Die „Luxus – Liner“ - Kultourbikes.de

kultourbikes.de

Die „Luxus – Liner“ - Kultourbikes.de

Vergleich: Kawasaki VN 1700 Voyager, Victory Vision, Triumph Rocket III Touri

Text: Robert Scheu I Fotos: Torsten Hähnel, Robert Scheumayer

Die „Luxus – Liner“

Auf „große“ Fahrt sind wir früher

schon gegangen. Damals als Pfadfinder

mit dem Fahrrad, die Last so

gut wie möglich am Rad festgezurrt

und nach 80km Tagesetappe müde

ins Nachtlager sinkend. Heute 30

Jahre später wollen wir es mal mit

deutlich mehr Luxus probieren.

Dazu haben wir ein nettes Hotel am

Alpenrand gesucht und einige Hersteller

bzw. Importeure dazu aufgefordert,

uns ihre Top –Tourer zur Verfügung

zu stellen, um diese in einer

Traumumgebung auf ihre Tourentauglichkeit

zu testen.

Zu uns gefunden haben die Kawasaki

VN 1700 Voyager, ein Tourer mit

klassischer Linienführung, die mit

ihren vielen Rundungen leicht barock

daher kommt. Konsequent im

Retro - Style, alles wirkt an ihr har-

18 WHEELIES

monisch: angefangen an der Frontpartie

mit ihren drei Scheinwerfern,

deren Rückseite von Armaturen wie

ein 62er Chevy geziert wird. Über

ihre Farbgebung in einem warmen

Metallic – Grau, das kombiniert wird

mit Tiefblau - Metallic Applikationen,

bis hin zu einer vollendeten Tourerbank,

die auch der Sozia auf langen

Strecken den nötigen Halt gibt. Alles

wirkt rundum stimmig, optisch ein

echtes Highlight.

Ferner die Victory Vision Tour, fast

entgegengesetzt, wenn auch nicht

weniger schick, kommt sie daher.

Seit 2009 versucht sich dieser Motorradableger

der Firma Polaris zu

etablieren. Die Vision ist designtechnisch

das krasse Gegenteil zu der

Kawasaki. Anders sein ist hier die

Devise ihrer Gestalter gewesen: geradlinig

wird ein sehr futuristisch

wirkendes Design durchgehalten.

Von der mächtig, breit wirkenden V-

Front über den mit Schaltern übersäten

Tank hin bis zu dem schmal zulaufenden

ebenfalls mit der V-Form

spielendem Heck. Alles sehr frisch,

ein wenig überladen und sehr „Polaris-irend“.

Ganz anders die letzte der Drei, die

Triumph Rocket III Touring. Mit sehr

viel Bescheidenheit kommt die Britin

daher. Klare Linien, keine unnötigen

Schnörkel, das zeichnet die Rocket

in der Touring – Variante aus. Wenn

nicht das mächtige Triebwerk wäre,

würde sie gegenüber den anderen

Beiden kaum auffallen. Britisches

Understatement in Reinkultur.


ng

Der Motor der Triumph bringt mich

auch schon ins nächste Kapitel, die

Leistungswerte. Hier ist der gewaltige

2,3Liter 3Zylinder Reihenmotor

der Rocket Maß der Dinge. Gewaltig

wie ein 40Tonner-Diesel erzeugt er

egal, wie und wo man sich bewegt,

Drehmoment im Überfluss: 108PS

und 209Nm Drehmoment bei

2000U/min, sprich Ortsdurchfahrten

fährt der Tourer im 5ten Gang, danach

einfach den Gashahn wieder

öffnen und der Motor dreht aus den

Keller heraus, ohne zu murren nach

oben, einfach Traumhaft. Der Kawasaki

V2 tut sich deutlich schwerer.

Ganze 73 PS bei 5.000U/min und ein

maximales Drehmoment von

136Nm bei 2.750U/min stellt der Motor

zur Verfügung. Wenn der Fahrer

zügig unterwegs sein will, hilft hier

nur eines: „fleißig schalten“, denn

leider ist der 1700er Motor der VN etwas

schwach auf der Brust. Im Firmenregal

gäbe es da noch einen

2000er, mit Sicherheit eine echte Alternative.

Zum Cruisen reicht der

Motor durchaus, aber falls einmal

Leistung spontan zur Verfügung gestellt

werden muss, dauert es ein

wenig zu lang, bis die Kraft auf die

Straße kommt.

