Download - Netzwerk Integration durch Qualifizierung (IQ)

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schriftenreihe Migration und arbeitswelt

Ein WEgWEIsER zur beruflicHen integration

von MenscHen Mit MigrationsHintergrund

Gefördert durch das Bundesministerium für Arbeit und Soziales aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds.


Vorwort

VORWORT

Mit diesem Wegweiser wollen wir die Akteure des Arbeitmarktes, die SachbearbeiterInnen in den ARGEn und

in den Arbeitsagenturen, die Betriebs- und Personalräte unterstützen, wenn sie Migrantinnen und Migranten

helfen, um deren Kompetenzen und Qualifikationen zu sichern. Die Themenauswahl verfolgt das Ziel, die

Betroffenen besser in den Arbeitsmarkt zu integrieren, sie beruflich weiter zu qualifizieren oder sie bei der Beratung

in Betrieben, am Arbeitsplatz wie in der Freizeit, durch Migrantenorganisationen und Gewerkschaften

gezielt zu unterstützen.

Der Wegweiser ist als „lernende“ Broschüre ausgelegt, was meint, dass sich die angesprochenen Themenbereiche

prozesshaft weiterentwickeln werden und dass die Aktualisierung der Inhalte nach dieser Drucklegung,

die eine Momentaufnahme darstellt, im Internet erfolgen wird. Deshalb wird die Druckversion unter

http://www.migration-online/wegweiser.de für das Internet adaptiert und aktualisiert.

Die Broschüre ist auch so angelegt, dass selektiv einzelne Kapitel rezipiert und bearbeitet werden können.

Menschen und vor allem Menschen mit Migrationshintergrund in den Arbeitsmarkt zu integrieren ist und

bleibt eine anspruchsvolle Aufgabe, welcher sich dankenswerterweise vor dem DGB Bildungswerk auch schon

andere gewidmet haben. Deshalb möchten wir all denen danken, die zu dieser aktuellen Informationsbroschüre

mit ihren bereits erarbeiteten Inhalten beigetragen haben und die uns erlaubten, daran zu partizipieren.

Es dient einem guten Zweck. Stellvertretend seien hier der Deutsche Gewerkschaftsbund, der Westdeutsche

Handwerkskammertag sowie das Ministerium für Generationen, Familie, Finanzen und Integration in Nordrhein-Westfalen

genannt. Auch wir würden uns freuen, wenn Inhalte unserer Broschüre in anderem Zusammenhang

zur Zielerreichung der Integration von Migrantinnen und Migranten eingesetzt würden.


Inhalt

Inhalt

1 MigrantInnen/Migranten und beratungspraxis 8

1.1 Was ist eine qualitätsorientierte Beratung 8

1.2 Beratungspraxis 9

1.3 Voraussetzungen für eine barrierefreie Verständigung 10

1.4 Interkulturelle Kompetenzen bei Ratsuchenden mit Migrationshintergrund 10

1.5 „Menschen mit Migrationshintergrund“ und der deutsche Arbeitsmarkt 11

1.6 Notwendigkeit zur beruflichen Integration 12

2 Strukturelle Hemmnisse bei der beruflichen Integration 13

2.1 Sprache 13

2.1.1 Sprache und Beratungspraxis 13

2.1.2 Empfehlungen 14

2.2 Information und Beratungspraxis 14

2.2.1 Empfehlungen 14

2.3 Bildungssystem 15

2.3.1 Übergang vom Kindergarten in die Schule 15

2.3.2 Ausbildungs- und Qualifikationsstand 15

2.3.3 „Seiteneinsteiger“ 16

2.3.4 Übergang von der Schule in den Beruf 16

2.3.5 Berufliche Bildung 16

2.3.6 Zweite Chance zum Berufsabschluss 17

2.3.7 Hochschulbildung 1

2.4 Rechtliche Hindernisse 1

2.4.1 Geduldete 1

2.4.2 Asylbewerberinnen und Asylbewerber

2.4.3 Migrantinnen und Migranten mit deutscher Staatsangehörigkeit

2.4.4 Migrantinnen und Migranten mit doppelter Staatsangehörigkeit

2.4.5 Migrantinnen und Migranten mit der Staatsangehörigkeit eines Mitgliedstaates der EU 22

2.4.6 Migrantinnen und Migranten ohne deutsche Staatsangehörigkeit

2.4.7 Beamte

2.4.8 Angestellte des öffentlichen Dienstes

2.4.9 Standesordnungen


3 Anerkennung ausländischer Bildungsnachweise 24

3.1 Reglementierte und nicht reglementierte Berufe 5

3.1.1 Reglementiert 5

3.1.2 Nicht Reglementiert 6

Inahlt

3.2 Anerkennungsverfahren bei den Kammern 6

3.2.1 Anerkennungsregelungen: für Spätaussiedlerinnen und Spätaussiedler 7

3.2.2 Anerkennungsregelungen: Kontingentflüchtlinge 7

3.2.3 Regelungen zur Anerkennung von Bildungsnachweisen in der EU 7

3.2.4 Anerkennungsregelungen für EU-/EWR Staatsangehörige 8

3.2.5 Antragsverfahren

3.2.6 Zuständige Anerkennungsstellen

3.2.7 Notwendige Unterlagen zur Anerkennung

3.2.8 Mögliche Ergebnisse des Antragsverfahrens

4 Anerkennung schulischer und akademischeR Bildungsnachweise 35

4.1 Voraussetzungen 5

4.2 Erforderliche Unterlagen im Antragsverfahren 5

4.3 Hauptschulabschluss 5

4.4 Mittlerer Bildungsabschluss (Realschulabschluss) 6

4.5 Fachhochschulreife 6

4.6 Allgemeine Hochschulreife (Abitur) 6

4.7 Feststellungsprüfung an einem Studienkolleg 6

4.8 Externe 7

4.9 Ausländische Studienbewerberinnen und Studienbewerber 7

4.10 Anerkennung einer ausländischen Hochschulzugangsberechtigung 7

4.11 Was kann man im Falle der Nicht-Anerkennung unternehmen 8

5 Förderung von beruflicher qualifizierung 39

5.1 Auszubildende und Arbeitslose 9

5.1.1 Berufsausbildungsbeihilfe (BAB) für Auszubildende 9

5.1.2 BAB-Förderung für Migrantinnen und Migranten 9

5.1.3 Weiterbildung für Empfänger/innen von Arbeitslosengeld I 40

5.1.4 Voraussetzungen 40

5.1.5 Bildungsgutschein 40

5.2 Weiterbildung für Beschäftigte 41

5.3 Fachkräfte (AFBG-Aufstiegsbildungsförderungsgesetz oder

Meister-BAföG-Ausbildungsförderungsgesetz) 41

5.4 Migrantinnen und Migranten 41

5.5 Antragsverfahren 42

5.6 Weiterbildung während der Arbeitszeit 42

5.7 Förderung durch Steuerersparnis 42


6 Informelle berufliche Kompetenzen anerkennen,

Potentiale besser erfassen 43

6.1 Verbesserung der Anerkennung von informellen beruflichen Kompetenzen 43

6.2 Exkurs: Externenprüfung 43

6.2.1 Zulassungsvoraussetzungen 43

6.2.2 Möglichkeiten der Vorbereitung auf die Abschlussprüfung 44

Inhalt

7 Potenziale besser erfassen 45

7.1 Verfahren und Instrumente zur Potenzialanalyse 46

7.1.1 TalentKompass NRW 46

7.1.2 Kompetenz-Erfassungs-Notebook (KEN) 49

8 ANHANG 50

8.1 Übersicht der Empfehlungen 50

8.1.1 Zur Umsetzung in der Beratungsarbeit 50

8.1.2 Zum Thema Anerkennung 50

8.2 Glossar 52

8.3 Adressen der Handwerkskammern in NRW 56

8.4 Adressen der Industrie- und Handelskammern in NRW 56

8.5 Adresse der Landwirtschaftskammer 57

8.6 Bilaterale Abkommen 58

8.6.1 Allgemeine Vergleichbarkeit 58

8.6.2 Probleme der bilateralen Abkommen 58

8.6.3 Bundesvertriebenengesetz § 10 59

8.7 Grundsätze zur Bewertung und Anerkennung von Fachmittelschulabschlüssen 59

8.7.1 Abschlüsse aus Polen 59

8.7.2 Abschlüsse in anderen osteuropäischen Ländern 60

8.8 Zuständige Anerkennungsbehörden für schulische Abschlüsse 61

8.9 Handwerksberufe 63


Einleitung

Einleitung

Ein bedeutendes Hemmnis für arbeitsuchende Menschen beim Zugang in den Arbeitsmarkt ist, dass sie oft

nicht wissen, in welchem Beruf sie arbeiten bzw. welche Tätigkeiten sie ausführen können. Hinzu kommt, dass

sich diese Menschen ihrer eigenen Fähigkeiten, Fertigkeiten, Potenziale sowie beruflichen Kompetenzen gar

nicht bewusst sind. Dies gilt auch für diejenigen, die einen anerkannten Ausbildungsberuf erlernen wollen, eine

Weiterbildung oder eine Nachqualifizierung anstreben.

Besonders Menschen mit Migrationshintergrund, die im Herkunftsland eine berufliche Qualifizierung erlangt

haben oder aber über langjährige berufliche Erfahrungen in Deutschland verfügen, können die Wertigkeit ihrer

Qualifikationen und Berufserfahrungen im deutschen Berufsbildungssystem bzw. auf dem Arbeitsmarkt nicht

einordnen. Dies ist ein Grund dafür, dass Menschen mit Migrationshintergrund von einer für sie günstigen

konjunkturellen Entwicklung in geringerem Maße profitieren als Deutsche.

Teilnahme an Weiterbildungsmaßnahmen

in Deutschland

13 %

AusländerInnen

Deutsche

17 %

Die ökonomische Integration dieser Menschen vollzog sich in der

Vergangenheit zumeist auf dem Niveau niedrig qualifizierter Arbeitsplätze.

Der Strukturwandel der letzten 25 Jahre bewirkte jedoch

zum großen Teil den Wegfall solcher Beschäftigung. Migrantinnen

und Migranten sind heute auf dem Arbeitsmarkt oft nicht

konkurrenzfähig. Neue Beschäftigungsstrukturen erfordern einen

höheren Grad an Qualifizierung. Davon bleiben Migrantinnen und

Migranten häufig ausgeschlossen. Sie nehmen laut Bundesministerium

für Bildung und Forschung wesentlich seltener an beruflichen

Weiterbildungsmaßnahmen teil als Deutsche: Im Jahr 2003 nahmen

nur 13 Prozent der Ausländer solche Angebote wahr; bei Deutschen

waren es 27 Prozent.

Trotz einer immer noch hohen Arbeitslosigkeit gibt es partiell erneut einen Mangel an Arbeitskräften. Nach

Angaben der Bertelsmann Stiftung sind „weit über eine Million“ Stellen unbesetzt, weil es an Fachkräften

mangelt. Das gilt nicht nur für akademische Berufe, sondern in vielen Branchen ebenso für Fachkräfte mit abgeschlossener

Berufsausbildung. Deshalb wird die berufliche Qualifikation auch für Migrantinnen und Migranten

immer wichtiger. Eine Fachausbildung stellt eine wesentliche Voraussetzung für einen Arbeitsplatz und damit

für eine gesellschaftliche Integration dar.


„Ich möchte als Lehrer, Pfarrer und Bildungs- u. Integrationsbeauftragter

für das Miteinander der Menschen und ihren

Kulturen intensiv arbeiten und Grenzen einreißen. Meinen griechischen

Landsleuten versuche ich Wege zu Qualifizierung und

in Bildung und Arbeit nahe zu bringen. Den Verantwortlichen

in unserer Gesellschaft möchte ich vermitteln, dass die brach

liegenden Potenziale unter den Griechen und anderen Migrantinnen

und Migranten nicht weiter ignoriert werden dürfen.“

Einleitung

Miltiades Stavropoulos, 57, angestellt als Lehrer, Gütersloh

Das EQUAL-Projekt „Pro Qualifizierung“ will mit diesem Wegweiser einen Beitrag leisten, um

die Beschäftigungssituation von Menschen mit Migrationshintergrund zu verbessern. Die berufliche

Beratungspraxis soll darin unterstützt werden, den Ratsuchenden bereits vorhandene

Potenziale und Kompetenzen zu verdeutlichen. Dies steigert nicht nur das Selbstbewusstsein

der Beratenen, sondern es hilft auch der Beratungskraft, Ratsuchenden den passenden Beruf,

die passende Tätigkeit oder Qualifizierungsmaßnahme zu empfehlen.

Dieser Wegweiser möchte betrieblichen und außerbetrieblichen Beratungskräften unterschiedliche Instrumente

vorstellen, welche angewendet werden können, um ratsuchenden Menschen (insbesondere im Alter von 25+)

mit Migrationshintergrund bei der Wahl einer beruflichen Tätigkeit bzw. Qualifizierungsmaßnahme Perspektiven

aufzuzeigen.

Zudem erläutert dieser Wegweiser die Grundzüge der Anerkennung formeller wie informeller beruflicher Qualifikationen.

Der Wegweiser ist in sieben Kapitel gegliedert: Eingangs wird die Bedeutung von interkultureller

Kompetenz in der Beratungsarbeit dargestellt. Kapitel 2 geht auf die strukturellen Hemmnisse bei der beruflichen

Integration von Menschen mit Migrationshintergrund ein, insbesondere im Hinblick auf das Bildungssystem

und auf die gesetzlichen Rahmenbedingungen. Antworten auf Fragen rund um das Thema Anerkennung

von ausländischen Bildungsnachweisen liefern Kapitel 3 und 4. Über Möglichkeiten der öffentlichen Förderung

von beruflicher Weiterbildung und Nachqualifizierung informiert Kapitel 5. Abschließend wird in Kapitel 6 die

Bedeutung der Anerkennung von informellen beruflichen Kompetenzen herausgestellt und in Kapitel 7 mit

dem Talent-Kompass NRW ein Verfahren für die bessere Erfassung von Potenzialen insbesondere von formell

geringqualifizierten Menschen beschrieben und empfohlen.


1

Migrantinnen

/ Migranten

und Beratungspraxis

Beratungspraxis

1.1 Was ist eine qualitätsorientierte Beratung

Eine qualitätsorientierte Beratung verlangt Ideenreichtum, Sensibilität und Flexibilität sowohl in der Strukturierung

wie in der Lösung von Fragestellungen: Sichtweisen anderer gilt es zu antizipieren und zu integrieren,

erfolgreiches Handeln ist gemeinsam zu planen, Wissen zu vermitteln, mit Nichtwissen muss umgegangen

werden, Widerstreite sind auszuhalten – all das sollten Bestandteile des Verständnisses von Beratung sein.

Qualitätsorientierte Beratung ist lösungsorientierte, helfende und nachhaltige Beratung. Sie ist keine simple

Problemlösungstechnik, die nur kurzfristig befähigt, mit einer Fragestellung oder einem Problem erfolgreich

umzugehen, sondern sie muss dazu beitragen, nachhaltige Veränderungen und Ergebnisse zu erzeugen. Die

Merkmale eines solchen Beratungskonzeptes lassen sich wie folgt beschreiben:

<

<

<

<

<

<

<

Beratung ist eine professionelle Form des Umgangs mit Situationen,

deren Ausgang man nicht kennt.

Beratung ist der Umgang mit Nicht-Wissen – dem der Beratenden

sowie dem der Klientel.

Beratung ist die reflexive und kommunikative Bearbeitung

von Fragestellungen und Problemen.

Beratung verlangt für unterschiedliche Arbeits- und Problemfelder unterschiedliche Vorgehensweisen.

Deshalb sind Angebote für die ständige Weiterbildung von Beratern und Beraterinnen erforderlich.

Beratung verändert sich immer – ist plural (vielfältig) – und stellt sich den Herausforderungen neuer

Kommunikations- und Informationsmedien durch Überprüfung ihres Profils.

Beratung ist in ihrem Prozess und ihren Ergebnissen ebenso wirtschaftlich wie ressourcenorientiert und

nachhaltig ausgerichtet.

Beratung bevormundet nicht, fördert Vielfalt und erhält Pluralität aufrecht, tritt für Toleranz ein und weiß

mit dem kulturell wie alltäglich Fremden und Neuen behutsam umzugehen.

„Meine Hartnäckigkeit und die professionelle Beratung

bei Pro Qualifizierung hat mir dabei geholfen, mir meinen

größten Wunsch zu verwirklichen: nach vielen Jahren des

Ringens auch in meiner Wahlheimat Deutschland endlich

als Krankenschwester arbeiten zu können.“

Marketa Machacova, 28, Krankenschwester


1.2 Beratungspraxis

Eines der prägenden Elemente unserer Gesellschaft ist das Zusammenleben von Menschen verschiedener Religionen

und Ethnien, unterschiedlicher kultureller Hintergründe und verschiedener Interessen. Infolge dieser

Heterogenität kommt es in der professionellen Beratungspraxis immer wieder zu Missverständnissen.

Mit folgenden Interviewaussagen möchten wir beispielhaft darstellen, wie Migrantinnen und Migranten Beratungssituationen

wahrnehmen können. Die Aussagen sind subjektiv geprägt und etwas überzeichnet. Um

jedoch Probleme zu verdeutlichen, haben wir sie in der Schärfe nicht abgemildert.

Jamila (38 J.), Irak:

„Grundsätzlich ist es problematisch seinen im Ausland erworbenen Abschluss anerkennen zu lassen. Ich habe

im Irak eine kleine Textilfirma geleitet und 20 Mitarbeiterinnen gehabt. Darüber gibt es kein Zeugnis, noch

nicht einmal einen schriftlichen Arbeitsvertrag. Ich habe meinem Arbeitgeber demonstriert was ich kann und

per Handschlag die Stelle bekommen. In Deutschland habe ich mit bereits über 30 Jahren eine Stelle bei einem

arabischen Arbeitgeber als Schreibkraft bekommen, weil ich deutsch und arabisch sprechen, lesen und schreiben

kann. Ich bekam die Chance, eine Ausbildung zur Industriekauffrau zu machen.“

„In der Beratungseinrichtung fangen die Probleme damit an, dass mein Name falsch ausgesprochen wird, oder

nur der Vorname genannt wird, oder auch einfach nur die ersten Silben. Ich bin mir dann sehr unsicher darüber,

ob ich auch wirklich gemeint bin und frage dann nicht unbedingt konkret nach. Angesprochen darauf, sind

die Kommentare der MitarbeiterInnen: „Ist doch egal“, „Ist ja auch nicht so wichtig“, „Sitzt noch ein anderer

Ausländer hier““

„Wie soll man sich als MigrantIn verhalten: Richtig stellen oder nachfragen Der Mitarbeiterin folgen und hoffen,

man wird schon die Richtige sein Vor dem Zimmer warten bis man aufgerufen wird An die Tür klopfen“

Migrantinnen / Migranten und

Beratungspraxis

„Die Angst, etwas

nicht zu verstehen

oder sich falsch zu

benehmen, ist groß.“

Jamila (38 J.), Irak

„In den meisten Fällen, in denen ich als Kundin vorgesprochen oder andere begleitet habe, empfand ich die

MitarbeiterInnen als unfreundlich und überheblich.“

„Verständnis für deren Arbeit habe ich: sie haben viel zu tun und müssen ja auch alles wissen, und nicht alle

sind freundlich zu ihnen. Da kann ich schon verstehen, dass sie nicht gutgelaunt sind, aber ich möchte trotzdem

nicht diejenige sein, an der es ausgelassen wird.“

„Die Hilfestellung beim Ausfüllen der Anträge ist sehr gering. Einmal musste ich mir anhören, dass ich etwas

falsch gemacht hätte und habe nicht direkt verstanden, was gemeint ist. Ich dachte eher, dass ich in die falsche

Spalte geschrieben hätte oder den Schulabschluss bei Ausbildung oder so etwas Ähnliches. Dabei meinte die

Sachbearbeiterin, dass ich etwas falsch, also Rechtschreibung, geschrieben habe. Auf meine Nachfrage, wie

es denn richtig geschrieben wird, bekam ich die Antwort: „Ich dachte Sie können deutsch, dann müssten Sie

das doch selbst wissen“.“

„Die Angst etwas nicht zu verstehen oder sich falsch zu benehmen ist groß.“

„Sich über das Verhalten von MitarbeiterInnen zu beschweren, kommt den meisten nicht in den Sinn. Die Angst

später schlecht behandelt zu werden ist zu groß. Man will nicht auffallen.“

„Je klarer die Aussagen der MitarbeiterInnen formuliert sind, desto besser verstehen wir, was noch zu tun,

welche Unterlagen beispielsweise noch mitzubringen sind. Wenn ich beispielsweise noch eine Bescheinigung

aus einem anderen Amt benötige, dann ist es hilfreich wenn man es mir aufschreibt: welches Formular (wie

es genau heißt), wo ich hingehen muss (das zuständige Amt, Straße, Raum, Zimmer usw.). Das soll bitte nicht

heißen, dass wir dumm sind. Wir sind nur sehr unsicher.“

„In DRUCKBUCHSTABEN schreiben. Handschriftliche Notizen können viele Migrantinnen und Migranten nicht

„entschlüsseln“.“

„Informationsblätter in arabischer Sprache wären prima (natürlich auch in anderen Sprachen).“

Olga (23 J.) Aussiedlerin, Russland:

„Ich wünsche mir mehr „Empathie“ und Freundlichkeit auf Seiten der Beratungseinrichtung, gleichzeitig habe


ich aber Verständnis für das Verhalten: wenn sie nichts über andere Kulturen wissen, können sie sich auch

nicht interkulturell verhalten.“

Migrantinnen / Migranten und

Beratungspraxis

„Ich mag den Begriff „Aussiedlerin“ nicht und bevorzuge „Migrantin“. In den Wörtern Ausländer und Aussiedler

steckt nun mal das Wort „Aus“ und damit assoziiert man negative Gefühle und Gedanken.“

„Interkulturelle Kompetenzen wären auf Seiten der Beratungseinrichtungen und Ämter sehr wünschenswert,

aber auch Migrantinnen und Migranten müssen interkulturell geschult werden. Damit sie wissen, wie sie sich

auf Ämtern und auch im Alltag verhalten sollen.“

1.3 Voraussetzung für eine barrierefreie Verständigung

Der Erfolg der Beratung zur Wahl eines passgenauen Berufes, einer Tätigkeit bis hin zur Vermittlung in Arbeit, hängt

von verschiedenen Faktoren ab. Dazu gehören sicherlich äußere Rahmenbedingungen, wie begrenzte Beratungszeiten

oder auch finanzielle Zwänge. Viel entscheidender jedoch ist die Beratungssituation selbst. Dabei kommt

einer barrierefreien Kommunikation zwischen dem Beratenden und dem Ratsuchenden eine herausragende Bedeutung

zu. Sie ist die Voraussetzung dafür, dass eine vertrauensvolle Basis zwischen dem Berater und dem Beratenen

aufgebaut werden kann. Nur so ist es möglich, dass sich der Kunde dem Berater öffnet, um alle relevanten

Informationen im Hinblick auf berufliche Fähigkeiten, Wünsche und Vorstellungen zu übermitteln.

In einer idealen Beratungssituation sollten berufliche Beratungskräfte sich folgende Fragen stellen und diese

dem Fall entsprechend beantworten können 1 :


Habe ich als Beratende / r genügend Informationen über den Kunden/die Kundin

!„Ich habe sehr viele Informationen über den Ratsuchenden zusammengetragen. Dennoch hat der Kunde/die

Kundin sicherlich noch einiges mitzuteilen. Deshalb sollte ich ihm/ihr die Gelegenheit dazu geben.“


Vermittle ich als Berater im Gespräch ausreichend Interesse an den Problemen des Kunden/der Kundin

!„Ich bin in der Lage dem Kunden zu vermitteln, dass ich eine kompetente Fachperson bin, die sich für die

Probleme des Ratsuchenden interessiert und Hilfestellungen dazu geben kann, diese zu lösen.“


Welche Erwartungen haben Sie gegenüber dem Kunden/der Kundin

Zwischen den Beratungsfeldern mögen naturgemäß große inhaltliche Unterschiede existieren (so etwa

zwischen Arbeitsvermittlung und Sozialberatung), doch die Beratung darf die Erwartungen der Kunden in

keinem Fall negieren.

!„Ich erwarte von dem Kunden/der Kundin ein offenes Gespräch und die Bereitschaft, dass er / sie einen

eigenen Beitrag zur Lösung des Problems leistet.“

Eine erfolgreiche Beratung der Menschen mit Migrationshintergrund setzt zwar vor allem die Zugänglichkeit

des Kunden, aber auch eine ausgeprägte Empathiefähigkeit des Beraters/der Beraterin voraus, die sich darin

äußert, dass folgende Aspekte Berücksichtigung finden 2 :

<

<

<

unterschiedliche Bildungswünsche und Bildungsideale der Beratenen

unterschiedliche berufliche Werte und Normen der KlientInnen

Geschlechterunterschiede in den jeweiligen kulturellen Milieus

1.4 Interkulturelle Kompetenzen Bei Ratsuchenden mit Migrationshintergrund

Interkulturelle Kompetenz umfasst alle Dimensionen, d.h. alle formellen und informellen Fähigkeiten, Fertigkeiten

und Kenntnisse, die uns dazu befähigen, in einem von interkultureller Diversität gekennzeichneten

1 Vgl. M. Launikari u. S. Puukari (2005): Multicultural Guidance and Counselling. Institute for Educational Research, Finland.

2 Vgl. Sickendiek, Ursel (2005): Theorien berufliche Beratung / Career Counselling und kulturelle Diversität. Vortrag auf der Tagung „Beratung auf dem Prüfstand“,

30. Januar 2005.

10


eruflichen und/oder privaten Umfeld zurecht zu kommen und es aktiv und konstruktiv mitzugestalten. Die

wichtigste Voraussetzung hierfür ist die innere Bereitschaft.

Menschen mit Migrationshintergrund sind per se nicht immer interkulturell kompetent. Sie verfügen aber

unter Umständen häufig über zusätzliche Kompetenzen und Potenziale, welche bislang vielen Betrieben nicht

bewusst sind. Zu diesen zusätzlichen Potenzialen, die sie möglicherweise mitbringen, gehören u.a.:

<

<

<

<

die gezielte Ansprache neuer Kundenkreise

die Herstellung von Kontakten zu Netzwerken im Inland und im Herkunftsland

das Einbringen kultur- und länderspezifischen Wissens in die berufliche Tätigkeit

die Vermittlung bei Konflikten mit Kunden mit Zuwanderungsgeschichte

Migrantinnen / Migranten und

beratungspraxis

Für die berufliche Beratung und Arbeitsvermittlung ist es daher wichtig, diese möglichen Kompetenzen im

Beratungsprozess gezielt abzufragen.

Folgende weitere Fragen können bei der Beratung zur Berufs- bzw. Tätigkeitswahl von Kunden mit Migrationshintergrund

eine Orientierung geben. Eine besondere Beachtung verdient die Beantwortung der Frage, welche

Berufsbilder es in Deutschland gibt. Denn vielen Menschen mit Zuwanderungsgeschichte sind weder das

Berufsbildungssystem noch die einzelnen Berufsbilder in Deutschland bekannt.

<

<

<

<

<

Was will der Kunde eigentlich, was ist ihm wichtig

Was kann er alles gut

Welche Berufe gibt es und was passt zu ihm

Wie und wo kann er weiterführende Informationen erhalten

Wann, wie, wo kann der Ratsuchende sich bewerben

1.5 „MenscHen Mit MigrationsHintergrund“ und der deutscHe arbeitsMarkt

Mit dem Mikrozensus 005 wurden zum ersten Mal die Bevölkerungsgruppen mit und ohne Migrationshintergrund

unterschieden und statistisch erfasst (Statistisches Bundesamt 006).

