ETF+Magazin+3+2013 - peersuna

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China

Neue Dimension

Mehr Qualität anstatt nur Quantität – das

scheint die Losung der neuen chinesischen

Regierung zu sein. Dementsprechend steuern

die Kapitäne in Peking ihr Dickschiff nun auf

einem ruhigeren Wachstumskurs. Für die Jahre

2013 und 2014 rechnen Analysten mit sieben

Prozent Zuwachs pro Jahr. Dieser Wert dürfte

bis auf Weiteres die Untergrenze bleiben.

Wirtschaftswachstum in China

Veränderung des BIP zum

Vorjahresquartal in Prozent

2000 02 04 06 08 10 12 2014

Quelle: Thomson Reuters Datastream

Kurzer Schock

Prognose

Die Exporte Chinas steigen nicht mehr so

kräftig wie in der Vergangenheit. Waren früher

Wachstumsraten von mehr als 40 Prozent

keine Seltenheit, wuchsen die Ausfuhren in

diesem Jahr deutlich schwächer. Um die

Jahresmitte kam es sogar zu einem kleinen

Rückgang – erstmals seit der Finanzkrise

2008. Die Börsen waren auch diesmal geschockt.

Chinesische Exporte jährliche Veränderung in Prozent

2000 02 04 06 08 10 12 2014

%

14

12

10

8

6

%

40

20

0

–20

–40

immer mehr Anlass zur Sorge. Ein Modell, das auf

Dauer nicht funktionieren konnte und erhebliche Risiken

birgt. Mit der Wirtschaftskrise war das Modell

vorbei – das Exportwachstum ging zurück. Im vergangenen

Monat fielen die Ausfuhren um 3,2 Prozent gegenüber

dem Vorjahr.

Weniger Kredit. „Chinas Finanzmärkte sind stark gefallen,

nachdem sich Anleger damit abgefunden haben,

dass die politischen Veränderungen das Kreditwachstum

in China einschränken und die Fremdfinanzierungsrate

in der Wirtschaft reduzieren werden“, meint

Agnes Deng, Head of Hong Kong China Equities der

britischen Fondsgesellschaft Barings. Die Problematik

des Kreditwachstums baute sich seit dem Konjunkturpaket

aus dem Jahr 2008 auf, das zur Abschwächung

der Auswirkungen der globalen Finanzkrise beschlossen

wurde. Die Summe der neu ausgegebenen Kredite

liege jetzt 60 Prozent höher als vor einem Jahr, rechnet

Deng. Doch bereits im vorigen Jahr hielten viele

Ökonomen das Kreditvolumen für zu hoch. Die Folge

der Kreditorgien: Chinas Geldmenge M2 betrage etwa

15 Billionen Dollar und sei damit höher als die Geldmenge

der USA – obwohl Chinas Volkswirtschaft

lediglich halb so groß sei.

Das Problem: Auch die Bereitstellung von Krediten

durch die Regierung führte nicht dazu, dass die Fremdkapitalkosten

sinken. Sie versickerten zu einem großen

Teil in den Kommunalverwaltungen, bei Bauträgern

und in staatlichen Industriebereichen wie Stahl, Kohle

und Beton. „Kleine und mittelgroße Unternehmen,

insbesondere im Privatsektor, bekamen keine staatlichen

Kredite – und wären dort wichtiger, weil produktiver

gewesen“, kritisiert Baring-Expertin Deng. „Die

Fehlverteilung von Risiken in Chinas Finanzsystem hat

sich dadurch erhöht“, konstatiert die Fachfrau.

Verschärft werden die Probleme durch das Schattenbanksystem.

Schattenbanken gibt es nicht nur in China.

Weltweit schätzen Experten das Volumen auf unvorstellbare

67 Billionen Dollar. Als Schattenbanken

bezeichnen Experten alles, was außerhalb der offiziellen

Bankbilanzen an bankähnlichen Geschäften betrieben

wird. Darunter können Geldmarktfonds und

Monoliner der Versicherer, aber auch illegale Kre dite

und Pfandhäuser fallen. In China schätzen die Experten

der BNP Paribas das Volumen des Schattenbanksystems

auf 25,8 Billionen Renminbi, rund drei Billionen

Euro – das entspricht beinahe der Hälfte der

jährlichen Wirtschaftsleistung. Ein Großteil davon entfällt

auf besicherte Darlehen, Privatkredite und Bankgarantien.

Dieser Teil des Schattenbankwesens ist unproblematisch.

Problematisch sind dagegen Produkte,

die auf den ersten Blick Investmentfonds ähneln. Doch

Quelle: Thomson Reuters Datastream

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