Das 1731ccm Triebwerk der Vision

sieht nicht nur schick aus, es ist sozusagen

das gesunde Mittel zwischen

den beiden Treibsätzen. Mit

95PS und 146Nm bringt es zwar

nicht soviel Kraft wie bei der Rocket,

aber immer genug Schub um, noch

mal einen Zwischenspurt hinlegen

zu können. Auch bei Autobahnetappen

ist der 2Zylinder angenehm zu

fahren und sollte es mal länger ruhig

gerade aus gehen, legt der Fahrer

den Tempomat ein und lässt sich im

Verkehr mit treiben. Im Gegensatz zu

den Mitbewerbern setzt Victory

beim Endantrieb auf einen Zahnriehmen,

die beiden Anderen bevorzugen

die Kardanlösung. Bei der Ausstattung

hat die Vision ganz klar die

Nase vorne. Ein audiovisuelles

Soundsystem mit MP3 – Anschluß,

die schon erwähnte Cruise Control,

Griff- sowie Sitzheizung, ein elektisch

verstellbares Windschild und

vieles mehr bringt das Wohlfühlpaket

der Vision mit. Dies katapultiert

das Fahrgewicht auf stolze 385kg

und den Preis auf ca. 22.000 Euro.

Aber für das Komplettpaket ein echter

Sparpreis.

Die Triumph ist mit 19.800 Euro ein

ganzes Eck günstiger, die Ausstat-

WHEELIES19


Vergleich: Kawasaki VN 1700 Voyager, Victory Vision, Triumph

Rocket III Touring

tung aber auch erheblich magerer.

Englisches Understatement auch

hier. Ein Windschild, praktischerweise

mit zwei Handgriffen abnehmbar,

und zwei Koffer fertig ist der

Tourer. Allerdings bringt sie trotzdem

das selbstbewusste Leergewicht

von 395 kg auf die Waage. Die

VN von Kawa kostet 17.995 Euro und

ist somit die günstigste der Drei im

Test und liegt mit ihrer Ausstattung

im Mittelfeld. ABS, Cruise Control

und ein einfaches Radio gehören zur

Grundausstattung, einige andere

Features bietet einem der freundliche

Kawahändler an. Ein Federgewicht

ist die Voyager freilich nicht,

satte 406kg muss der Fahrer im Notfall

von Hand rückwärts schieben.

Einen von mir oft sehnlich herbei gewünschten

Rückwärtsgang hatte übrigens

keine unserer drei Kandidati-

20 WHEELIES

nen. So blieben mir nur zwei Alternativen

übrig: beim Parken darauf

achtgeben wie ich das Bike abstelle

oder einen freundlichen Zeitgenossen

um Schiebehilfe zu bieten. Apropos

Kraftaufwand, der Victory soll

der Biker im Notfall auch wieder alleine

auf die Räder helfen können

(Herstellerangaben).

Aber kommen wir zum Wesen der

Tourer, wie verhalten sie sich auf

großer Fahrt

So viele Tester wie wir waren, so

viele Meinungen gibt es dazu. Das

ist wohl in all den Jahren gleich geblieben.

Der eine liebte das Touren

auf Papas alten Herrenrad, dann gab

es den, der ein solides 26“ Rad bevorzugte

und schließlich den, der

auf dem hippen Bonanzarad die

Berge erklimmen wollte. Um dem

Genüge zu tun werden auf den nachfolgenden

Seiten alle am Test Beteiligten

zu Wort kommen. Ich persönlich

nehme mir heraus den Anfang

zu machen.

Um es vorweg zu nehmen, ich

könnte mich nicht entscheiden,

echte Schwächen leistet sich keine

von den Dreien. Vom Styling und der

Sitzposition ist bei mir die Kawa die

Favoritin. Auf den insgesamt fast

2000Km, die wir während des Tests

zurückgelegt, haben hatte sie klar

den größten Wohlfühlfaktor. Die

Schräglagenfreiheit ist naturgemäß

begrenzt, die Bremsen mit ihrem

kombinierten Vorder- Hinterradsystem

beißen ordentlich zu und haben

mit dem Gewicht keine Probleme.

Leider ist wie bereits erwähnt der

Motor ein wenig schwach und Alpenstraßen

mit Sozia werden dann

zur Geduldsprobe. Ihr immenser

Stauraum lässt keine Wünsche offen,

ein Bike, mit dem ich gerne einmal

durch weite Ebenen gleiten

würde.