Personen mit Migrationshintergrund sind danach

< zugewanderte Ausländer, Spätaussiedler und eingebürgerte Ausländer, die selber zugewandert sind,

< Personen ohne eigene Migrationserfahrung: in Deutschland geborene Kinder zugewanderter Ausländer

unabhängig von ihrer Staatsangehörigkeit sowie

< Kinder zugewanderter Spätaussiedler.

arbeitslosenquote in

deutschland

10,8 %

bundesweit

23,6 %

AusländerInnen

Demnach ist in Deutschland die Zahl der Menschen mit Migrationshintergrund (15, Mio.) fast doppelt so

hoch wie die Zahl der Ausländer (ca. 7,8 Mio.). Knapp 19% der Bevölkerung in Deutschland hat einen Migrationshintergrund.

Etwa 5% davon besitzen die deutsche Staatsangehörigkeit (Statistisches Bundesamt, 006,

7 ff).

7,8 Mio. Ausländer 15, Mio.

Menschen mit

Migrationshintergrund

48 %

ohne deutsche

Staatsbürgerschaft

5 %

mit deutscher

Staatsbürgerschaft

15, Mio.

Menschen mit

Migrationshintergrund

(Statistisches Bundesamt, 006, 7 ff)

insges. 82,5 Mio.

deutsche Bevölkerung

Die Arbeitsmarktstatistik der Bundesagentur für Arbeit weist Menschen mit Migrationshintergrund nicht gesondert

aus. Sie fragt allein den rechtlichen Status der Staatsangehörigkeit ab. Unterschieden wird zwischen

11


Migrantinnen / Migranten und

Beratungspraxis

Ausländern und Deutschen. Spätaussiedler, also Einwanderer mit deutscher Staatsangehörigkeit, werden wiederum

fünf Jahre nach ihrer Einwanderung nicht mehr innerhalb der Statistiken als solche geführt. Inwieweit

die Bevölkerung mit deutscher Staatsangehörigkeit auch Menschen mit Migrationshintergrund erfasst, z.B.

Eingebürgerte oder frühere Spätaussiedler, wird innerhalb der Statistiken nicht festgehalten.

Bundesweit ist die Zahl der arbeitslosen AusländerInnen mehr als doppelt so hoch wie die der arbeitslosen

Deutschen. In Bezug auf Menschen mit Migrationshintergrund mit deutscher Staatsangehörigkeit enthält die

Statistik infolge der zuvor beschriebenen statistischen Erfassung keinerlei Aussagen. Die Arbeitslosenquote

betrug im Dezember 2006 bundesweit 10,8%. In NRW betrug die Arbeitslosenquote 10,2%. Die Arbeitslosenquote

bei AusländerInnen lag zur selben Zeit bundesweit bei 23,6% und in NRW bei 25,5%.

Die größere Betroffenheit von Arbeitslosigkeit kann als Indikator für die schlechteren Chancen auf dem Arbeitsmarkt

interpretiert werden.

„Man merkt, ob jemand nur schnell angelernt wurde oder

eine richtige Ausbildung hat. Viele Konflikte im Betrieb

entstehen aus Unwissenheit oder noch häufiger aus mangelnder

Kommunikationsfähigkeit. Deshalb setze ich mich

für die Weiterbildung meiner Kolleginnen und Kollegen

ein.“

Abdelgani Yazef, 44, Schlosser und Betriebsratvorsitzender

1.6 Notwendigkeit zur beruflichen Integration

Die Integration in den Arbeitsmarkt ist das zentrale Element für gesellschaftliche Teilhabe und soziale Stabilität.

Eine mangelnde berufliche Integration ist einer der Gründe für die mangelnde Arbeitsmarktintegration

von Menschen mit Migrationshintergrund und kann viele negative arbeitsmarktrelevante, wirtschaftliche und

gesellschaftliche Entwicklungen hervorrufen, wie z.B.:

<

<

<

<

Anhaltende Sprachprobleme von Migrantinnen und Migranten,

Zunahme der Abhängigkeit von wohlfahrtstaatlichen Leistungen bei Migrantinnen und Migranten,

starke Verschlechterung des gesellschaftlichen Meinungsklimas gegenüber Ausländern, Zuwanderern

allgemein oder gegenüber bestimmten Zuwanderungsnationalitäten; Niederschlag in Umfragen, Mediendarstellungen,

Internetkommunikationen,

Entstehung oder Wachstum von sozialen Bewegungen, Organisationen oder Ein-Punkt-Parteien, die

gegen „Überfremdung“ und Zuwanderer zu mobilisieren versuchen.

Betroffenen Migrantinnen und Migranten erschweren solche Entwicklungen wiederum die gesellschaftliche

Integration und Partizipation, was die Bildung von Parallelgesellschaften und Widerstände gegenüber der

Mehrheitsbevölkerung fördern kann.

12


Strukturelle Hemmnisse in der

Beruflichen Integration

2

Strukturelle Hemmnisse

Die berufliche Integration von Migrantinnen und Migranten gestaltet sich aufgrund mehrerer Hemmnisse

grundsätzlich schwierig. Hemmnisse finden sich u.a. in den mangelnden Sprachkenntnissen, in der Beratungspraxis,

in fehlenden Informationen über das Berufsbildungssystem sowie in der mangelnden Einsicht in die

Notwendigkeit einer grundlegenden beruflichen Qualifizierung.

Strukturelle Hemmnisse bei der Beruflichen

Integration

2.1 SPRACHE

Ob Menschen mit Migrationshintergrund Sprachdefizite aufweisen hängt meist davon ab, ob und wann sie

selber zugewandert oder ob sie in Deutschland geboren sind, und steht mit ihrem Bildungsniveau in engem

Zusammenhang. Zugleich beeinflusst der jeweilige Beschäftigungsbereich, in welchem sie erwerbstätig sind

oder waren, ihre allgemeinen Deutschkenntnisse bzw. ihre berufsspezifische Fachsprache.

Trotz zahlreicher Ausnahmen zeigt sich, dass Menschen mit Migrationshintergrund an Stellenbesetzungsverfahren

und beruflichen Qualifikationsmaßnahmen scheitern, weil sie nicht selten Defizite im mündlichen und

schriftlichen Deutsch aufweisen. Diese sind für den Arbeitsmarkt relevant, da die Vermittlung beruflichen und

fachspezifischen Wissens meist gute Sprachkenntnisse voraussetzt. Fehlende sprachliche Fertigkeiten hindern

jedoch nicht grundsätzlich an einer Erwerbstätigkeit. Sie sind in der Regel weder die entscheidende Ursache für

Arbeitslosigkeit, noch der entscheidende Grund für den Verbleib darin. Demnach ist die Stärkung der sprachlichen

Kompetenz im alltags- und berufsbezogenen Deutsch sicher hilfreich, aber nicht ausschlaggebend für

den Übergang in die Erwerbstätigkeit, wenn die erforderliche berufliche Qualifikation fehlt. Hinzu kommt, dass

mangelnde Sprachkenntnisse oftmals nur vorgeschobenes Argument der Arbeitgeberseite sind. Hier müsste

jeweils im Einzelfall beurteilt werden, ob und in welchem Maße die angestrebte Tätigkeit ausgeprägte Kenntnisse

in der deutschen Sprache tatsächlich erfordert.

2.1.1 Sprache und Beratungspraxis

Viele Probleme in der Beratungspraxis beruhen auf kommunikativen

und interkulturellen Missverständnissen. Sowohl Beraterinnen und

Berater als auch die Beratenen neigen, ohne dass es ihnen bewusst

wäre, oft dazu, eigene Wertvorstellungen zu verallgemeinern oder eigene

Wahrnehmungen als einzig wirkliche anzuerkennen. Gerade in

Beratungssituationen spielt neben der sachlichen aber auch die Beziehungsebene

eine entscheidende Rolle.

Unsicherheit

Vorurteile

Wertvorstellungen

Sprache

interkulturelle

Missverständnisse

Verhalten

Kommunikation

Wahrnehmung

13


Beispielhaft für derartige interkulturelle Missverständnisse ist, dass Aussagen und Verhaltensmuster des Gegenübers

als unangemessen, unverständlich oder gar verletzend und unhöflich wahrgenommen werden.

Derartige Missverständnisse können Beratungsabläufe empfindlich beeinflussen, so dass die Beratungsarbeit

erschwert und der Beratungserfolg beeinträchtigt wird. Wichtig ist zunächst, dafür in der Beratung selbst ein

Problembewusstsein zu entwickeln. Helfen kann eine Analyse der vorhandenen Potentiale:

<

<

<

Sind interkulturelle und sprachliche Kompetenzen, die in Einrichtungen der beruflichen Beratung meist

unterschiedlich ausgeprägt. sind, vorhanden

Lässt sich eine Lösung mit Hilfe der Anstellung muttersprachlichen Fachpersonals entwickeln

Können interkulturell qualifizierte Teams und eine kultursensible Angebotsgestaltung den Ratsuchenden

helfen

Strukturelle Hemmnisse bei der Beruflichen

Integration

Empfehlung

Für eine adäquate Beratungsleistung reicht es oftmals nicht aus, „lediglich“ eine bestimmte Sprache zu sprechen

oder aus einem bestimmten Land zu kommen. Um Zugangsängste zu verringern, bedarf es vielmehr

interkulturell erfahrener Teams. Sprachkenntnisse sowie Wissen über kulturelle Gegebenheiten sind von daher

als Fachkenntnisse zu betrachten und als Anforderung in Stellenprofile einzuführen. Die Erhöhung des Anteils

von interkulturell kompetenten Fachkräften mit und ohne Migrationshintergrund, insbesondere in der Arbeitsverwaltung,

muss infolgedessen angeregt und eingefordert werden.

2.1.2 Empfehlungen




Interkulturelle und sprachliche Kompetenzen von Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen müssen vermehrt

in die Beratungsarbeit einfließen, um sprachliche und kulturelle Barrieren zu senken und die Erreichbarkeit

von Migrantinnen und Migranten zu verbessern. Eine Erhöhung des Fachkräfteanteils mit und ohne

Migrationshintergrund mit interkulturellen und sprachlichen Kompetenzen sollte angestrebt werden.

Die Besetzung frei werdender Stellen in Einrichtungen der beruflichen Beratung mit Fachpersonal, das

über interkulturelle und sprachliche Kompetenzen sowie ggf. Migrationserfahrung verfügt, ist anzustreben.

Dazu ist u.a. eine Abänderung entsprechender Anforderungsprofile im Rahmen von Stellenausschreibungen

notwendig: Interkulturelle Kompetenz ist ausdrücklich als Einstellungsmerkmal festzulegen.

Bei der Aus-, Fort- und Weiterbildung des Beratungspersonals (Mitarbeiter und Führungskräfte) sind

migrationsspezifische Aspekte besonders zu berücksichtigen. Interkulturelle Kompetenz sollte ausdrücklich

in Stellenprofilen als notwendige Voraussetzung festgeschrieben werden, wenn Stellenbesetzungsverfahren

durchgeführt werden.

2.2 Information und Beratungspraxis

Für den erfolgreichen Zugang von Menschen mit Migrationshintergrund zu den zahlreichen Förderinstrumenten

und Möglichkeiten der beruflichen Qualifizierung ist insbesondere der Zugang zu den erforderlichen Informationen

bedeutsam. Leider sind diese vielen Unternehmern und der überwiegenden Mehrheit der Menschen

mit Migrationshintergrund nicht bekannt. Gleiches gilt im Übrigen auch für die Bevölkerung ohne Migrationshintergrund.

Diese Barrieren zu senken ist das Anliegen des DGB-Bildungswerkes, insbesondere seiner Beratungsnetzwerke

im Rahmen des EQUAL-Projektes Pro Qualifizierung bzw. anderer, landesweit agierender Initiativen zum Abbau

beruflicher Zugangsbarrieren für Menschen mit Migrationshintergrund.

Empfehlung

2.2.1 Empfehlungen



Die Beratungspraxis für Migrantinnen und Migranten sollte grundsätzlich so niederschwellig wie möglich

angelegt sein.

Informationsmaterial für Migrantinnen und Migranten sollte nach Zielgruppen differenziert, zumindest

in der Herkunftssprache der in Deutschland am zahlreichsten vertretenen Migrantinnen- und Migrantengruppen,

verständlich und kultursensibel gestaltet sein. Dabei sind Mittel und Methoden auszuwählen,

welche die Betroffenen, ihre Angehörigen und ihr soziales Umfeld erreichen. Zur Optimierung

14


des Beratungsangebotes sind vorhandene Netzwerke unter Beteiligung der Industrie, des Handwerks,

der öffentlichen Verwaltungen, der ARGEn, von Betriebs- und Personalräten sowie Gewerkschaften

einzubinden. So kann es z.B. sinnvoll sein, MultiplikatorInnen aus den Migranten-Communities gezielt

zu werben bzw. zu informieren und in die Beratungsarbeit einzubeziehen.

„Berufliche Weiterbildung hat meine Selbständigkeit

gefördert. Das war mir klar, als ich mich zum Zahntechniker

ausbilden ließ. Meine Qualifikationen bringen mir

Sicherheit und damit Unabhängigkeit und letzten Endes

auch ein Stück Freiheit“

Charalabos Patrikalakis, 49, Zahntechnikermeister

2.3 Bildungssystem

2.3.1 Übergang vom Kindergarten in die Schule

Ein gelungener Übergang vom Kindergarten in die Grundschule stellt für jedes Kind eine wesentliche Grundlage

für den künftigen Bildungsweg dar. Die Situation von Kindern mit Migrationshintergrund ist jedoch teilweise

geprägt von sozialer Benachteiligung und biographischen Belastungen (z. B. Fluchterfahrung). Diese

gilt es schon zu diesem frühen Zeitpunkt wahrzunehmen und möglichst frühzeitig auszugleichen. Durch eine

enge Kooperation der vorrangig mitwirkenden Verantwortlichen wie Eltern, ErzieherInnen, FachberaterInnen

für Kindertageseinrichtungen (der kommunalen und freien Träger), Verwaltungskräfte im Aufgabenbereich Kindertageseinrichtungen,

MitarbeiterInnen der Jugendhilfe, Grundschulen, Schulräte, SchulärztInnen und KinderärztInnen

erhöhen sich die Startchancen in dieser Übergangssituation.

Strukturelle Hemmnisse bei der Beruflichen

Integration

Weitere Informationen zu Fördermöglichkeiten beim Übergang vom Kindergarten in die Grundschule bekommen

Sie bei:

Sozialpädagogisches Institut NRW – Zentrale wissenschaftliche Einrichtung der Fachhochschule Köln –

An den Dominikanern 2, 50668 Köln

Telefon: 02 21/1 60 52-0

Telefax: 02 21/1 60 52-50

Hinweis

2.3.2 Ausbildungs- und Qualifikationsstand

Schulische Bildung ist ein wesentlicher Integrationsfaktor. Die internationale Vergleichsstudie PISA kommt zu

der Erkenntnis, dass die Bildungschancen von Kindern und Jugendlichen in Deutschland stärker vom sozialen

Status der Eltern abhängen als in allen übrigen Vergleichsländern, welche an der Studie teilgenommen haben.

Das ist ein Indiz dafür, dass deutsche Bildungsinstitutionen es

bislang nicht geschafft haben, soziale Ungleichheiten hinreichend zu

kompensieren. Dieses Versäumnis wirkt sich insbesondere auch auf

Kinder mit Migrationshintergrund aus, weil sie zu einem großen Teil

aus bildungsfernen und materiell benachteiligten Familien stammen.

Rechtlich sind ausländische SchülerInnen zwar durch die allgemeine

Schulpflicht spätestens seit Mitte der 1960er Jahre in formaler

Hinsicht mit Deutschen gleichgestellt; tatsächlich besteht aber keine

Chancengleichheit im Bildungssystem.

Bei den Schulabschlüssen ausländischer Jugendlicher dominiert klar

Jugendliche in Deutschland

mit Hochschulreife

jeder 4. deutsche Jugendliche und

jeder 10. ausländische Jugendliche

hat Abitur.

15


der Hauptschulabschluss. Während fast 70% der deutschen Schüler einen mittleren oder höheren Abschluss

erzielen, verlassen nur etwa 40% der ausländischen Schülerinnen und Schüler die allgemein bildende Schule

mit einem solchen Abschluss. Auffallend ist zudem der Unterschied zwischen deutschen und ausländischen

Schulabschlüssen bei der Hochschulreife. Etwa jeder vierte Deutsche verlässt die allgemein bildende Schule

mit dem Abitur; bei den ausländischen Jugendlichen ist es nur etwa jeder Zehnte. Bei Jugendlichen aus reinen

Zuwandererfamilien (kein Elternteil in Deutschland geboren) findet man laut der PISA-Studie noch heute eine

so geringe Bildungsbeteiligung, wie sie in Deutschland um 1970 anzutreffen war: Hauptschulbesuch bei 50%,

Gymnasialbesuch bei etwa 16% aller Schüler.

Das mehrgliedrige deutsche Schulsystem begünstigt laut der PISA-Studie eine soziale Auslese. Davon sind insbesondere

Schüler und Schülerinnen mit Migrationshintergrund betroffen. Es ist dringend erforderlich, Schüler

und Schülerinnen aus sozial benachteiligten Familien durch den Ausbau von Ganztags- und Gesamtschulen sowie

von Förderunterricht eine gleichberechtigte Teilhabe am Bildungssystem zu ermöglichen. Dies ist eine wichtige

Voraussetzung zur Verbesserung ihrer Beschäftigungsfähigkeit und ihrer Chancen auf dem Arbeitsmarkt.

Strukturelle Hemmnisse bei der Beruflichen

Integration

2.3.3 „Seiteneinsteiger“

Das deutsche Schulsystem ist personell und konzeptionell nicht unmittelbar auf die Aufnahme von „Seiteneinsteigern“

ohne Deutschkenntnisse eingestellt. Für Kinder bzw. Jugendliche, welche nach Deutschland einreisen,

bestehen zwar besondere Förder- oder Integrationskonzepte, aber diese sind oft nicht ausreichend

bekannt bzw. nur schwach ausgeprägt. Dass den betroffenen Kindern eine schnelle schulische Integration oft

schwer fällt, ist deshalb verständlich.

2.3.4 Übergang von der Schule in den Beruf

Der Berufseinstieg stellt die Schlüsselphase der Erwerbsbiographie dar. Ungünstige Startbedingungen beim

beruflichen Einstieg sind später schwer auszugleichen. Spätestens seit den 1990er Jahren ist das System der

beruflichen Ausbildung in Deutschland mangels eines ausreichenden Angebots an Ausbildungsplätzen in der

Krise. Für viele Jugendliche bleiben nur Ersatzmaßnahmen zur beruflichen Ausbildung. Eine außerbetriebliche

Ausbildung ist oftmals die letzte Alternative für diejenigen Schulabgänger, die bei der Konkurrenz um einen

betrieblichen Ausbildungsplatz auf Grund ihrer schlechteren Schulleistungen unterliegen. Hinzu kommt, dass

viele Jugendliche die Schule ohne Abschluss verlassen oder eine Lehre abbrechen und nur wenige einen weiterführenden

Bildungsabschluss erzielen.

Hinweis

Informationen zur schulischen Seiteneinsteiger-Beratung bekommen Sie bei Ihrer örtlich zuständigen Regionalen

Arbeitsstelle zur Förderung von Kindern und Jugendlichen aus Zuwanderfamilien (RAA).

Hauptstelle RAA NRW

Tiegelstr. 27; 45141 Essen

Internet: weiterleitung2.raa@elixis.de

Telefon: 0201/83 28 301

2.3.5 Berufliche Bildung

Menschen mit Migrationshintergrund verfügen statistisch gesehen erheblich seltener über formale Berufsabschlüsse

als Deutsche. Sie sind häufiger als un- und angelernte Arbeitskräfte beschäftigt und überproportional

häufig von Arbeitslosigkeit betroffen. Die Beteiligung ausländischer Jugendlicher an der Berufsausbildung ist

laut dem Bundesinstitut für Berufsbildung seit Mitte der 1990er Jahre kontinuierlich rückläufig.

Sicherlich sind die Gründe für das Scheitern junger Migrantinnen und Migranten auf dem Ausbildungsmarkt

zum einen im allgemeinen Rückgang von Ausbildungsplätzen und in der im Vergleich zu deutschen Jugendlichen

ungünstigeren Bildungssituation zu finden. Andererseits sind viele Ausbildungsbetriebe äußerst zurückhaltend

bei BewerberInnen ausländischer Herkunft. Bedacht werden muss jedoch auch, dass das besondere

Berufswahlverfahren, die auf wenige spezielle, aus der Sicht der Jugendlichen besonders attraktive Berufe

beschränkte Wahl, wie auch das Verharren in vorhandenen Netzwerken dazu führt, dass berufliche Ausbildung

in der Migrantinnen- und Migrantencommunity noch weniger angestrebt wird als in der Vergleichsbevölkerung.

16


Es lockt zunächst das schnelle Geld, wohingegen der Nutzen einer beruflichen Ausbildung vielleicht erst in oder

nach der Familienphase für die Individuen erfahrbar wird.

Informationen über Möglichkeiten zur Ermittlung von Potenzialen und Kompetenzen finden Sie in Kapitel

7 des Wegweisers.

Hinweis

2.3.6 Zweite Chance zum Berufsabschluss

Die Berufsbildungsberichte der vergangenen letzten Jahre machen deutlich, dass viele junge Menschen mit

ausländischem Pass sowie eine nicht bekannte, aber ebenfalls erhebliche Zahl mit deutschem Pass und Migrationshintergrund

über keinen anerkannten Berufsabschluss verfügen. Zur Zeit kommen Jahr für Jahr weitere

junge Menschen hinzu. Die Situation auf dem Ausbildungsstellenmarkt hat sich zwar etwas entspannt, doch

kann infolge der im Laufe der Jahre angehäuften Altfälle von einer Entwarnung keine Rede sein.

Menschen mit Migrationshintergrund haben im Vergleich zu

Deutschen weitaus häufiger keine formale Berufsausbildung

„Wenn die Menschen lesen können, lernen sie zu denken

und kritische Fragen zu stellen. Das ist ein erster Weg aus

Armut heraus. Das gilt in Haiti wie in Deutschland.“

Zaneda Gerner, 44, Sozialpädagogin und Künstlerin

und arbeiten stärker in an- und ungelernten Tätigkeiten. 72% der arbeitslos gemeldeten Ausländer und Ausländerinnen

waren im Jahr 2003 ohne Berufsabschluss, Deutsche dagegen zu 28%. Von den 14- bis 18jährigen

Ausländern und Ausländerinnen hatten 40% keine Ausbildung (2002). Die Erkenntnisse der BiBB/EMNID-Studie

„Jugendliche ohne Berufsausbildung“ unterstrichen, dass die bisher entwickelten Initiativen weiter verstärkt

und ausgebaut werden sollten, da immer noch ca. 1,3 Mio. junge Menschen zwischen 20 und 29 Jahren

ohne Berufsabschluss bleiben.

Strukturelle Hemmnisse bei der Beruflichen

Integration

Derzeit ist die Arbeitslosenquote ausländischer Staatsangehöriger – um 20 % schwankend – doppelt so hoch

wie die Gesamtquote, die bei knapp unter 10 % liegt. Dass ein bedeutender Teil der Erwerbsfähigen nicht in

erwünschtem Maße am wirtschaftlichen Aufschwung partizipiert, liegt vor allem an deren ungünstigen Ausgangsbedingungen.

Während es zahlreiche Förderansätze gibt, die vor allem auf Neubewerber zugeschnitten sind (wie berufsvorbereitende

Bildungsmaßnahmen, Einstiegsqualifizierung, ausbildungsbegleitende Hilfen, Vorbereitung an

beruflichen Schulen), fehlen Instrumente, die speziell auf die Gruppe der über 25jährigen gerichtet sind. Diese

haben das ausbildungstypische Alter überschritten und wünschen sich zwar einen Berufsabschluss, wollen aber

nicht mehr vom „Punkt Null“ anfangen.

Angesichts von 1,4 Millionen jungen Menschen im Alter von 20 bis 29 Jahren ohne formalen Berufsabschluss

bei gleichzeitig virulent werdendem Facharbeitermangel gewinnt die Nachqualifizierung unter dem Schlagwort

„Zweite Chance zum Berufsabschluss“ neue Aktualität. Unsere Darstellung soll verdeutlichen, dass Fördermaßnahmen

für über 25jährige in der Phase des Aufschwungs dringlicher denn je sind. Wenn solche Maßnahmen

fehlen, bleibt diese Gruppe Teil der strukturellen Arbeitsmarktreserve, die als Problemgruppe in den nächsten

Abschwung gerät – mit all den Folgen, die dies für das Sozialsystem und für die Motivation der Betroffenen hätte.

Angesichts von 1,4

Millionen Menschen

im Alter von 20-29

Jahren ohne formalen

Berufsabschluss

bei gleichzeitigem

Facharbeitermangel

gewinnt die Nachqualifizierung

unter

dem Schalgwort

„Zweite Chance zum

Berufsabschluss“

neue Aktualität

17


Thesen zur Ausbildungs- und Arbeitsmarktsituation jugendlicher Migrantinnen und Migranten

Der anhaltende Abbau der betrieblichen Ausbildungsstellen verschlechtert

bei gleichzeitig steigenden Schulabgängerzahlen die

Beteiligung Jugendlicher

mit nicht-deutscher Staatsangehörigkeit

an der dualen

Chancen von Jugendlichen ohne Abschluss bzw. mit Hauptschulabschluss,

eine Ausbildungsstelle zu bekommen. Der Verdrängungswettbewerb

geht vor allem zu Lasten Jugendlicher mit nichtdeutscher

Ausbildung

Staatsangehörigkeit. Ihre Beteiligung an der dualen Ausbildung sank

von 42 % in 1992 auf 28 % in 2004. Im Jahr 2005 verringerte sich

die Ausbildungsbeteiligung weiter auf 25 %.

42 %

28 %

25 %

Häufig wird in diesem Zusammenhang auf die niedrigeren Schulabschlüsse

und auf mangelnde Deutschsprachkenntnisse der ausländischen

Jugendlichen

1992 2004 2005

verwiesen.

Strukturelle Hemmnisse bei der Beruflichen

Integration



Selbst in Zeiten des wirtschaftlichen Aufschwungs verschärft sich die Arbeitsmarktlage für An- und Ungelernte

weiter. Die Erfahrungen der berufsbegleitenden Nachqualifizierung zeigen, dass viele junge Menschen

einen Berufsabschluss erreichen, die dieses Ziel durch eine reguläre Weiterbildung oder Erstausbildung

nicht erreichen könnten bzw. erreicht haben, wenn Beschäftigung und Qualifizierung kombiniert

werden. Ein Bedarf hierfür besteht, denn die Arbeitsagenturen und ARGEn haben immer mehr Schwierigkeiten,

junge Menschen dauerhaft in Arbeit zu integrieren, wenn diese nicht über Facharbeiter- bzw.

entsprechende Qualifikationen verfügen. In der derzeitigen Arbeitsmarktsituation können Fachkräfte von

Betrieben immer häufiger auch auf Arbeitsplätzen eingesetzt werden, die früher von Angelernten besetzt

waren, denn auf Dauer würde es zu teuer, bei jeder Produktionsumstellung ein neues Trainingsprogramm

für Angelernte zu finanzieren. Diese vertikale Verdrängung hält weiter an.

