Korpus,

Deckel, Schnaupe (Ausguß) und

Griff als vier völlig verschiedene Formen

(Konus, Dreieck, Halbkugel und Halbkreis)

zu einer reizvollen Komposition

zusammengefügt. Bellini durchbricht hier

die traditionellen Vorstellungen von Harmonie

und kommt so zu einer neuen,

dynamischen Ästhetik.

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Im Gegensatz zur strengen Geometrie der

Gesamtform stehen die raffinierten Henkel

bei den Tassen, die sich organisch, wie

das Geländer einer Wendeltreppe, um die

Form winden. Auch hier verläßt Bellini

konventionelle Vorstellungen, wie ein

Henkel auszusehen habe, und bietet eine

originelle, überraschende Lösung.

»Cupola« von Mario Bellini ist ein avantgardistischer

Entwurf mit raffinierten

Details und einer überzeugenden Gesamtwirkung.

Dieses Service steht beispielhaft

für das neue italienische Design,

das der Formgebung des ausgehenden

20. Jahrhunderts so viele wichtige Impulse

gegeben hat.

Auszeichnungen:

1985 Ständige Produktschau, Haus Industrieform,

Essen

1986 Ehrenerwähnung Cevider XVI. Internationaler

Wettbewerb des industriellen

Designs, Valencia, Spanien

1988 Design-Auswahl, design center stuttgart


Entwurf: Dorothy Hafner

Erstvorstellung: 1984

Rosenthal Studio-Linie

Form »Flash«

»Flash« – ein Service, das wie ein Blitz

einschlug. So etwas hatte es in Sachen

Tischausstattung vorher nicht gegeben.

Dorothy Hafner, die schon mit ihren Entwürfen

für Tiffany Aufsehen erregte,

gelang mit »Flash« ein ungewöhnlicher

Wurf. »Flash«, das ist die Umsetzung

eines Lebensgefühls in ein Ceramic-Programm.

Hier spiegelt sich das pulsierende

Leben von New York in Formen und

Farben. Der Rhythmus und die Melodie

der Metropole schwingt in jedem einzelnen

Teil.

»Flash« ist ein Service, das die Fantasie

stimuliert und zu immer neuen Tisch-Inszenierungen

anregt. Es ist ein avantgardistischer

Entwurf, bei dem jedes Teil ein

Eigenleben zu führen scheint. Da gibt es

»Jumper« (wie zum Absprung gespannte

Formen) und »Floater« (abgehobene,

scheinbar schwebende Teile), die allesamt

eine ungeheure Dynamik und Energie

ausstrahlen. Das ganze Service scheint

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ständig in Bewegung zu sein und vermittelt

ein völlig neues »Tafelbild«. »Flash«

lädt ein zu unkonventionellen Arrangements

und neuen Formen der Tischkultur.

»Flash« bietet ein umfassendes Sortiment

– ob für Breakfast, Brunch oder

Dinner, ob für Tea-Time, Kaffeestunde

oder Fondue. Dieses Ceramic-Programm

scheut weder Mikrowelle noch Spülmaschine

und ist so fit für den tagtäglichen

Gebrauch.

Und wenn die Teile nicht in Gebrauch

sind, sollten sie keineswegs im Schrank

verschwinden. Dafür sind sie viel zu schade.

»Flash« ist so dekorativ, daß man

damit auch einzelne Design-Akzente im

Wohnbereich setzen kann. Denn bei

»Flash« werden Gebrauchsgegenstände

zu Zeitzeichen.

Auszeichnungen:

1985 Westerwaldpreis für Keramik

Preis für Industrielle Keramik

1986 Ceramics Contest, Mino, Japan

1988 Design-Auswahl,

design center stuttgart

Design-Innovation ’88,

Hohe Design-Qualität,

Haus Industrieform, Essen


Entwurf: Paul Wunderlich

Erstvorstellung: 1995

Rosenthal Studio-Linie

Form »Idillio«

Paul Wunderlich, der Künstler des

Magisch-Mystischen, bevorzugt edle Materialien

wie Bronze, Onyx und Porzellan.

Er verbindet in seinen Entwürfen die

offenkundige Material-Ästhetik mit Eleganz

und Symbolik.

Für Paul Wunderlich trägt der Werkstoff

an sich schon eine Aussage in sich. Diese

bringt er durch seine Formgebung zum

Ausdruck, macht sie für den Betrachter

sichtbar.