Vergleich: Kawasaki VN 1700 Voyager, Victory Vision, Triumph

Rocket III Touring

Den meisten Fahrspaß brachte mir

die Triumph. Das Fahrwerk, der Motor

und die Bremsen sind einfach

nur gigantisch. Keine der beiden Anderen

konnte da mithalten. Kaum in

Bewegung spürt man kein Gramm

ihres Gewichtes und das Kurvenräubern

kann beginnen. Auf Grund des

geringen Stauvolumens ist es für

längere Touren ratsam, im Zubehör

die Gepäckplatte gleich mitzubestellen.

Und das fehlende Radio wird

voll durch den satten Klang ihres riesigen

3Zylinders ersetzt.

22 WHEELIES

Last but not least die Vision. Mir persönlich

zu viel Design, zu auffällig,

zu protzig. Aber in der Landstraße

und auf der Autobahn eine echte

Macht. Wenn auch nicht so stark wie

die Triumph ist auch sie allen Anforderungen

gewachsen. Sie ist die am

besten ausgestattete Maschine im

Test. Zwar ist bei 120Km/h dahin zu

gleiten mit dem Sound aus einer

Harman – Kardon – Anlage auf den

Ohren nicht ganz meine Art zu Reisen,

aber mit einem Augenzwinkern

muss ich gestehen, Spaß macht es

trotzdem.

Die anderen Meinungen:

Jürgen „Präsi“ Hägele:

Mit einer gehörigen Portion Respekt

bin ich den drei Reisedampfern vor

unserem Alpenausritt begegnet. Mit

diesen dicken Dingern die Pässe rauf

und runter! Hab’ schon früher stets

heimlich den Kopf geschüttelt, als

mir mal wieder eine Honda Gold

Wing am Sellajoch entgegenkam.

Doch auch als fast 50-jähriger Biker-

Greis darf bzw. muss man(n) seine

Vorurteile oftmals revidieren. Nach

einer gewissen Eingewöhnungsphase

macht es einen Riesenspaß,

mit diesen Dickschiffen durch die Alpen

zu wedeln, den unvergleichlichen

Komfort zu genießen, dabei

mit Johnny Cash aus dem MP3-

Player um die Wette zu trällern.

Die Kawasaki Voyager sieht verdammt

gut aus! Sie kommt ihrem

uramerikanischen Vorbild, der

Electra Glide optisch am nächsten.

Toll gemacht, die Instrumentensammlung

im Corvette-Stingray-Stil

der 60er Jahre – allerdings schwer

abzulesen. Auch der Langstreckenkomfort

mit dem bequemen Sattel

geht in Ordnung. Der Windschutz

hinter der hohen Scheibe ist vorbildlich.

Das war’s dann leider aber

auch, was ich positiv an diesem Bike

zu vermerken habe. Zwar ist die Japanerin

mit HiFi-Anlage, Tempomat

und Gepäcksystem komplett ausgestattet,

Fahrwerk und vor allem der

Antrieb haben mich sehr enttäuscht.

Die Trittbretter setzen sehr früh auf

und der Motor ist in allen Lebenslagen

träge und schlapp. Wo bitte sind

hier die 1700 ccm Hubraum geblieben!

Zudem läuft dieser auch noch

sehr rau. Das Getriebe schaltet ziemlich

hakelig. Ein Bike eigentlich nur

für die gemütlichen Überlandfahrten

auf den Highways.

Von ganz anderem Kaliber gibt sich

die Triumph Rocket III Touring. Der

schiffsdieselgroße Triple hat Dampf

in allen Lebenslagen – das Ding

schiebt vehement nach vorn! Zu-


Vergleich: Kawasaki VN 1700 Voyager, Victory Vision, Triumph

Rocket III Touring

dem fährt sich die „Rakete“ im Vergleich

auch noch sehr agil. Durch

den tiefen Schwerpunkt merkt man

ihr das hohe Gewicht nicht an. Die

wichtigsten Zutaten zu einem Luxustourer

fehlen ihr allerdings: Scheibe

zu nieder – kein Tempomat – kein Radio

– kein Topcase. Wer darauf verzichten

kann, bekommt mit der Britin

einen famosen „Reisedragster“.

An dieser Stelle möchte ich mich bei

der letzten Testkandidatin, der

Victory Vision, erstmal entschuldigen!

Fand ich das „Raumschiff Enterprise“

von den Fotos her noch als

extrem hässlich, so hat sich dies in

den 3 Testtagen komplett gewandelt.