Ausländische Jugendliche sind im betrieblichen Auswahlverfahren zudem oft benachteiligt, weil ihnen

persönliche Beziehungen bzw. Netzwerke fehlen, deren Bedeutung bei der Ausbildungsstellensuche

wächst. So nutzen Jugendliche und junge Erwachsene die verfügbaren Informationen zum Einstieg in

den Beruf nicht ausreichend. Dazu trägt bei, dass im Elternhaus die Möglichkeiten der dualen Berufsausbildung

nicht genügend bekannt sind. Auch die Vielfältigkeit des Ausbildungsangebots wird oftmals

nicht berücksichtigt. Außerdem fehlen Grundkenntnisse über Weiterbildungsmöglichkeiten und den damit

verbundenen Chancen auf dem Arbeitsmarkt. Vorbehalte und bewusste sowie unbewusste Diskriminierungen

in der Arbeitswelt führen gleichzeitig dazu, dass Menschen mit Migrationshintergrund weniger

Chancen bei der Ausbildungsplatzsuche haben als andere (Berufsbildungsbericht 2005, 2006).



Jugendliche mit Migrationshintergrund münden häufig in Bildungsgänge, die lediglich eine berufliche

Grundbildung vermitteln. Vor dem Hintergrund fehlender betrieblicher Ausbildungsplätze weichen Bewerber

mit Migrationshintergrund auf Bildungsgänge des „Übergangssystems“ aus. Dort erwerben sie

eine berufliche Grundbildung oder absolvieren ein Praktikum. Sie sind häufiger in der Berufsvorbereitung

(BVJ oder BvB Maßnahmen) anzutreffen. Solche Maßnahmen verbessern jedoch, wie der Bildungsbericht

2006 darstellt, die Chancen auf einen Ausbildungsplatz nur geringfügig.

Den betroffenen Migrantinnen und Migranten sollten Perspektiven für eine qualifizierte Tätigkeit auf dem

Arbeitsmarkt im Sinne einer zweiten Chance zur Berufsbildung eröffnet werden. Zu dieser Zielgruppe

gehören:

< Ältere Arbeitnehmer über 25 Jahre mit Migrationshintergrund ohne Schulabschluss,

< Ältere Migrantinnen und Migranten über 25 ohne Berufsausbildung, die in früheren Jahren eine

Hilfsarbeitertätigkeiten ausgeübt haben.

Ihre Qualifizierungschancen im Übergang zur Berufsausbildung können durch folgende Maßnahmen

erhöht werden:

<

<

In der Berufsvorbereitung sind betriebsnahe Angebote zu entwickeln und zu nutzen, welche die

Chancen auf Integration in Ausbildung und Beschäftigung verbessern.

Die Einbindung der Angebote in berufliche Qualifikationsnetzwerke (BQN) stärkt die Zusammenarbeit

der Akteure und trägt zur Qualitätssteigerung bei.

18


Nachqualifizierung als zweite Chance meint:

Vor dem Hintergrund eines steigenden Qualifikationsbedarfs – eines einzelnen Menschen, um Beschäftigungsfähigkeit

abzusichern, oder eines Unternehmens, um Wettbewerbsfähigkeit zu erhalten – ergibt sich die Notwendigkeit,

Weiterbildung so zu gestalten, dass sie transparent ist, Regelungslücken beseitigt und dadurch

Teilhabechancen erhöht. Die schon lange bestehende Forderung, Weiterbildung zur vierten Säule des Bildungssystems

auszubauen, muss endlich umgesetzt werden.

Mittlerweile haben wichtige politische Akteure die Notwendigkeit eines Ausbaus von Angeboten zur Nachqualifizierung

junger Erwachsener erkannt. Die Arbeitsgruppe Aus- und Weiterbildung des Bündnisses für Arbeit

forderte zum Beispiel, ungelernte Arbeitskräfte in die betriebliche Weiterbildung einzubeziehen und ihnen beschäftigungssichernde

Weiterbildungsangebote zu unterbreiten. Entsprechende Anregungen wurden im jüngsten

Berufsbildungsbericht der Bundesregierung (2006) als Handlungsnotwendigkeit formuliert. Mittlerweile

wurden auch die Finanzierungsbedingungen des Arbeitsförderungsrechtes erheblich verbessert:

Nach SGB III können auch an- und ungelernte Beschäftigte gefördert werden. Die Lernenden erhalten oder

behalten ihren Arbeitsplatz und erreichen gleichzeitig einen anerkannten Berufsabschluss. Bereits während der

Weiterbildung können Lernende in ein betriebliches Arbeitsverhältnis integriert werden. Wer sich zum Berufsabschluss

weiterbildet, muss sein Arbeitsverhältnis nicht aufgeben.

Empfehlungen zur zweiten Chance



Ziel ist immer ein nach dem Berufsbildungsgesetz oder der Handwerksordnung anerkannter Berufsabschluss.

Grundlage ist die jeweilige Verordnung über die Berufsausbildung mit dem Berufsbild und den

Inhalten des Ausbildungsrahmenplanes.

Das Angebot der berufsbegleitenden Nachqualifizierung zum Berufsabschluss in Verbindung mit Beschäftigung

ist gedacht für diejenigen, die sich bereits in einem Arbeitsverhältnis befinden und dies

nicht aufgeben möchten oder die in erster Linie einen neuen Arbeitsplatz suchen, aber am Erwerb eines

Berufsabschlusses interessiert sind, wenn dies berufsbegleitend möglich ist.

Empfehlung

Strukturelle Hemmnisse bei der Beruflichen

Integration

Angebote des allgemeinen, politischen und kulturellen Lernens werden öffentlich gefördert.



Beim Nachholen eines schulischen bzw. beruflichen Abschlusses soll der Lebensunterhalt für junge

Erwachsene besonders gefördert werden.

Die individuellen Bildungsbemühungen von arbeitslosen jungen Erwachsenen über 25 Jahre sollen

durch Ruhen des Arbeitslosengeldanspruchs bei eigeninitiierter Ausbildung gefördert werden.

Die Beratungsangebote müssen im Sinne einer aufsuchenden Beratung ausgeweitet werden.




Das Lernkonzept sollte die vorhandenen Erfahrungen, Kompetenzen und Stärken aus bisheriger Berufstätigkeit

mit einbeziehen und diejenigen berücksichtigen, die aus schulischen, sozialen, kulturellen oder

sprachlichen Gründen einer besonderen Förderung bedürfen.

Curriculum und Maßnahmenkonzept für die Weiterbildung zum Berufsabschluss (Modulgliederung,

Untergliederung in Bausteine, Lehrpläne, Lernorte, Prüfungs- und Feststellungsverfahren) sind mit den

nach dem Berufsbildungsgesetz zuständigen Stellen abgestimmt. Die Abschlussprüfung erfolgt entweder

als Maßnahmenprüfung (Umschulung) oder als Externenprüfung.

Die erworbenen Qualifikationen werden durch Zertifikate bestätigt und dokumentiert. Dadurch wird

der Zugang zur Externenprüfung erleichtert. Kompetenzen aus bisherigen Berufstätigkeiten können

anerkannt werden. Die Qualifizierung zum Berufsabschluss kann auf längere Zeiträume verteilt werden

(z. B. unterbrochen durch eine Familienphase oder Vollzeitbeschäftigung).

19


Strukturelle Hemmnisse bei der Beruflichen

Integration

Forderungen an die Ausbildung:


<

<

<

<

<

<

<

<

<

Vorgeschaltete Kompetenzfeststellung

Festlegung der notwendigen Qualifizierung

berufsbegleitende Qualifizierung (im Betrieb,

in wirtschaftsnahen Einrichtungen,

bei Bildungsträgern, in Schulen)

geförderte Beschäftigung (z.B. durch Lohnkostenzuschüsse)

ggf. Organisation von begleitenden persönlichen

Hilfen

Beratung und begleitende Hilfen für den

Betrieb (Qualifizierungspläne,

Beratung zu Förderinstrumenten, Antragsstellung

etc.)

Prüfung durch denjenigen, der die Qualifikationen

vermittelt

Anerkennung der Zeugnisse beim Zulassungsverfahren

zur Externenprüfung

Externenprüfung

Umsetzung:

< Die Arbeitsagenturen filtern Altbewerber,

deren Ausbildungsfähigkeit nicht grundsätzlich

in Frage steht, die aber ihre erste Chance

verpasst haben.

< Die Kammern erarbeiten Kriterien für die

Zulassung zur Externenprüfung.

< Bildungsträger begleiten Betriebe und

Jugendliche.

Wer finanziert

Der Zielgruppe ist Beschäftigung und Existenzsicherung durch Arbeitseinkommen wichtig. Ein erfolgreiches

Qualifizierungsmodell muss deshalb in Beschäftigung eingebettet sein und vorhandene Vorqualifikationen berücksichtigen

(z.B. aus abgebrochener Ausbildung, Joberfahrung). Da die Finanzierung durch die Betriebe sehr

stark von der Betriebsgröße abhängig ist – je kleiner die Betriebsgröße, desto kleiner die Chance der Finanzierung

–, kommt es darauf an, das System über staatliche Förderung dort zu unterstützen, wo dies unabdingbar

ist.

Wichtig ist die Finanzierung aus einer Hand. Sonderprogramme oder ESF-Programme sind hilfreich, um bestimmten

Zielgruppen den Zugang zu erleichtern und insgesamt mehr Mittel zur Verfügung zu stellen.

Die im JOB-AQTIV-Gesetz sowie im WEGEBAU Programm enthaltene Möglichkeit, Betrieben einen Lohnkostenersatz

für die Freistellung von Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen ohne Berufsabschluss zur Teilnahme an

einer entsprechenden Weiterbildung zahlen zu können, schafft eine wesentliche Grundvoraussetzung für eine

stärkere Beteiligung Angelernter an beruflicher Weiterbildung.

Finanzierung

Die Bundesagentur für Arbeit hat für die Jahre 2007 ff. zwei Programme zur Förderung von so genannten

Betreuungskunden bzw. zur Förderung von gering qualifizierten Beschäftigten aufgelegt. Beide sind für die

Förderung der beruflichen Integration von Migrantinnen und Migranten geeignet.

Mit dem Programm „Integrationsfortschritt für Betreuungskunden“ (IfB), ausgestattet mit 200 Mio. Euro, soll

eine langfristige Eingliederungsperspektive gefördert werden. Unter anderem werden längerfristige Weiterbildungen

(Umschulungen oder Maßnahmen zur Qualifikationserweiterung) ermöglicht.

Empfehlung



Gerade wegen der Unterrepräsentanz ausländischer Arbeitsloser bei anderen Arbeitsmarktinstrumenten

sollte hier der individuelle Förderbedarf von Arbeitslosen mit Migrationshintergrund besonders berücksichtigt

werden.

Das Programm WeGebAU, für das in 2007 ebenfalls 200 Mio. Euro zur Verfügung stehen, richtet sich an

gering qualifizierte Beschäftigte und an Ältere in KMU (Kleinen und Mittleren Unternehmen). Personen

mit Migrationshintergrund sind als Zielgruppe einbezogen.

Die Maßnahmen sind präventiv ausgerichtet auf die Förderung der beruflichen Weiterbildung für Per-

20


sonengruppen, die (noch) beschäftigt sind, aber ein hohes Arbeitsplatzrisiko aufweisen. Da eine große

Zahl von Beschäftigten mit Migrationshintergrund an- oder ungelernte Tätigkeiten ausübt, besteht hier

eine Möglichkeit für ihre berufliche Weiterbildung, kombiniert mit der Verbesserung ihrer Sprachkenntnisse.

Beim Einsatz des Programms in der Praxis muss das Ziel der nachhaltigen Integration in qualifizierte

Berufe im Vordergrund stehen.

Bei der Auswahl der geförderten Personen sind Menschen mit Migrationshintergrund ausreichend zu

berücksichtigen.

Evaluierung ist – auch wegen möglicher Mitnahmeeffekte – erforderlich.

Das Programm sollte stärker von den Arbeitsagenturen beworben werden.

Das neue Programm WeGebAU der Bundesagentur bietet Fördermöglichkeiten, die allerdings noch wenig bekannt

sind. Darüber hinaus bestehen in einigen Branchen, z.B. in der Chemie- und Metallindustrie, Vereinbarungen

der Tarifvertragsparteien zur beruflichen Weiterbildung.

Eine Förderung der betrieblichen Fort- und Weiterbildung, die sich auch den besonderen Herausforderungen

der Menschen mit Migrationshintergrund annimmt, erfordert:



Verbesserung der rechtlichen Möglichkeiten zur Teilnahme an entsprechenden Maßnahmen über den

Ausbau der Freistellungsgesetze der Länder und ein Bundesrahmengesetz Weiterbildung,

stärkere Konzentration der Qualifizierungsmaßnahmen auf Maßnahmen, mit denen die berufliche Stellung

von bislang angelernten Beschäftigten verbessert werden,

verstärkte Nutzung der Fördermöglichkeiten durch die Betriebe,



Entwicklung von Maßnahmen, bei denen die Verbesserung von beruflichen und sprachlichen Kompetenzen

verknüpft werden,

Möglichkeiten, Weiterbildungsfonds in die Finanzierung einzubeziehen, in welche weiterbildungswillige

Unternehmen eine Bildungsabgabe einzahlen.

Empfehlung

Strukturelle Hemmnisse bei der Beruflichen

Integration

2.3.7 Hochschulbildung

Im Wintersemester 2003/2004 waren laut Statistischem Bundesamt insgesamt 246.136 ausländische Studentinnen

und Studenten an deutschen Hochschulen (Universitäten und Fachhochschulen) immatrikuliert. Der

Anteil ausländischer Studierender lag damit bei 12,2% alle Immatrikulierten. Dieser relativ hohe Anteil ausländischer

Studierender ist jedoch fast ausschließlich auf den hohen Anteil der Bildungsausländer zurückzuführen.

Lediglich 26,7% (65.830) der ausländischen Studierenden waren Bildungsinländer, d.h. ausländische Studierende,

welche ihre Hochschulzugangsberechtigung in Deutschland erworben haben. Der Anteil der Bildungsinländer

ohne deutsche Staatsangehörigkeit an allen Studierenden betrug laut Statistischem Bundesamt 3,3%

und ist seit dem Wintersemester 1999/2000 (3,5%) rückläufig.

2.4 Rechtliche Hindernisse

Für einen Teil der in Deutschland lebenden Migrantinnen und Migranten bestehen rechtliche Beschränkungen

bei Zugang zum Arbeitsmarkt.

Drittstaatsangehörige 3 benötigen eine behördliche Genehmigung, um in Deutschland überhaupt einer Beschäftigung

nachgehen zu können (§ 18 ff Aufenthaltsgesetz). Nach dem sog. „Vorrangprinzip“ kommen

ausländische Bewerber für eine offene Stelle nur in Betracht, sofern kein arbeitsloser Deutscher, Unionsbürger

oder ein bereits privilegierter Drittstaatsangehöriger zur Verfügung steht.

2.4.1 Geduldete

Geduldeten kann mit Zustimmung der Bundesagentur für Arbeit die Ausübung einer Beschäftigung erlaubt

3 Nichtdeutsche Staatsangehörige aus einem Staat außerhalb der EU

21


werden, wenn sie sich seit einem Jahr erlaubt oder geduldet im Bundesgebiet aufhalten (§ 10 Beschäftigungsverfahrensverordnung).

2.4.2 Asylbewerberinnen und Asylbewerber

Gleiches gilt für Asylbewerber, die sich seit einem Jahr gestattet im Bundesgebiet aufhalten. In beiden Fällen

erfolgt zuvor eine Arbeitsmarktüberprüfung durch die Bundesagentur für Arbeit. Hierzu stellt die Ausländerbehörde

in einem internen Zustimmungsverfahren unter Angabe der für das Arbeitsverhältnis relevanten Daten

eine entsprechende Anfrage bei der Bundesagentur für Arbeit.

Häufig wird zu Unrecht die Ansicht vertreten, dass die deutsche Staatsangehörigkeit eine notwendige Voraussetzung

ist, um überhaupt als Beamter, Beamtin, Angestellte/r oder Arbeiter/Arbeiterin im öffentlichen Dienst

beschäftigt sein zu können.

Strukturelle Hemmnisse bei der Beruflichen

Integration

Hinweis

Informationen über Möglichkeiten der Erwerbstätigkeit Geduldeter bzw. Asylsuchender er-halten Sie bei der

Bundesagentur für Arbeit.

2.4.3 Migrantinnen und Migranten mit deutscher Staatsangehörigkeit

Migrantinnen und Migranten mit deutscher Staatsangehörigkeit sind Deutsche im Sinne des Grundgesetzes

und haben folglich gem. § 6 Abs. 1 Nr. 1 Landesbeamtengesetz NRW (LBG NW) einen grundsätzlich uneingeschränkten

beruflichen Zugang in den öffentlichen Dienst des Landes NRW. Dies gilt sowohl für das Arbeiteroder

Angestellten- als auch für das Beamtenverhältnis.

2.4.4 Migrantinnen und Migranten mit doppelter Staatsangehörigkeit

Der Besitz der doppelten Staatsangehörigkeit steht einer Berufung in das Beamtenverhältnis bzw. Arbeiteroder

Angestelltenverhältnis im öffentlichen Dienst nicht entgegen.

2.4.5 Migrantinnen und Migranten mit der Staatsangehörigkeit eines Mitgliederstaates der EU

Das Berufsbeamtentum ist grundsätzlich für EU-Bürger geöffnet. Migrantinnen und Migranten ohne deutsche,

aber mit der Staatsangehörigkeit eines Mitgliedstaates der EU können daher grundsätzlich in das Beamtenverhältnis

berufen werden. Ausgenommen sind lediglich Tätigkeiten, welche eine unmittelbare oder mittelbare

Teilnahme an der Ausübung hoheitlicher Befugnisse und die Wahrung solcher Aufgaben mit sich bringen (z.B.

Justiz, Polizei, Militär, Steuerverwaltung, nicht aber z.B. das Gesundheitswesen, Verkehrs- und Transportdienste,

Post, Bahn, Schulen und Hochschulen).

„Russisches Kino und russische Kunst waren und bleiben

meine große Leidenschaft. Ich bin glücklich, dass

ich auch hiern in Deutschland mit meinen Fähigkeiten

und Interessen Fuß fassen konnte und mit Jugendlichen

arbeiten kann. Ich bin zwar nicht mehr Russischlehrer wie

in Lettland, habe aber meinen beruflichen Weg trotzdem

gefunden“

Wladimir Weinberg, 38, Lehrer und Projektkoordinator

2.4.6 Migrantinnen und Migranten ohne deutsche Staatsangehörigkeit

Bei der Frage, ob und in welcher Form Migrantinnen und Migranten ohne deutsche Staatsangehörigkeit beruflichen

Zugang zum öffentlichen Dienst haben, ist rechtlich zwischen Beamten und Angestellten des öffentlichen

Dienstes zu unterscheiden.

2.4.7 Beamte

Grundsätzlich ist die deutsche Staatsangehörigkeit zur Berufung in das Beamtenverhältnis erforderlich. In das

22


Beamtenverhältnis darf nur berufen werden, wer „Deutscher im Sinne des Artikels 116 des Grundgesetzes ist“

(§ 6 Absatz 1 Nummer 1 des Landesbeamtengesetzes NRW; § 4 Absatz 1 Nummer. 1 und 2 Beamtenrechtsrahmengesetz

(BRRG)). Eine gleichlautende Regelung enthält für die Beamten des Bundes § 7 Absatz 1 Nummer.

1 und 2 Bundesbeamtengesetz (BBG).

Der Anteil von Beamten bzw. Angestellten mit Migrationshintergrund liegt im öffentlichen Dienst weit unter

dem allgemeinen Bevölkerungsanteil der Menschen mit Migrationshintergrund. Folglich ist es von besonderer

Bedeutung, über Zugangsvoraussetzungen zu informieren, um vorhandene Potenziale und Möglichkeiten von

Migrantinnen und Migranten im Wege des beruflichen Zugangs auch für den öffentlichen Dienst nutzbar zu

machen.

Ausnahmen von dem Grundsatz des Staatsangehörigkeitserfordernisses für Beamte:

Gemäß § 6 Absatz 4 Landesbeamtengesetz NW kann das Innenministerium Ausnahmen von dem Erfordernis

der deutschen Staatsangehörigkeit für Beamte zulassen, „wenn für die Gewinnung des Beamten ein dringendes

dienstliches Bedürfnis besteht.“ Das dringende dienstliche Bedürfnis besteht, wenn der Bedarf auf

andere Weise in naher Zukunft nicht befriedigt werden kann.

Die Polizei NRW lässt insoweit beispielsweise auch nichtdeutsche Bewerber in Regionen mit überdurchschnittlicher

ausländischer Bevölkerung zum Vollzugsdienst zu. Das dringende dienstliche Bedürfnis liegt darin, dass

die Polizei derjenigen Kompetenzen, die die Bewerber ohne deutsche Staatsangehörigkeit mitbringen, bedarf,

um sicherzustellen, dass sie ihre Aufgaben angemessen erfüllt. Die Polizeiarbeit wird durch einen verbesserten

Kontakt zu Menschen mit Migrationshintergrund verbessert und ihre Akzeptanz bei nichtdeutschen Bevölkerungsgruppen

erhöht.

Im wissenschaftlichen und künstlerischen Bereich genügen gemäß § 4 Absatz 3, Satz 2 BRRG sogar hinreichende

„andere Gründe“.

2.4.8 Angestellte des öffentlichen Dienstes

Der Arbeiter- und Angestelltenstatus ist unabhängig von der Staatsangehörigkeit, weshalb Migrantinnen und

Migranten auch ohne deutsche Staatsangehörigkeit in diesen Tätigkeitsbereichen beschäftigt sein können.

Strukturelle Hemmnisse bei der Beruflichen

Integration

Von jedem Bewerber werden jedoch die übrigen Einstellungsvoraussetzungen des öffentlichen Dienstes erwartet,

d.h. Eignung, Befähigung und Leistung sowie für die Ausübung der Tätigkeit erforderliche deutsche

Sprachkenntnisse.

Weitere Informationen zu Bewerbungsverfahren und Einstellungsvoraussetzungen im öffentlichen Dienst

bekommen Sie beim Innenministerium NRW.

Hinweis

2.4.9 Standesordnungen

In bestimmten Berufsgruppen bestehen Berufs-/Beschäftigungsverbote für Migrantinnen und Migranten. So

gibt es für Ärzte oder Psychotherapeuten grundsätzlich kein uneingeschränktes Niederlassungsrecht. Gemäß §

3 der Bundesärzteordnung wird Nicht-EU-Staatsangehörigen grundsätzlich keine Approbation als Arzt erteilt,

sofern sie eine eigene Praxis betreiben möchten, es sei denn, sie gelten als „heimatlose Ausländer“ oder sie

stammen aus einem Staat, mit dem Deutschland und die EU einen entsprechenden Rechtsanspruch vereinbart

haben. Ausnahmen gelten für besondere Einzelfälle oder aus Gründen des öffentlichen Gesundheitsinteresses,

doch kommt dieses selten zum Tragen.

Die Ärztekammern informieren auf ihren Homepages im Einzelnen über die Formalitäten, die beim Antrag

auf Erteilung der Approbation zu beachten sind.

Hinweis

23


3

Anerkennung

ausländischer

Bildungsnachweise

Anerkennung

Der deutsche Arbeitsmarkt verlangt zunehmend nach hoher beruflicher bzw. fachlicher Qualifikation. Das Zuwanderungsgesetz

hat zwar neue Niederlassungs- und Zuwanderungsmöglichkeiten für Hochqualifizierte geschaffen,

doch lösen diese nicht die Probleme bei der Aner-kennung ausländischer Abschlüsse. Personen, die

ihre Abschlüsse im Ausland erworben haben, schaffen es häufig nur unter erschwerten Bedingungen, diese als

gleichwertig mit einem entsprechenden deutschen Abschluss anerkennen zu lassen. Erforderlich für die Anerkennung

bzw. Gleichstellung sind entweder bilaterale Abkommen zwischen dem Heimatland und der BRD oder

ein Gesetz, das die Gleichstellung regelt.

Bilaterale Abkommen, die eine zwischenstaatliche Anerkennung bzw. Gleichstellung bestimmter Ausbildungsabschlüsse

regeln, wurden bisher lediglich mit Österreich und Frankreich abgeschlossen.

Anerkennung ausländischer

Bildungsnachweise

Wer einen handwerklichen Abschluss auf Facharbeiterniveau in den Ländern der ehemaligen Sowjetunion,

Polen, Rumänien, Tschechien und Slowenien sowie Ungarn erworben hat und eine Spätaussiedlerbescheinigung

oder einen Vertriebenenausweis besitzt, kann die Anerkennung bzw. Gleichstellung seines Ausbildungsabschlusses

gem. § 10 Bundesvertriebenengesetz beantragen.

In Deutschland gibt es ca. 360 staatlich anerkannte Ausbildungsberufe mit genauen Regelungen zu Ausbildungsinhalten,

zu Prüfungen, Rechten und Pflichten der Auszubildenden sowie der Ausbildenden. Grundsätzlich

gibt es zwei Wege, eine Berufsausbildung zu absolvieren:

1.

über die duale Ausbildung, bei der der Auszubildende die praktischen Fähigkeiten in einem Betrieb erwirbt

und die fachtheoretischen Kenntnisse in der Berufsschule, und

2. ausschließlich an einer Fachschule.

Zu den Berufen der dualen Ausbildung gehören nahezu alle handwerklichen und kaufmännischen Berufe.

Das deutsche Berufs- und Ausbildungssystem bildet die Grundlage zur Anerkennung ausländischer Berufsqua-

„Durch die Emigration erfuhr ich früh die Vielfältigkeit des

Lebens. In Deutschland verwirklichte ich meine beruflichen

Entwicklungsträume und mein ehrenanmtliches Engagement

findet Anerkennung in meiner Stadt. Meine Kinder

lernen die russische und ich die englische Sprache, um

die Partnerschaft von Russland und Europa bewusst zu

erleben.“

Natalie Rudi, 33, Konzernrevisorin

24


lifikationen: Dabei werden zunächst die Inhalte der deutschen Ausbildung mit den im Ausland erworbenen

Qualifikationen verglichen. Darüber hinaus werden praktische Tätigkeiten und Weiterbildungen berücksichtigt.

Damit überhaupt eine Anerkennung ausgesprochen werden kann, muss eine hohe inhaltliche Vergleichbarkeit

bestehen.

Um eine ausländische Berufsqualifikation in Deutschland schließlich anerkennen zu lassen, muss ein Antrag

bei der jeweils zuständigen Anerkennungsstelle gestellt werden. Der Antrag wird geprüft, und nach einigen

Wochen werden dem Antragsteller die Ergebnisse mitgeteilt.

3.1 Reglementierte und nichtreglementierte Berufe

3.1.1 Reglementiert

Als reglementiert werden bestimmte Berufsbilder bezeichnet, wenn Regierungen, staatliche Stellen des Bundes,

der Länder oder deren Parlamente, aber auch Selbstverwaltungsorgane wie z.B. Kammern präzise Vorschriften

für die Zulassung zu diesem Beruf und für seine Ausübung erlassen haben. Möchte jemand einen reglementierten

Beruf ausüben, so muss zunächst ein formelles Anerkennungsverfahren durchgeführt werden. Wer mit

einer entsprechenden ausländischen Qualifikation einen reglementierten Beruf ausüben möchte, bedarf einer

behördlichen Anerkennung seiner beruflichen Qualifikation. Die konkrete Zuständigkeit der Behörden richtet

sich dabei nach dem Wohnort in der Bundesrepublik Deutschland. Wer noch keinen Wohnsitz in Deutschland

hat und auch noch nicht weiß, wo er sich niederlassen möchte, hat mangels einer zuständigen Stelle keine

Möglichkeit, seine berufliche Qualifikation für den Zugang zu einem reglementierten Beruf in Deutschland

anerkennen zu lassen.