Die Form »Idillio« ist Paul Wunderlichs

Verbeugung vor einem edlen Werkstoff:

Porzellan. In seinem Entwurf spielt er mit

den Vorzügen des Werkstoffes und macht

sie deutlich. Die Leichtigkeit des Porzellans,

seine schimmernde Transparenz,

das Spiel von Licht und Schatten, den

Glanz der Oberfläche.

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Charakteristisch für »Idillio« sind schlanke,

aufstrebende Formen, die sich mit

Schwung nach oben verbreitern. Unterstützt

wird diese öffnende Wirkung von

den ellipsenförmigen Henkeln, die steil

emporragen.

Die glatten Flächen machen das Service

zum idealen Träger unterschiedlichster

Dekore, die der Form einen immer neuen,

anderen Ausdruck geben.

»Idillio« ist in seiner Anmutung ein hochelegantes

Service, das die Moderne in

jeder Hinsicht gerecht wird und die

besten Voraussetzungen hat, ein Klassiker

zu werden.


Entwurf: Paul Wunderlich

Erstvorstellung: 1991

Rosenthal meets Versace

Form »Ikarus«

Paul Wunderlich zählt zu den deutschen

Künstlern, deren Werk auch international

von hohem Rang ist. Seine Bilder und

Objekte üben eine geheimnisvolle Faszination

auf den Betrachter aus. Wunderlichs

Arbeiten sind dem Magisch-

Mystischen zugeordnet und mit surrealistischen

Elementen verwoben. Dabei

spielt auch der Symbolismus eine große

Rolle.

Die Form »Ikarus« trägt die wesentlichen

Merkmale der Kunst von Paul Wunderlich:

Kostbares Material, hier Porzellan, verbunden

mit einer starken mythischen

Aussage.

Das Flügelmotiv gehört zu den ältesten

Symbolen der Menschheit. Flügel stellen

die spirituelle Natur dar, die bewegende

und schützende Macht der Gottheit. Sie

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stehen für das Element Luft, für den Flug

der Zeit und der Gedanken, symbolisieren

Willenskraft und Freiheit.

Der »Schatten der Flügel« verheißt

Schutz und Vertrauen. Flügel sind auch

die Attribute der schnellen Götterboten

und bedeuten die Macht der Kommunikation

zwischen Göttern und Menschen.

Der Name des Services geht auf Ikarus

aus der griechischen Sage zurück. Dieser

wollte, der Legende nach, mit selbstgebauten

Flügeln aus Vogelfedern und

Wachs, der Gefangenschaft in Knossos

auf Kreta entkommen. Dabei kam er der

Sonne zu nahe, das Wachs schmolz und

Ikarus stürzte nahe einer Insel ins Meer.

Diese Insel »Ikaria« wurde nach ihm

benannt.

»Ikarus« ist ein extrem elegantes Porzellanservice

von hoher künstlerischer Qualität.

Besonders auffällig sind die Hohlteile

mit ihren Flügelgriffen, die eine völlig

neue Griffform darstellen.

»Ikarus« ist ein Service, das nicht nur

optisch anregend ist, sondern auch gleich

den Stoff für Tischgespräche in sich birgt.

»Ikarus« wurde bislang ausschließlich

von Versace dekoriert, der selbst gerne

Symbole der Antike als Dekorelement verbindet.


(italienisch = der Leuchtturm)

Entwurf: Aldo Rossi

Erstvorstellung: 1992

Rosenthal Studio-Linie

Form »Il Faro«

Der italienische Architekt Aldo Rossi ist

einer der herausragenden Vertreter der

Postmoderne. Seine Bauten setzen Zeichen

in Berlin und Mailand, in Toronto

und Texas. Doch Zeit seines Lebens widmete

sich Aldo Rossi nicht nur der

»großen Architektur«, sondern auch den

»kleinen Dingen« des Lebens. In bester

Tradition großer Baumeister gelang es

ihm, seine Formvorstellungen auch auf

Gebrauchsgegenstände zu übertragen,

denen er einen unverwechselbaren Charakter

gab.

»Il Faro« ist Porzellan gewordene Architektur

par excellence. Es ist ein Service wie

eine Stadt. Da werden Kannen zu Leuchttürmen,

Zuckerdosen zu Strandhäusern,

Teller zu Plätzen, Salzstreuer zu Obelisken.

»Il Faro« ist die Vision einer Architektur

en miniature.

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Dabei wechselt Aldo Rossi immer wieder

zwischen runden und eckigen Serviceteilen,

führt das gleiche Teil sogar einmal

rund, einmal eckig aus, und schafft so

Spannungsbögen wie in einer richtigen

Stadt.

