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Droht uns eine neue Inflation?

Gastbeitrag von Professor Dr. Ulrich van Suntum

Zur Person

Professor Dr. Ulrich van Suntum

• Geschäftsführender Direktor des Centrums

für angewandte Wirtschaftsforschung Münster

(CAWM)

• Direktor des Instituts für Siedlungs- und

Wohnungswesen (INSIWO) der Westfälischen

Wilhelms-Universität Münster

• Ordentlicher Professor für Volkswirtschaftslehre

der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster

Eurokrise, Staatsverschuldung, Rohstoffknappheit –

wie soll das alles weitergehen? Fragt man die Leute auf

der Straße, dann rechnen viele nicht nur mit Steuerer-

höhungen, sondern auch mit einem Wertverfall des Euro.

Da kommt schnell Sehnsucht nach der guten alten D-

Mark auf. Sogar in Wissenschaft und Politik wird darüber

diskutiert, ob man nicht den Euro in zwei getrennte

Währungen aufteilen sollte. Wackelkandidaten wie Griechenland,

Spanien, Portugal und Italien hätten dann den

Süd-Euro, die stabileren Länder mit Deutschland an der

Spitze dagegen ihren eigenen Nord-Euro. Viele erhoffen

sich davon mehr Stabilität für unser Geld und größere

Sicherheit vor dem Griff anderer, unsolide wirtschaftender

Länder in unsere Steuerkassen.

Andererseits haben gerade ältere Menschen auch große

Angst vor einer Währungsreform. Schließlich hat sich der

BANKZEIT

GEMEINSAM WERTE SCHAFFEN

Staat schon oft auf diesem Weg entschuldet. Das ging

hauptsächlich auf Kosten der Sparer und der Altersvorsorge,

deren Vermögen sich dabei buchstäblich in nichts

auflöste. Denn Inflation vermindert den Wert von Ersparnissen

und Wertpapieren, und selbst das Eigenheim ist

dann am Ende keine sichere Geldanlage mehr. So wurden

den Immobilienbesitzern nach der Währungsreform

von 1948 Zwangshypotheken ins Grundbuch geschrieben,

um sie auf diese Weise an den Kosten zu beteiligen.

Zu Recht sind deshalb gerade die Deutschen immer sehr

wachsam, wenn es um die Sicherung des Geldwertes

geht.

Vorerst besteht allerdings kein Anlass, den Teufel an die

Wand zu malen. Zwar sind die Preise zuletzt wieder etwas

stärker gestiegen, aber das hängt hauptsächlich mit

der Knappheit von Rohstoffen zusammen. Die deutsche

Staatsverschuldung ist zwar hoch. Sie wird aber mittel-

fristig im Verhältnis zum Bruttoinlandsprodukt eher

wieder sinken, vor allem wegen der 2009 eingeführten

Schuldenbremsen. Eine starke Geldentwertung wie etwa

nach den Weltkriegen ist deshalb ebenso wenig zu befürchten

wie etwa ein Bankrott des deutschen Staates.

Genaugenommen ist schon der Begriff „Eurokrise“ ganz

falsch. In Wirklichkeit handelt es sich um eine Krise der

Staatsfinanzen, die zudem auf einige Mitgliedsländer

im Euroraum beschränkt ist. Zwar hat die Europäische

Zentralbank inzwischen Schulden dieser Staaten für insgesamt

rd. 75 Mrd. Euro aufgekauft. Das ist sicher eine

gigantische Summe, aber bezogen auf die insgesamt

umlaufende Geldmenge M3 im Euroraum macht sie weniger

als 1 Prozent aus. Bedenklich sind diese Käufe in

erster Linie, weil sie die Staatsverschuldung unterstützen,

doch den Geldwert gefährden sie nicht. Die Europäische

Zentralbank ist zudem in ihren Entscheidungen

völlig unabhängig von Europaparlament, Europäischer

Kommission und Europäischem Ministerrat. Anders als

in früheren Zeiten können die Politiker deswegen heute

nicht einfach mehr Geld drucken lassen, um sich der

Staatsschulden zu entledigen.

Der Euro hat denn auch bisher nicht an Wert verloren.

Bisher war er sogar wertstabiler als die viel gelobte

D-Mark, selbst in ihren besten Zeiten. So sind die Verbraucherpreise

in Deutschland seit der Euro-Einführung 2002

nur um durchschnittlich 1,5 Prozent pro Jahr gestiegen.

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