Reglementierte Berufe sind zu finden in folgenden Bereichen:

Berufsfelder

reglementierte Berufe

im Gesundheitswesen

im pädagogischen Bereich

im technischen und im handwerklichen Bereich

in der Lebensmittelherstellung und -überwachung

Ärzte, Psychotherapeuten, Zahnärzte, Tierärzte, Apotheker, Krankenpfleger

und -schwestern, Hebammen und Entbindungspfleger, Logopäden,

Sprachheilpädagogen, Beschäftigungs- und Arbeitstherapeuten, Physiotherapeuten,

Diätassistenten, Technische Assistenten in der Medizin, Arzthelfer,

Zahnarzthelfer, Tierarzthelfer, Heilpraktiker, Psychologen,

Lehrer, Erzieher, Sozialpädagogen, Sozialarbeiter, Kinderpfleger,

Ingenieure, Architekten, Innenarchitekten, Techniker, Technische Assistenten,

Meister,

Lebensmittelchemiker,

Anerkennung ausländischer

Bildungsnachweise

in der Land- und Forstwirtschaft

in der Rechtspflege

sowie in der Wirtschaftsprüfung und Steuerberatung

Gartenbauarchitekten, Landschaftsarchitekten, Forstbeamte

Rechtsanwälte, Richter, Notare,

Wirtschaftsprüfer, Buchprüfer, Steuerberater.

Bestimmte Berufe sind nur in einigen Bundesländern reglementiert (z.B. Dolmetscher/Übersetzer, Restaurator).

Im Handwerk sind ausschließlich sog. zulassungspflichtige Handwerke reglementiert. Eine Anerkennung der

Berufsqualifikation ist nur für die Eintragung in die Handwerksrolle, d.h. für die Ausübung einer Selbstständigkeit

zwingend erforderlich. Für eine abhängige Beschäftigung ist keine Anerkennung der Berufsqualifikation

erforderlich. Wenn die entsprechenden Qualifikationen und Abschlüsse vorliegen, sollte man den Ratsuchenden

empfehlen, keine Mühen zu scheuen, sich diese anerkennen zu lassen.

25


3.1.2 Nicht reglementiert

Ist ein Beruf nicht reglementiert, so bedarf es keines besonderen Anerkennungsverfahrens, um die Berufstätigkeit

aufzunehmen. In einem solchen Fall kann ein Arbeitgeber also grundsätzlich selbst über die Beschäftigung

eines Bewerbers entscheiden.

Dass ein Beruf nicht reglementiert ist, bedeutet jedoch nicht automatisch, dass die Berufsausübung frei ist. So

kann es sein, dass der im Herkunftsland erlernte Beruf in Deutschland nicht als eigenständiger Beruf existiert

oder die damit verbundenen Tätigkeiten Teil eines anderen Berufes und somit den Angehörigen dieser Berufsgruppe

vorbehalten sind.

Beispiel

Frau X hat eine Fachausbildung zur Psychotherapeutin absolviert und möchte in einem anderen EU-Mitgliedstaat

arbeiten, in dem die Psychotherapie keinen eigenständigen Beruf darstellt, sondern ein Gebiet

der Medizin und ihre Ausübung den medizinischen Psychiatern vorbehalten ist.

3.2 Anerkennungsverfahren bei den Kammern

Die Industrie- und Handelskammern und die Handwerkskammern führen in der Regel eine so genannte „Vergleichbarkeitsprüfung

eines ausländischen Aus- oder Weiterbildungsabschlusses“ durch (ähnlich geht die

Landwirtschaftskammer vor). Dabei wird der deutsche Ausbildungsberuf, der zur Zeit des ausländischen Abschlusses

aktuell war, mit dem ausländischen verglichen. Beide Prüfungen oder Befähigungsnachweise müssen

„gleichwertig“ sein, d.h. sie müssen sich ähneln, Inhalte der Ausbildung oder des Berufes müssen den deutschen

in der Qualität gleichen.

Die Kammer wird eine so genannte Anerkennung aussprechen: Wenn sie den ausländischen Beruf als mit dem

deutschen gleichwertig anerkennt, darf die deutsche Berufsbezeichnung geführt werden. Rechtsgrundlagen

sind die Europäischen Richtlinien über die Anerkennung von Berufsqualifikationen und für Spätaussiedler das

Bundesvertriebenengesetz.

Anerkennung ausländischer

Bildungsnachweise

„Schon als Kind wollte ich Schneiderin werden. In

Deutschland darf ich mich zwar nicht Schneidermeisterin

nennen, aber ich bin als Modedesignerin anerkannt und

entwerfe meine eigenen Kollektionen vom Hut bis zur

passenden Tasche zum Kleid und kann auf die individuellen

Bedürfnisse meiner Kundinnen eingehen“

Yadviga Adesskaya, 39, Modedesignerin

In den meisten Fällen nehmen die Kammern daher nur Einstufungen entsprechend des Aufbaus des deutschen

Ausbildungs- und Beschäftigungssystems vor. Im Rahmen einer freiwilligen Stellungnahme wird die formelle,

materielle und funktionelle Gleichwertigkeit in Anlehnung an die Kriterien für die Anerkennung von Qualifikationsnachweisen

nach den EU Richtlinien für die Anerkennung von Berufsqualifikationen und nach dem

Bundesvertriebenengesetz (BVFG) geprüft. Diese Einordnung der im Ausland erworbenen Berufsqualifikationen

ist keine offizielle Anerkennung des jeweiligen Berufs, so dass keine deutsche Berufsbezeichnung geführt

werden darf. Sie kann aber dem Arbeitgeber helfen, die mitgebrachte Qualifikation besser einzuordnen und

den ausländischen Arbeitnehmer seinen Fähigkeiten entsprechend einzusetzen. Allerdings wird das Gehalt

zumeist geringer sein als das einer Arbeitnehmerin oder eines Arbeitnehmers mit entsprechendem deutschen

oder gleichwertigen Berufsabschluss.

Für zugewanderte Arbeitnehmer/innen ist die Einstufung nützlich, da sie zumeist mit Weiterbildungsempfehlungen

verbunden wird, die zur Anerkennung führen können.

Technikerqualifikationen aus osteuropäischen Ländern

Eine Besonderheit stellt die Anerkennung von Technikerqualifikationen aus osteuropäischen Ländern dar: An-

26


ders als in den Herkunftsländern der Spätaussiedler ist Technikerausbildung in Deutschland keine grundlegende

Berufsausbildung, sondern wird im Anschluss an eine abgeschlossene Berufsausbildung und mehrjährige

Berufspraxis durchgeführt und ist somit eine qualifizierte Weiterbildung. Daher kann nach dem Beschluss

der Kultusministerkonferenz vom 10.9.1993 eine Gleichstellung mit der hiesigen Ausbildung zum „Staatlich

geprüften Techniker“ generell nicht erfolgen. Die Antragsteller werden von den Kammern bezüglich einer beruflichen

Erstausbildung beraten.

Gleichwertigkeit der Abschlüsse mit bundesdeutschen Abschlüssen

Der Antragsteller muss aufgrund der ausländischen Ausbildung in der Lage sein, den Anforderungen der deutschen

Ausbildungsordnung zu genügen.

Gleichwertigkeit ist in formeller, materieller und funktioneller Hinsicht zu prüfen:

Formell Materiell Funktionell

Erforderlich und hinreichend ist

der Nachweis, dass es sich um

eine förmliche Prüfung oder

einen Befähigungsnachweis mit

öffentlich anerkannter Berechtigung

handelt.

Eine Identität der Prüfungsverfahren,

-methoden oder Zusammensetzung

der Prüfungsausschüsse

ist nicht erforderlich.

Die Inhalte müssen insoweit

übereinstimmen, dass noch von

einer Vergleichbarkeit gesprochen

werden kann.

Dieses Kriterium ist grundsätzlich

sehr weit auszulegen (Eingliederungs-

und Bestandsschutzgedanke).

Eine engere Auslegung ist aber

erforderlich, wenn Folge der

Anerkennung die Erlaubnis zum

Umgang mit Gefahrstoffen ist

(Schutz der Allgemeinheit).

Maßgeblicher Gesichtspunkt, der

die beiden anderen Aspekte zurücktreten

lässt.

Erforderlich ist die Gleichwertigkeit

im Sinne gleicher beruflicher

Qualifikation in der Wahrnehmung

gleicher sozialer, wirtschaftlicher

oder staatlicher Aufgaben

(OVG Koblenz, 29.07 1960, AZ: 2

C 2 /58).

3.2.1 Anerkennungsregelungen: für Spätaussiedlerinnen und Spätaussiedler

Vertriebene und Flüchtlinge nach dem BVFG (Gesetz über die Angelegenheiten der Vertriebenen) und Flüchtlinge,

zu denen auch Spätaussiedler aus der ehemaligen Sowjetunion und Polen gehören, haben einen Anspruch

auf Bewertung ihrer ausländischen Bildungsnachweise. Gemäß § 10 Absatz 2 des Bundesvertriebenengesetzes

sind Prüfungen oder Befähigungsnachweise anzuerkennen, die Spätaussiedler in den Aussiedlungsgebieten

abgelegt oder erworben haben, wenn sie den entsprechenden Prüfungen oder Befähigungsnachweisen in

Deutschland gleichwertig sind. In Bezug auf die Anerkennung von Aussiedlerzeugnissen nichtakademischer

beruflicher Qualifikationen gibt es einen speziellen Beschluss der Kultusministerkonferenz vom 10.9.1993

(„Grundsätze zur Bewertung und Anerkennung von Fach-mittelschulabschlüssen aus Polen und anderen osteuropäischen

Ländern bei Berechtigten nach dem Bundesvertriebenengesetz“).

Anerkennung ausländischer

Bildungsnachweise

3.2.2 Anerkennungsregelungen: Kontingentflüchtlinge

Kontingentflüchtlinge besitzen grundsätzlich keinen gesetzlichen Anspruch auf Gleichstellung ihrer beruflichen

Befähigungsnachweise mit den deutschen Berufsqualifikationen. Die Kammern in Deutschland erstellen jedoch

formlos eine Bescheinigung, aus welcher hervorgeht, welchem deutschen Abschluss der im Ausland erworbene

Befähigungsnachweis entspricht. Eine derartige Bescheinigung dient den Betroffenen sowohl auf dem

Arbeitsmarkt als auch bei einem beruflichen Fortbildungsvorhaben als informeller Nachweis der vorhandenen

beruflichen Qualifikationen.

3.2.3 Regelungen zur Anerkennung von Bildungsnachweisen in der EU

Bislang wurde die berufliche Anerkennung ausländischer Bildungsnachweise durch 15 EU-Richtlinien geregelt.

Seit dem 20. Oktober 2007 ist es einfacher, eine berufliche Ausbildung, die in einem EU-Staat absolviert wurde,

in einem anderen EU-Staat anerkennen zu lassen. Die Richtlinie 2005/36/EG ersetzt die zuvor gültigen 15

27


Richtlinien. Sie gilt für alle Angehörigen eines Mitgliedstaats der EU, welche als Selbstständige oder abhängig

Beschäftigte einen reglementierten Beruf in einem anderen Mitgliedstaat als demjenigen ausüben wollen, in

dem sie ihre Berufsqualifikationen erworben haben.

Qualifikationen werden auf Antrag unmittelbar anerkannt, sofern die Voraussetzungen gegeben sind.

Liegt eine Qualifikation für einen anderen reglementierten Beruf vor, erfolgt die Anerkennung auf der Grundlage

der allgemeinen Richtlinien 89/48/EWG und 92/51/EWG. Danach ist die Qualifikation anzuerkennen,

wenn der Beruf, den der Antragsteller im Staat der Ausbildung ohne weitere Ausbildung oder Prüfung ausüben

darf, mit dem Beruf gleichartig ist, den er in Deutschland ausüben möchte. Dann wird geprüft, ob diese Ausbildung

derjenigen in Deutschland im Wesentlichen vergleichbar ist. Ist dies der Fall und die Ausbildung wird

als gleichwertig beurteilt, erfolgt die Anerkennung unmittelbar. Bestehen wesentliche Unterschiede, so wird die

Anerkennung mit Auflagen verbunden (Anpassungslehrgang oder Eignungsprüfung – nach Wahl). Diese Auflagen

können wegfallen, wenn eine ausreichend lange praktische Berufserfahrung nachgewiesen wird. Nur bei

solchen Berufen, in denen gründliche Rechtskenntnisse unerlässlich sind, ist mit Billigung der Kommission der

Europäischen Gemeinschaft durch die entsprechenden Bundesgesetze eine Eignungsprüfung vorgeschrieben

(z.B. Rechtsanwälte, Patentanwälte, Wirtschaftsprüfer, Buchprüfer und Steuerberater).

3.2.3 Anerkennungsregelungen für EU-/EWR Staatsangehörige

Betroffene können sich unter zwei Voraussetzungen auf die allgemeine Anerkennungsregelung berufen:

1. Der Beruf ist im Herkunftsmitgliedstaat reglementiert und

2.

die berufliche Qualifikation ist vorwiegend im Mitgliedstaat erworben worden, d.h. der zeitlich größte Teil

der Berufsausbildung ist in diesem Mitgliedstaat absolviert worden.

Anerkennung ausländischer

Bildungsnachweise

Beispiel

Anerkennungsregelungen: Angehörige eines EU-/EWR-Staates, welche sämtliche berufliche Befähigungsnachweise

in einem Drittland erworben haben

Betroffene können sich unter vier Voraussetzungen auf die allgemeine Anerkennungsregelung berufen:

1.

Ein irischer Wirtschaftsprüfer beantragt in Deutschland die Anerkennung seiner beruflichen Befähigungsnachweise.

Er besitzt die notwendige Qualifikation für die Ausübung dieses Berufs in Irland. Angenommen,

er kann eine Berufsausbildung von insgesamt 7 Jahren nachweisen, davon 3 in den USA und 4 in den

Niederlanden, fällt sein Anerkennungsantrag unter die allgemeine Regelung. Hat er dagegen 4 Jahre seiner

Berufsausbildung in den USA absolviert und 3 Jahre in den Niederlanden, so kann die deutsche Behörde

die Anerkennung seiner Befähigungsnachweise verweigern..

Die beruflichen Befähigungsnachweise, die in einem Drittland erworben wurden, sind in einem Mitgliedstaat

bzw. im Herkunftsstaat gemäß der dortigen Rechtsvorschriften oder einer bilateralen Vereinbarung

zwischen beiden Staaten bereits anerkannt;

2.

3.

4.

die beruflichen Befähigungsnachweise berechtigen zur Ausübung eines reglementierten Berufs in diesem

Mitgliedstaat;

der reglementierte Beruf ist in dem betreffenden Mitgliedstaat bereits 3 Jahre (in einigen Fällen 2 Jahre)

tatsächlich ausgeübt worden;

die betreffende Person besitzt eine von diesem Mitgliedstaat ausgestellte Bestätigung, in der bescheinigt

wird, dass der betreffende Beruf drei (bzw. zwei) Jahre in seinem Hoheitsgebiet tatsächlich ausgeübt worden

ist.

Beispiel

Ein niederländischer Staatsangehöriger hat seine Berufsausbildung (Ausbildung, Diplom, Praktikum usw.)

zum Logopäden in den USA absolviert. Die „erste“ Anerkennung der Befähigungsnachweise in einem Mitgliedstaat

der EU (in diesem Fall Deutschland) kann nicht im Rahmen der allgemeinen Anerkennungsregelung

erfolgen, sondern fällt unter die innerstaatlichen, deutschen Rechtsvorschriften. Möchte er nach Erhalt

28


der Anerkennung in einem anderen Mitgliedstaat (beispielsweise Frankreich) als Logopäde arbeiten, so

kann er sich auf die allgemeine Anerkennungsregelung berufen, sofern er mindestens 3 Jahre in Deutschland

als Logopäde gearbeitet hat. Er benötigt eine von der zuständigen Behörde in Deutschland ausgestellte

Bestätigung, in der bescheinigt wird, dass er den Beruf des Logopäden 3 Jahre lang in Deutschland

ausgeübt hat.

Anerkennungsregelungen: Staatsangehöriger eines Landes, welches nicht der EU oder dem EWR

angehört – Erwerb der Qualifikation außerhalb der EU und des EWR

In diesem Fall wird die Qualifikation nach den Kriterien der funktionalen, formalen und materiellen Gleichwertigkeit

geprüft, wenn ein entsprechendes Anerkennungsverfahren existiert.

Staatsangehörige der Vereinigten Staaten, der Länder Südosteuropas, Afrikas, Asiens usw.

Beispiel

Weitere Informationen zur Anerkennung von Bildungsnachweisen von Staatsangehörigen der Europäischen

Union, des europäischen Wirtschaftsraums und der Schweiz finden sich in dem Leitfaden für die allgemeine

Regelung zur Anerkennung der beruflichen Befähigungsnachweise der Europäischen Kommission.

Hinweis

Die bestehenden Regelungen im Überblick:

Zielgruppe/Berufe Anerkennung Rechtsgrundlage

Spätaussiedler(Def. s. 3.2) Anerkennung, sofern Qualifikationen gleichwertig § 10 (2) Bundesvertriebenengesetz

Abschlüsse aus der DDR

Bildungsnachweise von

Kontingentflüchtlingen

Qualifikationen gelten weiter, bestimmte Berufe stehen einander

gleich

Anspruch auf Anerkennung, sofern Qualifikationen gleichwertig

(analog zu Spätaussiedlern)

Artikel 37 (3)

Einigungsvertrag

(analog zu Spätaussiedlern)

Österreichische Abschlüsse Gleichstellung für bestimmte Berufe, allgemeine Vergleichbarkeit Bilaterales Abkommen

und gemeinsame

Erklärung

Französische Abschlüsse Gleichstellung für bestimmte Berufe, allgemeine Vergleichbarkeit Bilaterales Abkommen

und gemeinsame

Erklärung

Anerkennung ausländischer

Bildungsnachweise

Schweizer Abschlüsse

Abschlüsse von

EU-Bürgern

Abschlüsse von

Nicht-EU-Bürgern

Gleichstellung von Gesellen- und Meisterprüfungen sowie Lehrabschlussprüfungen

Richtlinie für die Anerkennung von reglementierten Berufen,

geltende Regelungen zur Dienstleistungsfreiheit

Anerkennung auf Grundlage des allgemeinen Anerkennungsverfahrens

Übereinkunft einer rechtlichen

Gleichstellung vom

01. Januar 1938

EU-Richtlinie 2005/36/EG

ab Okt. 2007, vorher

fünfzehn Einzelregelungen

29


EXKURS

Verbesserung der Anerkennung von im Ausland erworbenen Qualifikationen und informellen

beruflichen Kompetenzen im Interesse der Migration

Wie beschrieben hat das Europäische Parlament im Zusammenhang mit der Dienstleistungsfreiheit und als

Schritt zur Förderung der Mobilität von Beschäftigten in den Mitgliedstaaten der Europäischen Union die

Richtlinie 2005/36/EG zur Anerkennung von Berufsqualifikationen verabschiedet. So sehr diese Richtlinie

insgesamt als eine Entwicklung in die richtige Richtung bewertet werden kann, enthält sie hinsichtlich

der beruflichen Integration von Drittstaatsangehörigen Regelungen bzw. Defizite, welche Nicht EU-Bürger

stark benachteiligen. In diesem Exkurs soll auf Defizite aufmerksam gemacht werden. Zum anderen sollen

Handlungsempfehlungen zur Anerkennung von im Ausland erworbenen Qualifikationen und informellen

beruflichen Kompetenzen gegeben werden, die über die Regelungen in der EU-Richtlinie hinausgehen.

Diese Handlungsempfehlungen sind im Rahmen der transnationalen Zusammenarbeit des EQUAL Projektes

ProQualifizierung zusammen mit den italienischen (ETNICO) und spanischen (ESCOSUR) EQUAL Partnern

erarbeitet und einvernehmlich beschlossen worden.

Drittstaatsangehörige, die ihre Qualifikation in einem EU-Mitgliedstaat erworben haben,

gleichbehandeln

Ausgangslage: Nach dem derzeitigen Gesetzestext können Angehörige von Drittstaaten (mit Ausnahme

von EWR-Vertragsstaaten und der Schweiz) von der Anerkennungsrichtlinie

keinen Gebrauch machen. Dies gilt auch für diejenigen Drittstaatsangehörigen, die

ihre berufliche Qualifikation in einem EU-Mitgliedstaat erworben haben. Das bedeutet,

dass selbst Menschen, die ihre gesamte Bildungs- und Qualifizierungslaufbahn

in einem der EU-Mitgliedsländer erworben haben, aber nicht die Staatsbürgerschaft

eines EU-Mitgliedstaates (bzw. EWR-Vertragsstaates bzw. der Schweiz) besitzen, das

Recht vorenthalten bleibt, ihre beruflichen Qualifikationen im Rahmen der Richtlinie

anerkennen zu lassen. Folglich wird es dieser Gruppe erschwert, in einem anderen

EU-Land beruflich tätig zu werden, was einer Einschränkung ihrer Mobilität gleichkommt.

Anerkennung ausländischer

Bildungsnachweise

Bei der Übernahme der EU-Richtlinie in die nationalen Gesetzgebungen ist eine Gleichbehandlung

von Drittstaatsangehörigen, die ihre berufliche Qualifikation in einem EU-Land

erworben haben, und den Staatsbürgern der EU-Mitgliedsländer anzustreben. Für die Anwendung

der EU-Anerkennungsrichtlinie soll maßgeblich sein, ob der Bildungsnachweis

in einem Mitgliedstaat erlangt wurde, nicht aber die Staatsbürgerschaft.

Einheitliche Regelung der Anerkennung von Bildungsabschlüssen aus Drittstaaten

Ausgangslage: Die EU-Richtlinie überlässt die Regelung der Anerkennung von Bildungsnachweisen

aus Drittstaaten den Mitgliedstaaten selbst.

Angesichts des Zieles, Arbeitnehmendenmobilität zu fördern, und der Tatsache, dass Drittstaatsangehörige

einen bedeutenden Anteil der Bevölkerung in vielen EU-Staaten bilden,

sowie angesichts der steigenden Neuzuwanderung in die EU-Länder drängt sich hier die

Forderung nach einer EU-Richtlinie auf, die die Anerkennung von Bildungsnachweisen aus

Drittstaaten einheitlich regelt.

Informationsstrukturen optimieren

Probleme/ Die Anzahl der Anträge auf Anerkennung im Ausland erworbener beruflicher Qualifikationen

ist vergleichsweise gering. Nicht nur die Vielzahl der zuständigen Behörden und

Ausgangslage:

Ansprechpartner, die je nach Berufsgruppe bzw. Wirtschaftszweig bzw. Bildungsweg

für die Anerkennung einer im Ausland erworbenen beruflichen Qualifikation zuständig

sind, wirken für neu eingewanderte Migrantinnen und Migranten abschreckend.

Handlungsempfehlungen: Einrichtung einer mehrsprachigen Hotline, weite Verbreitung

30


und Übersetzung des Wegweisers für die Anerkennung von im Ausland erworbenen beruflichen

Qualifikationen, mehrsprachige Informationsflyer und Broschüren, kürzere Anerkennungszeiten,

Zentralisierung von spezialisierten Beratungseinrichtungen (Beispiel:

eine zentrale Beratungsstelle für Handwerks-, eine für IHK-Berufe), Schaffung von transnationalen

Datenbanken, etc.

Bewertungsverfahren von ausländischen Bildungsnachweisen verbessern und die Transparenz

erhöhen

Probleme/ Die Bewertung von ausländischen Bildungsnachweisen als Voraussetzung für ein Anerkennungsverfahren

dauert oft zu lange. Insbesondere bei eher unbekannten Berufen

Ausgangslage:

bzw. bei Anträgen auf Anerkennung von Migrantinnen und Migranten aus Staaten,

aus denen nicht die größeren Einwanderungsgruppen stammen, ist es für die Beraterinnen

und Beratern sehr schwierig, diese zu vergleichen und richtig einzustufen.

Dadurch geht wertvolle Zeit verloren.

Handlungsempfehlung: Aufbau von umfassenden, europaweiten Datenbanken mit Informationen

zu den Ausbildungsgängen; Verbesserung des Angebots und des Zugangs zu

Nachqualifizierungsmaßnahmen, Ergänzungsstudiengängen sowie Anpassungslehrgängen.

Unternehmen von der Bedeutung der Anerkennung von im Ausland erworbenen Qualifikationen

überzeugen

Probleme/ Nach erfolgter Anerkennung der im Ausland erworbenen beruflichen Qualifikation(en)

Ausgangslage: erhält der/die Antragsteller/in ein Zertifikat der anerkennenden Stelle, das als Nachweis

den Bewerbungsunterlagen oder der Personalakte beigefügt werden kann. Eine

Zertifizierung macht jedoch nur dann Sinn, wenn sichergestellt ist, dass ihr eine hochwertige

Qualifikation zugrunde liegt, die letztendlich aus Sicht des (künftigen) Arbeitgebers

einen Mehrwert für das Unternehmen darstellt.

Die Anerkennung informell erworbener beruflicher Kompetenzen kann insbesondere für

langjährig erfahrene, aber an- und ungelernte Beschäftigte unmittelbare positive Folgen

für die Einkommenssituation haben. Dies gilt mithin auch für die nachträgliche Anerkennung

von im Ausland erworbenen beruflichen Qualifikationen bei bereits bestehenden

Beschäftigungsverhältnissen.

Anerkennung ausländischer

Bildungsnachweise

31


3.2.4 Antragsverfahren

Der Antrag auf Anerkennung der Berufsqualifikation kann formlos erfolgen, d.h. ohne vorgefertigtes Formular.

Man bittet schriftlich um eine Gleichwertigkeitsprüfung seiner Berufsqualifikationen. Dieses Schreiben muss

vom Antragsteller persönlich unterschrieben sein.

Für die Bearbeitung des Antrages wird in der Regel eine Gebühr erhoben, die von Antragsstelle zu Antragsstelle

variieren kann (ca. 50 Euro).

3.2.5 Zuständige Anerkennungsstellen

Diejenigen Stellen, welche Ausbildungsfragen der einzelnen Berufe regeln, sind zugleich zuständig für die

Anerkennung der jeweiligen ausländischen Berufsqualifikation. Zur genauen Ermittlung der zuständigen Stelle

müssen Antragsteller wissen, wie auf ihren Beruf bezogen in Deutschland ausgebildet wird, und welchem

inhaltlichen Oberbegriff (z.B. Gesundheitswesen, Handwerk) der Beruf zugeteilt ist. Von daher sind dezentrale

Beratungsstellen sinnvoll, die den Ratsuchenden neben der Beurteilung ihrer Abschlüsse auch Bildungswege

für die nachholende Qualifizierung aufzeigen könnten.

Dafür kann die von der Bundesanstalt für Arbeit herausgegebene Publikation „Beruf aktuell“ nützlich sein.

Zuständig für die Anerkennung der meisten Berufe, für die dual ausgebildet wird, sind die einzelnen Kammern,

je nach Wohnort und bisher ausgeübtem Beruf des Antragstellers:

Berufe / Tätigkeitsbereiche

Anerkennde Stelle

< Handwerksberufe wie z. B. Metallbauer, Bäcker oder Friseurin

die regionalen Handwerkskammern

(HWK)

Anerkennung ausländischer

Bildungsnachweise

<

<

<

<

kaufmännisch, z.B. im Einkauf, im Vertrieb oder in der Buchhaltung eines Betriebs;

industriell, d.h. in der Produktion oder Instandhaltung von Gütern, als Handwerker

in einem Industriebetrieb;

gewerblich, also im Handel z.B. als Verkäufer oder in der Gastronomie als Kellnerin;

technisch, z.B. im Bereich Maschinenbau, Elektro- oder Kommunikationstechnik in

einem Industriebetrieb.