Das Design mit den Rundungen

ist konsequent durchdacht. Nicht jedem

gefällt es aber es polarisiert auf

jeden Fall. Kein Wunder, schließlich

gehört die Bike-Factory Victory auch

zum Polaris-Konzern. Und nach den

vielen Testkilometern auf allen Bikes

ist die Amerikanerin für mich die eindeutige

Testsiegerin:

Bequemer geht es nicht! Hier passt

einfach alles. Tolles Radio mit 4 Lautsprechern

– externem MP3-Anschluss

– mit geschwindigkeitsabhängiger

Laut-Leise-Abstufung –

großen Trittbrettern elektronisch

verstellbarer Scheibe – Bordcompu-

24 WHEELIES

ter mit allen wichtigen Funktionen –

großer Stauraum toller durchzugsstarker

V2-Motor grandioser Langstreckenkomfort

– prima funktionierende

Kombi-Bremse – blitzsaubere

Verarbeitung. Einzige Kritikpunkte:

fehlende Schaltwippe – kippeliges

Fahrverhalten bei langsamer Fahrt –

Spurrillen-Empfindlichkeit. Ein Bike,

nicht nur für Individualisten, denen

Luxus zum bezahlbaren Preis wichtig

ist. Eye-Catcher-Garantie lebenslang!

Heiner John

Um ganz ehrlich zu sein: als eingefleischter

Tiger-Fahrer habe ich mir

vom „Dickschiff“-Vergleich im Vorfeld

nicht viel erwartet. Schwer, unhandlich

und in engen Alpenpässen

schwer bis gar nicht fahrbar, waren

meine Vorurteile über diese 400 kg-

Kolosse. Findet sich unter Voyager,

Rocket und Vision das „Traumschiff“

für Beatrice, Dr. Schröder und

Kapitän Paulsen

Optisch sehr schön anzusehen ist

die Kawasaki Voyager. Mit großer

Scheibe, Trittbrettern mit Schaltwippe,

Koffern, Topcase, Radio und

Tempomat ist alles vorhanden, was

man in dieser Klasse erwartet. Die

Gestaltung der Instrumente lässt

60er-Jahre Fans ins Schwärmen geraten.

Leider geht das Retro-Design

auf Kosten der Lesbarkeit. Tacho-Beschriftungen

in 30er Schritten ist in

einem Land mit so vielen Kontrollen

wie Deutschland eindeutig zu wenig.

Der Voyager wird auch nachgesagt,

sie sähe der Harley Davidson Electra

Glide auffällig ähnlich. Schließlich

fehlt es dem Big-Twin eindeutig an

Dampf. Die gut 70 PS Kawasaki-PS

sind absolut ungenügend für ein 400

kg-Motorrad. Egal welche Drehzahl,

es kommt keine Leistung. Überholen

wie sonst beim Motorradfahren gewohnt,

ist an vielen Stellen unmöglich

bis gefährlich. Mit diesem

„Traumschiff“ kommt Kapitän Paulsen

glatt zwei Wochen zu spät in der

Karibik angetuckert!


Vergleich: Kawasaki VN 1700 Voyager, Victory Vision, Triumph

Rocket III Touring

Ganz anders überrascht einen da die

Triumph Rocket III Touring. Mit mehr

als ausreichend Dampf in allen erdenkbaren

Regionen, ist sie ein absolutes

Gute-Laune-Motorrad. Die

vollkommen ausreichenden fünf

Gänge braucht man eigentlich nur

beim Anfahren und Anhalten, da der

Drehmoment-Gigant bei jeder Geschwindigkeit

im größten Gang ruckelfrei

durchzieht. Da Schräglagenfreiheit

vorhanden ist, kann man die

Rocket auch zügig durch die Berge

wedeln – das macht Spaß! Vielleicht

tut man ihr ja unrecht, wenn man die

Rocket mit Voyager und Victory Vision

vergleicht. Aber wenn man den

Vergleich zieht, fehlen ihr die wichtigen

Ausstattungsmerkmale große

Scheibe, Radio, Tempomat und Topcase.

Dennoch ist die Rocket für

mich ein rundum gelungenes

Traumbike.

26 WHEELIES

Bei der Victory Vision zeigt sich,

dass man niemanden vorverurteilen

soll. „die sieht ja aus wie ein Ufo!“,

„wo kommt hier der Cappuccino

raus“ und „wofür sind die Staubsaugerschläuche,

kann man die

auch als Kehrmaschine einsetzen“

witzelten Robert, Torsten, Präsi und

ich beim ersten Anblick. Doch schon

auf der Autobahn lernten wir die

Vorzüge der „MS Vision“ lieben: Die

riesige Scheibe lässt sich während

der Fahrt elektrisch verstellen.