Durch die Kombination mit Glas schafft

Aldo Rossi Lichtkuppeln in seiner »Porzellanstadt«,

setzt er weithin leuchtende

Akzente. Gerade diese Serviceteile sind

am nächsten an Aldo Rossis Architekturkonzeption,

die immer wieder das Element

des Leuchtturms zitiert.

Ein Service wie »Il Faro« reizt zu besonderen

Dekoren. Zu Dekoren, die seine

architektonische Grundidee aufgreifen

und vertiefen. Die stark grafischen Interpretationen

machen »Il Faro« zu einer

völlig neuen, andersartigen Tischinszenierung.

Viele Teile von »Il Faro« sind auch einzeln

eine extravagante Geschenk-Idee. Italienisches

Architekturdesign als besonderer

Blickfang, Akzente von einem der größten

Architekten unserer Zeit.


Entwurf: Jasper Morrison

Erstvorstellung: 1997

Rosenthal Studio-Linie

Form »Moon«

Jasper Morrison ist einer der international

bedeutendsten Vertreter des minimalistischen

»Edlen Purismus«. Zielsetzung

seiner Formensprache ist es, Gegenstände

auf das Wesentliche zu reduzieren.

Damit tritt Morrison in die Nachfolge der

frühen Gestalter und ihrer Grundforderung

»form follows function«

(L.H.Sullivan, 1844-1924, amerikanischer

Architekt).

Jasper Morrison überhöht dieses Konzept

durch seine schlichte Linienführung, die

nicht neu erfunden, sondern aus Vorhandenem,

Bewährtem, abgeleitet ist. Diese

entwickelt er weiter, formt sie um und

kombiniert sie auf neue Weise. Morrison

ist es wichtig, daß Betrachter und Benutzer

seine Produkte als vertrauenswürdig

empfinden, ihre Benutzbarkeit auf den

ersten Blick erkennen und akzeptieren.

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Viele seiner Entwürfe wirken deshalb so,

als hätte es sie schon immer gegeben.

Jasper Morrison selbst sagt dazu:

»Aber wo ist das Design?, werden sich die

Leute fragen, angesichts solcher Simplizität.

Wenn mich jemand das fragt, weiß

ich, daß ich das Ziel erreicht habe. Design

ist nicht die Demonstration des Außergewöhnlichen.

Nur eins zählt: es muß funktionieren«.

»Moon« steht in der besten Tradition der

klassischen Moderne. Es verzichtet auf

jegliche Effekte, jedes Detail ist in der

Funktion begründet. In seiner Gesamtwirkung

strahlt es Selbstbewußtsein und

Souveränität aus.

»Moon« ist der Beweis dafür, daß durch

die Beschränkung auf das Wesentliche

und die Konzentration auf die Form, eine

kraftvolle, überzeugende Gestaltung

wachsen kann.

Auszeichnungen:

1998 Auszeichnung des

»Internationalen Designpreis

Baden-Württemberg«

»Good Design Award«

des Chicago Athenaeum, USA


(Polygon = Vieleck)

Entwurf: Tapio Wirkkala

Erstvorstellung: 1973

Rosenthal Studio-Linie

Form »Polygon«

Tapio Wirkkala (1915-1985) ist einer der

bedeutendsten skandinavischen Gestalter

des 20. Jahrhunderts. Sein Name steht als

Synonym für die herausragende finnische

Designkultur. Für sein Lebenswerk wurde

Tapio Wirkkala vielfach international ausgezeichnet,

u.a. mit der Ehrendoktorwürde

des Royal College of Art, London.

Tapio Wirkkala ließ sich bei seinen Entwürfen

immer wieder von Naturformen

anregen: Bei »Polygon« stand die Form

von Bergkristallen Pate. Ihre streng geometrischen,

und dennoch natürlich gewachsenen

Facetten inspirierten Wirkkala

zu diesem klar gestalteten Porzellanservice.

Um die Form aufzulockern und ihr ein

zusätzliches Spannungsmoment zu geben,

kombinierte er zum Vieleck immer

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wieder Kreise (Deckelgriffe) und Ellipsen

(Henkel). Den eckigen Hohlteilen werden

stets runde Unterteile zugeordnet. Auch

bei den Tellern wechselt die Form immer

wieder von rund zu eckig zu rund.

»Polygon« stilisierte als erste Form eine

konsequente Geometrie, machte zum Beispiel

die eckige Tassenform »salonfähig«

und wurde oft kopiert.

Heute gilt »Polygon« als Klassiker moderner,

skandinavisch geprägter Formgebung

und steht für klares, funktionales und ausdrucksstarkes

Design von hohem Gebrauchswert.