Industrie- und Handelskammer

(IHK)

< Berufen im land- und forstwirtschaftlichen Bereich

Landwirtschaftskammer (LWK)

in Münster

< Erlaubnis zum Führen der Berufsbezeichnung in allen nicht ärztlichen Heilberufen,

soweit sie durch das Bundesgesetz geregelt sind (z.B. Krankenschwester/Krankenpfleger,

Kinderkranken-schwester/-pfleger, Hebamme/Entbindungshelfer, med.-

techn. Assistent/in, Physiotherapeut/in, Masseur/in, med. Bademeister/in, Krankenpflegehelfer/in,

Logopäde/Logopädin)

die für den Wohnort zuständigen

Gesundheitsämter bei

den Kreisverwaltungen bzw.

Stadtverwaltungen

< Erlaubnis zum Führen der Berufsbezeichnung Meister/in in den Gesundheitshandwerkemern

die regionalen Handwerkskam-

(HWK)

< Erlaubnis zum Führen der Berufsbezeichnung Arzthelfer/in

die Ärztekammer

< Erlaubnis zum Führen der Berufsbezeichnung Zahnarzthelfer/in

die Zahnärztekammer

Hinweis

Adressen und Anschriften der Kammern sowie eine Aufzählung der zulassungspflichtigen Handwerke finden Sie im

Anhang.

32


3.2.6 Notwendige Unterlagen zur Anerkennung

Für die Anerkennung von Berufsqualifikationen sind grundsätzlich folgende Unterlagen notwendig:

<

<

<

Beglaubigte Fotokopie des Personalausweises/Reisepasses (ggf. mit Aufenthaltserlaubnis)

Heirats-/Standesamtsurkunde (sofern eine Änderung des Familiennamens stattgefun-den hat)

Bundesvertriebenenausweis (bei Aussiedlern)

Von einem vereidigten Übersetzer übersetzte und amtlich beglaubigte Kopien von

<

<

allen Diplomen, Zeugnissen und Nachweisen

(Abschluss-)Zeugnissen aus der Schule

Als Originale mit beglaubigter deutscher Übersetzung sind vorzulegen:

<

<

<

<

Arbeitsbuch oder ähnliche Nachweise des Erwerbslebens

Urkunde und Zeugnis der beruflichen Qualifikation

Erklärung, dass bei keiner anderen IHK, HWK oder sonstiger Stelle in einem anderen Bundesland die

Überprüfung dieser Unterlagen beantragt wurde

tabellarischer Lebenslauf. Dabei sollten die Qualifikationen und einzelnen praktischen Tätigkeiten genau

aufgeführt werden. Sie können auf die Dauer einer Umschulung oder neuen Ausbildung angerechnet und

bei (Abschluss-) Prüfungen berücksichtigt werden.

Ein Antrag auf Anerkennung muss bearbeitet werden, sobald der Antrag vollständig ist, d.h. alle notwendigen

Unterlagen eingereicht worden sind. Ob die Unterlagen vollständig sind, kann direkt bei der zuständigen Behörde

erfragt werden. Sollte der Antrag nicht vollständig sein, muss die zuständige Stelle auf der Liste der vorzulegenden

Unterlagen deutlich angeben, welche Unterlagen noch fehlen, und dem Antragsteller hinreichend

Zeit lassen, um diese Unterlagen nachzureichen. Die zuständige Behörde kann verlangen, dass die dem Antrag

beigefügten Unterlagen ins Deutsche übersetzt werden. Außerdem kann die zuständige Behörde verlangen,

dass die Übersetzung dieser Unterlagen von einem vereidigten oder bei der zuständigen Behörde zugelassenen

Übersetzer vorgenommen wird.

Für die Bearbeitung des Antrags wird eine Gebühr erhoben.

3.2.7 Mögliche Ergebnisse des Antragsverfahrens

Soweit die vorgelegten Unterlagen vollständig sind, kann die zuständige Behörde grundsätzlich in dreierlei

Weise entscheiden:

A

Auflagenfreie Anerkennung

Die auflagenfreie Anerkennung setzt den im Ausland erworbenen Beruf mit der schulischen Berufsausbildung

in Deutschland gleich, d.h. die Antragstellerin oder der Antragsteller darf die in

Deutschland übliche Berufsbezeichnung führen. In diesem Fall müssen zur Ausübung des reglementierten

Berufes nunmehr lediglich noch Formalitäten erfüllt werden (z.B. Eintragung in ein

Berufsregister oder Vorlage einer Bescheinigung über eine Berufs-Haftpflichtversicherung im Falle der Selbstständigkeit

bzw. freiberuflichen Tätigkeit).

Wichtig: Die Anerkennung gibt das Recht, den betreffenden Beruf auszuüben.

Hinweis

Anerkennung ausländischer

Bildungsnachweise

B

Einstufung

Sie wird in den Fällen ausgesprochen, in denen Übereinstimmungen in der Berufsausbildung

grundsätzlich bestehen, jedoch Qualifikationen in einzelnen Bereichen nachgeholt werden müssen,

damit eine auflagenfreie Anerkennung erfolgen kann. Die zuständige Behörde verlangt eine

33


Ausgleichsmaßnahme (Nachweis von Berufserfahrung oder Absolvierung eines Anpassungslehrgangs beziehungsweise

Ablegen einer Eignungsprüfung, wobei im Prinzip zwischen beiden letzteren gewählt werden

kann). Die Anerkennungsstelle nimmt dabei eine Einstufung in das deutsche Berufssystem vor. Daraus kann

man ersehen, welche Qualifikationen nachgearbeitet werden müssen, um beispielsweise zur so genannten Externenprüfung

zugelassen zu werden. Möglichkeiten zur Nachqualifizierung inklusive Adressen und Ansprechpartnern

bei den jeweiligen Schulen werden dem Antwortschreiben normalerweise beigefügt.

C

3. Ablehnung

Auch wenn die zuständige Behörde den Antrag ablehnt, wird der Bescheid durch Hinweise auf

Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten ergänzt. Besonders in diesem Fall ist ein Beratungstermin

mit einer Beraterin oder einem Berater der Bundesagentur für Arbeit sinnvoll, da unter

Umständen eine vollständige neue Ausbildung durchlaufen werden muss.

In beiden zuletzt genannten Fällen muss die zuständige Behörde ihre Entscheidung begrün-den, d.h. sie muss

die Argumente darlegen, die ihrer Ansicht nach die jeweilige Entscheidung rechtfertigen. Erfolgt dies nicht,

kann der Antragsteller verlangen, dass ihm die der Entscheidung zugrunde liegenden Gründe mitgeteilt werden.

Werden diese Gründe nicht mitgeteilt oder sollen diese angefochten werden, so können gegen die Entscheidung

Rechtsbehelfe bzw. Rechtsmittel eingelegt werden.

Neben den allgemeinen Verfahrensregelungen für die Anerkennung existieren noch Einzelregelungen und Abkommen

zwischen Staaten. Weil deren textliche Darstellung zu umfangreich wäre, haben wir sie im Anhang des

Wegweisers dokumentiert. Dazu zählen die Sonderfälle wie das bilaterale Abkommen zwischen der Regierung

der Bundesrepublik Deutschland und der Regierung der Republik Österreich über die Zusammenarbeit in der

beruflichen Bildung und über die gegenseitige Anerkennung und Gleichwertigkeit von beruflichen Prüfungszeugnissen

vom 27. November 1989 sowie die gemeinsame Erklärung der Bundesrepublik Deutschland und

Frankreichs über die generelle Vergleichbarkeit von französischen Abschlusszeugnissen in der Berufsausbildung

und deutschen Abschlusszeugnissen in der Berufsausbildung nach Berufsbildungsgesetz, Handwerksordnung

sowie Schulrecht der Länder vom 26. Oktober 2004.

Anerkennung ausländischer

Bildungsnachweise

34


Anerkennung schulischer und

Akademischer Bildungsnachweise

4

Bildungsnachweise

4.1 Voraussetzungen

Wer einen Antrag zur Anerkennung einer ausländischen Schul- bzw. Berufsqualifikation stellen möchte, muss

einen Aufenthaltstitel und einen festen Wohnsitz in NRW haben. Die Anerkennungsverfahren werden von unterschiedlichen

Behörden durchgeführt, deren Zuständigkeit sich entweder nach der Art des Abschlusses oder

nach dem Wohnort der Antragstellerin bzw. des Antragstellers richtet.

Die Anerkennung ausländischer Schulabschlüsse erfolgt in Form der Gleichstellung mit dem deutschen Hauptschulabschluss

oder einem deutschen mittleren Bildungsabschluss. Dabei werden die Voraussetzungen, welche

in beiden Ländern zu dem jeweiligen Abschluss führen, verglichen. Stellt sich heraus, dass eine ausreichende

Übereinstimmung besteht, so wird der ausländische Schulabschluss wie ein entsprechender deutscher betrachtet.

Die Prüfung und Anerkennung der über den mittleren Bildungsabschluss hinausführenden Qualifikationen

(Abitur, Fachhochschulreife, allgemeine Hochschulberechtigung) wird vor allem im Zusammenhang mit der Frage

der Zulassung zum Studium an deutschen Hochschulen vorgenommen (Näheres dazu unter 4.5 und 4.6).

4.2 Erforderliche Unterlagen im Antragsverfahren

< Antragsschreiben aus dem hervorgeht, warum die Anerkennung des ausländischen Bildungsnachweises

benötigt wird (z.B. Absicht der Berufsausübung, Aufnahme des Studiums)

< tabellarischer Lebenslauf mit genauem schulischen bzw. beruflichen Werdegang

< amtlich beglaubigte Kopien oder Originale der Zeugnisse sowie der dazugehörigen Fächer- und Notenverzeichnisse

in der Originalsprache

< amtlich beglaubigte Kopien oder Original der deutschen Übersetzung (eines gerichtlich zugelassenen/ermächtigten

Übersetzers) der zuvor genannten Unterlagen

< beglaubigte Kopie des Personalausweises (bei deutschen Staatsangehörigen) oder des Reisepasses mit

Aufenthaltstitel

< ggf. beglaubigte Kopie des Vertriebenenausweises (bei Aussiedlern)

4.3 Hauptschulabschluss

Für die Gleichstellung mit dem deutschen Hauptschulabschluss ist der Nachweis des Besuches von mindestens

neun aufsteigenden Klassen an allgemein bildenden Schulen mit hinreichendem Unterricht zumindest in der

jeweiligen Muttersprache, in Mathematik, einem naturwissenschaftlichen und einem sozialkundlichen Fach

erforderlich.

Für Spätaussiedlerinnen und Spätaussiedler gelten erleichterte Bedingungen für die berufliche Eingliederung:

Das im Herkunftsland erworbene Abschlusszeugnis ist ausreichend für eine Gleichstellung mit dem deutschen

Hauptschulabschluss, auch wenn die Schullaufbahn nur acht Jahre gedauert hat.

Anerkennung schulischer und akademischer

Bildungsnachweise

35


4.4 Mittlerer Bildungsabschluss (Realschulabschluss)

Für die Gleichstellung eines Abschlusses mit dem deutschen mittleren Bildungsabschluss müssen mindestens

zehn aufsteigende Klassen erfolgreich abgeschlossen sein. Der Unterricht sollte im Vergleich zum Hauptschulabschluss

insgesamt ein inhaltlich höheres Niveau vermittelt haben und es sollten mehr Fächer besucht worden

sein, davon zwei Fremdsprachen (in Ausnahmefällen reicht eine Fremdsprache). Abweichende Regelungen für

Aussiedler gibt es nicht.

4.5 Fachhochschulreife

Die Fachhochschulreife kann man nach zwölf Jahren Schulbesuch oder unter bestimmten Bedingungen im

Zuge einer Berufsausbildung erwerben. Sie berechtigt zum Studium an Fachhochschulen, aber nicht an Universitäten.

Ein Abschluss kann nur dann mit der deutschen Fachhochschulreife gleichgestellt werden, wenn das

Herkunftsland selbst eine Differenzierung zwischen Universitäten und Fachhochschulen vornimmt.

„Ich wollte auf eigenen Beinen stehen, selbstständig sein.

Das schien mir eher im Bereich Sprachdienstleistung als in

der Branche Elektrotechnik / Maschinenbau möglich. Mir

war auch klar, wie ich die Sache anpacken muss: Ich habe

die Prüfung zum staatlich anerkannten Übersetzer und Dolmetscher

gemacht. Und heute leite ich mein eigenes Unternehmen.“

Eric Lingo, 37, Übersetzer und Dolmescher

4.6 Allgemeine Hochschulreife (Abitur)

Die allgemeine Hochschulreife (Abitur) ist der höchste allgemein bildende deutsche Schulabschluss und berechtigt

zum Studium an jeder beliebigen Hochschule (Universität, Fachhochschule o.ä.). Das Abitur gilt als

sog. Hochschulzugangsberechtigung. Von daher wird geprüft, ob der Abschluss auch im Herkunftsland uneingeschränkt

ein Hochschulstudium ermöglicht, mindestens zwölf Schuljahre voraussetzt und den gleichen

Rang hätte wie das deutsche Abitur. Ist dies der Fall, kann der Abschluss grundsätzlich gleichgestellt werden.

Allerdings gibt es unterschiedliche Grade der Anerkennung: Als „materiell gleichwertig“ mit einem deutschen

Zeugnis der Allgemeinen Hochschulreife werden nur Zeugnisse von Angehörigen der EU und der EFTA-Staaten

Schweiz, Norwegen, Island und Liechtenstein anerkannt.

Die in Deutschland vor einer Zulassung zum Studium erforderliche Bewertung des Schulabschlusszeugnisses

erfolgt in den meisten Fällen über die zum Studium ausgewählte Universität. Ist der Abschluss nicht gleichwertig,

so besteht die Möglichkeit, über eine so genannte Feststellungsprüfung oder über den Nachweis einer

bestimmten Semesterzahl den fachgebundenen Hochschulzugang zu erwerben (siehe folgender Abschnitt). Für

Spätaussiedler besteht die Möglichkeit zum Besuch des Sonderlehrgangs.

Anerkennung schulischer und akademischer

Bildungsnachweise

4.7 Feststellungsprüfung an einem Studienkolleg

Ausländischen Studienbewerbern, die sich einer Feststellungsprüfung unterziehen müssen, weil ihr Abschluss

nicht unmittelbar den Hochschulzugang ermöglicht, wird als Hilfe für die Vorbereitung auf die Prüfung und auf

das Fachstudium der Besuch des Studienkollegs angeboten.

Die Aufnahme in ein Studienkolleg kann nur über eine Universität, Pädagogische Hochschule, Kunsthochschule

oder Berufsakademie erfolgen, und sie setzt die Bereitschaft der Hochschule oder der Berufsakademie voraus,

den Bewerber nach bestandener Abschlussprüfung am Studienkolleg zum Fachstudium zuzulassen (Studienplatzvormerkung).

Diese Bereitschaft erfordert, dass innerhalb der Bewerbungsfrist bei der Hochschule, an der

später das Fachstudium aufgenommen werden soll, ein „Zulassungsantrag“ gestellt wird. Mit diesem Antrag

wird zugleich die Aufnahme in das Studienkolleg beantragt. Die Entscheidung über den Aufnahmeantrag wird

dem ausländischen Studienbewerber zusammen mit der Entscheidung über den Zulassungsantrag durch die

Hochschule mitgeteilt.

36


Für die Aufnahme in ein Studienkolleg muss in einem Aufnahmetest nachgewiesen werden, dass man dem

Unterricht in deutscher Sprache mit Verständnis folgen kann. Bei Nichtbestehen des Aufnahmetests kann der

ausländische Studienbewerber in einen Vorbereitungskurs (Sprachkurs) aufgenommen werden, sofern freie

Plätze zur Verfügung stehen.

4.8 Externe

Ausländische Studienbewerber, die das Studienkolleg nicht besuchen möchten (Externe), weil sie die vermittelten

Inhalte beherrschen, können an der Feststellungsprüfung teilnehmen, wenn sie von einer Universität,

Pädagogischen Hochschule, Kunsthochschule oder Berufsakademie, an der sie für ein Fachstudium vorgemerkt

sind, dem Studienkolleg zur Prüfung gemeldet werden. Vor Meldung zur Prüfung sollte jedoch gewissenhaft

geprüft werden, ob die Sprach- und Fachkenntnisse hierzu tatsächlich ausreichen. Es ist insoweit empfehlenswert,

sich rechtzeitig vor der Prüfung ausführlich über die Anforderungen (Prüfungsaufgaben, Stoffpläne etc.)

zu informieren. Auskünfte hierzu erteilen die akademischen Auslandsämter oder die Studienkollegs.

4.9 Ausländische Studienbewerberinnen und Studienbewerber

Für ausländische Studienbewerber gibt es unterschiedliche Bewerbungsverfahren. Nach den für Deutsche geltenden

Bestimmungen werden zugelassen:

<

<

Ausländische Staatsangehörige mit einer deutschen Hochschulzugangsberechtigung („Bildungsinländer“),

ausländische Staatsangehörige mit einer ausländischen Hochschulzugangsberechtigung

<

eines Mitgliedstaates der Europäischen Union,

<

<

der Staaten Island, Liechtenstein oder Norwegen (Vertragsstaaten des Europäischen

Wirtschaftsraumes – EWR –),

die Deutschen gleichgestellt sind (z.B. in der Bundesrepublik Deutschland wohnende

Familienangehörige eines EU-Bürgers).

Ausländische Staatsangehörige oder Staatenlose, die Deutschen nicht gleichgestellt sind, werden von den

Hochschulen im Rahmen bestimmter Prozentsätze (Quoten) zugelassen. Sie richten ihre Zulassungsanträge

immer direkt an die Hochschulen.

4.10 Anerkennung einer ausländischen HOCHSCHULZUGANGSBERECHTIGUNG

Für die Bewerbung um einen Studienplatz auf Grund eines ausländischen Zeugnisses ist Folgendes zu beachten:

Deutschen Staatsangehörigen mit ausländischer Hochschulzugangsqualifikation ist auf Antrag die Befähigung

zu einem Studium an Hochschulen in der Bundesrepublik Deutschland zu bescheinigen, wenn ihre

Bildungsnachweise in einem Anerkennungsverfahren als einem deutschen Zeugnis der Allgemeinen oder einer

fachgebundenen Hochschulreife gleichwertig anerkannt sind. Dazu ist grundsätzlich das Bestehen einer Anerkennungsprüfung

erforderlich. Für die Anerkennung der ausländischen Nachweise werden die „Bewertungsvorschläge“

(Ausländische Bildungsnachweise und ihre Bewertung in der Bundesrepublik Deutschland, hrsg.

von der Zentralstelle für ausländisches Bildungswesen im Sekretariat der Kultusministerkonferenz) zugrunde

gelegt.

Studienbewerber mit EU-/EWR-Staatsangehörigkeit müssen sich – wie deutsche Studienbewerber – für Studienfächer

mit Auswahl- oder Verteilungsverfahren bei der Zentralstelle für die Vergabe von Studienplätzen

(ZVS) um einen Studienplatz bewerben. Es empfiehlt sich, frühzeitig das ZVS-Info zu besorgen. Für andere

Studiengänge ist die Bewerbung direkt an die Hochschule zu richten.

Zentralstelle für die Vergabe von Studienplätzen (ZVS)

Postanschrift: 44128 Dortmund

Telefon: 0231 / 108 10

www.zvs.de

Hinweis

Anerkennung schulischer und akademischer

Bildungsnachweise

37


Studienbewerber, die nicht Staatsangehörige eines EU-/EWR Staates sind, bewerben sich in allen Fächern

direkt bei der Hochschule ihrer Wahl.

Hinweis

Insgesamt sind folgende Bewerbungsfristen zu beachten:

< 15. Januar für das Sommersemester und

< 15. Juli für das Wintersemester.

4.11 Was kann man im Falle der Nicht-Anerkennung unternehmen

Grundsätzlich stehen jedem Antragsteller in einem solchen Falle Rechtsbehelfe (Widerspruch) bzw. anschließend

Rechtsmittel (Klage) zu, um die Entscheidung rechtlich überprüfen zu lassen.

Neben den rechtlichen Möglichkeiten bestehen folgende Möglichkeiten:

<

<

Man beginnt eine Berufsausbildung in Deutschland. Beim Besuch der Berufsschule während der Ausbildung

können auch Schulabschlüsse erworben werden.

Der fehlende Abschluss wird bei einem Bildungsträger wie z.B. der Volkshochschule oder einem Kolleg

nachgeholt: Die Volkshochschulen bieten die Möglichkeit, in besonderen Vorbereitungskursen den

Haupt- bzw. Realschulabschluss oder das Abitur nachzuholen. Für den Hauptschulabschluss muss man

mit einer Kurszeit von neun bis zwölf Monaten bei zwei bis drei Abenden pro Woche rechnen. Der Realschulabschluss

bzw. das Abitur dauern zwei bzw. drei Jahre, mit vier bis fünf Kursabenden pro Woche.

Weiterführende Informationen zu der Anerkennung von ausländischen Schulabschlüssen und Abschlüssen im

Hochschulbereich sind erhältlich über:

<

<

<

das Informationssystem zur Anerkennung ausländischer Bildungsabschlüsse (anabin) der Kultusministerkonferenz,

den Wegweiser NRW für die Anerkennung von im Ausland erworbenen Befähigungsnachweisen und

Qualifikationen für Zuwanderer und Zuwanderinnen vom Ministerium für Generationen, Familie, Frauen

und Integration des Landes Nordrhein-Westfalen (Stand 2006),

Anerkennung von im Ausland erworbenen formalen Abschlüssen. Projekt: Bausteine interkultureller Persönlichkeitsentwicklung

und Erfassung ihrer Vergleichbarkeit für Deutsche und Migranten (Stand: 2002).

Eine Darstellung der zuständigen Anerkennungsstellen finden Sie im Anhang.

Anerkennung schulischer und akademischer

Bildungsnachweise

38


Förderung von beruflicHer

qualifizierung

5

FöRdERung

5.1 auszubildende und arbeitslose

Seit den Gesetzen für moderne Dienstleistungen am Arbeitsmarkt (Hartz-Gesetze) soll die Vermittlung in Ausbildung

und Arbeit durch die Agenturen für Arbeit besser und schneller geschehen als bisher. Nach dem Prinzip

„Fordern und Fördern“ ist es das Ziel, eine schnellere Vermittlung der Arbeitsuchenden zu erreichen und sie

gleichzeitig individuell zu fördern. Dies gilt besonders für Jugendliche unter 5 Jahren, die hilfebedürftig und

bisher unversorgt sind. Sie sollten künftig alle ein Ausbildungs-, Beschäftigungs- oder Bildungsangebot erhalten.

Die Fördermöglichkeiten für Arbeitslose, jugendliche Arbeitsuchende und Arbeitgeber sind im Dritten

Sozialgesetzbuch (SGB III) zusammengefasst.

5.1.1 berufsausbildungsbeihilfe (bab) für auszubildende

Die BAB wird zum einen für eine betriebliche oder außerbetriebliche Ausbildung in einem anerkannten Ausbildungsberuf

geleistet. In diesem Fall muss ein Ausbildungsvertrag abgeschlossen worden sein. Zum anderen

wird die BAB gezahlt, wenn eine berufsvorbereitende Maßnahme besucht wird. Die BAB ist ein Zuschuss und

muss – anders als bei der Förderung nach BAföG – nicht zurückbezahlt werden.

auszubildende erhalten eine bab, wenn sie

< während der Ausbildung nicht bei den Eltern wohnen können, weil der Ausbildungsbetrieb zu weit vom

Elternhaus entfernt ist,

< älter als 18 Jahre sind,

< verheiratet oder geschieden sind oder

< mit einem Kind zusammenleben.

Für eine berufsvorbereitende Maßnahme wird die BAB gezahlt, wenn diese zur Vorbereitung auf eine Berufsausbildung

oder zur Aufnahme einer Arbeit erforderlich ist und der Teilnehmer die erforderliche Eignung für die

Maßnahme besitzt. Dabei spielt der Wohnsitz keine Rolle. In der Regel wird die BAB nur für die erste Ausbildung

gezahlt. Ist aber eine Ausbildung begonnen und nicht beendet worden, kann evtl. eine zweite gefördert werden.

5.1.2 bab-förderung für Migrantinnen und Migranten

In der Regel können Deutsche und sogenannte Bildungsinländer die Berufsausbildungsbeihilfe in Anspruch

nehmen. Nach § 6 des Sozialgesetzbuchs III können aber auch AusländerInnen unter bestimmten Voraussetzungen

gefördert werden. Dazu gehören:

<

<

<

<

Heimatvertriebene und Spätaussiedler haben grundsätzlich Anspruch auf Förderung.

Die Ausländerin oder der Ausländer ist als Asylberechtigte/r oder Flüchtling anerkannt.

Der Zuwanderer hat seinen ständigen Wohnsitz in Deutschland und besitzt eine Niederlassungserlaubnis.

Ein Elternteil oder der Ehegatte ist Deutscher und die oder der ausländische Auszubildende hat seinen

Wohnsitz in Deutschland.

förderung beruflicher

qualifizierung

9


<

Der Ausländer oder die Ausländerin ist Angehörige eines EU-/EWR-Staates oder der Schweiz.

Ausländerinnen und Ausländer, die sich bereits längere Zeit in Deutschland aufhalten, werden gefördert,

wenn

< sie sich vor Beginn der förderungsfähigen Ausbildung insgesamt fünf Jahre im Inland aufgehalten

haben und rechtmäßig erwerbstätig gewesen sind oder

< ein Elternteil sich insgesamt drei Jahre im Inland aufgehalten hat und rechtmäßig erwerbstätig gewesen

ist,

< und sie voraussichtlich nach der Ausbildung im Inland rechtmäßig erwerbstätig sein werden.

Die zuständigen Berufsberater bei den örtlichen Agenturen für Arbeit beraten im persönlichen Gespräch über

im Einzelfall mögliche Förderung.

5.1.3 Weiterbildung für Empfänger/innen von Arbeitslosengeld I

Die Agentur für Arbeit kann die Weiterbildung fördern, damit Menschen

< bei Arbeitslosigkeit besser wieder auf dem Arbeitsmarkt Fuß fassen,

< die sie bedrohende Arbeitslosigkeit verhindern,

< bei Teilzeitbeschäftigung eine Vollzeitstelle erlangen oder

< einen bisher fehlenden Berufsabschluss nachholen können.

5.1.4 Voraussetzungen

Um von der Agentur für Arbeit finanzielle Unterstützung zur Weiterbildung zu erhalten, muss die Antragstellerin

oder der Antragsteller ein Anrecht auf Leistungen aus der Arbeitslosenversicherung erworben haben bzw.

bereits Arbeitslosengeld I erhalten. Der Arbeitnehmer hat Anspruch auf Leistungen aus der Arbeitslosenversicherung,

wenn er innerhalb der letzten drei Jahre vor Beantragung der Leistung insgesamt mindestens zwölf

Monate versicherungspflichtig beschäftigt gewesen ist (sogenannte „Vorbeschäftigungszeit“).

5.1.5 Bildungsgutschein

Wenn die o.g. Voraussetzungen erfüllt sind und die Arbeitsberater in Beratungsgesprächen mit dem Antragsteller

den Weiter- und Fortbildungsbedarf festgestellt haben, können Empfänger oder Berechtigte von Arbeitslosengeld

I von der Agentur für Arbeit einen Bildungsgutschein erhalten. Dieser ist die Zusicherung, dass die

Agentur für Arbeit die anfallenden Kosten für die Weiterbildung übernehmen wird. Auf dem Gutschein werden

das Bildungsziel festgehalten, die Dauer der Maßnahme und die Region, in der der Gutschein gültig ist. Der

Arbeitnehmer kann sich aussuchen, bei welcher Weiterbildungseinrichtung er die vereinbarte Qualifizierung

besuchen möchte. Dort löst er seinen Bildungsgutschein ein. Die Bildungseinrichtung und der angebotene Kurs

müssen allerdings von der Agentur zuvor anerkannt sein. Während der Lehrgangsdauer erhält der Teilnehmer

weiterhin sein Arbeitslosengeld.

