ETF+Magazin+3+2013 - peersuna

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Gold

RAUF ODER RUNTER

Zwei Goldexperten, zwei Meinungen – und viele gute Argumente

ETF-Magazin: Herr Stöferle, Ihr Report „In Gold we

trust“ galt lange als die Bibel unter den Goldfans. Müssen

Sie ihn jetzt neu schreiben

Ronald-Peter Stöferle: Ich glaube immer noch an Gold.

Es geht bei Gold um den Besitz, nicht um den Preis.

Wenn ich Gold physisch besitze, stört mich der Preisverfall

nicht. Gold ist eine Versicherung, und eine Versicherung

kündige ich auch nicht, wenn ich keinen Unfall

gehabt habe. Der Versicherungsgedanke ist nach

wie vor aktuell. Für mich erleben wir jetzt eine Korrektur,

keine Trendumkehr.

Christin Tuxen: Aber die Gründe, Gold als sicheren Hafen

zu sehen, haben sich für Investoren verringert . . .

ETF-Magazin: Stehen denn Griechenland, Spanien, Portugal

oder Italien heute besser da als vor einem Jahr

Ronald-Peter Stöferle

Der Betriebs- und Finanzwirt ist Mitglied der

Geschäftsführung bei Incrementum, Liechtenstein.

Zuvor arbeitete Stöferle bei der österreichischen

Erste Group als Analyst

Tuxen: Die Euro-Schuldenkrise wurde beiseite geschoben,

die finanzielle Situation der USA hat sich verbessert,

und die Ängste vor einer harten Landung Chinas

sind geringer, als es vor einem Jahr der Fall war. Während

der vergangenen Jahre wurde Gold hauptsächlich

als Währung gesehen – als Währung ohne Schuldenprobleme

wie beispielsweise der Euro oder der US-Dollar.

ETF-Magazin: Und heute ist Gold keine Währung mehr

Tuxen: Der Trend eines steigenden US-Dollar drückt

dollargehandelte Rohstoffe wie Gold. Schlüsselfaktor

für den jüngsten Preisverfall war dabei die Aussicht auf

höhere Zinsen gerade in den USA. Mit dem Rückgang

der Inflationserwartungen und geringeren Ausstiegsrisiken

bei den Euro-Ländern platzte die Goldblase.

Stöferle: Einspruch. Gold bleibt immer eine Währung.

Ich distanziere mich ganz klar von der Konsensmeinung

und sage, dass die amerikanische Notenbank

ihre lockere Geldpolitik in Zukunft sogar ausweiten

und nicht beenden wird. Die deflationären Tendenzen

sind im System zu stark.

ETF-Magazin: Und warum ist der Goldpreis gefallen

Stöferle: Weil Aktien mehr Gewinn abgeworfen haben

und wegen der rückläufigen Inflationsraten die Realzinsen

gestiegen sind. Viele Gold-Bullen haben das

Handtuch geworfen – raus aus Gold, rein in Aktien. Ich

glaube aber, das ist nur eine Zwischenperiode, denn die

Fed wird wegen der stark gestiegenen Renditen nervös.

Tuxen: Das sehe ich anders. Niedrige Zinsen machten

Gold gegenüber Bargeld oder Anleihen attraktiv. Das

ändert sich jetzt. Ebenso ist die Euro-Schuldenkrise auf

Grund der Beschlüsse der Europäischen Zentralbank

ein weniger drohendes Problem. Dadurch wurde das

Risiko, dass eines der Peripherieländer den Euro verlässt,

stark reduziert.

Stöferle: In Sachen Schuldenproblematik sind wir doch

in den letzten Jahren keinen Schritt weitergekommen.

Im Gegenteil – wir haben nicht einmal Schuldensenkungsprogramme

gesehen. In der Bundesrepublik sprudeln

die Steuereinnahmen, trotzdem schafft sie es nicht,

einen Überschuss zu erwirtschaften. Und das ist ein

weltweiter Trend. Im Gegensatz zu Schulden ist Gold

aber nicht beliebig vermehrbar. Es herrscht eine rela-

32 Foto: 123RF, ESG

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