Durch seine klaren Flächen und seinen

säulenartigen Charakter eignet sich

»Polygon« besonders gut für großzügige

Dekore. Auf den Teilen dieses Services

lassen sich ganze Szenen darstellen und

Geschichten erzählen.

Aus diesem Grund hat Gianni Versace

»Polygon« gerne zum Träger seiner

prachtvollen Dekorationen gemacht.


Entwurf: Timo Sarpaneva

Erstvorstellung: 1976

Rosenthal Studio-Linie

Form »Suomi«

Timo Sarpaneva gilt als einer der herausragenden

Vertreter des skandinavischen

Designs, das sich durch klare Formen,

hohen Gebrauchswert und überzeugende

Ästhetik auszeichnet.

»Suomi« heißt in der Landessprache

»Finnland« und ist eine Reverenz an die

Heimat des Designers, die der Welt so

viele gestalterische Impulse gegeben hat.

Die Form »Suomi« vereint in sich harmonisch

eine Vielzahl von Qualitäten. Die

Gestaltung ist von der Natur inspiriert,

von Kieselsteinen, die vom unendlichen

Strom des Wassers im Lauf der Zeit glatt

und rund geschliffen wurden. Daher ist

jedes Teil nicht nur optisch völlig ausgewogen,

sondern spricht auch den Tastsinn,

die Hand an.

Die geometrischen Grundelemente von

»Suomi« sind Quadrat und Kreis. In einer

»Quadratur des Kreises« gelang es Timo

Sarpaneva, die beiden Gegensätze zu vereinen.

Das Ergebnis sind Hohlteile von

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großer skulpturaler Qualität, die an das

Werk eines Bildhauers erinnern. Die Teller

von »Suomi« sind nicht traditionell rund,

sondern haben die Form eines sogenannten

Japanquadrats, daß heißt eines Vierecks

mit abgerundeten Ecken.

Eine Besonderheit von »Suomi« sind die

Metallbügel bei Kanne, Sauciere und Ragout.

Hier entsteht eine kraftvolle Spannung

zwischen Porzellan und Stahl.

»Suomi« ist ein Klassiker der modernen

Porzellan-Gestaltung. Eine Form, die

Funktion und Ästhetik in sich vereint und

beispielhaft für die hohen Ansprüche

skandinavischen Designs steht.

Auszeichnungen:

1976 Goldmedaille des Präsidenten der

Republik beim XXXIV. Concorso Internazionale

della Ceramica, Faenza

1979 Hauptpreis III. Internationale Glasund

Porzellanausstellung, Jablonec

1980 Die Gute Industrieform, Hannover

1992 Ständige Sammlung des Centre

Georges Pompidou, Paris


Entwurf: Walter Gropius und

Louis McMillen

Erstvorstellung: 1969

Rosenthal Studio-Linie

Form »Gropius Service«

Eine der Gestaltungsregeln des von Prof.

Walter Gropius gegründeten Bauhauses

sagt, daß sich die Form nach der Funktion

richtet. Dieser Gedanke des amerikanischen

Architekten L.H. Sullivan, 1844-

1924, beeinflußte die Grundsätze des

modernen Industrie-Designs und der

Architektur.

Beim »Gropius-Teeservice« stand die

jahrtausendealte Form der chinesischen

Teeschale Pate. Diese, aus der Funktion

heraus entwickelte und immer mehr

perfektionierte Form, war der ideale

Ausgangspunkt. Sie bestimmte nicht nur

die ausladende Tassenform, sondern in

ihrer Umkehrung auch die Form von Kanne,

Gießer und Zuckerdose. Der Gesamteindruck

des Services wird also von

Schwung und Gegenschwung geprägt.

Walter Gropius und seinem Mitarbeiter

Louis McMillen, gelang es hier, Funktion

und Ästhetik optimal zu verbinden.

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Das »Gropius-Service« bietet nicht nur

einen hervorragenden optischen Gesamteindruck,

sondern eine Fülle von gestalterischen

Details, die sich erst bei näherem

Hinsehen erschließen: der Bügel auf

dem Kannendeckel ist das Ergebnis eingehender

Funktionsstudien. Die meisten Benutzer

halten nämlich den Deckel beim

Gießen trotz Sicherung fest. Bei der

Kanne liegt der Daumen unwillkürlich auf

dem Bügel und drückt den Deckel fest,

zusätzlich zur normalen Sicherung.

Darüber hinaus dient der Kannendeckel

auch zum Herausnehmen des integrierten

Porzellan-Teesiebs.

Eine Besonderheit ist die Ausführung

»black«, bei der Serviceteile aus weißem

und schwarzem Porzellan spannungsvoll

kombiniert werden.