Grundsätzlich entscheiden die Arbeitsberater oder die Fallmanager im Einzelfall, ob eine Weiterbildung gezahlt

wird. Dabei wägen sie ab, ob die Arbeitslosigkeit auch ohne Weiterbildung beendet werden könnte und mit

welcher Wahrscheinlichkeit die Eingliederung in den Arbeitsmarkt nach der Fortbildung erwartet werden kann.

Priorität hat immer die Vermittlung in ein Arbeitsverhältnis („Vermittlungsvorrang“). Ein Bildungsgutschein

Förderung Beruflicher

Qualifizierung

„Auf meine persönliche Weiterbildung habe ich immer

großen Wert gelegt. Durch die Teilnahme an zahlreichen

Seminaren und Veranstaltungen konnte ich mich beruflich

entwickeln. Meiner Meinung nach hört der Lernprozess

niemals auf.“

Antonio Diaz, 42, Journalist

40


wird nur ausgestellt, wenn die berufliche Qualifizierung die wirkungsvollste und wirtschaftlichste Möglichkeit

ist, die Arbeitslosigkeit dauerhaft zu beenden.

Eine wichtige Voraussetzung, um an durch die Agentur für Arbeit geförderten Qualifizierungsmaßnahmen

teilnehmen zu können, sind ausreichende deutsche Sprachkenntnisse. Für Neuzuwanderer – das gilt auch

für Spätaussiedler – besteht die Pflicht, an einem Integrationskurs teilzunehmen. Aber auch viele arbeitslose

Zuwanderer, die schon lange in Deutschland leben, haben Probleme mit der deutschen Sprache und werden

deshalb für bestimmte Stellenangebote nicht berücksichtigt. Unter Umständen wird der Arbeitsberater oder

Fallmanager mit dem Arbeitsuchenden daher vereinbaren, dass er zunächst einen Sprach- oder Integrationskurs

besuchen muss. Der Sprachunterricht kann gefördert werden.

5.2 WEITERBILDUNG FÜR BESCHÄFTIGTE

Gefördert werden kann die berufliche Weiterbildung von Beschäftigten, wenn dies als notwendig angesehen

wird, um einen fehlenden Berufsabschluss nachzuholen.

Außerdem besteht die Möglichkeit, dass Beschäftigte für die Weiterbildung vom Betrieb freigestellt werden und

gleichzeitig ein Arbeitsloser als Vertretung im Betrieb eingestellt wird. In beiden Fällen finanziert die Agentur

für Arbeit einen Teil der Lohnkosten für die Person, welche die Weiterbildung durchführt. Diese Förderung richtet

sich an den Betrieb und kommt so den Beschäftigten indirekt zu Gute.

Ausführliche Informationen über die Fördermöglichkeiten durch die Agentur für Arbeit, Voraussetzungen

und Leistungen finden sich im „Merkblatt Nr. 6 – Förderung der beruflichen Weiterbildung für Arbeitnehmer“

der Bundesagentur für Arbeit. Es ist bei den örtlichen Agenturen für Arbeit erhältlich.

Hinweis

Grundsätzlich muss ein Beratungsgespräch stattgefunden haben, bevor ein Antrag auf Förderung der beruflichen

Weiterbildung gestellt werden kann.

5.3 FACHKRÄFTE (AFBG-AUFSTIEGSBILDUNGSFÖRDERUNGSGESETZ ODER MEISTER-BAFÖG-

AUSBILDUNGSFÖRDERUNGSGESETZ)

Das AFBG unterstützt die Erweiterung beruflicher Qualifizierung von Fachkräften und potenziellen Existenzgründern.

Ähnlich dem BAföG für Schüler und Studierende besteht das „Meister-BAföG“ aus einer Kombination

von günstig verzinstem Darlehen und Zuschuss. So erhalten Teilnehmer/innen an Teilzeit- oder Fernlehrgängen

einen Beitrag zu den Lehrgangskosten. Wird ein Vollzeitlehrgang besucht, kommt eine monatliche finanzielle

Unterstützung zum Lebensunterhalt hinzu.

Gefördert werden können Fachkräfte, die sich auf einen Abschluss als Industrie- oder Handwerksmeister/in

oder auf eine vergleichbare Qualifikation wie z.B. Fachkrankenschwester oder -pfleger, Techniker/in, Fachkauffrau/mann,

Betriebswirt/in oder Programmierer/in vorbereiten.

Mit der Rückzahlung des Darlehens muss spätestens sechs Jahre nach der ersten Auszahlung begonnen und

der Kredit innerhalb von zehn Jahren abgezahlt werden. Für die Zeit der Kindererziehung kann diese Frist

ausgesetzt oder können die Raten sogar erlassen werden, wenn das Einkommen der Darlehensnehmer eine

gewisse Grenze nicht übersteigt. Geförderten, die sich bis zu drei Jahre nach der Weiterbildung selbstständig

gemacht haben, kann einen Teil des Kredits erlassen werden.

5.4 MIGRANTINNEN UND MIGRANTEN

Förderungsberechtigt sind grundsätzlich Deutsche. Aber auch Ausländer haben Anspruch auf Meister-BAföG,

wenn sie über einen anerkannten Berufsabschluss verfügen, und

Förderung Beruflicher

Qualifizierung

<

<

<

Heimatlose, anerkannte Flüchtlinge oder Asylberechtigte sind,

ihren Wohnsitz in Deutschland haben und eine Niederlassungserlaubnis besitzen,

Abschiebungsschutz genießen,

41


<

<

ihren ständigen Wohnsitz in Deutschland haben und ein Elternteil oder die Ehefrau Deutsche bzw. der

Ehemann Deutscher ist,

Angehörige eines EU-/EWR-Staates sind,

sich vor Beginn der Weiterbildung mindestens drei Jahre in Deutschland aufgehalten haben und erwerbstätig

waren.

5.5 ANTRAGSVERFAHREN

Meister-BAföG wird beim Amt für Ausbildungsförderung der Kommune beantragt, in der man seinen ständigen

Wohnsitz hat. Die Förderung beginnt mit der Weiterbildung, allerdings frü-hestens ab dem Monat, in dem der

Antrag gestellt wurde. Eine rückwirkende Förderung ist nicht möglich, daher sollte man so früh wie möglich

Informationen einholen und den Förderantrag einreichen.

Hinweis

Telefonische Beratung erhält man unter der kostenlosen Rufnummer 08 00/6 22 36 34. Dort kann auch

die Broschüre „Das neue Aufstiegsfortbildungsförderungsgesetz (AFBG) – Gesetz und Beispiele“ bestellt

werden.

5.6 WEITERBILDUNG WÄHREND DER ARBEITSZEIT

Anspruch auf 5 Tage Bildungsurlaub pro Jahr haben nach §§ 2, 3 des Arbeitnehmerweiterbildungsgesetzes

(AWbG) Arbeiter und Angestellte, deren Beschäftigungsverhältnisse ihren Schwerpunkt in Nordrhein-Westfalen

haben, sowie Heimarbeiter, Gleichgestellte und arbeitnehmerähnliche Personen. Der Anspruch entsteht

nach einer Beschäftigungszeit von 6 Monaten und hängt von der Betriebsgröße, sein Umfang von eventueller

betrieblicher Weiterbildung ab. Für die Zeit des Bildungsurlaubs hat der Arbeitgeber die Arbeitsvergütung

fortzuzahlen.

5.7 FÖRDERUNG DURCH STEUERERSPARNIS

Der Staat erlaubt Steuerzahlern, Kosten für Studium, Weiterbildung und Umschulung von der Steuer abzusetzen.

Für den Steuerzahler bedeutet das: Er bezahlt weniger Steuern, behält mehr von seinem Einkommen

für sich und kann so die Kosten für die Aus- oder Weiterbildung zumindest teilweise bestreiten. In Rechnung

stellen können Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer grundsätzlich alle unmittelbaren Kosten: von Lehrgangsgebühren

über Ausgaben für Fahrten, Unterkunft, Lern- und Büromaterialien bis zu den anfallenden Zinsen,

wenn die Ausbildung über einen Kredit finanziert wird. Voraussetzung ist, dass das Finanzamt die Weiterbildung

anerkennt. Dies ist z.B. der Fall, wenn eine Weiterbildung in dem bereits ausgeübten Beruf besucht wird.

Kann schlüssig erklärt werden, dass in dem einst erlernten Beruf keine Perspektiven bestehen, können auch

Kosten für andere Weiterbildungen geltend gemacht werden.

Hinweis

Eine persönliche Beratung durch einen Steuerberater oder in einem Lohnsteuerhilfeverein ist zwar zunächst

mit Kosten verbunden, kann sich aber lohnen.

Förderung Beruflicher

Qualifizierung

42


Informelle berufliche

Kompetenzen anerkennen,

Potenziale besser erfassen

6

Informelle Kompetenzen

6.1 VERBESSERUNG DER ANERKENNUNG VON INFORMELLEN BERUFLICHEN KOMPETENZEN

Formell erworbenes Wissen veraltet im Zuge des technologischen Fortschritts immer schneller Es ist unumgänglich

geworden sich in den verschiedenen Berufen ständig fortzubilden und weiterzuqualifizieren, um sich

auf den aktuellen Stand zu bringen. Die Bedeutung von informellen Kompetenzen und Lernerfahrungen, die

im Laufe des Lebens gemacht werden, erlangen dagegen immer größere Bedeutung. Nachweislich werden

70 bis 80 Prozent der berufsrelevanten Kompetenzen in informellen Lernprozessen erworben. Gerade diese

Fähigkeiten der Menschen bleiben aber verborgen und werden kaum erfasst 4 .

6.2 EXTERNENPRÜFUNG

Informelles Wissen und Kompetenzen sowie berufliche Erfahrungen erfahren auf dem deutschen Arbeitsmarkt

gegenwärtig nicht dieselbe Wertschätzung wie formale Abschlüsse. Eines der wenigen Instrumente,

um informelle berufliche Kompetenzen und Potentiale sowie langjährige Erfahrungen, die im Inland oder

im Ausland erworben wurden, formal anzuerkennen und damit die Beschäftigungschancen der betroffenen

Personengruppe zu erhöhen, ist die Externenprüfung. Sie bietet Personen, welche sich in ihrem bisherigen

beruflichen Arbeitsbereich qualifizieren möchten, die Möglichkeit einen formalen Berufsabschluss zu erlangen.

Sie ist nicht geeignet für Personen, die sich neu orientieren möchten.

6.2.1 Zulassungsvoraussetzungen 5

Die Zulassungsvoraussetzungen sind geregelt in § 45 Abs. 2 Berufsbildungsgesetz bzw. § 37 Abs. 2 der

Handwerksordnung. Danach müssen Personen, die zu der Externenprüfung zugelassen werden möchten,

nachweisen, dass sie über ausreichende berufliche Praxis in dem Beruf verfügen, in dem die Prüfung abgelegt

werden soll. Dafür müssen sie mindestens das Eineinhalbfache der Zeit, die als Ausbildungszeit vorgeschrieben

ist, in dem Beruf gearbeitet haben. Hierbei wird auch Berufstätigkeit im Ausland berücksichtigt.

EXKURS

Informelle berufliche Kompetenzen

anerkennen, Potenziale besser erfassen

Die über Zeugnisse oder aussagekräftige Arbeitgeberbescheinigungen nachgewiesene Berufserfahrung

muss weitgehend den Inhalten der jeweiligen Verordnung über die Berufsausbildung entsprechen. Die

Prüfung

<

<

<

<

erfolgt nach den Vorgaben der jeweiligen Verordnung über die Berufsausbildung

hat das Ziel aufzuzeigen, dass theoretisches Wissen betriebspraktisch umgesetzt werden kann

deckt die gesamte inhaltliche Breite des Berufsbildes ab

ist mit der Abschlussprüfung der Auszubildenden identisch und vollkommen gleichwertig.

4 Vgl. Dehnbostel, Peter (2006): Bedeutung des Erfahrungswissens. Vortrag auf dem Europäischen Gesellentag am 25. November 2006 in Köln. Institut für Berufsbildung,

Weiterbildung und Telematik.

5 Vgl. Kathrin Mandt (2006): Externenprüfung – eine Chance zur Integration und beruflichen Anerkennung. Präsentation auf der Netzwerkkonferenz Industriebetriebe

des DGB Bildungswerks am 27.11.2006 in Düsseldorf. IHK zu Essen.

43


Für die Teilnahme an der Prüfung ist eine Prüfungsgebühr zu entrichten. Diese richtet sich nach der Gebührenverordnung

der jeweiligen Kammer und liegt zwischen 100 und 300 Euro.

Nachweislich

werden 70 bis 80

Prozent der berufsrelevanten

Kompetenzen in

informellen Lernprozessen

erworben.

6.2.2 Möglichkeiten der Vorbereitung auf die Abschlussprüfung

Durch die Teilnahme an Vorbereitungsmaßnahmen können Antragsteller ihre Chancen erhöhen, die Abschlussprüfung

mit Erfolg abzulegen. Dazu stehen unterschiedliche Angebote zur Auswahl:

<

<

<

<

<

Die regionalen Kammern oder privaten Bildungsträger bieten Prüfungsvorbereitungskurse für die

gängigen Berufe an.

Die Berufsschulen unterstützen bei der Wahl der Fachliteratur.

Einige Berufsschulen gestatten eine Teilnahme am Unterricht als Gasthörer.

Einige Bildungsträger bieten mehrmonatige Vorbereitungskurse in Vollzeit an. Die ARGEn und die

Arbeitsagenturen haben die Möglichkeit, die Kosten solcher Kurse zu übernehmen.

Unternehmen können die Vorbereitung mit gezielten Qualifizierungsmaßnahmen unterstützen.

Durch das erfolgreiche Absolvieren der Externenprüfung erwirbt der Teilnehmer einen vollwertigen Berufsabschluss.

Informelle berufliche Kompetenzen

anerkennen, Potenziale besser erfassen

„Blumen habe ich schon immer geliebt. Schon als Kind in

Vietnam. Jetzt hier in unserem Laden zu arbeiten, macht

mich ganz zufrieden. Der Laden ist ja wie ein Kind für

mich. Aber ich bin trotzdem immer noch traurig darüber,

dass ich nicht Ärztin werden konnte.“

Thu Tran Thi Thanh, 38, Floristin

44


potenziale besser

erfassen

7

pOTEnzIalE ERFassEn

Damit Menschen ihre eigenen Stärken und Entwicklungspotenziale besser erkennen können, ist es von besonderer

Bedeutung, informell erworbene berufliche Kompetenzen bei der Potenzialerfassung stärker zu berücksichtigen

als bisher. Dies stärkt nicht allein das Selbstbewusstsein und Selbstwertgefühl der Ratsuchenden,

sondern verbessert deren Chancen auf dem Arbeitsmarkt bzw. beim Zugang zu Qualifizierungsmaßnahmen

erheblich.

verfahren und instrumente zur

potenzialanalyse

berufliche

Handlungskompetenz

fachkompetenz

personalkompetenz

sozialkompetenz

Grafik: Berufliche Handlungskompetenz 6

Eine ganzheitlichen Kompetenzbilanzierung umfasst neben der Fachkompetenz auch die Personal- und Sozialkompetenzen.

Erst das Zusammenwirken dieser drei Kompetenzen macht berufliche Handlungskompetenz

möglich (vgl. auch Grafik).

Die Anwendung der ganzheitlichen Kompetenzbilanzierung in der beruflichen Beratung und Arbeitsvermittlung

kann dazu genutzt werden, neue Tätigkeitsfelder für die Kunden zu erschließen und somit das Spektrum der

6 Vgl. ebd.

45


Auswahl- und Einsatzmöglichkeiten dieser Menschen auf dem Arbeitsmarkt zu erhöhen. Darüber hinaus sind

Arbeitszufriedenheit, Motivation und Erfolg bei Beschäftigten, die nach ihren Fähigkeiten und Präferenzen

eingesetzt werden, deutlich höher.

Bei der Kompetenzbilanzierung ist darauf zu achten, dass sie nicht nur auf die beruflichen Erfahrungen beschränkt

bleibt, sondern verschiedene Bereiche des Lebens umfasst. Dazu gehören:

<

<

<

<

<

Arbeitstätigkeit

Aus-, Fort- und Weiterbildung

Familie

Ehrenamtliche Aktivitäten

Persönliches Netzwerk

Verfahren und Instrumente zur

Potenzialanalyse

Bei der Durchführung einer Kompetenzbilanzierung im Rahmen eines Beratungsprozesses können Ihnen

folgende Schritte behilflich sein:

<

<

<

<

<

<

<

<

<

<

<

Motivation des Ratsuchenden klären

Detaillierte Besprechung des Lebensprofils

Thematisierung wichtiger Lernerfahrungen

Konzentration auf die Stärken der Ratsuchenden

Feinanalyse der Fertigkeiten der Ratsuchenden

„Hausaufgabe“ zur Ausarbeitung der Fertigkeiten

Besprechung der Hausaufgabe und Ergänzung der Fertigkeiten

Ähnliche Fertigkeiten bündeln

Aus dem Pool der zusammengestellten Fertigkeiten „Kompetenzen“ herausarbeiten

Begriffe für Kompetenzen formulieren

Kompetenzen in vier Bereiche aufteilen

7.1 VERFAHREN UND INSTRUMENTE ZUR POTENZIALANALYSE

7.1.1 Talentkompasse NRW 7

Berufliche Fort- und Weiterbildung macht dann Sinn, wenn sie auf den Talenten des einzelnen Menschen

aufbauen und somit zu einer Steigerung der Kompetenz beitragen kann. Um die Talente des Individuums zu

erschließen, wurde in NRW der Ansatz des Talentkompasses entwickelt und verfolgt. Der Kompass hat zum

Ziel, Menschen bei der Bewältigung beruflicher Veränderungsprozesse zu unterstützen. Zur Zielgruppe gehören

sowohl diejenigen, die vor der Entscheidung für einen neuen Beruf oder eine neue Tätigkeit stehen, als auch

diejenige Personengruppe, die sich weiterbilden oder umschulen lassen möchte und hier auf Hilfe bei der beruflichen

Orientierung angewiesen ist. Die ersten Schritte bestehen darin, persönliche Merkmale, Fähigkeiten und

Interessen auszuwählen und zu gewichten, um eigene Potenziale und Talente bewusst zu machen. Im weiteren

Verlauf kommt es darauf an, übertragbare Fähigkeiten mit zentralen Interessen, Werten und Wünschen neu zu

kombinieren, um daraus Ideen für mögliche neue Tätigkeitsfelder zu entwickeln.

„Seit ich eine Sondergenehmigung für meinen Bäckereibetrieb

bekommen habe, kann ich nun meine Kekse nach

persischer Backtradition auch in Deutschland anbieten.

Und meine Kekse sind nicht nur zum Essen sondern auch

zum Wohlfühlen da.“

Ferdos Shirin Motedayen, 52, Geschäftsfrau

7 Rheinhard Völzke (2007): Gesellschaft für innovative Beschäftigungsförderung mbH, Bottrop.

46


Die Entwicklung des TalentKompass NRW basiert auf dem Konzept der übertragbaren Fähigkeiten. Von untergeordneter

Bedeutung ist der Prozess des Kompetenzerwerbs – es wird nicht unterschieden zwischen Fähigkeiten,

die durch formales, non-formales oder informelles Lernen erworben wurden. In den Blick genommen

werden vielmehr Fähigkeiten, die auf unterschiedliche Themen oder Aufgaben übertragen werden können.

Entscheidend ist, dass sich die Fähigkeiten im konkreten Handeln zeigen und durch erzählbare Beispiele aus

der eigenen Lebensgeschichte belegen lassen. Neben den Fähigkeiten werden Persönlichkeitsmerkmale, Werte,

Interessen und Wünsche an das private und berufliche Umfeld mit gleicher Intensität in die Betrachtung einbezogen

(in Anlehnung an die Konzeption von Sidney Fine 8 ). Die Gesamtheit aller Aspekte wird als Potenzial

verstanden, welches einer Person zur Verfügung steht.

Allzu oft bezieht sich der Begriff des Potenzials ausschließlich auf die gesellschaftliche oder berufliche Nützlichkeit

von Personen. Durch den Begriff des Talents soll demgegenüber die große Bedeutung von Begabungen,

Fähigkeiten, Persönlichkeitsmerkmalen und individuellen Interessen betont werden. Diese sind Ausdruck der

Lebensgeschichten von Menschen. Potenziale werden genutzt, Talente hingegen entfaltet und gefördert. Jeder

Mensch hat Talente, die sie oder er entfalten kann. In dieser Perspektive stellen Potenziale und Talente zwei

Seiten einer Medaille dar.

Neben den Fähigkeiten

werden

Persönlichkeitsmerkmale,

Werte,

Interessen und

Wünsche an das

private und berufliche

Umfeld mit

gleicher Intensität

in die Betrachtung

einbezogen.

Der TalentKompass NRW setzt einen beruflichen Veränderungswunsch bei den Nutzerinnen und Nutzern voraus.

Neben den Kompetenzen werden auch Werte, Interessen und Wünsche erfasst. Diese geben dem Einsatz

und der Entwicklung der Kompetenzen eine Richtung, die vom Individuum selbst ausgeht. Orientierung geben

hier nicht Entwicklungsdynamiken des Arbeitsmarktes, sondern die individuellen Vorstellungen der veränderungswilligen

Personen. Das Instrument ist somit interessenbasiert. Es leitet dazu an, in gewünschten Tätigkeitsfeldern

Gespräche mit dort bereits tätigen Personen zu führen. Kompetenzen werden nicht nur erfasst,

gewichtet und mit Werten, Interessen und Wünschen in Beziehung gesetzt, sondern auch eingesetzt. Deshalb

ist der TalentKompass ein geeignetes Instrument, um die Fähigkeiten und Interessen zu erkennen und einsetzen

zu können.

Verfahren und Instrumente zur

Potenzialanalyse

Für Einzelne oder Gruppen bietet das Instrument ein dialogisch angelegtes Verfahren, das im Wesentlichen

aus drei Schritten besteht, die auch als Teilziele verstanden werden können:

1

2

3

Wahrnehmen, Auswählen und Gewichten der Persönlichkeitsmerkmale, Fähigkeiten, Werte, Interessen

und Wünsche, um sich das eigene Potenzial, die eigenen Talente, bewusst zu machen

Neukombination übertragbarer Fähigkeiten mit zentralen persönlichen Werten, Interessen und Wünschen,

um individuelle Ideen für neue Tätigkeitsfelder und Gestaltungsmöglichkeiten zu generieren

Führen von Gesprächen im angestrebten Tätigkeitsfeld mit dort bereits beschäftigten Personen, um

Informationen für eine mögliche eigene Tätigkeit einzuholen und auf dieser Basis einen Aktionsplan

mit den nächsten Schritten aufzustellen.

Wie Sie das Verfahren in der Beratung nutzen können

Sie haben die Möglichkeit, den TalentKompass entweder mit dem Ratsuchenden gemeinsam durchzugehen

oder aber ihn dem Kunden weiterzuempfehlen. Wir raten dazu, den Ratsuchenden in den Talentkompass einzuführen,

so dass er selbst in der Lage ist, ihn anzuwenden. Sie sollten eine Frist setzen und eine verbindliche

Vereinbarung darüber treffen, wann der Kompass vom Kunden bearbeitet worden sein muss. Nutzerinnen

und Nutzer können auf diese Weise Orientierungswissen für private und berufliche Entscheidungssituationen

erlangen. Die Bewertung erfolgt anhand subjektiver Einschätzungen: Was mache ich gerne Was kann ich nach

eigener Einschätzung gut

Die Mappe mit dem TalentKompass NRW ist zurzeit vergriffen. Weitere Informationen erhalten sie bei der

Gesellschaft für innovative Beschäftigungsförderung mbH in NRW, Telefon: 02041 / 76 72 46.

Hinweis

8 Vgl. Bolles/Figler 1999 und Bolles 2004

47


Das ist mir wichtig

B.1 bis B.3

Da will ich hin

A.1 bis A.5

Tragen Sie Ihre Aussage

jeweils in das entsprechende Feld ein

Tragen Sie Ihre Aussage

jeweils in das entsprechende Feld ein

Verfahren und Instrumente zur zur

Potenzialanalyse

B.2

Meine Interessen

B.1

Mein Umfeld

B.3

Meine Werte

A.1

Persönliche

Merkmale

A.5

Meine

Kenntnisse

A.2

Umgang mit

Menschen

A.3

Umgang mit

Informationen

A.4

Umgang mit

Gegenständen

B.1

A.1

A.2

B.2

A.3

A.4

B.3

A.5

Auszug aus „Talentkompass“ – www.talentkompass.de

48


7.1.2 Komptenz-Erfassungs-Notebook (KEN)

Die webbasierte elektronische Anwendung „Kompetenz-Erfassungs-Notebook“ (KEN) zielt auf Kompetenzerfassung

im Prozess der Arbeit. Sie wird gemeinsam mit Beschäftigungs- und Qualifizierungsunternehmen entwickelt.

Zielgruppe sind erwachsene Migrantinnen und Migranten. Neben der Bündelung der erfassten Kompetenzen

im Lebenslauf vermag KEN individuelle Entwicklungen aufzuzeigen und Stärken sichtbar zu machen.

Als Referenzrahmen dient das deutsche Berufsbildungssystem: Orientiert an ausgewählten deutschen Ausbildungsberufen

und ergänzend ausgewählten akademischen Tätigkeitsprofilen mit den entsprechenden fachlichen

Anforderungen werden Kompetenzen eingeordnet und dargestellt. Gerade für eine Aufarbeitung, Erfassung

und Darstellung von Kompetenzen, über die Migranten und Migrantinnen verfügen, ist es sinnvoll, die

gesamte Biografie in den Blick zu nehmen. Erfasst werden sollen alle Erfahrungen, Fähigkeiten, Kenntnisse und

Qualifikationen einschließlich derjenigen, die außerhalb des deutschen Bildungssystems erworben wurden,

sowie die in den Beschäftigungs- und Qualifizierungsunternehmen erworbenen Kompetenzen.

KEN unterstützt bei der Dokumentation von Kompetenzen und liefert eine aufbereitete Darstellung in Form

eines „Lebenslaufs“, der sich am Europass-Lebenslauf orientiert. Dabei werden zwei Gruppen gebildet: (berufs-)

fachliche Kompetenzen, die in der aktuellen Situation oder in früheren Tätigkeiten (nicht nur Berufstätigkeiten,

sondern auch Tätigkeiten z.B. in Familie, Ehrenamt oder Hobby) erworben worden sind bzw. erworben werden,

sowie personale und soziale Kompetenzen – also Fähigkeiten und Kenntnisse, die berufsübergreifend sind.

Wie Sie das Instrument in der Beratung nutzen können

KEN kann Sie in der Beratungsarbeit mit dem Infopool unterstützen: dort sind Informationen zur Anerkennung

nicht in Deutschland erworbener Abschlüsse zusammengestellt. Darüber hinaus haben Sie die Möglichkeit, mit

dem Ratsuchenden gemeinsam die verschiedenen Bereiche der Kompetenzerfassung durchzugehen und eine

Zusammenstellung vorhandener Kompetenzen vorzunehmen.

Verfahren und Instrumente zur

Potenzialanalyse

Die Anwendung KEN ist Ende Mai 2007 fertig gestellt worden. Wenn Sie Informationen wünschen, können

Sie sich mit der Projektkoordination bei der Bundesarbeitsgemeinschaft Arbeit in Verbindung setzen.