Wenn´s zu heiß wird, kann man einfach

mal runterfahren und kriegt somit

wieder mehr kühlen Fahrtwind

ab. Das Radio mit vier Lautsprechern

ist auch bei 130 ohne Jaulen

wie bei der Kawasaki noch gut verständlich.

Ausreichend Stauraum,

gut aufgeteilte und verständliche

Bedienelemente und schließlich die

Sitzheizung für Fahrer und Beifahrer

runden das gelungene Gesamtkunstwerk

ab. Ausreichend Leistung,

Schräglagenfreiheit und eine

überraschende Handlichkeit beim

Fahren machen die Vision sogar in

den Bergen zu einem richtigen

Spaßgerät. Ich hätte nie gedacht,

dass man ein Zweirad mit fast doppelt

so viel Gewicht wie meine Tiger

derart mühelos launig über Pässe

pendeln kann. Hut ab! Eine Schaltwippe

(statt Hebel) ist aus meiner

Sicht alles, was bei der Visionverbesserungsfähig

ist. Alle drei Testbikes

haben keinen Rückwärtsgang,

aufgrund des hohen Gewichts

würde man sich diesen besonders

bei Kawasaki Voyager und Victory

Vision wünschen. Bei Bikes von

rund 20.000 Euro würde ich gerne

noch etwas drauflegen, um nicht bei

jedem Rangiermanöver von Kopf bis

Fuß durchgeschwitzt zu sein.

Mein Fazit:

die gut durchdachte und umgesetzte

Ausstattung sowie ausreichende

Leistung und gute Fahrbarkeit machen

die Vision zu meinem Traumschiff,

auf dessen Brücke ich jederzeit

gerne wieder Kapitän Paulsen

bin.

Marc Noll

Keine Angst vor großen Tieren.

Wenn im Feld G des Kfz-Scheins 8

Zentner und mehr stehen ist das erst


Vergleich: Kawasaki VN 1700 Voyager, Victory Vision, Triumph

Rocket III Touring

28 WHEELIES

einmal Respekt einflössend, und das

in Zeiten in denen um jedes Gramm

Leergewicht gefeilscht wird. Insofern

bin ich zunächst etwas zurückhaltend

an die Sache heran gegangen.

Allein die Optik der drei Straßenkreuzer

spricht für sich. Da wirkt

die Rocket III gar nicht mehr so gewaltig,

wie ich sie bei der ersten

Testfahrt im Jahre 2004 in Erinnerung

hatte.

Die wuchtige Verkleidung der Voyager

erinnert an die glorreichen 70er

des Fahrzeugbaus. Das schöne klassische

Design wird konsequent

durchgezogen, allein die Instrumente

des Cockpits lassen die Herzen

der Klassik-Fans höher schlagen

– und so wie sie aussieht fährt sie

sich auch. Die kräftigen Vibrationen

des V2s bringen Leben ins Gefährt.

Das komplette Gegenteil ist die

Victory. Sie ist das Ende der Fahnenstange

beim Thema Luxustourer.

Die auffallend gute Verarbeitung, die

exotische Optik und die Tatsache,

dass die Ausstattung keine Wünsche

offen lässt, macht die Vision zum

Platzhirsch. Auch die Victory fährt

sich so wie sie aussieht – man gleitet

wie auf einer Sänfte über die Strassen.

Meine Frau war vom Soziussitz

kaum wieder runter zu kriegen. Die

Rocket III hingegen kann beim

Thema Ausstattung bei beiden nicht

mithalten. Der 2,3 Liter Motor entschädigt

aber mit seinem extremen

Drehmoment. Und bedingt durch

den 180er Hinterreifen (die Standart-

Rocket rollt auf einem 240er) wirkt

die Touring geradezu handlich. Sie

verfügt auch über die größte

Schräglagenfreiheit dieser Tourenflotte.

Das war letztendlich für mich

der Grund die Triumph zu meiner

persönlichen Tourenkönigin zu küren

– wenn die Entscheidung auch

schwer fiel.

Aber abschließend gilt: Keine Angst

vor großen Tieren. Diese Luxustourer

lassen sich viel besser fahren, als

es auf den ersten Blick aussieht.

Das Wheelies - Testteam bedankt

sich bei CPO in Neckartenzlingen

(www.cpo-bikes.de) für die Bereitstellung

der Victory Vision für diesen

Test.

Weitere Magazine dieses Users
Ähnliche Magazine