Das »Gropius-Service« ist heute ein internationaler

Design-Klassiker erster Güte,

in dem sich funktionale Anforderungen zu

einem ausdrucksstarken, harmonischen

Gesamtbild fügen. Es ist ein Stück

Design-Geschichte, an dem man sich Tag

für Tag zu Hause erfreuen kann.

Auszeichnungen:

1969 Goldmedaille des Präsidenten der

Republik beim XXVII. Concorso Internazionale

della Ceramica, Faenza

1970 Die Gute Industrieform, Hannover

1992 Ständige Sammlung des Centre

Georges Pompidou, Paris


Entwurf: Bjørn Wiinblad

Erstvorstellung: 1968

Rosenthal Studio-Linie

Form »Zauberflöte«

Musik spielt im Leben des dänischen

Künstlers und Entwerfers Bjørn Wiinblad

eine dominierende Rolle. Sein Schaffen ist

von der Liebe zur Musik geprägt. Immer

wieder läßt er sich von ihr nicht nur zu

Formen und Bildern anregen, sondern

schafft auch komplette Bühnenausstattungen

für Oper und Ballett.

Bjørn Wiinblad hatte die Idee, seine Lieblingsoper,

»Die Zauberflöte« von Mozart,

in Porzellan umzusetzen. Und zwar nicht

etwa als Dekor, sondern als Porzellanrelief.

Diese Umsetzung war sicher eine

der größten Herausforderungen an die

Modelleure und Techniker in der Geschichte

dieses Werkstoffes. »Zauberflöte«

ist eine Meisterleistung in der Verarbeitung

von Hartporzellan.

Jedes Serviceteil zeigt eine andere Szene

aus der Mozart-Oper. Für diese Szenen

war es notwendig, durch extrem breite

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Tellerfahnen Platz zu schaffen. Auf dieser

Bühne in Porzellan erzählt Wiinblad die

Geschichte der Oper in einem Relief mit

detaillierten Figuren und Ornamenten.

Immer wieder gibt es in diesen Szenen

Neues zu entdecken. Die Fahnen mußten

dabei so breit sein, wie noch nie zuvor bei

Tellern. Um deren Absinken beim Brand

zu verhindern, mußte dafür eine spezielle

Brenntechnik entwickelt werden.

Das Service »Zauberflöte« besitzt etwas

ganz Besonderes, das man auf den ersten

Blick gar nicht sieht: einen Dekor auf der

Unterseite des Porzellans!

Sogar in der weißen Ausführung tragen

alle Serviceteile auf der Unterseite den

Text des Opernlibrettos der Szene, die im

jeweiligen Porzellanrelief gezeigt wird.

Geschrieben in Bjørn Wiinblads ornamentaler

Handschrift und in Gold dekoriert.

Eine weitere Besonderheit dieses Services:

die Reliefflächen sind nicht glasiert,

sondern werden in einem aufwendigen

Verfahren nach dem 2. Brand geglättet

und poliert. So entsteht die zarte, matte

Wirkung der Reliefs, die in reizvollem

Kontrast zu den glasierten Flächen stehen.

»Zauberflöte« von Bjørn Wiinblad ist ein

Operntraum in Porzellan, eine fantasievolle

und einzigartige Synthese von Musik

und Tischkultur.


Rosenthal Classic. Tradition und Innovation.

Die Rückbesinnung auf die echten, wahren Dinge des Lebens ist ein

Trend unserer Zeit. Edel, zurückhaltend, traditionell im besten Sinne

des Wortes.

Rosenthal Classic greift dieses Trendgefühl auf und gibt klassischer

Schönheit neue Formen. Die Produktwelt der Rosenthal Classic

verweist auf kultivierte und erlesene Qualität, die dauerhafte Werte

schafft. Im Bestreben, das Besondere jedes Augenblicks zu wür-

digen, entstehen mit Fantasie und Freude an handwerklicher Ver-

arbeitung traditionell-elegante Tafelgeschirre, exklusive Geschenke

und Glasformen, die zum Teil bis zur Gründung des Hauses Rosen-

thal zurückreichen. Eine Kollektion mit zeitloser Ausstrahlung und

zeitgemäßem Anspruch. Ausdruck von kultivierter Lebensart und

Stilgefühl – im Spannungsfeld von Tradition und Innovation.

Rosenthal Classic. Bleibende Werte in ihrer schönsten Form.

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Erstvorstellung: 1937

Rosenthal Classic

Form »Aida«

»Aida« ist eine neoklassizistische Form.