Hinweis

Entwicklung: Bundesarbeitsgemeinschaft Arbeit e.V., Berlin in Kooperation mit ProBeruf e.V., Berlin und Werkstatt

Frankfurt-Gesellschaft für Vermittlung in Arbeit, Frankfurt am Main

49


8 Anhang

Ergänzungen

8.1 ÜBERSICHT DER EMPFEHLUNGEN

8.1.1 Zur Umsetzung in der Beratungsarbeit

Interkulturelle Personalstrukturen in der Beratungsarbeit fördern

Interkulturelle und sprachliche Kompetenzen von Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen müssen vermehrt in die

Beratungsarbeit einfließen, um sprachliche und kulturelle Barrieren zu senken und die Erreichbarkeit von Migrantinnen

und Migranten zu verbessern. Eine Erhöhung des Fachkräfteanteils mit und ohne Migrationshintergrund,

der interkulturelle und sprachliche Kompetenzen einbringt, sollte angestrebt werden.

Die Besetzung frei werdender Stellen in Einrichtungen der beruflichen Beratung mit Fachpersonal, das über

interkulturelle und sprachliche Kompetenzen sowie ggf. Migrationserfahrung verfügt, ist anzustreben. Dazu ist

u.a. eine Abänderung entsprechender Anforderungsprofile im Rahmen von Stellenausschreibungen notwendig.

Interkulturelle Kompetenz sollte in Stellenprofilen ausdrücklich als notwendige Voraussetzung (Einstellungsmerkmal)

festgeschrieben werden. Bei der Aus-, Fort- und Weiterbildung des Beratungspersonals (Mitarbeiter

und Führungskräfte) sind migrationsspezifische Aspekte besonders zu berücksichtigen.

Die Beratungspraxis für Migrantinnen und Migranten sollte grundsätzlich so niederschwellig wie möglich angelegt

sein.

Informationsmaterial mehrsprachig anbieten

Informationsmaterial für Migrantinnen und Migranten sollte nach Zielgruppen differenziert, für die jeweilige

Migrantinnen- und Migrantengruppe verständlich sowie kultursensibel gestaltet sein. Dabei sind Mittel und

Methoden auszuwählen, welche die Betroffenen, ihre Angehörigen und ihr soziales Umfeld erreichen. Zur Optimierung

des Beratungsangebotes sind vorhandene Netzwerke unter Beteiligung der Industrie, des Handwerks,

der öffentlichen Verwaltungen, der ARGEn einzubinden. So kann es z.B. sinnvoll sein, MultiplikatorInnen aus

den Migranten-Communities gezielt zu werben bzw. zu informieren und in die Beratungsarbeit einzubeziehen.

Nach Möglichkeit sind auch Informationen in den Herkunftssprachen anzubieten.

8.1.2 Zum Thema Anerkennung

Drittstaatsangehörige, die ihre Qualifikation in einem EU-Mitgliedstaat erworben haben,

gleichbehandeln

Bei der Übernahme der EU-Richtlinie 2005/36/EG in die nationalen Gesetzgebungen ist eine Gleichbehandlung

von Drittstaatsangehörigen, die ihre berufliche Qualifikation in einem EU-Land erworben haben, und

den Staatsbürgern der EU-Mitgliedsländer anzustreben. Für die Anwendung der EU-Anerkennungsrichtlinie soll

maßgeblich sein, ob der Bildungsnachweis in einem Mitgliedstaat erlangt wurde, nicht aber die Staatsbürgerschaft.

50


Anhang

Einheitliche Regelung der Anerkennung von Bildungsabschlüssen aus Drittstaaten

Angesichts der durch die EU-Anerkennungsrichtlinie verfolgten Ziele, u.a. Förderung der Arbeitnehmendenmobilität,

und der Tatsache, dass Drittstaatsangehörige einen bedeutenden Anteil der Bevölkerung in vielen EU-

Staaten bilden, sowie angesichts der steigenden Neuzuwanderung in die EU-Länder erscheint eine EU-Richtlinie

notwendig, welche die Anerkennung von Bildungsnachweisen aus Drittstaaten einheitlich regelt.

Informationsstrukturen optimieren

Handlungsempfehlung: Einrichtung einer mehrsprachigen Hotline, weite Verbreitung und Übersetzung des

Wegweisers für die Anerkennung von im Ausland erworbenen beruflichen Qualifikationen, mehrsprachige Informationsflyer

und Broschüren, kürzere Anerkennungszeiten, Zentralisierung von spezialisierten Beratungseinrichtungen

(Beispiel: eine zentrale Beratungsstelle für Handwerks-, eine für IHK-Berufe), Schaffung von transnationalen

Datenbanken, etc.

Bewertungsverfahren von ausländischen Bildungsnachweisen verbessern und die

Transparenz erhöhen

Handlungsempfehlung: Aufbau von umfassenden, europaweiten Datenbanken mit Informationen zu den Ausbildungsgängen,

Verbesserung des Angebots und des Zugangs zu Nachqualifizierungsmaßnahmen, Ergänzungsstudiengängen

sowie zu Anpassungslehrgängen.

Unternehmen von der Bedeutung der Anerkennung von im Ausland erworbenen Qualifikationen

überzeugen

Die Anerkennung informell erworbener beruflicher Kompetenzen kann insbesondere für langjährig erfahrene,

aber an- und ungelernte Beschäftigte unmittelbare positive Folgen für die Einkommenssituation haben. Dies

gilt mithin auch für die nachträgliche Anerkennung von im Ausland erworbenen beruflichen Qualifikationen bei

bereits bestehenden Beschäftigungsverhältnissen.

51


8.2 Glossar

Glossar

AFBG

Das Aufstiegsfortbildungsförderungsgesetz, auch „Meister-BAföG“ genannt, gewährt eine finanzielle Unterstützungsleistung

zur beruflichen Aufstiegsfortbildung bzw. zur Existenzgründung. Das AFBG stellt ein Förderinstrument

zur beruflichen Fortbildung dar und gilt grundsätzlich in allen Berufsbereichen, einschließlich

der Gesundheits- und Pflegeberufe. Voraussetzung für die Leistung ist u.a., dass die Antragstellerinnen und

Antragsteller noch nicht über eine berufliche Qualifikation verfügen, welche dem angestrebten Fortbildungsabschluss

mindestens gleichwertig ist. Eine Altergrenze gibt es nicht.

Allgemeine Hochschulreife

Arbeitslosengeld II

(ALG II)

ARGEn

Ausländer

BaföG

Bilaterale

Abkommen

Bildungsgutschein

(BGS)

Bildungsinländer

Bildungsurlaub

Deutscher

Die allgemeine Hochschulreife berechtigt zum Studium aller Fachrichtungen an allen Hochschulen der Bundesrepublik

Deutschland. Man erwirbt sie beispielsweise mit dem Abitur, in der Regel aber auch durch den

Abschluss eines Studiums an einer Fachhochschule.

Das Arbeitslosengeld II (ALG II) wurde in Deutschland zum 1. Januar 2005 durch das so genannte „Hartz-IV-

Gesetz“ eingeführt, weshalb es umgangssprachlich oft als „Hartz IV“ bezeichnet wird. Das Arbeitslosengeld II

ist die Grundsicherungsleistung für erwerbsfähige Hilfebedürftige. Es wird durch das Sozialgesetzbuch II (SGB

II) geregelt. Im Arbeitslosengeld II werden die frühere Arbeitslosenhilfe sowie die Sozialhilfe auf Leistungsniveau

des Existenzminimums zusammengefasst. (siehe auch SGB II bzw. SGB III)

Im Bereich der Leistungen zur Grundsicherung für Arbeitsuchende (Arbeitslosengeld II) können Arbeitsagenturen

der Bundesagentur für Arbeit sowie kommunale Träger Arbeitsgemeinschaften bilden, die als ARGE

bezeichnet werden. Die Rechtgrundlage dazu findet sich in § 44b SGB II. Die Bezeichnungen der ARGEn sind

bundesweit nicht einheitlich. Im Gegensatz zu den Arbeitsagenturen sind die ARGEn meist lokal präsent und

nicht zentral verwaltet.

Rechtlich gelten in Deutschland sämtliche Personen bzw. Personengruppen, die nicht die deutsche Staatsangehörigkeit

besitzen, als Ausländer (siehe auch „Deutscher“).

Das Bundesausbildungsförderungsgesetz stellt die gesetzliche Grundlage für die finanzielle Förderung von

Studierenden dar. Informationen dazu geben die BAföG-Ämter der Studentenwerke.

Als bilaterale Abkommen bezeichnet man verbindliche Vereinbarungen zwischen zwei verschiedenen Staaten.

Der Bildungsgutschein ist seit dem 1. Januar 2003 Bestandteil des deutschen Bildungssystems. Es handelt

sich um eine schriftliche Zusage der Bundesagentur für Arbeit, Kosten einer Weiterbildungsmaßnahme zu

übernehmen. Gesetzlich geregelt ist dies in § 77 Abs. 3 SGB III und § 16 Abs. 1 SGB II. Ab dem Zeitpunkt seiner

Ausstellung gilt der Gutschein maximal 3 Monate lang bis zum Beginn der Weiterbildungsmaßnahme. Die

Erteilung des Bildungsgutscheins liegt im Ermessen des Arbeitsvermittlers, d.h. der Arbeitsvermittler kann den

Bildungsgutschein bei Notwendigkeit einer Weiterbildung zur nachhaltigen Eingliederung des Arbeitslosen in

den ersten Arbeitsmarkt vergeben, ist aber nicht dazu verpflichtet.

Ausländerinnen, Ausländer und Staatenlose, die eine deutsche Hochschulzugangsberechtigung besitzen, gelten

als Bildungsinländer.

Der Bildungsurlaub (auch: Bildungsfreistellung) ist eine besondere Form des Urlaubs, welche der beruflichen

oder politischen Weiterbildung und nicht der Erholung dient. Der Bildungsurlaub ist nicht bundeseinheitlich

geregelt. Vielmehr gelten landesspezifische Regelungen. Gewöhnlich ergibt sich daraus ein Anspruch auf

Freistellung für fünf Arbeitstage pro Jahr. Der Freistellungsanspruch ist in der Regel auf Themen der politischen

und beruflichen Bildung beschränkt. Bildungsurlaub wird in Nordrhein-Westfalen durch das Arbeitnehmerweiterbildungsgesetz

NRW geregelt.

Rechtlich ist gemäß Artikel 116 Absatz 1 des Grundgesetzes jeder als Deutscher zu betrachten, der, vorbehaltlich

anderweitiger gesetzlicher Regelungen, die deutsche Staatsangehörigkeit besitzt oder als Flüchtling

oder Vertriebener deutscher Volkszugehörigkeit oder als dessen Ehegatte oder Abkömmling in dem Gebiete

des Deutschen Reiches nach dem Stande vom 31. Dezember 1937 Aufnahme gefunden hat. Als Deutsche

gelten somit auch Eingebürgerte oder Spätaussiedler i.S. des BVFG. Vereinfacht kann man festhalten, dass

zumindest jede Person mit deutscher Staatsangehörigkeit im rechtlichen Sinne als Deutsche gilt.

52


DGB-Bildungswerk

e.V.

Drittstaatsangehörige

Duale Ausbildung

EU-Richtlinien

EQUAL

Externenprüfung

Formales Lernen

Gleichwertigkeit,

formelle

Gleichwertigkeit,

funktionelle

Gleichwertigkeit,

materielle

Handwerksrolle

Informelles Lernen

Das DGB Bildungswerk ist die bundesweite Organisation des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) für die

allgemeine, politische, berufliche und gewerkschaftliche Wissensvermittlung und Weiterbildung.

Drittstaatsangehörige (auch: Drittausländer) sind Ausländer, die weder EU-, EWR-Bürger, noch Schweizer sind.

Mit dualer Ausbildung wird verkürzt das duale Berufsausbildungssystem in der Bundesrepublik Deutschland

bezeichnet. Darunter versteht man die einheitliche berufliche Ausbildung in einem Betrieb und in der Berufsschule.

Die Voraussetzung für eine Berufslehre im dualen System ist ein Berufsausbildungsvertrag mit einem

Betrieb. Der praktische Teil der Ausbildung wird dem Auszubildenden im Betrieb, der theoretische Teil in der

Berufsschule vermittelt. Die Ausbildung ist rechtlich nicht an einen Schulabschluss gebunden.

EU-Richtlinien sind Rechtsakte der Europäischen Union, welche sich an die Mitgliedstaaten richten und diese

zur Verwirklichung eines bestimmten vorgegebenen Ziels verpflichten. Richtlinien sind die häufigste Form, in

der europäisches Recht gesetzt wird. Im Gegensatz zu Verordnungen haben die Mitgliedstaaten bei der Umsetzung

der Richtlinie einen gewissen Spielraum, weshalb von Richtlinien weit häufiger Gebrauch gemacht

wird als von Verordnungen. Sofern die Richtlinie die Einführung konkreter Rechte und Pflichten fordert, muss

das nationalstaatliche Recht, welches der Umsetzung dient, entsprechend konkrete Rechte und Pflichten

begründen. Nach deutschem Recht ist daher zur Umsetzung grundsätzlich ein förmliches Gesetz bzw. eine

Verordnung erforderlich.

Die aus dem Europäischen Sozialfonds geförderte Gemeinschaftsinitiative EQUAL zielt darauf ab, neue Wege

zur Bekämpfung von Diskriminierung und Ungleichheiten von Arbeitenden und Arbeitsuchenden auf dem

Arbeitsmarkt zu erproben. Die Entwicklungspartnerschaft ProQualifizierung ist ein solches EQUAL-Projekt.

Personen, die keine Berufsausbildung absolviert haben, wird ermöglicht, als sogenannte Externe an einer Gesellen-

bzw. Abschlussprüfung teilzunehmen und so die formale Facharbeiterqualifikation zu erwerben. Hierfür

müssen jedoch bestimmte Voraussetzungen erfüllt sein. Näheres sowie die Zulassungsvoraussetzungen

finden sich in § 37 der Handwerksordnung bzw. in Teil D dieses Wegweisers.

Unter formalem Lernen ist das üblicherweise in einer Bildungs- oder Ausbildungseinrichtung stattfindende

und in Bezug auf Lernziele, Lernzeit oder Lernförderung strukturierte Lernen zu verstehen, welches letztlich zu

einer Zertifizierung führt. Aus der Sicht des Lernenden ist das formale Lernen stets zielgerichtet.

Zur Feststellung der formellen Gleichwertigkeit eines ausländischen Bildungsnachweises ist der Nachweis

erforderlich und hinreichend, dass es sich um eine förmliche Prüfung oder einen Befähigungsnachweis mit

öffentlich anerkannter Berechtigung handelt. Eine Identität der Prüfungsverfahren, -methoden oder Zusammensetzung

der Prüfungsausschüsse ist nicht erforderlich.

Zur funktionellen Gleichwertigkeit eines ausländischen Abschlusses ist erforderlich, dass die Gleichwertigkeit

im Sinne gleicher beruflicher Qualifikation in der Wahrnehmung gleicher sozialer, wirtschaftlicher oder

staatlicher Aufgaben vorliegt, so das OVG Koblenz in seiner Entscheidung vom 29.07 1960 (AZ: 2 C 2 /58).

Die funktionelle Gleichwertigkeit ist der maßgebliche Gesichtspunkt, welcher die beiden anderen Aspekte

(formelle und materielle Gleichwertigkeit) zurücktreten lässt.

Zur Feststellung der materiellen Gleichwertigkeit eines ausländischen Bildungsnachweises ist erforderlich,

dass die Inhalte der Ausbildung im Ausland und in Deutschland insoweit übereinstimmen, dass noch von

einer Vergleichbarkeit gesprochen werden kann. Dieses Kriterium ist grundsätzlich sehr weit auszulegen (Eingliederungs-

und Bestandsschutzgedanke). Eine engere Auslegung ist aber erforderlich, wenn die Folge der

Anerkennung beispielsweise die Erlaubnis zum Umgang mit Gefahrstoffen ist (Schutz der Allgemeinheit).

Die Handwerksrolle ist das Verzeichnis sämtlicher Inhaber eines zulassungspflichtigen Handwerksbetriebes in einem

Handwerkskammerbezirk. Die Handwerksrolle wird von der Handwerkskammer geführt. In die Handwerksrolle

wird grundsätzlich nur eingetragen, wer in dem zu betreibenden Handwerk die Meisterprüfung bestanden hat.

Unter informellem Lernen ist ein Lernvorgang zu verstehen, welcher im Alltag, am Arbeitsplatz, im Familienkreis

oder in der Freizeit stattfindet. Er ist in Bezug auf Lernziele, Lernzeit oder Lernförderung nicht strukturiert

und führt in der Regel nicht zu einer Zertifizierung. Das informelle Lernen kann zielgerichtet sein, es geschieht

jedoch in den meisten Fällen eher indiziert bzw. beiläufig.

Glossar

53


Glossar

Integrationskurs

Interkulturelle

Kompetenz

Kompetenzfeststellungsverfahren

Kontingentflüchtlinge

Meister-BAföG

Menschen mit Migrationshintergrund

Mikrozensus

Nichtformales

Lernen

PISA

Der Integrationskurs ist eine Maßnahme für Ausländerinnen und Ausländer in Deutschland zum Erwerb

deutscher Sprachkenntnisse. Gesetzlich geregelt werden Integrationskurse durch die sog. Integrationskursverordnung

(IntV). Durch das Aufenthaltsgesetz können Teilnehmerinnen und Teilnehmer zum Besuch des

Deutschkurses verpflichtet werden. Die Kosten der Kurse trägt im Wesentlichen das Bundesamt für Migration

und Flüchtlinge (BAMF), wobei die Teilnehmerinnen und Teilnehmer pro Stunde zumindest 1 € bezahlen müssen,

sofern sie nicht von diesen Zahlungen befreit sind (z.B. Sozialhilfeempfänger). Der Sprachkurs vermittelt

Deutschkenntnisse bis zum sog. Niveau B1 und schließt im Idealfall mit der Prüfung „Zertifikat Deutsch“

ab. In 30 zusätzlichen Stunden werden den Kursteilnehmern geschichtliche, gesellschaftliche und kulturelle

Kenntnisse über Deutschland vermittelt, um ihnen beispielsweise den Umgang mit Mitbürgern und Behörden

zu erleichtern.

Es gibt zahlreiche Definitionen der interkulturellen Kompetenz. Aus Gründen der Vereinfachung möchten wir

interkulturelle Kompetenz hier zusammenfassend als die Summe aller Kenntnisse, Fähigkeiten sowie Befugnisse

bezeichnen, die notwendig sind, um mit Menschen anderer Herkunft und unterschiedlicher kultureller

Prägung zurechtzukommen.

Kompetenzfeststellungsverfahren (auch: Profilings) sind Verfahren zur Erfassung sowohl formal erworbener

als auch informeller Kompetenzen. Die Ergebnisse eines Kompetenzfeststellungsverfahrens können beispielsweise

dazu beitragen geeignete Weiterbildungsmaßnahmen für eine Person zu ermitteln. Es gibt eine Vielzahl

von Anbietern von Kompetenzfestellungsverfahren und keine einheitlichen Standards. Das Netzwerk IQ vereint

derzeit viele Institutionen und Experten, um eine bundes- bzw. europaweite Vereinheitlichung zu fördern.

Ziel sind möglichst großflächig anerkannte Verfahren, die auch besondere Fähigkeiten von Zugewanderten

erfassen und die von Arbeitgebenden anerkannt werden.

Bei Kontingentflüchtlingen handelt es sich um eine Sondergruppe unter den Ausländern. Kontingentflüchtlinge

erhalten nach der Aufnahme in Deutschland eine unbefristete Aufenthaltserlaubnis sowie die Rechtsstellung

von Flüchtlingen, wodurch sie einen besonderen Ausweisungsschutz genießen.

Seit 1991 haben jüdische Emigranten aus der ehemaligen Sowjetunion die Möglichkeit, als Kontingentflüchtlinge

nach Deutschland einzureisen. Grundlage hierfür ist ein Beschluss der Innenministerkonferenz vom

09.01.1991, nach dem das HumHAG (Gesetz über Maßnahmen für im Rahmen humanitärer Hilfsaktionen

aufgenommene Flüchtlinge) auf diesen Personenkreis entsprechende Anwendung findet.

(siehe AFBG)

Der Migrationshintergrund ist ein Ordnungskriterium zur Beschreibung einer Bevölkerungsgruppe. Mit dieser

Begrifflichkeit wurden die Kategorien der deutschen und ausländischen Staatsangehörigkeit um Elemente

wie z.B. Erziehung, Sprachzugehörigkeit u.ä. erweitert. Das Statistische Bundesamt hat mit dem Mikrozensus

2005 damit begonnen, Daten zu Personen mit Migrationshintergrund zu erheben. Die Statistischen

Landesämter haben sich ebenfalls angeschlossen.

Personen mit Migrationshintergrund sind danach

< zugewanderte Ausländer, Spätaussiedler und eingebürgerte Ausländer, die selber zugewandert sind,

< Personen ohne eigene Migrationserfahrung, die in Deutschland geborenen Kinder zugewanderter Ausländer

unabhängig von ihrer Staatsangehörigkeit sowie

< Kinder zugewanderter Spätaussiedler

Der Mikrozensus ist eine statistische Erhebung, welche in Deutschland durch das Statistische Bundesamt und

die Statistischen Landesämter durchgeführt wird.

Das nichtformale Lernen findet nicht in Bildungs- oder Berufsbildungseinrichtungen statt und führt üblicherweise

nicht zur Zertifizierung. Gleichwohl ist es in Bezug auf Lernziele, Lerndauer und Lernmittel systematisch

strukturiert. Auch das nichtformale Lernen ist aus Sicht der Lernenden zielgerichtet.

Kurzform für das „Programme for International Student Assessment“ der OECD. Dabei handelt es sich um

eine Studie, welche zum Ziel hat, alltagsrelevante Kenntnisse und Fähigkeiten 15-jähriger Schüler zu messen.

Die PISA-Studien werden seit 2000 in dreijährigem Turnus in den meisten Mitgliedstaaten der OECD durchgeführt.

54


Pro Qualifizierung

RAA

Reglementierte

Berufe

SGB II

SGB III

Spätaussiedler

Studienkolleg

Die Entwicklungspartnerschaft Pro Qualifizierung wird von sieben Projektträgern im Rahmen von 11 Teilprojekten

verwirklicht. Sie alle arbeiten gemeinsam an ihrem Ziel der Beschäftigungssicherung von Menschen

mit Migrationshintergrund im Alter von 25+. Die Projektträger sind: DGB Bildungswerk e.V., Diên Hông e.V.,

IGR Elan e.V., IQ-Consult gGmbH, MOZAIK – gemeinnützige Gesellschaft für Interkulturelle Bildungs- und

Beratungsangebote mbH, Westdeutscher Handwerkskammertag (WHKT), Zentralstelle für die Weiterbildung

im Handwerk (ZWH).

Die Abkürzung steht für „Regionale Arbeitsstelle zur Förderung von Kindern und Jugendlichen aus Zuwandererfamilien“.

Die RAA werden in NRW gefördert vom Ministerium für Generationen, Familie, Frauen und

Integration sowie vom Ministerium für Schule und Weiterbildung des Landes NRW und den jeweiligen Kommunen

bzw. Kreisen. Mit ihren Angeboten in der Elementarerziehung, in der Schule und beim Übergang von

der Schule in den Beruf möchten die RAA die Bildungschancen für Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund

fördern und sich für eine gleichberechtigte Teilhabe der Migrantinnen und Migranten in allen

gesellschaftlichen Bereichen einsetzen.

Zu den reglementierten Berufen zählen alle Tätigkeiten, deren Aufnahme oder Ausübung rechtlich an ein

Diplom bzw. an einen anderen Befähigungsnachweis gebunden ist. Nach deutschem Recht fallen darunter

insbesondere die freien Berufe wie Ärzte, Zahnärzte, Tierärzte, Apotheker, Rechtsanwälte, Steuerberater, Wirtschaftsprüfer

oder Psychotherapeuten. Ebenfalls einbezogen sind Berufe, die grundsätzlich nicht reguliert

sind, bei denen aber die Führung eines bestimmten Titels von Voraussetzungen abhängig gemacht wird,

beispielsweise Architekten, (beratende) Ingenieure, Physiotherapeuten, Ergotherapeuten und Logopäden.

Das Sozialgesetzbuch II (SGB II) ist das Gesetz, welches die Grundsicherung für Arbeitsuchende in der Bundesrepublik

Deutschland regelt. (siehe auch Arbeitslosengeld II)

Das Sozialgesetzbuch III (SGB III) ist das Gesetz, welches das deutsche Arbeitsförderungsrecht regelt. Das SGB

III bestimmt sämtliche Leistungen und Maßnahmen zur Arbeitsförderung und ist damit die Grundlage für die

Arbeit der Bundesagentur für Arbeit.

Laut § 4 des Bundesvertriebenengesetzes (BVFG) ist ein Spätaussiedler in der Regel ein deutscher Volkszugehöriger,

der die Republiken der ehemaligen Sowjetunion nach dem 31. Dezember 1992 im Wege des

Aufnahmeverfahrens verlassen und innerhalb von sechs Monaten im Geltungsbereich des Gesetzes seinen

ständigen Aufenthalt genommen hat, wenn er zuvor

1. seit dem 8. Mai 1945 oder

. nach seiner Vertreibung oder der Vertreibung eines Elternteils seit dem 31. März 1952 oder

. seit seiner Geburt, wenn er vor dem 1. Januar 1993 geboren ist und von einer Person abstammt, die

die Stichtagsvoraussetzung des 8. Mai 1945 nach Nummer 1 oder des 31. März 1952 nach Nummer

2 erfüllt, es sei denn, dass Eltern oder Voreltern ihren Wohnsitz erst nach dem 31. März 1952 in die

Aussiedlungsgebiete verlegt haben,

seinen Wohnsitz in den Aussiedlungsgebieten hatte.

Spätaussiedler ist auch ein deutscher Volkszugehöriger aus den Aussiedlungsgebieten des § 1 Abs. 2 Nr. 3

außer den in Absatz 1 genannten Staaten, der die übrigen Voraussetzungen des Absatzes 1 erfüllt und glaubhaft

macht, dass er am 31. Dezember 1992 oder danach Benachteiligungen oder Nachwirkungen früherer

Benachteiligungen auf Grund deutscher Volkszugehörigkeit unterlag.

Der Spätaussiedler ist Deutscher im Sinne des Artikels 116 Abs. 1 des Grundgesetzes. Ehegatten oder Abkömmlinge

von Spätaussiedlern, die nach § 27 Abs. 1 Satz 2 in den Aufnahmebescheid einbezogen worden

sind, erwerben, sofern die Einbeziehung nicht unwirksam geworden ist, diese Rechtsstellung mit ihrer Aufnahme

im Geltungsbereich des Gesetzes.

Studienkollegs sind staatliche Bildungseinrichtungen, die es in sämtlichen Bundesländern der Bundesrepublik

Deutschland gibt. Studienbewerber mit einer ausländischen Hochschulzugangsberechtigung, die nicht als mit

dem deutschen Abitur gleichwertig gilt, können sich dort auf ein wissenschaftliches Studium an einer deutschen

Hochschule vorbereiten. Ob ein Studienkolleg besucht werden muss oder ob der ausländische Student

über einen direkten Hochschulzugang verfügt, entscheidet grundsätzlich die Zeugnisanerkennungsstelle der

gewählten Hochschule.