Der Klassizismus war der Stil der napoleonischen

Zeit um 1800 bis 1830 und wird

auch Empire genannt (lat. Imperium-

Herrschaft). Dieser Stil war damals entstanden

durch die beginnende Erforschung

der antiken Welt und die

Begeisterung für die Kunst und Lebensformen

der alten Ägypter, Griechen und

Römer.

In den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts

war ganz Europa auf der Suche nach Traditionen

und alten Werten. So entstand

der Neoklassizismus als Rückbesinnung

auf Empire und Antike und als Symbol für

Zeitlosigkeit und Schönheit.

Die Rosenthal Form »Aida« war das wichtigste

und bedeutendste Service der

30er Jahre. Es war in fast allen diploma-

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tischen Botschaften, in vielen Königshäusern

mit verschiedenen kostbaren

Dekorausführungen und im Vatikan in Gebrauch.

Schnell wurde »Aida« zum repräsentativen

Service gehobener Haushalte.

Die einzelnen Teile von »Aida« sind

jeweils an geeignete Vorbilder aus der Kulturgeschichte

angelehnt, die Teetassen

zum Beispiel an chinesische Teeschalen

und die Kaffeekanne an griechische Weingefäße.

Gesucht wurde nach optimalen

Handwerkerformen, die über die Jahrhunderte

oder gar Jahrtausende gereift waren.

In Achtung vor der Leistung früherer

Generationen setzten die Porzelliner diese

Formen in ihren Werkstoff um.

Benannt wurde das Service nach der Oper

»Aida«, die Giuseppe Verdi für die Eröffnungsfeierlichkeiten

des Suezkanals 1869

komponiert hatte.

Neben der bauchigen, feminin wirkenden

Form der zentralen Hohlteile sind vor

allem die Deckelgriffe charakteristisch für

»Aida«: sie sind stilisierte Pinienzapfen.

»Aida« bietet eine breite Palette von

ansprechenden Dekoren – von exotischen

Blütenfantasien bis zu erlesenen Ätzgoldkanten.

Die letzteren zählen auf Grund

ihres extrem aufwendigen Herstellungsverfahrens

zu den Höhepunkten der Porzellankunst.


Erstvorstellung: 1996

Rosenthal Classic

Form »Anna«

»Anna« ist eine »Designerform«, die von

der großen Tradition des Werkstoffs Porzellan

inspiriert ist. Die Form vereint in

sich stilistische Anspielungen auf das

Biedermeier, 1815 - 1850, ebenso wie zeitgemäße

Funktionalität. »Anna« ist eine

klare, strenge Form mit historisierenden

Ornamenten. Eine zarte, elegante Reliefbordürde

schmückt jedes einzelne Teil,

betont den Charakter der Form und verbindet

das Service zu einer formalen Einheit.

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In seiner Anmutung entspricht »Anna«

einem wesentlichen Trend im Lifestyle der

90er Jahre, der Sehnsucht nach Bewährtem

und Elegantem. »Anna« verbreitet

den heiteren Charme eines nostalgischen

Landhausstils. Das Service erinnert an ein

Frühstück im Chalais, ein Dîner mit

Freunden, an Stunden, an die wir gerne

zurückdenken.

In seiner Klarheit ist »Anna« idealer Träger

variantenreicher Dekore.


Erstvorstellung: 1994

Rosenthal Classic

Form »Julia«

Das Service »Julia« ist eine Designerform,

die sich an traditionellen Vorbildern orientiert.

Rosenthal knüpft auch hier an große

Epochen der Porzellangeschichte an und

belebt sie auf zeitgemäße Weise.

»Julia« ist inspiriert von den »Goldenen

Zwanzigern«, vom Stil des Art Deco der

1920er Jahre. In dieser Form wirkt die

Lebenslust jener Zeit fort, in der man

große Feste feierte und Charleston tanzte.

Es war eine Zeit des Aufbruchs, in der viele

neue Kunstrichtungen entstanden und

der Aufstieg des Kinos begann.

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»Julia« trägt typische Merkmale des Art

Deco: extrem ovale Körper bilden klare

Formen, deren Strenge durch einen sich

verjüngenden »Kragen« gelockert wird.

Die Henkel ragen schwungvoll und steil

auf, die Deckel sind zeltförmig, wobei der

Knauf an der Spitze für Griffsicherheit

sorgt.

»Julia« ist ein formal ausgewogenes, harmonisches

Service, das den Luxus und die

Lebensfreude einer »Goldenen Zeit« auf

den Tisch von heute bringt.