Glossar

55


8.3 ADRESSEN DER HANDWERKSKAMMERN IN NRW

Adressen

Handwerkskammer Aachen

(Aachen, Kreise: Aachen, Düren, Euskirchen und

Heinsberg)

Sandkaulbach 21

52062 Aachen

Telefon: 0241 / 471-0

Telefax: 0241 / 471-103

Handwerkskammer Düsseldorf

(Düsseldorf, Duisburg, Essen, Krefeld, Mönchengladbach,

Mülheim/Ruhr, Oberhausen, Remscheid, Solingen

und Wuppertal, Kreise: Kleve, Mettmann, Neuss,

Viersen und Wesel)

Georg-Schulhoff-Platz 1

40221 Düsseldorf

Telefon: 0211 / 87 95-0

Telefax: 0211 / 87 95-110

Handwerkskammer Arnsberg

(Kreis: Olpe, Siegen, Hochsauerlandkreis,

Märkischer Kreis)

Brückenplatz 1

59821 Arnsberg

Telefon: 02931 / 877-0

Telefax: 02931 / 877-160

Handwerkskammer Ostwestfalen-Lippe

zu Bielefeld

(Bielefeld, Kreise: Gütersloh, Herford, Höxter,

Lippe, Minden-Lübbecke und Paderborn)

Obernstraße 48

33602 Bielefeld

Telefon: 0521 / 56 08-0

Telefax: 0521 / 56 08-199

Handwerkskammer Dortmund

(Bochum, Dortmund, Hagen, Hamm, Herne,

Kreise: Soest, Unna, Ennepe-Ruhr)

Reinoldistraße 7 - 9

44135 Dortmund

Telefon: 0231 / 54 93-0

Telefax: 0231 / 54 93-116

Handwerkskammer zu Köln

(Bonn, Köln, Leverkusen, Kreise: Rhein-Erft, Oberberg,

Rhein-Berg, Rhein-Sieg)

Heumarkt 12

50667 Köln

Telefon: 0221 / 20 22-0

Telefax: 0221 / 20 22-320

Handwerkskammer Münster

(Bottrop, Gelsenkirchen, Münster, Kreise: Borken,

Coesfeld, Recklinghausen, Steinfurt, Warendorf)

Bismarckallee 1

48151 Münster

Telefon: 0251 / 52 03-0

Telefax: 0251 / 52 03-106

8.4 ADRESSEN DER INDUSTRIE- UND HANDELSKAMMERN IN NRW

Industrie- und Handelskammer zu Aachen

(Kreise: Düren, Euskirchen, Heinsberg)

Theaterstraße 6 - 8

52062 Aachen

Telefon: 0241 / 44 60-0

Telefax: 0241 / 44 60-259

Industrie- und Handelskammer für das

südöstliche Westfalen zu Arnsberg

(Hochsauerlandkreis, Kreis Soest)

Königstraße 18-20

59821 Arnsberg

Telefon: 02931 / 878 0

Telefax: 02931 / 878 100

Industrie- und Handelskammer Essen, Mülheim

(Ruhr) und Oberhausen zu Essen

Am Waldthausenpark 2

45127 Essen

Telefon: 0201 / 18 92-0

Telefax: 0201 / 18 92-172

Südwestfälische Industrie- und Handelskammer

zu Hagen

(Hagen, Ennepe-Ruhr-Kreis, Märkischer Kreis)

Bahnhofstraße 18

58095 Hagen

Telefon: 02331 / 390 0

Telefax: 02331 / 135 86

56


Industrie- und Handelskammer Ostwestfalen

zu Bielefeld

(Bielefeld, Kreise: Gütersloh, Herford, Höxter,

Minden-Lübbecke, Paderborn)

Elsa-Brandström-Straße 1-3

33602 Bielefeld

Telefon: 0521 / 554-0

Telefax: 0521 / 554-219

Industrie- und Handelskammer zu Köln

(Köln, Leverkusen, Erftkreis, Rheinisch-Bergischer

Kreis, Oberbergischer Kreis)

Unter Sachsenhausen 10-26

50667 Köln

Telefon: 0221 / 16 40-0

Telefax: 0221 / 16 40-129

Adressen

Industrie- und Handelskammer zu Bochum

(Bochum, Dortmund Duisburg, Essen)

Ostring 30-32

44787 Bochum

Telefon: 0234 / 91 13-0

Telefax: 0234 / 91 13-110

Industrie- und Handelskammer

Bonn/Rhein-Sieg

Bonner Talweg 17

53113 Bonn

Telefon: 0228 / 22 84-0

Telefax: 0228 / 22 84-170

Industrie- und Handelskammer

Lippe zu Detmold

Leonardo-da-Vinci-Weg 2

32760 Detmold

Telefon: 05231 / 76 01-0

Telefax: 05231 / 76 01-57

Industrie- und Handelskammer zu Düsseldorf

(Düsseldorf, Kreis Mettmann)

Ernst-Schneider-Platz 1

40212 Düsseldorf

Telefon: 0211 / 35 57-0

Telefax: 0211 / 35 57-401

Niederrheinische Industrie- und Handelskammer

Duisburg-Wesel-Kleve

Mercatorstraße 22-24

47051 Duisburg

Telefon: 0203 / 28 21-0

Telefax: 0203 / 265 33

Industrie- und Handelskammer

Mittlerer Niederrhein zu Krefeld

Nordwall 39

47798 Krefeld

Telefon: 02151 / 635-0

Telefax: 02151 / 635-338

Industrie- und Handelskammer Nord-Westfalen

zu Münster

(Münsterland, Emscher-Lippe Region)

Sentmaringer Weg 61

48151 Münster

Telefon: 0251 / 707-0

Telefax: 0251 / 707-325

Industrie- und Handelskammer Siegen

(Kreise: Olpe, Siegen)

Koblenzer Straße 121

57072 Siegen

Telefon: 0271 / 33 02-0

Telefax: 0271 / 33 02-400

Industrie- und Handelskammer

Wuppertal-Solingen-Remscheid

Heinrich-Kamp-Platz 2

42103 Wuppertal

Telefon: 0202 / 24 90-0

Telefax: 0202 / 24 90-999

8.5 ADRESSE DER LANDWIRTSCHAFTSKAMMER

Landwirtschaftskammer

Nordrhein-Westfalen Referat 34

Nevinghoff 40

48147 Münster

Telefon: 0251 / 59 93 74

E-Mail: info@lwk.nrw.de

57


8.6 Bilaterale Abkommen

Bilaterales Abkommen zwischen der Regierung der Bundesrepublik Deutschland und der Regierung der Republik

Österreich über die Zusammenarbeit in der beruflichen Bildung und über die gegenseitige Anerkennung

und Gleichwertigkeit von beruflichen Prüfungszeugnissen vom 27. November 1989.

Anhang

Ein gleichgestelltes/gleichgehaltenes Prüfungszeugnis zwischen Österreich und Deutschland verleiht der im

Prüfungszeugnis aufgeführten Person auf der jeweils anderen Seite die Rechte, die auf der Facharbeiter-/Fachangestelltenebene

dem gleichgestellten/gleichgehaltenen Prüfungszeugnis dieser anderen Seite verbunden

sind.

Hinweis

Eine Aufstellung aller gleichgestellten österreichischen Prüfungszeugnisse findet sich im Gesetz zur Ordnung

des Handwerks.

8.6.1 Allgemeine Vergleichbarkeit

In Zukunft soll die Gleichstellungsverordnung wegen des damit verbundenen hohen Prüfaufwandes in beiden

Staaten nicht länger fortgeschrieben werden. Stattdessen ist eine deutsch-österreichische Vereinbarung

über die allgemeine Vergleichbarkeit von Berufsabschlüssen abgeschlossen worden. Durch die Erklärung soll

verdeutlicht werden, dass Deutschland und Österreich gegenseitig in die Qualität der Ausbildungssysteme

vertrauen.

Das Abkommen von November 1989 zur Gleichstellung von deutsch-österreichischen Bildungsabschlüssen

besteht weiter.

Gemeinsame Erklärung der Bundesrepublik Deutschland und Frankreich über die generelle Vergleichbarkeit

von französischen Abschlusszeugnissen in der Berufsausbildung und deutschen Abschlusszeugnissen in der

Berufsausbildung nach Berufsbildungsgesetz, Handwerksordnung sowie Schulrecht der Länder vom 26. Oktober

2004

„Beide Staaten erklären, dass nach gemeinsamer Auffassung

<

<

das französische certificat d'aptitude professionelle (CAP) als Abschlusszeugnis einer französischen Berufsfachschule

vergleichbar sei mit einem in der dualen Berufsausbildung mit einer Regelausbildungsdauer

von zwei Jahren nach § 25 Berufsbildungsgesetz und § 25 Handwerksordnung erhaltenen deutschen

Abschlusszeugnis in der Berufsausbildung

und das französische Brevet professionnel sowie das französische Baccalauréat professionnel vergleichbar

seien mit einem in der dualen Berufsausbildung mit einer Regelausbildungsdauer von drei bis dreieinhalb

Jahren nach § 25 Berufsbildungsgesetz und § 25 Handwerksordnung erhaltenen deutschen Abschlusszeugnis

in der Berufsausbildung sowie einem gleichwertigen Abschlusszeugnis in der Berufsausbildung

nach dem Schulrecht der Länder der Bundesrepublik Deutschland, entsprechend dem vom Bundesinstitut

für Berufsbildung herausgegebenen Verzeichnis der anerkannten Ausbildungsberufe.“

Mit dieser Erklärung setzen Deutschland und Frankreich in Europa Maßstäbe für eine unbürokratische und

einfache Handhabung der Einordnung von beruflichen Bildungsabschlüssen. Den ersten Schritt bildet die gemeinsame

Erklärung zur Feststellung der Vergleichbarkeit von 40 Berufsabschlüssen. Mit der unterzeichneten

Erklärung wird die bisherige Praxis langwieriger Anerkennungsverfahren einzelner Berufsabschlüsse abgelöst.

Als Handreichung wird eine Liste der vergleichbaren Berufsabschlüsse kontinuierlich fortgeführt und den Verbänden,

Sozialpartnern, Kammern, Arbeitsagenturen und interessierten Bürgerinnen und Bürgern zur Verfügung

gestellt.

8.6.2 Probleme bei bilateralen Abkommen

Bei der Anerkennung von Berufsqualifikationen auf Basis der bilateralen Abkommen bestehen insbesondere

folgende Hindernisse:

<

In diesen Abkommen sind jeweils nur ein Teil der Berufe aufgeführt.

58


Die Anerkennungslisten sind veraltet, einige Berufe gibt es nicht mehr, andere haben sich gespalten usw.

Es gibt keine klaren Regeln, wie anzuerkennen ist.

Ein listenmäßiger Vergleich von Berufen unterschiedlicher Staaten ist zumeist nur schwer zu erstellen, da sich

Ausbildungsinhalte sowie die Berufe selbst zu schnell ändern. Zudem bestehen Probleme in der Vergleichbarkeit

und qualitativen Bewertung von Ausbildungs- und Prüfungsinhalten.

Anhang

8.6.3 Bundesvertriebenengesetz § 10

(1) Prüfungen oder Befähigungsnachweise, die Spätaussiedler bis zum 8. Mai 1945 im Gebiet des Deutschen

Reiches nach dem Gebietsstande vom 31. Dezember 1937 abgelegt oder erworben haben, sind im Geltungsbereich

des Gesetzes anzuerkennen.

(2) Prüfungen oder Befähigungsnachweise, die Spätaussiedler in den Aussiedlungsgebieten abgelegt oder erworben

haben, sind anzuerkennen, wenn sie den entsprechenden Prüfungen oder Befähigungsnachweisen im

Geltungsbereich des Gesetzes gleichwertig sind.

(3) Haben Spätaussiedler, die zur Ausübung ihres Berufes notwendigen oder für den Nachweis ihrer Befähigung

zweckdienlichen Urkunden (Prüfungs- oder Befähigungsnachweise) und die zur Ausstellung von Ersatzurkunden

erforderlichen Unterlagen verloren, so ist ihnen auf Antrag durch die für die Ausstellung entsprechender

Urkunden zuständigen Behörden und Stellen eine Bescheinigung auszustellen, wonach der Antragsteller die

Ablegung der Prüfung oder den Erwerb des Befähigungsnachweises glaubhaft nachgewiesen hat.

(4) Voraussetzung für die Ausstellung der Bescheinigung gemäß Absatz 3 ist die glaubhafte Bestätigung

<

<

durch schriftliche, an Eides Statt abzugebende Erklärung einer Person, die auf Grund ihrer früheren dienstlichen

Stellung im Bezirk des Antragstellers von der Ablegung der Prüfung oder dem Erwerb des Befähigungsnachweises

Kenntnis hat, oder

durch schriftliche, an Eides Statt abzugebende Erklärungen von zwei Personen, die von der Ablegung der

Prüfung oder dem Erwerb des Befähigungsnachweises eigene Kenntnisse haben.

(5) Die Bescheinigung gemäß Absatz 3 hat im Rechtsverkehr dieselbe Wirkung wie die Urkunde über die abgelegte

Prüfung oder den erworbenen Befähigungsnachweis.

In Bezug auf die Anerkennung von Aussiedlerzeugnissen nichtakademischer beruflicher Qualifikationen gibt es

einen speziellen Beschluss der Kultusministerkonferenz vom 10.9.1993.

8.7 Grundsätze zur Bewertung und Anerkennung Fachmittelschulabschlüssen

Grundsätze zur Bewertung und Anerkennung von Fachmittelschulabschlüssen aus Polen und anderen osteuropäischen

Ländern bei Berechtigten nach dem Bundesvertriebenengesetz (Beschluss der Kultusministerkonferenz

vom 10.09.1993).

Die Länder in der Bundesrepublik Deutschland kommen überein, bei der Entscheidung über die Anerkennung

von Fachmittelschulabschlüssen aus Polen und anderen osteuropäischen Ländern nach § 10 Bundesvertriebenengesetz

entsprechend den folgenden Grundsätzen zu verfahren:

8.7.1 Abschlüsse aus Polen

1. Die Abschlüsse polnischer einstufiger und postlyzealer Fachmittelschulen sind als Abschlüsse einer beruflichen

Erstausbildung in erster Linie deutschen beruflichen Erstausbildungen nach Berufsbildungsgesetz

(BBiG) bzw. Handwerksordnung (HwO) zuzuordnen.

Es sollte deshalb den Bewerbern/Bewerberinnen empfohlen werden, bei den zuständigen Stellen Anträge

auf Anerkennung zu stellen. In Fällen, in denen die Gleichstellung mit einem anerkannten Ausbildungsberuf

nicht möglich ist, prüft die Schulbehörde oder die sonst nach Landesrecht zuständige Stelle auf Antrag

59


die Anerkennung als „Staatlich geprüfter technischer Assistent/Staatlich geprüfte technische Assistentin“,

falls die inhaltliche Struktur der polnischen Ausbildung dies erlaubt. Zu diesem Zweck unterrichten sich die

Länder über bestehende sowie neu eingerichtete Ausbildungen mit dem Berufsziel „Staatlich geprüfter

technischer Assistent/Staatlich geprüfte technische Assistentin“.

Anhang

.

Absolventen einer zweistufigen polnischen Fachmittelschule in technischen Fächern beantragen die Anerkennung

der zuvor an einer Berufsgrundschule erreichten Facharbeiterqualifikation bei den zuständigen

Stellen nach dem Berufsbildungsgesetz bzw. der Handwerksordnung. Sofern eine Anerkennung erfolgt und

eine zweijährige einschlägige Berufstätigkeit nachgewiesen ist, entscheiden die zuständigen Behörden/

Dienststellen auf Antrag über die Zulassung zum 3. Semester einer Ausbildung zum Staatlich geprüften

Techniker/zur Staatlich geprüften Technikerin, sofern die Bewerber über hinreichende Kenntnisse in der

deutschen Sprache verfügen.

Ist der Abschluss der Berufsgrundschule von der zuständigen Stelle aus materiellen Gründen nicht anerkannt

worden, kann auch bei Abschluss der zweistufigen Ausbildung eine Anerkennung als „Staatlich

geprüfter technischer Assistent/Staatlich geprüfte technische Assistentin“ geprüft werden, wenn die inhaltliche

Struktur der polnischen Ausbildung dies erlaubt. Wenn die Zuordnung zu einem Assistentenberuf

zweifelhaft ist, wird ggf. auch eine einschlägige Berufspraxis berücksichtigt.

.

4.

Absolventen polnischer Fachmittelschulen, die ihr Reifezeugnis vor 1972 erworben haben, können bei

Nachweis einer mindestens fünfjährigen einschlägigen und qualifizierten Berufstätigkeit sowie hinreichender

Deutschkenntnisse auf Antrag von der zuständigen Behörde/Dienststelle für das 3. Semester einer

Ausbildung zum Staatlich geprüften Techniker/zur Staatlich geprüften Technikerin zugelassen werden.

Fachmittelschulabschlüsse in kaufmännischen bzw. wirtschaftskundlichen Fachrichtungen sind Abschlüssen

einer beruflichen Erstausbildung nach BBiG zuzuordnen.

8.7.2 Abschlüsse in anderen osteuropäischen Ländern

Rumänien

Tschechische Republik und

Slowakische Republik:

Ehemalige Sowjetunion

Bulgarien

Ungarn

Technikerabschlüsse konnten nur bis 1979 erreicht werden. Es kann gemäß

Abschnitt 8.7.1 Ziffer 3 verfahren werden.

Es ist grundsätzlich gemäß Abschnitt 8.7.1 Ziffer 1 zu verfahren. Bei Abschlüssen,

die vor 1978 erworben wurden, kann im Einzelfall auch eine

Anwendung gemäß Abschnitt 8.7.1 Ziffer 2 in Betracht kommen, wenn

dem Besuch der Fachmittelschule eine abgeschlossene Berufsausbildung

(Lehrbrief) vorausging.

Es ist gemäß Abschnitt 8.7.1 Ziffer 1 zu verfahren.

Es ist gemäß Abschnitt 8.7.1 Ziffer 1 zu verfahren.

Es ist grundsätzlich gemäß Abschnitt 8.7.1 Ziffer 1 zu verfahren. In den

70er und 80er Jahren wurden zum Teil auch zweistufige Ausbildungen

durchgeführt; bei den entsprechenden Abschlüssen kann gemäß Abschnitt

8.7.1 Ziffer 2 verfahren werden.

60


8.8 ZUSTÄNDIGE ANERKENNUNGSBEHÖRDEN FÜR SCHULISCHE ABSCHLÜSSE

Schulabschlüsse

Hauptschulabschluss (nach Klasse 9),

Hauptschulabschluss (nach Klasse 10),

mittlerer Schulabschluss

(Fachoberschulreife)

Zuständige Anerkennungsbehörde

Bezirksregierung Köln – Dezernat 48

Zeughausstraße 2-10

50667 Köln

Telefon: 0221 / 147-0

Telefax: 0221 / 147-3185

Anhang

Hauptschulabschluss für Aussiedler,

Zuwanderer und ausländische Flüchtlinge,

die über die Landesstelle Unna-Massen

nach NRW eingereist sind

Polen, Rumänien, Tschechien, Slowakei:

Bezirksregierung Arnsberg – Dezernat 48

Seibertzstraße 1

59821 Arnsberg

Telefon: 02931 / 82-0

Telefax: 02931 / 82-2520

Österreich, Schweiz, Türkei, Griechenland und

Staaten des ehemaligen Jugoslawien:

Bezirksregierung Düsseldorf – Dezernat 45

Cecilienallee 2

40474 Düsseldorf

Telefon: 0211 / 4 75-0

Telefax: 0211 / 4 75-2671

Albanien, Bulgarien, Ungarn, Nachfolgestaaten

der ehemaligen UdSSR:

Bezirksregierung Detmold – Dezernat 48

Leopoldstraße 15

32754 Detmold

Telefon: 05231 / 71-0

Telefax: 05231 / 71-1127

Belgien, Frankreich, Großbritannien, Irland,

Italien, Luxemburg, Niederlande, Portugal,

Spanien und ehemalige DDR:

Bezirksregierung Köln – Dezernat 48

Zeughausstraße 2-10

50667 Köln

Telefon: 0221 / 147-0

Telefax: 0221 / 147-3185

Dänemark, Finnland, Island, Norwegen, Schweden

und alle außereuropäischen Staaten:

Bezirksregierung Münster – Dezernat 48

Domplatz 1-3

48143 Münster

Telefon: 0251 / 411-0

Telefax: 0251 / 411-2525

61


Adressen

Schulabschlüsse

Hochschulzugangsberechtigung

(Fachhochschulreife, Hochschulreife,

International Baccalaureate Diploma (IB))

Zuständig für deutsche Staatsangehörige mit

ausländischen Schulabschlüssen, deren Wohnsitz

in NRW oder ausschließlich außerhalb

Deutschlands gelegen ist, sowie für ausländische

Staatsangehörige mit ausländischen

Schulabschlüssen, die in NRW oder außerhalb

Deutschlands wohnen, jedoch nur für andere

Zwecke als die Aufnahme eines Studiums (z.B.

für eine berufliche Tätigkeit, Umschulung oder

Ausbildung)

Zuständige Anerkennungsbehörde

Bezirksregierung Düsseldorf

Zentrale Zeugnisanerkennungsstelle – Dezernat 48/

ZZA

Fischerstraße 10

40477 Düsseldorf

Ausländische Abschlüsse im Bereich

sozialer Arbeit

Bezirksregierung Köln – Dezernat 37

Zeughausstrasse 2-10

50667 Köln

Telefon: 0221 / 147-0

Ingenieurstitel Bezirksregierung Köln – Dezernat 63

Zeughausstrasse 2-10

50667 Köln

Telefon: 0221 / 147-0

Im Ausland erworbene akademische

Grade

Diplome nichtärztlicher

Gesundheitsfachberufe

Ministerium für Innovation, Wissenschaft, Forschung

und Technologie des Landes NRW

Völklinger Strasse 49

40221 Düsseldorf

Telefon: 0211 / 896-04

Zuständige Anerkennungsbehörde sind die örtlich

zuständigen Gesundheitsämter

62


8.9 HANDWERKSBERUFE

Anlage A zur Handwerksordnung (zulassungspflichtige Handwerke)

Augenoptiker/in

Bäcker/in

Boots- und Schiffbauer/in

Brunnenbauer/in

Konditoren/in

Kraftfahrzeugtechniker/in

Landmaschinenmechaniker/in

Maler und Lackierer/in

Handwerksberufe

Büchsenmacher/in

Chirurgiemechaniker/in

Dachdecker/in

Elektromaschinenbauer/in

Elektrotechniker/in

Feinwerkmechaniker/in

Fleischer/in

Friseure/in

Gerüstbauer/in

Glasbläser und Glasapparatebauer/in

Glaser/in

Hörgeräteakustiker/in

Informationstechniker/in

Installateur und Heizungsbauer/in

Kälteanlagenbauer/in

Karosserie- und Fahrzeugbauer/in

Klempner/in

Maurer und Betonbauer/in

Metallbauer/in

Ofen- und Luftheizungsbauer/in

Orthopädieschuhmacher/in

Orthopädietechniker/in

Schornsteinfeger/in

Seiler/in

Steinmetzen und Steinbildhauer/in

Straßenbauer/in

Stuckateur/in

Tischler/in

Vulkaniseure und Reifenmechaniker/in

Wärme-, Kälte- u. Schallschutzisolierer/in

Zahntechniker/in

Zimmerer/in

Zweiradmechaniker/in

Anlage B 1 zur Handwerksordnung (zulassungsfreie Handwerke)

Behälter- und Apparatebauer/in

Betonstein- und Terrazzohersteller/in

Bogenmacher/in

Böttcher/in

Brauer und Mälzer/in

Buchbinder/in

Buchdrucker/in Schriftsetzer: Drucker/in

Damen- und Herrenschneider/in

Drechsler/in (Elfenbeinschnitzer) und Holzspielzeugmacher/in

Edelsteinschleifer- und Graveure/in

Estrichleger/in

Feinoptiker/in

Flexografen/in

Fliesen-, Platten- und Mosaikleger/in

63


Fotografen/in

Galvaniseure/in

Müller/in

Orgel- und Harmoniumbauer/in

Handwerksberufe

Gebäudereiniger/in

Geigenbauer/in

Glas- und Porzellanmaler/in

Glasveredler/in

Parkettleger/in

Raumausstatter/in

Rollladen- und Jalousiebauer/in

Sattler und Feintäschner/in

Gold- und Silberschmied/in

Graveure/in

Handzuginstrumentenmacher/in

Holzbildhauer/in

Holzblasinstrumentenmacher/in

Keramiker/in

Klavier- und Cembalobauer/in

Korbmacher/in

Kürschner/in

Metall- und Glockengießer/in

Metallbildner/in

Metallblasinstrumentenmacher/in

Modellbauer/in

Modisten

Schilder- und Lichtreklamenhersteller/in

Schneidwerkzeugmechaniker/in

Schuhmacher/in

Segelmacher/in

Siebdrucker/in

Sticker/in

Textilreiniger/in

Uhrmacher/in

Vergolder/in

Wachszieher/in

Weber/in

Weinküfer/in

Zupfinstrumentenmache/in

Anlage B 2 zur Handwerksordnung (handwerksähnliche Gewerbe)

Änderungsschneider/in

Appreteure, Dekateure/in

Asphaltierer/in (ohne Straßenbau)

Ausführung einfacher Schuhreparaturen

Bautrocknungsgewerbe

Bestattungsgewerbe

Betonbohrer- und -schneider/in

Bodenleger/in

Bügelanstalten für Herrenoberbekleidung

Bürsten- und Pinselmacher/in

Daubenhauer/in

Dekorationsnäher/in (ohne Schaufensterdekoration)

Einbau von genormten Baufertigteilen

Eisenflechter/in

Fahrzeugverwerter/in

Fleckteppichhersteller/in

Fleischzerleger/in, Ausbeiner/in

Fuger/in (im Hochbau)

Gerber/in

Getränkeleitungsreiniger/in

64


Handschuhmacher/in

Plisseebrenner/in

Herstellung von Drahtgestellen für Dekorationszwecke

in Sonderanfertigung

Holz- und Bautenschutzgewerbe (Mauerschutz und

Holzimprägnierung in Gebäuden)

Holzblockmacher/in

Holz-Leitermacher/in

Holzreifenmacher/in

Holzschindelmacher/in

Holzschuhmacher/in

Innerei-Fleischer/in

Kabelverleger/in im Hochbau

Klavierstimmer/in

Klöppler/in

Kosmetiker/in

Kunststopfer/in

Lampenschirmhersteller/in

Maskenbildner/in

Metallsägen-Schärfer/in

Metallschleifer und Metallpolierer/in

Posamentierer/in

Rammgewerbe

Requisiteure

Rohr- und Kanalreiniger/in

Schirmmacher/in

Schlagzeugmacher/in

Schnellreiniger/in

Speiseeishersteller/in

Steindrucker/in

Stoffmaler/in

Stricker/in

Tankschutzbetriebe

Teppichreiniger/in

Textil-Handdrucker/in

Theater- und Ausstattungsmaler/in

Theaterkostümnäher/in

Theaterplastiker/in

Handwerksberufe

Muldenhauer/in

ihre anmerkungen

Bitte teilen Sie uns Anregungen, Ergänzungs- und Verbesserungsvorschläge bezüglich dieser

Handreichung mit:

Oder per mail an:

Robert.Gereci@dgb-bildungswerk.de


Ihre Anmerkungen

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Herausgeber:

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Redaktion: Robert Gereci, Jens Martens, Ömer Saglam

Layout: Moana Brunow (ZWH)

Druck: Siebel Druck & Grafik, Lindlar

Düsseldorf, Dezember 2007

Die Grundlage für das Beratungsneztwerk konnte durch die Förderung des EQUAL Programms der EU gelegt

werden. Über die Projektlaufzeit hinaus ist dieser Ansatz jedoch so wichtig, dass das DGB Bildungswerk e.V.

die Netzwerk-Aktivitäten im Rahmen der Möglichkeiten weiterführen wird.

Gefördert durch das Bundesministerium für Arbeit und Soziales aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds

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Gefördert durch das Bundesministerium für Arbeit und Soziales aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds.

www.pro-qualifizierung.de

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