Erstvorstellung: 1914

Rosenthal Classic

Form »Maria«

»Maria« ist wohl das bekannteste klassische

Service von Rosenthal. Für Generationen

war es das Wunsch-Porzellan zur

Hochzeit und anderen festlichen Anlässen.

Vorbild für die Form »Maria« war

eine silberne Teekanne mit passendem

Gießer und Zuckerdose aus der Zeit

um 1815. Diese Stücke hatte Geheimrat

Philipp Rosenthal bei einer Reise in England

erworben.

Die klassizistische, eckige Grundform

wird von einem zierlichen, feingeschwungenen

Granatapfel-Relief eingefaßt, das

Dekorelemente des »Biedermeier-Stils«

aufgreift. Beide Stilarten, der strenge Klassizismus

und das gefälligere Biedermeier,

der Stil des Bürgertums, spielten zeitgleich

eine große Rolle und es kam immer

wieder zu gegenseitigen Beeinflussungen.

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»Maria« ist eine typische, englische Silberform

aus dem frühen 19. Jahrhundert,

die von Rosenthal kongenial in Porzellan

übertragen wurde.

Charakteristisch für das Service »Maria«

sind die rechtwinklig abschließenden

Henkel, die den Ebenholz- bzw. Elfenbeingriffen

der Silberkannen nachempfunden

sind, sowie die abgesetzten eckigen

Flächen mit ihren Licht- und Schattenspielen.

Sie verleihen der Form ihren

unverwechselbaren Charme. Benannt

wurde das Service nach Philipp Rosenthals

großer Liebe und zweiten Ehefrau

Maria.

In den 20er und 30er Jahren war »Maria«

ein extrem breit ausgebautes Service mit

170 verschiedenen Einzelteilen. Auch heute

noch ist »Maria« die umfangreichste

Tischausstattung von Rosenthal Classic.

Eine Vielzahl von Spezial- und Zusatzteilen

ergänzt das Service zu einem

kompletten Gourmet-Programm. Dekorative

Accessoires wie Vasen, Schalen,

Leuchter, Serviettenringe und mehr

machen »Maria« auch zu einer idealen

Geschenk-Kollektion.


(französisch = mein Juwel)

Erstvorstellung: 1896

Rosenthal Classic

Form »Monbijou«

»Monbijou« ist eine vom Rokoko (Architektur-

und Dekorationsstil ca. 1720-1780)

beeinflußte Form des Historismus. Vorbild

dieses Services waren Formen aus

dem französischen Limoges um 1890.

Das »alte« »Monbijou« wurde von 1896

bis 1900 gefertigt und war eine stark

geschwungene Form.

Die deutschen Hersteller, wie zum Beispiel

Meißen, arbeiteten in dieser Zeit mit

einem ziemlich dicken Scherben. Rosenthal

orientierte sich damals an den Wertmaßstäben

der französischen Manufakturen

und fertigte als erster industriell

extrem dünnwandiges Hartporzellan.

1974 stellte Rosenthal »Monbijou« in

überarbeiteter Form vor: das Service war

nun schlanker, das Relief reduzierter und

dadurch akzentuierter als vorher. Es war

die Zeit der Nostalgiewelle, in der die

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Menschen sich wieder verstärkt alten Formen

zuwandten und die Kollektion der

alten, traditionellen Rosenthal-Formen ein

Comeback erlebte. Rosenthal trug diesem

Bedürfnis Rechnung, indem, parallel zur

Rosenthal Studio-Linie, eine spezielle Kollektion

für historische Formen eingeführt

wurde. Diese Kollektion, die an die Ära der

großen Manufakturen erinnert, trägt heute

den Namen Rosenthal Classic.

Charakteristisch für »Monbijou« sind die

aneinander gesetzten Reliefschwünge,

»Rocailles« genannt. Sie geben dem Service

sein unverwechselbares Bild der

bewegten, reliefgeschmückten Kanten.

Die Porzellan-Ornamente erinnern an die

anmutig verspielte Heiterkeit des Rokoko

und seine glanzvollen Feste.

Der Name »Monbijou« steht für ein edles

Porzellan mit eleganter Note.


Entwurf: Bjørn Wiinblad

Erstvorstellung: 1959

Rosenthal Classic

Form »Romanze«

Anfang und Mitte der 50er Jahre sorgte

der »New Look« in Porzellan mit seinen

konsequenten, sachlichen und geradlinigen

Formen für Furore. Ende der 50er

Jahre begann ein neuer, wieder mehr

romantischer Trend, der viele Lebensbereiche

umfaßte. Es war die Zeit des Petticoat

und der ersten Landhausmöbel. In

diese Zeit fällt die Erstvorstellung der

Form »Romanze« von Bjørn Wiinblad,

dem bekannten dänischen Entwerfer.

»Romanze« ist eine reizvolle Collage aus

der Tradition alter japanischer Saake-

Karaffen (Reisweinkaraffen) und dem

persönlichen Formempfinden Bjørn Wiinblads.

Die alte asiatische Birnenform mit

tief angesetzter und lang hochgezogener

Schnaupe findet seit der Barockzeit

immer wieder bei europäischem Porzellan

Verwendung. Bjørn Wiinblad gestaltete

diese klassische Form jedoch wesentlich

leichter, graziler und beschwingter.

23

Die Besonderheit von »Romanze« ist das

feine Netzrelief aus Ovalen, Strichen und

Punkten (das sogenannte Olivenrelief),

das eine reizvolle, lebendige Oberfläche

bildet. Ursprünglich war dieses Muster

von Bjørn Wiinblad als Farbdekor gedacht,

auf Anregung von Philip Rosenthal

setzte er es dann aber als Relief um. So

entstand ein Service, bei dem jedes einzelne

Teil ein feines Netzrelief trägt, das

die Transparenz des Werkstoffs Porzellan

besonders hervorhebt.

Die Herstellung von »Romanze« ist

äußerst kompliziert und aufwendig. Die

extrem geschwungenen Henkel und die

bauchige Form sinken beim Brennen ab.

Deshalb muß die Form wesentlich steiler

modelliert werden, damit sie beim Brand

zu ihrer eigentlichen, bauchigen Form

absinken kann. Das erfordert von den Porzellinern

viel Erfahrung und Gefühl für

das Material.

Im Jahr 1987 kam »Romanze« nach fast

30 Jahren aus der Kollektion der Rosenthal

Studio-Linie in die Reihe der Rosenthal

Classic. Dort präsentiert sich die

Form als Ikone der 50er Jahre und steht

stellvertretend für das Lebensgefühl einer

Epoche, die die Romantik wiederentdeckte.


(französisch = ohne Sorgen)

Erstvorstellung: 1894

Rosenthal Classic

Form »Sanssouci«

Als Friedrich der Große sein neues Schloß

Sanssouci in Potsdam erbauen ließ, gab

er auch den Auftrag, eine spezielle Tischausstattung

dafür zu schaffen. Man sah in

dieser Zeit Architektur und Innendekoration

als untrennbare Einheit. Das Relief

des Porzellanservices »Sanssouci« entspricht

daher mit seiner zarten Gitterstruktur

den Rokoko Stuckdecken des

»Großen Saales« im gleichnamigen

Schloß. Die »Rocaille« gilt als ornamentales

Grundmotiv dieser Zeit. Gefertigt

wurde das »königliche« Service von

der Königlichen Porzellan Manufaktur

(KPM) Berlin 1763-65.

In der Stilepoche des Historismus (ca.

1879-99) griff man, aus einem stark

geschichtsbezogenen Denken heraus, in

Architektur und Innenausstattung auf Stilformen

der Vergangenheit zurück. Dies

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drückte sich auch in den Porzellanservicen

Ende des 19. Jahrhunderts aus.

Besonders das Rokoko (ca. 1720-1780),

die erste Blütezeit des Porzellans, wurde

gerne als Vorlage benutzt. Das Service

»Sanssouci« erfreute sich großer Beliebtheit

und wurde von etlichen Herstellern

nachgeahmt. Rosenthal erwarb als einziger

von der KPM die Lizenz, dieses Service

originalgetreu herzustellen. Es wurde

nie verändert und entspricht noch heute

dem Service des »Alten Fritz«.

Durch das Abklingen des Historismus

verschwand auch »Sanssouci« nach 1897

wieder aus der Kollektion von Rosenthal.

Doch knapp 30 Jahre später, 1926, wurde

es in unveränderter Auflage wieder präsentiert

und ist bis heute eine der beliebtesten

Formen der Rosenthal Classic.

Bei »Sanssouci« stehen erlesene, teils

sehr aufwendige Dekore zur Auswahl, die

den festlichen Charakter dieser reinen

Rokoko-Form unterstreichen. Neben der

transparent weiß glasierten Variante bietet

Rosenthal bei »Sanssouci« auch eine

Ausführung in der seltenen Elfenbeinglasur.

»Sanssouci« spiegelt bis heute den Glanz

des Rokoko und ist mit seiner Vielzahl

von Einzelteilen und seiner Palette von

Geschenkartikeln für stilvolle Tisch-Inszenierungen

bestens geeignet.

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